[SE/NO] Nordwärts. Grövelsjön, Glaskogen. Traum und Alptraum.

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  • agricolina
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    Montag, 26.8. - Grövelsjön Stjöstugan - Brücke Grøvelåa

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    Brücke über den Grövlan

    Was erlauben Rucksack!!! Zu schwer, viel zu klein, überall baumelt außen was. Kann ich gar nicht leiden. Dabei habe ich für 10 Tage Proviant und Brennstoff, rund 750 Gramm pro Tag. 17 kg ohne Wasser etwa. Coco trägt in Satteltaschen einen Teil ihres Futters und ihrer Ausrüstung, den Rest trage ich. Dazu die Bauchtasche für Karten, Handy, Kamera, 7-Zoll-Tablet, Powerbank, Kabelzeugs. Mir kommen Zweifel. 55+10 Liter (mein alter Gregory Maven) waren vielleicht doch etwas ambitioniert...? Und außerdem bin ich viel zu spät, es ist schon nach zwölf. Völlig wurscht, ich habe ja Urlaub! Dafür ist das Wetter ideal, nur ein paar dunkle Wolken ziehen schnell über die Berge. Windig ist es. Ich freue mich so!

    Der grobe Plan: Grövelsjön, über das Salsfjellet nach Sylen – Grøtådalen - Reva - Bustvålen – Rogenstugan – Tandsjövålen – Slagufjället – Hävlingen - Långfjället – Grövelsjön.

    Alles schön auf Wegen, na ja fast, und immer irgendwo ein Hütte in Reichweite.
    Aber nach Kartenstudium mit Kristin habe ich mir mehrere Optionen offen gelassen. Schließlich habe ich keine Ahnung, wie schnell ich tatsächlich vorwärts komme und wie das Gelände ist. Vor allem das Grotadalen und weiter über Oasen nach Reva ist für mich ein Unsicherheitsfaktor. Das Gelände soll weglos sein, obwohl auf meiner Karte eine gepunktete Stecke eingetragen ist. Das kann, sagen sie hier, anspruchsvoll sein – aber was heißt das?

    An Karten dabei: Outdoorkartan Blad 13 (wasserfest, 1:75000) und die Fjällkartan W51 (1:50000), letztere benutze ich dann aber kaum. Dazu auf dem Tablet via Komoot die ganze Region als offline-Karte. In der Kombination fühle ich mich am wohlsten, ich mag Papierkarten zur Orientierung, aber das kleine Tablet mit dem GPS hat sich öfter schon als sehr hilfreich erwiesen, wenn die Wegführung unklar ist und es mehrere Möglichkeiten gibt.

    Also los! Aber kaum habe ich den Rucksack aufgesetzt und die ersten Schritte vom Parkplatz aus Richtung See gemacht, geht mir mein Hund durch. Coco flitzt begeistert durchs Gebüsch, und als nächstes sehe ich ein Dutzend Rentiere keine 100 Meter von der Sjöstugan eher unentspannt davonstieben. Coco lässt sich zurückrufen, aber ich schrumpfe auf Daumengröße – hoffentlich hat das keiner gesehen und ich kriege keinen Ärger. Das schlechte Gewissen lässt mich gleich noch mehr unter dem Rucksack zusammensacken. Kristin hat erwähnt, dass hier auch schon mal ohne großes Fackeln auf frei laufende Hunde geschossen wird. Ufff! Damit habe ich unmittelbar hier an Parkplatz und Sjöstugan echt nicht gerechnet, aber jetzt bleibt der Hund erst mal an der Leine.

    Dann stehe ich an der Brücke über den Grövlan - und damit mitten in dem Bild, das ich seit einem halben Jahr als Hintergrund auf meinem Rechner habe. Irgendwer hat mich vom Schreibtisch in diese Szene gebeamt. Hat was. Ist aber schon schräg.

    Also ´rüber über die Brücke – und dann aufwärts. Den Weg bin ich vor zwei Tagen schon zum Kennenlernen hochgelaufen Richtung Sjohøgda, aber die anvisierte Besteigung habe ich auf halber Strecke, weglos verloren im Geröll und fast weggeblasen, abgebrochen.

    Der Rucksack fühlt sich gut an, nichts drückt, zwickt oder quietscht. Nur wackelt viel außen dran. Dafür krieche ich nur bergauf. Macht mir aber gar nichts. Ich habe mir fest vorgenommen, mich völlig frei zu machen von Kilometerzählerei und festen Zielvorgaben. Ich habe Urlaub, genug Puffertage und bleibe, wo es mir gefällt. Nichts müssen. Und wenn ich merke, hier ist es gar nichts für mich, drehe ich um. Das ist der eigentliche Plan: Irgendwohin, wo es schön ist. Zelt aufbauen, an der Ausrüstung freuen. Und einfach da sein.

    Das ist ein echtes Problem. Denn schon auf den ersten zwei Kilometern aufwärts sind die Versuchungen unverschämt. Das ist es traumhaft! Und da! Und dort noch besser – ein Zeltplatz schöner als der andere, sichtlich gut eingelegen, mit Wasseranschluss und Panoramablick...wer will denn da schon vorbeigehen?

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    Nicht doch hier bleiben?


    Das kann ja heiter werden. Ich fange Diskussionen mit mir an, dass das doch auch toll wäre, einfach jeden Tag mal ein, zwei Kilometer weiter – reicht doch auch?

    Nix da. Es geht über den Grenzzaun und rauf aufs Salsfjellet. Die Landschaft ändert sich. Es wird steinig. Windig. Wo kommen eigentlich all die Steine her? Steine, soweit das Auge reicht. Da oben bläst es mir ganz schön entgegen. Ich marschiere vor mich hin und grüble, wo man hier überhaupt ein Zelt aufbauen könnte, wenn man müsste.

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    Wo kommen die ganzen Steine her?


    An der Abzweigung Linnesweg/Richtung Svukuriset kommt mir ein Pärchen entgegen, die ersten Rucksackwanderer, die ich treffe! Wir wechseln ein paar englische Brocken, woher, wohin, ich rufe den Hund - „ach, du bist Deutsche!“ Na dann. Sie haben da irgendwo weit hinten in der Steinwüste unterhalb vom Forbogen das Zelt aufgebaut, keinen geschützten Platz gefunden. „War es nicht ziemlich windig?“ frage ich. Ja, ziemlich, bestätigt er, aber alles gar kein Problem. Sie verzieht das Gesicht, sagt nichts. Ah ja..

    Coco und ich suchen uns weiter den Weg durch die Steine. Nicht einfach, einen windgeschützten Platz für ein Päuschen zu finden, es wird dann eine kleine Bachsenke, wir schmeißen alles von uns.

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    Coco ist sichtlich froh, dass ich ihr die Taschen mal abnehme, und beginnt eine Wälzorgie. Herrlich ist es hier. Allmählich kommt im Osten tief unten wieder der Grövelsjön in Sicht, der Weitblick darüber hinweg ist fantastisch.

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    Grövelsjön, unten am Nordufer Sylen, im Hintergrund Grothogna

    Aber nach Sylen runter kommt die erste kleine Bewährungsprobe. Der Wald ist toll, aber das Gelände wird blockiger, steiler. Stöcke und Leine verheddern sich, die Leine bleibt hängen, der Hund muss warten und ist genervt, ich bin genervt, weil ich über Stöcke und Leine stolpere. Der Abstieg nimmt und nimmt kein Ende. Sind dann nicht mal 300 Höhenmeter, kommt mir vor wie das Dreifache. So ist das also hier.

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    Brücke über den Grøvelåa - alles von uns schmeißen...

    Endlich unten. Als ich die Brücke über den Grøvelåa passiere, will ich gleich danach direkt am Wasser alles fallen lassen – aber da lacht er mich aus einiger Entfernung unwiderstehlich an und ich strahle über alle Backen zurück: mein erster Lagerplatz, eine Wiese ein kleines Stück von der Brücke entfernt, ein bisschen Buschwerk, sogar mit kleiner Feuerstelle. Leider ist die Tabu, es herrscht Feuerverbot in ganz Schweden. Es ist gerade mal 17 Uhr durch, nur neun Kilometer habe ich zurückgelegt. In knapp 3 Stunden reiner Gehzeit. Unterwegs war ich knapp fünf Stunden, aber die Uhr ist gnadenlos und stoppt sofort, wenn ich stehenbleiben. Bescheiden. Aber in den Tagesnotizen steht: „Wurde Zeit. Merke jetzt die Anstrengung.“

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    Das da hinten links isser doch!

    Ein Pärchen ist gerade am zusammenpacken, sie haben Pause gemacht, wollen noch drei Stunden weiter. Wir wechseln ein paar englische Brocken, ich rufe Coco, „Ach, du bist Deutsche...!“ -...samesame. Sie kommen durch das Grøtådalen und überbringen mir schlechte Nachrichten von meinem geplanten Weiterweg. Von Reva bis Oasen haben sie zum Teil in einer Stunde gerade mal einen Kilometer geschafft, der Weg sei zum Teil nicht auffindbar, sie haben sich verlaufen, die Strecke sei sumpfig, voller Wasserlöcher, und es sei recht mühsam, vorwärtszukommen, die Schuhe nicht mehr trockenzubekommen. Auch den Weg durchs Grotadalen fanden sie rutschig, die Wegfindung nicht einfach.

    Ich komme ins Grübeln und berichte von meinen Bedenken – ich bin ja Frischling hier, habe den schweren Rucksack, den Hund an der Leine und bin nicht so sehr aufs Steigen über rutschige Blöcke aus...Wenn ich zu lange brauche bis zur Skebrodstugan, komme ich in das Regengebiet, das am Donnerstag ankommen soll. Das wollte ich eigentlich in einer Hütte abwettern. Aber zwischen Oasen und Reva soll es außer einer Jagdhütte keine Zeltmöglichkeit geben, und im Regen weglos im Sumpf unterwegs sein...? Hmmm...

    Wir verabschieden uns, ich baue meine Behausung auf. So lange habe ich auf diesen Moment gewartet. Nach dem Essen lümmele ich draußen auf meinem Chairkit herum. Beim Rucksackpacken hatte ich ihn noch in der Hand, 550g Mehrgewicht, ja oder nein? Bin ich happy, dass ich das Teil mitschleppe!

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    Coco ist völlig platt, will kaum was fressen und streckt alles von sich. Bisschen Massage, Pfotenpflege. Sieht gut aus. Ihre Satteltaschen sind noch gut gefüllt, und die Blockfelder waren auch für sie anstrengend. Große rote Ameisen treiben uns ins Zelt, um acht schon liege ich im Schlafsack. Es ist warm, bis auf das Rauschen des Bachs und ein paar Windböen umgibt uns Stille. Kein Mensch, kein Zivilisationsgeräusch. Wie hab ich mich danach gesehnt. Aus dem schwarzen Hundeknäuel, das warm an meine Beine drückt, kommt ab und zu ein tiefer Schnaufer. Ich bin so gerne in meinem Zelt da draußen. Endlich hier! Route? Mach ich morgen.

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    Da kommen wir her - Blick zurück aufs Salsfjellet

    Erkenntnis des Tages: 500 g Mehrgewicht sind gar nix gegen den ChairKit-Luxus!



    Dienstag, 27.8. Brücke Grøvelåa - Hävlingen

    Die erste Nacht gut verbracht. Aber der Entschluss steht fest: Ich muss endlich auf einen Quilt wechseln. Mein Schlafsack ist ja schon extra Seitenschläfer-eiförmig, aber ich muss nachts die Beine seitlich wegstrecken, sonst bin ich morgens gerädert. Fühle mich wie in einer Zwangsjacke, wenn der Schlafsack ganz zu ist. Das Zelt ist außen nass und bracht eine Weile zum Trocknen.

    Die Diskussion mit mir beim Frühstück über die Route endet schon am zweiten Tag mit der Schisser-Entscheidung, dass ich erstens Frischling bin und zweitens Respekt haben darf. Deshalb plane ich um, obwohl das bedeutet, dass ich leider die große Rogenumrundung und auch das Grøtådalen verpassen werde, von dem Andrea2 so geschwärmt hat. In zwei Tagen wäre das kritische Gebiet in meinem Tempo nicht zu schaffen, und ich will nicht stressen und nichts riskieren. Ein bisschen enttäuscht bin ich aber schon von mir.

    Also soll es über Hävlingen Richtung Rogen gehen, dann erreiche ich auf jeden Fall eine Hütte, in der ich notfalls den Regen aussitzen kann. Um 10.45h sind wir abmarschbereit. Für mich Murmeltier (Gruß an die Lerchen ) ganz passabel.


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  • Blahake
    antwortet
    Ich drücke ganz fest die Daumen, dass das bald klappt! Ich freu' mich doch schon so auf Deinen weiteren Bericht!

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  • agricolina
    antwortet
    ...nur die Info, dass es hier jetzt und gerade endlich weitergehen sollte, aber ich muss mir erst was überlegen, von meinem alten Macbook lässt sich nichts mehr hochladen in die neue Software

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  • evernorth
    antwortet
    AW: [SE/NO] Nordwärts. Grövelsjön, Glaskogen. Traum und Alptraum.

    Ein guter cliffhanger ist immer.....äh...gut!
    Ich habe auch nicht gleich mit dem Schlimmsten gerechnet...

    Davon abgesehen: Nicht nur die Aufregung vor dem ersten Mal, nein, überhaupt die Anlage der ganzen Geschichte lässt mich voller Erwartung von Anfang an mitfiebern.
    Gut geschrieben und herrliche Fotos....da bin ich gespannt.

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  • vobo
    antwortet
    AW: [SE/NO] Nordwärts. Grövelsjön, Glaskogen. Traum und Alptraum.

    Also ich fand den Einstieg total spannend - und irgendwo ganz hinten im Kopf habe ich gespürt dass es nicht ganz schlimm ausgegangen ist. Insofern weiter so, ich bin sehr gespannt auf Deine Erlebnisse.

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  • andrea2
    antwortet
    AW: [SE/NO] Nordwärts. Grövelsjön, Glaskogen. Traum und Alptraum.

    Vielen lieben Dank auch von mir für die Entwarnung.

    Jetzt freu ich mich uneingeschränkt auf deinen Bericht.

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  • oesine63
    antwortet
    AW: [SE/NO] Nordwärts. Grövelsjön, Glaskogen. Traum und Alptraum.

    Vielen Dank für die Entwarnung! Jetzt kann ich entspannt genießen

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  • Fjellfex
    antwortet
    AW: [SE/NO] Nordwärts. Grövelsjön, Glaskogen. Traum und Alptraum.

    Zitat von agricolina Beitrag anzeigen
    Ok, ich habe ein schlechtes Gewissen und bin sehr gerührt wegen der Nachfragen. Tut mir leid, das war als Cliffhanger vielleicht too much.
    Der Cliffhanger war echt ein bißchen krass...

    Schön, daß man sich jetzt ungetrübt der Vorfreude auf den -Bericht hingeben kann, der sich hier zusammenbraut.

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  • agricolina
    antwortet
    AW: [SE/NO] Nordwärts. Grövelsjön, Glaskogen. Traum und Alptraum.

    Zitat von andrea2 Beitrag anzeigen
    Hallo agricolina,

    zuerst einmal freue mich sehr, dass du nun mit deinem Bericht beginnst. Ich bin gespannt, inwieweit du dich von unserer Route hast inspirieren lassen.

    Doch, das gibt es, haben sie nur gut versteckt. Zum einen funktioniert es nicht in den Kabinen, man muss also mindestens hinaus auf den Gang. Wenn man dann das Gästewlan ankickt, kommen erst die ganzen Bezahloptionen, erst wenn man runterscrollt, kommt zuletzt eine kostenlose halbe Stunde.

    LG Andrea

    Und dir, liebe Andrea, noch mal einen ganz lieben Extradank für deine Hilfsbereitschaft, deine Geduld, meine unzähligen Fargen zu beantworten, und die vielen guten Tipps. Hat mir alles sehr geholfen. Ich komme bestimmt gelegentlich noch auf dich zu - das war ja erst der Anfang!

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  • agricolina
    antwortet
    AW: [SE/NO] Nordwärts. Grövelsjön, Glaskogen. Traum und Alptraum.

    Ok, ich habe ein schlechtes Gewissen und bin sehr gerührt wegen der Nachfragen. Tut mir leid, das war als Cliffhanger vielleicht too much. Aber weil der Urlaub schon sehr unter dem Schatten dieses Ereignisses stand, schien es mir dramaturgisch passend, daraus auch die Klammer zu machen.

    Und was wirklich genau so passiert ist: Am Abend bekam ich den Link, in der Nacht wurde Coco krank. Kompletter Gruselfilm. Aber dazu später.

    Hier erst einmal die Entwarnung: Coco schnauft im Moment friedlich zu meinen Füßen. Und dieses Selfie von uns habe ich im Glaskogen Reservat zwei Tage später gemacht.



    Sieht nicht so aus. Ist aber pures Glück, vermutlich beidseitig.

    Bald geht's weiter! Danke fürs mitlesen.

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  • agricolina
    antwortet
    AW: [SE/NO] Nordwärts. Grövelsjön, Glaskogen. Traum und Alptraum.

    Zitat von oesine63 Beitrag anzeigen
    Was für eine Einleitung! Einerseits verspüre ich riesige Freude über einen weiteren Bericht aus dem hohen Norden, andererseits gefriert mir das Blut in den Adern wenn ich das mit Coco lese. Ich finde deinen Schreibstil sehr ansprechend (die Fotos sowieso). Drücke euch die Daumen!
    Zitat von ks Beitrag anzeigen
    Sehr schöne Fotos und spannend geschrieben. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung und hoffe das beste für Coco.
    Zitat von Bergahorn Beitrag anzeigen
    Oh, es geht los, wie schön! Ich freue mich und bin gespannt auf eure Abenteuer, deine Schreibe und die tollen Bilder haben mich sofort im Geiste mit auf die Reise entführt! Müssen sich aber deine Leser wirklich bis zum letzten Berichtstag um Coco sorgen??? Bitte schreibe bald weiter!!!
    Zitat von Mika Hautamaeki Beitrag anzeigen
    Sehr spannender Stil. Und eine Gegend, die ich nie vergessen werde, da auch ich, dort meine erste Tour startete.
    Auch schön zu sehen, dass der alte Windschutz immer noch so aussieht wie 2001
    Vielen lieben Dank euch für die netten und anspornenden Rückmeldungen!

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  • Mika Hautamaeki
    antwortet
    AW: [SE/NO] Nordwärts. Grövelsjön, Glaskogen. Traum und Alptraum.

    Sehr spannender Stil. Und eine Gegend, die ich nie vergessen werde, da auch ich, dort meine erste Tour startete.
    Auch schön zu sehen, dass der alte Windschutz immer noch so ausssieht wie 2001

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  • Bergahorn
    antwortet
    AW: [SE/NO] Nordwärts. Grövelsjön, Glaskogen. Traum und Alptraum.

    Oh, es geht los, wie schön! Ich freue mich und bin gespannt auf eure Abenteuer, deine Schreibe und die tollen Bilder haben mich sofort im Geiste mit auf die Reise entführt! Müssen sich aber deine Leser wirklich bis zum letzten Berichtstag um Coco sorgen??? Bitte schreibe bald weiter!!!

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  • andrea2
    antwortet
    AW: [SE/NO] Nordwärts. Grövelsjön, Glaskogen. Traum und Alptraum.

    Hallo agricolina,

    zuerst einmal freue mich sehr, dass du nun mit deinem Bericht beginnst. Ich bin gespannt, inwieweit du dich von unserer Route hast inspirieren lassen.

    Ich muss mich meinen "Vorschreibern" anschließen, du hast einen unglaublich packenden Schreibstil, man ist sofort mit dabei in eurem Urlaub. Die Fotos runden das Gesamtpaket wunderbar ab.

    Aber bitte, bitte erlöse uns von der Ungewisseheit, wie geht es Coco? Es hat mich doch sehr geschockt, wie schlimm das Drama war, das du in einem Nebensatz in meinem Bericht vom letzten Jahr angesprochen hast.

    Zitat von agricolina Beitrag anzeigen
    Überraschung: Es gibt kein Handynetz und kein kostenfreies Wlan an Bord – da kann ich schon mal abschalten.
    Doch, das gibt es, haben sie nur gut versteckt. Zum einen funktioniert es nicht in den Kabinen, man muss also mindestens hinaus auf den Gang. Wenn man dann das Gästewlan ankickt, kommen erst die ganzen Bezahloptionen, erst wenn man runterscrollt, kommt zuletzt eine kostenlose halbe Stunde.

    LG Andrea
    Zuletzt geändert von andrea2; 01.07.2020, 17:50.

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  • ks
    antwortet
    AW: [SE/NO] Nordwärts. Grövelsjön, Glaskogen. Traum und Alptraum.

    Sehr schöne Fotos und spannend geschrieben. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung und hoffe das beste für Coco.

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  • oesine63
    antwortet
    AW: [SE/NO] Nordwärts. Grövelsjön, Glaskogen. Traum und Alptraum.

    Was für eine Einleitung! Einerseits verspüre ich riesige Freude über einen weiteren Bericht aus dem hohen Norden, andererseits gefriert mir das Blut in den Adern wenn ich das mit Coco lese. Ich finde deinen Schreibstil sehr ansprechend (die Fotos sowieso). Drücke euch die Daumen!

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  • [SE/NO] Nordwärts. Grövelsjön, Glaskogen. Traum und Alptraum.

    Nordwärts. Grövelsjön, Glaskogen. Traum und Alptraum.



    Reisezeitraum: 23. August - 16. September 2019


    Der Alptraum

    Die Threema-Nachricht ploppt auf. Hier im Glaskogen Reservat ist bester Empfang. „Lies das mal“, steht über dem Link, den mir ein Freund aus Deutschland schickt. „Tödliche Hundeseuche in Norwegen“ steht da. Es ist Mitte September. Ich bin 1600 Kilometer weg von Zuhause. Nördlich. Zum ersten Mal da oben. Fast. Im Dezember zuvor war ich ein paar Tage dienstlich in Oslo und bin der Stadt, ihrer Luft und ihrem Licht vom ersten Moment an verfallen. Die schneidende Kälte, die Sonnenuntergänge über dem Oslofjord mittags um drei, die Dunkelheit, der Straßengitarrist im Schnee am Hafen, beleuchtet von einem Kreis aus Teelichtern; Licht, Fackeln, Feuer überall.

    Und jetzt die Rückkehr für die erste Nordland-Tour: Schweden, Norwegen, Fjell, alles Neuland. Ich war unterwegs um Grövelsjön, habe auf dem Rückweg Zeit zum Vertrödeln und bin im traumhaften Glaskogen-Naturreservat gelandet. Es ist Saisonende, ich bin auf dem riesigen Areal an Wald und See fast ganz allein. Ich sitze am Feuer, vor mir Böschung und das dunkle Gewässer, hinter mir das WoMo, um mich herum tiefste Stille. Neben mir mein Hund. Coco. Dreieinhalb Jahre alt und mir so nah wie noch keiner unserer Hunde bislang. Ich öffne den Link und lese: „Dutzende Hunde in Norwegen an rätselhaftem tödlichem Brechdurchfall gestorben“. Meist nördlich von Oslo, in der Grenzregion zwischen Norwegen und Schweden. Genau da, wo ich gerade herkomme.

    Viel steht nicht in dem Bericht hinter dem Link. Aber er setzt das Kopfkino in Gang. Hab' ich nicht letzte Woche im Rogengebiet das Pärchen mit dem Hund getroffen, das mich gefragt hat, ob ich von der Hundeseuche gehört habe? Und dann war da doch...

    Ich erstarre. In Grövelsjön hatte ich Kristin kennengelernt, eine deutsche Fernwanderin, die mit ihren zwei Hunden auf ihrer Tour durch Norwegen an der Sjöstugan gestrandet ist, weil einer der Hunde verletzt war. Sie wollte den Winter über dort jobben und hatte mir Tipps für meine Tour gegeben. Aber als ich zurückkam, hatte sie nur noch einen Hund. Der andere, erinnere ich mich entsetzt, war vier Tage nach meinem Tourstart praktisch von einer Stunde auf die andere gestorben, Kristins Zimmer voll von blutigem Erbrochenen und Durchfall, als sie von der Arbeit zurückkam, der Hund nicht mehr zu retten.

    Ich hatte das schon fast wieder vergessen. Ein fieses Gefühl steigt in mir hoch. Meine Coco hatte Schnuffelkontakt zu Kristins Hunden. Ich fange fieberhaft an zu rechnen.Wie lange ist der Kontakt zu dem kranken Hund her, zwei Wochen? Wie lange könnte bei einer Ansteckung die Inkubationszeit sein? Mein Blick fällt auf Coco, die zufrieden vor mir am Feuer liegt. Alles ist gut.



    In der gleichen Nacht, morgens gegen halb vier, bekommt Coco im Wohnmobil grauenhaften Durchfall und fängt an, sich zu erbrechen.




    Der Anfang

    Ihr hier seid schuld. Gäbe es dieses Forum und diese Nordland-Reiseberichte und Fotos nicht, wäre ich nie auf die Idee gekommen, meinen jahrzehntelang gewohnten Urlaubshorizont um 180 Grad zu drehen und nach Norden neu auszurichten. Im Winter 2018 stand der Entschluss fest: Im August/September 2019 geht es erstmals für knapp vier Wochen in den Norden. Nur: Wohin? Weit werde ich nicht kommen. Die Anreise aus dem Südwesten Deutschlands ist selbst in den skandinavischen Süden lang. Mit Hund kommt weder Flug noch Bahnreise wirklich in Frage, denke ich. Bleibt das Wohnmobil. Das schränkt Ziele und Zeit ein. Ich fahre allein. Mehr als eine Woche für An- und Rückfahrt sollte auf keinen Fall draufgehen.

    Also den Radius abgesteckt und eine Region für eine Rucksacktour von etwa 10+2 Tagen gesucht, möglichst autark, aber auf einigermaßen markierten Wegen und mit ein wenig Hütten-Infrastruktur zumindest irgendwo in Reichweite – sicher ist sicher. In den Alpen fühle ich mich ordentlich gelände- und wetterfest, weiß, was ich tue und besser lasse. Aber schließlich habe ich keine Fjellerfahrung. Keine Ahnung, was da oben auf mich zukommt.

    Plan A war dann nach einigem Geschreibe mit Forumsmitgliedern bald klar: Grövelsjön/Rogen-Gebiet. Andreas Tour hier sollte mir als grobe Vorlage dienen. Als mögliche Wetter-Ausweichziele hatte ich mir Jotunheimen oder die Vidda ausgeguckt, ohne detailliert zu planen.


    Anreise und Ankunft

    Mittwochabend los, 4 Stunden Autobahn nach Norden, Nachtstopp zwischen Kassel und Hannover, am nächsten Tag über die Alptraum A1 zwischen Hamburg und Kiel gequält. Donnerstag Nachmittag pünktlich und mit reichlich Reserve am Stena Line Kai in Kiel aufgeschlagen.


    Stena Line Kai, Kiel. Ganz schöner Pott.


    Die Hundekabine war rechtzeitig gebucht, Check-In tiptop organisiert. Doch schon recht aufregend für Mensch und Hund, das alles.


    Hundekabine, mit Napf.


    Einziges Manko: ein erbärmlich stinkendes Hundedeck.


    Wenigstens Frischluft.

    Nicht einmal auf Zehenspitzen wollte Coco die für die Hundegeschäfte vorgesehene Matte betreten. Dann lieber verhalten. Überraschung: Es gibt kein Handynetz und kein kostenfreies Wlan an Bord – da kann ich schon mal abschalten. Am nächsten Morgen dann der erste Bilderbuch-Blick auf Schweden – die Einfahrt nach Göteborg.


    So sieht's da also aus.


    Ich nehme mit dem Auto Kurs über Oslo und Norwegen nach Norden Richtung Femunden und dann über die 221 über die Grenze nach Grövelsjön. Und hallo: Das ist ja schon was ganz anderes hier. Alles neu, alles anders. So kann man Autobahnparkplätze also auch gestalten – warum geht das bei uns nicht?


    Autobahnparkplatz zum ersten...


    ...und zum zweiten. Wer will da schon weiterfahren?

    Je weiter es nach Norden geht, desto weniger Autos und desto mehr Wasser und Wald sehe ich. Stundenlang der Straße nach. Schnurgeradeaus, und das mit nervtötendem Tempo 80. Bei uns fährt man knappe 100 bei Tempo 80, hier fahren sie höchstens 70... und mitten im Nichts sind Radarfallen und Videokameras.


    Immer geradeaus.

    Der Wald rundum sieht zum Teil ganz schön mitgenommen aus. Brände? Käfer? Trockenschäden? Die Straße ist eine einzige Welle. Ein ganz neues Fahrgefühl, bei uns wird fast alles horizontal begradigt. Hier nicht. Am Horizont Berge. Sonst nichts, und davon ganz viel. Was, wenn ich hier eine Reifenpanne habe? Es ist praktisch kein Verkehr.

    Irgendwann stehen Rentiere auf der Straße. Und neben der Straße. Springen vor mir über die Straße. Schlendern auf der Straße.


    Gegenverkehr.


    Echt jetzt?!

    Da ploppt jedes Klischee live auf. Ich bin ganz offensichtlich in einem anderen Film gelandet. Und lasse mir Zeit, übernachte noch mal am Femunden-Strand.


    Femunden.


    Manno!

    Soll ich nicht gleich hier bleiben? Warum hab ich kein Boot dabei? Das frage ich mich später noch öfter. Packraft, ich komme. Unfassbare Natur. Freitagmittag dann erreiche ich Grövelsjön, fahre die Straße von der Fjällstation abwärts zum Parkplatz an der Stjöstugan. Auf einmal bin ich da.


    Drüben Stjöstugan mit WoMo-Parkplatz.

    Die erste Hunderunde geht an den See, alles erkunden, erschnüffeln, erschauen.



    Ich höre: nichts. Auch deswegen bin ich hier. Stille, endlich. Ein Stück den Fluss entlang, zum Sandstrand am See.





    Und gleich der richtige Eindruck: Ich laufe zwar streng genommen auf einem Pfad am festen Ufer, aber eigentlich eine Handbreit tief im Wasser.



    Bei jedem Tritt quietschen die Schuhe. Das Wasser steht sogar am Hang. Das glaubt mir zuhause keiner. Wie geht das denn? Warum läuft es nicht ab? Gibt's hier keine Schwerkraft?

    Ich finde die alte Bootshütte, die ich von den Fotos in Andreas Bericht kenne, die Brücke, die ich als Hintergrund auf meinem Rechnerdisplay habe.





    Echt jetzt – ich bin hier? Mache ich das jetzt wirklich? Schon klar: Ich schreibe gerade genau das gleiche wie alle anderen Premierengänger...

    Mit Erik von der Sjöstugan kläre ich für zwei Tage einen der wenigen Stellplätze, bis ich zur Tour aufbreche. Mit Strom, Toiletten- und Duschenbenutzung. Danach soll das WoMo oben auf den großen Parkplatz kommen, so lange ich auf Tour bin. Zwei Tage will ich mich noch an das Gelände gewöhnen, mich orientieren, Karte und Echtbild in Einklang bringen, Wetter, Wind und Wolkenzug beobachten, Tagestouren machen, Rucksack packen.

    Nächste Premiere: An der Stugan gibt es dieses Nachmittagsangebot für einen Zehner: Våfflor mit Hjortronsylt und Sahne, dazu Kaffee, so viel man mag. Hier lerne ich Kristin kennen, die bis zum Frühjahr hier jobbt und die leckeren Waffeln backt. Dann will sie ihre Tour mit ihren beiden kleinen Hunden fortsetzen. Ein Volltreffer für mich. Sie kennt jeden Weg, jede Tour und das Gebiet, in das ich will. Wir verabreden uns für ihren Feierabend, um meine geplante Runde abzusprechen. Montag will ich aufbrechen. Die Zeit bis dahin verfliegt. Ich kann es kaum abwarten. Und dann steht da der gepackte Rucksack vor dem WoMo. Coco trägt einen Teil ihres Futters selbst. Es geht los.



    Aufbruch.
    Zuletzt geändert von agricolina; 24.01.2021, 21:15.
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