[GL] Grönland 2018 (2/2): Süden (Narsarsuaq, Aappilattoq, Tasiusaaq, Nanortalik)

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  • Shades
    Dauerbesucher
    • 21.08.2015
    • 528

    • Meine Reisen

    #21
    AW: [GL] Grönland 2018 (2/2): Süden (Narsarsuaq, Aappilattoq, Tasiusaaq, Nanorta

    "hat das ewige Grau und der viele Niederschlag doch sehr an meiner Stimmung und damit Motivation gezehrt. Ich weiß ja nicht genau, wie das manch andere machen, aber meine Laune sinkt eindeutig bei 12 von 15 Schlechtwettertagen, ewigen kalten Füßen, Händen und häufig nassen Sachen."

    Am Anfang hatte meine Tourbegleitung genau damit auch häufig Probleme (inkl. Hypothermie usw.). Aber mit zunehmender Schlechtwettererfahrung wurde das besser. Auch ich habe auf einer total verregneten Tour (wo uns 2x das Zelt quasi abgesoffen ist und man sehr oft nass und kalt war) noch hinzugelernt, wie man damit besser umgehen und sich noch effektiver durch kl. Maßnahmen vor Auskühlung schützen kann. Also nicht verzagen.

    ****

    Hat jemand einen Tip für mich, wie man hier am besten Flug und Bootstransfer kombiniert, so dass man wirklich in 2 Tagen beim Klosterdalen ist? Danke.

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    • Libertist
      Fuchs
      • 11.10.2008
      • 2061

      • Meine Reisen

      #22
      AW: [GL] Grönland 2018 (2/2): Süden (Narsarsuaq, Aappilattoq, Tasiusaaq, Nanorta

      Zitat von Tractrice Beitrag anzeigen
      Trotzdem war's für mich das erstmal mit Grönland (sag ich jetzt mal so).
      Das hast du nach Grönland 2017 auch schon gesagt.


      Zitat von qwertzui Beitrag anzeigen
      Regen prasseln hören, weiterschlafen, Sonne auf der Nase: raus! So mache ich das seit Jahren. Euch beiden alles Gute für die Zukunft und von dir gerne auch weniger spektakuläre Tourberichte.
      Danke sehr! Ja, wir probieren das mal ...


      Zitat von Shades Beitrag anzeigen
      Hat jemand einen Tip für mich, wie man hier am besten Flug und Bootstransfer kombiniert, so dass man wirklich in 2 Tagen beim Klosterdalen ist? Danke.
      1) Zuerst musst du mit Air Greenland oder Air Iceland Connect nach Narsarsuaq kommen.
      2) Dann mit Disko Line (Boot oder Helikopter) weiter nach Nanortalik.
      3) Am besten wendest du dich an Niels von Nanortlik Tourism für den Transfer nach Klosterdalen.

      Schritt 1 und 2 sind ganz leicht im Internet recherchierbar, da musst du nur eine passende Kombination finden. Schritt 3 ist flexibel - wenn du deine Pläne frühzeitig kommunizierst, kannst du dir deinen Wunschtermin für den Transfer aussuchen.
      Regelmäßige Updates auf Facebook: Outventurous || Galerie und Weltkarte gibt's auf der Outventurous Webseite.

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      • Mortias
        Dauerbesucher
        • 10.06.2004
        • 965

        • Meine Reisen

        #23
        AW: [GL] Grönland 2018 (2/2): Süden (Narsarsuaq, Aappilattoq, Tasiusaaq, Nanorta

        So, wie bereits von Gabriel angekündigt, wollte ich ja auch noch einen kurzen Bericht zu meinem kleinen Abstecher über diesen einen Pass beisteuern. Für mich ist es ja jetzt ein Novum keinen kompletten Reisebericht zu schreiben, sondern nur einen kurzen Abschnitt. Aus Gewohnheit werde ich diesen aber in meinem üblichen Format verfassen. Sprich ich tue jetzt einfach mal so als hätte ich einen kompletten Reisebericht geschrieben, aber aus unerfindlichen Gründen nur drei Reisetage daraus hier im Forum geteilt.


        Tag 3 (06.09.)
        Nachdem wir gestern unsere erste richtige Wanderetappe hingelegt hatten (den Tag davor haben wir ja in der Holzhütte verbracht) wurden wir nun von einem bewölkten Himmel begrüßt. Es war aber trocken und die Wolken hingen recht hoch, so dass die Bergspitzen fast alle noch sichtbar waren. Der Aufbruch heute war dann aber doch noch etwas ungewohnt für mich. Bei meinen Solotouren war ich es ja gewohnt mir bei Bedarf morgens einfach mal ein bisschen mehr Zeit zu lassen. Nun, als Gruppe galt es sich an gewisse Abmachungen zu halten. Sprich, wenn beschlossen wird zu einer bestimmten Zeit loszumarschieren, dann hat man dann auch bereit zu sein. Für einen faulen Morgenmuffel wie mich eine weniger schöne Situation, zumal die anderen wirklich flott im Zusammenpacken waren und das kühle Wetter einen nicht gerade zum Verlassen des Schlafsacks animiert hat.


        So, los geht's.

        Um Punkt 9 Uhr waren wir dann abmarschbereit. Es galt jetzt für ca. 6 km das Itillersuaq Tal zum Tasermiut Fjord herabzumarschieren. Laut Karte gerade mal ca. 180 Höhenmeter. Er versprach also eine leichte Herausforderung zu werden. Und von den Wanderbedingungen war es dies am Anfang auch. Einzelne Dickicht Abschnitte ließen sich über gangbaren Sumpf umlaufen, so dass wir recht ordentlich vorankamen. Je tiefer wir dann aber ins Tal hinabstiegen, desto schwerer wurde es. Ganze Strauchwälder, durchsetzt mit Zwergbirken, versperrten uns den Weg. Das war ein ziemlich ordentliches Bushwhacking da hindurch zu kommen. Interessant war allerdings, dass die Vegetation noch gar nicht mitbekommen hat, dass wir schon September hatten. Größtenteils war es noch so grün wie im Sommer.



        Guter ebener Untergrund. Leider blieb es nicht dabei.


        Bachfurten waren an der Tagesordnung.


        Oh schon wieder einer


        Sehr vorbildliches Furten die Herren


        Gabriel beim Bushwhacking

        Gegen kurz nach 12 erreichten wir dann endlich wieder eine größere freie Fläche und konnten den ersten richtigen Blick auf den Tasermiut Fjord werfen. Das sah schon mega beeindruckend aus, wie dieser jetzt still vor uns lag und sich im Hintergrund die bis zu 1700 m hohen schroffen und vergletscherten Berggipfel in den Himmel schälten. Genauso solche Anblicke habe ich mir von Grönland erhofft. Das war die Plackerei jetzt definitiv wert gewesen.


        Blick auf den Tasermiut Fjord


        Sah schon recht beeindruckend aus.


        Sermitsiaq Gletscher. Auf der 20 Jahre alten Wanderkarte reichte der eingezeichnete Gletscher noch bis ans Ufer herunter.

        Etwa eine halbe Stunde später erreichten wir dann das Fjordufer. Hier gönnten wir uns erstmal gemütlich eine Mittagspause. Er war angenehm mild und windstill. So ließ es sich aushalten. Außerdem machten wir im Anschluss unsere Packrafts fertig. Für mich stand jetzt allerdings eine wichtige Entscheidung an. Ich hatte im Voraus der Tour bereits mit der Idee geliebäugelt über den Pass beim Tininnertuup zu laufen. Landschaftlich versprach ich mir einiges von der Variante und auf meiner Wanderkarte war es als (schwarze) Wanderroute eingezeichnet. Zwar steil, aber prinzipiell machbar war mein Urteil. Von den anderen aus der Gruppe konnte ich jetzt aber niemanden dafür begeistern. Der allgemeine Plan bestand vielmehr darin mit dem Boot den Fjord runter zu paddeln und dann am Eingang zum Klosterdalen die Zelte aufzustellen. Sprich wenn, dann müsste ich den Pass alleine machen.


        Nochmal ein bisschen Dickicht bevor wir den Fjord erreichten.


        Mittagspause


        Wie man sieht waren wir nicht alleine hier.

        Wenn ich jetzt die ganze Tour alleine gemacht hätte, hätte ich wohl gar nicht lange darüber überlegt. Aber so als Teil einer größeren Gruppe war es dann doch was anderes. Grundsätzlich waren die anderen zwar bereit am Klosterdalen auf mich zu warten und in den kommenden zwei Tagen die Landschaft um den Ketil und den Ulamertorsuaq zu erkunden. Nur was wäre, wenn ich unterwegs verunglücken würde? Ich hatte zwar meinen SPOT dabei und könnte ein Notsignal rausschicken, nur bekommen die anderen ja gar nicht mit. Mein Vorschlag war daher, dass, sollte ich nicht rechtzeitig am vereinbarten Treffpunkt erscheinen, sie einfach weitergehen und nicht nach mir suchen sollen. Nur wären sie dann auch dazu in der Lage? Natürlich würde es wenig Sinn machen die Gegend nach mir abzusuchen. Nur persönlich wüsste ich auch nicht ob ich s einfach sorglos weiterwandern und die Tour genießen könnte, wenn ich Anlass zur Befürchtung habe, dass ein Reiseteilnehmer eventuell verunglückt sein könnte.

        Ich merkte also, dass ich durch meine Extrawurst der Gruppe nicht gerade einen Gefallen tun würde. Das war schon eine komplett neue Erfahrung für mich. Nach langen hin und her und Gesprächen mit den anderen habe ich mich aber dennoch dafür entschieden meinem Ehrgeiz zu folgen und den Pass anzugehen. Schließlich habe ich sowas ja nicht zum ersten Mal gemacht und meinte es von daher ganz gut einschätzen zu können.

        So setzten wir nun also unsere Boote zu Wasser und trennten uns voneinander. Während die anderen in Richtung Süden paddelten und zunehmend aus meinem Sichtfeld verschwanden, musste ich nur das gegenüberliegende Ufer erreichen. Die ca. 2 km habe ich dann in etwa 45 Minuten hinter mich gebracht. Der Fjord war spiegelglatt und ich ließ mir Zeit um vom Wasser aus diese überaus beeindruckende Landschaft zu bestaunen. Wie gut, dass ich keinen Zeitdruck hatte.


        Schiff ahoi


        Und tschüss....


        Sermeq Gletscher. Auch dieser war auf meiner Karte noch deutlich mächtiger eingezeichnet.

        Am anderen Ufer gönnte ich mir dann erstmal eine entspannte Pause und freute mich auf den vor mir liegenden Abschnitt. Es fühlte sich irgendwie natürlich an wieder alleine und komplett eigenverantwortlich unterwegs zu sein. So bin ich es ja von meinen früheren Touren stets gewohnt gewesen.


        Am anderen Ufer angekommen


        Jetzt erstmal ne kleine Trinkpause

        Nachdem dann ein paar vereinzelte Regentropfen runterkamen, entschloss ich mich die Pause zu beenden und mich wieder der Arbeit zu widmen. Vor mir lag jetzt ein Aufstieg von insgesamt 1000 Höhenmetern bis zur Passhöhe. Natürlich wollte ich das jetzt nicht schon alles heute schon bewerkstelligen. Aber so 300 bis 400 Höhenmeter wollte ich schon noch ganz gerne aufstiegen. Die ersten 200 Höhenmeter waren jetzt aber erstmal leider ein recht steiler Hang der zu allem Unglück auch noch mit sehr dichtem Gestrüpp bewachsen war. Mit einem 35 kg schweren Rucksack sich da dann hochkämpfen war alles andere als angenehm. Eine überaus schweißtreibende und mühselige Angelegenheit war das, für die ich fast eine Stunde gebraucht habe. Spaßig ist was anderes.


        Ein wirklich widerlicher Aufstieg erwartete mich.


        Mühsam sich durch das ganze Gestrüpp bergauf zu wursteln.

        Weiter oben waren die Bedingungen dann aber zum Glück wieder etwas leichter. Der weitere Anstieg verlief nun weniger steil, aber auch hier gab es immer noch viel Gestrüpp und unebene Abschnitte. Sprich auch jetzt war es nicht das super leichte und entspannte Wandern, was ich mir erhofft hatte. Dies bedeutete natürlich auch, dass ich vom Tempo her deutlich langsamer vorangekommen bin als geplant.


        Blick ins Tal hinauf nachdem ich den ersten Anstieg geschafft hatte.


        Wie man sehen kann war aber auch hier die Landschaft nicht ganz frei von Gestrüpp. Schade eigentlich, so ne ebene Tundra-Wiese wäre jetzt was feines gewesen.

        Gegen 18 Uhr hatte ich dann genug. Der erste steile Abschnitt hat mich echt fertig gemacht und ich wollte heute nur noch Feierabend machen. Da war es mir auch egal, dass ich noch nicht so weit gekommen bin wie ursprünglich geplant (weitere ein bis zwei Kilometer zusätzlich wären schon schön gewesen). Aber das würde ich dann morgen schon locker wieder gut machen können. Meine Routenplanung war zum Glück eh recht konservativ gehalten, so dass ich keinerlei Grund zur Sorge hatte, es nicht rechtzeitig zum vereinbarten Treffpunkt zu schaffen.


        Schluss für heute. Sonderlich spektakulär war es dank der Wolken jetzt nicht. Aber immerhin gab es Wasser. Das reichte mir.

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        • Mortias
          Dauerbesucher
          • 10.06.2004
          • 965

          • Meine Reisen

          #24
          AW: [GL] Grönland 2018 (2/2): Süden (Narsarsuaq, Aappilattoq, Tasiusaaq, Nanorta

          Tag 4 (07.09.)
          Frühnebel umgab der mein Zelt, der sich mit der Zeit langsam lichtete. Hin und wieder erspähte ich auch die Sonne zwischen den ganzen Wolken. Ob es wohl ein schöner Tag werden würde? Wäre natürlich cool bei dem was ich heute vorhatte. Der Tininnertuup würde bestimmt recht spektakulär bei Sonnenschein und klarem Himmel aussehen. Blöd nur, dass die Wolken nicht wirklich weggingen, sondern im Gegenteil wieder mehr wurden. Da ließ ich mir doch mit dem Aufbruch Zeit und blieb lieber etwas länger im gemütlich warmen Schlafsack liegen. Ich konnte es mir ja erlauben, jetzt, da ich wieder alleine war. Außerdem wäre die heutige Etappe eh nur etwa 8,5 km lang. Das sollte trotz der 700 Höhenmeter in einer vernünftigen Zeit machbar sein. Dachte ich zumindest. Aber bisher bin ich ja auch noch über keine Pässe in Grönland gelaufen.


          Bewölkter Morgen

          Um Viertel vor 11 brach ich dann auf. Erstmal ging es mit recht moderater Steigung das Tal weiter hinauf. Immer noch gab es dabei viel Gestrüpp, welches durch den Morgennebel noch vollgesogen war vom Kondenswasser. So dauert es auch nicht lange bis meine Hose bis zu den Knien klitschnass war. Hätte ich doch nur die Regenhose angezogen. Blöd.


          Nicht überall war die Bodenbeschaffenheit so gut wie hier.

          Nach etwa 2 km machte es Tal eine Biegung nach Süden und wurde auch etwas steiler. Ich freute mich darüber endlich das ganze nervige Gestrüpp hinter mir lassen zu können. Der erste Abschnitt durch das ganze nasse Gestrüpp hat doch mehr geschlaucht als gedacht. Jetzt sollten mich nur noch ein bisschen Geröll und paar Höhenmeter erwarten. Frohen Mutes ging ich es also an und bemerkte, dass es zunehmend mehr und mehr Steine wurden und diese auch eine beträchtliche Größe hatten. Irgendwann stellte ich fest, dass ich eigentlich nur noch über ein einziges riesiges Blockfeld marschierte und in der Regel von einem meterhohen Stein zum nächsten balancieren musste. Sowas kostet natürlich Kraft und Konzentration.


          Es geht weiter bergauf. Ganz hinten lässt sich sogar schon die Passhöhe erkennen. Allerdings hat der Anblick dann noch nicht viel verraten von dem was kommt.

          Als ich dann einen kleinen namenlosen See auf ca. 480 Metern erreichte, konnte ich einen ersten richtigen Blick auf die Passhöhe und den noch vor mir liegenden Anstieg werfen. Geröll und Schneefelder würden den weiteren Abschnitt bestimmen. Besserung war nicht in Sicht. Aber dafür verschwand dann die Passhöhe in den Wolken. Erschöpft machte ich am See jetzt erstmal Mittagspause und stärkte mich. Es war nun schon halb eins und ich war jetzt schon durch das viele Gestrüpp und Geröll ziemlich geschafft. Dabei lag der Hauptanstieg immer noch vor mir. Das konnte ja mal was werden...


          Steinige Aussichten


          Ich sag mal uff.

          Nach der Mittagspause wurde es dann zumindest etwas angenehmer nachdem ich einen Moränenrücken erreichte. Hier war das Geröll deutlich kleiner, so dass ich relativ normal hochwandern konnte und nicht aufpassen musste einen Fehltritt zu vermeiden. Der Blick auf den größeren Gletschersee unter mir und der dahinter liegenden Steilwand war zudem schon recht beeindruckend. Etwas frustrierend war nur die Tatsache, dass ich gestern, als ich noch unten am Fjord war, mit dem Gedanken gespielt habe bereits bis zu diesem See zu laufen und dort dann zu campieren. Ich war somit etwa 3 Stunden hinter dem Zeitplan zurück. Das Fortkommen erwies sich insgesamt doch als deutlich zäher als gedacht.


          Aufstieg am Moränenrücken


          Blick zurück zu dem See. Da hätte ich eh sehr schwer ein Zeltplatz gefunden.

          Erleichterung versprach ich mir, als ich den Ausläufer eines Schneefeldes erreichte. Der Schnee war zwar schon recht fest und etwas eisig. Aber dafür hatte ich einen ebenen Untergrund. Kein Geröll mehr. Was für eine Wohltat. Jetzt konnte ich endlich mal ein paar Höhenmeter gut machen und meinen Aufstieg beschleunigen. Aber anstrengend ist sowas natürlich auch. Außerdem kam ich nun auch in die Wolken rein, so dass von der Landschaft nichts mehr zu sehen war. Ungemütlich kühl war es außerdem. Und nun wurde es auch noch zunehmend steiler, so dass ich immer sehr kraftaufwendend in den Schnee treten musste um nicht wegzurutschen. Das wurde mir irgendwann zu blöd, zumal ich auch Sorge hatte wegzurutschen. Dann also doch lieber wieder über Steine laufen.


          Kurze Pause


          Und ab geht's in die Wolken.


          Keuch keuch, schnauf schnauf...

          Teils mit Hilfe meiner Hände mogelte ich mich nun weiter nach oben. Frust und Genervtheit haben mir dabei die nötige Energie gegeben. Es war nur noch eine „Scheiß drauf, Hauptsache hoch“ Einstellung die mich antrieb. Mit Spaß hatte das nichts mehr zu tun. Gegen 16 Uhr erreichte ich dann eine Kante. Das sah gut aus. Die Passhöhe müsste doch jetzt geschafft sein. Oder? Da sah ich dann doch tatsächlich hinten in den Wolken wie es immer noch weiter hochging. Das war nun wirklich ernüchternd. Mittlerweile war ich schon ziemlich ausgepowert und meine Schuhe waren vom vielen Laufen durch den Schnee feucht und kalt. Und hier oben war es alles andere als gemütlich. Sprich ich hatte die Schnauze voll. Aber nützte ja nichts, ich musste weiter.


          Irgendwo dahinten versteckte sich die Passhöhe.

          Immerhin waren es nur noch knappe 100 Höhenmeter und ich konnte über Schnee laufen. Hier oben war es aber kein reiner Altschnee mehr, sondern es gab noch eine ca. 10 cm tiefe Schicht Neuschnee, wo ich dann bei jedem Schritt einsank. Und je näher ich der Passhöhe kam, desto steiler wurde es. Die letzten paar Meter waren dann nochmal richtig gefährlich. Mehrmals musste ich die Hände zu Hilfe nehmen um nicht wegzurutschen und um mich weiter hochzuwuchten. Und mehrmals brachen dabei einzelne Steine aus der Wand, die mir fast auf die Füße flogen und mich aus dem Gleichgewicht zu bringen drohten. Wirklich nicht komisch das Ganze.


          Nochmal ne Pause. Hier oben lag ziemlich viel Neuschnee der nicht gerade dazu beitrug die Füße zu trocknen.

          Dann aber hatte ich es endlich geschafft. Diesmal war ich wirklich oben auf der Passhöhe (auf etwa 1000 Höhenmetern). Wirkliche Euphorie wollte aber nicht aufkommen. Dafür war es hier viel zu ungemütlich und gesehen habe ich eh kaum etwas. Außerdem war nun schon halb 5. Eigentlich viel zu spät um noch hier oben zu stehen. Und kräftemäßig merkte ich wie ich langsam mein Limit erreicht hatte. Zu allem Verdruss erkannte ich, dass der Südhang ebenfalls recht steil abfiel und ein einziges Blockfeld mit ordentlichen Brocken war. Auf dem ersten Blick nicht machbar. Ich fragte mich echt, wer sich bitteschön das hier als Wanderroute überlegt hat? Nach etwas Herumgesuche erkannte ich dann, dass etwas weiter links der Abstieg wohl halbwegs machbar war. Aber trotzdem, das würde nochmal enorme Konzentration und Anstrengung erfordern. Aber Umkehren war keine Option. Zum einen weil ich dann nicht mehr rechtzeitig am Treffpunkt sein würde aber vor allem wollte ich nicht diesen letzten steilen Abschnitt noch einmal laufen. Bergab wäre das dann auch noch gefährlicher gewesen.


          Endlich oben. Von der rechten Seite bin ich gekommen, links sollte es dann wieder runtergehen.


          Viel zu sehen gab es nicht hier oben.


          Diese schroffen Felswände sahen aber trotzdem recht beeindruckend aus.

          Also blieb mir nichts anderes übrig als in den sauren Apfel zu beißen und den Abstieg zu wagen. Hier am Südhang war das Geröll dabei außerdem noch teilweise mit Flechten bewachsen, die bei der feuchten Witterung natürlich gleich noch die Gefahr erhöhten auf den Steinen auszurutschen. Hinzu kam, dass ich keine wirkliche Route vor mir hatte, sondern mich Stück für Stück vortasten musste. Mehrmals durfte ich dabei feststellen, dass es nicht mehr weiter ging und ich wieder umdrehen musste. Zunehmend merkte ich jetzt, wie das Ganze immer mehr an meine Reserven ging. Aber einen Fehler durfte ich mir hier nicht erlauben. Jede kleine Unaufmerksamkeit könnte hier sehr ungünstige Konsequenzen nach sich ziehen. Aber schon faszinierend, was der Körper in solchen Situationen dann doch noch an Energiereserven bereitstellt, so dass man nicht die Konzentration verliert und panisch wird. Psychologisch geholfen hat mir dabei sicherlich auch die Tatsache, dass dies hier eine auf einer Karte vorgeschlagene Wanderroute war und somit auch schon vor mir Leute diesen Pass heil überquert haben.


          Widerliche Blockfelder


          Regelmäßige Pausen waren hier notwendig.

          Irgendwann erreichte ich dann eine Rinne in der das Geröll deutlich kleiner war. Hier rutsche ich zwar ein paarmal auf dem losen Geröll aus und setzte mich unfreiwillig auf den Hosenboden, aber das war bestenfalls lästig aber nicht weiter gefährlich. Und dann lichtete sich auch endlich mal die Wolkendecke, so dass ich das Tiningnortooq Tal unter mit erblicken konnte. Erfreut stellte ich fest, dass ich in dieser Rinne recht problemlos runter kommen würde. Ein Gefühl von großer Erleichterung machte sich breit. Nun wusste ich, dass ich es geschafft hatte und außer Gefahr war. Den letzten Rest würde ich dann auch noch hinbekommen. Lustigerweise bin ich dann beim weiteren Abstieg noch mehrmals ausgerutscht und umgeknickt. Aber verständlich, die Energie war weg und nun war der notwendige Zwang zur Konzentration nicht mehr gegeben.


          Die besagte Rinne. Ab hier wurde es leichter.


          Endlich lichteten sich die Wolken und gaben den Blick auf Tiningnortooq Tal frei.


          Die Gletscherhöhle da unten hätte ich gerne noch ausgekundschaftet. Aber dafür fehlte mich schlicht und einfach die Zeit.

          Halbwegs sichereren Schrittes und unverletzt erreichte ich dann endlich die Talsohle. Auch hier lag noch überall Geröll rum. Aber in moderater Größe. Das konnte ich jetzt auch nicht weiter schocken. Ein kleines Stückchen lief ich dann noch weiter, bis ich gegen halb 8 einen brauchbaren Zeltplatz fand. Endlich war Schluss für heute. Finito, aus, vorbei. Als ich um 20 Uhr dann mein Abendbrot zubereitete wurde es bereits dunkel. Wie gut, dass ich jetzt nicht mehr oben am Pass war und ich mich dann gleich gemütlich in den Schlafsack legen konnte. Neben Müdigkeit und Erschöpfung verspürte ich jetzt nur noch Dankbarkeit und Erleichterung darüber es heil hinunter geschafft zu haben.


          Endlich fertig


          Es wurde zwar schon dunkel, aber immerhin war es noch mild genug um außerhalb des Zeltes zu kochen. Im weiteren Tourverlauf war dies oftmals nicht mehr der Fall.

          Ich denke mal in der Summe war dieser Pass so ziemlich das Schwerste, Anstrengendste und Gefährlichste was ich jemals gemacht habe. Hätte ich im Voraus gewusst was mich erwarten würde, wäre ich den Pass niemals gelaufen. Von daher kann ich diese Route auch keinem anderen weiterempfehlen. Gerade mit Nebel und Schnee ist das in meinen Augen eine wirklich saugefährliche Angelegenheit. Bei guter Sicht und trockenen Bedingungen mag es wohl etwas leichter sein, aber dazu kann ich mangels Erfahrung nichts sagen. Außerdem fände ich es zu riskant eine Route zu wählen wo ich im hohen Maße vom richtigen Wetter abhinge und dann und auch keinerlei Plan B hätte.

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          • Mortias
            Dauerbesucher
            • 10.06.2004
            • 965

            • Meine Reisen

            #25
            AW: [GL] Grönland 2018 (2/2): Süden (Narsarsuaq, Aappilattoq, Tasiusaaq, Nanorta

            Tag 5 (08.09.)
            Nach dem gestrigen Tag stand mir heute erstmal der Sinn nach ordentlicher Entspannung. Ich fand es nur gerechtfertigt heute gemütlich auszuschlafen und mich nicht abhetzen zu müssen. Das habe ich echt gebraucht. Wandertechnisch sollte es auch nicht allzu herausfordernd werden. Ich muss nur noch das Tiningnortooq Tal hinablaufen und mich dann am Fjord Richtung Süden zum Klosterdalen halten. Insgesamt vielleicht gerade mal 10 km und das ohne viel Höhenmeter. Kein Vergleich zu gestern. So war es jetzt auch kein Problem, dass ich mich erst gegen halb 12 auf den Weg machte.


            Aufbruch um halb 12


            Beeindruckender Gletscher

            Ein wenig Geröll gab es hier oben im Tal aber schon. Nicht weiter kritisch, aber halt etwas anstrengend. Später wurde es dann merklich grüner. Die Hänge waren von dichten Zwergbirken und Gestrüpp bewachsen. Hier erschien mir der Name Grönland (=Grünland) schon irgendwie nachvollziehbar. Ich wusste zwar, dass es hier im Süden vereinzelt grüne Täler mit Strauch- und Birkenwäldern gab, aber die Menge an Vegetation hat mich nun doch ein wenig überrascht. So schön das aber auch anzuschauen war, brachte es doch den entscheidenden Nachteil, dass ich mich nun durch das ganze Dickicht kämpfen durfte.


            Steinige Landschaft. Aber weiter hinten wurde es schon grüner.


            Wie soviele andere Bäche in Grönland, so hatte auch der Hauptstrom im Tiningnortooq Tal keine offiziellen Namen.


            Blick zurück zum Gletscher


            Dickicht voraus

            Zum Glück gab es aber am Südufer des Flusses teilweise offene Flächen und ein breites Kiesufer, so dass mir ein bisschen Bushwhacking erspart wurde. In der Mittagspause kam dann sogar zwischenzeitlich die Sonne heraus. Jetzt konnte ich mich mal ganz entspannt auf einen großen Stein setzen und einfach mal alle viere von mir strecken und die Natur genießen. Meine bisherigen Pausen waren ja nur so mäßig entspannt. Und eine Erfahrung bei größeren Gruppen war natürlich auch, dass man bei den Pausenzeiten auch von den anderen abhängt und es nicht endlos in die Länge ziehen kann. Nun aber hielt mich keiner auf es gemütlich angehen zu lassen. Das musste auch mal sein.


            Bei solchen Bedingungen macht das Wandern doch gleich viel mehr Spaß.


            Blick nach Westen. Sah schon ganz schick aus mit der Vegetation, den steilen Berghängen und dem fetten Gletscher im Hintergrund.


            Mhhh lecker, das schmeckt.

            Leider nur stellte ich beim Blick auf die Karte fest, dass ich noch gar nicht so weit gekommen bin wie eigentlich erhofft. Das kam mir doch irgendwie bekannt vor. Gut, ich hatte es bisher schon recht bequem angehen lassen. Aber irgendwie dachte ich trotzdem, dass ich schneller vorankommen würde. Und vor mir lag noch so einiges an Busch-und Sumpfflächen. Ein bisschen nervig war das Ganze jetzt schon. Aber eben nur nervig und nicht gefährlich. Also alles in allem halb so schlimm.


            Da ich von den Dickicht Abschnitten wenig Fotos gemacht habe hier nochmal ein Bild wo ich sehr angenehm an Kiesufer entlang laufen konnte.


            Die Küste nähert sind...

            Gegen 16 Uhr erblickte ich dann wieder den Tasermiut Fjord. Jetzt stand ich hier am Strand, hörte die Brandung plätschern und hatte Seetang an meinen Füßen. Im Norden erblickte ich wieder den Sermeq Gletscher, dessen Gletscherzunge über ca. 1000 Höhenmeter direkt vom Inlandeis zum Wasser abfällt. Ein beeindruckender Anblick, aber irgendwie fühlte sich das alles auch etwas surreal an. Vermutlich weil ich Strandlandschaften ansonsten meist nur aus Norddeutschland kenne und dort schroffe Berggipfel und Gletscherzungen etwas seltener sind. Natürlich ließ ich es mir jetzt nicht nehmen einfach den Strand entlang zu laufen. Der Boden war zwar etwas weich (Sand halt), aber allemal besser als mich weiter oben am Hang durchs Dickicht zu kämpfen. Außerdem ist so ein Strandspaziergang doch immer eine nette Abwechslung.


            Zurück am Tasermiut Fjord


            Strandspaziergang mit Blick nach Norden

            Leider wurde die Küste später dann etwas steiler, so dass mein Strandspaziergang sein unfreiwilliges Ende fand und ich weiter oben mit dem Dickicht vorlieb nehmen musste. Auf einer offenen Fläche konnte ich dann meinen ersten richtigen Blick auf den Ketil werfen. Außerdem sah ich von weitem mehrere Boote die Richtung Klosterdalen paddelten. Das war doch tatsächlich meine Gruppe die da unterwegs war. Wie ich später erfuhr haben auch sie mich gesehen. Jedenfalls wusste ich jetzt, dass sie wie geplant am Treffpunkt sein und auf mich warten würden.


            Erster Blick auf den Ketil

            Allerdings erwartete mich jetzt erstmal ein ziemlich dicht bewachsener Waldabschnitt. Sogar einzelne Nadelbäume wuchsen hier. Interessant anzuschauen aber zum Wandern ein schierer Alptraum. Ein wirkliches Vorankommen war da kaum möglich. Schwer abzuschätzen wie lange das dauern würde, aber bereits wenige Meter kosteten mich mehrere Minuten. Ich wünschte mir geradezu, dass jemand aus der Gruppe vorbeigepaddelt käme um mir ein Packraft zu bringen. Damit könnte ich dann gemütlich durch die Bucht paddeln und dem ätzenden Wald ausweichen. „Aber Moment mal“ entfuhr es mir „ich hab doch selbst so ein Ding im Rucksack“. Dass ich da nicht gleich drauf gekommen bin. Ich kam nicht umhin ein wenig über meine lange Leitung zu schmunzeln.


            Also mit Nadelbäumen hätte ich hier wirklich nicht gerechnet.

            Also bin ich schnell zum Strang gelaufen und habe mein Boot fertig gemacht. Leichter Wellengang herrschte vor, aber von den Verhältnissen war es definitiv angenehmer als mich weiter durch die Büsche zu kämpfen. Wirklich ein Vorteil so ein Packraft dabei zu haben. Gerade mal 20 Minuten brauchte ich bis ich dann an der gewünschten Stelle anlandete. Dort wurde ich auch schon von einigen anderen Teilnehmern aus der Gruppe erwartet, die mich herzlich empfingen. Es war nun schon 18 Uhr, so dass auch diese Etappe länger dauerte als gedacht (ursprünglich verfolgte ich den Plan spätestens um 17 Uhr hier sein). Aber egal, ich hatte es zum vereinbarten Treffpunkt geschafft und die anderen mussten sich keine Sorgen mehr um mich machen.


            Kann losgehen.


            So fertig für heute. Das Paddeln durch die Bucht hat gerade mal 20 Minuten gedauert. Mit Auf-und Abbau waren es vielleicht 45 Minuten. Zu Fuß wäre ich wahrscheinlich deutlich länger unterwegs gewesen (und hätte zusätzlich noch einige Kratzer abbekommen).

            Mit einem tollen Ausblick etwas oberhalb vom Fjord stellten wir dann unsere Zelte auf und tauschten uns über die letzten Tage aus. Es war schön wieder mit der Gruppe vereint zu sein und die weitere Tour dann gemeinsam laufen zu können.


            Abendsonne überm Tasermiut Fjord


            Schöne Zeltplätze gab es hier. War nur ein bisschen weit vom Wasser weg.

            - - - Aktualisiert - - -

            Fazit
            Nachdem auch Sofia ein kleines Fazit zu Ihrer Sicht auf die Tour zum Besten gegeben hat, will auch ich hier noch meinen Senf dazugeben. Ich hatte ja jetzt schon mehrmals erwähnt, dass es für mich eine neue Erfahrung war in einer Gruppe unterwegs zu sein wo man dann auf andere Rücksicht nehmen muss und nicht einfach nach Belieben sein Ding machen kann. Natürlich nimmt das dann auch ein wenig persönliche Freiheit sich die Tour so zu gestalten wie man es am liebsten hätte. Und gerade bei einer größeren Gruppe, die sich vorher noch nicht richtig kennt, besteht ein gewisses Risiko, dass das Ganze ziemlich in die Grütze geht weil die Chemie einfach nicht stimmt.

            Allerdings kann ich Gabriel und Sofia nur zustimmen, dass die Gruppe wirklich megacool war. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass ich soviel Spaß haben würde und wir unterwegs soviel rumblödeln konnten. Ich hatte echt den Eindruck, dass wir uns alle richtig gut ergänzt haben. Und auch von der Fitness her fand ich, dass wir alle auf einem relativ ähnlichem Niveau waren. Zumindest kann ich nicht sagen, dass es jetzt bestimmte Teilnehmer gab die immer besonders langsam waren und regelmäßig die Gruppe aufgehalten haben. Außerdem ist es uns echt gut gelungen Entscheidungen nach gemeinsamer Absprache zu treffen. Es war eben nicht so, dass Gabriel immer gesagt hat wo es langzugehen hat und die Gruppe dann grummelnd gefolgt ist. Vielmehr hat gerade Gabriel großen Wert darauf gelegt, dass alle Teilnehmer in die Entscheidungen eingebunden werden, auch wenn es mal dazu führte, dass er dabei überstimmt wurde. Von daher fand ich es eine sehr interessante und tolle Erfahrung Teil dieser Reisegruppe gewesen zu sein.

            Davon abgesehen war diese Tour landschaftlich wirklich ein absolutes Highlight. Ich weiß nicht ob ich schonmal so spektakuläre Landschaften gesehen habe. Die schroffen Gipfel, die vielen Gletscher, die intensiven Polarlichter, das war wirklich einfach atemberaubend. Hinzu kam, dass ich diesmal mit dem Packraft die Natur auch vom Wasser aus bestaunen konnte. Auch das war eine komplett neue Erfahrung für die ich extrem dankbar bin. Natürlich bedeutet son Packraft auch mehr Gewicht aufm Rücken (ich bin mit 36 kg gestartet), aber dafür ist man auch unheimlich flexibel. Und es ist einfach eine schöne Abwechslung mal über einen Fjord paddeln zu können (besonders wenn das Wetter so gut mitgespielt wie es bei uns teilweise der Fall war). Allerdings war ich nach längeren Paddelabschnitten auch stets froh dann wieder den Rucksack aufzusetzen und loswandern zu können. Eine reine Packraftingtour kann ich mir für die Zukunft daher eher weniger vorstellen. Eine erneute Kombitour aber schon.

            Aber: Auch wenn es landschaftlich wirklich toll war, so war es vom Terrain teilweise doch eine ziemliche Herausforderung. Abgesehen von meiner beknackten Passüberquerung hatten wir auch später häufig genug mit riesigen Blockfeldern und ordentlich Gestrüpp zu kämpfen gehabt (an einem Tag haben wir für 5 km ganze vier Stunden gebraucht). Von daher war es oftmals nicht einfach ein entspanntes Wandern über ebene Tundra-Wiesen sondern ein recht mühsames Vorankommen. Es war definitiv anspruchsvoller als bei meinen früheren Lappland Touren. Mal eben 15 oder 20 km am Tag waren einfach nicht drin. Glücklicherweise hatte Gabriel das bei der Routenplanung bereits berücksichtigt, so dass die Länge der Tagesetappen meist recht moderat war.

            Insgesamt würde ich daher sagen, dass Grönland zwar viel von einem fordert, aber es dafür auch um ein Vielfaches zurückzahlt wenn man bereit ist sich auf ein paar Strapazen einzulassen (und ein wenig zu leiden). Ich bin jedenfalls sehr froh mitgekommen zu sein und denke gerne an die Tour zurück. Es hat sich definitiv gelohnt.
            Zuletzt geändert von Mortias; 21.12.2018, 00:05.

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              #26
              AW: [GL] Grönland 2018 (2/2): Süden (Narsarsuaq, Aappilattoq, Tasiusaaq, Nanorta

              Oh Mann, ja, das mit dem Bushwhacking im Nebel an Steilhängen kann ich so gut nachvollziehen.
              Ich war auf Neufundland mal für 7,5 km 11 Stunden lang unterwegs.
              Dort kann man in das Fichtendickicht oft keinen Meter weit eindringen. Und immer, wenn ich sowas wie eine Lücke gefunden hatte, durch die ich mich quetschen konnte, stand ich bald an einem Steilabbruch und musste wieder zurück.
              Im dichten Nebel konnte ich nicht sehen, wo es vielleicht besser wäre. Und zelten war in diesem Dickicht schlicht unmöglich.
              Ein unglaublich frustrierender Abschnitt.

              Schade, dass du oben am Pass keine Sicht hattest, die dich für die Plackerei entschädigt hätte. Das Panorama wäre sicher gewaltig gewesen!

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              • TilmannG
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                #27
                AW: [GL] Grönland 2018 (2/2): Süden (Narsarsuaq, Aappilattoq, Tasiusaaq, Nanorta

                Hi Mortias,
                es freut mich sehr, dass mal wieder jemand über den Pass gekrabbelt ist! Solo wirklich nicht ohne!

                Ich denke, den ersten Anstieg hast du nicht gut erwischt: Wir haben uns da 2013 nördlich des Flusses im Übergang zur Moräne gehalten. Und dort sogar einen kleinen Pfad gefunden, das war für uns die absolute Sensation. Der stammt wohl von Expeditionen, die dort zum Inlandeis aufgestiegen sind. Am Pass musste ich einigen Schutt wegräumen. Das bushwacking im Tiningnertooq-Tal war damals schon mühsam und da wird inzwischen noch einiges gewachsen sein. Aber immerhin kamen wir da noch im Anschluss an die Passüberschreitung durch.
                Falls du Schönwetter-Fotos ertragen kannst: Grönland-Süd
                Unter der Galerie gibts auch Texte und Routenlinks, etwas unglücklich plaziert. Deine Runde waren bei uns die Tage 15/16.

                Sehr interessant finde ich die Veränderungen im Gletscherbereich, ich erlaube mir mal, die Fotos gegenüber zu stellen. Die aktuellen immer zuerst:


                Sermeq, Mortias 2018


                Sermeq, Tilmann 2013
                Zwischen ca 100 und 400m ab Meer hat der Gletscher sogar wieder zugelegt, und es wirkt auch so, als ob die Mächtigkeit oben vielleicht sogar zugenommen hat. Auch dies kann Folge der Erwärmung sein: Der schmelzende Gletscher schiebt mehr Eis Richtung Tal.


                Sermitsiaq, Libertist 2018


                Sermitsiaq, Tilmann 2013
                Kalter Septembertag gegen warmen August: der Schmelzwasser-Fluss hat eine ganz andere Dynamik.


                Sermitsiaq, Libertist 2018


                Sermitsiaq, Tilmann 2013



                Tiningnertooq, Mortias 2018


                Tiningnertooq, Tilmann 2013

                Zitat von Tractrice Beitrag anzeigen
                ...
                Von wegen "nicht anspruchsvoll" - für mich war die Tour vor allem aufgrund der Länge (mit 30 Tagen die längste Trekking-Tour, die ich je unternommen habe), sonder auch aufgrund des Wetters extrem herausfordernd. Vermutlich psychisch sogar mehr als physisch. Während meine männlichen Mitreisenden bei jeder Himmelsfarbe gleich motiviert durch die Landschaft gestapft sind, hat das ewige Grau und der viele Niederschlag doch sehr an meiner Stimmung und damit Motivation gezehrt. Ich weiß ja nicht genau, wie das manch andere machen, aber meine Laune sinkt eindeutig bei 12 von 15 Schlechtwettertagen, ewigen kalten Füßen, Händen und häufig nassen Sachen. Dazu kamen einige Packraftingquerungen, die mir nicht ganz geheuer waren. Mein Fazit also etwas vorsichtiger: Landschaftlich atemberaubend, aber für mich zu lange Tour. In der Intensität werde ich mir so bald keine ähnliche Herausforderung suchen (denke ich). Die Gruppe war echt supercool und die Organisation hat auch tiptop geklappt, auch fotografisch hat's Spaß gemacht. Trotzdem war's für mich das erstmal mit Grönland (sag ich jetzt mal so)
                Hi Sofia, deine offene Worte find ich gut. Aber ihr habt echt Pech mit dem Wetter gehabt! Wir hatten auf vier Grönlandreisen (je 30-35 Tage) zusammengerechnet nicht so viele Schlechtwettertage wie ihr jetzt.

                Euch allen Wünsch ich für alle Pläne alles Gute - Tilmann
                Zuletzt geändert von TilmannG; 07.01.2019, 17:59.
                http://www.foto-tilmann-graner.de/

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                • Mortias
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                  • Meine Reisen

                  #28
                  AW: [GL] Grönland 2018 (2/2): Süden (Narsarsuaq, Aappilattoq, Tasiusaaq, Nanorta

                  Hi Tillmann, danke für Deinen Beitrag. Interessante Bilder die Du da gepostet hast. Schön zu sehen was ich denn beim Pass bei gutem Wetter an Aussicht gehabt hätte. In der Tat sehr lohnenswert die Aussicht. Zumindest bestärkt es mich darin, dass ich mit meiner grundsätzlichen Einschätzung richtig lag, dass der Pass landschaftlich bei gutem Wetter ein absolutes Highlight sein müsste. Aber auch ansonsten top Fotos auf Deiner Webseite. Teilweise werde ich da ein bisschen neidisch. Aber ich denk emal im Großen und Ganzen bin auch ich bei der Tour gut auf meine Kosten gekommen.

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                    • Meine Reisen

                    #29
                    AW: [GL] Grönland 2018 (2/2): Süden (Narsarsuaq, Aappilattoq, Tasiusaaq, Nanorta

                    Hi Tilmann, danke für das Posten der Bilder, teilweise sind echt deutliche Unterschiede erkennbar!
                    Regelmäßige Updates auf Facebook: Outventurous || Galerie und Weltkarte gibt's auf der Outventurous Webseite.

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                      #30
                      AW: [GL] Grönland 2018 (2/2): Süden (Narsarsuaq, Aappilattoq, Tasiusaaq, Nanorta

                      Zitat von Mortias Beitrag anzeigen
                      ... Aber ich denk emal im Großen und Ganzen bin auch ich bei der Tour gut auf meine Kosten gekommen.
                      Absolut!
                      Ich wäre gern mal auch im September dort unterwegs, was beruflich leider kaum geht.
                      Sonst fand ich den radikalen Übergang in den Herbst in Grönland immer sehr spannend (Mitte bis Ende August), wenn sich nach den ersten Nachtfrösten die Tundra gelb-rot verfärbt, an nur einem Tag.

                      Zitat von Libertist Beitrag anzeigen
                      Hi Tilmann, danke für das Posten der Bilder, teilweise sind echt deutliche Unterschiede erkennbar!
                      Einen dramatischeren Unterschied zeigt natürlich dieses Luftbild vom Tasermiutfjord, aufgenommen 1984.
                      (Ich hoffe, der Link funktioniert, bei dem Foto-Chaos bei GE/panoramio.)

                      Aber ich finde auch die feinen Unterschiede spannend, z.B. die viel runder geschmolzenen offenen Spalten in diesem Jahr.
                      Am wenigsten, weil zu unterschiedliche Standorte, funktioniert das letzte Bildpaar vom Tiningnertooq-Talgletscher. Aber hier dürften die Unterschiede in der Mächtigkeit erheblich sein. Dieser Gletscher hat kein Nährgebiet mehr, von Trümereis aus den Zungen darüber mal abgesehen.

                      Viele Grüße
                      Zuletzt geändert von TilmannG; 13.01.2019, 13:11.
                      http://www.foto-tilmann-graner.de/

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