[BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

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  • Enja
    Alter Hase
    • 18.08.2006
    • 4247

    • Meine Reisen

    #81
    AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

    Dafür beneide ich die Ossi-Kollegen um ihre Russisch-Kenntnisse. Damit kommt man in vielen Weltgegenden sehr, sehr weit. Man kann halt nicht alles können.

    Und genau deshalb würde ich mich auch nicht auf Reisen in Länder beschränken wollen, deren Sprache ich beherrsche.

    Vor einer Reise befasse ich mit der am Ziel benutzten Schrift (wegen der Wegweiser) und lerne die wichtigsten Alltagsfloskeln. Das reicht normalerweise. Für mehr Kommunikation gibt es andere Methoden. Wurden hier schon beschrieben.

    Bei mir mangelt es nicht an Motivation. Ich bin Hobby-Linguistin. Mir macht das immer wieder großen Spaß, zumindest die Strukturen einer zunächst fremden Sprache zu verstehen. Sehr spannend jetzt der Vergleich isländisch-norwegisch. Faszinierend.

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    • solarperplexus
      Erfahren
      • 03.08.2010
      • 230

      • Meine Reisen

      #82
      AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

      Vielen Dank für diese interessante Paddelreise. Ein selten ausführlicher Bericht, mit so vielen Infos - große klasse!
      Auch ich freue mich auf die Fortsetzung.

      Die vielen Fotos machen das ganze sehr anschaulich
      Ich hätte trotzdem vermutlich ziemlich Angst gehabt, so eine teure Kamera wie die Sony mit in ein Boot in der Wildnis zu nehmen.

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      • Spartaner
        Alter Hase
        • 24.01.2011
        • 2770

        • Meine Reisen

        #83
        Mittwoch, 25.09.2019, Escola Jatobazinho, 21km
        7:00 Uhr, der leichte Regen hat aufgehört. Das Zelt ist nass, aber es ist nur wenig unter das Zelt gelaufen. Wir stehen relativ spät auf und frühstücken unser Müsli, das seit gestern Abend zum Quellen am Baum hängt.
        Der freundliche Gastgeber kommt mit 3 Tassen Kaffee zu uns rüber. Dann verabschiedet er sich zum Fischen und fährt zusammen mit seiner Frau stromauf.



        Blick von unserem etwas erhöhten Lager über den Fluss:




        Es ist bedeckt, nieselt etwas, in manchen Richtungen regnet es weiter. Nachdem wir die Zelte verpackt haben, fängt es auch bei uns wieder an, richtig zu regnen. Wir sind eigentlich abfahrbereit, stehen aber unter den Schirmen noch unentschlossen herum.

        Als die Besitzer zurückkommen, verabschieden wir uns und legen ab. Start-km 752. Erstmals paddeln wir auf dieser Tour unter Vollschutz, dh die selbstgeschneiderte leichte Spritzdecke ist vollständig aufgezogen und wir sitzen unter den Schirmen. Das zur Trackaufzeichnung weiter laufende Navigations-Smartphone und die Kamera liegen gut verpackt unter Deck, darum gibt es keine Fotos während des Regens.

        Kaum sind wir auf dem Wasser, wird der Regen noch stärker. Uns macht das so nichts aus, wir sitzen trocken. Zeitweise pladdert es richtig heftig. WetterOnline gibt die 50km südlich gelegene Stadt Corumbá mit 4mm Regensumme über den ganzen Tag an, und Kachelmann zeigt in unserem Paddelgebiet Regensummen von 20 - 35mm an. Allerdings ist die Genauigkeit und örtliche Auflösung dieser Daten nicht mit den für Deutschland bekannten Live-Niederschlagssummen vergleichbar, da es hier offenbar keine bodengebundenen Regenradare gibt.

        Die Kachelmann-Messwerte wurden aus Satellitendaten integriert:
        Regensummen Sat-Niederschlag-24h 20190926-0300z.html

        Dabei haben wir offensichtlich noch Glück hier. 100 - 200km weiter nördlich schüttet es heute richtig heftig. Im Pantanal-Nationalpark, den wir vor einer Woche streiften, kommen bis zu 200mm Regen an diesem Tag herunter (Σ24h). Das ist schon ein außergewöhnlicher Regen für diese Jahreszeit!

        Wie sich die Wolken und Niederschlagsgebiete von gestern Mittag bis heute Abend bewegen bzw bewegt haben, kann man auf diesen Abbildungen erahnen: Schnelle Animation und Langsame Animation zum Mitlesen der Zeiten. Da rote Ei markiert unseren derzeitigen Standort. Die Abbildung zeigt die Niederschlagsgebiete nicht besonders dramatisch. Blaue Töne sind normaler Regen, da wo es dunkelblaugrau oder gar rötlichgrau wird, pladdert es heftig. Der Kartenausschnitt ist relativ groß, es ist die gesamte Strecke unserer Paddeltour darauf sichtbar (von Rondonópolis bis Corumbá, die Luftlinie zwischen den beiden Städten beträgt 420km).

        Zeitweise wird der Regen schwächer oder hört mal ganz auf. Dann kann ich auch mal wieder zum Fotoapparat greifen:


        Rio Paraguai mit treibenden Wasserhyazinthen:


        Ufervegetation mit Hochwassermarke:


        Uns nähert sich eines der aktivsten Hotelschiffe auf dem Rio Paraguai, die "Lord do Pantanal":






        Im Schlepptau wieder viele Angelkähne.

        Nach 13km haben wir einen Halbbogen der riesigen Flussschleife geschafft (Map mit dem Track des Tages). Der nächste Halbbogen misst nur noch 7km.
        2km weiter erkennen wir schon von weitem die großen Gebäude einer Fazenda, die auf der Karte unter São João do Jatobazinho geführt wird. Sieht interessant aus, vielleicht ist das die erste nach Art der Gründer noch funktionierende Fazenda.

        Das Google-Satellitenbild vom 20. Januar 2016 zeigt neben einer nicht zugewachsenen Flugpiste 12 offensichtlich intakte Gebäude, 2 Pavillions und einen Pool:


        Am noblen Schwimmsteg liegen mehrere Motorboote fest, darunter ein größerer 15-Sitzer. Ist das eine größere Touristenherberge?

        Wir legen in einer der Buchten im Schwimmsteg an:


        Zwei junge Frauen kommen uns begrüßen. Beide können gut Englisch sprechen, keine Selbstverständlichkeit in Brasilien, wie wir bereits gelernt haben. Wir fragen, um was es sich hier handelt und ob wir uns das Gelände mal anschauen können. Natürlich sind auch die beiden neugierig, was es mit uns auf sich hat.
        Die eine ist die Verwaltungsleiterin der Fazenda (Coordenação Administrativa), Fernanda Sá Vieira (aktuelles, Werdegang), die andere ist die Pädagogische Leiterin (Coordenação pedagógica).

        Tatsächlich wurde früher auf dem Gelände eine Hotel-Fazenda betrieben. Seit 2009 ist hier eine Schule untergebracht.

        Wir vertäuen das Kanu am Steg und machen ein flüchtiges Begrüßungsfoto:


        Anschließend führt uns Fernanda durch das gesamte Gelände und erläutert die Funktion der verschiedenen Gebäude.

        Noch in der Nähe des Steges steht diese Tafel mit einigen Vögeln, die auf dem Gelände beobachtet werden können:


        Auf der Tafel wird die Bedeutung der Vogelbeobachtung erläutert:
        Die Jatobazinho-Schule präsentiert sich als ein wichtiger Raum für die Beobachtung der für das Pantanal repräsentativen Vögel. Es beherbergt mehrere einheimische Arten, die das ganze Jahr über gesichtet werden, sowie wandernde Arten, die nur zu einer bestimmten Jahreszeit im Pantanal beobachtet werden können. Das Pantanal beherbergt etwa 600 Vogelarten, und in dieser Region des Pantanal von Paraguay können wir etwa 300 Arten von Stand- und Zugvögeln beobachten.
        Die Vogelbeobachtung ist aufgrund ihres spielerischen, sensorischen und experimentellen Charakters ein hervorragendes didaktisches Instrument, das vielfältige Möglichkeiten für Arbeitsinhalte und die Prägung der Einstellungen der Schülern bietet. Darüber hinaus beinhaltet die Praxis der Vogelbeobachtung viele Lektionen und entwickelt Fähigkeiten, die die Verbindung des Menschen mit der Natur stärken und die Schüler für die Bedeutung des Schutzes und der Erhaltung der Pantanal-Fauna sensibilisieren. Im Pantanal bringen die Vögel Farbe in die Landschaft, und ihre schönen Symphonien lassen uns nie das Gefühl haben, allein zu sein. Sie sind überall, sehen Sie nur!


        Wir sehen die Klassenräume, den Kunstraum, die Unterkünfte für die Schüler und die für die Lehrer und die Bediensteten, den Speisesaal, die Schulküche, wo die Kinder selber kochen lernen, die Spielbibliothek, die neben vielen Büchern etliche Gesellschaftsspiele bereit hält, und zum Schluss die Orangerie, in der zur Hälfte Früchte und Kräuter für die Küche wachsen, die andere Hälfte ist Schulgarten.



        Klassenzimmer:




        Die Räume, in denen gerade Unterricht stattfindet, betreten wir natürlich nicht!

        Kunstraum:










        Bibliothek:


        Kuschelecke:


        Schulküche, also die Küche, in der die Schüler kochen lernen:




        Plakat mit Vogelarten des Pantanal:


        Und eines mit Vogelzeichnungen der Schüler (“Vögel der Phantasie”):


        Schulgarten:




        In einem Teil des Schulgartens lernen die Schüler Gärtnern, im anderen Teil wird Gemüse für die Schulküche angebaut.

        Alles sehr gut in Schuss und in seiner Gesamtheit wohl besser als die meisten deutschen Schulen. Und das ganze für insgesamt 48 Schüler der 1. bis 5. Klasse. Das besondere an dieser Schule ist, dass die Kinder die ganze Woche hier wohnen, und erst am Samstag Nachmittag mit dem Motorboot nach Hause gefahren werden und Montag vormittag wieder zurück (wenn sie im Umkreis von 50km wohnen, die weiter weg wohnenden bleiben je 45 Tage in der Schule und sind dann für 15 Tage zu Hause).
        Irgendwo hatte ich gelesen, dass es in Brasilien ~4000 solcher Internatsschulen in abgelegenen Regionen gibt (wobei ich schon glaube, das die Schule Jatobazinho unter diesen eine ganz besondere Qualität hat).

        Die Schüler bekommen hier alles nötige, natürlich auch eine Schuluniform. Selbst Unterwäsche und Schuhe bekommen sie hier, ihre eigenen Sachen bleiben in der Woche unbenutzt und hängen meist zum Trocknen nach der Wäsche.

        Eines der Schlafzimmer der Schüler:


        Das ganze ist von einem wohlhabenden Mäzen, Frau Teresa Cristina Ralston Bracher (Bild), angestoßen, mitorganisiert und zu großen Teilen finanziert worden, die auch weitere vielfältige Aktivitäten zum Schutz des Pantanals initiiert hat (Geschichte der Schule in “Historia” und pädagogisches Konzept in “Pedagogia da alternância garante educação de crianças no campo”). Die Stadt Corumbá trägt die laufenden Kosten, die Gehälter der Lehrer etc.

        Im Haus, das als Lehrerzimmer dient, gibt es WLAN.

        Natürlich berichten auch wir von unserer Tour und Fernanda ahnt schon, dass wir seit langem kein anständiges Essen mehr bekommen haben. So lädt sie uns gleich noch zu den Resten des heutigen Mittagessens ein, gebratenem Fisch mit Reis und Bohnen. Sehr lecker.

        Nun ist es bereits 15 oder so Uhr und ich merke an, dass wir uns noch nach einer Übernachtungsmöglichkeit umsehen müssen, bevor es dunkel wird. Da macht uns Fernanda den Vorschlag, hier auf dem Schulgelände zu übernachten, im Gästetrakt, dem Gebäude ganz im Westen des Geländes.
        Ein toller Vorschlag, wo der Regen nicht aufhören will!



        Der Gästetrakt bietet 6 Doppelstockbetten, 2 Einzelbetten, Dusche und WC. Dazu eine Veranda hinter Insektenschutzgaze mit 2 Waschbecken, die extra zum Wäschewaschen noch eine geriffelte Fläche integriert haben. Wäscheständer, Klammern, alles da.







        Wir bekommen Bettwäsche und Handtücher und können uns häuslich einrichten. Als wir das Gepäck aus dem Boot holen, gießt es wieder in Strömen.



        Wir bekommen den Komposttransportwagen, um unsere Massen an Gepäck die 200m vom Steg zur Unterkunft zu transportieren (hier ist der Wagen mal 5sec im bestimmungsgemäßen Einsatz zu sehen):


        Da wir sowieso schon durchgeweicht sind, bietet es sich an, die müffelnden Klamotten gleich richtig zu waschen. Shirt, Hose, Unterhose, Handtuch und die beiden Putzlappen landen in der Wäsche.
        Alles andere wird schon so gut es geht zum Trocknen aufgehangen.

        Danach geht es für mich zum WLAN ins Lehrerzimmer.
        Sitzbank oder Beistelltisch(?) im Lehrerzimmer:


        18:30 ist der nächste Termin, das Abendessen. Alle Schüler und Lehrer versammeln sich im Speisesaal. Fernanda bittet uns, uns und unsere Tour hier kurz vorzustellen:




        Ich erzähle auf Englisch und Fernanda übersetzt ins Portugiesische.
        Danach hat je ein Kind von jedem der 4 langen Tische die Möglichkeit, eine Frage zu stellen. Sie fragen zum Beispiel, was wir auf der Tour essen und welche Spiele wir spielen. Wir spielen natürlich mit den Kaimanen, ärgern sie, wenn wir sie mit dem Paddel wegstupsen.

        Zum Schluss rufen die Kinder im Chor, wie von der Chefin auf deutsch vorgesprochen, "Danke".

        Zum Abendessen gibt es Reis, Bohnen und Rindergulasch, wieder sehr lecker, und unterhalten uns noch ein Weilchen mit Fernanda, bis ihr Mann Antonio kommt, und sie sich in den Feierabend verabschieden.

        Sie ist 32 Jahre alt und lebt seit 2 Jahren hier. Vorher hat sie 6 Jahre in Tefé am Amazonas gearbeitet, im Tourismus, und dort auch ihren Mann kennengelernt. Ohne das Versprechen, dass ihr Mann ebenfalls eine Stelle hier bekommt, hätte sie den Job in Jatobazinho nicht angenommen. Es ist hier für die meisten Leute einfach zu abgelegen. Als intelligente, gut gebildete Weiße fällt es ihr in Brasilien sicher nicht schwer, auch woanders einen Job zu finden.
        Ihr Mann studiert hier übrigens Biologie im Fernstudium (UniCesumar), über Internet.

        Ich spreche sie auch auf ihre Vorfahren an, mit blonden Haaren und grüngrauen Augen sieht sie deutschstämmig aus. Knapp daneben, ihre Mutter kommt aus Holland.

        Sie selber war schon mal zu Gast in Berlin und kann auch ein paar Worte deutsch.

        Das Gesundheitssystem interessiert mich ebenfalls. Prinzipiell haben alle 210 Mio. Brasilianer Anspruch auf eine kostenlose medizinische Grundversorgung. Hier am Rio Paraguai kommt 2 mal im Jahr ein Schiff der brasilianischen Marine vorbei und bietet medizinische und zahnmedizinische Behandlung an.

        Besuch des Krankenhausschiffs der brasilianischen Marine

        Medizinische Hilfe der brasilianischen Marine

        Außerdem gibt es 4 mal im Jahr medizinische Versorgung durch die Kommune. Beides ist aber eher Basisversorgung. Will man mehr, bezahlt man für einen Arztbesuch 300 R$.
        Eine private Krankenversicherung gibt es auch. Die würde sie hier ~500 R$ im Monat kosten. Zu viel für die meisten, aber dafür gibt es eine normale medizinische Versorgung, wie wir sie kennen. Ist hier natürlich kein solidarisches System mit einkommensabhängigem Beitrag. Es gibt in Brasilien wohl eine große Vielfalt an privaten Zusatzversicherungen, zum Teil auch auf betrieblicher oder kommunaler Basis, zum kleinen Teil auch kostenlos für die Begünstigten auf Basis von Wohltätigkeitsorganisationen. Fast ¼ der Bevölkerung profitiert von den Zusatzversicherungen.

        Gehälter: Bezüglich der Gehälter habe ich wohl was völlig falsch verstanden. Lehrergehälter bewegen sich in Brasilien etwa in diesen Regionen: Elementary School Teacher Average Salary in Brazil 2020

        Jaguare: Fernanda hat hier auf dem Gelände innerhalb von 2 Jahren 2 mal einen Jaguar gesehen. Einer schwamm vor ziemlich genau einem Jahr noch am Tage über den Fluss und landete genau hier an der Schule an. Große Aufregung. Die Hunde mussten zurückgehalten werden, die Kinder wurden ins Haus geschickt.
        Der Jaguar erklomm die Treppe in der Kaimauer und lief dann auf dem Gelände herum (Videoschnipsel ab Minute 00:43). Es war ein krankes Tier, welches vom herbeigerufenen Jaguar-Rettungsteam eingefangen, eine Woche im Krankenhaus versorgt und anschließend in eine Jaguar-Hilfseinrichtung gebracht und dort wieder aufgepäppelt wurde. Zu Beginn wog er nur 35kg, normal wären 70kg. Später wurde er wieder ausgewildert. Alles auf Handy-Videos festgehalten. Hatte ich hier schon mal gepostet.
        Diese Jaguar-Hilfseinrichtung kümmert sich normalerweise um Jaguar-Waisenkinder, zieht sie auf, gewöhnt sie an Wasserschweine und Kaimane als Nahrung, die man selber fängt, und wildert sie aus.

        Der zweite Jaguar wurde vor kurzem auf dem Flugstreifen gesehen. Die Kinder hatten dort gerade spezielle Geländespiele, es war schon dunkel, als sie ihn ganz nah brüllen hörten. Laut schreiend rannten sie zurück zur Schule. Fernanda und ihre Kollegen gingen dann hin nachsehen was da los war und konnte den Jaguar noch erwischen.

        Am Amazonas wäre unsere Paddeltour erheblich gefährlicher. Dort wird man regelmäßig Opfer von Räubern, die einem sämtliche Habe abnehmen, berichtet sie uns. Selber habe ich 4 Morde speziell an Paddlern recherchiert. 2004 wurde schon mal ein deutscher Paddler ermordet, und auch die anderen mir bekannten Morde 2017 an Emma Kelty und 2011 an dem polnischen Paar Celina Mróz und Jarosław Frąckiewicz geschahen alle im Amazonas-Gebiet.
        Im Pantanal dagegen sieht es ganz anders aus, sagt Fernanda. Kaum Kriminalität, viele freundliche Leute. Genau wie wir das bisher erlebt haben.

        Fernanda berichtet auch von einer Katastrophe im Pantanal vor 40? Jahren:
        Em meio ao desastre do Rio Taquari

        https://www.institutohomempantaneiro...-deserto-em-ms

        Um was es sich gehandelt hat, habe ich damals nicht verstanden. Ok, heute weiß ich, was für eine Katastrophe gemeint ist. Es ist die Katastrophe am Rio Taquari, die ich hier bereits erläutert hatte (massive menschengemachte Erosion nach Entwaldung im Einzugsgebiet, daraufhin Verschlammung/Versandung vieler Wasserläufe im Taquari-Megafan, das Wasser sucht sich großflächig neue Wege und Fazendas gehen unter und müssen aufgegeben werden).

        Kurz vor neun verabschieden sich alle zur Nachtruhe. Wie angekündigt wird der Generator 21:40 Uhr abgeschaltet und das Licht geht aus.

        Einige wenige Mücken umschwirren mich im Bett. Nachts kommt, genau wie von Meteoblue vorhergesagt, noch einmal ein kräftiger Schauer herunter:


        Normal ist dieser Regen nicht zu dieser Jahreszeit, es ist eine Ausnahme (sorry für die aufgeploppte Meldung auf dem Screenshot, hatte ich wohl damals übersehen. Da bekomme ich gerade meine vor wenigen Sekunden selbst abgeschickte tägliche Positionsmeldung in die Mail und da wir in Jatobazinho WLAN hatten auch auf das Gerät hier im Pantanal).


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        Weitere Links zur Schule Jatobazinho:

        Globo Repórter: O PANTANAL - (Completo HD) - sdrone Tolle Pantanal-Dokumentation mit Bildern von Felszeichnungen, Wanderung auf den Morro do Caracara, die Schule Jatobaziho mit Tereza Bracher, Kaimanerufend, gute Aufnahmen 33:00, aber überlagerter Ton, Grillenlaute, siehe http://acaia.org.br/pantanal/

        Speziell zur Schule: http://acaia.org.br/pantanal/ativida...ma-jatobazinho

        JATOBAZINHO SCHOOL (BRAZIL) (englisch)

        Formação pedagógica Abril 2019 – Acaia Pantanal Blog

        Schüler und Lehrer Jatobazinho



        Weitere Bilder auf der Google-Bildersuche

        Youtube:
        9min-Film: Escola Jatobazinho Institucional, mit Fokus auf nachhaltige Bewirtschaftung, Kompostierung, Mülltrennung etc.

        3min-Filmchen Visita na Escola Jatobazinho, scheint als Einladung und Anleitung für künftige Lehrer an der Schule gedacht zu sein.

        Pedagogia da alternância: quando a escola também é casa (Filmchen von 2015, 1m:13s)

        Escola no meio do Pantanal dispõe de estrutura e sistema de ensino de dar inveja (Jatobazinho), (Film von 2013, 8min)

        Schachfestival

        https://www.acaia.org.br/pantanal

        2020 wurde die Umgebung der Schule von Bränden bedroht: Sobrevoo para avaliar a situação dos focos no Jatobazinho (Filmchen 2020, 28s), Bild

        Brandbekämpfung Jatobazinho

        RPCSA - Serra do Amolar Protection and Conservation Network
        Acaia Pantanal (die Organisation, die die Schule betreibt) beteiligt sich am RPCSA - Serra do Amolar Protection and Conservation Network, das die Vereinigung der Bemühungen privater, staatlicher Institutionen und Organisationen der Zivilgesellschaft darstellt, gemeinsam mit den anderen beim Schutz der Region Serra do Amolar zu handeln. Mitglieder sind:
        • Pantanal Matogrossense National Park,
        • Ecotrópica Foundation,
        • Instituto Homem Pantaneiro,
        • RPPN-Ingenieur Eliezer Batista und
        • Fazenda Santa Tereza.

        Das Management wird vom Instituto Homem Pantaneiro übernommen und Acaia Pantanal ist aktiv an der Zusammenarbeit mit Ressourcen und Logistik beteiligt.
        Zuletzt geändert von Spartaner; 24.02.2021, 08:09.

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        • Spartaner
          Alter Hase
          • 24.01.2011
          • 2770

          • Meine Reisen

          #84
          Donnerstag, 26.09.2019, BZ Aliança SUP., 22km
          Kurz nach ½7 wache ich auf. Ein bisschen spät, das Frühstück ist für uns, die Lehrer und die Bediensteten auf 6:30 Uhr angesetzt. Die Schüler essen später.

          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5625kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,48 MB ID: 3024774

          10 Minuten später sind wir drüben beim Frühstück. Hier finden wir vor, was ein ganz normales einfaches brasilianisches Frühstück ausmacht: Weißbrotscheiben, Margarine, ein weiterer, hellerer Brotaufstrich, Crackers, warme Milch, Kaffee und Bananen. Ich finde das sehr interessant, wo wir ja bisher und auch später immer Hotel- oder Pensionsfrühstück vorgesetzt bekommen (haben).

          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5633kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,31 MB ID: 3024771
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5640kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,47 MB ID: 3024773
          Fernanda, die Verwaltungsleiterin, ist bereits voll im Dienst, im Prinzip rund um die Uhr. In der Nacht ist eines der Boote am Schwimmsteg gesunken und muss gehoben werden. 4 Männer müssen ran:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5646kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,57 MB ID: 3024776

          Der abgesoffene Bootsmotor soll übrigens problemlos weiter funktionieren, wenn man sie schnell und fachgerecht trockenlegt. Japanische Wertarbeit, perfekte Konstruktion, weltweit begehrt.

          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5668kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,38 MB ID: 3024775

          Der Schulhund:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5690kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,13 MB ID: 3024772

          Gerade angeliefert: Futter für den Schulhund:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5704kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,86 MB ID: 3024780

          Auf dem Gelände spaziert ein Weißhalsibis:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5708kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,86 MB ID: 3024778

          Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen. Getrocknet sind sie in der sehr feuchten Luft nicht so richtig. Es ist weiter bewölkt und die Verwaltungsleiterin rechnet wieder mit Regen heute. Ich weiß es besser, glaube den Angaben meiner App vom Vortag (Meteoblue).

          ¼10 werden wir von genau den beiden Frauen, die uns gestern am Steg begrüßt hatten, auch wieder verabschiedet:




          Facebook-Eintrag von Acaia Pantanal ein paar Tage später:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: image_16661.png Ansichten: 6 Größe: 535,9 KB ID: 3024805
          https://www.facebook.com/pantanal.ac...00839810029254

          “Am 25.09. erhielt das Team der Jatobazinho-Schule Besuch von zwei Abenteurern, die in Kanus den Paraguay-Fluss hinunterfuhren. Michail und Thomas sind Deutsche und erkunden, zum ersten Mal in Brasilien, das Pantanal in Kanus. Die Expedition begann in Rondonópolis-MT und wird in Corumbá-MS enden. Sie wurden von den Schülern herzlich empfangen und sprachen mit allen über dieses große Abenteuer!”

          Abfahrt kurz vor ½10 bei bedecktem Himmel, angenehmen Temperaturen, und mäßigem Gegenwind. Zunächst schauen wir, im Windschatten der Ufervegetation zu bleiben. Später lässt der Wind nach.
          Felsen am Flussufer, Ende einer längeren bewaldeten Felsrippe, die sich etwas über das Niveau des Sumpflandes erhebt:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5709kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,73 MB ID: 3024779

          Ansonsten gibt es heute nicht viel zu berichten. Wir passieren die Fazenda Califórnia, auch eine einstmals gut organisierte Farm mit großen Gebäuden und Flugstreifen. Von weitem heute keine wirtschaftliche Aktivität mehr erkennbar.
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5715kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,49 MB ID: 3024777


          Wie bereits an den Vortagen viel Angeltourismus auf dem Fluss:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5750kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,14 MB ID: 3024783
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5734kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,81 MB ID: 3024785
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5749kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,05 MB ID: 3024786

          Eines der kleinen Angelboote kommt heute zu uns rangefahren. Die beiden Angeltouristen möchten etwas über uns erfahren, woher, wohin, etc.
          Die beiden Herren sehen genau so aus wie ich mir die Dons vorstelle, denen früher die großen Fazendas gehörten.
          Sie fragen ua, ob wir eine Waffe dabei haben, aber das müssen wir natürlich verneinen. Trotzdem Bolsonaro den legalen Erwerb und Besitz von Waffen vereinfacht hat (er genehmigte unmittelbar nach seinem Amtsantritt den Erwerb von vier Schusswaffen pro Person, die sowohl zu Hause als auch am Arbeitsplatz aufbewahrt werden können), ist für Ausländer der Kauf von Schusswaffen in Brasilien immer noch mit hohen Hürden gespickt (Q&A).
          Unser Gesprächspartner würde so eine Tour jedenfalls nicht ohne Waffe antreten.

          Arbeitsschiff mit Vieh-Prahm:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5752kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,39 MB ID: 3024787

          Eine Flussschleife weiter stehen viele einfache kleine Höfe am linken Ufer. Einmal sogar mit Viehwirtschaft:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5716kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,51 MB ID: 3024784
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5718kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,58 MB ID: 3024781
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5719kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,19 MB ID: 3024782

          Gegen ¾1 sehen wir kurz unterhalb des Seezeichens, welches mit "BZ Aliança SUP." in der Karte vermerkt ist, links eine freigemachte Fläche, die aktuell nicht bewohnt ist. Gelegenheit für eine Pause, mal Beine vertreten.
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5755kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,35 MB ID: 3024791
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5756kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 3,23 MB ID: 3024802
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5781kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 3,31 MB ID: 3024801
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5782kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 3,30 MB ID: 3024800

          Der Platz ist zwar etwas müllig, aber etwas besseres werden wir heute wohl nicht mehr finden, und so bleiben wir für heute hier. Hier können wir kochen, ohne andere zu stören, die immer noch nassen Sachen trocknen und faul herumhängen.
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5757kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,33 MB ID: 3024788

          Es gab mal eine primitive Hütte, deren Holzgestell jetzt zum Trockengestell wird. Mehrere kaputte Kühlschränke liegen herum. Nur der Zugang zum Flusswasser ist hier beschränkt. Vor dem Ufer liegt ein Streifen Wasserhyazinthen. So bekommt der Wasserfilter den Rest einer Angelrute, um den Ansaugkorb besser händeln zu können und damit weiter draußen Wasser anzusaugen.
          Später sehe ich hier den einzigen Kaiman des Tages. Er schwimmt langsam vom Fluss kommend zu unserem Ufer.

          Erbswurst, Zwiebeln, Knofi, Büchsenfleisch:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5759kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,90 MB ID: 3024792

          Der trockene Platz ist umgeben von Seen, Sümpfen und Altarmen, zumeist offenes Land ohne viele Bäume (Map):
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5758kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,66 MB ID: 3024790

          Ameisen bewohnen diesen hohlen Baum:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5761kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,00 MB ID: 3024789
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5763kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,72 MB ID: 3024796
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5765kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,96 MB ID: 3024795

          Orangerückentrupial, Orange backed trupial, João-pinto (Icterus croconotus strictifrons, Todd 1924):
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5774kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,18 MB ID: 3024793
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5780kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,70 MB ID: 3024794
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5785kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,52 MB ID: 3024799

          Extrem klare Luft heute, die Sonne geht hell und richtig unten am Horizont unter:
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5790kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,37 MB ID: 3024798
          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5793kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,16 MB ID: 3024797
          An den Vortagen verschwand sie schon weiter oben blutrot im Dunst.

          Wie immer viele blinkende Glühwürmchen, heute sind auch viele Sterne zu sehen.
          18:52 Satellit von Westen nach Osten, ziemlich schnell.
          Einmal mehrere Schüsse in der Dämmerung.

          Viel Schiffsverkehr in der Nacht. Es ist kühl und relativ feucht heute Nacht. Ich überlege schon, mir was anzuziehen. Schon Socken hätten es getan, aber ich bin zu faul und schlafe dann auch so ganz gut.
          Zuletzt geändert von Spartaner; 27.02.2021, 23:55.

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          • rumpelstil
            Fuchs
            • 12.05.2013
            • 2328

            • Meine Reisen

            #85
            Wie schön, dass es mit dem Bericht weitergeht, danke dafür. Nach den ersten Zeilen war ich schon wieder ganz in dem Bericht drin!

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            • Spartaner
              Alter Hase
              • 24.01.2011
              • 2770

              • Meine Reisen

              #86
              Freitag, 27.09.2019, Hochufer uh BZ Morcegueiro, 37km
              Morgens ist es ziemlich kühl. Ich messe am Morgen vor Sonnenaufgang 20.3°C Tiefsttemperatur.
              Zum Frühstück gibt es heute ausnahmsweise Zwiebeln, Knofi und Rührei aus Volleipulver:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5824kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,62 MB ID: 3026212

              Das Pulver hatte ich mir schon vor 2 Jahren geholt, aber noch nie ausprobiert. Besonders gut nach Ei schmeckt das Produkt nicht. Vielleicht merken wir das auch nur nicht so richtig, wegen der vielen Zwiebeln und dem vielen Knoblauch, die in Unmengen Sojaöl gebraten oder soll ich besser sagen frittiert wurden.

              Noch während ich die Zwiebeln brate, legt bei uns ein alter Mann an, Caboclo. Erst denke ich, es ist vielleicht der Besitzer des Geländes. Er begrüßt uns und versucht ein Gespräch anzufangen, aber ich habe mit dem Kochen zu tun und Thomas flieht wegen fehlender Sprachkenntnisse. Ich sage Thomas noch, wir könnten ihn zum kalt angerührten Kaffee einladen, aber zu spät, er gibt schnell auf und legt wieder ab.
              Das besondere ist, er ist der erste Mensch, den wir hier rein muskelbetrieben in einem Holzboot mit Stechpaddel unterwegs sehen. Auch die Angel ist von der einfachsten Sorte:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5808kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,93 MB ID: 3026213
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5821kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,32 MB ID: 3026211
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5809kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,35 MB ID: 3026208

              Vor 20 oder 30 Jahren mag das noch der Normalfall gewesen sein, aber heute hat sich Brasilien so viel weiterentwickelt, dass man nur noch sehr selten Reste der 3. Welt sieht.
              Im Boot zündet er sich eine Zigarette an und trinkt einen warmen Kaffee aus der Thermoskanne, bevor er mit dem Fischen fortfährt. Wahrscheinlich wohnt er sehr versteckt 900m weiter südlich im Hinterland (Map).

              Kurz einen "Grünspecht" beobachtet, da kommen ~4 Arten infrage, also ohne Foto keine Chance; Schlangenhaut.

              Abfahrt heute erst ¼10. Noch 72km bis Corumbá. Das Paddeln geht heute wieder leicht und zügig.
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5826kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,25 MB ID: 3026209

              Auf den ersten 5km etliche kleine Höfe am linken Ufer, einer mit aktiver Viehwirtschaft:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5838kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,78 MB ID: 3026210

              Ein weiterer Hof sieht aus wie eine Strandgaststätte:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5842kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,46 MB ID: 3026215
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5845kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,59 MB ID: 3026214
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5847kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,27 MB ID: 3026218
              Die “Rancho Maracangalha” (Map, Facebook) bietet Unterkunft und Angelausflüge.
              Interessant sind die Bilder vom Hochwasser Mai 2018 und dem extremen Niedrigwasser Juli 2020 zum Vergleich. Wir hatten Ende September 2019 also noch einen ziemlich guten Wasserstand im Rio Paraguai.
              Im Juli 2020 wurde die Ranch beinahe ein Opfer der massiven Brände im Pantanal (siehe das zweite Drohnenvideo auf dieser Seite).

              Ein Dritter, sehr kleiner Hof glänzt mit einer super Solaranlage mit Batteriespeicher:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5848kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,16 MB ID: 3026216
              So wie diese Solaranlage aussieht, hat sie der Besitzer über die Pilotphase des Programms "Ilumina Pantanal" geschenkt bekommen. Er zahlt nur einen symbolischen Beitrag von ~30R$ (~5€) im Monat ("Sozialgebühr") und hat ansonsten keine weiteren Stromkosten mehr. Viel besser, als selbst einen Generator zu beschaffen und mit Treibstoff zu befüllen, wie das bisher die Regel ist. Im Rahmen des Projekts "Ilumina Pantanal" sollen allein im Jahr 2021 weitere ~2090 Solaranlagen auf abgelegenen Höfen installiert werden, die sich auf eine Fläche fast so groß wie Portugal verteilen.

              Weitere kleine Höfe am Ufer:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5849kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,53 MB ID: 3026220
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5853kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,65 MB ID: 3026223
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5937kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,25 MB ID: 3026235

              Die allermeisten sind erst wenige Jahre alt, die Natur wird also munter weiter zersiedelt. Heute zwar nicht mehr im großen Maßstab der alten Fazendas, aber Kleinvieh macht auch Mist.

              Das Wetter ist perfekt, sehr klare Luft, beste Fernsicht. Zurück in Richtung Norden sehen wir bis zu den Bergen südlich von Amolar. Nach Süden können wir bereits bis über unser Paddelziel hinausschauen, auf den Morro Grande, also den großen Hügel, 20km südlich von Corumbá:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5850kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,44 MB ID: 3026217
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5852kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,16 MB ID: 3026219
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5947kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1.021,5 KB ID: 3026234
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5949kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,20 MB ID: 3026237
              Der Große Hügel ist 1065m hoch und erhebt sich damit 960m über die Sumpfebene des Pantanal, ist nach meinem Gefühl also eigentlich schon ein richtiger Berg:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: SovietkarteCorumbaRelief.png Ansichten: 0 Größe: 3,20 MB ID: 3026251

              Nach den vielen Gehöften wird es einsamer, wieder ein Abschnitt reine Natur:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5854kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,70 MB ID: 3026221
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5865kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,67 MB ID: 3026224
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5871kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,24 MB ID: 3026226
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5892kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,11 MB ID: 3026232
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5876kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 3,09 MB ID: 3026231
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5882kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,26 MB ID: 3026227

              Amazonasfischer (Chloroceryle amazona):
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5887kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,71 MB ID: 3026233
              Links das Weibchen, rechts das Männchen. Die Art ist nicht leicht zu unterscheiden vom Grünfischer (Chloroceryle americana).

              Jaribu im Nest:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5927kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,58 MB ID: 3026230

              Für eine Pause legen wir diesmal nicht am Ufer an, sondern fahren in eine große treibende Wasserhyazintheninsel, legen quasi an, und treiben mit ihr sehr sauber im Stromstrich:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5870kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,51 MB ID: 3026225

              Windstille, Vogelkonzert, und die Amazonasfischer, die ich oben schon gezeigt habe:

              Der die ganze Zeit in regelmäßigen Abständen zu hörende klangvolle Ruf ist wahrscheinlich vom Grausaltator (Saltator coerulescens).

              Insgesamt treiben wir in 48 Minuten 2619m, also mit 3.26km/h. Das ist mal ein genaues Maß für die Strömungsgeschwindigkeit des großen Stromes an dieser Stelle und mit diesem Wasserstand, eine Angabe, die ich mir schon vor der Reise mal gewünscht hätte.

              Heute sind tagsüber keine Hotelschiffe mit Angeltouristen aktiv auf unserem Flussabschnitt.

              Eine Riesenotter-Gang am rechten Ufer:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5953kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,93 MB ID: 3026242
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5954kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,37 MB ID: 3026240

              Kein Wasserschwein gesehen heute, keinen Kaiman. Weggeplatscht sind 3 - 4 große Tiere, aber wir haben halt nicht gesehen, welche. Lagerplätze sind rar, Sandbänke gibt es schon seit Tagen nicht mehr.
              Anfangs finden sich in den Innenkurven noch Ausstiege unter Bäumen mit etwas Freifläche:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5955kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,75 MB ID: 3026243
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5940kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,33 MB ID: 3026238
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5934kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,16 MB ID: 3026229
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5936kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,85 MB ID: 3026236

              An einer Stelle, an der ich auf einem Satellitenbild zwei Häuser zu erkennen glaubte und in die OSM eingezeichnet hatte, finden wir zwar keine Häuser vor, aber einen freigeschlagenen Lagerplatz auf einem Hochufer mit Lagerfeuerstelle.
              Kurz vor 3 beenden wir den Paddeltag hier:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5960kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,90 MB ID: 3026241
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5961kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,92 MB ID: 3026244
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5964kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 3,30 MB ID: 3026248
              Ein einsamer Platz im dichten Dschungel.

              Die Riesenotter-Gang von vorhin kommt wenig später auch hier vorbei:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5968kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,60 MB ID: 3026246
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5969kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,31 MB ID: 3026245
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5971kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,32 MB ID: 3026247
              Von hier oben haben wir einen schönen Blick auf die Otter. 5 Otter, wenn ich richtig gezählt habe. Keck rufen sie zu uns hoch:

              Irgendwelche Angst haben die sowieso nicht, die nehmen es auch locker mit Jaguaren auf.

              1½h nach der Landung köcheln die Nudeln auf dem Ofen:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5972kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,10 MB ID: 3026249
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5973kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 3,43 MB ID: 3026252

              Kurz vor Sonnenuntergang sind am Himmel erste Eintrübungen wahrscheinlich wieder von Rauchschwaden erkennbar:
              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: Pant5974kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,68 MB ID: 3026250

              Darum haben wir heute nicht mehr einen ganz so hellen Sonnenuntergang wie gestern.
              Zur selben Zeit umschwirren uns extrem viele lästige Fliegen auf dem Lagerplatz. Sie haben es vor allem auf mich abgesehen, Thomas bleibt verschont. Und das, obwohl ich mich auch noch mit Icaridin eingesprüht habe.
              Nach Sonnenuntergang sind die Fliegen weg und Mücken gibt es auch kaum.

              Eine halbe Stunde vor Mitternacht kommt ein großes Party-Schiff stromauf getuckert. Schnulzige brasilianische Schlagermusik, laut schreiende Männer an Bord.

              ----------------------------------------------------
              Riesenotter-Links:

              Giant Otters of Brazil | The World's Largest Otter
              Jaguars vs. Giant Otters: Who Will Win? | Nat Geo Wild
              Otter Family Fight For Survival Against Jaguar Attack | SNAPPED IN THE WILD
              OTTERS - JAGUAR'S FEAR || Top otters vs jaguar moments (teilweise Wiederholungen vorheriger Szenen)
              Caiman Attacks Family Of Otters | Wild Brazil | BBC Earth
              Otters vs Caiman
              Zuletzt geändert von Spartaner; 12.03.2021, 08:02.

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              • Spartaner
                Alter Hase
                • 24.01.2011
                • 2770

                • Meine Reisen

                #87
                Samstag, 28.09.2019, bis 8 Fluss-km vor Corumbá, 28km
                Im Morgengrauen höre ich extrem tiefe und laute Kaiman-Grunzer. Sicherlich ein riesiges, altes Tier. Sie sind zu hören bei Sekunde 28, 40 und 59 auf dieser Aufnahme des “morning pre-dawn song battle” von einigen Ortalis canicollis (Chacoguan, Chaco-Tschatschalaka) (da das File offensichtlich unter mboxdrive nicht mehr verfügbar ist, habe ich es hier hochgeladen, siehe den MP3-Anhang ganz unten hier im Beitrag).


                Eine Stunde später, Blick aus dem Zelt:
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5976k.jpg Ansichten: 40 Größe: 1,45 MB ID: 3028120
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5978kc.jpg Ansichten: 40 Größe: 2,24 MB ID: 3028122

                Während wir frühstücken, passieren etliche einzelne Motorboote die Innenkurve auf der gegenüberliegenden Flussseite. Ein Boot mit 3 Anglern schert aus und legt 100m oberstrom unserer Campstelle an unserem Ufer an.

                ½9 sind wir wieder auf dem Wasser. Easy paddeln heute bei bestem Wetter, wenig Wind. Die Luft ist allerdings nicht mehr ganz so klar wie gestern.

                Nach 2½km passieren wir mehrere Häuser am linken Ufer, auch bessere dabei:
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5985kc.jpg Ansichten: 39 Größe: 2,98 MB ID: 3028121
                Die “Rancho doce vida” (Ranch “Süßes Leben”) ist offenbar als Touristenunterkunft gebaut worden (Angeltourismus), sogar überschwemmungssicher auf Stelzen.

                Kurz dahinter ein schickes Haus, aber schon Ruine:
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5988kc.jpg Ansichten: 38 Größe: 2,69 MB ID: 3028124
                2013 wohnte hier noch ein Herr namens Nilo (Bild). Brian und Diana vermachtem ihm Teile ihrer Ausrüstung, von der sie meinten, sie nicht mehr zu benötigen: "we gave Nilo our stove, remaining fuel, matches, Diana's rubber boots and some food".

                Viele Anglerboote tummeln sich auf dem Fluss, aber heute sieht es mehr nach individuellem Angeln aus als touristischem.

                Der allergrößte Teil der Flussufer ist aber weiterhin unberührte Natur:
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5990kc.jpg Ansichten: 39 Größe: 2,45 MB ID: 3028129

                Die Berge am südlichen Horizont kommen immer näher:
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5998kc.jpg Ansichten: 41 Größe: 854,4 KB ID: 3028127
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant5997kc.jpg Ansichten: 43 Größe: 1,07 MB ID: 3028126
                Es ist schon ein erhebender Anblick. Jetzt, wo klar ist, dass wir es bequem bis Corumbá schaffen werden, können wir uns viel Zeit lassen. Das Ziel kommt näher, meine bisher beste Paddeltour nähert sich dem Ende.

                Auf dieser Panorama-generierenden Webseite hier kann ich den markanten Berg mit der sehr steilen Ostflanke genau orten. Er liegt 40km entfernt und ist 778m hoch (Map):

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: PanoramaUDeuschleCorumba.png Ansichten: 0 Größe: 142,9 KB ID: 3030778
                www.udeuschle.de

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6004kc.jpg Ansichten: 41 Größe: 952,9 KB ID: 3028128

                Eines der Seezeichen, deren Positionen ich in der OSM vermerkt habe:
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6005kc.jpg Ansichten: 41 Größe: 3,30 MB ID: 3028134
                Es steht am offiziellen Flusskilometer 1545.2 unter der Bezeichnung “BZ Passarinho Preto Sup”. Knapp über 1000km ist der Rio Paraguai hier bereits lang und 1545km sind es noch bis zur Mündung in den Río Paraná.

                Wir könnten heute auch schon ganz bis Corumbá paddeln, es sind von hier aus ja nur noch 23 Fluss-km, aber das möchte ich im Gegensatz zu Thomas nicht. Andrea kommt erst morgen in Corumbá an, und die Nacht davor würde ich gerne noch draußen im Dschungel übernachten. Hotels und Pensionen werden wir im Anschluss noch genug “genießen” können.

                So schauen wir uns immer wieder potentielle Übernachtungsplätze an. Hier käme man zB ganz gut ans Ufer, und sauberes Wasser aus einem Altarm hätten wir hier auch (Map):
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6006kc.jpg Ansichten: 42 Größe: 2,70 MB ID: 3028135

                Aber scheint sich um Privatland zuhandeln, und natürlich ist es mir um 10 Uhr noch zu früh und zu weit von Corumbá entfernt (Luftlinie15km). Ich hätte nämlich heute Abend gerne schon Mobilfunkempfang bzw schnelles Internet aus der Stadt, und so paddeln wir noch weiter.

                Die bolivianischen Schwesterstädtchen von Corumbá, Puerto Quijarro bzw Puerto Suárez, kommen in Sicht:
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                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6013kc.jpg Ansichten: 40 Größe: 1,28 MB ID: 3028133
                Auf diesem Bild ↑ sieht man verrottende Industrieanlagen zwischen den bolivianischen Orten Puerto Quijarro und Puerto Suárez (Map, Provinz Germán Busch). Ich habe nicht herausfinden können, um was es sich dabei handelte. Es sieht aus wie Bergbau, kann aber mit dem eigentlichen Schatz dieser Gegend nicht viel zu tun haben. Oder sind es doch die Reste der ersten Aufbereitungsanlagen?

                28km südwestlich dieser alten Anlagen befindet sich ein Berg, der aus purem, sehr reinem Eisenerz besteht. Dieser Berg heißt El Mutún. Auf einer Fläche von ~75km² liegen hier ~40 Milliarden Tonnen Eisenerz mit einem Eisengehalt von 50%, fast 9% der gesamten leicht erschließbaren Eisenlagerstätten der Welt. Die Vorkommen sind seit 1848 bekannt, seit den 50er Jahren wird eine wirtschaftliche Nutzung der Vorkommen versucht.

                Anfang der 2000er Jahre entwickelte das brasilianische Unternehmen EBX ein Projekt zur Gründung einer Stahlhütte im bolivianischen El Mutún. Anstatt Erdgas aus einer 20km entfernten Pipeline zu verwenden, sollte für die Stahlhütte Holzkohle (!!!) verwendet werden, zu dessen Herstellung 45 Hektar Amazonasholz pro Tag benötigt würden (super toll, das zählt ja als erneuerbare Energie, nicht wahr?, also richtiger Ökostahl). Aus naheliegenden Umweltschutzgründen wurde das Projekt vom bolivianischen Präsidenten Evo Morales blockiert.
                EBX begann aber illegalerweise bereits zu arbeiten, bevor es eine Lizenz erhielt. Das bolivianische Verteidigungsministerium erklärte, dass "verschiedene Unregelmäßigkeiten und Verstöße gegen die Verfassung" beobachtet worden seien. Am 19. April 2006 befreite die bolivianische Armee drei Minister, die von Dorfbewohnern als Geiseln genommen worden waren und die sofortige Eröffnung aller EBX-Anlagen forderten. Bis 2007 hatte die bolivianische Regierung EBX aus der Region Mutún ausgewiesen.
                Dann versuchte sich die indische Firma “Jindal Steel and Power Limited” an der Erschließung der Vorkommen. Jindal wollte zunächst 1.5Mrd US-$ und in den nächsten 8 Jahren weitere 2.5Mrd US-$ investieren und dabei ~6000 Arbeitsplätze direkt und weitere 15000 indirekt schaffen. Geplant war ein Stahlwerk mit einer Produktion von 1.7Mio t Stahl/a, ein Eisenschwammwerk mit 6Mio t Fe/a, und ein Eisenerzpelletwerk mit 10Mio t Fe/a sowie der Bau eines 450-MW-Erdgaskraftwerks. Bolivien war aber nicht in der Lage, den 20km langen Erdgasanschluss sicherzustellen, und so kamen nur Investitionen von 20Mio US-$ zustande. Nach einigem Streit verließ Jindal im August 2012 das El Mutún-Projekt und bekam 2014 von einem internationalen Schiedsgericht seine investierte Summe von Bolivien zurück.
                Seitdem liegt die ganze Sache wieder in der Schublade (Wikipedia).


                Zeitweise bläst doch etwas Wind. Aber im Gegensatz zu Brian und Diana, die hier sehr mit Gegenwind zu kämpfen hatten, schiebt uns der Wind in die richtige Richtung.
                Thomas versucht, das Ganze mit dem Schirm zu unterstützen:
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6014kc.jpg Ansichten: 39 Größe: 1,50 MB ID: 3028132
                So verbringen wir wieder eine ½h Pause auf dem Fluss, während der wir uns 2.2km vorwärts bewegen (3.84km/h). Immerhin sind wir ein bisschen schneller als die 3.26km/h am Vortag ohne Wind.

                Brian und Diana hatten dagegen richtig zu kämpfen: "We rounded the next bend and were confronted with severe head winds with 3 foot swells and breaking whitecaps! Over the next 7 hours we inched our way along the shoreline. If we still had had a stove, or even matches, we probably would have stopped and waited for better conditions."

                "Fazenda 4 Irmãos", hier haben sich offenbar 4 Brüder ihr Angelparadies geschaffen:
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6017kc.jpg Ansichten: 40 Größe: 2,32 MB ID: 3028136

                Corumbá, im Hintergrund der Morro Grande:
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6019kc.jpg Ansichten: 39 Größe: 852,7 KB ID: 3028131
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6020kc.jpg Ansichten: 40 Größe: 927,0 KB ID: 3028137
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6022kc.jpg Ansichten: 41 Größe: 1,57 MB ID: 3028138
                Das letzte Bild lässt die große weiße Jesus-Statue auf dem Hügel “Morro do Cruzeiro” hinter der Stadt erkennen (Cristo Rei do Pantanal - el Rey de Corumba). Eine 460m lange Treppe führt direkt auf den Hügel zu diesem Aussichtspunkt hinauf.
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Cristo_do_Rei_do_Pantanal_-_Corumbá,_Mato_Grosso_do_Sul.jpg Ansichten: 39 Größe: 4,63 MB ID: 3028123
                Foto Andrew Mercer, CC BY-SA 4.0

                Der Hügel erhebt sich ~210m über das Niveau des Flusses (Map). Genügend Mobilfunkantennen sind auch zu sehen, also sollte es doch guten Empfang geben.

                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6024kc.jpg Ansichten: 42 Größe: 2,69 MB ID: 3028139
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6026kc.jpg Ansichten: 42 Größe: 2,37 MB ID: 3028142

                Die letzten unterwegs-Bilder der Skyline von Corumbá heute:
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6030kc.jpg Ansichten: 43 Größe: 1,18 MB ID: 3028140
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6029kc.jpg Ansichten: 40 Größe: 1,27 MB ID: 3028141

                Auch hier wilde Zersiedelung, ein verstecktes Wochenendgrundstück (Map):
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6031kc.jpg Ansichten: 40 Größe: 3,35 MB ID: 3028145

                Gegen ¾1 landen wir 8 Fluss-km vor Corumbá am linken Ufer an und schlagen das Lager in der Innenkurve auf:
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6037kc.jpg Ansichten: 42 Größe: 2,65 MB ID: 3028144

                Reste eines eindeutig gewilderten Kaimans in unserem Lager:
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6036kc.jpg Ansichten: 43 Größe: 2,50 MB ID: 3028147
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6034kc.jpg Ansichten: 42 Größe: 2,26 MB ID: 3028143
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6042kc.jpg Ansichten: 43 Größe: 1,78 MB ID: 3028146
                Der Panzer war am Rücken sauber aufgeschnitten und es wurden offenbar nur ein paar wenige Fleischstücke entnommen. Das wundert mich, denn irgendwo habe ich gelesen, dass die Wilderer meist den Schwanz abschneiden, da er das beste Fleisch enthält.
                Die Reste des Kaimans müssen schon lange hier gelegen haben. Sie waren vollkommen trocken, mumifiziert, und haben natürlich überhaupt nicht mehr gerochen (andernfalls wären wir doch noch auf einen anderen Platz weitergezogen).
                Wilderei ist auch heute noch ein ständiges Thema im Pantanal. Zwar nicht mehr im dem großen Stil, wie in den 60er bis 90er Jahren des 20.Jhds. Hauptsächlich geht es um illegale Fischerei von Profis und Amateuren. Die personell schwach ausgestattete Umweltpolizei PMA (Polícia Militar Ambiental) verfolgt diese Taten, wo sie kann (Beispiel Kaimanjagd).

                Besonders toll ist unser letztes Camp hier am Fluss aber dennoch nicht. Erst nach dem Zeltaufbau stellen wir fest, dass die bergauf fahrenden Boote und großen Schiffe hier alle ganz dicht an unserem Ufer vorbeifahren:
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20190928_135413.jpg Ansichten: 43 Größe: 3,28 MB ID: 3028125

                Ca. 12 Hotelschiffe passieren unser Lager, die allermeisten stromauf.

                Wir haben heute Nachmittag noch viel Zeit und kochen uns Nudeln und Kaffee:
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6043kc.jpg Ansichten: 42 Größe: 1,77 MB ID: 3028148
                Ganz wohl ist mir nicht mit dem Feuer hier auf der knochentrockenen organischen Unterlage. Nur zwei rostige Stahlstangen sorgen für etwas Abstand zum Boden. Aber das Löschwasser ist ja nicht weit.

                Hier im Dschungel gibt es kaum eine Möglichkeit, das Solarpanel auszubreiten. Auch wenn man mal einen Sonnenfleck erwischt, so wandert der doch ständig weiter. Erst gegen Abend finde ich einen schönen Platz für das Panel, wo es mal eine Stunde ungestört hängen kann:
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6044kc.jpg Ansichten: 42 Größe: 2,54 MB ID: 3028150
                Schön sonnig, ja, aber auch sehr absturzgefährdet. Das Smartphone hing ja auch mit dran.

                Letzter Blick auf das Ziel der Tour, Corumbá im Abendlicht:
                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6049kc.jpg Ansichten: 42 Größe: 2,01 MB ID: 3028149
                37min später ist die Sonne untergegangen.
                Wir sind hier ~4km Luftlinie von Corumbá entfernt und haben entsprechend gute LTE-Verbindung.

                Nachts schallt laute Musik aus Corumbá rüber bis in unsere Zelte. Ich bin nicht besonders müde nach dem wenig anstrengenden Tag und so chatte ich noch ein bisschen mit Andrea, die auch schon im Land ist und in ihrem Hotel WLAN hat.

                Andrea, die morgen zu uns stoßen möchte, ist heute früh um 6 Uhr MESZ von Berlin-Tegel losgeflogen, um ¾9 CET in Lissabon zwischengelandet (von wo ich eine Nachricht bekommen habe), flog dann >10h weiter nach São Paulo und landete etwa zu der Zeit, als wir hier am Flussufer den Sonnenuntergang erlebten, auf dem größten Flughafen Brasiliens, Guarulhos (GRU 2019: 43Mio Fluggäste, zum Vergleich FRA 2019: 70Mio, TXL 2019: 24Mio).

                Während wir hier anschließend bereits im Zelt lagen, fuhr sie nachts um ¼9 mit einem Uber 111km (Renault Logan, 211.37R$ bzw ~47€) zum Nachbarflughafen Viracopos, und ruht sich ein paar Stunden im dortigen Ramada Hotel Aeroporto Viracopos aus.
                Morgen früh um 8 möchte sie dann von Viracopos zu uns nach Corumbá weiterfliegen.
                Angehängte Dateien
                Zuletzt geändert von Spartaner; 07.04.2021, 05:35.

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                • Spartaner
                  Alter Hase
                  • 24.01.2011
                  • 2770

                  • Meine Reisen

                  #88
                  Ich habe es noch nicht selber gesehen, bin aber schon gespannt und will es mir sichern:

                  Dokumentation "Naturwunder Pantanal"
                  Das Erste am 19.04.2021 20:15 ∙ Erlebnis Erde

                  "Pantanal ist brasilianisch und bedeutet Sumpf. So schlicht der Name, so spektakulär ist das größte Feuchtgebiet der Erde im Herzen Südamerikas. Diese Millionen Jahre alte Landschaft ist eine Arche Noah für viele bedrohte Tiere und Pflanzen." (Video verfügbar bis 19.04.2022)

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                  • Spartaner
                    Alter Hase
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                    • 2770

                    • Meine Reisen

                    #89
                    Sonntag, 29.09.2019, Corumbá, 8km
                    Im Morgengrauen liege ich schon wach im Zelt und lausche dem Konzert im Dschungel um mich herum. Die Tonaufnahme von 05:24 Uhr lässt bekannte und unbekannte Stimmen aus dem Sumpf hinter dem Uferdamm hören ( SoundscapeRioParaguaiCorumbaLS_50577.mp3). Neben dem andauernden lauten pre-dawn-morning-battle des Chacoguans (Ortalis canicollis) ruft mehrfach eine Weißstirntaube (Leptotila verreauxi). Einmal ist ein Kaiman-Brüller zu hören. Soweit ist mir das bekannt.
                    Ein erfahrener Ornithologe half mir dann bei der Identifizierung weiterer Vogelstimmen. Komisch fand ich die Rufe des Marmorreihers (Tigrisoma lineatum), der wie eine Kuh klingt (bei 00:34, 00:58, 01:12, 01:30 und 01:45). Am Beginn der Aufnahme bei 00:06 singen laut 3 Blassfußtöpfer (Furnarius leucopus). Klar höre ich bei 00:34, 01:28, auch den weitverbreiteten Brasilzwergkauz (Glaucidium brasilianum), eine großgewachsene Art aus der Gattung der ansonsten kleinen Sperlingskäuze. Der Mönchssittich (Myiopsitta monachus) ist kurz bei 01:34 zu hören.
                    Daneben sollen auch Theristicus caerulescens (Stirnbandibis, das wäre dann die vierte Ibis-Art), Saltator caerulescens, und Nyctidromus albicollis zu hören sein (welche ich schon von vorherigen Tonaufnahmen kenne), aber in meiner Aufnahme leider nicht wiedererkenne.

                    05:30 Uhr, Sonnenaufgang, eine Rotte Pekaris kommt zu Besuch. Sie verharren 5m vor den Zelten, das Leitschwein knallt laut mit den Zähnen. Nachdem ich mich im Zelt aufsetze und wir uns sehen, machen sie kehrt und ziehen sich ein paar Meter zurück. Leider habe ich ein weißes Halsband oder andere Merkmale im Gegenlicht und ohne Brille auf der Nase nicht erkannt.
                    Also entweder war es ein Weißbartpekari (Tayassu pecari, auch Bisampekari) oder ein Halsbandpekari (Pecari tajacu).
                    Theoretisch könnte es auch eine dritte Art sein, das Chaco-Pekari (Catagonus wagneri), welches ganz in der Nähe hinter dem östlichen Ufer des Rio Paraguai lebt. Es bewohnt die dornigen Trockenwälder und Savannengebiete des Gran Chaco in Südostbolivien, Paraguay und Nordargentinien, wo es erst in den 1970er Jahren lebend entdeckt wurde. Vorher war es der Wissenschaft nur durch pleistozäne Fossilien bekannt (Wiki).
                    Und erst im Jahr 2000 wurde weiter nördlich im Amazonas-Gebiet das Riesenpekari (Pecari maximus) entdeckt. Erstaunlich, dass solche großen Säugetiere erst so spät entdeckt wurden.

                    Die Weißbartpekaris können, vor allem in größeren Rotten, richtig gefährlich werden. Besonders gerne stürzen sie sich auf Hunde. Auch Jaguare lernen Respekt von den Pekaris (Mobbing, Video). Ohne Hund ist es dagegen meistens relativ ungefährlich, siehe Pekaris für Kinder. John Coningham hat mehr Respekt vor diesen Tieren und ein paar schöne und schaurige Erlebnisse mit Pekaris aufgeschrieben. So überqueren sie einen Fluss (am Ende ist auch das Schlagen der Zähne zu hören).

                    Blick aus dem Zelt 1h später:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20190929_062101.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,67 MB ID: 3041431
                    Wenn ich mich recht erinnere, dann war das der letzte Morgen mit offenem Blick aus dem unverhüllten Innenzelt.
                    Letztes Frühstück am Rio Paraguai:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20190929_074248_HDR.jpg Ansichten: 0 Größe: 3,55 MB ID: 3041432

                    Blick auf den Fluss, Corumbá in der Morgensonne:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6054kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,36 MB ID: 3041429
                    Ein letztes Mal treibt der “Lord” an uns vorbei.

                    8:54, wir packen gerade zusammen, fliegt Andrea, vor 2h in Viracopos gestartet, fast über uns hinweg. Wir hätten ihr winken können.
                    Ihr Blick aus dem Flugzeug auf unser Lager unter den Bäumen (roter Kreis):
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190929_145354kc.png Ansichten: 0 Größe: 3,56 MB ID: 3041401

                    Noch ein Blick aus dem Flugzeug im Landeanflug 3min später, hier auf die Hügel westlich und südwestlich von Corumbá:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20190929_145658.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,14 MB ID: 3041428

                    Thomas hat vom Ufer aus Andreas Flugzeug gesehen, ich erst später auf dem Fluss, als es 1h nach der Landung wieder von Corumbá startet:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6072kc.jpg Ansichten: 18 Größe: 836,7 KB ID: 3041423

                    Es handelt sich um eine 6 Jahre alte Embraer ERJ-195 PR-AXN mit dem klangvollen Namen “Dias Azuis” (“Blaue Tage”) der Azul Linhas Aéreas Brasileiras (Nahaufnahme). Das Interessante an diesem Flugzeug ist, dass es das erste Azul / Trip E195-Flugzeug mit ADS-B.Abs ist (und damit in flightradar24 verfolgbar). Sie ist der betriebskostengünstigste Flugzeugtyp in ihrem Marktsegment und ein schönes Beispiel für die Leistungsfähigkeit der brasilianischen Wirtschaft. Embraer ist zZ der weltweit viertgrößte Flugzeughersteller. Von den >18000 Beschäftigten sind 95% in Brasilien tätig. Mir selber war bisher nicht bekannt, dass dieses Land eine auch im Export so erfolgreiche Flugzeugproduktion hat. Die Grundlagen für die brasilianische Flugzeugproduktion wurden in den 50er Jahren mit deutscher Hilfe gelegt.

                    Um 9 paddeln wir los. 8km sind es noch bis zum Ziel Corumbá.
                    Unser Lagerplatz lag noch sehr schön einsam im Sumpf. 2 Flussschleifen weiter sieht es anders aus. Zersiedelte Ufer:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6069kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,88 MB ID: 3041430

                    Das sind quasi die Datschen einiger Bewohner von Corumbá, nur 2km von der Stadt entfernt. Schon hinter der nächsten Flussschleife kommt die Stadt in Sicht:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6081kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 957,6 KB ID: 3041426
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6085kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,10 MB ID: 3041427
                    Das am weitesten links stehende Hochhaus ist das, von wo aus uns Andrea beim Blick aus dem Fenster des hochgelegenen Apartments erspähen könnte. Ich funke sie an und avisiere unsere Ankunft für die nächsten Minuten (Whatsapp).

                    Die große Seebrücke überspannt die Durchfahrt nach Bolivien:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20190929_100015k.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,20 MB ID: 3041421

                    Wegen der Überwachung von Hafen und Grenze patrouilliert ein Schnellboot der brasilianischen Marine auf dem Fluss. Der Hafenkapitän inspiziert uns Neuankömmlinge:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6087kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,28 MB ID: 3041422

                    Die Marine ist in Ladário stationiert, einer eigenständigen Stadt eingebettet ins Gemeindegebiet von Corumbá (erkennbar als weißer Fleck in dieser Karte vom Gemeindegebiet von Corumbá). Ladário wurde 1778 als Militärlager gegründet.

                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20190929_100009.jpg Ansichten: 19 Größe: 1,89 MB ID: 3041424

                    Von unserem anvisierten Strand ertönt laute Musik:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6119kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,41 MB ID: 3041416

                    Auf und im Wasser tummeln sich etliche Sportler:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6091kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,49 MB ID: 3041425
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6099kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,85 MB ID: 3041417
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6109kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,96 MB ID: 3041418

                    Der Strand ist eigentlich gerade abgesperrt für ein größeres Volkssport-Event, ähnlich dem dem “Eco Pantanal Extremo” im November 2019 (Fernsehbeitrag). Zu unserer Veranstaltung am 29.9.2019 finde ich leider nichts im Netz.

                    Aber es ist kein Problem, wir dürfen am Rande des Strandes zwischen den 2 großen Tretbootschwänen anlegen.

                    Kurz nach 10Uhr, nach exakt 900.945km auf dem Wasser, beenden wir die Kanutour. So zeigt es jedenfalls der GPS-Track. Na ok, er zittert vielleicht etwas. Das Zittern rausgeschätzt werden die glatten 900km wohl stimmen – natürlich bleibt es so oder so die längste Paddeltour meines Lebens. Und die interessanteste, gemessen an dem, was es zu sehen gab.

                    Zurück zum Strand, unserem Abbaustrand. Der Strand ist nicht besonders schön, etwas dreckig und leicht mit Müll, Bauschutt und Schlackesteinchen durchsetzt. Hier möchte ich den empfindlichen Kahn kein Stück über den Untergrund schleifen, sondern besser schwimmend auf dem Wasser ausladen. Zuerst breiten wir die große graue Gewebeplane am Nordrand des Strandes aus und packen das gesamte Gepäck darauf. Dann erst kommt das Boot aus dem Wasser:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6122kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,04 MB ID: 3041415

                    Nachdem wir auch noch Smartphone und Powerbank an das Solarpanel angeschlossen haben, stößt Andrea zu uns. Erster Blick aus ihrer Perspektive:
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                    4 Wochen haben wir uns nicht gesehen. Nun beginnt ein neuer Abschnitt der Reise. 3 Wochen liegen vor uns, in denen wir Südbrasilien auf Land erkunden wollen.

                    Zunächst jedoch holen wir uns 3 eisgekühlte Dosenbier von einem nahegelegenen fliegenden Händler und feiern unser Wiedersehen und das glückliche Ende der Paddeltour.

                    Das kleine Bier bekommt Andrea aber leider gar nicht gut. Die 37°C Tageshöchsttemperatur sind jetzt gegen Mittag wohl schon fast erreicht, dazu die Hitze in der prallen Sonne, das ist zuviel für sie. Ihr wird schlecht, der Kreislauf schwächelt, sie legt sich im Schatten der Ufermauer ins Gras und muss sich erstmal erholen.

                    In der Zwischenzeit baue ich das Boot ab:
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                    Nachdem sich Andrea wieder halbwegs erholt hat, sehen wir uns auf dem Strand um nach einer “Mitfahrgelegenheit”. Vorher haben wir erkennen müssen, dass Uber hier in Corumbá nicht funktioniert.
                    Das geeignetste Fahrzeug scheint dieses hier mit einem bolivianischen Nummernschild zu sein:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20190929_125018.jpg Ansichten: 0 Größe: 3,67 MB ID: 3041419
                    Geräumig, groß genug für uns drei und unser umfangreiches Gepäck, das müsste gehen. Die Besitzerin wäscht gerade das Auto im Fluss, lässt sich aber überreden, uns zum nahegelegenen Apartment zu fahren.

                    ¾1 laden wir das Gepäck ins Fahrzeug und fahren die 600m hoch in die Rua Delamare 1047. Nicht mal 3 Minuten hat die Fahrt gedauert. Die Dame, sie kommt aus Bolivien, ist recht geschäftstüchtig und zieht Thomas mindestens das doppelte des regulären Taxipreises aus der Tasche (20R$).

                    Das Appartmenthaus:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6156kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,57 MB ID: 3041406

                    Dort angekommen, wird das Gepäck erst mal in den Eingang verfrachtet, dass es von der Straße runter ist, dann melden wir uns beim Concierge. Der händigt uns die Schlüssel aus und hilft uns in den Fahrstuhl. Der Fahrstuhl muss 2x fahren, das Gepäck passt nicht alles auf ein mal rein:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: IMG_20190929_130247.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,22 MB ID: 3041411

                    Unser Apartment “Linda Vista do Pantanal” (bedeutet: “Schöne Aussicht aufs Pantanal”) ist recht geräumig und kostet für 2 Tage alles zusammen 70€ (direkt über booking.com). Es hat eine Küche, 2 Toiletten, Dusche, 2 Schlafzimmer, ein Wohnzimmer und tatsächlich eine großartige Aussicht nach Norden, aus dem Zentrum der Stadt aufs Pantanal:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6126kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,86 MB ID: 3041412

                    Wohnzimmer:
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                    Küche:
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                    Ich breite die Teile des Bootes noch einmal aus, um besonders aus der Matte auch den letzten Rest an Feuchtigkeit verdunsten zu lassen. In den folgenden 3 Wochen, in denen wir das Boot verpackt und bei Tropenhitze transportieren, soll ja nichts verschimmeln.

                    Dusche mit elektrisch beheiztem Duschkopf:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6171k.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,72 MB ID: 3041400

                    Die Klimaanlagen über den Fenstern funktionieren, es ist angenehm kühl in den Zimmern. Andrea muss sich erst mal wieder hinlegen und von dem Hitzschlag erholen. Abends wird es ihr wieder besser gehen.
                    Corumbá hat übrigens eine Durchschnittstemperatur von 26°C und eine durchschnittliche jährliche Niederschlagssumme von 1m, fast 3x soviel wie bei uns.

                    Nachmittags drehe ich mit Thomas eine 3km-Runde durchs Viertel, Getränke einkaufen. Am Sonntag sind die meisten Geschäfte geschlossen, darum müssen wir etwas suchen, bevor wir zu unserem Bier kommen. Dabei bekommen wir einen ersten Eindruck von der Stadt.

                    Corumbá war einst ein brasilianisch-portugiesischer Vorposten im Mittelwesten, gegründet 1778 nach dem Vertrag von Madrid von 1750, der den Portugiesen gegen die Spanier die Herrschaft über dieses Gebiet sicherte.
                    Ende des 19.Jhdts war Corumbá der drittgrößte Flusshafen in Südamerika. Er exportierte Tierhäute (Jacaré, Jaguar und Otter), getrocknetes Rindfleisch, Fisch, Yerba Maté, Heilpflanzen und fertigte wertvolle Kautschuk-Fracht ab, die aus dem bolivianischen Amazonas- und Guaporé-Gebiet verschifft wurde. Zusätzlich erhob der Hafen Zölle für Passagiere und Fracht, die nach Norden in Richtung Mato Grosso und Cuiabá gingen (Dampfer der Europa/Brasilien-Route).
                    Corumbá galt als das Emporium von Mato Grosso - mit einer großen Anzahl ausländischer Händler, Konsulaten, etwa 25 internationalen Banken, und die Hauptwährung der Stadt war das Pfund Sterling.

                    Heute ist es eine Großstadt mit ~112Tsd. Einwohnern. Die lokale Wirtschaft basiert auf Viehzucht, Fischerei, Tourismus, Zementproduktion und der Wartung der Gaspipeline Brasilien-Bolivien. In den nahe gelegenen Hügeln waren bis vor kurzem auch mehrere kleine Eisen- und Manganminen in Betrieb.

                    Unser erster Weg führt in den >1.1ha großen “Garten der Unabhängigkeit’. Er wurde vor mehr als 100 Jahren von dem französischen Naturforscher Auguste François-Marie Glaziou als "Jardineiro do Império" gestaltet und 2016 restauriert. Der Platz ist vollständig in Marmor und einem gusseisernen Zaun gefasst, mit einem achteckigen Musikpavillon aus Gusseisen, der aus Deutschland importiert wurde, von wo auch das Straßenmosaik auf der Außenseite stammt:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6137k.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,02 MB ID: 3041414
                    Der Musikpavillon verzaubert mit seinen aus Gusseisen geformten Linien und erfüllt seine musikalische Rolle immer noch, indem er zu feierlichen Anlässen einem Heeresmusikensemble Platz für Auftritte bietet oder als Bühne für unzählige künstlerische, kulturelle und folkloristische Veranstaltungen in der Stadt dient (Wikipedia).

                    Vier herausragende Skulpturen repräsentieren die Jahreszeiten. Sie wurden in Pisa aus Carrara-Marmor gefertigt und von einem italienischen Grafen gestiftet, der im Pantanal auf die Jagd ging. Die Corumbáenser verehren auf dem Platz die Helden des Paraguay-Krieges und des Zweiten Weltkriegs. Jahrhundertealte Bäume und drei Teiche schmücken den Garten, in denen mehrere Vogelarten, einheimische Fische und sogar Schildkröten beheimatet sind.

                    Das 1915 errichtete Denkmal für Antônio Maria Coelho:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6139kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,36 MB ID: 3041409
                    Coelho kämpfte als erfolgreicher General (und später Marschall) auf Seiten Brasiliens gegen Paraguay. Paraguay zettelte 1864 in einem Anflug von Größenwahn einen Krieg gegen Brasilien, Argentinien und Uruguay an. Dieser entwickelte sich zum größten Krieg in der gesamten lateinamerikanischen Geschichte und kostete am Ende durch Kriegshandlungen und Epidemien ~¾ der Bevölkerung Paraguays das Leben.
                    Coelho befreite die Stadt nach 2 Jahren paragayischer Besatzung, in der die Stadt vollständig geplündert und viele ihrer Bewohner zur Zwangsarbeit nach Paraguay verschleppt wurde(n).
                    Detail: am 24.6.1867 gab es die erste brasilianische Militärluftoperation (mit Ballons).

                    Denkmal für die Gefallenen des 2. Weltkriegs:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6143kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,78 MB ID: 3041413
                    Fast 100 Jahre später beteiligte sich das Brasilianische Expeditionskorps (Força Expedicionária Brasileira) auf Seiten der Alliierten im Mittelmeerraum gegen die Achsenmächte. 25000 Soldaten des Heeres und der Luftwaffe kämpften von September 1944 bis Mai 1945 in Italien. In den acht Monaten dieses Feldzugs verloren diese fast 500 eigene Soldaten und nahmen 20573 Italiener und Deutsche gefangen.
                    Die brasilianische Marine und die brasilianischen Luftstreitkräfte nahmen bereits seit Mitte 1942 an den Kämpfen im Südatlantik teil.
                    Das Denkmal wurde 1984 von der Stadtverwaltung errichtet und zeigt “schematisch” Vertreter der drei Teilstreitkräfte Luftwaffe, Heer und Marine.

                    Historische Dampfwalze:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6142kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,64 MB ID: 3041410
                    Auf dem Schild steht: “Aus Gusseisen gefertigt, wurde sie beim Bau der ersten Straßen von Corumbá eingesetzt, um mit ihrem Gewicht die Erde zu verdichten und zu ebnen”. Hergestellt wurde sie etwa 1920 in England von Marshall, Sons & Co. Dampfwalzen dieser Firma finden sich heute noch auf der ganzen Welt.

                    Die Demografie der Stadt unterschied sich von den anderen Pantanal-Siedlungen und zog Einwanderer aus Europa, dem Libanon, Syrien, der Türkei und verschiedenen südamerikanischen Ländern an. Ein Armeeoffizier, der die Stadt besuchte, bemerkte 1913: "Im Hotel, in der Bar, in den Handelshäusern und überall in diesem kleinen und fernen Babel hört man alle Sprachen. Ich würde nicht übertreiben, wenn ich sage, dass Portugiesisch nicht die meistgesprochene Sprache ist".

                    Das Clubgelände der “Liga Árabe Brasileira de Corumbá” in der Rua Antônio João:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6145kcc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,48 MB ID: 3041435

                    Mehr als 100 arabische Familien (Palästinenser, Libanesen und Syrer) leben in Corumbá. Sie leben im Allgemeinen in der Innenstadt und sind bemüht, ihre Traditionen, Bräuche und Kultur zu bewahren.
                    Schon 1909 wurde eine “Osmanische Wohltätigkeitsgesellschaft” von einer Gruppe osmanischer Bürger gegründet, die in der Stadt Corumbá lebten.
                    "Einer für alle und alle für einen" [...] gegenseitige Hilfe unter ihren Mitgliedern, die Osmanische Wohltätigkeitsgesellschaft ist der allgemeinen Sympathie und der Mitarbeit aller Syrer würdig, die, weit weg von der Heimat, diese weiter veredeln wollen, indem sie edle Taten vollbringen und die, vereint durch die kraftvolle Bande der Brüderlichkeit, ein hohes Ideal verwirklichen [...] es ist die unausweichliche Pflicht, Hilfe zu leisten, ihren Beitrag zu allem zu leisten, was mit dem Fortschritt dieses gastfreundlichen und guten Landes zusammenhängt, wo die Syrer, wie alle fleißigen Ausländer, die dorthin kommen, mit wahrer Zuneigung empfangen werden”.

                    Die “Osmanische Wohltätigkeitsgesellschaft” gibt es nicht mehr, die 1954 gegründete “Arabische Liga” hatte vielleicht ähnliche Ziele. Ihr Club-Gelände liegt aber wohl schon seit einigen Jahren im Verfall.
                    Viele Araber sind mittlerweile in die größeren Städte Brasiliens gezogen oder gleich ganz emigriert. Ein paar Tage später haben wir einen von ihnen kennengelernt, der als Tourist aus den USA ein paar Tage in Campo Grande und Bonito verbrachte.

                    Hier an dieser Kreuzung war eines der beiden einzigen Lebensmittelgeschäfte in der Nähe eingezeichnet. Aber es war geschlossen. Auch beim nächsten haben wir kein Glück. Erst als wir einen Passanten nach einer Einkaufsmöglichkeit fragen, weist uns dieser den Weg zu einer Bar. Die Bar “Conveniencia do Batata” ist zwar bereits geschlossen, verkauft uns aber auf der Straße doch noch 2 Sixpack Bier.

                    Kurz darauf stoßen wir auf eine Straße, auf der bis vor wenigen Minuten noch der wöchentliche “Sonntagsmarkt” abgehalten wurde:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6146kc.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,09 MB ID: 3041408
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                    Das sind mal einige der sehr wenigen Dritte-Welt-Bilder, die ich in Brasilien aufgenommen habe - wirkliche Ausnahmen. Überall liegt Müll auf der Straße herum, die Leute packen zusammen und fahren nach Hause. Die meisten kommen aus Bolivien, die meisten fahren uralte Klapperkisten und das ganze erinnert an den “Polenmarkt” der 80er Jahre in Westberlin, den die älteren unter uns noch kennen. Sie verkaufen sowohl frische Produkte aus ihren Hausgärten, die sie über die Grenze bringen - als auch Schmuggelware wie billige Kleidung, Schuhe, Windeln, Fahrradteile, Spielzeug ua Konsumgüter meist sehr geringer Qualität aus China und viele raubkopierte CDs und DVDs. In Bolivien (und Paraguay) sind die Zölle auf Importwaren viel niedriger als in Brasilien, darum lohnt sich das (Brasilien hat schützenswerte eigene Industrien).
                    Im Entwicklungsland Bolivien, dem ärmsten Land Südamerikas, lag das BIP 2019 bei 3566$/Ew, in Brasilien bei 8751$. Zum Vergleich: Bolivien liegt mit diesen Werten knapp unterhalb der Ukraine, während Brasilien knapp unterhalb der Türkei und Montenegro liegt.

                    Ein paar 100m entfernt auf einem weiteren Platz, dem Platz der Republik (Praça da República), ist eine nicht ganz so historische Grubenbahn ausgestellt:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6148k.jpg Ansichten: 0 Größe: 2,11 MB ID: 3041403
                    Auch der Platz der Republik wurde 2016 generalinstandgesetzt.

                    Gegenüber dem Praça da República befindet sich der Sitz des Flusskapitäns für das Pantanal:
                    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Pant6149k.jpg Ansichten: 0 Größe: 1,80 MB ID: 3041404

                    Um ¼4 sind wir wieder zurück im Apartment und lassen den Tag ruhig ausklingen. Andrea geht es wieder besser, aber für einen Abendspaziergang fühlt sie sich noch zu schwach. Und weil wir davon während der letzten 4 Wochen noch nicht genug bekommen haben, werden wieder Spaghettis mit Tomatensoße gekocht.

                    So, das war er nun, unser letzter Paddeltag. An 27 Paddeltagen (darunter gab es keinen wirklichen Ruhetag) sind wir durchschnittlich 33⅓km vorwärts gekommen. Minimal waren es 8km (heute), maximal 56km am Tag (davon allerdings fast 11km im Schlepp eines Motorbootes). Selbst gepaddelt sind wir maximal 50km am Tag. Dass wir an einem Tag so weit kommen, hätte ich vorher nicht für möglich gehalten. Das lag zum einen daran, dass wir sehr lange gepaddelt sind an solchen Tagen, zum andern hat aber auch die immer spürbare Strömung gut mitgeholfen.

                    Schöne Paddeltour, auch im Rückblick. Aber es geht ja weiter. In den nächsten 3 Wochen möchten wir zu dritt zuerst nach Bonito, dann zum riesigen Wasserkraftwerk Itaipú, anschließend zu den nahegelegenen Wasserfällen von Iguaçu, und dann weiter an den Atlantik, nach Curitiba und Blumenau.
                    Morgen verbringen wir weiter in Corumbá. Ich möchte klären, wie wir nach Bonito kommen. Dorthin locken uns einige herausragende Teile der Karstlandschaft, kristallklare Bäche, in denen man schnorcheln kann.
                    Angehängte Dateien
                    Zuletzt geändert von Spartaner; 30.04.2021, 11:18.

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                    • rumpelstil
                      Fuchs
                      • 12.05.2013
                      • 2328

                      • Meine Reisen

                      #90
                      Danke! Ich habe mich echt gefreut, dass es weitergeht!

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                      • Mika Hautamaeki
                        Alter Hase
                        • 30.05.2007
                        • 3945

                        • Meine Reisen

                        #91
                        Vielen Dank für den tollen Bericht. Ich hoffe Du schreibst auch über den Teil der Reise nach Iguazu, Bonita usw. ICh war vor mittlerweile fast 8 Jahren in Iguazu und würde gerne wissen, wie es sich dort entwickelt hat.
                        So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
                        A. v. Humboldt.

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