[BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

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  • Spartaner
    Alter Hase
    • 24.01.2011
    • 2770

    • Meine Reisen

    #21
    Mittwoch, 4.9.2019, Rio São Lourenço, 43km
    Zum Sonnenaufgang schwillt das Vogelkonzert an. Zeitweise dominiert ein Trupp Brüllaffen die Akustikkulisse. Phantastisch hier, genau so wie ich mir solch eine Tropentour vorgestellt habe.

    Morgens löffeln wir unser am Vorabend kalt angerührtes Müsli, eine Mischung von körnigem Fertigmüsli, feinen Haferflocken, Milchpulver und filtriertem Flusswasser. Über Nacht konnten die Körner quellen. Zum Schutz vor wilden Tieren (Ameisen, Ratten, Pekaris) hängen wir den Topf hoch an einen Ast.

    Sobald die Sonne über die umgebenden Berge steigt, wird es wieder heiß. Für heute und die folgenden Tage sind 40°C und mehr angekündigt:



    Unerwartet fährt am Morgen doch noch ein Motorboot den Fluss hinauf. ¾8 sitzen auch wir bereits wieder im Boot. Langsam treiben wir den Ribeirăo Ponte da Pedra runter.



    Der Grünibis oder auch Cayenneibis (Mesembrinibis cayennensis) mag uns nicht und läuft weg:

    Eine ¼h später sind wir wieder auf dem Rio Vermelho, dem trüben Roten Fluss. Heute ist das Ziel die Mündung des Rio São Lourenço, ~30km weiter. Auch der hat nach Luftbild klares Wasser.

    Die Landschaft ist wieder großartig, Cerrado-bewachsene Hügel, Felsen, üppige Ufervegetation, Sandbänke, Vögel.














    Aber auch wieder den ganzen Tag ab und zu Angler an den Ufern oder auf dem Wasser:





    Hübsche Hügellandschaft. Ich weiß, das wird sich in Richtung Pantanal noch ändern, die Hügel werden wir bald hinter uns lassen, also genießen wir deren Anblick noch so lange es geht.







    Vereinzelt sieht man grell rosa oder gelb blühende Bäume (bras. Ipê, span. Lapacho). Hier ein Handroanthus impetiginosus, Ipê-roxo, Pau d’arco:


    Ein anderer auffällig blühender Baum an den Ufern des Rio Vermelho:


    Triplaris americana, bras. Novateiro, ist im gesamten Pantanal ein häufig an den höheren Flussufern blühender Baum. Vor dem sollte man sich in Acht nehmen. Der deutsche Botaniker Schomburgk schrieb 1838: "Wer das Land nicht kennt, sollte glauben, der Baum sey mit weißen, etwas rothgefärbten Blüthen bedeckt, unter denen die dunkelgrünen Blätter nur hie und da vorsehen. Der unvorsichtige Botaniker, welcher, durch den täuschenden Anblick gelockt, dem Baume sich nähern wollte, um die Blüthen zu pflücken, würde den Versuch schwer bereuen. Der Stamm und die Zweige des Baumes sind hohl, und mit Abtheilungen versehen, die der Stellung der Blätter an der Außenseite entsprechen. Diese Höhlungen sind von einer hellbraunen, etwa zwei bis drei Zehntels Zoll langen Ameise bewohnt, deren Biß höchst schmerzlich ist. Ihre Fühlhörner stehen nahe an der Mitte des Vorderkopfes, die Freßzange ist dreieckig u.s.w. Sie fallen mit der größten Heftigkeit über ihre Beute her, und setzen, sobald sie mit einem weichen Stoff in Berührung kommen, ihre Freßzangen ein, wobei sie einen weißlichen Saft ausfließen lassen; ihr Biß verursacht mehrere Tage lang Geschwulst und Jucken."

    In Brasilien heißt der Baum Novateiro, weil nur unbedarfte Neulinge ihn berühren, "und die Colonisten [nennen ihn] wegen seiner Gestalt den 'langen John'" Quelle: Moritz Richard Schomburgk in einer Mittheilung an die Londoner botanische Gesellschaft, verlesen am 6. April 1838. Zitat aus "Das Ausland. Ein Tagblatt für Kunde des geistigen und sittlichen Lebens der Völker, mit besonderer Rücksicht auf verwandte Erscheinungen in Deutschland" Nr. 123, 11. Jg. 1838, S.491

    Die giftigen Ameisen, die den Baum beschützen, heißen Pseudomyrmex triplarinus. Die Arbeiterinnen greifen leicht an, stechen Eindringlinge und beräumen die Vegetation von der Basis des Wirtsbaums. Die Bisse sind äußerst schmerzhaft, vergleichbar mit Bienenstichen. Beißen sie in die Finger, kann sogar der Arm anschwellen.

    Natürlich gab es auch wieder etliche interessante Vögel zu sehen, u.a. diese bereits bekannten Bronzekiebitze:












    Eine neue Art heute und Schwesterart des Hornwehrvogels ist der Halsband-Wehrvogel, Tachã (Chauna torquata):





    Der Halsband-Wehrvogel ist die mit bis zu 5kg schwerste der 3 Wehrvogel-Arten. Ihre lauten Schreie sind auch noch in 3km Entfernung zu hören.

    Jetzt ein Jabiru, Jaburú, Tuiuiú (Jabiru mycteria), nach dem Andenkondor und dem fast ausgestorbenen Kalifornischen Kondor die drittgrößte fliegende Vogelart Amerikas:

    Den Jabiru haben wir auch immer wieder mal im gesamten Pantanal gesehen, aber nicht jeden Tag.

    Weiter geht es mit einer neuen Ibis-Art, dem Weißhalsibis (Theristicus caudatus):





    Ein häufiger Vogel, der auf den Sandbänken brütet und im Wasser seine Beute sucht, ist der Schwarzmantel-Scherenschnabel oder Amerikanischer Scherenschnabel, Talha-mar, black skimmer (Rynchops niger):



    Die 40 - 50cm großen Scherenschnäbel sind eigenartige Tiere, sie haben für mich etwas Urwelt-artiges. Der Unterschnabel ist länger als der Oberschnabel, und er hat eine katzenartige Pupille (Sehschlitz), einzigartig unter Vögeln. Er fliegt dicht über der Wasseroberfläche, den unteren Teil des Schnabels halbgeöffnet ins Wasser getaucht – und wenn kleine Fische oder sonstige Wassertiere mit dem Schnabel in Berührung kommen, bremst der Vogel plötzlich ab, indem er den Schwanz zu voller Breite öffnet. Diese Art des Beute machens ist einzigartig unter den Vögeln. Im Verhalten finde ich sie ansonsten etwas zurückgeblieben, nicht so clever und mutig wie unsere Möwen und Seeschwalben.

    Der letzte neue Vogel heute ist der Amerikanische Schlangenhalsvogel, Biguátinga ♀️ (Anhinga anhinga):

    Der Schlangenhalsvogel, verwandt mit den Kormoranen, ist ein häufig zu beobachtender Vogel, aber mit hoher Fluchtdistanz und selten gut zu fotografieren. Er sitzt oft auf den Uferbäumen, um sein Gefieder zu trocknen. Bei Annäherung lässt er sich meist ins Wasser plumpsen, seltener fliegt er davon. Das Gefieder des Schlangenhalsvogels ist nicht wasserfest durch Öle wie etwa bei den Enten. Es kann so nass werden, dass er dann kaum noch schwimmfähig ist und Probleme hat, sich in die Luft zu erheben. Häufig schwimmt er so, dass nur der Hals und der Kopf über dem Wasser sichtbar sind.

    Genug mit Vögeln heute. Badepause. Thomas kann sich kaum bewegen und verharrt auf Land.





    Eines der seltenen, mühsam gestellten Fotos mit mir. Man beachte das noch relativ frische Blau des Decathlon-Merino-Shirts und vegleiche es hiermit:



    Typische Hochufer gegenüber dem Pausenplatz:



    Später nicht aufgepasst bzw Durchfahrt falsch eingeschätzt, festgefahren:



    Thomas stützt sich auf sein Paddel und kann sich gerade so aus dem Boot erheben und gehen. Er hat auch heute sehr starke Rückenschmerzen. Ich habe dann versucht herauszufinden, was er denn bei den früheren Episoden für Medikamente genommen hat. Von selbst sagt er ja nüscht.
    Und siehe da, in meiner umfangreichen "Expeditionsapotheke" findet sich das Mittel, dass ihm früher in solchen Phasen geholfen hat (Ibuprofen). Die Tabletten helfen ihm heute und in den Folgetagen recht gut. Nach und nach wird es besser, und nach ~3 Wochen waren die Schmerzen fast weg. Hat schon ziemlich lange gedauert, was wohl auch daran lag, dass er sich nie richtig geschont hat.

    Hohe Sandbänke:



    Diese erodierte Sandbank befindet sich in einem Gebiet, wo der Fluss erst kürzlich eine Flussschleife durchbrochen hat (Map).

    Nach 32km heute erreichen wir ¼2 die Mündung des Rio São Lourenço. Er fließt rasch und wir haben Mühe, stromauf zu paddeln.



    Eigentlich wollte ich hier wieder ein Stück den Fluss hochfahren und dann das Lager aufschlagen. Aber da die Ufer nicht einladend aussehen und auch die Wasserqualität nicht an die des Lagerplatzes von heute früh heranreicht, lassen wir das. Das Wasser ist algig grün, wahrscheinlich Blaualgen, die in einem großen Stausee mit Wasserkraftwerk oberhalb wachsen konnten.

    Wir fahren noch ein Stück weiter auf dem Rio Vermelho, der ab jetzt Rio São Lourenço heißt. Meiner Meinung nach eine falsche Benennung, denn der Rio Vermelho ist der größere der beiden Flüsse und prägt auch die Wasserqualität entscheidend. Das Wasser ist weiterhin sehr trübe und rot, vom klareren Wasser des Rio São Lourenço ist nichts zu spüren.

    Mündungsgebiet des Rio São Lourenço:

    Kurz darauf machen wir eine kurze Pause an einer Altarm-Einfahrt und suchen ein paar Minuten den Schatten der Vegetation im Hochufer.



    Es ist wirklich barbarisch heiß. Die Vorhersage sagte ja bereits 40°C im Schatten voraus. Im Schatten ja, mag sein. Aber hier bewegen wir uns in der knalligen Sonne.

    Am Ende des Altarms liegt eine Fazenda, von da kommt uns ein Motorboot entgegen:

    Es ist eines von der besseren Sorte mit modernem Außenborder.

    Der wichtigste Grund, das Pantanal zu besiedeln, bestand in der Rinderzucht. Sehr interessiert, diese Viecher, die sehen auch nicht jedes Jahr Paddler:



    Die Strömung hilft uns hier ganz gut beim Paddeln. Wir erreichen im Durchschnitt mehr als 8km/h.

    Das Lager schlagen wir nach knapp 43km Tagespaddelstrecke um 3 Uhr am Rande einer sehr großen Sandbank auf (Map):




    Auf dem Sand finden sich Spuren verschiedenster Tiere. Hier zB die Spuren eines Leguans:


    Und die eines Tapirs:

    Wir bauen die Zelte am Rande der Sandbank im Schatten der niedrigen Weiden auf. Hier führen Tierpfade ins Dickicht.



    Zum Abendbrot kredenze ich diesmal eine Erbswurst-Suppe mit Haferflocken und Knoblauch angereichert. Also am Ende eher ein Brei:




    Thomas hat sein verschwitztes T-Shirt über einen Ast gelegt. Kurze Zeit später ist es von Ameisen okkupiert:


    Das gegenüberliegende Ufer in der Abendsonne:


    Wieder viele blühende Ameisenbäume:


    Schräg gegenüber, 300m entfernt, ist ein Fischercamp. Abends geht öfters der Stromgenerator, Strom für Fischkühlung und Licht im Lager. Es sind Berufsfischer, die hier in mittlerem Maßstab mit ~6 Motorbooten "industriellen" Fischfang betreiben. Die Fische werden in Styroporkisten kühl gelagert und in Richtung Rondonópolis abtransportiert.



    Eines der Boote mit den zum Feierabend heimfahrenden Fischern stoppt auf unserer Höhe und sie warnen uns vor dem Jaguar, der Unze, die hier ihr Revier hätte. Sie haben sie hier öfter gesehen. Aber was können wir machen? Jetzt noch das Lager verlassen? Rüber zu den Fischern möchte ich nicht unbedingt. Da will ich es eher hier drauf ankommen lassen.

    Unruhige Nacht, natürlich lausche ich auf alles, was da draußen vor sich geht. 2008 wurde bereits Mal ein Angler im Zelt vom Jaguar erwischt.

    Ich hätte tatsächlich nicht gedacht, dass es so nah an der Stadt und von Fazendas umgeben noch (oder schon wieder?) Jaguare gibt. Wir sind Luftlinie 20km von Rondonópolis entfernt. Allerdings denke ich auch, dass hier, mit den Fazendas rundum und fern dem Jaguar-Schutzgebiet bei Porto Jofre, noch keine große Gefahr besteht. Der eventuell immer noch vorhandene (illegale) Jagddruck von Seiten der Rinderzüchter könnte die Tiere scheu halten. Brian und Diana haben 2013 einen toten Jaguar im Fluss liegen sehen.
    Zuletzt geändert von Spartaner; 03.02.2021, 08:15.

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    • JulianD
      Gerne im Forum
      • 26.10.2017
      • 58

      • Meine Reisen

      #22
      AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

      Spannend, interessant und super Bilder.
      Im Großkatzen-Thread wurde ja schon über die Verbindung zwischen Großkatzen und stadtnahen Beutetieren diskutiert; verhält es sich beim Jaguar möglicherweise ähnlich wie beim Leopard in Indien, der selbst Großstädte dort nicht meidet, um Streuner und Haushunde zu schlagen?
      Bin als Angler schon gespannt auf deine Erfahrungen mit dem Angeln und /oder den Fischen des Gebiets.

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      • Pfiffie
        Fuchs
        • 10.10.2017
        • 1966

        • Meine Reisen

        #23
        AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

        Aufgefressen wurde wohl keiner in der Nacht, der Bericht belegt das, weil er geschrieben werden kann

        "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

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        • Spartaner
          Alter Hase
          • 24.01.2011
          • 2770

          • Meine Reisen

          #24
          Zitat von JulianD Beitrag anzeigen
          Im Großkatzen-Thread wurde ja schon über die Verbindung zwischen Großkatzen und stadtnahen Beutetieren diskutiert; verhält es sich beim Jaguar möglicherweise ähnlich wie beim Leopard in Indien, der selbst Großstädte dort nicht meidet, um Streuner und Haushunde zu schlagen?
          Also auf die Fazendas "verirrt" er sich öfter mal, und greift sich den ein oder anderen Hund, Huhn oder anderes Getier, Beispiel. So etwas haben wir öfter gehört. Aber dass der Jaguar sich in richtige Ortschaften verirrt, das habe ich noch nicht gehört oder gelesen (und dieses Tier hier war ein Puma).

          Hier dringt ein Jaguar auf ein Schulgelände vor (ein paar Sekunden ab Minute 0:44). Aber das war ein abgemagertes Tier, das sich kaum noch auf den Beinen halten konnte (39kg anstatt ~70kg Normalgewicht in seinem Alter). Wurde gerettet.



          -----------------------------------------------------
          Edit: die Rettung liest sich ganz interessant, Zitat: "Der Jaguar ist jünger als zwei Jahre und sollte 70 Pfund wiegen, kam aber mit dem halben Gewicht zu CRAS (Centro de Reabilitação de Animais Silvestres). Der Jaguar, der von einem Team der Veterinärmedizinischen und Tierwissenschaftlichen Fakultät der UFMS (Bundesuniversität Mato Grosso do Sul) gerettet wurde, tauchte auf dem Schulhof auf und taumelte, sehr dünn und keuchend. Schulbeamte kontaktierten die Universität, die ein technisches Team zur Rettung überwies.

          Das Jungtier wurde zum UFMS Veterinary Hospital in Campo Grande gebracht, wo er sich einer Reihe von Tests unterzog und Erste Hilfe erhielt. Er wurde eine Woche ins Krankenhaus eingeliefert und erholt sich jetzt in einem CRAS-Gehäuse, das von anderen Tieren isoliert ist. Es wird zweimal täglich gefüttert: Huhn, Rindfleisch und Fisch sowie Kinder, Vitamine und Antibiotika" (Übersetzung Google Translate).

          Kinder? Kinder! Darum hat er sich ja auch das Schulgelände ausgesucht
          Zuletzt geändert von Spartaner; 02.02.2021, 13:42.

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          • Meer Berge
            Fuchs
            • 10.07.2008
            • 2327

            • Meine Reisen

            #25
            AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

            Ich lese sehr interessiert mit.
            In diese Gegend werde ich voraussichtlich nie kommen - so sehr mich der Urwald reizt, das Klima schreckt mich zu sehr ab.
            Schön, sie durch solche Berichte dennoch ein klein wenig kennen zu lernen.

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            • Intihuitana
              Fuchs
              • 19.06.2014
              • 1661

              • Meine Reisen

              #26
              AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

              Ach das ist Wetter wie ich es liebe.
              Die Landschaft erinnert etwas an die senegalesischen Trockenwälder, die ich dieses Jahr besucht habe. Es ist ja auch in etwa der selbe Breitengrad.

              Gab es neben der Hitze, noch einen Grund warum ihr keine offenen Feuer entfacht habt?
              Das Holz sollte ja sehr trocken gewesen sein.
              Russian Roulette is not the same without a gun. - Lady Gaga

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              • Spartaner
                Alter Hase
                • 24.01.2011
                • 2770

                • Meine Reisen

                #27
                AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

                Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
                Die Landschaft erinnert etwas an die senegalesischen Trockenwälder, die ich dieses Jahr besucht habe. Es ist ja auch in etwa der selbe Breitengrad.
                Hmm, ich habe gerade mal nachgeschaut, meine mindestens 16 Breitengrade finde ich in Senegal erst am Nordrand des Landes, und da ist Wüste (Beispiel).

                Deine Tour in den Niokolo Koba Nationapark war schon deutlich näher am Äquator, 12°N. Rein gefühlsmäßig scheint es mir bei dir noch trockener zu sein als meine Pantanal-Hügel.


                Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
                Gab es neben der Hitze, noch einen Grund warum ihr keine offenen Feuer entfacht habt?
                Das Holz sollte ja sehr trocken gewesen sein.
                Neben der Hitze war es meine Faulheit bezüglich Holz sammeln. Aber nein, der Hauptgrund war die Hitze. Ich sehe einfach keinen Sinn darin, dann noch etwas heißer in einiger Entfernung zum Feuer zu sitzen. Wir hatten es 2015 am Euphrat an einem Abend mal probiert, an dem wir viel gutes Feuerholz herumliegen hatten, aber es hat wirklich nichts gebracht, außer dem romantischen Anblick. Und der war auch nur bei kleinster Flamme aus einer Entfernung von ~5m zu ertragen (Filmsekunden).

                Wahrscheinlich spielst du bezüglich des Feuers auf den Schutz vor wilden Tieren an, wie ihr es am Gambia-Fluss praktiziert habt. Wie ich aber von Humboldt lernen konnte, lässt sich der Jaguar von Feuer nicht schrecken: "Der Jaguar scheut das Lagerfeuer keineswegs. »Wir bemerkten zu unserer Überraschung«, sagt Humboldt, »daß die Jaguare hier unsere Feuer nicht scheuten. Sie schwammen über den Flußarm, der uns vom Lande trennte, und am Morgen hörten wir sie ganz in unserer Nähe brüllen.« An einer andern Stelle seines Reisewerkes berichtet er, daß ein Jaguar den treuen Hund der Gesellschaft sozusagen zwischen den Lagerfeuern herausholte und wegschleppte. Der Hund hatte abends, als er die Unze brüllen hörte, unter der Hängematte seines Gebieters Schutz gesucht und war am nächsten Morgen doch verschwunden." (Brehms Tierleben, Band 1, S. 498)

                Ok, vielleicht lässt sich der Jaguar deswegen nicht von Feuer schrecken, weil er zumindest im Amazonas-Regenwald nie mit Feuer in Berührung kam? Im Pantanal ist das schon wieder anders, da brennt es auch natürlicherweise manchmal. Da hätte ein Feuer vielleicht doch einen gewissen Nutzen.

                Naja, und dann bestand natürlich außerhalb der Sandbänke eine extreme Brandgefahr. Da war mir an manchen Rastplätzen schon beim Künzeln nicht ganz wohl. Was weiß ich, wie sich das Holz dort im Feuer verhält, ob es "explodiert", und die Glut meterweit schleudert?

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                • Spartaner
                  Alter Hase
                  • 24.01.2011
                  • 2770

                  • Meine Reisen

                  #28
                  AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

                  Zitat von Intihuitana Beitrag anzeigen
                  Ach das ist Wetter wie ich es liebe.
                  Dazu möchte ich festhalten, dass du wohl nicht ganz normal bist

                  Wir hatten wirklich außergewöhnlich heiße Tage dort im Pantanal. Am besten wird das von dieser Grafik veranschaulicht, die vom USDA herausgegeben wurde:



                  Die Fläche des Pantanal ist die einzige Gegend in ganz Brasilien gewesen, die im Reisezeitraum in Pinkfarben gehalten ist, also zwischen 9 und 16 Tagen im September 2019 Temperaturen von >38°C ertragen musste (Quelle).

                  Die WMO behauptet sogar, dass es über 20 Tage mit Temperaturen >38°C waren.
                  Bloß ich bevorzuge die Abbildung oben, weil es da so klar das Pantanal ist, welches im Reisezeitraum der Hitzepol von ganz Brasilien war.

                  Kommentar


                  • tizzano1
                    Erfahren
                    • 13.06.2006
                    • 383

                    • Meine Reisen

                    #29
                    AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

                    Wundervoll detailiert! Man sitzt fast bei euch im Boot und auf den Sandbänken...und schwitzt mit
                    Fazit: Brasilien zu bepaddeln ist auch zuhause auf der Couch möglich Danke!

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                    • Spartaner
                      Alter Hase
                      • 24.01.2011
                      • 2770

                      • Meine Reisen

                      #30
                      Donnerstag, 5.9.2019, Terra Indígena Tereza Cristina, 50 km
                      Wie bereits geschrieben, schlafen wir diese Nacht zum ersten Mal in dem Bewusstsein, uns hier im Jaguar-Revier aufzuhalten. Die Fischer hielten es gestern Abend für nötig, uns zu warnen.

                      Ich halte die Gefahr aus rein statistischen Erwägungen noch für relativ gering. Anders wird das erst, wenn wir in die Gegend um Porto Jofre kommen. Da weiß ich noch nicht, wie wir da heil durchkommen sollen. Dort sind die Jaguare extrem häufig und sie sind an Menschen gewöhnt. Sie flüchten nicht mehr instinktiv, wenn sich Menschen nähern. Und dass dort so wenig Unfälle passieren liegt wohl nur daran, dass sich niemand dort der Gefahr richtig exponiert, also zB dort am Ufer zeltet. Die Touris sitzen alle in mehr oder weniger großen Schnellbooten (oder woanders auch in Safariautos). Oft belagern mehrere Boote einen Jaguar. Eine Jaguar-Dokumentation von 2012 ist hier zu sehen (47min). Und hier eine, in der versucht wird, Jaguare an Safari-Autos zu gewöhnen.

                      So liege ich in meinem luftigen Zelt, gehe diesen Gedanken nach und lausche in die Nacht.

                      01:30 Uhr kommt einer der Fischer mit dem Motorboot zu unserem Ufer. Will er nachsehen, ob noch alles gut ist?
                      Ok, ich kann es jetzt verraten, wir überleben die erste Nacht im Jaguar-Gebiet.
                      Und ich bin auch immer wieder eingeschlafen und stehe jetzt nicht übermüdet auf. Dennoch bin ich auch ein bisschen froh, als die Nacht vorüber ist.

                      "Ab um 5 Uhr sieht man erste Anzeichen der Dämmerung": Das ist das, was ich unterwegs vermerkt habe. Aber ich will es natürlich noch nachträglich ganz genau wissen. Hier zB kann man die geografischen Koordinaten, das Datum und die Zeitzone eingeben, und bekommt folgende Zeiten für die verschiedenen Dämmerungsphasen:

                      04:30 Beginn astronomische Dämmerung
                      04:55 Beginn nautische Dämmerung
                      05:20 Beginn bürgerliche Dämmerung
                      05:42 Sonnenaufgang

                      17:35 Sonnenuntergang
                      17:56 Ende bürgerliche Dämmerung
                      18:22 Ende nautische Dämmerung
                      18:47 Ende astronomische Dämmerung

                      Man sieht, wir bewegen uns hier am östlichen Rand unserer natürliche Zeitzone, und die Taglänge liegt noch unter 12h. Das wird sich im Verlaufe des Septembers noch ändern.

                      Sonnenaufgang:


                      Die kurzen Tage wollen wir natürlich optimal nutzen. Das frühe Aufstehen ist überhaupt kein Problem. Wir kommen ja ganze 6 Stunden aus dem Osten und wären Zuhause auch bereits längst aufgestanden. Früh morgens sind auch die angenehmsten Temperaturen, diese Zeit muss man genießen.

                      So löffeln wir wieder unser am Vorabend angesetztes Müsli und ich rühre mir einen großen Pott kalten Kaffees an. Frühs nicht zu kochen spart eine Unmenge an Zeit und Aufwand. Stattdessen sitze ich faul im Luftsessel, rühre meinen Kaffee, schaue über den Fluss und lausche den Geräuschen des Dschungels.







                      Um 8 sind wir auf dem Wasser und passieren 300m weiter das Camp der Berufsfischer:


                      Auf der gesamten weiteren Strecke haben wir nicht mehr solch ein großes Camp von Berufsfischern gesehen. Ich habe den Eindruck, dass sich die Fischerei hier oben noch gelohnt hat, während es weiter unten im Pantanal bereits mehr oder weniger überfischt war.
                      2013 waren noch mehr solcher Berufsfischer anzutreffen, auch weiter unten im Pantanal (Bild 1, 2, 3). Selbst die im Pantanal immer noch häufig anzutreffenden Angeltouristen sind oft unzufrieden mit ihrer Ausbeute. Wie drastisch sich die Zahl der Angeltouristen im Pantanal verringert hat, zeigt hier die Abbildung 5-1.

                      Detaillierte Infos zum Leben der Fischer im Pantanal siehe Rafael M. Chiaravalloti (2017): Local communities and conservation in the Pantanal wetland, Brazil. Department of Anthropology, University College London, December 2016 (Link).

                      An einem Uferbaum hängt hoch oben ein großes Wespennest:






                      Die Wespen umschwirren das Nest, aber welche Art es genau ist, lässt sich aus der Entfernung nicht entscheiden. In Brasilien leben mindestens 111 staatenbildende Wespenarten. Zum Vergleich, in Deutschland gibt es 17 soziale Wespenarten.

                      Später ein anderes Wespennest, von Polybia ruficeps, Polybia sericea? (Fremdfoto, Quelle, Foto der Rotköpfigen Polybia-Wespe):


                      Keine Ahnung, was das ist, "Wollgras"


                      Wahrscheinlich leben auch da Larven irgendwelcher Insekten drin. Oder es sind aufgesprungene Samenkapseln.

                      Weiter geht es den herrlichen Fluss entlang:


                      Hier kommen wir an eine Art Abkürzung, die ich bei frei mäandrierenden Flüssen schon öfters bemerkt habe:


                      So etwas hatten wir am Bargusin auch letztes Jahr.

                      An der Inselspitze sammelt sich bei Hochwasser das Treibholz:


                      Jetzt wieder ein paar Vögel, auch wenn es sich teilweise zu wiederholen beginnt:
                      Scherenschnabel:






                      Schwarzer Greifvogel, Rabengeier?, Truthahngeier?


                      Der Waldstorch (Mycteria americana) ist ein Schreitvogel aus der Gattung der Nimmersatte:








                      Der obere Waldstorch hier im letzten Bild schaut schräg zu mir herunter.

                      Im Hintergrund ein Cayennekiebitz, Pied Lapwing (Vanellus cayanus), zusammen mit 2 unscharf gehaltenen Bronzekiebitzen im Vordergrund:


                      Immer wieder Mitleid erregend, der Schlangenhalsvogel:


                      Er kann sich nass immer nur schwer entscheiden, ob er sich wegen uns ins Wasser stürzen und seinen ganzen Trocknungserfolg in Frage stellen soll, oder ob er es bereits schafft, davonzufliegen.



                      Ein weiteres Fischercamp:


                      Schön bewachsenes Ufer, aber größtenteils auch unpassierbar:


                      Die Berghöhen treten in den Hintergrund und sind ab heute seltener zu sehen.

                      Jetzt zum zweiten Mal mehrere Riesenotter gesichtet, diesmal an einer Mündung eines Nebenflüsschens. Heute sehe ich den ersten an Land über eine Sandbank huschen. Von den anderen tauchen wie am ersten Tag auf dem Wasser nur immer wieder die Köpfe auf (Map).

                      Und wir sehen heute zum ersten Mal ein Wasserschwein. Es sitzt am Ufer und stürzt ins Wasser, als wir uns nähern. Zu schnell für ein Foto.

                      Badepause:


                      Thomas hält sich immer noch das Kreuz, während ich baden gehe. Das schöne an diesen niedriggelegenen, feuchten Sandbänken ist, dass sie spürbar kühler sind im Vergleich zum trockenen Sand, durch die Verdunstungskälte.

                      Tapirspuren:


                      Eigenartiges Wurmloch:


                      Wurmloch mit Wasserschwein-Knödeln zum Größenvergleich:


                      Kann mir jemand sagen, um was für ein Tier es sich hier handelt?

                      Ab und zu sieht man im Pantanal massenhaft Schmetterlinge auf einer Sandbank versammelt. Hier geht es um Mineralienaufnahme. Die Frage ist, wo kommen die Mineralien an dieser Stelle her? Der Sand sieht genauso aus wie an anderen Stellen auch.
                      Die häufigsten Schmetterlinge sind dabei weiße, gelbe und leicht hellgrüne Arten:







                      Ascia monuste ?








                      Phoebis sennae ?




                      Statira sulphur Aphrissa statira ?


                      Ab und zu zeigen sich auch seltenere Exemplare, darunter zB ein
                      Südlicher Monarchfalter (Danaus erippus). Der ist eng verwandt mit dem gewöhnlichen Monarchfalter (Danaus plexippus) und wurde bis 2007 noch zur selben Art gezählt, ist aber, wie man heute weiß, genetisch verschieden. Der einzige offensichtliche Unterschied zu D. plexippus ist der orange statt schwarze hintere Vorderflügelrand. Dieses Männchen hat an der zweiten Ader der Hinterflügel schwarze, mit Duftschuppen gefüllte Taschen. Flügelspannweite ~10cm.



                      Oder dieser Königs-Schwalbenschwanz, King Swallowtail (Papilio thoas), Flügelspannweite 12 - 14cm


                      Und so sieht es aus, wenn ein Profi-Tierfotograph Schmetterlinge im Pantanal aufnimmt.

                      Während der Badepause landet gegenüber ein Hornwehrvogel auf einem Baumwipfel:




                      Dass die so schön auf den dünne Zweigen da oben balancieren können, hätte ich den schweren Vögeln kaum zugetraut.

                      Hornwehrvögel, majestätisch schreitend:








                      Weißhalsibis und im Vordergrund Großschnabel-Seeschwalbe, Large-billed tern (Phaetusa simplex)


                      Truthahngeier


                      Weiter geht es durch Traum-Landschaft


                      Ab hier kann man sagen, wir haben das Pantanal erreicht. Auch wenn man es vom Fluss aus nicht wahrnimmt, hinter dem linken Ufer, also südlich von hier, erstrecken sich erste große zusammenhängende Flächen, die bei größeren Hochwässern zeitweise überschwemmt werden. Ich erkenne es deutlich an der Strukturierung der Vegetation im Satellitenbild.



                      Ein wilder Gewässerdurchbruch kürzt uns ~3km ab. Tolle Steilufer, zT rasche Strömung. Dieser Durchbruch war auf dem Google-Satellitenbild nur ein schmaler Kanal. Auf dem Bing-Satellitenbild war der Durchbruch dagegen schon voll ausgebildet zu sehen und ich hatte ihn bereits vor der Fahrt in der OSM eingezeichnet.









                      Noch vor dem Gewässerdurchbruch überqueren wir ohne es zu wissen die Grenze zum Indianerreservat Terra Indígena Tereza Cristina. Ich wusste natürlich, dass wir uns hier irgendwo dem ersten Indianerreservat nähern, aber mein gewähltes Openandromaps-Kartenthema "Elements" zeigt die Grenzen des Schutzgebietes nicht an, was ich bis dahin nicht wusste. Naturschutzgebiete werden auf der Karte markiert, Indianerschutzgebiete nicht.

                      Hier wohnen Angehörige der Bororo (Wikipedia). Noch vor 80 Jahren war die ursprüngliche Bororo-Kultur noch weitgehend intakt (Film 16min). Der umfangreichste zusammenfassende Text, den ich gefunden habe, ist dieser hier. Mehr zu den Ureinwohnern des Pantanal ganz in der Nähe.

                      Natürlich erwarten wir an der Grenze des Reservates von einem Hagel von Pfeilen begrüßt zu werden und legen unsere Winchester bereit.

                      Oder wir erwarten wenigstens, von so einem schicken Typ im Federschmuck begrüßt zu werden:

                      Foto Valter Campanato/ABr (CC BY 3.0 BR)

                      Aber nichts dergleichen passiert. Der erste Indianer, den wir hier zu sehen bekommen, steht am Ufer, angelt und fixiert uns regungslos aus den Augenwinkeln. Der einzige Unterschied zu anderen Brasilianern der uns auffällt ist, dass er unseren Gruß nicht erwidert. Ab hier vermute ich, dass wir uns bereits in Indianergebiet bewegen.



                      Aber im Ernst, natürlich haben wir erwartet, dass die Indianer hier so zivilisationsnah sich kaum unterscheiden vom Rest der Bevölkerung. Das einzige Indianerdorf in diesem Reservat liegt 17 Fluss-km weiter stromab, hat Fahrwege in die Zivilisation und benachbarte Farmen. Schon im Satellitenbild sieht man auf einigen größeren Bauten Ziegeldächer und mehrere Aluminiumboote am Strand.

                      Ich weiß heute noch nicht, ob man dieses Reservat ohne spezielle Erlaubnis einfach so durchqueren darf (Erlaubnis vom örtlichen Chef und/oder der Indianerbehörde Funai). Wir haben jedenfalls nicht gesehen, dass andere Brasilianer von oberstrom hier runtergefahren sind. Aufgefallen ist mir auch, dass die Landschaft oberhalb des Indianerreservates sehr gering besiedelt war. Es gab oberhalb des Indianerreservates keine Anglerplätze mehr am Ufer, dort war zumindest der Galeriewald schon recht 'abgelegene' Wildnis.
                      Die Reservate von weniger "integrierten" Indianervölkern dürfen jedenfalls absolut nicht von Fremden betreten werden. Auf den Seiten der Funai habe ich aber nur Informationen gefunden, auf denen das bürokratische Prozedere für Wissenschaftler beschrieben ist, die auf Indianerland forschen möchten.

                      2 Flussschleifen weiter schauen wir wieder zurück auf die Hügel des Hochlandes.



                      An dieser Stelle ist es ½4 und wir sind heute bereits 50km gepaddelt. Zeit für die Lagersuche. Wir landen links an einer riesigen, von der Sonne aufgeheizten Sandbank an und bauen die Zelte wieder im Schatten niedriger Weiden auf. Bis dahin müssen wir das Gepäck 80m schleppen. Das Boot lassen wir am Strand liegen.





                      Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nicht unbedingt im Indianderreservat zu zelten. Über weite Strecken liegt das Reservat nur auf der rechten Seite des Flusses.
                      Wir landen also auf der nächstbesten linksufrigen Sandbank in dem Glauben, außerhalb zu übernachten. Auf der Google-Map liegt unser Schlafplatz zwar angeblich auf dem rechten Ufer, tatsächlich aber ist die Erosion so schnell vorangeschritten. Im Bing-Luftbild wird es wieder bereits richtig angezeigt.

                      Später am Lagerplatz habe ich dann mal auf das Kartenthema "desertV4" umgeschaltet, und da wird die Grenze des Indianerschutzgebietes angezeigt. Es zeigt sich, wir lagern nun also doch mittendrin.

                      Tatsächlich sehen wir hier nur Indianer an und auf dem Fluss.





                      Wie schon gesagt, kann ich mir gut vorstellen, dass es für andere Brasilianer schlicht verboten ist, hier zu fischen oder zu campieren. Naja, auf uns bezogen, werden sie schon erkennen, dass wir hier nicht zur dauerhaften Landnahme angelandet sind. Hoffe ich zumindest.

                      Und dass die Indianer noch einen tiefsitzenden Argwohn gegenüber Fremden haben, ist vielleicht verständlich, wenn man in ihre jüngere Geschichte blickt. Der General, Ingenieur und Abenteurer Marechal Cândido Rondon gründete 1910 in bester Absicht den "Serviço de Proteção ao Índio" (SPI), deutsch den "Dienst zum Schutz der Indios", um "der Sache der Indianer und der Menschlichkeit zu dienen". Nach ihm ist die Stadt Rondonópolis benannt, von der wir unsere Paddeltour gestartet haben. Marechal Rondons stolze Devise, die Brasilianer schon in der Schule lernen, war: "Sterben, wenn es sein muß - aber töten nie!"
                      Später wandelte sich diese Organisation unter korrupter Führung zum genauen Gegenteil dessen, wofür sie von Marechal Rondon gegründet wurde. "Wie die Konquistadoren Cortez und Pizarro rotteten die vom Staat geheuerten Helfer ganze Indianerstämme aus, um deren Besitz - Holz und fruchtbaren Ackerboden - zu Geld zu machen. Goldsucher und Pistoleiros beteiligten sich an den Verbrechen. Großgrundbesitzer Zentralbrasiliens, Fazendeiros, erwiesen sich als zahlkräftige Abnehmer des Landes, das laut Verfassung unverkäuflich und auf ewig Eigentum der Indios ist", so der Spiegel in einem Artikel 1968. Es lohnt sich, diesen Artikel unter der Überschrift "Arsen und Zuckerstückchen" weiter zu lesen. Es ist schon unglaublich, was noch bis in die 60er Jahre dort ablief. Absoluter Wilder Westen.

                      Das hat sich ab 1968 zur Zeit der Militärdiktatur grundlegend verändert. Damals wurde die Behörde quasi neu gegründet, heißt seitdem Funai - Fundação Nacional do Índio, und ist wieder für die Indianer tätig. Während sie in den ersten 20 Jahren eine Politik der Integration und Assimilation indigener Völker betrieb, änderte sich später ihre Politik und sie versuchen die Identität der Indios zu wahren. Bisher unkontaktierte Stämme werden seither isoliert und soweit möglich rigoros vor Kontakt mit Siedlern bewahrt. Jeder Kontakt hatte bei den Indianern eine hohe Mortalität wegen Infektionen verursacht. In Brasilien soll es noch etwa 100 unkontaktierte Stämme geben. Nur wenn sich 2 Indianerstämme durch ständige Kriege selbst in die Ausrottung treiben, greift die Behörde ausnahmsweise als Friedensstifter ein.

                      Nach dem Baden sind heute wieder Nudeln dran:


                      Die Zwiebeln und der Knoblauch kochen ein Stück mit.

                      Dieser leckere Fisch wird am Ende untergerührt


                      Dazu natürlich noch viel Tomatenmark. Der Rhythmus bleibt jetzt immer 2 Abende Nudeln, 1 Abend Erbswurst. Wegen abwechslungsreicher Ernährung, ihr versteht schon.

                      Nachts 01:05 Uhr kommt ein laut knatterndes 'Patrouillenboot' langsam den Fluss herunter und sucht die Ufer im Licht einer zappligen Taschenlampe ab. Es stoppt kurz nördlich unseres Lagerplatzes, Motor aus. 01:24 Uhr wird der Motor wieder angeschmissen. Das Boot ist ~1km motorlos getrieben. Ich schaue wenig später nach unserem Boot, es liegt noch am Strand.

                      01:44 jemand, Mensch oder Tier, schwimmt über den Fluss, ich höre es noch länger.
                      Zuletzt geändert von Spartaner; 03.02.2021, 08:20.

                      Kommentar


                      • Spartaner
                        Alter Hase
                        • 24.01.2011
                        • 2770

                        • Meine Reisen

                        #31
                        Freitag, 6.9.2019, Feuer, 44km
                        Schöner kühler Morgen. Gegenüber brüllt kurz ein großes Tier. Ein Jaguar? Auf unserer riesigen Sandbank hoppeln 2 Wasserschweine davon.

                        Kurz nach Sonnenaufgang hält man es in den Zelten nicht mehr aus. Wir liegen jetzt in der prallen Sonne.





                        Spuren im Sand:


                        Darunter Jabiru, die großen Vogeltapsen im Vordergrund, Reiher, Bronzekiebitz, Fuchs und Leguan.

                        Früh kurz vor Abfahrt ziehe ich zum ersten Mal die dunkle Hose und das blaue Merino-Shirt durchs Flusswasser, den Schweiß der ersten Tage rausspülen.

                        Während des Paddelns kühle ich mich ab heute, indem ich ständig mein Merinoshirt und die Hose richtig einnässe. Unter den China-Schirmhut lege ich mir noch einen nassen Lappen auf den Schädel. Die Verdunstungskälte ist sehr angenehm.
                        Allerdings trocknet das ganze sehr schnell wieder aus. Alle halbe Stunde muss man neu wässern.

                        Ausnahmsweise, wenn es schneller und gründlicher gehen soll, lege ich mich mit den Klamotten ganz ins Wasser. Aber dann tropft es eine ganze Weile recht stark, und da ich das ganze Wasser nicht im Boot haben will, wähle ich diese Variante nur selten.

                        Nur Thomas braucht das alles nicht. Ihm reicht es, ab und zu seinen Hut zu wässern. Er paddelt die ganze Zeit in seiner dünnen langärmligen Fleecejacke und langer Hose. Erstaunlich! Na ok, ansonsten wäre er sofort rettungslos verbrannt. Bei seinem empfindlichen Hauttyp kommt er mit 50+ Sonnencreme nicht weit und sein schmalkrempiger Hut ist auch nicht der Bringer. Entsprechend dunkelrot sind sein Gesicht und der Hals. Ein Schuß Bräune mischt sich erst nach Wochen darunter.

                        Wieder die tägliche Portion Vögel, heute mal mehrere Truthahngeier (Cathartes aura):






                        In Brasilien heißt er Urubu-de-cabeça-vermelha, Rotkopfgeier.

                        Im Gegensatz zu den Neuweltgeiern ist dieser Geselle hier ein richtig schöner Greifvogel, der Schwalbenweih, Swallow-tailed Kite (Elanoides forficatus):




                        Hier eine alternative Darstellung von John James Audoborn. Theoretisch kann es sein, dass auch mein Exemplar schon mal in Florida war.

                        Und natürlich wieder meine Lieblinge, die Anhumas:




                        Nach einer ½h Paddeln passieren wir den Fischerhafen der Indianer:




                        Die Kühlboxen bedeuten wohl, dass sie ihre Fische auch in die Stadt verkaufen.



                        Kurz nach der Indianersiedlung hinter dem rechten Ufer verlassen wir das Indianerreservat.

                        Landschaft, ausgedehnte Sandbänke, Steilufer:
















                        Nach 20km machen wir eine Badepause:


                        Da hängen diese Früchte am Baum. Weiß jemand, was ist das?


                        Azara-Kapuzineraffe (Sapajus cay, Syn.: Cebus apella cay)?:




                        Unterhalb des Indianerreservates nahm die Besiedlung der Ufer wieder zu:






                        Hier in der Nähe hat Google Maps zwei Unterkünfte für Angeltouristen verzeichnet, mit 111km Anfahrt aus Rondonópolis auf größtenteils unbefestigten Wegen. Auf internationale Touristen scheinen diese Unternehmen aber nicht zu zielen. Während der Tour wussten wir nichts von diesen Unterkunftsmöglichkeiten.

                        Schwimmende Basis von Berufsfischern:


                        Wie gesagt, hier oben scheint sich die Fischerei noch zu lohnen.



                        Nach weiteren 11km machen wir ein Päuschen auf dem Steilufer im Schatten eines großen Baumes. Sonst ist ja das Steilufer idR extrem abweisend. Aber dieser Platz hier wurde von Anglern freigemacht, ist mit PKW erreichbar und mit einem Schwimmsteg und Treppe ausgestattet.





                        Ein mächtiger Baum spendet Schatten:


                        Links Würgefeige, mitte Termitengänge:




                        Weiter gehts, schöne Steilufer:




                        Höhlen von Tieren, welche weiß ich nicht. Es können Vögel sein wie unsere Uferschwalben oder Bienenfresser, oder angeschnittene Mäusegänge im Boden. Manche Eingänge zeigen Benutzungsspuren, werden also auf jeden Fall von Vögeln als Bruthöhle benutzt.



                        Gegen 2 Uhr liegt rechts ein Baumstamm auf der Sandbank. Wirklich ein Baumstamm? Als wir näher kommen, bewegt er sich. Unser erster Kaiman liegt auf einer Sandbank in der Sonne, ein großer. Als wir uns noch weiter nähern, verschwindet er ins Wasser. Klasse!



                        Ok, im Gegensatz zum Pantanal-Pauschaltouristen bekommen wir nicht alles an einem Tag vorgesetzt. Aber ich finde, unsere Bilanz kann sich schon sehen lassen:

                        3.9. erste Riesen-Otter gleich nach Rondonópolis
                        4.9. erste Nacht im Jaguar-Revier, Fischer warnen uns vor dieser Stelle
                        5.9. erstes Wasserschwein
                        6.9. erster Kaiman

                        Ganz im Stile von Freedom33333, "das erste mal zwischen gigantischen Steinen umherklettern", "das erste mal wegelos einen kleinen Hügel ohne Gepäck besteigen", "zum ersten mal einen Kaffee kochen", "der erste echte Test", "das erste mal das Gefühl, etwas verloren zu haben", "erstes mal Schweden als Erwachsener", "den ersten Bach zu überqueren", "die erste Nacht im Zelt", "das erste mal eine ganze Tour nur im Zelt übernachten", "das erste mal komplett wegelos", "den ersten Pass bezwungen", "den ersten Schritt auf einem Gletscher", "erster Heli-Flug", usw.

                        Ich werde meine eigene Zum-ersten-Mal-Liste später noch ergänzen.

                        Ab hier wissen wir also, es gibt Kaimane im Wasser, hier kann jederzeit einer auftauchen. Sie sind scheu und versuchen Menschen zu meiden. Aber dennoch möchte ich gleich von meinen schönen Badepausen Abstand nehmen und nur noch am Ufer duschen. Das werde ich zwar in den Folgetagen nicht länger durchhalten, ich gehe dann doch wieder Baden, aber irgendwie ist immer ein kribbeliges Gefühl da im Wasser. Was weiß ich denn, ob so ein Vieh schlau genug ist, einen einzelnen Fuß nicht zu packen. Das Wasser ist sehr trübe, und so ein Kaiman kann sich ja auch mal irren. Wie Baden mit Kaimanen in klarem Wasser aussieht, kann man hier sehen. Und dieses nette Filmchen mit Baden als Mutprobe habe ich auch erst nach der Reise entdeckt.

                        Das Pantanal ist übrigens eine der ganz wenigen Gegenden auf der Welt, wo man zusammen mit Krokodilen relativ gefahrlos baden kann. Alle anderen Krokodile sind größer und dann auch gleich richtig gefährlich. Schon im Amazonasgebiet gibt es zB auch den bis zu 6m langen Mohrenkaiman (Melanosuchus niger), eine gefährliche Art.

                        Im Pantanal kommt der Brillenkaiman (Caiman yacare, Syn.: Caiman crocodilus yacara) vor. Er wird nur 2 - 3m lang. Ob auch der Breitschnauzenkaiman (Caiman latirostris) hier vorkommt, habe ich noch nicht herausgefunden.

                        Die Kaimane im Pantanal wurden viele Jahrzehnte massiv bejagt, vor allem ihrer Haut wegen. In den 60er Jahren kam der größte Teil des weltweit gehandelten Krokodilleders aus dem Pantanal. 1967 wurde die Jagd im Pantanal verboten, aber sie ging ungebrochen weiter, jetzt halt illegal. Jaguar und Riesenotter wurden in den 70er Jahren so selten, dass sich die Wilderei auf diese Arten nicht mehr lohnte ("approached commercial extinction in the 1970s"). Der Staat unternahm zwar bedeutende Anstrengungen, die Wilderei einzudämmen, aber trotz kriegsähnlicher Aktionen und erheblicher Polizeibrutalität blieb der Erfolg bescheiden.

                        Noch in den 80er Jahren wurden jährlich ~1 Mio. Kaimane geschossen, die Häute mit Kleinflugzeugen über die Grenze geschmuggelt und in Bolivien und Paraguay auf den Markt gebracht, wo Jagd und Handel von Kaiman noch erlaubt waren. Eine Kaiman-Haut brachte ~5 US$. Erst als die USA in den 90er Jahren den Kaiman auf eine Liste gefährdeter Tierarten setzte und die Einfuhr verbot, kam die Wilderei zum Erliegen. Seitdem erholt sich der Kaiman in schnellem Tempo. Heute leben ~35 Mio. Tiere im Pantanal, 10x mehr als in den 70er Jahren.



                        20 Minuten später verdunkeln Rauchwolken den Himmel vor uns. Da sind sie, die Feuer, die Brasilien seit Wochen in Atem halten. Unsere Presse ist voll davon. Auf einer Fazenda nördlich des Flusses werden Pflanzenreste verbrannt. Wahrscheinlich wurde wieder ein neues Stück Urwald gerodet und soll zu Viehweide umgestaltet werden. Auf den Fazendas nördlich des Flusses wird seit Jahren immer mehr Land kultiviert (Global Forest Watch 2001 - 2018, sehr schöne interaktive Karte, auf der man die Entwicklung in dieser Zeit nachvollziehen kann).

                        Und hier habe ich daraus mal für die Jahre 2001-2018 eine animierte Grafik zusammengestellt, welche die Entwaldung auf einem größeren Gebiet Südamerikas zeigt. Das Pantanal liegt in der Mitte, etwas rechts. Im Pantanal selbst war nicht viel los bezüglich Entwaldung. Aber in Bolivien, Paraguy und in Brasilien im Süden Amazoniens wurde sehr viel Wald systematisch zerstört, hier alles noch vor Bolsonaro. Die hellen Flächen links sind die Anden und Wüste, da gab es nie Wald. Die hellen Flächen rechts sind die Gebiete, in denen schon vor 2001 der Urwald bzw. der Cerrrado vernichtet wurde. Diese Fläche ist heute fast durchgängig landwirtschaftlich genutzt. Dort gibt es auch ein paar blau markierte Aufforstungsflächen. Aber das sind nur Nutzholzplantagen, Eukalyptus, ökologisch wertlos.









                        Tatsächlich ist es in diesem Jahr in großen Teilen Brasiliens außergewöhnlich heiß und trocken. Das Pantanal gehört dazu und war zumindest im September 2019, unserem Reisemonat, der absolute Hitzepol des Landes. In der Folge ist es erst mal normal, dass es häufiger brennt als in den Vorjahren. Hier wurde das bereits so vorhergesagt. Die Meeresoberflächentemperaturen (SSTs) im tropischen Pazifik und Nordatlantik lagen in der ersten Hälfte des Jahres 2019 höher als die Mittelwerte im Zeitraum 2001-2015 der Satelliten-Brandbeobachtungen. Durch die Kombination der SSTs in beiden Ozeanen prognostizierten sie ein hohes Brandrisiko für fast alle Regionen (außer Santa Cruz) im Amazonas während der Trockenzeit 2019.

                        Anders als sonst ist nur, dass Brasilien einen von der Mehrheit der brasilianischen Wähler neu gewählten Präsidenten hat, und der gefällt "unserer Presse" nicht. Und da packt man die Gelegenheit beim Schopf und macht eine ordentliche Pressekampagne gegen Bolsonaro daraus. "Die Erde brennt!".

                        Tatsächlich hat Bolsonaro keinen einzigen Waldbrand gezündet.

                        Aber leider ist es tatsächlich so, der Schutz des Regenwaldes genießt bei ihm keinerlei Priorität und korrupt ist er genauso wie die Vorgängerregierungen. Er möchte den Agrarindustriellen am liebsten freie Hand lassen bei der Erschließung neuer Flächen und ermuntert Siedler und Goldwäscher, wieder verstärkt und aggressiv in den Urwald vorzudringen und neue Flächen niederzumachen. Er bestraft sogar Angehörige der Umweltpolizei, die konsequent gegen illegale Abholzung vorgehen. Die beteiligten IBAMA-Beamten wurden entlassen. Seine Umweltminister Ricardo Salles möchte die Ablenkung durch die Corona-Krise dazu nutzen, die Umweltvorschriften massiv aufzuweichen.

                        Eine im Gegensatz zu den hierzulande gewohnten Pressekampagnen ungewöhnlich sachliche und umfassend informative Beschreibung der derzeitigen Situation in Brasilien findet man beim "Auslandsbüro in Brasilien" der Konrad-Adenauer-Stiftung: "Der Regenwald in Gefahr" vom 11.Mai 2020.

                        Das Geschäft mit dem Urwald funktioniert und expandiert natürlich nur, weil China und der Westen den Großteil der Produkte von diesen Flächen aufkauft, zB Rindfleisch und Soja für Tofu und Viehfutter, Kaffee, Mais und Rohrzucker.
                        Allein 2019 hat Brasilien Rindfleisch im Wert von 560 Millionen US-Dollar in europäische Länder exportiert sowie Soja im Wert von über sechs Milliarden US-Dollar. Der Großteil stammt von legalisierten Flächen, ein Teil aber eben auch von Flächen, auf denen vor wenigen Jahren noch Regenwald stand.
                        Auch illegal geschlagenes Holz erreicht die europäischen Märkte.

                        Seit den 50er und durch Förderprogramme stark beschleunigt seit den 70er Jahren des 20. Jhds. wurden bereits riesige Regenwaldflächen abgeholzt, ~20% des Gesamtbestandes.

                        Alleine für das brasilianische Amazonasgebiet sind die abgeholzten Flächen gigantisch:

                        INPE

                        Die Abbildung zeigt die historische PRODES-Reihe für die Abholzung des brasilianischen Amazonasgebietes in km², konsolidierte Daten bis 2019. Das Pantanal steckt da also nicht mit drin (oder teilweise doch? Gelten die Grenzen der Bundesstaaten, hier Mato Grosso?).

                        Zudem hat Brasilien schon vor Jahrzehnten den Irrweg des sogenannten "Biosprits" eingeschlagen, eine Katastrophe ohnegleichen für die Urwälder. Ein großer Teil des Rohrzuckers wird zu Alkohol vergoren und in Automotoren verbrannt. Aber während fossile Brennstoffe am Ende nur ihr CO2 in der Luft lassen, sind die riesigen Anbauflächen für den "Biosprit" für die Natur komplett verloren. 4.5 Mio. Hektar der Zuckerrohranbaufläche alleine für Ethanol! Dazu kommen 100000ha für Palmöl-Produktion (in Kolumbien und Equador sind es bereits >1 Mio. ha) und xxxxxxxha für "Biodiesel"-Produktion. VW und Bosch haben übrigens mit ihren technischen Innovationen in der Motorsteuerung einen erheblichen Anteil am Siegeszug des Äthanols in brasilianischen Autotanks.

                        Immerhin reagierte Bolsonaro auf nationalen und internationalen Druck hin und kümmerte sich um die Brände. Während der Operation "Grünes Brasilien" (Operação Verde Brasil) wurden zwischen 24. August und 24. Oktober 1835 Brände gelöscht. 37 Flugzeuge, 159 Boote, 467 Kraftfahrzeuge und 10000 Soldaten, Feuerwehrleute und Helfer waren im Einsatz.
                        Zusätzlich zu den Löschaktionen wurden Kontrollen durchgeführt. Die haben zu 127 Festnahmen geführt. 26000 Liter Treibstoffe wie Benzin und 178 Boote und Fähren wurden beschlagnahmt. Zerstört wurden zudem 45 behelfsmäßige Unterkunftsplätze oder Campings, die von illegalen Goldschürfern und Holzfällern errichtet worden waren. 1453 Fahrzeuge und 1961 Boote und Schiffe wurden durchsucht sowie Geldbußen in Höhe von über 140 Mio. R$ verhängt (~31 Mio. €, Quelle).

                        Die Kontrollen haben zu einer starken Abnahme neuer Brandherde geführt. Im Oktober sind diese laut dem brasilianischen Raumforschungsinstitut INPE auf 7855 Brandherde gesunken. Bisher war die geringste Zahl von Bränden im Monat Oktober 1998 mit 8777 Brandstellen registriert worden.

                        Im Pantanal dagegen registrierte INPE die schlimmsten Brände seit Jahren. Allein im Oktober, dem Höhepunkt der Trockenheit, gab es demnach 2430 Brände - mehr als 20x so viele wie im Vorjahresmonat, als nur 120 Feuer gezählt wurden. Schlimmer war die Lage nur im Oktober 2002, als 2761 Feuer registriert wurden. Rund 50000 Hektar Land sind von den derzeitigen Bränden betroffen.

                        Satellitenbilder vom Weltrauminstitut INPE zeigten, dass es zwischen Januar und Oktober dieses Jahres fast 8500 Brände im Pantanalgebiet gab. Gegen Ende der Trockenzeit im September und Oktober 2019 gab es noch einmal besonders viele Brände.

                        Nach unserer Reise habe ich übrigens mal nachgeschaut, ob denn dieses Feuer, welches wir hier gerade sehen, auch aus dem All detektiert wurde.

                        Ja, wurde es:

                        (Quelle: eosdis.nasa.gov, unser Feuer in Bildmitte)

                        Ein paar Monate später kann man dann auf derselben NASA-Seite eine Karte der monatlich abgebrannten Gesamtflächen ansehen:

                        (Quelle: eosdis.nasa.gov, rechts im Menue ≡ auf 'burned area' klicken, dann 'select all')

                        Jeder Monat ist in einer anderen Farbe gehalten. Während von Januar bis Mai relativ geringe Flächen abbrennen, werden es im Verlaufe der Trockenzeit immer mehr. Den Höhepunkt der Brandsaison bilden die Monate August (blau), September (violett) und Oktober (pink). Im Pantanal selbst, auch entlang unserer Paddelstrecke, wurden 2019 trotz einer Rekordzahl von Bränden verglichen mit dem Umland relativ geringe Flächen abgebrannt. Viel mehr ist es drumherum, vor allem auch in Bolivien. Da war es der linke Evo Morales, der die Leute zur Brandrodung animierte. "Im Juli etwa verkündete er vor jubelnden Bauern ein Dekret, das kontrollierte Brandrodung des Urwalds erlaubt. ... Allerdings blieben die gelegten Feuer nicht unter Kontrolle. In der Provinz Santa Cruz und anderswo brannten insgesamt vier Millionen Hektar Wald und Savanne nieder" (ntv.de, Wildfires in Bolivia have killed an estimated 2 Million Animals so far this Year).

                        Wenig später machen wir Feierabend. Wir landen an der Spitze einer Insel, die 2 Teilarme des Rio São Lourenço teilt (Map). Hier liegt eine kleine Sandbank bereits im Schatten von Steilufer und Wald.
                        Die Sandbank ist ein kleines Refugium. Von hier aus kann man nicht in den Wald hoch, es ist einfach zu steil und zu dicht und dornig zugewachsen. Aber es besteht auch kein Anlass, die Machete zu zücken. So undurchdringlich, wie es jetzt ist, kann vielleicht nicht einmal der Jaguar zu Besuch kommen. Und Künziholz gibt es hier unten noch genug.





                        Blick stromauf:


                        Blick aufs gegenüberliegende Ufer, mit Bronzekiebitzen:


                        Am Strand finden wir Spuren von Kaimanen, die offensichtlich auch unter den umgestürzten Bäumen durchkriechen. Dort platziere ich ein paar Gepäckstücke, um dem Kaiman den Weg zu unseren zarten Zelten abzuschneiden.



                        Ein paar Meter weiter wohnt ein Fischer mit sine Fru auf der Insel. Er kommt 2x mit dem Motorboot. Wir kochen unsere Nudeln und genießen den Abend.



                        Vom Feuer riechen wir nichts. Im Osten ist im letzten Sonnenlicht des Abends noch eine Rauchschicht erkennbar, darüber blauer Himmel:


                        22:22 Uhr fährt ein Boot mit Licht und Motor von oben in den Altarm ein und schwappt mit seinen Wellen die Kaimanspuren vom Ufersand.

                        Die ganze Nacht höre ich Bewegungsgeräusche und Grunzlaute von den Kaimanen im Wasser. Irgendwann gibt es in der Nacht auch mal einen Jaguar?-Brüller ganz nah.
                        Zuletzt geändert von Spartaner; 03.02.2021, 08:35.

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                        • Spartaner
                          Alter Hase
                          • 24.01.2011
                          • 2770

                          • Meine Reisen

                          #32
                          Samstag 7.9.2019, Casa Pantaneira, 48km
                          Um ¼ nach 5 fängt das Morgenkonzert an rund um unsere kleine Halbinsel, tolle Soundkulisse: Tonaufnahme 46sec.

                          Eine andere Aufnahme (1:56min) lässt hinter dem schönen Duett der Cayenneralle (Aramides cajaneus, andere Tonaufnahmen 1, 2, 3, 4) im Vordergrund auch die Brüller der Kaimane hören. Zu dem Zeitpunkt war ich mir aber noch nicht ganz sicher, ob es Brüller der Kaimane oder der Jaguare waren. Nur die mechanisch immer gleiche Art der Grunzer ließen mich mehr auf Kaiman tippen. Sehr schön erkennbar sind die Kaiman-Brüller mit ihren tiefen Frequenzen im Sonogramm:



                          Theoretisch könnte man bei einer so klaren Trennung der Fequenzbereiche die Kaimanbrüller auch richtig freistellen. Muss ich mal probieren, wenn ich mal wieder ein Programm installiert habe, in dem man beliebige Bereiche aus dem Sonogramm löschen kann.

                          Heute ist die Luft relativ trübe, roter Sonnenaufgang:




                          Als ich wie jeden Morgen die Spuren an unserem Strand untersuche, entdecke ich eine frische Jaguar-Spur. Gestern war sie jedenfalls noch nicht da, ich hatte ja auch da Spuren gesucht.


                          Er muss uns diese Nacht besucht haben. Ich glaube ich habe ihn im Halbschlaf auch brüllen gehört, da war mal ein anderer Brüller als der der Kaimane, ganz nah. Das muss nach 22:22 Uhr gewesen sein, da zu diesem Zeitpunkt die Kaiman-Spuren von den Bootswellen weggewischt worden sind, die gestern Abend noch da waren. Die Jaguar-Spuren sind neu, nur 4m vom Zelt entfernt.

                          Auffällig ist auch die enorme Aktivität der im Sand lebenden Würmer. Das von den Bootswellen glatt gespülte Sandufer ist jetzt am Morgen flächendeckend krümelig bedeckt, auch die Jaguar-Spur ist bekrümelt.







                          Heute sehen wir 2 neue Schmetterlinge, Melanis aegates (Hewitson, 1874), und den besonders schönen Schwalbenschwanz Protesilaus sp., zb P. glaucolaus oder P. molops. Er hat zum Teil durchscheinende Flügel, sieht sehr edel aus.







                          Weiter geht es auf dem Fluss:






















                          Vögel:






                          Zum Baden legen wir eine kleine Pause ein. Im Hintergrund viele Bronzekiebitze:




                          Im Hintergrund ein kleiner Kaiman:





















                          Uferschwalbe? Im September? Außerdem sieht es aus, als brüten die hier:

                          Vielleicht auch Braunbrustschwalbe, Brown-chested Martin (Progne tapera) möglich?













                          Der Jabiru da zum Schluss steht wieder nicht allzu fotogen da. Na warte, ich krieg dich noch.

                          Tagsüber beobachten wir heute mehrfach Wasserschweine, auch schöne Familiengruppen. Die ersten Sichtungen von Wasserschweinen in den letzten beiden Tagen waren ja jeweils so kurz, dass ich nicht einmal zur Kamera greifen konnte. Alle verhielten sich sehr scheu. Das ist seit heute anders, ab heute gibt es Wasserschwein-Fotos. Je tiefer wir ins Pantanal kommen, desto mehr verringert sich die Scheu erst mal. Das hängt sicherlich von dem Jagddruck ab, dem sie ausgesetzt sind.









                          Später weiter Wasserschweine:




















                          Das Wasserschwein oder bras. Capivara (Hydrochoerus hydrochaeris) gehört zur Familie der Meerschweinchen, ist das weltweit größte heute lebende Nagetier und in weiten Teilen Südamerikas heimisch. Mich beeindruckt vor allem der riesige Schädel. Die Weibchen können 60, 70, 80kg schwer werden. Wasserschweine sind gute Schwimmer und Taucher und können bis zu 5 Minuten unter Wasser bleiben.
                          Sie können eine Lebensdauer von 8-10 Jahren haben, leben aber in freier Wildbahn im Mittel weniger als vier Jahre, da sie ein Lieblingsessen von Jaguar, Puma, Ozelot, Adler und Kaiman sind. Das Wasserschwein ist auch die bevorzugte Beute der Anakonda. Warum bellt das Wasserschwein?

                          Später hören wir mal wieder 2 Riesen-Otter direkt hinter uns, sie haben laut gerufen, wir sie nicht gleich gesehen. Ein alter Mann am Ufer gegenüber weist uns auf die Tiere hin.



                          Die Otter sind aber wieder zu schnell weg in der Ufervegetation, von wegen Foto.

                          Heute auch mehrfach wieder Kaimane gesehen, auch schwimmend, auch kleine. Alle sehr scheu. 3 kleine zusammensitzend.
                          Aber so viele Kaimane auf einer Sandbank versammelt wie zB die beiden Kanadier 2013 oder hier ein Filmchen aus der Nähe der Casa Pantaneira, so viele haben wir nie auf einmal gesehen.


                          (Foto Diana & Brian Svelnis, mit freundlicher Genehmigung)

                          Immer wieder sind die Ufer besiedelt, auch da wo ich keine Besiedlung mehr vermutet habe bzw wo auf den Luftbildern noch keine zu sehen war. Die Anglerplätze sind auch in einfachsten Kleinwagen erreichbar, nicht nur mit Geländewagen. Bis Rondonópolis sind es von hier ~130km Fahrstrecke.







                          Kurz fahren wir in einen Altarm hinein (Map). Die Ufer sind verschlammt und mit Sumpfpflanzen bewachsen, und das Wasser ist hier viel klarer:








                          Auffällig ist, dass das Wasser nicht aus dem Altarm hinausströmt, sondern vom Fluss hinein.

                          Nachmittags passieren wir wieder rechtsufrig besiedeltes Gebiet. auf einer großen Sandbank steht eine Halbhütte, die aus der Ferne aussieht wie ein Kiosk, in dem kaltes Bier angeboten werden könnte, davor Angler.



                          Derart auf den Geschmack gebracht, stoppen wir ein paar Meter weiter an einer Sandbank, die zum Steilufer hochführt. Ich tippe darauf, dass sich hier eine kommerzielle Einrichtung für Freizeit-Angler breitgemacht hat. Eine Tafel am Ufer verrät nicht die Preise, die hier zu zahlen sind, sondern die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestmaße der Fische, die hier geangelt werden dürfen.





                          Hier schauen wir uns mal um. Und tatsächlich, die 3 ersten Angel-Touristen, die wir treffen, laden uns auf je 2 kleine, aber eiskalte Büchsen Bier ein. Was für eine unerwartete Wohltat!
                          Wir sind jetzt knapp 150 Straßen-km und 204 Fluss-km von Rondonópolis entfernt. Luftlinie beträgt die Entfernung 100km. Und dann eiskaltes Bier hier draußen, damit haben wir nun wirklich nicht gerechnet.





                          Mit Eiskühlung kennen sie sich aus, die Brasilianer. Trotzdem wundere ich mich. Wo haben sie das her hier in der “Wildnis”? Sie sind mit ihrem kleinen Fiat-PKW angefahren, zelten in zwei kleinen Iglu-Zelten und wohnen in Cuiabá.

                          Nach dem Bier-Päuschen gehen sie angeln und sind auch wenig später erfolgreich:




                          Er hat einen Spatelwels gefangen, bras. Jurupensém (Sorubim lima).

                          Die freundlichen Brasilianer meinen, hier kann man frei zelten. So bleiben wir für heute Nacht hier. Die Zelte bauen wir ganz am Ende des Fahrwegs auf, schon ein bisschen weg vom Ufer, aber auf einer freigemachten Fläche, auf der sonst manchmal geparkt wird.

                          Gegen Sonnenuntergang, wir haben gerade Erbswurst gekocht und die Haferflocken quellen, möchte ich mal sehen, wo der Chef des Ganzen wohnt. Uns wurde gesagt, dass man dort weiteres Bier nachkaufen könnte.

                          Blick vom Steilufer stromab:


                          Nach wenigen hundert Metern zu Fuß werde ich von einem Pickup aufgepickt und kann auf der Ladefläche 2km zur Pousada Casa Pantaneira mitfahren. Genauer gesagt, sie haben mich extra dorthin gefahren, und warten nun, dass ich Einkaufe und sie mich wieder zurückbringen können. Das habe ich allerdings nicht gleich mitbekommen. Ich unterhalte mich derweil mit dem Chef der Pousada, Geschäftsführer Hermes, bis die netten Pickup-Fahrer unruhig werden und Hermes verspricht, mich selber zurückzufahren. Dann verlassen sie den Hof, wollten ja eigentlich längst zu Hause sein.

                          Der Chef führt mich über das Gelände, alles ist ganz neu, teil noch im Aufbau. Auf dem Google-Satellitenbild sieht man noch nichts von alldem, auf dem Bing-Luftbild aber schon.
                          Am meisten imponiert mir der eigene Telefonmast mit terrestrischer Richtantenne, das Satelliten-Internet und free WiFi hier mitten im Busch. Damit gibt es neben den bisherigen allabendlichen vorgefertigten InReach-Meldungen heute von mir auch ein paar Whatsapp-Grüße nach Hause.











                          Natürlich gibt es hier auch eine Einkaufsmöglichkeit mit den wichtigsten Camping-geeigneten Grundnahrungsmitteln. Kekse, Nudeln, Bohnen, Reis, Tomatenmark, Speiseöl, Kaffee, Salz, Zucker, Mehl, Maismehl, Konservenbüchsen, Getränke, Klopapier und Küchentücher, andere Sachen siehe Fotos. Und natürlich gibt es Bier.







                          Die Unterkünfte sind ganz neu. Im Moment gibt es 22 Betten in 2er, 3er und 4er Zimmern, alle klimatisiert:

                          (Fotos Hermes, Casa Pantaneira, mit freundlicher Genehmigung)

                          Er lädt uns ein, eine Nacht auf seine Kosten hier zu verbringen, inkl. Frühstück. Ich danke herzlich, lehne aber freundlich ab, da wir am Ufer schon alles aufgebaut haben und das Abendessen fertig ist. Thomas wartet. Am Ende kaufe ich 4 Bier a 0.27L 18R$, natürlich eiskalt, und er fährt mich mit seinem indonesischen 2005er Chevrolet Blazer Montera 2.2 zurück zu den Zelten. Sehr nett hier.



                          Heute schlafen wir zum ersten Mal direkt im Wald, im Dschungel. Während auf den Sandbänken alles sauber ist, muss man hier auf Schritt und Tritt aufpassen, dass man nicht auf Schlangen, Skorpione und Tausendfüßer latscht.

                          Dafür sind wir hier den Vögeln des Waldes ganz nah, Äffchen klettern herum, und die Temperaturen sind gegenüber den freien trockenen Sandbänken hier unter den Bäumen gedämpfter.
                          Gegen hungrige Ameisen hängen wir den Topf mit den Resten der Erbswurst und einen weiteren mit dem bereits angerührten Müsli wieder hoch in die Bäume.
                          Zuletzt geändert von Spartaner; 03.02.2021, 08:35.

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                          • Sommerfreude
                            Gerne im Forum
                            • 02.01.2019
                            • 57

                            • Meine Reisen

                            #33
                            AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

                            Hallo Spartaner,
                            das ist wieder meine Lektüre zur dunkelsten aber auch heimeligsten Zeit des Jahres. Danke dafür. Ich kann ahnen wie viel Zeit du im aufarbeiten damit hast. Meine auch nicht wenigen Kajakfahrten im Jahr sind dagegen Sonntagsspaziergänge. Mit dem bearbeiten, speichern und immer wieder lesen oder anschauen erlebt man es immer wieder.
                            Ich bleibe dran und wünsche dir eine schöne Advents, und Weihnachtszeit.
                            Gruß Eckhard
                            Gemeinsam macht Spaß, aber allein lassen sich die Momente der Natur am intensivsten genießen.

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                            • Spartaner
                              Alter Hase
                              • 24.01.2011
                              • 2770

                              • Meine Reisen

                              #34
                              AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

                              Danke! Die Bildauswahl ist tatsächlich anstrengend diesmal. Wir haben von den 7 Wochen in Brasilien ~9000 Bilder mitgebracht. Sehr viele davon sind Serienaufnahmen "Sportmodus", um die Tiere bei vollem Zoom "600mm" möglichst scharf auch in Bewegung abzubilden. Die Einzelbilder unterscheiden sich dabei oft nur wenig. Trotzdem variiert manchmal die Schärfe, auch die Flügelstellung oder ähnliche Kleinigkeiten differieren. Da muss ich oft mehrfach zwischen den verschiedenen Varianten hin- und herspringen, bis ich das beste gefunden habe. Wirklich aufwändig.

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                              • Mika Hautamaeki
                                Alter Hase
                                • 30.05.2007
                                • 3945

                                • Meine Reisen

                                #35
                                AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

                                Und wieder eine Reihe genialer Fotos. Vielen Dank!!!!
                                So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
                                A. v. Humboldt.

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                                • blauloke

                                  Lebt im Forum
                                  • 22.08.2008
                                  • 6079

                                  • Meine Reisen

                                  #36
                                  AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

                                  Hallo Spartaner,
                                  wirklich eine bemerkenswerte Fahrt die ihr da macht und ein aufwändig geschriebener Bericht.
                                  Über Weihnachten hast du bestimmt Zeit um weiter zu schreiben.
                                  Ich habe nämlich Zeit zum lesen.
                                  Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

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                                  • Spartaner
                                    Alter Hase
                                    • 24.01.2011
                                    • 2770

                                    • Meine Reisen

                                    #37
                                    AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

                                    Zitat von blauloke Beitrag anzeigen
                                    Über Weihnachten hast du bestimmt Zeit um weiter zu schreiben.
                                    Leider nein, ich bin grad bei was anderem. Aber wenn es beruhigt, sicherlich geht es im Januar 2020 wieder weiter.

                                    Übrigens, mein ausführlicher Shchugor-Bericht von der Fahrt 2014 wurde genau 4 Jahre und 4 Monate später vollständig fertiggestellt.
                                    Gerade rechtzeitig, um das eine Russland-Kapitel definitiv abzuschließen, bevor ein neues begonnen wurde.

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                                    • fwgdocs
                                      Erfahren
                                      • 15.12.2012
                                      • 105

                                      • Meine Reisen

                                      #38
                                      AW: [BRA] Paddeltour 900km durch das Pantanal, Brasilien 2019

                                      Bin gespannt was Ihr noch auf eurer Tour in diesem Tierparadies zu sehen bekommt

                                      Danke fürs zeigen der sehr unbekannten Gegend

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                                      • Spartaner
                                        Alter Hase
                                        • 24.01.2011
                                        • 2770

                                        • Meine Reisen

                                        #39
                                        Sonntag, 8.9.2019, Tamanduá, 43km
                                        Der Tag beginnt 5:30 Uhr mit einem mächtigen Brüllaffenkonzert hier im Dschungel, garniert mit Rufen von Vögeln und Zikaden (Tonaufnahme). Nicht so nahe wie im Zoo, aber in dieser Mischung einzigartig und absolut authentisch. So gefällt mir das.




                                        Kurz nach Sonnenaufgang 06:08 Uhr.

                                        Hier unter den Bäumen knallt die Sonne nicht gleich am frühen Morgen aufs Zelt. Dennoch trödeln wir nicht lange bis zum Frühstück.
                                        Am Vorabend hatte ich die beiden Töpfe, der eine mit den Resten der Erbswurst vom Abendbrot, der andere mit dem zum Quellen angesetzten Müsli, an eine Palme gehangen hatte. Trotzdem haben einige der sehr kleinen Ameisen den Weg ins Müsli gefunden.

                                        An unserer Einsatzstelle ist schon den ganzen Morgen Betrieb. Schwere Pickups kommen mit Bootsführern und Angeltouristen, und tragen Motoren und kistenweise Ausrüstung runter in die Boote am Strand. Dann düsen sie davon, ihr Anglerglück versuchen. Die meisten werden nicht ohne Fang zurückkehren. Auf der Facebook-Seite der Casa Pantaneira präsentieren sich die erfolgreichsten mit ihrer Beute.

                                        Beispielbilder fetter Fänge:

                                        (Fotos Hermes, Casa Pantaneira, mit freundlicher Genehmigung)

                                        Neben den mir zugesandten Fotos gibt es noch etliche weitere Fotos auf der Facebookseite der Casa Pantanaeira: Foto1, Foto2, Foto3, Foto4, Foto5, Foto6, Foto7

                                        Am Ufer stehen 2 riesige 2m³-Kunststoffbehälter, in denen Mais gärt. Riecht unangenehm säuerlich, aber ergibt einen für Fische leckeren Angelköder (Gären lassen …, bis man den Gestank nicht mehr aushält!).

                                        Sozusagen als Beifang gelangt den Anglern hier auch ab und zu mal ein Jaguar auf die Speicherkarte:
                                        → Video 13s
                                        (Fotos Hermes, Casa Pantaneira, mit freundlicher Genehmigung)

                                        Weitere Jaguare: Video 15s, Video 35s, Video 16s, Video 33s.

                                        Dazu Massen von Kaimanen:

                                        (Foto Hermes, Casa Pantaneira, mit freundlicher Genehmigung)

                                        Video 13s, und fliegende Fische (Video 29s).

                                        Das alles hier auf dem mittleren Rio São Lourenço in der näheren Umgebung der Casa Pantaneira.

                                        Jetzt noch ein paar Worte zu unseren eigenen Angel-Ambitionen. Eigentlich möchte ich ja gerne angeln, vor allem solche schönen großen Fische wie auf den Erfolgsbildern auf der Facebook-Seite der Casa Pantaneira. Abschrecken tut mich nur das Warten darauf, dass einer beißt. Immerhin haben wir in Rondonópolis noch zwei Haken mit Stahlvorfach gekauft, in einer Größe, die für den Pacu geeignet ist. Der Pacu ist ein häufiger und gefährlicher Fisch, der weitgehend dezimiert werden sollte, schon zu unserem eigenen Arterhalt (“Vorsicht! Fisch mit Menschenzähnen beißt Schwimmern die Hoden ab”, Spiegel: “Beißattacken auf Hoden von Schwimmern sind dokumentiert”, “Pacus beißen nacktbadenden Männern die Hoden ab”). Mehr Informationen zu diesem Fisch hier.

                                        Am Ende waren wir aber zu faul, in diesem Sinne unseren Beitrag zum Arterhalt zu leisten, trotzdem wir als notorische Nacktbader immer hochgradig gefährdet waren. Der Angelhaken blieb verpackt. Wenn ich solch eine Tour dort noch einmal machen würde, evtl. alleine, dann würde ich es bestimmt doch mal probieren. Im Nachhinein wurmt es mich wieder ein bisschen, es nicht versucht zu haben.

                                        Um 8 Uhr sind wir abfahrbereit:


                                        Die Ufer sind hier wieder stellenweise dicht besiedelt:






                                        Feste Betonbrücke, gebaut ~2010, darunter Angel-Camper im Schatten des Brückenpfeilers:




                                        Ein erstaunliches Bauwerk, hier in der Pampa. Von hier gibt es nur unbefestigte Straßen in den Busch und die nahegelegenen Fazendas. Und natürlich geht es von hier auch irgendwie nach Rondonópolis.

                                        Auf dem geraden und breiten, etwas langsamer fließenden Abschnitt hinter der Brücke, erreichen wir ~7km/h Paddelgeschwindigkeit, ansonsten bisher durchgehend ~8km/h.











                                        Wieder mal Badepause:


                                        Geradeaus geht es in den ehemaligen Abzweig, jetzt Hauptlauf nach Tamanduá:


                                        Hier ist es übrigens auch wieder so, dass ein ehemals dünner Nebenarm zum Hauptarm mutierte. In Google Maps ist noch der alte Zustand zu sehen. Der dortige heute ehemalige Hauptarm ist zwischenzeitlich vollständig verlandet. Bing-Maps ist auch nicht auf dem neuesten Stand, aber zeigt die beginnende Verlandung.

                                        Der Hauptlauf führt heute an der Fazenda und Pousada Tamanduá entlang, einer Angeltouristen-Herberge, die mit diesem Text wirbt: "Die Pousada liegt völlig isoliert am Rio São Lourenço. Pflege und Erhaltung ist in diesem Abschnitt des Pantanals ein vorrangiges Anliegen seines Besitzer Frederico Garcia. Gastfreundschaft, das Gefühl, zu Hause zu sein trotz der großen Entfernung von der Hauptstadt das Bundesstaates Mato-Grosso, machen diese Pousada zu einem wunderbaren Fleckchen inmitten der Natur! Kaimane und sogar Jaguare sind nicht selten zu sehen! Der Jaú und der Dourado sind die Stars dieses wunderbaren Flusses!".

                                        Wie versprochen lassen sich hier manchmal richtig schöne Fische angeln. Und man kann Jaguare am Ufer beobachten.







                                        Wurzelufer:


                                        Weitere Badepause:


                                        Jetzt zu den selber beobachteten Tieren des heutigen Tages.

                                        Relativ häufig überall im Pantanal ist der Grüne Leguan, Great Green Iguana, Sinimbu (Iguana iguana):






                                        Das letzte Bild zeigt eine Wohnhöhle des Grünen Leguans, wie man sie an den Sandstränden oder in lockeren Steilufern öfter finden kann.

                                        Ab heute sehen wir auch viele Kaimane, darunter etliche kleine:











                                        Vögel stehen übrigens auch auf der Speisekarte der Kaimane.

                                        Vögel:






                                        Scherenschnäbel und viele Großschnabel-Seeschwalben:


                                        Geierfalken, hier der häufige Schopfkarakara (Caracara plancus):




                                        Ein naher Verwandter des Schopfkarakaras, der Guadalupe-Karakara, unterlag dem wahrscheinlich intensivsten und kürzesten Ausrottungsfeldzug der Geschichte.

                                        Cayennekiebitz:


                                        Rosalöffler (Platalea ajaja):


                                        Die Federn dieses schönen Tieres wurden von Modeschöpfern für ihre Kreationen verwendet und mit dem Dreifachen des Goldwertes bezahlt.

                                        Heute habe ich den Jabiru (Jabiru mycteria) auch endlich mal in fotogenen Posen erwischt:










                                        Der Jabiru ist der größte Vertreter der Störche hier im Pantanal und auch der grösste Vogel Brasiliens. Er misst 1.5 Meter in der Höhe, hat eine Flügelspannweite von 2.60 Metern und wiegt ~8kg.

                                        Der Kuhreiher (Bubulcus ibis) ist eine neue Art heute:




                                        Daneben sind auf dem ersten Bild auch Scherenschnabel-Eltern mit ihrem schon ziemlich großen Nachwuchs zu sehen.

                                        Der Kuhreiher war ursprünglich ein Bewohner der Alten Welt und kam erst vor ~130 Jahren nach Amerika. Um das Jahr 1877 waren erste Kuhreiher in Südamerika zu sehen, ab 1930 besiedelte die Art von Britisch-Guayana ausgehend Nord- und Südamerika. Und wenn ich diese Karte richtig interpretiere, dann hat er das Pantanal erst nach 1970 besiedelt.
                                        Farmer schätzen gewöhnlich die Ansiedlung von Kuhreihern, da sie Weideschädlinge fressen. Eine hohe Dichte an Kuhreihern trägt dazu bei, die Zahl der Schildzecken zu reduzieren, die an Rindern saugen (Wikipedia).

                                        Noch eine neue Art heute, der Mohrenibis (Phimosus infuscatus):


                                        Wasserschweine und anderes:






                                        Diese Gespinste sind genau die, durch die sich Indiana Jones durchschlagen musste.

                                        Nachmittags passiert uns ein sehr voll beladenes Langboot, viele Vorräte. Das sieht aus, als kommen wir jetzt endlich in Gegenden, die nicht mehr so einfach mit dem Auto erreichbar sind.



                                        Andere haben wohl nur ihre erbeuteten Fische zum Verkauf gefahren:


                                        Sie legen kurz bei uns an, mustern uns wortlos und fahren weiter. Seltsame Situation:


                                        Das Lager schlagen wir abends auf einer großen Sandbank auf:


                                        Auf der Sandbank finde ich viele Kaiman- und Tapir-Spuren, auch wenige Jaguar-Spuren.


                                        Beim abendlichen Wasserfiltern am Flussufer taucht eine Armlänge neben uns ein neugieriger Kaiman auf. Er ist ebenso überrascht wie wir und taucht geräuschvoll wieder ab. Man sieht also, sie machen tatsächlich auch mal Fehler.

                                        Ich zelte wieder auf großer offener Fläche, um dem Jaguar das Überrascht werden zu nehmen:


                                        Heute Abend Windstille, es wird einfach nicht kühler. Erst nach Sonnenuntergang nackig im Zelt, ohne jegliche Bewegung, kühle ich langsam ab.




                                        Zuletzt geändert von Spartaner; 03.02.2021, 08:36.

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                                        • Spartaner
                                          Alter Hase
                                          • 24.01.2011
                                          • 2770

                                          • Meine Reisen

                                          #40
                                          Montag, 9.9.2019, 43km
                                          Mehrfach höre ich im dunklen Teil der Nacht Geräusche großer Tiere. Wenn sie vom Wasser kommen, sind es wohl die Kaimane. Zweimal kommt es auch von Land, so ein tiefes Grummeln, später dann kurze tiefe Rufe, ich bin dann schnell beim Jaguar, mache Licht an, klapper mit der Tasse und rufe etwas. Klingt wirklich wie im Raubtierzoo, Brehm-Haus.
                                          Mich stört, dass er so lange in der Nähe bleibt.

                                          05:10 Uhr, erste Zeichen der anbrechenden Dämmerung.







                                          06:00, Wir frühstücken zusammen mit 2 Kaimanen auf unserem Ufer. Gerade als Thomas davon Fotos macht, erschallt genau vom gegenüberliegenden Ufer laut der Ruf des Jaguars. Kurz darauf 200m stromab ein weiterer Jaguar. Revierkampf, Balz? Der Ruf genau wie im Raubtierhaus, Ho Ho Ho tiefer werdend. Der erste, laute Ruf direkt gegenüber klang auch ziemlich wütend, so, als ob er eigentlich gerne zu uns rüberkommen würde, um zu frühstücken, sich das aber gerade so verkneifen kann.
                                          Ich freue mich, dass sie ganz klar am anderen Ufer sind.

                                          An der Spitze der Sandbank findet Thomas 5 Kaimane auf Land vor. Leider verschwinden die auch wieder ins Wasser, bevor ich dazukomme:








                                          Noch während des Frühstücks fährt ein Boot stromauf, macht 500m später den Motor aus, und lässt sich wieder stromab treiben. Dabei werden ~2 Dutzend Plastikflaschen mit Angelhaken dran ausgeworfen und treiben mit dem Boot stromab. Dabei ist der Bootsführer bestrebt, ständig eine Flasche nach der anderen rauszunehmen und auf Fang zu kontrollieren.

                                          So passieren sie wieder unseren Frühstücksplatz:






                                          Um die nächste Flussschleife herum steht das Lager der Fischer:




                                          Der Fluss wird etwas ruhiger, Sandbänke werden seltener und kleiner. Die Paddelgeschwindigkeit beträgt heute öfter 7km/h, seltener 8.











                                          Heute nur noch wenig Besiedlung, nur noch ~6 Häuser den ganzen Tag.



                                          Wenn die Häuser sich wie hier unter einem Blätterdach verstecken, konnte ich sie auf den Satellitenbildern nicht erkennen und nicht in die OSM einzeichnen.

                                          Die Flussufer unterscheiden sich nicht großartig von den Vortagen, alles pralle Natur:






                                          Auffällig ist diese Art mit den großen senkrecht stehenden Blättern:




                                          Was das ist, weiß ich noch nicht. Die Blätter erinnern an Banane (Musa sp.). Während es relativ einfach ist, die Vögel anhand der Fotos nachträglich zu bestimmen, gelingt mir das bei den meisten Pflanzenarten nicht, auch nicht bei dieser sehr auffälligen Art. Vielleicht hat ja jemand Links zu dafür geeigneten Seiten im Netz?



                                          Dafür werden die Tiere zutraulicher. Viele Kaimane, etliche Wasserschweine, einmal wieder 2 Riesenotter, die sich, so lange sie sich unentdeckt wähnen, auf uns zustürzen. Wendet man sich ihnen zu, gewinnen sie wieder Abstand. Diesmal gelingen mir erste Fotos vom Riesenotter, leider einige verwackelt:













                                          Weitere Tiere des Tages

                                          Noch am Übernachtungsplatz versuche ich die Scherenschnäbel im Flug zu erwischen;




                                          Mohrenibis und Cayennekiebitz:


                                          Rotbrustfischer ♀️ (Megaceryle torquata):


                                          Der Rotbrustfischer ist der größte Eisvogel ganz Amerikas, ein wahrer Riese im Vergleich zu unserem heimischen Eisvogel, und erreicht eine Größe von 42cm. Die meist recht großen Beutetiere (Fische, Reptilien, Amphibien und Insekten bis 20cm) werden von relativ hoch liegenden Ansitzen (5 - 10m hoch) erjagt. Brasilianisch heißt er Martim-pescador-grande.

                                          Rabengeier:


                                          Truthahngeier:








                                          Der größte Reiher Südamerikas, der Cocoireiher, Cocoi heron, garça-moura ou socó-grande (Ardea cocoi):


                                          Der Cocoireiher kommt fast überall in Südamerika vor und ist eng verwandt mit unserem Graureiher und dem nord- und mittelamerikanischen Kanadareiher.

                                          Überbelichtet und unscharf, aber einen neue Art, der Wegebussard, Roadside hawk, Gavião-carijó (Rupornis magnirostris):


                                          2 Jabiru, Truthahn- und Rabengeier:


                                          Weitere Badepause, 2 weitere Jabiru auf einer Sandbank:










                                          Der Fisch wurde wohl von einem Reiher gekillt, ein Wels? Art? Es gibt hier im Pantanal 10 Familien, sehr artenreich.




                                          Wieder eine Badepause:








                                          Plastikmüll:


                                          Das mit dem Müll war im Pantanal auf der gesamten Reise kein großes Problem. Dafür bewegen sich insgesamt einfach zu wenige Menschen in dem Gebiet. Inwieweit eine Sensibilität gegen solche Art Umweltverschmutzung ausgeprägt ist, konnte ich nicht feststellen. Jedenfalls haben wir keine Leute bei solch verwerflichem Tun beobachten können, ganz im Gegensatz zu Ost-Europa, wo zB in Bosnien die Leute ganz ungeniert mit ihren vollen Mülltüten zur Drina kommen und den Müll hineinwerfen (“entsorgen”), oder in der Ukraine, wo zB an der oberen Theiß die Dörfer 2010 noch ganz regulär ihren Müll in die Theiß verkippten. Selbst so gesehen (S. 6ff.)! 2019 scheint sich immer noch nichts gebessert zu haben!

                                          Abends schlagen wir unser Nachtlager im Wald auf. Der Platz ist bereits von Anglern etwas freigemacht, aber immerhin nicht mit Auto erreichbar. Unsere Haus-Kaimane lassen sich durch uns nicht stören. Hier ist das Ufer lehmig, nicht so schön sauber sandig wie bisher. Wir befestigen es an der Anlegestelle provisorisch mit der Bohle einer zerfallenen Sitzbank.
                                          Ein Boot kommt von der nahegelegenen Fazenda stromauf an uns vorbei, und eine halbe Stunde später wieder zurück. Wir grüßen.









                                          Wir kochen in bequemer Höhe auf einem verrosteten Kühlschrank, wie sie überall an den Lagerplätzen herumliegen. Nach den üblichen Spaghetti mit Fisch, Öl und Tomatenmark rühren wir noch das Müsli für morgen früh an, ich trinke die Nudelbrühe aus, die Thomas nicht anrührt. Mir tut sie gut, meinen Salzbedarf zu decken. Geht ja enorm viel verloren mit dem Schweiß und dem vielen Baden.
                                          Dann ist die Sonne untergegangen und wir gehen ins Bett.

                                          In der ganzen Nacht hört man das extreme Geplantsche der Kaimane vor unserem Schlafplatz. Ein Tier ruft am Wasser, Tonaufnahme des Plantschens der Kaimane, so wie es im Zelt zu hören war, und Tonaufnahme des Plantschens und andere Tiere. War das zu Beginn ein rufendes Wasserschwein? Auf dem Baum über mir ist zeitweilig auch was los, vielleicht ein Faultier? Gibt es so etwas hier? In der Dunkelheit habe ich durch die Zeltgaze leider nichts gesehen.
                                          Zuletzt geändert von Spartaner; 03.02.2021, 08:37.

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