[AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Bergen

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  • Schmetterling

    Erfahren
    • 18.10.2009
    • 189

    • Meine Reisen

    #61
    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

    24.7.2014 Polenlager – Plav

    Der letzte Tag! Es würde ein langer Tag werden mit 7-8 Stunden und dem langen Abstieg nach Plav. Aber am Ende würde eine warme Dusche warten, gutes Essen, ein weiches Bett und mit etwas Glück auch die Engländer. Wie immer mischten sich Wehmut mit Vorfreude, wobei dieses Mal die Vorfreude doch überwog. Wir waren jetzt 9 Tage lang jeden Tag gelaufen, jeden Tag mit vielen Höhenmetern und über unwegsame Wiesen. Schon seit ein paar Tagen schmerzten meine Knöchel und später zu Hause stellte ich fest, dass sie geschwollen waren. Notiz an uns selbst: nächstes Mal einen richtigen Ruhetag einlegen.
    Aber erstmal stand uns ja noch ein wunderbarer Tag bevor. Doch anstatt beim Weckerklingeln freudig aufzuspringen, fassten wir uns stöhnend an die Köpfe. Bei mir kündigte sich eine Migräne an und Svens Magen ging es so schlecht, dass er kaum ein kleines Stück Brot essen konnte. Und das will was heißen! Das konnte doch nicht an den paar Schlückchen Schnaps von gestern Abend liegen… Aber was Schlechtes gegessen hatten wir doch auch nicht.
    Ganz langsam machten wir uns an Frühstück und den Abbau. Während um uns herum das Lager erwachte, lag der Schnaps-Spendierer von gestern Abend noch bei unserem Abmarsch in den Federn. Wir hätten ihn zu gerne gefragt, wie es seinem Kopf geht und was er uns da gestern untergejubelt hat.


    Bergidyll

    Sven schleppte sich hinter mir her und meinte allen Ernstes, dass er die paar Meter Anstieg auf den Grat nicht schaffen würde. Wir erinnerten uns, dass die Engländer erzählt hatten, dass sie den Grat verpasst hätten und außenrum gelaufen seien. Uns war es in den letzten Tagen nicht gelungen, die genaue Lage des Polenlagers auf der Karte zu bestimmen. Die Wegführung und Lage der Berge ergaben irgendwie keinen Sinn. Also erlagen wir der Verlockung und folgten einem leicht abfallenden Weg in der Hoffnung, dass er unten parallel des Grats entlang führen würde. Sven war ein Häufchen Elend und entledigte sich nach der ersten Kurve erstmal seines kläglichen Frühstücks.
    Der Weg lief angenehm eben durch einen Wald und vorbei an einer sehr ärmlichen Sommersiedlung, die aus mit Zweigen und Plastik gebauten Hüttchen bestand.



    Nach rechts konnten wir Blicke ins tiefe Tal erhaschen. Wir wussten erst so richtig wo wir waren, als wir über einen albanischen Grenzstein stolperten. Albanien – gaaanz falsche Richtung! Mist! Auf der Karte konnten wir ungefähr erkennen, wo wir sein müssten, aber der Nebel erschwerte die Orientierung und Lokalisierung der richtigen Richtung. Zurückgehen war nicht wirklich eine Option. Wir fragten zwei Hirten, wo denn Plav liege und sie deuteten in den Nebel und brabbelten etwas von geradeaus und dann rechts. Wir reimten uns einigermaßen zusammen, wo wir hin müssten und folgten einem scharf nach links abzweigenden Weg. Rein theoretisch müsste der irgendwo auf unseren eigentlichen Grat stoßen. Restlos entmutigt tappten wir im Nebel über einige Bergrücken. Immerhin war der Pfad gut ausgetreten, doch von Hirten oder anderen Menschen keine Spur. Und auch keine Kreuzung mit unserem eigentlichen Weg. Schließlich gelangten wir an einen Grat, auf dem scheinbar ein Weg nach rechts abzweigte. Dieser hörte allerdings nach wenigen Metern auf. Von unten schallten Menschenstimmen und Kuhgeläute herauf. Wir stiegen ab in der Hoffnung, jemanden fragen zu können. Bis wir unten waren, war der Hirte natürlich längst weg. Nun waren wir wirklich ratlos und so richtig sauer. Sven wollte das Tal hinabsteigen in der Hoffnung, unten irgendwo im Plav-Tal rauszukommen. Ich hielt das für eine sch… Idee. Wenn wir uns mit der Standortbestimmung irrten (ich hatte für heute das Vertrauen in unsere Orientierungsfähigkeit verloren), würden wir in Albanien auf der falschen Seite des Gebirgszugs herauskommen. Das wiederum bedeutete, dass wir morgen zu Fuß wieder auf die andere Seite der Berge gehen müssten. Eine Alternative mit Bus o.ä. gab es nicht, denn das ganze Massiv zu umfahren dauerte 10 und mehr Stunden.
    Selbst wenn es ein richtiges Tal sein sollte, war von oben aus kein Weg zu sehen. Das ganze Vieh schien von oben zu kommen. Vor meinen Augen entstand das Bild eines undurchdringlichen Dschungels, nichts worauf ich Lust hatte. Nach einer kurzen, heftigen Diskussion setzte ich mich durch und wir stiegen fluchend wieder hinauf auf den Weg. In dieser Richtung würden wir im schlimmsten Fall wenigstens in Gusinje raus kommen, das wenige Kilometer von Plav lag.
    Zwei Ecken weiter jedoch gelangten wir eindeutig auf unseren eigentlichen Weg, der uns auf einem Grat gut sichtbar kreuzte. Wir waren erleichtert, gleichzeitig auch gehörig frustriert: hinten um die Ecke sah ich das Polenlager, kaum eine halbe Stunde entfernt. Wären wir mal gleich auf den Grat hoch, dann hätten wir uns 2 Stunden Umweg erspart. Inzwischen war es schon später Vormittag und wir hatten noch die gesamte Tagesetappe vor uns. Also hieß es die Beine in die Hand nehmen. Was bei Sven leichter gesagt als getan war, er schleppte sich förmlich hinter mir her. Immerhin waren wir auf einem gut erkennbaren Weg und auch der Nebel lichtete sich, sodass wir endlich die Aussicht genießen konnten.


    Zurück auf dem Weg

    Immer wieder kamen wir an verkohlten Latschenkiefern vorbei und wir fragten uns, ob das wohl von Blitzeinschlägen stammen könnte.
    Am Bor Peak war es dann wieder aus mit der guten Orientierung. Hier sollte der Weg den Grat verlassen. Unser gut ausgetretener Pfad verlief sich in den Büschen und wir kamen zu weit nach rechts. Schließlich erkannten wir wieder Spuren, dazu blaue Markierungen an Bäumen und Steinen, die anscheinend mit einer Sprühdosen angebracht waren. In der Wegbeschreibung stand, dass die Markierung dieses Wegstückes noch fertig gestellt werden müsse. Wir nahmen an, dass dies hier wohl die provisorischen Markierungen sein müssen. Die richtigen werden wohl für immer auf sich warten lassen.
    Die Markierungen führten unerklärlicherweise auf einen Bergrücken, dessen Flanken laut Karte felsig abfielen. Der Weg sah aus, als wäre von einer Horde Reiter oder Mountainbiker angelegt worden – die Erde war zerwühlt und Äste brutal von den Bäumen gerissen. Er musste ziemlich neu sein, denn arg ausgetreten war er noch nicht. Ich ließ schließlich Sven zurück, um mir das letzte Stück erst einmal anzuschauen. Von oben hatte ich einen wunderbaren Blick auf Plav und den See, jedoch konnte ich keinen Abstieg finden.


    Plav voraus

    Auch die Markierungen waren plötzlich weg. Ich hatte auch keine Motivation für ewige Suchereien, da von oben dunkle Wolken drohten und es auch relativ schwül war. Unser Bedarf an Wegsuchereien war erschöpft und wir beschlossen, etwas zurück in ein anderes Tal abzusteigen, in dem wir alte Gebäude gesehen hatten. Auch die Engländer hatten den richtigen Weg nicht gefunden und uns ihre Alternative erklärt.



    Wir kämpften uns also ein gutes Stück zurück und stiegen durch hohes Gras ab. Unten angekommen entdeckten wir tatsächlich einen Pfad, der in unsere Richtung lief. Er war perfekt! Sanft abfallend, gut ausgetreten, und gesäumt mit Blaubeerensträucher, deren Beeren langsam reif wurden. Nach einem steilen Stück gelangten wir tatsächlich in das Tal, das uns die Engländer empfohlen hatten. Ab hier sollte ein für Mountainbiker markierter Weg nach Plav führen. Die dunklen Wolken hatten sich verzogen und ein kleines Bächlein machte die Idylle perfekt. Wir gönnten uns erst einmal eine ausführliche Mittagspause mitsamt Nickerchen. Anschließend folgten wir einem Fuhrweg, der in weiten Mäandern langsam in Richtung Plav führte. Er zog sich einige Stunden, wir bemühten uns jedoch, ihn zu genießen. Nach einer Weile erkannten wir tatsächlich von oben kommend einen schmalen Pfad mit den blauen Markierungen. Wahrscheinlich hatte ich oben nur nicht richtig gesucht. So konnten wir den PoB doch noch auf dem eigentlichen Weg beenden!



    Das schlimmste Stück waren die letzten Kilometer. Unser Hotel war zum Greifen nah, doch die Straße führt einen weiten Umweg in Richtung Zentrum. Es war brüllend heiß und die Kilometer zogen sich wie Kaugummi. Aber endlich war auch das geschafft! Wir bezogen unser altes Zimmer und genossen eine endlose heiße Dusche und frische Kleidung. Nur die Engländer trafen wir zu unserer großen Enttäuschung nicht, sie hatten uns nur einen Brief hinterlegt. Ihr Kocher ging am Tag nach unserem Treffen kaputt, dazu war das Wetter schlecht. Also brachen sie ab und verbrachten noch ein paar Tage an der Küste. Schade, das wäre ein nettes Wiedersehen gewesen!
    So genossen wir eben alleine unser wohlverdientes Steak, das wir mit dem einen oder anderen Raki herunter spülten. Schön war es gewesen!

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    • berniehh
      Fuchs
      • 31.01.2011
      • 2050

      • Meine Reisen

      #62
      AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

      eine herrliche Gegend ist das
      Ursprünglich wollte ich im Sommer 2015 auch auf den Balkan, hab mich dann aber zu Nordamerika umentschieden.
      Wenn ich Eure Fotos sehe, bin ich kurz davor mich wieder zurück zum Balkan umzuentscheiden,......da bekommt man richtig Lust drauf
      www.trekking.magix.net

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      • izeth
        Gesperrt
        Neu im Forum
        • 14.12.2013
        • 8

        • Meine Reisen

        #63
        AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

        Das war wundervoll zu lesen.

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        • Spartaner
          Alter Hase
          • 24.01.2011
          • 3639

          • Meine Reisen

          #64
          AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

          Zitat von Schmetterling Beitrag anzeigen
          Die Wände im Erdgeschoss waren fleckig von Schimmel und von ein paar mit Klebestreifen befestigten Heiligenbildchen verziert.
          Und ich dachte immer, Albanien sei moslemisch. Waren das ethnische Serben in der Ecke, wo ihr gewandert seid?

          Gruß Michael

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          • eisen
            Erfahren
            • 03.10.2005
            • 331

            • Meine Reisen

            #65
            AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

            Ganz entzückender Reisebericht (fast so sehr wie der Trainingsanzug! ) Und bei der Gelegenheit festgestellt, dass ich neulich totales Blech gequasselt habe. Sehr sehr spannende Länder! Weiss gar nicht, was mir besser gefällt, die Landschaft, eure Festgelage oder die vielen coolen Begegnungen. Sowas passiert einem in Schottland garantiert nicht.

            Grüsse,
            Eisen

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            • codenascher

              Alter Hase
              • 30.06.2009
              • 4584

              • Meine Reisen

              #66
              AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

              GPX Datei des letzten Wandertags:

              Hier sollte eine GPX-Karte erscheinen! Wenn diese nicht nach wenigen Sekunden nachgeladen wird bitte die Seite aktualisieren.




              Zitat von atebe
              ... Wenn ihr wollt, könnt ihr den Dialog auch in den Beitrag einfügen, wenn das geht, für andere Leser.

              Wir wollen zu zweit im August 2015 starten. Ich würde gern wissen, wo ihr die GPS-TRacks hergehabt habt, von Wikiloc? Und trotzdem stimmen auch die nicht immer mit dem Weg überein? Habt ihr euch noch andere Karten zugelegt, die besser stimmen? Ich weiß nicht genau, was ich da noch kaufen kann, habe auf der Maps-of-Balkan-Seite noch einiges gefunden.

              Und wie habt ihr die Permits bekommen? Ich wollte das Zbulo erledigen lassen. Habe den Bericht einer, die selbst bei der Schaffung des Weges mitgewirkt hat, gelesen. Sie war diesen Sommer auch unterwegs und hatte Probleme. In Montenegro tut die Polizei wohl so, als ob sie noch nie was vom Trail gehört hätte. Es wird ja geraten, sich möglichst an die beantragten Grenzübertrittstage zu halten, wir haben allerdings 3 Wochen und wollten auch gern mal den einen oder anderen Ruhetag einlegen, aber das muss man dann ja alles schon vorher einplanen...?

              Und zu guter Letzt: Konntet ihr euch irgendwie mit den Leuten verständigen? Gibt es eine "Haupt"sprache, auf die man sich vorbereiten könnte? Wir waren schon dreimal in Rumänien und haben die Sprache schon ein bisschen gelernt, aber gleich drei Sprachen auf einmal ...
              Und hier noch einmal meine gekürzte Antwort für alle anderen interessierten des POB:
              Das mit dem Verlaufen ist eben so eine Sache Man erwartet einen markierten Wanderweg, mit toller Karte und GPS Koordinaten und dann kommt es an einigen Stellen doch ganz anders

              Wir hatten keinen GPS Trek, von Wikiloc habe ich noch nie etwas gehört Susanne hatte am Vorabend unseres Abflugs die UTM waypoints, die auf der POB Seite sowie auf der offiziellen POB Karte (diese haben wir auch benutzt: http://www.landkartenschropp.de/Peak...alkans-1-60000) veröffentlicht sind, umgewandelt.

              An einem Tag haben sie überhaupt nicht hingehauen... Vom Rugova Camp Hotel nach Milishevc.
              An zwei Stellen haut die offizielle Karte mit den örtlichen Gegebenheiten überhaupt nicht hin. Dort ist der Weg schlichtweg einfach falsch eingezeichnet!
              Wenn ich denn irgendwann im Leben mal Zeit finde mich um meine Treks zu kümmern, pflege ich diese hier in den Reisebericht noch mit ein. Bis August ist ja noch ein wenig Zeit

              Die Permits haben wir ebenfalls von Zbulo bekommen. Dieser Service hat 30€ für uns beide zusammen gekostet. Wir haben unsere Tour zu Beginn sehr genau geplant, somit auch Grenzübertrittsdaten angegeben. Zum Schluss hätten diese aber nicht mehr hingehauen, da wir ja letztendlich drei Tage länger on Tour waren.
              Da sich aber in keinem der drei Länder auch nur irgendwer um uns geschert hat, war dies bei uns nicht so wichtig...

              Keine Garantie, aber die Polizeiliche Registrierung kannste glaub ich getrost ignorieren. In Montenegro hat es weder die Polizei gekümmert, noch sonst irgendwen. Wir haben vor Ort das Registrieren von einem vermutlich überaus Geschäftstüchtigen Montenegriner erledigen lassen. Kostete uns noch einmal 10€ pro Person. Ich wette, der wohnt gleich um die Ecke und sobald er Touris mit großen Rucksäcken sieht rennt er los und bietet seine Hilfe an...

              Tja die Verständigung. Wir haben uns einige Vokabeln durch zeigen erklären lassen. Mehr konnten wir nicht. Mühselig, aber letztendlich hat alles irgendwie immer geklappt. Ich tu mich leider sehr schwer mit anderen Sprachen ausser d und englisch.
              Ich empfehle aber ganz klar jedem POB interessierten ein paar Brocken Serbisch und Albanisch zu können. Dies bietet sich eigentlich schon aus Respekt, also Hallo, bitte, danke etc!





              Und gerade die Erlebnisse bei und mit den Hirten haben diese Tour zu einem ganz besonderen Erlebnis gemacht!!!!
              und hier fehlt noch immer ein Fazit
              Angehängte Dateien
              Zuletzt geändert von Wafer; 28.11.2020, 23:48.

              Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

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              • codenascher

                Alter Hase
                • 30.06.2009
                • 4584

                • Meine Reisen

                #67
                AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

                Joah, dann schließe ich diesen Reisebericht endlich mal ab


                Fazit:
                Selten habe ich mich beim Verfassen des Fazits zu einer Reise so schwer getan wie bei diesem hier… Nicht etwa, weil irgendwas sonderlich schlecht war, sondern weil diese Tour bis dato definitiv die geilste war, die ich in meinem Leben gelaufen bin Nun konkurriert eben der POB mit meinem ersten Schottlandaufenthalt vor vier Jahren

                Zum Peaks of the Balkans Trail: Ein Rohdiamant, dem der letzte Schliff in Form von einer vernünftigen durchgängigen Markierung noch fehlt, um ein De Beers zu werden Generell ist es natürlich zu verschmerzen. Aber wenn ein markierter Weg angepriesen wird und man beinahe jeden Tag ein bis zwei Stunden mit der Weg suche beschäftigt ist, drückt das schon auf die Stimmung… Wer weiß wo die EU Gelder die dafür vorgesehen waren versickert sind
                Die Landschaft des Prokletje ist einfach nur geil. Die grandiosen Kalkriesen, gerade in Albanien einfach nur als traumhaft schön zu betiteln, sind definitiv einen Besuch wert!

                Egal in welchem Land wir uns befanden, wir wurden stets mit einem Lächeln begrüßt, von neugierigen Kinderaugen beäugt und beinahe zu jeder Möglichkeit eingeladen. Dies alleine machte die Reise schon zu einem echten Erlebnis. Von den Nachwirkungen des Kriegs im Kosovo haben wir zum Glück nix weiter mitbekommen. Die Vorurteile, mit denen wir in Deutschland sowie in Montenegro gegenüber Albanern konfrontiert wurden, sind zumindest hier in den Bergen unbegründet!

                Konditionell war die Tour nicht sehr anspruchsvoll, wobei die Tour durch die langen Tage natürlich dennoch geschlaucht hat. Die angegebenen Gehzeiten der POB Webseite sollten definitiv beachtet werden. Wir haben es an keinem Tag geschafft die angegebenen Zeiten zu unterbieten (normalerweise klappt das immer!) Wenn man wie angegeben gegen den Uhrzeigersinn läuft, ist die Orientierung vielleicht auch etwas einfacher

                Ich empfehle ganz klar, sich nach Möglichkeit mehr als die angegebenen 10 Tage Zeit zu lassen um den POB komplett zu laufen. Gerade die Möglichkeit, eben die höchsten Gipfel zweier Länder zu erwandern fand ich schon sehr toll! (Der Jezerca in Albanien zählt mittlerweile nicht mehr als höchster Berg des Landes. Dieser steht auf der Albanisch Mazedonischen Grenze)

                Schön war es in allen drei Ländern, wobei mir Albanien und der Kosovo definiv besser gefallen haben als Montenegro. Zum einen war es landschaftlich einfach schöner, zum anderen haben wir dort eben mehr von der Bergwelt und seinen Bewohnern mitbekommen als in Montenegro.
                Montenegro, Kosovo, Albanien – Eines Tages komme ich wieder und ich hoffe, dass sich für die Region der Tourismus in einem gesunden Rahmen weiter entwickelt!

                Faleminderit und Hvala Peaks of the Balkans
                Zuletzt geändert von codenascher; 02.01.2015, 01:08.

                Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

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                • codenascher

                  Alter Hase
                  • 30.06.2009
                  • 4584

                  • Meine Reisen

                  #68
                  AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

                  Zitat von eisen Beitrag anzeigen
                  Ganz entzückender Reisebericht (fast so sehr wie der Trainingsanzug! ) Und bei der Gelegenheit festgestellt, dass ich neulich totales Blech gequasselt habe. Sehr sehr spannende Länder! Weiss gar nicht, was mir besser gefällt, die Landschaft, eure Festgelage oder die vielen coolen Begegnungen. Sowas passiert einem in Schottland garantiert nicht.
                  siehste
                  Schön das dir der Bericht gefallen hat!

                  izeth, danke für das Lob


                  Zitat von Spartaner Beitrag anzeigen
                  Und ich dachte immer, Albanien sei moslemisch. Waren das ethnische Serben in der Ecke, wo ihr gewandert seid?
                  Gute Frage, die mich mittlerweile auch immer mehr interessiert. weiß da zufällig jemand der Ostblock Interessierten mehr drüber? So rein von der Region her?
                  Auf jeden Fall war stand oben am Quafa Pejës Pass oberhalb von Theth ein Gipfelkreuz, zu sehen auf einem meiner Bilder vom 21.07.

                  Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

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                  • EbsEls
                    Erfahren
                    • 23.07.2011
                    • 423

                    • Meine Reisen

                    #69
                    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

                    Vielen Dank für euren Bericht. Ich kann das Fazit nur doppelt unterstreichen. Es ist auch seit 2005 "meine" Gegend geworden. Für Wildniswanderer aber auch für ethnografisch Interessierte ist diese Gegend wohl unerschöpflich. Das "i"-Tüpfelchen ist aber: Eine Abenteuerreise macht viel mehr Spaß, wenn man sich mit Haut und Haaren und vor Allem mit der Seele auf das Land mit den Menschen einlässt. Dort gehört ein, aber i.d.R. zwei, denn auf einem Bein kann man ja nicht stehen raki unbedingt mit dazu.

                    Zu den aufgeworfenen Fragen: Ich bin nur interessierter Laie, dessen angelesene Kenntnisse sich viel mit Meinung mischen. Bitte nicht die Goldwaage anlegen.

                    1. Minen und Krieg auf dem Balkan
                    Im Gegensatz zu Bosnien und Kroatien hatte der Kosovo-Krieg einen anderen Charakter. Anfangs war es ein Partisanenkrieg durch die UCK, der dann in den Luftkrieg der NATO eskalierte. Montenegro (damals noch zusammen mit Serbien Jugoslawien bildend) hielt sich vollständig aus dem Krieg heraus. Das Prokletje wurde durch die NATO-Flugzeuge immer umflogen, eine Rettungsaktion (wie nach dem Abschuss eines Tarnkappen-F117A) sah man dort als aussichtslos an. Die Minengefahr ist dort im Vergleich zu Bosnien und Kroatien eher zu vernachlässigen.
                    Zu Bosnien gibt es eine gute Karte zur Minengefahr
                    Leider ist mir aus Kroatien keine vergleichbare Karte bekannt. Hier wäre es besonders für Slawonien mit seinem Kopački rit notwendig.

                    2. Die Frage der vorherrschenden Religion
                    Dieses Thema ist auch vermint von diversen Ideologien - hier also wieder bitte keine Goldwaage. Die prägenden historischen Ereignisse waren die Teilung des Römischen Reiches und das damit verbundene Schisma des Christentums, sowie die Herrschaft der Türken über den Balkan. Den Katholizismus nach Nordalbanien brachten wohl die Venezianer. Literaturhinweis: Die Digedags im Mosaik von Hannes Hegen, Hefte 104 bis 109.
                    Die Türken waren während ihrer Herrschaft recht tolerant gegenüber den Andersgläubigen, Hauptsache die Kasse der Tribute stimmte. So "überlebte" der christliche Glauben (in seinen Varianten) besonders in ländlichen und abgeschiedenen Gebieten. Immerhin mehr als 10% der Albaner bekennen sich zum katholischen Glauben, was neben den "keine Antwort gegeben" der zweitgrößte Anteil nach den Muslimen ist.
                    Mutter Teresa war Albanerin.
                    Zuletzt geändert von EbsEls; 02.01.2015, 09:52. Grund: Literaturhinweis hinzugefügt
                    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
                    Eberhard Elsner

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                    • Croat
                      Erfahren
                      • 08.11.2010
                      • 119

                      • Meine Reisen

                      #70
                      AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

                      @codenascher:
                      herzlichen Dank für den Bericht, einfach herlich zu lesen



                      Zitat von EbsEls Beitrag anzeigen
                      Leider ist mir aus Kroatien keine vergleichbare Karte bekannt. Hier wäre es besonders für Slawonien mit seinem Kopački rit notwendig.
                      Hier gibt's offizielle und vor allem aktuelle Karte (1:25000) der Minenfelder in Kroatien (HCR ist Staatliche Agentur für Minenräumungsarbeiten):
                      https://misportal.hcr.hr/HCRweb/faces/simple/Map.jspx
                      "We will either find a way, or make one"
                      Meine Fotos

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                      • Planschmied
                        Neu im Forum
                        • 20.12.2014
                        • 1

                        • Meine Reisen

                        #71
                        AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

                        Hallo, auch von mir ein großes Dankeschön für diesen klasse geschriebenen Reisebericht (und auch für eure anderen Berichte). Ich habe als bisher unangemeldeter Leser viele herrliche Faulenzerstunden damit verbracht. Weiter so !
                        "Das müssen wir alles wieder hoch."

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                        • 0001
                          Erfahren
                          • 10.11.2013
                          • 107

                          • Meine Reisen

                          #72
                          AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

                          Ich hab euren Bericht jetzt in meiner Freizeit innerhalb von zwei Tagen förmlich verschlungen! Toll geschrieben und super Bilder!
                          Vielen Dank für die schönen Lesestunden!

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                          • olli66
                            Neu im Forum
                            • 11.02.2015
                            • 1

                            • Meine Reisen

                            #73
                            AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

                            Hallo,
                            Ich möchte diesen Sommer den Balkan trail laufen und bin bei meiner Recherche auf euren Bericht gestoßen.
                            War sehr schön zu lesen.
                            Habe mir schon eine Karte vom Huber Verlag besorgt und bin noch auf der Suche nach Daten für mein Garmin.
                            Da ich gelesen habe, das ihr den Weg getrackt habt, wollte ich fragen ob ihr mir eure Daten per E-Mail schicken könntet?
                            Würde mich freuen wenn ihr mir da weiterhelfen könntet.

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                            • cristobal
                              Erfahren
                              • 30.09.2008
                              • 157

                              • Meine Reisen

                              #74
                              AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

                              Super Bericht und tolle Fotos! Den Weg haben wir seit Langem auf der Agenda - und euer Bericht hat den letzten Anstoß gegeben, es jetzt anzugehen. Bisher hatten wir nur im August Zeit und da fürchteten wir die Hitze da unten.

                              Pfingsten gehts nun los, Flüge sind gebucht, Zeit haben wir 14 Tage. Allerdings werden wir wohl anders herum gehen, also in Plav starten und dann Richtung Teth.

                              Viele Grüße, Christoph

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                              • ZbuloDiscoverAlbania
                                Neu im Forum
                                • 25.05.2014
                                • 4

                                • Meine Reisen

                                #75
                                AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

                                Danke auch von mir für die schönen Bilder und den ausführlichen Bericht.
                                Wir haben auch einige Bilder unserer Touren hochgeladen, die Mehrheit vermeidet jedoch Übernachtungen im Zelt und wir nutzen die Gästehäuser und andere Unterkünfte sowie Gepäcktransport mit dem Auto und auf dem Pferd. Die Route wandeln wir in jedem Fall ab und vermeiden einige der Routenabschnitte, meist dort wo man auf Fahrwegen wandert, oder tauschen sie aus / fügen interessante Ausflüge ein. Der Gjeravica und Arapi gehören oft dazu!

                                GPS Tracks haben wir auf Wikiloc hochgeladen (User: Endrit Shima), die sind hoffentlich verlässlicher als die Wegpunkte. Eigentlich müssen diese nicht konvertiert werden, nur die Einstellung in der Mapsource / Basecamp Software auf UTM geändert und der Rest erledigt sich automatisch.
                                Wir empfehlen die Route, wie auf der Karte beschrieben, gegen den Uhrzeigersinn zu wandern, eventuell sind dann die Markierungen zu finden. Diese sind in Albanien denke ich sehr gut, im Kosovo und Montenegro ist die Situation etwas anders.

                                Die Gebühr für die montenegrinische Polizei inkludieren wir nun, so dass nur der "Permit" abgeholt werden muss und man sich keine Gedanken um die Bank machen muss. Sie beträgt 10€/Gruppe unabhängig von der Personenanzahl. Permits können hier beantragt werden.

                                Der Bericht klingt verlockend - kommt man mit Englisch weiter?
                                Kaum, eher mit Händen und Füßen ;) Nachtrag : Aber gerade im Kosovo waren wir doch erstaunt, wie viele (kriegsbedingt) deutsch konnten.
                                Viele der Kosovaren die in CH/AT/DE leben kehren für den Sommerurlaub zurück in die Heimat und man trifft sehr viele deutschsprachige Personen. Englisch wird von der jungen Bevölkerung gesprochen, in den entlegenen Bergdörfern entlang der Route jedoch wenig. Das "Ohne Wörter Buch" hilft hier weiter.

                                im neuen Globi Magazin gibt es einen mehrseitigen Artikel über den POB.
                                Meinst du das 4-Seasons Magazin? Der Autor war zusammen mit einigen anderen Journalisten mit uns für 7 Tage in den drei Ländern unterwegs. Eine Woche inklusive An- und Abreise ist natürlich nicht viel Zeit, ich denke aber, dass ein ganz gutes Gefühl für was den Wanderer erwartet vermittelt wird.
                                Artikel wurden in der Süddeutschen Zeitung, Zeit, beim Bayrischen Rundfunk, im DAV Panorama und 4-Seasons Magazine veröffentlicht. Ein kleines Archiv haben wir hochgeladen.

                                Minen-Gefahr besteht entlang des Trails nicht, im Kosovo verbleiben Minenfelder aber weit ab der Original-Route.

                                Solltet ihr Fragen haben werde ich versuchen ab und zu hier vorbeizuschauen und diese zu beantworten. Viele sind hoffentlich schon auf unserer Website abgedeckt, in Deutsch und Englisch. Ansonsten könnt ihr uns an welcome@zbulo.org schreiben, am besten auf Englisch weil nicht jeder Deutsch spricht.

                                Viele Grüße,
                                Ricardo

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                                • ZbuloDiscoverAlbania
                                  Neu im Forum
                                  • 25.05.2014
                                  • 4

                                  • Meine Reisen

                                  #76
                                  AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

                                  Bilder vom ersten Trek des Jahres:
                                  https://plus.google.com/photos/+Zbul...21861530018257

                                  Ein etwas früherer Versuch, jedoch nach zwei Etappen aufgegeben:
                                  http://pangaea-project.org/2015/04/1...ans-in-winter/

                                  Fernweh-Futter ;)

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                                  • cristobal
                                    Erfahren
                                    • 30.09.2008
                                    • 157

                                    • Meine Reisen

                                    #77
                                    AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

                                    Hallo zusammen,

                                    die Pfingstferien sind vorbei - und wir sind, zumindest teilweise, in den beiden Wochen nach Pfingsten den Peaks of the Balkans gewandert. Super Fotos sind ja schon im Thread hier gepostet wurden, ich denke ich fasse mal so in Kurzform für alle Interessierten unsere Erfahrungen zusammen.

                                    Wir waren vier Personen - meine Frau, meine Tochter (11), mein Sohn (16) und meine Wenigkeit.

                                    Anreise
                                    Angereist sind wir mit Montenegro Airlines von Düsseldorf nach Podgorica. Der Flug war gegen 16:00 in Podgorica, da wir am selben Tag noch nach Plav weiter wollten, haben wir uns mit dem Taxi bequem da hin chauffieren lassen. Vorher kurzer Anruf bei den Kollegen hier http://www.taxi-travel.me/, Fahrer hat am Flughafen gewartet und uns für 80€ nach Plav chauffiert. Die Fahrt dauert 3 Stunden und man bekommt auf der Fahrt nach Plav schon einmal einen Crashkurs Montenegro - tolle Landschaften, nettes Geplauder mit dem Fahrer und pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir im Hotel Kula Damjanova zur Grillplatte eingelaufen.

                                    Von Podgorica gibt es 5x täglich einen Bus nach Plav (und weiter nach Gusinje), Fahrzeit 4 Stunden, 10€ pro Person.

                                    Permits
                                    Die Permits für uns vier haben wir per Email über Zbulo besorgen lassen. Hat alles wunderbar geklappt und nach dem wir die richtige Polizeistation (es ist nicht die im Zentrum sondern das Gebäude der Grenzpolizei etwas oberhalb des Kreisverkehrs, nebenan ist gleich das albanische Konsulat) in Plav gefunden hatten, konnte es schon losgehen ...
                                    Sehen wollte die Permits auf der ganzen Tour keiner. Aber wenn man mal annimmt, dass die Gebühren für den Ausbau des Weges und zur Entwicklung der Region allgemein zu Gute kommen, dann zahlt man gern :-)

                                    Route
                                    Plav - Vusanje - Theth - Valbona - Ceremi - Qafa Borit - Plav

                                    Ursprünglich hatten wir etwas anderes geplant, nämlich nach Doberdöl noch ein - zwei Etappen zu laufen und dann entweder per Minibus/ Taxi/ ... über Shkoder zurück nach Podgorica oder nach Doberdöl links abzubiegen und über Balbino Polje zurück nach Plav zu laufen. Es ist etwas anders gekommen ...

                                    Von Plav bis Ceremi lief alles super. Beschilderung war in Montenegro teilweise etwas verwirrend, in Albanien dann perfekt. Uns hat es dann in Ceremi etwas ausgeknockt ... Dazu muß ich erwähnen, dass ich mir die GPS-Tracks von Wikiloc vorher heruntergeladen hatte. Dummerweise ist mir auf einer Dienstreise in der Slowakei einige Tage vor Reisebeginn das Navi abhanden gekommen. Ok dachte ich, gibt ja noch die Karte vom Huber-Verlag.

                                    Die Karte hat zumindest bis Ceremi einigermaßen gestimmt. Hatten wir einmal ein Zeichen nicht gefunden, so ist es immer gelungen, mit gesundem Menschenverstand und Karte/ Kompass den Weg zu finden. In Ceremi, von Valbona kommend, deutet erst einmal nichts darauf hin, dass der Weg rechts über den Fluss in den Ort abbiegt. Verpasst man das, läuft man geradeaus weiter, folgt weiter brav der weiß-rot-weißen Beschilderung und landet unter Umständen auf dem Qafa Borit. Wir haben dann im Ort die offizielle Beschilderung Richtung Balquin/ Doberdöl gefunden, allerdings ist uns dann später ein kapitaler Fehler passiert: Der Weg teilt sich, Wegweiser gab es keinen außer einem wagen Hinweis auf einem Felsen am Wegrand (wofür stehen M/E oder M/O? Jetzt weiß ich, dass M/E offensichtlich Montenegro meint ...) und so sind wir weiter den Zeichen weiß-rot-weiß gefolgt. Zwar immer nach oben, aber leider nicht Richtung Balquin. Bis wir dann später oben auf dem Kamm unseren Fehler bemerkten und uns mit Hilfe eines Hirten vergewissert hatten wo wir waren, haben wir uns zur Umkehr nach Ceremi entschieden. Das Wetter wurde schlechter, die Stimmung war auch nicht gerade auf dem Höhepunkt und da wo wir waren hätten wir sicher mit einem Ortskundigen nach Balquin gelangen können, allein nur mit der Karte ganz sicher nicht ...

                                    Etwas verwirrend ist, dass offensichtlich sehr viele neue Routen erschlossen werden. Einerseits super - andererseits werden die von den Teams vor Ort ALLE durchgehend in weiß-rot-weiß markiert und man hat echt Probleme, an kritischen Stellen den Überblick zu behalten ... Wird sicher alles besser, wenn diese neuen Wege in die Karten eingetragen und auf der Strecke durch Wegweiser ergänzt werden.

                                    Nach einer kleinen Regenerationsphase in Ceremi sind wir von Ceremi über den Qafa Borit weiter nach Plav gelaufen. Damit hatte sich der Kreis geschlossen, wie gesagt, geplant war es etwas anders ...

                                    Am Kiosk in Vusanje sind wir auf eine Gruppe von 3 Deutschen gestoßen und nach ein paar Cokes und nettem Geplauder wurde ein Tauschgeschäft 'unsere restlichen Lebensmittel gegen Wanderführer' getätigt, den die Kollegen doppelt dabei hatten. Scheinbar gibt es seit Mai aus dem Conrad Stein Verlag einen brandneuen Wanderführer über die Peaks of the Balkans. Hätte ich das mal eher gewußt, wäre uns der Fehler nach Ceremi nicht passiert.

                                    Ein Vergleich der Routen aus dem Wanderführer mit der Huber-Karte zeigt, dass die Routen zum Teil erheblich voneinander abweichen!

                                    Übernachtung
                                    Wir hatten zwei leichte Zelte dabei und haben, außer in Theth und Valbona, immer im Zelt übernachtet. Da wir relativ früh im Jahr unterwegs waren, waren bspw selbst in Ceremi erst 2 Familien wieder in ihre Sommerhäuser gezogen. In Ceremi gibt es mittlerweise auch zwei Gästehäuser.

                                    Anspruch
                                    Die meisten Etappen sind zwischen 6 und 8 Stunden angegeben. Unserer Erfahrung nach braucht man die auch! Allerdings sind die Etappen landschaftlich so schön, dass ich schon empfehlen würde, lange Etappen zu teilen. Teilweise hat man sehr viele Höhenmeter zu bewältigen, wenn man dann noch Zeichen suchen muß, werden die Wandertage sehr lang.
                                    Mit Schnee hatten wir etwas am Valbonapass zu kämpfen, ansonsten waren die Pässe weitestgehend schneefrei.

                                    Fazit
                                    Trotz der kleinen Routenänderung - der Weg zählt zu den Schönsten, die wir je gelaufen sind. Landschaftlich überwältigend, durchgehend sehr nette und gastfreundliche Menschen sowohl in Albanien als auch Montenegro. Vor allem die Reisezeit fanden wir ideal - im Gebirge hat alles geblüht, die Almwiesen waren ein einziges Blumenmeer! Die Temperaturen dazu noch angenehm - also ich denke, wir greifen noch einmal an und gehen entweder die komplette Runde oder den Teil durchs Kosovo, der uns jetzt fehlt.
                                    Auf alle Fälle empfehle ich den neuen Conrad Stein Führer zur Vorbereitung und ein GPS. Die Huber-Karte könnt ihr vergessen, veraltet und zerfällt nach zweimal Aufschlagen in alle Bestandteile.
                                    Zuletzt geändert von cristobal; 10.06.2015, 11:55.

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                                    • Palle
                                      Erfahren
                                      • 15.02.2009
                                      • 115

                                      • Meine Reisen

                                      #78
                                      AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

                                      Hallo,
                                      vielen Dank auch noch für den letzten Teil+Fazit, es hat Spaß gemacht, über eure Wanderung zu lesen und eure Bekanntschaften in den einzelnen Ländern. Die Bilder machen auf jeden Fall Lust auf die Region.

                                      Ganz herzlichen Dank auch für deine Zusammenfassung, christobal,, und die praktischen Tipps. Wer auch einmal die Route wandern möchte, ist mit diesem Thread auf jeden Fall gut vorbereitet.

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                                      • Donik
                                        Erfahren
                                        • 24.03.2014
                                        • 192

                                        • Meine Reisen

                                        #79
                                        AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

                                        Sehr schöner Bericht, danke.
                                        Ich bin noch am überlegen wo ich dieses Jahr hin will und ihr habt mir definitiv etwas schmackhaft gemacht

                                        MIt welchem Schuhwerk wart ihr unterwegs? Mit meinen Salomon X Ultra war ich am Skye Trail sehr zufrieden, hier gehts aber doch etwas höher hinauf. Wie sind die Wegbedingungen? Sollten es doch die schweren Bergschuhe sein?

                                        Ich frage weil ich wohl mit Interrail (10 in 22) hin würde und hätte dann noch ~8 für einen kurzen Städte/Meerurlaub. Allerdings ist das mit den schweren Schuhen nicht so toll und ein zweites Paar Schuhe auf den Trail mitnehmen find ich unpraktisch.

                                        und der Ausrüstungsnerd in mir würd sich auch noch für die restliche Ausrüstung interessieren falls ihr mal Zeit habt

                                        lg Dominik

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                                        • codenascher

                                          Alter Hase
                                          • 30.06.2009
                                          • 4584

                                          • Meine Reisen

                                          #80
                                          AW: [AL][KO][MNE] Peaks of the Balkans Trail - Wandern in den Verwunschenen Berg

                                          Es freut mich das der Bericht noch immer freudige Leser findet. Vielen Dank für das Feedback

                                          @christobal
                                          Schön das ihr eine tolle Tour hattet. Die Defizite der Huber Karte hatten wir in unserem Bericht ja auch bereits das ein oder andere Mal erwähnt....

                                          @Donik
                                          Ich bin den Weg an fünf Tagen mit einfachen Joggingschuhen gelaufen. Meine schweren Treter (Meindl Badile) hingen am Rucksack. Da der Weg komplett auf Pfaden ohne Blockfelder verläuft, sehe ich bei entsprechender Erfahrung keine Probleme mit Trailrunnern zu laufen. Eine detaillierte Packlisten füge ich heut Abend gerne an

                                          Da ich mir vor unserer Patagonienreise das Postfach gelöscht hatte, stehen noch immer Anfragen zu unserem GPS Track aus. Sorry an alle, denen ich noch immer nicht geantwortet habe. Auch hier werde ich im laufe der Woche endlich mal unsere Originaltracks ohne Bereinigung einstellen!

                                          Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

                                          meine Weltkarte

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