[PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

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    • 18.04.2008
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    • Meine Reisen

    [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

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    Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta


    __________________________________________________________________

    Teil I: Tourbeschreibung



    Eine Paddelstrecke haben wir gesucht, in Polen sollte es sein, ohne Grundberührungen und Baumhindernisse (das Boot ist schon recht altersschwach), möglichst ohne Umtragestellen, am besten mit der Bahn zu erreichen und – man glaubt es kaum – so richtig schöne Landschaft wollten wir auch noch haben.

    Nach ein wenig Recherche blieb da eigentlich nur noch der untere Teil des Notec / Netze und die Warta / Warthe übrig.
    Oberhalb von Krzyż ist der Notec für die Schifffahrt kanalisiert und mit zahleichen Schleusen versehen. Ab Krzyż jedoch haben Paddler freie Fahrt durch eine hauptsächlich von Landwirtschaft geprägte Gegend. Sobald das Hochwasser seinen jährlichen Rückzug angetreten hat, wird sicher jedes der wenigen vorbeikommenden Boote von zahlreichen neugierigen Kuhaugen begutachtet.
    Nachdem man viele Kilometer lang durch eine beschauliche Landschaft dahin gepaddelt ist, ist der Netzebruch eine willkommene Abwechslung und ein Höhepunkt dieser Tour. In den Überschwemmungsflächen rechts und links des Flusses brüten jedes Frühjahr Unmengen von Wasservögeln. Wenn das Wetter stimmt, kann man das Paddeln auch ganz einstellen, sich einfach nur durch diese Wasserlandschaft treiben lassen und dabei die Vogelwelt ringsherum beobachten. Von Stille kann allerdings keine Rede sein; dieses Viehzeug kann ganz schön Lärm machen.



    Bei Santok mündet der Notec in die Warta und von einem Moment zum anderen fährt man anstatt auf einem noch relativ beschaulichen Flüßchen auf einem großen Strom. Etwas respekteinflößend war die Warta schon, aber nach ein paar Paddelminuten haben wir uns an die neue Situation gewöhnt.
    Wie auch schon am Notec stehen die Deiche meistens weit vom Ufer ab, sodass ein freier Blick auf die Umgebung möglich ist. Und wie auch dort ziehen ab und zu ein paar Dörfer am Ufer vorbei. Auf einer überhaupt sehr ruhigen Strecke stören lediglich die zwischen Santok und Gorzow Wielkopolski direkt am Ufer verlaufende Straße und Bahnstrecke ein wenig.



    Auf den letzten Kilometern kommt man durch den Nationalpark Wartheniederung. Besonders eindrucksvoll ist er ganz sicher zum jährlichen Frühjahrshochwasser; wenn es noch so hoch steht, dass man durch eine riesige Wasserfläche fährt. Bei abklingendem Hochwasser wie in diesem Jahr Ende April wirkt der Fluss doch recht kanalisiert und auch die Vogelwelt lässt sich längst nicht so gut beobachten wie im kleineren Netzebruch, da sich die Tiere doch weitab vom Hauptstrom aufhalten.
    Den besten Eindruck gewinnt man ohnehin nicht vom tiefliegenden Boot aus, sondern beim Blick vom Deich während einer Fahrradtour.



    Die 122 km von Krzyż bis Kostrzyn sind wir inklusive An- und Abreise in vier Tagen gepaddelt. Wir haben uns dafür aber sehr viel Zeit gelassen. Sie ist auch locker in drei Tagen zu schaffen – vorausgesetzt, der Wind spielt mit. Er hat hier viel mehr Einfluss als die recht geringe Strömung. Bei Westwind hat man insbesondere auf dem letzten Stück der Warta heftig zu kämpfen.
    Insgesamt eine wirklich zu empfehlende Paddeltour, sozusagen: Wasserwandern für Kilometerfresser.



    ___________________________________________________________________


    Teil II: Am trägen Fluss
    - Auf Netze und Warthe von Krzyz nach Küstrin -


    Nach Tatsachen erzählt von Pfad-Finder


    Prolog I

    "Du musst jetzt ganz stark sein", sagte Frau November. Herr Pfad-Finder sah sie ratlos an. "Die Grüne Schrankwand muss diesmal hierbleiben." Herr Pfad-Finder schluckte. Das hatte er sich nicht so vorgestellt, als er vor einigen Monaten einer gemeinsamen Paddeltour über Ostern zugestimmt hatte. Er blickte auf den Haufen zerschrammelter Latten und Leisten zu seinen Füßen, der sich in ein Bootsgerippe verwandeln sollte. "Da passt wirklich keine Schrankwand rein?"

    Eine halbe Stunde später war das Bootsgerippe aufgebaut. Herr Pfad-Finder nahm seine Schrankwand und versuchte, sie durch die Lücke zu quetschen, die Frau November ihm bedeutet hatte. Nein, sie passte wirklich nicht. Keine Chance. Und es war nur ein schwacher Trost, dass Frau November ihm auftrug, später den großen grünen Seesack mit Bootshaut und Spanten zu tragen.


    Prolog II

    "Nun wollen wir das Boot einmal ganz aufbauen und eine Probefahrt machen", sagte Frau November am nächsten Tag. Herr Pfad-Finder hatte den Schock vom Vortag verdaut. Sie fuhren beide zum See bei Erkner in der Tarifzone C. An einer Badestelle bereiteten sie das hölzerne Gerippe des "RZ 85" - so lautet die Fachbezeichnung für diese Boots-Baureihe - zum Einschieben in die Bootshaut vor. Nach einigem Wirrwarr um die richtige Einbaureihenfolge lagen alle Gerippeteile in richtiger Position.

    Nun mussten sie nur noch unter Druck zusammengeklickt werden. Unter viel Druck, um genau zu sein. Und um ganz genau zu sein: Unter mehr Druck, als die mürben Schrauben im rund ein Vierteljahrhundert alten Holz aushielten. Das hässliche Geräusch splitternden Holzes durchbrach die Stille über dem See: Einer der Klapp-Steckverbinder hatte sich aus seiner Position verabschiedet.

    Frau November wurde blass und schluckte. Nicht einmal auf Herrn Pfad-Finder konnte sie schimpfen, denn den verhängnisvollen letzten Griff hatte sie selbst getan. 21 Jahre nach dem Untergang der DDR waren die beiden Opfer der sozialistischen Mangelwirtschaft geworden: Rostfreie Stahlschrauben gab es zu wenig, also hatten findige Köpfe Aluminiumschrauben verwendet. Diese waren im Laufe der Jahre morsch geworden, und dort, wo sie nicht selbst brachen, zeigten sie jetzt große Neigung, ihr hölzernes Gefängnis zu verlassen. Es war nichts unwiederbringlich zerstört - nur eben so, dass es ohne Bohrmaschine und neue Schrauben nicht zu reparieren war.


    Auf großer Fahrt im kleinen Zug

    Am Karfreitag brachen Frau November und Herr Pfad-Finder in aller Frühe auf. Ihre wenigen Habseligkeiten brachten sie auf dem Bootswagen und ihren Rücken unter, während die Hände den Bootswagen in der Spur hielten. "Könnt Ihr uns sagen, wie wir zur Kingsize Bar kommen?", fragte ein Pärchen mit deutlich angeschlagener Zungenmotorik. Nein, Herr Pfad-Finder und Frau November wussten nicht einmal, dass es überhaupt eine Kingsize Bar gibt. "N'schönen Abend noch", wünschten das Pärchen den beiden. Nicht ohne Grund spricht man von Berlin als "the city that never sleeps".

    Mit der S-Bahn fuhren Frau November und Herr Pfad-Finder nach Berlin-Lichtenberg. "Bitte achten Sie auf die Höhe der ...", mahnte Frau November vor dem Einsteigen noch, doch bevor sie "...Höhe der Rückenladung" sagen konnte, hatte Herr Pfad-Finder die weit aus dem Seesack herausragenden Paddel gegen die Wagendecke gestoßen.

    In Lichtenberg stiegen sie in die "Oderlandbahn", die aus Gründen der politischen Korrektheit nicht mehr "Ostbahn" heißt, und im Grenzbahnhof Küstrin wechselten sie in einen polnischen Zug. Dieser füllte sich bei jeder weiteren Station in Richtung Osten bis auf den letzten Stehplatz. Nur durch intensives Aus-dem-Fenster-Gucken konnten Frau November und Herr Pfad-Finder ihr schlechtes Gewissen verdrängen.

    Im Bahnhof mit dem Namen Kah-Err-Zett-Ypsilon-Zett mit Punkt oder kurz "Kschisch" stiegen sie aus. Sie kauften noch ein wenig Lebensmittel, die Frau November liebevoll im Seesack auf dem Rücken von Herrn Pfad-Finder deponierte. Als da waren: Ein 5-Liter-Kanister mit Wasser, Äpfel und Plätzchen. Und für Herrn Pfad-Finder natürlich noch eine Packung Kekse.

    Dann machten sie sich auf den Weg zum Ufer der Netze (Notec). Das heißt - eigentlich wollten sie zur Drawa, doch durch einen klitzekleinen Navigationsfehler von Herrn Pfad-Finder gerieten sie auf die Straße zur Netze. Zu spät bemerkten sie den Irrtum. Ein freundlicher Eingeborener half ihnen aber weiter: Ja, sie könnten ihr Boot auch an der Netze-Schleuse Krzyż einsetzen - seine Schwester wohne dort.

    Mitten auf Schleusengelände ("Zutritt für Unbefugte verboten") bauten sie dann in der prallen Mitttagssonne das Boot auf. Die an den Vorabenden von Herrn Pfad-Finder eingebauten knapp 30 neuen Schrauben überstanden ihre erste Bewährungsprobe ohne Fehl und Tadel. Nach gut einer Stunde waren sie fertig, "Genaugenommen hat das Boot noch keinen Namen“, bemerkte Frau November. Herr Pfad-Finder zögerte nicht lange. "Marschall Pilsudski", schlug er ohne langes Zögern vor, "schließlich sind wir in Polen!" Frau November war nicht einverstanden. "Schiffe müssen Frauennamen haben!" Herr Pfad-Finder überlegte, aber die Hitze hatte seine schöpferische Fantasie eingedampft. "Dann eben 'Frau Pilsudski'!" Frau November verdrehte die Augen, was Herr Pfad-Finder als Zeichen von enthusiastischer Zustimmung deutete.

    Gerne hätte Herr Pfad-Finder einen echten Stapellauf inszeniert, doch das steinige Ufer und der sensible Faltboot-Boden ließen das wenig ratsam erscheinen. So legten beide Frau Pilsudski vorsichtig ins Wasser. Sie schwamm! Und es waren auch keine Wassereinbrüche zu entdecken. Langsam, Schritt für Schritt, bestiegen sie das Boot. Es hielt immer noch.


    Volle Fahrt voraus

    Vorsichtig begannen Frau November und Herr Pfad-Finder mit Paddelbewegungen. Herr Pfad-Finder stellte schnell fest, dass gegenläufiges Rotieren der beiden Paddel nach der Art von Libellenflügeln auf dem Wasser keine Vorteile brachte. Aber allmählich stellte sich doch ein annähernd synchroner Bewegungsablauf ein.

    So glitten sie von Stunde zu Stunde eleganter durch das grüne Wasser,

    unter der ehemaligen Eisenbahnbrücke bei Drezdenko hindurch,


    an den Bunkern zu ihren Füßen vorbei,

    und an Trzebicz vorbei.

    Ständiger Begleiter in den kommenden Tagen sollten alarmstartende Schwäne sein. Egal ob Herr Pfad-Finder und Frau November mit ihren Paddeln das Wasser umrührten oder ob sie still dahinglitten: Die bloße Annäherung eines mit Menschen besetzten Bootes löste bei den Schwänen Geschrei und Flucht aus. Mit Geflatter hoben sie ihre Füße aus dem Wasser, dann begannen sie auf dem Wasser zu laufen, bis ihre Geschwindigkeit hoch genug war, um abzuheben. Rund ein Drittel der Schwäne fühlte sich aber immer noch zu schwer und entspannte in zwei oder drei Metern Höhe den rektalen Schließmuskel, um Ballast abzuwerfen. Zum Glück lag das Boot nie in der Abflugroute. Herr Pfad-Finder meint dazu: Die Anlieger des neuen Berliner Flughafens dürfen sich glücklich schätzen, dass Flugzeuge nur Lärm machen und nicht auch noch Ballast abwerfen!

    Schon nach vier Stunden hatten Frau November und Herr Pfad-Finder ihr Tagessoll erfüllt. Es wurde Zeit, nach einem Lagerplatz für die Nacht Ausschau zu halten. Das war nicht einfach, denn die Netze-Niederung trägt ihren Namen nicht umsonst. Das Hochwasser hatte sich offenbar erst vor wenigen Tagen ins Flussbett zurückgezogen, und die meisten Wiesen waren noch mehr als feucht. Den einzigen Hügel am nördlichen Flussufer hatten sie schon vor einiger Zeit viel zu achtlos passiert. Doch schließlich fanden sie eine trockene Stelle. Zum ersten Mal gelang es, die Kikeriki-Kathedrale - besser bekannt als "Hühnerstall" - faltenfrei aufzubauen.

    Technische Daten: 30,9 km in 7 Stunden brutto.


    Frau November und Herr Pfad-Finder verbrachten eine ruhige Nacht. Nichts störte ihren Schlaf. Doch welche Überraschung am nächsten Morgen: Eindeutige Spuren verrieten, dass Godzilla hier an Land gegangen war - kaum drei Meter vom Zelt entfernt. Doch wo verbarg er sich jetzt?

    Schnell bauten sie das Zelt ab und machten ihr Boot startklar.

    Vorbei an zerfallenden Höfen,

    überschwemmten Wiesen

    und Stelzvögeln aller Art

    bis nach Santok am Zusammenfluss von Netze und Warthe.

    Der ausgewiesene Anlegeplatz für Wassertouristen war noch sehr schlammig und hätte eigentlich stelzvogelartige Füße erfordert. Die gab es jedoch nicht.



    In Santok hätten Frau November und Herr Pfad-Finder die Reste einer slawischen Burgwallanlage besichtigen können. Da das Boot jedoch nicht über eine Wegfahrsperre verfügte, verzichteten sie darauf und frischten stattdessen noch einmal ihre Vorräte auf: 14 Liter Wasser - bis auf 2 Liter verbrauchten sie es alles in den nächsten zwei Tagen -, Kekse für Herrn Pfad-Finder und Waffeln für Frau November. Ein in alten Karten ausgewiesener Zeltplatz existierte nicht mehr, stattdessen waren EU-Fördergelder in eine dekorative Rastanlage für Wasserwanderer verbaut worden. Ein großes Dach mit vielen Bänken und Tischen soll hier wohl zur Pause verleiten.

    Dann ging es weiter, aber nicht weit: Beim Blick auf die Landkarte und den polnischen Wasserwanderatlas hatten Frau November und Herr Pfad-Finder festgestellt, dass nur noch wenige Kilometer Strecke verblieben, bevor das Zelten am Flussufer durch Überschwemmungsflächen oder Anlandeverbote unmöglich wurde. Ein angeblicher Biwakplatz erwies sich als unbrauchbar, da von der Straße verlärmt. Zudem ließen die Spuren ahnen, dass hier regelmäßig Angler mit ihren Autos vorbeikamen.

    So blieb als Alternative eine Stelle auf dem anderen Ufer einige hundert Meter flussaufwärts, die Herr Pfad-Finder bei der Vorbeifahrt ausgemacht hatte. Doch der Versuch, gegen die Strömung und den gerade jetzt auffrischenden Wind anzukämpfen, scheiterte. Nur im Schneckentempo kamen die beiden voran, während der Wind sämtliches Spritzwasser ins Bootsinnere wehte. Sie beschlossen aufzugeben und auf gut Glück eine Stelle schräg gegenüber anzulaufen, die zumindest nicht ganz nach Schwemmland aussah und auch nicht verschilft war.

    Technische Daten: 26,5 km in 6 Stunden brutto

    Wie Columbus und seine Santa Maria stiegen Herr Pfad-Finder und Frau November nach der langen und anstrengenden Überfahrt aus dem Boot. Amerika hatten sie nicht entdeckt, wohl aber einen halbwegs brauchbaren Zeltplatz. Zwischen Wurzelknubbeln und Grasbüscheln errichteten sie den Hühnerstall - mitten auf einem Anglerpfad, wie Herr Pfad-Finder bemerkte. Und mit Panorama-Blick auf die Bahnstrecke am Ufer gegenüber!

    "Am Ostersonntag kommen keine Angler", sagte Frau November. "Ostern ist in Polen der höchste Feiertag." Herr Pfad-Finder war nicht überzeugt. "Wenn die Frau in Ruhe den polnischen Gänsebraten kochen will, schickt sie den Mann zum Angeln." "Na, das glaube ich aber nicht!" entgegnete Frau November. Herr Pfad-Finder ließ sich nicht entmutigen: "Im übrigen: 'Angeln ist Trennungssport.' Das sagt Rainald Grebe, und der weiß solche Sachen ganz genau."

    In der letzten Dämmerung, als sie schon im warmen Zelt lagen, wurde Herr Pfad-Finder plötzlich angespannt. "Hörst Du das?" Frau November wusste nicht, wovon Herr Pfad-Finder sprach. "Na das Geräusch!" Hörte sie denn nicht das Wummern und Heulen, das Röcheln und Klackern, das Quietschen und Schaben? Ein leises Zittern ging durch seinen Körper. "Das ist ein Güterzug! Den muss ich fotografieren!" Frau November guckte entgeistert. "Dann mache ich auch ein Foto. Und zwar nicht vom Zug!" Herr Pfad-Finder stellte fest, dass nicht nur seine Füße unbekleidet waren, und gab auf. Frau November konnte manchmal aber auch wirklich gemein sein!


    Ostern ist nicht alle Tage

    Am nächsten Morgen schlachteten sie, wie es Brauch war, ein vegetarisches Schäfchen und zwei Häschen. Herr Pfad-Finder schlug vor, die bunten Ostereier, die Frau November mitgebracht hatte, nochmal in Wasser zu erwärmen. Frau November sagte, dass das keine gute Idee sein würde. Warum das Erwärmen keine gute Idee war, sah Herr Pfad-Finder nach dem Aufschlagen.

    Achtung: Schale nicht zum Verzehr geeignet!

    Während sie noch frühstückten, erblickte Herr Pfad-Finder Angler, die sich ans Ufer begaben. Vom Zelt hielten sie aber respektvoll Abstand. Oder wollten sie bloß keinen langen Weg haben, wenn der Gänsebraten fertig war?

    In Landsberg/Gorzow fanden Frau November und Herr Pfad-Finder keine geeignete Anlandestelle, also ließen sie die Stadt an sich vorüberziehen.


    Ebenso die nagelneue Brücke der Schnellstraße S3.

    Außerdem begegnete ihnen hier der einzige Frachtkahn der ganzen Tour (der Schiffsname "Cygnus" bedeutet übrigens "Schwan").


    Am frühen Abend erreichten sie Oksza, das frühere Woxholländer. Hier hatte Frau November im Vorjahr bei einer Radtour auf einem Privatgrundstück gezeltet. Die Wirtsleute erkannten sie sofort wieder, auch Fridolin und Ferdinand. Dass Ferdinand ein Dackelmischung ist, verrät bereits der Name. Doch wer ist Fridolin? Um es mit den Worten des Wirtes zu sagen: "Fridolin ist ein echter polnischer Dorfköter. Das ist der einzige, der hier auf eigene Faust überleben könnte. Er kommt überall durch, er frisst alles, und er gehorcht nicht."

    Doch Fridolin ist auch ein großer Opportunist. Es gelang ihm sogar, das Herz des Hundeskeptikers Herrn Pfad-Finder zu erweichen.


    Im Hintergrund die Duschkabine. Ein alter polnischer Volksglaube besagt, dass auch ein Faraday‘scher Käfig vor den Blicken Fremder schützt.

    Technische Daten: 43 km in 8 1/2 Stunden


    Zurück in die Zivilisation

    Am Ostermontag traten Frau November und Herr Pfad-Finder die letzte Etappe durch den Nationalpark Wartheniederung nach Küstrin an. Beide hatten die Wartheniederung schon im Vorjahr bei Hochwasser vom Fahrrad aus gesehen. Das Hochwasser war in diesem Jahr schon fast verschwunden. So blieb von dem Everglade-ähnlichen Landschaftserlebnis des Vorjahres nur eine allee-artige Wasserstraße übrig. Auch der Vogelreichtum, für den die Wartheniederung gerühmt wird, war nicht zu sehen. Störche und Reiher konnten Herrn Pfad-Finder und Frau November nach den Erlebnissen der Vortage nicht mehr in Euphorie versetzen.

    Und Stichfahrten in die verborgenen Seitenarme der Warthe sind im Nationalpark verboten, sofern sie mit einem Faltboot bei diesem Wasserstand überhaupt möglich wären.

    Ein wenig vom letzten Abschnitt enttäuscht landeten sie in Küstrin. Ausgerechnet die als Abbauplatz für Faltboote empfohlene Stelle war noch einmal richtig matschig. Herr Pfad-Finder verkündete, dass er seine Füße gerne noch einmal mit klarem Wasser beNETZEn würde, aber das könne man hier ja nicht erWARTHEn. Frau November machte ein Gesicht wie das Zahlendisplay der Wortspielkasse. Schweigend packte Herr Pfad-Finder die übriggebliebene Zwei-Liter-Flasche Wasser in seinen Seesack.

    Mit reichlich zwei Minuten Reserve bis zur Abfahrt erreichten sie schließlich den Bahnhof Küstrin. Im Zug nach Berlin war ab Müncheberg intensives Aus-dem-Fenster-Gucken angesagt. Leute, die in der Bahn stehen müssen, sind wirklich kein schöner Anblick, flüsterte Herr Pfad-Finder Frau November zu. "Wenigstens belegt das Boot keine Sitzplätze!"

    Technische Daten: 21,1 km in 5 1/2 Stunden
    Angehängte Dateien
    Zuletzt geändert von Wafer; 28.11.2020, 22:36.
    Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

  • Goettergatte
    Freak

    Liebt das Forum
    • 13.01.2009
    • 26016

    • Meine Reisen

    #2
    AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

    Kennt ihr Repaire-Care-Reparaturepoxyd?
    "Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------
    Mit erkaltetem Knie;------------------------------
    Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,-----------------
    Der über Felsen fuhr."________havamal
    --------

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    • Atze1407
      Fuchs
      • 02.07.2009
      • 2425

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

      Tolle Tour, schöne Fotos und feiner Bericht.

      Danke.

      LG
      Jürgen
      Wenn du den Charakter eines Menschen kennenlernen willst, gib ihm Macht.
      Abraham Lincoln

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      • Goettergatte
        Freak

        Liebt das Forum
        • 13.01.2009
        • 26016

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

        So, jetzt noch mal ernsthaft:

        Wirklich schöner Bericht
        und so schlimm scheints ja garnicht zu sein, ne Schraube locker zu haben

        Die Gegend kenn ich ja ein wenig (aber wirklich nur ein wenig) vom (relativ) festen Boden aus, aber mit Schneetreiben dabei.

        Ist das Frühjahr dort eben so trocken gewesen, wie hier im Westen?
        "Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------
        Mit erkaltetem Knie;------------------------------
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        • Pfad-Finder
          Freak

          Liebt das Forum
          • 18.04.2008
          • 11527

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

          Zitat von Göttergatte Beitrag anzeigen
          Kennt ihr Repaire-Care-Reparaturepoxyd?
          Nöh. Hört sich aber so an, als ob wir es brauchen könnten. Habe gerade eben die neuen Schäden von der MV-Paddeltour repariert: Vier Schrauben neu gemacht.

          Zitat von Göttergatte Beitrag anzeigen
          Ist das Frühjahr dort eben so trocken gewesen, wie hier im Westen?
          Ja und nein. Die große Hochwasserwelle war wohl schon vor uns durch; Familie Fridolin hat uns allerdings erzählt, dass die Wiesen hinter dem Deich erst in der Woche vor Ostern richtig getrocknet sind. 2010 war die Hochwasserwelle um diese Zeit noch nicht durch.

          Pfad-Finder
          Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

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          • Lynness
            Erfahren
            • 08.05.2008
            • 382

            • Meine Reisen

            #6
            AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

            Hallo Pfadfinder und November,

            wirklich schön geschriebener Reisebericht, der mit leisen Füßen daherkommt und echt Lust auf mehr - in dieser Region zu wandern, paddeln pp. - macht.

            Ihr wart mit einem RZ 85 unterwegs, gell

            Ich mag diese alten Pouch Pötte - haben einfach das gewisse Etwas.......

            Lustige Parodie auf diese Globi Zelte -Hühnerstall - hahahahaha...

            Nix für ungut aus dem Süden (wos solche Flußlandschaften halt nicht gibt ) , aber dafür was anderes........
            Gruß Lynness

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            • bv
              Erfahren
              • 11.10.2007
              • 143

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

              Schoener Bericht

              Auf so ne richtige Faltboottour haette ich auch mal wieder Lust

              Ben

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              • Goettergatte
                Freak

                Liebt das Forum
                • 13.01.2009
                • 26016

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

                Was die Duschkabine betrifft:
                Ich empfele Gebrauchsanleitung lesen!

                1. Schweißerbrille aufsetzen
                2. Einsteigen
                3. Blitz einschalten und entkleiden
                4, Duschen
                5. Abtrocknen und ankleiden
                6. Blitz wieder abschalten

                Wer da noch unbefugt zuschauen will wird blind.
                "Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------
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                Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,-----------------
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                • Pfad-Finder
                  Freak

                  Liebt das Forum
                  • 18.04.2008
                  • 11527

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

                  Zitat von Göttergatte Beitrag anzeigen
                  ...
                  3. Blitz einschalten und entkleiden
                  ...
                  6. Blitz wieder abschalten
                  Oder die Spanner à la "Men in Black" blitzdingsen.
                  Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

                  Kommentar


                  • Enja
                    Alter Hase
                    • 18.08.2006
                    • 4352

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

                    Erinnert mich an eine Tour in den 70ern. Mit einem Faltboot aus der Zeit zwischen den Weltkriegen. Morgens wurden die neuen Flicken aufgeklebt. Und die gebrochenen Spanten geschient, weil wir weder Bohrmaschine noch neue Schrauben dabei hatten.

                    Wenn man das nicht fleißig genug machte, saß man spätestens mittags tief im Wasser.

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                    • hotdog
                      Freak

                      Liebt das Forum
                      • 15.10.2007
                      • 16104

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta



                      Wie ich schon an anderer Stelle schrieb:
                      Zitat von hotdog Beitrag anzeigen
                      Mit Neoprenschuhen kann man folgenlos auch in den ekligsten Schmodder treten.


                      Ich sehe aber ein, dass Tevas optisch besser mit einem RZ 85 harmonieren.
                      Arrivederci, farewell, adieu, sayonara WAI! "Ja, wo läuft es denn? Wo läuft es denn hin?"

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                      • heron
                        Fuchs
                        • 07.08.2006
                        • 1745

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

                        Sehr schöner Bericht aus einer Gegend, von der ich gar nicht wusste, dass sie existiert
                        Richtig vergnüglich zu lesen - und wenigstens haben die Schwäne keine Wasser-Luft-Direktangriffe gestartet!
                        Ich habe keine grossen Ambitionen. Still sitze ich und betrachte wohlgemut das Gewimmel der Welt.
                        Ich benötige nur so viel, wie ich mir ohne Anstrengung und Demütigung beschaffen kann. (György Bálint)

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                        • volx-wolf

                          Lebt im Forum
                          • 14.07.2008
                          • 5576

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

                          Oh! Wieder sehr schön geschrieben! Danke!

                          Moralische Kultur hat ihren höchsten Stand erreicht, wenn wir erkennen,
                          daß wir unsere Gedanken kontrollieren können. (C.R. Darwin)

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                          • Prachttaucher
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                            Liebt das Forum
                            • 21.01.2008
                            • 11547

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

                            Herrlich, habe mich köstlich amüsiert ! Sicherlich hat Fridolin Eure restlichen Waffeln und Kekse bekommen ?

                            Es fehlte eigentlich nur noch das knietiefe Einsinken am vermeintlich fest tragenden Ufer...

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                            • November
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                              Liebt das Forum
                              • 17.11.2006
                              • 10754

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

                              Neoprenschuhe hab ich (noch) keine, aber Neoprensocken. Die passen hervorragend in die Tevas und ich hatte sie sogar dabei. Allerdings waren sie mir viel zu warm, die bloßen Füße waren da angenehmer.
                              Zitat von hotdog
                              Ich sehe aber ein, dass Tevas optisch besser mit einem RZ 85 harmonieren.
                              Noch harmonischer wären da die guten alten Römerlatschen gewesen.

                              Zitat von Prachttaucher
                              Sicherlich hat Fridolin Eure restlichen Waffeln und Kekse bekommen ?
                              Waffelreste waren zu dem Zeitpunkt nicht mehr vorhanden.
                              Ich hatte mir ja fest vorgenommen, am Ende der Tour in Kostrzyn noch etliche von den hervorragenden polnischen Waffeln zu holen (solche die man einzelnen kaufen muss und die so schön backsig sind). Aber durch die logistische Planung des Herrn Pfad-Finder blieben nach Ankunft auf dem Bahnhof ja noch ganze zwei Minuten bis zur Abfahrt des Zuges.
                              Ein weiterer Grund, demnächst mal wieder nach Polen zu fahren.
                              Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um.

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                              • Pfad-Finder
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                                • 18.04.2008
                                • 11527

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

                                Zitat von november Beitrag anzeigen
                                Aber durch die logistische Planung des Herrn Pfad-Finder blieben nach Ankunft auf dem Bahnhof ja noch ganze zwei Minuten bis zur Abfahrt des Zuges.
                                "Just in Time" nennt man das. Die Autoindustrie zahlt ihren Logistikern viel Geld dafür, dass so etwas klappt. Aber hier: Nichts als Undank!
                                Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

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                                • Ditschi
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                                  Liebt das Forum
                                  • 20.07.2009
                                  • 11060

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

                                  Hallo,
                                  schöne Bilder, schöne Tour. Und als ich das zerlegte Pouch sah, kamen ganz alte Erinnerungen wieder hoch. Mein erstes Boot 1966, mit 16 Jahren, war ein Pouch für damals 50,- DM. Es überstand die erste Fahrt nicht. Aber jetzt erinnere ich mich wieder an den ersten Aufbau mit gequetschen Fingern.
                                  Gruß Ditschi

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                                  • Pfad-Finder
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                                    • 18.04.2008
                                    • 11527

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

                                    Zitat von Ditschi Beitrag anzeigen
                                    Aber jetzt erinnere ich mich wieder an den ersten Aufbau mit gequetschten Fingern.
                                    Hast Du es später verkauft? Weißt Du evtl. noch die Seriennummer? Es könnte dasselbe Boot sein.
                                    Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

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                                      • 05.01.2010
                                      • 592

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

                                      Wunderbarer Bericht! Vielen Dank! Es macht Freude, die ironisch-witzigen Schilderungen zu lesen und große Lust, diese Ecke der Welt auch zu erkunden!

                                      Lasst uns bitte weiter teilhaben an Euren Erlebnissen.

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                                        #20
                                        AW: [PL] Wasserwandern für Kilometerfresser - Ostertour auf Notec und Warta

                                        Zitat von chrischian
                                        Die 3 RZ-85 werde ich aber lieber selber aufbauen, bevor noch jemand was kaputt macht.
                                        Übrigens habe ich mich nicht daran gehalten. Meine Frau hatte unser Problemboot aufgebaut und eine Holzleiste, die man oben in den Rand reinschiebt, zerbrochen.
                                        Zuletzt geändert von chrischian; 11.08.2011, 06:12.

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