[PT] Rota Vicentina/ Fishermanstrail

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    • 21.01.2021
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    [PT] Rota Vicentina/ Fishermanstrail

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    Hallo zusammen,

    hier findet ihr meinen Bericht zum Rota Vicentina/ Fishermanstrail in Portugal.

    Tag 1-3

    Anreise


    02:15 Uhr klingelt der Wecker in meinem Hotelzimmer im Frankfurter Bahnhofsviertel. Da die Nachbarn die Nacht sowieso zum Tag gemacht haben mit ihrem Radau, fällt das aufstehen leichter als erwartet. Schnell alles zusammenpacken und auf zum Flughafen. So sitze ich auch pünktlich im Flieger nach Lissabon, welcher um 6 Uhr in der Luft ist. In Lissabon angekommen versuche ich den richtigen Bus gen Decathlon zu erwischen. Ich bin stinkig mit Google, da er mir nur die Abfahrtszeiten, ohne Busnummer angibt. In meiner leichten Verzweiflung versuche ich einen Busfahrer zu fragen, ob er zufällig in die Richtung fährt. Bevor ich was sagen kann schließt er die Tür vor meiner Nase und fährt ab. Ich habe wohl zu verzweifelt ausgesehen. Irgendwann merke ich dann das Google mir keine Busnummer angegeben hat, weil es die U-BAHN war, die er mir anzeigt. Nun gut, jetzt bin ich tatsächlich im richtigen Bus zur Innenstadt. Für nicht mal 3,5km braucht der Bus geschlagene 35 Minuten. Meine Reisekrankheit überwältigt mich von Minute zur Minute mehr, sodass ich an jeder neuen Haltestelle denke, ich steig aus und geh den Rest zufuss. 1,5km vorm Ziel mache ich das auch. Zu meiner Freude hat Decathlon tatsächlich eine Drehkartusche, womit mein Kaffeedurst gestillt sein sollte. Weiter geht's zur Buslinie Rede Espresso, welche mich nach Sines bringen soll. Ich erwische gerade noch den Bus um 12.00 Uhr und steige kurz vor 15.00 Uhr in Sines aus. Besser gesagt falle ich eher aus dem Bus und küsse erstmal den Boden und bleibe dann 30 Minuten einfach nur regungslos liegen. Ich war die ganze Busfahrt damit beschäftigt mich nicht zu übergeben. Nachdem sich nicht mehr alles dreht torkel ich noch stark angeschlagen zum gebuchten Hostel. Ich stehe jedoch vor verschlossener Tür. Ich beschliesse noch kurz einzukaufen und dann wiederzukommen. Ich hoffe man liest meine verzweifelte Nachricht mit der Bitte des eincheckens sehr zeitig. Und dann ist immer noch niemand da. Ich bin vollkommen fertig und will mich gerade direkt vor die Tür setzen als mich jemand fragt ob ich Hilfe brauche. JA, BITTE. Es stellt sich raus das die Nachbarin einen Ersatzschlüssel hat mit welchem sie mich reinlässt. Ich Falle Tod ins Bett und schlafe erstmal 3 Stunden durch. Dann wache ich auf, esse was, und schlafe 12 Stunden bis zum nächsten Morgen. Ich nehme mir fest vor für die vierstündige Busfahrt zurück nach Lissabon reichlich Reisetabletten einzunehmen.


    Tag 1:
    Am nächsten Morgen geht es mir leicht besser. So mache ich mich auf die nächsten 18 km bis Porto Covo anzugehen. Die ersten 10 km führen noch nicht über den Rota Vicentina und sind mit Ausnahme von der Sichtung eines Kiebitz unspannend. Als ich endlich die Küste erreiche bin ich etwas geflasht. Überall wird gesurft und wenn es so weitergeht wie auf dem ersten Kilometern dann wird es grandios. Mittag nehme ich in einer Bucht ein. Als ich lesend vor mich hindöse fällt mir dann auf das das Wasser ersten noch mindestens 10 Meter weiter weg war. Ich erinnere mich daran das man niemals am Strand zelten darf, aufgrund der schnell steigenden Flut. Ich beschliesse es reicht noch um einen Kaffee zu trinken, irre mich aber. Zum Schluss ist das Wasser näher als mir lieb ist und ich packe in Rekordzeit zusammen. Ziemlich KO komme ich in Porto Covo an und checke im Campingplatz ein. Unterwegs kaufe ich mir noch eine Sonnenbrille, und frage mich ob ich doch eher hätte von Süd nach Nord laufen sollen. Den ganzen Tag gen Sonne gucken hat meine Gesichtsmuskeln ziemlich angespannt. Auch keine Sonnencreme mitzunehmen erweist sich als grosser Fehler.








    Tag 2
    Am nächsten Tag geht es auf nach Vila Nova de Milfontes. Und es geht fast den ganzen Tag auf den Dünen entlang. Ich erinnere mich gelesen zu haben das der Weg 60-70% über Sand verläuft. Ich stelle mich schonmal gedanklich darauf ein nur 2km pro Stunde voranzukommen. Ich war bisher nie der Strand und Meer Typ. Sand mag ich auch eigentlich gar nicht, da er immer überall ist, egal wie man aufpasst. Aber spätestens am Ende des zweiten Wandertages bin ich in diese Küste verliebt. Ich hab den ganzen Tag nur Sand, Klippen, Strände, Dünen und den Atlantik gesehen und kann doch nicht genug davon bekommen. Und ich beschiesse den Sand Sand sein zu lassen. Zwischendurch sehe ich noch einen Silberreiher, Braun- und Schwarzkehlchen. Abends komme ich in Milfontes an checke auf dem Campingplatz ein. Dort treffe ich meine Zeltnachbarin vom gestrigen Tag wieder. Gemeinsam beschliessen wir den Tag mit einem leckeren Abendessen auf Isomatten im Dunkeln vor unseren Zelten.









    Tag 3

    Am dritten Wandertag mache ich mich auf um die nächsten 20 km zu gehen. Mein abendliches Ziel liegt in etwa zwischen Almograve und Caveilero. Jap, ich werde in dem Dünen übernachten. Nach nur zwei Stunden nach dem aufstehen bin ich abmarschbereit. Die ersten 10 Kilometer vergehen wie im Fluge. Kurz vor Almograve verpasse ich dann die Abzweigung und verlaufe mich. Dies ist jedoch zu meinem Vorteil, da ich dadurch kurz vor 13 00 Uhr im Ort bin um noch einzukaufen. Mein Mittag schleppe ich zum Strand und diniere fürstlich mit Atlantikblick. Besuchen tut mich der Flussregenpfeifer und präsentiert sich mir in voller Schönheit. Kurz nach 15 00 Uhr beschliesse ich aufzubrechen um die nächsten 5 Kilometer bis zum Schlafplatz hinter mich zu bringen. 16.30 Sehe ich einen Platz und denke es ist noch etwas früh, aber der Platz ist so perfekt. Ich beschliesse hier zu bleiben und werde mit einen grandiosen Sonnenuntergang belohnt. Beim Abendbrot merke ich dann das ich meinen Löffel verloren habe. Besser gesagt vergessen. Ich bin ziemlich sauer auf mich, weil ich mich nicht an meine eigene Regel gehalten habe. Immer nochmal gründlich den Platz checken bevor man weitergeht, so bleibt nichts liegen, weder Löffel noch Müll. Missmutig "löffle" ich mit dem Messer meine Baked Beans. Das Porridge morgen früh wird auch eine Herausforderung. Ich hoffe ich bekomme zeitnah Ersatz, sonst ist mein Speiseplan stark eingeschränkt. Zufrieden schlüpfe ich in meinen Schlafsack und dämmere dahin.













    Zuletzt geändert von MaxD; 27.11.2021, 17:33. Grund: Länderkürzel

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    • 21.01.2021
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    #2
    Tag 4-6

    Tag 4


    Ich wache vor dem Wecker auf und habe das Vergnügen noch die Sterne zu sehen. Erstmal nen Kaffee mit Meerblick, eingewickelt im Schlafsack. In meiner Düne kann ich den auch kochen, da es dort relativ windstill ist. Mein Porridge esse ich dann mit einem Teil meiner Reisezahnbürste und bekleckere dabei gleich den Schlafsack. Super, den kann man ja so gut waschen. Gegen 8 Uhr mache ich mich auf Richtung Cavaleiro. Dort hole ich mir im Minimarkt mein Mittagessen und Wasser. Und zu meiner grossen Freude entdecke ich einen idealen Metalllöffel! Es geht weiter Richtung Zambujeira do Mar. Wenn ich dort ankomme bin ich etwa 18km gelaufen. Und ich muss sagen, diese Etappe war bei weitem die hässlichste. Ich überlege ernsthaft ob die Etappe von Sines zum Start des Weges mir besser gefallen hat. Und die gehört ja gar nicht zum Weg, mit viel Asphalt. Heute bin ich fast nur auf einer Schotterpiste gelaufen, relativ weit weg vom Meer. Ok, ok. Den einen oder anderen Blick gab es schon, aber unterm Strich würde ich diese Etappe nicht nochmal laufen. Die anderen ( Tag 1-3), hingegen schon. Zumindest habe ich Bekanntschaft mit einem Storchen- und Schweinepaar gemacht. Abends im Ort bin ich nach dem Einkauf zum Campingplatz. Ich traf dann noch einen Waliser, der im Inland biwakiert hat und mit Frost auf dem Schlafsack aufgewacht ist. Da fühlte ich mich in meiner Wegwahl, mit angenehmen 5-10 Grad nachts doch sehr privilegiert. Am Campingplatz gab es dann noch Chili und ne heisse Dusche bevor ich schmökernd in den Schlafsack gekrochen bin.










    Tag 5

    Die Nacht war wieder mal bescheiden. Der ganze Campingplatz vibrierte bis 23 Uhr vor lauter Musik. Mein Zeltnachbar meinte dann um 22 Uhr noch mit Lautsprecher lautstark telefonieren zu müssen und hat dann auch noch die ganze Nacht durchgehustet. Für mich steht fest ich schlafe die kommende Nacht wild. Vielleicht schlafe ich dann mal gut und durch. Deswegen steht auch ein strammes Tagespensum an. Geplant sind ca 26 km, dann bin ich wieder am Strand und schlafe in den Dünen. Gleich vorweg, ich habs fast geschafft und bin bei ca 24km gelandet. So gehe ich die ersten 12 km bis Odeceixe ohne Pause und genehmige mir dann 45 Minuten Mittagspause. Ich bin jetzt schon ziemlich KO, da ich deutlich schneller gehe als gewohnt um die anstehenden Kilmeter zu schaffen. Gerade mache ich mich auf die nächsten 6km bis Odeceixe anzugehen, da holt mich Maja ein. Seit dem ersten Tag treffen wir uns täglich ein paar Mal, spätestens auf dem Campingplatz, da sie auch mit Zelt unterwegs ist. Wir gehen bis zum Ort gemeinsam, wo wir uns dann trennen. Ich will zum Supermarkt und sie ins Hostel. Nachdem der örtliche Minimarkt eigentlich durchgehend geöffnet haben sollte, stehe ich trotzdem vor verschlossener Tür. Laut dem Schild soll er um 14 Uhr öffnen.. . Mh.... jetzt ist es 14:20Uhr. Von der Dame am Auto erfahre ich das er um 15 Uhr öffnet. Ich bin ziemlich froh darüber, da ich nur noch eine Hand voll Haferflocken habe und praktisch kein Wasser mehr. Um 15:30Uhr mache ich mich gut versorgt auf die nächsten 6km bis zur Küste zu gehen um dann in den Dünen einen Platz zu finden. Irgendwann merke ich das mir eine Frau folgt. Ich kann leider nicht erkennen ob sie einen grossen Rucksack hat. Als ich mich irgendwann frage wie ich unbemerkt in den Dünen verschwinden soll, wenn sie die ganze Zeit hinter mir läuft, setzt sie sich und blickt Richtung Sonnenuntergang. Ich bin echt froh, denn jetzt wird es in 40 Minuten dunkel. Als ich den perfekten Platz finde und am aufbauen bin höre ich plötzlich Stimmen. Ich warte sie ab und mache dann weiter. Beim Sonnenuntergang lasse ich mir mein Abendbrot schmecken und beschliesse es morgen gemütlich anzugehen.











    Tag 6

    Die Nacht war fantastisch ruhig mit sternenklaren Himmel. Ich lasse den Tag langsam angehen, denn der gestrige Tag steckt mir noch etwas in den Knochen. So komme ich gute 3 Stunden nachdem der Wecker schrillte los. Heute gehe ich über Rogil, auf zum Campingplatz Serrao. Irgendwann Richtung Maria Vinagre merke ich das ich falsch bin, denn der Weg biegt Richtung Meer ab. Sehr komisch. Ich beschliesse umzudrehen und nach meinen GPX Daten Richtung Rogil zu laufen. Was gutes hatte der kleine Umweg aber. So konnte ich 2kg Orangen direkt vom herrenlosen Baum pflücken. Die haben vielleicht geschmeckt! Richtung Rogil folge ich durchgehend einem Bewässerungskanal und erspähe noch den Wellenastrild und die Blauelster. Ich fühle mich wie im siebenten Himmel! Nach Rogil folge ich dem Kanal weiter Richtung Campingplatz und nutze gleich mal die Waschmaschine. Meine Sachen haben es echt nötig. Beim Zeltaufbau merke ich dann wie sich der Deckel von meiner Olivenölflasche gelöst hat und es direkt in meinen vollen Rucksack läuft. Ich kann es kaum glauben und versuche es mit sehr viel Klopapier aufzusaugen. Ich schwanke noch ob ich den Rucksack komplett nass machen soll um ihn mit Shampoo zu reinigen. Entscheide mich aber dagegen, da ich nicht morgen den halben Tag mit nen nassen Rucksack laufen will. Abends lasse ich mir meine Kartoffeln schmecken und halte noch einen Plausch mit einer Französin die Richtung Lissabon läuft. Von ihr bekomme ich nen super Tip wo man am Strand in einer Höhle schlafen kann, ohne von der Flut überrascht zu werden!






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      #3
      Tag 7-9



      Tag 7

      Morgens breche ich mal ohne Frühstück auf nach Aljezur, dort werde ich im Intermarche einkaufen. Nach einem Tzazikifrühstück mach ich mich auf Richtung Vale de Telha. Für nicht mal 90 cent treten meine beiden Postkarten den Weg nach Deutschland an, dafür habe ich auch 30 Minuten gewartet. Der Weg führt einmal grosszügig um den Ort rum und dankenswerterweise gibt es auch einen Supermarkt. Ich beschliesse es ruhig angehen zu lassen, da ich heute vor dem Ort in den Dünen campieren will. Der Rucksack heute ist angenehm leicht, da ich nur minimal Wasser trage, auch mal angenehm. Sonst trage ich mindestens 3 Liter mit mir rum, heute gerade mal die Hälfte. Den Nachmittag verbringe ich an der Küste Vale de Telhas und geniesse den Atlantikblick. Irgendwann bemerke ich dann ein offiziell aussehendes Auto, welches langsam die Strasse langschleicht. GNR prangt auf dem Auto. Da ich bisher noch kein Polizeifahrzeug gesehen habe muss ich mich erstmal schlau machen. GNR steht für "Guarda Nacional Republicana", eine Sicherheitspolizei in Portugal. Bei mir startet ein Kopfkino bzgl. schlafen in den Dünen. Vertreibe die Gedanken aber schnell wieder, da ich aus meiner Sicht nichts schlimmes mache. Ich bin nicht laut, hinterlasse keinen Müll, nehme eher noch was mit. Ich halte die Polizisten auch prinzipiell für so gemächlich das sie nicht Zufuss im Dunkeln wild durch die Dünen streifen um jemanden wie mich zu finden. Da glaub ich nicht dran. Daher mach ich mir schon schnell wieder keine Sorgen mehr. Diese Nacht wird die Schlafplatzsuche etwas schwieriger, denn irgendwie finde ich keinen Platz der groß genug für mein Zelt ist UND mich komplett vom Weg verdeckt. Irgendwann werde ich fündig, wenn auch knapp. Wäre mein Zelt 5 cm größer hätte ich weitersuchen müssen. Wenn ich abends wildcampe versuche ich ohne Kocher auszukommen, denn eine gewisse Geräusch- und Lichtkulisse bietet er dann doch. So mache ich mir meinen Salat und schlüpfe zufrieden in den Schlafsack. Sobald ich liege und das Buch in der Hand habe, weiß ich auch das es keine 10 Minuten dauert bis ich einschlafe.


















      Tag 8

      An diesem Tag mache ich mich auf bis kurz vor Carrepateira. Morgens fülle ich noch meine Wasservorräte im Supermarkt auf und gönne mir nen Milchkaffee für 1 Euro! Auf dem Weg dahin sehe ich etwas grosses in den Dünen rumhuschen. Ich habe das Fernglas leider im Rucksack und krame es in Rekordzeit raus. Und siehe da, ich hatte Recht. Vor mir verstecken sich zwei Rothühner. Der Tag beginnt spitzenmäßig! Da ich täglich zwischen 6-7 Liter trinke, wird es heute etwas schwierig, wenn ich nicht das komplette Wasser tragen möchte, was ich natürlich nicht möchte. Heute gibt es auf der Strecke nämlich keinen Supermarkt. So beschliesse ich in einem Restaurant namens Shabouco einen Zwischenstop einzulegen und Mittag zu essen und nebenbei meinen Durst zu stillen. Normalerweise versorge ich mich selbst und liebe es so autark wie möglich zu sein. Ausserdem schmeckt mir mein Essen eigentlich immer besser als das im Restaurant, also warum sollte ich dann dort mehr Geld ausgeben für weniger Genuss. Des weiteren denke ich das ich so gesünder esse. Aber manchmal habe ich dann doch Lust auf ne Pizza und denke, warum nicht. Heute passt es doch perfekt und ich plane das Restaurant fix ein, nehme auch keine Notration mit - was ich später bereue.... Der Weg über Arrifana nach Shabouco gefällt mir sehr gut, nur die Wegmarkierung nicht. Die ersten Tage war der Weg top markiert und langsam hab ich das Gefühl es wird von Tag zu Tag schlimmer. Meine GPX Tracks zeigen mittlerweile sehr oft eine andere Route an als die ausgeschilderte. Und da ich natürlich mit meinen Daten plane, vor allem bzgl. des Einkaufens, halte ich mich ganz oft nicht an die Markierung. Daher muss man wohl sagen das ich strenggenommen den Rota Vicentina NICHT gelaufen bin. So stehe ich dennoch um kurz nach 12 Uhr vor dem Restaurant und freue mich schon riesig auf meine Pizza. Nur leider sieht alles so zu aus. Ein Strick versperrt mir den Zugang, die Stühle sind zusammengeschoben, keine Menschen. Ich ahne das schlimmste. Schaue mich aber um und entdecke eine offene Tür und zwei Personen. Steige über die Absperrung uns setze mein wehleidigstes Gesicht auf. Ich erkläre das ich unbedingt Essen und Trinken brauche und ob sie mir helfen können. Sie können!!! Mir fällt ein Stein vom Herzen. Während ich am Tisch mit Apfelschorle warte, im Hintergrund portugisische Telenovelas plärren, macht mir der Besitzer einen Tomatensalat. Ich bin sehr glücklich überhaupt bewirtet zu werden, stelle aber nach dem Essen fest das ich noch Hunger habe. Der Besitzer ist sehr redseelig und erklärt mir jede einzelne Geschichte der Tische im Raum, und es gibt viele Tische. Danach versucht er mir wohl zu erklären das er ein besonderes medizinisches Syndrom hat, wonach er auf der einen Körperhälfte wohl Fett einlagert, auf der anderen ist das aber nicht möglich. Ich bin nicht sicher ob ich es mit meinen Englischkenntnissen richtig verstanden habe, vielleicht hat er mich auch nur veräppelt, das halte ich nicht für ausgeschlossen. Danach zeigt er mir noch seine Sammlung alter TV-Geräte und dann beschliesse ich es wird Zeit das ich aufbreche. Smalltalk ist schön und gut, aber langsam wird es anstrengend. Er redet ohne Punkt und Komma. Ich bedanke mich nochmal, da es wirklich nicht selbstverständlich war mich zu bewirten und düse los. Unterwegs mopse ich noch einen Granatapfel vom Baum, welcher leider schlecht ist. Hab ich wohl nicht anders verdient. Heute halte ich mich mal ausnahmsweise auch nicht an meine GPX Daten, da ich lieber Strandnah laufen möchte und nicht sehe warum ich sehr weit in´s Inland abbiegen sollte. Etwa 8km vor Carrepateira sehe ich dann einen geradezu magischen Strand, mit nur einem Fischer und beschliesse noch ein Bad zu nehmen. Da es schon relativ spät ist, kann ich mir dann auch die Sonnencreme abwaschen und relativ sauber in´s Bett steigen später. So stehe ich nun bis zu den Waden im Wasser und bin beeindruckt vom Atlantik. Die Wellen kommen mit einer ungeheuren Kraft bei mir an das ich fast zu Boden geschmissen werde. Ich verliere auch leicht das Gleichgewicht und knicke um. Das beschert mir für den Rest des Abend ein unangenehmes Knacken im Knöchel wo ich schon Bedenken habe das es Ernster wird. Langsam wird es Zeit zu gehen, da ich noch keinen Zeltplatz habe, es aber schon 1 Stunde vor Sonnenuntergang ist. Eigentlich wollte ich oben auf den Klippen schlafen, dort lässt sich aber nichts finden. So gehe ich weiter bis ich in Sichtweite vor Carrepateira zum Strand absteige in ein unglaublich gigantisches Flussdelta mit viel Sand und noch mehr Dünen. Auf den ersten Blick könnte man denken man ist in der Wüste. Einfach nur gigantisch. In dieser Dünenlandschaft finde ich ein perfektes Plätzchen, uneinsehbar von allen Seiten. Der einzige Nachteil dieser schönen Schlafplätze ist die immense Luftfeuchtigkeit, sodass ich mein Zelt morgens klitschnass zusammenpacke. Abends, aber vor allem morgens ist es deutlich kalt in Portugal. Erst mit der Sonne wird es warm und angenehm, daher bin ich auch froh meinen Winterschlafsack dabei zuhaben.













      Tag 9

      Nachdem ich in Carrepateira eingekauft habe, beschliesse ich ein zweites Frühstück an den Klippen einzunehmen. Man gönnt sich ja sonst nichts. Auf dem Weg zum Supermarkt begegne ich einem Jäger und Frage mithilfe meiner App was er jagt. Ich meine verstehen zu können das er von Fasanenartigen Vögeln spricht, darunter fällt wohl auch mein geliebtes Rothuhn. Umpfh...Im Minimarkt kaufe ich Eier und frische Brötchen und lasse mir alles mit einem Kaffee bei bestem Atlantikblick schmecken. Bei Carrepateira beschliesse ich auch den Weg etwas abzukürzen, da ich heute nach Vila do Bispo kommen muss, aufgrund meines Wasserbedarfes. Weiterhin habe ich dort eine Unterkunft gebucht. (Tut das nicht wenn ihr nicht müsst, denn überall sonst ist es günstiger!) Der Weg nach meinen GPX Tracks führt deutlich in´s Inland. Ich beschliesse aber noch an der Küste langzugehen und gehe daher anders. Komischerweise sehe ich aber sehr oft Wegmarkierungen für den Rota Vicentina/ Fishermanstrail. Ich verstehe die Wegführung immer weniger. Ist mir aber mittlerweile auch egal. Ich kraxel Sandberge rauf und runter, dann wieder rauf und wieder runter und so weiter. Die Kulisse ist wunderschön und atemberaubend. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich merke das mir die letzten Wandertage deutlich in den Knochen stecken und fühle mich Todes-KO. Deshalb beschliesse ich irgendwann es wäre besser in Vila do Bispo anzukommen als nie. Daher ändere ich meine Routenwahl und biege ab in´s Inland. Da folge ich lange einer Schotterpiste. Gehe durch heideähnliche Landschaften und lege mich irgendwann für eine Pause unter Bäumen in den Schatten. Irgendwann hält ein Auto und die Insassen mustern mich. Sagen aber nichts. Ich lächle sie an und sie fahren weiter. Irgendwann wird mir klar das sie nur wissen wollten ob mit mir alles in Ordnung ist. Ist es! Aber ich bin dankbar für ihre Sorge. Bei den Temperaturen und der stetigen Sonne kann es einem doch schneller schlecht gehen als einem lieb ist, vor allem wenn man nicht genug trinkt. Leicht erholt mache ich mich auf die letzten Kilometer bis zum Ort zu gehen. Dort kaufe ich im Lidl ein und erreiche mit der Dunkelheit mein Zimmer. Nach einer wohlverdienten Dusche falle ich in´s Bett und döse ein. Dank der ganzen kläffenden Hunde wird es jedoch wieder eine unruhige Nacht. Langsam fange ich an Hunde unsymphatisch zu finden.











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        • Meine Reisen

        #4
        Tag 10-12



        Tag 10

        Heute morgen nutze ich die Pensionseigene Küche und komme in Rekordzeit los. Ich bin vor 7 Uhr auf dem Weg, so früh wie noch nie. Ich muss ein Stück zurück um wieder auf dem richtigen Weg zu kommen, das macht aber nichts. Mein heutiges Ziel ist der Campingplatz in Sagres. Und dann mache ich einen Pausetag, auf welchen ich mich wie bekloppt freue. Auf dem Weg zur Küste komme ich an einem Wäldchen vorbei. Irgendwann komme ich dann an die Küste, welche wirklich sehr spektakulär ist. Mein heutiges Mittagsziel ist Farol do Cabo de Sao Vicente, der südwestlichste Punkt Portugals. Als ich etwa einen Kilometer davor bin fange ich an zu zweifeln. Ich sehe von hier aus schon den riesigen Parkplatz und die vielen Autos, welche im Sekundentakt ankommen oder abfahren. Ich beschliesse das es hier noch viel schöner ist und pausiere 1 Kilometer vorher. Da fällt mir ein riesiger Vogel am Himmel auf, mit "dunklen Fingern" an den Flügelspitzen. Nach einer Recherche ist mir klar, das war der Schwarzstorch. Weißstörche habe ich hier schon viele gesehen, aber den Schwarzstorch noch nie. Portugal ist auch das einzige/ oder eines der wenigen Länder wo Störche ihre Nester direkt an den Klippen bauen, eine Sensation also. Dann mache ich mich auf den Weg zum "Kap"... vielleicht sehe ich ja Afrika oder Amerika Als ich ankomme sehe ich vor allem Touristen, Touristen, Touristen. Ich gehe zum südlichsten Punkt und sehe Souveniersachen und ein Restaurant. Ich frage mich warum man hierher kommt? Für mich macht es Sinn, es symbolisiert den südlichsten Punkt meiner Wanderung. Aber sonst fällt mir kein Grund ein hierherzukommen. So verschwinde ich auch nach 3 Minuten und mache mich auf zum Campingplatz. Seit Sines ist das der erste Punkt an der Westküste der mich touristisch abgeschreckt hat. Bisher war alles gut integriert und überschaubar. Geradezu idyllisch. Solche Touripunkte meide ich gerne. Auf dem Weg zum Camingplatz gehe ich durch "Cabanossa" einer DER Birding Hotspots in der Region für Raubvögel. Und wie der Zufall es will, liegt der Campingplatz direkt daneben! Das lasse ich mir nicht entgehen. Dieses Wäldchen ist wirklich auch wunderschön. Als ich am Platz ankomme startet jedoch erstmal meine Routine: Zelt aufbauen, duschen, einkaufen, kochen und in´s Bett fallen. Zum Abendbrot lade ich Maja ein, es gibt Spaghetti mit Tomatensauce. Wenn man bedenkt das ich nur einen Topf habe, ist es geradezu eine Glanzleistung und Rekordverdächtig.












        Tag 11 - Ausruhtag

        Mein Plan war es vor Sonnenaufgang aufzustehen und bei Sonnenaufgang Vögel zu beobachten aus meiner Birdwatching-Zentrale heraus. Aber, Pläne sind da um verworfen zu werden, dafür macht man sie schliesslich. So klingelt der Wecker zwar zeitig, ich schlafe aber nochmal ein. Lese dann und frühstücke in Ruhe. Dann gegen halb 11 mache ich mich auf, bewaffnet mit Fernglas. Als ich mich in meiner Beobachtungsbasis eingerichtet habe beschliesse ich meine Energie vor allem auf´s Liegen und lesen zu richten. Dabei beobachte ich ab und zu mal den Himmel. So packe ich 4 Stunden später alles zusammen und siehe da, sehe dann noch den Zwergadler. Mission erfolgreich würde ich sagen. Beglückt gehe ich zurück und nochmal einkaufen für´s Abendbrot. In diesem Sinne möchte ich empfehlen den Intermarche in Sagres NICHT zu besuchen, denn das ist der schlimmste Laden den ich je betrat. Sehr teuer bei sehr schlechten Produkten (viele vergammelt, angeschimmelt usw.) . Wirklich JEDER kleine MINIMINIMARKT entlang meines Weges hatte bessere Produkte als dieser Laden, wenn auch mit kleinerer Auswahl. Hier merkt man ganz deutlich den starken Tourismus.








        Tag 12

        Ich merke schon morgens das mir der Ausruhtag richtig gutgetan hat. Unproduktive Phasen, sind produktiv, da sie dazu dienen den Körper zu regenerieren um dann wieder produktiv sein zu können. Das muss ich mir manchmal wirklich in´s Gedächtnis rufen. Eigentlich wollte ich in Sagres abkürzen, da ich nicht durch die ganze Stadt laufen wollte. Spontan entschied ich mich aber dagegen und ging frei nach Schnauze. So kam ich dann doch noch am Spar vorbei und holte mir 2 erstaunlich gute Orangen als Wegzehrung raus. Bis kurz vor Salema sollte es heute gehen. Hier ist die Küste noch relativ naturbelassen. Abends ging mir dann irgendwann auf das es hier schwierig mit dem Zelten wird, da es hier kaum Sand und viel betonharten Sandboden gibt, mit viel Gestrüpp oben drauf. Teilweise ist dieses auch sehr dornig und dadurch absolut ungeeignet für´s Zelt. Ich hatte auch leider kein Footprint dabei, was ich für diese Region auf jedenfall empfehlen würde. Irgendwann fand ich dann ein Plätzchen, aber es war noch zu früh. Ich wollte aber hier bleiben, und mich in der Nähe aufhalten. So flanierte ich zu einem großen Steinhaufen und wurde neugierig, da ein Weg weiterführte. Dort entdeckte ich eine Höhle mit Einladung zum Bleiben über Nacht. Ich war kurz verlockt, denn sie sah ziemlich wohnlich aus. Genau das schreckte mich dann auch wieder ab, zu wohnlich. Hier schläft regelmäßig jemand, da bin ich mir sicher! Daher wollte ich nicht abends oder nachts von demjenigen überrascht werden und ging weiter, da mein eigentlicher Zeltplatz ein Steinwurf entfernt war. So machte ich mich auf Richtung Praia das Furnas, dieser Strand wurde mir von der Französin empfohlen, weil man dort in Höhlen, direkt am Wasser schlafen könnte. Ohne von der Flut weggespült zu werden wohlgemerkt. Generell gilt nämlich: schlafe NIE am Strand! Mir war das aber doch zu heikel. Theoretisch bin ich ja jetzt am Mittelmeer und da gibt es im Gegensatz zum Atlantik nur eine minimale Flut und Ebbe von ca. 10cm Unterschied. Das gilt aber eigentlich nur für den Bereich ab Tarifa, da die dortige Meerenge dafür sorgt. Nun bin ich aber noch vor dieser Meerenge, daher steigt die Flut bis zu 3m an. Auch wenn sie sich sicher war das man dort schlafen kann, gehe ich dieses Risiko nicht ein. Weiterhin ist am Strand direkt ein Parkplatz. Wenn ich alleine wandere ist die oberste Regel: NIEMAND weiß wo ich schlafe, denn nur so kann ich schlafen. Und das wäre hier nicht möglich gewesen. Zu zweit hätte ich es vielleicht gewagt. Am Strand ist mir dann auch Barfuss jemand entgegengekommen und war auf den Weg in die Richtung wo ich herkam. Ich tippe stark darauf dem Höhlenbesitzer begegnet zu sein. So gehe ich noch weiter Richtung Salema mit dem Wissen das es ab jetzt nur auf und ab geht, dank der Info vom Hippie am Strand. Und er hatte recht. Einen Schlafplatz zu finden war echt hart, aber ich hab´s geschafft und campierte direkt an der Klippe, auf einem kleinen Schleichpfad. Der Sonnenaufgang morgen früh wird gigantisch.






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          • Meine Reisen

          #5
          Tag 13-15/ Abreise

          Tag 13

          Mit spektakulären Sonnenaufgang beginnt der Tag seht gut, und wie versprochen geht es auf und ab, auf und ab, und wieder von vorne. So fühlen sich 3km wie 10km an. In Salema setzte ich mich in die Pastelaria Nicole und lud erstmal mein Handy, trank zwei Kaffee und aß ein Süßes Stück - alles für 3,40 Euro! Im Laden nebenan besorgte ich mir dann Wasser, denn zu Mittag konnte ich wieder im nächsten Ort, Burgau, einkaufen. Mein heutiges Ziel ist kurz vor Lagos. Dort wollte ich nochmal wild zelten. Generell war die Küste immer noch schön, kaum Anstiege, alles sehr flach. Aber ab jetzt beginnt der Tourismus. Überall Häuser, Ferienwohnungen, Hotels, 3 Supermärkte auf 18km. Ich fühle mich unwohl. Mir ist das zu voll. Dennoch komme ich direkt am Wasser an einem kleinen See vorbei und sehe etwas blau-rotes im Schilf sitzen. Ich zücke das Fernglas und sehe einen prächtigen Eisvogel. Dann stürzt er sich plötzlich in´s Wasser, holt einen Fisch heraus und weg ist er. Ich stehe mit offenen Mund da und freue mich einfach nur. In Luz kaufe ich ein für´s Abendbrot und steige auf das Plateau Richtung Lagos. Auf dem Weg dorthin begegnet mir ein Schäfer. Es ist ca 1,5h vor Sonnenuntergang und so viele Menschen wie hier habe ich selten an den Klippen gesehen. Auf mein "Bom Dia" (Guten morgen) korrigiert er mich, es heiße "Bom Tarde" (guten Abend/ nachmittag). Theoretisch kann man hier zelten, ich fühle mich aber unwohl. Das dann oben auf dem Plateau noch ein Schäfer samt Herde und Hunden auftaucht, trägt auch nicht unbedingt zu meinem Sicherheitsgefühl bei. Ich denke zwar das er noch Richtung Luz absteigt, möchte aber ungern von den Hunden im Zelt überrascht werden, sollte ich mich doch irren. Überall liegt sehr viel Müll, als ob der mit Autos hier abgeladen wird. Viele Ruinen und Menschen. Ich laufe noch etwas durch die Gegend um einen Platz zu finden, entschliesse mich dann aber kurz vor Sonnenuntergang dafür die letzten gut 4 km bis zum Campingplatz in Lagos zu gehen. Laut Rezensionen ein "dritte Welt Campingplatz", aber das ist mir gerade lieber als ein unsicheres Gefühl beim schlafen zu haben. Im Dunkeln komme ich an und checke ein. Die Sanitäreinrichtungen sind wirklich nicht der Brüller, daher dusche ich nicht. Sonst kann ich aber nicht klagen. Es war eine sehr ruhige Nacht, sogar mit Meeresrauschen mitten in der Stadt. Und dann realisiere ich das ich am Ziel angekommen bin nach ca. 223km. Ich bin mega stolz auf mich und hole mir ein Bier zum anstoßen aus dem Supermarkt.









          Tag 14-15

          Ab jetzt laufe ich den GR13 wieder Richtung Vila do Bispo. Mein Heutiges Ziel liegt irgendwo vor Barao de Sao Joao. Da es nicht so weit ist, mache ich langsam. So komme ich gegen 9 Uhr los und schlendere Richtung Aldi. Das ist der letzte Supermarkt, bevor ich auf den GR abbiege. Am Ufer des Ribeira de Bensafrim entdecke ich dann noch irgendeine Bekassinenart, einen Seidenreiher und Steinwälzer und das mitten in Lagos. Der Tag wird also wieder gut. Nach dem Aldi erweißt es sich als sehr schwierig auf den GR zu kommen, da auf der einzigen Zugangsstrasse Gasbauarbeiten durchgeführt werden und ich nicht passieren kann. Ich schlage mich durch´s Gebüsch, unterquere eine Schnellstrasse durch ein Loch und komme dann ohne großen Umweg doch rauf. Pflücke gleich danach in einem verwahrlosten Grundstück Zitronen und sichte noch einen Zwergadler. Ich gehe durch viele Dörfer an sehr vielen aggressiven Hunden vorbei. Ich fange schon an mich zu fragen ob ich überhaupt einen Schlafplatz finde, der Hundesicher ist. Ich zweifle noch dran. Doch dann fällt mir irgendwann ein das ich vergessen habe in Lagos meine Reisetabletten zu kaufen. Ganz klasse. Ich werde also wieder halb tot aus dem Bus steigen in Lissabon, oder ich ändere den Plan. Ich entscheide mich für letzteres. Daher kaufe ich noch in Barao de Sao Joao ein, vor allem Wasser und ziehe weiter Richtung Vila do Bispo. Kurz vor Sonnenuntergang erreiche ich einen Hügel mit Windräder. Das in meiner Nähe ist aus, obwohl starker Wind herrscht. Ich gehe davon aus das es kaputt ist und suche mir direkt darunter einen Schlafplatz. Einen Platz im Eukalyptusdschungel zu finden ist gar nicht so leicht. Irgendwann klappt es und kurz nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe und es schon fast dunkel ist, höre ich ein Auto direkt hinter mir vorbeifahren - zum Windrad. Erstmal bekomme ich mega Panik, da es nur ca. 100m von mir entfernt ist, ich hoffe nicht gesehen zu werden. Dann beruhige ich mich und denke, das man mich nicht sehen kann. Der Wald ist viel zu dicht, es ist quasi dunkel, ich habe kein Licht an und die Blätter vom Eukalyptus sind so trocken auf dem Boden, das ich jeden hören würde der sich meinem Zelt nähert. 5 Minuten später höre ich metallische Geräusche und stelle fest es wird gearbeitet und bin zufrieden. Ich schlafe darüber ein und wache dann irgendwann bei Lärm auf. Das Windrad wurde repariert. Und es ist verdammt laut. Ich erwäge ernsthaft mitten in der Nacht meine Sachen zu packen und zu verschwinden. Mache es dann doch nicht und stehe um kurz nach 6 Uhr auf der Strasse. Mein Kopf platzt gleich vom ganzen nächtlichen Lärm. Nach 5 Kilometer und mehr Ruhe kann ich wieder Denken. Das war die schlimmste Nacht überhaupt. Nach einem Frühstück geht es mir schon besser und ich gehe weiter nach Vila do Bispo. Der Weg ist unspektakulär aber trotzdem schön. Nach anfänglichen Bedenken bzgl. der vielen Dörfer, Häuser und Hunde sehe ich hier weit und breit nur Landschaft, Hügel, Büsche und Himmel. Ich fühle mich sehr frei. Der Blick schweift über die endlose Weite und ich bin zufrieden. Einmal mehr denke ich daran wie schön es hier ist. Ich bin näher an Vila do Bispo als ich dachte, sodass ich es um 13 Uhr erreichte. Ich holte mir das Reisemedikament und trank dann noch Kaffee im Cafe nebenan. Gegen 15 Uhr machte ich mich auf zu dem Wäldchen Richtung Meer. Fand auch nach langer Suche einen tollen Platz und baute mein Zelt schon um 16 Uhr auf. Man wird mich wohl vom Weg gesehen haben können, wenn man ganz genau guckt, aber wer tut das schon? Da der heutige Tag der einzige ist wo die Sonne mal nicht schien und ich eine lange Hose und Mütze trug, war es super sich in´s Zelt verkriechen zu können. Meine vorletzte Nacht in Portugal, die letzte im Zelt. Sonst schlafe ich super gut und vor allem super schnell ein, das gelang mir heute nicht. Es lag vielleicht auch daran das ich gegen 19 Uhr einen Schuss hörte. Das ist ja mein Horror - Jäger. In Portugal sind 80% des Landes Jagdgebiet. Die haben hier keine Jägerstände, die man meidet und sich dann in Sicherheit wähnt. Hier wird fast überall geschossen, mit wenigen Ausnahmen. Ich überlegte ernsthaft Licht anzumachen, damit ich nicht erschossen werde. Habe mich dann aber dagegen entschieden, da ich wusste das es hinter mit runter in´s Tal geht und die Wahrscheinlichkeit niedrig ist das ich getroffen werde. Dann fing es an zu Regnen, mit Blitz und Donner. Generell begrüsste ich dieses Wetter, da so die Chance stieg nicht erschossen zu werden. Machte mir aber auch Sorgen, da ich morgen früh über ca. 2km offenes Feld zur Bushaltestelle gehen muss, um meinen Bus Richtung Lissabon zu erwischen. Der Wetterbericht sagte auch nichts entsprechendes an, Regen ja, Gewitter nein.
























          Tag 16 Abreise

          Diese Nacht schlief ich sehr schlecht und sehr kurz. Vielleicht 4 Stunden, wohlgemeint. Und zu meinem Bedauern regnete und Gewitterte es immer noch. Ich hatte eine Heidenangst die 2 Kilometer über das offene Feld gen Bushaltestelle zu gehen und überlegte ernsthaft einen Bus später zu nehmen und doppelt zu zahlen. Mithilfe von Lightning Maps fand ich dann heraus das dass Gewitter sich gerade zu meinem Gunsten verzieht. Ich beruhige mich und esse Frühstück. Als ich dann gerade dabei bin mein klitschnasses Zelt um 7 Uhr zusammenzupacken fängt es wieder an zu blitzen und zu donnern. Das gibt es doch nicht, laut Lightning Map dürfte hier gar nichts mehr sein! Ich packe in Rekordzeit zusammen und renne die 2 Kilometer in den Ort, sodass ich in 15 Minuten da bin. Völlig fertig komme ich an der Bushaltestelle wieder zu Atem und trete die Reise nach Lissabon an. Dank der Tabletten geht es mir auch richtig gut und den Schlaf im Bus kann ich gut gebrauchen. In Lissabon gehe ich 7km durch die Stadt zu meinem Hostel Terminal 3 (bitte meiden!!) zu Fuss. Unterwegs hole ich mir einen Döner und trockne mein Zelt. Ich bin dankbar für die Zeit in Portugal und freue mich auf zuhause, vor allem auf meinen Mann Meine Batterien fühlen sich deutlich voller an als davor.

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          • pausemacher
            Anfänger im Forum
            • 21.01.2021
            • 34

            • Meine Reisen

            #6
            FAZIT



            Markierung

            Anfangs war die Wegmarkierung (blau/grün) des Küstenweges/ Fishermanstrail spitzenmäßig. Später eher schlecht. Es könnte aber sein das ich unfähig war die vorhandene Markierung zu verstehen, da sich der Weg je weiter man gen Süden läuft, häufig mit dem Inlandsweg kreuzt (rot/gelb). Es könnte sein das die rot/gelbe Markierung dann für beide Wege gilt.

            Wegbeschaffenheit

            Anfangs sehr viel Sand, daran muss man sich erstmal gewöhnen. Hinweis: ich bin von Nord nach Süd gelaufen. Danach viele Wirtschaftswege ohne großen Autoverkehr.

            Versorgung mit Essen und Wasser

            Die Supermarktdichte ist sehr komfortabel, sodass es leicht zu einer Schlemmerreise werden kann. Ich habe selten bei einer so langen Wanderung so viel Obst und Gemüse gegessen. Jeweils 2-3 Portionen Obst und Gemüse pro Tag. Das ließ sich komfortabel tragen. Dazu kommt das die frischen Produkte sehr gut sind! Teilweise habe ich 6 Liter Wasser getrunken, dazu kam dann noch Koch- und Kaffeewasser. Generell kein Problem, da ich sehr oft 1-2x/ Tag am Supermarkt vorbeikam um die Wasservorräte aufzufüllen. Leider aber nicht immer. Dann war es etwas schwieriger den Wasserbedarf zu managen. Ich habe mich dann mit der einen Restaurantbestellung über Wasser gehalten. Generell kann man das Leitungswasser wohl oft trinken, es schmeckte mir aber nicht. Ich habe es dreimal probiert, es dann aber gelassen, aufgrund des Chlors. Man sollte die Einheimischen aber immer fragen, denn ich habe keine Übersicht gefunden der man entnehmen kann wo man das Leitungswasser trinken kann und wo nicht.

            Temperaturen

            Im November hatte ich durchweg (bis auf einen Tag) komplett trockenes Wetter. Die Temperaturen bewegten sich (bei Sonnenschein) zwischen 17 und 23 Grad (laut Wetterbericht). Gefühlt hatte ich teilweise 15 Grad (bei sehr starkem Wind) oder 30 Grad (bei Windstille). Abends wenn die Sonne unterging wurde es schnell frisch. Morgens war es am kältesten. Generell würde ich einen eher dickeren Schlafsack empfehlen. Ich hatte einen mit Komforttemperatur bis -9 Grad und war sehr zufrieden (Ich friere aber auch nachts schnell). Teilweise musste ich ihn wirklich zumachen, dann war es wohltemperiert. Teilweise habe ich ihn auch nur als Decke genutzt. Generell würde einer bis 0 Grad wohl auch locker reichen.

            Unterkünfte

            Im Norden gab es noch relativ viele Campingplätze, wo man alleine für ca. 7-9 Euro/ Nacht gut schlafen konnte. Hostels und andere Unterkünfte kamen auf 18-35 Euro. Natürlich geht es auch teurer.

            Anreise

            Die Anreise von und wieder zurück nach Lissabon verlief mit Rede Expressos sehr gut. Sehr günstige und vor allem pünktliche Verbindungen. Vielleicht sollte die Deutsche Bahn sich mal bei denen beraten lassen. Ich konnte auch über die Internetseite mein Ticket buchen.

            Wildzelten

            Aus meiner Sicht kann man, wenn man etwas Übung hat, überall wildzelten. An manchen Stellen war es sehr leicht (im Norden), an anderen etwas schwieriger. Aber immer möglich.

            Laufrichtung

            Ich würde den Weg, wenn ich ihn nochmal gehen würde, von Süd nach Nord laufen, aus zweierlei Gründen.

            1. Man schaut nicht die ganze Zeit gegen die Sonne.

            2. Der Weg wird meines Erachtens gen Norden immer schöner, sodass man sich langsam aber sicher auf das Highlight hinarbeitet.

            neue gesichtete Vögel

            Wellenastrild, Blauelster, Braunkehlchen, Schwarzkehlchen, Steinwälzer, Seidenreiher, Schwarzstorch, Rothuhn, Kuhreiher, Zwergadler, Theklalerche


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            • Robtrek
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              • 13.05.2014
              • 521

              • Meine Reisen

              #7
              Wow wow, danke für den Bericht, die Fotos haben mich gefreut. Die Küste von Aljezur bis CSV hab ich nach Ende der Schulzeit besucht und siehe da, es sieht alles recht unverändert aus. Soweit auf den Fots erkennbar wurde nichts zugebaut und verschandelt. Schönes Land, schöne Wanderung!

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