[DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

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  • Prachttaucher
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    Liebt das Forum
    • 21.01.2008
    • 11404

    • Meine Reisen

    #41
    AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

    Sehr schöne Landschaft und mit dem Wetter hattest Du ja Glück! Gerade solche Wege am Waldrand mit Aussicht mag ich gerne.

    Asphalt mit Grünstreifen, ohne Autos + netter Landschaft ist für mich völlig in Ordnung. Schade daß es dafür keine entsprechende Klassifizierung bei den OSM-Karten gibt (als Planungshilfe). Gerade hierfür sind Berichte dann sehr hilfreich.

    Im Prinzip bist Du nun parallel zum Wesergebirgsweg auf der anderen Weserseite unterwegs ?

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    • lina
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      • 12.07.2008
      • 37051

      • Meine Reisen

      #42
      AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

      Ja, genau – die Wege sind jeweils auf der anderen Weserseite, man kann sich die sonnigere Seite also aussuchen :-)
      Für mehr Waldrand-Anteil kann man auch schon ein bisschen vorher abzweigen, man sieht dort ein Häuschen zwischen den Bäumen: 51.59958023N / 9.588934947E (ich dachte vor Ort, es sei ein Försterhaus o.ä., tatsächlich ist es aber wohl ein Hotel (Berghaus Oedelsheim))
      Zuletzt geändert von lina; 25.11.2015, 19:52.

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      • lina
        Freak

        Vorstand
        Liebt das Forum
        • 12.07.2008
        • 37051

        • Meine Reisen

        #43
        AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

        Etappenrest 12B: Auf dem Fußweg weiter und auf der Rad-Variante wieder zurück zum Ausgangspunkt: Oberweser Oedelsheim – Kloster Bursfelde

        Pünktlich zum Loslaufen wurde der Regen weniger, und so erklomm ich für den Rest der offiziellen Etappe 12B (= noch ca. 8 km) den nächsten Hügel des am Fluss liegenden Ortes Oberweser Oedelsheim. Die Feldwege quer zum Hang waren grasbewachsen, und den Wegrand säumten diverse knorrige Bäume – ein Weg also ganz so, wie man sich die besser ausgestattete Variante der Verbindungswege zur Zeit der ursprünglichen Wanderung der Mönche so vorstellt. Unten rechts im Tal fließt, träge und quecksilbern schimmernd, die Weser.



        Die wegweisenden Schilder werden nun teilweise ergänzt durch eine Zeichnung eines Ausschnitts der Klosterkirche Lippoldsberg, was eigentlich seltsam ist, da man dafür ja wieder zurück laufen müsste.




        Blick zurück auf den bisherigen Wegverlauf am gegenüberliegenden Waldrand entlang

        Nun also erst einmal hügelaufwärts





        Oben am Waldrand befindet sich eine nicht funkelnagelneue, dafür aber in puncto Lichtspiele liebevoll gestaltete kleine Schutzhütte mit Außenbänken, zwar mit Tonscherben auf dem Innenboden, dafür aber ein wundervoller Ausblick auf einige Weserschleifen



        Auf einem inzwischen befestigteren Waldwirtschaftsweg führt die Strecke nun am Waldrand entlang nach Südosten, komplettiert mit den üblichen Waldrandutensilien wie Hochsitzen, etc.





        Irgendwie faszinierend fand ich diese kleine Bank im Wasser – auch weil ich mir nicht erklären konnte, wofür die eigentlich gebraucht wird?



        Wasser gab es hier im Übrigen reichlich, den Hang herunter plätscherten außergewöhnlich viele kleine Bäche hügelabwärts. Das konnte nicht nur an den Regenfällen der letzten Zeit liegen, da viele der Rinnsale mit Hilfe von Rohren in kleine Becken geleitet werden.

        Inzwischen kam die Nässe allerdings auch wieder von oben – die 30% Regenwahrscheinlichkeit machten Ernst Die Gegend blieb abwechslungsreich, hier ist definitiv nicht Monokultur angesagt



        Auch kündigten sich Waldarbeiten an – und infolgedessen war einiges Klettern und Balancieren nötig. Denn was auf dem rechten Foto so schön glatt und eben aussieht, war knöcheltiefer Matsch, der die Schuhe unbedingt einbehalten wollte. Auch ein seitliches Umgehen war nur für kurze Abschnitte möglich, wonach man dann wieder vor der Suppe stand. Als ich später versuchte, die Schuhe in einem der Rinnsale etwas zu säubern, war der Matsch-Gewichtsverlust jedenfalls deutlich spürbar Der Gedanke, diesen Weg zurück zu laufen, hatte sich hiermit dann auch erübrigt – hier wollte ich keinesfalls bei weniger Licht durch.


        Nicht von der Oberfläche täuschen lassen: Die Suppe ist überwiegend mehr als knöcheltief!

        Es wurde dann zum Glück besser, aber auch hier war ich wieder einmal sehr froh über Wanderschuhe und Kurzgamaschen



        Etwas später sah ich, beim Blick in die Gegenrichtung, dann dieses Schild – das musste jemand hier vergessen haben, denn weit und breit war außer Vogelgezwitscher und Wasserplätschern nichts zu hören, und zu sehen auch nicht, kein Mensch, keine Viecher, nur Wald und Wege.





        Eine Schleife weiter im Tal traf ich auf eine Absperrung des Weges wegen Forstarbeiten, inklusive mehrerer Warnungen vor fallenden Zweigen etc.. Zurück laufen war keine Option, ein paar hundert Meter zurück und sich hangabwärts vortasten auch nicht. Ein Blick auf die Karte zeigte aber einen weiteren Weg jenseits des Thielenbachs, ein kleines Bächlein, das leicht überquerbar war – eine Wegkreuzung später treffen nämlich die beiden Wegvarianten aufeinander: 11a Uslar–Bursfelde und 12B Lippoldsberg–Bursfelde.


        Thielenbach unterquert Wegführung

        Nach dem nächsten Abzweig wurde auch die Wegebeschaffenheit angenehmer, und bald blinzelt auch schon Bursfelde samt Anlage des ehemaligen Benediktinerklosters (gegründet 1093), das malerisch an der Weser liegt, durch die Bäume





        Nun noch ein kurzes Stück am Feld entlang, ein bisschen Zottelschafe gucken und schon ist man am Kloster



        Sonntags fährt hier natürlich kein Bus, weder hin noch weg (an anderen Tagen kann man aber von hier aus Hann. Münden erreichen). Also beschloss ich, den etwas kürzeren Weg an der Weser entlang zurück nach Oedelsheim zu laufen, der zum größten Teil straßenbegleitend verläuft und die Radl-Variante wäre. In den grüneren Jahreszeiten hat man bestimmt auch mehr vom hier ebenfalls verlaufenden Naturerlebnispfad An diesem Tag bzw. Abend entschädigte jedoch eine gelungene Lightshow







        Bis ich in Oedelsheim ankam, war es dann auch stockduster. Aber wieder: Außer ein paar Autofahrern (und zahlreichem Federvieh in der Luft und in Wassernähe) war keiner unterwegs. Das konnte natürlich auch am Fastnachtswochenende liegen


        Prachttaucher Special: Könnte ihm gefallen
        Zuletzt geändert von lina; 30.06.2019, 12:28. Grund: … da fehlte noch ein "e"

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        • Prachttaucher
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          • 21.01.2008
          • 11404

          • Meine Reisen

          #44
          AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

          Danke Dir - schöne Bilder. Sieht abwechslungsreich aus. Wird Zeit daß ich auch mal dort hinkomme.

          Werde mich in Kürze mit einem kleinen Beitrag revanchieren, der Dir auch gefallen könnte.

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          • lina
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            • 12.07.2008
            • 37051

            • Meine Reisen

            #45
            AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda



            Danke!

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            • blauloke

              Lebt im Forum
              • 22.08.2008
              • 6064

              • Meine Reisen

              #46
              AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

              Zitat von lina Beitrag anzeigen

              Irgendwie faszinierend fand ich diese kleine Bank im Wasser – auch weil ich mir nicht erklären konnte, wofür die eigentlich gebraucht wird?

              Hallo Lina
              Immer wieder schön deine Wanderwegerkundungen.

              So kleine Bänke in den Weihern gibt es bei uns auch. Da sitzen öfters mal Enten oder anderes Wassergeflügel drauf, im Prinzip also eine "Badeinsel" für Wasservögel.
              Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

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              • lina
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                • 12.07.2008
                • 37051

                • Meine Reisen

                #47
                AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                Hallo Blauloke, vielen Dank.

                Zusammen mit Wassergeflügel habe ich so etwas schon mal gesehen, aber dann mit Zaun drumherum. So ganz ohne Bewohner noch nicht. Aber stimmt, die können ja noch kommen :-)



                Kloster Bursfelde – Imbsen

                Die Etappe begann mit einem Besuch der Klosterkirche Bursfelde, einer romanischen Basilika mit wunderschönen bemalten Innenräumen. Am Gästehaus entlang (dessen Eingang sich auf der anderen Seite befindet) geht es weiter durch die Klostermauern und ein Stückchen die Straße entlang



                Die Sonne schien, und es fühlte sich schon fast wie Frühling an, auch weil das Gras der Wiesen in schönstem Hellgrün leuchtete



                In den Tagen davor hatte es ausgiebig geregnet, am Morgen sogar geschneit, und der Boden war dementsprechend wassergesättigt. Auf dem Trampelpfad neben einem kleinen Nieme-Zufluss entlang der Straße konnte man zwischen dem Punktemuster großer Graupel oder Regentropfen die Schuhabdrücke eines weiteren Wanderers erkennen, und auch, dass er mehrmals zur Seite weggerutscht war – ein Zeichen, den Fuß lieber an eine andere Stelle zu setzen.

                Nach dem leuchtenden Gelb eines bühenden Zaubernuss-Busches eine Straße davor überraschte jetzt die erste Scharbockskraut-Knospe des Jahres, immerhin lag die Temperatur nur knapp über dem Gefrierpunkt, und später konnte man in den kühleren Tal-Bereichen auch noch Schneereste sehen.



                Gespannt war ich diesmal besonders, weil die weitere Wegführung nun durch’s Tal des Weserzuflusses Nieme gehen sollte, laut Infoschild einem intakten Ökosystem. Auch wurde vor ein paar Jahren der natürliche Mündungsbereich in die Weser wieder hergestellt. Sollte es in der Weser also je wieder Lachswanderungen geben, sei die Nieme mit ihrem beständigen Gefälle für die Bergaufwanderungen der Lachse perfekt vorbereitet



                Zunächst ging es sanft hügelaufwärts, und der anfangs breitere Forstwirtschaftsweg verengte sich zunehmend zu einem schmalen Pfad. Das Wetter war herrlich!



                Die erste Gelegenheit, mich über Trekkingstock und Wanderschuhe zu freuen, kam bald: Die Laubansammlung am Wegrand wies eine überraschend matschige Tiefe auf



                Waren das Pilze an diesem Zweig? Auch lilagrünen Sauerklee hatte ich bisher selten gesehen, und die Härchen auf den Blättern entdeckte ich erst beim näheren Betrachten der Fotos



                Kurze Zeit später quert der Weg dann doch nicht die Straße, und wie auch schon auf der letzten Etappe: Zuflüsse zum nächstgrößeren Bach oder Fluss sowie kleine Wasserfälle gab es überall





                Nach ein wenig vorsichtigem Tasten über eine rutschige, stark herbstlaubbedeckte Steigung hügelabwärts kommt man dann, nach Überqueren der Straße, näher an die Nieme heran



                Mit Erstaunen las ich am folgenden Parkplatz mit Schutzhütte über Bachforellen, Eisvögel, Wasseramseln, Feuersalamander und Schwarzstörche – die soll es hier überall geben. Das Schwarzstörche gerne Forellen fressen, war mir auch neu – so eine ausgewachsene Forelle ist ja eine große Beute für einen Schwarzstorch? Spannende Gegend hier ...





                Erneut die Straße überquert, wieder Hügel rauf, Hügel runter, Hügel rauf …





                ... und öfter auch Umwege suchen, aus dem Schlamm wieder heraus krabbeln – von zügigem Vorwärtskommen konnte jedenfalls überhaupt gar keine Rede sein. Über die Mountainbike-Spuren freute ich mich stellenweise sehr, zeigten sie doch an, wo der feste Boden war und wie tief das Drumherum ...


                Blick zurück

                Doch, ich war noch auf dem richtigen Weg, auch wenn ich beim Überqueren eigentlich harmlos aussehender Bächlein oft ziemlich versumpfte – da nutzte es gar nichts, dass der Weg etwas oberhalb der Nieme-Ebene entlang führte …




                unfreiwilliger Matschtiefe-Test


                Wie man an den Zeichen sieht, kommt der schmale Wanderweg von oben herunter

                Ein bisschen erleichtert war ich dann doch, als der Pfad in einen einigermaßen befestigten Wirtschaftsweg mündete



                Leider war der Campingplatz kurz vor Löwenhagen geschlossen, das wäre eine hübsche Übernachtungsmöglichkeit gewesen. Dafür erfreuten am Ortseingang die ersten Winterlinge






                Mögliche Wegvariante zu den Bührener Kreuzsteinen

                Hinter Löwenhagen tat der Blick über die weiten Felder gut, und eine wunderbare Ruhe breitete sich aus. Manchmal muss man ganz schön weit laufen, bis der Alltagsstress einen loslässt ..



                je weiter ich mich Imbsen näherte, umso mehr Spaziergänger waren mit ihren Hunden unterwegs





                und auch wenn ich diesmal nur recht langsam vorwärts kam, fand ich, dass es eine sehr hübsche Etappe war :-)


                Prachttaucher-Special: Wenn man die manchmal parallel laufende (aber immerhin kaum befahrene) Straße vergessen kann, ist es wirklich sehr schön dort
                Zuletzt geändert von lina; 20.11.2017, 18:47. Grund: Link repariert

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                • Prachttaucher
                  Freak

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                  • 21.01.2008
                  • 11404

                  • Meine Reisen

                  #48
                  AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                  Danke Dir. An die Ecke habe ich schöne Erinnerungen. Bin dort vor langer Zeit mal gepaddelt. Beim Kloster (in Klosternähe ?) gab es ein Cafe mit Tischen draußen, wo man gut anlegen konnte. Würde da gerne mal wieder hin.

                  Die Wege sehen fein aus !

                  OT: Jetzt aber doch nochmal die Schneereste begutachten....

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                  • lina
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                    • 12.07.2008
                    • 37051

                    • Meine Reisen

                    #49
                    AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                    Etappe 14 Dransfeld – Friedland, Teil 1

                    Dransfeld ist, geht man mal von der Definition des Begriffs „klein“ in Kombination mit dem Begriff „Dorf“ aus, ein eigentlich nicht wirklich kleiner Ort. Überraschenderweise finden sich dort Verkehrsverbindungen nach Hann. Münden und Göttingen auch am Wochenende sowie zahlreiche Ladengeschäfte mit allem, was man so an Alltagsdingen brauchen könnte, inklusive dem Eiscafè Venezia/Antoniazzi, das, wie ich an diesem Wandertag erfahren durfte, jeden Umweg rechtfertigt

                    Dazu muss man ergänzen, dass ich mich verlaufen hatte, und so ein Weg-Schlenker entstanden war, der eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre Trotzdem: Die Köstlichkeit des Inhalts des dort erhaltenen, gut gefüllten kleinen Pappbecherchens hatte zur Folge, dass ich auch die nächsten paar Meter durch die Straßen zwischen den dort sehr hessisch anmutenden, d.h. wild verschachtelt gebauten Häusern eigentlich gar nicht so richtig mitbekommen habe – wer braucht schon ein Smartphone, um sich mal eben aus der Umgebung auszuklinken?

                    Praktischerweise – und um jetzt wieder mal festen Boden unter die Füße zu bekommen – ist es dann gar nicht mehr weit zum Campingplatz, der, an der Straße „Am Hohen Hagen“, auf dem nächsten Hügel liegt.



                    Neben dieser möglichen Übernachtungsstätte findet sich ein „Erlebnisbad“, beim Anblick dessen Werbeplakatierung und der dort versprochenen „Sommer-Momente“ sich die vorbeilaufende Wandererin dabei erwischte, zu hoffen, dass der kommende Sommer sich nicht nur in Momenten zeigen würde während sich die Füße derweilen über einen straßenbegleitenden Trampelpfad durch das Grün freuten. Und Gelb. Und Blau. Und Pink. Und Weiß. Und so weiter! Toll!



                    Die folgende Schotterstrecke zwischen abgesägten Alleebäumen (Robinien?) mitsamt erfreulicher Bärlauchvorkommen an den Wegrändern war schnell überwunden, im Wald wurde der Weg angenehmer.









                    Immernoch gab es viel Wasser hier, hin und wieder führten die Rinnsale zu Auffangbehältern, die auf den ausgedehnten Wiesen und Weiden als Viehtränke dienten. Bisher waren aber noch keine Weidetiere zu erspähen. Ein Specht hämmerte irgendwo zwischen den Baumwipfeln auf dem Weg zum Gaußturm, ansonsten war, außer gelegentlichem Zwitschern und Rascheln, nichts zu hören.











                    Oben angelangt gibt es auf der Beschilderung des dortigen Geologie-und Bergbaupfads einiges zu lesen (jaja, auch schon der Goethe ...). Und für Leute, die sich nicht vorher informiert haben auch einiges Überraschende zu gucken – wer hätte vermutet, dass der zunächst sanft hügelabwärts schwingende Weg am Rand eines Basalt-Abbaugebietes entlang führt, durch das man anschließend auch noch laufen kann?











                    Nachdem man auf angenehmen Wiesenpfaden wieder die Ebene des nach dem Mathematiker Carl Friedrich Gauß benannten Aussichts- und Sendeturms erklommen hat (vorbei an dessen vorherigem Standort), geht es wieder ein paar Höhenmeter runter, und nach einem kurzen Stück Straße biegt der Weg wieder in den Wald ab.



                    Die nun folgende Beschilderung, dass es sich hier um einen Pilger- und Wanderweg handelt, wunderte etwas, aber die Überraschung gelang: Hinter dem lauschigen Durchgang hat man einen großartigen, weiten Blick auf die Landschaft.





                    Im Buch, das in der kleinen Pilgerkapelle liegt, las ich erstaunt, dass doch schon einige Wanderer schon ganz früh im Jahr auf dem Pilgerweg unterwegs waren.



                    Nach ein paar Metern am Waldrand entlang geht es eine lange Strecke zwischen sattgrün sprießenden Getreidefeldern talwärts. Wilden Schnittlauch gibt’s da auch



                    Doch noch ein kleiner (Rück-)Blick auf den Gaußturm



                    auf Spaziergänger, Hunde, Traktoren,



                    geflecktes Lungenkraut und andere Kräuter,





                    und schließlich erreicht man, nach ein paar hundert Meter zwischen Bauernhöfen, Kirche und Schloss des Örtchens Jühnde. Das war eine wirklich hübsche Teil-Etappe. Deswegen:

                    Prachttaucher-Special: Passt
                    Zuletzt geändert von lina; 19.04.2016, 18:49.

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                    • blauloke

                      Lebt im Forum
                      • 22.08.2008
                      • 6064

                      • Meine Reisen

                      #50
                      AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                      Zitat von lina Beitrag anzeigen
                      Etappe 14 Dransfeld – Friedland, Teil 1


                      geflecktes Lungenkraut und andere Kräuter,

                      Hallo Lina, immer schön wenn du deine Wanderungen fort setzt und uns deinen Blick für die kleinen Schönheiten am Weg zeigst.
                      Heute hast du mir mit dem Bild von dem Lungenkraut geholfen. Meine Tochter und ich haben heute nachmittags im Wald diese gefleckten Blätter gesehen und seit dem gerätselt was das für eine Pflanze ist.

                      Gruß blauloke,
                      wir sehen uns nächste Woche auf dem ODS-Treffen.
                      Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

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                      • TanteElfriede
                        Moderator
                        Alter Hase
                        • 15.11.2010
                        • 4901

                        • Meine Reisen

                        #51
                        AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                        merci!

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                        • lina
                          Freak

                          Vorstand
                          Liebt das Forum
                          • 12.07.2008
                          • 37051

                          • Meine Reisen

                          #52
                          AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                          Etappe 14b: Dransfeld – Friedland, Teil 2 ab Jühnde

                          „Guten Tag!“ schallte es mit kräftiger Stimme über den Gartenzaun, als ich am späten Sonntag Vormittag im Bioenergiedorf Jühnde zum nächsten Abschnitt des Pilgerwegs startete. Nur wenige Minuten später joggte der naturfarben gekleidete Grüßende, mit hörbar schweren Stiefeln an den Füßen zusammen mit zwei bullig aussehenden Hunden an mir vorbei, auf den nahen Feldweg zu, wo er die beiden von der Leine befreite.

                          Das Dorf mit den vielen alten Bauernhöfen war auch meinerseits schnell durchquert, das Wetter sah eigentlich ganz ok aus, und für später war sogar etwas Sonne angekündigt, wonach es aber noch nicht wirklich aussah. Naja, mal sehen :-)



                          Das Herbstlaub leuchtete schon mal wunderbar, als, nach ein paar hundert Meter zwischen Feldern und Wiesen, waldigere Gegenden begannen. Hier verloren sich auch die Spuren der jeweiligen Spaziergänger, was mir nicht ganz unrecht war, denn einer der Hunde war öfter stehengeblieben, um mal zu begucken, was ich da denn so machte in seinem Auslaufbezirk. Auch das Rufen seines außerordentlich gut zu ihm passenden Namens hatte nur eine zögerliche Reaktion zur Folge.



                          Bahngeleise wurden unterquert, und wie man später sah, war das eine richtig gut ausgebaute ICE-Strecke, woran der Weg erst einmal treppauf entlang führte. Erstaunlicherweise fanden sich dort ziemlich viele Pilze, und auch auf der anderen Seite des bahnstreckenbedingten Landschaftseinschnitts waren Spaziergänger unterwegs.





                          Ein sorgfältig frei gemähter, kurzer Weg führte durch den dortigen (ausgeschilderten) Naturpark.







                          Auf den später folgenden, abwechslungsreichen Waldwegen blinzelte inzwischen auch mal die Sonne zwischen den Bäumen durch



                          Der Weg war sowieso spannend, denn immer, wenn man dachte, es ginge geradeaus weiter, folgte der nächste Abzweig. Zwischen den Bäumen standen, verlassen, Hütten und Baumaschinen



                          begleitet von diversen Markierungen



                          Bezüglich Pilze tat sich mittlerweilen jedoch nicht mehr viel, eigentlich waren fast ausschließlich langstielige Knoblauchschwindlinge zu sehen



                          Bald wurde es aber wieder heller





                          und an einer Reihe Bienenstöcke mit wohl wegen der Kälte eher taumelnden Bewohnern vorbei ging es erst einmal in Richtung Tal, wonach sich der Weg, nach einem kurzen Stück an einer wenig befahrenen Straße entlang, in einer S-förmigen Linie den nächsten Abhang hinauf schlängelt.

                          Die stacheligen, manchmal baumhohen Gestrüppe am linken Wegrand sahen sehr nach Wacholder aus, ich konnte jedoch keine Beeren entdecken.




                          Trampelpfad-Zubringer zum nächsten Wirtschaftsweg

                          Inzwischen stark zunehmende Fahrgeräusche deuten auf die beiden nahen Autobahnen hin, aber trotz schönem, weitem Ausblick war ich doch froh, als sich der Geräuschpegel wieder beruhigte,




                          In der Nähe des Autobahn-Abzweigs Halle

                          und mit reichlich gesammeltem Matsch an den Schuhen aus einer ziemlich glitschigen Baustellenstrecke erreichte ich schließlich die Klosteranlage des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters Mariengarten



                          Hier gibt es eine Furt für Autos und eine kleine Brücke für Fußgänger, all das ist aber Privatgelände (und wird im Pilgerführer auch nicht als Anlaufstelle genannt)



                          Die Sitzbank am Rand des Geländes nutzte ich für eine kurze Pause, und bei der folgenden, etwas weiter hügelaufwärts stehenden Bank war die nächste – diesmal zu unterquerende – Autobahn schon zu hören. Immerhin schien sie mir nicht so laut zu tönen wie die vorherige





                          Vor Friedland kommt noch Klein Schneen, hier bin ich auch schon mal per Leine-Heide-Radweg durchgekommen. Das Dorf sieht lauschig aus, allerdings hielten mich zwei sich gestört fühlende größere, lautstark kläffende Hunde davon ab, die dortige Kirche zu besuchen. Wie ich erst später sah, war das auch deswegen schade, weil der naturnähere Weg nach Friedland dort abzweigt. Aber weil ich (wahrscheinlich) den Schildern der Radel-Variante folge, passierte ich statt dessen einen Bauernhof, wo Grill-Proviant und bunte Eier angeboten wurden, und taperte dann auf dem straßenbegleitenden Radweg die letzten 2,5 km nach Friedland.



                          Durch Bauarbeiten war der Bahnverkehr dort zwar etwas eingeschränkt, aber nach diversen netten Gesprächen mit weiteren Passanten und einem Besuch des Museums im sehr angenehm und geschmackvoll renovierten, historischen Bahnhofsgebäude fuhr doch noch ein Zug nach Göttingen, von wo aus ich per Anruf-Sammeltaxi* wieder zurück nach Jühnde gelangte. Zeitsparend war das alles nicht wirklich, und inzwischen war es auch beträchtlich kälter und regnerischer geworden. So war ich sehr, sehr froh um den übrigen Tee aus meiner Thermoskanne.

                          Prachttaucher-Special: ok



                          * Anruf-Sammeltaxi eine Dreiviertelstunde vor der vermerkten Abfahrtszeit anfordern und warten – die Telefonnummer bekommt man entweder im DB-Reisezentrum oder man erliest sie sich aus den Fahrzeiten-Anzeigetafeln der Linie A120.

                          Wenn ich deren Preisgestaltungspolitik richtig verstanden habe, ist es besser, gleich im Reisezentrum eine Fahrkarte zu kaufen (und nicht erst im Sammeltaxi); dort am besten auch gleich fragen, wie die (unauffälligen) Autos aussehen und wo sie abfahren (das kann entlang des gesamten Bussteigs sein, nicht nur an der genannten Nummernsäule). Als Ortsunkundige fand ich das alles ziemlich kompliziert (und wegen der vielen Herumrennerei von der einen Infostelle zur anderen mit wenig Zeit eigentlich nicht machbar).
                          Zuletzt geändert von lina; 27.01.2017, 13:35.

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                            • 12.07.2008
                            • 37051

                            • Meine Reisen

                            #53
                            AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                            Etappe 15: Friedland–Bad Heiligenstadt, Teil 1 bis Burgwalde

                            Wetter tagsüber schön, wenn auch abends klapperkalt (so ca. 2°C), aber bis abends war noch viel Zeit – kurz entschlossen schnappte ich meinen Rucksack, versenkte darin die Daunenweste und eine Thermoskanne mit heißem Tee und beschloss, die nächsten 20 km PWLV müssten jetzt sein, schließlich ist ungefähr im Mai das Grün am grünsten Also kurz noch die Kartenansicht aus dem Pilgerwegnavigator-Download ausgedruckt (der gps-Track dazu war schon lange auf dem Gerät gespeichert) und raus!

                            Bald war Friedland erreicht, und ich taperte die ersten Meter entlang der Schlossmauer



                            überquerte einen winzigen Bahnübergang und genoss die Aussicht auf zahlreiche grüne Hügel :-) Die Erwartungen sollten nicht enttäuscht werden.

                            Ich passierte die kleine Kirche am Wehr, neben der Tür steht eine Steinskulptur und die Spitze auf dem Turm weist als Entstehungsjahr 1782 auf.



                            Einen Namen konnte ich nicht finden, die Kirche wird einfach als "evangelische Kirche" bezeichnet. Leider war sie geschlossen, aber für Pilger gibt es eine Kiste mit Pilgerstempel und Stempelkissen im glasüberdachten Eingangsbereich. Die landschaftliche Lage ist sehr hübsch, hinter dem Gebäude liegt eine Streuobstwiese, Wäsche flatterte im Wind, der Schuppen dahinter war bunt und Bienenstöcke gab es auch. Dahinter fließt die Leine quer, und auf dem Sportplatz hinter dem Wasser wurden die Fußballfeld-Linien offensichtlich gerade frisch nachgezogen – sogar einen Punkt für die korrekte Eckballposition war zu erspähen.

                            So, jetzt keine Häuser mehr, es geht hügelaufwärts. Die ersten Hundespaziergänger drehten um vor der Straße, die man vor dem Wald noch überqueren muss, und ich freute mich über ein gefundenes Haargummiband, da ich – wie fast immer – vergessen hatte, eins einzustecken.




                            Pilgerweg-Markierungssteine waren bisher auch selten – aber hier steht sogar einer mit einer Jakobsmuschel auf der Oberseite

                            Am Wegrand war ca. jeder zweite Baum ein Kirschbaum – ich war eindeutig zur falschen Jahreszeit hier



                            Auch sonst war die Botanik sehr abwechslungsreich. Was ist das denn für ein Busch? Eine Lärche war es nicht. Wacholder?



                            Immerhin konnte ich entgegenkommenden Wanderern bzgl. der Identifikation von Waldmeister weiterhelfen, der ja erst seinen typischen Duft entfaltet, wenn er ein Weilchen vor sich hin welkt. Ich konnte ihnen also Waldmeisterduft ungefähr bei Erreichen der Talsohle versprechen



                            Hmmmm, Frühlingswald :-)





                            Dazu gibt es viele Bänke mit Ausblicken, und Ausblicke ohne Bänke







                            und die Beschilderung ist grandios – mit Dachkonstruktion!




                            Diesen Hügel da drüben geht’s wieder rauf

                            Zwischen Weg und Feldern standen, später zwischen alten Apfelbäumen, Massen von Brennesseln wie aus dem Bilderbuch, die man aber wegen der wahrscheinlich gedüngten angrenzenden Getreidefelder nicht sammeln sollte,



                            und kurz darauf hörte ich auf der linke Wegseite ein deutliches Plätschern, das auf eine Quelle hinwies. Aber auch hier würde ich wegen der darüber liegenden ausgedehnten Felder vom Probieren des Wassers absehen



                            Die Autobahn war nah, doch sie ließ sich ganz gut ausblenden.



                            Reiffenhausen, ein Ort mit zahlreichen sehr alten Häusern, Höfen, Haus- und Hofhunden, wird durchquert. Hier hatte ich mal anlässlich des Leine-Heide-Radwegs den Campingplatz genutzt, der liegt jedoch an einem anderen Dorfende. Die örtliche Kirche (aus 1796) war geöffnet, innen rumpelte es hin und wieder, was sich anhörte, als wäre noch jemand anderes in den Räumen, aber ich sah niemanden.



                            Auf grasbewachsenen, erstaunlich breiten Wegen ging es weiter, zwischen Grundstücken mit großen, perfekt gemähten Rasenflächen, zügig hügelaufwärts. Hier wuchs wilder Schnittlauch, der angenehm scharf-zwiebelig schmeckte, was zu einer Markierung im Navi führte und zum Gedanken, das Proviantpaket auszupacken. Da ich bisher aber sehr am Trödeln war, verwarf ich die Idee wieder.





                            Oben auf dem Hügel gibt es einen wunderschönen Aussichtspunkt mit Bank und Infotafel



                            und durch eine Bioenergie-Pappelplantage geht es jetzt auf den ehemaligen Grenzstreifen zu


                            Blick zurück auf die Schutzhütte an der ehemaligen innerdeutschen Grenze

                            Die Beschilderung wechselte, und der folgende Wald war richtig dicht und dunkel – ich konnte mich auch nicht erinnern, schon einmal durch einen derart dunklen Wald gelaufen zu sein. Der helle Schotterbelag wirkte richtig aufmunternd ...



                            In Rustenfelde (ich war jetzt im thüringischen Eichsfeld angelangt) lag ein ungewohnter Duft in der Luft, in Richtung Holzfeuer, aber weniger nach Grillfeuerchen; von Holzheizungen vielleicht. Zügig war das Dorf durchquert, obwohl ich mich erst einmal verlaufen hatte. Die örtlichen Kirchen waren nun katholisch (hier Peter und Paul):



                            Ich passierte die riesige örtliche Sportanlage in der Abensonne und beschloss, einfach weiter zu laufen, solange die Sonne noch nicht untergegangen war. Mal wieder ging es hügelaufwärts, und der Schotter sorgte nun, in Verbindung mit – zum Glück selten – vorbei fahrenden Autos für riesige Staubwolken, die sich weiträumig verteilten und Husten verursachten. Die Umgebung war noch immer wunderschön







                            Ein Autobahnzubringer wird überquert, und nach einem kurzen Stück Straße folgten wieder ausgedehnte Felder



                            Der überraschende Wegschlenker führte an der Bonifatiuskapelle am Brink vorbei



                            wonach man, steil hügelabwärts und aufmerksam beäugt von einer kleinen Ziegenherde, auf einen oberhalb einer Straße den Hügel entlang führenden Grasweg abbiegt, an deren Rand die Stationen Christi aufgebaut sind.

                            Eine der vielen Bänke am Wegrand bot sich an, um bei einem Becher Tee die Lage zu sondieren, da die Sonne inzwischen untergegangen war. Eigentlich dachte ich, es wären nur noch ca. 4 km bis Bad Heiligenstadt, da ich schon über 16 km gelaufen war, aber auf der Karte sah es aus, als kämen noch mindestens 8.

                            Egal – auf dem hellen Feldweg geht es nächstes Mal weiter :-)





                            **

                            Prachttaucher-Special: Sehr empfehlenswert
                            Zuletzt geändert von lina; 16.06.2017, 07:31.

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                              • 37051

                              • Meine Reisen

                              #54
                              AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                              Etappe 15: Friedland–Bad Heiligenstadt, Teil 2

                              Der Mai musste genutzt werden, außerdem war ich neugierig auf mehr Wandern im Osten, da ich dort bisher nur per Radl unterwegs war. Da zeitlich nur ein Sonntag möglich war und man an Sonntagen per Öffis nicht nach Burgwalde kommt, startete ich in Steinheuterode: Von der Bahnhaltestelle Uder – mit einer nach wie vor sehr empfehlenswerten „historischen“ Eisdiele in nächster Nähe – sind es nach Steinheuterode gerade mal 1,5 km an einem kaum befahrenen Sträßchen entlang



                              Das muss nicht ohne Interessantes sein – am straßenbegleitenden Rinnsal entdeckte ich Waschbär(?)spuren im Sand



                              In Steinheuterode ist man noch immer ca. 2 km entfernt vom Abzweig vor Burgwalde. Also schlenderte ich erst einmal über den nächsten Hügel in die Gegenrichtung. Dabei begegneten mir ein paar Spaziergänger, von denen einer, der in einiger Entfernung mit einem etwas größeren Rucksack unterwegs war, auch ein Pilger hätte sein können.

                              Angelangt an der Anschlussstelle – die Baumreihe auf dem Hügel gegenüber kennzeichnet den Verlauf des Stationenwegs:



                              Also nun wieder umdrehen An der angrenzenden Wiese sah man in der Ferne eine kleine Rinderherde – konnten das einige der „wilden Bullen“ sein, vor denen per Schild schon am Stationenweg gewarnt wurde?



                              Weiter geht’s hügelaufwärts an himbeersträuchergesäumten Waldrändern entlang





                              – und nicht nur in Südfrankreich klettern Schnecken offensichtlich gerne an Pflanzenstielen hoch



                              Einer der Jungbullen, der vorher schon eher den Eindruck eines jungen Hundes machte, der einem flüchtenden Maulwurf hinterherbuddelt, wetzte inzwischen seine Hörner an einer Erdkante …



                              Hübsch schlängelte sich der Weg durch das Tal, kleine und größere Kirschbäume sorgten für gelegentlichen Blütenregen.




                              Blick zurück

                              Wetterbetreffend wurde es langsam T-shirt-kompatibler :-) Der Weg führt vorbei an diversen wenig bis alternativ genutzt aussehenden landwirtschaftlichen Großanlagen, sogar ein älteres, blitzeblank geputztes Feuerwehrfahrzeug konnte gesichtet werden. Und schon war ich wieder zurück in Steinheuterode



                              Zu meiner Überraschung war die schmucke kleine katholische Kirche St. Alban im Ort (der zum ersten Mal 1227 urkundlich erwähnt wurde) tatsächlich geöffnet.

                              Weiter geht’s hügelaufwärts, wo man sich am Ortsrand per Beschilderung über die Wege im folgenden Gelände sowie den Standort einer hiesigen Schutzhütte informieren kann.



                              Inzwischen überwog die Farbe Gelb :-)



                              und nachdem der Beweis erbracht war, dass selbst Weinbergschnecken an Pflanzenstielen emporklettern können, bog der Weg zu meiner großen Freude auf einen Waldpfad ab









                              In Rengelrode war die Kirche samt deren Zugänge festlich dekoriert, und zahlreiche ebenso festlich geschmückte Besucher tummelten sich in der Umgebung. Irgendwie sah das alles nach einer Familienfeier aus, weswegen ich auf die Besichtigung der Kirche verzichtete



                              und den Ort zügig querte


                              Blick zurück, zwischen Apfel-, Birnen- und Kirschbäumen



                              Die nahe liegende Autobahn war inzwischen wieder hörbarer, wenn auch nicht zu sehen





                              aber dann übertönte ein deutliches Summen die Geräusche. Und tatsächlich: eine Reihe Bienenstöcke in der Nähe






                              Gewimpertes Kreuzlabkraut (Dank @Highfish :-))

                              Nach der nächsten Hügelkuppe



                              lag dann schon Bad Heiligenstadt.

                              Der hinter der Kurve sich bietende Anblick ausgiebigen Betonbrückenbaus in Industrie-Umgebung war nach der ganzen Natur-Lauschigkeit bisher zwar etwas gewöhnungsbedürftig,



                              dafür wurde aber der Beschluss, das gepflückte vierblättrige Kleeblatt an die nächsten freundlichen Menschen zu verschenken, erfolgreich umgesetzt: Ein Paar Pilger in spe mit Hund erkundigten sich aus einem Auto heraus über ihre zeitnah geplante Zufußpilgerstrecke. Dazu kann man nur sagen: Sehr zu empfehlen und viel, viel schöner als per Auto :-)


                              **

                              Prachttaucher-Special: Könnte ihm gefallen :-)
                              Zuletzt geändert von lina; 01.10.2018, 12:47.

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                              • lina
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                                #55
                                AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                                Etappe 16 B: Bad Heiligenstadt–Johanniter-Gut Beinrode

                                Eigentlich war bestes Radelwetter, aber schon länger kribbelte es auch in den Füßen, also packte ich den Wanderrucksack und startete zu einer weiteren Etappe auf dem PWLV. In der zunehmenden Blütendichte am Rand des hügeligen Bad Heiligenstadt erspähte ich gleich mal zwei Taubenschwänzchen – sozusagen die Kolibris unter den Schmetterlingen – das fing ja schon mal hübsch an :-)



                                Gesäumt unter anderen von Zwetschgensträuchern ging der Weg hübsch den Hügel weiter nach oben. Auf dem Boden lagen jede Menge saftige Früchte, die sich teilweise fast schon in Kleinportionen Zwetschgenmus mit Schale drumherum verwandelt hatten, ganz warm von der Sonne und sogar ohne Krabbel-Bewohner.





                                Da ich spontan losgezogen war, stand ich etwas ratlos vor dem Wegweiserbaum nach den letzten Häusern vor der Botanik, ich hatte mir nur gemerkt, dass ich die Waldvariante 16B laufen wollte – und "B" kam gar nicht vor. Sicherheitshalber also mal ein Foto machen, was sich auch als hilfreich erwiesen hat, denn die Beschilderung wurde noch verwirrender Also: Pilgerpfad Gut Beinrode = grünes Kreuz, anfangs oft ein blaues (Etappe A (= blaues Kreuz) ist zu Beginn gleichlaufend (ca. 6 km ab Waldrand), die Benennung "B" kommt auch später nie vor, dafür gibt es A oft in Form auffälliger, weiß gestrichener Wegsteine. Auch Kombinationen mit einem gelben Streifen treten auf, gefolgt von einem roten Streifen. Am besten merkt man sich "Burg Scharfenstein" als erstes Etappenziel (davor evtl. noch die Kapelle Steinhagen) und "Gut Beinrode" als zweites). Zusätzlich gibt es noch ein Jakobsweg-Zeichen, welches eigentlich der verlässlichste Wegweiser ist, hier aufgeführt wahrscheinlich, aber nicht sicher, mit gelbem Streifen und dem Namen "Pilgerpfad". Uff ...



                                Bedeutet dieses weiße Dreieckchen jetzt, dass ich doch lieber den linken unteren Weg hätte nehmen sollen? Auflösung: Nein. Aber egal, irgendwo würde ich schon rauskommen und nach Leinefelde finden.



                                Es war sonnig und warm, aber eher trocken – also kein Pilzwetter – aber am Wegrand leuchteten wenigstens einige mattblaue Pf-F’sche Blombeeren (AKA Kratzbeeren)






                                Rastplatz mit Bänken namens "Brockenblick" (der Brocken ist knapp 50 km weit weg)

                                An der nächsten Wegkreuzung …



                                … folgte der nächste rätselaufgebende Schilderbaum. "Dün" heißt der gesamte bewaldete Höhenzug. Etappe 16B wird hier "Nebenstrecke Kapelle Steinhagen" genannt, obwohl im Pilgerweg-Navigator die Etappe als alternative "Hauptstrecke" aufgeführt ist, "Nebenstrecken" werden separat aufgelistet. Sich außerdem erst einmal nicht verwirren lassen von "Gut Beinrode" ist hier ebenfalls empfehlenswert … "Burg Scharfenstein auf dem Pilgerpfad" klang auch ok.



                                … und der gelbe Streifen ist auch schon mal gut


                                einer der 5 Einzelpilze der Etappe

                                Schöne Pfade gibt es drumherum zu Hauf, man könnte also noch einige landschaftlich reizvolle Umwege einbauen. Den Wirtschaftsweg begleitet hier ein Baumlehrpfad mit Exemplaren der "Bäume des Jahres" bis 2015, z.B. eine Wildbirne,



                                und der unbekannte Strauch auf einer früheren Etappe war offensichtlich tatsächlich ein Wacholder.



                                Hier sieht man einen der markanten weißen Wegsteine, Variante A biegt hier also ab. Die stabil gebaute Schutzhütte mit Balkon ein paar Meter weiter war verschlossen, ein weiteres Gebäude und ein Bauwagen ließ eine Basisstation für Waldarbeiter vermuten.








                                Keine Stockschwämmchen





                                Nach einem Stück entlang der wenig befahrenen K229 wurde es etwas buchen-duster (Wegweiser: jetzt roter Streifen), und so freute ich mich auf das kommende Wegstück am Waldrand entlang. Seltsamerweise waren hier keinerlei Geräusche zu hören, keine Piepmätze zwitscherten zwischen den Zweigen. Auch die entgegenkommende Wanderin war auf leisen Sohlen unterwegs und sorgte so für eine Überraschung.





                                Ab hier schien es jedoch eine beliebte Spazierstrecke zu sein, möglicherweise lag das an der Nähe zur Burg Scharfenstein, die als Ausgangspunkt dienen kann: Dort gibt es Parkplätze. Aus Richtung der Kapelle Steinhagen, die den 14 Nothelfern gewidmet ist, duftete es nach Kaffee – Gäste schraubten für ihre Pause gerade die mitgebrachte Thermoskanne auf. Südlich der Bergkuppe des Heiligenbergs, also dort, wo die Kapelle steht, hatte im Mittelalter eine Siedlung bzw. Hof-Anlage namens Sachsenhagen gelegen, welche inzwischen eine Wüstung ist (welche auf der OSM-Karte als "Wüstung Steinhagen" bezeichnet wird).



                                Es war auch wirklich sehr schön hier, und ich war aufgrund der warmen Außentemperaturen durstig, also packte ich ebenfalls meine Thermoskanne aus, setzte mich auf eine der schattigen Bänke und plünderte mein Proviantpäckchen :-)





                                Die folgenden Büsche am Wegrand hingen voller kleiner Schlehen und Hagebutten, sie säumten ein angelegtes Biotop mit bunten Wiesenblumen, ein Schild mahnte zur Ruhe, denn alle Viecher der Gegend wären da drin Ok, ein paar mehr Naturgeräusche waren tatsächlich auch jetzt zu erlauschen, aber aus dem Stapfen aus dem Unterholz ein paar Meter weiter materialisierte sich kurz darauf ein Wanderer, dessen Anblick zur Selbstbeschreibung von Igelstroem passte. Allerdings sprach der sehr kleine Rucksack dagegen, aber wer weiß?




                                Baumpilze, mal in luftigerer Höhe angesiedelt





                                Sattschwarz lag die wenig befahrene Straße an der Burg Scharfenstein in der Abendsonne. Auf der Burg, die eine bewegte Geschichte hat (gebrandschatzt 1525 und danach wieder aufgebaut, außerdem heißt es im Info-Artikel des Pilgernavigators: "Ein aus dem nahe gelegenen Kloster Reifenstein (Etappe 17b) geflohener Mönch predigte auf der Burg Scharfenstein zu Martin Luthers Zeiten die Reformation.") hielt ich mich nur kurz auf, denn Frittierfett war deutlich im kleinen Restauranttrakt im Eingangsbereich zu riechen, und das schreckt mich zuverlässig ab. Der Kuchen dagegen sah gut aus. Also machte ich nur einen kleinen Abstecher auf die Aussichtsterrasse und drehte wieder um, um weiter zu suchen: Wo konnte jetzt die Fortsetzung des Weges sein? Die Auflösung folgte per Beschilderung am Stamm einer riesigen Buche unterhalb der Burg: Es geht einen gemähten Pfad entlang:



                                Links, gleich bei den ersten Waldbäumen, hing ein Abzweig mit der Aufschrift „Beinrode“, aber das konnte eigentlich nicht sein, ich suchte ja das „Gut Beinrode“, außerdem sollte noch etwas mehr Wald folgen. Also einigermaßen geradeaus weiter durch’s Gras, auch wenn der Pfad jetzt kaum erkennbar war, kurz darauf wurde es schon wieder ein Waldweg,



                                der sich in eine langgezogene, breite Schneise verwandelte, mit Hochsitz ungefähr in der Mitte.



                                Auch wenn der Pfad angenehm zu gehen war, freute ich mich, als es wieder heller wurde und der Waldrand auftauchte, wonach ich auf einen schmalen Pfad abbiegen konnte, der längere Zeit an den abgeernteten Feldern entlang führte.





                                Kartoffeln hier zu pflanzen stelle ich mir schwierig vor, da die Erde durchsetzt war mit Unmengen von Steinen.



                                Zum Aussichtspunkt "Beinröder Aussicht" bin ich dann nicht abgebogen, es war mal wieder spät geworden, und ich wollte möglichst nicht im Dunkeln am Ziel ankommen. Am luftigen Unterstand an der Grenze zwischen Wald und Felder, der allenfalls als Sonnen-Schutzhütte nützt, stand eine Grilltonne mit sogar frischen Holzvorräten darin.



                                Kurze Zeit später, wieder im Wald, tauchte eine weitere kleine Kapelle auf, mit zahlreichen Bänken davor – das Ziel eines Stationenwegs, der relativ steil bergaufwärts führt. Im Gegensatz zur Kapelle der 14 Nothelfer war die Tür leider verschlossen.





                                Also nun bergab nach Kallmerode, jedoch nicht direkt in den Ort, sondern am Waldrand entlang vorbei.



                                Die Kreuzung am Abzweig sowie die Straße, auf die der Abzweig trifft (= B247) gaben erst einmal wieder Rätsel auf – richtig ist, erst runter zur Straße laufen, und dort nicht geradeaus weiter, sondern am Straßenrand entlang, es sei denn, man möchte den Sportplatz besuchen.


                                One way, nur in Gegenrichtung? Beide Beschilderungen sind hier nicht wegweisend

                                Zum Glück war das Wegstück an der Straße nicht lang, da hier viele Autos unterwegs waren. Erleichtert bog ich bei der nächsten Gelegenheit am Waldrand wieder in Richtung Weiden ab. Auf einem Plattenweg an einem weitläufigen Gelände entlang, das sich als zu "Armins Bauernhof" gehörend entpuppte, ging es weiter – die Weg-Bestätigung folgt an einer Bauernhof-Ecke.



                                Am Zaun des bunt zusammengewürfelte Gebäudekomplexes bellte der schwarzweiße Hofhund eher pflichtbewusst als aggressiv, und ein bis in alle Bodenlücken reichender, stabiler Zaun bot ihm auch nicht die kleinste Lücke zum Ausbüxen, was schon wieder übertrieben wirkte. Vom Gut Beinrode zeigte sich nach einer Schafwiese eine hohe Gutsmauer, von dahinter hörte man tobende Kinder (hier ist auch ein Schullandheim, es gibt Ferienwohnungen und eine Pilgerstation). Das Johanniter-Gut machte einen sehr einladenden Eindruck, man könnte dort auch übernachten – nicht nur als Pilger.







                                Und nächstes Mal geht’s dann hier weiter – auch wenn man Kallmerode zunächst umgangen hat, wird es nochmal nördlich, hinter den Hügeln, auf dem Weg nach Silberhausen umkreist, wo dann die Etappe 16B wieder mit der Etappe 16A zusammentrifft.



                                Insgesamt war das eine hübsche Etappe, wenn auch der wegfindende Aspekt des Pilgers als Suchender etwas überstrapaziert wird

                                PS: Mit kirchlichen Übernachtungsmöglichkeiten sieht es für die weiteren Etappen ziemlich mau aus – so jedenfalls nach den Angaben des Pilgernavigators. Allerdings sind im Pilgerweg-Übernachtungsbegleitheft der ev.-lutherischen Landeskirche Hannover noch ein paar Optionen gelistet (Download hier).


                                **

                                Prachttaucher-Special: Schaut aus als könnte das passen :-)
                                Zuletzt geändert von lina; 18.01.2020, 12:44.

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                                • lina
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                                  • 12.07.2008
                                  • 37051

                                  • Meine Reisen

                                  #56
                                  AW: [DE]Wanderweg-Erkundungen um den Pilgerweg Loccum – Volkenroda

                                  Intermezzo – denn es fehlte bis jetzt, relativ am Anfang (zwischen den Abschnitten #3 und #4), noch ein Wegstück:

                                  Etappe 2: Stadthagen – Rehren
                                  (ca. 19 km)

                                  Auch die Strecke am Straßenrand entlang hat mal ein Ende, und bevor man Stadthagen erreicht, darf man dann doch noch auf Wirtschaftswegen zwischen ausgedehnten Feldern und Wiesen laufen.


                                  Zum Höhenzug am Horizont möchte man als nächstes hin

                                  Hin und wieder stehen sogar Bänke am Wegesrand, und es begegnen einem Spaziergänger, die u.a. mit Hunden aus dem nahen Tierheim unterwegs sind – es war diesmal überhaupt eine ziemlich hundereiche Etappe :-)




                                  Es kann sehr bunt sein, was man auf niedersächsischen Wegen findet, hier aber eher nicht: Beispiel diverser Muster keramische Reste als Wegbefestigung, hier aus dem Bereich Bodenfliesen


                                  Blick zurück


                                  Kurve kurz vor dem Tierheim

                                  In Stadthagen angekommen kann man die Ladenstraße der Innenstadt komplett umgehen und dem Weg am Stadtwall folgen.



                                  Was aber eigentlich schade wäre, denn ein kleiner Ausflug in das Gelände innerhalb dessen offenbarte das dortige Angebot als erfreulich und abwechslungsreich, nahezu ohne die erwarteten Billiglädenketten. Ich bekam köstlichen Kuchen zum Mitnehmen im Nostalgiecafé, im Bioladen etwas später hätte ich, neben dem sonstigen Angebot, auch neue Wandersocken erwerben können, es gab einen Laden mit Frischfisch und diverse weitere Lebensmittelläden für die Proviantergänzung. Abgerundet wurde alles durch historische Gebäude, u.a. das fürstliche Mausoleum, eine ehemalige Lateinschule, Schloss Stadthagen samt Schlosspark, Kurgelände, Gesundbrunnen am Mühlenbach und Vieles mehr.


                                  Weg am Stadtwall und Mausoleum


                                  Weg an der Schlossmauer

                                  Das folgende kurze Stück an der Straße entlang führt am ehemaligen Schaumburger Brauereigelände vorbei, und dann gleich kann man, nach einem in wenigen Minuten durchquerten Wohngebiet sowie nach Unterqueren der B65, in wieder mehr Natur eintauchen – um, in meinem Fall, die volle Kraft der kalten Windstärke von – laut App – ca. 26 km/h zu genießen


                                  Sandsteinmäuerchen mit Pflanzen im Wohngebiet

                                  Das folgende Hagenhufendorf Krebshagen besteht vor allem aus großen alten Bauerngehöften, vor allem entlang des Krummbachs, dessen Wasser schön klar aussieht, und von dem man sich gut vorstellen kann, dass sich dort früher zahlreiche Flusskrebse tummelten – was in der Orts-Chronik tatsächlich beschrieben wird. Der Name des Ortes soll aber dennoch nicht davon kommen, sondern von einer zur Zeit der Besiedlung „modernen“ Art der Ritterrüstung, nach seiner Form „Krebs“ genannt (man denke an die Abbildung der römischen „Schildkrötentechnik“ bei Asterix und Obelix).


                                  Krummbach in Richtung Krebshagen

                                  Am Abzweig des Pilgerwegs steht eine auf den ersten Blick baufällige Wassermühle (aus 1870), die man zeitweise auch besichtigen kann. Die besondere, gebogene Giebelform an manchen Häusern hatte ich bis dato auch noch nicht gesehen: sie werden als sog. „Rundgiebel“ beschrieben (eine Form des Walmdachs), und die Grundstücke begrenzen nach wie vor oft Sandsteinmäuerchen. Auf den beliebten Vignetten mit gravierten Inschriften über den meist großen Türen kann man lesen, dass viele Gebäude um 1900 herum erstellt wurden.



                                  Auf dem Weg am Bach sieht man schließlich die Gehöfte von ihrer Rückseite aus – was fast ein bisschen schade ist, denn Häuser gucken macht auch Spaß, aber der Pfad ist hübsch. Auf dessen anderer Seite befinden sich Weiden und Äcker, und die – wie mich ein Spaziergänger informierte – sog. „Kummerhaufen“. Das sind Hügel mitten in der flachen Landschaft, bestehend aus „tauben“ Steinen, die aus dem Bergbau übrig geblieben waren und früher in Haufen aufgeschichtet werden mussten. „Kummer“ deswegen, weil die Haufen Ackerfläche wegnahmen. Inzwischen wachsen darauf Bäume.


                                  Wassermühle und Pfad am Bach entlang





                                  Nach Abzweig und einem kleinen Wegstück an der Straße entlang (wer Kartoffeln oder Walnüsse kaufen möchte, kann diese in einem Selbstbedienungshäuschen erwerben) geht es dann, vorbei an einer Kirche, an einem Abzweig mit Restaurant inkl. Festsaal, weiter hügelaufwärts auf den Bückeberg. Die ebenfalls am Weg liegende Bäckerei Wagner sah verlassen aus (in den Regalen stand gerade mal eine Handvoll Honiggläser), laut Beschilderung gibt es aber dennoch – spärliche – Öffnungszeiten (sogar Sa und So, aber nur morgens). Allerdings: Honigbrot ist auch was Feines :-)




                                  Blick zurück auf den bewaldeten Höhenzug, wo man her kommt; rechts im Bild einer der „Kummerhaufen“


                                  Wald-Eingang mit Schautafel vom Gelände, mit eingezeichneten Wanderwegen, Schutzhütten, Höhenlinien und weiteren Infos



                                  Das mit dem Aufwärts geht stetig weiter – immerhin muss man 325 Höhenmeter zurücklegen, um zum höchsten Punkt der Etappe auf dem Kammweg bei 408,2 m zu kommen. X12 bezeichnet den Dachtelfeldweg, außerdem gibt es auf dem Bückeberg noch den X11 (Bückebergweg bzw. Fernwanderweg E11).




                                  Altes Holz


                                  Neues Holz

                                  Die von Lookas beschriebene Schutzhütte lag hübsch auf einem kleinen Hügel im Wald, etwas später kann man auch beim Bremsschacht 7 Pause auf überdachten Holzbänken machen – was mich zu der Zeit aber nicht wirklich lockte, denn das beständige Nieseln fing an, stärker zu werden. Sehr zugig war es weiterhin, auch zwischen den Bäumen.

                                  Oben im Mischwald, am Kammweg, befindet sich ein ausgedehntes Steinbruch-Gelände, auf dem nach Saurierspuren geforscht wird, und der Text auf den Schildern ist illustriert mit Zeichungen – alle mit ausgesprochen schönem Wetter und Beschreibungen wie „Iguanodon-Herden durchstreifen die Lagune“.




                                  Saurierspuren-Steinbruch

                                  Bei den vorherrschenden Temperaturen lag „Lagune“ ein wenig außerhalb meiner Vorstellungskraft, aber dennoch waren jetzt ein paar mehr wackere Spaziergänger zu sehen, mit Hunden und auch ohne, teilweise versuchend, ihre Zigaretten trotz beträchtlich eisiger, nasser Brise zum Glimmen zu bringen.

                                  Landschaftlich war es aber wirklich hübsch hier, und anstatt dem Bogen zum auf dem Schild stehenden jbf/Walter 1,7 km zu folgen, nahm ich den Abzweig mit dem Pfad zum selben Ziel, der etwas schmaler und damit lauschiger aussah. Irgendwie klang der Name nach Gaststätte – ob man da wohl einen heißen Tee bekommen konnte? jpf entpuppte sich dann aber als vergleichsweise riesige Anlage des Jugend-, Bildungs- und Freizeitcentrums Bückeberg – und als geschlossen, ebenso der dortige „Jausenkeller“. Schade, aber naja … weiter. Ein paar Meter weiter zweigte der Weg dann ab, und es ging nun wieder den Bückeberg hinunter.



                                  Brrr, war das kalt, nass und windig. Als der Nieselregen etwas weniger wurde, beschloss ich, an ein paar praktisch gestapelten Baumstämmen, Pause zu machen. Schließlich hatte ich eine kleine Thermoskanne mit Tee und etwas übrigen Weihnachtsstollen über den Bückeberg geschleppt.

                                  Der Plan funktionierte, und Minuten später sah die Welt wieder freundlicher aus – also nix wie ran an’s restliche Wegstück (schließlich war die abendliche Dunkelheit nicht mehr lange hin).



                                  Aus dem Wald draußen ein kurzer Blick nach Auetal/Rehren,



                                  dann, nach Abzweig an einer Hütte mit Kneipp-Becken wieder durch ein Stück Wald, quer zum Hang – zunächst auf einem Wirtschaftsweg,



                                  dann abbiegend in Richtung eines dunklen Stücks Nadelwalds, dem Laubwald folgte. Auf dem blätterbedeckten Boden war der Weg erst einigermaßen (und überraschend) gut zu sehen, und an den Bäumen leiteten bleiche aufgemalte blaue Kreuzzeichen auf ebenso bleichem, wohl früher mal weißem Untergrund. Alles etwas unsystematisch, aber erst einmal ausreichend. Kurz vor dem Waldrand habe ich dann aber doch falsch interpretiert und stapfte ein Stück über eine sumpfige Wiese.


                                  Suchbild mit blasser Baum-Markierung



                                  Ein Kontrollblick auf das Navi zeigte, dass am Waldrand in der Nähe doch ein Weg sein müsste – also wieder rein in den Wald. Dort fand ich dann auch tatsächlich einen Trampfelpfad, der wesentlich besser begehbar war als die Wiese. Uff.


                                  Kathrinhagen, vom Waldrand aus

                                  Noch ein kleines Stück, dann kam war auch schon Kathrinhagen erreicht, mit erstaunlich viel Betrieb für ein kleines Wohngebiet, das immerhin historische Wurzeln hat (es entstand gegen Ende des 12. Jahrhunderts) – was an dem Neubaubereich, den man betritt, zunächst gar nicht zu erkennen war. Aber es gibt eine sehr alte Kirche (die Katharinenkirche), und eine sehr alte Linde dazu, deren Anblicke ich aber auf’s nächste Tageslicht verschoben habe. Und so beendete ich den Tag Brot und Käse mümmelnd und den übrigen heißen Tee trinkend im angenehm windgeschützten und beleuchteten(!) Buswartehäuschen an der wenig befahrenen Kathrinhagener Hauptstraße :-)

                                  *

                                  Es stellte sich heraus, dass das im Dunkeln noch erspähte Wegzeichen wirklich ein Wegzeichen war und der Weg nicht in, sondern durch einen Hof (mit Pilger-Übernachtungsmöglichkeiten) führte.



                                  Denn weiter ging’s durch einen Schuppen hindurch, auf einen heckengesäumten, schmalen Weg zum Tor des Katharinenkirchen-Geländes, an dessen anderem Ende die uralte Linde steht, in deren Stamm ein Zwischenraum ist. Leider war die Kirche verschlossen.



                                  In schönstem Sonnenschein folgte ein Stück am Straßenrand hügelabwärts. Ob die ziemlich weit entfernt entdeckte kleine Tiergruppe tatsächlich eine Muffelwildherde waren? Derzeit soll es immerhin ca. 350 Mufflons am Bückeberg geben.





                                  Die etwas rätselhafte Markierung auf dem nächsten Hinweisschild an der Auebrücke im Tal zeigt einfach nur eine Haarnadelkurve an,





                                  und das letzte Wegstück vor Rehren verläuft zwischen Bach, Wiese und Feldern – im zur Frühlingszeit bestimmt lieblichen Auetal. Die Geräusche der nahen Autobahn waren dennoch hörbar, auch wenn sie zeitweise übertönt wurden von einem beweglichen Rap-Konzert in einem schwarzen Kapuzenpulli, welches der noch junge Hund eines entgegenkommenden Spaziergängers näher erkunden wollte.




                                  Blick in Gegenrichtung


                                  In der Sonne glitzernde Übrigbleibsel vom Maisfeld des Vorjahres


                                  Ganz schön schnell unterwegs an diesem Wintermorgen

                                  In Rehren



                                  schließlich angekommen, kann man noch eine kleine Kapelle besichtigen – sofern sie denn geöffnet hat (einen Pilgerstempel kann man, laut Aushang, ebenfalls nutzen, aber nur während der Öffnungszeiten). Die Bänke im dazu gehörenden Gärtchen sahen einladend aus.



                                  So, das fehlende Teilstück wäre jetzt ergänzt, und dem Streckenverlauf nach geht es jetzt in #4 weiter :-)


                                  Prachttaucher Special: Eigentlich war das eine hübsche, abwechslungsreiche Etappe mit einigen unerwarteten Goodies – wenn auch, im 1. Teil, mit ziemlich viel anstrengendem Wetter
                                  Zuletzt geändert von lina; 23.09.2020, 14:09.

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