[CH] Hochtour Monte Rosa/Mischabelgruppe

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    • 23.10.2006
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    [CH] Hochtour Monte Rosa/Mischabelgruppe

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    Land: CH
    Reisezeit: August 2009

    So, da hier der alpine Bereich etwas vernachlässigt wird, hab ich doch mal einen Bericht über unsere letzte Tour im Wallis zusammengestellt.

    Wir hatten vor, die Spaghetti-Tour (vom Breithorn bis zur Dufourspitze) zu gehen und dabei ein paar Viertausender zu sammeln. Spaghetti-Tour heißt die deshalb, weil die meisten Hütten auf italienischem Boden stehen und es da so schöne Sachen wie Spaghetti, Pasta , Espresso etc. gibt.

    Von Zermatt aus nahmen wir die Bahn zum Klein Matterhorn. Die Rucksäcke waren voll gepackt, denn wir hatten alles zum Biwakieren mit, da wir nicht nur auf die Hütten auf der Strecke angewiesen sein wollten.

    Unsere erste Station war, ideal als Eingehtour, das Breithorn.


    Auf dem Breithornplateau. Blick -oder auch nicht- Richtung Breithornpass


    M&M, Mario mit dem Matterhorn im Hintergrund


    Nur wir auf dem Gipfel, das geht hier auch. Man muß nur früh genug sein.


    Das Garmin zeigt die Höhenangabe, ca.1‰ Ungenauigkeit


    Im Abstieg, jetzt wird’s voller, die großen geführten Gruppen kommen



    Der Weiterweg Richtung Rifugio Guide della Val d’Ayas, unterhalb der Breithornzwillinge



    Es wird schon früh sulzig. Auf dem Verragletscher gehen bei den milden Temperaturen immer mehr Spalten auf. Wenn man früh ist, geht es noch, doch an einigen Löchern und Einsenkungen sieht man, dass es später noch schlimmer wird.




    Das Bivacco Rossi e Volante (3787m) auf der Felsinsel beim Schwarztor.


    Pollux und Castor


    Jochen und Mario beim Sonnen…



    Kurz vor dem Zwillingsjoch. Am Castor kann man sehr gut die Aufstiegsroute erkennen.
    Da wir noch etwas Zeit hatten und wir schon am Fuß des Pollux-SW-Grates waren, ließen wir die Rucksäcke liegen und gingen den Grat weiter Richtung Pollux Gipfel. Nach einem kurzen Stück entschieden wir uns aber, den Pollux auszulassen. Der Weg bestand aus ziemlich brüchigem und nassem Fels. Keiner von uns hatte noch Lust auf den Aufstieg in dem Geröll. Zumal uns nicht wohl dabei war, die Rucksäcke für die Zeit unbeaufsichtigt am Einstieg stehen zu lassen.


    Also weiter zu unserer heutigen Unterkunft, dem Rifugio Guide della Val d’Ayas.
    Hier der Blick von oben


    Und aus der Nähe.
    Also erst mal einen schönen Cappuccino bestellen. Leider gibt’s den in der Ayas Hütte nur aus Plastikbechern, ebenso wie das sonstige Essen auch.





    Am nächsten Morgen.
    Nachdem es schon die ganze Nacht geregnet hatte, starteten wir bei Regen und Nebel, und das in 3394m Höhe.


    Es zog sich immer mehr zu, weiter oben setzte Schnee- und Graupelschauer und Sturm ein und die Temperaturen fielen merklich.
    Als sich dann noch in unmittelbarer Nähe zwischen Castor und Pollux ein Gewitter aufzog und die meisten Seilschaften umkehrten, beschlossen auch wir, besser den Rückzug anzutreten.

    Da wir keine genaue Wetterprognose erhielten, wollten wir nicht weiter auf der Ayas Hütte auf unbestimmte Zeit auf Besserung warten. Also gingen wir wieder den Schleif zurück zum Klein Matterhorn und fuhren nach Zermatt zurück.
    Schade, es wäre mit Sicherheit eine interessante Tour geworden. Aber wir waren uns schon vorher darüber einig, uns nicht unter Erfolgszwang setzen zu lassen. Auch wenn einiges an Planung notwendig gewesen war, wie Karten ausarbeiten, Hütten kontaktieren, GPS Vorbereitung oder schon allein wegen der langen Anfahrt.
    Aber wenn jemand ein ungutes Gefühl hat, dann besser einmal mehr umgedreht als einmal zu spät.

    Nachdem wir also am Castor „abgeblitzt“ waren, saßen wir vor unserem Zelt und machten uns Gedanken über die weiteren Möglichkeiten.
    In Zermatt hatte sich ringsum alles zugezogen, daher machte der Aufstieg zur Monte Rosa Hütte mit Ziel Dufourspitze wenig Sinn, besonders wenn man die Preise für die ev. dann umsonst bezahlte Gornergratbahn mit einrechnete.
    Dom ging auch nicht, die Domhütte war mit Bergsteigern aus Osteuropa überbelegt.

    Also entscheiden wir uns, Zermatt zu verlassen und fuhren nach Saas Fee rüber.

    Der Wetterbericht dort versprach für den nächsten Tag Besserung. Die Mischabelhütten hatten auch noch genügend freie Plätze, also Rucksäcke gepackt, diesesmal weniger voll, und los zur Mischabelhütte.

    In Saas Fee folgt man der Beschilderung zur Mischabelhütte. Zuerst über den Triftbach, dann dem Pfad permanent steil in Serpentinen folgen.


    Nach ca. 2/3 des Weges beginnt der Felsgrat. Der alte Hüttenzustieg, den ich noch von früher kannte, ist wegen zunehmender Steinschlaggefahr durch Erwärmung des Permafrostes gesperrt.




    Kurz nach Beginn des Felsgrates fing es an, leicht zu regnen, was den Weiterweg etwas rutschiger machte. Aber alles ist klettersteigmäßig gut gesichert und durchgehend markiert, bot also keine weiteren Schwierigkeiten.


    Ab Saas Fee 1529m bis zur Hütte.


    Der Ausblick von der Hütte wäre bei klarem Himmel grandios gewesen, aber auch so hatten wir einen einzigartigen Blick auf die Weissmiessgruppe und auf das tief im Tal liegende Saas Fee.


    Hier geht es morgen früh weiter. Blick auf den Felsgrat oberhalb der Hütte. Der weiße Punkt im oberen Gratabschnitt ist der Wasserspeicher der Mischabelhütte.



    Nicht nur der Aussicht wegen ist die Hütte einen Besuch wert. Man wird schon im Eingangsbereich mit der wohligen Wärme eines Kaminofens empfangen, der gleichzeitig zum Trocknen der nassen Sachen da ist.
    Der Hüttenwart Peter Lomatter hat sichtlich Freude an seiner Arbeit. Er sucht immer den Kontakt zu seinen Gästen und gibt gern Infos und Ratschläge zu den Tourenmöglichkeiten und Verhältnissen. Auch die Sicherheit seiner Gäste ist für ihn wichtig, er notiert das Ziel jeder Gruppe. Und als wir vom Nadelhorn wiederkamen, fragte er uns und andere Ankommende, wer noch unterwegs sei.
    Bei Recherchen zuhause fand ich dann auch den nicht unbegründeten Grund für seine Sorge.
    Gut einen Monat zuvor war ein Bergsteiger 150m unterhalb der Hütte abgestürzt und tödlich verletzt worden, und ein Jahr zuvor stürzte ein Bergsteiger 50m oberhalb der Hütte tödlich ab.
    Das Essen (in 3 Gängen) ist sehr lecker, reichlich Nachschlag wird angeboten, also satt wird hier jeder.

    Zum Glück war die Hütte ziemlich leer, nur ca. 20 Leute waren da. Genug Platz, um sich in den Lagern breit zu machen und in Ruhe zu schlafen.


    Wecken wurde vom Hüttenwart auf 5:30 vorgeschlagen, da der Gletscher dann im Hellen erreicht wird und so die Spalten besser einzusehen sind.

    Am Morgen herrschte auf der Hütte Wassermangel, schlecht, wenn man sich gerade die Zähne putzt und dann das Wasser versiegt.

    Noch ein bisschen gefrühstückt und getrödelt, dann aber los.

    Hinter der Hütte beginnt der Zustieg am anfangs markierten Felsrücken entlang und weiter auf gut sichtbaren Steigspuren.


    Auf ca. 3600m beginnt der Hohbalmgletscher. Dieser hat einige große Spalten, da aber ziemlich aper, können die gut gesehen und überquert werden.






    Die Sonne kommt raus


    Rückblick zum Anseilplatz




    Der weitere Aufstieg ins Windjoch wird dann nach einer großen Rechtskurve steiler und ist stellenweise vereist.



    Das Windjoch selbst machte bei unserem Besuch seinem Namen keine Ehre, es war sonnig, relativ windstill und für die Höhe sehr warm.
    Blick vom Windjoch auf den Weiterweg und auf Nadelhorn und Lenzspitze.






    Das Ulrichshorn


    Am NO-Grat zum Nadelhorn geht es rechts des Grates etwas steiler weiter. Teilweise gut ausgetretene Spur im griffigen Firn, manchmal in Wechtennähe etwas hoch angesetzt. Zwei Felsen im Gratverlauf können rechts umgangen werden.






    Blick von oben zurück


    Die beeindruckende NO-Wand der Lenzspitze


    Stecknadelhorn



    Die letzten Meter des felsdurchsetzten Gipfelaufbaus (II) bis zum Gipfel sind teilweise schneebedeckt. Wir hielten uns rechts des Gratverlaufs, wo der Anstieg mit vereisten Platten durchsetzt war. Also ein paar Meter nur auf den Frontalzacken über die Platten geklettert. Beim Abklettern nahmen wir die wesentlich leichtere Variante links des Grates.



    Ideal sind die vielen Felszacken im oberen Gratverlauf bis zum Gipfel. Hier kann mithilfe von Schlingen gut gesichert werden.
    Am Gipfelkreuz selbst ist auf der schmalen Spitze nur Platz für eine Person. Zum Glück waren an diesem Tag nur einige Seilschaften unterwegs, sodass es hier kein Gedrängel gab.


    Aussicht vom Gipfel


    Abstieg





    Im Abstieg fingen dann bei ca. 4000m Marios Steigeisen trotz Antistollplatten enorm an zu stollen. Auch bei einigen anderen konnte man die Pickelschläge auf die Steigeisen beobachten. Zum Glück war mit dem stollenden Schnee am Windjoch Schluss. Meine guten alten Grivel mit den Gummiplatten hatten da überhaupt keine Probleme.

    Der restliche Abstieg zog sich dann doch noch hin, vor allem die fast 1600m ab der Hütte bis Saas Fee.

    Oberhalb der Hütte


    Kletterkünstler



    Alles in allem war es eine abwechslungsreiche und lohnenswerte Tour, komplett ohne mechanische Aufstiegshilfen. Bis zur Hütte ist Trittsicherheit und im Weiteren sicheres Gehen mit Steigeisen in Eis und Fels erforderlich. Klettertechnisch II mit guten Sicherungsmöglichkeiten in den Gipfelfelsen.

    Insgesamt gesehen hatten wir zwar unser geplantes Ziel nicht erreicht. Dafür hatten wir am Breithorn- und am Nadelhorngipfel super Wetter. Und wir waren allein bzw. mit nur einer Handvoll Leuten am Gipfel.

    LG Jochen
    Zuletzt geändert von Sandmanfive; 06.11.2011, 19:34. Grund: Reisecharakter eingestellt
    *Alles daher, was ihr wollt, daß euch die Menschen tun, sollt auch ihr ihnen ebenso tun*

  • sebastian75
    Erfahren
    • 27.08.2007
    • 280

    • Meine Reisen

    #2
    AW: Hochtour Monte Rosa/Mischabelgruppe

    Hallo,

    ein sehr schöner Bericht mit traumhaften Bildern. Vielen Dank.

    Ich will auch Berge und Schnee!

    Gruß
    Sebastian

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    • Zwiebelforscher
      Alter Hase
      • 15.03.2005
      • 4537

      • Meine Reisen

      #3
      AW: Hochtour Monte Rosa/Mischabelgruppe

      Genial! Da habt ihr ja ne schöne Tour gemacht

      Vielen Dank für den wirklich sehr reich bebilderten Bericht!
      Spinat schmeckt am besten, wenn man ihn kurz vor dem Verzehr durch ein saftiges Steak ersetzt!

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      • Sapmi
        Fuchs
        • 20.11.2005
        • 2329

        • Meine Reisen

        #4
        AW: Hochtour Monte Rosa/Mischabelgruppe

        Danke für den interessanten Bericht.

        Die Bilder sind wirklich traumhaft!
        Kilpailu ei kuulu erämaahan
        ***********************
        Der Mensch, der allein reist, kann sich heute auf den Weg machen; doch wer mit einem anderen reist, muss warten, bis dieser bereit ist. (H.D.Thoreau)

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