[DE] Das "C" in "C-Ring" steht nicht für "Corona"

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    [DE] Das "C" in "C-Ring" steht nicht für "Corona"

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    „Ist genehmigt. Es gibt eine geografische Explorationsidee und einen pragmatischen Algorithmus.“

    Freiherr von Igelstroem, 2017


    Mit diesen zwei dürren Sätzen bekam ich nachträglich das OK für mein Vorhaben, mit dem ich das Format „Feierabendradtour“ in den langen Sommerabenden des Jahres 2017 füllen wollte. Der Plan: Die äußersten Bahnhalte der Tarifzone C in einer Rundtour abklappern. Dafür zur Verfügung stehende Zeit: Unbegrenzt. Es sollte übrigens bis Sommer 2018 dauern. Witz am Rande: Vier Jahre später stellte sich heraus, dass das „C“ gar nicht für den dritten Buchstaben im Alphabet stehen könnte, sondern für „Corona-15-Kilometer-Zone“, sofern Berlin die 200er 7-Tage-Inzidenz knackt. Tut es aber nicht.

    Am 27. Juli startete ich in Erkner. Aufgrund persönlicher Verzögerungen im Betriebsablauf hatte ich denjenigen Takt des RE1 Richtung Frankfurt/Oder verpasst, der in Fangschleuse hält. Also musste ich von Erkner aus erst einmal in die Pedale treten. Zwecks Vereinfachung hielt ich mich an den 66-Seen-Weg, der hier einen seiner trostlosesten Abschnitte auf Forstautobahnen absolviert. Nach einem symbolischen Anschlagen am Bahnhof Fangschleuse ging es zurück Richtung Norden.


    "Entweder die Schranken sind zu oder es regnet!"

    Im Wald nördlich von Grünheide ging es dann recht beschaulich zu. Zwei Rehe unternehmen ihren Abendspaziergang. Um etwas Landschaftskonturen zu erkunden, querte ich die A10 Richtung Westen und fand mich unerwartet auf einem Aussichtspunkt wieder, der etwas Überblick über den märkischen Regenwald bot. Wir erinnern uns: 2017 war ein Sommer mit "wechselhaftem Wetter", wo der ergiebige Schauer am Nachmittag oder frühen Abend fast zum Ritual wurde.








    Kein Streichelzoo. Die Zaunhöhe ist auf Wölfe ausgelegt.



    Ein wiederbegrünter Hang des Kalksteinbruchs Rüdersdorf.


    Die damals noch verhältnismäßig neue B1-Ortsumfahrung von Herzfelde ersparte mir den Herzinfarkt im dichten Feierabendverkehr nach Herzfelde. Über Hennickendorf und Torfhaus gelangte ich im letzten Licht nach Strausberg.


    Max Maulwurf hat bestimmt nicht viele Freunde.


    3. August 2017

    Das Timing für den Start zur nächsten Etappe in Strausberg war denkbar knapp. Mit den ersten Tropfen des nachfolgenden Platzregens erreichte ich den McDonalds, den ich viele Jahre zuvor aus nicht mehr ganz nachvollziehbaren Gründen im Garmin abgespeichert hatte. Manchmal ist das Glück mit den Schlampigen, die ihre Waypoint-Listen nie aufräumen. 30 Minuten und ein McMenü später konnte ich meine Tour fortsetzen.

    Erster Anlaufpunkt war die Straßenbahn-Endhaltestelle "Lustgarten". Eigentlich fielen Schienenbahnen nach BOStrab nicht unter die Pflicht-Anlaufpunkte meines Explorations-Algorithmus, aber weil diese Straßenbahn bis heute "Strausberger Eisenbahn" heißt, wollte ich mir nicht den Vorwurf machen lassen, ich hätte irgendetwas ausgelassen.




    Schon einige Tage zuvor hatte ein "Starkregenereignis" nicht nur das Dorf Leegebruch bei Oranienburg im Wasser versinken lassen, sondern in Strausberg auch einen Orca-Wal auf den Bürgersteig gespült.



    Nach einem ordnungsgemäßen Anschlagen am Bahnhof Strausberg-Nord (Explorations-Algorithmus einhalten!) ....



    ...fuhr ich auf fast gerader Linie nach Wesendahl, nicht ohne unterwegs einigen Waldgeistern zu begegnen.






    In Werneuchen begutachtete ich die Sukzessionslandschaft auf dem ehemaligen Militärflugplatz. Die Bausubstanz der Wehrmacht ist offensichtlich längerlebiger als die der Roten Armee, aber für tausend Jahre hätte es auch nicht gereicht.







    Der Bahnhof Werneuchen war dann auch der Endpunkt dieser Etappe.




    8. August

    Ich vertiefte die Besichtigung des Flughafens Werneuchen noch einmal. Mein Versuch, die Polizei über die 110 zu einem vermutlich geklauten Motorrad auf dem Gelände zu lotsen, scheiterte zunächst daran, dass die Ordnungshüter eine Hausnummer wissen wollten. Über eine Stunde später meldete sich ein Polizist aus dem zuständigen Revier und fragte mich allen Ernstes, ob ich noch auf dem Gelände sei - er sei jetzt auch dort.




    Da war ich jedoch schon in Börnicke, wo ein schlafendes Schloss darauf wartet, vom Frosch wachgeküsst zu werden. Oder so ähnlich.



    "Bopp-bopp - boppbopp" machte es auf dem Weg von Werneuchen nach Börnicke. Aber immer noch besser als ein Sandweg. (Foto aus dem Juni 2020)


    Schloss Börnicke. (Foto aus dem Juni 2020)


    "Gehen Sie auch den Muschelweg?" (Foto aus dem Juni 2020)


    Anschließend verpasste ich Albertshof, das 1912 mit seiner Abdeckerei der Grund dafür war, dass überhaupt eine Bahnstation in Rüdnitz eingerichtet wurde, dem Endpunkt dieser Etappe.



    Hätte ich meine C-Ring-Tour erst 2020 gemacht, wäre ich zwischen Werneuchen und Börnicke übrigens durch die Baustelle für den größten deutschen Solarpark gefahren.


    14. August

    Von Rüdnitz aus ging es zunächst nach Lobetal. Im Postleitzahlenbereich 1XXXX ist Lobetal wegen der dort produzierten Bio-Milchprodukte bekannt, in großen weiten Welt sind es eher die Hoffnungstaler Anstalten für Behinderte und Kranke.


    Glückliche Kühe bei Lobetal.

    In Ützdorf erreichte ich den Auslauf des Liepnitzsees, dessen Ufer ich nun folgte. Ich war diesen Weg zwar schon einmal gelaufen, aber erst wenn man tatsächlich auf dem Fahrrad sitzt, merkt man, wie ungeeignet er dafür ist. Ich gesellte mich daher auf halber Strecke zu drei Enten, die auf einem Steg in der Abendsonne chillten.







    In Wandlitzsee stieg ich in die Heidekrautbahn.




    17. August

    Weil die hellen Abende nun schon merklich kürzer worden, erhöhte ich die Frequenz meiner Feierabendradtouren. Schließlich wollte ich 2017 noch die Nordhalbkugel des C-Rings abschließen. Südlich um den Wandlitzsee herum ging es nach Wensickendorf. Dabei begegnete ich zwei Störchen beim Abendspaziergang.



    Erstmals kam ich am Agrarmuseum vorbei, in dem außen und auch innen eine ansehnliche Auswahl alter Landmaschinen bewundert werden kann. Der Lokotraktor passte wohl nicht mehr in die Halle.



    Der Eicher-Traktor, der mir kurz danach begegnete, sollte aber nicht die Sammlung ergänzen - "der ist doch noch gut", hätten mir die beiden Insassen - oder besser "Aufsassen"? - bestimmt entgegnet.



    Weil ich mir nicht sicher war, ob sich mein Explorations-Algorithmus auf die täglich bedienten Bahnstationen bezog oder auch die nur am Wochenende bedienten Stationen einschloss, steuerte ich den Bahnhof Wensickendorf an. Dort endet der Westast der Heidekrautbahn von Montag bis Freitag. Am Wochenende fahren die Züge weiter nach Schmachtenhagen zum Oberhavel-Bauernmarkt.



    Auf dem Weg dorthin hatte ich Spaß mit einer Herde Kühe - oder sie mit mir? Jedenfalls guckten sie mich neugierig an, als ich die Weide erreichte, und setzten sich dann parallel zu mir in Bewegung. Als ich dann kräftiger in die Pedale trat, wollten sie nicht lumpen lassen, und aus dem lockeren Trab wurde eine wilde Jagd, die sie erst kurz vor dem Zaun am Ende der Weide abbrachen.





    Falls übrigens jemand der Ortsname Schmachtenhagen vertraut vorkommt: Ja, es ist jenes Schmachtenhagen, wo das Outdoor Service Team sein Werkstatt hat. Die liegt allerdings am Dorfanger, ich aber wollte nördlich vorbei, um noch einen Blick auf die verfallende Lungenheilanstalt Grabowsee zu werfen. Das ist eine traurige Geschichte: Die zuletzt von der Roten Armee genutzte Anlage hatte nach deren Abzug wechselnde Eigentümer, die nach meinem Eindruck allesamt überfordert waren. Aktuell wurschtelt da ein Jugend- und Kunstprojekt vor sich hin.



    Über die Havel-Oder-Wasserstraße ging es dann weiter nach zur Bahnstation Sachsenhausen, vorbei am KZ-Gelände. Weil ich natürlich zur falschen Zeit da war (Regionalbahn im Schienenersatzverkehr), durfte ich dann noch bis nach Oranienburg weiterradeln.




    22. August

    Mit Erleichterung stellte ich fest, dass das Bedienungshandbuch zu meinem Explorations-Algorithmus keine Vorgaben enthielt, in welcher Richtung die einzelnen Etappen zu absolvieren sind. Die Platzverhältnisse in den Bahen Richtung Oranienburg sind im Berufsverkehr nämlich notorisch prekär.

    Ich durfte also in Brieselang starten und diese Etappe im Uhrzeigersinn absolvieren. Kaum vier Kilometer nach dem Start tauchte das erste Problem auf: Ich kam nicht wie geplant bei Alt-Brieselang über den Havelkanal. Ersatzneubau im Stadium "Alte Brücke schon weg und neue Brücke noch nicht da".

    Ok, versuche ich also, mich am Südufer weiter bis zur Schleuse Schönwalde vorzuarbeiten. Doch irgendwie war an diesem Tag im Thema "Brücken" der Wurm drin: Die kleine Brücke über den noch kleineren Nieder-Neuendorfer Kanal lag in Trümmern.



    Auf noch mehr Umweg hatte ich keine Lust, nach einer Vorerkundung zerrte ich das Rad über das eingestürzte Segment - und landete auf einem schon ziemlich zugewachsenen Betriebsweg am Kanal, wo mich das Buschwerk für meine Unverfrorenheit auspeitschte.

    An der Schleuse Schönwalde querte ich den Havelkanal nach Norden, durcheilte Wansdorf, genoss intensive Naturbegegnung - bis ins Gesicht! - auf zugewachsenen Waldwegen in der Marwitzer Heide und erreichte schließlich Vehlefanz.



    Der aus dem Slawischen stammende Ortsname hat nichts mit "Firlefanz" zu tun. Das ist nämlich ein spätmittelhochdeutsches Wort für einen Springtanz. So richtig scheint das aber niemand glauben zu wollen, bei Stichworteingabe in die Gugel-Suche wird ziemlich weit oben die Anfrage "firlefanz ort" angeboten. Man landet dann trotzdem bei Vehlefanz, das nebenbei auch die äußerste C-Station an der Kremmener Bahn ist.





    Beim letzten Licht überquerte ich die B96n und erreichte schließlich Oranienburg, wo mich ein freundlicher Regionalexpress aufnahm und in nur 20 Minuten fast bis vor die Haustür brachte.






    23. August

    Schon am nächsten Tag fuhr ich wieder nach Brieselang.



    Die freundliche Markierung des 66-Seen-Wegs leitete mich entlang des Havelkanals bis zum Bahnhof Wustermark, dem letzten C-Bahnhof in Richtung Stendal. Unterwegs traf ich das Hertha-Schiff (Baujahr 1886), das wenige Wochen zuvor von der Kyritzer Seenkette in die Berliner Gewässer überführt worden war. Wer mir jetzt ein Fußball-Fachgespräch aufzwingen will, ist aber an der falschen Adresse.


    Wustermark. Nur wenige Ortsnamen haben so viel Berechtigung wie dieser.


    Der Havelkanal führte mich weiter nach Süden, bevor ich in Paaren auf die Hauptstraße nach Marquardt einbog.



    Inklusion jetzt auch in der Baumschule?

    Bei Nattwerder hatte ich mit zwei Pferden ein ähnliches Erlebnis wie mit den Kühen von Schmachtenhagen ein paar Tage zuvor. Die Pferde zeigten aber deutlich weniger sportlichen Ehrgeiz.



    Zwischen fast urwaldähnlicher Vegetation und dem Großen Zernsee eilte ich schließlich nach Werder, wo auch der Äquator des C-Rings verläuft.









    Schön war's. Fortsetzung auf der Südhalbkugel folgt.


    Hier sollte eine GPX-Karte erscheinen! Wenn diese nicht nach wenigen Sekunden nachgeladen wird bitte die Seite aktualisieren.
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    Zuletzt geändert von Pfad-Finder; 18.02.2021, 21:12.
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  • danobaja
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    • 27.02.2016
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    #2
    vielen dank!
    ist da was schiefgelaufen mit den bildern? ich seh nur leere quadrate im format "gross".

    hab jetzt mal aufgehört mit lesen, aber ich komme wieder!
    danobaja
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    • Werner Hohn
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      #3
      Ha! Mit einem Satz taucht mitten im Berliner-/Brandenburger Sand die "Bonner Republik" wieder auf.

      https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdstadt_(Bonn)

      OT: Die Fotos sind nur mit Firefox sichtbar.
      Zuletzt geändert von Werner Hohn; 12.02.2021, 15:00.
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        #4
        Zitat von danobaja Beitrag anzeigen
        vielen dank!
        ist da was schiefgelaufen mit den bildern? ich seh nur leere quadrate im format "gross".

        hab jetzt mal aufgehört mit lesen, aber ich komme wieder!
        Die Galeriefunktion in der neuen Software läuft nicht stabil, deswegen liegen die Bilder auf meinem privaten Webspace. Der hat aber kein https. Chrome mit Werkseinstellungen ist da pingelig. Firefox lässt das durchgehen.
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        • danobaja
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          • 27.02.2016
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          #5
          ich hab mit firefox leere bilder und wenn ichs anklicke ne leere gallerie....
          danobaja
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            #6
            Was macht Ihr mit Euren Browsern? FF, Internet Explorer und Edge gehen bei mir. Edge habe ich gerade erstmals installiert und auch nichts an den Werkseinstellungen geändert oder Ausnahmeerlaubnis erteilt. Nur Chrome sperrt sich standhaft, das ist aber bekannt.
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              #7
              Zitat von Werner Hohn Beitrag anzeigen
              Ha! Mit einem Satz taucht mitten im Berliner-/Brandenburger Sand die "Bonner Republik" wieder auf.
              https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdstadt_(Bonn)
              ??? Ich bitte um Erläuterung.
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                #8
                Zitat von Pfad-Finder Beitrag anzeigen
                "Entweder die Schranken sind zu oder es regnet!"
                In Bonn ist das eingeflügeltes Wort. Zu der Zeit als Ernst Dieter Lueg noch regelmäßig die Bonner Stimmungslage (rheinisch heiter und frei von Sorgen) in westdeutschen Wohnzimmern erklären und erfragen durfte, schlich sich das schon mal in die Berichterstattung.

                Die Südstadt wird von der vielbefahrenen linken Rheinstrecke durchschnitten, was den Ursprung der Bonner Redensart „Entweder et räänt oder de Barrier is eraff“ (entweder regnet es oder die Schranke ist geschlossen) darstellt, die zu Hauptstadtzeiten durch den Zusatz ergänzt wurde „un wenn beidet zesammekütt, es Staatsbesooch“ („und wenn beides zusammenfällt, ist Staatsbesuch“).
                Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdstadt_(Bonn)
                Zuletzt geändert von Werner Hohn; 12.02.2021, 22:33.
                .

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                  #9
                  Aha. Ist mir entgangen. Ich habe das irgendwo aufgeschnappt, aber in Bonn ganz bestimmt nicht.
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                    #10
                    Hier nun auch der Track. Weil das GPX-Tool des Forums mit Tracksegmenten nicht ganz sauber umgeht, ist da dieser komische Sprung von Oranienburg nach Brieselang drin. Bereinigt bin ich 216 km gefahren.

                    Hier sollte eine GPX-Karte erscheinen! Wenn diese nicht nach wenigen Sekunden nachgeladen wird bitte die Seite aktualisieren.
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                      • Meine Reisen

                      #11
                      Um mich unter Druck zu setzen, hier weiterzumachen, poste ich jetzt schon mal ddie GPX-Datei der gesamten Runde:
                      Hier sollte eine GPX-Karte erscheinen! Wenn diese nicht nach wenigen Sekunden nachgeladen wird bitte die Seite aktualisieren.
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                        #12
                        23. Mai 2018

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCN2793.JPG Ansichten: 0 Größe: 171,2 KB ID: 3043404

                        Genau neun Monate nach dem Abschluss der Nordhalbkugel startete ich mit der Südhalbkugel. Auch wenn dank Sommerzeit die Abende auch im August lange hell sind - Ende Mai sind sie noch länger hell. In Werder suchte ich zunächst die verlassene Gastwirtschaft auf dem Kesselberg auf. Es war noch immer kein neuer Betreiber in Sicht. An der Insel, der Werder seinen Namen verdankt, fuhr ich vorbei, und steuerte stattdessen den Gutspark Petzow an, der die Besucher mit markanten Türmen am Eingang erwartet. Angeblich sollte die Gestaltung des Gutsparks an die Frühzeit der Kolonisierung Brandenburgs erinnern. Ich finde, dass die Türme jedem Afrika-Film gut stehen würden (jedenfalls solange man die Ziegelsteine ausblendet).

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCN2797.JPG Ansichten: 0 Größe: 299,0 KB ID: 3043405

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

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Größe: 324,4 KB
ID: 3043457
                        Einer muss ja immer aus der Reihe tanzen!


                        Hauptziel der Etappe war jedoch der Aussichtsturm auf dem Wietkikenberg, der sich auf diversen Wanderungen in der Vergangenheit dem Zugriff entzogen hatte. Ich hätte mich da oben in der abendlichen Stille stundenlang festsitzen können, auch wenn die Aussicht alles andere als spektakulär ist - endlose Kiefernplantagen, dazwischen ab und zu Wasser und Siedlungen.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCN2801.JPG Ansichten: 0 Größe: 185,6 KB ID: 3043408

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCN2799.JPG Ansichten: 0 Größe: 117,1 KB ID: 3043409

                        Ungestört zu sein hatten wohl auch einige Badende an den beiden Lienewitz-Seen erwartet. Ich tat so, als hätte ich nichts gesehen, sie auch. Zur Erläuterung für die Leser aus den katholischen deutschen Westgebieten: Um textilfrei baden zu dürfen, wird im Osten eine FKK-Ausschilderung nicht zwingend erwartet.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCN2802.JPG Ansichten: 0 Größe: 262,8 KB ID: 3043410


                        Unter dem Berliner Ring, der damals noch im Ausbau von sechs auf acht Spuren war, schlüpfte ich in Richtung Seddin durch. Dort erwartete mich der räudige Charme eines Bahnhofs, der vor allem von DB-Mitarbeitern der benachbarten "Zugbildungsanlage" benutzt wird. Wobei ich mich immer frage, was für eine Bildung die Züge dort wohl erhalten mögen. Bremisches Gesamtschulabitur?

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCN2811.JPG Ansichten: 0 Größe: 217,3 KB ID: 3043411


                        28. Mai 2018

                        Schon fünf Tage später gönnte ich mir die Fortsetzung. Vorbei an einer Fake-Blitzertonne (sie wirkt, zumindest für Ortsfremde!) gelangte ich zum Großen Seddiner See, den ich am Nordufer halbumrundete. Aus gutem Grund ist er nicht als Radroute ausgewiesen.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCN2812.JPG Ansichten: 0 Größe: 219,9 KB ID: 3043412

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCN2869.JPG Ansichten: 0 Größe: 222,8 KB ID: 3043413

                        Auf dem Wiesenweg kurz vor Wildenbruch begegnete ich einer Gelblerche. Oder so ähnlich. In Orthographie bin ich besser als in Ornithologie.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCN2878.JPG Ansichten: 0 Größe: 184,2 KB ID: 3043414

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCN2875.JPG Ansichten: 0 Größe: 246,0 KB ID: 3043415


                        Zwischen Fresdorf und Tremsdorf begegnete ich den ersten Kirschen der Saison.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20180528_190400.jpg Ansichten: 0 Größe: 333,8 KB ID: 3043416


                        Dann überquerte ich die Glauer Berge. Ein undankbares Geschäft in einem sehr trockenen Frühjahr. Für Mücken reichte es aber noch. Es muss für sie ein wahres Fest gewesen sein, als ich mein Fahrrad den Berg durch den Sand hochschob. Deswegen gibt es auch keine Fotos. Aus dem gleichen Grund stornierte ich den eigentlich geplanten Abstecher zum Gipfel und konzentrierte mich darauf, unfallfrei wieder nach unten zu kommen. 13 Minuten rauf, sechs Minuten runter, sagt meine GPS-Aufzeichnung.

                        Stutzig machte mich dann wieder ein Gräberfeld mit vielen gleichförmigen Grabsteinen und Holzkreuzen. Hier war die Rote Armee 1945 doch weitgehend kampflos eingezogen? Ein Hinweisschild klärte mich auf: Es war der Friedhof der Johannischen Kirche, einer protestantischen Splittergemeinde mit egalitären Zügen.

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                        Nun aber hurtig, die Dämmerung nahte mit Riesenschritten. Ich verpasste aber trotzdem den Zug, und zwar nicht knapp. Im Steakhaus an der B101 gönnte ich mir daraufhin ein wohlverdientes alkoholfreies Hefeweizen, und verdödelte den Rest der Zeit bis zur Abfahrt des nächsten Zuges mit etwas Herumgurken durch Thyrow.

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                        Den Zug verpasste ich um 30 Minuten, die letzte Übernachtungsgelegenheit aber um mindestens 30 Jahre.

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                        30. Mai 2018

                        Zwei Tage später war ich wieder in Thyrow. Auf dem ehemaligen Bahndamm einer Kleinbahn ließ ich mich aus dem Ort führen und eilte in eins der zahlreichen Wilmersdörfer, in diesem Fall Märkisch Wilmersdorf.

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                        Ehemalige Bahntrasse. Die Pufferküsser haben den Kilometerstein noch nicht geklaut.

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                        Bemerkenswert erschien mir nur das tudoreske Tor zum ehemaligen Schlosspark. Ehrlicherweise muss man sagen, dass die Gegend zwischen Dresdner und Anhalter Bahn, zwischen Luckenwalde und Berliner Autobahnring höchstens Landwirte begeistern kann, nicht aber Landschaftsgenießer. Geographen verorten hier das Nuthe-Urstromtal. Kalauerkönige fragen dann, ob der Urstrom auch regenerativ erzeugt wurde.

                        Über Wietstock (kein Schreibfehler) und Werben gelangte ich nach Glienick, das offenbar erfolglos versucht, sich durch ein fehlendes Schluss-E von seinen Namensvettern zu differenzieren. Kurz danach bekam die Landschaft für einen Moment Konturen: Der Kumberg ragt immerhin fast 20 Meter aus den Mühen der Ebene heraus und ist von einem tonnenförmigen DDR-Funkturm gekrönt.

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                        Mein Wunsch allerdings, über einige Feldwege geradeaus nach Rangsdorf durchstoßen zu können, wurde von einem Naturschutz-Totalreservat vereitelt.

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                        Schafe auf dem ehemaligen Flugplatz der Bücker-Flugzeugwerke Rangsdorf.

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                        Schafe auf einem Spielplatz in Rangsdorf.


                        7. Juni

                        Nach dem bedeckten Himmel bei der letzten Etappe ging es nun bei Kaiserwetter weiter. Mittenwalde hätte ein C-Bahnhof sein können, wäre die Bahnstrecke nach Berlin nicht schon 1951 stillgelegt worden. Dafür ist der wuchtige Turm am nördlichen Stadttor noch erhalten.

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                        Radweg am Nottekanal.

                        Hinter Mittenwalde folgte ich zunächst dem Nottekanal. Ich hätte ihm bis Königs Wusterhausen folgen können, aber - Explorations-Algorithmus! - ich musste nach Zeesen.

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                        Wuchtiges Tor zum Gut Schenkendorf.

                        In Zeesen hatte sich die Russische Föderation als Rechtsnachfolger der Sowjetunion ein Seegrundstück in bester Lage am Krummensee gekrallt. Und eine Puschkinstraße hat sie sich auch noch geben lassen.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCN3029.JPG Ansichten: 0 Größe: 148,4 KB ID: 3043429

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                        Nach Putins Palast sieht das nicht gerade aus.

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                        Ob der Globus Kriegsbeute aus dem Büro des Großen Diktators ist?


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                        In Königs Wusterhausen (umgangsprachlich nur "Ka-Weh") querte ich noch schnell die ... Staabe. Jedenfalls behauptet meine Karte, dass so der Flussabschnitt der Dahme zwischen Krimnicksee und Einmündung des Nottekanals heißt.

                        Drei Kilometer Speckgürtelhölle weiter nach Osten liegt Zernsdorf, äußerster C-Bahnhof der Regionalbahn RB 36 von KW nach Frankfurt.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCN3038.JPG Ansichten: 0 Größe: 208,0 KB ID: 3043434


                        19. Juni

                        Zernsdorf, äußerster C-Bahnhof der RB 36 nach Frankfurt? Kenner werden schon bemerkt haben, dass ich da falsch lag. Inzwischen hatte ich es auch gemerkt, stieg aber trotzdem in Zernsdorf aus - Explorations-Algorithmus nicht vergessen! - und radelte weitere zweieinhalb Kilometer durch die Speckgürtelhölle von EllDehEss (Landkreis Dahme-Spree) nach Kablow. Dort, am wirklich äußersten C-Bahnhof der RB 36, schlug ich am Bahnhof an und verdrückte mich dann in den Wald nach Norden. Endlich Ruhe ... sieht man vom Lärm der Autobahn, der Einflugschneise nach Schönefeld und dem Rauschen der Güterzüge von und nach Polen ab.


                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCN3210.JPG Ansichten: 0 Größe: 341,1 KB ID: 3043435
                        Dass der Wald ehemaliges militärisches Sperrgebiet war, ist an zurückgelassenen Verkehrsschildern zu erkennen.


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                        Rinder, Haltungsform 4

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCN3215.JPG Ansichten: 0 Größe: 229,1 KB ID: 3043437
                        Eigentlich wollte der Bauer dieser Kuh die Ohren langziehen, hat aber versehentlich ein Horn erwischt.


                        In Wernsdorf querte ich an der Schleuse die Spree-Oder-Wasserstraße und ein Stück nördlich davon zum zweiten Mal an diesem Tag den Berliner Autobahnring. Dahinter wartete märkische Fichtenmonokultur vom Feinsten auf mich. Zweieinhalb Kilometer ging es schnurgerade durch eine Landschaft, gegen die im Vergleich ein Rapsfeld ein Paradies der Artenvielfalt ist.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCN3223.JPG Ansichten: 0 Größe: 276,7 KB ID: 3043438

                        Heute wäre diese Route nicht mehr möglich, denn dort entsteht gerade die Tesla-Fabrik. Der Bahnhof Fangschleuse empfing mich so desolat, wie ich ihn vor gut einem Jahr und 347 Kilometer früher hinter mir gelassen hatte.

                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSCN3224.JPG Ansichten: 0 Größe: 255,5 KB ID: 3043439
                        Zuletzt geändert von Pfad-Finder; 05.05.2021, 23:18.
                        Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

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                        • Igelstroem
                          Fuchs
                          • 30.01.2013
                          • 1446

                          • Meine Reisen

                          #13
                          Zitat von Pfad-Finder Beitrag anzeigen
                          Zweieinhalb Kilometer ging es schnurgerade durch eine Landschaft, gegen die im Vergleich ein Rapsfeld ein Paradies der Artenvielfalt ist.

                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht Name: DSCN3223.JPG Ansichten: 0 Größe: 276,7 KB ID: 3043438
                          Trotzdem hat das Bild ja was. (Meint Igelstroem, der gerade auf dem Sprung nach OT: Altranft ist.)
                          Lebe Deine Albträume und irre umher

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                          • Ditschi
                            Freak

                            Liebt das Forum
                            • 20.07.2009
                            • 10874

                            • Meine Reisen

                            #14
                            Einmal schöne Bilder aus einer Gegend in D, die mir völlig fremd ist. Und gut geschrieben.
                            Ditschi

                            Kommentar


                            • Pfad-Finder
                              Freak

                              Liebt das Forum
                              • 18.04.2008
                              • 11357

                              • Meine Reisen

                              #15
                              Zitat von Igelstroem Beitrag anzeigen

                              Trotzdem hat das Bild ja was. (Meint Igelstroem, der gerade auf dem Sprung nach OT: Altranft ist.)
                              Nicht nur das Bild hat etwas. Auch das Fahren auf diesem Weg. Nach dem ersten Kilometer bin ich in einen tranceartigen Zustand gefallen. Anders, als das Gras vermuten lässt, war da nämlich eine ziemlich ebene Feinschotterfahrbahn versteckt.
                              Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

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