[DE] Schwarzwald: Weißt du wieviel Tausender stehen...?

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  • Bergahorn
    Erfahren
    • 13.04.2019
    • 175

    • Meine Reisen

    #41
    AW: [DE] Schwarzwald: Weißt du wieviel Tausender stehen...?

    Hallo blauloke,

    das freut mich, dass du hier gerne mitliest!
    Ein Ende ist momentan noch in ziemlich weiter Ferne, es gibt noch viele Tausender und so wird es hier noch den einen oder anderen Tourenbericht geben!
    Wie viele es insgesamt gibt? Tja, diese Frage kann ich immer noch nicht beantworten und schätze, dass sie auch am Ende meines Projektes letztlich offen bleibt. Es sei denn, ein*e fleißige*r Geograph*in macht sich mal die Arbeit, stellt Kriterien auf bzw. legt Grenzwerte fest, wann ein Gipfel ein Gipfel ist und nimmt so den Schwarzwald unter die Lupe. Das Ergebnis würde mich auf jeden Fall interessieren, auch wenn dem mit Sicherheit so mancher von mir erwanderte Gipfel zum Opfer fallen würde...
    Bis dahin werde ich unwissend weiter wandern.

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    • Knuttchen
      Anfänger im Forum
      • 10.02.2013
      • 27

      • Meine Reisen

      #42
      Weißt du wieviel Tausender stehen...?

      der Berg ruft, hallo Bergahorn

      man tut das gut einen so gekonnt geschriebenen Bericht zu lesen!

      Seit fünfzig Jahren laufe wandere ich/wir ebenfalls im Schwarzwald und der Alb
      (die ja auch 10 1000 hat )

      und freue mich wenn ein Bild kommt, wo wir waren...; auf dem Brend stand unser Zeltchen unter einer großen Tanne unsichtbar...

      Ich wünsche Dir noch viele 1000der, danach wechselst du in die Vogesen.....und schaust von dort drüben deine Tausender noch mal an! (sieht gut aus!)

      Weiterhin einen guten Tritt, Freude an den vielen schmackhaften Quellen, und Begegnungen aller Art

      grüßt Knuttchen

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      • Bergahorn
        Erfahren
        • 13.04.2019
        • 175

        • Meine Reisen

        #43
        AW: [DE] Schwarzwald: Weißt du wieviel Tausender stehen...?

        Hallo Knuttchen,

        danke für das Kompliment und die guten Wünsche!
        Ich hoffe, ihr hattet auf dem Brend besseres Wetter und bessere Sicht als ich.
        Dir auch weiter viel Spaß im Schwarzwald und der Alb!

        Gruß, Bergahorn

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        • Bergahorn
          Erfahren
          • 13.04.2019
          • 175

          • Meine Reisen

          #44
          AW: [DE] Schwarzwald: Weißt du wieviel Tausender stehen...?

          23. 6. - 26.6. 2020

          Diese Tour hatte ich eigentlich für den März geplant, wollte in Zell im Wiesental starten und in Kandern landen, beides Orte, die gut mit Öffis zu erreichen sind. Da damals allerdings ungewiss war, wann es zu welchen Einschränkungen kommen würde, blieben die Planungen erst einmal in der Schublade liegen. Es standen ja genügend andere Tausender zur Auswahl!
          Da ich im Juni mehr Zeit hatte, verlängerte ich die Tour um einen Tag, so dass ich noch den Belchen mitnehmen konnte. Außerdem fuhr ich doch mit dem Auto, da ich am 23. vormittags einen Termin in Bretten hatte und dann gleich weiterfahren wollte. So sollte Zell im Wiesental Start- und Endpunkt sein. Nicht ganz ideal, aber machbar. Als mich das Navi ab Freiburg durch den Schwarzwald leitete, kam mir irgendwann der Gedanke, dass ich ja gar nicht notwendigerweise von Zell aus loslaufen müsste. Ein kurzer Halt und ein Blick auf die Karte führten dazu, dass ich von Tegernau losging. Hätte ich eigentlich auch schon früher drauf kommen können, aber manchmal steht man ja recht ausdauernd auf der Leitung!



          23. 6. 20

          Zeller Blauen 1077m – Hirschkopf 1053m – Bubshorn 1092m

          Um 15.00 Uhr starte ich bei Sonnenschein und Hitze in Tegernau und begebe mich umgehend in Zeckengebiet. Da muss erst einmal der Spray her, der aber leider nicht zusätzlich gegen Brennnesseln wirkt, wie ich bald feststellen werde…



          Als ich in den Wald komme, sind auf den mehr oder minder langweiligen Forstwegen, auf denen ich in gemäßigter Steigung an Höhe gewinne, diese Probleme Vergangenheit. Jetzt bin ich v.a. mit der Wegfindung beschäftigt. Es mangelt nicht an Wegen, aber gerade das ist das Problem, denn es scheinen mir wesentlich mehr als auf meinen Karten zu sein! So komme ich zu einem kleinen Extraschlenker. Macht nichts, die Tage sind ja lang!



          Ausblick trotz Forstwegstristesse

          Leider fängt meine Hüfte auf einmal ganz fürchterlich an zu meckern, so kenne ich das gar nicht und kann die Sache nicht einordnen. Deshalb gibt es auf einer Bank oberhalb von Gresgen eine etwas ausgedehntere Zwangspause, immerhin mit schönem Ausblick!





          Doch so schnell werde ich das Gebrechen noch nicht los…
          Ich gehe trotzdem weiter, in der Hoffnung, dass sich das „zurechtruckelt“. Der nun folgende Forstweg mit wenig Steigung bietet sich zum Glück dazu an. Eine schöne Bussard(?)feder, die auf dem Weg liegt, würde ich ja eigentlich gerne mitnehmen, aber ich habe keine Möglichkeit, sie unbeschadet in meinem Rucksack zu lagern. So mache ich ein Foto und hoffe, dass sich jemand anderes an ihr freuen wird!



          Der letzte Aufstieg zum Zeller Blauen wird in der Nachmittagshitze recht anstrengend.



          Es gibt im Schwarzwald nicht nur Tannen

          Kurz vor dem Gipfel steht ein Sendeturm, direkt darauf Fingerhut, Gestrüpp und ein Kreuz.





          Ich lasse mich zu einer Rast nieder, bei der ich leider aus Versehen den Wassersack eine Spur zu innig drücke, so dass sich ein Teil des doch so mühsam hier hochgeschleppten Wassers mit einem Blubb über Beine und Füße ergießt, anstatt durch meine Kehle zu rinnen. Mist!
          Dann folge ich auf dem Kamm einem sehr hübschen Pfad, der einige Blümchen und ab und an einen Ausblick bietet.





          Ausblick auf den Blauen

          Auf dem nächsten Tausender, dem Hirschkopf, steht ein Gedenkstein, der an fünf jugendliche Zwangsarbeiter aus Osteuropa erinnert, die hier kurz vor dem Ende des 2. Weltkriegs von gleichaltrigen „Werwölfen“ der Hitlerjugend auf Befehl eines SS-Offiziers erschossen wurden.



          Ich hatte schon im Vorfeld davon gelesen und bin auch jetzt wieder betroffen. In Gedanken an die Opfer, aber auch die jungen Täter – wie lebt man mit so einer Schuld weiter? - setze ich meinen Weg fort.
          Eine große vom Abendlicht beleuchtete (Weiß-?)Tanne lenkt mich schließlich ab. Leider weiß ich nicht, ob ihre lichten, von Flechten bewachsenen Zweige letztlich von saurem Regen und anderer Ungemach herrühren oder ob das in ihrem Alter normal ist.



          Der nächste Berg sorgt mit seinem Namen für Heiterkeit: Das Bubshorn findet sicher besonders bei Sprechern von Dialekten, in denen kein Unterschied zwischen p und b gemacht wird, Anklang. Auf dem Weg hinauf, erst durch Matschspuren von Riesenfahrzeugen, später querwaldein, finde ich einen Rest Rehbock. Ich sehe mich noch um, aber es ist überhaupt kein anderer Knochen zu finden. Da die heimischen Wände ausreichend dekoriert sind, lasse ich den Schädel hier liegen!





          Jetzt ist erst einmal Wassersuche angesagt. Dazu muss ich einiges an Höhenmetern verschenken, finde zum Glück mehr Wege als auf den Karten, was mir hier einmal sehr entgegenkommt. Die erste Quelle existiert leider nur auf dem Papier bzw. schätzungsweise bei anderem Wetter, so geht es noch weiter hinunter. Das hat immerhin den Vorteil, dass ich an einer Wiese mit Knabenkraut vorbeikomme. In dieser Fülle habe ich das noch nie gesehen. Ich mache Fotografierpause, aber im Abendschatten ist ein Gesamtbild schwierig.







          Kurz darauf höre ich ein fröhliches Gluckern, es gibt endlich Wasser. Gerettet! Ich schlage mir mit meiner Reserve den Bauch voll und fülle dann die Flaschen und Wassersäcke. Erleichtert, aber mit beschwertem Rucksack geht es nun wieder hinauf und das ganz gemütlich, denn inzwischen bin ich schon etwas groggi. Kurz vor Erreichen des Kammes kreuzt ein von mir gänzlich unbeeindrucktes Reh den Weg. Vielleicht riecht es, dass ich Vegetarierin bin?
          Noch ein ganzes Stück weiter, von den Geräuschen eines Ökostrom produzierenden Windrades begleitet und einem Ausblick auf den Belchen geht es in den Abend hinein.



          Belchen



          Über allen Gipfeln ist Ruh...

          Noch läuft die Tour nicht so ganz rund: Die Hüfte macht mir Sorgen und ich verplempere Wasser, mal sehen, wie der morgige Tag wird!


          24. 6. 20

          Honeck 1022m – Schattann 1067m – Tannenkopf 1039m – Stuhlskopf 1016m – Belchen 1414m – Hohe Kelch 1264m – Weiherkopf 1143m

          Nach schlafarmer Nacht bin ich ganz froh, als ich wieder aufstehen kann und hoffe, dass dieser Tag nicht weitere Probleme mit sich bringt! Der Himmel ist klar, es wird also wohl wieder ein warmer Tag. Wie meistens gehe ich ohne Frühstück los, auf Pfaden und Forstwegen geht es zum Honeck.



          Dann verliere ich auf letzteren viele Höhenmeter, da ich durchs Tal mit dem Ort Bürchau auf den nächsten Höhenzug wechseln will. Beim Abstieg bietet auf einmal das rechte Knie ein Wehwehchen an. Was ist bloß los mit mir, werde ich auf dieser Tour besonders schnell älter? Immerhin geht es der Hüfte heute deutlich besser.
          Passenderweise bietet sich die Silberberg- Schutzhütte als Frühstücksplatz an. Der große Stamm, der das Dach hält, wird von fleißigen Geschöpfen durchbohrt, ab und an rieselt Holzmehl auf die Tische und Bänke. Ich beschließe, dass zumindest so lange, wie ich hier bin, noch keine Einsturzgefahr besteht!



          Tee, Käse, Oatcakes und Schokolade schmecken mir heute morgen bestens! Gesättigt und zufrieden laufe ich die letzten Meter ins Tal und darf nun auf der anderen Seite in der prallen Morgensonne wieder hinaufschnaufen. Abstieg in der Sonne und Aufstieg im Schatten wären natürlich angenehmer, aber man kann die Erde ja nicht mal eben auf den Kopf stellen…



          Von da drüben komme ich her



          Wann sterben eigentlich die Misteln, nachdem sie den Baum erledigt haben?



          Diese Pilze ließ ich lieber stehen...

          Zudem finde ich meinen Rhythmus nicht, ach, das Wanderleben ist doch manchmal gar nicht so einfach! Was bin ich froh, als ich nach eigentlich ganz nettem, aber eben sehr heißem Weg endlich wieder in den Wald komme!



          Auf Forstwegen geht es weiter hinauf bis zu einer sonnenbeschienenen Wegspinne auf einem Sattel, von dem aus ich nun auf weitgehend grasigem Weg recht gemütlich dem Schattann zustrebe.



          Der letzte Aufstieg ist weglos, ich komme an zwei Fuchs- oder Dachsbauten vorbei, die mir allerdings verlassen scheinen, da ich keinerlei Spuren sehe. Auf dem Gipfel liegen einige Felsen herum, Ausblick gibt es nicht, aber ich mache erst einmal eine Pause alleine unter unzähligen Insekten, die hier herumschwirren und -krabbeln. Dann geht es zurück zur Wegespinne mit einer kleinen Hütte und weiter, mal wieder auf Forstwegen leicht ansteigend Richtung Tannenkopf. Dabei ergeben sich immer wieder Ausblicke auf den Belchen, aber auch auf den Feldberg.





          Schließlich wechsele ich auf einen Pfad und kann bald auf den Nonnenmattweiher hinab- und zum Belchen hinüberblicken.





          Irgendwo scheint eine extrem kommunikative Schafherde zu weiden, sehen kann ich sie aber nicht. Fast schon alpin laufe ich einen schmalem Steig steil hinab, um dann durch den Wald, da der eigentliche Weg zugewachsen ist, wieder hinauf zum Tannenkopf zu stiefeln. Oben angekommen mache ich, umkreist von zahlreichen Insekten, endlich ausführlich Mittagspause. Ab und an weht eine leicht Brise, ansonsten höre ich viel Insektengesumm und aus der Ferne Motorradgebrumm.
          Nun geht es hinunter zum Nonnenmattweiher, es wird immer heißer und ich treffe einige Tagestouristen, beim Umrunden desselben dann die aus Schafen und Ziegen gemischte Herde, die ich schon so lange gehört habe. Hat eigentlich schon jemand mal untersucht, ob die sich gegenseitig verstehen können oder das zumindest mit der Zeit lernen? So wahnsinnig komplex scheinen mir ihre Sprachen nicht zu sein...





          Bis zum Haldenhof laufe ich durch Wiesen und freue mich, dass hier einem Kalb noch vergönnt ist, bei der Mutter zu trinken. Diese hat ein ganz spezielles Horn, es erinnert ein bisschen an ein Headset. Vielleicht macht sie ja „Weide-Office“ bei gleichzeitiger Kinderbetreuung!



          Jetzt beginnt der Aufstieg zum Belchen, passenderweise in der Nachmittagshitze… Was einen nicht umbringt, macht einen stark! Ich komme an der Willibald-Strohmeyer-Gedächtniskapelle vorbei. Wieder ein Opfer von fanatischen Nazis kurz vor Kriegsende. Gab es hier in der Gegend außergewöhnlich viele Betonköpfe, die bis zuletzt an den Endsieg glaubten, oder wurde nur besonders gut aufgearbeitet?



          Ich spare mir die Schritte zur Kapelle und gebe mich dem hier wirklich langweiligen Weg in der Sonne hin. Natürlich gilt es vor dem Belchen noch den Stuhlskopf mitzunehmen, ich biege vom Weg ab und schnaufe gefühlt senkrecht einen Holzweg hinauf. Vor mir springt einmal ein Reh herum, das überraschenderweise überhaupt keine Angst vor mir zu haben scheint.
          Puh, was bin ich froh, als ich oben angelangt bin! Ich mache das Täfelchen-Foto und als ich weitergehe, entdecke ich ein „Gipfelmonument“! Die paar Schritte hinauf gönne ich mir noch, mache aber kein weiteres Täfelchen-Foto.



          Nach ein paar Metern Abstieg darf ich weiter Höhenmeter sammeln. Mir kommen einige vermutlich Westwegwandernde entgegen, ein junges Pärchen trägt „Dirty Girl Gaiters“. Es ist das erste Mal, dass ich sie bei anderen sehe. Genau genommen sind meine eigenen ja keine, denn es sind Selbstgemachte aus der Zeit, als es sie noch nicht in Deutschland zu kaufen gab. Oft gab es neugierige Blicke, manchmal haben mich sogar Leute auf sie angesprochen.
          Ich schwitze weiter bergan und denke darüber nach, dass sich bei der Hitze die angegebenen Kilometer gefühlt sehr ausdehnen - wahrscheinlich unterliegen sie auch den physikalischen Gesetzen...
          Was bin ich froh, als ich die langweilige Forststraße verlasse und in den schönen, schattigeren Pfad einbiegen kann!



          Jetzt beginnt der wirklich schöne Teil des Aufstiegs! Am Lünzmannplatz, einem kleinen Vorsprung mit Aussicht nach Süden kann ich am Horizont den Blauen samt Turm ausmachen.



          An einigen Stelle gibt es ganze Schwärme von wespenartigen Insekten, die ich aber gar nicht gut erkennen kann, da sie so hektisch hin- und hersausen. Wohnen die hier oder findet gerade eine Jahreshauptversammlung statt? Egal, Hauptsache, ich kann unbehelligt durch die Schwärme gehen! Die letzten Höhenmeter zum Gipfel schaffe ich dann auch noch, laufe an einer Selbstfindungsschnecke vorbei und genieße dann den Ausblick!









          Ich stehe nicht zum ersten Mal hier oben, finde es aber immer wieder sehr schön. Eine Bank ist noch frei, ich lasse mich nieder und strecke die Beine aus. Als ich nach dem Handy schaue, das eigentlich in der Tasche schon laden sollte, sehe ich, dass es immer noch bei 20% herumdümpelt. Nach einigen Versuchen stelle ich fest, dass das wohl am Ladekabel liegt. Mist! So wenig Saft reicht für die nächsten zwei Tage nicht, und die papierene 1:50 000 Karte ist für mein Unterfangen alles andere als ausreichend. Da muss sich noch eine Lösung finden! Einstweilen mache ich aber noch Pause und trete schließlich den Rückweg an. Dabei nehme ich die Hohe Kelch mit, mehr ein netter Aussichtspunkt als ein Gipfel, mit nur wenigen Extra-Höhenmetern vom Weg aus zu erreichen.



          Auf dem Weiterweg fange ich an, von einem kühlen Apfelsaftschorle, das ich am Haldenhof trinken könnte, zu fantasieren. Es dauert aber noch eine ganze Weile, bis ich dort bin. Ich gönne mir gleich noch einen Salat und beschäftige mich beim Warten wieder mit dem Handy und seinem Kabel. Es scheint jetzt doch gaaaanz langsam zu laden. Als ich die Bedienung frage, ob sie mir ein Kabel leihen könnten, meint der Mann, er habe ein iPhone und das habe einen anderen Anschluss. Die Geschwindigkeit der Bedienung hier ist ähnlich flott wie das Laden meines Handys, ich bin ganz froh, dass ich nichts Warmes bestellt habe. Der Salat ist dann aber echt lecker und das kühle Schorle genieße ich sehr.
          So gestärkt und mit frischen Wasservorräten beschwert, geht es in den Abend und auf zum Weiherkopf. Die Karten stimmen hier beide nicht so ganz, so gehe ich auch ein Stück an der Straße entlang. Wieder durch Wald laufe ich dann quasi von hinten auf den Gipfel. Ich lande am oberen Ende einer Skipiste.



          Abendlicher Rückblick

          Ein kleiner Fotoausflug im Abendlicht rundet diesen langen Tag ab.





          Später gelingt es mir, das Kabel so ums Handy zu wickeln, dass es jetzt in Normalgeschwindigkeit lädt! Hurra!!! Bei Einbrechen der Nacht beginnt es ordentlich zu winden, so dass ich wieder nicht so gut schlafe. Aber ich bin sehr froh, dass das Handyladeproblem gelöst ist und es meiner Hüfte immer besser geht. Auch das Knie hat sich nach der kurzen Episode nicht mehr negativ bemerkbar gemacht! Alles wird gut!

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          • Knuttchen
            Anfänger im Forum
            • 10.02.2013
            • 27

            • Meine Reisen

            #45
            Blauen Belchen Ballons

            Guten Morgen Bergahorn,

            gut dass sich deine Gelenke wieder eingelaufen haben!

            Danke für den detaillierten Bericht, bei dem ich/wir in Erinnerungen schwelgen,

            badeten wir damals im Nonnenmattweiher....

            Die Bedeutung der Belchen, Blauen und Ballons in den Vogesen kennst du.....

            (Hüft/Knieprobleme---sanftes Anlaufen hilft meist, inzwischen laufen wir mit Stöcken um besonders das Absteigen zu dämpfen)

            Ich freue mich auf die Fortsetzung!

            Knuttchen

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            • Bergahorn
              Erfahren
              • 13.04.2019
              • 175

              • Meine Reisen

              #46
              AW: [DE] Schwarzwald: Weißt du wieviel Tausender stehen...?

              Hallo Knuttchen,

              das Baden im Nonnenmattweiher fiel mangels Badezeug aus, es war dort auch ziemlich viel los... aber einsam in Morgen- oder Abendstunden stelle ich es mir ganz wunderbar vor!

              Du meinst das sog. "Belchen-System" (https://de.wikipedia.org/wiki/Belchen-System), oder? Ja, war mir so einigermaßen bekannt, über ein "Blauen-System" habe ich aber nichts Detaillierteres gefunden. Schon interessant, was so alles an Themen quasi am Wegesrand auftaucht.

              Stöcke hatte ich übrigens dabei, bei schwerem Gepäck sind die schon fein, finde ich.

              Die Fortsetzung kommt demnächst, bis dahin kannst du die Vorfreude genießen!

              Gruß, Bergahorn

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              • Bergahorn
                Erfahren
                • 13.04.2019
                • 175

                • Meine Reisen

                #47
                AW: [DE] Schwarzwald: Weißt du wieviel Tausender stehen...?

                25. 6. 20

                Sirnitz 1114m – Köhlgarten 1224m – Rauhkopf 1071m – Meierskopf 1071m – Stockberg 1074m – Blauen 1165m

                Ich wache früh auf, der Wind hat nachgelassen, es ist mal wieder ein goldener Morgen.







                Nebenwirkungen der Pandemie...

                Ich stiefele auf die bis auf ihren Namen unauffällige Sirnitz und dann hinunter zu einem Parkplatz am Sirnitzpass. Hier stehen einige Wohnmobile, ein Mann mit Klorolle aber ohne Schippe in der Hand fragt, wo ich hin wolle und verschwindet im Wald… Ich bewege mich zum Glück in eine andere Richtung, denn nun steht der Köhlgarten auf dem Programm. Ich genieße die morgendliche Stille und Waldeskühle zunächst auf Schotterwegen, später dann auf naturbelassenen kleinen Pfaden.





                Auf dem Gipfel erwarten mich ein upgecycletes Kreuz und wenig Aussicht.



                Auf dem Rückweg komme ich wieder an der Klemmbachquelle vorbei, die extra für Westwegwandernde schön eingefasst ist.





                Allerdings gleicht sie gerade mehr einem Tümpel, da viele Tannenzapfen, Stöckchen und Blätter den Ablauf verstopfen. Ich nehme mein Schippchen und räume das Bächlein erst einmal frei, ehe hier noch ein schützenswertes Biotop entsteht und man kein Trinkwasser mehr zapfen darf. Dann fülle ich Wasser auf, nutze die Gelegenheit für etwas Körperpflege und spüle das total verschwitze, mit Salz dekorierte Merino-Shirt durch. Die Riemen vom Deckelfach des Rucksacks durch Hals- und Armlöcher gefädelt, kann es - verliersicher am Rucksack hängend - hoffentlich schnell in der Sonne trocknen.
                Nach dieser Erdbau- und Haushaltspause geht es oberhalb des Klemmbachs das Tal hinunter, bis ich wieder dem Westweg folgen kann. Nach einem kurzen Abstecher auf den Rauhkopf folge ich diesem Klassiker unter den Wanderwegen noch ein ganzes Stück weiter und oh Wunder, hier ist er mal richtig schön, ich bin ganz begeistert!









                An einer Kreuzung verabschiede ich mich dann zugunsten des Besuchs des Meierskopfs erst einmal von ihm. Auf breiten, aber immerhin mit grasigem Mittelstreifen versehenem Weg laufe ich sanft ansteigend dem Gipfel entgegen.



                Es ist wunderbar still, ich höre weder Straße noch Waldarbeiter, nur Vögel und Insektengesumm. In einer Pfütze regt sich junges Leben, da drücke ich mal die Daumen, dass sie nicht schneller austrocket als sich die Kaulquappen in Frösche oder Kröten verwandeln!



                Oben gibt es richtig viele Blaubeeren, die aber leider noch ziemlich sauer sind. „Gib ihnen noch ein paar südlichere Tage...“ verfremde ich Rilke in Gedanken.



                Im Matsch finde ich große Pfotenabdrücke, aber leider keine richtige Fährte, so bleibt die Frage, ob Hund oder Wolf, offen. Ich würde ja so gerne mal eine Wolfsfährte oder vielleicht sogar (mit entsprechendem Abstand) einen Wolf sehen!
                Auf dem Rückweg mache ich Mittagspause, auch hier von vielerlei Insekten umflogen. Ein Käfer landet sogar in meiner Oatcakes-Box. Von denen gebe ich aber nichts ab, deshalb befördere ich ihn umgehend wieder an die frische Luft!
                Bald danach darf ich ein weiteres schönes Stück Westweg genießen, es geht auf kleinem Pfad ziemlich lange „auf einer Höhenlinie entlang“ an steilem Hang entlang.



                Habe ich schon einmal zum Ausdruck gebracht, dass ich solche Pfade liebe?

                Ich merke so langsam, dass die Füße platt werden und lasse mich mangels Sitzgelegenheit einfach am Weg nieder. Als ein paar Mountainbiker angeradelt kommen, nehme ich schnellstens die Stöcke zur Seite, die quer über dem Pfad lagen. Man bedankt sich!



                Ich bin den Baum nicht hinaufgeklettert!

                Dieses Traumstückchen endet an einer Straße, nach deren Überquerung der Stockberg auf dem Programm steht. Der Anstieg stellt sich als anspruchsvoll heraus, da der in meinen Karten eingezeichnete Weg leider total zugewachsen ist. Ich finde die Andeutung eines alten Pfades und folge ihm gewissermaßen in historisch informierter Wanderpraxis. Die klappt sogar ganz gut, bis ich auf einen wieder sehr zugewachsenen Weg komme und eine Weile suchen muss, wo der alte Pfad weitergeht. Die letzten Meter sind dann aber gut ausgetreten. Hier oben stand wohl einmal die Stockburg, deren Überreste allerdings für alternative Bauwerke mit extrem atmungsaktiven Wänden und Dach verwendet wurden.



                Ich ruhe gründlich aus, bis mich das Gewusel und Gesumme verschiedenster Insekten dann doch weitertreibt. Hinunter folge ich einem anderen Weg, der nur einmal kurz etwas zugewachsen, ansonsten aber wunderbar zu gehen ist. Nach ein paar Metern fällt mir ein, dass ich vergessen habe, das Täfelchen-Foto zu machen. Oh je, ich werde echt schusselig! Ich hole es direkt wo ich bin nach, denn ich habe keine Lust, deshalb wieder den Berg hinaufzuschnaufen! Hauptsache, ich war oben!





                Ausblick in die sommerlich karierte Rheinebene

                Dem Blauen nähere ich mich in der Hitze langsam und stetig und fantasiere dabei von einem dekadent großen Schwarzwald-Eisbecher… Oben genieße ich dann den Ausblick und leichten Wind auf dem Turm. Ein Gewinn meines Projektes ist ja, dass ich mich nun relativ gut orientieren kann und viele Berge erkenne.



                Hier ist nur wenig Betrieb, was auch daran liegen mag, dass Hotel und Kiosk geschlossen haben.



                Mit dem Eisbecher wird es also leider nichts! Nicht nur deshalb bleibe ich nicht so lange. Ein paar picknickende Jugendliche beschallen mit Dudelmusik die Gegend, was ich gar nicht ausstehen kann.
                Westwegwanderer dürfen jetzt nach Kandern absteigen, ich verlasse diese Route aber wieder, da ich noch zwei Tausender auf dem Programm stehen habe und steige hinab nach Marzell. Als ich eine kurze Schnaufpause mache, lässt sich eine goldgelbe Fliege mit hellgrünen Augen auf meinem Bein nieder, die ich durchaus extravagant finde.



                An einer im Forum intensiv diskutierten Art von Wasserquelle fülle ich meine Vorräte auf und verlasse den Ort in Richtung Hochwildsberg. Ich spüre meine Beine sehr gut, stapfe also sehr gemächlich den Berg hinauf.



                Rückblick auf den Blauen

                Das Tal wird leider immer wieder durch Motorräder beschallt, eine echte Zumutung für die Anwohner, die das wohl den ganzen Sommer ertragen müssen!
                An einer Wegkreuzung steht eine riesige Hütte, die scheint mir allerdings privat zu sein.



                Heute beende ich den Wandertag etwas früher und bin auch zu faul, noch eine Fotorunde zu drehen. Dafür fällt das Abendessen üppiger aus! Ob ich deshalb besonders gut schlafe?

                26. 6. 20

                Hohwildsberg 1084m – Wildsberg 1018m

                Heute wird es im Wesentlichen hinuntergehen und ich gönne mir morgens, noch eine Zeit lang genüsslich liegen zu bleiben. Zu spät will ich aber auch nicht starten, da es heute gegen Mittag regnen soll. Beim Aufstehen entdecke ich dann leider zwei Zecken, die mich erwischt haben, dabei hatte ich mich gestern noch so gründlich abgesucht. Die eine lässt sich ohne Probleme entfernen, bei der anderen bleibt leider ein Restchen in der Haut stecken. Das muss dann halt zu Hause „operiert“ werden… Diese fiesen Viecher, die sind doch nur für Borrelien und FSME-Viren nützlich, und wer braucht die schon???
                Ich gehe nun mit den in die Socken gesteckten Hosenbeinen los und hoffe, so weiteren Zecken zu entkommen.



                Hübsch, aber ein Zeckenparadies...

                Der Hohwildsberg ist schnell gefunden, dann laufe ich mit ein bisschen Hin- und Her durch hübsche grasige Wege hinunter zur Hütte „Am Gleichen“. Ich amüsiere mich darüber, dass die Hütte angeblich am einen Ende auf 948 m, am anderen auf 946 m steht, wenn man den Schildern, die an ihr angebracht sind, Glauben schenken darf. Eigentlich sieht sie gar nicht so schief aus!



                Es gibt eine richtige Feuerstelle, die ich aber nicht in Betrieb nehme sowie Bänke und Tische. „Jetzt wird gefrühstückt! Jedes Ding hat seine Zeit!“ denke ich.
                Mittlerweile hat es sich gut zugezogen und als es in der Ferne zu Grummeln anfängt, mache ich mich mal lieber auf zum Wildsberg, dem letzten Tausender dieser Tour. Auf einem Forstweg noch ganz gemütlich, dann aber querwaldein sehr steil nehme ich die Höhenmeter unter die Füße. Auf dem Gipfel steht ein bemoostes Hinkelsteinchen und im Laub liegt ein angerostetes Messer. Es war also schon jemand hier, allerdings ist das wohl schon eine Weile her.



                Das Grummeln hat nicht nur zugenommen, sondern ist deutlich näher gekommen, so verabschiede ich mich hier schnell und mache mich an den finalen Abstieg.
                Als ich aus dem Wald herauskomme habe ich einen Blick bis zum Zeller Blauen, dem ersten Tausender dieser Tour. Das gefällt mir richtig gut, so schließt sich der Kreis! Auf einem Feldweg komme ich nach Wambach, einem kleinen Dörfchen oder eher Weiler, das wohl noch nicht in die Schwarzwaldvermarktung aufgenommen wurde. Ich amüsiere mich darüber, dass die Idylle mit Linde in der Dorfmitte durch zwei Mülltonnen gebrochen wird. Tja, hier wird halt ganz normal gelebt!



                Sehr pragmatisch liegen zwei Bürsten am Dorfbrunnen, die ich aber zum Glück beide nicht brauche. Ich finde es hier jedenfalls insgesamt sehr nett, verlasse diesen Ort aber trotzdem und trudele mehr vor mich hin dösend als denkend, weiter hinunter.





                Dabei verpasse ich dann gleich mal eine Abzweigung, was mir aber erst viel zu spät klar wird. Dann fängt es noch an zu regnen. Also Regenschirm an den Rucksack montiert und die Hosenbeine abgeschnallt, denn die müssen ja nicht nass werden, zudem sind keine Wiesenwege mehr zu erwarten. Und wer krabbelt da ganz ungeniert mein Schienenbein hinauf? Eine Zecke, die jetzt allerdings umgehend ihren Lebensabend hinter sich bringen muss…
                Ich lande an der Straße, inspiziere ein Stück weiter den Busfahrplan, der aber keine Alternative bietet und kann dann zum Glück bald in eine Nebenstraße abbiegen. Hier hält ein SUV neben mir, die Scheibe geht herunter, ein Mann fragt freundlich: „Mitfahre?“ Ich schüttele den Kopf:„Danke!“ Kurzes „Tschüss!“ und er fährt weiter, während die Scheibe wieder hochgeht. Von solch effektiver und zeitsparender Kommunikation könnte sich so manch schwadronierender Mitmensch eine Scheibe abschneiden!
                Ich kann nach ein paar Metern auf einen Wanderweg abbiegen, der ungefähr parallel zur Straße das Tal hinunterführt. Zur Linken liegt ein Weiher, der aber gar nicht zum Schwimmen einlädt, ich vermute, er dient zur Fischzucht. Danach muss ich direkt noch einmal hinauf, was mit der Einstellung „Es geht ja jetzt eigentlich nur noch runter!“ bekanntlich ein wenig schwer fällt.



                Mittlerweile hat es aufgehört zu regnen, die Sonne kommt heraus, so bekomme ich nun ein Dampfbad gratis, obwohl ich es eigentlich gar nicht so dringend bräuchte! Dabei begleitet mich Baustellenlärm, ich kann aber zunächst nicht orten, wo er herkommt, bis mein Blick auf einen Steinbruch auf der gegenüberliegenden Talseite fällt.



                Ich lande wieder auf einer Straße, der Weg, der nach ein paar Metern abzweigen soll und den beide Karten anbieten, existiert nicht. Nun ja, hier kommt selten ein Auto vorbei, so gibt es halt noch ein paar Asphaltkilometer bis nach Tegernau. Vor dem Gemeindeamt finde ich mein Auto unversehrt, packe den Rucksack hinein, freue mich, die luftigen Sandalen anzuziehen und bin dann bald weg. Auf der Autofahrt gibt es noch den einen oder anderen kräftigen Schauer, der mir nun aber nichts mehr anhaben kann! Das war gutes Timing!

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                • Bergahorn
                  Erfahren
                  • 13.04.2019
                  • 175

                  • Meine Reisen

                  #48
                  AW: [DE] Schwarzwald: Weißt du wieviel Tausender stehen...?

                  9.9. 2020

                  Katzenkopf 1123 m – Dreifürstenstein 1153 m – Obergrind 1091m – Hornisgrinde 1164m – Kleine Grinde 1135m – Hundsrücken 1081m – Bettelmannskopf 1023m – Hochkopf 1039m – Pfrimmackerkopf 1035m – Murkopf 1003m


                  Eigentlich bin ich nach den letzten Touren ein wenig „tausendersammelmüde“, doch für eine entspannten Tagestour im Nordschwarzwald allemal motiviert genug. Mir hatte vorgeschwebt, sie zur Heideblüte zu machen, doch irgendwie kam dann immer etwas dazwischen, so dass ich knapp zu spät dran bin. Die Frage, ob die Heide nun verblüht oder doch eher vertrocknet ist, kann ich leider nicht klären, bin halt keine „Heidologin“. Egal, der blaue Himmel und der warme Septembertag mit dem herrlichem Licht entschädigten mich reichlich!
                  Mit dem Auto fahre ich zum Hundseck und werde dort in den Bus zum Mummelsee steigen und dann wieder zum Auto zurücklaufen. Der erste Bus fährt 10.03 Uhr, so muss ich nicht allzu zeitig aus den Federn. Ich komme relativ gut durch und habe dann noch Zeit beim Warten verschiedene Leute am Parkplatz zu beobachten. Ein Paar kommt mit Körben aus dem Wald, ob die schon auf Pilzsuche waren? Bald fallen 6 Motorräder ein, die 5-6 Herren (bei einer Person bin ich mir da nicht so sicher) steigen ab und und reinigen gut hörbar ihre Atemwege, um selbige dann mit Nikotin zu verwöhnen... Nach etwas schlauem Herumschwadronieren geht es weiter, natürlich mit entsprechendem „Hochziehen“ – nein, nicht der Nasen… Meine Bewunderung bleibt bei Null.
                  Nachdem ich eine Weile herumgedöst habe, saust plötzlich ein Hund an mir vorbei und ohne rechts und links zu schauen über die Straße. Darum heißt das hier also Hundseck!
                  Dann kommt der Bus und bringt mich in 11 Minuten zum Mummelsee. Nach einem Pflichtfoto gehe ich gleich los, um dem mäßigen Gewühle zu entgehen.



                  Als ich den Asphalt verlassen habe, sind nur noch „echte“ Wanderer unterwegs, schon bald kommen mir auch mutmaßliche Westwegwandernde entgegen. Der Waldweg macht Spaß zu gehen, ich erinnere mich, wie ich hier das letzte Mal (auf dem Seensteig http://https://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/106554-DE-Schwarzwald-Seensteig-März-2019) bei Schnee und Eis herumgeschlittert bin. Heute ist es weitaus komfortabler, ich finde auch den Abzweig zum Katzenkopf, von dem aus ich schon Weitblick genießen kann.



                  Weniger schön ist, dass manche Mitbürger auch hier eher LYT (Leave Your Trace) als LNT praktizieren.
                  Weiter geht es, noch nicht direkt zur Hornisgrinde, sondern ein kurzes Stück durch Wald, dann an landschaftspflegenden Ziegen und der Grindehütte vorbei zum Dreifürstenstein.






                  Wenn die Weideröschen verblüht sind, ist der Sommer vorbei

                  Ich habe mich im Vorfeld nicht informiert, was das wohl ist. Als ich an einem eingezäunten Areal mit Sendemast, auf dem der höchste Punkt dieser Ecke der Hochebene zu sein scheint, einen großen Stein mit vier tellerartigen Vertiefungen sehe, erkläre ich ihn trotz des vierten „Tellers“ einfach mal zum Dreifürstenstein und mache das Täfelchenfoto.







                  Dabei schaut mir ein Mann mit Kugelbauch und offenem Mund staunend zu. Ich werde an belebten Gipfeln bei meinem Tun ja öfter beobachtet, bin deshalb aber noch nie angesprochen worden. Die Hemmschwelle scheint groß zu sein.
                  Nach ein paar Metern komme ich dann zum echten Dreifürstenstein, der zugegebenermaßen eindrucksvoller als der „Viertellerstein“ ist. Hier haben sich im Laufe der Jahre aber nicht nur Fürsten verewigt…





                  Danach folge ich wieder ein Stück dem Seensteig am steilen Osthang, den ich bisher auch nur bei tiefem Schnee kenne. Bald gibt es einen Abzweig in Richtung Obergrind, ein hübscher Pfad bringt mich zur Brettlhupferhütte.






                  Das Herzchen ist verglast!

                  Danach geht es ein kurzes, aber anspruchsvolles Stück durch „Wildnis“ zum Gipfel. Zwischendurch denke ich, dass es sich in sibirischen Wäldern vielleicht ähnlich anfühlt, sich durch die Pampa zu schlagen, allerdings gibt es dort wohl noch gratis Mücken dazu… Der Gipfel ist zum Glück bis auf Heidelbeergestrüpp frei.





                  Leider gelingt der Rückweg schlechter, ich bin sehr froh, als ich um einige Kratzer und blaue Flecken an den Beinen reicher, die Hütte wieder erreiche und mache erst einmal eine kleine Pause. Eine Sitzgruppe an einer Eberesche bietet sich dazu an, die Herbststimmung zu genießen. Ich könnte mich an diesen Farben ja immer geradezu besaufen!





                  Dann raffe ich mich auf und gehe bis zum Dreifürstenstein zurück, um endlich den Weg zur Hornisgrinde einzuschlagen.






                  Da blüht noch ein Restchen Sommer

                  Am Bismarckturm ist so viel Betrieb, dass ich auf eine Besteigung verzichte. Was hier wohl am Wochenende los sein mag? Schnell mache ich ein Täfelchenfoto und gehe zunächst auf dem Westweg weiter zur Kleinen Grinde. Der Sendemast, an dem ich vorbeikomme, wird mangels Weitwinkelobjektiv diagonal ins Format gequetscht.



                  An der Kleinen Grinde ist so wenig los, dass ich mal richtig Pause mache und den Blick u.a. auf den den vorletzten Tausender schweifen lasse.


                  Messstation mit Täfelchen


                  Rückblick auf den/die/das Obergrind, Adleraugen können das Hüttendach erklennen

                  Weiter geht es auf dem Westweg hinunter zum Ochsenstall. Hier mache ich mal wieder einen Abstecher, der Hundsrücken will „gesammelt“ werden. Auf kleinem Pfad leicht bergauf zu einer Hütte, dann weiter in lichtem Wald, bis der Gipfel wieder offen ist, erreiche ich ihn.





                  Schön ist es hier, ruhig, kein Rummel. Unbekannte Gipfel haben durchaus ihren Charme! Es gibt sogar einen Täfelchenständer! Zu Weihnachten kommen Sterne an Tannenspitzen, ich positioniere an dieses betagte Baumgerippe eben mein Täfelchen! Sieht doch ebenfalls ganz schmuck aus!



                  Ich muss noch nicht einmal den selben Weg zurück gehen, sondern kann mit einem Ostschlenker, nach dem sich ein leicht nostalgisch anghauchter Blick zu Mehliskopf und in der Ferne zur Badener Höhe und Seekopf eröffnet, wo ich vor knapp einem Jahr mein Projekt begann, wieder auf den Westweg kommen, der mir heute echt schöne Abschnitte bietet! Hier könnte man Werbefotos für diesen Weg machen.




                  Blick auf die Gipfel meiner ersten Tour


                  Westwegwerbungsfoto

                  Ich bin sogar so begeistert, dass ich am Murkopf vorbeilaufe, was ich aber erst nach der ganz furchtbar rummeligen Unterstmatt merke.


                  Unterstmatt

                  Der wird dann heute am Ende der Tour noch nachgeholt, jetzt geht es erst einmal auf den Bettelmannskopf. Dafür verlasse ich wieder den Westweg und folge unterhalb einer Hütte einem Forstweg. Die letzten Meter gehen dann wieder querwaldein, sind aber ganz unproblematisch. Sicht gibt es hier keine, trotzdem bleibe ich eine ganze Weile, da ich wohl aus Versehen am Handy etwas verstellt habe. Es dauert, bis ich darauf komme, was, und endlich einen Geburtstagsgruß abschicken kann. Man kann also auch kabellosl auf der Leitung stehen!



                  Auf dem Rückweg steht unterhalb der Hütte ein amerikanisches Militärjeep am Wegesrand. Filmkulisse? Wohl eher Liebhaberei des Besitzers des Gebäudes, an dem jetzt die Fenster offen stehen.





                  Der Hochkopf, der nun ansteht, trägt fast Glatze und lädt zu einer Pause ein, bei der ich den Gesprächen von Westwegwandernden, die hier nicht zum ersten Mal aufeinandertreffen, lausche. Ich finde diese lockeren „Wandergemeinschaften“ immer nett, kenne sie v.a. von Hüttentouren in den Alpen. Mein Mitleid erregen allerdings die Wandernden, die mit viel zu klobigen Stiefeln unterwegs sind. Naja, sie mögen vielleicht ihre Gründe haben.







                  Gemütlich laufe ich auf der Hochfläche zum Pfrimmackerkopf.





                  Zunächst nehme ich einen Abzweig, den mir mapy.cz anbietet, der aber nicht ganz zum Gipfel führt. Ich möchte dann nicht durch dieses Idyll trampeln, mache hier das Foto und laufe zurück.



                  Der Abstecher hat sich aber insofern gelohnt, als hier tatsächlich noch ein wenig Heide blüht!



                  Nach ein paar Metern gibt es dann einen richtig schönen Pfad, der mich doch noch zum Gipfel bringt! Außerdem führt er weiter direkt in den Wald und den Berg hinab. Dank welcher Stürme auch immer eröffnet sich ein schöner Blick ins Bühler Tal.



                  Nach ganz kurzem Stück auf ollem Schotter genieße ich noch einmal herrlichen Wanderweg und einen letzten Blick auf Mehliskopf und Badener Höhe.



                  Bald bin ich wieder am Hundseck und fahre mit dem Auto kurz zur Unterstmatt, ich kann den Murkopf ja nicht einfach so unbeachtet stehen lassen.


                  Nur noch ein paar Meter zum Hundseck

                  Die letzten Höhenmeter des Tages absolviere ich ganz unspektakulär auf der Skipiste, der Gipfel findet sich dann ein Stück in den Wald hinein.





                  Hier gibt es sogar noch ein paar vereinzelte Heideblüten, der Aufstieg hat sich also gelohnt! Mir fehlt allerdings die Geduld, mit der Kamera herumzukriechen, so gibt es hier kein Heideblütebeweisfoto. Ich bin ohnehin entschlossen, noch einmal zur Blüte in die Gegend zu kommen und mir dann die Zeit zum Fotografieren zu nehmen. So geht es heute nur noch zum Auto zurück und dann fast ohne Stau nach Mannheim. Es war eine schöne, sehr entspannte Tour, auf der ich das fantastische Septemberlicht intensiv genossen habe!

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                  • Thoronestel
                    Erfahren
                    • 26.06.2015
                    • 165

                    • Meine Reisen

                    #49
                    AW: [DE] Schwarzwald: Weißt du wieviel Tausender stehen...?

                    Beitrag gelöscht
                    Zuletzt geändert von Thoronestel; 16.09.2020, 20:57.

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                    • Bergahorn
                      Erfahren
                      • 13.04.2019
                      • 175

                      • Meine Reisen

                      #50
                      AW: [DE] Schwarzwald: Weißt du wieviel Tausender stehen...?

                      Ich habe jetzt nicht alles verglichen, aber deine Liste sieht mir sehr nach der Wikipedia-Liste, die ich in meinem allerersten Post erwähnt habe, aus.

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                      • Thoronestel
                        Erfahren
                        • 26.06.2015
                        • 165

                        • Meine Reisen

                        #51
                        AW: [DE] Schwarzwald: Weißt du wieviel Tausender stehen...?

                        Zitat von Bergahorn Beitrag anzeigen
                        Ich habe jetzt nicht alles verglichen, aber deine Liste sieht mir sehr nach der Wikipedia-Liste, die ich in meinem allerersten Post erwähnt habe, aus.
                        das war sie. hab sie jetzt auch wieder gelöscht, wegen platzgründen und so.

                        Ich habe dich im ersten Post dann irgendwie falsch verstanden.

                        Ich dachte du findest keine Liste mit den über 100 gipfeln. sondern immer nur mit weniger. Also dass welche fehlen. Da dein Anfagspost von 2019 war, dachte ich dass die Liste auf wiki mitlerweile anders aussieht, wie deine damals.

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                        • Bergahorn
                          Erfahren
                          • 13.04.2019
                          • 175

                          • Meine Reisen

                          #52
                          28. - 30. 3. 2021

                          „Ich weiß, dass Berge auf mich warten, ...“ Wie oft habe ich in den letzten Wochen diese Worte aus Gerrit Engelkes jung-schwärmerischen Gedicht „Ich will heraus aus dieser Stadt“ in Gedanken zitiert - aber irgendwie fanden der Terminkalender und das Wetter nie zusammen. Nun soll es endlich sein! Ich bastele mir eine Drei-Tage-Tour zusammen, sie ist etwas ambitioniert, aber je nach Schneelage kann ich sie auch gut verkürzen.

                          28. 3.2021

                          Knöpflesbrunnen 1124m - Hasbacher Höhe 1149m - Lailehöhe 1134m - Hörnle 1187m - Dietschel 1241m

                          Moderat früh geht es am ersten Tag der Sommerzeit los, und als ich nach Verlassen der Autobahn auf Freiburg mit Schauinsland & Co zufahre, entringt sich mir wie eigentlich immer ein „Hach!“. Bald ertappe ich mich bei einem frohen Grinsen, ich freue mich einfach so, endlich wieder im Hochschwarzwald unterwegs sein zu können! Nach ordentlicher Kurverei lande ich kurz nach 10 in Todtnau, stelle das Auto ab und suche meinen Ausstieg aus dem Ort und Anstieg zum ersten 1000er dieser Tour, dem Knöpflesbrunnen.
                          Das GPS-Signal ist extrem träge, was noch die ganze Tour so bleiben wird. Ich finde aber nicht heraus, ob gerade ein Satellit Urlaub hat, mein Handy alt wird, oder woran das sonst liegen könnte. Also muss mein Gehirn einspringen, früher ging es ja auch nur mit Papierkarten!

                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC04398_(1024_x_768).jpg Ansichten: 0 Größe: 175,2 KB ID: 3035271

                          Rückblick auf Todtnau

                          Nach ein paar Metern Asphalt gehe ich auf nettem Pfad durch den noch unbelaubten Wald hinauf, komme an einem verlassenen Erholungs-Feriendorf vorbei, und höre dabei immer weniger von der Straße und immer mehr vom frühlingshaften Vogelgezwitscher.

                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC04399_(1024_x_768).jpg Ansichten: 0 Größe: 145,1 KB ID: 3035272

                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC04400_(1024_x_768).jpg Ansichten: 0 Größe: 96,0 KB ID: 3035273

                          Dann gibt es mal einen Ausblick auf den Todtnauer Wasserfall und Todtnauberg, bevor ich erste Spuren im Schnee hinterlassen kann. Die Kombination von Schnee, warmer Frühjahrssonne und Laubbäumen lässt mich an Ahornsirup denken – allerdings stehen hier keine passenden Bäume.

                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC04403_(1024_x_768).jpg Ansichten: 0 Größe: 111,9 KB ID: 3035274

                          Mein stetiges Steigen wird schließlich belohnt, auf dem Knöpflesbrunnen gibt es nicht nur Belchen-, sondern auch Alpenblick. Hier stellt sich dann ein Fotoproblem heraus: Mit meiner selbsttönenden Gleitsichtbrille kann ich im gleißenden Sonnenlicht weder im Display noch durch den Sucher die genauen Werte erkennen, so dass ich mich auf den Automatik-Modus verlassen muss. Wenn ich nicht den Sonnenhut vergessen hätte, wäre die Brille wenigstens nicht ganz so dunkel. Was hilft es, da muss ich jetzt durch!

                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC04406a_(1024_x_768).jpg Ansichten: 0 Größe: 87,0 KB ID: 3035275

                          Den Alpenblick, den ich an allen Tage genoss, muss man mir jetzt einfach mal glauben!

                          Hier oben rastet ein Langläufer, der mutmaßt, es sei wohl seine letzte Tour dieser Saison. Ich genieße den Blick, das Täfelchen kommt endlich wieder zum Einsatz, und dann geht es weiter auf die Hasbacher Höhe. Die ist mal wieder ein bescheidener Waldhubbel, hat aber einiges an Schnee zu bieten. Um ihr etwas mehr Bedeutung zu verleihen, bastele ich mit den Stöcken eine Täfelchen-Installation. Ohne Zweifel künstlerisch wertvoll...

                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20210328_125117_(1024_x_768).jpg Ansichten: 0 Größe: 103,9 KB ID: 3035276

                          Die Lailehöhe glänzt mit ein paar bemoosten Steinen am Gipfel und tiefem Schnee beim Hinuntergehen. Gut, dass ich die Gamaschen anhabe!

                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20210328_134902_(1024_x_768).jpg Ansichten: 0 Größe: 155,4 KB ID: 3035277

                          Weiter eiere ich durch rutschigen, angetauten Schnee, was auf die Dauer ein wenig nervt und natürlich das Tempo drückt. Hätte ich doch die Schneeschuhe mitnehmen sollen? Diese Frage werde ich mir noch öfter stellen…
                          Den breiten Weg teilen sich ganz ohne Gezeter Langläufer und Fußgänger. Ich beobachte, wie unterschiedlich erstere unterwegs sind: Vom gemütlichen Spaziergänger auf Skiern über sich zwar sehr aufwändig bewegende und die Stöcke in alle Richtungen schlenkernde, trotzdem aber eher nicht allzu schnelle Aktionisten, bis zum sich geschmeidig und effektiv bewegenden Sausewind ist alles dabei. Ich gebe mich in der Beobachtung natürlich besonders schlau, habe ich doch das letzte Mal als Kind auf Skiern gestanden, und das waren noch nicht einmal Langlaufbretter… Und was weiß ich, was die Anderen hier über die im rutschigen Schnee watschelnde Wanderin mit dem großen Rucksack denken?
                          So komme ich mehr oder weniger elegant voran. An einer freien Bank mit Ausblick auf den Belchen gönne ich mir eine gemütliche Pause, koche Tee und futtere aus meinen Vorräten.

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                          Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC04415_(1024_x_768).jpg Ansichten: 0 Größe: 152,3 KB ID: 3035279

                          Bald danach stoße ich auf den Westweg, dem ich nun zumindest bis zum Wiedener Eck folgen kann. Vorher steht noch einen Abstecher auf das Hörnle, eine flache Wiesenkuppe, auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin höre ich aus einer sumpfigen Senke immer wieder ein kleines Blubbern, eine Art Bonsai-Geysir bemüht sich hier um Größe. Gibt es so etwas jetzt in Island als Souvenir? Leider fange ich das nur unzureichend mit der Kamera ein.

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                          Gemütlich geht es hinab zum Wiedener Eck, wo ich ein bisschen mit mir beratschlage, wie weit ich nun noch laufe, denn die nun folgenden Tausender sind für mein Unterfangen nicht so gut verteilt. Einer ist heute aber noch möglich, also geht es ein Stück weiter auf dem Westweg, der gut gespurt ist. Hier ist es recht frisch, da ich auf der Nordseite unterwegs bin. Wie unpraktisch das ist, wird mir spätestens klar, als ich mich die Skipiste hoch auf den Dietschel kämpfe. Puh, ist das anstrengend, ich denke nicht zum letzten Mal in diesen drei Tagen intensiv an meine Schneeschuhe! Mit denen würde man zwar immer noch ein Stück einsinken, aber eben nicht so tief. Im Moment muss ich halt so hier durch. Das gelingt mir zum Glück und ich stehe in der Abendsonne auf dem Gipfel.

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                          • Bergahorn
                            Erfahren
                            • 13.04.2019
                            • 175

                            • Meine Reisen

                            #53
                            29.3.2021

                            Hohtannen 1249 m – Heidstein 1274 m – Breitnauer Kopf 1121 m – Rübgartenkopf 1214 m – Brenntkopf 1188 m - Rollspitz 1236 m

                            Der Morgen empfängt mich mit strahlender Sonne, ich habe gut geschlafen, und kann um kurz vor 8 zum nächsten Gipfel namens Hohtannen streben. Das gelingt dank planierter Wege recht flott, es folgt die Gipfelroutine und schon laufe ich zurück und genauso ungehindert weiter zum Heidstein. Der letzte Aufstieg bietet moderate Stapferei, ich werde mit einem nahezu baumfreien und besonnten Gipfel sowie tollen Blicken belohnt: In der Ferne im Süden die Alpen, direkt „gegenüber“ der Belchen und jenseits der Rheinebene die Vogesen.

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                            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC04437_(1024_x_768).jpg Ansichten: 0 Größe: 52,9 KB ID: 3035288

                            Dann mache ich mich auf den Weg, um den abseits liegenden Breitnauer Kopf zu erklimmen. Dazu geht es aber erst einmal in gerade Linie den Berg hinunter, wobei ich noch im Wald den Westweg kreuze und später über Weiden bist nach Breitnau hinuntertrudeln kann. Hier gibt es fast keinen Schnee, ich kann also mal richtig schön ungehindert gehen. Tut gut! Die Sonne strahlt zwar schon heftig vom wolkenlosen Himmel, aber noch ist sie mir nicht zu heiß.

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                            Am Waldrand steige ich gemütlich hinauf, der Gipfel selbst liegt im Wald und ist schnell erledigt. Unweit finde ich eine schöne Stelle, um zu frühstücken. Unter mir segelt ein Rotmilan, ich lasse den Blick über die Rheinebene schweifen, lausche dem Vogelgezwitscher und versuche, ein fernes Motorsägenduett auszublenden.

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                            Richtung Süden meine ich außer dem nahen Belchen noch den Blauen zu erkennen.

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                            Gestärkt geht es wieder zurück bis zum Westweg, dem ich einmal mehr ein Stück folgen kann. Er erscheint mir hier besonders attraktiv, da in der Karte ein Brunnen eingezeichnet ist, den es zu meiner Freude dann auch wirklich gibt. Ich fülle meine Flaschen auf und wasche mir sogar Gesicht und Hände. Ein junges Pärchen kommt vorbei, er in Trailrunnern und kurzer Hose. Die Schuhauswahl wird er evtl. noch bereuen…

                            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC04445_(1024_x_768).jpg Ansichten: 0 Größe: 179,7 KB ID: 3035292

                            Wohlgelaunt laufe ich weiter bis zur Krinne, danach verliere ich beim Aufstieg zum Rübgarten im tiefen Schnee mehr und mehr die gute Laune. Es ist sooo anstrengend, warum gebe ich mir das? Das ist doch sowieso nur mal wieder so ein völlig unbedeutender Hubbel, der in vielen Karten noch nicht einmal einen Namen hat. Mit Schneeschuhen wäre das hier viiiel besser! Komme mir jetzt keiner mit irgendwelchen pseudophilosophischen Vergleichen, dass man auch im Leben manchmal trotz großer Anstrengung nur langsam vorankommt…! Mir kommt Blahakes berühmter Satz in den Sinn: “Ich bin zu alt für den Sch…!“
                            Aber wenn man alleine unterwegs ist, kann man niemand anderen volljammern oder gar die Schuld für die eigene Laune in die Schuhe schieben, so muss ich alleine mit mir klarkommen. Ich versuche, die knatschige Subjektivität gegen sachliche Objektivität zu tauschen und überlege, dass ich die Schneeschuhe auch schon oft hätte auf den Rucksack schnallen müssen. Außerdem hätte ich dann die Bergschuhe anziehen müssen, die keine Leichtgewichte sind. Hmmm, wahrscheinlich nimmt sich das im Endeffekt nichts und wirklich beurteilen kann ich das ohnehin erst am Ende der Tour. Jetzt ist es halt so, wie es ist! Mit diesen Gedanken lasse ich Höhenmeter um Höhenmeter unter mir und stehe schließlich auf dem Gipfel. Euphorie breitet sich nicht aus, aber die hatte ich jetzt auch nicht erwartet.

                            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 20210329_132231_(1024_x_768).jpg Ansichten: 0 Größe: 84,5 KB ID: 3035293

                            Was bin ich froh, als ich nach weiterem Gestapfe, immerhin geht es bergab schneller und der tiefe Schnee ist ja auch recht knieschonend, wieder an der Krinne stehe.
                            Eigentlich ist es ja bescheuert, so nahe am Belchen zu sein und ihn auszulassen. Aber zum einen habe ich ihn schon „absolviert“, zum anderen ist da oben eher noch mehr Schnee. Abgesehen davon habe ich wirklich nur drei Tage Zeit. So gehe ich jetzt mal richtig entspannt und ganz tumb auf Asphalt und Forstwegen das Multener Tal hinunter. Es ist so warm, dass ich schon fast die Hosenbeine abzippen möchte. Ich verzichte aber auf noch mehr Aus und An, das reicht mir schon mit den Gamaschen. Bei Untermulten biege ich ab zum Brenntkopf; auf Forstwegen geht es überwiegend ungehindert den Berg hinauf. Nur zum Schluss darf ich wieder stapfen, was die angeschlagene Laune nicht direkt hebt. Hier oben mache ich nun endlich in der Sonne Mittagspause. Danach geht es wieder runter, ich will schlau sein und abkürzen, und folge deshalb einem kleinen Weg, was keine gute Idee ist. So gibt es zu allem Überfluss an diesem Tausender noch ein paar Höhenmeter gratis dazu.
                            Beim Anstapf auf den Rollspitz frage ich mich grummelnd, was denn wohl los ist mit mir. Ich habe mich auf die Tour gefreut, es ist super Wetter, die Stapferei ist zwar anstrengend, aber ich bin davon rein physisch nicht kaputt, eigentlich staune ich eher, wie gut es geht. Ist also alles „nur“ mental…
                            Auf dem Rollspitz treffen sich verschiedene Wege, ich kann aber Schneeschuhspuren folgen, die mich zuerst zum Rollspitz Hüttle mit Blick auf den Feldberg und dann weiter zum Parkplatz Lückle führen.

                            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC04452a_(1024_x_768).jpg Ansichten: 0 Größe: 78,2 KB ID: 3035294

                            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC04453_(1024_x_768).jpg Ansichten: 0 Größe: 96,3 KB ID: 3035295

                            Blick zum Feldberg

                            Danach trotte ich gemächlich immer weiter hinunter bis zum Wiedener Eck. Der Schnee weicht Matsch, aber ich kann schon den schneefreien und trockenen Weiterweg sehen und freue mich darauf, einfach mal wieder Strecke machen zu können. So genieße ich den die Strecke in der Nachmittagssonne mit Blick auf Wieden. Mit jedem Schritt hebt sich meine Laune, mir fehlte wahrscheinlich dieses einfache, normale Gehen ohne Hindernisse, dessen Wohlfühlfaktor mir jetzt so richtig bewusst wird. Der Weg schlängelt sich am Hang entlang, und natürlich bin ich irgendwann auch wieder im Schnee unterwegs. Aber die gute Laune ist am Ende dieses Wandertages wiederhergestellt, und das ist jetzt die Hauptsache!
                            Zuletzt geändert von Bergahorn; 08.04.2021, 19:08.

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                            • Bergahorn
                              Erfahren
                              • 13.04.2019
                              • 175

                              • Meine Reisen

                              #54
                              30.3.2021

                              Horn 1231 m – Gaisköpfle 1136 m – Spechtboden 1139 m

                              Ein bisschen dauert es, ehe ich mich heute morgen erhebe, schmunzele ich doch noch einem etwas verückten Traum hinterher. Erstaunlich, was mein Gehirn da so alles ineinander püriert hat! Dann starte ich kurz vor acht zum Abschlusstag dieser Tour, an dem ich mich ein wenig der Entdeckung der Langsamkeit widmen will. Der Himmel ist heute absolut wolkenlos, es wird also wieder so warm werden, dass ich herumbummeln kann, ohne zu frieren. Ein bisschen merke ich in den Beinen, dass gestern ein anstrengender Tag war.
                              Schon nach ein paar Metern zapfe ich an einem Brunnen Frühstückswasser. So gesichert, aber auch beschwert, geht es stetig leicht hinauf, bis ich am „Pass“ bin und kurz darauf auf Muggenbrunn schauen kann. Dieser Ortsname klingt ja für Musiker – gerade in Corona-Zeiten – höchst verheißungsvoll, ich fürchte aber, dass mit Muggen in diesem Fall leider nur Mücken gemeint sind.
                              Nach ein paar Metern abwärts gibt es linker Hand einen idealen Frühstücksplatz, dem ich dann zu genau dieser Nutzung verhelfe.

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ID: 3035305

                              Heute ist Genießen angesagt, deshalb fange ich am besten gleich einmal damit an! Mir geht’s gut, die Sonne scheint, über mir im Baum zwitschert ein Vöglein aus Leibeskräften, mein Proviant schmeckt mir, die Maulelaune von gestern ist vorbei! Gegenüber sehe ich den Heuberg, den ich im letzten Jahr schon gezählt habe, weiter „rechts“ ist heute das Horn dran.

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ID: 3035306

                              Schließlich reiße ich mich von diesem herrlichen Ort los und trudele gemütlich weiter hinunter, fasse an einem Brunnen in Oberhäuser Wasser, bis ich an der Bushaltestelle „Säge“ die Straße quere und nun auf der anderen Seite des Tals „am Berg entlang“ wandere. Dass ich auf „Muggs Erlebnisrundweg“ unterwegs bin, merke ich am Holzschlagbach, wo sich dessen „Badezimmer“ befindet. Ich folge seinem Beispiel nicht, wartet doch zu Hause die heiße Dusche auf mich.

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ID: 3035307

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ID: 3035308

                              Bald darauf bin ich im Schatten mit entsprechend viel Schnee unterwegs. Hier ist es so kühl, dass ich trotz klarem Aufwärtstrend des Weges meine Jacke wieder anziehe. Ich umrunde den Berg etwas und komme in die Sonne, so dass ich die Jacke schon wieder ausziehen kann…
                              Ein Insektenhotel am Weg lässt mich ins Grübeln kommen: Braucht man das im Wirtschaftswald, weil es kein Totholz mehr gibt? Ich hoffe mal, dass es eher zu Touristeninformation hier steht.

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ID: 3035309

                              Auf den Gipfel komme ich dank Rückeweg und Schnee, hier wurde heftig abgeholzt, kleine Buchennachkömmlinge bekommen nun (zu) viel Sonne.

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ID: 3035310

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ID: 3035311

                              Nach einem Stück retour lande ich auf einem wunderschönen Touristenpfad am Waldrand, der mit zwei Sonnenliegen - nicht so superbequem, wie ich feststelle - , einem „Sprungbrett“ - wozu auch immer - , dem kleinen „Hornshittli“ und einer pädagogisch wertvollen Buchstabendrehanlage, an der ein Witzbold ein interessante Delikatesse erfunden hat, bereichert ist.

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ID: 3035314

                              Da ich ja heute die Langsamkeit entdecken will, begutachte ich diese Attraktionen in aller Ruhe und genieße den Blick über Todtnauberg und auf die gegenüber liegenden Gipfel, die heute noch dran sind.

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ID: 3035315

                              Vorbei an Tennis- und Fußballplatz komme ich zum Parkplatz Radschert. Hier gibt es so viele Wege, dass ich tatsächlich ein bisschen brauche, bis ich mich richtig eingefädelt habe und an der Jugendherberge, an der ich nostalgischen Gedanken an eine lang zurückliegende Tour nachhänge, vorbei nun auf dem Martin-Heidegger-Rundweg Richtung Ortsteil Rütte laufe. Der Herr ist mir ja wenig sympathisch und ich weiß nicht so recht, wie ich es finde, dass man ihn „touristisch nutzt“. Er besaß hier eine kleine Hütte, und ich muss zugeben, dass ich gut verstehen kann, dass es ihm in dieser Gegend gefallen hat. Habe ich doch auch schon ein wenig herumgeträumt, wie nett es wäre, hier so einen Rückzugsort zu haben. Allein die Anfahrt wäre dann doch etwas weit und ich vermute, dass hier ohne Corona-Bestimmungen weitaus mehr Rummel herrscht. Letztlich muss man sich um so eine Hütte ja auch dauernd kümmern...also besser nicht!
                              Auf andere Gedanken bringt mich eine Gassigängerin mit ihrem noch jungen Appenzeller Sennhund, der aber schon ganz super gehorcht. Da fällt mir doch gleich agricolinas Coco ein, der es hier sicher gut gefallen würde. Mittlerweile bin ich im U um Todtnauberg gelaufen, habe es also quasi „u-mrundet“, und bin sehr froh, als ich an der Berger Höhe wieder in den Schatten komme. Nun steht das Gaisköpfle an, das in den Karten meiner Ansicht nach völlig willkürlich auf dem sich abwärts ziehenden Bergrücken eingezeichnet ist. Also bitte, das ist doch kein Gipfel, ich werde jetzt sicher nicht zu irgendeinem beliebigen Punkt im Wald hinunterlaufen! So verlege ich es auf den tatsächlichen Gipfel am Skilift und bestimme mittels Karte und GPS (das aber sehr am Schwanken ist…) die Höhe auf 1136m, also genau 100m höher als das Gaisköpfle in der Karte steht. Passt schon!

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ID: 3035316

                              Zurück geht es zur Berger Höhe, dann weiter zum letzten Tausender dieser Tour, dem Spechtsboden. Erst spaziere ich gemächlich im Schlackerschnee auf Forstwegen hinab, dann bietet der Aufstieg ein finales Stapferlebnis in der prallen Mittagssonne. Das schaffe ich jetzt auch noch! Der Gipfel ist halt ganz oben, weiter ist dazu nichts zu sagen.

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ID: 3035317

                              Ich verschwinde auch relativ schnell wieder, um mir nicht noch einen Sonnenstich zuzulegen. Es ist direkt gut, dass der Schnee für Fußkühlung sorgt!
                              Als ich zum dritten Mal an der Berger Höhe ankomme, mache ich endlich Bummelpause, eine Bank unter einer Fichte lädt mit Halbschatten dazu ein. Kulinarisch wird es jetzt nicht besonders interessant und so richtig Hunger habe ich, wie auf der ganzen Tour schon, eigentlich nicht. Ich futtere aber auch jetzt ganz brav etwas, da die Coronaspeck-Fettverbrennung alleine wahrscheinlich auch nicht ausreichen würde. Testen will ich das jedenfalls nicht! Außerdem entledige ich mich der Schuhe, Plastiktüten und Socken. An diesen drei Tagen habe ich mit den Lagen ein wenig herumexperimentiert. Ergebnis: Sealskins müssen her, denn obwohl ich die Plastiktüten mittels Bügeleisen etwas fußgerechter geformt habe, verrutschen sie dann doch immer zu sehr. Na gut, so weiß ich das jetzt wenigstens! Schuhe und Socken dürfen nun in der Sonne trocknen, die aufgeweicht-schrumpeligen Füße strecke ich ins Gras, obwohl hier einige Ameisen emsig herumkrabbeln. Sie machen aber immer kehrt, wenn sie auf meine Käsequanten treffen. Kann ich direkt verstehen! Schließlich strecke ich mich noch auf der Bank aus und schaue durch die Zweige in den Himmel. Das Leben ist schön und so ein Bummeltag tut mir auch mal gut!

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ID: 3035318

                              Ein mir unbekannter Schmetterling gaukelt durch die Luft, so ganz genau kann ich die Zeichnung nicht erkennen, aber späteren Recherchen nach müsste es ein Trauermantel gewesen sein. Als die Socken nahezu trocken und die Füße gänzlich entschrumpelt sind, geht es weiter. Ich bin optimistisch und verzichte nun auf die Plastiktüten, obwohl es jetzt noch ein Stück über eine Wiese durch Schnee hinuntergeht. Das gelingt ohne weitere Fußwäsche, auf Asphalt laufe ich steil durch den Ortsteil Ennerbach hinunter, bis ich auf der Schwimmbadstraße gemächlich in Richtung Todtnauer Wasserfall strebe. Am Beginn der den Wasserfall begleitenden Wege studiere ich eine Tafel, auf der drei Möglichkeiten vorgestellt werden: Ein Weg rechts, ein Weg links und ein Steig sehr nah am Wasser, den man aber nur mit Sicherung gehen soll. Nun ja, dann verzichte ich heute mal besser auf Letzteren. Wie sich herausstellt, gibt es aber nur einen Weg, der im Zickzack über verschiedene Brücken ein richtig tolles Wasserfallerlebnis möglich macht. Selbst wenn ich noch mit der Entscheidung zur Abkürzung der Tour hadern würde, so wäre ich jetzt versöhnt! Zunächst sprudelt der Stübenbach zwar laut, aber noch moderat dahin, bis die erste Stufe kommt. Die ist auch noch ganz nett, ich zücke aber schon die Kamera, denn hier ist es schattig genug, dass ich mich endlich vom Automatikmodus verabschieden kann.

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ID: 3035319

                              Dann stürzt der nächste Fall in die Sonne, so dass ich mich an einem kleinen Regenbogen erfreuen kann.

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ID: 3035320

                              Als ich im Weitergehen denke, dass ich wohl Glück habe, an einem Wochentag hier zu sein, treffe ich auf mehr und mehr Leute. Von einem Seitenweg kommend, überholt mich beim Fotografieren ein verliebtes junges Pärchen. Sie hat sich zur Vorbereitung wohl unter einen Parfümwasserfall gestellt, jedenfalls grenzt die daraus resultierende Duftwolke schon an Körperverletzung. Mir verschlägt es den Atem und ich bestaune ihren Liebsten, dass er nicht nach Luft ringt! Ich will ja ganz und gar nicht bestreiten, dass ich inzwischen nicht auch ein olfaktorisches Erlebnis bin, aber diesen Radius erreiche ich mit Sicherheit nicht! Dankenswerterweise lassen sich die beiden dann aber am Wegesrand nieder, so dass wir uns im Folgenden nicht mehr nahe kommen müssen und ich mich frei atmend nun dem großen Wasserfall zuwenden kann. Wie ich finde, kommt da einiges an Wasser herunter, ich habe nach dem ganzen Gestapfe auch eine Idee, woher diese Mengen kommen...

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ID: 3035321

                              Das war jetzt noch ein richtig tolles Highlight zum Abschluss dieser Tour! Als ich mich weiter von den Wasserfällen entferne, wird es erst ruhiger, dann habe ich so einiges von der Straße. Nun ja, es geht zurück und ich werde nachher auch hier hochfahren. Schließlich lande ich wieder wohlbehalten am Auto, ziehe leichtere Schuhe an, besorge mir noch ein Glas Joghurt, das ich dann ohne weiteres auf einmal auslöffele und nehme die preiswertere Tankstelle im Ort in Anspruch. Als die Angestelle beim Bezahlen etwas fragt und ich „Wie bitte?“ nachhake, wiederholt sie die Frage auf so nette Art in sehr deutlichem Hochdeutsch: „Brauchen sie den Bon?“, dass ich lachen muss und mich für die Übersetzung bedanke.
                              Im saunaartig temperierten Auto fahre ich nun zurück. Irgendwie finde ich es immer nett, wenn ich noch ein bisschen durch den Schwarzwald kurve, bevor es dann viel zu bald auf die Autobahn geht.
                              Insgesamt war die Tour sehr schön, auch wenn ich am zweiten Tag teilweise so maulig drauf war. Dass die Schneeschuhe zu Hause blieben, war insgesamt gesehen die richtige Entscheidung, ich hätte in den schweren Bergschuhen und mit 1,6 kg mehr auf dem Buckel mindestens genauso geschimpft wie bei der Stapferei! Dumm war, dass ich nicht nur den Sonnenhut, sondern auch die Sonnencreme vergessen habe. Nachdem ich die ersten beiden Tage nicht ungesund errötet war, habe ich am dritten nicht mehr darüber nachgedacht und mir eine ziemlich rote Birne zugelegt. Nächstes Mal bin ich hoffentlich weniger schusselig!

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                              • LihofDirk
                                Freak

                                Liebt das Forum
                                • 15.02.2011
                                • 12939

                                • Meine Reisen

                                #55
                                Muggenbrunn hat wenn überhaupt nicht mit Mücken sondern mit Fliegen zu tun, Mücken wären ja Schnooge; wohl eher aber mit dem (Silber) Bergbau. Ein Muotære oder Muoter (Koseform Mucco) war jemand, der um eine Bergbaubewilligung ansuchte.
                                Du brauchst also keine Angst zu haben, vollkommen zerstochen zu werden, falls Du im Sommer wieder kommst.
                                http://www.koeblergerhard.de/wikilin...=mhd&page=2725

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                                • Bergahorn
                                  Erfahren
                                  • 13.04.2019
                                  • 175

                                  • Meine Reisen

                                  #56
                                  Interessant. Ich habe darauf mal selbst gegooglet und das hier gefunden:
                                  http://bz-ticket.de/warum-heisst-mug...-49336349.html
                                  Mit den Mücken lag ich also nicht völlig falsch, auch wenn badische Mücken Fliegen sind. Vor Mücken habe ich übrigens noch weniger Angst als vor Schwarzwaldwölfen!

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                                  • Blahake

                                    Dauerbesucher
                                    • 18.06.2014
                                    • 847

                                    • Meine Reisen

                                    #57
                                    Zitat von Bergahorn Beitrag anzeigen
                                    …Den breiten Weg teilen sich ganz ohne Gezeter Langläufer und Fußgänger.
                                    Während am selben Wochenende am Seibelseckle eine pingelige Langläuferin mal wieder höflich aber völlig erfolglos versucht hat, den Spaziergängern den Unterschied zwischen einem Wanderweg und einer Skatingloipe zu erklären! 🤭
                                    Ein wieder mal wundervolles Werk, liebe Bergahorn, textlich wie bildlich. Und Deine Installation mit Täfelchen und Trekkingstöcken sehen wir bestimmt bald auf der documenta.

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                                    • ronaldo
                                      Moderator
                                      Lebt im Forum
                                      • 24.01.2011
                                      • 9434

                                      • Meine Reisen

                                      #58
                                      Weiter gehts, sehr schön!

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                                      • Bergahorn
                                        Erfahren
                                        • 13.04.2019
                                        • 175

                                        • Meine Reisen

                                        #59
                                        Zitat von Blahake Beitrag anzeigen
                                        Während am selben Wochenende am Seibelseckle eine pingelige Langläuferin mal wieder höflich aber völlig erfolglos versucht hat, den Spaziergängern den Unterschied zwischen einem Wanderweg und einer Skatingloipe zu erklären! 🤭
                                        Ein wieder mal wundervolles Werk, liebe Bergahorn, textlich wie bildlich. Und Deine Installation mit Täfelchen und Trekkingstöcken sehen wir bestimmt bald auf der documenta.
                                        Kann es sein, dass ich die pingelige Langläuferin persönlich kenne? Als FußgängerIn hat man es aber rund ums Seibelseckle im Winter echt schwer: Entweder sind die Wanderwege wegen des Nationalparks gesperrt oder eben zu Loipen mutiert... Von daher kann ich das (absichtliche?) Unverständnis schon ein bisschen nachvollziehen.
                                        Danke für das Kompliment! Ob es mit der documenta etwas wird, wage ich aber zu bezweifeln.

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                                        • Bergahorn
                                          Erfahren
                                          • 13.04.2019
                                          • 175

                                          • Meine Reisen

                                          #60
                                          Zitat von ronaldo Beitrag anzeigen
                                          Weiter gehts, sehr schön!
                                          Dankeschön, das motiviert! Hatte ich mich doch beim Schreiben schon gefragt, ob die Tausender, die gefühlt immer mehr werden, nicht mit der Zeit etwas langweilig werden.

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