Feuer bohren mit nassem Holz

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  • Intihuitana
    Fuchs
    • 19.06.2014
    • 1627

    • Meine Reisen

    Feuer bohren mit nassem Holz

    Also um mal den schläfrigen Bushcraft/Survivalbereich hier ein wenig Leben zu verleihen...

    Gestern habe ich in einer Bushcraft Facebook Gruppe nachgefragt ob man mit komplett nassem Holz Feuer bohren könnte, indem man es durch Reibung trocknet.
    Durch einen User kam ich auf die geradezu genialen Feuerbohrvideos von NWprimate auf Youtube.
    Dort wird Feuerbohren auf einem neuen Level zelebriert. Unter anderem macht er Feuer mit einem Bowdrill Set, welches er im Bach durchnässt oder auch mit rein grünem Holz.

    https://www.youtube.com/watch?v=-8icnh-JlCo

    https://www.youtube.com/watch?v=H18yqo21lww

    Heute hatte mich der Ehrgeiz gepackt und ich wollte es selbst testen. Allzu viel habe ich mir nicht erhofft.
    In einem Auwald fand ich ein schön klammes Stück Linde, dass schon leicht stockig war und wollte mal damit testen.
    Da fiel mir der tolle Bast auf.


    Da kann man sich doch bestimmt was schönes draus basteln


    Dieser war schon etwas modrig und ich wollte sehen ob man auch damit Schnur machen kann. Ablösen ging ja super und auch ne schöne Schnur konnte man draus drehen, allerdings hielt die nicht wirklich gut und riss bei der Belastung des Feuerbohren. Verrottender Lindenbast eignet sich also nur für Schnüre die nicht stark belastet werden dürfen.



    Egal das war ja nur der "Beifang", ging mir heute um etwas anderes, also nahm ich halt Paracord.
    Alles andere habe ich mir vor Ort gefertigt. Etwas Wachs hatte ich noch dabei, damit die Reibung am Drucksück minimiert wird, aber es wäre auch ohne gegangen, nur mit Blättern und Spucke.
    Ich machte direkt zwei Bohrlöcher und bohrte abwechselnd beide and so dass sie richtig heiss wurden. Man konnte mit den Lippen fühlen wie das umliegende Holz trocken wurde.


    Die Löcher wurden abwechselnd gebohrt um das umliegende Holz zu trocknen

    Nach zwei Vorbohrungen konnte ich dann beim dritten mal Glut erzeugen.


    Glut die Erste

    Also wenn das möglich war, wollte ich auch noch einen Schritt weiter gehen und habe das Borhbrettt ins Wasser gelegt.
    Ca. 5 minuten lag es da drin, dann habe ich den Versuch gestartet auch damit Glut zu erzeugen.


    Schön durchnässt

    Ich habe noch ein weiteres Loch gemacht um das mittlere Loch von beiden Seiten vor zu trocknen.
    Es war eine heftige Bohrerei immer im Wechsel, als ich dann endgültig mit großer Kraft und Geschwindigkeit wieder eine Glut aus dem mittleren Loch erzeugen konnte.


    Es ist also möglich, Glut aus nassem Holz, nur durch Reibungswärme getrocknet

    Es ist also möglich und ändert für mich damit einiges in Sachen Survival-Feuerbohren. Die Technik muss aber zu 100% sitzen und auch das Material muss mitspielen. Linde ist natürlich Luxus.
    Das ganze lässt sich noch steigern, indem man es im Winter durchführt und mit selbst gedrehter Schnur. Ich freue mich schon auf den Winter.
    Russian Roulette is not the same without a gun. - Lady Gaga

  • Bambus
    Fuchs
    • 31.10.2017
    • 1047

    • Meine Reisen

    #2
    AW: Feuer bohren mit nassem Holz

    wirklich guter Bericht! Danke

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    • Martin1978
      Fuchs
      • 16.08.2012
      • 1657

      • Meine Reisen

      #3
      AW: Feuer bohren mit nassem Holz

      Wow....sieht nach übler, anstrengender Arbeit aus. Glückwunsch, dass es funktioniert hat
      Du gamla, Du fria, Du fjällhöga nord
      Du tysta, Du glädjerika sköna!
      Jag hälsar Dig, vänaste land uppå jord,
      Din sol, Din himmel, Dina ängder gröna.

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      • Intihuitana
        Fuchs
        • 19.06.2014
        • 1627

        • Meine Reisen

        #4
        AW: Feuer bohren mit nassem Holz

        Zitat von Martin1978 Beitrag anzeigen
        Wow....sieht nach übler, anstrengender Arbeit aus. Glückwunsch, dass es funktioniert hat
        Es war eigentlich weniger anstrengend als ein normaler Handdrill.
        In diesem Fall musste halt drei mal abwechselnd bohren. Hier war eher die Abnutzung des Bohrers das Problem. Das obere Ende am Druckstück musste trotz Wachs immer wieder nachgespitzt werden.
        Hier würde ich beim nächsten mal einen deutlich härteren Bohrer nehmen. Dieser war aus dem selben Material, wie das Brett.
        Russian Roulette is not the same without a gun. - Lady Gaga

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        • Bambus
          Fuchs
          • 31.10.2017
          • 1047

          • Meine Reisen

          #5
          AW: Feuer bohren mit nassem Holz

          hast du das auch weitergetrieben bis zum echten Feuer?
          Ich stelle mir vor, das da bei Shitwetter das Problem liegen kann.

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          • TanteElfriede
            Moderator
            Alter Hase
            • 15.11.2010
            • 4739

            • Meine Reisen

            #6
            AW: Feuer bohren mit nassem Holz

            Glückwunsch und toll beschrieben

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            • Pylyr

              Fuchs
              • 12.08.2007
              • 1556

              • Meine Reisen

              #7
              AW: Feuer bohren mit nassem Holz

              Ich freue mich schon auf den Winter.
              Du hast doch nen Schuss...

              Darum + für die tolle Pfütze fürs Einlegen.
              Wenn dir etwas gefällt, analysiere es nicht, sondern tanze dazu.
              Tex Rubinowitz

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              • Intihuitana
                Fuchs
                • 19.06.2014
                • 1627

                • Meine Reisen

                #8
                AW: Feuer bohren mit nassem Holz

                Zitat von Bambus Beitrag anzeigen
                hast du das auch weitergetrieben bis zum echten Feuer?
                Ich stelle mir vor, das da bei Shitwetter das Problem liegen kann.
                Ne das ist ja jetzt ein Witz. trockenen Zunder findet man überall. Aber du hast Recht. Vernünftigen Zunder bei schlechtem Wetter zu bekommen, ist noch schwerer als eine Glut zu erzeugen.
                Mit Punkwood und Zunderschwamm, lässt sich diese Glut wenigstens erhalten und vergrößern. Sehr feine Feather Sticks schnitzen wäre auch eine Möglichkeit. Mal sehen.
                Russian Roulette is not the same without a gun. - Lady Gaga

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                • Intihuitana
                  Fuchs
                  • 19.06.2014
                  • 1627

                  • Meine Reisen

                  #9

                  Ich war gestern wieder ein bischen spielen und ausprobieren. Feuer sollte gebohrt werden nur mit dem was ich finde, bis auf ein Victorinox und ein Stück Schnur. Nach der Schneeschmelze und ordentlich Regen ist natürlich alles durchnässt im ohnehin schon feuchten Auwald. Die richtigen Materialien zu finden sollte schwierig werden. Umso schwieriger, da ich nur ein kleines schweizer Messer dabei hatte und so großartige Spaltereien nicht so schnell von der Hand gehen.
                  Für den Zunder konnte ich die recht trockenen Reste des Klettenlabkrauts nehmen.

                  Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

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ID: 3022443

                  An Holz kam ich an einem alten Weidenast vorbei, der schon eine Sollbruchstelle hatte und sich gut brechen ließ. Durch schlagen auf Steine am Flussufer konnte ich so recht brauchbare Stücke für ein Bohrbrett schaffen, die noch mit dem Messer bearbeitet wurden.

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ID: 3022442
                  Der Bohrer wurde zuerst aus Weide gemacht, hat aber nicht getaugt, so fand ich zum Glück noch ein Stück Pfaffenhütchen welches perfekt gerade war.

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                  Druckstück war ein Flussstein mit einem Fossil, welches die perfekte Kerbe abgibt. Dieser Stein liegt so gut in der Hand und erzeugt nahezu keine Reibung, im Vergleich zu Holz.

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ID: 3022436

                  Beim Bohrer habe ich auf der einen Seite eine Methode genutzt, die ich bei FarNorhtBushcraft&Survival abgeguckt habe. Mit diesem Schlitz kann man sehr viel schneller die Länge der Schnur auf dne Bohrer anpassen und muss nicht jedesmal neu knoten.

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                  Wie zu erwarten, war es ziemlich schwierig eine Glut zu bekommen. Erst beim dritten Versuch hat es endlich geklappt, nachdem ich in zwei Löchern das Holz schon mal vorgewärmt und getrocknet habe.

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                  Da ich zurzeit auch eine Diät mache, bei der ich fast nix ausser Proteinen und Ballaststoffen zu mir nehme, kommt man der realen "Survivalsituation" noch etwas näher. Es ist etwas anderes so etwas mit vollem Bauch zu üben oder mit leeren Speichern, wie es nach ein paar Tagen in der Wildnis der Fall wäre. Mir ist paar mal schwindelig geworden.
                  Auch der Unterschied ob man ein großes oder kleines Messer dabei hat, hat sich heute sehr deutlich gezeigt. Mit dem kleinen Messer dauert alles viel länger und ist mühseliger und man muss andere Wege finden als mit einem großen.
                  So ein bischen Simulation ist immer gut um die eigenen Fertigkeiten zu üben und einen kleinen Realitätscheck zu machen.
                  Also, immer weiter üben.

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                  • Bambus
                    Fuchs
                    • 31.10.2017
                    • 1047

                    • Meine Reisen

                    #10
                    , danke für diese Erfahrungen !!
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                    Hm, mal sehen, ob ich das in den Fortgeschrittenen-Feuerkurs für meinen Großneffen einbaue... muß mal am WE selber ausprobieren...

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                    • Bufo
                      Anfänger im Forum
                      • 18.06.2011
                      • 44

                      • Meine Reisen

                      #11
                      Tolle Beschreibungen, echt klasse.
                      Den Trick von FarNorhtBushcraft&Survival kannte ich noch nicht.

                      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

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Größe: 5,41 MB
ID: 3022439

                      Ich nutze stattdessen einen Mastwurf am unteren Ende des Bogens und greife, damit er nicht aufgeht, mit der Hand darauf. Den obigen Trick werde ich dennoch mal ausprobieren.

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