Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

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  • Chouchen
    Freak

    Liebt das Forum
    • 07.04.2008
    • 18937

    • Meine Reisen

    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

    Zitat von Pfad-Finder Beitrag anzeigen
    Schienbeinersatzverkehr ist eingetroffen:
    Hast Du November seit Silvester am Bahnhof sitzen lassen, Du Wüstling? Tsssss!
    "I pity snails and all that carry their homes on their backs." Frodo Baggins

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    • Pfad-Finder
      Freak

      Liebt das Forum
      • 18.04.2008
      • 11191

      • Meine Reisen

      AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch



      Ja, wir wissen, das ist schon Thueringen. Aber nur knapp!
      Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

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      • lina
        Freak

        Vorstand
        Liebt das Forum
        • 12.07.2008
        • 35948

        • Meine Reisen

        AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

        Schreib, schreib … !

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        • derSammy

          Lebt im Forum
          • 23.11.2007
          • 7237

          • Meine Reisen

          AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

          Bei allem "Gemecker" über die Kriechgeschwindigkeit .. sollte man aber auch positiv anerkennen dass das WAI inzwischen schon die 17te Epidemie, bzw. Pandemie mitgemacht hat ...

          https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_..._und_Pandemien

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          • Torres
            Freak

            Liebt das Forum
            • 16.08.2008
            • 26296

            • Meine Reisen

            AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

            "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org.

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            • Chouchen
              Freak

              Liebt das Forum
              • 07.04.2008
              • 18937

              • Meine Reisen

              AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

              Zitat von derSammy Beitrag anzeigen
              sollte man aber auch positiv anerkennen dass das WAI inzwischen schon die 17te Epidemie, bzw. Pandemie mitgemacht hat ...
              Ich glaube das WAI ist die Büchse der Pandora: es reist umher, ist dauernd in anderen Händen und regelmäßig steckt jemand seine ungewaschenen Pfoten rein. Es ist die QUELLE, Dose X sozusagen!!!
              "I pity snails and all that carry their homes on their backs." Frodo Baggins

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              • Goettergatte
                Freak

                Liebt das Forum
                • 13.01.2009
                • 25327

                • Meine Reisen

                AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

                Das Kyffhauser Ungetüm ist mir immer wieder widerlich
                und für son Schiet planierte man 3/4 Kaiserpfalzruine,
                man sollte die Hohenzollern rückwirkend dafür zahlen lassen
                "Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------
                Mit erkaltetem Knie;------------------------------
                Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,-----------------
                Der über Felsen fuhr."________havamal
                --------

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                • Chouchen
                  Freak

                  Liebt das Forum
                  • 07.04.2008
                  • 18937

                  • Meine Reisen

                  AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

                  Zitat von Goettergatte Beitrag anzeigen
                  man sollte die Hohenzollern rückwirkend dafür zahlen lassen
                  Ach, lass mal, die armen Häsileins haben doch bekanntermaßen kein Geld, weil sie enteignet wurden. Oder so ähnlich.
                  "I pity snails and all that carry their homes on their backs." Frodo Baggins

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                  • Pfad-Finder
                    Freak

                    Liebt das Forum
                    • 18.04.2008
                    • 11191

                    • Meine Reisen

                    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch



                    Ferdsch. Bericht folgt.
                    Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

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                    • lina
                      Freak

                      Vorstand
                      Liebt das Forum
                      • 12.07.2008
                      • 35948

                      • Meine Reisen

                      AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch


                      Bin gespannt auf welchen Wegen das WAI da hin gekommen ist.
                      Zuletzt geändert von lina; 15.03.2020, 23:18.

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                      • Mika Hautamaeki
                        Alter Hase
                        • 30.05.2007
                        • 3935

                        • Meine Reisen

                        AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

                        Das ich das noch erleben darf... Vielen Dank, dass es weiter geht!!!!
                        So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
                        A. v. Humboldt.

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                        • November
                          Freak

                          Moderator
                          Liebt das Forum
                          • 17.11.2006
                          • 10405

                          • Meine Reisen

                          AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

                          Nun ja, der WAI-tertransport ist unerwartet ins Stocken geraten, aber dafür kann ich am Wochenende mal erzählen, wie das gute Stück von Kelbra nach Dessau gekommen ist.
                          Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um.

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                          • Pfad-Finder
                            Freak

                            Liebt das Forum
                            • 18.04.2008
                            • 11191

                            • Meine Reisen

                            AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

                            Bauhaus. Wenn's gut werden muss.
                            Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

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                            • Goettergatte
                              Freak

                              Liebt das Forum
                              • 13.01.2009
                              • 25327

                              • Meine Reisen

                              AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

                              OT: Walter wuste es zumindest
                              Theho Mestore nicht
                              "Wärme wünscht/ der vom Wege kommt----------------------
                              Mit erkaltetem Knie;------------------------------
                              Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,-----------------
                              Der über Felsen fuhr."________havamal
                              --------

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                              • lutz-berlin
                                Freak

                                Liebt das Forum
                                • 08.06.2006
                                • 11813

                                • Meine Reisen

                                AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

                                OT: Herbert nicht vergessen.

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                                • November
                                  Freak

                                  Moderator
                                  Liebt das Forum
                                  • 17.11.2006
                                  • 10405

                                  • Meine Reisen

                                  AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

                                  Nach vielerlei theoretischem Basteln haben wir festgestellt, dass es zu Fuß einfach nicht passt. Die Strecken sind entweder zu kurz, zu lang, zu eintönig. Also Umstieg aufs Fahrrad.

                                  13. März 2020



                                  In der frühen Dämmerung Ankunft am Bahnhof Berga/Kelbra und Fahrt durch Kelbra-City zum Zeltplatz am Stausee. Theoretisch hat er geöffnet, praktisch ist die Rezeption schon ab 15 Uhr geschlossen. Auch sonst wirkt der Platz trotz der vielen Dauercampmobile fast wie ausgestorben. An der Schautafel hängen die Telefonnummern von der Feuerwehr und vom örtlichen Diplomstomatologen. Im Sanitärgebäude hat nur die Herrentoilette geöffnet, aber was soll's, ist ohnehin niemand da.


                                  14. März 2020


                                  Zeltplatz am Stausee Kelbra

                                  Am nächsten Morgen können wir doch noch in der nun geöffneten Rezeption unseren Obolus entrichten.

                                  Zumindest in einem Punkt machen wir da weiter, wo wir Ende Dezember aufgehört haben: Es herrscht Kaiserwetter. Also beste Bedingungen für die Fahrt zum Kaiserdenkmal. Unermüdlich (na ja, beinahe unermüdlich) strampeln wir in unsere Pedalen. Denn wie kann es anders sein: Kyffhäuser-Burg und Denkmal liegen natürlich ganz oben auf dem Berg. Oben werden wir übrigens angesprochen, ob wir die „jungen Leute“ wären, die hier mit den Fahrrädern hoch sind, und das ganz ohne Motorunterstützung. „Junge Leute“, so so …

                                  Kaum sind wir durch den Einlass durch (hier möchte die Kontrolle nicht die PLZ, sondern das Herkunfts-Bundesland wissen), fällt die erste Panne auf: Der Herr Pfad-Finder hat draußen das WAI vergessen, also nochmal zurück auf Los; jetzt kann die Foto-Session beginnen.

                                  Das 19. Jahrhundert war die Zeit der großen Nationaldenkmäler, also wollten die Deutschen eben auch eins - oder gleich mehrere. Man kann vom Kyffhäuser-Denkmal nun halten, was man möchte: Beeindruckend in seiner Gestaltung und Dimension ist es allemal.


                                  Kleines WAI und großes Denkmal


                                  Da sitzt er, der Kaiser Rotbart.


                                  Blick auf die Oberburg


                                  Der Herr Pfad-Finder macht sich enorme Mühe, gemeinsam auf einem Bild den Schriftzug Elsass-Lothringen und den Aufkleber vom Elsass abzulichten. Also tue ich ihm den Gefallen und stelle das Bild hier ein.

                                  So, Schluss mit Kyffhäuser, wir sind ja nicht zum Vergnügen hier. Kurz noch dem WAI die Unterburg der ehemaligen Reichsburg gezeigt und dann schnell ab ins Tal. Wobei schnell nicht wirklich zutreffend ist. Hinunter nach Tilleda durch den Wald führen anfangs nur schmale, verwurzelte Pfade. So zeige ich eben die Liebe zu meinem Fahrrad: Ich schiebe es teilweise. Damit ist dann auch der kurze Abstecher nach Thüringen erledigt, Tilleda liegt bereits wieder in Sachsen-Anhalt.


                                  abwärts

                                  Hier ist nicht der Ort selber interessant, sondern die alte Königspfalz, die Residenz der Kaiser und Könige zu Füßen des Kyffhäusers.


                                  Toranlage


                                  Blick zur Burg


                                  Begrüßung in der Rosenstadt Sangerhausen

                                  In Sangerhausen merken wir, dass es schon recht spät ist, wir aber noch ein ganzes Stück Weg vor uns haben. Für das Rosarium, die angeblich weltgrößte Rosenausstellung, ist es ohnehin die falsche Jahreszeit, aber auch in der gut erhaltenen historischen Altstadt reicht die Zeit nur für eine kurze Futterpause auf dem sonnigen Marktplatz.


                                  Marktplatz Sangerhausen


                                  Abraumhalde des Kupferschieferbergbaus


                                  Schloss Beyernaumburg im charmant-romantischem Schwebezustand zwischen Behauptung und Verfall


                                  ein altes Herrenhaus aus dem für diese Gegend so typischen Porphyr

                                  Ob das WAI jemals Wittenberg als Hauptwirkungsstätte Martin Luthers sehen wird, ist ungewiss. Notfalls muss die Lutherstadt Eisleben als Alibiort herhalten. In der einsetzenden Dämmerung rollen wir die Stadt gewissermaßen von hinten auf:


                                  Blick auf die Skyline von Eisleben


                                  Luthers Sterbehaus


                                  Hier stehe ich, ich kann nicht anders.


                                  Luthers Geburtshaus

                                  Da wir die Stadt schon kennen, dient der jetzige Kurzbesuch ohnehin nur als Fotovorlage für das WAI.


                                  Und nun nichts wie raus aus der Stadt und einen passenden Zeltplatz gesucht. Vorher noch Licht einschalten, denn es dämmert gar sehr. Als wir unseren ausgespähten Feldweg erreichen, passiert es: Ich rutsche mit dem Rad weg und finde mich auf dem Rücken liegend in einer großen Schlammpfütze wieder. Immerhin macht der Herr Pfad-Finder jetzt nicht den Fehler, mich fotografieren zu wollen. Als er jedoch weiterhin nicht den nächstbesten, sondern den optimalen Zeltplatz suchen möchte, werde ich etwas ungehalten. Aber letztlich wird alles gut: Zelt aufbauen, nasse Klamotten ausziehen, essen kochen, schlafen.


                                  15. März 2920


                                  Sonntagmorgen

                                  Nachts gab es Frost, das heißt meine Klamotten sind jetzt schlammverkrustet und steif gefroren – tolle Kombination. Einiges kommt gleich in die praktische Plastiktüte und wird erst zu Hause mit spitzen Fingern wieder ausgepackt. Für obenrum hab ich irgendwelche Ersatzsachen, untenrum tut es die lange Unterhose und Herrn Pfad-Finders Regenhose. Meine lange Hose drapiere ich - so gut es geht - auf den Fahrradtaschen und lasse sie im Wind trocknen.

                                  Heute warten vor allem die Mühen der Ebene auf uns.


                                  Wo ist Schwittersdorf? "Dada!"

                                  Dieser Teil Sachsen-Anhalts ist weder mit touristischen Attraktionen noch mit großen Reichtümern gesegnet. Auf so manche Straßen passt der Ausspruch: Loch an Loch und hält doch.


                                  Landesstraße


                                  Salzhalden im Hintergrund


                                  Wettin an der Saale

                                  Die Burg Wettin, der Stammsitz des Fürstenhauses Wettin. Aber nicht einmal eine Brücke gibt es hinüber auf die andere Seite und so gleiten wir ganz romantisch mit der Fähre über die Saale. Es ist Mittagspause und ich kann endlich meine inzwischen trockene Hose anziehen, in der Regenhose wurde es inzwischen doch unerträglich heiß.


                                  Mittagspause an der Saale

                                  Da eine Fahrt entlang der Saale noch auf den nächsten WAI-Etappen geplant ist, überqueren wir sie hier nur und fahren hoch zur Burg. Die Aussicht auf die Wettinischen Ländereien ist schon nicht übel, die Burg hingegen kann nicht besichtigt werden. Ober- und Unterburg werden als Gymnasium für Bildende Kunst genutzt.


                                  Von diesem Anblick gibt es sicher hunderte Abbildungen in Bleistift, Kohle, Kreide, Öl und Aquarell.


                                  Blick auf Löbejün

                                  Das Städtchen Löbejün hat über 2000 Einwohner, aber wirkt so ausgestorben, dass es schon fast unheimlich ist. Hübsch, aber leer.
                                  Bedeutendster Sohn der Stadt ist Carl Loewe, ein Komponist des 19. Jahrhunderts mit einem enormen Schaffenspensum. Eine Gedenktafel preist ihn als den „unerreichten Meister in der Melodie des Volksliedes und der Volkssaga, den Schöpfer herrlicher Oratorien“.
                                  Da die Eisdiele offensichtlich schon seit mehreren Jahren geschlossen hat, fahren wir eben weiter.


                                  Kirche in Löbejün

                                  Köthen: deutlich über 20.000 Einwohner, aber auf den ersten Blick ähnlich ausgestorben. Wo sind nur die Menschen? Restaurants oder Cafes gibt es ohnehin kaum, aber die wenigen sind geschlossen. Wir irren ein wenig hilflos umher und finden dann doch noch eine geöffnete Bäckerei. Es gibt Rührei, Cola, Kaffee und Kuchen. Uns wird bewusst, dass das vermutlich der letzte Gastronomiebesuch auf längere Zeit sein könnte.


                                  Köthen

                                  Erst zu Hause lese ich, dass der homöopathische Weltärzteverband seinen Sitz in Köthen hat und es deshalb auch gerne als Welthauptstadt der Homöopathie bezeichnet wird. Was natürlich auch eine Erklärung für die äußerst geringe Menschenkonzentration hier sein könnte.


                                  Noch eine Meile bis Dessau

                                  Auch Dessau kennen wir, haben die Bau- und Meisterhäuser bereits besucht, so dass jetzt nur noch eine Fototour ansteht.


                                  Eingang zum Park Georgium

                                  Dessau - das sind zwar auch die weitreichenden Parkanlagen und die Flussauen an Mulde und Elbe, die Junkers-Flugzeugwerke, aber vor allem die Idee des Bauhauses.


                                  Eine Idee geht um die Welt






                                  Erste Zeichen einer langen Durststrecke



                                  Selbst die Trinkhalle hat geschlossen.


                                  Brücke über die Mulde


                                  Bahnhof Dessau - passend für und noch mit WAInachtsdekoration
                                  Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um.

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                                  • Pfad-Finder
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                                    • 18.04.2008
                                    • 11191

                                    • Meine Reisen

                                    AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

                                    Wieder in Dessau. Nach zweieinhalb Monaten Corona-Zwangspause holten wir das WAI am Freitagabend aus dem virtuellen Schließfach im Bahnhof, der immer noch so tot war wie bei Ende der letzten Etappe Mitte März.




                                    Durch die Muldeauen ging es nach Südosten.




                                    Als Hommage an das „Land der Frühaufsteher“ saßen wir am nächsten Morgen schon um kurz nach halb neun wieder auf den Rädern. In Jeßnitz an der Mulde hatte man nach dem Hochwasser 2002 doch die Absicht, eine Mauer zu errichten. Gegen das Muldehochwasser nämlich.




                                    Schwanennest an einem Mulde-Altarm.




                                    Erstes echtes Ziel war Wolfen. Hier war der Sitz von ORiginal WOlfen (ORWO) und damit das Zentrum der DDR-Filmherstellung. „Du hast den Farbfilm vergessen“, rief ich Frau November kurz vor der Stadtgrenze zu. Vor Schreck drückte sie den Auslöser, als das Szenenwahlrad noch auf Schwarz-Weiß stand.




                                    Das Rathaus der heutigen Doppelstadt Bitterfeld-Wolfen befindet sich im ehemaligen Agfa- und späteren Orwo-Verwaltungsgebäude. Wer die Rathausvorsteherin ist, war vor Ort nicht ersichtlich. Lieselotte Thälmann, wie ich mutmaßte, war es nicht, sondern eine unbekannte Chemiearbeiterin.



                                    Hinter dem Rathaus das "Robotermädel".




                                    Das Filmmuseum war auch ohne Corona wegen Umbau geschlossen. Lediglich in einem Anbau war ein Blick auf eine Maschine zu erhaschen, mit der anscheinend 1000mm-Breitwandfilm für sowjetische Monumentalfilme hergestellt wurde.




                                    In der Nachbarstadt Bitterfeld brachte ein zufällig entdecktes DDR-Keramikrelief am Markt unser Weltbild zum Einsturz. „Seh‘n wir uns nicht in dieser Welt/so sehen wir uns in Bitterfeld“ stand da – und eine Gugelfrage später wussten wir, dass der vermeintliche Spottvers über den vergifteten DDR-Chemiestandort aus einer viel älteren Sage stammte.






                                    In einer Nebenstraße hatte sich ein Elektromarkt beim Auszug einen besonderen Humor erlaubt. So was kannste Dir nicht ausdenken…




                                    Im Osten von Bitterfeld liegt die Goitzsche, ein zum See umgebauter Braunkohletagebau. Den sorgfältigen Plänen für eine langsame Flutung machte das Hochwasser 2002 einen Strich durch die Rechnung: Binnen weniger Stunden füllte die Mulde die Grube so weit, dass später sogar wieder Wasser abgelassen werden musste. Heute erinnert an den Tagebau nur eine kleine Ausstellung am Ufer. In welchem Jahr wurde übrigen die Lok hergestellt? "1913" ist jedenfalls falsch.

                                    Für die Antwort bitte den Abschnitt zwischen den geschweiften Klammern mit der Maus markieren: {1988}




                                    Daneben der Bergmann Leo. Die Skulptur stand vor über 100 Jahren im Verwaltungsgebäude der ehemaligen Grube Leopold in der Brikettfabrik Bitterfeld.




                                    Natürlich mussten wir auch den Wallfahrtsort der DDR-Faltbootszene besuchen, Pouch auf der schmalen Landbrücke zwischen Goitzsche und Muldestausee. Hier wurde (und wird?) das legendäre RZ 85 hergestellt, das es dank der molwanischen Brockenexpedition inzwischen sogar auf den Brocken geschafft hat. Vom historischen Firmensitz ist nur noch das Wandrelief erhalten.




                                    Rund um die Goitzsche fuhren wir zum „Bitterfelder Bogen“, einer Aussichtsplattform auf einer Abraumhalde. Leider waren wir zur falschen Tageszeit da und konnten daher mit unseren Rädern das „Nur für Fußgänger“-Schild nicht ignorieren, sondern mussten den Bitterfelder Weg mit allen Windungen zu Fuß beschreiten.






                                    Blick vom/von der Burgstetten bei Niemberg




                                    Hinter Niemberg war es Zeit, einen Lagerplatz zu finden. Zum Glück liegt Niemberg nicht in einem Funkloch, so dass wir auf Luftbildern auf dem Smartphone nach geeigneten Stellen suchen konnten. Wir entdeckten unweit eine freie Fläche, die sich dann vor Ort auch als wunderbar geeignet erwies. Irgendwie war es früher aber spannender. Am nächsten Morgen stellten wir fest, dass wir nicht alleine waren. In der Nacht war noch ein weiteres Pärchen angekommen, hatte sein riesiges Oldschool-Baumwollzelt aber nicht wie wir dezent im Schatten einiger Büsche aufgestellt, sondern weithin sichtbar.

                                    Zügig rauschten wir nach Halle hinunter.




                                    Bei Burg Giebichenstein - heute Kunsthochschule - bogen wir auf den Saaleradweg Richtung Süden ein.




                                    "An der Saale hellem Strande"?




                                    Diese Krähe verstand es, sich ins Szene zu setzen. Das Schild bezieht sich aber auf ein Relief auf der Oberseite des Steins.




                                    Durch den "Pfingstanger" ging es auf sehr naturnahen Wegen in Ufernähe weiter. Der Saaleradweg führt hier nicht entlang.




                                    Kohlekraftwerk Schkopau. Hier wird für die Deutsche Bahn der Strom erzeugt, für den sie keinen grünen Streifen an die Regio- und Güterzugloks malt.




                                    In Merseburg statteten wir dem Dom einen Besuch ab, aber nur von außen. Beginnend mit der Zeit der deutschen Ostsiedlung im Mittelalter war Merseburg ein wichtiges religiöses Zentrum.




                                    Bekannt sind auch die althochdeutschen "Merseburger Zaubersprüche", die aber mit Merseburg nur insoweit zu tun haben, als sie dort 1841 in der Bibliothek entdeckt wurden.




                                    Anschließend schauten wir beim Deutschen Chemiemuseum über das geschlossene Tor. Bei einem früheren Besuch hatten wir hier eine fachkundige Führung von einer ehemaligen Mitarbeiterin des Chemiekombinats erhalten. Dank der Investitionsschwäche der DDR konnten auch Anlagen aus dem frühen 20. Jahrhundert quasi direkt aus der Produktion in das 1993 gegründete Museum überführt werden. Also: Unbedingt besuchen, bevor die Erlebnisgeneration ausstirbt und die Ausstellung unter freiem Himmel weggerostet ist.




                                    Mein Plan, dem WAI die unvollendete unterirdische sowjetische Führungszentrale auf der Klobikauer Höhe am Geiseltalsee zu zeigen, scheiterte am mittlerweile zugeschütteten Eingang. Dafür bot die Pseudo-Wallfahrtskapelle hoch über dem größten künstlichen See Deutschlands und den Weinhängen das erwünschte Fotomotiv.




                                    Vorgeschmack auf Thüringen: Osta-Cola aus der Brauerei Dingsleben (ja, der Ort heißt wirklich so, wir waren sogar schon einmal dort!). Wenn das Getränk nicht in irreführender Weise "Cola" heißen würde, wäre es sogar genießbar.




                                    Nachdem wir den Geiseltalsee zu zwei Dritteln umrundet hatten, bogen wir nach Westen ab und fanden noch vor Albersroda einen Platz für die Nacht.

                                    Auch diesmal tat uns das Wetter den Gefallen, auf Morgentau zu verzichten, so dass das Zelt trocken einpacken und um halb neun aufbrechen konnten. Nach einer vertieften Kilometerinventur und einigen Anpassungen der geplanten Route am Vorabend waren wir nämlich zu dem Ergebnis gekommen, dass wir schon heute das WAI an der Landesgrenze zu Thüringen abwerfen könnten.


                                    Bitterfeld hat zwar den Bogen raus, aber nur einen. Das Unstruttal hat dank der Hochgeschwindigkeitsstrecke Halle-Erfurt sogar vier.




                                    Erst einmal steuerten wir den Fundort der Himmelsscheibe von Nebra an. Der liegt natürlich nicht in Nebra, sondern auf dem höchsten Berg der Umgebung. So sind die Astronomen eben. Weil knapp drei Kilometer zu Fuß vom letzten Parkplatz bis zum Gipfel für die meisten Touristen offenbar zu viel ist, hatten wir die Zufahrtsstraße praktisch für uns, und selbst um kurz nach zehn Uhr vormittags waren wir ganz alleine auf dem mit viel Gefühl in die Landschaft eingefügten Beton-Aussichtsturm.




                                    Was gab es da zu sehen? Nicht nur den Fundort, sondern auch den Kyffhäuser und viel kaputten Wald. Offensichtlich hat sich Sachsen-Anhalt neben Borkenkäfer auch Eichen- und Kiefernschädlinge eingefangen.




                                    Bei Memleben queren wir erneut die Unstrut. Auf der Landkarte sieht sie als Paddelgewässer attraktiv aus, in der Praxis sieht man vom Boot aus oft nur die Böschung.




                                    Memleben ist vorletzter Ort vor der Landesgrenze zu Thüringen. Da hat Sachsen-Anhalt wirklich Glück gehabt, denn die Ruine der Klosterkirche zur nicht mehr erhaltenen Kaiserpfalz ist sehenswert.






                                    Nicht die chinesische Tonkriegerarmee, sondern vermutlich Ottos und Heinrichs auf dem Grundriss der Kaiserpfalz.




                                    Nun begann der Endspurt zum Saaletal. Natürlich verliefen fast alle Täler und Höhenzüge quer zu unserer Fahrtrichtung.




                                    In Pleismar entdeckte Frau November im Vorbeifahren einen Kaufstein vor der Kirche (nein, keine Verwechselung von T und K). Am Kaufstein wurden wichtige Geschäfte abgeschlossen, er hatte also die Funktion eines Notariatsbüros.


                                    Das WAI - meistbietend zu verkaufen


                                    Ich wiederum entdeckte das gotische Haus in Burgheßler aus dem 15. Jahrhundert. Der Adelssitz war laut Wikipedia Nachfolgebau einer mittelalterlichen Burg.




                                    Nach diversen weiteren Hügeln kamen Rudelsburg und Burg Saaleck in Sicht, "Burgen stolz und kühn". Unser Versuch, im Saaletal noch ein Eiscafe zu finden, scheiterte an "wir haben keins mehr" und "Vorübergehend geschlossen".




                                    An der Saalebrücke zwischen Klein- und Großheringen überquerten wir schließlich die Landesgrenze, wünschten dem WAI eine gute Weiterreise und deponierten es im virtuellen Schließfach am Bahnhof.

                                    Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

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                                      • 18.04.2008
                                      • 11191

                                      • Meine Reisen

                                      AW: Die Schnecke kriecht - Das Tourtagebuch

                                      Noch einmal mit Anlauf nach Thüringen

                                      Ein Familientermin erlaubte es im Juli, noch etwas tiefer nach Thüringen einzudringen. Von Naumburg kommend querten wir nördlich von Burg Saaleck die Straße, auf der wir im Juni auf unseren Rädern zur Saale hinuntergeschossen waren. Auf dem demarkierten und daher schon etwas zugewachsenen ehemaligen Himmelreich-Weg am Hang entlang gelangten wir nach Großheringen, wo das Restaurant „Feldschlösschen“ immer noch geschlossen war. Vielleicht sollte es in „Geschlösschen“ umbenannt werden?



                                      Wildnisweg vom Himmelreich nach Großheringen


                                      Großheringen von oben




                                      Denkmal für die Schlacht von Auerstedt 1806 in Sonnendorf, in der französische Truppen die eigentlich überlegenen preußischen Truppen besiegten.

                                      Aber es kam noch heftiger: Ich hatte uns extra den Weg über die Sonnenburg gelegt, um dort Erfrischung und Aussicht auf Bad Sulza zu genießen. Beides war nicht möglich – die Sonnenburg war geschlossen, und das offenbar nicht erst seit Corona. Es blieb also nur der Abstieg, der allerdings mit den „Kleinen Goldtrompeten“ belohnt wurde. Manche behaupten, die Pflanze würde „Wachtelweizen“ heißen, aber ich bezweifle, dass Couchis Wachteln davon so begeistert wären.



                                      Schloss oder Burg, egal, geschlossen!



                                      Das Gradierwerk in Bad Sulza hatte schon seit 16 Uhr geschlossen - wahrscheinlich wegen Gefahr von Tröpfcheninfektion

                                      In Bad Sulza statteten wir noch Goethes Gartenhaus II einen Besuch ab. Ich gebe zu: Meine Begeisterung für Goethe hält sich sehr in Grenzen. Ich bin meinen Eltern noch heute dankbar dafür, dass ihr mehrbändiges Literaturlexikon es mir ermöglichte, einen großen Teil der Goethe-Lektüre in der Schule zu bewältigen, ohne die Werke übermäßig lesen zu müssen.




                                      Im Bahnhofsimbiss „Zur alten Dampflok“ beendeten wir unseren Ausflug bei einem leckeren Apoldaer Weizen alkoholfrei (bei 27 Grad schmeckt aber wahrscheinlich jedes ordentlich gekühlte Bier gut) und deponierten das WAI im virtuellen Schließfach.





                                      Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

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                                      • WanderElly
                                        Erfahren
                                        • 27.07.2020
                                        • 139

                                        • Meine Reisen

                                        So, es wird Zeit hier mal noch ein paar Worte über meine Tour mit dem WAI zu Papier zu bringen. Ist ja schließlich schon ein paar Monate her.. Ich habe Ende September/Anfang Oktober 2020 die Verbindungsetappe von Thüringen nach Hessen übernommen, genauer gesagt von Hörschel bis ungefähr Gersfeld - aber lest selbst!

                                        Fr. 25.9.2020 Hörschel - Eisenach

                                        Ich treffe das WAI am späten Nachmittag im Gasthof "Tor zum Rennsteig", wo es seit seiner Rennsteig-Tour mit Micha fürstlich logiert hat. Ich bin ziemlich aufgeregt (hat überhaupt schonmal so ein ODS-Newbie wie ich das WAI tragen dürfen?) und sorge mich um den ersten Eindruck, den ich bei ihm hinterlasse (nachdem ich heute schon 25 km Asphalt entlang der Werra in den Knochen habe, ist mein Gang etwas, naja, sagen wir unrund). Doch da halte ich es schon in Händen, stolpere aus der Gaststube und los gehts auf die letzten Kilometer des Tages bis nach Eisenach.

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                                        Startfoto nicht vergessen!

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 2.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,24 MB ID: 3012909
                                        Infrastruktur-Knotenpunkt Hörschel

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                                        Blick zurück


                                        Erstaunlich schnell schwillt der Autobahnlärm zu einem harmlosen Summen ab und es geht auf schönen Pfaden nach Osten, durch den Wald parallel zur A4 und über den Feuersteinkopf. Erste lustige Wald-Erlebnis-Schilder für die süßen Kleinen deuten auf die näher kommende Stadt hin. Beim Anblick eines duschenden Bibers murmelt das WAI etwas von "du freust dich sicher auch auf die Dusche heute Abend". Eine Bemerkung, die ich nach kurzem Überlegen als missglückten Small-Talk-Versuch statt als unterschwellige Beleidigung werte - vielleicht ist ja auch das WAI ein bisschen aufgeregt.

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                                        Mit solch netten Wegen hatte ich heute gar nicht mehr gerechnet.

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                                        A, B oder C?


                                        Kaum erreichen wir die ersten Kleingärten und Straßen der Stadt wird das mit der Dusche dann auch wahr, denn es beginnt zu regnen, erst sanft, dann immer heftiger. Meine Unterkunft liegt am anderen Ende der Stadt und während sich das WAI tief in meinem Rucksack versteckt, stapfe ich schwer genervt durch den Freitag-Abend-Verkehr. Immerhin kann ich mich aber über eine perfekte Ruhetags-Planung freuen: gleich zwei Ruhetage mit Besuch von Freunden liegen vor mir und für jeden dieser Tage sind 20 mm Niederschlag vorhergesagt. Dementsprechend passiert nicht viel Erwähnenswertes, Kino, Waschsalon, Museum, viel Kaffee und Kuchen, während das WAI faul im Airbnb herum liegt.

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                                        Ankunft in Eisenach bei Regen

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                                        Sightseeing on the go: Georgenkirche

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                                        Must-See, Regen hin oder her: Bachhaus


                                        Mo, 28.9.2020 Eisenach - Bad Salzungen

                                        Am Montag geht es dann aber wieder los und zwar bei strahlendem Sonnenschein! Vergnügt schnaufen wir den Reuterweg hinauf und stehen am "frühen Morgen" um 9 Uhr dann tatsächlich fast allein vor DER Burg. Still und erhaben thront sie hier seit Jahrhunderten und das WAI ist mächtig stolz, hier zu sein. Es lässt den Blick schweifen und verkündet dann plötzlich und mit ungemeiner Dramatik in der Stimme, die Stadt zu unseren Füßen solle forthin Waisenach heißen. Da ich das einzige Publikum bin, erhält das WAI einstimmige Zustimmung, lässt sich noch rasch für die Geschichtsbücher ablichten und dann machen wir uns auf zur weiteren Überquerung des Thüringer Walds.

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                                        Kammweg im Aufstieg

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                                        WAI und Wartburg, zwei historische Größen vereint

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                                        Waisenach


                                        Schön ist es hier und Wahnsinn, wie schnell und gut man nach zwei Ruhetagen wieder vorankommt. Leider verpassen wir den Abzweig zur Drachenschlucht und als wir es merken, würde uns ein Umkehren doch arg aus dem Zeitplan bringen - wir wollen heute schließlich ordentlich was schaffen. An der hohen Sonne kreuzen wir die Schleimspur des WAIs bzw. den Rennsteig und dann geht es auch schon wieder bergab, vorbei am Wilhelmsthaler Schloss samt trockengefallenem See, um Etterwinden herum und zur späten Mittagszeit verlassen wir auch schon wieder den Thüringer Wald und blicken auf die Felder rund um den "Lutherstammort" Möhra.

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                                        Schöne Wege, schöner Wald

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                                        Erste Ausblicke auf die freie Landschaft, wo bald darauf die Laune umschlägt


                                        Vom Anblick dieser Felder haben wir dann auch noch lange etwas und der strahlende Sonnenschein erfreut mich jetzt nicht mehr so wie noch am Morgen. Zudem hat hier die EU in ländliche Gegenden investiert, wie mich stolze Schilder belehren und ich leide ziemlich unter diesen Investitionen, bestehen sie doch aus der Asphaltierung der schnurgeraden, kilometerlangen Feldwege, über die ich jetzt muss. Das WAI ist natürlich wieder tief im Rucksack versteckt, um seine vornehme Blässe zu schonen (Is klar!), also fluche ich alleine vor mich hin. Aber auch die blödsten 2 Stunden Wegstück gehen vorbei, dann geht es nochmal hoch, lange durch uninspirierten Nadelforst, und schließlich bergab zur Werra, die hier noch deutlich schmaler ist als in Hörschel, wo wir sie das letzte Mal gesehen haben. Um 17:30 ist es dann geschafft und wir genießen noch ein bisschen die Abendstimmung und die Sole-Luft am Gradierwerk.

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                                        Das WAI erholt sich (von meinen Mühen!)

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                                        Bad Salzungen


                                        Di 29.9. Bad Salzungen - Dermbach

                                        Von diesem Tag existiert genau ein Foto, und zwar vom Start morgens in Bad Salzungen. Und meine Erinnerung gibt auch nicht viel mehr her, außer dass es in Stadtlengsfeld fürchterlich nach Gülle roch, ich fast ausschließlich auf Forstautobahnen unterwegs war und gegen Ende der Etappe, als es rund um Oberalba landschaftlich schöner wurde, wahnsinnig hetzen musste, um den nur alle 3 Stunden fahrenden Bus zu meiner Unterkunft zu bekommen. Ein kurzer Wandertag, aber irgendwie mehr Pflicht als Kür.

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 18.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,01 MB ID: 3012923
                                        Abmarsch in Bad Salzungen


                                        Mi 30.9. Dermbach - Oberweid

                                        Bus zurück nach Dermbach, Filterkaffee und süßes Teilchen im Stehcafé und ein bisschen Herumirren durch den Ort, weil nicht alle auf der Karte eingezeichneten Wege hoch in den Wald öffentlich zugänglich sind. Eine halbe Stunde später treffe ich auf den Hochrhöner und ich muss ja gestehen (don't hate on me, ODS), ich mag Premiumwege. Fußfreundlicher Untergrund und einfach den bunten Schildchen nachlatschen, das ist zur Abwechslung schon mal ganz erholsam. Da macht es auch nichts, dass die Wolken tief hängen und ich von der ersten richtigen Rhön-Etappe nicht so wahnsinnig viel sehe.

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 19.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,41 MB ID: 3012924
                                        Rhön mit grauer Decke

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                                        Der Rhön-Erschöpfungspfad, für Familien mit wander-unlustigen Kindern


                                        Kurz nach Andenhausen mache ich Mittagspause und checke die Karte. Auf dem Hochrhöner ginge es jetzt in einigen Kringeln und viel Auf und Ab nach Kaltenwestheim und von dort hoch zum Aussichtspunkt "Noahs Segel", der mir angesichts der beschränkten Sicht ziemlich schnurzpiep ist. Nicht schnurzpiep sind mir der gerade einsetzende Nieselregen und die vielen Höhenmeter, von denen ich die meisten am Ende eh wieder runter müsste, um nach Oberweid zu kommen, dem einzigen Ort, in dem ich eine Unterkunft gefunden habe. Ich treffe also eine folgenschwere Entscheidung und beschließe abzukürzen, über das Grüne Band, das hier ja nun auch entlang läuft und mich gemäß seiner Natur in recht gerader Linie bis in die Nähe von Oberweid bringt.

                                        Nun gehört das Gehen auf Plattenwegen eh nicht zu meinen Favoriten, dazu kommen die Löcher in exakt der Größe meiner Schuhe, in die ich regelmäßig kippe und der allgemein recht überwucherte und dadurch sehr unebene Zustand - kurz gesagt, ich stolpere und schwanke vor mich hin, als hätte ich Schnaps in meiner Trinkblase. Nach einer zähen Stunde beschleicht mich langsam der Verdacht, dass ich hier nicht sehr viel schneller bin als auf dem ursprünglich geplanten Weg mit seinen zusätzlichen Höhen- und Kilometern. Kurz darauf stehe ich dann an einer Kreuzung und geradeaus ist kein Weg mehr, sondern ein junger und sehr dichter Wald, unter dem meine Lochbeton-Platten verschwinden. Tja. Hatte ich bestimmt mal irgendwo gelesen, dass das Grüne Band nicht mehr durchgängig begehbar ist. Da war das ne abstrakte Information, jetzt ist es fiese Realität. Ich korrigiere meinen Zeitplan nach hinten und starte notgedrungen mit einem Zickzack-Kurs auf den Feldwegen, immer möglichst parallel zum Grünen Band.

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                                        Wenn es nur so geblieben wäre...

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                                        Cheerleading entlang meiner Zickzack-Route


                                        Immer wieder kreuze ich auf diese Weise das Grüne Band und kann mich jedes Mal wieder davon überzeugen, das hier schon sehr lange keiner mehr auf direktem Wege durchgelaufen ist. Schließlich wähle ich einen Weg bergab nach Unterweid, von wo es eigentlich nicht mehr weid (höhö) nach Oberweid ist. Auch auf diesen letzten 2 Kilometern stehe ich nochmal vor nur auf der Karte existierenden Wegen und muss am Hang entlang über sehr, sehr matschige, aber immerhin nicht bevölkerte Weiden. Aber ich habe sowieso schon so fertig mit dem Tag, dass ich mich nichtmal mehr ärgere. Um 18 Uhr falle ich in meinen Gasthof ein und 2 Stunden später ins Bett. Es soll mir eine Lehre über die Zuverlässigkeit der OSM-Freizeitkarte in abgelegenen Ecken sein.

                                        Do 31.9. Oberweid - Oberweißenbrunn

                                        Zum Frühstück (ich bin der einzige Gast) erzählt mein Wirt sehr interessant von der Ecke und vom aus seiner Sicht fehlgeleiteten Tourismusmanagement. Warum die Rhön in Bayern und Hessen ein Tourismusmagnet ist und in Thüringen ein ziemlich verlassenes Fleckchen, obwohl die Landschaft doch fast die gleiche ist. Warum sein Gasthof überhaupt noch offen hat (er ist Hobby-Wirt und muss gleich los zu seinem richtigen Job). Dass das Grüne Band hier in der Ecke schon seit Jahren nicht mehr offengehalten wird (ist mir auch aufgefallen). Als er dann wirklich los muss, mache ich mich auch auf die Socken, es wartet meine letzte ganze Etappe mit dem WAI und der Morgen macht passenderweise einen auf goldener Herbst. Nachdem der Aufstieg aus dem Dorf geschafft ist, bin ich zurück auf dem Hochrhöner, genieße das milchige Morgenlicht und das weiche Gras unter meinen Füßen.

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 23.JPG Ansichten: 0 Größe: 4,17 MB ID: 3012928
                                        Aufstieg (Blick zurück)

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 24.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,12 MB ID: 3012929
                                        WAI in klassischer Rhön-Landschaft

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 25.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,56 MB ID: 3012930
                                        Bester Wanderuntergrund ever


                                        In Frankenheim treffe ich zwei andere Hochrhöner-Wanderer (es werden im Laufe des Tages noch ein paar mehr - die Nachteile von Premium -, aber diese waren eindeutig die nettesten!) und wir gehen gemeinsam plaudernd bis zum schwarzen Moor. Obwohl ich noch einiges vor mir habe, entschließe ich mich zu einer schnellen Runde über den - bestens beschildersten - Bohlenweg.

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 26.JPG Ansichten: 0 Größe: 3,82 MB ID: 3012931
                                        Hier geht es wohl eher nicht lang..

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 27.JPG Ansichten: 0 Größe: 3,11 MB ID: 3012932
                                        Hier geht's lang!

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 28.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,80 MB ID: 3012933
                                        Das Moorauge


                                        Vom schwarzen Moor folge ich noch ein Stück dem E3/E6/Hochrhöner/und noch x anderen, bevor ich auf schmalen Pfaden Richtung Dreiländereck abbiege. Noch ein Umweg, aber dem WAI hat es in Thüringen einfach so gut gefallen, dass es das Bundesland unbedingt bis ins letzte Zipfelchen sehen will.

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 29.JPG Ansichten: 0 Größe: 1,53 MB ID: 3012934
                                        Hier ist auch wieder weniger los als am Schwarzen Moor

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 30.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,02 MB ID: 3012935
                                        Bye bye Thüringen

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 31.JPG Ansichten: 0 Größe: 3,62 MB ID: 3012936
                                        Und Hallo Hessen!


                                        Jetzt aber schnellstens weiter, schöne kleine Wege und nach einer halben Stunde bin ich zurück auf der Langen Rhön und den diversen Wanderwegen. Dort gibt es eine windige Mittagspause und das WAI winkt schonmal herüber zur Wasserkuppe. Ganz schön viele Eindrücke für so eine kleine Dose, es wird ganz emotional und erzählt mir von all den Abenteuern, die es auf seinen Wanderungen schon erlebt hat.

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 33.JPG Ansichten: 0 Größe: 4,04 MB ID: 3012937
                                        Schön hier 1

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 34.JPG Ansichten: 0 Größe: 3,16 MB ID: 3012938
                                        Schön hier 2

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 36.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,10 MB ID: 3012939
                                        WAIsserkuppe in der Ferne


                                        Vom Nachmittag weiß ich gar nicht mehr so viel zu berichten, es war weiterhin schön, aber ich hatte ob der ganzen Umwege und der eh recht langen Etappe ein bisschen die Zeit im Nacken. Nach dem Heidelstein wurde Umgebung und Weg dann nochmal etwas langweiliger (Forst halt) und dann an der Hohen Hölle wieder sehr schön - das Angebot der "Bushaltestelle" hätte ich aber trotzdem gerne wahrgenommen. Jetzt war ich nämlich auch schon ungefähr an dem Punkt, an dem ich für den nächsten Tag mit Taunuswanderer zur Übergabe des WAI verabredet war. Doch es half nichts, kein Bus in Sicht und so nahm ich noch den letzten Abstieg des Tages nach Oberweißenbrunn in Angriff, wo ich um 19 Uhr ankam.

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 37.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,35 MB ID: 3012940
                                        Heidelstein, Blick zurück

                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 38.JPG Ansichten: 0 Größe: 2,14 MB ID: 3012941
                                        Scherzkekse


                                        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 40.JPG Ansichten: 0 Größe: 1,20 MB ID: 3012942
                                        Letzter Abstieg, gegenüber schon der Kreuzberg als erster Berg der nächsten Etappe - dann aber ohne WAI und nach einem weiteren Ruhetag

                                        Fr. 1.10. Oberweißenbrunn - Grenze zu Hessen

                                        Die Nacht in Bayern hatte dem WAI und mir gut getan, zumal wir erst mittags mit Taunuswanderer verabredet waren und daher ganz Genusswander-mäßig spät frühstücken konnten. Doch dann hieß es "Was man abends runter geht, muss man morgens wieder rauf" und wir starteten zu unserem Treffpunkt an der bayerisch-hessischen Grenze. Feierlich betrat das WAI an einem höchst offiziellen Grenzstein hessischen Boden, zwar nicht zum ersten Mal, aber diesmal mit der Absicht zu bleiben. Ich begleitete die beiden noch ein Stück Richtung Gersfeld, verabschiedete mich und das WAI schaukelte seinen nächsten Abenteuern auf Taunuswanderers Rücken entgegen (siehe Bericht im Hessen-Faden).
                                        Zuletzt geändert von WanderElly; 15.01.2021, 19:08.

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                                        • November
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                                          • 17.11.2006
                                          • 10405

                                          • Meine Reisen

                                          Einen ganz herzlichen Dank für deine WAI-Wanderung und deren amüsante Schilderung. Vom Sofa aus leidet es sich auch ganz komfortabel mit.
                                          Einen Teil der Gegend kenne ich auch selber (Eisenach natürlich und auch die Thüringische Rhön).
                                          Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um.

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