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  1. Dauerbesucher
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    [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #1
    Mitreisende: elbspitze
    Bonjour,

    Wer nicht viel lesen will, der kann sich hier von bewegten Bildern berieseln lassen.

    VORWORT
    Da es hier noch keine Reiseberichte zu Mauritius gibt und der letzte von Reunion aus dem Jahre 2013 stammt, hoffe ich doch, mit unserem Erlebnisbericht aktuelle Erfahrungen und Informationen weitergeben zu können. Für mich nach dieser Reise nicht nachvollziehbar, warum DIE Wanderinsel im Indik sich hier nicht größerer Beliebtheit erfreut. Felix und Tina, die wir auf Reunion trafen, kannten auch das ODS und wollen auch noch ihre Erlebnisse hier veröffentlichen. Sie waren genauso wie wir mit dem Zelt unterwegs und im Gegensatz zu uns auch auf dem Piton des Neiges, dem höchsten Berg mit einzigartigen 360 Grad Ausblick. Daher interessiert uns dieser Bericht besonders, da wir sehr wenige, ach was, keine anderen Trekker mit Zelt gesehen haben.

    VORGESCHICHTE
    Nun aber erstmal zu unserer Tour. Seit 1998 träume ich von La Reunion, wollte immer dort hin, aber viele Erlebnisberichte schreckten mich ab, da von guten Französisch-Kenntnissen die Rede war. Weder meine Freundin noch ich können einen gescheiten französischen Satz bilden, das konnten wir aber auch nicht auf russisch und wir waren 2016 in Kirgistan. Danach wuchs der Gedanke und das Interesse an Reunion wieder. Wir haben uns mittlerweile davon verabschiedet, alle Sprachen dieser Welt sprechen zu können, nur damit man ferne Länder bereisen kann. Mit wilden Gesten und Mimen kommt man auch so ans Ziel. Sehr spontan buchten wir 14 Tage vorher die Flüge nach Mauritius, da nur dorthin ab Deutschland Direktflüge offeriert werden. So drängte sich uns also der spätere Zwischenstopp auf Mauritius quasi auf.

    REISEART
    Vor Ort sollte ausschließlich im Zelt genächtigt werden, wo es nur geht wild, in den urbanen Räumen gern auch mal auf einem Campingplatz, in der größten Not auch mal spontan ein festes Dach über dem Kopf. Letzteres schlossen wir aber aufgrund der trockenen Wintermonate vor Ort aus. Eine falsche Schlussfolgerung, irgendwelche Statistiken das Wetter betreffend für bare Münze zu nehmen. Das Wetter auf Reunion kommt wie es kommt und man muss es nehmen wie es ist, das mussten wir am eigenen Leib spüren.

    PLANUNG
    Weitere Skepsis, warum Reunion immer wieder auf Warteliste stand, waren die Gegebenheiten vor Ort. Wer Reunion kennt, weiß, dass dort nur die Strände flach sind, danach kennt das Gelände nur zwei Wege: steil nach oben der steil nach unten. Nach Madeira im Juni diesen Jahres winkte ich Reunion gegenüber meiner Freundin mit folgenden Worten ab "Kannste vergessen, mit Täve wird das nix auf Reunion, das müssen wir machen, wenn er größer ist oder wir allein reisen". Schon auf Madeira sind wir an unsere Grenzen gestoßen, Reunion hätte die Grenzen noch weiter nach unten verschoben. Doch unser Leitsatz "Geht nicht, gibt's nicht" motivierte uns. "Komm' wir probieren es und nach Plan A gibt es immer noch 25 weitere Pläne". Der Weg ist das Ziel, Zeit für Rundumblicke, Ausblicke, Genuss und Verweilen waren Attribute, die dieses Mal Anwendung finden sollten. Die Touren wurden also mit maximal je 600 Höhenmeter bergauf wie bergab geplant, unabhängig von der Länge. So kamen Tagesetappen zwischen 6 bis 20km zustande. Das bedeutete aber auch, den Piton des Neiges aus dem Programm zu streichen. Ich traute es Frau und Kind nicht zu, sie sollten und wollten mich aber Beide vor Ort immer wieder eines Besseren belehren. Da die Option Air Scooter auf Madeira gut funktionierte und ich per Google Trail View etwas Einsicht in die Wanderwege erhaschen konnte, fiel die Entscheidung pro Roller.

    TOUR
    Geplant war natürlich alles anders als es vor Ort gekommen ist. Wer Schuld daran ist, werdet Ihr hier noch erfahren, aber am Ende haben wir unsere Highlights alle gesehen. Alles kann man auf Reunion nicht gesehen haben, man muss Prioritäten setzen. Daher werden wir sicher noch einmal Reunion einen Besuch abstatten, dann mit der Konzentration auf Cirque de Mafate und den Piton des Neiges. Grob hier der Verlauf: Le Port - Cirque de Mafate (4 Nächte) - Cirque de Salazie (2 Nächte) - La Plaine Hochebene (4 Nächte) - Vulkan Fournaise (2 Nächte) - Grand Galet Tal (2 Nächte) - Küste (1 Nacht) - Entre Deux (1 Nacht) - Kraterrand Cilaos (3 Nächte) - Cirque de Cilaos (1 Nacht) - Badestrand (1 Nacht)

    Für den besseren Überblick hier eine Karte. Vor Ort haben wir teilweise auch öffentliche Verkehrsmittel genutzt oder sind getrampt. Beides sehr praktikabel, günstig bzw. kostenfrei und uneingeschränkt weiter zu empfehlen.


    Urheber Google maps

    Wir müssen uns nun heute erst einmal sammeln, Bilder und Videos und vor allem unsere Eindrücke auswerten und in Worte fassen. Bleibt also gespannt und seid Euch gewiss, auch ohne bockige Esel kann man so einiges erleben.
    Geändert von elbspitze (26.10.2017 um 08:47 Uhr)
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  2. Fuchs

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    AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #2
    Mensch, klasse, da freue ich mich aber drauf - war ich doch vor 20 Jahren das letzte mal dort. Auch bei mir war es damals unglaublich phantastisch, alles, Landschaft, Klima, Fauna, Gerüche, entspannte Menschen und deren Charme,wie eine andere Welt, ja so stellt man sich wohl da Paradies vor.



    Zitat Zitat von elbspitze Beitrag anzeigen
    Bonjour,

    VORWORT
    Da es hier noch keine Reiseberichte zu Mauritius gibt und der letzte von Reunion aus dem Jahre 2013 stammt, hoffe ich doch, mit unserem Erlebnisbericht aktuelle Erfahrungen und Informationen weitergeben zu können. Für mich nach dieser Reise nicht nachvollziehbar, warum DIE Wanderinsel im Indik sich hier nicht größerer Beliebtheit erfreut. Felix und Tina, die wir auf Reunion trafen, kannten auch das ODS und wollen auch noch ihre Erlebnisse hier veröffentlichen. Sie waren genauso wie wir mit dem Zelt unterwegs und im Gegensatz zu uns auch auf dem Piton des Neiges, dem höchsten Berg mit einzigartigen 360 Grad Ausblick.
    Daher interessiert uns dieser Bericht besonders, da wir sehr wenige, ach was, keine anderen Trekker mit Zelt gesehen haben.

    VORGESCHICHTE
    Nun aber erstmal zu unserer Tour. Seit 1998 träume ich von La Reunion, wollte immer dort hin, aber viele Erlebnisberichte schreckten mich ab, da von guten Französisch-Kenntnissen die Rede war. Weder meine Freundin noch ich können einen gescheiten französischen Satz bilden, das konnten wir aber auch nicht auf russisch und wir waren 2016 in Kirgistan. Danach wuchs der Gedanke und das Interesse an Reunion wieder. Wir haben uns mittlerweile davon verabschiedet, alle Sprachen dieser Welt sprechen zu können, nur damit man ferne Länder bereisen kann. Mit wilden Gesten und Mimen kommt man auch so ans Ziel. Sehr spontan buchten wir 14 Tage vorher die Flüge nach Mauritius, da nur dorthin ab Deutschland Direktflüge offeriert werden. So drängte sich uns also der spätere Zwischenstopp auf Mauritius quasi auf.

    REISEART
    Vor Ort sollte ausschließlich im Zelt genächtigt werden, wo es nur geht wild, in den urbanen Räumen gern auch mal auf einem Campingplatz, in der größten Not auch mal spontan ein festes Dach über dem Kopf. Letzteres schlossen wir aber aufgrund der trockenen Wintermonate vor Ort aus. Eine falsche Schlussfolgerung, irgendwelche Statistiken das Wetter betreffend für bare Münze zu nehmen. Das Wetter auf Reunion kommt wie es kommt und man muss es nehmen wie es ist, das mussten wir am eigenen Leib spüren.

    PLANUNG
    Weitere Skepsis, warum Reunion immer wieder auf Warteliste stand, waren die Gegebenheiten vor Ort. Wer Reunion kennt, weiß, dass dort nur die Strände flach sind, danach kennt das Gelände nur zwei Wege: steil nach oben der steil nach unten. Nach Madeira im Juni diesen Jahres winkte ich Reunion gegenüber meiner Freundin mit folgenden Worten ab "Kannste vergessen, mit Täve wird das nix auf Reunion, das müssen wir machen, wenn er größer ist oder wir allein reisen". Schon auf Madeira sind wir an unsere Grenzen gestoßen, Reunion hätte die Grenzen noch weiter nach unten verschoben. Doch unser Leitsatz "Geht nicht, gibt's nicht" motivierte uns. "Komm' wir probieren es und nach Plan A gibt es immer noch 25 weitere Pläne". Der Weg ist das Ziel, Zeit für Rundumblicke, Ausblicke, Genuss und Verweilen waren Attribute, die dieses Mal Anwendung finden sollten. Die Touren wurden also mit maximal je 600 Höhenmeter bergauf wie bergab geplant, unabhängig von der Länge. So kamen Tagesetappen zwischen 6 bis 20km zustande. Das bedeutete aber auch, den Piton des Neiges aus dem Programm zu streichen. Ich traute es Frau und Kind nicht zu, sie sollten und wollten mich aber Beide vor Ort immer wieder eines Besseren belehren. Da die Option Air Scooter auf Madeira gut funktionierte und ich per Google Trail View etwas Einsicht in die Wanderwege erhaschen konnte, fiel die Entscheidung pro Roller.

    TOUR
    Geplant war natürlich alles anders als es vor Ort gekommen ist. Wer Schuld daran ist, werdet Ihr hier noch erfahren, aber am Ende haben wir unsere Highlights alle gesehen. Alles kann man auf Reunion nicht gesehen haben, man muss Prioritäten setzen. Daher werden wir sicher noch einmal Reunion einen Besuch abstatten, dann mit der Konzentration auf Cirque de Mafate und den Piton des Neiges. Grob hier der Verlauf: Le Port - Cirque de Mafate (4 Nächte) - Cirque de Salazie (2 Nächte) - La Plaine Hochebene (4 Nächte) - Vulkan Fournaise (2 Nächte) - Grand Galet Tal (2 Nächte) - Küste (1 Nacht) - Entre Deux (1 Nacht) - Kraterrand Cilaos (3 Nächte) - Cirque de Cilaos (1 Nacht) - Badestrand (1 Nacht)

    Für den besseren Überblick hier eine Karte. Vor Ort haben wir teilweise auch öffentliche Verkehrsmittel genutzt oder sind getrampt. Beides sehr praktikabel, günstig bzw. kostenfrei und uneingeschränkt weiter zu empfehlen.

    http://www.taeve-supertramp.de/wp-co...nen_GPSies.png

    Wir müssen uns nun heute erst einmal sammeln, Bilder und Videos und vor allem unsere Eindrücke auswerten und in Worte fassen. Bleibt also gespannt und seid Euch gewiss, auch ohne bockige Esel kann man so einiges erleben.
    Geändert von Pfad-Finder (09.09.2017 um 09:37 Uhr)
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  3. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #3
    Abonniert.

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    AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #4
    Freue mich unheimlich auf die Fortsetzung
    Unsere Webseite: http://www.grenzenlosabenteuer.de

    Gruß, Wi grenzenlos

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    AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #5
    Vorab noch eine Info. Weiterführende Infos wie nützliche Links oder welche GPS-Karten ich genutzt habe findet Ihr hier

    1.Reiseabschnitt - Cirque de Mafate 5 Tage


    Urheber: Google

    1.TAG Am 7.August landeten wir gegen Mittag auf Reunion. Um Zeit zu sparen, buchten wir vorab einen Transfer direkt vom Flughafen nach Le Port für 50 Euro, mit dem ÖPNV wäre es günstiger, aber auch zeitintensiver gewesen, von den längeren Wegen mal ganz abgesehen. Alexandre sollte uns zum großen Jumbo Supermarkt bringen, der glücklicherweise geschlossen hatte. Warum? Nur so brachte er uns etwas näher zum Startpunkt der Tour. Wieder 2km gespart. Das das Faulenzer-Denken schon hier anfing beunruhigte mich nicht sonderlich, wir waren vom langen Flug müde und wollten einfach nur noch ankommen. Am Startpunkt gab es einen kleinen Minimarkt mit allem Nötigen. Auf einer Fläche eines Tante-Emma-Ladens fand man von Kfz-Teilen über Büroartikel bis hin zum Frischfleisch alles und das auch noch nach einem nicht erkennbaren System in den Regalen nebeneinander. Bald hatten wir alles zusammen, aber ein Problem hatten wir da noch. Alexandre schaute uns verwundert an als ihn bat, an einer Tankstelle zu halten um die Benzinflasche aufzufüllen. Er telefonierte herum, hielt sogar an einer Total-Station, aber keine wollte oder konnte. Gaskartuschen gab es nur überall die blauen Steckteile, Schraubkartuschen gibt es nur im Decathlon irgendwo im Nordosten der Insel. Ich wollte mich nicht geschlagen geben und zog mit der Flasche in der Hand los, während Yvonne vorm Minimarkt suspekte Gestalten abwimmelte. An der Tankstelle eine kurze Diskussion, noch einmal auf die französischen Hinweise auf der Flasche verwiesen und schwuppdiwupp war die Flasche voll. Gott, war ich froh. In der winterlichen Mittagshitze um die 30 Grad und mit keiner Wolke im Rücken begaben wir uns auf dem Weg in das Mafate-Tal.


    Eingang ins Cirque de Mafate

    Le Port schien uns als Ausgangsort der Tour wie geschaffen, da man in das Mafate-Tal langsam ansteigend hineinwandern kann ohne neben sich große Asphaltpisten zu haben. Cirque Mafate ist das einzige der drei Talkessel ohne Asphaltstraßen oder Pisten. Man kommt nur bis Deux Bras, wo auch ein 4x4 Jeep Leute für ca. 15 Euro hinbringt (Ersparnis 10km). Somit kann man diesen Talkessel nur zu Fuß erkunden oder halt per Helikopter. Letztere sind in diesem Talkessel Freud und Leid zugleich. Leid für uns, da sie halt permanent fliegen und man nur wenige ruhige Minuten hat. Versorgungshelis und Touristenhelis teilen sich den engen Flugraum. Freud aber teilweise auch für uns, da die Versorgungshelis die kleinen Dörfer (Ilet genannt) versorgen und wir somit dort immer unsere Lebensmittel nachkaufen konnten.


    Täve und das Wasserfilter-Set, der Spaßgarant

    Auf dieser Schotterpiste ging es nun langsam ansteigend voran, immer wieder den großen Fluss querend. Manchmal trockenen Fußes auf Steinen, manchmal schnellen Schrittes mit Wanderschuhen durch die flacheren Flussabschnitte. Täve hatte seinen Spaß dran. Der Roller kam gut auf der Piste zum Einsatz. Das half aber nichts, wir schwitzten aus allen Ritzen und jeder Satz war mit einem Gähnen verbunden. Meine veranschlagten 11km würden wir heute nicht schaffen. Nach 4km lockte uns eine Badestelle förmlich zum Aufbau des Zeltes. Samt Klamotten ging es der Länge nach in den Fluss, Abkühlung trat dann irgendwie sehr verzögernd ein, aber immerhin. Es war gegen 16 Uhr als die ersten Laute nach Essen erklangen, während ich mich darum kümmerte, nickte Yvonne immer wieder weg. Täve dagegen machte den Fluss unsicher. Mit dem letzten Löffel vom Abendessen kam auch schon Abendstimmung am Himmel auf, es war 18 Uhr und wir blieben auch keine Minute länger mehr auf.


    Unser erstes Camp zwischen den Büschen

    Wir hinkten also schon am ersten Tag dem Plan hinterher, dafür entschädigte uns jedoch bereits der erste Eindruck und der Eingang des Mafate Talkessels und wir schliefen mit einer gewissen Vorfreude ein, was da wohl morgen kommen würde.


    Die Abendstimmung ließ unsere Augenlider noch schwerer werden
    Geändert von elbspitze (09.09.2017 um 22:01 Uhr)
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    AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #6
    2.TAG Der erste volle Tag vor Ort sollte uns nun tiefer und höher in den Mafate Talkessel hineinbringen. Der Tag begann so sonnig wie er aufgehört hatte. Schon beim Zeltabbau waren meine Klamotten nass, das fing alles doch vielversprechend für Jemanden an, der sich ansonsten nur im Schatten wohlfühlt.


    Unser kleiner Animateur

    Weiter ging es für die ersten Kilometer auf der Schotterpiste, das Geländetaxi zwang uns eine Mitfahrt förmlich auf. Am 2.Tag waren wir aber noch stark genug zu widerstehen, noch! Deux Bras war am Mittag erreicht und hier endeten nun auch alle Straßen und Pisten. Ab jetzt traf man nur noch auf Wanderer oder Einheimische zu Fuß. Diesen Punkt würde ich auch als Tor zu Mafate bezeichnen. Ab hier offenbart sich das Ausmaß dieser Talkessel, zwar nicht in vollem Umfang, aber ab jetzt änderte sich die Szenerie aller 5 Minuten, an flüssiges Wandern war kaum mehr zu denken. Stehenbleiben, Staunen, Fotografieren, Umdrehen, Zurückblicken.


    Die Querung des Flusses war nie ein wirkliches Problem

    Wir hielten uns weiter am Flussverlauf und verpassten trotz makelloser Beschilderung der Wanderwege den Abzweig aus der engen Schlucht heraus. Bald passierten wir einen kleinen Staudamm als wir den Irrweg bemerkten. Zum Glück sollte es weiter flussaufwärts noch einmal eine Möglichkeit geben, aus dem Tal aufzusteigen. Wir blieben also in der Schlucht, die immer enger, immer wilder wurde. Nun war es aber langsam an der Zeit, einen Lagerplatz zu finden, was sich als schwierig herausstellte. Einzig fanden wir einen 6hm höher als der Fluss gelegenen Platz und hofften, dass dieser uns sicher durch die Nacht bringen würde. Nach Springfluten sah es hier nicht aus, also bauten wir unser Zelt hier auf, da auch Anzeichen vorhanden waren, dass hier schon mal Andere gelagert hatten.


    Unser "Drohnencamp"

    Bedingt durch die steilen bis zu 1000m hohen Steilwände war hier die ganze Zeit Schatten und nur ein kleiner Teil des wolkenfreien Himmels war sichtbar. Zu meinem Glück, denn so konnte ich mal nicht schweißtreibend das Zelt aufbauen. Danach ließen wir erstmals die Drohne starten. Obwohl wir in diesem engen Tal Handyempfang hatten, blieb der GPS Empfang auf einmal aus, die Drohne war zu weit weg und eierte am Himmel umher. Scheiße, sollte ich etwa am 2.Tag bereits das Teil verloren haben? Ich rannte der Drohne entgegen, während diese über einem unzugänglichen Dschungel aus Pflanzen und Büschen kreiste. Auf einmal wieder Empfang, ich konnte die Sparky sicher landen und liebkoste sie wie sonst nur Frau und Kind. Der Abend war gerettet. Gegen 17 Uhr kochten und aßen wir und saßen dieses Mal länger als bis 18 Uhr und konnten so den Ausblick auf den Sternenhimmel genießen. Ein erster voller gelungener Tag.


    Eine Modifizierung des Filters um nicht immer die Kappe abschrauben zu müssen. Schlauchteil ins Loch stecken, aufschrauben und gefiltertes Wasser bekommen. Zum Händwaschen etc. Schlauchteil rausziehen und Wassersack aufschrauben.
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  7. Fuchs

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    AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #7
    Oh ja. Danke fürs schreiben und Bitte
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    AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #8
    3.TAG So, heute sollte es ans Eingemachte gehen. Während wir gestern sanft an Höhe zulegten, mussten wir heute 450m höher mit einem Auf und Ab zwischendurch, da sich immer wieder tiefe Täler in den Weg stellten und die kleinen Ilets meist auf kleinen Plateaus weit oben liegen. Das versprach Spaß für Alle. Bei Sonne frühstückten wir und als ans Einpacken ging, wollte Yvonne aus der einen Apside unsere Ruck- und Packsäcke ins Innenzelt ziehen.

    Auf einmal ein Riesengeschrei, das Zelt wackelte, eine zitternde Yvonne sprang aus dem Zelt und schüttelte sich. Ihre Gänsehaut war gut sichtbar. Bei ihrem überstürzten, hastigen Angstspurt war ich froh, dass sie dem Kaitum keinen 3.Eingang verpasst hatte. Was war passiert? In den kuscheligen Rucksäcken hatte sich eine handflächengroße fette Spinne eingenistet. Es konnte also kein Seidenspinner sein, die sind kleiner und hängen in ihren Netzen ab. Es war ja eine Bodenspinne. Sollte sie etwa eine neue Art entdeckt haben? Ich fragte immer wieder nach wie groß denn die Spinne wirklich war. Mit jeder Frage nahm die Größe ab, ihre Spinnenphobie hatte sie vergrößert. Ich mit meinem Spinnenrespekt durfte nun fortan die Rucksäcke aus der Apsis holen und kräftig schütteln, ich selber sah nie so ein großes Krabbelmonster.


    Leider ging es die enge Schlucht nur noch kurz hoch, traumhaft!

    Alles war gepackt, also ging es noch ein wenig im immer enger werdenden Tal weiter hoch, immer wieder Trailrunner oder Einheimische kreuzten unseren Weg. Erst genannte sahen wir auf der Insel sehr häufig, da diese aktuell für ein Event namens Grand Raid im Oktober trainieren, ein Crosslauf von Süd nach Nord (160km 9000hm). Der Roller wurde nun zusammengeklappt, der rote Ortlieb-Verpflegungssack auf den Bauch geschnallt.


    Gut bepackt ging es in den Anstieg

    Mit langsamen, trägen Schritten, Yvonne nennt dies scherzhaft Mount-Everest-Schritte, bewältigte ich nun Stufe um Stufe. Da der Weg viele kleine Ilet's verbindet, ist dieser gut ausgetreten und auch gut besucht. Je höher wir nun kamen umso spektakulärer wurde die Landschaft und der freie Rundumblick. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Da ich jedoch gerade mal wieder am Limit war, hechelte ich Yvonne zu "Mach' Fotos, ich schaue es mir später an!" Da wir nicht wussten, wo und wann wir was an Lebensmittel bekommen würden, mussten wir vorsorglich für die kommenden 4 Tage Essen mitschleppen. Keine Ahnung, was da auf den Schultern an Gewicht lag, aber immer wenn mal wieder in Augenhöhe die nächste Stufe auftauchte, stand ich ratlos davor wie ich da wohl hochkommen würde.


    Bizarre Felsformationen, steile Hänge in grün getaucht



    Die Gite in Grand Place

    Mittagspause in Grand Place in einer Gite, eine Art Berghütte, wo man nächtigen kann. Wunderhübsch angelegt, mit viel Liebe zum Detail. Die Atmosphäre und der Song aus der kleinen Bassbox "Santana - Maria, Maria" versuchten hartnäckig uns am weitermarschieren zu hindern, auch hier konnten wir noch widerstehen, denn diese kleinen Ilet's waren an Authentizität und Ursprünglichkeit kaum zu übertreffen. Die Gite hatte einen kleinen Shop, zu extrem hohen Preisen kauften wir etwas Süßes zu trinken und zu essen und aßen unsere übrig gebliebenen Nudeln vom Vortag. Weiter ging es bald in Richtung Aurere. Wo wir heute nächtigen würden, wussten wir eigentlich auf der gesamten Tour nie, es war immer nur der Weg gesteckt. Die Tour, unser Gemüt und das Wetter entschieden stets, welcher Platz wann in Frage kam.


    Diesem Ausblick konnten wir nicht widerstehen, unser "Katzencamp"

    So stoppten wir am Nachmittag gegen 15 Uhr in Ilet a Bourse an einem Picknickplatz mit traumhafter Aussicht. Da dieser Platz auch als Aufnahmeplatz der Lastentaschen für Helikopter diente, spannte ich das Zelt mal lieber mit allen vorhandenen Heringen ab. Bei unserem Glück würde der bestimmt gerade dann hier den Müll wegtransportieren, wenn wir hier zelten. Da noch genügend Zeit und die Tour heute kurz war, drängten mich Yvonne und Täve dazu, doch mal zu schauen, wo es einen kleinen Laden geben würde, der Wein und die Süßigkeiten waren schon alle. Dass ich dann noch bis Ilet a Malheur laufen musste, dankten mir meine beiden Liebsten nach Wiederankunft mit den Worten "Hat aber lange gedauert" Ja, waren auch 6km und ein paar Höhenmeter. Nun war ich gut fertig und am Picknicktisch genossen wir die Aussicht und unser Abendessen, während um unsere Beine vier niedliche weiße Kätzchen umherschlichen. Wir waren schon jetzt so tiefenentspannt, die Natur hatte uns schon so viel gegeben. Wow!


    Das ist mein Handtuch!! Zum Glück habe ich keine Katzenallergie
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  9. Dauerbesucher
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    AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #9
    4.TAG Wir blieben vom Helikopter verschont, aber die Geräusche in der Ferne von anderen Helis waren mit dem Sonnenaufgang 7 Uhr weit zu hören. Da es aber meist gegen 21/22 Uhr ins Bett ging, waren wir 7 Uhr auch gut ausgeschlafen und fit, das anvisierte Tagesziel Aurere zu erreichen. Gestärkt und aufgewärmt nach dem Zusammenpacken ging es nun immer wieder durch kleine Ilet's bergauf und bergab, kleiner Täler und Bäche über Brücken oder Steine querend. Täve versprach ich dabei eine kleine Überraschung am Wegesrand, da ich ja bereits gestern diesen Abschnitt größtenteils gegangen war.


    Noch können wir alle lachen

    Dass wir mit unserer Art des Reisens meistens eigentlich immer auf Gegenwind stoßen, aber gleich zu Beginn der heutigen Tour machten wir eine sehr unschöne Begegnung mit einem Wanderführer, der seine Rentnergruppe anführte. Natürlich konnte er nur französisch, gab uns aber zu Verstehen, dass dieser Roller hier sinnlos ist und es hier keine Straßen gibt. Ein Rentner übersetzte es ins Englische. Er lachte uns förmlich aus, schüttelte den Kopf und dachte, es besser zu wissen. Wir riefen ihm dann noch was auf Deutsch hinterher, was er sicher verstanden haben musste, denn sein Gelächter verstummte. Idioten gibt es überall, Klugscheißer und Besserwisser auch. Schon vorne weg genommen, es war die einzige negative Erfahrung mit einem Franzosen. Aber just in diesem Moment waren wir sauer wie er reagiert hatte. Bald erreichten wir die kleine Überraschung und machten eine Zwischenrast. Während wir die letzten Urlaube meist nur 1-2x am Tag pausierten, stückelten wir dieses Mal unsere Touren in kleine Häppchen, Pause machen, wenn es Einer will und nicht Alle. Rasten, wenn es was zu sehen gibt und Weitergehen, wenn man ausgeruht ist. Irgendwie hielt diese Herangehensweise Täve und Yvonne immer gut bei Laune. Dieser Rastplatz wartete aber mit was Besonderem. Ein Helikopter aus Bambus gebaut. Wir gaben hier Täve extra viel Zeit, denn schon jetzt zeigte er uns, dass ihm die Touren Spaß machen, kein Gejammere "Ich will auf Deine Schultern". Abgesehen davon wäre ich auch nicht dazu in der Lage gewesen.


    Die kleine Überraschung

    Weiter ging es dann bis Ilet a Malheur, wo ich gestern einkaufen war. Hier gibt es einen Campingplatz, eine Gite und einen Minishop, im Umkreis auch weitere einheimische Häuser und Gärten. Traumhaft, hier zu verweilen, die Geräuschen und Gerüche zu absorbieren. Mittagspause! Wir kauften hier nichts weiter ein, da wir im größeren Ort Aurere auch mit einem Shop rechneten.
    Also etwas leichter bepackt ging es weiter. In den flachen Passagen kam der Roller temporär zum Einsatz um meine Schultern zu entlasten. Allein das half mir, mich zu regenerieren, wenn es auch manchmal nur 500m waren. Nur bergauf oder bergab wurde immer komplett geschultert, da diese Abschnitte steil und unwegsam waren, aber auch immer gut abgesichert und mit Seilen versehen.

    Kurz vor Aurere hatten wir zwei Wege zur Auswahl: Kurz und schwerer oder lang und schwer. Wir gingen letzteres mit etwas mehr Weg. Ein Glücksfall, denn wir trafen auf einen umgestürzten Bananenbaum mit einer reifen Bananenstaude. Zum ersten Mal konnten wir eine diese kleinen in der Sonne gereiften Bananen essen. Was für ein Genuss, die Süße, der Geschmack. Ich war nahe dran, auch noch die gesamte Staude hinter mir herzuziehen. In Aurere angekommen steuerten wir die recherchierten Lädchen an. Gegen frühen Nachmittag war aber meist alles geschlossen, offen erst wieder ab 15 Uhr. Wir irrten durch das niedliche Örtchen, gingen viele Wege doppelt bis uns andere Wanderer halfen eine kleinen Laden in der Gite de Fanjan zu finden. Wir kauften dort alles ein und wollten aus Aurere raus um dort wild zu zelten, nahe dem morgigen Startpunkt "Sentier Augustave". An einer Kreuzung passierten wir auch den Abzweig durch das Bras des Merles Tal, der aber gesperrt war. Es sah so aus als ob dies schon länger so war, denn der Weg war zugewachsen. Dieser tolle Wanderweg führt runter ins Tal nach Deux Bras, von wo wir gekommen waren. Dieser Anstieg war für uns auch eine Option und wir waren nun froh, diesen nicht gemacht zu haben.

    Auf der Karte war dieses Gebiet als La Reserve ausgeschrieben, aber vor Ort kein Zeichen dafür, dass hier eine Schutzgebiet ist. Die Pflanzen waren zwar beschnitten, der Boden von Ästen, Gestrüpp und Unkraut befreit, aber kein Botanischer Garten. Wir fanden schnell eine tolle Stelle, ich reparierte noch schnell ein Loch in einer Wasserleitung mit einem Bambusstöckchen und wollte dann zur Tat schreiten und das Zelt aufbauen, da kam ein Mann des Weges. "Camping interdit!" Auf französisch gab er uns zu verstehen, dass man in Aurere kostenfrei eine Nacht zelten könne, seiner magereren Wegbeschreibung folgten wir und sahen nun weitere neue Ecken von Aurere. Ein Irrlauf, Alle wollten endlich mal ankommen. Mit Durchfragen und Rumsuchen fanden wir dann am Eingang von Aurere das Camp namens Bonne Terre und wir konnten es kaum glauben, die erste Nacht war echt umsonst. Auf den 4 Terrassen standen noch ca. 25 andere Zelte, allesamt blau. Es stellte sich aber schnell heraus, dass diese leer waren und man hier das Zelt mit Matratze und Decke buchen konnte. Wir platzierten uns in der ersten Reihe mit fantastischen Ausblick auf das, was da morgen kommen würde. Ich redete meinen Beiden gut zu, dass es doch gar nicht so schlimm aussieht, doch im Kopf schrie es "Aubacke!".


    Camp Bonne Terre

    Den Rest des Tages relaxten wir am Zelt, kochten Essen, spielten Karten und beobachteten drei andere Wanderer, die dabei waren, sich auch auf dem Platz einzurichten. Ins Gespräch kamen wir leider nicht, da wir kein französisch und sie kein englisch sprachen. Wieder eine gelungene Tour, nur dieser arrogante Franzose am Morgen beschäftigte uns noch ein wenig.


    Gratis Ausblick
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    #10
    Sehr große Spinnen
    Gibt es aber tatsächlich auf la Réunion.
    Freue mich auf die Fortsetzung.
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    Zitat Zitat von tjelrik Beitrag anzeigen
    Sehr große Spinnen
    Gibt es aber tatsächlich auf la Réunion.
    Freue mich auf die Fortsetzung.
    Oh Gott, Du hast Recht, habe mal die Babouk Spinne gegoogelt und meinem Schatz gezeigt, sie hat den gleichen Schrei wie damals im Zelt von sich gegeben und gemeint "Ja, so ein Teil war das, ekelig!" Schreck lass nach, bei einer 10-15cm großen, fetten, fleischigen Spinne wie der hätte ich aber auch ein Ekelpickel bekommen.
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    AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #12
    5.TAG Gut erholt und langsam an das temporäre Leben im Zelt gewöhnt starteten wir mit einem ausgiebigen Frühstück in den Tag. Dem heutigen Weg trat ich mit Respekt und Vorfreude entgegen, da er wohl vom Anstieg her hart und fordernd sein würde, dafür aber mit seinem spektakulären Verlauf entschädigen würde. Kurz ließen wir im Camp noch einmal die Drohne kreiseln und schulterten bald die Rucksäcke. Vorerst ging es noch einmal durch Aurere bis bald der Wanderweg Augustave ausgeschildert war. Die Wege werden hier nach Zeit und nicht nach Weg bemessen, kann man gut finden, wir nicht. Längenangaben sind mir lieber, da das Tempo ja subjektiv ist. Nach ein paar Vergleichen stellten wir aber fest, dass die Zeitangaben für uns gut passten und wir uns daran orientieren konnten. Mit Tagesrucksack läuft man aber sicher weit unter diesen Zeiten.


    Der morgendliche Blick aus dem Zelt



    Links an den Steilhängen ging es lang, bei den Wolken das Ziel in Sicht

    Völlig falsch lag ich mit der Aussage "Ab jetzt geht es nur noch bergauf" Mich kotzen Anstiege an, bei denen man zwischendurch immer wieder bewältigte Höhenmeter mit Abstiegen vernichtet. Anfangs konnte ich auf dem schmal verlaufenden Pfad noch den Roller gut nutzen, dafür durfte ich mich permanent um eine kreischende Frau kümmern, die bei jedem Seidenspinner zurückschreckte. Ich musste also an die Front. Langsam wurde der Weg enger, steiler, aber zum Glück alles noch im Schatten. Der Roller und Ortliebsack wurden nun geschultert, ab jetzt ging es langsamer, aber auch unwegsamer voran. Des Weges verlief meist das Kanalisationsrohr, aus dem dann und wann mal Wasser spritzte. Ab und an ein kleines Rinnsal machte den Weg zusätzlich klitschig.


    Die Treppe haben sie schön an den Fels gespeichelt


    Bald kamen wir an eine Steinwand, wo der Weg als Brücke am Felsen arretiert ist. Die Treppe da hoch sah mörderisch aus, die Stufenhöhe gemein für jedes Knie. Oben angekommen, standen wir das erste Mal in der Sonne, Yvonne's Weckruf nach Sonne. Pause! Kurz danach passierten wir einen traumhaften Lagerplatz für ein Zelt mit Feuerstelle auf der rechten Seite. Es wäre DER Traumplatz gewesen, aber unser Ziel hieß heute Cirque de Salazie.


    Blick von der Treppe zurück, auf dem mittigen Plateau im Hintergrund liegt Aurere



    Die Schutzhütte war nicht einladend, aber sicher in der Not die einzige Zuflucht in diesem steilen Gelände

    Weiter oben folgte dann eine Schutzhütte und wenig später ein tolles Badebassin. Ein toller Ort zum verweilen. Wir mussten aber weiter, vernichteten mal wieder Höhenmeter um wieder zum Fluss runter zu kommen, dem wir dann wieder bergauf folgen durften. Och, ich hätte kotzen können, da kam ein Rastplatz am Bach gerade Recht.


    Toller Pausenort, tropischer Wald, aber auch tropische Temperaturen

    Mittagspause und Verzehr der Reste vom Vortag. Täve spielte derweil wieder am Bach mit seiner Spritze, ein wenig Karten spielen um zu motivieren, so waren die Absprachen zwischen uns und Täve. Nach der Pause kannte der Pfad, der nun links vom Fluss wegführte, nur eine Richtung hoch, steil hoch. Die Passhöhe im Nebel schon erkennbar ließ Yvonne zur Hochform auflaufen, während ich gechillt mit Täve folgte, der mir gerade die Geschichte von Paw Patrol erzählte. Er war so abgelenkt und ohne einen Mux bewältigte er den schwersten Abschnitt des Tages. Es wäre schön gewesen, uns Alle mit einem Ausblick auf beide Talkessel auf der Passhöhe zu belohnen, aber ab hier sollte uns das Wetter die nächsten Tage so richtig Probleme machen. Verschwitzt standen wir nun auf der Passhöhe an einer kleinen Serpentinenstraße, die weiter zum Col de Boeuf hochführt. Keine Zeit für eine lange Pause, hier oben war es feucht, windig und kalt. Also Roller ausgeklappt, Rucksack dran, Täve drauf und ab runter, dort wo es wärmer und trockener schien.

    Auf dem Weg nach unten kamen nur noch wenige Autos hier lang, das Wetter war echt nicht einladend, Ausflüge hier hoch zu machen. Irgendwo zwischen Serpentine 8 und 13 haben wir dann entschieden, nur noch von der Straße runter zu kommen um dann im Busch das nächstmögliche Camp zu suchen. Die Schutzhütte (auf den Karten als "Abri" verzeichnet) war mit dem Wetter und der schwindenden Motivation noch in weiter Ferne. Diese Entscheidung hatte einen großen Fehler. Um jede Ecke, über jeder Kuppe und an jeden Fluss erhoffte man nun einen Platz und jeden Meter, den man dann weiter gehen musste, weil es einfach nichts gab, quälte einen mehr und mehr. Irgendwann fanden wir ca. 1km vorm eigentlichen Camp zu Beginn der Grand Sable Hochebene zwei tolle Plätze am Fluss. Yvonne meinte aber, dass wir die paar Meter zur Schutzhütte nun auch noch laufen können.


    Wir präferierten das saubere, spinnenfreie Zelt

    Wieder ein Fehler, denn dort angekommen, entpuppte sich die Hütte als wahres Brutnest für Spinne. Bei genauer Suche findet man hier sicher eine unentdeckte endemische Art. Wir schlugen im sumpfigen Boden also unsere Zelt auf, der einsetzende Regen trug sein übriges dazu bei, dass wir uns nur noch waschen gingen, im Zelt unser Essen kochten und keine Minute mehr vors Zelt traten. Wir spielten viel Karten, munterten uns mit Schokolade wieder auf und hofften auf Wetterbesserung. Der Cirque de Salazie hatte bis jetzt keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.
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    #13
    2.Reiseabschnitt Cirque de Salazie (2,5 Tage)


    Urheber: Google

    6.TAG Es hatte die ganze Nacht geregnet, der Platz vorm Zelt war ein Schlammloch und auch sonst waren wir gut angefeuchtet. Die Stimmung war noch nicht ganz am Boden, schwebte aber nah darüber. Erst einmal ein Kaffee, Müsli, Brötchen und die Laune würde bald wieder steigen. Beim Zusammenpacken regnete es weiter, das Zelt wurde klitschnass zusammengerollt, die letzten Wasserreste raus gequetscht, Yvonne durfte sich über 2kg Extragewicht freuen, trockener bekamen wir das Zelt nicht mehr. Gehüllt in Regenklamotten und Raincover begaben wir uns auf den Weg Richtung Hell-Bourg. Nun ließ der Regen mit jedem Schritt nach und so richtig kamen wir nicht in einen "hiking-flow", denn immer wieder musste Einer von uns ein Regenteil abstreifen. Bald war die Sonne ganz da und der erste steile Abstieg des Tages geschafft.

    Zwischenpause! Wir trockneten unsere Klamotten in der Sonne, während Täve im Schlüpfer durch die Bewässerungsanlagen rannte. Er hatte seinen Spaß, dem wir ihm heute länger gönnen wollten. Zeit hatten wir heute genug. Das eigentliche Ziel, aus dem Cirque wieder aufzusteigen wurde auf morgen vertagt. Nach der gestrigen Tour mit 20km und 1100hm gönnte ich meinen Liebsten heute eine kurze Tour. Ziel sollte heute das 6km entfernte Ilet A Vidot sein, wo wir einen Campingplatz ansteuerten wollten. Aber erst einmal hieß es, Pause ausdehnen, ein wenig Sonne tanken, die auch bald wieder verschwand und den Startschuss zum Weitergehen gab.


    Ab und an konnten wir einen Blick in den Cirque erhaschen

    Bald kam der nächste steile Abschnitt zum Fluss Riviere de Mat hinunter. Auch hier wäre ein wildes Camp denkbar und schön gewesen, aber unser Proviant war aufgebraucht und der von mir recherchierte Laden erst wieder in Hell-Bourg. So konnten wir hier nur die Szenerie länger genießen, indem wir hier Mittagspause machten. Flüsse waren dafür immer der ideale Ort, nicht nur wegen dem Wasser zum abkühlen und trinken, sondern auch zur Beschäftigung von Täve. Er fand immer irgendwas und irgendwie was zum bauen, erkunden und Mist bauen.


    Im Talkessel weit unten am Fluss

    Nun folgte nur noch der Anstieg ins Dorf hoch und ich motivierte die Beiden und mich mit dem Gedanken, heute vielleicht mal die Sachen zu trocknen und das Gemüt aufzuwärmen. Jedoch stand mir noch die Nachmittagsaufgabe bevor, nach Hell-Bourg einkaufen zu gehen. Den steilen Anstieg ging es auf einer fast unbefahrbaren Piste bergauf, nur ein Unimog hätte hier noch Überlebenschancen gehabt, naja und wir natürlich auch. Ich war mal wieder in mich gekehrt und schniefte mich und das Gepäck nach oben. Ein Grinsen zog über mein Gesicht, als ich auf eine kleinen asphaltierten Straße stand, der Roller konnte hier wieder seine Dienste anbieten. Da hier viele Canyoning-Touren starten, war hier auch viel los und wir ernteten mal wieder skeptische Bilder, "Bonjour" und weiter ging es. Nach einer Stunde erreichten wir das Camp, es war samstags, aber wir vermuteten das Camp für uns zu haben, da hier zelten nicht so weit verbreitet schien. Im Camp jedoch Partystimmung und richtig was los. Wir fanden für die eine Nacht noch eine ruhige Ecke, die 28 Euro waren es Wert. Alles war schnell aufgebaut, dass durchnässte Zelt in der Sonne auch bald wieder trocken. Ich zog mit Rucksack los, vor mir ein Marsch von 5km. Ich ging die Sackgasse wieder zurück zur Hauptstraße, wollte links abbiegen und musste noch den Verkehr abwarten. Vis a vis lächelte mich die Aufschrift "Boutique" an, Leute kamen mit essbaren Utensilien heraus. Der Laden kam wie gerufen, im Überfluss wurde ein- bzw. nachgekauft, was benötigt wurde. Drei Eis auf die Hand, nach 15 Minuten war ich wieder am Camp. Alle waren glücklich und zufrieden und wir genossen die letzten Sonnenstrahlen, denn bald sollten sie wieder verschwunden sein.


    Wie bei den Sinti und Roma

    Da wir mit dem Benzin haushalten mussten und es im ganzen Salazie Talkessel nur im gleichnamigen Ort eine Tankstelle gab, die zu weit ab vom Weg lag, mussten wir noch vier Tage mit der Füllung auskommen. Ich kochte also zur Abwechslung mal Kartoffeln am Gasherd des Campingplatzes. Während Täve mit den einheimischen Kindern spielte ohne sich auch nur im geringsten sprachlich zu verstehen, war zwischen Yvonne und mir der Kartoffeleintopf heiß umkämpft.

    Obwohl hier Straßen hineinführen, waren wir doch positiv überrascht, dass es hier doch noch sehr ursprünglich und gelassen zugeht. Die kurzen Augenblicke mit Sonne offenbarten auch echt schöne Ecken und schroffe Felsformationen, wir spekulierten auf einen grandiosen Ausblick, morgen am 650hm weiter oben gelegenen Col de Belouve.
    Geändert von elbspitze (09.09.2017 um 22:02 Uhr)
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    AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #14
    7.TAG Der Tag begann trocken und so konnten wir mal wieder vorm Zelt frühstücken. Es war bewölkt, die Wolken hingen tief, Belouve war nicht zu sehen. Wenigstens regnete es nicht, wir konnten alles trocken verstauen, außer die noch klammen Klamotten auf der Leine. Die sollten wir nun die kommenden 1.5 Wochen nicht mehr richtig trocken bekommen. Immer wurde ein Teil nass, beim Regen wieder feucht oder gar nicht erst trocken. Gut motiviert zogen wir los, wussten aber, dass da heute ein Gegner auf uns warten würde. Bis Hell-Bourg ging es auf der Straße lang, dort dann schnell den Einkauf für die nächsten 3-4 Tage tätigen um bald festen und ebenen Boden zu verlassen.


    Auf dem Weg nach Hell-Bourg



    Der Typ hat immer gut lachen können, meist über mich

    Wir versuchten gar nicht erst den Roller zum Einsatz zu bringen, es wurde gleich von Anfang alles getragen. Wir einigten uns auf Roller ab und an Yvonne, ich roten Rucksack immer und zur Entlastung für Yvonne ab und an mal den Roller. Wir waren guter Dinge, dass Täve auch diesen Anstieg ohne Aufmucken meistern würde. Es war nur eine Frage der Kommunikation und Motivation. Wir planten aller 200hm eine Pause ein, je 100hm war ein kleines Schild am Pfad, den wir stets entgegen fieberten. Die Wolken, anfangs knapp über uns, stiegen mit uns auf. So wurden wir wenigstens nicht nass und bekamen, wenn auch nur in unmittelbarer Nähe einen ungefähren Einblick in die Dimensionen dieses Talkessels.

    Nun übernahm ich nach nicht mal 100 absolvierten Höhenmetern, ich dachte für paar weitere Höhenmeter, aber der Roller klebte bis zum Ende an meiner Hand. Mitten im Anstieg kam mal Yvonne auf mich zu, hob den Arm. Ich dachte ein Lichtblick, sie will mich unterstützen und den Roller nehmen. "Was will ich denn damit?" lachte sie mich an und griff mit breiten Grinsen zum Trinkschlauch an meinem Rucksack. Naja, wenigstens erleichterte sie mich um 300ml, immerhin.

    In den Pausen, die recht kalt waren, spielten wir Karten auf dem schmalen Weg, aßen Kekse und kaum war ich mal ein bisschen runter gekommen, ging es auch schon weiter. Mit gemütlichem, wankenden Schritt zählte ich die Stufen, die extra hohen sogar doppelt, weil sie in den Knien auch doppelt schmerzten. Jedes Durchdrücken wurde von einem langen Stöhnen begleitet, im Nacken spürte ich immer das gehässige Gelächter meiner Freundin, leider ist Täve nun in dem Alter, sich dem Gelächter anzuschließen. Schön, wenn ich nicht mitlachen darf, weil ich nicht kann.


    Einer der wenigen Ausblicke auf den Cirque

    Das Bergfest war schon geschafft und die 2.Hälfte lief dann besser, wie immer. Man geht ja dem Ziel entgegen und oben wurde der Weg nun auch flacher, wir passierten die letzten rostigen Reste einer Seilbahn, ob Material oder Personen, keine Ahnung. Das Teil war verfallen und die Natur hatte es schon wieder vereinnahmt. Calla-Lilien von ungeahnter Schönheit säumten den Weg, sie wuchsen wild am Wegesrand und kaum Jemand schenkte ihnen Beachtung. Nun waren wir endlich am Belouve Aussichtspunkt, eine große Pause stand an. Hier oben war schon mehr los, es führte ja eine asphaltierte Straße hin. Also Autotouristen und Wanderer, alle auf einem Haufen. Jedoch waren Alle vergebens hier. Nur eine Tafel wies darauf hin, was man hätte sehen können. Das machte Einen aggressiv, fast hätte die tafel herhalten müssen. Ich versuchte mich nun auf dem weiteren Weg mit Schieben des Rollers/Täve abzureagieren. So ärgerlich, die 2.Chance auf einen Einblick in einen Talkessel wurde uns verwehrt, viele dieser Chancen sollten wir nicht mehr haben.

    Auf einer Asphaltstraße, die als Sackgasse nur zu Belouve führt, gingen wir nun des Weges, anfangs noch einmal ein wenig bergauf um dann endlich nur noch bergab zu gehen. Viel war an Verkehr nicht mehr los, die meisten Autos waren auf dem Weg an die Schönwetterküste, nur wir würden hier oben heute in der Suppe nächtigen. Relativ entspannt für Alle ging es nun die Straße runter, der Roller fuhr von selbst, aber links und rechts des Weges wollte sich kein Camp finden lassen, auch von Wasser weit und breit nichts zu sehen oder zu hören. Nun sollten wir aber mal Glück haben.

    Es war gegen 16 Uhr, die übliche Zeit, um anzukommen, da plätscherte rechts des Wegs an Bach dahin, der sich bald später in einem Wasserfall ergoss. Eine kurze Inspektion des Wasserfalls ergab dann auch noch eine alte linksseitige Parkfläche, die abgesperrt und oberhalb der Straße war. So konnte uns Keiner sehen und wir hatten unsere Ruhe. Perfekt, Zelt aufgebaut, alles geordnet und sortiert. Täve spielte mit den 4 Europaletten, die da rumlagen, baute ein Haus, dann wieder eine Art Erlebnispfad, den wir dann Alle auch noch absolvieren durften. Mein Gleichgewicht hatte ich heute irgendwo beim 600.Höhenmeter verloren, ich gab mich geschlagen. Trotz einsetzenden Regen waren Alle gut drauf, wir hatten unser Tagesziel locker und zu 100% geschafft. Wir duschten uns unterm Wassersack, dann gab es Essen und beim Revue passieren der letzten Tage wurde des öfteren über mich gelacht, Karten gespielt, Schokolade gegessen und bald Gute Nacht gesagt. Die Nacht über setzte stärkerer Regen ein und der Wind nahm extrem zu. Es war die erste unruhige Nacht.
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  15. AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #15
    Glückwunsch zur Veröffentlichung Eures Berichtes in dem Outdoor-Magazin. Zuerst habe ich es hier gelesen.

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    #16
    3.Reiseabschnitt - La Plaine Hochebene (4 Tage)


    Urheber: Google maps

    8.TAG Dieses Mal weckte uns kein Sonnenstrahl, nicht die Helligkeit des Morgens, sondern Starkregen und Wind von der Seite. Ich dachte mal wieder an die Klamotten, die draußen eigentlich zum Trocknen hingen. Gut, vergessen wird sofort bestraft. Als ich in die Gesichter meiner Zeltgenossen schaute konnte ich kein Fünkchen Motivation erkennen sich aus dem Schlafsack zu schälen. Ich dagegen dachte an die schnellen Wetteränderungen und hoffte wenigstens darauf, dass der Regen sich einstellen würde. Das Innenzelt wärmte ich mit dem morgendlichen Wasser aufkochen auf, die Nacht war zwar kühl gewesen, aber immer noch diente mein 3-Jahreszeiten-Schlafsack nur als Decke. Der Geruch von Kaffee und Marmelade lockte dann auch Yvonne und Täve aus den Schlafsäcken.

    Ich saß in der Apsis und der Wind schüttelte permanent Kondenswasser vom Inneren des Außenzeltes auf mich ab, fast hätte ich die Regenjacke anziehen müssen. Gott, sogar ich konnte heute nicht den Motivator spielen. Hätte nur Einer "Relaxtag" geschrien, ich hätte 5 Sekunden später wieder in der Horizontalen gelegen. So aber wollte sich Keiner die Blöße geben und wir packten alles zusammen. Nun musste natürlich ein wenig anders koordiniert werden. Bei Regen muss alles im Zelt gepackt werden, fertig gepacktes Zeug regensicher raus geräumt werden um als letztes das nasse Zelt zu verpacken. Kurz überlegten wir, dass trockene Innenzelt auszuhängen und separat zu verpacken, wir entschieden uns dagegen, da bis jetzt auch immer dass nasseste Zelt in kurze Zeit trocken war. Also klitschnass wurde das Zelt bei strömenden Regen zusammengerollt und noch einmal ordentlich gequetscht, dieses Mal kam noch mehr Wasser heraus. Als alles verstaut war, traten wir die Weiterreise auf der Straße Richtung Col de Bebour an, das heutige Tagesziel. Einzig gute Nachricht des Tages: Der Wind kam von hinten.

    Bei diesem Wetter hatten wir die Straße heute für uns, keine Sau wollte hier hoch. Einsam folgten wir dem rechten Seitenstreifen, Jeder mit gesenktem Haupt, Keiner bereit zu reden oder einen Witz zu machen. Es hätte sowie so Keiner gelacht. Wir Drei hatten sicher den gleichen Gedanken, dass uns dieser Tag brechen könnte. Die Klamotten waren im Rucksack klamm oder nass, wir mussten nun bald mal die Möglichkeit bekommen, diese zu trocknen. Im Gedanken vertieft missachtete ich die Autogeräusche aus der Ferne, die von hinten immer näher kamen. Ein weißer Golf zischte an uns vorbei und hielt auf einmal an. Ein Paar hatte anscheinend Mitleid mit uns, wir aber auch mit ihrem Auto als sie uns fragten, ob sie und mitnehmen sollen. Erst einmal entgegneten wir, dass wir sehr nass und dreckig sind. Die Frau meinte, steigt ein, unser Auto ist dafür alt und dreckig. Zum ersten Mal lachten wir, wohl nicht über den Witz, sondern eher über die Mitfahrgelegenheit. Wir konnten uns gut auf englisch verständigen, es waren beide Festlandfranzosen, die auf Reunion ihr Zuhause gefunden hatten, keine schlechte Wahl.

    Ihr Weg ging nach Les Pamlistes, was eigentlich erst morgen von uns erreicht werden sollte. In der etwas größeren Stadt konnte man auch Hotels vermuten. Was sollten wir also machen, Abbruch und ins Hotel oder Guesthouse oder sich vorerst nicht unterkriegen lassen und weitermachen? Wir sagten den Beiden, dass wir eigentlich heute Col de Bebour als Ziel hatten, also fuhren wir erst einmal bis dorthin und legten einen Stopp ein. Unterhalb gab es einen Forstwald mit vielen, weite verstreuten Picknickplätzen, nur wenige davon mit Feuerstelle. Dort angekommen, stieg ich aus, inspizierte den Platz und ließ nun Yvonne entscheiden. Ihre Antwort verließ ihre Lippen nur sehr zögerlich und eher skeptisch: "Okay, wir steigen hier aus!" Nicht nur ich war erstaunt über die Entscheidung, sondern auch der Fahrer des Auto. "Ihr wollt hier wirklich aussteigen und zelten?" Naja, dass ist mein Weib. Täve war das Wetter egal, er fühlt sich im Regen immer wohl. Also aussteigen und Pavillon (auf Reunion auf Kiosk genannt) suchen. Wir fanden leider keins mit Feuerstelle und so mussten wir uns warm anziehen, denn der Wind war unangenehm, doch ließ im Wald ein wenig nach, der Regen hatte an Intensität kein Stück verloren.


    Das Pavillon war die Rettung

    Während meines Rundganges um Wasser zu suchen stieß ich 5 Minuten entfernt auf einen Kiosk, der eine große Feuerstelle direkt und vor Regen geschützt am Pavillion hatte. Ich musste Yvonne und Täve noch ein letztes Mal an diesem Tag motivieren, aber es war die beste Entscheidung. Dort breiteten wir uns nun aus, bauten das Zelt schon mal auf, im Innenzelt große Pfützen. Nach so einem Dauerregen noch trockenes Holz zu finden war ein schweres Unterfangen, aber mit viel Geduld brannte es dann bald und konnte Yvonne wärmen. Es war nun erst 11 Uhr, wir aßen unsere aufgewärmten Reste vom Vortag, spielten Karten, sammelten mehr Holz. Es war ein grausamer Tag, das Zelt trocknete nur langsam, wir bereuten die Entscheidung, dass Innenzelt nicht aus gehangen zu haben. Im noch nassen Zustand räumten wir alles rein und wollten mit unserer Körperwärme und dem Kocher das Zelt von innen her trockenen, was auch gut funktionierte, nur der bereits tief durchnässte Boden arbeitete gegen uns. Da jedoch unsere 3 Thermarest zusammen fast den ganzen Innenboden ausfüllen, mussten wir einfach nur aufpassen, dass die Schlafsäcke nicht auf den feuchten Boden kamen. Im Zelt war es nun angenehmer, die Stimmung ein wenig besser. Kein Wind, kein Regen, bisschen was Süßes und Karten spielen. Ab und an Augenpflege in der Horizontalen, naja es wurde ein Gammeltag und -abend. Bei Anbruch der Dunkelheit ließ der Regen nach und geschafft vor Langeweile ging es zeitig ins Bett. Die ganze Nacht durch regnete es wieder in kurzen Abschnitten, erst am Morgen sollte es aufhören.
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    AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #17
    9.TAG Das Zelt stand ideal, um die ersten Sonnenstrahlen und am Ende auch die einzigen des Tages einzufangen, aber so sprangen Alle hochmotiviert aus dem Zelt. "Carpe diem" hieß das Motto. Wo wir sonst immer auf unseren Touren erst gegen 10/11 Uhr startklar waren, mussten wir uns hier den Sonnenzyklen fügen. Aufgang 7 Uhr, Untergang 18 Uhr. Da es abends immer zeitiger ins Bett ging, meist 20/21 Uhr, waren wir auch früh auf und starteten meist gegen 9 Uhr. So auch an diesem Tag. Die Klamotten auf der Leine mal wieder nass verpackt, das Zelt wenigstens am Außenzelt trocken gewischt, ging es weiter bergab nach La Plaine des Palmistes.


    Die einzigen Sonnenstrahlen des Tages konnten das Zelt auch nicht trocknen



    Auf dem Weg nach Les Palmistes

    Anfangs an der Straße, dann über Pisten und Nebenwege erreichten wir noch vorm Mittag das kleine Zentrum mit Einkaufsladen und Tankstelle. Irgendwie hatte ich zu Hause nach der kleineren 1 Liter Flasche gegriffen, obwohl ich die 1.5L mitnehmen wollte, aber so waren wir doch gut hin gekommen, 2x kochen am Tag und in der Flasche war noch ein Pfützchen. Die kleine Flasche hat aber was Gutes an sich, dort stand französisch drauf, für was die Flasche ist und wie sie zu handhaben ist. Ich sollte auch dieses Mal wieder Probleme bekommen, sie zu befüllen. Schon allein das Aufschrauben und das zischende Entweichen der Druckluft lenkte die Blicke auf mich. War ich ein Terrorist? War das eine Bombe? Mich hätte es nicht gewundert, wenn noch Leute schreiend weg gelaufen wären. Yvonne lachte nur, ich dagegen bangte um eine Füllung Benzin. Doch dieses Mal las der Tankwart sich die Flaschenaufschrift durch, ich zeigte auf die Markierung und alles war geritzt. 93 Cent für eine Füllung, ich gab 3 Euro, die meine Dankbarkeit zeigen sollte.


    Anfangs kamen wir auf den Straßen gut voran, Täve konnte gechillt rollen



    Blick auf La Plaine des Palmistes

    Wenig später fanden wir uns am Supermarkt wieder, auch hier mussten wir unsere Reserven auffüllen, war aber schwer kalkulierbar für wie lange. Wo würde es wieder was geben? In einer Gite oder erst 6 Tage später in einer Stadt. Wir kauften mit Risiko für 4 Tage ein, in der Not mussten wir eben die Rationen strecken. An einem kleinen Imbiss aßen wir was Warmes, das Essen vom Vortag entsorgten wir in der Mülltonne, am Abend sollte ich feststellen, dass ich da auch noch was anderes mit weg gehauen hatte. Nach dem Essen eine letzte Besorgung am Bankautomat, weiteres Bargeld abheben. Das Mafate Cirque hat uns förmlich das Geld aus der Tasche gezogen. Für einen kleinen Einkauf 50 Euro, damit hatten wir nicht gerechnet. Nach allen Besorgungen und bis dahin trockenen Wetter, verließen wir den Ort in Richtung Südosten um am Einstieg des morgigen Anstieges zum Piton de l' Eau zu nächtigen. In Serpentinen schlängelte sich der Weg teils sanft, teils steil nach oben, während die Wolken gegen uns arbeiteten und sich nach unten drückten. Sie zogen vom Meer heran und stauten sich im u-förmigen Kessel an. Es war nur eine Frage der Zeit, wann es auch anfangen würde zu regnen. Die Straße ging in eine Schotterpiste über und gewann an Steigung. Hier befand sich ein Picknickplatz mit Pavillons. Die brauchten wir nun wieder, denn der Nieselregen hatte bereits eingesetzt. Unter den Bäumen war der Boden halbwegs trocken und ohne zu verschnaufen wurde schnell das Zelt errichtet.

    Alles war geordnet, es war weit nach 16 Uhr, wir saßen am Tisch und zum ersten Mal sprang Jemanden das Wort "Hotel" über die Lippen. Ich konnte es verstehen, es war ja Urlaub und kein Kräfte messen mit der Natur angesagt. Wir schmiedeten uns also einen Egon-Plan für den kommenden Tag. Da ich mir zuvor bereits die ersten Meter des Anstieges angeschaut hatte, wusste ich, dass dort kein Spaß aufkommen würde, wenn einem Rinnsale entgegen fließen und man durch Matsch stapft. Also Check morgen früh: Regen = Abbruch, Sonne = Weitermarsch und bei Wolken Schnick-Schnack-Schnuck. Zu quatschen und zu lachen gab es aber erstaunlicherweise noch genug. In der Nähe besorgte ich dann noch Wasser fürs Waschen und Essen kochen und es gab mal wieder Nudeln. Nun musste ich mit Erschrecken feststellen, dass ich mit den Essensresten auch meinen LMF Titangöffel weg gehauen hatte. Gott, der Ärger war im ersten Moment groß, wurde dann aber beiläufig mit den Worten "Ich habe ja noch einen Globetrotter Gutschein zu Hause rumliegen" abgetan. Ärgerlich war es aber trotzdem. Es war der erste Gegenstand, den wir im Urlaub verloren hatten, es sollten noch weitere folgen.

    Bald war der Abend da, das Elend am Himmel nicht mehr zu erkennen. Der Wettergott gab uns immer mal wieder kurz Hoffnung, bevor er uns wieder mit weiteren Regenabschnitten auf den Boden der Tatsachen brachte. Der Osten Reunions hinterließ aktuell keinen bleibenden Eindruck. Mit diesen Gedanken gingen wir ins Bett und während der Eine die Daumen für besseres Wetter drückte, machte sich ein Anderer Gedanken darüber, was er sich neben dem Titangöffel denn noch so mit bestellen könne.
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    #18
    10.TAG Wie sollte es anders sein, wir hatten seit 4-5 Tagen das Mistwetter gepachtet. Es hatte zwar die Nacht über nicht geregnet und beim nächtlichen Wasserlassen bestaunte ich den wolkenlosen klaren Sternenhimmel samt Milchstraße. Ich hätte darauf aber lieber verzichtet und dafür tagsüber mal wieder keine Wolken gehabt. Die erste Stunde am Morgen konnten wir unterm Pavillon noch trocken genießen und Alle waren der Meinung, dass es heute bergauf zum sehnsüchtig erwarteten Piton de l'Eau gehen würden, einem Kratersee von grüner Wiese umgeben. Der sah nach einem Top5 Platz aus. Der letzte Schluck Kaffee war geschlürft, da setzte erst Niesel und dann Regen ein. Ich meinte nur "Lass uns erst einmal packen, vielleicht bessert sich das Wetter noch". Yvonne widersprach überhaupt, wohl aus der Angst, dass sich meine Laune noch mehr verschlechtern würde. Später erzählte sie mir, dass sie widerwillig aber ohne Einspruch den Aufstieg gewagt hätte. Nach 1.5 Stunden Warten, Gott wie optimistisch kann man eigentlich noch sein, fiel die Entscheidung auf Rückzug.

    Den Beiden war eine sichtliche Erleichterung anzuschauen, ich wollte sie und mich letztendlich auch nicht weiter quälen. Ärgerlich, aber nun mussten wir wieder zurück in den nicht sonderlich einladenden Ort Les Palmistes eine Unterkunft suchen. Da das Netz hier oben nicht internetfähig war, nutzte ich das Garmin, um Hotels/ Hostels/ Guesthouses zu finden. Zwei gab es an der Zahl, das 2.5km entfernte nächste Objekt wurde zielstrebig und direkt im Dauerregen angesteuert. Auf dem Rückweg wusste ich nun, dass wir diesen Kratersee nie sehen werden, traurig und nach innen gekehrt trottete ich Yvonne und Täve hinterher. Keine halbe Stunde später standen wir vorm Zielpunkt, aber weder das Haus noch ein Schild machte den Eindruck, dass man hier gegen Entgelt schlafen kann. Zum Glück hielt prompt ein Nachbar im Auto an und wunderte sich über unsere Information, dass hier ein Guesthouse sein sollte. Okay, Pause im Regen, im Internet nach Unterkünften gesucht. Die sollten doch dann aber mal aktuell sein. Nun kam mal kurz die Sonne raus, die Einem immer mal wieder ein schlechtes Gewissen einreden wollte. Aber kurze Zeit später setzte wieder der Regen ein und gab uns die Bestätigung, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, zumal der Powerbank zur Neige ging und mein Solarpanel keinen Dienst verrichten konnte. Wir brauchten also auch Strom, zwangsläufig führte uns also der Weg in eine Unterkunft, die wir nach weiteren 15 Minuten erreichten. In der Unterkunft Les Aubepines bekamen wir ein Zimmer für 75 Euro die Nacht mit Frühstück und konnten sofort gegen 11 Uhr das Zimmer beziehen. Wir breiteten uns mit unseren Klamotten aus, die nassen Klamotten mussten draußen hängen, im Zimmer gab es keine Heizung. Wir würden sie wohl morgen wieder mal nass einpacken.

    Es wurden nun alle Akkus geladen, sich geduscht, auf dem Bett relaxt und sich vom französischen TV beschallen lassen. Ich war immer noch unglücklich nun hier im Hotel zu gammeln und nicht unterwegs zu schuften, aber eine kleine zutrauliche Katze munterte uns Alle mit ihrem Schnurren wieder auf.

    Den Rest des Tages verbrachten wir mit Karten spielen, einen Spaziergang machen (auf dem ich bestand), Essen gehen und noch Genussmittel für den Abend nachkaufen. Wir berieten den weiteren Plan und mit Karte und Navi wurde ein vorübergehender Plan geschmiedet, der vorsah, aus dem östlichen Teil der Insel über die Berghänge in den Westen zu flüchten.

    4. Reiseabschnitt - Zum Vulkan und ab ans Meer (4 Tage)



    Urheber: Google maps terrain

    11.TAG Wir hatten recherchiert, dass ein Bus gegen 11 Uhr nach Burg Murat fahren würde. Von dort aus wollten wir den Weg zum Vulkan antreten mit der Option zu Trampen. Eine andere Idee war es aber, einen Taxifahrer zu finden, der uns von hier gleich bis hoch zum Vulkan bringen könnte. So hätten wir Zeit gespart und hätten so ab dem Kratersee die Tour fortsetzen können. In der Touristeninfo waren sie hilfsbereit und riefen 10 Taxifahrer in der näheren Umgebung an. Viele waren belegt und die anderen Vakanten wollten nicht dort hoch fahren, kein Geld verdienen oder was auch immer. Eine Arbeitsmoral, es war schon wieder zum verzweifeln, also musste der Busplan herhalten.

    Wir trotteten zur zentralen Haltestelle des Ortes am Supermarkt und warteten nun geduldig noch 30 Minuten. Nebenbei stattete ich noch einmal dem Mülleimer am Supermarkt einen Besuch ab, doch der Titangöffel war unauffindbar. Bald erschien der Bus um die Kurve, wir machten uns bereit und stellten uns an die Haltestelle, die uns der Herr im Supermarkt auch noch einmal als richtige Abfahrtsstelle bestätigt hatte. Ohne ein erkennbares Verlangsamen des Busses, aber mit einem Winken des Busfahrers glitt der Bus an uns vorbei und verschwand in der Ferne. Gott, war ich nahe dran, dass Haltestellenschild zu demolieren. Ich wollte mich abreagieren, aber Keiner in der Nähe. Ein Bauarbeiter in der Nähe gab uns dann später zu verstehen, dass der Bus immer nur am Ortseingang und -ausgang hält, aber nicht hier im Zentrum. Spinnen die denn total, die Insulaner? Mir reichte es, "Los Rucksack auf, wir laufen ans Ortsende und trampen!"


    Irgendwie ist es immer eine kleine Überwindung, den Arm auszustrecken. Vor Scham?

    An einem guten Platz positioniert, hielten wir Alle bei jedem größeren Pkw den Arm raus und den Finger hoch. Täve war so begeistert, dass er dies auch bei Motorrädern oder Lkw's tat, wir und die Vorbeifahrenden schmunzelten ein wenig. Just in diesem Moment hielt eine Frau mit ihrem dreitürigen Peugot 306. Sie konnte nur französisch, aber als wir Burg Murat sagten, bestätigte sie mit einem Wink, dass wir doch einsteigen sollten. Es wurde eng im kleinen Flitzer, aber nun hatten wir eine Mitfahrgelegenheit. Die kurvige Straße ging es nun weiter nach oben bis wir eine Hochebene erreichten, wo uns die nette Dame nach ca. 30-minütiger Fahrt absetzte. Es war nun mittlerweile Mittag, hier oben wehte ein kalter Wind und während wir uns nun für den weiteren Weg mit einem Baguette stärken wollten, setzte wieder einmal Regen ein. Die Drei Wanderer, die wir im "Gratis-Camp" in Aurere getroffen hatten, waren über ein Wiedersehen an der Imbissbude genauso überrascht wie wir, jedoch nicht unbedingt kommunikativ uns gegenüber. Wir beließen es also mit einem netten Gruß.

    Ab nun sollte es in 2 Tagen von 1500 auf 2400 Meter Höhe gehen. Wir hatten es nun mittlerweile schon nach 13 Uhr und ich wollte wenigstens heute noch die Nez de Boeuf auf 2000m erreichen. Der 7.5km lange Weg über die Straße war da die einzige gute Wahl. Parallel verlief zwar nach der Hälfte des Weges immer wieder mal ein Wanderweg, aber die Straße war nicht sonderlich befahren, aller 5 Minuten mal ein Auto. Es war wie verhext, wir hatten den Osten verlassen und zum ersten Mal zogen die Wolken ein wenig auf und mit jedem Meter, den wir höher stiegen, klarte es auf. Auf 1800m kamen uns ein Paar entgegen, während wir uns gerade über etwas unterhielten. Der Mann sprach uns mit französischem Akzent auf Deutsch an. Wir waren verwundert, aber er klärte uns auf, dass er aus dem Elsass komme und nun hier lebt. Emma und Philipp waren hier oben zur Streckeninspektion unterwegs, bald wollten sie die Insel in 6 Tagen als Hüttentour von Nord nach Süd queren. Wir verquatschten uns richtig tief am Straßenrand, ganze nette Menschen. Wir tauschten noch die Handynummer aus, falls wir doch Hilfe benötigen würden und schon ging es weiter. Wir kamen langsam aus dem nassen Wald raus und kamen mehr und mehr an Weidefeldern mit Buschbewuchs entlang. Dabei bemerkte ich, dass auch die Wasserversorgung in Form von Flüssen oder Wasserlöchern nachließ. Hier oben schien es tendenziell trockener zu sein, auch die Straßen waren am Abtrocknen. Wo sollten wir also hier oben an Wasser kommen, die kommenden Tage sollten ja noch größere Probleme machen, denn bald würden wir die Mondlandschaft passieren.

    Es dauerte keine 150 Höhenmeter mehr und wir kamen an zwei abgesperrten Wasserauffangbecken vorbei, das eine mit Stacheldraht, das andere mit hohem Tor gesichert. Wenn wir also nichts anderes finden sollten, lag also die Notlösung hier. 30 Höhenmeter weiter oben stand dann ein kleines Pavillon mit Feuerstelle etwas zurück versetzt am Wegesrand. Es war 17 Uhr und das Camp schien ideal für uns zu sein. Während die Wolken an uns tief vorbei zogen, aber keinen Regen mehr brachten, bauten wir alles fix auf, 18 Uhr sollte es ja dunkel werden. Es stand alles ganz schnell und Täve beschäftigte sich derweil an einer ausgedienten Straßenwalze am Straßenrand unweit des Camps. Hinter diesem zogen auf einmal Wolken in atemberaubender Geschwindigkeit über unser Camp hinweg, das wollte ich inspizieren. Keine 100m entfernt sah ich dann eine 800m hohe Abbruchkante ins Remparts-Tal. Wären wir nur diese 100m weiter gelaufen, wir hätten ein noch besseres Camp bekommen, denn hier befand sich ebenfalls ein Picknickplatz. Nun blieb aber alles so, ich machte mich auf dem Weg zurück zu den Wasserbecken. Da die nun folgende Aktion nicht ganz legal sein würde, wartete ich den Autoverkehr ab, versteckte mich zwischenzeitlich in den Büschen bis ich unbemerkt über das Tor klettern konnte, der Stacheldraht sah nicht so einladend aus. Das Becken war ca. 20x 30m groß und prall gefüllt mit Wasser. Es war künstlich mit einer Folie angelegt wurden, ca. 1m unterhalb davon der Wasserspiegel, ein Herankommen ans kühle Nass also etwas riskant. An der einzigen flachen Stelle des Beckens, dem Ablauf hing ein totes aufgeblähtes Tier fest, eine Art Igel, auf Reunion Tenrek genannt. Der Wind wehte über das Becken in Richtung Ablauf, also ging ich auf die gegenüberliegende Seite des Beckens und füllte alle Wasserbehälter auf. Nicht unbedingt lecker, aber wir hofften, dass unser Sawyer alles filtern würde, was er dann auch tat.

    Am Zelt gab es dann neben einem Lagerfeuer und Abendessen einen fantastischen Ausblick bei wolkenfreiem Himmel. Dieser halbe Tag ohne weiteren Regen gab uns soviel zurück, so dass die vergangenen Tage damit bereits fast abgegolten waren, aber nur fast.


    Links der Cirque Cilaos, rechts der Piton des Neiges
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    AW: [RE][MU] 3 Wochen La Reunion und 1 Woche Mauritius mit Zelt

    #19
    12.TAG Alle hatten gestern aufgegessen, das Resultat bekamen wir am Morgen zu spüren. Sonne satt, ein laues Lüftchen und atemberaubende Aussicht. Genau für solche Momente lohnt es sich alle Strapazen immer wieder in Kauf zu nehmen, sei es das Wetter, Schmerzen oder schwindende Kräfte. Ausgiebig und seit langen mal wieder vorm Zelt wurde gefrühstückt und sich in der Sonne aufgewärmt. Ein "Ahhh" jagte das nächste. Uns wunderte der wenige Autoverkehr hier. War es keine tolle Attraktion, mit dem Auto fast an den Kraterrand zu fahren oder warum mieden neben Taxifahrern auch viele Touristen diesen Ort?


    Frühstück mit grandioser Aussicht

    Vor uns lag heute ein langer Weg, teils bergab, tendenziell aber mehr bergauf, wir sollten ja noch eine Höhe von 2400m erreichen. Nun mag es den Einen oder Anderen stören, dass wir immer die Straße als unseren Weg wählen. Diese aber nur wenig befahrene Straße ließ uns schneller und bequemer vorankommen und der Wanderweg hätte sowie so immer wieder selbige gekreuzt, also blieben wir den ganzen Tag auf dem Zufahrtsweg zum Pass Bellecombe, der nur ca. auf 2km auf der Sables Hochebene nicht asphaltiert ist. Am Hang des Remparts Tals ging es nun sanft ansteigend lang, immer wieder links und rechts des Weges ein Picknickplatz schöner als der andere. Zwischendurch waren auch "Aire de Bivouac" ausgeschildert, die ausdrücklich zum biwakieren/ zelten etwas abseits eingerichtet worden. Aber auch Philipp bestätigte uns als Kenner und Wanderer dieser Insel, dass man das sogenannte "Le Bivouac" echt fast überall machen kann, auch an den Picknickplätzen. Mit der kleinen Einschränkung fast sollten wir noch bald unsere Erfahrung machen. Vorbei an der Nez de Boeuf umrundeten wir bald das Ende des Remparts Tals und stiegen weiter und weiter empor. Bald waren nur noch kleine Büsche und Sträucher zu sehen, überall Lava und Geröll in Farben von dunkelschwarz über rot bis gelb. Keine Gegend um zu leben, aber doch faszinierend.


    Blick auf das Remparts Tal, was zur Küste führt


    Remparts Tal - Von hier oben startet ein wunderschöner Wanderweg durch das gesamte Tal


    Ohne Worte

    Die Sonne strahlte heute nicht in voller Pracht, aber wenn sie raus kam, rinnte der Schweiß über die Stirn und wenn sie wieder verschwand, war man so auch nicht böse. Also ein gelungener Mix aus Sonne und Wolken, die, wie ich finde, die Natur immer besonders gut dastehen lässt. Der Anblick wirkt farbenfroher, abwechslungsreicher und hier oben sowie so wie aus einer anderen Welt. Mit gelassenen Schritt und guter Laune im Gepäck freuten sich Alle auf den Vulkan, der heute Abend bei einer Nachtwanderung erkundet werden sollte, wo die rote Lava am besten zu Erkennen sei. Philipp und Emma gaben uns noch einen Tipp, wo wir abbiegen und schauen sollten, aber direkt vor Ort hätten wir es nicht verfehlen können. Wir erreichten bald den Pas des Sables, der Einem einen grandiosen und umfassenden Rundblick über die Ebene verschafft. Hier hielten wir mit anderen Autotouristen inne und pausierten, bevor wir die letzte kleine Etappe zum Camp in Angriff nahmen. Die Idee, den Wassersack halbvoll am Roller mitzunehmen erwies sich nun als richtig, denn auf dem Weg sahen wir zwar ab und an kleine Wasserlöcher im von Wind und Wetter abgerundeten Lavagestein, aber das waren nur Relikte der letzten nassen Tage. Ansonsten sah es hier oben sehr trocken aus. Die 5-6 Serpentinen auf die 100hm weiter unten gelegene Plaine des Sables ließ es Täve mal alleine rollen. Der Scooter ging ab wie Schmidt's Katze und wir eilten im zügigen Schritt hinterher um am Beginn der Schotterpiste mit den Worten "Endlich seid Ihr da" empfangen zu werden. Auf der letzten Passage mussten sich die Autos nun fast so langsam fortbewegen wie wir. Tiefe Löcher, große Steine, eine richtige Offroadpiste. Unterwegs wurden wir von einer Familie im Auto angesprochen, ob mit uns alles okay sei! Gesundheitlich auf jeden Fall, aber die dachten, dass wir nicht ganz klar im Kopf seien. Sie boten uns noch Wasser an, aber davon hatten wir genug. Sie verabschiedeten sich mit den Worten an Täve gerichtet " You know, your are a crazy guy". Täve war stolz, als ich ihm das ins Deutsche übersetzte, fragte aber nach dem Warum.


    Plaine des Sables, die Hochebene



    Der "crazy guy"

    Keine 15 Minuten später mussten wir die 100hm wieder raus aus der Ebene um bald am Ziel zu sein, einem riesengroßen, mit Absperrband abgesteckten Parkplatz, einem Plumpsklo und der Feuerwehr-Einsatzzentrale (zwei Container). Täve saute kurz das Klo ein, wir wollten ja noch weiter, direkt in die Nähe der Abbruchkante und dort das Zelt aufschlagen. Auf einem Schild stand "6.7km distance", wir folgten der Piste, die nur für Allradfahrzeuge zugelassen war. Touristen mussten das restliche Stück also laufen. Wir absolvierten also die letzten Meter als uns ein roter Feuerwehrjeep entgegenkam. "Wenn der jetzt nicht anhält, ist alles im Lot!" Natürlich hielt er an und nichts war mehr im Lot. Sie fragten uns nach dem Weg und dass Fahrräder hier nicht erlaubt seien. Ich drehte mich nach hinten um, schaute wieder auf den Roller und dachte nun, dass ich einem erwachsenen Mensch nun den Unterschiede zwischen Fahrrad und Roller erklären müsse ohne auch ein Wort französisch zu kennen. Er bemerkte jedoch seinen Fauxpas und winkte dieses Problem erst einmal ab. Nun fand er aber ein neues. Camping interdit! heißt Camping verboten. Aha gut, wissen wir. Aber wir kennen auch den Unterschied. Philipp erklärte uns, dass die Franzosen unter Le Camping verstehen, wenn man sein Zelt, Wohnwagen, Wohnmobil, Behausung etc. ausbreitet, sich einrichtet, womöglich mit Zaun und Gartenzwergen um an einer Stelle lange zu übernachten. Da wir nur zweieinhalb Rucksäcke zur Verfügung hatten, waren unsere Kapazitäten begrenzt und wir verzichteten also auf Zaun und Gartenzwerge. Die Begründung, hier nicht campen zu dürfen war der Vulkan, 7km Sperrzone, wo man nicht übernachten, aber jederzeit bis auf einen Kilometer hinwandern darf? Okay, mussten wir hinnehmen, aber nicht verstehen.

    Nun warfen wir ihnen die Zauberwörter an den Kopf und Beide Feuerwehrmänner schauten sich an, gaben sich geschlagen und boten uns an, dass wir nahe dem Parkplatz überall gern unser Zelt aufschlagen können. Le Bivouac ist auch in den französischen Alpen Gang und Gäbe. So darf man kurz vor Einbruch der Dunkelheit (19 Uhr) bis zum nächsten Morgen (7 Uhr) eine Nacht auch sein Zelt aufschlagen (obwohl Biwak eigentlich was anderes impliziert). Wir gingen nun den kurzen Weg wieder zurück zum Parkplatz und in der letzten Ecke des Platzes weit abseits der noch 10 geparkten Fahrzeuge schlugen wir unser Zelt auf. Es war nun 16 Uhr und wir zogen nun das Abendessen vor, da wir gegen 17.30 Uhr zur Nachtwanderung aufbrechen wollten. Noch passte das Wetter, die Sonne ließ sich immer wieder blicken, aber auch die Wolken und einzelne Tropfen kamen immer mal wieder auf.

    Wir zogen also pünktlich mit warmen Klamotten und Kamera im Rucksack los um endlich mal nach Bardarbunga und Mauna Kea einem Vulkan richtig nahe zu sein und es live zu erleben. Täve war begeistert von der Nachtwanderung und motiviert. Klar, wenn es für uns schon ein Highlight sein würde, dann doch erst recht für so einen Knirps. Wir liefen und liefen und liefen, dem Kraterrand immer sehr nahe. Jedoch arbeitete das Wetter gegen uns. Mit jedem Kilometer wurde das Wetter schlechter, die Wolken hingen immer tiefer, Nieselregen und Wind setzte ein. Immer wieder schauten wir in den Krater, aber erstens war die Sicht zu schlecht und sicher waren wir noch nicht nahe genug am Aussichtspunkt. Enttäuscht, aber trotzdem den Krater gesehen, drehten wir um. Es war keine Sau hier mehr unterwegs, Zeit für uns sich im Zelt aufzuwärmen. Der Rückweg dauerte dann umso länger, weil wir der Piste und nicht mehr dem kürzeren Wanderweg folgten, aber gegen 20 Uhr saßen dann meine Leidensgenossen im Zelt, während ich mich noch in der großen 10cm tiefen Pfütze des Parkplatzes wusch. Ich erwartete heute die erste kalte Nacht Richtung Null Grad und zog mich extra warm an. Die Nacht über dann die Überraschung, Schlafsack offen, relativ warm. Der Rest war keine Überraschung: Es windete und regnete abwechselnd oder zusammen, sollte das Schönwetterfenster etwa schon wieder beendet sein?
    Geändert von elbspitze (12.09.2017 um 19:45 Uhr)
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    #20
    13.TAG Wir hatten noch am Vorabend darüber diskutiert, den Plan dem Vulkan zu Liebe insoweit zu ändern, dass wir noch einmal am Kraterrand gen Süden gehen könnten, um diesen bei besseren Wetter zu erblicken, mit anschließenden Abstieg nach Le Baril über den Wanderweg Jacques Payet. Alles war nun hinfällig, denn beim Blick aus dem Lüftungsschlitz sah ich nur Wolken, die die umliegenden Berge einhüllten und feinen Niesel mit sich brachten. "Hätte ich das gewusst, hätten wir auch die Aleuten buchen können" kommentierte Yvonne meine Wettereinschätzung. Wir planten also wie gehabt, zurück auf die Hochebene zu laufen um dann den Langevin Wanderweg durch das Grand Galet Tal abzusteigen. An den beiden nun folgenden Tagen sollten also 2400m auf dem GPS einfach mal so weg radiert werden, dieser Gedanke machte mir nicht Angst aber Respekt. Es wurde nun ausgiebig gefrühstückt, aber trotzdem wollten wir hier nicht länger als nötig bleiben. Wir hatten ja mittlerweile genug Erfahrungen beim Zusammenpacken im Mistwetter, so waren wir schneller als gedacht aufbruchbereit.


    Mitten auf der Sables Hochebene, hinter der Kante geht's nur noch steil bergab

    Gehüllt in Regenklamotten und -hüllen hatten wir nun bald den Abzweig von der Schotterpiste auf Wanderweg erreicht. Hier kam zum Regen mal wieder der Wind dazu, der aber als kleiner Wermutstropfen von hinten drückte. Auf dem sandigen, relativ fest getretenen Weg konnte Täve noch einmal die letzten Meter auf dem Roller relaxen, bevor dieser nun bald zusammengeklappt werden würde. Nun fingen Lava-Steinplatten an. Die ersten Sonnenstrahlen wärmten diese Felsen so schnell auf, dass uns warm wurde, wir pausierten kurz. Der Regen hatte nun aufgehört, die Wolkenfarbe wurde freundlicher. Beim Weiterlaufen zogen hinter uns immer mehr die Wolken ab, zu unserer Genugtuung aber nur hier auf der Ebene, oben am Vulkan war noch alles zu. Kurz vorm Abstieg, und meist immer dann, wenn ich mal wieder am Limit laufen muss, kam die Sonne für längere Einheiten zum Vorschein. Wir entledigten uns noch schnell der Regenklamotten, dann hieß es Vorsicht. Der Abstieg war steil ohne jegliche Absicherung, eng auf Geröll. Zum Glück sind die Lavasteine immer sehr griffig und das Geröll nicht so rutschig unterm Fuß. Mit Täve zwischen uns ging es Meter um Meter runter.


    Da soll's runter gehen, vielen Dank auch

    Nach 200m war eine erste Zwischenebene erreicht, wo wir die Knie entlasten konnten, die Steigung mal humaner war. Nach einer Weile fanden wir uns in einem vom Wasser glatt geschliffenem Flussbett wieder. Da lagen Steine, die waren noch so schroff, wie sie erstarrt waren und die andere Seite war glatt geschliffen. Spektakulär anzuschauen. Das Flussbett war teilweise so glatt und steil, dass Täve es mit Spaß herunter rutschte. Der 5-10m breite Verlauf war ausgetrocknet, in einigen Kuhlen hatte sich glasklares Wasser angesammelt. Ab und an fanden sich auch große Sandbänke, die irgendwie einluden, sein Zelt hier aufzubauen. Aber so blöd und fahrlässig würden wir für den besten Stellplatz der Welt nicht handeln. Kaum vorzustellen, wenn hier mal ordentlich Wasser runterkommt. Bevor es nun wieder steil runter gehen würde, sollte ich noch einmal die Umgebung nach einem sicheren Stellplatz absuchen, aber im dichten Dickicht fand sich wirklich kein Meter Platz. Wir hatten schon 650m an Höhe verloren, doch die Vorstellung noch weiter 550hm abzusteigen versprach nicht wirklich Spaß für alle Beteiligten. Was muss, dass muss. Stück für Stück und mit viel Pausen wollte ich den Weitermarsch ankurbeln. Ein was Gutes hatte der nun wieder steile Abstieg. In kurzen und steilen Serpentinen schwand ein Meter nach dem anderen. Auf dem GPS entdeckte ich auf 1200m Höhe eine kleine Ebene, wo ich auf ein Camp spekulierte. Noch hielt das Wetter zu uns, aber vom Meer zogen Wolken hinauf und bald hatten sie den unteren Pfad durchgenässt. Nun mussten wir "aufpassen, wo wir hintreten" war meine Devise, der ich aber wohl selbst nicht nachkommen wollte. Denn ein kleinen Flusslauf wollte ich lockerflockig überspringen. Da ich den roten Rucksack auf der Brust hatte, visierte ich die gegenüberliegende Felskante an, Schwung holen, Absprung, kurzer Flug...schmerzhafter Abflug. Volle Landung auf dem linken Schienbein. Nun rutschte das Bein auch noch 15cm auf der scharfen Kante lang. Gott schmerzte es, zum Glück war ich auf meine Weichteile gefallen, die meinen Sturz abfederten. Ich konnte mir also aussuchen, was mir mehr weh tun sollte. Mir wurde kurz schwarz vor Augen, ich legte mich auf dem Felsen wie ein Marienkäfer lang. Was für eine Scheiße aber auch. Es hätte aber noch schlimmer ausgehen können. Die Wunde schwoll an und blutete ordentlich. Das war aber nicht alles, denn beim ersten Versuch aufzustehen bemerkte ich einen stechenden Schmerz im linken Knie. Ab nun musste es die letzten 100hm sehr langsam und vorsichtig gegangen werden. Täve betreute mich und half mir, ach Gott wie süß. Er hatte Angst um mich, dass ich noch einmal fallen würde. Wieder einmal hatte ich mir das linke Schienenbein geschrottet, das wird mittlerweile Standard im Urlaub.


    Auf dem Waldhügel links mittig im Bild war unser Camp

    Die Hochebene war nun erreicht, ein schmaler Pfad schlängelte sich durch den Blätterdschungel. Nach 500m war Ende und es ging wieder bergauf auf einen Waldhügel. Ich, nein, ich glaube wir Alle waren enttäuscht. Wir wollten nun ankommen, zumal der Regen wieder einsetzte. Am Wegesrand hatte ich zwar einen Notplatz ausgemacht, aber mit unserem Kaitum hätten wir den ganzen Weg zugesperrt. Zwar sind uns am ganzen Tag nur 10 Trailrunner begegnet, aber ich ließ Yvonne und Täve zurück um auf dem Waldhügel was solideres zu finden. Kaum auf diesem 30m höher gelegenen Hügel regnete es nicht und nach 300m Suche fand ich eine 3,5 x 3,5m ebene Fläche, umgeben von einem Steinwall. Zack, zurück, Familie noch mal motivieren und ab zum Camp. Nun hatte der Regen auch hier eingesetzt, aber die Stellfläche war noch trocken und ratzefatz musste das klitschnass verpackte Zelt heute mal auf trockenem Untergrund aufgestellt werden. Da war nur ein Problem. Das Kaitum ist kein Akto. Es fehlte ein knapper Meter, nun musste die eine bereits eingefallene Seite des Steinwalls noch beseitigt werden. Die Steine folgen vor Frust tief in den Wald. Nun stand das Zelt, Täve und Yvonne zackig rein. Ich stand draußen und hatte ein neues Problem: Wasser? Ja, von oben gab's genug, aber unten kein Fluss, kein Rinnsal, keine Pfütze.


    Was nicht passt, wird passend gemacht

    Ein Blick auf das Navi und ich konnte einige Bäche erkennen, nur mit dem Beiwort "periodisch". Man konnte aber ein Rauschen hören. Dieses kam jedoch vom Tal, welches auf 850m Höhe lag. Tja, Rucksack packen. Es war noch zeitig am Nachmittag, maximal 400 Fakultativ-Höhenmeter würden also heute noch anfallen, hoch wie runter, ich musste den Weg ja auch wieder zurück. Langsam zog ich los, mit den letzten Wasserreserven im Gepäck um meinen Durst zu stillen. Mit dem leeren Ortliebsack lief es sich relativ gemütlich runter, aber ab und an stand ich vor Passagen, wo ich auf allen Vieren runterklettern musste. Wieder einmal Stufen, die einem vor den Augen auftauchen und man sich fragt, wie man hier ohne Seilgefährten hochkommen würde. Ich war voller Vorfreude, wie ich hier wieder hochkommen würde, im Schlepptau einen 10-13kg schweren Sack voller Wasser. Auch nach 300hm Abstieg war noch kein einziger nasser Fleck zu sehen, ich fand mich mit meinem Schicksal ab und hätte nun auch noch die letzten 100hm absolviert. Prompt erschien ein kleines Rinnsal mit kleinen Wasser gefüllten Kaskaden. Also alle Behälter befüllt und ohne große Pause, Motor auf Aufstieg umgestellt. Hoch zu schmerzte das linke Knie nun ordentlich, ich versuchte es weitestgehend zu entlasten. Glücklich starrte ich nach einer Weile aufs Navi. Wow, schon wieder auf 1100m Höhe erreicht, ich wollte mal kurz am Navi was nachschauen und griff nach meiner Brille auf dem Kopf. Da war sie nicht, in der Tasche auch nicht, im Rucksack auch nicht. Klar, ich hatte sie am Wasserloch liegen gelassen. "Vergiss es, da geh' ich heut nicht mehr runter". Mein Gedanke war, dass die hellbraune Brille auch morgen dort noch liegen würde und unser morgige Weg dort vorbei führen würde. Bald erreichte ich den Waldhügel, der Weg wurde flacher, in der Ferne erschien das Zelt, ich war glücklich, fertig, voller Schmerzen, aber zufrieden, da ich nun meiner kleinen Familie was zu essen kochen konnte. Beim Essen bemerkte ich, dass ich eine Notbrille eingepackt hatte, die ich durch Zufall entdeckte. So war der Abend auch gerettet und wir konnten Karten spielen. Während im Tal Wind und Regen aufzog, blieb es diese Nacht in unserem Kiefernwäldchen windstill und trocken.
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