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  1. Erfahren
    Avatar von Blahake
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    AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #21
    Mitreisende: Horst24
    Wow, tolle Route habt Ihr Euch da ausgesucht und die Bilder vom oberen Njoatsosvágge sind ja ein Traum!!

  2. Erfahren

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    AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #22
    29. August Njoatsosvagge - Plateau vor Luottolahko

    Schlüsseletappe, Teil 2
    Etwas aufgeregt stehen wir eine Viertelstunde früher als sonst auf (obwohl es einkalt ist draußen) und sind schon um 8.15 Uhr abmarschbereit. Rekord. Der Aufstieg rechts des Wasserfalls ist steil, es finden sich aber immer gute Stufen oder mit Gras bewachsene gut begehbare Stücke. Durch den raschen Höhengewinn haben wir ruckzuck prima Ausblicke aufs Tal.






    Über den Paß in der Mitte, rechts vom kleinen Schneefeld sind wir gestern gekommen


    Nach so 450 Hm ist das Gröbste geschafft, das Gelände wird flacher, dafür aber verblockter. Rechts des Baches ergibt sich eine ziemlich offensichtliche Route bis sich auf 1.260 Metern ein weites Plateau öffnet - der Übergang zum Jiegnavagge.


    Der Aufstieg wird flacher








    Von uns gebauter Steinmann


    Offensichtlich war diese Ebene noch vor nicht allzu langer Zeit vergletschert, denn der steinige Boden ist völlig platt und somit extrem angenehm zu begehen. Wir biegen in einer Rechtskurve um die Nordausläufer des Tsähkok ins obere Jiegnavagge (das nicht besonders attraktiv wirkt) und steigen die restlichen Höhenmeter zum Paßübergang hoch.

    Dort oben haben wir ein weiteres Mal eine eindrucksvolle Aussicht mit dem Parte Massiv als Krönung im Hintergrund. Der perfekte Spot für eine ausgiebige Mittagspause.
    Auch der Abstieg ist mit Highlights gespickt. Ein Gletscher rechts (mit dem Gipfel des Tsähkok dahinter), wenige hundert Meter später links der Svenonius Gletscher, dessen Ausläufer wie ein Lappen über die Bergkante ins Tal hängt und eben am Horizont, die Kette der Parte Berge.


    Erster Blick aufs Parte Massiv


    Beim Abstieg vom Paß


    Blick zurück zum Paß












    Wir halten uns sehr früh auf der talabwärts linken Seite des sachte anschwellenden Baches Luohttojahka. Am Beginn des Abstieges ist dies noch ok, weilte unten geraten wir aber voll in die Schutthalden des Gletschersees. Wir überlegen, auf die andere Flußsseite zu queren (auf dieser OR Seite gibt es immer noch einige grasige Stellen), aber Elli ist nach dem Aufstieg heute morgen ein wenig platt, stolpert vor sich hin und hängt dann an einer an sich unschwierigen Flußpassage. Wir bleiben also auf unserer Route, karpfen uns durch das blöde Gelände und erfreulicherweise wird das Gehen bald leichter.

    Während sich der Fluß langsam immer steiler und tiefer ins Gelände einschneidet und einen Rechtsbogen macht, bleiben wir konstant auf einer Höhe von etwa 1.250 Metern und entfernen uns also vom Bach, der ganz schön an Kraft zugelegt hat und in lautem Getöse ins Tal rauscht. Nach der Steinwüste sind die Grashänge eine Wohltat. Noch eine längere Sonnenpause im Gras, dann erreichen wir endlich das im Grundstenbuch beschriebene Plateau mit wirklich guten Zeltplätzen, recht exponiert als der Hang sich nach Norden öffnet.







    Der Zeltplatz mit weiter Aussicht auf die Bergketten im Süden ist herausragend. Offenbar bauen wir unser Zelt genau an einem beliebten Rentierweg auf, dauernd tauchen Rentiere auf und wirken erstaunt und unschlüssig, wie sie mit dem fremden Gebilde (unserem Zelt) und uns entlang ihres Stammweges umgehen sollen - was uns eine prima Beobachtungsposition beschert.

    Ich mache noch einen Abendspaziergang auf die Hügel hinter dem Zelt, meine spontane Idee bis zu den Gletschern zu laufen, verwerfe ich angesichts der plötzlich aus Richtung des Jiegnavagge-Passes, herziehenden düsteren Wolken. Immerhin bleibt es am Abend trocken.







    Geändert von Horst24 (27.11.2016 um 21:26 Uhr)

  3. Dauerbesucher
    Avatar von Mortias
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    AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #23
    Interessant, ich wusste gar nicht, dass der Grundsten von dem Aufstieg ins Jiegnavagge abrät. So kritisch fand ich den Aufstieg damals jetzt auch nicht. Nur halt sehr anstrengend. Aber muss ja echt sagen, dass ich diesen Abschnitt Jiegnavagge Richtung Luohttolahko landschaftlich unheimlich reizvoll finde. Sind sehr schöne Bilder von euch. Vor allem mit dem schneebedeckten Gipfel. Von dem Schnee war ja ein paar Tage später (zumindest auf meiner Tour) ja gar nichts mehr von zu sehen gewesen.

  4. Fuchs
    Avatar von OttoStover
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    AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #24
    Oh that is the kind of landscape I love. Blue mountains a bit off, and treeless open valleys with view in all directions. Thank you Horst24!
    Otto.
    Ich lese und spreche Deutsch ganz OK, aber schreiben wird immer Misverständnisse.
    Man skal ikke i alle gjestebud fare, og ikke til alle skjettord svare.

  5. Erfahren

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    AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #25
    Danke Otto und Mortias für die netten Kommentare, gleich geht's auch weiter.

    @Mortias, ja, Grundsten schreibt etwas kryptisch von einem sehr anstrengenden Hang, der "demnach keine geeignete Route…..sei". Bei der Beschreibung der folgenden Gipfeltouren wählt er aber auch genau diesen Zustieg.

  6. Erfahren

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    AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #26
    30. August Plateau - Luottalahko

    Wetterkapriolen - das trifft voll auf den Tag heute zu. Früh ist es erst sonnig, kurz darauf düster, wir können gerade noch trocken zusammenpacken. Aber gleich nach dem Loslaufen nieselt es und hört auch die ganze Tour heute nicht auf. immerhin ist die Sicht einigermaßen ok, als wir zwischen zwei flachen Hügeln auf die eigentliche Hochebene navigieren, wo wir wegen des Pißwetters schon um 13.00 Uhr unser Zelt aufbauen, gleich an der Westseite des Sees Balgatjavrasj.










    See Luohttojavrre


    Zeltplatz am Balgatjavrasj - das Wetter wird auch besser


    Wir haben es uns gerade beim Nachmittagskaffee im Zelt gemütlich gemacht, da reißt es auf einmal auf. Gelegenheit zu einem tollen Nachmittagsrundgang auf der steinigen Hochebene mit spannenden Blicken auf das nahe Massiv und Planungen, welchen der Gipfel wir morgen besteigen wollen. Es dauert nicht lange, bis die nächste schwarze Wolkenfront aufzieht: Schneeregen. Nur um später wieder aufzuklaren, nachts Sternenhimmel inklusive schwachem Polarlicht.


    Parte




    Naite






    Das nächste Schlechtwetter im Anmarsch


    Bei der Kaffeepause haben wir schon gemerkt, daß das Zelt suboptimal steht. Der Wind hat irgendwie gedreht und bläst schräg von hinten aufs Zelt. Kurz vor dem Schneeregen veranstalten wir eine überstürzte Zeltdrehaktion. Ein großer Fehler.

    Unsere Laune ist prächtig, die Schlechtwetterphasen heute scheinen nur kurze Intermezzi gewesen zu sein und wir bereiten uns für morgen auf eine Gipfeltour vor. Ziel ist der Nordgipfel des Lullihatjahkka.
    Geändert von Horst24 (02.12.2016 um 10:54 Uhr)

  7. Dauerbesucher
    Avatar von Dogmann
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    AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #27
    Ach , einfach herrliche Bilder, die einen frösteln lassen ( Schnee und Frost ) und schwitzen ( Anstiege ) !
    Aber immer wieder eine tolle Landschaft.
    Richtig wohl fühle ich mich nur draußen !

  8. Erfahren
    Avatar von SouthWest
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    AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #28
    Toller Bericht mit schönen Bildern. Und tolle Route, danke!!!

  9. Erfahren
    Avatar von vobo
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    AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #29
    Fantastisch, vor allem mit dem Schneeüberzug auf den Bergen. Da möchte man doch am liebsten eine ganze Woche bleiben, und immer wieder einen anderen Gipfel erkunden. Bin gespannt auf den Lullihatjahkka oder die Wetterkapriolen...

  10. AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #30
    EIn Traum....danke!
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  11. Erfahren

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    AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #31
    Besten Dank für die Kommentare, weiter geht's.


    31. August Luottalahko

    Es folgt der wettermäßig mieseste Tag der gesamten Tour.
    Nachts um 4 war es echt noch wolkenlos, eiskalt und sternenklar. Früh beim Aufwachen wundere ich mich, wo denn die Sonne bleibt, die langsam mal aufs Zelt scheinen müßte. Draußen ist eine ganz eigenartige Stimmung. Wie in einem Schwarz-Weiß Film. Die Sicht ist noch gut, außer im Südwesten, Richtung Njoatsosvagge, dort schaut es düster aus. Eine kräftige Brise weht genau aus dieser Richtung. Enttäuschend.

    Es dauert nicht lange, bis es die ersten, tiefen Wolken auf die Hochebene bläst, kurz darauf sind die Berge im Nebel verschwunden. Ich gehe noch zum Waschen und Wasserholen zum See, auf dem Rückweg gerate ich schon in ein Schneegestöber. Ruckzuck liegen 5 cm Schnee. Dann geht der Schnee in Regen über. Und so bleibt es: kräftiger Wind und Dauerregen.


    Früh ist es noch einigermaßen klar, aber schon komisch


    Wenig später




    Immerhin hört es auf zu schneien.


    Gestern hatte ein anderer Wanderer ein paar hundert Meter entfernt sei Zelt aufgebaut. Wir tauschen uns kurz aus. Er will bei der ersten Regenpause versuchen abzusteigen. Wir wollen unsere Gipfelpläne nicht sofort begraben und hoffen darauf, daß der Trend ständiger Wetterwechsel anhält und es bald wieder besser wird. Ein Trugschluss.

    Zu allem Überfluss hat der Wind gedreht und unser Zelt steht jetzt volle Breitseite im Wind. Ich spanne ab, was geht. Damit die trotz regelmäßiger Kondenswasserabwischerei feuchte Innenseite des Außenzelts nicht dauernd ans Innenzelt dotzt, stopfe ich Plastiktüten und unseren Müllbeutel in den Zwischenraum. Das funktioniert tatsächlich einigermaßen.




    Kleine Freuden, schweizer Bündnerfleisch mit Butter - leider ist das Objektiv abgelaufen




    Irgendwann am Nachmittag reißt uns der Geduldsfaden und wir starten zu einer kleinen Exkursion, die wir aber bald abbrechen, weil man vor lauter Nebel die Hand kaum vor den Augen sieht. Immerhin entdecken wir eine näher gelegene Wasserquelle. Das Zelt unseres Nachbarn ist verschwunden. Weiter geht's mit Lesen, Zeltyoga, Tourplanung, Schlafen und Schuhe wachsen.

    Später verkeilt sich noch irgendein Stück Vollkornschale unseres Brots in meinem Zahnfleisch, genau hinter dem vorderen Schneidezahn. Es geht nicht raus, ist aber mit der Zunge spürbar. Nervig.

    Unsere weitere Strategie ist klar, Wenn es morgen früh nicht aufreißt, steigen wir ab. Die Frage ist nur: Abstieg ins Sarvesvagge oder ins Njoatsosvagge. Irgendwie reizt uns entgegen der Ursprungsplanung das Njoatsosvagge mit einer längeren Talroute mehr, als weitere Paßüberquerungen. Außerdem bietet diese kürzere Strecke noch die Option auf einen Gipfeltourtag am Partegrat. Wir entscheiden uns für diese Variante.

  12. Erfahren

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    AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #32
    1. September Abstieg ins Njoatsosvagge

    Das Wetter ist wie befürchtet weiterhin miserabel. Wir steigen also ab. Vorher quängle ich solange, bis Elli diesen Brösel rausoperiert, was Gott sei Dank nach etlichen Fehlversuchen tatsächlich gelingt. Für den Abstieg umrunden wir den Balgatjavrasj ein Stück gegen den Uhrzeigersinn, steigen dann auf einen Hügel genau südlich des Sees und gehen in der Falllinie des Hangs (OR rechts des Balgatjahka) angenehm bergab. Eine richtige Panoramastrecke. Vor allem, weil es langsam aufreißt und nach der Hälfte des Abstiegs sogar die Sonne zwischen Wolkenfetzen rauskommt.


    Leider keine Wetterbesserung


    Blick zurück, hinten am See war unsere Campstelle


    Hügel südlich der Seen


    Spannende Ausblicke, hier Richtung oberes Njoatsosvagge




    Entlang des Plateaus rechts sind wir abgestiegen




    Blick ins Njoatsosvagge




    Von oben erkennt man gut einen geschickten Weg durchs Birkengestrüpp weiter unten im Tal. Wir bauen unser Zelt nicht an der Furt auf (wo es einige offensichtliche Zeltplätze gibt), sondern steigen vielleicht 500 Meter nach Westen talaufwärts, bis wir einen aussichtsreichen Platz etwas abseits des Pfades finden, mit herrlichen Blaubeerfeldern gleich daneben.


    Im Tal




    Nachmittagskaffee mit Plätzchen. Den Stein hab ich aus dem Louttakahlo mitgenommen, bevor der Rucksack zu leicht wird


    Ungebetener Gast am Zelt




    Am frühen Abend - mittlerweile dämmert es schon deutlich früher, als zu Beginn unserer Tour - spazieren wir noch auf einen benachbarten Hügel und genießen den Talüberblick. Nach den den Tagen im kargen Hochgebirge ist ds grüne und bedeutend mildere Tal eine willkommene Abwechslung. Die Routenänderung war (auch im Nachhinein betrachtet) eine richtige Entscheidung.


  13. Erfahren

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    AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #33
    2. September Njoatsosvagge - Tjievrrajavrre

    Erstes Tageshighlight ist die Furt des Balgatjahka, der nicht besonders viel Wasser führt und eigentlich also "unkritisch" ist. Wenn man aber, wie Elli, während der Flußüberquerung nebenbei an der Hose rumpfriemelt, ist es nicht verwunderlich, wenn man trotzdem im Wasser landet. Glücklicherweise kann sie sich noch halbwegs an einem Stein abstützen. Ich sprintfurte also zurück (deswegen auch kein Foto von Elli im Fluß) und wir können größere Kalamitäten vermeiden.


    Unmittelbar vor dem kleinen Malheur

    Der Pfad durchs Njoatsosvagge bleibt meistens in der Nähe des Flussufers, ist ganz gut zu finden und bis auf ganz wenige sumpfige Ecken bequem zu begehen. Nur einmal in einem Waldstück geraten wir zu hoch.
    Wetterkapriolen nächster Teil: Während wir fast die ganze Zeit in der Sonne laufen, drücken aus dem oberen Njoatsosvagge immer mehr Regenwolken ins Tal, mit dem Ergebnis einer Art Dauerregenbogen in der Landschaft hinter uns.








    So verbuscht war die Route nur ganz selten








    Ab hier beginnt der Anstieg

    Bei der roten Rentierzüchterhütte beginnt der längere Anstieg durch die Hügel südlich des Tjievrra. Nach einem ersten Kamm auf etwa 1.150 Metern geht es eine Weile ohne Weg steinig und relativ eben am Hang mit gutem Blick über den südlichen Sarek entlang, bevor der Weg erneut bis zu einer Geländekante ansteigt, von der es in eine Hochebene südlich des Parte Massivs hinabgeht. Leider ist es komplett zugezogen, so daß wir von der Bergkette überhaupt nichts sehen - immer wieder schneeregnet es. Sehr ungemütlich.






    Kurz vor dem ersten Bergkamm




    Nächster Regenbogen


    Trotz der schlechten Sicht kommt die Dramatik der Ecke gut rüber, mit der fast senkrecht abfallenden Südflanke des Tjievrras, die wie ein Rondell den Bergsee Tjievrajavrre umschließt. An dessen Abfluß wollen wir zelten. Ein guter Startpunkt, um bei gutem Wetter morgen an einem der moderat in die Ebene abfallenden Bergrücken auf den Grat des Partemassivs aufzusteigen.

    Erst einmal zieht sich aber die Zeltplatzsuche endlos hin, weil das ganze Gelände überall uneben und voller Minihügel ist. Lauter Felsbrocken mit einer dünnen Schicht Erde drauf. Endlich finden wir eine gute Ecke - genau neben dem Pfad. Abends beruhigt sich das Wetter. Es ist plötzlich wolkenlos und wir sichten guten Mutes mögliche Aufstiegsrouten für morgen.




    Unten an den Seen ist unser nächster Zeltplatz


  14. Erfahren

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    AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #34
    3. September Tjievrrajavvrre - Parek

    Wieder nix. Erneut ist das klare Abendwetter über Nacht in eine graue Nebel- und Nieselsuppe umgeschlagen. Jeden Hauch mehr Helligkeit interpretieren wir als baldiges Aufreißen, aber es tut sich nichts. Wir setzen uns eine Frist bis 12 Uhr - vielleicht reißt es ja doch noch auf und wir können auf den Grat hoch, aber kurz vor 12 sind die Wolken eher noch dichter. Also packen wir zusammen und laufen etwas geknickt nach Parek. Ziel ist, etwas nördlich der Samensiedlung eine Campstelle zu finden, um eventuell morgen noch die Option zu haben bei gutem Wetter eine Gipfeltour zu starten. Richtig glauben tun wir daran aber nicht mehr.




    Selbst die Blumen lassen die Köpfe hängen


    Erstmal wartet unsere Route gleich nach ein paar Metern mit einem Highlight auf. Die Schneebrücke über den Fluß Tjievrajagasj. Eine mulmige Angelegenheit. Viel darf an dem Teil nicht mehr wegtauen.












    Der weitere Weg mit gutem Blick über die ganze Parekhochebene ist bei gutem Wetter bestimmt klasse, bei unserem trüben Wetter leider nur der halbe Spaß. Wir zelten etwas überhalb der Baumgrenze in der Nähe des großen Gletscherbachs, der vom Boarektjahkka runterfließt.


    Trister Blick über Parek



  15. Erfahren
    Avatar von ThorstenSchneider80
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    AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #35
    Tolle Bilder noch besserer Bericht. Ich selber war ab ca. 10. September oben zwischen Suorva und Kvikkjokk unterwegs und bis seit dem mehr als nur Fan der Gegend!
    Der Weg ist das Ziel!

  16. AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #36
    Herrliche Bilder, da kommen Erinnerungen hoch. Das Wetter war damals absolut identisch
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  17. Erfahren

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    AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #37
    3. September Parek - Camp am Lulep Varddo

    Früh morgens ist es noch neblig. Aber während des Frühstücks wird's heller. Die Landschaft wirkt deutlich herbstlicher als noch vor ein paar Tagen, die Verfärbung der Sträucher und Bäume ist immer deutlicher sichtbar und das Sonnenlicht sorgt zusätzlich für ein attraktives Farbenspiel. Kurz überlegen wir, die Wetterbesserung doch noch für einen Gipfelaufstieg zu nutzen, aber der Gipfelgrat ist noch voller dicker Wolken. Wir haben keine Lust, plötzlich wieder im Nebel zu landen und irgendwie ist die Luft jetzt auch raus. Und die Parek Hochebene lockt mit den tollen Farben.
















    Ein ausgetretener Pfad führt durch die Ebene. Sumpfige Passagen sind durch Bohlen entschärft. Wir wollen ja erst morgen in Kvikkjokk ankommen, können uns also viel Zeit für Fotostopps und Pausen lassen. Auf Höhe des Hügels Lulep Varddo und links von einem See mit der Höhenangabe 692 Meter taucht eine solch super Zeltstelle mit Ausblick über die ganze Parekebene auf, daß wir kurzerhand schon am frühen Nachmittag die Etappe beschließen und das Zelt aufbauen. Eine kleine Idylle. Allerdings hat der Wind ganz schon aufgefrischt.


















    Am Nachmittag starten wir noch zu einer kurzen, aber lohnenden Tour auf den Lulep Varddo - immerhin noch eine ganz kleine Entschädigung für die verpassten Gipfeltouren.










    Abends wird aus der schon recht steifen Brise ein kleiner Sturm mit ziemlich heftigen Böen. Das Zelt steht auf der kleinen Anhöhe voll exponiert, aber diesmal wenigstens richtig gut im Wind. Ein echter Härtetest für unser Ultralightzelt. Die Böen machen nachts einen Heidenlärm. Aber das Zelt steht tadellos.

    Geändert von Horst24 (17.12.2016 um 19:25 Uhr)

  18. Erfahren

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    AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #38
    4. September Lulep Varddo - Kvikkjokk

    Abschlußetappe. Klar sind wir froh, die Tour so gut geschafft zu haben und freuen uns auf die Zivilisation mit gutem Essen, Komfort und so weiter. Irgendwie könnte es nach ein paar Tagen Pause aber auch gleich wieder weitergehen.
    Einige Wanderer kommenuns entgegen, die gerade zu ihrer Sarektour aufbrechen sind und die die einsetzende Herbstverfärbung der Natur nun voll mitbekommen (seltsamerweise ausschließlich alleinreisende, zumeist deutsche Männer mittleren Alters). Wir spazieren also gemütlich und zufrieden in die entgegengesetzte Richtung und geben den Entgegenkommenden gerne viele schlaue Tips.








    Von der Hochebene geht's bald bergab und interessant in eine ganz andere, für uns nach den vielen Tagen im Hochfjell völlig ungewohnte Vegetationszone. Das Gelände ist sehr attraktiv, überall sind Ameisenhaufen und Pilze, Seen und mäandernde Bäche. Obwohl es nur noch bergab geht und der Rucksack nun nichts mehr wiegt, ist das Gehen irgendwie beschwerlich, weil man dauernd darauf achten muß, nicht über irgendwelche Wurzeln zu stolpern. Ich bin froh, hier nicht in einem Gewaltmarsch aussteigen zu müssen und beneide all die schwer bepackten Einsteiger, die ja auch noch bergauf gehen, weiß Gott nicht.












    Nach einer Weile stoßen wir auf den Kungsleden und biegen auf dem breit ausgetretenen Weg ab auf die letzten Kilometer nach Kvikkjokk. Seltsamerweise werde ich plötzlich hundemüde und kraftlos. Wir stoppen zweimal zu richtig langen Pausen und machen am Wegrand kleine Nickerchen. Ist es der Spannungsabfall? Dann haben wir es geschafft: Ankunft in der Fjellstation in Kvikkjokk. Es ist viel Betrieb, aber wir kriegen noch ein Doppelzimmer. Leider ist die Sauna nur lauwarm, aber das gute Essen und vor allem einige Bier sind mehr als nur eine Entschädigung. Vor lauter Begeisterung mache ich kein einziges Foto von unserem Ziel.




    Blick auf den Sarek von den Bergen bei Kvikkjokk



    Rückreise

    Am nächsten Tag spazieren wir auf den Hausberg über Kvikkjokk, aber das Wetter kippt erneut und wir sind früh wieder zurück. Der Bus am nächsten Morgen verlässt Kvikkjokk schon arg früh um 5 Uhr, beschert uns aber eine lange Pause in Jokkmokk, was wir gleich zu einem ausgiebigen Besuch im wirklich sehenswerten Samenmuseum nutzen (mit ausgezeichnetem Restaurant). Wir erledigen den Souvenireinkauf und besorgen Proviant für die lange Zugfahrt. Dann geht's mit dem Bus zur Minibahnstation Murjek und von dort mit dem Nachtzug nach Stockholm. Dort verbringen wir noch drei coole Tage mit viel Shopping und Ausflügen bei bestem Wetter.


    Kirche in Jokkmokk


    Murjek Hauptbahnhof


    Schwedenidylle in Murjek


    Zugreiseproviant


    Stockholm


    Stockholmhalbmarathon


    Fährbootsausflug








    Überraschende Erinnerung an zuhause

  19. Erfahren
    Avatar von Blahake
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    AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #39
    Stockholm scheint eine sehr sportliche Stadt zu sein, als ich da mal Zwischenstopp hatte, war gerade Triathlon mit Wechselzone vorm Schloß...

    Noch mal ein ganz dickes Danke für den schönen Bericht

  20. Dauerbesucher
    Avatar von Dogmann
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    AW: [SE] Von Sulitjelma nach Kvikkjokk. Seen, Pässe. Hochebenen und Wetterkaprio

    #40
    Wirklich sehr schöner Bericht, einer wirklich schönen Tour!
    Ich erkenne so viele Orte auf dem Weg, die ich ebenfalls stellenweise gekreuzt bin.


    dankende Grüsse Michael
    Richtig wohl fühle ich mich nur draußen !

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