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    Avatar von OutofSaigon
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    [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Meru

    #1
    Mitreisende: OutofSaigon



    Allerlei Gedanken vor, während und nach meiner Besteigung des Meru im Jahr 2016. Man macht ja vieles falsch im Leben, aber man kann es – oft jedenfalls – auch wieder korrigieren. Und so erwies ich dem Berg Meru, einem 4566m hohen Vulkan in Afrika, die Ehre...

    Wie euer Autor zu dem Schluß kam, einem Irrtum erlegen zu sein. Den Berg Meru im Dezember 2013 buchstäblich links gelassen zu haben, war wohl ein Fehler meinerseits. Damals plante ich eine Besteigung des Kilimanjaro (meinen Bericht davon findet ihr hier), und zur Vorbereitung darauf standen zwei Haupt-Optionen zur Wahl: entweder den Meru besteigen oder eine Wanderung durch die Usambaraberge machen. Ich entschied mich schließlich für letzteres (und meinen Bericht davon findet ihr hier). Später fragte ich mich dann, ob das vielleicht eine falsche Entscheidung gewesen war. Die Zweifel wurden genährt, als ich auf die Homepage „Walkopedia“ schaute. Dort wird eine Besteigung des Meru als einer der zwanzig weltbesten „Walks“ aufgeführt. Der Kilimanjaro hingegen „schafft es“ noch nicht einmal unter die Top 100. Den Bewertern der Walkopedia war offensichtlich bewußt, daß diese Diskrepanz bei vielen Lesern ein Stirnrunzeln hervorrufen würde, und so haben sie gleich proaktiv erklärt: „Widrigkeiten auf dem Weg sowie die Möglichkeit, sich nachher mit der Besteigung zu brüsten, gehören nicht zu den Bewertungskriterien“. – Hmmm, dachte ich, als ich das las; da ist eigentlich etwas dran; vielleicht habe ich dem Meru ja sozusagen Unrecht getan, indem ich ihn irrtümlicherweise unterbewertet und vernachlässigt habe. Ich sollte ihm wohl irgendwie Abbitte leisten... Dann kam der Januar 2016, ich reiste wieder einmal beruflich nach Afrika, und wie immer packte ich auch meine Trekkingsachen in den Koffer. Für alle Fälle... Und der „Fall“ kam dann auch Ende Februar: ich konnte ein paar Tage frei nehmen und ein langes Wochenende für eine Besteigung des Berges Meru einplanen. Davon berichte ich nun im folgenden. Wie meistens, streue ich auch ein paar nachdenkliche Betrachtungen ein über das, was ich rechts und links des Weges sah und unter meinen Füßen spürte.

    Kleiner Überblick und kurze Einführung. Der Meru ist ein Vulkan in der Nachbarschaft des Rift Valley. Vulkane gibt es dort ja relativ reichlich. Mit rund 5900m Höhe ist der derzeit höchste davon der Kilimanjaro. Der Elgon mag in geologischer Vorzeit noch höher gewesen sein (mehr davon an anderer Stelle). Der Meru ist deutlich niedriger, „nur“ 4566m hoch, und liegt west-südwestlich des Kilimanjaro, wie ihr auf folgendem Satellitenbild seht:


    Die Tansanier bezeichnen ihn gerne als fünfthöchsten Berg Afrikas (nach Kilimanjaro, Kenia, Ruwenzori, und Mawenzi), aber wenn man den Mawenzi (einen Nebengipfel des Kilimanjaro) separat aufführen will, dann sollte man auch die zahlreichen Nebengipfel des Ruwenzori-Massivs separat auflisten, und dann ist der Meru auf einmal nur noch der zehnthöchste oder so. Mit solchen Haarspaltereien darf sich beschäftigen, wer will; auf jeden Fall ist der Meru nur 70m niedriger als der Monte Rosa (4634m), also immer noch ein schöner Brocken. Er ist der dritthöchste freistehende Berg Afrikas (nach Kilimanjaro und Kenia, wie sich denken läßt). Von dem Vulkan fehlt jetzt allerdings die östliche Hälfte: die ist in einer gewaltigen Explosion zerstört worden, was laut Wikipedia vor etwa achttausend Jahren geschah, in geologischen Maßstäben also „gerade erst kürzlich“. So sieht man heute nur noch die westliche Hälfte des seinerzeitigen Berges in einer Art von Hufeisenform (und hat damit auch eine herrlich unbehinderte Sicht vom Meru-Gipfel nach Osten).

    Es ist eine schöne und recht beliebte Wanderung auf den Meru, allerdings natürlich kein Kinderspiel, technisch sogar etwas anspruchsvoller als der Weg auf den Kilimanjaro. So findet ihr in diesem Bericht auch noch ein paar Hinweise für „Nachahmer“.

    Euer Autor begibt sich zunächst an einen Ort am halben Weg zwischen Kapstadt und Kairo. Wer auf den Meru will, muß sich zunächst in die Stadt Arusha begeben. Von Dar es Salaam kann man dafür den Expressbus benutzen; das dauert einen ganzen Tag, und wenn man lebend ankommt, hat man Glück gehabt. Ich nahm das Flugzeug. Irgendwo in Arusha steht ein Wegweiser, der die Entfernungen nach Kairo und Kapstadt anzeigt. Die Zahlen sind fast genau gleich. Die Bewohner der Stadt sehen sich also gerne irgendwie als den Mittelpunkt von Afrika, aber das ist in gewisser Weise ein Irrtum. Wenn man die Luftlinie von Kapstadt nach Kairo betrachtet, dann liegt ihr Mittelpunkt irgendwo im östlichen Kongo. Cecil Rhodes, berühmt-berüchtigter britischer Kolonialist (und wohl auch Rassist), Vater der Vision „Africa British from Cape to Cairo“ hatte sich wohl vorgestellt, daß man einmal eine Eisenbahnlinie zwischen diesen beiden Punkten bauen würde, und diese sollte natürlich eher durch das ostafrikanische Hochland führen als durch die Urwälder des Kongo. Der Halfway-Point einer solchen Eisenbahnlinie wäre dann in der Tat Arusha gewesen. Aber inzwischen ist alles anders, und Cecil Rhodes ist ins Zwielicht geraten (wie ihr z. B. hier nachlesen könnt). Heutzutage ist Arusha der Sitz der Organisation „East African Community“ und hat eine traurige Bekanntheit dadurch erlangt, daß hier das Tribunal zum Völkermord von Ruanda stattfand. Mittlerweile ist das aber alles Geschichte, und Arusha ist eine afrikanische Großstadt wie viele andere. Sie hat, wie das ganze sie umgebende Hochland, ein sehr angenehmes Klima: tags warm, mitunter auch sonnig-heiß, aber abends und nachts angenehm kühl. In Arusha verbrachte ich eine Nacht vor Beginn der Tour an sich (und – um es vorwegzunehmen – auch eine weitere vor meinem Rückflug nach Dar es Salaam).

    Anfahrt und Anmarsch – zwei Tage insgesamt. Von Arusha fuhr ich zunächst mit meiner Begleittruppe (Saladin, der Bergführer, Amani, der Koch, und Meluah, ein Träger) im Jeep in den Arusha-Nationalpark. Das dauerte schon zwei Stunden.

    Fotos aus dem Arusha-Nationalpark habt ihr wohl alle schon einmal gesehen, aber wahrscheinlich ohne es zu realisieren: die schönen Bilder von einem Elefanten oder einer Giraffe mit dem Kilimanjaro im Hintergrund, die sind alle im Arusha-Nationalpark aufgenommen. Als Junge dachte ich anfänglich, das wäre die Serengeti, aber das war ein Irrtum: die Serengeti ist viel zu weit entfernt, als daß man von dort den Kilimanjaro sehen könnte.

    Während der Anfahrt bemerkte ich, daß meine Wüstenstiefel ihre Sohlen verloren. Die Stiefel stammten von der gleichen Firma M***, die sich gerne als „Edelhersteller“ versteht, deren Produkt aber schon im Herbst im Bhutan kläglich versagt hatte. Zum Glück hatte ich noch ein Paar Zustiegschuhe einer anderen Marke im Gepäck, und mit denen machte ich dann die gesamte Tour.

    Auf der Anfahrt durch den Nationalpark zum Startpunkt des Marsches sahen wir eine Truppe von Pavianen an der Straße:


    Solches ist in Afrika nichts Besonderes, das sieht man relativ oft, auch entlang großer Überlandstraßen. Paviane halten sich ja tagsüber bevorzugt auf dem Boden auf und klettern erst abends auf Bäume, zum Schutz vor Freßfeinden. So kann man ohne Schwierigkeit „Porträts“ wie diese schießen:


    Großen Seltenheitswert hat es aber, eine Truppe von Colobus-Affen auf dem Boden zu sehen. Ich hatte dieses Glück:


    Colobus-Affen halten sich fast nur in den Baumkronen auf und kommen praktisch nie herunter, denn sie decken sogar ihren Wasserbedarf aus dem Verzehr junger, saftiger Blätter und Schößlinge dort oben. Nur wenn sie – so wie hier – gerade einmal eine Straßenschneise überqueren wollen, müssen sie auf den Boden kommen. Als sie unser Auto herannahen sahen, flüchteten sie allerdings ziemlich schnell, und ich konnte gerade eben noch dieses (zugegebenermaßen technisch nicht perfekte) Foto schießen:


    Dann erreichten wir das Momella Gate, Endpunkt der Autofahrt und Startpunkt des Aufstiegs. Von hier an werden die Wanderer von einem bewaffneten Ranger begleitet, zum Schutz vor den einzigen Tieren, die hier potenziell gefährlich werden können: Kaffernbüffeln, die in der Tat zahlreich im Wald umherstreifen. Aus Effizienz-Überlegungen heraus versucht die Nationalpark-Verwaltung, mehrere kleinere Wander-Gruppen zu einer größeren zusammenzulegen, und so wurde auch die nur aus mir bestehende „Gruppe“ zusammengelegt mit einer „Gruppe“ von zwei jungen Österreicherinnen und einer Gruppe von noch vier anderen. Wir waren dann also insgesamt sieben Gäste. Bis das alles auf die Schiene gesetzt war, hatten wir bereits ein Uhr mittag. Dies ist nicht gerade die bevorzugte Aufbruchszeit für den echten Bergwanderer, aber was kann man machen...

    Der Meru zeigte sich beim Abmarsch von besagtem Momella Gate, welches auf etwa 1500m Höhe liegt, also rund 3000m unter dem Gipfel, wie folgt:


    Vor dem Abmarsch wurden wir darauf hingewiesen, daß es bis zur ersten Hütte, der Miriakamba Hut, zwei Wege gäbe: einen längeren (etwa sechs Stunden Gehzeit) und einen kürzeren (etwa drei Stunden), und wir wurden gefragt, welchen wir gehen wollten. „Den längeren“ riefen alle im Chor, denn es wollte ja keine/r wie ein Waschlappen aussehen. Drei Tage später, am Ende der ganzen Tour, kam ich aber zu dem Schluß, daß diese Entscheidung wohl ein Fehler war, denn der kürzere Weg ist meiner Meinung nach viel schöner (mehr davon siehe unten).

    Auf dem folgenden Bild seht ihr unsere Marschroute (von www.opentopomap.org):


    Wir gingen erst einmal stundenlang eine Schotterstraße entlang. Davon war ich nicht gerade begeistert, und ich schenke es mir, euch Fotos davon zu zeigen. Gerade als sich in mir der Gedanke verdichtete „Was ist denn das für eine Sch...?“, sagte unser Ranger auch plötzlich „Sch...“, aber er meinte damit etwas ganz anderes: in einer Waldlichtung war eine Gruppe von Giraffen zu sehen:


    Es waren alles Bullen, und sie waren auch gar nicht scheu, sondern hatten klar realisiert, daß ihnen von den Wandereren keine Gefahr droht:


    Kurz danach erreichten wir den „Fig Tree Arch“. Aus Nordamerika kennen wir Fotos, wo eine Straße durch einen Baum hindurch führt, und ich dachte, so etwas gäbe es nur dort. Das war allerdings ein Irrtum, wie ihr seht.


    Natürlich muß man hier Erinnerungsfotos machen:


    Dann ging es weiter, immer der Straße nach, und wir erreichten einen „Wasserfall“, den ich allerdings mehr als „Wasserfällchen“ empfand:

    Da habe ich schon Eindrucksvolleres gesehen.

    Naja, schließlich erreichten wir in der Abenddämmerung die Miriakamba Hut. Sie liegt etwa 2500m hoch. Saladin erklärte mir unterwegs: „Miria“ bedeutet „Seil“ und „Kamba“ bedeutet „Holz“. Das „hölzerne Seil“ ist eine Anspielung auf die dicken Luftwurzeln, die manche Urwaldbäume bilden: zunächst ist es nur ein dünner Faden, der von einem Ast herunter auf den Boden wächst; wenn er aber einmal Wurzel geschlagen hat, wird er armdick und noch dicker.

    Die Miriakamba Hut überraschte mich mit ihrem Komfort; beinahe Alpenvereins-Standard, also ganz anders als die Hütten, die ich am Elgon kennengelernt hatte. So konnte ich im Nachhinein auch verstehen, warum mir Saladin versichert hatte, das Mitnehmen meiner eigenen Luftmatratze sei absolut unnötig. Auf den Hütten am Meru gibt es komfortable, abschließbare Zimmer, jedes mit zwei Stockbetten, und jedes Bett hat eine 10cm dicke Schaumstoff-Matratze. Ich hatte mit einem viel primitiverem Standard gerechnet, aber das war ein Irrtum meinerseits gewesen.

    Ein weiterer Irrtum war, daß ich geglaubt hatte, wir würden auf der Hütte nur bescheiden essen. In Wahrheit wurden wir zum Abendessen recht luxuriös bekocht (jede der drei Gruppen für sich), und dann verzogen wir uns ohne längere Diskussion zur Nachtruhe.

    Am kommenden Morgen war ich als erster auf den Beinen, in der Morgendämmerung, knapp nach sechs Uhr. Die anderen schliefen noch; das war allerdings ein Fehler, denn so verpaßten sie die morgendlich-klare Sicht auf den Kilimanjaro:


    Wenig später beleuchtete die aufgehende Sonne den Gipfel und die Ostwand des Meru:

    Vor der Ostwand, im Inneren des Kraters, und auf diesem Bild noch unbeleuchtet, seht ihr den Aschekegel, der sich um das derzeit aktive „Ventil“ des Vulkans herum aufgebaut hat.

    Durch die Bäume brach das Morgenlicht, ein Anblick, der mich immer wieder fasziniert:


    Dann war es Zeit für das Frühstück, zu dem auch die anderen mittlerweile erwacht waren. Die Sonne hatte nun das gesamte Gelände der Hütte bzw. des Hüttenkomplexes erreicht. Hier seht ihr einige Gebäude davon.

    Im Vordergrund der Schädel eines Kaffernbüffels, den irgendjemand irgendwann irgendwo im Wald gefunden hat. Solche Schädel sind keine Seltenheit.

    Dann begann der zweite Tag des Aufstiegs. Er sollte uns zur Saddle Hut führen. Diese liegt auf dem Sattel zwischen dem Hauptgipfel des Meru und einem Nebengipfel, der Little Meru genannt wird (etwa 3800m hoch). Es ist ein gut angelegter Weg, wie ihr hier seht:


    An den Bäumen hingen die in dieser Höhe üblichen Flechten. Das habe ich zwar schon viele Male gesehen, aber es sieht doch immer wieder schön aus:

    „Wir nennen das den Bart alter Männer“ erklärte mir Saladin. – „Ja“ antwortete ich, „das sagt man auf der ganzen Welt“. – Da war er etwas verdutzt. Er hatte wohl geglaubt, ich hätte solche Flechten noch nie gesehen, aber das war natürlich ein Irrtum.

    Vor uns sahen wir die Ostwand des Meru; sieht fast aus wie in den Alpen, nicht wahr?


    Wenn wir uns hin und wieder umdrehten, zeigte sich der Kilimanjaro, an jenem Tag ziemlich klar und unverstellt:

    Im Bildmittelgrund die Ebene von Momella.

    Natürlich wurde mit zunehmender Höhe der Wald immer lichter und niedriger. In einem Bereich, wo der Wald nur noch so niedrig ist wie in den Alpen die Latschenkieferbestände, hatte es einen großflächigen Waldbrand gegeben, und alles war verkohlt. Hier waren wir dann auch in der Höhenlage, wo die Kniphofia wachsen (auf Englisch „Red Hot Poker“). Viele davon sind allerdings eindeutig gelb und nicht rot; ich gehe davon aus, daß dies eine andere Spezies der gleichen Familie ist; denn ich kann mir nicht recht vorstellen daß es dort oben Kniphofia-Züchter gibt wie Rosenzüchter in einer deutschen Schrebergartenkolonie:


    Durch das Fotografieren dieser Kniphofia war ich etwas zurück geblieben, und noch bevor ich wieder ganz aufgeholt hatte, blieben sie vorne schon wieder stehen und wirkten sehr interessiert an irgendetwas. Ich kam näher und sah, daß eine der beiden Österreicherinnen zwei Chamäleons entdeckt hatte. Das eine hatte – wie es sich für ein anständiges Chamäleon gehört – seine Hautfarbe der Umgebung (einigen abgestorbenen, grau-braunen Ästen) angepaßt und war dadurch praktisch unsichtbar geworden. Das andere hatte solches aus irgendeinem Grunde aber nicht zustande gebracht und leuchtete herrlich grün:

    Über diesen Fehler des Chamäleons hätte sich jeder Bussard oder ähnliche Raubvogel sehr gefreut, es war aber zufällig (und zum Glück für das Chamäleon) gerade keiner in Sichtweite.

    So errreichten wir kurz nach Mittag die Saddle Hut. Auch sie ist recht komfortabel und von viel höherem Standard, als ich erwartet hatte. Ich setzte mich gemütlich hin, blinzelte in die Sonne und stellte mir vor, ich sei in den Alpen. Aus solchem Irrtum wurde ich aber aufgeschreckt, als plötzlich ein Pavian genau vor mir über die Wiese rannte – dergleichen kommt in den Alpen ja nicht so häufig vor.

    Wir alle hatten am Morgen geglaubt, wir könnten nachmittags noch den Little Meru besteigen (im Prinzip hätten wir die schlappen 300m Höhenunterschied wohl auch in einer Stunde geschafft), aber das war ein Fehler; denn ein starker und mehrstündiger Regen machte uns einen dicken Strich durch diese Rechnung, und wir verbrachten die Zeit bis zum Abendessen stattdessen ur mit Herumsitzen / Herumhängen / Herumliegen in den verschiedenen Gebäuden der Saddle Hut.

    Das Abendessen fand ziemlich früh statt, denn es war angesagt, daß wir nach einigen wenigen Stunden Schlaf um Mitternacht noch einmal rasch essen und gleich danach zum Gipfel aufbrechen sollten.

    Ein Gipfelsturm in unerwartet wörtlichem Sinne. So kam es auch. Vor dem Abmarsch drängten die Führer ihre Gäste noch dazu, sich wirklich warm anzuziehen, am besten mit mehreren Jacken übereinander, dicken Hosen, Unterhosen und Gamaschen. Ich hingegen hielt solches für einen Fehler, widersetzte mich deswegen solchem Drängen und sagte, daß ich mit solchen Höhenlagen vertraut bin und weiß, was ich brauche und was nicht. Ich hatte nur eine Garnitur von Thermal-Unterwäsche an, dazu eine dünne Fleeceweste über dem Hemd und eine regen- und winddichte Hardshelljacke sowie eine leichte Softshellhose. Ich dachte, das würde genügen, und damit lag ich auch total richtig. An Schuhwerk trug ich ein paar feste Zustiegschuhe, und auch das war völlig angemessen. Wenn man zum Schluß vor lauter Ausrüstung kaum noch laufen kann, bringt es auch nichts, ist meine Philosophie. So war ich auch nicht überrascht, als die relativ leicht ausgerüsteten Kameraden, einschließlich meiner Wenigkeit, letztendlich die Schnellsten waren.

    Dann gingen wir los; es war etwa ein Uhr morgens. Der Wanderweg war zunächst ein sehr bequemer: schön eingeebnet und mit Drainagegraben an der Seite. Welch ein Luxus! Wir begannen im Schein der Stirnlampen, merkten aber bald, daß das ein Fehler war und es eigentlich besser war, ohne Stirnlampen im Mondlicht zu gehen, weil letzteres die Umgebung natürlich sehr gleichmäßig ausleuchtete, während die Stirnlampen einen Hell-Dunkel-Kontrast generierten, der eigentlich nur störte. Nach etwa einer Stunde erreichten wir eine Kuppe, die „Rhino Point“ genannt wird; ein Foto davon ist weiter unten in diesem kleinen Bericht.

    Nach dem Rhino Point wurde der Weg ein klein wenig technisch: einen relativ steilen Felshang hinab (Alpingrad I bzw. F, würde ich sagen), wo Wanderer sich an einer fix angebrachten Kette festhalten können (was die meisten auch sehr gerne tun, vor allem während der Dunkelheit). Dann folgten rund drei Stunden weiterer Aufstieg durch Felsblöcke, und hier zog sich unsere Wandergruppe mehr und mehr auseinander. Der bewaffnete Ranger war hier nicht mehr dabei, und so waren die anfangs erwähnten drei Wandergruppen auch nicht mehr gehalten, zusammen zu bleiben. Mit großem Erstaunen hörte ich, wie Saladin – sicherlich ein braver Moslem – ein Weihnachtslied vor sich hin summte: „... and man will live forevermore because of Jesus Christ“. Bemerkenwert, daß ein Moslem so etwas summt, dachte ich, und es verstärkte meinen schon vorher bestehenden Eindruck, daß Moslems und Christen in Tansania zum größten Teil bemerkenswert friedlich nebeneinander und vielleicht sogar zusammen leben und der schlimme Fanatismus anderer Länder hier nicht anzutreffen ist. Vielleicht war es aber auch nur ein Irrtum von Saladin, diese Melodie zu summen, und er wußte gar nicht, welcher Text zu dieser Melodie gehört.

    Unterwegs merkten wir, daß es recht windig war. Wer vorher nicht wußte, was „Windchill“ ist, der lernte es jetzt. Beim Abmarsch hatte die Temperatur noch deutlich über dem Gefrierpunkt gelegen, aber ab etwa 4000m Höhe mag es darunter gewesen sein. Immer wieder einmal verlief unser Weg auf dem Kraterrand, und weil man – wie ich schon sagte – einen unverstellten Blick nach Osten hat, sahen wir sehr schön die Morgendämmerung heraufziehen.


    Um den Gipfel selbst zu erreichen, muß man aber – und DAS war mir vorher nicht klar gewesen – einen Schlenker machen und sich dem Gipfel von Westen her nähern. Auf diesem Westhang hatten wir natürlich keine Sicht auf die gerade aufgehende Sonne. Schade! Die beiden Österreicherinnen erreichten den Gipfel als erste, ganz kurz nach Sonnenaufgang; ich selbst folgte wenige Minuten später. Es war also ganz klar „der Tag der Österreicher“, denn auch 50% des Blutes in meinen Adern stammen aus Österreich. Hier nun der Blick hinunter:

    Im Hintergrund seht ihr den Little Meru, der hier nur so hoch ausschaut, weil ich die Kamera nach unten gerichtet hatte; in Wirklichkeit ist er 750m niedriger als der Standpunkt des Fotografen. Rechts im Bild ist der Aschekegel, von dem ich oben sprach.

    Die Vierergruppe (zwei Australier, eine Amerikanerin, ein Holländer) traf ca. 20 Minuten später ein, und wir gruppierten uns zum Foto des Triumphes:

    Die beiden Österreicherinnen in der Mitte, links euer Autor mit seinem Bergführer Saladin.

    Dann kam, logischerweise, der Abstieg, für den wir wieder die gleiche Route benutzten. Allerdings gab es einen gewaltigen Unterschied im Vergleich zum Aufstieg: mit Tagesanbruch hatte sich der schon in der Nacht spürbare Wind nochmals verstärkt, auf dem exponierten Kraterrand mit sehr starken Böen, die dem Begriff „Gipfelsturm“ eine ganz neue, ungeahnte, wörtliche Bedeutung verliehen. Wir wurden immer wieder aus dem Gleichgewicht geworfen, und der Sturm peitschte den vulkanischen Sand durch die Luft wie ein Sandstrahlgebläse. Nicht lustig, muß ich zugeben. Ohne dieses Sandstrahlgebläse hätte man an verschiedenen Stellen eine wunderbare Aussicht genießen (und fotografieren) können, aber so gab es nur ein Motto. „Nichts wie weg hier“. Gerade einmal ein einziges Foto konnte ich machen:


    Nach etwa zwei Stunden hatte ich wieder den Rhino Point erreicht:


    Weitere zwei Stunden später waren wir alle wieder in der Saddle Hut versammelt, und es gab Mittagessen. Der weitere Abstieg zur Miriakamba Hut verlief ohne besondere neue Erlebnisse; es war ja die gleiche Strecke. Der Ranger begleitete uns wieder. Hin und wieder sahen wir ein paar Colobus-Affen in den Kronen, aber eine Gelegenheit für ein akzeptables Foto ergab sich nicht. Am mittleren Nachmittag erreichten wir die Miriakamba Hut, und es stellte sich heraus, daß nur meine Agentur eine Übernachtung hier gebucht hatte. Alle anderen hatten die Besteigung des Meru als Drei-Tage-Tour gebucht und wollten also noch am gleichen Tag zurück zum Momella Gate und von dort nach Arusha. So trennten sich hier unsere Wege.

    Allerdings war ich auf der Miriakamba Hut keineswegs allein. Eine große Wandergruppe, mehr als ein Dutzend Gäste, war vom Momella Gate her eingetroffen. Beim Abendessen ließen sie sich gerne von mir erzählen, wie es gewesen war und worauf sie achten sollten.

    Gemütlicher Rückmarsch mit allerlei Betrachtungen. Ich genoß zunächst den sonnigen Morgen auf der Miriakamba Hut...


    ... und die Aussicht auf den Berg:


    Mit großem Erstaunen sah ich, wieviel Gepäck besagte Wandergruppe mit sich führte: für jede Person eine riesige Tasche, bestimmt 100 Liter fassend (und das, wohlgemerkt, nur für eine einzige Übernachtung auf der Saddle Hut, ohne Zelt, Matratze, Kocher, und Essen!). Was die da alles drin haben mochten? Derartig viel Geraffel herum zu schleppen, ist doch wohl ein Fehler. Unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsplatzbeschaffung allerdings kann man das ja eigentlich nur gutheißen. Da verdienen sich einige Afrikaner eben ihr Geld damit, daß sie zig Kilogramm von (größtenteils unnötigem) Plunder auf die Saddle Hut tragen und gleich am folgenden Morgen wieder zurück.

    Dann ging besagte Gruppe natürlich aufwärts, aber Saladin und ich gingen abwärts, begleitet von einem Ranger, der eigens unseretwegen gekommen war (denn der Ranger der vergangenen drei Tage war ja am Vortag mit den anderen sechs Gästen zurück gegangen). Wieder einmal war ich fasziniert, zu sehen, wie das Morgenlicht durch die Waldbäume brach:


    Dann erreichten wir – schau, schau! – offenes Wiesengelände, wo das Wandern im Morgenlicht sich anfühlte wie das Wandern an einem herrlichen Sommertag in Mitteleuropa:




    Hier merkte ich dann, daß es ein Fehler von uns allen am ersten Tag gewesen war, nicht diesen kürzeren und schöneren Weg zu gehen. Ich begann zu überlegen, warum wir denn auf solchem Wiesengelände wanderten, wo wir vor drei Tagen doch durch Wald gegangen waren. „Schau mal“, sagte ich zu Saladin, „der Untergrund hier sieht fast aus wie Beton, sehr fest, mit eingegossenen größeren und kleineren Steinen. Und der Mutterboden darauf ist nur ganz dünn, zu dünn, um das Gedeihen größerer Bäume zu ermöglichen. Ich glaube, wir bewegen uns hier auf einem alten Lahar. Weißt du, was ein Lahar ist?“ – „Nein.“ – „Lahar ist ein indonesisches Wort und bezeichnet eine Schlammlawine, die von einem Vulkan herunter ins Tal saust, mit unglaublicher Wucht, alles mit sich mitreißend, einschließlich Felsen und Steine aller Größen, bis das Material eben wieder liegen bleibt, wo das Gelände flacher ist. Nach ein paar hundert oder tausend Jahren verfestigt sich die Lawine, versteinert im wahrsten Sinne des Wortes, und das sieht dann eben aus wie alter Beton. Über so eine alte Schlammlawine gehen wir hier, meiner Meinung nach.“ – „Hmmm“, meinte Saladin, „kann gut sein“. Er hatte übrigens einige Grundkenntnisse der Geologie. So gingen wir eine Weile dahin. Etwas später, nicht zufällig nach Querung eines kleinen Baches, kamen wir aber wieder auf Gelände mit angenehmerem ´Tritt´, richtig schönen weichen Boden. „Und was haben wir jetzt hier?“ fragte ich, „wieso auf einmal, seit wir den Bach überquert haben, dieser schöne weiche Boden?“. – „Weiß nicht.“ – „Nun, ich denke, wir sind hier einfach auf viel älteren vulkanischen Ablagerungen, die schon viele tausend Jahre hier liegen und deshalb genug Zeit hatten, zu verwittern und diesen schönen Mutterboden zu bilden. Der ´Beton´ von vorhin war vielleicht erst ein paar hundert oder tausend Jahre alt.“ – „Ja, so muß es wohl sein“, meinte Saladin.

    Übrigens können diejenigen (wenigen) der geneigten Leser/innen, die sich für solche Dinge interessieren, auf dem Satellitenbild sehen, daß die Wiesen am Osthang des Meru in der Tat eine langgestreckte Form haben. Im Gelände sieht man auch, daß diese Wiesen immer so eine gewisse Buckelform zeigen (siehe obige Fotos). Ich bin also ziemlich sicher: das sind fossile Lahare.

    Nun aber zurück zu weniger wissenschaftlichen Dingen: über einige Bäche hat die Nationalparkverwaltung Brücken gebaut, damit es die Herrschaften Wanderer nur ja recht bequem haben. An einer solchen Brücke sahen wir diese wilde Bananenstaude:

    Liebe Freunde, ich habe in den tropischen Wäldern im Laufe der Jahrzehnte Tausende von wilden Bananenstauden gesehen, aber so ein Riesending war noch nicht dabei. Jedes Blatt war – ohne Übertreibung – bestimmt vier Meter lang. Unglaublich!

    Nun näherten wir uns immer mehr der Momella-Ebene. Aus dem Gebüsch heraus (mit unserem Ranger im Vordergrund) sahen wir eine Herde von Kaffernbüffeln in der Entfernung.


    Dann führte mich Saladin auf einen kleinen Seitenweg und sagte: „Hier geht es zu einem schönen Wasserfall, an dem wir noch einmal rasten wollen, bevor die Tour zu Ende geht“. Natürlich folgte ich gerne seinem Rat, und hier seht ihr uns beide:


    Dann schweiften meine Augen über die Hänge zu beiden Seiten des kleinen Tälchens, das der Bach gebildet hatte. Der rechte Hang sieht so aus:

    Ihr seht ganz klar die verschiedenen Schichtungen aus Kieseln, die der Bach hier abgelagert hat.

    Der linke Hang sieht allerdings ganz anders aus, nämlich so:

    Hier erkenne ich nur Ansätze von Schichtungen oder irgendwelcher Ordnung. Es wirkt eigentlich alles ziemlich chaotisch.

    „Siehst du diesen Unterschied?“ fragte ich Saladin. – „Ja, ich sehe ihn schon, aber was ist die Erklärung?“ – „Nun die Erklärung kann ja wohl nur sein, daß das chaotische Material wieder einmal ein alter Lahar ist, der den Bach damals an seinen Rand gedrängt hat, wo er nun fließt, diesen kleinen Wasserfall gebildet hat, und – auf der dem Lahar abgewandten Seite – die üblichen Sedimente von Kieseln angehäuft hat. Der Bach fließt genau an der Grenze des alten Lahar entlang.“ – Also, schon ganz interessant das alles...

    So sitzend und rastend ließ ich die ganze Tour noch einmal Revue passieren. Es war schön gewesen, keine Frage. Ob diese Tour aber wirklich in die Top 20 der Welt gehört – wie Walkopedia behauptet – , daran habe ich doch erhebliche Zweifel. Sooo toll fand ich es auch wieder nicht. In der Kategorie „Human interest“ würde ich dem Meru glatt null Punkte geben, und auch beim Kriterium „Charisma“ finde ich die Wanderung auf den Meru nicht wirklich Weltspitze.

    Dann aber gingen wir weiter, zurück in Richtung Momella Gate. Der Weg führte uns also in die Ebene. Der Ranger machte mich auf diese hübsche kleine Blüte aufmerksam:

    „Jasmin“ sagte er. Ich weiß nicht, ob das stimmt.

    Na, und zum guten Schluß begegneten wir noch einmal einer Giraffe. Sie beäugte uns interessiert und wohl auch ein wenig vorsichtig, aber nicht wirklich scheu oder gar verängstigt.


    So konnte ich die Giraffe durch geschickten Standortwechsel meinerseits ohne weiteres in die gewünschte Foto-Position „dirigieren“. Hier seht ihr sie nun, mit dem Berg Meru im Hintergrund:


    Prof. Grzimek hätte im Fernsehen vor 30 Jahren an dieser Stelle gesagt: „Und mit diesem Bild verabschieden wir uns für heute von Ihnen, verehrte Zuschauer, wünschen Ihnen noch einen schönen Abend und hoffen, Sie bei unserer nächsten Sendung wieder begrüßen zu dürfen.“

    Wer aber glaubt, nun folge die Spätausgabe der Tagesschau, der ist im Irrtum. Hier folgt jetzt gar nichts mehr.



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    Geändert von OutofSaigon (09.12.2019 um 13:56 Uhr) Grund: Teppfihler korrigiert

  2. Erfahren
    Avatar von EbsEls
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    AW: [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Me

    #2
    Sie sind ein Glückspilz:
    ... Januar 2016, ich reiste wieder einmal beruflich nach Afrika, und wie immer packte ich auch meine Trekkingsachen in den Koffer. Für alle Fälle... Und der „Fall“ kam dann auch Ende Februar: ich konnte ein paar Tage frei nehmen und ein langes Wochenende für eine Besteigung des Berges Meru einplanen.
    Danke für den interessanten Bericht und die schönen Bilder.
    Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
    Eberhard Elsner

  3. Alter Hase
    Avatar von peter-hoehle
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    AW: [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Me

    #3
    Eine schöne "Einlage" zur Frühstückspause.
    Dankeschön für den kurzweiligen Bericht.

    Gruß Peter
    Wir reisen um die Welt, und verleben unser Geld.
    Wer sich auf Patagonien einlässt, muss mit Allem rechnen, auch mit dem Schönsten.

  4. AW: [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Me

    #4
    Mal wieder ein sehr schön geschriebener und kurzweiliger Bericht!
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  5. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    AW: [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Me

    #5
    Danke für den Bericht und besonders für die geologischen Betrachtungen. Immer interessant wie die Gesteine sich aufbauen, bzw bei einem Vulkan wie sie sich ablagern.
    Zur Einstufung ob eine Wanderroute schön ist oder nicht da hat wohl jeder seine eigene Vorstellung. Was einem gefällt ist für den anderen langweilig.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  6. AW: [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Me

    #6
    Danke für den schönen und lehrreichen Bericht!

    Liebe Grüsse
    Dominik

  7. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    AW: [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Me

    #7
    Danke für euere netten Kommentare! Freut mich, daß mein kleiner Bericht wenigstens einigen gefallen hat.

    Zitat Zitat von EbsEls Beitrag anzeigen
    Sie sind ein Glückspilz ...
    Das sehe ich auch so. Daß mir der Kunde die Flugtickets nach Afrika zahlt, ist dabei noch das Wenigste. Viel wichtiger ist mir, daß ich in der Altersgruppe der Rentner noch zu den Gesündesten und Fittesten gehöre. Und das Allerbeste: mein Leben ist unglaublich erlebnis- und erfahrungsreich - weit über diese netten Outdoorseiten hinaus ...

    Schönen Gruß aus Addis Abeba!

  8. Erfahren

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    AW: [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Me

    #8
    Sehr schön zu lesen...

    ...und es ist immer wieder erfreulich, wenn bei Senioren die Mundwinkel nach oben zeigen ( wie deine auf den Fotos). Herzlichen Glückwunsch zum "Gipfelsieg" und noch viele weitere schöne Touren wünscht dir

    tizzi

  9. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    AW: [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Me

    #9
    Zitat Zitat von tizzano1 Beitrag anzeigen
    ...es ist immer wieder erfreulich, wenn bei Senioren die Mundwinkel nach oben zeigen...

    Danke für die netten Worte, und Pardon für die späte Antwort (ich gehöre nicht zur Nutzergruppe "Lebt im Forum").

    Gesundheit, Fitness und eine positive Einstellung zum Leben hängen ja wohl irgendwie zusammen, erstens insgesamt und allgemein und überhaupt, und zweitens mit zunehmendem Alter immer mehr.

    Und - es wäre Heuchelei, dies zu leugnen - natürlich war es mir eine Genugtuung, daß ich auf dieser Tour meine (um Jahrzehnte jüngeren) Mitwanderer in Sachen Kondition und Ausdauer allesamt in die Tasche gesteckt habe.

    Also, ihr alten Knacker da draußen: reißt euch zusammen und macht mal was (und schreibt davon)!
    Geändert von OutofSaigon (09.04.2016 um 18:26 Uhr)

  10. Anfänger im Forum
    Avatar von spaetzuender
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    AW: [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Me

    #10
    Als “alter Grieche” muß ich schmunzeln, wenn ich lese, wie du uns deine geologischen Betrachtungen als Dialoge verpackt präsentierst. Das haste wohl bei Plato abgekupfert, was? Der übermittelt der Nachwelt ja bekanntlich die Philosophie seines Lehrers Sokrates in der literarischen Form von Dialogen, die so wörtlich wohl niemals stattgefunden haben, also fiktiv sind, aber natürlich unterhaltsamer zu lesen sind als ein eintöniger Vortrag. - Naja, wir lassen dir diese Form von Plagiat noch einmal durchgehen...

  11. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    AW: [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Me

    #11
    Ich bin ertappt!

    Erstens damit, daß meine Antwort ungebührlich lange gebraucht hat, zweitens damit, daß ich die Dialoge in der Tat etwas "kreativ" geschrieben habe; völlig fiktiv sind sie allerdings nicht, denn Saladin war ein pfiffiger und interessierter junger Mann, und es machte uns Spaß, über die Dinge zu diskutieren, die wir auf dieser Tour so sahen. In dieser Hinsicht erinnerte er mich an Said, der mich zwei Jahre früher durch die Usambaraberge geführt hatte.

    Bei Plato abgekupfert? Nicht wirklich. Etwaige Ähnlichkeiten sind rein zufällig...

  12. Moderator
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    Avatar von Pfad-Finder
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    AW: [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Me

    #12
    Mich erinnert es eher an Sherlock Holmes und Watson oder Karl May, aber auch egal - jedenfalls ein echtes Lesevergnügen, selbst wenn mich Afrika aus klimatischen Gründen nicht lockt (bin halt eher der Typ Schlittenhund )

    OT: Ich dachte immer, die Eigenmarke "Meru" von Globi hätte ihre Namen von frz. Stardesigner Jean-Jacques Meru, aber man lernt nie aus.
    Schutzgemeinschaft Grüne Schrankwand - "Wir nehmen nur das Nötigste mit"

  13. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Me

    #13
    Ich stoße gerade erst und rein zufällig auf deinen Reisebericht.
    Deinen Erzählstil finde ich herrlich!
    Wahnsinn, wie ausgebaut die Wege dort zu sein scheinen nebst der zugehörigen Infrastruktur.
    Ob da demnächst wohl eine Seilbahn hochgeht?
    Sind die Kaffern-Büffel tatsächlich gefährlich für Wanderer, oder ist der Ranger Teil einer Arbeitsbeschaffungs-Maßnahme?
    Einen Guide "braucht" man dort doch offensichtlich auch nicht wirklich, darf aber sicher auch nicht ohne gehen?

    Viele Grüße,
    Sylvia
    Kalender *Papageitaucher 2021* Familienplaner
    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  14. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    AW: [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Me

    #14
    Danke für die netten Kommentare und aufmunternden Worte!

    - - - -

    Allerdings, mein lieber Pfad-Finder: der Vergleich mit Sherlock Holmes und Old Shatterhand gefällt mir nicht so sehr, denn beides sind absolut fiktive Figuren. Ich war aber tatsächlich wirklich echt ungelogen auf dem Mt. Meru, und wenn du es nicht glaubst, dann schicke ich dir meine Schuhe, damit du den daran haftenden Staub vom Bundeskriminalamt untersuchen lassen kannst

    Tja, man lernt nie aus. Daß es eine Person, noch dazu "Stardesigner", names Meru gibt/gab, war mir Schlafmütze völlig unbekannt. Es gibt zwei Berge mit dem Namen Meru. Der eine ist Bestandteil der hinduistischen Mythologie, der andere ist der real existierende Socialist Peak in Tansania (das ist kein Witz, der Gipfel des Mt. Meru heißt offiziell wirklich so).

    - - - -

    In der Tat war auch ich verblüfft, wie "entwickelt" die Infrastruktur am Mt. Meru ist. Ich hatte etwas viel Einfacheres erwartet, aber das war eben einer meiner Irrtümer und Fehler.

    Man könnte den Berg wahrscheinlich auch ohne Ranger besteigen, aber die Büffel sind in bestimmten Situationen vielleicht "nicht ohne" und nicht weniger gefährlich als europäische Stiere, zumal sie sich ja oft im dichten Unterholz aufhalten, den Wanderer wahrscheinlich schneller bemerken als umgekehrt, und dann plötzlich herausstürzen. Ohne Führer zu gehen ist auch ein Risiko, denn am oberen Teil des Gipfelhanges kann man nur zu leicht den richtigen Pfad verlieren. Und die Arbeitsplatzbeschaffung ist ohnehin nötig. Also gebe ich gerne die paar Dollar aus, und amtlich vorgeschrieben ist sowieso beides.

    - - - -

    Von einem Irrtum meinerseits muß ich noch nachträglich berichten. Die Lodge in Arusha lag an einem Hang oberhalb eines Dorfes, und ich dachte, ich könnte dort eine ruhige und erholsame Nacht verbringen. Das kleine Fest im Dorf würde mich schon nicht stören. Das war aber falsch; denn das Fest war ein kirchliches, und ich wurde von der Inbrunst der Gläubigen überzeugt, als etwa gegen drei Uhr nachts ein ganz Eifriger "HALLELUJAH!" ins Mikrofon brüllte, daß die Bude zitterte
    Geändert von OutofSaigon (12.08.2017 um 13:02 Uhr)

  15. Moderator
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    Avatar von ronaldo
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    AW: [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Me

    #15
    Zitat Zitat von OutofSaigon Beitrag anzeigen
    ...aber die Büffel sind in bestimmten Situationen vielleicht "nicht ohne" und nicht weniger gefährlich als europäische Stiere, zumal sie sich ja oft im dichten Unterholz aufhalten, den Wanderer wahrscheinlich schneller bemerken als umgekehrt, und dann plötzlich herausstürzen...
    OT: Nur nebenbei, als ich im letzten Jahrhundert () Wandersafaris im Selous Game Reserve in Tansania gemacht habe, bin ich ausdrücklich vor Kaffernbüffel gewarnt worden. Löwen, Elefanten, Nilfpferde, alles kein Thema und handelbar, sagte man, aber mit einem misslaunigen alten Büffel, in den du unversehens reinläufst, ist nicht zu spaßen.
    So eine Begegnung gabs dann tatsächlich. Habs aber überlebt.

  16. Anfänger im Forum
    Avatar von Pfadsucher
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    AW: [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Me

    #16
    Ein netter Bericht, interessant zu lesen (wenn man sich für mehr interessiert als nur Logistik, Zelthäringe, Kocher und dergl.). Von dem, was du schreibst, können vielleicht andere profitieren, die eine Besteigung des Mt. Meru planen. In diesem Zusammenhang habe ich auch noch einen weiteren Bericht entdeckt: hier klicken . Dieser weitere Bericht enthält wiederum Links zu Fotos, auf denen man die Route und ihre technischen Herausforderungen recht gut sehen kann. Das ist – wie du ja schon schreibst – in der Tat etwas mehr als die “normale gemütliche Bergwanderung” auf den gut angelegten Wegen in den Alpen oder so. Aber gerade so etwas macht ja Appetit…

    Etwas anderes: ich hätte eigentlich gedacht, daß man in so einem Nationalpark viele Tiere sieht. Ist das ein Irrtum meinerseits? Du erwähnst nur zwei Affenspezies, Giraffen und das Chamäleon. War es das schon?

  17. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    AW: [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Me

    #17
    Zitat Zitat von Pfadsucher Beitrag anzeigen
    ...ich hätte eigentlich gedacht, daß man in so einem Nationalpark viele Tiere sieht. Ist das ein Irrtum meinerseits? Du erwähnst nur zwei Affenspezies, Giraffen und das Chamäleon. War es das schon?
    Nein, es war ein Irrtum meinerseits, die Erwartung zu haben, daß ich bei der Fahrt und der Wanderung durch den Arusha-Nationalpark eine Vielzahl verschiedener Tiere sehen würde. Tatsächlich sah ich außer den Pavianen, Colobusaffen und Giraffen beim Aufstieg nur einen Bushbuck (für einen Augenblick im Gebüsch) sowie beim Abstieg ein paar Büffel, letztere zum Glück aus sicherer Entfernung; denn – das hatte Ronaldo schon angemerkt – diese Büffel können durchaus ungemütlich werden, wie dieser Videoclip sehr schön zeigt. Es war ein Fehler der Löwin, den Mißmut des heranrauschenden Büffels zu unterschätzen.

    Ich war im folgenden Jahr (also 2017) mit meiner Frau auf Safari in einem anderen Teil des Arusha-Nationalparks, und dort trafen wir dann tatsächlich mehr Tierarten an: neben den genannten auch Zebras, Waterbucks und etliche Vogelarten.

  18. Erfahren
    Avatar von OutofSaigon
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    AW: [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Me

    #18
    Nachtrag Januar 2019: auf Vorschlag einiger Leser habe ich diesen Bericht nun auch als druckerfreundliche PDF-Datei zugänglich gemacht; wer möchte, kann ihn (ohne die Antworten auf diesem Forum) von hier herunter laden.
    Geändert von OutofSaigon (12.02.2019 um 03:49 Uhr)

  19. AW: [TZ] Irrtümer, Fehler und nachdenkliche Betrachtungen betreffend den Berg Me

    #19
    Tolle Fotos und ein schön geschriebener Bericht: kreativ und unterhaltsam, dabei aber auch informativ und irgendwie lehrreich. Gefällt mir! (Daumen hoch!)

    Nur das englische Weihnachtslied hast du nicht ganz richtig zitiert. Korrekt heißt es: „... and man will live forevermore because of Christmas Day

    Fröhliche Weihnachten!


    Weniger ist mehr - nichts ist alles

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