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    [HR] Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz

    #1
    Mitreisende: Suomalee, Beyond
    Dalmatien per Kajak, 09.08.-21.08.2015, ca. 200km

    INTRO


    Punkte und Umkreise

    Ich bin wieder angekommen in der zivilisierten Welt.
    Mit würzigem Salbei von Dugi Otok im Gepäck und wilden Feigen von der Halbinsel Murter, wo wir das Auto während der Tour abgestellt hatten. Ich bin entspannt und müde zugleich, nicht von der Rückreise allein, sondern von den schlaflosen Nächten, die mehr Aktion beinhalteten als die Tage. Dieser Paddeltörn rund um und in den Kornaten, wäre im wahrsten Sinne des Wortes, eine helle Freude für jeden Meteorologen gewesen. Daher werden einige Fotos dem Himmel gewidmet sein, denn dieser war überwiegend interessanter oder imposanter als das Wasser.
    Es waren aufregende knappe zwei Wochen, in denen viel passierte, heiße Nächte, sogar Händchenhalten mit Walter, aber nun der Reihe nach:

    Es war in diesen heißen Tagen im August, als unser Trip seinen Anfang nahm. Ich holte wie sonst auch, Walter und sein Equipment in Bayern ab und los gings über Österreich und Slowenien nach Kroatien und an die dalmatinische Küste. In Slowenien übernachteten wir an unserem bewährten Lagerplatz hinter einem Friedhof auf einer frisch gemähten Heuwiese, die so unglaublich würzig roch, wie die Kräuter, die um einen echt guten Biobergkäse gewickelt sind. Dort sah ich seit langem wieder in einen dicht besäten Sternenhimmel und brauchte ansonsten nur zu atmen um glücklich zu sein, weil es so fantastisch roch.
    Anderntags gelangten wir zügig über das Velebitgebirge zur Halbinsel Murter, wo wir einen kleinen Campingplatz ausgemacht hatten, um mein Auto abzustellen und für ca. elf Tage in See zu stechen.
    Es war so unglaublich stickig, obwohl wir am Meer waren.
    Ich hatte schon Zweifel an meiner Erinnerung, denn so klebrig waren mir meine Paddelsachen am Körper gar nicht im Gedächtnis gewesen. Nach der Devise „weniger ist mehr - noch weniger ist noch viel mehr“ hatten wir noch spartanischer mit unserem Gepäck gehaushaltet und ordentlich Platz in unseren Kajaks. Wir freuten uns darüber viel Wasser zuladen zu können. Diesmal war das Maximum 48 Liter Wasser. Allerdings auch 3 Liter Hochprozentiges. Das war ebenfalls ein Rekord. Aber wir haben es gebraucht, das Wasser und den Sprit...

    Wir zogen los, raus aus der kleinen türkisfarbenen Bucht ins tiefe Indigoblau der großen See, die begrenzt wurde von den Kornaten im Westen und Zirje, Kakan und Kaprije im Süden. Zu unserer Linken, also im Osten noch Murter und dahinter im Dunst das Festland. Das weite Blau dazwischen wurde von ein paar kleinen Inselchen in eine räumliche Tiefe gegliedert, wobei nicht genau zu erkennen war, welche Insel, oder welcher Steinhaufen näher oder ferner lag. Dem eigenen Vorstellungsvermögen ist dabei ein beträchtlicher Spielraum gegeben, solange man nicht auf die Seekarte schaut.
    Auch diesmal hatte ich ein laminiertes Kartenblatt im Maßstab 1:100 0000 aus dem Nachlass von Udo Beier dabei, welches uns gute Dienste leistete. Wir hatten die drei Inseln im Süden vor uns als vages Ziel für den heutigen Abend und ließen es darauf ankommen, an welchem Gestade wir einen geeigneten Lagerplatz finden würden. Es konnte ja auch ein kleines Inselchen auf dem Weg dahin sein...
    Wir begutachteten eine Felsenplatte auf einem Inselchen, machten dort ein Picknick, erfrischten uns im extrem warmen Meer und zogen doch weiter.
    Nun stand eine kleine Überfahrt an zu den südlichen Inseln unseres Horizonts. Wir entschieden uns für die mittlere der drei längsgestreckten Inseln: Kakan. Ungefähr 7 Kilometer paddelten wir über das offene Meer und erreichten die Nordspitze der Insel eine gute Stunde später. Wir hatten ja Zeit und mussten uns erst einmal wieder einpaddeln.
    Hübsch war es hier, in den malerischen Buchten hatten kleinere und größere Boote geankert, doch ein ausreichender Kiesstrand oder eine Felsenplatte für ein geeignetes Nachtlager für uns war nicht in Sicht.

    Ich komme gerade von meinem ersten Einkauf in einem großen Supermarkt und bin platt! Wie viele Dinge habe ich nicht gesehen oder kaufen können in der Zwischenzeit, aber ganz ehrlich, auch nicht vermisst! In den kleinen Läden weit ab vom Festland gibt es eine sehr überschaubare Menge an Lebensmittel und das Regal mit frischem Obst und Gemüse ist meist so spärlich bestückt, dass einem die Auswahl schon wieder schwer fällt, weil einfach gar keine möglich ist. Ratlosigkeit, was man als Gemüse mit ins warme Essen tun soll...
    Konservendosen machen im Boot eigentlich nur mit Fisch oder Frühstücksfleisch oder Brotaufstrichen Sinn, denn sie beinhalten kein zusätzliches Gewicht und Volumen wegen des fehlenden Abtropfgewichtes. Also gibt’s in den kommenden Tagen Schmorgurke statt Zucchini, Aubergine oder Möhren und getrocknete Tomaten, die ich aus selben Grund schon vorsichtshalber mitgenommen habe. Ist sowieso leichter und kleiner und muss nur noch quellen. Zwiebeln bekommt man meistens auch, doch ich hatte so viele mitgenommen aus meinem kleinen Garten, dass wir keine dazu kauften.
    Apropos Proviant.
    Wir hatten vor jeden Tag abends zu kochen. Das taten wir zwar nicht, aber mitgebracht haben wir auch nichts mehr. Es gab diesmal Umstände, wo wir kein Brot zum Frühstück oder für eine Vesper zwischendurch mehr hatten. Dies hatte verschiedene Gründe.
    Einmal hatten wir kleine rote Ameisen im Brot. Es war hoffnungslos sie wieder herauszubringen und wir verzichteten zu diesem Zeitpunkt auf die Eiweißzulage. Daher überließen wir ihnen ihren gekaperten Besitz. Ein anderes Mal hatten wir keine Möglichkeit Brot zu kaufen, denn in dem kleinen Laden in einer Marina in den Kornaten war die Lieferung noch nicht erfolgt und wir konnten nicht so lange warten, da unser Tagespensum noch beträchtlich war.
    Ich hatte, wie sonst auch bei meinen Touren, Kochmischungen aus dem Bioladen dabei, zu denen Gemüse noch hinzugefügt wird. Die Basis ist meist Reis, Graupen, Bulgur, Hirse, Quinoa oder Linsen. Damit lässt sich prima variieren und man hat etwas Ordentliches gegessen. Tabulé, welches lediglich in gekochtem Wasser quellen muss, habe ich als Brotersatz zubereitet, da es mit Käse und den Aufstrichen prima zu kombinieren war. Aber auch Müsli kam zum Einsatz, welches ich zuvor mit getrockneten Früchten vorsorglich angereichert habe. Auch Speck hatten wir dabei, schon um das Fett auszulassen womit wir die Zwiebeln anbraten konnten, oder was auch immer.
    Dieses Mal gab es jedoch auch eine neue Variante! Wir hatten Brotaufstriche in Dosen mit, alles Bio übrigens, und unter anderem auch pflanzliches Zwiebelschmalz. Wir dachten es uns aufs Brot als Ersatz für Butter und Co. Das hat sich gut bewährt, weil die Dosen zu verschließen sind und nichts ausläuft.
    Außerdem kann man anschließend wichtige fragile Fundstücke darin unbeschadet transportieren. Und, wie sinnig, je länger man unterwegs ist, desto mehr leere Dosen hat man und desto mehr davon braucht man, da sich mit den Tagen die Fundstücke ebenfalls vermehren. Sehr effizient, so wie ich es am liebsten habe.
    Doch zurück zu dem Zwiebelschmalz. Wir haben vegetarische Tage eingelegt und dann zum Anbraten das Zwiebelschmalz verwendet. Ging super und schmeckte auch lecker. Wieder eine Bereicherung für die Outdoorküche in heißen Gegenden.
    In der Tagesluke befand sich immer eine Mischung aus Nüssen und Cranberries für den Notfall zwischendurch, wenn es keine Möglichkeit zum Ausstieg gab, um an die anderen Lebensmittel zu gelangen.


    Perlmuttöhrchen
    Geändert von November (04.09.2015 um 12:58 Uhr)

  2. Erfahren
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    AW: [HR] Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz

    #2
    09.08.2015
    DER HÄRTEFALL ZUM EINSTIEG


    Verheißungsvolle Aussicht auf die Kornaten

    Doch zurück zur Westseite von Kakan mit seinen schönen Felsenbuchten, wo wir noch zweimal ausstiegen um Schlafplätze auszumachen...
    Der erste Platz war zu klein und hatte nicht genügend Tiefe, wo wir hätten sicher lagern können, wenn größere Wellen aufgetaucht wären. Wir stiegen dennoch aus und erkundeten das Hinterland auf der Suche nach einer ebenen Stelle, die für zwei Personen ausreichend gewesen wäre.
    Zur Begrüßung lag ein Seigl (nein, kein Schreibfehler, siehe Reisebericht Seekajakherz reloaded oder die Geschichte vom Wellenkamm) direkt neben meinem Boot. Für dieses Mal hatte ich mir vorgenommen, nicht explizit auf die Suche nach Seigletten zu gehen, denn mir reicht meine bescheidene Kollektion. Allerdings, wenn ein schöner herumliegt, dann eignet er sich als Mitbringsel für die Daheimgebliebenen durchaus.
    Das Hinterland war sehr uneben, aber ausschlaggebender war das überall kleine hübsche Disteln und anderes dorniges Macciagestrüpp wuchsen, sodass es der Tod einer jeden Isomatte gewesen wäre, trotz der Unterlegung mit Teichfolie und allen weiteren Planen, die wir dabei hatten.
    Fehlanzeige.
    Ebenso die nächste Gelegenheit. Wir fuhren weiter Richtung Süden und um die Südspitze herum, ohne einen geeigneten Abschluss für diesen ersten Tag zu finden. Keine Kiesbucht, hervorgerufen durch ein kleines Tal im Hang... keine annähernd waagerechte Felsenplatte mit einer geeigneten Ausstiegsmöglichkeit. Allmählich schwand die Helligkeit und wir waren immer noch auf dem Wasser.
    Analog zu der zunehmenden Dämmerung wuchs unser Unbehagen. So hatten wir uns unseren Einstieg für die Tour nicht vorgestellt. Zwei kleine Steinhaufen oder Inseln lagen noch am südlichen Ende zwischen Kakan und Kaprije. Die wollte Walter in Augenschein nehmen. Wir paddelten drum herum und gaben uns alle Mühe mit viel Fantasie einen Lagerplatz in die rauen Felsen zu projektieren.
    Nichts.
    Die Sonne war schon nahe dem Horizont und wir fassten den Entschluss auf dem größeren Steinhaufen, Veli Karmesujak, irgendwie zu übernachten. Hier gab es eine Gelegenheit die Boote an Land zu bringen. Das war wenigstens schon mal die halbe Miete. Nach dem Ausstieg kletterten wir zwischen Felsbrocken und Maccia umher, mit dem festen Willen das Beste draus zu machen.
    Die Insel bestand aus sehr scharfkantigem Fels. Und dessen nicht genug, lagen überall im unteren Bereich Glasscherben herum. Nicht vom Meer abgeschliffen, sondern so scharf und spitz wie jene, welche besonders engagierte Großstadthelden in meiner Wahlheimat auf den Fahrradwegen hinterlassen.

    Ich musste an Dugi Otok denken, wo ich vor vier Jahren ziemlich desaströs und doch glimpflich gestürzt war und bewegte mich mit allergrößter Vorsicht. Zwischen den Felsenbändern und Gesteinsbrocken waren bis zu einem halben Meter tiefe Kluften mit Maccia unsichtbar zugewuchert. Ich kassierte trotz Vorsicht etliche Kratzer an den Beinen, sonst passierte jedoch nichts. Auch nichts Positives. Unverrichteter Dinge kam ich zu Walter zurück nachdem ich fast bis zum höchsten Punkt der Insel aufgestiegen war.

    Neben den Glasscherben lag sehr viel Müll herum. Wir waren ja einiges gewohnt, aber hier... In den kleinen Buchten der Inseln, gerade mit Breitseite zu großen Wasserflächen, sammelt sich das Treibgut. Und oft besteht es jedoch aus Treibungut. (auch ein Wort, das ich beibehalten werde) Es ist manchmal geradezu absurd, dass wir jeden Schnipsel unserer Verpackungen wieder ins Boot mitnehmen, während um uns herum die Plastikflaschen, Badelatschen und alles erdenklich Andere liegen bleibt. Auch Hölzer in allen Größen, alte Seile und Fischernetzreste, Schwimmerchen und Seigl sind in den Niederungen der Inseln zugegen, jedoch deutlich in der Minderheit. Hier war es allerdings zu viel des Unguten. Diese Insel war entweder die lokale Mülldeponie oder lag strömungstechnisch extrem ungünstig. Rostige Kühlaggregate, Federkernmatrazenskelette, jede Menge Hausrat, wie Besteck und Schraubgläser, Siebe und Töpfe waren in den Vertiefungen zwischen den Felsen verteilt. (Zwei Tage später lagerten wir an einer Treibungutbucht, wo wir Krankenhausutensilien fanden: Infusionsflaschen mit noch darin steckenden Injektionsnadeln)

    Die Felsen waren nicht nur scharfkantig, sie hatten auch eine sehr raue Oberfläche. Später kam ich auf die Idee die Rauheit der jeweiligen Gesteine mit Schleifpapier zu vergleichen. Eine sehr anschauliche Methode. Diese Felsen hier hatten also eine 80er Körnung. Ideal um grob vorzuschleifen.
    Beim Auspacken der Schlafsachen bemerkten wir mehrere Wespen, die sich neugierig zu uns gesellten. Ehe ich mich versah, hatte mich eine in den Unterarm gestochen, da ich sie versehentlich bedrängt hatte. Klasse! Gott sei Dank kam ich selbst mit meinem Mund an die Einstichstelle und saugte mir das Gift aus dem Fleisch. Es klappte gut, in den folgenden Stunden und Tagen hatte ich nur die Schwellung eines Mückenstichs und überhaupt kein Brennen oder Hitzeempfinden.
    Irgendwo in den unebenen Felsen richteten wir uns stoisch einen Liegeplatz ein. Mit allen Unterlagen und Planen die wir hatten und alles an Kleidungsstücken und Handtüchern, um die Unebenheiten etwas zu nivellieren.
    Und wir tranken beherzt Whisky aus unseren Kaffeetassen.
    Oder sollte ich besser schreiben:
    Wir tankten beherzt Whisky aus unseren Kaffeetassen?
    Zum Kochen war es zu spät und zu blöd. Das Abendessen wurde also gestrichen. So hatten wir uns unseren Einstand in Dalmatien nicht vorgestellt.
    Dann wurde es Nacht und wir bekamen Besuch.
    Von Mücken. Nach wie vor war es drückend, die Luft noch immer sehr warm und keine Abkühlung in Sicht.
    Die dalmatinischen Mücken sind ja bekanntlich Botschafter. Sie übermitteln in der Regel dass es bald ein Gewitter gibt. Denn normaler Weise sind sie an den Küsten gar nicht anzutreffen. Es ist zu windig für sie. Aber wenn sich ein Gewitter vorbereitet, und der Wind eine Pause einlegt, dann lassen auch Mücken mit sich reden und begeben sich an den Küstensaum auf der Suche nach etwas Stechbaren. Da wir die größten Lebewesen dieser Insel waren, hatten die Mücken ein leichtes Spiel mit uns.
    Wir waren nicht erfreut, denn wir hatten keine Chance in diesem unwegsamen Gelände mein Zelt zum Schutz vor ihnen aufzubauen. Da half nur jede Menge Antimückenzeug, am besten stündlich aufgetragen.
    Außerdem wurde es direkt nach der Dämmerung extrem feucht obwohl die Wärme blieb!? Die Schlafsäcke waren nach kurzer Zeit schon oberflächlich nass und alles Andere, was zum Himmel hin frei lag, auch.
    Spricht für sich...
    Diese erste Nacht hatte bereits volle Punktzahl im Minusbereich erreicht.
    Vielleicht hat der Whisky deshalb nicht so lange vorgehalten.


    Der Härtefallschlafplatz auf Veli Karmesujak
    Geändert von Suomalee (31.08.2015 um 12:11 Uhr)

  3. Erfahren
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    AW: [HR] Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz

    #3
    10.08.2015
    ZIRJE

    Die Nacht überlebten wir bis auf diverse Einstiche von Kleingetier besser als erwartet.
    Irgendwie hatten wir es geschafft einigermaßen gerade zu liegen und konnten phasenweise mehr als nur dösen.
    Ich hatte Bammel vor dem Morgengrauen, weil sich nach meiner Erfahrung durch den Taupunkt noch mal erhebliche Feuchtigkeit niederschlägt, doch das Grauen blieb aus.
    Es war derart schwülwarm, dass der Taupunkt von der Natur schlichtweg übersprungen wurde. Dies war eigentlich durchweg auf dieser Tour so. Anders als ich es von hier im Juli oder im September kannte.
    Nur kann ich nicht beurteilen ob es ein besonderes Phänomen war aufgrund der ebenfalls besonderen Wetterlage in Europa, oder ob das im August nun mal so Tradition ist in Dalmatien.
    Aber wir werden Nachforschungen anstellen.

    Der Morgen brach also an, wir konnten, dank einer leichten Prise, unsere sieben Sachen recht zügig trocknen und stachen in See, rüber nach Zirje und dort nach Muna.
    Ein kleiner, ehrlicher Ort, ohne großen Schnickschnack, mit kleinem Laden und kleinem Hafen.
    Keine riesigen Turiboote oder Luxusyachten, sozusagen pur, sehr angenehm.
    Dort kauften wir Wasser und ein paar Lebensmittel, denn tags zuvor wollten wir einfach nur schnell fortkommen vom Festland. Wegen der ungewohnt drückenden Hitze, waren wir froh bald wieder auf Fahrt zu sein, denn es ist immer ein wenig angenehmer mit Wasser unterm Kiel.

    Die Ostseite von Zirje hinunter in ihren Süden war unser Ziel. Dort hatte Walter viele Jahre zuvor eine geeignete Felsenplatte gefunden und übernachtet. Wir wollten zeitig ankommen und rasten, um uns von dem ersten Schreck des gestrigen Auftakts zu erholen. Auch wollten wir unsere sieben Sachen noch mal ordnen und praktikabler sortieren.
    Das hatte sich schon bei der letzten Tour bewährt.
    Zunächst jedoch paddelten wir an unserem Bestimmungsort schlichtweg vorbei. Als wir unten im Süden um die Insel herum waren, wurde uns klar, dass wir unser Ziel verfehlt hatten. Also zurück und noch näher am Ufer entlang.
    Holzauge sei wachsam...
    Im zweiten Anlauf fanden wir den wunderschönen Platz und booteten aus.
    Es gab mehrere Optionen, die wir nutzen konnten, soviel Platz gab es hier. Eine wahrliche Entschädigung für die Mühsal am Abend zuvor. Walter spannte eine Plane in die Felsen und damit hatten wir sogar Schatten.
    Im Fels waren mehrere Terrassen, sodass es genügend natürliche Sitzplätze und Abstellmöglichkeiten gab. Ich überließ Walter den Chefsessel, denn hier konnte nur ein würdiger Mann mit weißem Haar sitzen.
    Überhaupt gewann ich den Eindruck an einer archäologischen Ausgrabungsstätte zu sein, denn die Kulisse sah aus wie eine Ruine oder ein unfertiges Monument.
    Ein schönes Bild.
    Nebenan richteten wir später unseren Schlafplatz ein. Wir hatten also ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer. Und einen riesigen Swimmingpool welchen wir an diesem Tag ausgiebig nutzten. Endlich Müßiggang und Notizen machen und einen Landgang in den Klippen. Später kochten wir so richtig mit Hingabe.
    Die Welt war wieder in Ordnung.
    Trotzdem beobachteten wir den Himmel aufmerksam, denn irgendetwas war ungewohnt. Die drückende Wärme? Ich bemerkte im Südosten derart schnelle Quellbewölkung und schon einen Augenblick später war eine riesige Kumuluswolke geboren.
    Beeindruckend.
    Der Tag neigte sich, wir versuchten mit der Abendsonne zu orakeln, doch ihre Botschaften waren für uns nicht sicher zu deuten. Wir gingen auf Matrazenhorchdienst und gaben uns der Ruhe der Dunkelheit hin, die normaler Weise als einzigen Kontrahenten das Wellenrauschen hat.
    SSSSSSsssssssss. Mücken. Wie konnte das sein?
    Ein leichtes Lüftchen wehte allemal. Wieder eine Nacht mit Mückenzeug verbracht. Hier hätten wir zwar ein Zelt aufstellen können, aber unsere Müdigkeit machte uns bequem und ignorant gegenüber den kleinen Blutsaugern.


    Auf Zirje


    Blick in Richtung Festland


    Felsenschlafzimmer
    Geändert von Suomalee (29.08.2015 um 15:38 Uhr)

  4. Erfahren
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    #4
    11.08.2015
    THIS IS NOT A ENTENTEICH


    In der Morgensonne

    Stickig warm begann unser nächster Tag, an dem wir den südlichsten Punkt unserer Reise passierten. Bisher war das Wasser insgesamt sehr ruhig gewesen.
    Wir hatten durchweg sogenannte Ententeichbedingungen.
    Das ist an und für sich ziemlich langweilig.
    Mal zwischendurch ist es toll das Paddel durch das glatte Wasser zu ziehen und seinen Nebenmann auch ohne Hochprozentiges doppelt zu sehen.
    Aber auf Dauer ist es schon schön, wenn ein kleines Lüftchen weht.
    Besonders wenn es einem entgegen kommt und als psychologischer Fahrtbeschleuniger wirkt.
    Wir paddelten die gestrige Strecke zum zweiten Mal und konnten während dessen neuerliche Gebilde von Kumuluswolken beobachteten.
    Dann begrüßte uns der erste Donner.
    Ein Vormittagsgewitter.
    Walter berichtete mir von der Wetterprognose; die er noch in Deutschland zuvor für die nächsten Tage eingeholt hatte. Demnach sollte es am 15./16./17.8. in den Kornaten Gewitter und Regen geben. Doch wie das mit den Wetterprognosen so ist, um ein paar Tage können diese schnell variieren.
    Wir hatten längst begriffen, dass die allgemeine Hitze, welche von Afrika mit dem Wind kam, ein waschechter Jugo war.
    Dann weht der Wind von Süd Südwest über das offene Meer und die ganze Chose baut sich zwei, drei Tage auf, bevor sich alles in einem Gewitter neutralisiert. Nun, dann war es halt jetzt schon soweit.
    Gut, dachten wir, dass es uns dann nicht in den Kornaten erwischt.
    Dort sind die Lagermöglichkeiten deutlich eingeschränkter als auf den übrigen Inseln. Kaum waren wir um die Südspitze herum, begann es zu regnen.
    Es war mein allererster Regen auf einer südlichen Paddeltour.
    Aber nicht der letzte.
    Noch ein Stück weiter ums nächste Kap herum zur Westseite frischte der Wind derart heftig auf, das Walter kurzerhand den Kurs in die nächste schützende Bucht änderte. „Wir haben sechser Wind“, sagte er, „und die Wellen werden sich bald entsprechend aufbauen.
    Lass uns in der Bucht abwettern und sehen, ob wir dort bleiben können“.

    Die Bucht war tief genug um uns Schutz vor Wind und Wellen zu bieten, nur der Regen erreichte uns.
    Wir blieben in den Booten, dort waren wir vor dem Regen geschützter als an Land.
    Obwohl hier Kies vorhanden war, gab es keinen geeigneten Platz um zu lagern.
    Ich sang Sea Songs, um uns die Zeit zu vertreiben und den Wettergott zu besänftigen (vielleicht auch die Yachtbesitzer, welche in der Bucht ankerten) und tatsächlich zeigte sich ersterer gnädig und stellte den Regen ein.
    Auf gings!
    Doch vorsichtshalber hatten wir immer ein Auge auf das nahe Land, für den Fall dass ein geeignetes Quartier auftauchte.
    Walter hatte zuhause über Gockel-Earth die Küsten der Inseln auf unserer Route in Augenschein genommen, um besser vorbereitet zu sein. Daher wussten wir, dass es hier nur wenige Optionen gab.
    Endlich war die Luft rein und klar. Endlich fühlte ich die mir vertraute frische südliche Wärme.

    Wir kamen gemächlich vorwärts, checkten unsere Möglichkeiten, machten Pause mit Landgang, Schwemmholz suchen und Seiglfotosession, weil ich einen verunglückten aber interessanten fand und dann zogen wir mutig weiter, trotz einer realer Option.


    Aufhängung der sogenannten Laterne im Seigl


    Gut, dass Seigl so klein sind

    Wir dachten, dass es günstiger sei noch weiter im Westen um Zirje herum paddeln, da wir anderntags bis zu den Kornaten kommen wollten.
    Außerdem hatte der erste desaströse Schlafplatz Spuren in unserem Bewusstsein interlassen, Spuren von Unbesiegbarkeit, denn schlimmer konnte es nicht mehr werden.
    Es gab noch eine kleine vorgelagerte Insel hier unten im Süden, Skrovada, die steuerten wir nun an.
    Eigentlich eine Doppelinsel, die mit einem schmalen Grad verbunden, insgesamt sehr flach war und daher trotz geringem Tidenhub in ihrer Taille weitflächig überspült, sodass dort Salzwasserpflanzen gedeihen konnten.
    Aber zunächst mussten wir erst einmal an Land kommen. Im Süden und Westen hatten wir die Insel bereits umrundet und keine Möglichkeit gesehen. Im Norden ebenfalls Fehlanzeige. Zirje zugewandt sah es auch nicht sonderlich einladend aus.
    Walter versuchte sich zwischen den Felsen während ich die östliche Seite der Schmalen Inseltaille inspizierte.
    Und tatsächlich war es dort möglich das Land zu erobern.
    Ich winkte Walter zu mir herüber, der sichtlich erleichtert war, denn er musste weiter oben kapitulieren.
    Wir waren in einer flachen Bucht mit extrem groben Kieseln.
    Ungewöhnlich grob für die Gegend.
    Sah eher aus wie an der Ostsee.
    Weil die Bucht geschützt vor größeren Wellen war, waren die Steine mit algenartigen Pflanzen überzogen und deshalb sehr rutschig. Es war ein Unterfangen im Wasser zu waten und sich nicht die Haxen zu brechen.
    Aber es war mal etwas Anderes.
    Vorsichtig strauchelten wir an Land und mussten schon frühzeitig die Boote gemeinsam Stückweise voranheben, denn es gab nicht genug Tiefgang zum treideln. An Land suchten wir im üppig vorhandenen Strandungut große Hölzer und bahrten die Boote komplett auf.
    Sah irgendwie nach Alexis Zorbas aus.


    Aufgebahrt


    Fensterln geht immer

    Zunächst mussten wir uns einen Platz frei räumen und den Kies nivellieren, um ein geeignetes Lager zu schaffen.
    Es gab eine klare Arbeitsteilung. Ich entfernte das Strandungut und Walter ebnete die Liegefläche.
    Anschließend wurde die Plane aufgebaut und wir hatten ein luftiges Zelt.

    Während dieser Aktionen rutschte ich mit meinen Zehentrennern zwischen zwei größeren Steinen so ungünstig aus, dass einer meiner Zehentrenner keiner mehr war. Die fordere Noppe war abgerissen. Scheibenkleister!
    Zwar hatte ich noch Outdoorsandalen dabei, die ich während des Paddelns und auf den Felsen für gewöhnlich trug, doch meine Latschen sind mir heilig und wenn es die Umgebung zulässt, bevorzuge ich sie stets.
    Aber hin ist hin!
    Ich blickte um mich. In jedem Treibungut finden sich Latschen aller Art und obwohl ich keinen echten Plan hatte, suchte ich in den Ablagerungen der Zivilisation nach solchen, hob sie auf, drehte sie um und betrachtete mir ihre Konstruktionen auf der Unterseite. Erst hoffte ich auf ein identisches Modell wie das meine zu treffen, möglichst annähernd meiner Schuhgröße.
    Vielleicht konnte mir etwas als Ersatzteillager dienen.
    Schließlich fand ich eine Latsche, die meiner glich, drehte sie um und entdeckte eine hilfreiche Konstruktion. Hier war Jemanden, vor wer weiß wie langer Zeit, dasselbe passiert wir mir soeben. Die Noppe vorne an den Zehen fehlte. Stattdessen steckte ein kleiner verrosteter Metallsplint im Gummisteg und hielt diesen unter der Sohle nieder.
    Genial! Also doch ein Ersatzteillager.
    Ich entfernte den Splint und kopierte diese Konstruktion an meiner eigenen Latsche, mit Erfolg. Ich habe mir vorgenommen in meinem Reparaturset kleine Metallstifte mitzuführen, um für ein nächstes Mal gewappnet zu sein.
    Später begutachteten wir die angeschwemmten Dinge, die sich als Dauergast auf der Insel aufhielten. Einige haben jedoch durch unseren Besuch einen Paddeltörn gewonnen... Dann wanderten wir um die Doppelinsel herum, klein genug war sie ja. Ich würde schätzen, so ungefähr kleiner Prinz Planet mäßig.
    Es gab ein paar scheue Möwen, die einen Bogen um uns flogen und grüne und rote Libellen, die sich zu uns gesellten und sonst nichts.
    Halt, stimmt nicht.
    Walter fand ein winziges Perlmuttohr in Daumennagelgröße! Und ich gleich drauf ein noch Winzigeres...
    Während des Kochens bildete sich eine stattliche Hammerwolke im Osten.
    Auch hatten wir einen schönen, markanten Sonnenuntergang.
    Doch als wir uns schlafen legten war es bereits erneut drückend heiß und kaum dass wir die Augen zumachen wollten, meinte Walter, er höre schon wieder Mücken. Ja zum Kuckuck noch mal, langsam wurde es lästig mit den Viechern und mit dem Wetter.

    Mann bat mich das Zelt aufzustellen.
    Mann hatte anderntags Geburtstag und wollte auch mal in Ruhe schlafen.
    Man konnte es ihm nicht verdenken.

    Also wieder aufstehen, alles zur Seite rödeln, Zelt aus dem Boot holen und aufbauen.
    Geht recht zügig bei meinem Zelt und ich brauche auch kein Licht dafür, aber es nervte mich, zumal ich mich so sehr auf die Nächte im so Freien wie möglich gefreut hatte.
    Nach der Aktion waren wir wieder wach und kochten uns noch einen Tee.
    Während dessen bemerkten wir über dem offenen Meer im Süden Wetterleuchten. War es denn mit dem Jugo immer noch nicht zu Ende?
    Später im Zelt lagen wir zwar in einer warmen Luft, die zum Schneiden war, jedoch ohne weitere Belästigung, was auch deutliche Vorteile hatte.


    Hammerwolke


    Hammersonnenuntergang
    Geändert von Suomalee (17.12.2015 um 19:14 Uhr)

  5. Erfahren
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    #5
    12.08.2015
    COMPLEANOS FELIZ


    Happy birthday, Walter


    Einbooten mit Hölzern

    Ein neuer Tag brach an und Walter feierte seinen neunundvierzigsten Geburtstag zum achtzehnten Mal.
    Muss man nicht verstehen, kann man aber.
    Ich hatte einen Geburtstagsersatzkuchen mitgenommen, den wir gleich zum Frühstück aßen, denn dann konnte er nur noch in unseren Bäuchen schmelzen.
    Während dessen sahen wir Fallstreifen, wo gestern im Süden das Wetterleuchten war.
    Auf der anderen Seite des Himmels stand die Sonne ganz hinten in der Warteschlange und hatte Mühe sich an den Wolken vorbei zu drängeln.
    Einfach ignorieren und Geburtstag feiern.
    Schau mal Walter, was Du geschenkt bekommst...
    Eine Kleinigkeit und drei Miniaturfackeln für einen gebührenden Abschluss des Tages hatte ich auch mitgenommen. Es sollte an nichts mangeln, wenn Walter schon Geburtstag hat und ihn mit mir auf dem Meer verbringt.
    Also happy birthday, mit allem Drum und Dran und Lied und so.
    Dann aber hopp hopp los, denn endlich wurde der Himmel von seinen morgendlichen Wolken befreit, riss klar auf und tat das seine zum Geburtstag dazu.
    Die Boote zu Wasser lassen war diesmal eine besondere Performance und auf jeden Fall sehr ästhetisch.
    Wir machten das in Anlehnung an die alten Schiffsbauer, die die Schiffe auf Baumstämmen über Land transportierten.
    Diese Maßnahme brachte uns, neben der schönen Fotos, deutliche Verbesserung, bei dem Unterfangen uns in den großen glitschigen Kieseln auf den Beinen zu halten. Das Hauptgewicht der Boote lag nun auf den Hölzern und wir brauchten lediglich zu justieren und zu ziehen.
    Also die Aktion hatte Spaß gemacht.
    Dann kam eine der schönsten Fahrten dieser Tour entlang der Westküste von Zirje.
    Ein toller Himmel, genau die richtigen 3er Wellen, bei denen das Paddeln Spaß macht und man gut voran kommt. Dazu eine sanfte Dünung von hinten, die unseren Booten einen geradezu galanten Support gab.
    Außerdem eine frische Brise von vorne und obendrein noch eine schöne Fernsicht.
    Wir fuhren nebeneinander her, jeder in seinen Gedanken versunken, genießend.
    So ging das annähernd drei Stunden, bis wir das Ende der Insel erreichten.
    Pause war angezeigt, denn wir wollten uns noch einmal wappnen für die nächste größere Überfahrt in die unteren Ausläufer der Kornaten.
    Nach einigem Suchen fanden wir in der nördlichsten großen Bucht von Zirje eine geeignete Stelle.
    Essen und kurz baden, verschnaufen und dann die Spritzdecken schließen und los auf die offene See...


    An der nordwestlichen Spitze von Zirje mit Blick auf die Kornaten

    Obwohl ich in den Tagen zuvor schon öfters Bemerkungen zu den vor uns sichtbar liegenden Kornaten gemacht habe, sagte Walter stets, es seien noch keine.
    Hier sähe sowieso alles gleich aus. Nun, dachte ich mir, er wird es ja wissen.
    Da wir unsere Tour vier Jahre zuvor ja nach meinem Sturz abändern mussten und die Kornaten von unserer Reiseliste gestrichen wurden, blieb mein Wunsch danach diese zu sehen etwas übergroß.
    Wie es eben so ist mit den Dingen, Begebenheiten & Co, die man begehrt, aber nicht haben kann.
    Daher hatte ich mir in der Zwischenzeit öfters Bilder von den Kornaten angesehen und glaubte ihre typische Formation erkennen zu können.
    Doch es stimmt auch, das Zirje und auch Zut, Lavdara und die südliche Spitze von Dugi Otok ebenfalls kornatofil aussehen. So what...
    Kurz hinter der Nordspitze von Zirje bestimmte Walter den Kurs und wir stimmten die Gradzahl unserer Kompasse darauf ab. Der Kurs ging ziemlich genau nach Norden.
    Nein, ich habe keine Hotline eingerichtet für all diejenigen, die auf der Karte die Rute mit verfolgen und zu Recht feststellen, dass hier zwar nicht der Hase im Pfeffer, jedoch der Seehase im Meer schwimmt.
    Apropos Hase, aber ich komme später noch dazu.

    IM KREISVERKEHR ZU FRÜH ABGEBOGEN

    Sagen wir´s mal so. Nach dem wir gut dreiviertel der Strecke über das offene Meer zurückgelegt hatten, dachte ich an ein Gespräch vom heutigen Morgen.
    Walter hatte mir erklärt, dass unsere Seekarte nicht vertikal ausgerichtet sei, was zwar auch deutlich ersichtlich ist, wenn man auf das Liniengitter achtet, aber dennoch nicht ohne Weiteres eingängig.
    Ich glich unseren Kurs mit der Karte ab und kam zu dem Schluss, dass wir fast um 90 Grad zu weit rechts fuhren.
    Diese Inseln die wir ansteuerten waren gar keine Ausläufer der Kornaten, sondern einfach irgendwelche.
    Ich teilte meine Erkenntnisse mit und überzeugte Walter sofort.
    Wieso und warum auch immer, irgendwas hatte ihn dazu bewegt im großen Kreisverkehr der offenen See eine Ausfahrt zu früh zu abzubiegen...
    Wir brachten das begonnene Werk zu Ende, hielten weiter Kurs auf die kleinen Inseln und trafen geradewegs auf einen unglaublich schönen Lagerplatz.
    Für die restliche Zeit der Fahrt nannte ich diese Insel nur noch Walters Geburtstagsinsel, obwohl sie eigentlich Tetovisnjak hieß. Und wir sollten sie noch lange in Erinnerung behalten.
    Zuerst hatte Walter vor, eine Rast einzulegen, um dann von hier aus noch heute die Kornaten zu erreichen. Doch das konnte ich ihm ausreden. Es war inzwischen nicht mehr so früh.
    Obwohl wir eine weitere Überfahrt locker gepackt hätten, war es ja damit nicht getan.
    Die Kornaten zu erreichen, garantierte noch lange keinen Lagerplatz.
    Wir taten gut daran, das zeigte uns dann der nächste Tag.
    Für heute hatten wir bestes Wetter, schwammen im türkisfarbenen Meer, richteten uns häuslich ein, ich ging spazieren, begegnete Ziegen und fand Hasi, jeder schrieb an seinen Aufzeichnungen.
    Auch diskutierten wir die weitere Tour. Gern wäre ich in den nächsten Tagen noch einmal ganz um Dugi Otok gepaddelt. Im Norden gab es noch einen traumhaften Lagerplatz, den ich wiedersehen wollte.
    Auch Otoks Westküste, hin zum offenen Meer hätte ich gern noch mal erlebt. Ganz zu schweigen von den über Kilometer langen Steilwänden im unteren Teil, die sozusagen den Schulterschluss mit den Kornaten zur offenen Adria bilden.
    Es wurde dann doch spät mit dem Kochen und fast hatten wir vergessen die Fackeln anzuzünden.
    Weil wir jedoch zu müde waren, um sie ganz abbrennen zu lassen, pusteten wir sie aus und hoben sie für eine weitere Aktion auf.
    Diese Nacht hatten wir endlich keine Mücken, dafür aber mindestens einen Nager.
    Ich würde sagen es war eine kleine Ratte, Walter meinte eine große Maus.
    Ich weiß dass Ratten sehr klein sein können. Ich weiß aber auch dass die Nacht die Fantasie schürt.
    Ich bleibe trotzdem bei der Vorstellung einer kleinen Ratte. Ich betreute früher die gerettete Versuchslabormaus meiner Freundin, jene, welche mir auch den Trick mit dem Wespengift aussaugen gab.
    Ihre Maus damals war echt sehr klein.
    Andererseits wohnte ich vor über zwanzig Jahren in einen Haus, wo kleine Ratten ihre Bleibe in den trocken gefallenen Rohren der Wirtschaftsräume hatten. So sah diese hier für mich aus.
    Zunächst raschelte das Tierchen irgendwo zwischen den Felsen herum, dann war es an unserem Sturmkocher. Sicher roch es die Essensreste am ungewaschenen Geschirr.
    Später hörte ich so was wie Laub rascheln, obwohl es ja gar keines gab. Anderntags fehlte eine Pflanzenzwiebel die ich von meinem Spaziergang weiter oben im Grüngürtel mitbrachte. Ziegen hatten sie ausgegraben, doch noch nicht verspeist.
    Daher nahm ich zwei mit und wollte sie daheim einpflanzen.
    Wir schliefen ohne Plane und Zelt, ich nur im Inlet und mit einem dünnen Tuch darüber. Dann kam sie. Sich mit ihrer Pfote vortastend, wollte sie meine Decke erklimmen auf der Höhe meiner Brust.
    Sie dachte wohl ich sei ein neuer Fels, oder roch ich auch nach Essbarem?
    Ich quietschte und zuckte zusammen, sah sie nur noch von hinten, recht gelassen über die freie Fläche davon traben und Walter fuhr jäh aus dem Schlaf hoch. Er hatte sich dermaßen erschrocken, der Arme, war nahe an einem Herzkasper und brauchte eine Zeit lang, um wieder runter zu kommen.
    Es tat mir leid für ihn, aber in solchen Situationen muss ich einfach ganz spontan quietschen.
    Ratten scheinen sehr neugierig zu sein, auch auf Dugi Otok schlug ich einmal nachts die Augen auf und schaute einer unmittelbar in die Augen...


    Zierje von Tetovisnjak aus gesehen


    Schlafzimmer mit Felsenschrankwand
    Geändert von Suomalee (31.08.2015 um 12:13 Uhr)

  6. Lebt im Forum
    Avatar von Ditschi
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    AW: [HR] Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz

    #6
    Schön geschrieben. Ich lese aufmerksam und genieße die Bilder. Ich vermute, mir wäre es dort viel zu heiß. Mir klebt schon das T-Shirt am Leib beim Mitlesen. Aber auch wenn andere sich Träume erüllen, die ich selbst nicht hege, kann ich die Feude an ihrer Erfüllung nachempfinden. Die Kunst, das Erleben plastisch zu schildern, hat daran erheblichen Anteil.
    Ditschi

  7. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: [HR] Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz

    #7
    Danke Dir, Ditschi!

    ich bin ja sonst nicht viel im Forum vertreten, da ich seit zweieinalb Jahren noch berufsbegleitend eine Ausbildung mache.
    Ächz, in einem halben Jahr ist es geschafft!
    Doch einen schönen Reisebericht für die Outdoorseiten zu erstellen, möchte ich mir nicht nehmen lassen.
    Zumal eine detaillierte Nacherzählung meine Erinnerungsfähhigkeit enorm steigert.
    Das ging mir schon bei den anderen Berichten so.
    Außerdem hat für mich hier im Forum das Seekajakfahren in dieser urbanen Weise angefangen und meine Aufzeichnungen mit anderen Usern zu teilen ist die Möglichkeit, etwas zurück geben zu können.

    Wegen der Hitze...
    Die kann ich wahrscheinlich besser ab als Du, doch Dalmatien als Paddelrevier hat sich aus den Umständen heraus ergeben.
    Ich denke dies waren bisher meine günstigsten und einsamsten Urlaube überhaupt, Kajaktechnisch gesehen.
    Keine Zeltplatzgebühren, keine kostspielige Ausrüstung außer den Basics, Inseln und Traumbuchten für sich ganz allein.
    Und durch Walters Verfügbarkeit, Flexibilität und Knowhow von der Gegend, für mich leicht ohne großen Vorlauf zu realisieren.
    Gerade gestern habe ich mit Freunden gesprochen, die das Revier ebenfalls vom Kajak aus kennen.
    Auf eine Art ist Dalmatien sehr anspruchsvoll, denn die scharfen Felsen und die extremen klimatischen Besonderheiten wie Bora und Jugo und Co, bergen und garantieren einen hohen Riesikofaktor. Das muss man halt auch mögen.
    Interessieren tun mich die Schären und die Ostsee ebenso.
    Elba hatte ich schon mehrmals, Korsika und Griechenland locken mich...
    Und Irland und Schottland und...
    Sicher hat jede Region ihre eigenen riskanten Schmankerl...
    Man kann halt nicht alles auf einmal haben.


    Nun aber schnell aufs Wasser, hier leider nur der Wannsee...

    Lieben Gruß,

    Lee
    Geändert von Suomalee (30.08.2015 um 13:41 Uhr)

  8. Lebt im Forum
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    AW: [HR] Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz

    #8
    Kein einfaches Revier. Auch wenn Dein Bericht noch nicht zuende ist, klingt das ja schon mehrfach durch.

    Zitat Suomalee: Und durch Walters ...... Knowhow von der Gegend, für mich leicht ohne großen Vorlauf zu realisieren.
    Wohl ein entscheidender Punkt: der erfahrener Begleiter. Da kann man`s wagen. Freue mich auf den Fortgang.

    Ditschi

  9. Erfahren
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    AW: [HR] Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz

    #9
    13.08.2015
    KORNATEN, KLAPPE DIE ZWEITE


    Sonnenaufgang auf Tetovisnjak


    Hasi

    Es war ein ruhiger Morgen mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. Mit Freude rüsteten wir unsere Boote zur nächsten großen Überfahrt und der Seigl vorne an Deck meines Kajaks bekam Gesellschaft.
    Gestatten, mein Name ist Hase... oder besser Hasi, denn er war sehr klein. Ich begegnete ihm gestern bei meinem Spaziergang und auf der Suche nach Möwenschädeln, hatte jedoch keine gefunden.
    Stattdessen nahm ich Hasi mit. Also seinen Schädel.
    (You can`t allways get what you want... Rolling Stones)
    Das Besondere an Hasi war, dass er noch einen Skalp trug und schüttere Koteletten.
    Das gab ihm einen echt wilden Anstrich, ein Piratenhasi also. Prima Gallionsfigur für ein Seekajak.
    Jonny Depp hat im Fluch der Karibik auch nicht besser ausgesehen.
    Hasi´s braune Zähne machten ihn noch Jonny Deppiger.
    Wobei Hasi im Laufe seines Paddeltörns noch ein bleetching spendiert bekam.
    Jetzt also, Hasi auf großer Fahrt. Jonny stand ja nicht zur Option.
    Später musste Hasi jedoch hinten auf dem Boot Platz nehmen. Er war geruchstechnisch noch nicht ganz stubenrein und außerdem bekam er auch noch Gesellschaft.

    Die Natur bringt einfach wunderbare Formen hervor.
    Ich bestaune sie immer wieder gern.
    Und mal ehrlich, Schädel üben eine Faszination aus.
    An den Schwüngen und Formen der Knochen eines Geschöpfes kann man etwas über sein Wesen herauslesen.
    Das hatte ich in meinem Studium sehr eindrücklich gelernt. Knochen und Schädel eignen sich zudem hervorragend zum Zeichnen und natürlich für Fotos.
    Es versteht sich von selbst, dass ich in Ermangelung eines Schädels bei einem Seigl, sein Gehäuse bevorzuge. Wobei, vielleicht ist es ja doch sein Schädel, nur irgendwie umgestülpt.
    Es können ja nicht alle Lebewesen mit einem Vorne-und-Hinten konzipiert sein.
    Manche sind halt Punkt-und-Umkreis. Das ist ja gerade das Faszinosum.
    Allerdings sind diese Punkt-und-Umkreis-Wesen dem Kosmos in ihrer Konzeption näher, als jene mit einem Vorne-und-Hinten. Die kosmische Analogie klingt bei Letzteren am ehesten noch in ihrer rundlichen Schädelform an.
    Doch genug der morgendlichen Philosophiererei und los über die wässrige Weite mit der Sonne im Rücken und den echten Kornaten vor unseren Augen.


    Seiglkosmos


    Überfahrt zu den Kornaten

    Es waren Ententeichbedingungen, leider, denn es drückte deshalb schon wieder die Hitze im Nacken.
    Die Überfahrt gestaltete sich unspektakulär und wir gelangten zur unteren Durchfahrt der Kornaten.
    Anschließend hangelten wir uns zwischen weiteren kleinen Inseln hindurch zu einem kleinen, aber megaelitären Yachthafen auf Ravni Zakan.
    Also das genaue Gegenteil von Muna auf Zirje.
    Hier ankerten Yachten, die eigentlich mit Wassersport nichts mehr gemein hatten, sondern einzig dafür konstruiert und besessen wurden, um Reichtum zu demonstrieren.
    Zwei große mondäne Lokale säumten die künstlich aufgeschüttete Promenade mit dem ebenfalls künstlich aufgeschütteten Kiesstrand, damit die künstlich ausgeschütteten Menschen dort baden konnten.
    Hier wurden die kleinen Snacks von den Kellern bis auf die Yachten serviert.
    Der Einkaufsladen fiel dazu im Verhältnis derart spartanisch aus, das anzunehmen ist, dass sich die Yachtbesitzer irgendwo anders mit Lebensmitteln ausstatteten und wahrscheinlich ganze, mit Edelhölzern furnierte Kühlschrankwände im Innern ihrer schwimmenden Hochburgen beherbergten.
    Das hatte ich hier nicht erwartet.
    Ein wirklich krasser Kontrast zu den kargen Hügeln des Weltnaturerbes drum herum.
    Wir hielten die Sache kurz, zumal der kleine Laden noch keine Lieferung erhalten hatte und es eigentlich nichts zu kaufen gab. Wir um fuhren Ravni Zakan, denn auf der anderen Seite gab es noch mal eine kleine Bucht.
    Sie war eindeutig die Schönere und hatte auch die schönere Aussicht.
    Hier konnte man die gesamte Wasserstraße zwischen der langen Hauptinsel Kornat und ihren unzähligen nach Westen vorgelagerten Inselchen hoch nach Nordwesten blicken.
    Ein sehr spezieller Anblick in seiner Formation und seiner Kargheit.
    Wir nahmen in dieser zweiten Bucht ein Erfrischungsbad und begaben uns auf den Wasserhighway.
    Hier düste alles, was einen Motor hatte, rauf und runter. Wir waren bis spät nachmittags die Einzigen mit Muskelantrieb. Dieser Highway war eine lange Angelegenheit, räumlich und zeitlich.
    Nach mehreren Stunden, als Walters ausgekundschafteter Lagerplatz auf der Insel Mana noch immer nicht in Sicht war, brauchte ich eine Pause. Ich hatte Hunger und wollte mal aussteigen.
    Doch das war den Kornaten egal.
    Motorboote ankerten in den Buchten vor den kleinen Inseln, meist dort, wo das Wasser türkisfarben war. Sie hatten kein Problem mit dem Ein- und Ausstieg. Alles wurde vom Boot aus erledigt.
    Etwas später entdeckten wir einen Minikiesstrand und hielten darauf zu.
    Nur ein einziges Motorboot hatte sich hierher verirrt und wir nahmen ausnahmsweise keine Rücksicht auf die Privatsphäre seiner Besitzer. Wir hofften auf Verständnis, angesichts der Tatsache dass wir ohne Motor unterwegs waren und deuteten gleich an, dass es sich bei uns nur um eine temporäre Unterbrechung handelte.
    Müll und Treibungut soweit das Auge reichte. Sogar ein Skelett von einer Babyziege war zwischen all dem Unrat zu sehen. Nein, das nahm ich nicht mit.
    Wir aßen Nüsse, tranken Wasser und überlegten, wie wir uns ausruhen konnten in diesem unebenen Gelände.
    Da kam mir eine Idee.
    Ich suchte zwei große Holzstücke, gab eines davon Walter und hieß ihn mir ins Wasser folgen.
    Wir klemmten uns das Holz so bequem wie möglich unter die Arme, Schwimmnudelmäßig und hingen im Wasser ab. Das ging erstaunlich gut, machte Spaß und brachte etwas Entspannung, weil wir uns nicht mehr zu bewegen brauchten.
    Eine halbe Stunde später waren wir wieder in der riesigen Fahrrinne und hielten Ausschau nach der Insel Mana, die unsere heutige Lagerstadt beherbergte.
    Der Nachmittagswind hatte inzwischen kräftig eingesetzt und zog um die äußeren Inseln.
    Auf deren westlicher Seite war das Paddeln jetzt nicht mehr so angenehm, da die Strömung und der Wind uns entgegen kommend, dort gemeinsame Sache machten.
    Dafür waren wir echt nicht mehr frisch genug heute.
    Weil die Inseln sich teilweise sehr glichen in ihrem Umriss, in ihrer Oberfläche sowieso, war es nicht verwunderlich, dass wir uns vertaten. Wohl, weil wir nicht richtig mitgezählt hatten.
    So umrundeten wir versehentlich eine andere Insel, als die benötigte und gingen leer aus.
    Ratlosigkeit stand uns ins Gesicht geschrieben, denn jetzt brauchten wir einen Plan B.
    Wie gerufen erschienen drei Kajaker auf der Wasserfläche, aus der Richtung wie wir zuvor kommend.
    Wir hielten auf diese zu und tauschten uns kurz aus.
    Es waren drei junge Tschechen, die uns weiterhelfen konnten, da sie auf unsere Frage wohin sie fuhren, die von uns gesuchte Insel und deren Bucht nannten.
    Nun wussten wir, dass wir keinen Plan B brauchten, sondern Plan A überhaupt mal gescheit ausführen sollten.
    Erleichterung.
    Der Mann mit dem ich mich unterhielt, fragte nach unserem Gepäck, da wir ja ohne Aufbauten unterwegs waren, trotz der 48 Liter Wasser in unseren Luken und es war immer noch Platz.
    Ich entgegnete ihm, dass wir nicht mehr dabei hätten.
    Nach dem wir uns von den drei Jungschen verabschiedet hatten, setzten wir zum Endspurt an.
    Ich wollte das heutige Tagwerk hinter mich bringen und endlich ankommen.
    Es war ein langer Ritt bis hierher gewesen, der längste unserer Tour und diesmal überschritten wir unseren Durchschnitt gewaltig.
    Nur noch vorbei an dieser und dieser und dieser kleinen Insel, um Manas Ostküste herum in ihren Norden und endlich an Land gehen.
    Ein verhältnismäßig großer Kiesstrand empfing uns und nicht genug damit, Mana präsentierte sich mit einer legendären Filmkulisse aus dem Jahre 1961 für den Film: Die Raubfischer von Hellas, unter anderem mit Maria Schell.
    Natürlich erwarteten wir die drei Tschechen abends in der Bucht, denn sie hatten sich ja angekündigt, doch sie blieben aus.
    Wir bauten unseren Lagerplatz extra an einer Seite auf, um ihnen genügend Platz zu lassen...
    Ich machte mir nachts etwas Sorgen um sie.
    Aber letztlich kann es viele Gründe geben, weshalb sie nicht erschienen sind. Eine unserer Fantasien war, dass sie eventuell Bedenken hatten, die Nacht mit uns zu verbringen. Vielleicht dachten sie, dass wir Räuber waren (man erinnere sich an das Piratenhasi!) und deshalb kein Gepäck dabei hatten, um das ihre stehlen zu können. Deshalb waren wir ihnen zuvor aufgelauert und befragten sie nach ihrer Bleibe.
    Doch zurück zu unserem wohlverdienten und schönen Abend.
    Ich ging von der Bucht aus einen steinigen Hang hoch zu den Filmkulissen, die allesamt Ruinen waren und auch schon immer sein sollten. Die Sonne neigte sich sehr dem Horizont zu und färbte den Himmel in buntes, pastellfarbenes Licht.
    Von oben konnte ich zur Südseite der Insel hinuntersehen und blickte auf eine rotgefärbte Felsensteilwand.
    Sehr imposant. Später schauten Walter und ich und am Strand einen roten Sonnenuntergang an, der sogar die nassen Felsen einfärbte.
    Die Nacht war windig und mich zwickte so einiges im Schlafsack.
    Ich glaube ich hatte versehentlich ein paar kleine Ameisen von der Geburtstagsinsel mitgenommen.
    Wir schliefen unter freiem Himmel mit vielen Sternen und sahen viele große Sternschnuppen. Zeitweise kamen wir mit dem Wünschen gar nicht mehr hinterher.


    Abendstimmung über den äußeren nordwestlichen Kornaten


    Kornaten


    Steilküste von Mana


    Landgang einer Sonnenstrasse
    Geändert von Suomalee (23.02.2016 um 11:05 Uhr)

  10. AW: [HR] Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz

    #10
    ui - wie schön geschrieben.
    Den Bericht hebe ich mir mal als Abendlektüre auf.

    Worte sagen doch manchmal mehr als 1000 Bilder.

  11. Erfahren
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    AW: [HR] Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz

    #11
    14.08.2015
    HOMAGE AN SVETI


    Die Kornaten im Morgendunst


    Kornatische Steilküste

    Der nächste Morgen war wie gewohnt schwül heiß, sodass wir unsere Kleidung ins Meer tauchten bevor wir sie anzogen, um ein wenig Erfrischung beim Paddeln zu haben.
    Dann schipperten wir gemütlich um die nächsten Inseln und betrachteten ihre Eigentümlichkeit.
    Endlich kam ich dazu ein paar Fotos zu machen, denn das Meer schlief noch und meine Kamera war nicht in Gefahr.
    Dann schlugen wir uns auf die Westseite der Kornaten zum offenen Meer hin und hatten eine imposante Fahrt entlang der Steilklippen. Vor uns im dunstigen Hintergrund erschien Dugi Otoks Südspitze, die unser heutiges Ziel war.
    Wir wollten unseren legendären Platz von vier Jahren zuvor, aufsuchen und uns dort erneut seiner Magie hingeben.
    Als wir in die große Bucht kamen, brauchten wir dennoch einige Zeit, bis wir die Stelle fanden.
    Da war sie dann, eigentlich wie damals und doch ein bisschen fremd.
    Ja, dieser Ort war besonders schön, dazu später mehr.
    Unweit gab es eine zweite Mole, die zu einem kleinen Haus gehörte, welches ganz hinten, im letzten Ausläufer der großen Bucht, leicht erhöht stand.
    Weder diesmal noch damals haben wir seine Bewohner gesehen.
    Heute hatte jedoch die zweite Mole Besucher, drei Männer mit zwei Hunden, die dort ankerten und sichtlich den schönen Tag genossen.
    Derweil schnüffelten wir überall herum und machten uns wieder vertraut mit den örtlichen Gegebenheiten.
    Die großen Felsenbänder auf denen wir unsere Kleidung trocknen konnten, die praktische Mole zum Kochen und zum Schlafen, die großen Felsenplatten, die zum Herumlaufen einluden.
    Ich ging mit Bedacht in die Nähe der Stelle meines damaligen Unglücks und betrachtete die großen Felsbrocken.
    Hier hatte ich ordentlich Lehrgeld bezahlt, als ich in den messerscharfen Felsen stürzte.
    “zum Nachlesen klicke hier und bis zum Foto scrollen“
    Wie es den Anschein hat, ordentlich genug, toi toi toi.
    Anschließend stieg ich vom Ufer landeinwärts die große Felsenplatte hinauf und fand, wie Walter mich bereits erinnert hatte, den wilden Salbei wieder. Diesen benutzten wir in den nächsten Tagen zum Kochen.
    Echt lecker mit Tomaten und Reis!
    Der restliche Nachmittag und Abend diente unserer Entspannung, wir badeten viel, bereiteten unser Nachtlager vor, ich fotografierte Seiglzähne und Perlmuttöhrchen... und wir bekamen Besuch.


    Obligatorisches Selfie auf Dugi Otok


    Bekanntschaft mit Sveti

    Nein, diesmal keine Mücken, sondern eine abgemagerte und komplett weiße Katze.
    Ich nannte sie Sveti, das ist kroatisch und bedeutet sowohl heilig als auch rein oder weiß.
    Zunächst war Sveti deutlich ungepflegt. Ihr Fell stumpf und struppig.
    Sie maunzte zur Kontaktaufnahme, hielt jedoch Abstand.
    Wir taten es ihr gleich, maunzten und hielten Abstand. Eine gute Taktik, wie ich finde.
    Ich bläute Walter, doch in erster Linie mir ein, dass wir Sveti unter gar keinen Umständen füttern dürften, sonst würde sie bestimmt zudringlich und keck und wir bekämen sie nie wieder los.
    Das ist zwar nicht unwahr, doch der wahrere Grund war, dass ich eine solche Schwäche, nein nicht für Katzenschädel - auch ich habe meine Prinzipien - eine solche Schwäche für Katzen habe und für gestrandete und herrenlose sowieso.
    Bloß nicht weich werden.
    Ich war froh mit dem Kajak unterwegs zu sein, denn das bot verstandesmäßig kein Schlupfloch, Sveti eventuell Asyl in Berlin zu gewähren. Denn sie war echt süß.
    In den folgenden Tagen war sie weder hinterhältig noch bissig, eigentlich nur dankbar nicht allein zu sein und auch mal abschalten zu können.
    Während unseres Zusammenseins flauschte Sveti auf, das heißt sie putze sich, bekam weißeres und weicheres Fell und rutschte täglich näher an uns heran, wenn es darum ging ein Nickerchen zu halten.
    Dazu schlug sie ihre Pfoten vertrauensvoll vor ihrer mageren Brust ein, als hätte sie einen kleinen imaginären Muff vor sich.
    Auch schmuste sie ausgiebig mit allen Felsen und mit unseren Booten.
    Wir brauchten uns nur in ihre Nähe zu stellen und zu miauen, da begann sie schon zu Schnurren, zeigte in völliger Hingabe ihren Bauch, während ihre Vorderpfoten den Milchtritttanz vollführten.
    Ich glaube es wird deutlich, dass sie mir trotz all meiner Vorkehrungen ans Herz gewachsen ist.
    Deshalb möchte ich Sveti von der gedanklichen Bühne wieder entlassen, auch den endgültigen Abschied spare ich mir und Euch. Ihr könnt ja, wenn es im Text so weit ist, Sveti in Eurer Fantasie wieder einblenden und Euren eigenen Abschied von ihr kreieren. Vielleicht entdeckt Ihr sie auch auf dem einen oder anderen Foto.
    Soviel zu den lebenden Tieren.


    Sweet Sveti


    Dugi Otok

    DIE MAGIE VON DUGI OTOK

    Abends verließ uns die Gesellschaft von der Nachbarmole und wir hatten die gesamte Bucht für uns allein.
    Früh lagen wir in unseren Schlafsäcken.
    Das ist hier so eine Art Belohnung, denn auf der vorgelagerten Mole hat man rundherum eine großartige Sicht in den Himmel.
    Wir haben uns schon Tage zuvor darauf gefreut.
    Ich glaube immer, wenn ich an meine südlichen Paddeltörns denke und an deren sternenklare Nächte, bin ich in meiner Vorstellung in jener Bucht auf Dugi Otok.
    Später begriff ich, warum dieser Ort so speziell war und möchte Euch einen Aspekt davon erzählen. Normaler Weise hat man sein Lager an einer Küstenlinie am Meer.
    Man befindet sich in einer tiefen Bucht, an einer Inselwölbung oder an einem einigermaßen geraden Felsenverlauf. Ganz gleich, man hat deutlich ein, ja genau, ein Vorne und Hinten.
    Denn in der Regel gibt es Felsen oder Land, welches die Rundumsicht ein Stück weit versperrt.
    Liegt man an einer solchen Stelle auf dem Boden und schaut in den Himmel, dann fehlt ein kleineres oder größeres Stück dieser sich gleichmäßig in allen Richtungen ausdehnenden Kuppel.
    Das ist an für sich auch nicht zu verachten und hat seinen ganz eigenen Reiz.
    Doch, wenn man in den Genuss kommt, an einem Ort zu sein, wo das Hinterland so flach ansteigt, dass es kaum den Blick verstellt, noch dazu wenn man, wie wir hier, durch eine Mole davon abgerückt ist, dann hat man den Eindruck den Himmel wie durch ein Fischauge zu sehen. Runder geht’s nicht!
    Dies zum Himmel hier.
    Nun zum Wasser.
    Auch das Wasser ist durch den jeweiligen Küstenverlauf bei den Buchten in ein spitzes oder stumpfes Dreieck geformt, oder schließt sich als breites Band an den Küstensaum an.
    Hier jedoch ist das Meer vor uns, mit seiner optischen Begrenzung durch kleine Kornateninselchen und solche, die keine sind, aber genauso ausschauen, ebenfalls ein Rund in seiner flächigen Ausdehnung.
    Vielleicht hat es geklappt und ich konnte Euch mitnehmen in meine Empfindung.
    Dann sind wir jetzt gemeinsam berührt von der Magie der mehrdimensionalen Runds.
    Eine perfekte Form und eine symbolträchtige obendrein: der Ring, die Planeten, die Erde, der Kosmos, der Heiligenschein, die Seigl...
    So, dies war jetzt Magie Teil eins und es folgt Magie Teil zwei und drei...


    Die Magie


    von Dugi Otok
    Geändert von Suomalee (10.09.2015 um 08:53 Uhr)

  12. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: [HR] Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz

    #12
    15.08.2015
    SCHEIN UND SEIN


    Morgendämmerung


    Sonnenaufgang


    Licht und Schatten

    Zeitig wachten wir auf, denn wir erwarteten ein weiteres Wunder.
    Der Sonnenaufgang.
    Wir lagen noch in den Schlafsäcken, ich holte meine Kamera und kochte uns einen Kaffee, denn dies hier könnte etwas länger dauern.
    Vor vier Jahren beschrieb ich einen Sonnenaufgang an dieser Stelle, als ein Schauspiel in vier Akten, dem wir in der ersten Reihe sitzend, beiwohnten.
    Tatsächlich brauche ich mir nicht die Mühe zu machen den jetzigen zu beschreiben.
    Ihr könnt einfach im anderen Reisebericht (mein Seekajakherz auffüllen) nachlesen.
    Was wir diesmal gesehen haben war genauso besonders und spektakulär wie damals.
    Erst erschien eine gewaltige Morgenröte, dann die Sonne, dann verschwand sie hinter verschlafenen Morgenwolken, um später an ihnen ihre Farbgewalt zu präsentieren.
    Auch diesmal schauten wir gut zwei Stunden über das Wasser zur gegenüberliegenden Seite, denn der Sonnenaufgang fand genau mittig in unserem Panorama statt.
    Erwähnen möchte ich lediglich, dass ein interessant geformtes Wolkenband vor der Sonne wunderschöne Schatten in den Himmel warf.
    Dieses ausgefranste Wolkenband sah aus, wie die zerklüfteten Kornaten, über denen es stand.
    Der Himmel antwortete in der gleichen Formensprache!
    Auch magisch.
    Wir rätselten, ob es sich bei der Ähnlichkeit der beiden Sonnenaufgänge nicht um Zauberei handelt, sondern dieses Phänomen durch die besondere Anordnung von Wassermassen und Landmassen zustande kam.
    Spekulation.
    Gern kann mich ein Fachmensch aufklären.
    Der Tag war schon weit vorgerückt, als wir unser Lager auflösten.
    Wir wollten in Sali, einer Großstadt für die regionalen Verhältnisse, einkaufen. Aber nur, um wieder zu kommen. Da wir nicht wissen konnten, wer tagsüber hier her kam, machten wir uns lieber unsichtbar um unsere Sachen nicht unbeaufsichtigt zu lassen.
    Die Fahrt nach Sali gestaltete sich, ja ich wiederhole mich, drückend heiß und machte mäßig Spaß.
    Zwar war das Wiedersehen mit der Ortschaft auch schön, doch wegen seiner Bedeutung fand sich hier alles ein, was zwei oder mehr Beine oder Räder hatte.
    Hier steppte echt der Bär.
    Die Schlange im einzigen Supermarkt, und es war wirklich einer, reichte bis auf die Straße.
    Den Laden selbst durchzog eine Kette von dicht gedrängten Menschen, die sich für das bevorstehende Wochenende mit oralen Annehmlichkeiten eindeckten.
    Aus einem menschenleeren, kosmischen Rund kommend, waren wir eher angewidert als begeistert, genossen kurz die Vorzüge einer Bäckerei und eines Eissalons und waren erleichtert, als wir wieder hinaus glitten in die Weite des blauen Unten und des blauen Oben.
    Es war so was von heiß und die Luft schien in Sali ebenfalls Schlange zu stehen.
    Schnell zurück zu unserem Luxus inkognito.
    Auf der Rückfahrt dachte ich mit Walter laut über die Einheimischen nach.
    Noch nie habe ich welche in ihrem eigenen Land paddeln gesehen. Tschechen und Polen und Deutsche schon.
    Ich möchte jetzt auch nicht bei Adam und Eva beginnen, und ja, wir Deutschen haben ja schon von Hause aus einen speziellen Blickwinkel auf das Selbstbewusstsein anderer Nationen.
    Aber vielleicht ist inzwischen eine Zeit angebrochen, wo wir gerade wegen unseres Päckchen und seinen Folgen, auch über den eigenen Tellerrand schärfer sehen können.
    Oder wenigstens manche von uns. Wünsche und hoffe ich jedenfalls.
    Ich vergegenwärtigte mir, wie jung diese Menschen waren, als hier Krieg herrschte.
    Wo sind die Alten und Kriegsversehrten?
    Gesehen habe ich eigentlich niemanden, an dem ich etwas ablesen konnte.
    Vor über zehn Jahren hatte ich auch zwei Kroatienaufenthalte.
    Damals konnte ich den Krieg noch wahrnehmen.
    In der Landschaft und in den Gesichtern der Menschen.
    Die ganze Literatur, die es für die Nachkriegsgenerationen gibt, spricht ja eine klare Sprache, was die psychologischen Auswirkungen von einem Krieg und seinen hinterlassenen Traumen bewirkt.
    Wie gingen die Menschen hier damit um?
    Ich hatte viele Eindrücke und viele Fragen...


    Sali

    APOKALYPSE NOW

    Sveti hatte Besuch gehabt.
    Das verriet eine zerschnittene Plastikflasche, deren abgetrennter Boden mit Süßwasser gefüllt war.
    Für Sveti, oder einen mitgebrachten Hund. Spurenlesen sozusagen.
    Es war nicht mehr allzu früh und Kochen viel heute aus, da wir in der Bäckerei ordentlich eingekauft hatten und schon ziemlich gesättigt waren.
    Der Himmel war schmierig und Walter schnitt eines unserer Dauerthemen an, die Wetterlage.
    Laut der alten Wetteranalyse war es jetzt soweit.
    Der 15./16./17.8. war gekommen und der Himmel bestätigte dies.
    Walter bearbeitete mich beharrlich, dass es doch besser wäre für den Fall eines Gewitters oder Regens, das Zelt zuvor aufgebaut zu haben.
    Klar kann ich das blind und im Dunkeln, aber die Mole war recht rau und im Hellen konnten wir besser unsere Planen sorgfältiger auslegen.
    Mir widerstrebte die Vorstellung an diesem fantastischen Ort ein Zelt aufzustellen um sich hineinzulegen, denn dadurch war ja die Sache mit der runden Magie dahin.
    Doch Walter tat gut daran mich zu bearbeiten, keine Ahnung wie er das machte mit seinem siebten Sinn.
    Er schaffte es mich davon zu überzeugen, dass es wirklich sinnvoll sei sich vorzubereiten, um nicht von Unbill überrascht zu werden.
    Wir suchten einen geeigneten Abschnitt auf der Mole aus, denn nur dort konnten wir ein Zelt aufbauen.
    Walter schlug sogar noch hervorstehende Steinkanten mit einem Felsbrocken ab, um die Fläche ebener zu bekommen.
    Die Folien wurden ausgelegt, die Planen darüber, ähnlich wie an unserem ersten scheußlichen Abend auf der Insel Veli Karmesujak.
    Wir überlegten wie das Problem der nicht zu benutzenden Heringe zu bewältigen sei und spannten die vordere Apsis, die zugleich Eingang ist, mit einem großen Ast ab, welchen wir zusätzlich mit Steinen beschwerten.
    Also, die Apsis stand schon mal gut.
    Aber das war´s dann auch schon.
    Weil die herumliegenden Steine hier ungefähr eine 100er Körnung hatten, wollte ich mit ihnen nicht so nah an mein Zelt heran. Denn sollte es windig werden, ist die Reibung einer 100er Körnung auf einer Zeltwand nicht gerade das, was der Hersteller empfiehlt.
    Also fädelten wir durch die Bodenschlaufen Walters große Heringe, mit denen er sonst seine Plane abspannte, ließen diese auf Gärung von den Zeltecken abstehen und versuchten sie mit Steinen zu beschweren, welche möglichst flächig auf einander lagen. Letztlich, so sagten wir uns, müssten wir das Zelt von innen aussteifen, wenn es schon nicht von außen abgespannt war.
    All unser Hab und Gut hatten wir in den Kajaks deponiert und nur das Nötigste ins Zelt gelegt.
    Es war ja ohnehin extrem warm. Meinen Schlafsack hatte ich schon gleich im Boot gelassen.
    Ihr wisst ja: Weniger ist mehr, noch weniger ist noch mehr, vor allem, wenn es darum geht, dass das Wenige trocken bleibt.
    Nach getaner Arbeit hatten wir bereits das erste Abenteuer hinter uns, so konzentriert andächtig waren wir in unser Tun versunken.
    Es lag Ernst über der Situation.
    Aber wir waren gerüstet. Jedenfalls so gut es unter den Umständen ging.
    Wir setzten uns etwas erhöht auf die große schräge Felsenplatte und betrachteten unser Werk. Und den Himmel.
    Die Atmosphäre war...magisch! Was wir sahen, stand den Naturkulissen im Film vom Herrn der Ringe in nichts nach.
    Eben wegen seiner besonderen räumlichen Aufteilung wirkte dieser Ort in der sich verdichtenden Luft und der fortschreitenden Dämmerung mehr über als natürlich.
    Und dann ging es los, das Wetterleuchten. So unglaublich schnell in der Taktung, doch noch ohne Akustik und atemberaubend schön.
    Es kam von Nordosten, also über links vor uns in unser Panorama herein.
    Ich kochte uns eine Suppe.
    Wir schauten...
    Ich kochte uns einen Tee.
    Wir schauten...
    Allmählich waren einzelne Blitze zu erkennen und auch Donner in der Ferne zu hören.
    Ich holte das Hochprozentige.
    Wir nippten an unseren Kaffeetassen, die selbstverständlich nur bodenbedeckt gefüllt waren.
    Wir schauten...
    Ich schenkte nach.
    Wir schauten...
    Und schenkte wieder nach.
    Wir waren völlig gebannt von dem näher kommenden Riesengewitter, bei dem es überhaupt keinen Sinn machte zu zählen, wieweit der Donner noch entfernt war, denn es waren so viele Blitze, dass man den Donner überhaupt nicht mehr zuordnen konnte.
    Glaubt mir einfach, dass ich hier kein Seemannsgarn spinne.
    Bekannte von mir, die ebenfalls Dalmatienerfahrung haben, bestätigten mir, dass diese Region für seine heftigsten Unwetter bekannt ist.
    Wie soll ich das beschreiben?
    Wir hatten Disko!
    Stroboskoplicht, schweren Industrial-Sound und Alkohol...
    Nein, im Ernst, es waren so viele Blitze, dass sich Tageshelle mit nächtlicher Dunkelheit rasch abwechselten und überlagerten.
    Nach einer Weile war das ziemlich anstrengend für unsere Augen und später für unseren Gleichgewichtssinn.
    Wir schauten... johlten... staunten... quietschten.
    Ich habe in dieser Nacht so unendlich oft dasselbe gesagt, aber mir fiel einfach nichts anderes zu diesem Ereignis ein:

    DAS IST UNGLAUBLICH

    Ein Bild ist mir besonders eindrücklich in Erinnerung geblieben.
    Genau uns gegenüber, wo morgens zuvor die Sonne aufstieg, ereignete es sich.
    Stellt Euch unser Panorama mit seiner unwirklichen Beleuchtung wie ein unterbelichtetes Dia vor.
    Das trifft es ganz gut.
    So wie in den alten Filmen, wenn im Außenbereich eine Nachtszene gedreht wurde.
    Man sieht beides, den Tag mit seinen Schatten und doch ist alles verdunkelt.
    Es war also weder Nacht noch Tag, denn von irgendwo beleuchtete immer ein Blitz das Meer und die Kornaten. Zurück zum Dia.
    Als würde eine Bestie das Zelluloid von hinten mit seinen Krallen abkratzen, gingen drei Blitze gleichzeitig und nahezu symmetrisch auf die Erde nieder, beschädigten das Dia und ließen die hellen Tageslichtstrahlen durch.
    Es ging uns wie den Naturvölkern. Wir glaubten an eine große Macht.
    Während die himmlischen Entladungen zur Erde nieder gingen und die Donner ohne Anfang und Ende um uns herum dröhnten, nippten wir unaufmerksam an unseren Tassen, schenkten uns nach und wollten uns nichts entgehen lassen von dieser Einmaligkeit. Ich möchte damit andeuten, dass wir nicht vorhatten uns zu betrinken, sondern dass es der Länge des Gewitters geschuldet war.
    Dann setzte der Regen ein.
    Walter und ich versuchten ins Zelt zu gehen und letztlich schafften wir es auch.
    Betrunken im Stroboskoplicht auf einer schiefen Ebene mit Schlaglöchern und 100er Körnung zu gehen ist echt nicht leicht.
    Wir legten uns auf unsere Matten.
    Der Wind setzte böig und wütend ein.
    Ich steckte meinen rechten Fuß in die untere rechte Zeltecke und meinen rechten Arm in die obere rechte Ecke, um das Zelt meinerseits auf dem Boden zu halten.
    Walter tat das Gleiche mit seinen linken Gliedmaßen auf der anderen Seite, nur, dass er zusätzlich noch seine gesamte linke Körperseite in die Bodenkante meines Zeltes drückte.
    Denn von dieser Seite kam das Unwetter.
    Stroboskoplicht, unablässiger Donner, prasselnder Regen, wütender Wind.
    Es war soweit.
    Walter und ich hielten Händchen.
    Ohne Schmarrn, wie meine bayrische Freundin zu sagen pflegt.
    Es war alles andere als romantisch inspiriert, es war ein Akt der Menschlichkeit.
    Obwohl der unglaublichen Kulisse durch das Zelt beraubt, entkamen wir dem Blitzlichtgewitter nicht.
    Es war anstrengend und beängstigend zugleich, obwohl wir immer wieder johlen mussten vom Überraschtsein.
    Als der Höhepunkt des Unwetters uns erreichte, setzten wir auch die übrigen Arme und Beine ein, um das Zelt zu sichern. Das war es dann schon mit dem Händchenhalten.
    Mein linkes Bein stützte die Kuppel des Zeltes und mein linker Arm hielt den Boden zwischen unseren Köpfen nieder.
    Walter tat ähnliches.
    Wir sahen aus, wie zwei riesige Käfer, die sich tot stellten und alle Viere von sich streckten.
    Es war trotz der gebotenen Gefahr und Dramatik so lustig - noch nie haben wir zusammen so viel gelacht.
    Anderntags meinte Walter, es war vielleicht ganz gut gewesen, dass wir betrunken waren, sonst hätten wir wohl wesentlich mehr Angst gehabt.
    Nun, ich für meinen Teil bin lieber nüchtern in kritischen Situationen, aber das konnte ich mir in dieser Nacht nicht mehr aussuchen. Wir lagen lange in der toten Käferstellung.
    Irgendwann ebbte der Wind ab. Das war sehr hilfreich, denn nun konnten wir wieder eine normale Körperhaltung einnehmen. Der Boden unter uns war nass vom Wasser, das durch die Zeltwände gekommen war.
    Doch auf unseren Isomatteninseln blieben wir einigermaßen trocken.
    Der Regen klang wie eine Standing Ovation.
    Wohl dafür, dass wir das Zelt so gut gesichert hatten während der heftigen Böen.
    Die Blitze begleiteten uns noch für geraume Zeit, bis sie wieder zu Wetterleuchten wurden, welches immer noch enorme Helligkeit besaß.
    Soweit das mein Blick Stunden später aus dem Zelt in Richtung Osten beurteilen konnte.
    Donner war, wer weiß woher, unablässig zu hören, als wollte sich die Bestie hinter dem Zelluloid nicht mehr beruhigen.
    Ich redete inzwischen mit mir selbst, wie unglaublich alles sei und dass ich es nicht mehr aushalten kann.
    Walter sang halblaut und unverständlich auf Englisch neben mir auf seiner Inselmatte.
    Der Regen ließ irgendwann nach und wir fielen trotz ständiger Erleuchtung und Paukenschlägen in einen traumlosen Schlaf.




    Das Gewitter hatte nach mehreren Stunden noch nichts von seiner Gewalt eingebüßt...
    Geändert von Suomalee (02.09.2015 um 13:29 Uhr)

  13. Gerne im Forum
    Avatar von Jonamu
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    AW: [HR] Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz

    #13
    Grandiose Beschreibung!!!!
    "Und stattdessen zwang ich ihn einen Joint zu rauchen, so groß wie’n Ofenrohr" Hannes Wader "Der Tankerkönig"
    "Dude warum fluchst du immer so viel?" "Was soll diese bekackte Frage?" The Big Lebowski

  14. Alter Hase
    Avatar von AlfBerlin
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    AW: [HR] Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz

    #14
    Danke für den Reisebericht.

    Zitat Zitat von Suomalee Beitrag anzeigen
    ... Ich steckte meinen rechten Fuß in die untere rechte Zeltecke und meinen rechten Arm in die obere rechte Ecke, um das Zelt meinerseits auf dem Boden zu halten. Walter tat das Gleiche mit seinen linken Gliedmaßen auf der anderen Seite. ... Walter und ich hielten Händchen. ...
    Das ist ja die denkbar ungünstigste Konfiguration, wenn ein Blitz in der Nähe einschlägt und Bodenströme auftreten.

    Vor Nachahmung wird gewarnt, siehe VDE-Merkblatt "Blitzschutz beim Zelten".

  15. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: [HR] Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz

    #15
    Ja Jonamu,
    ich hatte auch viel Spaß bei der Beschreibung des Gewitters!
    Soeben schreibe ich, ebenfalls mit breitem Grinsen am letzten Kapitel des Berichts, bevor mich die Arbeitswelt wieder verschluckt.

    Und an AlfBerlin:
    Ich habe nur beschrieben, was wir gemacht haben.
    Das Ganze ist auf keinen Fall eine Anleitung zur Nachahmung.
    Wir hatten weiter nichts zum Schutz vor den Blitzen.
    Im Zelt waren wir ausschließlich zum Schutz vor dem Regen!

    Das ist ja gerade der Grund, wieso Walter und ich wirklich richtig Schiss hatten.
    Im Nachhinein lässt sich natürlich mit Schmunzeln darüber berichten, doch die Situation war absolut gefährlich.
    Gut, Händchenhalten war noch falscher als falsch...
    Danke für das Merkblatt, es ist in jedem Falle lesenswert...

    ...und lieben Gruß, Lee

  16. Moderator
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    AW: [HR] Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz

    #16
    Du hast das Kätzlein tatsächlich mitgenommen?
    Oder habe ich da was falsch gelesen?
    Klar ist überhaupt nichts - aber das dafür umso deutlicher.

  17. Moderator
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    AW: [HR] Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz

    #17
    Großes Kino!

  18. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: [HR] Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz

    #18
    An Alle, die (s)ich gut unterhalten habe(n),

    ich lese diese Passage auch gern, weil die Situation so extrem extrem und gleichzeitig extrem absurd war.
    Da(s) lässt sich natürlich gut (be)schreiben.
    Schon in den Tagen danach überlegte ich, wie ich das Erlebte formulieren soll, damit es annähernd nachvollziehbar wird.
    Zum einen hatte ich meine schriftlichen Notitzen.
    Zum anderen hatte ich in der Endphase des Gewitters einen dreiminütigen Film mit meiner Kamera gemacht...
    und zu hause dann mit Ton gehört.
    Darauf sind weitere Details festgehalten, der klatschende Regen, mein Gelalle, Walters Singen, der Donner und das Wetterleuchten.
    Solche akustischen Zeugnisse sind sowohl Fluch als auch Segen...

    -------------->

    Du hast das Kätzlein tatsächlich mitgenommen?
    Oder habe ich da was falsch gelesen?
    Nein November, ich habe Sveti nicht mitgenommen, obwohl ich es natürlich bereue und die Vorstellung dass sie alleiine am Ende von Dugi Otok stitzt und der Winter kommt... gar nicht schön finde.
    Aber wir waren ja mit den Booten noch weitere sechs Tage unterwegs...

    Sie wärs gewesen, ich bin mir sicher, wir wären glücklich zusammen geworden.

    Lieben Gruß, Lee

  19. Erfahren
    Avatar von Suomalee
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    AW: [HR] Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz

    #19
    16.08.2015
    EINE KATZE UND ZWEI KATER


    Hasi sah scheiße aus

    Nicht nur uns ging es mau am nächsten Morgen.
    Auch Hasi sah scheiße aus.
    Sein Skalp war so dermaßen platt auf seinen Schädel gedrückt, als hätte die Bestie höchst persönlich das bisschen Fell an Hasi´s Hirn gebügelt.
    Nur, dass Hasi keinen Kater hatte.
    Wir dafür zwei. Und eine Katze obendrein.
    Aber wir hielten zusammen in den nächsten Stunden.
    Morgens aufgewacht holte ich alle nassen Sachen aus dem Zelt, während Walter noch schlief.
    Die Isomatte, mein Handtuch, welches mir als Kopfkissen dient, mein Tuch mit dem ich mich zudecke wenn es zu warm ist... alles klatschnass.
    Ich verteilte mein Hab und Gut auf den Felsenbändern, während Walter sich auf die Reise aus dem Zelt begab.
    Es klappte ganz gut bei ihm.
    Dann tat er es mir gleich und in kürzester Zeit sahen die Felsenbänder aus wie ein orientalischer Marktplatz.
    Gut, dass wir so viel Platz zur Verfügung hatten, denn die auseinandergefalteten Planen und Folien schluckten nicht wenige Quadratmeter.
    Ich befreite das Zelt von den noch rudimentär vorhandenen Befestigungen und nahm es mit auf die große Steinplatte zum Trocknen.
    Es stand das Wasser darin und es war etwas angesifft vom nassen Dreck auf der Mole, aber es schien heil zu sein.
    Gott sei Dank, oder Bestie sei Dank...
    Ich musste noch überlegen, an was ich, nach der gestrigen Initiation glauben sollte.
    Mein Instinkt riet mir zur schnellen Wiederherstellung des Zustands von vor dem Unwetter, denn nach dem Regen ist vor dem Regen, oder wie war das?
    Es ging ein Lüftchen und da ich ja bereits Erfahrung damit gesammelt habe ein lebendiger Hering zu sein, gab ich meinem Zelt den nötigen Support für eine zügige Trocknung.


    Support fürs Zelt

    Und ich tat gut daran.
    Obwohl Walter und ich geradezu verstört waren, wegen des Erlebten, unserer alkoholischen Entgleisung und deren Folgen, die wir allmählich realisierten, beobachteten wir das Wetter.
    Es zog sich schon wieder zu!
    Ich bekam gerade noch mein Zelt und die Isomatte trocken verstaut, da dräuten schon die nächsten Regenwolken über den Kornaten.
    Apropos Kornaten.
    Nach dem Unwetter taufte ich sie um in Granaten. Wir funktionierten automatisch, jedoch wenig zielstrebig.
    Wir hatten zwei ausgewachsene Kater, waren müde und mitgenommen und hatten genügend nasse Sachen, um uns berechtigt unwohl zu fühlen.
    Wie sollte das weiter gehen? Das Gleiche noch mal?
    Wir brauchten eine Alternative zu unserer Mole, am besten etwas, wo ein Zelt richtig aufgebaut werden kann.
    Oder besser noch, etwas mit einem festen Dach über dem Kopf.
    Wir mussten die restlichen Utensilien trocknen.
    Und wir mussten mal was essen.
    Zu alledem war mir übel, denn meine Galle hatte in der letzten Nacht ebenfalls ein Unwetter zu bewältigen gehabt.
    Wir waren ein Anblick des Jammers und Sveti gesellte sich zu uns.
    Irgendwer musste den Katzenjammer ja übernehmen. Unschlüssig wie wir waren, kamen wir einer konstruktiven Lösung für unsere Situation kein Stück näher.
    Dafür jedoch die Regenwolken aus den Granaten. Schließlich konnte ich Walter dazu bewegen, notdürftig einen Planenkatamaran mit unseren Booten zu errichten, damit ich zu vorgerückter Mittagszeit wenigstens ein herzhaftes Spätstück bereiten konnte.
    Man braucht einfach mal was im Bauch, um klar denken zu können.
    Da saßen wir nun verloren und fröstelnd unter der zugigen Plane und beobachteten unmutig den Himmel.
    Sveti hatte es sich inzwischen auch bei uns gemütlich gemacht und verdiente sich für ihre Übernahme des Teils mit dem Katzenjammer ein bisschen menschliche Nähe.
    Sie saß also mit auf meiner kleinen Sitzmatte.
    So, jetzt hat sie sich doch noch mal ins Bild gesetzt. Seufz...
    Wir überlegten verschiedene Optionen, die ich Euch im Detail erspare, viele Gedanken gingen nur im Kreis, der Kater und der Katze wegen.
    Was war, wenn wir das Lager hier auf gaben und in der kleineren Granatendurchfahrt um Asyl baten?
    Vielleicht hatte das Restaurant ja auch Zimmer zu vermieten? Und wenn nicht, wohin dann?
    Alles, was im Umkreis von 25 km lag, sah aus wie hier.
    Die Ausnahme zu finden, wäre der Suche einer Stecknadel im Heuhaufen gleich gekommen.
    Als wir gegessen hatten und unsere Paddeljacken wegen gefühlter bevorstehender Erkältung anzogen, hob sich unsere Laune plötzlich wieder und wir kamen in Aktion.


    Abschied von Sveti und Dugi Otok

    LECKER ABGEWETTERT

    Wir wuschen ab, packten alles ein und zogen los um unser Glück woanders zu ver-suchen.
    Es war eine eigenartige Stimmung auf dem Wasser.
    Alles roch so frisch und süß.
    Der Regen hatte für kurze Zeit die Herrschaft über das Salzwasser und gab den Ton an.
    Man konnte sich einbilden gar nicht auf dem Meer zu sein, sondern auf einem See. Hier stelle ich eine Überlegung an, die gern mitdiskutiert werden darf:
    Süßwasser ist leichter als Salzwasser.
    Kann es sein, dass nach einer großen Menge Niederschlag auf geschütztes und deshalb recht unbewegtes Salzwasser, für kurze Zeit die Süßwasserschicht obenauf liegt, bis die Bewegung beide Wasser vermischt?
    Ich hatte jedenfalls diesen Eindruck.
    Im gedämpften Licht und unter Regen erreichten wir die kleinere Durchfahrt zu den innenliegenden Teilen der Inseln Dugi Otok und den Granaten.
    Der Wirt stand am Steg und blickte missmutig in unsere Richtung.
    Offenbar war er über die aktuellen klimatischen Bedingungen auch nicht erbaut, denn es blieben wohl die Gäste aus.
    Wir versuchten unser Glück. Obwohl es sich schnell herausstellte, dass der Wirt und wir nicht dieselbe Wellenlänge hatten, bot er uns Quartier an.
    Wir waren erleichtert, denn nun konnten wir uns endlich entspannen.
    Und einmal richtig ausschlafen.
    Bald waren fast alle nassen Sachen in unserem kleinen Zimmer und in dem Bad verteilt, wir einmal lauwarm mit Süßwasser geduscht und hungrig auf ein richtig schönes Fischessen!
    Die Unfreundlichkeit des Wirts wurde durch die Wirtin ausgeglichen.
    Beim Bestellen des Essens überließ ich es ihr, uns das zu empfehlen, was aufgrund der vorhandenen Lebensmittel am besten zubereitet werden konnte.
    Wir sollten es nicht bereuen.
    Wir haben sooo lecker gegessen und dabei angenehm abgewettert.
    Es regnete im Grunde ständig mit kleineren Unterbrechungen.
    Wieder diskutierten wir die bereits verinnerlichte Wetterprognose von vor der Abreise.
    Gewitter und Regen am 15./16./17.8. Es sah echt so aus, als ob sie diesmal 100% stimmte.
    Das würde bedeuten, es gab morgen auch noch Regen!?
    Aber es bedeutete nicht, dass es den ganzen Tag regnen musste, oder doch?
    Wir gingen früh zu Bett und schliefen uns richtig aus. Morgens lag ich noch lange dösend im Bett, während draußen die Regengüsse sich die Klinke in die Hand gaben.
    Ich vervollständigte meine Aufzeichnungen.
    Und stellte fest, dass die Akkus meiner Kamera nicht in Ordnung waren.
    Wie schade, jetzt konnte ich nur mit Walters einfacher Unterwasserkamera weiter aufzeichnen.
    Ansonsten trödelten Walter und ich herum.
    Wir wollten unseren öffentlichen Auftritt so lange wie möglich heraus zögern, um keine Entscheidung treffen zu müssen.
    Was sollten wir tun? Wir waren ein bisschen traumatisiert.
    Schließlich gingen wir in einer Regenpause zum Frühstück und zogen dies in die Länge. Bestellten erneut Kaffee und inspizierten zwischendurch unsere Boote.
    Die Wirtin wartete uns außerordentlich mit einem Tellerchen gekühlter und selbstgepflückter Feigen auf.
    Wir waren wirklich gerührt.
    Dann riss der Himmel über den Granaten auf und wir fassten uns ein Herz und verabschiedeten uns.
    Die Wirtin stellte uns noch ihre Mutter und ihren Sohn vor, auch sie war ein wenig gerührt, warum bleibt der eigenen Fantasie überlassen...


    Der Himmel reißt wieder auf
    Geändert von Suomalee (03.09.2015 um 10:55 Uhr)

  20. Fuchs
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    AW: [HR] Zum Donnerwetter mit dem Seekajakherz

    #20
    Zitat Zitat von Suomalee Beitrag anzeigen
    Hier stelle ich eine Überlegung an, die gern mitdiskutiert werden darf:
    Süßwasser ist leichter als Salzwasser.
    Kann es sein, dass nach einer großen Menge Niederschlag auf geschütztes und deshalb recht unbewegtes Salzwasser, für kurze Zeit die Süßwasserschicht obenauf liegt, bis die Bewegung beide Wasser vermischt?
    Ob da wirklich die Menge an Regenwasser reicht, vermag ich nicht zu sagen.

    Wir waren gerade ein paar Kilometer von Eurem Einsatzgebiet weg, genauer gesagt: Am Fuße des Skardinski Buk-Wasserfalls des Krka Nationalparks (Ferienhäuschen in der Wildnis als Ausgangspunkt für Tageswanderungen). Dort treffen die Wassermassen der Krka mit dem Adriawasser zusammen. Und zwar im Sommer unmittelbar nach dem Wasserfall, bei viel Wasser ein paar Kilometer weiter Richtung Meer. Dabei vermischen sich Salzwasser der Adria und Süßwasser der Krka nicht, sondern das leichtere Süßwasser bildet eine obere Schicht von zunächst 2 - 7 Metern - das Meerwasser spült darunter in entgegengesetzter Richtung. Natürlich beginnt einige Kilometer später zur Adria hin eine Vermischung. Unser Hund hat das Wasser rein geschlabbert; das Wasser hat wirklich keinerlei Salzgehalt. (Das Ganze spielt sich hier an dieser Stelle ab; der Wasserfall liegt rechts, ca. 3 km weg.)
    Geändert von PWD (03.09.2015 um 14:12 Uhr) Grund: Bild Link gesetzt

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