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  1. [ES] E4/GR 92 - Immer die Costa Dorada entlang

    #1
    Mitreisende: Werner Hohn
    Land: Spanien
    Reisezeit: März 2012
    Region/Kontinent: Südeuropa

    E4/GR 92 – Immer die Costa Dorada entlang

    Siebzig Kilometer Badeschlappentouren* auf dem Europäischen Fernwanderweg E4

    Die Costa Dorada ist im Laufe der Jahre geschrumpft. Die Goldküste ist ergeblich kürzer geworden. Fing sie vor Jahrzehnten noch an der Costa Brava an, muss sie sich heute mir sehr viel weniger Küstenlinie begnügen. Grob gesehen, ist ihr nur noch die Küste zwischen dem Ebrodelta und dem Garrafgebirge geblieben. Zwischen L'Ampolla ims Südwesten und Calafell im Nordosten. Spanische Lokalpolitiker haben schon vor Ewigkeiten erkannt, dass eine eigene Küste ihnen gut zu Gesicht stehen würde. Kurzerhand haben die Touristiker Kataloniens ein paar neue Küsten für die Urlauber geschaffen. Die Costa de Maresme zwischen Barcelona und der Costa Brava und die Costa del Garraf auf der anderen Seite der Stadt, haben ganz schön an der Costa Dorada Raubbau betrieben. An die Maresme fährt kein Urlauber aus dem Norden, es sei denn, er gibt sich mit Strand und Lärm zufrieden. An die Garraf fahren auch nicht so viele, schon alleine, weil die mit noch nicht mal fünfzig Kilometer Küste nicht viel Platz hat. Obwohl, wenn man ehrlich ist und Hinterland und Küste in einen Bewertungstopf kippt, die Garraf nicht schlecht abschneidet. Einsame Berglandschaft und zwei alte Städtchen vorne am Strand, das hat schon was.

    Der Dorada sind die langen Sandstrände geblieben. Goldgelb unterschlage ich bewusst. Und die vielen Campingplätze und Tarragona und ein Vergnügungspark und das zunächst flache, dann schnell bergig werdende Hinterland. Und der GR 92 ist der Costa Dorada geblieben. Um die Küstenlinie der Maresme macht der Wanderweg einen großen, großen Bogen, weil Barcelona durchs Landesinnere umgangen werden muss. An das Meer kommt der als katalanischer Küstenwanderweg angelegte GR 92 erst wieder nach Durchquerung des Massís de Garraf, jenem unerwartet menschenleeren Gebirge am Rande der katalanischen Metropole. Danach beginnt die Costa Dorada.

    Im März wollten wir die ganze Küste entlang wandern. Das Meiste kannten wir schon, doch da war immer noch die eine oder andere Lücke. Zudem wollten wir unsere spanische Küstenwanderung fortsetzten, die wir ein Jahr zuvor an der Costa Brava begonnen hatte. Geplant war, der Küste Etappe um Etappe nach Süden weiter zu folgen. Jeden Tag woanders. Jede Nacht ein anderes Bett, ein anderer Campingplatz. Kurz vor dem Aufbruch sind wir auf die Idee gekommen, dass es an der ganzen spanischen Mittelmeerküste nicht wieder so einfach sein wird, das aus einem festen Quartier zu machen. Die Bahnlinie Barcelona - Valencia ist immer in Reichweite.

    Gewandert sind wir dann nicht systematisch. Nicht Etappe nach Etappe. Nach Lust und Laune und nach Wind und Wetter, sind wir gewandert. Dass wir nicht so weit gekommen sind wie geplant, könnte ich jetzt ganz einfach auf meine Frau schieben. Doch leider war ich so blöd, meine Wanderschuhe wie immer locker zu schnüren,. Seit ewigen Zeiten schlapp' ich so durch die Gegend. Hat immer geklappt. Ganz früher in den Alpen, im Flachland, auf Pfaden und Straßen. Diesmal nicht. Zweimal bin im Schuh umgeknickt. Zweimal hintereinander. Immer bei leichten Klettereinlagen am Strand. Was mir mit Badeschlappen nie zugestoßen ist, machten auf dieser Wanderung Wanderschuhe möglich. Mit Badeschlappen wäre ich vorsichtiger gewesen. Nichts gegen Wanderschuhe. War mein Fehler. Wenn'se nicht richtig geschnürt sind, ist es 'ne trügerische Sicherheit. Dumm war nur, dass deshalb der Garraf gestrichen werden musste. Das Umknicken war so heftig gewesen, dass ich noch Monate später eine geplante lange Wanderung gegen eine Radtour austauschen musste. Doch immerhin haben wir nun bis auf ganz wenige Kilometer die Küste der Costa Dorada erwandert.

    Der Reisebericht ist zwar in geografischer Reihenfolge sortiert, das jedoch nur, weil er sich so besser verfolgen lässt. Gewandert wurde mal so rum und mal anders rum. Mal mit Sonne im Rücken, mal mit Sonne im Gesicht. Die eine oder andere Strecke sind wir im Laufe der Jahrzehnte ein Dutzend Mal gewandert. Früher wussten wir nicht, dass es sich um einen Fernwanderweg handelt. Es waren halt Strandwanderungen, oft sehr lange. Auf der Strecke zwischen Cambrils und L'Hospitalet de l’Infant können wir vermutlich mit geschlossenen Augen am Meeresrauschen erkennen, in welcher Bucht wir uns gerade befinden. Obwohl wir auch dieses mal wieder dort gewandert sind - um das Wort "Strandspaziergang" zu meiden -, gibt es von diesem Abschnitt des GR 92 keine Fotos in diesem Wanderbericht. Dort schleppe ich schon lange keine Kamera mehr mit.

    *Ernst gemeint ist das selbstverständlich nicht.



    Daten von OpenStreetMap - Veröffentlicht unter ODbL

    Die Etappenübersicht von Nordost nach Südwest:

    Altafulla – Tarragona 13 km
    Einer der Camins de Tarragona. In Gegenrichtung gewandert.

    Salou – Cambrils 8 km
    GR 92: feec.cat - Karte, GPS und Beschreibung

    Cambrils - L’Hospitalet de l’Infant 14 km
    GR 92: feec.cat - Karte, GPS und Beschreibung

    L’Hospitalet de l’Infant - L'Ametlla de Mar 23 km
    GR 92: feec.cat - Karte, GPS und Beschreibung. In Gegenrichtung gewandert.

    L'Ametlla de Mar – L'Ampolla 17 km
    GR 92: feec.cat - Karte, GPS und Beschreibung.


    Von Tarragona nach Altafulla: Der GR 92, der kein GR 92 ist, doch der bessere GR 92 sein könnte

    Gibt es bessere Wege hinaus aus Tarragona als das, was der Katalanische Bergsteigerverband sich zusammengereimt hat? Beim Blick in die Wanderkarte ist diese Frage unausweichlich. Der GR 92 und der GR 172 führen gemeinsam aus der Stadt raus. Während der GR 172 ziemlich bald ziemlich zielstrebig nach Norden ins Priorat führt, macht der GR 92 Dummheiten. Es könnte sein, dass sich bei den Wegemachern die Meinung durchgesetzt hatte, spanische Autobahnen seien einen Blick wert. Immerhin wurde der Wanderweg extra zu den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona ins Leben gerufen. Daher die Nummer 92. Fortschritt, Technik, das moderne Spanien wollte sich der Welt zeigen. Bis zum Blick auf Autobahnen ist es dann nicht mehr weit.

    Ohne Umschweife strebt der GR direkt auf zwei Autobahnen zu. Auf die A-7 und die AP-7. Die eine kostet nichts, die andere Maut. Vier Fahrbahnen haben beide. Macht in der Summe acht! Um der Sache die nötige Würze zu geben, zwängt sich der GR 92 für einige, wenn auch wenige Kilometer, zwischen die beiden Autobahnen. Es ist nicht so, dass die Straßenplaner die kilometerweit auseinander gebaut haben. Praktisch führen die nebeneinander her. Dazwischen haben die Wegemacher den GR 92 gequetscht. Immerhin hat das eine praktische Seite: verlaufen ist nicht möglich und wenn man Hilfe benötigt, muss man sich nur über die Leitplanke schwingen und auf dem Standstreifen warten, bis die Polizei kommt.


    Die Platja Larga

    Schon ein flüchtiger Blick in die Wanderkarte langt, um die Idee, sich einen besseren Weg entlang der Küste zu suchen, für die beste aller Ideen zu halten. Die unendlichen Industriegebiete sind alle im Westen der Stadt, nach Osten ist alles frei. Schmale Strandsiedlungen zählen nicht. Dann mal auf, auf den neuen Weg entlang der Küste. Vom Busbahnhof hinauf in die Altstadt. Das römische Amphitheater ist uns nur einen Blick von weit oben wert. So etwas hat man in der Heimat rumstehen. Nach wenigen Minuten die Ausfallstraße hinunter, liegt die Stadt hinter uns. Wir sind am Stadtstrand. Die Platja de l'Arabassada ist um diese Jahreszeit alles andere als bevölkert. Ein Trampelpfad steigt hoch zum Antic sanatori de la Savonosa. Was für eine Lage! Wenige Meter über dem heute träge heran rollenden Mittelmeer und doch Ruine. Ein hoher Zaun verwehrt den Zutritt. Das wäre mal eine Lage für ein Krankenhaus, viel besser noch, als die des Hospital Sant Joan de Déu in Palma de Mallorca! Leider ist das Gemäuer hier unrettbar verrottet.

    Unterwegs tauchen die ersten neuen Wegpfosten und Schilder für die neuen Wanderwege rund um Tarragona auf. Neue Geländer stehen auch schon. Wo früher gefahrlose Spaziergänge möglich waren, macht man sich heute Sorgen um Wanderer, die ins Meer fallen könnten. Mein Güte! Wir sind nicht alleine unterwegs. Der Weg scheint beliebt zu sein. Ausgetreten ist der schon seit ewigen Zeiten. Jenseits der Bahnlinie reiht sich Vorortssiedlung an Vorortsiedlung. Diesseits ist Natur. Das Hinterland der Platja Larga gehört den Campingplätzen. Noch sind keine Gäste da. Vor den Mietzelten und -häusern stehen nagelneue Kühlschränke. Ein Radbagger schiebt den Unrat des Winters von den Wegen. Der Strand ist wirklich groß. Das andere Ende ist im Dunst nur zu erahnen. Hinten raus, da wo der Strand in die Steilküste über geht, sind wir wieder alleine.


    Platja Calam Fonda bis zum Torre de la Móra

    Dichtes Kiefergestrüpp schiebt sich bis an den Saum der Klippen. Trampelpfade, einige so schmal und niedrig, dass wir uns unters Gebüsch bücken müssen, führen zum entlegenen Sandstrand in der Bucht Platja Calam Fonda. Unten liegt ein Mann. Nackig wie die meisten, die hier übers Jahr baden. Wir hangeln uns weiter durchs Dickicht. Oben wird der Bewuchs lichter. Auf sandigen Wegen unter hohen Kiefern weiter der Küste folgen ist einfach. Noch einmal hinab in eine einsame kleine Bucht. Es ist die Cala de Becs. Ein Gruppe Studenten mit ihrer Dozentin läuft uns über den Weg. Man studiert Tourismus. Leute, lasst eure Finger von den Buchten!

    Weiter die Küste entlang lässt man uns vorerst nicht. Ein Campingplatz, der sich rund um das Anwesen des Torre de la Móra breit macht, hat die Küstenlinie okkupiert. Immer am hohen Drahtzaun entlang, vorbei am Videokameras, gehen wir. Es wird schon wieder ans Meer hinunter gehen – irgendwo. Wir kommen in La Móra wieder ans Meer. Die Feriensiedlung ist hässlich. Ein Restaurant ist geöffnet. Das ein oder andere Auto ist zu sehen. Durch die Straßen wehen Plastiktüten. In den Ecken liegt Dreck. Wir müssen hinauf auf den Hügel, auf dem sich eine geile Villa unter hohen Bäumen versteckt. Zu sehen ist nicht viel, eigentlich nur der Betonkasten mit einem Panoramafenster zum Meer hinaus. Für das Fenster alleine, könnte man hier runter umziehen.


    Burg von Tamarit

    Immer noch begleiten uns die glänzend gelben Schilder des neuen Wanderwegs. Ein bisschen einfaches Kraxeln noch, dann schiebt sich die Burg von Tamarit ins Bild. Was nehmen? Die Burg, die Villa? Beides? Herum um die Burg, dahinter versteckt sich ein Campingplatz, ein spanischer, wie es aussieht. Überall wird gegrillt. Hunde toben über den verlassenen Strand. Dort wo der Sand ins Schilfgras über geht, steht ein alter Wegweiser für den Cami dels Castells del Baix Gaià. Bis zum Castell de Ferran sind es noch 2,1 km landeinwärts. Einige Meter weiter würden wir auf den GR 92 treffen. Das wäre sie also, die bessere erste Häfte des GR 92 aus der Stadt raus, Richtung Osten. Für heute reicht es. Wir nehmen den Zug für die Rückfahrt nach Tarragona. Das wäre er also, der bessere GR 92 aus der Stadt raus.

    Von Salou nach Cambrils: Promenadenwandern

    Zwischen Salou und Cambrils

    Was sollen wir hier tun? Platten zählen? Die Länge der Fugen addieren, vom Zentimeter hoch zum Meter? Enden würde es bei Kilometern. Und überhaupt: Wollen wir hier wandern? Wir unterlassen das, wir spazieren, flanieren; machen das, was alle hier machen. Wir gehen einfach die Promenade entlang. Immer am Mäuerchen entlang. Acht Kilometer wird dieses lang sein. Trotz alledem: Ab Salou lässt es sich wieder auf einem Fernwanderweg wandern. Promenade hin oder her. Extrem viel schlimmer, eigentlich unmöglich, ist der Weg von Tarragona nach Salou … Muss man das wandern? Soll man sich das erwandern? Mehrfach sind wir mit dem Bus die Strecke entlang gefahren.

    Die Buslinie von Cambrils nach Tarragona fährt den GR 92 ab. So gut wie alles. Was man aus zerkratzen, dunkel getönten Busscheiben zu sehen bekommt, lässt einen zweifeln. Ist wirklich keine andere Wegführung möglich gewesen? Müssen die endlosen Industriegebiete, die Raffinerien, die Chemiefabriken, die ungezählten Hallen mit kleinen und kleinsten Klitschen mitgenommen werden? Die Industriegebiete sind so groß, die Öltanks so zahlreich, dass sie auf der 50.000er Karte mehr Platz einnehmen, als die Stadt. Haben sich dort wo eine schönere Wegführung von der Landschaft möglich sein müsste, zu viele Golfplätze angesiedelt? Wer weiß das schon. Überall auf dem GR 92 haben wir immer wieder Wanderer getroffen. An der Costa Brava und an der Costa Dorada, einzig nicht auf dem Stück zwischen Tarragona und Salou. Dort scheinen sogar eingefleischte Katalanen auf Küstenwanderung zu passen. Egal aus welchen Fenstern wir auf den Verlauf des GR dort geschaut haben, Wanderer haben wir nie gesehen, auch keine Markierungen. Ja, waren und sind wir uns immer noch sicher, Tarragona-Salou macht man mit dem Bus, Taxi oder Fahrrad. Bei den Strecken, die wir schon in Südeuropa gewandert sind, soll das was heißen.

    Farbenfroher Leerstand

    Ab Salou geht es wieder, ist der Wanderweg zu ertragen. Wenn man einem am Strand und der Promenade entlang flanierenden Menschen sagen würde, dass er auf einem Weitwanderweg sich die Füße vertritt, würde jener das nicht glauben. Auf der einen Seite das Meer mit dem Sandstrand, auf der anderen Seite die Grünanalgen und die Straße am Meer vorbei. Dahinter die geschlossene Reihe mit den Ferienwohnungen, Hotels und Kneipen. Wer Salou zu Fuß verlässt, wird merken, dass nach und nach die Promenade zwar nicht schöner, nicht gepflegter wird – gepflegt ist die sowieso -, doch die Häuser werden schöner je näher Cambrils rückt. An Neubauetagen hängen schon wieder Transparente auf denen Appartements für 800.000 und mehr Euro angeboten werden. Immobilienkrise? Auf dem Transparenten jedenfalls nicht. Selbstverständlich ist Cambrils kein verträumtes Hafenstädtchen mehr, doch es ist immer noch ein spanisches Städtchen. Von Salou lässt sich das nur unter Bauchschmerzen sagen. Salou kann man ausreißen und an einem beliebigen Mittelmeerstrand mit Massentourismus wieder einpflanzen. Auffallen würde das dort keinem.


    Cambrils

    Cambrils also. Ein gepflegter Yachthafen. Eisdielen, Klamottenläden und vorne am Kreisverkehr, dort wo die Touristeninfo residiert, finden sich an sonnigen Tagen auch im März schon die Leute ein, die dort die ganze restliche Saison zu sehen sein werden. Menschen, die sich irgendwo wiederfinden im von Mama aufgebügeltem Armani der vergangenen Saison und dem Roleximitat vom afrikanischem Entrepreneur mit Niederlassungen am Strand.

    Im Sommer haben wir das Städtchen noch nie besucht. Selbstverständlich werden wir das niemals tun. Vorläufig jedenfalls. Wer weiß, es könnte ja doch nur ein minimal besseres Salou sein. Zwei Dinge stehen unumstößlich fest, damit hebt sich Cambrils von dem Nachbarn ab: es gibt bessere Restaurants in Cambrils und die Deutsche Bank hat in der Ortsmitte eine Filiale. In Salou würden die keine aufmachen.

    Von Cambrils nach L’Hospitalet de l’Infant: Alles wie immer

    Aus Cambrils raus führen eine Promenade und ein Radweg. Der Radweg biegt am Ende hoch zur Straße ab. Die Promenade endet an einen trockenen Bachbett. Am Ende der Promenade machen alle Urlauber kehrt. Nur wenige gehen weiter, folgen der Küste. Warum? Fehlt ein erkennbarer Weg? Schreckt der mit dicken Kiesbrocken übersäte Strand? Dabei ist es so einfach. Immer am Wasser entlang. Wer aufmerksam ist, sieht sogar die Markierungen des Wanderwegs. An Abzweigen stehen von der Sonne gebleichte grüne Wanderwegweiser, wie sie überall am GR 92 stehen. Vorne, Richtung Sonne, sind die immer blasser geworden. Manchmal bleibt nur Rätselraten, oder der Blick auf die Rückseite der Wegweiser. Hinten kommt die Sonne nicht hin. Hinten steht alles sauber Weiß auf Grün. Wohin, wie lange. In diese Richtung, in die andere Richtung. Kein Problem.

    Angler bevölkern im zeitigen Frühjahr die Strände. Herren über lange Reihen in den Himmel wachsender langer Angelruten. Die Herren sitzen bei Dosenbier und Zigarette im Campingstuhl in Grüppchen zusammen. Zwischendurch eine Feriensiedlung, die es nur zu den Straßen geschafft hat. Die Baugenehmigung hat gefehlt. Schon lange holt sich die Natur das Areal zurück. Am schnellsten ist das Meer. Der nahe ans Wasser gebauten betonierten Promenade gebe ich nicht mehr lange. An der Punta de la Pixerota verlässt der GR die Küste. Für zwei Stunden geht es durch das langweilige Hinterland. Dort steht das Bauernhaus in dem der Maler Miró aufgewachsen ist. Das Bauernhaus steht direkt neben der Autobahn. Kein Mensch macht den Umweg durch das Hinterland mit. Wir? Nee, wofür? Es ist so einfach, dem Strand zu folgen.

    Campingplätze sind ständige Begleiter auf diesem Abschnitt. Einer nach dem anderen erwacht ab März aus dem winterlichen Dornröschenschlaf. Holländer, Belgier und Deutsche stehen schon vorne in den ersten Reihen hinter dem Strand. Ein paar spanische Dauercamper sind ebenfalls schon da. Vorzelte werden aufgebaut, Grills befeuert, Kinder toben über die Wege. Erst im Herbst wird das enden. Dann packen alle ihren Kram, und freuen sich aufs Frühjahr, wenn man wieder auf den Campingplatz ziehen kann. Die billigen Campingplätze strahlen den Reiz innerspanischer Lkw-Rastplätze aus. Die teuren haben Palmen. Die Campingplatzbetreiber der teuren Plätze haben Probleme mit den immer heftigeren Winterstürmen. Ihre Plätze sind so weit an den Strand vorgeschoben, dass jedes Frühjahr Sattelschlepper Sand ankarren, damit die Urlauber den Strand vorfinden den sie erwarten und für den sie letztlich auch zahlen.

    Im März hält sich der Ansturm sonnenhungriger Badeurlauber noch sehr in Grenzen, Wir sitzen oft rum, machen Pausen, tun nichts, schauen aufs Meer, in den Himmel, hören dem leisen Flüstern der Wellen zu. Die flüstern nur wenn tagelang kein Wind weht, wenn weit draußen die Stürme fehlen. Wo der Sand grobkörniger wird, wird das Flüstern etwas lauter. Beim Zurücklaufen hört das sich an wie Panniermehl, wenn es aus aus der Packung rieselt.

    Schon jetzt liegen die ersten wenigen Urlauber am Strand. Die aus dem Norden in Badehosen. Spanier bevorzugen noch dicke Jacken. In der Sonne ist es warm. Wann man nach Hause kommt, wird man sagen, es sei heiß gewesen. Baden tun noch nicht einmal die Wagemutigen. Kinder begnügen sich mit dem Bau von Strandburgen oder schaufeln tiefe Kanäle in die Sand, die unten am Wasser enden. Häfen, deren Funktionsdauer mit dem Einsteigen der ersten Wellen enden werden. Jetzt also.

    Im Zickzack, in Schlangenlinien, durch die sehr hässlichen Feriensiedlungen, die unter dem Namen Miami Platja ein gemeinsames Dach gefunden haben. Wir sind schon so oft hier durchgelaufen, dass uns sogar kleine Veränderungen auffallen. Zwischen der ersten Reihe der Appartementhäuser und der zweiten mit den Geschäften, verläuft die Bahn. Alle Stunde rauscht ein Zug durch. Alles Personenzüge. Hier unten an der Küste hat die Spanische Bahn keine Güter zu transportieren. Früher kamen schon mal Züge mit Neuwagen von Ford die Küste hoch. Das Werk in Valencia produziert immer noch. Wie kommen die Autos da weg? Mit den Autotransportern der Spediteure? Über diesen Unsinn denken wir an diesem Tag lieber nicht nach.

    Keine Fotos von dieser Strecke? Spanische Spaziergänge von 2010.

    Von L'Ametlla de Mar nach L’Hospitalet de l’Infant: Neben der Autobahn zum Meiler

    Pünktlich hat ein Beamter der Spanischen Bahn seinen Fahrkartenschalter geöffnet. Es sind nur wenige, die an diesem Morgen eine Fahrkarte brauchen. Kurz vor Ankunft des Zuges hat er den Schalter wieder geschlossen. Er muss sich um das sichere Einsteigen der Passagiere kümmern. Wer jetzt auf den letzten Drücker eine Fahrkarte benötigt, hat Pech. Oder weiß der Bahnmensch, dass alle, die immer um diese Uhrzeit in den Zug steigen, schon auf Bahnsteig sind? Nur meine Frau und ich scheinen fremd zu sein. Pünktlich fährt der Zug ab. Wir werden rückwärts wandern. Mit dem Zug nach L'Ametlla und von dort zurück zum Auto am Bahnhof von L’Hospitalet


    Am Punta de Cala Mosques

    L'Ametlla de Mar ist ein bisschen verbaut, doch, oh Wunder!, zum Meer raus schöner als die Landseite erahnen lässt. Liebhaber mediterranen Nacht- und Partylebens sind in dem Ort am falschen Platz. Mehrstöckige weiße Häuser stapeln sich um-, in- und übereinander. Kein wirklich schönes Stadtbild. Normal halt. Platz für gesichtslose Reihenhotels war anscheinend Mangelware. Oder liegt es am nahen Atomkraftwerk, dass die Hotelkonzerne einen Bogen um diesen Teil der Costa Dorada gemacht haben?


    Castell de Sant Jordi d'Alfama

    Laut Wanderkarte führt der GR 92 fürs Erste immer durch die urbanizaciónes, die spanische Version unbewohnter Reihenhaussiedlungen. Immer die lange Verbindungsstraße zwischen den Häusern entlang. Von einer Siedlung in die nächste. Nicht weit davon, ich sag' mal, ein Steinwurf weit weg, rauscht die Autobahn. Nein, das ist nun wirklich übertrieben. Um diese Jahreszeit rauscht da noch nichts. Schöner wird diese Etappe deshalb dann doch nicht. Autobahn, AKW, Reihenhaussiedlungen, eine große Straßenbaustelle … musste das? Ja, es sei denn, der geneigte Wanderer ist bereit Höhenmeter ohne Ende in schattenloser Landschaft abzureißen. Das wäre möglich. Alles Unangenehme wäre weg, ausgeblendet. Saumäßig anstrengend wäre das. Das Meer wäre auch weit weg. Nein, nicht? Ja, dann nichts wie runter an die zerklüftete Küste mit der Autobahn im Rücken. Sandstrände kommen übers Strändchen nicht hinaus. Buchten schrumpfen zum schmalen Einschnitten. Kiefernwäldchen, die nur der Form halber den Namen Wald verdienen, klammern sich an rotbraunem Stein fest. Wald braucht halt Platz, damit es ein Wald ist. Platz ist an der Küste Mangelware. Ja, wenn die verdammeleite Autobahn nicht wäre. Weiterjammern hilft nicht wirklich weiter.

    In Calafat

    Irgendwer hat sich ein Herz genommen, dazu zwei Farbpötte in die Hand und den Weg verlegt, indem er Markierungen gemalt hat. Direkt an an Wasser vorbei, noch vor die Mauern der Ferienhäuser, leiten uns die weißroten Markierungen. Von wegen Straße durch die Siedlung. Es dürfte kein Problem sein, sich die Begeisterung der Villenbesitzer vorzustellen. Allzu oft sieht man auf ihre Pools. Gelegentlich müssen wir kraxeln, öfter den Weg hinter Grünschnitt suchen. Es scheint beliebt zu sein, den Trampelpfad mit Grünschnitt unkenntlich zu machen.

    Die heutige Strecke hat drei Höhepunkte.: Die Aussicht vom Balaguer auf L'Hospitalet, das AKW Vandellòs II und die Mauern vom Castell de Sant Jordi d'Alfama. Alle drei sind wie das Wetter heute, durchwachsen. Mal Sonne, mal Wolken, mal grauer Himmel. Sonne und Burg. Wolken und Aussicht. Grauer Himmel und AKW.


    L'Amadrava und sein Nachbar

    Calafat … oh-je. Wie lässt sich "Friedhof" steigern? Unerwartet schön ist L'Almadrava. Kleine Häuser, die in Landschaft passen. Keine mit dem Lineal gezogenen Straßen. Mit der Zeit, mit den Bedürfnissen der Anwohner, gewachsene Wege. Keine Läden. Das Dorf ist umgeben von Olivenhainen und Trockenmauern. Wenn nur das Atomkraftwerk nicht wäre. Jeder Blick auf das Meer bleibt am Betonturm des Meilers hängen. Ungemütlich. Ob die Häuser hier preiswert sind? Noch ein letzter Blick zurück auf Dorf und Meiler, bevor der Wanderweg auf der anderen Seite der Autobahn und der N-340 verschwindet. Die Nationalstraße ist eine der längsten Straßen Spaniens, wenn nicht sogar die längste. Von Càdiz immer die Küste entlang bis nach Barcelona. Mehr und mehr wird die Straße wie eine Autobahn ausgebaut. Kostenlose Nutzung ist selbstverständlich. Die kostenpflichtige Autobahn daneben wird subventioniert. Bis auf wenige Wochen im Jahr ist die Autobahn so gut wie leer. Spanischer Bauwahnsinn.

    Ungemütlich

    Warn- und Verbotsschilder verfolgen uns. Ob dahinten in der Wachzentrale Wachleute vor Monitoren sitzen und uns zuschauen? Ich bin mir sicher, dass es so ist. Vorsichtshalber drehe ich beim Pinkeln dem Kraftwerk den Rücken zu. Der Weg ist nicht schön. Teilweise ist der neu geschoben. Viel zu oft bewegen wir uns zwischen der Autobahn und einem dicken Wasserrohr. Die Verbotsschilder bleiben erst auf der Anhöhe hinter dem Kraftwerk zurück. Tief hat sich die Nationalstraße in den Berg eingeschnitten. Vor Jahren sind wir noch über den Berg gefahren. Oben, da wo wir wandern, ist man noch nicht ganz fertig. Orange Plastikbaustellennetze weht uns der Wind zwischen die Beine. Das hier oben wird nie fertig werden. Die ersten neuen Leitplanken sind schon geklaut. Am Boden liegen noch die Muttern neben den nun nutzlosen Pfosten, die wahrscheinlich zu tief im Boden stecken um auch die noch zu klauen.


    L'Hospitalet de l'infant, Miami Platja

    Ein Stück weiter überqueren wir zum letzten Mal die N-340. Wir müssen auf den letzten Hügel vor L'Hospitalet. Das ist der Balaguer. Dort oben haben wir vor Jahren mit dem Auto gestanden und aufs Meer geschaut und uns überlegt, ob es möglich ist, die ganze Küste entlang zu wandern. Im Gegensatz zu heute war das ein klarer und heller Herbsttag. Weit konnten wir sehen. Heute zerfällt die nach Norden flache Küste in eine unschöne graue Da-will-ich-nicht-hin-Welt. Dort oben, irgendwo im Gestrüpp versteckt sich eine kleine Messingplakette auf der ein Frauennahme steht. Es sei ihr Lieblingsplatz gewesen, einer wo sie glücklich war. Ob ihre Asche unter der Plakette liegt? Es wäre ein schöner Platz. so nahe am Meer.


    Von L'Ametlla de Mar nach L'Ampolla: Da wo die Küste nur Küste ist - meistens

    Im Port de l'Estany

    Der Tag verspricht warm zu werden. Wolkenloser Himmel. Blaues, in flachen Buchten türkises Wasser wird und begleiten. Das verspricht der Prospekt den einen die Touriinfos hier in die Hand drücken. Am Kai liegen neue Fischtrawler in Reih und Glied hintereinander. Alle sehen gleich aus. Gleich neu, dasselbe Modell. Kein Fischer ist zu sehen. Das sind keine, die nur nachts rausfahren, um ihre Leinen und Körbe einzuholen. Die bleiben länger draußen.


    Port de l'Estany

    Es sind nicht viele Schritte bis wir aus L'Ametlla raus sind. Der alte Hafen Port Estany Gros versandet mehr und mehr. Der Hafen ist flach, einer der wenigen Naturhäfen an dieser Küste. Anlaufen konnten den nur Boote mit minimalem Tiefgang. Heute wird der Hafen kaum noch genutzt. Ein alter Fischer repariert seine Netze. Einen Steinwurf vor der Hafeneinfahrt hocken zwei Männer auf ihrem Fischerbötchen und versuchen den Leinensalat ihrer Angelschnüre zu entwirren. Das hässliche Hotel vor wenigen Minuten ist schon vergessen. Für so einen Hafen fährt unsereins hier runter. „Pittoresk“ würden Reisebuchautoren den beschreiben. Es dauert nicht mehr lange, dann ist er weg. Hoffentlich erbarmt sich die Gemeinde und schickt einen Bagger. Viel muss nicht weg. Den Berufsfischern und Freizeitskippern ist der neue Hafen mit all seinen Annehmlichkeiten eh lieber.

    An der Bateria de Costa de l'Ametlla de Mar

    Zwischendurch kommt der GR 92 immer wieder sehr dicht an die Autobahn ran. Weg an Straße sozusagen. Zu hören ist davon nicht viel. Immer wieder schieben sich versteckte Ferienhäuser an die Küste. Wir kraxeln oft ein paar Meter runter in kleine Buchten, müssen hüben wieder hoch. Dabei bin ich zweimal umgeknickt. Dass ich am nächsten Morgen nicht mehr schmerzfrei gehen konnte, hatte ich mir da noch nicht vorstellen können. Wir treffen zwei Schweizer, die auf einer kleinen Rundwanderung sind. So ganz sicher sind die nicht, wo ihr Weg ins Landesinnere abzweigt. Eine Karte haben die nicht. Meine 50.000er hilft mangels Eintragung der lokalen Wanderwege nicht weiter.

    Am Cap Roig wird es wieder touristisch. Hier ist Platz, hier ist es schön. Alles ist noch verrammelt. Handwerkerdautos stehen vor den großen Ferienanlagen. Bis Ostern muss alles in Ordnung sein. Ostern kommen nicht nur die Holländer, Schweizer, Franzosen und Deutsche, Spanier werden in der Überzahl sein. Wer spricht von Wirtschaftskrise?


    Zwischen Puntja de l'Àliga und Cap Roig

    Kurz darauf treffen wir auf ein Wirrwarr von Markierungen. Einem der Villenbesitzer hat es wohl endgültig gelangt. Der Zugang ist verbarrikadiert. Wilde rote Pfeile sollen einen ums Grundstück lenken. Nur wohin? Wir landen oben auf einem Sträßchen zwischen Bahngleis und Küstensaum. Na denn. Minuten später lässt man uns wieder hinunter an die Küste. Ab da ist es nur noch Promenadenwandern. Die Kisokbetreiberin im Bahnhof von L'Ampolla ist mürrisch. Schlechte Laune, weil wir unseren Kaffee in der Bar mit der britischen Besitzerin getrunken haben? Mit dem Zug geht es in wenigen Minuten zurück. Vom Mittelmeer ist aus dem Zugfenster nicht viel zu sehen.
    Geändert von Werner Hohn (23.02.2013 um 18:40 Uhr)
    .

  2. Fuchs
    Avatar von Atze1407
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    AW: [ES] E4/GR 92 - Immer die Costa Dorada entlang

    #2
    Danke Werner, für den Bericht sowie den Fotos.

    LG
    Atze
    Wenn du den Charakter eines Menschen kennenlernen willst, gib ihm Macht.
    Abraham Lincoln

  3. AW: [ES] E4/GR 92 - Immer die Costa Dorada entlang

    #3
    Na Atze, hast du dich erkannt, wie du da in der blauen Jacke im Bötchen hockst?
    .

  4. Anfänger im Forum
    Avatar von Liliensteiner
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    AW: [ES] E4/GR 92 - Immer die Costa Dorada entlang

    #4
    Danke für Bericht und Fotos.Und für die Leidensfähigkeit ...bzw.den Enthusiasmus.

    Den Umständen und den Zielgruppen entsprechend ist eben die Promenade Sa-lou/Cambrils ganz zweckdienlich.

    Angesichts der sommerlichen All-Inclusiv-Angebote und die auch auf den riesen Campingplätzen fehlende Notwendigkeit,die gebuchte Örtlichkeit mal verlassen zu müssen konnten sie ja nur so in die Infrastuktur investieren,daß sich der dort ansässige Urlauber dann doch mal rauslocken läßt .

    Aber immer noch schön ist die Gewißheit,nach wenigen Kilometern Fahrt weg von der Küste hast Du Deine Ruhe und triffst keine Massen mehr.Spätestens hinter Reus oder Tortosa bsp.weise ist dann wirklich Ruhe,finde ich.

    Die Matarrana,Parc Natural Els Ports,man ist erstaunlich schnell in einer ganz anderen Welt.

    Selbst nur ein Stück außerhalb von Barcelona kamen wir in Dörfer,in deren Dorf-Schänke wir nur mit (Wörterbuch)spanisch vorankamen.

    Schöner Bericht

    Gruß Liliensteiner

  5. AW: [ES] E4/GR 92 - Immer die Costa Dorada entlang

    #5
    Wasser auf meine Mühlen, Liliensteiner. Die Promenade geht schon in Ordnung. Wir gehören nicht zu denen, die überall wilde Natur erwarten. Bei der Promenadenwanderung habe ich unterschlagen, dass wir bei Decathlon (gegenüber Einfahrt Port Aventura) gestartet sind. Dort führt der GR 92 vorbei. Trotz breitem, gepflegten Bürgersteig unter schattigen Kiefernbäumchen, waren das dann 2 Kilometer Eintönigkeit. Dagegen ist die Promenade eine Wohltat.

    Wilde Natur findet sich tatsächlich da, wo es bergig wird. Bekanntlich ist das schon wenige Kilometer hinter den Stränden, und da wo Landwirtschaft nicht lohnt. In all den Jahren ist uns aufgefallen, dass davon kaum jemand eine Vorstellung hat, der zum Baden oder Sonne tanken dort unten Strandurlaub macht. Das Hinterland harrt der Entdeckung. Sogar die Dauerkunden, die Rentner aus dem Norden, schauen selten weiter als bis zum nächsten Supermarkt oder den bekannten Ausflugzielen, die mit dem Auto erreichbar sind. Etwas anders sieht das bei Leuten aus, die aus dem Norden zugezogen sind, und dauerhaft dort leben. Die haben wir schon häufig auf Wanderwegen in den Bergen getroffen.

    Zugeben muss man, dass im Hinterland längere Wanderungen nicht immer ganz einfach sind. Wege sind zwar vorhanden, doch abseits bleiben mehr oder weniger nur Rundwanderungen, sofern man nicht tagelang unterwegs sein möchte. Außerdem ist es meist ziemlich steil, was spätestens ab Mai den Strand als die bessere Alternative erscheinen lässt. Sogar uns.
    Geändert von Werner Hohn (05.02.2013 um 20:44 Uhr)
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  6. Fuchs
    Avatar von Atze1407
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    AW: [ES] E4/GR 92 - Immer die Costa Dorada entlang

    #6
    Zitat Zitat von Werner Hohn Beitrag anzeigen
    Na Atze, hast du dich erkannt,...
    Ja ja, immer diese entlarvende Hinterhältigkeit der Fotografen.
    Wenn du den Charakter eines Menschen kennenlernen willst, gib ihm Macht.
    Abraham Lincoln

  7. chrischian
    Gast

    AW: [ES] E4/GR 92 - Immer die Costa Dorada entlang

    #7
    Zitat Zitat von Werner Hohn Beitrag anzeigen
    Na Atze, hast du dich erkannt, wie du da in der blauen Jacke im Bötchen hockst?
    Oh ja, das ist er.

  8. Erfahren

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    AW: [ES] E4/GR 92 - Immer die Costa Dorada entlang

    #8
    Respekt, Respekt, Werner

    Wir machen es ja so ähnlich wie ihr. So schön eine Rosinen-Pickerei der Highlights auch ist, zum Wandern gehört auch eine gewisse Ödnis dazu

  9. AW: [ES] E4/GR 92 - Immer die Costa Dorada entlang

    #9
    Einen etwas schöneren Wegverlauf des E4/GR 92 hätte ich mir schon gewünscht. Immerhin führt der E4 auf 8.000 km nur an der Costa Dorada und in Griechenland (Kreta) die Mittelmeerküste entlang. Jetzt, wo ich das meiste vom GR 92 kenne, votiere ich für die Verlegung des E4 auf den GR 92 an der Costa Brava.

    Drei schöne Etappen haben wir leider wegen meiner Fußprobleme nicht wandern können. Durchs Priorat und das Garraf-Gebirge müsste der GR 92/E4 alleine wegen der Landschaft toll sein.

    Wir stehen jetzt vor der Frage wie wir weiter nach Süden kommen. Noch 3 Etappen bis zur Grenze Kataloniens bleiben uns auf dem GR 92, danach würde sich der GR 7 anbieten. Leider ist der ziemlich weit von der Küste weg; und Straßenwandern wie in Portugal fällt an der spanischen Mittelmeerküste flach.
    Geändert von Werner Hohn (08.02.2013 um 12:48 Uhr)
    .

  10. Dauerbesucher
    Avatar von German Tourist
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    AW: [ES] E4/GR 92 - Immer die Costa Dorada entlang

    #10
    Hallo Werner,
    ich plane ja für diesen Herbst/Winter wieder mal eine Wanderung durch Europa und da kommt mir Dein Bericht genau richtig, da er ja über den von mir anvisierten E4 berichtet. Ich habe in Spanien die Möglichkeit, den E4 bis zu den Pyrenäen zu gehen, d.h. den GR 7 zu verlassen oder auf dem GR 7 zu bleiben.
    Nach dem Lesen Deines Berichts habe ich große Befürchtungen, dass es auf dem E4 Abschnitt des GR 92 große Probleme mit Wildzelten geben wird. Liege ich da richtig? Mir reicht ja in der Regel schon ein kleines Stückchen Wald zum Verstecken, aber nach Deiner Schilderung scheint das schwierig...
    Bitte um Erhellung,
    Christine
    http://christinethuermer.de/ 43.000 zu Fuß, 30.000 km per Fahrrad, 6.500 km im Boot

  11. AW: [ES] E4/GR 92 - Immer die Costa Dorada entlang

    #11
    Hallo Christine,

    das siehst du richtig. Zwischen Tarragona und Amposta im Ebrodelta gibt es nur sehr wenige und meist sehr kleine Ecken, die nicht bebaut sind. Ab L’Hospitalet de l’Infant ist die Bebauung ziemlich dünn, doch rund ums Kernkraftwerk wird die Gegend videoüberwacht, auch weit in die Berge hinein. Auf der nächsten Etappe würde sich die eine oder andere Ecke im Winter anbieten. Aber Häuser sind auch da nicht wirklich weit weg. Von L'Ampolla bis Amposta geht es immer am Bewässerungskanal vorbei. Flach und öde. Reisfeld an Reisfeld. Dazwischen vereinzelt Bauernhöfe und Wirtschaftgebäude. Im Hintergrund rauscht die Autobahn. Einen Platz fürs Zelt wirst du dort nicht finden. Ab Amposta wird die Landschaft in der Sierra Montsiá schnell schöner, auch bergiger. Der versöhnliche Schlussakkord des GR 92 sozusagen.

    John Hayes schreibt über die Etappe Cambrils-Tarragona: Today's walk was just awful, ...

    An deiner Stelle würde ich auf dem GR 7 bleiben, der im Hinterland bleibt. Mir gefällt der GR 171 besser, weil der auch schon mal aus den Tälern und Waldgebieten raus kommt. U.a in der Serra de Montsant. Auch der kommt nirgendwo an die Küste und trifft im Süden, fast am Ende Kataloniens, wieder auf den GR 7. Infos gibt es bei feec.cat unter Senderos. In Montblanc, nördlich von Tarragona, trifft der GR 7 auf den GR 171.

    Das Institut Cartogràfic de Catalunya hat einen Kartenviewer im Netz. Auf Zoomlevel 5 werden die Fernwanderwege angezeigt.

    Bei http://www.euro-senders.com/ findest du (nicht mehr ganz aktuelle) Übersichtskarten mit den Fernwanderwegen auf der Iberischen Halbinsel.

    Werner
    Geändert von Werner Hohn (14.02.2013 um 18:42 Uhr)
    .

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