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    [FI] Urho-Kekkonen-Nationalpark klassische Runde im September

    #1
    Mitreisende: Meron
    Region: Finnland - Nordlappland - Urko-Kekkonen-Nationalpark (UKK)
    Datum: 16.09 - 20.09.2012



    Bevor ich mit dem eigentlichen Bericht der Tour anfange, gibt es erst mal ein paar generelle Infos, die speziell für die interessant sein könnten, die ähnliches planen.

    Anreise:

    Die Anreise erfolgte bei uns mit Ryan Air Flug nach Tampere und dann per Mietwagen 12 Stunden fahrt nach Kiilopää. Klingt zwar erst mal umständlich, war aber für drei Personen das günstigste. Jeder hat mit Benzin für die Anreise ungefähr 300€ bezahlt. Direktflug hätte 400€ ohne die Busverbindung von Inari nach Kiilopää gekostet. Dazu hatte es den Vorteil, dass wir Dinge wie Kleider für nach der Tour etc. im Auto liegen lassen konnten und wir vor und nach dem Wandern noch verschiedene andere Dinge wie einen Ausflug nach Inari unternehmen konnten.

    Route: Tag 1: Kiilopää nach Suomunruoktu (~15 km)
    Tag 2: zum Luirojärvi (~24 km)
    Tag 3: Tagesausflug auf den Sokosti (~10 km)
    Tag 4: zu einer Feuerstelle kurz vor Länkojärvi (~17 km)
    Tag 5: zurück nach Kiilopää (~ 21 km)

    wir haben für die Runde 6 Tage eingeplant, dann aber doch nur fünf gebraucht. Mit einer mittleren Kondition ist der Weg in fünf Tagen zu schaffen, man sollte sich aber darauf einstellen, dass man bei einem mittleren Gehtempo und kurzen Stopps zum Fotos machen lange unterwegs ist. Beispielsweise sind wir am zweiten Tag um acht los und waren dennoch erst am späten Abend da. Wer die Runde entspannter angehen möchte, sollte auf sieben Tage planen. Wer auf sechs oder sieben Tage plant: Bei dem Weg hin zum Luirojärvi ist es möglich bei allen drei Übernachtungen in Hütten zu schlafen. Beim Weg zurück gibt es zwischen Luirojärvi und Lankojärvi keine Hütte, sondern nur Feuerstellen. Wer also immer in einer Hütte schlafen will, muss 18 km durch teilweise sumpfiges Gelände an einem Tag laufen.

    Anforderungen:

    Diese Tour durch den UKK hat keine extremen Schwierigkeiten, aber durchaus ihre Herausforderungen. Die Wege können teilweise SEHR nass sein und verschwinden im Sumpf auch mal ganz. Es gibt mehrere Furten, die zwar nicht schwierig sind aber sehr breit. Wer nicht in Gummistiefeln wandert, kann zum Furten Neoprensocken anziehen. Damit hält man es problemlos mehrere Minuten im Wasser aus. Eine detaillierte Karte und Kompass sind notwendig, als auch die Fähigkeit damit umzugehen. GPS hatten wir nicht dabei und vermisst habe ich es auch nicht. Größtenteils ist es einfach dem Weg zu folgen, vereinzelt sind aber auch Stellen dabei, bei denen die Orientierung schwierig ist. Daher ist es ratsam, wenn man sich auch im weglosen Gebieten halbwegs orientieren kann. Warme Kleidung für leichte Minusgrade ist im September bereits notwendig.


    So, jetzt aber zum eigentlichen Bericht:


    von links nach rechts: Matthias, ich (Paul) und Marcus. Bei Saariselkä auf dem Kaunispää zum Kaffetrinken. Ein Tag vor der Wanderung


    Abends wird bereits der Rucksack gepackt. Bis auf die Dinge wie Joghurt und ähnlich schweren Dingen kam alles mit.

    16.09.2012

    Wir standen gegen halb neun auf und gingen erst mal zu einem ausgiebigen und leckeren Frühstück in die Fjellstation von Kiilopää. Wir freuten uns sehr über die Sonne. Es stand (noch) keine einzige Wolke am Himmel. Da wir am Tag zuvor bereits das Meiste gepackt hatten, konnten wir relativ zeitnah aufbrechen und gegen elf ging es endlich los in die Wildnis. Noch schnell ein Abschiedsfoto von uns gemacht



    und dann Richtung Südwesten. Am Beginn waren wir noch in der Basic Zone, das heißt unser Weg war noch markiert. Die Landschaft war zunächst recht unspektakulär, da wir nahe der Tunturis waren und es daher recht karg war.



    Das hatte zwar auch seinen Reiz, war aber auf Dauer etwas eintönig.

    Den ersten Stopp gab es an einem Laavu (eine kleine offene Hütte), wo es Ruisleipä (finnische Roggenbrot), Knäckebrot, Wurst und finnischen Blockkäse gab.



    Matthias und den Käse sollten aufgrund des doch eher sehr zurückhaltenden Aromas des Käses für die Rest der Tour eine ausgiebige Hassfreundschaft verbinden. Matthias nannte ihn fortan immer „liebevoll“ Klotzi. Leider zog der Himmel zu und kurz vor unserer Rast setzte ein leichter Nieselregen ein. Im weiteren Verlauf entfernten wir uns von den Tunturis um Kiilopää, die Gegend wurde flacher und waldiger.



    So langsam bekam ich Hoffnung, dass es doch noch abwechslungsreich werden würde. Kurz vor der ersten Hütte mussten wir über den Fluss, dem wir schon länger gefolgt waren. Jemand hatte zwar viele Steine so positioniert, dass man es hätte wagen können, so hinüber zu gelangen, aber uns war es am Beginn der Tour zu heikel über 30-40 Steinen zu hüpfen. Wir zogen also Neoprensocken an und liefen so rüber.



    und dann waren wir auch schon direkt bei der Hütte.



    An der Hütte waren noch ein paar andere Wanderer, da aber zwei Grüppchen ihre Zelte aufgebaut hatten, war für uns noch genug Platz in der Hütte. Hier war die Landschaft jetzt auch endlich so, wie ich sie mir erhofft hatte. Der Wald leuchtete in allen erdenklichen Herbstfarben, die sich gerade bei der bald tiefstehenden Sonne richtig gut machten.



    Wir kochten uns abends Quinoa mit Bärlauchsoße, was wie fast jedes Abendessen das noch folgte super schmeckte. Wir saßen noch etwas draußen am Lagerfeuer, planten den weiteren Weg und gingen, so wie alle anderen Hüttenschläfer, früh schlafen und ich lauschte noch andächtig ein paar Stündchen dem sägendem Duett, aus dem zwischenzeitlich auch mal ein Quintett wurde. Ich glaube mit dem Quintett im Ohr konnte ich endlich schlafen, da es so schon fast ein monotoner Grundton war. Ich hatte zwar Oropax mit, aber gegen die Hüttennächte haben die bei mir keine Chance. Vor der nächsten Hüttenübernachtung muss ich mir da mal was Besseres zulegen.


    17.09.2012
    Wir standen gegen sieben auf, da wir uns vorgenommen hatten, heute 24 km bis zum Luirojärvi zu laufen. Wir frühstückten lecker finnisches Müsli, tranken Kaffee und gegen acht waren wir schon unterwegs. Der Weg war jetzt deutlich abwechslungsreicher und verlief durch wilde Wälder und kleinen Sümpfen. Einziger Wermutstropfen war der Weg selbst.



    Noch war er recht breit, da es einer der Wege war, die auch für Quads genutzt werden, um die Hütten zu versorgen. Bei der Breite des Weges hatte auch niemand, das Gefühl, dass sich hier zu verlaufen überhaupt möglich sein konnte und wir schauten nicht mehr allzu regelmäßig auf die Karte. Natürlich verpassten wir dann auch direkt eine Abzweigung an einer Feuerstelle.



    Wir waren so an breite Wege gewöhnt, dass ich den schmalen Trampelpfad an einer Feuerstelle nur als Weg zum Wasserholen interpretierte und die anderen ihn gar nicht sahen. Nachdem wir dann aber anschließend nur noch bergauf liefen, wunderten wir uns, da wir uns nicht an so eine Strecke laut Karte erinnern konnten.


    immerhin, den Baumstamm hätten wir verpasst, wenn wir direkt den richtigen Weg gewählt hätten

    Also zehn Minuten zurück, den schmalen Pfad an der Feuerstelle gefunden und ab jetzt war auch der Weg perfekt - schmal und verschlungen.



    Der Weg folgte weiter dem Fluss und es gab einen schönen Blick nach dem nächsten. Ich hätte am liebsten alle fünf Schritte ein Foto gemacht, aber das ließ unser Zeitplan natürlich nicht zu. An einer kleinen Schlucht blieben wir länger stehen, da es dort besonders toll war und wir alle ausgiebig am Knipsen waren.



    Ein Finne überholte uns dort, der uns erzählte, dass er die Nacht zuvor in einem Laavu übernachtet hatte und es ganz viele Polarlichter zu sehen gab. Ich hatte noch überlegt wach zu bleiben, da der Himmel relativ klar war und die Wetteraussichten nicht die Besten waren. Aber in Anbetracht der heutigen Strecke entschied ich mich fürs Frühe zu Bett gehen. Hätte ich gewusst, was mich in beiden Fällen erwartet, hätte ich mich wohl für die Polarlichter entschieden… Der Weg verließ nun den Fluss und führte zu einer Feuerstelle, wo wir kurz rasteten und eine Kleinigkeit aßen.

    Matthias Appetit war wirklich beeindruckend und er bewies uns, dass die unglaublichen Mengen, die wir an Essen mit uns rumschleppten, wirklich notwendig waren. Nach circa einer Stunde laufen benötigte er trotz ausgiebigem Frühstück bereits eine halbe Packung Nüsse und konnte trotzdem bei der anschließenden Rast, problemlos mindestens genauso viel verdrücken wie Marcus und ich. Dabei benötige ich selbst bereits deutlich mehr zu essen als die meisten anderen. Die zwei Meter Körpergröße von Matthias sind aber auch wirklich viel zu versorgen.

    Typische Ausblicke die nun folgten:










    Weiter ging es entlang einer V-förmigen Schlucht und dann gab es einige Aufs und Abs. Die Landschaft änderte sich dabei mit zunehmender Höhe jedes mal deutlich und es wurde schnell sehr kahl. Wir bekamen nun auch die ersten Moorschneehühner zu sehen, die uns noch öfters über den Weg laufen sollten. Wir näherten uns unserem ersten Etappenziel, der Tuiskukuru Hütte, wo wir ursprünglich überlegt hatten zu bleiben.



    Matthias und ich waren von uns aus sowieso dafür noch weiter zu laufen, Marcus war sich aber im Voraus nicht sicher, ob er wirklich 24 km an einem Tag mit schwerem Gepäck laufen wollte. Da er dann an der Tuiskukuru Hütte auch schon recht platt war, überlegten wir dort zu bleiben. Nur hat die Hütte die unschöne Eigenschaft, dass die Gegend drum herum recht sumpfig ist und es daher selbst Mitte September noch einiges an stechendem Volk gab. Da gerade Marcus die kleinen Viecher magisch anzieht, war er plötzlich nach kurzer Rast und einer Stärkung wieder voller Energie und wollte unbedingt weiter und noch die letzten 9 km zum Luirojärvi laufen.
    Zunächst ging es auf leicht begehbaren Wegen weiter durch Wald und an Tunturis entlang.



    Solange bis wir an einen kleinen stark verzweigten Fluss mit viel Sumpf kamen.



    Der Weg endete hier und wir mussten sehen, wie wir herüber kamen. Das war letztlich auch nicht wirklich schwierig und wir hatten schnell Stellen gefunden, wo wir ohne Schuhe ausziehen herüber kamen, nur war es uns nicht möglich unseren Weg wieder zu finden. Laut Karte verläuft er gerade durch den Sumpf durch genau nach Westen, ohne Abbiegung oder ähnlichem. Nur, da war nichts. Nur ein Weg der von Nord nach Süd verläuft war zu finden. Nach Norden bin ich ihn soweit abgelaufen, bis er verschwand, nach Süden bahnte sich zunächst auch kein Wechsel der Richtung an. Normalerweise wären wir ihm noch weiter nach Süden gefolgt und vermutlich wäre es auch der richtige Weg gewesen, auch wenn es so nicht in der Karte verzeichnet war. Da wir aber die Uhr im Blick halten mussten, um nicht im Dunkeln durch den Wald zu laufen, entschieden wir uns gegen den Weg und liefen 2-3 km querfeldein durch den hier recht lichten Wald. Einen Vorteil hatte das Ganze. Durch die Aufregung vergaß Marcus seine Erschöpfung und kam plötzlich wieder viel besser vorwärts. Da wir entweder direkt auf den See treffen mussten oder auf den Fluss, der in den Luirojärvi mündet, war es leicht sich zu orientieren. Wir kamen mit nach Kompass laufen mit kaum Abweichungen durch und trafen auf den Fluss, wo wir dann auch diverse Wege fanden. Wie am Abend zuvor gab es kurz vor der Hütte eine lange Furt zu durchqueren.



    Hier wäre auch mit Steine hüpfen nichts drin gewesen. Die Furt sah zwar nicht ganz ohne aus, war dann aber doch einfach, nur sehr sehr lang, so dass wir abermals sehr froh über die Socken waren. Kurz nach der Furt ging es noch über ein paar Duckboards und dann kamen wir zur Hütte am Luirojärvi, der Haupttreffpunkt im Urho-Kekkonen-National Park.
    Hier gibt es noch diverse andere Hütten, die man mieten kann, einen Trockenraum und eine Sauna, über die wir uns am nächsten Tag noch freuten. Hier waren einige Menschen, was sich aber auf die einzelnen Hütten verteilte, wodurch die Menge nicht störte. Letztlich waren trotz Erschöpfung alle froh, dass wir es noch bis hierher geschafft hatten. Einmal fürs Ego und weil wir so immer noch einen Reservetag übrig hatten.
    Ein finnischer Wanderführer erzählte uns, dass die Nacht vorher, ein Montag, hier fast niemand gewesen wäre und es meist dienstags, mittwochs und donnerstags besonders voll ist. Das kommt wohl daher, dass die Meisten aufgrund ihres Urlaubs am Wochenende mit der Tour starten und dadurch an besagten Tagen dort eintreffen, so wie es auch bei uns der Fall war. Also wer es einrichten kann und bei den Hütten niemand treffen will, sollte unter der Woche die Tour starten. Abseits der Hütten haben wir übrigens außer in der Basic Zone nur ein einziges Mal einen anderen Wanderer getroffen.
    Ich wollte eigentlich noch das Zelt aufbauen, da ich mir so eine bessere Nachtruhe erhoffte, aber Matthias und Marcus hatten keine Lust mehr drauf und wir nächtigten noch einmal in einer Hütte.
    Da es schon recht spät war, fingen wir direkt an zu kochen und wir haben sage und schreibe 500g Nudeln mit 250g Sojageschnetzeltes und diverse Mengen an Tomatensoßen, getrockneten Tomaten und Klotzi verdrückt.



    Das war nicht nur richtig viel, sondern auch richtig lecker. Gesägt wurde auch diese Nacht, aber weniger als die Letzte und ich konnte zwar noch nicht gut, aber immerhin schon besser schlafen.




    18.09

    Aufstehen, frühstücken und dann bauten wir erst mal das Zelt auf. Wir blieben nämlich zwei Tage am Luirojärvi und nahmen daher für den heutigen Tagesausflug nur ein Bruchteil des Gepäcks mit. Also wurde ein Rucksack ins Zelt entleert und mit Regenkleidern, Chips, Schokolade und einem frisch angesetztem Brotteig samt Gaskocher und Pfanne befüllt. Als Ziel hatten wir den Gipfel des Sokosti angepeilt. An dem Tag gab es leider nicht das passende Wetter und es war morgens diesig und leicht am Nieseln. Als wir losliefen hatten wir noch Hoffnung es könnte aufklaren, doch im Gegenteil zog es immer weiter zu.


    auf dem Weg zum Fuße des Sokostis

    Als wir nach ~4km am Fuße des Sokostis standen hatten wir auch schon längst damit abgeschlossen wegen der Aussicht hinaufzusteigen, sondern begannen den Aufstieg nur noch des Aufstiegs wegen.



    Je höher wir kamen desto mehr begann es zu regnen und der Wind blies immer heftiger. Marcus und ich haben den passenden Moment verpasst die Regenhose auszupacken und waren bald ziemlich durchnässt. Wir waren bereits relativ weit oben, als wir schließlich beschlossen doch vor dem Gipfel umzukehren, auch weil wir bemerkten, dass das Wetter nicht nur wegen zunehmender Höhe schlechter wurde, sondern sich auch auf gleicher Höhe weiter verschlechterte. Dazu sah es nun wirklich überall gleich aus und anfängliche Motivation des „ damit wir es gemacht haben“ schwand. Wir gingen also wieder runter.


    In der Hoffnung, dass das Oben ist, sind wir dort noch rauf, dann ging es aber noch weiter

    Am Fuß des Berges gab es dann erst mal eine Stärkung. Wir freuten uns auf die warme und vor allem trockene Hütte und rasten daher den Weg zurück. In der Hütte hängten wir unsere nassen Sachen in den Trockenraum und brieten uns dann Bannocks. Dann ging es in die Sauna, was sicherlich einer der absoluten Höhepunkte der Tour war.


    Die Sauna (Das Bild ist allerdings vom nächsten Morgen)

    Marcus und Matthias waren noch nie in einer finnischen Holzsauna und waren davon völlig begeistert. Ich kannte das zwar schon, war aber genauso begeistert. Das tolle ist nicht nur, dass die Hitze mit Holz erzeugt wird, sondern auch das die Sauna einen Abfluss hat und es daher möglich ist, sich beim saunieren mit Wasser zu begießen. Dafür gibt es extra einen zweiten Ofen, indem Wasser erhitzt wird. Dann gibt es diverse Bottiche gefüllt mit kaltem Wasser und ungefüllte, in denen dann jeder sein Wasser auf die gewünschte Temperatur mixen kann. Nach jedem der vier Saunagänge gab es einen Tauchgang im See, während die Sonne am Untergehen war.



    In einem Zustand völliger Entspannung kochten wir uns noch 500g Linsen mit Speck und schafften es tatsächlich diese riesige Portion Essen aufzufuttern. Da es mittlerweile sehr klar war, blieben wir länger auf und hofften auf Polarlichter. Leider gab es aber nur extrem schwache zu sehen, die sich zudem noch hinter den wieder auftauchenden Wolken versteckten. Die Nacht schliefen wir im Zelt und ich konnte endlich bei angenehmen Temperaturen und deutlich geringerer Lautstärke gescheit schlafen.




    19.09

    Gegen acht standen wir auf, frühstückten in Ruhe, packten unsere Sachen zusammen und um halb elf ging es los Richtung Lankojärvi. Der Himmel war komplett klar und sollte auch den restlichen Tag so bleiben.


    Der Luirojärvi - Ufer direkt an der Hütte

    Zunächst mussten wir einen kleinen Teil des Weges zurück und den Fluss wieder furten. Dann ging es weiter auf unbekannten Wegen nach Norden am Luirojärvi entlang. Wir kamen hier nur sehr langsam voran, da es hier gerade bei Sonnenschein traumhaft schön war und wir ständig Fotos machen mussten.







    Danach ging es auch nicht viel schneller weiter, da der Weg mehrmals in den Sumpf führte, wo der Trampelpfad teilweise völlig verschwand und Durchkommen teilweise nicht ganz ohne war.



    An der aufregendsten Stelle mussten wir über einen sehr moorigen Fluss, der über einen Meter tief war, auch wenn es auf dem Foto so aussieht, als käme nach 10cm der Boden. Hier ging es erst über einen wackelnden Baumstamm, von wo man auf zwei kleinere Äste gelangte. Dann auf einen großen Stein und weiter auf den nächsten Stamm, von wo wir mit einem Sprung das Ufer erreichten. Da das alles bis auf den Stein heftig am Wackeln war, war es wirklich eine spannende Stelle, die schwierig war, aber auch viel Spaß machte.


    Marcus' Balance-performance

    Ein anschließender Blick auf die Karte zeigte uns, dass der Weg laut Karte den Sumpf umgehen sollte. Der Pfad führte aber genau hinein. Also, wer keine Lust auf Kletterpartien hat, sollte oft auf die Karte gucken und die Sümpfe so umgehen, wie es in der Karte markiert ist, auch wenn der ausgetretene Pfad eine andere Richtung angibt.
    Ab der Kletterpartie war es schwierig den Weg zu finden. Wir fanden zwar einen Pfad, der aber nicht weiterging. Wir gingen also direkt zu dem Fluss, an dessen Ufern unser Weg entlang gehen sollte und nach einigen Metern gab es dann hier auch wieder einen Pfad, der unserem Weg auf der Karte entsprach. Es ging nun eine sehr schöne Strecke am Wasser entlang und führte ganz allmählich nach oben.





    Die Landschaft veränderte sich, es gab irgendwann kein Wasser mehr und es wurde wieder karger.



    Ungefähr am höchsten Punkt des Passes rasteten wir und brieten unsere Bannocks, die wir wie immer mit Salami oder Klotzi aßen.



    Beim Weg ins nächste Tal tauchte auch bald wieder ein Fluss auf dessen Verlauf wir folgten.



    Es wurde wieder waldiger und im Vergleich zu den Wäldern vorher gab es nun deutlich mehr Felsen zu sehen.


    bunte Farben mal detailierter


    und überall Wasser, Wasser, Wasser

    Wir mussten den Fluss noch furten



    und kamen zu einer Feuerstelle, wo wir überlegten zu bleiben, da wir für den bisherigen Weg deutlich länger gebraucht hatten, als gedacht. Er war nicht nur schwieriger als erwartet, sondern auch viel zu schön, als dass wir heute hätten schneller laufen können. Wir gingen dann aber doch noch weiter, wenn auch nicht bis zum Lankojärvi sondern nur bis zur nächsten Feuerstelle. Jetzt wurde es noch felsiger. In Verbindung mit dem bunten Wald sicherlich eine der schönsten Teile der Wanderung.




    eine der wenigen Brücken im UKK








    da ging es rüber

    Wie fast immer mussten wir kurz vor unserem Ziel noch einmal durch eine breite Furt. Wir bauten unser Zelt auf und zündeten ein Feuer an und genossen den Abend. Da es anfangs komplett klar war zeigte sich heute Nacht was Lappland kältemäßig im September zu bieten hatte. Es wurde sehr sehr eisig und jetzt kamen auch all unsere warmen Sachen zum Einsatz. Matthias fror am leichtesten von uns Dreien und ihm war mit folgender Montur kalt: Merinounterhemd + lange Merinounterhose + noch eine lange Unterhose + normale Trekkinghose + Longsleave + 2x Fleecepulli + Fleecejacke + dicke Winterjacke + dicke Mütze + zwei paar Socken + zwei paar Handschuhe + Lagerfeuer.



    Ich wäre in dieser Montur wohl vor Hitze gestorben. Diese Nacht gab es dann auch endlich kräftigere Polarlichter zu sehen.





    Pünktlich zum ins Bett gehen zog sich dann der Himmel zu und es wurde direkt merklich wärmer.




    20.09

    Mist verschlafen. Und ich war mir so sicher, dass ich den Wecker gestellt hatte. Statt sieben Uhr war es dann schon halb neun. Es regnete und zwar so richtig. Wir verzichteten auf Frühstück sondern bauten nur das Zelt ab und gingen direkt los.


    Kein Bach, sondern der Weg

    Es waren nur noch zwei, drei Kilometer bis zur Hütte am Lankojärvi. Als wir dort eintrafen, waren alle anderen bereits aufgebrochen. Wir frühstückten dort und freuten uns darüber, dass der Regen aufhörte.


    Hütte am Lankojärvi


    und der Lankojärvi

    Im Folgenden sollte es immer wieder kurz regnen und wir waren viel mit Jacke an, Hose an, Hose aus, Jacke aus, beschäftigt.. Da es schon recht spät war, bis wir richtig aufbrechen konnten, waren wir uns gar nicht sicher, ob wir den kompletten Weg zurück noch schaffen und stellten uns schon auf eine weiteren Tag wandern ein. Da es aber ab hier größtenteils sehr gut zu gehen war, kamen wir schnell voran. Zunächst ging es weiter durch bunte Wälder

    mit Preiselbeeren,


    bis es lichter wurde


    und wir wieder in die Nähe von Tunturis kamen.


    Nach acht Kilometern seit Lankojärvi waren wir am Rand der Basic Zone. In der Hütte Rautulampi machten wir zusammen mit eine Gruppe finnische Jugendlicher ein spätes Mittagessen. Wir brieten uns wieder Bannock.


    rechts hinten, die Hütte am Rautulampi

    Auf den letzten zwölf Kilometer wechselte erneut die Landschaft. In der Nähe der Hütte war zwar kein Wald mehr, aber immer noch viel Vegetation.





    Richtung Kiilopää wurde es dann immer karger.



    Bis es wieder so karg wie am Beginn der Wanderung aussah.



    zuvor gab es aber noch eine nette Brücke:


    und schöne Wasserläufe




    Wir kamen spät mit dem letzten Licht der Sonne in Kiilopää an. Dort gönnten wir uns nun zum Abschluss den Luxus einer eigenen Hütte (mit Kamin, Sauna und Trockenschrank)





    der Trockenschrank!

    und noch ein super leckeres Essen im Restaurant.
    Marcus und ich hatten Rentier mit Preiselbeeren und Kartoffelbrei was fantastisch war und auch das zunächst recht teuer wirkende Rentierfilet von Matthias war sein Geld dicke wert. Er schwärmt immer noch davon. Zum Nachtisch gab es noch Moltebeeren mit dem berühmten finnischen Quietschekäse und einer leckeren Soße. Ein wirklich gelungener Abschuss der Tour.
    Geändert von Meron (04.11.2012 um 14:20 Uhr)

  2. Erfahren
    Avatar von Meron
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    AW: [FI] Urho-Kekkonen-Nationalpark klassische Runde im September

    #2
    @ Admin:

    ich habe gerade festgestellt, dass ich den Bericht in das falsche Unterforum gesteckt habe.
    Könnt ihr ihn nach Nordeuropa verschieben?
    Danke!

  3. AW: [FI] Urho-Kekkonen-Nationalpark klassische Runde im September

    #3
    Sehr schöner Bericht mit tollen Herbstfarben. Das eignet sich offensichtlich auch einmal für einen schnellen Abstecher, falls die Finnland Sehnsucht zu gross wird
    Ich habe keine grossen Ambitionen. Still sitze ich und betrachte wohlgemut das Gewimmel der Welt.
    Ich benötige nur so viel, wie ich mir ohne Anstrengung und Demütigung beschaffen kann. (György Bálint)

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    AW: [FI] Urho-Kekkonen-Nationalpark klassische Runde im September

    #4
    Ein interessanter und farbenfreudiger Bericht. Hat mir gefallen.
    "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org
    Mein neuer Reisebericht: Eine Reise in die Karibik. Nur mit Anmeldung lesbar.

  5. Alter Hase
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    AW: [FI] Urho-Kekkonen-Nationalpark klassische Runde im September

    #5
    Danke für deinen Bericht und die wunderschönen Bilder. Langsam mutiere ich gerad zum Skandinavienfan.

  6. AW: [FI] Urho-Kekkonen-Nationalpark klassische Runde im September

    #6
    geniale Fotos und ein sehr informativ geschriebener Bericht. vielen Dank!

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