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  1. [ES] Spanische Spaziergänge

    #1
    Mitreisende: Werner Hohn
    Land: Spanien
    Reisezeit: Frühjahr 2010 und März 2012
    Reiseart: Tageswanderungen
    Region/Kontinent: Südeuropa

    Spanische Spaziergänge

    Vier Wanderungen an und im Hinterland der Costa Dorada

    Nach Spanien wollten meine Frau und ich in diesem Frühjahr nicht. Wir wollten nach Portugal an die Algarve und auf die Via Algarviana. An der Küste faulenzen, im Hinterland wandern, hatten wir uns vorgestellt. Wie die Urlaubspläne vieler anderer Reisender hatte der isländische Vulkan auch unsere Pläne über den Haufen geworfen. Flugs umgebucht auf einen Flug 2 Tage später, wieder nichts, dann storniert. Machen wir es eben wie früher: Klamotten ins Auto und ab in den Süden. Um diese Jahreszeit kommen für uns nur Griechenland, Portugal und Spanien in die engere Wahl. Griechenland und Portugal waren uns zu weit weg. Dann mal wieder Spanien, irgendwo südlich von Tarragona. Die Costa Dorada (ich bevorzuge die span. Schreibweise) also. Da waren wir schon oft. Neuland würden wir keins entdecken.

    Dort unten an der Küste gibt es große, saubere und perfekt ausgestattete Campingplätze, die im Sommer für einen Stellplatz direkt am Strand auch schon mal mehr als 100 Euro für die Nacht verlangen und - man wundert sich immer wieder -, keine Probleme haben, diese teuren Plätze an den Mann zu bringen.

    Im zeitigen Frühjahr sind die Campingplätze an der Küste fest in der Hand europäischer Rentner, die dort zwar nicht überwintern, aber schon mal anfangen mit dem Langzeiturlaub bis in den Sommer hinein. Im Sommer oder in den Ferienzeiten sind viele Rentner weg, denn dann wird Langzeiturlaub an der Costa Dorada für die meisten unbezahlbar, außerdem kommen dann die Einheimischen. Die kommen auch an den Wochenenden, was nicht wenige der Ruhe und Ordnung suchenden Bezieher üppiger Pensionen, Renten und Kapitalerträge dazu treibt, spätestens am Freitagmorgen ihren Daimler oder Volvo auf den freien Stellplatz neben ihrem eigentlichen Stellplatz zu parken. Abdeckplane drüber, tot stellen und auf den Sonntagabend warten.
    Dann endet der Wochenendsondertarif, und spätestens um 18 Uhr sind all die Kinder, deren Auslauf erst um Mitternacht endet, mit ihren jungen, vitalen und lebensfroh das Wochenende genießenden Eltern wieder weg. Totenruhe, Zeit in Hülle und Fülle, um mal wieder die Karre zu waschen oder die allerletzte Falte aus dem Vorzelt zu ziehen.

    Serra de Montsant: Einsam, hoch und windig


    Dauer: circa 6 Stunden
    Start: Albarca (ca. 800 m) am gleichnamigen Pass an der C-242
    Ende: Albarca
    Höchster Punkt: Roca Corbatera (1.163 m)
    Wanderwege: GR 171, GR 174, GR 174-1 und weglos
    Wegbeschaffenheit: durchweg Trampelpfade, teils ohne erkennbare Spur
    Orientierung: Wanderkarte, gelegentlich Wegweiser und Wanderwegmarkierungen
    Wanderkarte: Serra de Montsant, 1:20.000, Ediciones DESNIVEL, Madrid

    In die Serra de Montsant waren wir nur durch Zufall gekommen. Morgens waren wir im nahen Kloster Santa Maria de Poblet (Monestir de Poblet) gewesen. Für Spanier macht das Kloster schon was her, Geschichte und so. Meine Frau und ich hätten uns jedoch nicht unbedingt zum freudigen Kauf überteuerter Eintrittskarten verleiten lassen, wenn wir vorher geahnt hätten, dass die Besichtigung nur in Verbindung mit einer Führung möglich ist. Mal wieder 12 Euro für die Kasse eines nicht eben armen Klosters.


    Die Hauptstraße von Albarca

    Aber wenn man schon mal da ist, hatte ich mir gesagt, kann man(n) auch in der Touristeninfo nach Wanderkarten schauen. Ja, die hatten Wanderkarten, sogar fürs ganze Umland. Da war halt auch die für die Serra de Montsant dabei. Die sehr freundliche junge Frau (Dame wage ich nicht zu schreiben) hatte nach einigem Suchen dann tatsächlich das gefunden was ich sonst noch haben wollte.

    Beim Rausgehen hatte ich mir noch gedacht, dass der Liebe Gott, oder wer/was auch immer, sich bei der Erschaffung der Frau nicht haargenau an das Vorbild Mann gehalten hat. Das in keinster Weise klosterlike Kleidchen der Info-Frau stellt die Unterschiede der Geschlechter schon sehr provokativ zur Schau. Und dann schreiben die in Reiseführern immer, man soll sich für Sakralbauten angemessen kleiden. Alles für die Katz.


    Serra de Montsant ganz oben

    Tags darauf sind wir in die Berge gefahren. Leider waren wir spät dran. Faule Urlauber eben. Zu lange geschlafen, zu lange gefrühstückt, zu langsam mit dem Auto ins Hinterland getrödelt.

    Es ging schon auf Mittag zu, als wir das Auto auf dem Dorfplatz von Albarca zurückließen. In Albarca ist das kein Problem, denn der Ort besteht nur aus maximal 15 Häusern, von denen den Anschein nach nur noch eins dauernd bewohnt ist, einer alten Kirche und einem Refugi. Verfahren kann man sich auch nicht, denn mehr als die eine holprige lehmbefestige Dorfstraße gibt es dort oben auf fast 800 Meter nicht.

    Raus aus dem Dorf, steil hoch zum immerhin 1.163 m hohen Roca Corbatera sind wir gegangen. Höher hinauf kommt man nicht in der Serra den Montsant. Am Vermessungsstein dort oben hatten wir die einzigen Wanderer gesehen. Eine Frau und ein Mann, die ihrer Sprache nach aus England kamen. Trotz sehr gut markierten Wegen, dem nahen und sehr bekannten Klettergebiet von Siurana und der nur 30 Kilometer entfernten Küste, ist die Serra Major (die Zentralregion de Serra de Montsant) etwas zu abgelegen für Massenansturm.


    Ermita de la Mare de Déu de Montsant

    Im Anschluss sind wir da oben ein paar Stunden gewandert. Weil’s nicht sonderlich rauf und runter geht, man bleibt immer auf gut 1.000 Meter, war es ein angenehmer Nachmittag. Der einzige Wermutstropfen war das diesige Wetter, sonst hätten wir über halb Katalonien schauen können.
    Von oben konnte wir die 200 Meter tiefer liegende und zwischen den Felsen kaum auszumachende Ermita de Sant Joan de Codolar schauen. Später ergab sich die Gelegenheit mit der einzigen Bewohnerin dieser Klause zu sprechen. 2007 ist diese alte Frau in die hoch über dem Städtchen Cornudella de Montsant gelegene Einsiedelei gezogen. Sommers wie winters verbringt sie seitdem alleine am Fuß der Serra. Die Pflanzen der Serra de Montsant katalogisieren und das Anwesen in Schuss halten füllen den Tag aus, erzählte sie, und wenn’s mal nichts zu tun gibt, macht das Internet Probleme, wie an diesem Tag. Leider konnte ich ihr nicht weiterhelfen.

    Am Nordrand der Serra de Montsant steht noch eine Einsiedelei, die Ermita de la Mare de Déu de Montsant. Diese war einfacher zu erreichen, dafür unbewohnt und verrammelt. Auf einer windgeschützten und von der späten Sonne warmen Bank haben wir dort diese Wanderung ausklingen lassen.


    Auf dem GR 171

    Als wir zum abgestellten Auto zurückkamen, stand doch tatsächlich ein anderes Auto daneben. Menschen waren auch am Abend nicht im Ort zu sehen, noch nicht mal ein streunender, zotteliger Hund. Albarca war genauso verlassen wie bei unserer Ankunft.
    Geändert von Werner Hohn (05.11.2014 um 18:59 Uhr) Grund: Einige Fotos waren verschwunden

  2. AW: [ES] Spanische Spaziergänge

    #2
    Muntanyes de Prades: Im Kletterdorado


    Dauer: circa 3 Stunden
    Start: Siurana
    Ende: Siurana
    Höchster Punkt: Anhöhe westlich von Siurana (ca. 800 m)
    Wanderwege: PR C 7, PR C 84, lokale Routen
    Wegbeschaffenheit: durchweg Trampelpfade, teils ohne erkennbare Spur, eine kurze und einfache Kletterpassage, kurzes Stück Straße
    Orientierung: Wanderkarte, oft Wegweiser und Wanderwegmarkierungen, gelegentlich Steinmännchen
    Wanderkarte: Muntanyes de Prades, 1:25.000, Editorial PIOLET, Barcelona

    Dass Siurana bei Kletterern sehr bekannt ist, dass dort sogar ein paar der schwierigsten Kletterrouten Europas zu finden sind, wussten wir nicht, als wir uns auf den Weg dorthin machten. Spätestens auf dem Parkplatz vor der alten Befestigungsmauer, auf dem für alle Nichtbewohner die Fahrt endet, wussten auch wir, dass man hier eher mit den einschlägigen Kletterskalen vertraut ist, denn mit Wanderwegen. Schon unterwegs hatten wir immer wieder Rufe aus den Steilwänden gehört, manchmal konnte man winzig kleine Menschen mitten in steilen roten Wänden sehen.


    Siurana

    Der Parkplatz erinnerte uns stark an die Plätze fliegender Händler, wie man sie oft noch in Portugal zu sehen bekommt. Neben, auf, unter und in Kastenwagen und Kombis, die als improvisierte Wohnmobile erhalten mussten, stapelten sich Seile, Haken und Rucksäcke. Wagendächer waren zum Trockenboden für klamme Schlafsäcke umfunktioniert, Plastiktüten mit dem Müll des vergangenen Tages hingen an den Außenspiegel der Kastenwagen, dazwischen das komplette Sortiment aller in Europa erhältlichen Klapp- und Faltstühle aus chinesischer Billigproduktion. Kletterer aus halb Europa hatten den Parkplatz zum Basislager umfunktioniert. Engländer, Tschechen , Spanier, Holländer, Dänen, Deutsche, alles war vertreten, und die meisten waren schon unterwegs zu irgendeiner Felswand.


    Wanderweg bei Siurana

    Siurana ist das genaue Gegenteil von Albarca. In Siurana steckt Geld. Das Dorf sieht aus wie frisch aus einem Modellbaukasten für malerische spanische Bergdörfer. Jeder Schritt den wir in den kleinen Ort, der auf einem Felssporn hoch über dem Stausee Pantá de Siurana thront, machten, bestätigte das. Natürlich ist Siurana sehr schön, aber auch sehr steril, künstlich eben.

    Wir haben uns dann auf den Weg in Richtung Els Gorgs gemacht. Das ist ein Bach der in den Siurana mündet. Am Gorgs wäre der lokale Wanderweg auf den GR 7 gestoßen, der hier Teil des Europäischen Fernwanderwegs E4 ist. Bis dorthin wollten wir nicht. Genau genommen wussten wir nicht wohin es gehen sollte. Treiben lassen und den Schildern nach.


    In der Barranc de Prades

    Im Zickzack sind wir steil runter bis zum Siurana. Weiter nach rechts, dem Bach bis zum See folgen, oder weiter nach links, dem Bach in die Berge folgen? Wir sind nach links gegangen, bis zu einem halb zugewachsenen Pfad und einem alten Wegweiser. Beiden sind wir erlegen, hatten uns von ihnen in ein enges Seitental mit dem Namen Barranc de Prades leiten lassen. Viel Name für einen Bach, von dem im Sommer nicht mehr viel bleibt. Irgendwann hatte der Weg aufgehört, jedenfalls der nun breite. Breiter war der geworden, weil die Gemeinde dort eine Wasserleitung verlegt hatte. Wir sind bis zur Wasserentnahmestelle gegangen. Dort war entgegen den Angaben in der Wanderkarte Schluss. Da war kein Weg mehr, nur noch das Bachbett, und das war in diesem Frühjahr reichlich mit eiskaltem Wasser gefüllt. Also doch zurück bis zu dem Wegweiser, dem ich vor wenigen Augenblick achtlos, weil für uns nicht wichtig, ignoriert hatte.

    Der wollte uns zum Grau des Masets (Pass) schicken. Dahin wollte ich nun nicht. Nun ja, entweder da hoch, oder alles wieder zurück. Dann lieber da hoch, hatten wir uns gedacht. Nur wenige Meter später, wir hatten das erste Mal die Hände zur Hilfe nehmen müssen, zeigte ein neuer Wegweiser zum Pass Grau de la Post. Na endlich, das passt doch! Das war dann die Strecke mit den Steinmännchen, dem kurzen Balken über eine doch sehr schiefe Steinplatte, den kleinen Klettereinlagen und der Gewissheit, dass die Knochen ganz schön steif geworden sind. Oder waren die Klamotten einfach zu eng? Das wird’s gewesen sein.


    Siuranella

    Der Rest war Kartenlesen und das Wissen, dass spanische Wanderwegmacher beim Wegemachen bevorzugt zu Wirtschaftwegen greifen. Die 25.000er Karte war im Gebüsch mit ihrem Katalanisch am Ende. Es hat schon einen Grund, dass in Siurana eine Wanderkarte 1:10.000 verkauft wird. Im Lauf der Jahre haben Kletterer auf der Suche nach Einstiegstellen und neuen Routen unzählige Pfade hinterlassen, dazu einen Berg Steinmännchen in die Büsche gestellt, da kann man sich glatt verlaufen.
    Geändert von Werner Hohn (05.11.2014 um 19:00 Uhr)

  3. AW: [ES] Spanische Spaziergänge

    #3
    Küstenwanderung an der Costa Dorada: Der Klassiker


    Dauer: 3 bis 20 Stunden
    Start: überall zwischen Cambrils und l’Ampolla
    Ende: in jeden Ort an der Strecke, Rückreise mit Bus und Bahn
    Höchster Punkt: Anhöhe zwischen l’Hospitalet de l’Infant und dem Kernkraftwerk bei Calafat, circa 200 m.
    Wanderwege: GR 92
    Wegbeschaffenheit: Strand und Trampelpfade direkt an der Küste, meist am Wasser, oft ohne erkennbare Spur, im Gebiet von la Platja de Miami und l’Hospitalet de l’Infant Straßen durch die Feriensiedlungen.
    Orientierung: gelegentlich Wegweiser und Wanderwegmarkierungen (rot-weiß) des GR92, der Küstenverlauf gibt die Route vor.
    Wanderkarte: eigentlich nicht erforderlich, wenn doch, bei den lokalen Tourismusbüros nachfragen. Dort gibt es gelegentlich stark vereinfachte Streckenskizzen.
    Genaue Karten (1:50.000) und mehr enthält das Buch GR92 - Sender de Grand Recorregut Portbou-Ulldecona (katalanisch)


    Es geht auch ohne Wintergarten

    Strandwanderungen machen alle, sozusagen der Klassiker für den Aktivurlauber. Es gibt Urlauber die machen das wegen der Langeweile, die sich bei dem ein oder anderen doch irgendwann einstellt. “Muss mich mal etwas bewegen” , jenes Pendant zur heimatlichen Runde um den Block. Andere schieben gesundheitliche Gründe vor. 2 Kilometer den Strand in die eine Richtung rauf, am nächsten Tag 2 Kilometer die andere Richtung runter. Beliebte Wendepunkte sind entweder Bars, Restaurant oder weil es eben nicht mehr weitergeht. Mittelmeerstrände gehören nicht zu den Rekordhaltern in Sachen “Unendlich”, damit sind Weitwanderungen meist ausgeschlossen.
    An der Costa Dorada ist das möglich. Der GR92 erschließt die komplette Küstenlinie Kataloniens - mehr oder weniger.


    Bei Playa Montroig

    Den Geruch von Sunblocker, grellbunte Handtücher, im Sommerwind flatternde Sonnenschirme, das Ziel verfehlende Frisbee-Scheiben und eben Strandwanderer, die meist mit Schuhen in der Hand am Wassersaum entlang ziehen, das kennt jeder Strandurlauber. Rot-weiße Markierungen und Schilder für einen großen Fernwanderweg sind das Letzte, was Urlauber an der Mittelmeerküste erwarten. Mir war der GR92 auch nicht bekannt. Wer kennt sich schon in der Vielzahl katalanischer Weitwanderwege aus, und wer rechnet damit so einen Weg direkt an der Küste, sogar am Strand vorzufinden? Niemand.
    Bis dann bei einem “Mal eben ‘ne halbe Stunde den Strand hoch”-Spaziergang ein Wegweiser auf dem Strand auftauchte. An einem windschiefen, von Salz und Sonne ausgebleichtem Pfahl hingen zwei verbogene, verkratzte Schilder mit Ortsangaben und den Entfernungen dorthin. Oben, ganz klein, und im Gegenlicht der hellen Nachmittagssonne kaum zu erkennen, konnte ich “GR 92” lesen. Wenn dieser GR hier verläuft, hatte ich überlegt, dann ist das ebenfalls der Europäische Fernwanderweg E4, der irgendwann - also nie - Gibraltar mit Kreta verbinden soll ... obwohl, gut 80 Prozent der Route sind markeirt. Sogar der E10, der von Finnland kommt und noch sehr viel größere Lücken aufweist, ist das hier.


    Strandschönheiten

    Ab da hatte ich bewusst nach Schildern und Markierungen gesucht, egal ob bei einer Fahrt mit dem Auto die Küste entlang, beim Einkaufen oder, ja, bei Strandwanderungen. Wegweiser stehen dort überall, sind eigentlich unübersehbar, hatte ich bald raus. Bleiche Holzpfähle mit grünen Schildern. Mal schicken die Schilder einen runter zum Strand, fünf Treppen später wieder hoch in eine ausufernde Feriensiedlung, durch deren Straßengewirr dann wieder weiß-rote Farbkleckser führen. Dann ein paar Meter eine Anhöhe hinauf, von der es ohne Umschweife zum Atomkraftwerk Vandellòs in den Ausläufern der Serra de Esteve geht.


    Miami Platja - auch das ist der GR 92

    Das langt für eine Küstenwanderung, hatte ich gedacht, wenn nicht, die Wasserlinie lässt sich schwerlich verfehlen. Das musste langen, denn das Buch für den Weg hatte eine viel zu lange Lieferzeit, die Infos der Touristenbüros in den Küstenorten mal wieder nichts, es sei denn für Wege die mit Geldern des europäischen LEADER-Projekts entstanden sind. Das sind so kurze Dinger, meist irgendwo weit Abseits aller touristische Interessen - meiner jedenfalls. Die zwei freundlichen Frauen in der Touriinfo von l’Hospitalet de l’Infant hatten sehr lange gebraucht, bis ihnen aufging, dass ich weder klettern noch reiten wollte, aber dann hatten sie sogar eine deutschsprachige Broschüre mit kurzen Wanderwegen und kleinen Ausschnitten topographischer Karten. Sogar mit 16 km GR 92.


    Bei l’Hospitalet de l’Infant

    Den GR 92 zwischen Cambrils und l’Ampolla haben meine Frau und ich in klassischer Strandwanderermanier abgeklappert: Immer hin zum Tagesziel und wieder zurück, schon damit man von der anderen Seite auch braun wird. Weil es manchmal weit war bis zum “Hin” sind das meist tatsächlich Wanderungen geworden. Nicht immer schöne, denn eine Mittelmeerkitschsiedlung ist halt ‘ne Mittelmeerkitschsiedlung und Bauruinen halt Bauruinen, und Campingplatzbetreiber und Eigentümern strandnaher Anwesen sollte die Regierung verbieten, ihr Gelände bis ans Wasser vorzuschieben. Nicht nur im Sommer kommt dort oft kein Mensch mehr durch. Dank zunehmender Winterstürme wird es schon im Frühjahr an vielen Stellen eng. Immer öfter sind die schmalsten Stellen der Strände unter meterhohen Steinblöcken verschwunden; und die vielen Lastenwagen, die Sand ankarren, damit der verwöhnte Urlauber im Sommer auch seinen geliebten Sandstrand vorfindet, könnte man sich dann sparen.
    Geändert von Werner Hohn (05.11.2014 um 19:01 Uhr)

  4. AW: [ES] Spanische Spaziergänge

    #4
    Ein paar allgemeine Tipps

    Alle Angaben beziehen sich auf das Frühjahr 2010 und sind ohne Gewähr zu verstehen.

    Eine kleine Auswahl Wandervorschläge inkl. Kartenausschnitte enthält die Broschüre Wanderwege - Costa Daurada (PDF, 15 MB).

    Karten und Bücher für Spanien sind auch übers Internet erhältlich, u.a. bei Libreria Desnivel

    Vor Ort sind große Buchhandlungen, zum Beispiel in Tarragona, Reus und Cambrils (hier nur auf Bestellung) eine ergiebige Quelle wenn es um Wanderkarten geht, die mehr als nur das Gebiet vor der lokalen Haustür abdecken. Leider verfügt kaum einer der Angestellten über Karten-, Wander- oder Buchkenntnisse. Vorher eigene Infos beschaffen, eine ISBN ist sehr hilfreich, dann auf eine eventuell mehrere Tage dauernde Lieferfrist einrichten, bewahrt vor Enttäuschungen.

    Sehr gute Quellen für die hier beschrieben Wanderungen in den Bergen sind die Touristeninfo im Kloster "Monestir de Poblet" bei Montblanc und der Campingplatz in Siurana.

    Die Touri-Info im Kloster hat Wanderkarten unterschiedlichen Maßstabs für das südliche Katalonien auf Lager. Achtung! Die Touri-Info ist gemeint, nicht die Kasse und Info für die Klosterbesichtigung. Wenn grade keine Karten im Verkaufsständer stehen, zusätzlich das Personal kein gesondertes Interesse zeigt, einfach mit dem Finger auf den Schrank hinter der Theke zeigen. Dort gibt es für diese Gegend Topographische Karten 1:50.000 der Katalansichen Vermessungsbehörde.

    Der kleine Campingplatz in Siurana hat die beiden oben genannten Karten auf Lager. Also für die Muntanyes de Prades (die wahlweise 1:10.000 und 1:25.000) und die Serra de Montsant. Wer Kletterführer für das bekannte Gebiet rund um das kleine Bergdörfchen sucht, wird ebenfalls an der Campingplatz-Bar fündig.

    Vermutlich haben die Touristenbüros in allen größeren Orten der Bergregion Wanderkarten vorrätig. Anbieten würden sich Montblanc, Prades, Ulldemolins und Cornudella de Montsant.
    Eine halbwegs sichere Quelle sind neben dem Campingplatz in Siurana, die Plätze in Prades und Vilanova de Prades, denn beide machen Werbung mit den Wandermöglichkeiten vor Ort.
    Geändert von Werner Hohn (22.12.2010 um 11:52 Uhr)

  5. Alter Hase
    Avatar von Goettergatte
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    AW: [ES] Spanische Spaziergänge

    #5
    Schön, Ermitas gibts ja reichlich in Spanien.

    Du legst Handtücher?
    Laß das nicht die Tommis ...äh... ich meine Briten, hören, das wir Deutsche
    in unseren Foren virtuelle Handtücher zum Posten hinterlassen


    Wie tauglich waren die Karten? 2001 in den Picos waren die Wanderkarten zur Navigation nicht so ganz geeignet, vorallem Steilhänge und vorhandene bzw. kartierte Wege waren irgendwie nicht unter einen Hut zu bringen.
    Geändert von Goettergatte (01.06.2010 um 19:38 Uhr)
    Wärme wünscht/ der vom Wege kommt-------------Draußen hängt die Welt
    Mit erkaltetem Knie;-------------------------------------------in Fetzen
    Mit Kost und Kleidern/ erquicke den Wandrer,------Laßt uns drinnen Speck ansetzen
    Der über Felsen fuhr.________havamal
    --------"Was darf Satire?-Alles!" Tucholsky.

  6. AW: [ES] Spanische Spaziergänge

    #6
    Ja, ich lege Handtücher. Man kann ja vom Norden lernen. Die drei Wanderungen wollte ich nicht zu sehr auseinander haben, so viel ist das schließlich nicht.

    Die katalanischen Karten sind ganz brauchbar. Wenn du auf markierten Wegen bleiben willst ist da überhaupt kein Problem. Wenn es wirklich in die Pampa gehen soll, würde ich die "echten" Topos der Katalanen (nicht die der Spanier) empfehlen.

    www.icc.es
    Geändert von Werner Hohn (01.06.2010 um 20:19 Uhr)

  7. Neu im Forum

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    AW: [ES] Spanische Spaziergänge

    #7
    Hallo! ich plane im Juli und August 5 Wochen lang meine erste trekking tour und die gleich ganz alleine weil ich keine mitwanderer gefunden habe ;-( darum will ich mich ein bisserl vorbereiten, einfach so ins blaue hineinfahren mit nicht vorhandenen spanisch kenntnissen ist mir zu riskant.
    ich würde gerne valencia und andalusien bewandern, habe aber keine ahnung wo ich genaue karten für dieses gegend herbekommen soll. von den normalen kompass karten ist mir aufgrund deren ungenauigkeit abgeraten worden, ein garmin gerät kann ich mir nicht leisten. da ich mich immer und überall verlaufe wäre ich wirklich sehr froh über tips wie ich das verhindern kann hat jemand bereits erfahrungen, wie sich der süden von spanien bewandern lässt (ich habe kein zelt mit, brauche also unterkünfte) und was es zu beachten gibt? ich wäre für jeden tips unglaublich dankbar... vlg

  8. AW: [ES] Spanische Spaziergänge

    #8
    Ganz da unten war ich schon fast 15 Jahre nicht mehr wandern, und dann auch nur Tageswanderungen. Damals ging es oft über Wirtschaftswege, bzw. Schneisen, die mit dem Bulldozer in die Berge geschoben wurden, oder kleine Straßen. Wenn nichts mehr ging, nach Kompass quer durchs Gelände.

    Eine Übersicht deutschsprachiger Wanderbücher gibt es Mapfox.

    Einen ausführlichen Reisebericht, der auch brauchbare Infos enthält, gibt es hier. Wenn es von Granada zu Fuß ans Meer gehen soll, hilft dieser Bericht ebenfalls.

    Nicht zu vergessen: http://www.wandern-in-andalusien.de/index.html

    Unterkünfte für eine so lange Zeit könnte schwierig werden. Entweder du bleibst dauernd in der Nähe der Küste, oder du musst dich halt durchfragen. In den kleinen Dörfern weit im Hinterland gibt es erfahrungsgemäß keinerlei Infrastruktur, auf die du 5 Wochen lang bauen kannst.

    *Upps*, ich sehe eben, dass du im Juli und August in Andalusien wandern möchtest. Das könnte extrem anstrengend werden. Ich liebe den Süden, aber um diese Jahreszeit nur als Faulenzer.

    Wenn es dir um planbare Unterkünfte geht, ist der GR 92 entlang der katalanischen Küste vielleicht eine Alternative. Im Hochsommer ist dort allerdings Halligalli, weil der Weg über lange Strecken wirklich an der Küste bleibt. Die Costa Brava ist auf einigen Abschnitten halt Ballermann. Auf einigen Abschnitten ist der Fernwanderweg nach Auskunft des katal. Bergsteiger- und Wanderverbands sehr überarbeitungswürdig. Das betrifft nicht nur die Markierung, auch die Streckenführung. Die rege, zum Teil wilde Bautätigkeit der letzten 20 Jahre hat ihre Spuren hinterlassen. Zum Ausgleich solltest du außerhalb der Saison überall eine Unterkunft finden. Aber wie gesagt, Juli und August nach Möglichkeit nicht, schon allein, weil man südlich von Tarragona oft über den Strand geführt wird.

    Cicerone Books hat ein paar Bücher für Andalusien im Programm. Zu den Tourbeschreibungen gehört immer eine kleine Karte (keine Topo). Amazon (de) hat die Bücher von Cicerone. Leider muss man fast immer den engl. Titel bei der Suche verwenden.

    Werner
    Geändert von Werner Hohn (08.12.2012 um 00:21 Uhr)

  9. Neu im Forum

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    AW: [ES] Spanische Spaziergänge

    #9
    hallo werner,

    vielen dank für deine vielen tips, du hast mir wahnsinnig geholfen!! dann is es vl wirklich besser wenn ich den süden mit dem zug bereise oder nur kleine tageswanderungen mach, und dann im norden wandern gehe. da scheinst du öfter unterwegs zu sein was ich gelesen habe? kannst du mir eine gegend ans herz legen? der eine fernwanderweg würd mich interessieren, der GR7 (ist das der, der auf der spanischen seite ist)? dann hab ich auch etwas interessantes gelesen, die "garganta de cares", das ist eine schlucht die ans meer führt. sagt dir das etwas? vlg, nora

  10. Alter Hase
    Avatar von peter-hoehle
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    AW: [ES] Spanische Spaziergänge

    #10
    "Das in keinster Weise klosterlike Kleidchen der Info-Frau stellt die Unterschiede der Geschlechter schon sehr provokativ zur Schau."...

    ein sehr schöner und informativer Reisebericht vom Werner.
    Die Bilder sind wie immer klasse.

    Gruß Peter
    Wir reisen um die Welt, und verleben unser Geld.
    Wer sich auf Patagonien einlässt, muss mit Allem rechnen, auch mit dem Schönsten.

  11. AW: [ES] Spanische Spaziergänge

    #11
    Hallo Peter,

    ja, da stehst du mit deiner Frau - die sich extra für den Besuch im Kloster etwas mit mehr Stoff rausgesucht hatte - am Tresen und denkst nur, wenn die Tourifrau wüsste, was in deutschen Reiseführern über Kosterbesuche steht!

  12. AW: [ES] Spanische Spaziergänge

    #12
    Zitat Zitat von norli5273 Beitrag anzeigen
    ... dann is es vl wirklich besser wenn ich den süden mit dem zug bereise oder nur kleine tageswanderungen mach
    Alternativ zum Zug, würde ich die Fernbusse einplanen. www.alsa.es

    Zitat Zitat von norli5273 Beitrag anzeigen
    ...und dann im norden wandern gehe. da scheinst du öfter unterwegs zu sein was ich gelesen habe?
    Jein, im Norden kenne ich nur den Jakobsweg. In der Mitte ein paar Wanderungen in der Nähe von Avila, aber das war 1997. Mittlerweile sollte das Schnee von gestern sein.

    Zitat Zitat von norli5273 Beitrag anzeigen
    kannst du mir eine gegend ans herz legen?
    Asturien und Navarra. Die einfachste Möglichkeit dort Tageswanderungen zu machen, sind die örtlichen Tourismusbüros. Wenn die meist auch keine richtigen Karten haben, so sind doch oft Flyer oder Skizzen vorrätig.

    Zitat Zitat von norli5273 Beitrag anzeigen
    ... der eine fernwanderweg würd mich interessieren, der GR7 (ist das der, der auf der spanischen seite ist)?
    spain.info findet das über den GR 7.

    Ja, der ist auch auf der spanischen Seite (ich nehme an, du meinst die verlinkte). Wenn ich alles zusammenrechne, bin ich dem GR7 in Spanien ca. 50 km gefolgt. Nichts, wenn man bedenkt, dass der Spanien von Tarifa bis zu den Pyrenäen durchquert.

    Zitat Zitat von norli5273 Beitrag anzeigen
    ... dann hab ich auch etwas interessantes gelesen, die "garganta de cares", das ist eine schlucht die ans meer führt. sagt dir das etwas? vlg, nora
    Das sagt mit etwas, aber nur aus Erzählungen. Höhrensagen also.

    Eine gute erste Quelle für Unternehmungen, egal ob Wandern, Rad, Auto, usw. ist die Seite der spanischen Tourismusbehörde, www.spain.info

    Als letzte Instanz in Sachen Wandern würde ich diese Seite nicht nehmen, schon alleine, weil die für jede Menge Fernwanderwege Karten auflisten, die es zwar gibt, sehr oft leider total veraltet sind. Auch die Angaben über Unterkunft und Verpflegung auf den Routen entspringt eher dem Wunschdenken, denn der Realität.

    Grundsätzlich ist es nicht einfach bei uns verwertbare Infos übers Wandern in Spanien bekommen. Es gibt die Bücher der bekannten Verlage, Bergverlag Rother u.a., die decken in der Regel nur die bekannten Gebiete ab. Welcher Schweizer fährt schon zum Wandern nach Navarra oder ins Kantabrische Scheidegebirge? Wo kein Markt, da kein Buch. Sehr bekannt sind noch die Picos de Europa (Asturien). Für diese Ecke gibt es genug Wanderbücher und auch Karten.

    Grüße
    Werner
    Geändert von Werner Hohn (08.06.2010 um 19:59 Uhr) Grund: Mit einem Buchstaben vom Bus zum Wasser.

  13. AW: [ES] Spanische Spaziergänge

    #13
    Noch eine Wanderung aus der Gegend. Zwar zwei Jahre später, aber es passt halt, das auch, weil es tatsächlich nur ein Spaziergang ist

    Reisezeit: März 2012


    Ein Spaziergang zur Ermita la Mare de Déu de la Roca von Mont-roig del Camp



    Mal eben noch ein Spaziergang, bevor es heim geht. Die Frau neben mir, die gerade ihre Wanderschuhe schnürt, rollt mit den Augen. Die Frau ist meine Frau. Eine kleine Rundwanderung von Mont-roig del Camp zur ehemaligen Einsiedelei und wieder zurück steht an. Meine Frau ist begeistert, um es freundlich zu umschreiben. Morgen soll es zurück nach Deutschland gehen. Alles mit dem Auto. Anderthalbtausend Kilometer. Fahren muss sie nicht, doch den letzten Tag unten am Strand verbummeln, das wäre ihr eindeutig lieber gewesen. Ende März, Mann! Der letzte Urlaubstag!, Sonne!, blauer Himmel!, zuhause wird ist es schweinekalt, nass und grau sein! Nein, mein Mann muss unbedingt diese Wanderung machen! Jedes Ausrufezeichen ist laut vernehmbar.


    Kirche Sant Miquel in Mont-roig

    Was für ein blöder Zufall, dass beim Bezahlen die Verbindung zum Server der Bank so unendlich lange gedauert hatte. Gestern war das gewesen. Auf dem Tresen der Rezeption lag halt dieses bunte Prospekt der Gemeindeverwaltung von Mont-roig del Camp. Tja, weil der Server nicht wollte, die Frau am Kartenlesegerät ziemlich einsilbig war, hatte ich mir den Prospekt geschnappt. Das war einer von diesen bunten Flyern, die nur gedruckt werden, weil es dafür Geld aus Fördertöpfen gibt. Das war der Prospekt mir der Wanderung zur Ermita.

    Auf dem Weg zur Ermita

    An die Costa Dorada fährt kein Mensch zum Wandern. Badeurlaub, Badeurlaub, Badeurlaub. Dafür fahren die Leute hier runter. Die auf den Campingplätzen fahren noch nicht mal mehr ihre Wohnwagen hier runter und wieder zurück in den Norden. Die Kisten bleiben hier; und wenn man kommt, reicht ein Anruf. Wenige Stunden später steht der Wagen auf der gewünschten Parzelle. Der Campingurlauber landet mit dem Billigflieger im nahen Reus und macht den Rest mit dem Taxi. Die Briten haben schon gar keine Wohnwagen mehr. Die ziehen die Plastikhäuser von xyz-Camp vor. Bald beherbergt jeder Campingplatz am Mittelmeer eine Plastikhaussiedlung unter fremder Leitung. Es wird halt gut bezahlt, egal ob ausgebucht oder nicht.


    Katalonien im März

    Zwischen die Sonnenanbeter mischen sich ein paar Kunstbeflissene. Wegem dem Miró, diesem Maler, kommen die. Dessen Bilder hingen von 30 Jahren in jeder Studentenbude als Poster. Im Original war der schon damals unbezahlbar. Die Kunstbeflissenen zieht es nach wenigen Stunden ins nahe Cambrils. Da gibt es ein paar gute Köche. Oder direkt weiter ins ebenfalls um die Ecke liegende Tarragona. Dort kann man in Kunst und Geschichte machen. Bleiben tun die Campingurlauber, die Ende März einfallen, im Sommer verschwinden, und im Herbst erneut einfallen. Im Sommer kann kein Mensch die Campingplätze bezahlen. Dann ist jeder Pauschalurlaub billiger. Beide, die Camper nicht, die Kunstkenner nicht, haben eine sinnvolle Verwendung für die Flyer mit den Wanderwegen.

    Muntanya blanca

    Ja, dann gibt es noch das Hinterland. Durchzogen von Kurz-, Weit- und Fernwanderwegen, dass der Schwarzwaldwanderer sich fragt, warum er im März im nassen Schwarzwald wandern soll. Er tut es dann trotzdem, da er um die Schwierigkeit weiß, seiner Frau hier unten an der sonnigen Küste den Wanderschuh schön zu reden.

    Montroig ist so nah an der Küste und doch so spanisch. Heutzutage muss das betont werden. Aber spanisch ist alles hinter der Küstenlinie. Das wird so bleiben. Kein Urlauber will ins Hinterland. Doch es lohnt. Alte Männer hocken auf rissigen Plastikstühlen auf den Straßen vor den Bars, mustern uns skeptisch und schauen weg, wenn wir hinschauen. Dass die nicht nach mir schauen, ist sonnenklar. Alte spanische Männer bleiben Männer – bis zum Schluss.


    Ermita la Mare de Déu de la Roca

    Den GR 192 suche ich und kann den nicht finden. Wie wäre es mit fragen, kommt es etwas spitz von meiner Seite. So weit kommt es noch. Ein paarmal um die falschen Ecken rum, und siehe da, da ist sie, die weißrote Markierung. Ob die zum GR gehört oder zum Cami Vell de Mont-roig a L'ermita, ist mir erstmal wurscht. Raus aus dem Nest, auf eine flache Anhöhe rauf. Ein schöner Blick übers auf ein Städtchen. An den letzten Häusern, den ersten Weg nehmen. Hauptsache die Richtung stimmt. Unübersehbar ist das Ziel. Wer soll sich da verlaufen? Über staubige Feldwege zwischen noch sehr lichten Olivenbäumen Richtung Berge. Weit voraus gehen zwei alte Männer, auf die wir schnell auflaufen. Ach-ja, deshalb! Der eine mit 'ner Krücke links, der andere mit 'ner Krücke rechts. Beim Überholen unverständliches Gemurmel, irgendwas katalanisches, doch sie winken freundlich, als wir uns nochmal umdrehen.

    Ermita la Mare de Déu de la Roca

    Voraus tauchen rostbraune Felsen auf, die la Roca, von denen die Ecke hier den Namen hat. Ausgewaschen, ausgehöhlt, sandrau geschmirgelt. Oben drauf, ganz weit vorn auf einem Sporn, liegt die Ermita. Mal wieder eine der ungezählten Kapellen, von denen Spanien so viele hat. Dazu noch ein Flucht- oder Vorratsturm und fertig ist die heutige Touristenattraktion. Von seitwärtshinten führt ein Sträßchen hinauf. Das war klar. Den Kommentar von seitwärtsvorne, den, dass man auch ein Auto habe, überhöre ich. Drei, vier Autos stehen auf dem Parkplatz. Ein paar Franzosen krabbeln durchs Gemäuer. Unverkennbar war das mal eine Burg, dann eine Kapelle mit Einsiedelei. Nebenan auf dem Felsen, knutscht ein junges Pärchen weltvergessen als gäbe es den Rest der Welt nicht mehr. Immerhin knutschen sie mit Fernsicht.


    Burg - Kapelle - Einsiedelei

    Wir geben uns mit weniger zufrieden. Wir wollen einen Kaffee. Oben, da wo das Schild hinzeigt, soll es Kaffee geben. Oben klimpert Geschirr. Auf, auf, das Treppchen hoch. Ich verzichte auf den Kaffee, meine Frau auch. Nichts gegen Lokalkolorit, aber der Grind sollte schon von den Tassenrändern verschwunden sein.

    Tolle Aussicht hier oben. Wenn es nicht so diesig wäre, sogar bis zum Strand, über dem jetzt ebenfalls die Sonne scheint. Meine Frau ist sich da ganz sicher. Von oben sind die zwei alten Männer von vorhin zu erkennen. Sie haben kehrt gemacht und spazieren zurück ins Städtchen. Wir gehen über einen anderen Weg zurück. Nichst Tolles, ein geteerter Wirtschaftsweg zwischen Olivenbäumen, Kiefern und Agarven. Wie üblich, Plastikmüll am staubigen Straßenrand. Der GR 192, der hier laut Wanderkarte verlaufen soll, ist hier nicht. Macht nichts. Die Wege werden eben schon mal verlegt. Kurz vorm Dorf mal wieder einer dieser Grillplätze, bei denen sich unsereins nur wundert, dass es nicht öfter zu Feuersbrünsten auf der Iberische Halbinsel kommt.


    Mont-roig del Camp und Miró

    Rein über die Carrer de la Mare de Déu de la Roca ins mittäglich ausgestorbene Städtchen. Die Gassen gehören den Katzen. Aus Höfen, die hinter hohen Mauern die Außenwelt ausschließen, schallt Hundegebell die Hauswände entlang. Parkende Autos, keine Menschen. Der Stadtverwaltung ist klar, was sie ihrem berühmtesten Sohn schuldig ist. Schnöden Straßenschildern aus Blech hat man eine Absage erteilt. Das kann man anders, das muss anders, das machen wir mit Keramikkacheln, über die sich Miró höchstwahrscheinlich wundern würde. Das Centre Miró ist geschlossen. Grad eben, wie es aussieht. Die alten Männer auf den rissigen Stühlen sind ebenfalls verschwunden. Dafür sitzen Arbeiter und Angestellte vor den Bars. Mittagspause? Siesta!

    Unser Auto ist noch da. Auf, an den Strand! Immer diese Wanderungen, hört das denn nie auf?, sorgt sich meine Frau. Wanderung? Pah! Sieben Kilometer … sieben! Übermorgen muss ich zum heimischen Bäcker. Hin und zurück ist das weiter. Übermorgen wird jedoch die Sonne nicht scheinen, auch das Meer wird fern sein, blauer Himmel Mangelware und erst das Thermometer ...
    Geändert von Werner Hohn (15.01.2013 um 14:49 Uhr)
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  14. Erfahren

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    AW: [ES] Spanische Spaziergänge

    #14
    Hi Werner,
    toller Bericht über eine weiß Gott nicht so häufig bewanderte Ecke. Und richtig gute Bilder. Wir waren in den letzten Jahren ein paar Mal in Tarifa und haben im Hinterland Tagesausflüge und Halbtagswanderungen gemacht. Da hab ich mich beim Betrachten deiner Bilder gerne erinnert.
    Horst

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    AW: [ES] Spanische Spaziergänge

    #15
    Tarragona – gibt’s da nicht auch guten Wein? So für abends jedenfalls?

    Vielen Dank, auch wenn draußen Schnee liegt und das auch schön ist, aber ein bisschen Süden zwischendurch tut gut!

  16. AW: [ES] Spanische Spaziergänge

    #16
    Wein gibt es da, doch ob der gut ist, kann ich nicht beurteilen. Ich trinke nie Alkohol.

    Tarifa, oh je, das ist lange her, dass wir da unten waren. Irgendwann wollen wir zu Fuß da unten ankommen. Da wir jetzt am Ebro-Delta sind, wird das noch etwas dauern.
    .

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