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    Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #1
    Jeder sollte so ein Ding laut Lehrbuch dabei haben, aber kaum einer redet drüber und nicht einmal in der Fachpresse findet sich wirklich etwas über: Notfall- bzw. Einwegbiwaksäcke.

    Möchte man der Lehrmeinung folgen, und schaut sich nun hoffnungsvoll in den Outdoorläden um, so stolpert man im Bereich Biwaksäcke über ein unüberschaubares buntes Durcheinander von Gegenständen. Unzählige Anbieter, sei es Mountain Equipment, Pieps, SOL, Bramble, Ortovox sowie gefühlt noch ein paar hundert chinesische Firmen bieten hier die unterschiedlichsten Lösungen und Ideen an. Alles bunt, jeder hat etwas eigenes - und nun?


    Ich habe mich jetzt mal eine Weile durch das Produktdickicht gekämpft und versucht, das Angebot in gewisse Untergruppen einzusortieren und Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus zu finden. Dabei lag das Augenmerk vorrangig auf den Einweg-Biwaksäcken und nicht den wieder verwendbaren Teilen bzw. Minizelten. Diese wiegen mehr, sind teurer, nehmen mehr Platz in Anspruch und sind daher eher nicht als Notfallmaterial dauernd dabei.


    Wirkungsweise:
    Biwaksäcke besitzen keine Isolation, wie sie z.B. Schlafsäcke besitzen (Daunen- oder Kunstfaserfüllung). Die Wirkung beruht auf Schutz gegen Luftaustausch durch die Folie und somit Schutz gegen Wind, sowie Reflektion der IR-Strahlung des Körpers. Die silbrigfarbige Seite reflektiert hierbei bis zu 99%, die goldfarbige Seite 97% der Wärmestrahlung. Dies ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass beide Farben sich lediglich in der Anordnung Folie/Aludampf unterscheiden (siehe Materialien/Aufbau). Somit ist es eigentlich unerheblich, ob nun gold oder silbern nach aussen gewendet wird. Sitzt man also im Schnee, ist es sicherlich besser, die etwaig vorhandene goldige Seite nach aussen zu drehen, um besser erkannt zu werden - Kühlung hin, Wärmeerhalt her.
    Einzig zu beachten ist ist: Damit ein Biwaksack die maximale Wirkung entfaltet, darf die Folie nicht direkt auf der Haut aufliegen, sondern es muss z.B. mit Hilfe von Kleidung ein Luftpolster dazwischen geschaffen werden (Vermeidung von Kältebrücken).



    Verwendete Materialien, Aufbauweise:
    Biwaksäcke bestehen aus einer oder mehreren Schichten Kunststofffolie, welche zur Erhöhung der Wärmeleistung mit Alu bedampft wird. Die Aluschicht dient dazu, IR-Strahlung (Wärmestrahlung des Körpers) zu reflektieren und so die Auskühlung zu verringern. Anhand der Farbe des Biwaksacks kann hierbei erkannt werden, wie dieser grundlegend aufgebaut ist.

    Beidseitig silbrige Folien bestehen aus einer Kunststofffolie in der Mitte, welche auf beiden Seiten mit Alu bedampft wurde. Bei goldfarbigen Folien wird dagegen nur eine Seite bedampft. Diese erscheint silbrig, während die Kunstoffseite selber goldig erglänzt. Andere Farbkombinationen (rot, orange etc.) enstehen durch Verwendung von gefärbten Kunstsstoffen, die einseitig mit Alu bedampft werden.

    Neben der Farbgenbung ist vor allem die verwendete Kunststoffsorte interessant, da diese unterschiedliche Stabilitäten aufweisen. Als Materialien kommen bei den Einwegmodellen entweder PET (bzw. Mylar als Handelsname einer Firma) oder PE zum Einsatz, wobei die höherpreisigen Varianten in der Regel PE und nicht PET aufweisen. Diese wiegen zudem etwas mehr, was jedoch maximal UL-Fetischisten interessieren könnte, die sich hier durch Wechsel von PE auf PET sagenhafte 20g Gewichtsersparnis aus dem Rucksack sägen können (und dabei sogar noch Geld sparen).

    PET (Polyethylenterephthalat) ist ein zäher Kunststoff, welcher aufgrund seine Eigenschaften z.B. als Material für Einwegflaschen Verwendung findet. Biwaksäcke (und auch Tragetaschen oder Pralinenverpackungen) aus PET kann man sehr einfach daran erkennen, dass sie rascheln bzw. knistern, wenn man sie drückt/faltet/verformt. Auch die typischen Rettungsdecken bestehen aus PET. Die Folien fühlen sich in der Hand eher hart und etwas steif an.

    PE (Polyethylen) ist weicher und verformbarer als PET, raschelt bzw. knistert nicht, und fühlt sich eher weich in der Hand an (wie sich z.B. Mülltüten halt so anfühlen).


    Aufbau, Design, Form:
    Das Notfallequipment kann man in drei Kategorien einteilen: (Rettungs)decken, einfache Biwaksäcke (aka Müllsäcke) sowie Biwaksäcke in Mumienform.
    Rettungsdecken sind simple Kunststoffplanen, in die man sich oder andere einwickeln oder zudecken kann. Der Vorteil insb. bei Verletzten ist, dass diese dazu nicht oder nur kaum bewegt werden müssen. Der Hauptnachteil besteht zum Ausgleich darin, dass kein wirklich rundherum luftdicht abgeschlossenes System entsteht und so immer mal wieder Wärme durch Luftaustausch mit der Umgebung verloren geht. Für eine ungeplante Nacht sind Decken daher weniger geeignet.

    Einfache Biwaksäcke sind nichts anderes als grosse Müllsäcke. Man steigt hinein und der Kopf bleibt entweder draussen oder man muss die Tüte sich etwas umständlich über den Kopf ziehen und soweit verschliessen, dass nur noch das Gesicht frei bleibt. So kann man sich zwar eine Nacht über gut beschäftigen und den Biwaksack festhalten, aber so richtig das Gelbe vom Ei ist dies dann doch auch nicht.

    Mumienformbiwaksäcke sind wie reguläre Schlafsäcke aufgebaut. Der Kopf kommt somit in den Biwaksack mit rein und die Einstiegsöffnung wird per Kordel bis auf ein kleines Loch verengt. Der Nachteil dieser Säcke ist der konstruktionsbedingte Mehraufwand an Materialien und somit ein höheres Gewicht, Packmass und Preis.


    Für alle drei Sorten gilt das gleiche: Die Biwaksäcke/Decken sind nicht atmungsaktiv. Man sitzt somit automatisch früher oder später im eigenen Saft und das Wasser läuft an der Innenseite der Hülle herunter. Bei entsprechender Kälte bildet sich dann sogar dichter Nebel im Inneren. Entsprechend negative Bewertungskommentare diesbezüglich z.B. auf Amazon kann man daher geflissentlich ignorieren. Die Teile sind nicht auf Komfort sondern auf Überleben getrimmt.


    Die Produktpalette
    Genug der Vorworte (die ich so auf noch keiner Bergsteigerseite gefunden habe), Vorhang hoch, Bühne frei für den Schaulauf der Anbieter. Ich habe (fast) keine Kosten und Mühen gescheut, und mal wieder quer eingekauft und zudem nachgesehen, was hier schon so herum liegt.


    AOTU Emergency Sleeping Bag AT9039

    Für 3.78 USD beim Ali des Ostens erhält man einen PET Biwaksack (Format Müllbeutel) in der Farbe silber im Format 2mx1m im ausgefalteten Zustand. Gewicht inkl. Verkaufsverpackung: 88g (ohne Verpackung 80g).


    No Name All weather emergency bag

    80g schwer in einem Mini Ziplockbeutel, beidseitig silbern und aus PET gefertigt, Typ Müllbeutel. Stammt ebenfalls vom A des Ostens zum Preis von 2.72 USD und besitzt die Grösse 79x39 inches (2m x 1m)


    Semptec Emergency Sleeping Bag

    Erhältlich beim hiesigen Spezialanbieter für sicherheitsrelevante Gegenstände Pearl. Silbrig, 106g schwer, Format 84x36 inches (2.13m x 91 cm), Material PE, Preis derzeitig 5.51 Euro (von 9.99 Euro reduziert laut Webpage). Ich habe meinen damals für 3.90 Euro beim gleichen Laden gekauft. Interessante Preisentwicklung.


    Bonuspunkte für die Beschreibung auf der Rückseite. Wer noch eine Idee für eine Gender Reveal Party sucht, hier ist eine Idee:

    (Bitte in Originalgrösse ansehen)


    AOTU Emergency Sleeping Bag AT9040

    Ebenfalls Ali, erworben für 5.62 USD. PE Müllsack, 213x91cm, orange/silber, 112g schwer.


    Bramble Emergency Sleeping Bag

    9 Euro bei Amazon, ein aus PE bestehender Müllsack, 213x91cm gross, Farbkombi orange/silbrig und 120g schwer.


    Ortovox Bivy Ultralight
    Nicht gekauft, gibt es für etwa 20 Euro im Bergsportgeschäft. Dafür erhält man zum PE Biwaksack (Typ Müllsack) im Format 213x91cm und den Farben orange/silbern noch einen hübschen Packsack und das Ganze gerollt und nicht gefaltet. Wiegt laut Hersteller 150g.


    Rab - Ark Emergency Bivi
    20 Euro im Bergsportladen, 105g schwer, Abmessungen 215x90 cm, PE Müllsack in den Farben orange/silber.


    Mountain Equipment Ultralight Bivy
    17 Euro teuer, 110g schwere PE Mülltüte in orange/silber, Format 213x91cm, gerollt und im Nylonsäckchen.



    Zusammenfassung der Produkte
    Spätestens nach dieser Auflistung fällt auf, dass die Wunderwelt der Notbiwaksäcke gar nicht so gross ist, wie sie einem nach einem Blick auf die Zahl der Anbieter so vorkommen könnte.
    Lässt man mal das Marketing für die Packsäcke aussen vor, so findet man neben ganz wenigen Sonderformen (Aotu PET 1m x 2m) immer das gleiche Folienformat (213 cm x 91 cm), entweder in silbriger PET-Folie oder orange/silbriger PE-Folie.
    Man kann nun solch eine Tüte für 4-5 Euro nun bei Aliexpress ordern, legt 9 Euro bei Amazon hin oder man zahlt 20 Euro im Bergsportladen und bekommt dann neben dem PE-Sack eine hübsche Nylontasche (die übrigens auch kaputt geht) als Bonus oben drauf.




    Tests

    Stabilität:
    Man sollte sich hier nichts vormachen. Egal ob PE oder PET, die Folien sind allesamt nicht sehr besonders stabil und weit weg von den Materialien, die Hilleberg in den Zelten verwendet. Allerdings unterscheiden sich beide Folientypen dann doch deutlich im Verhalten.

    PET-Folien sind extrem reissfest und zäh. Eine unbeschädigte PET-Folie kann man mit bloser Hand kaum bzw. nur mit sehr viel Mühe zerreissen. PE-Biwaksäcke dagegen dehnen sich schon bei recht geringer Zugbelastung und können ohne grossen Aufwand zerrissen werden.
    Die Situation dagegen verkehrt sich, sobald die Folie beschädigt ist (z.B. durch felsigen Untergrund). Während PE hier unverändert mehr oder weniger stabil bleibt, breitet sich ein Riss in einer PET-Folie quasi widerstandslos aus.


    PET-Folie nach einem Test. Ich war zwar in der Lage, die Aluschicht abzureiben (deswegen ist die Folie auch an einigen Stellen durchsichtig), aber im unbeschädigten Zustand konnte ich diese nicht einfach so zerreissen.


    Sobald die Folie jedoch irgendwo einen kleinen Schnitt oder ein Loch aufwies, riss diese ungebremst bei der kleinsten Belastung durch, was man anhand der scharfen und geraden Kanten auch hier im Bild erahnen kann.


    PE kann generell mit etwas Aufwand zerrissen werden. Allerdings (man beachte die ausgefransten Ränder im Riss) reisst das Material bei einer Beschädigung nicht einfach widerstandslos durch.

    Fazit daher:
    Wer abends mit Steigeisen an den Füssen in einen PET-Biwaksack einsteigt, oder das Ding auf felsigem Untergrund nutzt, hat schnell nur noch Fetzen in der Hand, vor allem wenn auch noch etwas Wind an der Konstruktion zerrt oder man sich bewegt. PE-Säcke sind hier zwar ebenfalls nicht pflegeleicht, aber Risse und Löcher führen nicht sofort zum Totalverlust der Schutzhülle. Somit spricht dies ziemlich deutlich für die Nutzung von PE-Einwegbiwaksäcken.


    Länge und Format:
    Ich habe mich probeweise mal in den Aotu PE-Sack gehüllt. Ohne Bergstiefel oder sonstigem Gedöns und mit 1.81m Grösse reicht die Länge von 213cm laut Datenblatt gerade so aus, dass ich auf einem Stuhl und im Biwaksack sitzend mir den oberen Rand bis zur Stirn herunter ziehen kann. Also aufgepasst, wer grösser ist, darf sich gut drin falten oder muss den Kopf ungeschützt draussen lassen.


    Komfort:
    Schnell geklärt, es wird in beiden feucht. Allerdings war es einfacher, den PE-Sack zu entfalten als die beiden PET-Tüten, die ich ausgepackt habe. PET-Folie scheint da stärker und schneller zu verkleben. In einen PE-Sack kommt man somit etwas bequemer rein als in einen aus PET.


    Und demnächst hier im gleichen Thread: Mumienbiwaksäcke sowie wenn mir sie einfallen: weitere Tests/Vergleiche
    Geändert von Becks (28.08.2020 um 09:36 Uhr)
    After much research, consideration, and experimentation, I have decided that adulthood is nothing for me. Thank you for the opportunity.

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    AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #2
    Merci für den Überblick...

    ich habe vom freundlichen Chinesen die Dinger die dem Mountain Equipment sehr ähnlich (oder gleich sind).. in jedem Rucksack ist immer einer drin, damit das nicht vergesse einzupacken und ich habe schon manche Situation gehabt wo ich mich über die zusätzliche Wärme in Form des abgehaltenen Windes gefreut...

  3. AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #3
    Danke Becks, da fällt mir doch ein, dass ich das Thema bisher selbst sehr vernachlässigt habe. Klar für Touren im Hochgebirge hatte ich bisher schon immer einen Biwaksack mit, aber gerade für kleinere Touren habe ich im Kopf immer die Rettungsdecke zum Notbiwaksack gemacht. Also habe ich gerade selbst beim Ali ein wenig geforscht.

    He das mit den Nylonsäckchen stimmt ja gar nicht, 2 Stück mit Säckchen. (Hoffe der Link geht noch als nicht Werbung durch).

    Bei meiner Suche bin ich dann auch gleich auf eine dritte Kategorie gestoßen. Nicht PE oder PET sondern 15D Nylon. Konntest du die auch schon testen Becks? Könnten ja etwas stabiler sein. Gewicht ist fast gleich, aber scheinen kleiner geschnitten zu sein. Auch hier den Link bitte nicht als Werbung sehen, geht mir nur darum zu zeigen welche Art ich meine.

    Gruaß
    Simon

  4. Liebt das Forum
    Avatar von Becks
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    AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #4
    Zitat Zitat von Simon Beitrag anzeigen
    Bei meiner Suche bin ich dann auch gleich auf eine dritte Kategorie gestoßen. Nicht PE oder PET sondern 15D Nylon. Konntest du die auch schon testen Becks? Könnten ja etwas stabiler sein. Gewicht ist fast gleich, aber scheinen kleiner geschnitten zu sein. Auch hier den Link bitte nicht als Werbung sehen, geht mir nur darum zu zeigen welche Art ich meine.

    Gruaß
    Simon
    Der kommt noch, den habe ich in Mumienform.

    Und woanders gefunden:


    Post als Moderator
    geklautes Bild

    Bei Nachfragen bitte eine PN an den Moderator senden.  Dein Team der


    Nach Genuss des Eingangstexts dürfte klar sein, dass das hier nur die halbe Wahrheit ist. Reissfest ja, Weiterreissfest nein.
    Geändert von ronaldo (31.08.2020 um 20:49 Uhr)
    After much research, consideration, and experimentation, I have decided that adulthood is nothing for me. Thank you for the opportunity.

  5. AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #5
    Zitat Zitat von Becks Beitrag anzeigen
    Der kommt noch, den habe ich in Mumienform.

    Und woanders gefunden:


    Post als Moderator
    geklautes Bild

    Bei Nachfragen bitte eine PN an den Moderator senden.  Dein Team der


    Nach Genuss des Eingangstexts dürfte klar sein, dass das hier nur die halbe Wahrheit ist. Reissfest ja, Weiterreissfest nein.
    Hi Becks

    Hast du einen Link zu dem Biwaksack. Mylar sollte ja PET sein kein 15D Nylon. Wenn du meinem Link folgst und zur Hälfte runter scrollst, siehst du das Material in Großaufnahmen, schaut eher so wie klassisches Ripstop Nylon aus. Aber du hast natürlich recht, bei Alibaba ist das was in der Beschreibung steht und das was dann ankommt oft ein "wenig" unterschiedlich.

    Gruaß
    Simon
    Geändert von ronaldo (31.08.2020 um 20:51 Uhr)

  6. Erfahren

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    AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #6
    Danke Becks. Jetzt weiß ich endlich, warum es solche Dinger gibt, die nicht reißen, aber weiterreißen. Ich habe sowas seit Jahren im Rucksack, war aber nicht recht glücklich, weil die sich doch recht flott auflösen, wenn mal ein kleines Loch drin ist.

    In "schwierigen Gebieten" (Norwegen im frühen Frühjahr z.B.) packe ich daher oft die Ultraschwervariante ein - einen Jerven Fjellduk, der ist unzerstörbar.

  7. Liebt das Forum
    Avatar von Becks
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    AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #7
    Weiter im Text....

    Wie ähnlich sich die Müllsack-Säcke (Einweg, egal ob PET oder PE), sieht man hier:

    AOTU PE ausgebreitet:


    Ein No Name PET oben drauf



    Dann der AOTU PET:


    Und zuletzt den Semptec Urban Survival Gear PET:


    Ich habe lediglich einen einzigen PET-Biwaksack herum liegen, bei dem zumindest das Klebeband in blau anstelle gelb ist. Die Dinger sind sogar bis runter auf das Klebeband identisch, egal wer sie vertickt.



    Widerverwendbarkeit
    Einmal PE wieder gefaltet und zum Vergleich einen unausgepackten Biwaksack daneben gelegt zeigt schon, dass es damit nicht all zu weit hin ist. Man bekommt die Tüten nicht mehr aufs Originalmass gepresst:


    Bei PET ist die Situation noch nerviger. Die starre Folie lässt sich nicht einmal annäherungsweise komprimieren, und sobald man nicht mehr drauf drückt, geht alles auseinander:


    Somit ist klar: Der Typ Biwaksack muss hinterher ausgetauscht werden, hübsches Nylonsäckchen hin, "Wiederverwendbar" als Versprechen her. Plant man auf der gleichen Tour eine zweite Nacht in einem solchen Biwaksack (sofern er noch nicht in Fetzen zerlegt ist), sollte man PE wählen, denn den bekommt man noch am ehesten wieder gebändigt und in den Rucksack.


    Liveaufnahmen
    Mangels Testperson habe ich kurzerhand einen WM Antelope regular in die Tüten gestopft, und davon Bilder geschossen.


    Platz hat es ausreichend, auch die Länge ist stimmig, solange man selber nicht grösser als ev. 1.85m ist. Sonst wird es oben herum knapp.


    In allen Fällen jedoch (egal ob PE oder PET), muss man das Einstiegsloch selber zu halten, denn weder ist der Sack passend vorgeformt (Mumienform), noch hate es irgendwelche Schnüre o.ä., um das Ding zu schliessen.
    After much research, consideration, and experimentation, I have decided that adulthood is nothing for me. Thank you for the opportunity.

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    AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #8
    Auf zu den Mumiensäcken, und weil diese

    Subito Thermal Power.
    210x82cm in den Abmessungen, 145g schwer, aus einseitig mit Alu bedampftem Nylon. Kaufpreis damals bei Aliexpress etwa 35 USD. Der Shop ist längst weg, ich habe den Biwaksack nun unter einem anderen Firmennamen für 22 CHF (+ Versnad) beim Ali wieder gefunden.





    Hier sieht man das verstärkte Material (innen und aussen), sowie der Ersatz für einen halblangen Reissverschluss: Klett.




    Die Kopföffnung besitzt eine Kordel zum Verschliessen

    Und mit Testperson sieht das dann offen so:


    ..und geschlossen so aus:



    Der Biwaksack sieht ganz schick aus und ist für den Mehrfachgebrauch ausgelegt. Benutzt habe ich ihn auch schon auf Tour als Überhülle für den Schlafsack, mit dem üblichen Ergebnis: Schlafsack selber aussen feucht. Inwiefern doch etwas Wasserdampf durchgedrungen und nicht im Schlafsack gelandet ist, kann ich schlecht bewerten. Es regnete nachts.
    Abzug in der B-Note erhält der Klettverschluss. Der lässt klarerweise etwas Luft durch, und die Aluschicht soll auch nur bis zu 85% der Energie reflektieren. Inwiefern das nun zu den Müllsäcken einen grossen Unterschied darstellt - keine Ahnung.
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    AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #9
    Alpidex Biwaksack
    Zufallsfund auf Amazon, bei 15 Euro Kosten konnte ich dann nicht widerstehen. Der Biwaksack besitzt eine Mumienform und ist für den Mehrfachgebrauch ausgelegt. Wiegt 240g, besteht aus Polyester und die Stoffbahnen sind mit Tape versiegelt.

    Der Packsack ist in den Biwaksack eingenäht und verschwindet beim Auspacken im Kopfbereich.


    Format: 210x82cm, also das übliche.


    Hier mit "Testperson"


    Und der simple Aufbau im Kopfbereich


    Immerhin, die Nähte sind mit Tape versiegelt.



    Fazit: noch nicht getstet, aber der Stoff ist vertrauenserweckend dick und stabil und dürfte doch die eine oder andere Nacht überleben. Schnickschnack besitzt das Ding nicht, also keinerlei Einstieghilfen o.ä., und da der Stoff nicht atmungsaktiv ist, wird es darin garantiert ebenso feucht wie in jeder anderen Hülle, die nicht aus Gore oder sehr dünnem Stoff besteht.

    Inwiefern sich dann letztendlich die fehlende Alu-Beschichtung auswirkt, kann ich schlecht einschätzen. Allerdings sei folgendes angemerkt: IR-Strahlung ist nichts anderes als Wärmestrahlung, und die wird in der Regel von der Kleidung bereits ordentlich zurückgehalten. Wer mit Fleece, Hardshell, Kappe, Handschuhe und Hochtourenhose in so etwas rein kriechet, dürfte von Haus aus schon wenig Wärme abstrahlen. Interessanter ist da der Windschutz sowie das Luftpolsterzwischen Kleidung und Aussenhülle.
    After much research, consideration, and experimentation, I have decided that adulthood is nothing for me. Thank you for the opportunity.

  10. AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #10
    Zitat Zitat von Becks Beitrag anzeigen
    Auf zu den Mumiensäcken, und weil diese

    Subito Thermal Power.
    210x82cm in den Abmessungen, 145g schwer, aus einseitig mit Alu bedampftem Nylon. Kaufpreis damals bei Aliexpress etwa 35 USD. Der Shop ist längst weg, ich habe den Biwaksack nun unter einem anderen Firmennamen für 22 CHF (+ Versnad) beim Ali wieder gefunden.


    Ja genau den Stoff meinte ich, gibt es sogar in 2 Personen Ausführung, leider steht da dann kein Gewicht mehr dabei.
    Bekommst du den wieder gut in den Beutel rein?

    Übrigens auf meinem Avatarbild sieht man meinen Favoriten. Alter sicher 30 Jahre, irgendwas Nylon, Wasser- und Dampfundurchlässig, 2 Personen und unter 500g. Lässt sich mit ein wenig Improvisation sogar als Zelt aufspannen (haben wir nur gemacht weil die Jugendherberge in, glaube das war Florenz, getrennte Schlafsäle hatte und nur wer ein Zelt hatte durfte im Garten schlafen).

    Danke
    Simon

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    AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #11
    Zitat Zitat von Simon Beitrag anzeigen
    Ja genau den Stoff meinte ich, gibt es sogar in 2 Personen Ausführung, leider steht da dann kein Gewicht mehr dabei.
    Bekommst du den wieder gut in den Beutel rein?
    Also alle wiederverwendbare Biwaksäcke lassen sich recht gut wieder den Packsack stopfen bzw. rollen.

    Alex
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  12. AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #12
    Bei den Alpenvereinskursen in denen es um Notfälle am Berg ging waren die Ausbildner immer der Meinung, dass ein 2 Personen Biwaksack besser ist als ein 1 Personen. Im Sitzen zu Zweit drüber gestülpt ergibt sich schnell ein wettergeschützter Unterstand. Wenn es ein wirklicher Notfall ist, ist mit schlafen eh nicht mehr viel. Da ist es dann besser, wenn 2 Personen sich gegenseitig als psychische Stütze dienen können.
    Glaube der Windsack von Hilleberg ist da ein sehr gut umgesetztes Produkt, aber 140€ puh. Ich glaube ich bestelle jetzt einfach mal bei Ali die 2 Personen Version.

    Gruaß
    Simon

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    AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #13
    Was wollen denn die Ausbilder da erreichen?

    Entweder es geht um 2 Mann Biwaksäcke, wo man gemeinsam rein steigt und drin sitzt (und sich auf die Nerven geht). Also einem Ding das extra wiegt, wenn man solo unterwegs ist und keinen Steinbock als Wärmepuffer mit reinpacken will. In solch einem Fall würde ich mir ernsthaft einen für 2 Leute ausgelegten Sack in Mumienform überlegen, denn wenn zwei Leute in einem Müllsack hocken und den gemeinsam zu halten müssen, dann wird das kompliziert. Oder eben doch jeder für sich - Psyche hin oder her.

    Oder reden die Jungs von den Notzelten wie dem hier, welches ich hochinteressant finde. So etwas macht Sinn, wenn man z.B. auf Skitour an einer windexponierten Stelle warten will oder muss, oder auch, um eine kurze Gewitterfront auszusitzen. 215g für solch einen Zweck finde ich jetzt ganz ok. Wenn man dies dann noch von mir aus um je einen billigen PE Müllsack erweitert, dann hat man eigentlich eine recht nette Kombi für ungeplante Einsätze.

    Will man dagegen eh im Schlafsack übernachten, dann würde ich mir einen Sol Escape oder vielleicht den von mir beschriebenen Subito von Ali besorgen, denn damit kann man Schlafsackhülle und Notfallbiwaksack spielen.

    Hier noch eben mal zwei SOL-Varianten im Vergleich:

    (INFO: Bitte kein Bildmaterial einfügen, das die Rechte Dritter verletzt. d.h. i.d.R. keine Musikvideos, TV-Serien etc. )
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    AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #14
    Und der letzte im Sortiment....

    Vaude Biwaksack
    Hier haben wir das Old-School Modell,den klassischen Biwaksack. Massiv gebaut aus Polyamid, bis 30°C waschbar


    Ds Ding wiegt einiges mehr als die leichten Vertreter (345g)


    Sieht dafür dann aber auch nicht nur robust aus, sondern ist es auch. Hier Blick auf die Innenbeschichtung und den Reissverschluss.


    Mit Testperson im Sack


    Saubere Sache alles in allem. Das Atemloch kann wirklich klein gemacht werden, und bleibt auch zu dank Verschnürung


    Hier im Detail



    Der Biwaksack ist eventuell um die 20 Jahre alt, gebraucht auf Ebay erworben worden, und der Biwaksack, in dem ich schon die Ehre hatte, real einmal ungeplant irgendwo zu stranden. Die Nacht auf 4000m oben am Obergabelhorn war dank Schneefall und stürmischen Winden zwar sackekalt (und innen im Biwaksack irgendwann allees nass), aber das Teil hat die Nacht auf dem Fels unbeschadet und ohne Kratzer überlebt. Wahrscheinlich kann man darin noch ein paar Mal pennen, bevor er zumindest mal in die Waschmaschine wandern sollte.
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    AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #15
    Fazit bis hier hin:

    Die Entscheidung muss immer noch jeder selber treffen, wie hoch er/sie die Chance eines (un)geplanten Biwaks sieht, und wieviel Geldund Gewicht er für diesen Aspekt opfern möchte.

    Bei den Einwegmodellen geht meiner Meinung nach die Richtung stark zu den PE-Modellen. Wiegen nicht wirklich mehr als PET und halten etwas länger durch. Ob man diesen dann mit aufgderuckter Outdoormarke für 20 Euro oder für 5 Euro bei Ali kauft, ist eigentlich egal, denn es sind die gleichen Säcke. Für jeden Insasssen einen Biwaksack ins Auto packen ist auch keine schlechte Idee.

    Bei den Mumiendingern, die für den mehrfachgebrauch bestimmt sind, ist es dann wirklich eine persönliche Sache und von Randbedingungen abhängig (z.B. ob man solch einen Biwaksack auch gerne mal oder sogar vorzugsweise als Schlafsackhülle nutzen will). So als Biwakhülle bei ungeplantem Wind wäre mir der Vaude dann doch zu schwer und voluminös, da kommt dann lieber ein SOL oder Subito mit.

    Nur gestreift, aber auch einen Blick wert: die Überwurfzelte. In Norwegen haben wir so etwas mal mit einem klassischen, weiten Poncho durchgezogen und irgendwo eine spontan über uns hinweg rollende Regenfront ausgesessen. Auch für andere Touren sehe ich da durchaus sinnvolle Einsatzmöglichkeiten.

    Und dann wären da noch die Rettungsdecken, die hier komplett aussen vor blieben.
    After much research, consideration, and experimentation, I have decided that adulthood is nothing for me. Thank you for the opportunity.

  16. AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #16
    Super zusammengefasst Becks, danke dir!

  17. Dauerbesucher

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    AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #17
    Vielen Dank für die Recherche.
    Ergänzung: mein ca. 15 Jahre alter Hilleberge WINDsack ist ein Windsack und ist und war nie dicht.
    Ich nutze mittlerweile einen leichten, zuknöpfbaren Exped Poncho, Ei dem das tatsächliche Maß nicht mit den Herstellerangaben übereinstimmt, er ist ausgebreitet kleiner, oder einen Exped 2er Biwaksack alternativ ein 2 Einwegsack. Funktioniert alles.
    2er Säcke mit 2. Öffnung funktionieren auch prima als Regenponcho auf langen Talhatschern. Wer Dich je daran sah vergisst niemals die grosse, rote Wolke.

  18. Anfänger im Forum

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    AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #18
    Vielen Dank für die schöne Zusammenstellung, besonders zu den PE/PET Notbiwaksäcken. Mein ME hat immerhin 4-5 h gehalten, dann hat es ihn zerrissen (ein kleines Birkenstöckchen). Da ich v.a. Nordische XC Skitouren mache habe früher nur Jerven/Helsport Windsäcke benutzt und eine Saison einen Hilleberg Bivanorak. Für kurze Pausen sind beide gut, ansonsten fühle ich mich in komplett geschlossenen Säcken einfach wohler, mach allerdings auch häufiger geplante Biwaks und da muss man in einem einigermassen leichten Jerven schon ziemlich die Beine anziehen.
    Zur Zeit verwende ich einen Borah Gear, bei Wind und Kälte super, bei Regen und Mücken die Hölle auf Erden.

    Komisch, an die schlauen britischen BothyBags habe ich mich auch noch nie ran getraut.

  19. Liebt das Forum
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    AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #19
    Diese Bothy Bags sind imo sinnvoll. Sind ja nichts anderes als Säcke aus wind- und regendichtem Material, welches man über sich und ev. einen weiteren Kollegen drüber stülpt, und wo man drunter ausharren kann.

    Für Pausen oder zur Orientierung (Kartenarbeit bei Sturm und Schneefall oder regen) sicher sinnvoll. Darin übernachten dürfte kalt werden, da man mit dem Rücken den Sack aufspannt, und der Rücken somit ständig Kontakt mit der Aussenwelt hat.

    Mir sind im Biwaksack auf 4000m in der Nacht auf vorrangig die Kniescheiben abgefroren. Da lag der Biwaksack notgedrungen auf der Haut (bzw. hose) auf, und das war sehr sehr kalt auf Dauer.
    After much research, consideration, and experimentation, I have decided that adulthood is nothing for me. Thank you for the opportunity.

  20. Anfänger im Forum

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    AW: Biwaksäcke, Müllsäcke und was man sonst so mit nimmt

    #20
    Vielen Dank für diese Testergebnisse, Becks!

    Eben entdeckt:
    Tod vor der Hütte | Leben überm Horizont | Sonderfolge | Doku | BR | Hochkönig | Bergrettung
    https://www.youtube.com/watch?v=AuONdK9oICY

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