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    [DK] Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #1
    Mitreisende: Blubbi
    Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)



    Vorwort

    Nachdem ich für die ersten beiden Hiking-Touren meines Lebens Lappland als Reiseziel ausgewählt hatte (Padjelantaleden 2016 und Kungsleden 2018 --> Berichte + Bilder hier im Forum zu finden) , entschied ich mich vor meiner dritten Tour, diesmal ein anderes Land zu bereisen. Ich hatte mir ein neues Zelt gegönnt, weil sich herausgestellt hatte, dass das vorherige 2-Personen-Zelt viel zu groß für mich alleine war und deshalb auch unnötig schwer war. Nach vielen Recherchen und vielen Überlegungen entschied ich mich für ein Hilleberg Enan Mit diesem neuen so viel kleineren Zelt wollte ich aber lieber erstmal ein Land bereisen, welches nicht ganz so zivilisationsfern ist wie meine bisherigen Touren. Deshalb entschied ich mich nach viel Hin und Her für Dänemark. Ich wollte den Gendarmstien an der Flensburger Förde laufen und danach Bornholm umrunden (der Bornholm-Bericht folgt noch gesondert). Auf beiden dieser Wege sollte es wunderbar schöne Landschaften geben und genug einsame Teilstrecken, aber dennoch immer wieder jeden oder jeden zweiten Tag Versorgungsmöglichkeiten. Diesmal hatte ich mir vorgenommen, ohne Kocher, Spiritus und Küche loszuziehen, so weiter Gewicht zu sparen und mich nur von kaltem Essen und – wenn möglich – von vor Ort zu kaufendem Essen zu ernähren. Außerdem habe ich mir eine neue Isomatte besorgt, welche hoffentlich bequemer ist als meine alte. Des Weiteren habe ich mir einen dünneren und leichteren Schlafsack aus China bestellt, welchen ich in Dänemark testen möchte. So plante ich mal wieder monatelang meine Vorhaben, verbesserte mal wieder meine Packliste, plante, wo ich an Nahrungsnachschub kommen könnte und freute mich, wieder neue Erfahrungen sammeln zu dürfen. Letztendlich bin ich nach all meinen Planungen mit dieser Ausrüstung losgezogen:


    Packliste:

    Big 4:
    - Rucksack (Osprey Exos 58 ohne Deckelfach) (1064 g)
    - Raincover (Osprey Größe M im Original-Packsack) (94 g)
    - Notfall-Trillerpfeife an Reepschnur (ACME Tornado Slimline) (9 g)
    - Zelt (Hilleberg Enan im Original-Packsack inkl. 8 Heringe) (1172 g)
    - Footprint (Original Hilleberg) (256 g)
    - Schlafsack (Aegismax im Original-Packsack) (464 g)
    - Isomatte (NeoAir Uberlite im Original-Packsack) (250 g)
    - Pumpsack (96 g)
    - Leichte dünne Isomatte (124 g)

    = 3529 g


    Packsäcke/Zippbeutel/Mülltüten/Plastiktüten/Noaks-Bags/Frühstücksbeutel:

    = 92 g


    Am Körper:
    - Socken (Wrightsock Coolmesh 2) (41 g)
    - Salewa-Zustiegsschuhe MS Wildfire S GTX (784 g)
    - Unterwäsche (80 g)
    - Laufshort (Adidas TX Agravic) (56 g)
    - Merino-T-Shirt (Bergans) (112 g)
    - Fleecepulli (216 g)
    - Hut (52 g)
    - 2 Trekking-Stöcke mit Panzertape und Asphalt-Gummistoppern (504 g)
    - Gürteltasche Decathlon 2 L (41 g)

    = 1886 g


    Kleidung:
    - Regenjacke Frogg Togg im Mesh-Beutel (162 g)
    - Regenhose im Mesh-Beutel (240 g)
    - Fleecepullover (174 g)
    - Ersatz-Merino-Unterwäsche (Icebreaker) (36 g)
    - Campschuhe (Crocs) (200 g)
    - Dünne Handschuhe (36 g)
    - Dünne Mütze (24 g)

    = 872 g


    Schlafsachen:
    - Laufshort (Adidas TX Agravic) (56 g)
    - Lange Merino-Unterhose (192 g)
    - Merino-T-Shirt (Icebreaker) (158 g)
    - Merino-Longsleeve-Shirt (Devold) (184 g)
    - Laufsocken Falke Run (32 g)
    - Ohrenstöpsel in Box (6 g)

    = 628 g


    Hygiene, Körperpflege & Vorsorge:
    - Handtuch (Mikrofaserhandtuch leicht trocknend 30 x 60 cm) (36 g)
    - Waschschüssel (Zippbeutel 3 L) (12 g)
    - Mini-Spiegel aus Kunststoff (2 g)
    - Zahnbürste (7 g)
    - Nadel als Zahnstocher
    - Denttabs im Zippbeutel (4 g)
    - Wattestäbchen + Zahnseide im Zippbeutel (2 g)
    - Care Plus Clean Bio Soap (10 ml) (Universale Outdoor-Seife /Mini-Duschgel) (16 g)
    - Haarshampoo-Probepackung (10 ml) (14 g)
    - Klopapier ohne Pappe drin (44 g)
    - Sonnencreme (66 g)
    - Lippensonnenschutz im Zippbeutel (2 g)
    - Handdesinfektionsmittel (36 g)
    - Hirschtalgcreme gegen Blasen (36 g)
    - Zeckenschutz (Zeckito Classic) (62 g)
    - Mückenschutz/Zeckenschutz (Care Plus Deet Lotion 50 ml) (26 g)
    - Sonstiges (56 g)

    = 421 g


    Medikamente/Erste Hilfe:
    - Pinzette (8 g)
    - 2 Verbandspäckchen (26 g)
    - Verschiedene Pflaster und Tape (22 g)
    - Wunddesinfektionsmittel 10 ml (16 g)
    - Schmerztabletten/Fiebersenkendes Mittel (8 g)
    - Voltaren als Sportsalbe/Schmerzsalbe (36 g)
    - Fenistil als Mückenstichgel und gegen Sonnenbrand (8 g)
    - Apres-Sun-Creme (auch als Handcreme) (14 g)
    - Nasenspray (12 g)
    - 4 Reisetabletten Vomex A (2 g)
    - 2 x Cetirizin (2 g)

    = 154 g


    Küche:
    - 1 lila Löffel (1 g)
    - Taschenmesser inkl. Messer und Schere (Feile abgesägt) (19 g)
    - 2 Gerolsteiner – Trinkflaschen 1 L ohne Etikett (104 g)
    - 1 Faltflasche 1 L (Platypus) (28 g)

    = 152 g


    Ausweise/Dokumente/Geld/Schlüssel usw.:

    = 43 g


    Sonstiges:
    - Smartphone (136 g) in Knallfolie (mit Kompass, Übersichtskarten, Wanderkarten usw.) + Powerbank RAV 6.700mAh (124 g) + Powerbank-Kabel mit Gummi (14 g) + Handynetzteil weiß (34 g) (312 g)
    - Fotoapparat Nikon Coolpix A10 Kit (inkl. 2 x AA und 64 GB-Speicherkarte) in Knallfolie (166 g)
    - 4 Ersatzbatterien für den Fotoapparat (100 g)
    - Notfall-Karten-Ausdrucke und Notfall-Weg-Infos in Klarsichtsfolie, falls das Smartphone versagt (6 g)
    - Regenschirm in Original-Hülle (300 g)
    - Moskitonetz/Mückennetz (26 g)
    - Reparaturset Zelt (1 Ersatz-Hülse) (12 g)
    - 1 Mini-Bleistift (beidseitig angespitzt) + Mini-Radiergummi (3 g)
    - Block als Notizblock und als Tagebuch (16 g)
    - 3 Wäscheklammern (10 g)
    - 2 Sicherheitsnadeln + 2 Nadeln + etwas schwarzes Garn (2 g)
    - Mini-Fliegenklatsche (8 g)
    - ½ Lappen zum Zelt abtrocknen usw. (12 g)
    - 4 wiederverschließbare Kabelbinder (4 g)
    - 2 Gummis + 1 Frühstücksbeutel-Draht (1 g)
    - 1 Ersatz-Obsttüte (1 g)
    - 1 Ersatz-Zippbeutel 1 L (6 g)

    = 985 g


    Verpflegung:
    - 1 L Wasser
    - 3 Vitamintabletten (Magnesium) im Zippbeutel (14 g)
    - 2 Acerola-Vitamin-C-Lutschtabletten (4 g)
    - 3 Clif-Bar-Riegel (214 g)
    - Snacks für zwischendurch und abends: kandiertes Obst, Pick Up, 2 Keksrollen, Mini-Salamis, Walnuss-Salamis, 3 Eiweißriegel, M&Ms, Reiswaffeln, Käsescheiben (1013 g)

    = 1245 g Essen + 1 L Wasser


    = insgesamt 6,876 kg ( + 1,886 kg Kleidung am Körper) + 2,245 kg Verpflegung

    = 6,876 kg + 2,245 kg = 9,121 kg Startgewicht




    Beunruhigt war ich kurz vor dem Start eigentlich nur wegen meinem Körper. Vor 6 Monaten entzündete sich meine linke Schulter und trotz unzähliger Arztbesuche haben sich die Schmerzen immer noch nicht in Luft aufgelöst. Zudem hatte ich kurz vor dem Start auch noch eine überlastete Achillessehne. Auch diese schmerzte so sehr, dass ich nur humpelnd vorwärtskam. Aber gut, ich wollte es trotzdem versuchen. Im schlimmsten Fall würde ich die Wanderung halt abbrechen müssen, was sowohl auf dem Gendarmstien als auch auf Bornholm aufgrund von Bussen immer wieder möglich ist. Aber versuchen wollte ich es auf jeden Fall. Denn ich hatte schließlich alles monatelang geplant und die Flüge für Bornholm bereits gebucht.
    Und deshalb geht es jetzt los
    Geändert von Blubbi (30.03.2020 um 11:56 Uhr)

  2. Erfahren

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    AW: Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #2
    Tag 1 (Padborg – Kollunder Wald (9 km))

    Heute ist es so weit. Auf geht’s Richtung Dänemark. Diesmal nicht – wie bei meinen 2 bisherigen Touren - mit dem Flugzeug, sondern zum ersten Mal mit meinem Auto. Gepackt hatte ich alles gestern schon. Mein Plan ist es, morgens loszufahren, mittags am Start des Gendarmstiens anzukommen und dann noch 9 km zu laufen bis zum ersten Ort, an dem man kostenlos für eine Nacht in seinem Zelt übernachten darf. Im Gegensatz zu Schweden gibt es in Dänemark nämlich kein Jedermannsrecht. Zelten darf man nur dort, wo es ausdrücklich erlaubt ist. Deshalb gibt es in Dänemark bestimmte extra dafür vorgesehene Plätze („overnatning for free“). Ich bin heute Morgen ehrlich gesagt ziemlich unentspannt. Wird mein 22 Jahre altes Auto mich sicher bis nach Dänemark bringen? Werde ich dort einen geeigneten Parkplatz finden? Werde ich stundenlang im Stau stehen und erst so spät am Startpunkt ankommen, dass ich es gar nicht mehr bis zum ersten Übernachtungsplatz schaffen kann? Fragen über Fragen. Außerdem beunruhigt mich immer noch meine Achillessehne, welche immer noch nicht schmerzfrei ist. Trotz sehr vieler Quarkwickel kam ich in den letzten Tagen nur humpelnd voran.
    Meine Nacht war schrecklich, da ich mal wieder starke Schmerzen in meiner linken Schulter hatte. Trotzdem stehe ich pünktlich wie geplant auf, erledige die letzten notwendigen Dinge und steige überpünktlich in mein Auto. Die Anfahrt verläuft nahezu perfekt und obwohl kurz vor der Grenze zu Dänemark ein kleiner Stau entstand wegen Kontrollen auf einspuriger Fahrbahn, biege ich wie geplant mittags zum Startpunkt des Gendarmstiens ein.
    Zuerst möchte ich mir genau ansehen, wo der Weg startet und in welche Richtung er verläuft. Der Gendarmstien startet nämlich direkt an einer Straße und folgt dieser zunächst noch ein kurzes Stück, bevor der Weg dann auf autofreien Wegen weiterverläuft. Ich fahre also mit meinem Auto die ersten paar hundert Meter des Weges ab, fahre dann danach noch kurz zu einem 500 Meter weit entfernten Netto, um 50 Euro in dänisches Bargeld zu wechseln und parke dann mein Auto direkt am Startschild (Haraldsvej), da glücklicherweise genau dort Parkboxen sind, von denen sogar noch welche frei sind und welche nichts kosten bzw. auf denen unbegrenztes Parken anscheinend erlaubt ist.



    Ich stelle mein Auto ab, ziehe meine Wanderklamotten an, sehe währenddessen zwei Wanderer an meinem Auto vorbeilaufen, stelle meine Wanderstöcke in die richtige Größe ein, schließe das Auto ab und los geht’s. Währenddessen sitzen in ca. 200 Meter Entfernung auf einer Bank mehrere Jugendliche, die mich die ganze Zeit zwischendurch immer wieder beobachten. Ich fühle mich unwohl und habe Angst, mein Auto hier alleine mehrere Tage lang zu parken, aber mit dieser Angst muss ich nun leben.

    Gendarmstien – Ich komme. Ich starte mit meiner gewohnten Schneckengeschwindigkeit in kurzer Hose und T-Shirt + Fleece-Pulli bei ca. 15 – 20 Grad bei bewölktem Wetter mein neues Abenteuer. Der Gendarmstien ist ein recht neuer kleiner Fernwanderweg, welcher an der Grenze zwischen Deutschland und Dänemark entlangführt. Früher liefen an dieser Grenze die Gendarme entlang, um aufzupassen, dass niemand etwas in das andere Land schmuggelt - Deshalb der Name Gendarmstien (Gendarmenpfad). Ich folge der Straße bis zu ihrem Ende. Währenddessen fährt schon das erste Polizeiauto an mir vorbei. Die Polizisten beäugeln mich und ich fühle mich beobachtet. Sie fahren aber weiter. Als ich das Ende der Straße erreiche, von dem aus der Gendarmstien durch ein kleines Waldstück führt, sehe ich, dass das Polizeiauto dort parkt und mich immer noch beobachtet. Da ich nicht weiß, was sie von mir wollen, schnecke ich einfach verwundert weiter. Anscheinend wird dieses Grenzgebiet heute immer noch gut kontrolliert. Die Polizisten bleiben in ihrem Auto sitzen und sprechen mich nicht an. Trotzdem hinterlässt diese ungewohnte Situation in mir ein seltsames Gefühl. Da ich es aber nicht ändern kann, von ihnen beobachtet zu werden, laufe ich also weiter und biege dann in das Waldstück ein. Ein hübscher kleiner Wald, welcher an Felder grenzt und direkt dafür sorgt, dass ich oft anhalte für Fotos.



    Der Weg verläuft weiter durch kleine Waldstücke und Felder mit zwischendurch wirklich netten Aussichten.









    Außerdem komme ich an meinem ersten Grenzübergang vorbei:





    Mit diesem Telefon konnte man früher mit dem Gendarm auf der anderen Grenzseite „telefonieren“. Ab und an komme ich an netten Informationstafeln vorbei, die einem interessante Infos über diesen Weg und das Gebiet vermitteln:



    Weiter geht es wieder durch Waldstücke und Felder.





    Mitten im Wald sehe ich 2 jugendliche Mädchen ohne Rucksack. Ich habe ein ungutes Gefühl und gehe schnell weiter. Außerdem treffe ich noch ab und zu ein paar Spaziergänger mit ihren Hunden. Der Weg ist mir bis jetzt insgesamt ehrlich gesagt unangenehm aufgrund der Zivilisationsnähe und aufgrund dessen, dass ich weit und breit die einzige Wandererin zu sein scheine. Vielleicht muss ich mich aber auch einfach noch an diese ungewohnte Zivilisationsnähe beim Wandern gewöhnen. Die Landschaft hingegen ist wirklich abwechslungsreich und nett.
    Mein erstes zu durchwanderndes Dorf kommt in Sicht: Krusau.



    Mein Plan ist es, dort einen Hot Dog oder so etwas zu ergattern als Zwischensnack.
    Aber vorher mache ich noch Bekanntschaft mit diesen Lebewesen:





    Kurz darauf erreiche ich Krusau und esse dort tatsächlich an einem Imbiss direkt an der großen Kreuzung, die ich sowieso überqueren muss, meinen ersten dänischen Hot Dog auf dieser Wanderung. Außerdem kaufe ich mir Wassernachschub für die Nacht und morgen früh. Der Hot Dog schmeckt mir zwar unendlich lecker, aber ich mache nur eine kurze Pause, da ich mich an dieser großen Kreuzung recht unwohl fühle und komisch vorkomme als einzige Wandererin so in der ganz normalen Zivilisation. Weiter geht es durch Wald.



    Zwischen Krusau und Kollund treffe ich eine radreisende Frau, welche sich verfahren hat. Ich kann ihr nicht besonders gut weiterhelfen, da ich mich ja selber hier nicht auskenne, aber wir vermuten, dass sie den gleichen Weg nehmen muss wie ich. Sie ist meine erste nette Begegnung dieses Tages und wir finden heraus, dass wir beide in Kollund übernachten wollen. Leider ist mein Englisch anscheinend mal wieder zu schlecht und wir können uns nicht wirklich gut verständigen. Wir verabschieden uns mit den Worten, dass wir uns evtl. später am Zeltplatz wiedersehen, aber dort kam sie niemals an bzw. war sie nicht vor mir dort. Ich vermute, dass sie noch weitergefahren ist und an einem richtigen Campingplatz in Kollund übernachtet hat.
    Irgendwann schnecke ich durch eine hübsche Wohnsiedlung mit Schotterwegen und schönem Ausblick:



    Kurz darauf geht es wieder in ein Waldstück und ich erreiche spät nachmittags mein Tagesziel:



    Als ich am kostenlosen Platz für Zelte ankomme, ist niemand dort. Auch dies ergibt wieder ein ungutes Gefühl in mir. Ich baue dennoch mein Zelt auf (, denn mir bleibt ja nichts anderes übrig), sortiere meine Sachen, esse 2 Sandwiches, welche ich von zuhause mitgebracht habe und versuche mich innerlich zu beruhigen und mir einzureden, dass ich mich nicht so anstellen soll bezüglich meiner unguten Gefühle.





    Aber dies klappt nicht. Die Bäume sind sehr beängstigend laut, weil es windig ist und total aufgewühlt und voller Angst liege ich wach in meinem Schlafsack und kann nicht einschlafen. Um 21.30 Uhr höre ich plötzlich Geräusche. Ich öffne vorsichtig mein Zelt und erblicke total erleichtert 3 Wanderer/innen, welche auch hier übernachten möchten. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Ich grüße die Neuankömmlinge und versuche ihnen auf Englisch zu erklären, wie froh ich bin, dass ich hier nicht alleine die Nacht verbringen muss, aber die 3 sind entweder nicht kommunikationswillig oder mein Englisch ist mal wieder zu schlecht. Sie möchten nicht wirklich ein Gespräch anfangen, aber das macht mir nichts aus. Die 3 Wanderer/innen bauen ihr Tarp auf und ich verkrieche mich wieder in meinem Schlafsack, nun aber viel glücklicher und entspannter.

    Nun ist es Zeit, um für mich erste Fazite zum ersten Tag zu ziehen: Inklusive der Anreise habe ich es heute geschafft, ca. 2,5 Liter zu trinken, was absolut ausreichend sein dürfte. Der Weg bestand heute aus Waldwegen, kurzen Stücken an Straßen und Forstwegen. Das Gelände war fast durchgängig leicht hügelig. Schon auf diesen ersten Kilometern meines neuen Abenteuers sah ich heute Schnecken, Kühe auf Feldern, kleine spatzenähnliche Vögel, 1 Eichhörnchen und 1 Reh. Außer, dass ich sehr müde war von der Anreise und der letzten schlechten Nacht, hat mein Körper die ersten 9 Kilometer besser verkraftet als befürchtet. Meine Achillessehne tat weniger weh als ich dachte und ansonsten hatte ich heute nur leichte Schmerzen an den Fersen und linksseitige Hüftschmerzen vom ungewohnten Rucksack. Am Zeltplatz angekommen tat mir mein Rücken sehr weh von dem ganzen anstrengenden Tag, aber ansonsten bin ich mit meinem Körper echt zufrieden. Pausen habe ich nur sehr kurze gemacht, da ich einfach nur schnell am Zeltplatz ankommen wollte und diese Etappe schnell hinter mich bringen wollte. Meine Kleidungswahl war heute perfekt - mir war weder zu kalt noch zu warm. Die Landschaft dieser ersten Etappe war recht hübsch, nicht langweilig und relativ abwechslungsreich. Aber mein Hauptfazit dieses ersten Tages ist momentan leider trotzdem, dass ich mich im dänischen Wald auf dieser ersten Etappe total unwohl gefühlt habe, wie ich es noch nie getan habe auf meinen Wanderungen. Sowohl beim Laufen als auch am Zeltplatz war ich voller Angst, bis endlich und glücklicherweise die 3 anderen Wanderer/innen kamen.

    Für morgen lautet mein derzeitiger Plan, auf einem normalen Campingplatz zu übernachten. Ich hoffe deshalb, dass ich morgen diese unwohlen Gefühle der Einsamkeit in Zivilisationsnähe nicht haben werde. Denn ansonsten war der Weg echt schön und mein Körper, mein Auto, das Wetter und überhaupt alles hat gut mitgemacht außer diesem unguten Angstgefühl. Um ca. 23 Uhr schlafe ich endlich ein.
    Geändert von Blubbi (26.03.2020 um 17:03 Uhr)

  3. Erfahren

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    AW: Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #3
    Tag 2 (Kollunder Wald – Laerkelunden Camping (15 km))

    Um ca. 6 Uhr wache ich auf. Die erste Nacht in Dänemark war überhaupt nicht gut. Mir war nachts zwischendurch kalt, die Bäume waren wegen des Windes sehr laut und mein Rücken und meine linke Hüftseite taten mir sehr weh. Ich weiß nicht, ob es an meiner neuen Isomatte liegt, an die ich mich vielleicht erst noch gewöhnen muss, aber gut ist auf jeden Fall anders. Die 3 spät angekommenen Wanderer/innen liegen immer noch unter ihrem Tarp und schlafen anscheinend noch und so starte ich um 7.52 Uhr meine heutige Etappe.

    Der Weg verläuft zuerst weiter durch den Kollunder Wald. Der Wald ist recht hügelig und so geht es immer wieder mal hoch und mal runter.





    Ich schnecke an den Sheltern des Kollunder Waldes vorbei, winke gerade aufstehenden Wanderern zu und setze meinen Weg fort. Kurz danach komme ich wieder an einer Informationstafel vorbei, die mir etwas über den Weg und die Geschichte dieses Gebietes erzählt.



    Nach dem Durchqueren dieses Waldgebietes laufe ich nun auf Bürgersteigen bzw. durch ein Wohngebiet. Die Häuser sehen sehr gepflegt und wohlhabend aus und manche Anwohner haben sich besonders bemüht, alles schön aussehen zu lassen:





    Und irgendwann bald ist es endlich so weit. Ich erreiche um 9.10 Uhr die Flensburger Förde und sehe das Wasser vor mir.



    Zum ersten Mal auf dieser Wanderung bin ich richtig glücklich. Mein beängstigendes Gefühl, alleine in einem Wald in Zivilisationsnähe zu sein, ist von jetzt auf gleich verschwunden und ich erfreue mich über diesen freien Anblick, das schöne trockene Wetter ohne Regen und die schöne frische Luft, die vom Wasser herüberweht.



    Der Gendarmstien verläuft nun hauptsächlich direkt am Wasser entlang oder zumindest so, dass man das Wasser fast immer im Blick hat. Ich liebe die Nähe zum Wasser und fühle mich direkt viel viel freier und glücklicher als im Wald.





    Mal geht es direkt am Wasser entlang und manchmal sogar durch solch dichtes Farngestrüpp:



    Auch durch Felder geht es wieder, aber nun immer wieder mit wunderschönen Aussichten wie dieser:



    Auch Forstwege sind kurzzeitig mal wieder dabei.



    Und dann ist es endlich soweit. Schon seit Monaten freue ich mich darauf, Annie’s Kiosk zu besuchen. Ich hatte auf Facebook gelesen, dass dieser Imbiss sehr beliebt ist bei Wanderern und Bikern und freute mich schon wahnsinnig darauf, dort etwas Leckeres zu essen. Ich erkenne die Straße von den Fotos auf Facebook wieder und ahne, dass es nicht mehr weit sein kann. Und dann ist es endlich soweit. Ich erblicke den Imbiss und freue mich darüber, mein erstes inneres für mich wichtiges Ziel erreicht zu haben.





    Die Bedienungen im Imbiss sind supernett und so genieße ich um 11.13 Uhr meinen Hot Dog zusammen mit einem gekühlten Kakao aus einer Glasflasche bei Sonnenschein draußen vor dem Imbiss. Auf der anderen Straßenseite sehe ich 2 wandernde Menschen mit großen Rucksäcken und freue mich schon, mit ihnen ein bisschen zu quatschen, aber leider laufen sie einfach am Imbiss vorbei und wollen hier wohl nichts essen. Ich genieße trotzdem das wunderbare Wetter, die Pause, die frische Luft und das so unendlich leckere Essen. Nach meinem Hot Dog bestelle ich mir noch einen weiteren Hot Dog, weil der erste so lecker war. Außerdem frage ich die Bedienung, ob sie mir meine Wasserflaschen (2 x 1 Liter) mit Leitungswasser auffüllen könnte. Die nette Mitarbeiterin tut dies sofort und so bin ich absolut glücklich und motiviert für die weitere Wanderung. Außer ein paar Spatzen ist bei Annie’s Kiosk noch nicht viel los, aber das macht mir nichts aus. Ich bin glücklich und fühle mich überhaupt nicht mehr so schlecht wie gestern. Nach dieser tollen und gelungenen Stärkung setze ich meine Wanderung fort, weiter geht’s immer in Wassernähe. Eine mehr oder weniger kleine Panne passiert mir hier:



    Als ich hier eine kurze Pause mache, stelle ich meinen Rucksack ab. Als ich ihn wieder aufsetze, vergesse ich meinen Rucksack-Regenschutz auf dem Boden. Erst als ich weiterlaufen will, fliegt dieser Schutz wegen dem Wind durch Zufall etwas weg, so dass ich nur wegen der Windböe überhaupt merke, dass der Regenschutz noch dort lag Glück gehabt, denn ohne die Windböe hätte ich den Regenschutz wahrscheinlich dort liegen lassen Weiter geht’s trotz Fast-Panne.



    An einem schön gelegenen Rastplatz mache ich meine nächste Pause und genieße immer noch das wunderbare Wetter und die tolle Landschaft.



    Danach geht es weiter über kleine Pfade, fast immer in Wassernähe.



    Auch direkt am Strand geht es manchmal wieder entlang.



    Auf mich wirkt der Weg sehr abwechslungsreich, so dass ich die Landschaft und die morgendliche/vormittägliche Ruhe in meinem Schneckentempo wirklich genieße.









    So langsam ziehen sich die heutigen angepeilten 15 km aber doch sehr in die Länge und da es nun inzwischen schon nachmittags ist, sehne ich mich danach, den Campingplatz zu erreichen. Doch leider habe ich anscheinend irgendwann einen Wegweiser verpasst und stehe nun vor diesem Hindernis:



    Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass dies der richtige Weg ist, da der Gendarmstien ja ein Qualitätswanderweg sein soll, aber nun gut. Ich bin zu faul, um umzudrehen und will nur noch mein Tagesziel erreichen. Und wer weiß, wie weit ich zurücklaufen müsste, um den richtigen Weg zu finden. Also balanciere ich von Stein zu Stein und hoffe, dass ich bald wieder auf den Weg treffe. Falls ich irgendwann nicht mehr trockenen Fußes weiterkommen sollte, ziehe ich halt die Schuhe aus und gehe in meinen Crocs durch das Wasser. Aber dies ist nicht nötig, denn ich schaffe es, vorsichtig von Stein zu Stein zu balancieren. Doch schon naht das nächste Hindernis. Dichtes Farngestrüpp ohne wirklichen Weg türmt sich vor mir auf. Natürlich habe ich keine Lust, wieder den ganzen Steine-Strand zurück zu klettern und so entscheide ich mich, es durch das Farn zu versuchen. Glücklicherweise kann ich in der Ferne nun schon den Campingplatz sehen. Ich kämpfe mich also durch das Dickicht.





    Das Einzige, was mich ein bisschen beruhigt, ist, dass ich anscheinend nicht der erste Mensch bin, der sich hier durchquält. Als ich endlich auf der anderen Seite des Farns ankomme, stehe ich schon fast auf dem Gelände des Campingplatzes. Ungläubige und komische Blicke von Campingplatzbesuchern wandern in meine Richtung, als ich mich aus dem Farnwald herauskämpfe, aber das ist mir egal. Ich habe es geschafft. Erleichtert suche ich die Rezeption, melde mich an, baue mein Zelt auf und richte mich für die kommende Nacht ein. Um 16.21 Uhr steht mein Zelt, so dass ich noch viel Zeit habe, um mich zu entspannen und im Campingplatz-Shop neue Getränke zu kaufen. In meiner Nähe befinden sich schon 2 andere Zelte, so dass ich mir nicht ganz so seltsam vorkomme unter den ganzen Campingurlaubern. Tatsächlich scheint immer noch die Sonne und es ist so heiß im Zelt, dass ich mich nicht hineinlegen kann.

    Also lege ich mich in den Minischatten des Zeltes auf meine Isomatte, entspanne mich und gehe im Kopf nochmal diesen durchaus gelungen Wandertag durch. Gesehen habe ich heute ein Eichhörnchen, Möwen, Schnecken, Spatzen und andere kleine Vögel, Kühe und Quallen. Heute hatte ich nur eine einzige seltsame Situation. In einem Waldstück kam mir ein Mann entgegen, welcher anscheinend alleine spazieren ging, aber ohne Rucksack und ohne sonstiges Gepäck. Insgesamt habe ich nur wenige Wanderer gesehen, von denen aber niemand mit mir ein Gespräch anfing. Hier am Zeltplatz sind meine Nachbarn ein dänisches Pärchen, welche auch in Padborg gestartet sind, aber nicht den ganzen weg gehen wollen, weil sie dafür zu müde seien. Ein wirkliches Gespräch kommt aber auch mit ihnen nicht zustande, was mich aber auch nicht weiter stört. Das Gelände heute war insgesamt meistens sehr flach und nur selten wellig. Der Weg verlief durch Wald, Straßen und Strand und mein Tages-Highlight war auf jeden Fall mein Besuch bei Annie’s Kiosk und zuvor das Erreichen der Förde. Große Pausen habe ich außer an diesem Imbiss keine gemacht, sondern nur ab und zu mal kurze kleine Pausen. Die 15 km hat mein Körper gut verkraftet, aber insgesamt haben sie sich trotzdem sehr in die Länge gezogen und ich war wirklich froh, als ich endlich den Campingplatz erreicht habe. Schmerzen hatte ich wieder in der linken Achillessehne und diesmal auf beiden Hüftseiten. Auch meine Schultern taten heute etwas weh. Aber insgesamt bin ich auch heute wieder mit meinem Körper zufrieden, da sich die Schmerzen in Grenzen gehalten haben. Heute Vormittag war es bewölkt und es kamen sogar ein paar ganz wenige Tropfen bei mir an, aber seit mittags schien die Sonne und tatsächlich habe ich nun sogar etwas leichten Sonnenbrand überall. Gegessen und getrunken (2,5 Liter) habe ich wieder genug, so dass ich mir keine Sorgen machen muss über eine Unterversorgung. Auch heute war meine Kleidungskombination für mich wieder perfekt (kurze Hose + T-Shirt + Fleece-Pulli + Hut ab mittags wegen der Sonne).

    Praktischerweise gibt es hier am Campingplatz free Wlan, so dass ich vom Zelt aus ein paar Nachrichten nach Hause schicken kann. Als die Sonne irgendwann um ca. 19 Uhr nicht mehr so heiß ist, lege ich mich in mein Zelt und kurze Zeit später schlafe ich schon um ca. 20 Uhr erschöpft ein.
    Geändert von Blubbi (27.03.2020 um 18:33 Uhr)

  4. Erfahren
    Avatar von vobo
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    AW: Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #4
    Von 7.52 Uhr bis ca. 19 Uhr ist alles dabei, gewohnte Qualität . Es freut mich, dass die Sorgen hinsichtlich Schmerzen sich nicht so stark beeinträchtigend ausgewirkt haben. Bin weiter gespannt!

  5. Erfahren

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    AW: Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #5
    Zitat Zitat von vobo Beitrag anzeigen
    Von 7.52 Uhr bis ca. 19 Uhr ist alles dabei, gewohnte Qualität .
    Ja ich bleibe meinem Stil auch weiterhin treu

    Zitat Zitat von vobo Beitrag anzeigen
    Es freut mich, dass die Sorgen hinsichtlich Schmerzen sich nicht so stark beeinträchtigend ausgewirkt haben. Bin weiter gespannt!
    Danke für die netten Worte

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    AW: Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #6
    Ich freu mich auch auf die Fortsetzung

  7. Erfahren

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    AW: Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #7
    Tag 3 (Laerkelunden Camping – Iller Strand (10 km))

    Am nächsten Morgen wache ich schon um 5.06 Uhr auf. Diese Nacht war auf jeden Fall besser als die letzte Nacht. Nur 3 x bin ich kurz aufgewacht nachts, aber ansonsten habe ich gut durchgeschlafen. Der blaue Himmel ist nicht mehr da, aber immerhin ist es trocken, so dass ich mich auf keinen Fall beschweren kann.



    Ich mache mich startklar und packe alles zusammen und laufe um 7.09 Uhr wieder in Richtung Wasser, denn der Gendarmstien verläuft dort mitten durch das Gelände des Campingplatzes.





    Mal wieder ist so früh noch nicht viel los und so genieße ich die Leere und das trockene Wetter und die schöne frische Luft und die schöne Landschaft. Ich verlasse also den Campingplatz und folge weiter dem Gendarmstien.





    Ich sehe eine tote Möwe mitten auf dem Weg, folge weiter dem Weg und lande mal wieder am Strand. Erstaunt sehe ich nicht weit entfernt ein paar Leute, die in ihren Schlafsäcken am Strand liegen und anscheinend dort unter freiem Himmel genächtigt haben. Ihre Ausrüstung, welche neben ihnen liegt, sieht nach Wanderausrüstung aus. Nach diesem Strandabschnitt führt mich der Weg durch eine Parkanlage. Auch hier scheinen ein paar Leute übernachtet zu haben, denn sie packen gerade ihre Ausrüstung zusammen.
    Mein heutiges Zwischenziel soll die Stadt Egernsund sein. Dort hoffe ich, wieder etwas leckeres warmes Essen zu ergattern. Schon kurz nach der Parkanlage sehe ich, dass Egernsund nicht mehr weit ist.



    Kurz vor der großen Brücke mache ich auf einer Bank eine kurze Pause und beobachte eine Jugendgruppe, welche auch Wanderrucksäcke bei sich hat, welche teilweise Schottenröcke tragen und welche aber in die entgegengesetzte Richtung weiter wandern, da sie ihre Pause ein paar Bänke weiter soeben beendet haben. Nach meiner kurzen Rast überquere ich also die Egernsund-Brücke.



    Ich habe Glück, denn noch während ich am Ende der Brücke bin, wird die Brücke hochgefahren, so dass Schiffe und Boote hindurchfahren können und Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger warten müssen.







    Ich verlasse die Brücke über eine Wendeltreppe und hatte gehofft, hier in einem Imbiss etwas essen zu können, aber ich bin zu früh unterwegs und er ist noch geschlossen (es ist erst ca. 8.30 Uhr). Um in die Stadt hineinzulaufen und einen Supermarkt zu suchen, bin ich zu faul und so schnecke ich weiter zum Yachthafen Marina Minde, an dem es einen kleinen Kiosk geben soll.



    Auch am Yachthafen ist noch nichts los (es ist jetzt 9.30 Uhr), aber tatsächlich hat der Mini-Shop geöffnet, so dass ich zumindest Getränke kaufen kann. Lebensmittel gibt es aber leider gar keine im Sortiment, noch nicht mal Süßigkeiten oder Brötchen. Da ich aber immer noch ein paar Snacks von zuhause im Rucksack habe, mache ich mir keine Sorgen um Nahrung. Also laufe ich nach einer Pause um 10 Uhr weiter. Wie inzwischen schon gewohnt geht es am Wasser entlang oder an Feldern mit meist guter Aussicht.







    Kurz vor Broager verlaufe ich mich. Eine Familie, welche nach einem Tagesausflug aussieht, sagt zu mir, dass ich eine Treppe verpasst hätte und nun einen Umweg gehen müsse. Während des Umweges frage ich eine alte dänische Dame nach dem richtigen weiteren Weg, so dass ich dann irgendwann nach ein paar geheimen Schleichwegen wieder auf den Gendarmstien treffe. Und um diese Panne nicht meine einzige Panne sein zu lassen, laufe ich kurz nach dieser Aktion des Verlaufens durch ein Spinnennetz. Beim Wandern direkt danach habe ich immer wieder überall unzählige Mini-Spinnen, die anscheinend kurz vorher erst geschlüpft waren. Immer, wenn ich denke, dass ich nun alle Spinnen entfernt habe, finde ich wieder weitere. Überall laufen die Spinnen herum, auf meinem Pulli, im Gesicht, an den Armen. Aber irgendwann habe ich endlich auch die letzte Spinne entfernt und kann nun wieder normal weiterwandern.













    Mein Tagesziel soll heute wieder ein kostenloser Übernachtungsplatz (Iller Strand) sein. Ich bin schon ziemlich aufgeregt deswegen, weil ich nicht weiß, ob der Platz schon belegt ist, ob er schön gelegen ist, ob ich mich wieder so unwohl fühlen werde wie am ersten Tag im Kollunder Wald und was mich überhaupt dort erwartet.
    Bereits um ca. 13 Uhr treffe ich dort ein und habe das ziemlich große Gelände für mich alleine. Ich fühle mich mal wieder unwohl, denn eine anscheinend obdachlose Frau streunt auf dem Gelände in der Nähe des Shelters umher. Sie redet mit sich selbst, hat viele vollgepackte Tüten dabei und stellt ihre Tüten ab, um dann einen kleinen Ball 3 x in die Luft zu werfen. Nach ca. 15 – 20 Minuten verschwindet die Frau dann zwar aus meinem Sichtfeld und verlässt das Übernachtungsgelände in die Richtung, in die ich auch morgen weiterlaufen werde, aber unwohl fühle ich mich trotzdem noch. Die Wiese an diesem Übernachtungsplatz ist anscheinend schon länger nicht mehr gemäht worden und ich mache mir ein bisschen Sorgen wegen möglicher Zecken. Aber es hilft ja nichts. Ich entscheide mich für mein Zelt für die Ecke hinter dem Lagerfeuer und baue es dort auf. Um mich ins Zelt zu legen ist es schon wieder zu heiß, also lege ich mich genau wie gestern neben das Zelt in den kleinen Mini-Zeltschatten, entspanne meinen Körper und hoffe, dass noch andere Wanderer kommen, damit ich die Nacht hier nicht alleine verbringen muss.





    Um 18 Uhr kommt tatsächlich ein Vater mit seinen zwei Söhnen, was mich sehr beruhigt. Sie scheinen zwar keine Wanderer zu sein, aber das ist mir egal, Hauptsache ich fühle mich ab jetzt sicher. Der Vater sucht mit seinen Söhnen im Gebüsch weißen Knoblauch und erklärt ihnen einiges über die Pflanzen. Nach und nach kommen noch mehr Leute mit Zelten und Autos und bauen auf der angrenzenden großen Wiese ihre Zelte auf, was mich sehr beruhigt. Ich hätte im Nachhinein auch lieber auf dieser großen Wiese gezeltet, aber als ich ankam, wusste ich natürlich nicht, dass dies erlaubt ist und habe mich deshalb auf das Wiesenstück hinter dem Lagerfeuer gequetscht, welches leider nicht optimal gerade ist. Auch Wanderer kommen noch hinzu, aber diese scheinen im Shelter schlafen zu wollen und biegen zur Shelterwiese ab, nicht zur Zeltwiese.

    Ich entspanne mich also weiter vor meinem Zelt und lasse den Wandertag Revue passieren. An Tieren habe ich heute Kühe, Gänse, Mini-Spinnen und Pferde gesehen. An Menschen habe ich ein paar Spaziergänger mit Hunden, ein paar Jogger und ein paar Wanderer gesehen. Auch heute war das Gelände wieder hauptsächlich flach und eher selten hügelig. Der Weg verlief auch heute wieder am Strand, auf Straßen und durch Felder. Alle Versorgungsmöglichkeiten außer der Mini-Shop bei Marina Minde waren heute noch verschlossen wegen meiner frühen Wanderzeit, aber das macht nichts, da ich so die Ruhe genießen konnte. Pausen habe ich nur ein paar kurze gemacht. Die ersten 2 Kilometer heute verliefen richtig gut, ich hatte keine Schmerzen und fühlte mich richtig fit. Ab dem dritten bis zum siebten Kilometer hatte ich allerdings richtig starke Schmerzen an der rechten Ferse, welche erst zwischen dem 8. und 10. Kilometer wieder etwas besser wurden. Dafür ging es meinem restlichen Körper aber sehr gut und selbst meinem Rücken geht es jetzt am Zeltplatz noch recht gut. Mir ist aber seit nachmittags ein bisschen schwindelig, aber ich hoffe, dass sich das wieder legt. Das Wetter heute war wieder ein wirklicher Wandertraum. Vormittags war es bewölkt, aber immer trocken (bei ca. 16 Grad?) und ab mittags kam die Sonne heraus, so dass es gefühlt ca. 25 Grad war. Getrunken habe ich heute insgesamt ca. 3 Liter und gegessen verschiedene Snacks von zuhause (Reiswaffeln, Energieriegel, Käse, Walnuss-Salamis). Meine Kleidung war genau wie gestern perfekt (kurze Hose + T-Shirt + Fleece-Pulli), allerdings hatte ich heute zusätzlich bis mittags noch meine Mütze auf dem Kopf wegen kühlem Wind. Den Fleece-Pulli konnte ich heute ab mittags sogar ausziehen, weil die Sonne so perfekt geschienen hat

    Erst um 19 Uhr kann ich genau wie gestern wieder in mein Zelt kriechen, denn vorher war es dort drin viel zu heiß wegen der Sonne.

    Um ca. 22 Uhr schlafe ich heute ein.
    Geändert von Blubbi (27.03.2020 um 18:31 Uhr)

  8. Erfahren

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    AW: Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #8
    Tag 4 (Iller Strand – Broager Strand camping (17 km))

    Um bereits 5 Uhr wache ich wieder auf. Meine Nacht war eigentlich ok, aber 3 x bin ich aufgewacht wegen kalter Füße und weil mir insgesamt kalt war. Ich schäle mich aus meinem Schlafsack, erledige alle morgendlichen Aufgaben, packe wie immer alles zusammen und starte meine heutige Etappe um 7.34 Uhr. Beim Loslaufen stelle ich mal wieder fest, dass noch niemand außer mir auf den Beinen ist und dass noch ein paar Zelte und Autos spät abends auf der großen Wiese dazugekommen sind. Mein heutiges Tagesziel ist ein Campingplatz (Broager Strand Camping), welcher 17 km weit entfernt von meinem jetzigen Standort liegt. Der wunderbare Anblick des Wassers macht mich mal wieder glücklich und das Wetter spielt auch wieder mit. Die Landschaft stellt sich dar wie in den letzten beiden Tagen: Viele Felder, viele Wege nah am Wasser und immer wieder tolle Aussichten.









    Ca. 6 – 7 km nach meinem heutigen Etappenbeginn entdecke ich nach und nach mehrere solcher Schilder:



    Für mich steht schnell fest, dass ich mein Glück versuche, an frisches Wasser zu kommen. Leider schaffe ich es, mich auf diesem kurzen Weg zum vermeintlichen Wasser zu verlaufen, weil ich eine Straße zu früh nach rechts einbiege. Nun gut, irgendwann erreiche ich endlich die richtige Straße und siehe da, der Umweg hat sich gelohnt!!!



    Ich gönne mir eine Dose Sprite und eine Flasche mit Mineralwasser, werfe das entsprechende Geld in die dafür vorgesehene Box, mache eine Pause auf dem Stuhl und erhole mich. Plötzlich kommt die Besitzerin dieser Honesty Box aus ihrem Haus und fragt mich, ob ich noch irgendetwas brauche oder einen Kaffee möchte. Da ich aber generell keinen Kaffee mag, erkläre ich ihr auf Englisch, dass ich mit ihrem Angebot in ihrer Honesty Box total glücklich und zufrieden bin. Wir halten noch ein bisschen Small Talk, bis sie wieder in ihr Haus geht und dann mache ich mich wieder auf in Richtung Gendarmstien. Diesen erreiche ich bereits um 10.25 Uhr - diesmal ohne mich zu verlaufen und schon geht es mit den gewohnten schönen Aussichten und tollem Wetter weiter.



    Ich laufe an einem Feld vorbei, auf welchem ein dänisches Pärchen gezeltet hat und gerade zusammenpackt. Heimliches Wildcampen scheint hier am Gendarmstien normal zu sein?

    Am Wasser angekommen treffe ich zum ersten Mal auf Steilküste.







    Die Landschaften, das Wetter und die meist menschenleere Landschaft könnten wirklich nicht besser sein.







    An einer hübsch gelegenen Bank treffe ich das dänische Pärchen wieder, welches auf dem Feld übernachtet hat. Es stellt sich heraus, dass sie mich schon bei Annie’s Kiosk überholt hatten und dass sie die letzten Meter nicht wie ich am Strand entlanggelaufen sind. Wir verbringen eine nette Pause zusammen und quatschen viel. Sie sind genau wie ich am Montagmittag in Padborg gestartet. Sie bieten mir sogar etwas von ihrem Essen an, aber da ich selbst genug dabeihabe, lehne ich höflich ab. Sie haben ziemlich schwere Rucksäcke dabei und viel zu viele Sachen, da sie so eine Wanderung zum ersten Mal machen. Sie haben zwar schon viel krassere Abenteuer erlebt, z.B. haben sie den Kilimandscharo bestiegen und sind schon in Grönland, Asien und Nepal gewandert, aber immer mit einem Guide und nie alleine. Sie wissen noch nicht, an welchem Campingplatz sie heute übernachten werden und wollen dies spontan entscheiden, je nachdem, wie fit ihre Körper sind. Aber fest steht für die beiden, dass sie nicht wieder wild zelten werden, da die Frau gerne duschen möchte. Evtl. laufen sie noch bis zum übernächsten Campingplatz und nicht wie ich nur bis zum nächsten. Um 13.46 Uhr laufe ich alleine weiter, weil ich die beiden nicht aufhalten will mit meiner langsamen Schnecken-Wandergeschwindigkeit.







    Im weiteren Verlauf des Weges treffe ich dieses nette Ehepaar noch ein paar Mal wieder.

    Und dann erreiche ich mein heutiges Tagesziel und melde mich in der Rezeption an. Ich solle zuerst mein Zelt aufbauen und irgendwann später bezahlen. Einen Platz dürfe ich mir selbst aussuchen auf der großen Wiese.



    Um 15.42 Uhr steht mein Zelt und ich stelle schnell fest, dass es direkt belagert wird von unendlich vielen Mini-Spinnen. Na super, schon wieder diese nervigen kleinen Dinger. Ich entferne sie gefühlt stundenlang und bin ein ehrlich gesagt genervt von ihnen. Außerdem gehe ich im Mini-Shop des Campingplatzes shoppen. Ich besorge mir ein Eis, Getränke und – da sie nichts besseres/passenderes zum Essen haben, was man kalt essen kann - ein Glas Bockwürstchen. Der Inhalt dieses Glases wird mein Abendessen darstellen. Außerdem bestelle ich mir für morgen früh ein Brötchen und dazu ein Mini-Töpfchen Marmelade, welches ich morgen früh in diesem Shop abholen kann. Da meine Küche auf dieser Wanderung genau für solche Zwecke nur aus einem leichten kleinen Plastiklöffel besteht, kann ich mir dann morgen die Marmelade damit auf das Brötchen matschen.

    Nach meiner Shopping-Tour warte ich noch geduldig, bis Schatten über mein Zelt wandert und dann lege ich mich ins Zelt, entspanne und ziehe mein tägliches Fazit zur heutigen Etappe: An Tieren habe ich heute ein Reh gesehen, welches in einem Feld wegsprang, einen Hasen, der vor mir auf dem Gendarmstien zwischen den Feldern herlief anstatt einfach ins Feld abzubiegen, unendlich viele Mini-Spinnen gerade an und auf meinem Zelt und eine tote Maus in einem Waldstück. Außerdem habe ich heute zum ersten Mal auf dieser Tour ein paar Mücken im Wald gesehen, die aber nicht wirklich nervig waren. An Menschen habe ich heute immer wieder mal das dänische Pärchen gesehen, mit dem ich die Pause auf der Bank verbracht hatte. Ansonsten habe ich ein paar Jogger, ein paar Spaziergänger und Tagesausflügler gesehen. Nur ein anderes Wander-Pärchen habe ich ansonsten noch gesehen, aber nur einmal kurz, als sie vorhin hier am Campingplatz vorbeigelaufen sind. Dafür kamen mir heute einige Leute während der Etappe entgegen, die mir teilweise netterweise „gud tur“ gewünscht haben. Der Gendarmstien verlief heute wieder durch Felder, Strand, auf ein paar wenigen Straßenabschnitten, kurzzeitig im Wald und neuerweise vorbei an und auf Steilküstenabschnitten, was eine sehr gelungene und wunderschöne Abwechslung darstellte. Meine körperliche Verfassung insgesamt heute war sehr gut und nur auf den letzten ca. 3 Kilometern wurde ich schlapp. Dafür schmerzte aber meine rechte Ferse teilweise sehr stark und jetzt am Abend ist mir wieder ein bisschen schwindelig. Mein Rücken tut mir jetzt am Abend ebenfalls weh, aber ansonsten ist alles gut mit meinem Körper :-) Das Wetter heute war wieder der absolute Wandertraum: Sonne pur, nur selten ein paar Wolken und gefühlt ca. 25 Grad und somit heiß. Gefrühstückt habe ich heute einen Clif Bar-Riegel, mittags habe ich 4 Pick Up-Kekse als Zwischensnack gegessen und heute Abend habe ich die Bockwürstchen aus dem Glas, 1 Eis vom Campingshop und wieder einen Clif Bar-Riegel gegessen. Getrunken habe ich ca. 2,7 Liter. Meinen Fleece-Pulli brauchte ich heute nicht anziehen, meine kurze Hose + T-Shirt + Hut haben absolut ausgereicht. In der Sonne war es heute wirklich richtig heiß, aber gerade noch auszuhalten.

    Um ca. 21.30Uhr schlafe ich erschöpft, aber vollkommen zufrieden und glücklich ein.

  9. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #9
    Oh, fein, es gibt was Neues von dir zu lesen, und dann auch noch ganz
    in der Nähe, sozusagen aus meiner Nachbarschaft. Da plane ich schon länger,
    mal eine kleine Mountain - Bike - Tour mit Zelt zu fahren.
    Ist wieder sehr angenehm zu lesen und zu verfolgen.
    Ich bin dabei.....
    My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

  10. Dauerbesucher
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    AW: Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #10
    Wow Schön von diesem weg zu Lesen, einaml hab ich schon angefangen ihn zu laufen (in der Nähe von deinem Parklatz gibt es einen LKW Parkplatz der zwar Kostenpflichtig aber auch bewacht ist). Leider mussten Wir damals wegen Blasen an den Füsen meines kumpelsabrechen. Den Zweiten verusch konnte ich wegen Zhanproblemen meines bruders der mich begeliten wollte nicht antreten... einen weiteren versuch wollte ich Ostern oder um den 1 mai starten- naja Corona sei dank wird das wieder nix.... schön denw eg jetzt mir Dir gehen zu dürfen
    Wir sind blinde Passagiere unter einem Sternenzelt.Wir sind Koenige und Bettler auf der Suche nach uns selbst. Sind die Herrscher des Planeten, bis sie auseinander fällt.
    Und nur zu Nur zu Gast auf dieser Welt.

  11. Erfahren

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    AW: Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #11
    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    Oh, fein, es gibt was Neues von dir zu lesen, und dann auch noch ganz
    in der Nähe, sozusagen aus meiner Nachbarschaft. Da plane ich schon länger,
    mal eine kleine Mountain - Bike - Tour mit Zelt zu fahren.
    Ist wieder sehr angenehm zu lesen und zu verfolgen.
    Ich bin dabei.....
    Das freut mich sehr zu hören

  12. Erfahren

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    AW: Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #12
    Zitat Zitat von Leitwolf Beitrag anzeigen
    ...Den Zweiten Versuch konnte ich wegen Zahnproblemen meines Bruders der mich begleiten wollte nicht antreten... einen weiteren Versuch wollte ich Ostern oder um den 1 mai starten- naja Corona sei dank wird das wieder nix.... schön den weg jetzt mir Dir gehen zu dürfen
    Warum bist du ihn denn nicht alleine gelaufen ohne deinen Bruder?

  13. Erfahren

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    AW: Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #13
    Zitat Zitat von lina Beitrag anzeigen
    Ich freu mich auch auf die Fortsetzung
    Das freut mich sehr

  14. Erfahren

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    AW: Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #14
    Tag 5 (Broager Strand Camping – 1 km vor Horuphavn (22 km)

    Um 6 Uhr weckt mich ausnahmsweise mein Wecker, weil ich heute einen sehr langen Tag vor mir habe. Die letzte Nacht war definitiv die beste dieser bisherigen Tour. Nur 2 x war ich kurz wach und mir war nicht zu kalt heute Nacht. Wie jeden Morgen erledige ich alle Morgenritualien, packe alles zusammen, merke direkt, dass ich heute den Tag im rechten Wanderschuh nicht überleben würde, ziehe die Schuhe wieder aus, packe sie in den Rucksack, ziehe stattdessen meine Crocs an, hole mein Brötchen im Shop ab und laufe zum Wasser.



    Dort packe ich das Brötchen für später ein, da ich im Moment überhaupt keinen Hunger habe. Ich bin wirklich gespannt, wie der Tag in Crocs ablaufen wird, aber da ich ja schonmal den Hausberg in Gällivare in diesen Crocs bestiegen habe nach meiner Padjelantaleden-Tour 2016, gehe ich davon aus, dass dies klappen könnte. Geplant sind für heute allerdings lange 22 Kilometer, sofern nichts dazwischenkommt. Mal sehen, wie meine Füße und mein restlicher Körper dies mitmachen bzw. umsetzen. Ich schnecke also um 7.59 Uhr in meinen Crocs los.

    Vorbei geht es wie so oft an Feldern und Gebüschen, und fast immer hat man wunderschöne Aussichten.



    Auch über Steilküsten geht es wieder weiter vorwärts.





    Um 8.53 Uhr passiere ich den Campingplatz, an dem anscheinend das dänische Pärchen übernachtet hat, da ich sie an meinem Campingplatz nicht entdecken konnte. Ich laufe weiter vorbei an Feldern, folge dann einem kurzen Strandabschnitt und erreiche dann diesen Rastplatz:



    Hier soll es laut der Internetseite des Gendarmstiens einen Imbiss geben, welcher aber aus der Ferne so aussieht, als ob er noch geschlossen hat. Eine Spaziergängerin mit Hund kommt in meine Nähe und ich frage sie, ob sie wisse, wann der Imbiss aufmacht. Sie wisse es nicht. Wir quatschen ein bisschen, ich erzähle ihr, was ich hier mache und erzähle ihr, dass ich gehofft hatte, an dem Imbiss irgendetwas zu Essen kaufen zu können. Daraufhin lädt sie mich spontan und von mir völlig unerwartet zum Frühstück in ihr Sommerhaus ein. Sie und ihr Mann würden sowieso gleich frühstücken und hätten genug zum Essen, um mich mitessen zu lassen. Ich erkläre ihr, dass dies nicht nötig ist, weil ich ja noch ein Brötchen vom Campingplatz im Rucksack habe und ich später sowieso noch mehr Nachschub kaufen kann in Sonderborg. Sie ist von ihrer Idee aber so begeistert, dass sie nicht locker lässt und so kommt es, dass ich mit einer wildfremden, aber sehr netten dänischen Frau zu ihrem nur ca. 200 Meter entfernten Sommerhaus laufe, ihr Wohnzimmer durchquere und in ihrem Garten auf einem Gartenstuhl lande. Der Mann fällt vor Überraschung noch nicht mal um, so als wenn es das Normalste von der Welt wäre, fremde Personen zum Frühstück einzuladen. Vor mir wird der Tisch gedeckt und so kommt es, dass ich ein frisches aufgebackenes warmes Brötchen mit Käse esse und dazu ein Glas Milch trinke. Wir quatschen über unsere verschiedenen Leben und über meine Wanderung. Sie erzählen mir, dass ihre Nachbarn mal ein paar Wanderer auf dem Dach ihrer Garage schlafen lassen haben und dass die Einwohner hier alle sehr freundlich und offen gegenüber den Wanderern seien. Außerdem erzählen sie mir, dass sie nur im Sommer hier wohnen und sonst woanders in Dänemark leben. Und die beiden würden mich am liebsten noch viel voller stopfen mit gutem Essen. Aber ich bin wirklich total satt nach diesem Brötchen bzw. hatte ja eh eigentlich überhaupt keinen Hunger. Auch zum Mitnehmen versuchen sie mir noch einiges anzudrehen vom Müsliriegel bis zum Brötchen, aber ich versichere ihnen mehrmals, dass ich wirklich genug zum Essen dabeihabe und nicht verhungern werde Um ca. 11 Uhr bedanke ich mich mehrmals, verabschiede mich und laufe los weiter in Richtung Sonderborg. Ein netteres Trail Magic kann ich mir wirklich nicht vorstellen und ich kann noch gar nicht fassen, was da gerade passiert ist.

    Zurück am Wasser folge ich also weiter dem Gendarmstien dem Strand entlang. Dort holt mich kurz darauf das dänische Ehepaar ein, welches an dem letzten Campingplatz übernachtet hat. Sie sind heute erst spät losgelaufen und so halten wir mal wieder ein bisschen Trailtalk und ich erzähle ihnen von meinem gerade erlebten Trail Magic. Die beiden freuen sich über dieses tolle Erlebnis und wir laufen zusammen weiter. Der Mann erzählt mir ein paar Sachen über die Geschichte dieser Gegend, aber leider verstehe ich nicht wirklich alles davon aufgrund meiner nicht perfekten Englischkenntnisse. Davon merkt der Mann aber nichts und außer einigen Kleinigkeiten verstehe ich zumindest grob, was er meint. Ich muss mich ziemlich zusammenreißen, ihre schnellere Geschwindigkeit durchzuhalten, aber da es so nett mit den beiden ist, ziehe ich dies durch. Später erreichen wir den nächsten kostenlosen Übernachtungsplatz für Zelte (Dybbol) und die beiden überlegen, dort zu bleiben in der nächsten Nacht. Sie wollen morgen nicht mehr den Gendarmstien weiterlaufen, sondern wollen heute noch die Mühle in Dybbol besichtigen und heute oder morgen einen Tag in Sonderborg verbringen, weil der Mann früher mal dort gearbeitet hat und sich zurückerinnern möchte an alte Zeiten. Wir verabschieden uns also leider für immer voneinander und wünschen uns alles Gute. Ich bin traurig darüber, dass ich sie nie mehr wiedersehen werde, aber ich bin natürlich glücklich über diese insgesamt sehr nette Trail-Bekanntschaft. Weiter geht es also alleine.







    Um 12.45 Uhr erreiche ich Sonderborg, mein heutiges großes Zwischenziel.



    Noch vor der eigentlichen Stadt kaufe ich mir in einem kleinen Fischgeschäft eine Fischfrikadelle, welche ich mir einpacken lasse und heute Abend am Zelt zusammen mit meinem Brötchen vom Campingplatz essen möchte als Abendessen. Danach laufe ich weiter und mache viele Fotos, sehe das Schiff der dänischen Königin und ihr Schloss, nehme einen 2 x 300 Meter „langen“ Zusatzweg in Kauf, um in einem Supermarkt neue Getränke und ein bisschen neues Essen (Käsescheiben) zu kaufen, tausche mal wieder Bargeld um und schnecke dann zurück zur Promenade.







    Dort gönne ich mir um ca. 14 Uhr mal wieder einen unendlich leckeren Hot Dog und als Nachtisch ein Soft Ice, trinke eine Fanta, und obwohl es hier relativ voll ist mit Touristen und ich mal wieder so gut wie die einzige Wandererin bin und dementsprechend beäugelt werde, fühle ich mich nicht unwohl, sondern genieße meine Pause auf einer Bank auf der Promenade und bin einfach nur glücklich.



    So langsam schwant es mir in meinem Kopf, dass ich den Gendarmstien tatsächlich schaffe, bis zum Ende zu laufen. Wenn alles klappt und nichts dazwischenkommt, werde ich heute nochmal an einem kostenlosen Übernachtungsplatz schlafen und dann morgen das Ende bzw. Ziel des Gendarmstiens erreichen.

    Um ca. 14.30 Uhr verlasse ich diese hübsche Promenade und schnecke weiter.

    Zuerst geht es durch parkähnliche Gebiete Sonderborgs, dann geht es in einen Wald hinein und der Gendarmstien verläuft wunderbar an Steilküsten.









    Um 17.12 Uhr erreiche ich mein Tagesziel. Ich baue mein Zelt auf und stelle schnell fest, dass dies der schönste Zeltplatz dieser Tour bis jetzt ist.



    Es stehen schon zwei große Decathlon-Zelte, was mich hoffen lässt, dass ich hier nachts nicht alleine sein werde und so genieße ich einen schönen frühen Abend mit herrlichem Ausblick und lege mich auf meine Isomatte an den Strand.



    Ich entspanne mich und mache Bekanntschaft mit diesen beiden:



    Doch ohne Sonne wird es mir nach einiger Zeit zu frisch und so verziehe ich mich in mein Zelt, um mich dort weiter zu entspannen. Um ca. 20.30 Uhr kommt eine anscheinend deutsche Familie, denen die großen Zelte gehören. Sie sind sehr laut und überhaupt nicht darauf aus, Rücksicht auf andere Menschen zu nehmen. Eins der Kinder (ca. 10 Jahre alt, also kein Kleinkind mehr) stolpert, während ich bei offener Tür schon im Zelt liege, über meine Zelt-Abspannleine, obwohl auf dem Gelände wirklich sehr sehr viel Platz ist, mein Zelt weit weg steht von deren Zelten und es absolut unnötig und unangemessen ist, so nah an meinem Zelt vorbeizulaufen. Sowohl das Kind als auch der Vater gucken nur dumm in mein Zelt hinein. Keine Entschuldigung, kein netter Blick, einfach nichts Später am Abend sind sie immer noch sehr laut, suchen laut Feuerholz auf dem ganzen Gelände zusammen, erschrecken sich gegenseitig laut und machen Lagerfeuer und ich merke erneut, dass ihnen völlig egal ist, dass hier noch andere Menschen sind außer sie (ca. 100 Meter weiter hatte sich inzwischen hinter ein paar Gebüschen noch ein weiteres Paar ihr Zelt aufgestellt).

    An Schlaf ist bei dieser Lautstärke nicht zu denken und so ziehe ich mein inzwischen zum Ritual gewordenes Fazit zur heutigen Etappe: Bis zum Trail-Magic habe ich wie so oft morgens fast keine Menschen gesehen. Ab Sonderburg änderte sich dies aber und zwischen Sonderburg und meinem Zeltplatz hier vor Horuphavn sah ich sehr viele Jogger, Familien, Spaziergänger, Tagesausflügler und Jugendliche. An Tieren habe ich heute einen Hasen gesehen, eine tote Maus, die beiden Enten hier am Zeltplatz und einen Insektenschwarm auf einem Feld, der mich belagert hat und vor dem ich flüchten und sogar richtig wegrennen musste, um ihn loszuwerden. Außerdem habe ich heute wieder Mücken gesehen - diesmal im Feld, im Wald und am Zelt. Das Gelände war heute oft hügelig, denn ich musste oft Felder und Steilküsten hoch- und runterlaufen. Die Landschaft bestand mal wieder aus Feldern, kurzen Waldstücken, kurzen Strandabschnitten und der Promenade in Sonderburg. 2 lange Pausen habe ich heute gemacht: 1. die Frühstückspause im Sommerhaus und 2. die Mittagspause in Sonderborg an der Promenade zum Hot-Dog-Essen. Ansonsten habe ich nur viele kurze Pausen eingelegt. Meine generelle körperliche Verfassung war wieder gut heute, nur auf den letzten 5 Kilometern fühlte ich mich schlapp. Besonders bis Sonderburg war ich trotz meiner Crocs topfit. Die letzten 7 Kilometer hatte ich heute Schmerzen in den Schultern und in der Hüfte, wahrscheinlich, weil ich 4 Liter zusätzliches Gewicht wegen Getränke zu schleppen hatte. Heute Morgen tat mir meine rechte Ferse sehr stark weh, aber seit ich dann die Crocs am Campingplatz angezogen habe, waren diese Schmerzen weg. Ansonsten keine besonderen Schmerzen heute Zum Wetter: Heute Morgen hatte es ein paar Tropfen am Zelt geregnet, aber ab ca. 8 Uhr hat sich das Wetter abgewechselt zwischen Sonnenschein und Wolken bei ca. wieder 25 Grad. Getrunken habe ich heute insgesamt ca. 4 Liter --> neuer Rekord Gewandert bin ich wieder in meiner kurzen Hose + T-Shirt + Hut, was sich wieder als perfekt herausgestellt hat. Insgesamt festzuhalten ist heute auf jeden Fall, dass dieser Tag wunderschön war insgesamt. Ich bin 22 Kilometer in meinen Crocs gelaufen, hatte eine tolle Zeit im Ferienhaus und danach mit dem dänischen Ehepaar, habe leckeres Essen gegessen und getrunken und bin (außer diesen rücksichtslosen Leuten hier am Zeltplatz) glücklich. Die einzige Sorge, die ich derzeit habe, ist, dass diese Leute hier evtl. nicht ihr Lagerfeuer richtig löschen werden, welches sie jetzt noch am späten Abend angemacht haben. Meine Sorge ist, dass Funken durch Wind die sehr trockene Wiese in Brand setzen könnten, wenn diese rücksichtslosen Leute nicht richtig löschen

    Aufgrund dieser Sorge schlafe ich erst um ca. 22 Uhr ein, obwohl ich gefühlt schon ewig lange wach im Schlafsack liege

  15. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #15
    Trail Magic ist echt richtig klasse!

    Ich hoffe immer noch, dass ich von dem, was ich bisher so bekommen habe, mal etwas an jemanden zurückgeben kann - aber hier kommt einfach niemand vorbei. Leider führt kein Fernwanderweg vor meinem Haus entlang oder durch meinen Wald.

    Weiterhin eine schöne Tour!
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  16. Erfahren

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    AW: Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #16
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Trail Magic ist echt richtig klasse!

    Ich hoffe immer noch, dass ich von dem, was ich bisher so bekommen habe, mal etwas an jemanden zurückgeben kann - aber hier kommt einfach niemand vorbei. Leider führt kein Fernwanderweg vor meinem Haus entlang oder durch meinen Wald.
    Oh ja, da stimme ich dir absolut zu. Jedes Trail Magic ist immer wieder ein ganz besonderes Highlight. Die Dankbarkeit und Wertschätzung kann man manchmal gar nicht in Worte fassen


    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Weiterhin eine schöne Tour!
    Danke

  17. Dauerbesucher
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    AW: Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #17
    Hallo Blubbi,
    ich schnecke wieder mit viel Freude virtuell mit!
    Das mit dem mulmigen Gefühl am ersten Tag und auch auf manchem folgenden Platz kann ich gut nachvollziehen. Zu nah an der Zivilsation zelte ich auch nicht gerne. Am wohlsten fühle ich mich da, wo mit hoher Wahrscheinlichkeit niemand vorbeikommt. Höchstens ein anderer Wandervogel - die sind ja alle lieb! Oder dann wieder ganz offiziell auf wohlbehüteten Campingplätzen. Alles dazwischen ist irgendwie unheimlich. Und selbst wenn es eigentlich völlig harmlos ist, setzt ja gerne das Kopfkino ein...

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    AW: Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #18
    Zitat Zitat von Blahake Beitrag anzeigen
    Hallo Blubbi,
    ich schnecke wieder mit viel Freude virtuell mit!
    Das mit dem mulmigen Gefühl am ersten Tag und auch auf manchem folgenden Platz kann ich gut nachvollziehen. Zu nah an der Zivilsation zelte ich auch nicht gerne. Am wohlsten fühle ich mich da, wo mit hoher Wahrscheinlichkeit niemand vorbeikommt. Höchstens ein anderer Wandervogel - die sind ja alle lieb! Oder dann wieder ganz offiziell auf wohlbehüteten Campingplätzen. Alles dazwischen ist irgendwie unheimlich. Und selbst wenn es eigentlich völlig harmlos ist, setzt ja gerne das Kopfkino ein...
    Hallo Blahake,

    vielen Dank für deine netten Worte!!!

    Es freut mich sehr zu hören, dass ich nicht der einzige Mensch auf diesem Planeten bin, dem es so erging/ergeht. Genau wie du es beschrieben hast, hat es sich für mich angefühlt: Wo sehr wahrscheinlich niemand vorbeikommt außer anderen Wanderern oder auf einem Campingplatz ist alles bestens, aber alleine in Zivilisationsnähe ist irgendwie unheimlich

  19. Erfahren

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    AW: [DK] Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #19
    Tag 6 (1 km vor Horuphavn – Skovby (12 km))

    Um 5.36 Uhr wache ich auf, krabbele aus meinem Zelt und mache ein paar schöne Fotos.



    Die Nacht war erstaunlicherweise gut und ich war nur 1 x wach. Verbrannt sind die Wiese und ich anscheinend auch nicht. Sehr gut. Ein kurzer Anziehtest meines rechten Wanderschuhs sorgt dafür, dass direkt feststeht, dass auch diese Etappe in meinen Crocs zurückgelegt werden muss. Als nächstes absolviere ich alle Morgenritualien, packe alles zusammen und treffe meine Bekannten von gestern wieder:



    Auch sie sind schon so früh wie ich auf den Beinen

    Um 6.57 Uhr breche ich auf zu meiner letzten Etappe des Gendarmstiens.

    Ich schnecke am kleinen Hafen vorbei, an dem so früh morgens noch alles geschlossen ist und genieße mal wieder diese wunderbare Leere und Ruhe am Morgen.



    Nach dem Hafen führt der Weg ein kleines Stück am Strand vorbei.



    Hier treffe ich eine Anwohnerin, welche tatsächlich ein Morgenbad in der Förde nimmt. Sie fragt mich aus Spaß, ob ich nicht auch schwimmen gehen möchte, aber ich antworte grinsend, dass mir dies zu kalt wäre und ich nur eine kurze Rast einlege. Dann geht es für mich zwischen Häusern weiter, fast durch die Vorgärten der Bewohner.



    Danach geht es mal wieder über Forst- Schotter- und Feldwege weiter und auch nah ans Wasser kommt man nochmal kurz.









    Um 9.02 Uhr erreiche ich diesen wunderschön gelegenen Rastplatz:



    Hier mache ich eine entspannte Pause und obwohl insgesamt alles noch sehr menschenleer ist, kommt plötzlich ein Auto. Ein Ehepaar möchte sein Boot kontrollieren. Nach einem kurzen Smalltalk-Versuch stellen wir schnell fest, dass eine Kommunikation nicht wirklich möglich ist, da die beiden weder Deutsch noch Englisch sprechen und ich kein Dänisch

    Nach dieser sehr entspannten ca. 45minütigen Pause geht es für mich um 9.50 Uhr weiter.



    Ich befinde mich nun auf dem letzten Abschnitt des Gendarmstiens, durchquere wieder einige Felder und ehrlich gesagt kann ich so langsam keine Felder mehr sehen. Die Landschaft ist wirklich sehr hübsch und der Weg war insgesamt wirklich abwechslungsreich, aber an Feldern ist mein Vorrat nun erstmal wirklich gedeckt. Der letzte Abschnitt heute seit dem Rastplatz verläuft nur noch durch Felder und außer ein paar Feldblumen gibt es nicht mehr viel zu sehen. Trotzdem gibt es noch ein paar Fotos zwischendurch:







    So langsam sehne ich mir das Ziel herbei, welches ich schneller erreiche als gedacht. Um 10.54 Uhr schieße ich ein paar Zielfotos:







    Gendarmstien 2019 – I`ve done it!!!

    Absolut glücklich und zufrieden mache ich mich nun auf die Suche nach der Bushaltestelle. Dort soll es einen Bus geben, der nach Sonderborg zurückfährt. Leider gibt es an der Bushaltestelle überhaupt keinen Busfahrplan und so stehe ich unentschlossen an diesem vereinsamten Schild:



    Ich entscheide mich, noch ein bisschen weiter zu laufen bis zum Bäcker und zum Supermarkt, um dort zu fragen, wann wohl ein Bus kommen würde. Praktischerweise erblicke ich dort angekommen aber eine weitere Bushaltestelle hinter dem Supermarkt. Ich laufe dorthin und tatsächlich stehen dort sogar Abfahrtzeiten. Da es aber noch dauert, bis der Bus kommt, laufe ich zurück zum Bäcker und gönne mir dort ein leckeres Puddingteilchen. Ich setze mich vor die Bäckerei, bin glücklich und genieße das wirklich leckere Essen. Ich besorge mir noch ein zweites Puddingteilchen, esse es ebenfalls vor der Bäckerei auf einem der Stühle, laufe zurück zur Bushaltestelle und nach einer gefühlten ewigen Wartezeit kommt tatsächlich der Bus.

    In Sonderborg angekommen stelle ich fest, dass es ebenfalls noch dauert, bis der nächste Bus nach Padborg kommt. Ich schlendere also durch Sonderborg, gönne mir als Mittagessen einen Cheeseburger, welcher viel größer ist als ich vorher dachte, besichtige die Tourismus-Information, kaufe mir als Andenken eine Pin-Nadel mit dem Gendarmstien drauf und eine Postkarte von Sonderborg und versuche die Zeit rumzuschlagen. Zurück an der Bushaltestelle erfahre ich durch eine dänische Frau, dass der Bus gar nicht bis nach Padborg fährt, sondern ich noch zwischendurch umsteigen muss??? Diese neue Information macht mich ein bisschen nervös, da laut Internet und Busfahrplan der Bus bis zu meinem Auto fährt. Irgendwann kommt endlich der Bus. Ich erkläre dem Busfahrer, welcher zum Glück ein bisschen Englisch spricht, mein Problem und letztendlich verspricht er mir trotz nicht perfekter Kommunikation, dass er mir Bescheid sagt, wenn ich aussteigen muss, um umzusteigen. Ich setze mich in seine Nähe, um diesen Ort auf keinen Fall zu verpassen. Tatsächlich teilt er mir irgendwann mit, dass ich nun aussteigen muss. Er zeigt mir sogar, wo genau ich mich hinstellen muss, um auf den Anschlussbus zu warten
    Tatsächlich kommt irgendwann wieder ein Bus, welcher mich zu meinem Auto befördert. Ich bin inzwischen totmüde, habe große Angst, ausversehen einzuschlafen und dann zu weit zu fahren und kämpfe stark an, durchzuhalten. Ich mache mir Sorgen, wie ich so noch mit meinem Auto die lange Autofahrt schaffen soll. Außerdem soll es später in ca. 2 Stunden ein Unwetter geben. Irgendwann habe ich es überstanden und steige um ca. 16.20 Uhr an meinem Auto aus. Ich bin unendlich erleichtert, dass mein Auto noch unbeschadet dort steht. Ich ziehe mir frische Sachen für die Rückfahrt an und bin erleichtert, dass seit dem Aussteigen aus dem Bus meine Müdigkeit weniger geworden ist. Deshalb ist es mein Plan, jetzt erstmal loszufahren und dann zu schauen, wie weit ich komme mit meiner Müdigkeit. Beim Fahren trinke ich viel Cola, welche ich in meinem Auto habe, singe laut und fahre bei geöffnetem Fenster, um nicht wieder müde zu werden.

    Zusammenfassend kann ich festhalten, dass die Rückfahrt trotz Unwetter und Müdigkeit perfekt ablief und ich zufrieden zuhause ankomme.

    Zum Schluss folgt nun noch mein Tagesfazit zum heutigen letzten Wandertag: Heute bestand der größte Teil des Weges aus Feldern. Felder, Felder, Felder. Hoch, runter, hoch, runter, kein Ende in Sicht. Nur für sehr kurze Abschnitte war ich heute am Wasser (z.B. am Rastplatz). Meine einzige lange Pause war heute die an diesem Rastplatz. Eine andere lange Pause war aber auch fast gar nicht möglich, da Bänke heute eine Rarität waren. Zwischen Horuphavn und diesem Rastplatz gab es z.B. überhaupt keine Bank. Meine körperliche Verfassung war heute wieder gut beim Wandern, aber die Landschaft war aufgrund von fast nur Feldern (außer dem schönen Rastplatz) heute eher langweilig und deshalb wollte ich nur noch am Ziel ankommen und es hinter mir haben. Schmerzen hatte ich heute an der rechten Ferse absolut gar keine, da ich in den Crocs gelaufen bin. Selbst in Skovby und in Sonderburg und in den Bussen habe ich die Crocs anbehalten, was zwar manchmal komische Blicke auf sich zog, mir aber egal war. Stattdessen hatte ich aber leichte Schmerzen an den Fußsohlen, an der Hüfte und am Rücken, an den Schultern und Schwindel (den aber zum Glück nur morgens beim Aufstehen). Das Wetter heute war wieder sonnig mit ein paar Wolken morgens. Ab mittags war es dann bewölkt und ab meinem Erreichen meines Autos gab es Regen und Gewitter. Danach war es, bis ich zuhause ankam, fast immer trocken. Heute war es nicht mehr so heiß wie gestern und vorgestern, gefühlt ca. 20 Grad. Getrunken habe ich heute bis zum Eintreffen am Auto ca. 2 Liter. Im Auto wurden es dann nach und nach noch zusätzlich 2,2 Liter Cola, um möglichst wach zu bleiben. Meine Wanderkleidung bestand wieder aus meiner kurzen Hose + T-Shirt + Hut, was wieder die richtige Wahl war.

    Diesen ereignisreichen Tag beende ich nun damit, dass ich voller Gedanken und Erinnerungen aufgewühlt einschlafe.

    Gendarmstien 2019 – I’ve done it!!!



    Fazit im Nachhinein

    Der Gendarmstien verläuft durch eine sehr hübsche Landschaft und ist meistens wirklich abwechslungsreich. Aber ich habe dort lernen müssen, dass ich in Zivilisationsnähe alleine im Wald Angst habe und mich dort wirklich unwohl gefühlt habe.

    Außer diesen negativen Gefühlen alleine im Wald gab es aber viele positive Momente, so z.B. das Trail Magic im Sommerhaus, das freie Laufen am Strand, die Trail Talks mit dem dänischen Ehepaar und die leckeren Versorgungsmöglichkeiten (, obwohl viele Imbisse, Restaurants und Shops noch geschlossen waren, weil ich oft zu früh unterwegs war).

    Als schönster kostenloser Zeltplatz zählt für mich auf jeden Fall der Platz ca. 1 km vor Horuphavn. Ein sehr großes freies Gelände, ein kleiner Strand und eine wunderbare Aussicht auf die Förde und den kleinen Hafen haben diesen Platz für mich sehr attraktiv gemacht.

    Als besten Campingplatz möchte ich ganz klar Broager Strand Camping hervorheben. Die Mitarbeiter dort waren extrem freundlich und hilfsbereit und sprachen sogar gutes Deutsch. Außer meinen Mini-Spinnen an und auf meinem Zelt war an diesem Campingplatz wirklich alles perfekt. Eine große gemähte Wiese für Zelter, sehr gepflegte Parzellen für Wohnwagen, keine riesige Massenabfertigung, sondern ein hübscher kleiner familiärer Platz. Die Duschen und Klos waren stets sauber, man konnte per Knopfdruck solange duschen wie man wollte, es gab Einzelkabinen mit Waschbecken und in die Waschräume kommen nur Platzgäste hinein, da man dafür einen Code braucht. Außerdem gibt es einen schönen großflächigen Spielplatz und viele Bänke direkt am Wasser. Überall auf dem Platz war der Rasen ordentlich gemäht und der Brötchen-Service hat das ganze noch perfekt abgerundet. Das Essens-Angebot war zwar äußerst gering, aber es hat gereicht, um nicht zu verhungern

    Außerdem habe ich auf dieser Tour gelernt, dass ich im Notfall auch wirklich mal in Crocs wandern kann. 22 Kilometer sind für mich Schnecke ja wirklich viel und trotzdem habe ich diesen und den darauf folgenden letzten Tag dieser Tour gut überstanden.

    Insgesamt ist der Weg aus meiner Sicht empfehlenswert, wenn man mal nicht ganz abgeschieden von der Zivilisation ein bisschen Abwechslung und frische Luft braucht und/oder – so wie ich – neue Ausrüstung testen möchte

    Aber nun ist es an der Zeit, damit zu beginnen, an die Zukunft zu denken. Denn schon in 3 Wochen geht es wieder los. Dann steht meine zweite Tour in diesem Jahr an und ich werde nach Bornholm fliegen und dort versuchen, die Insel komplett zu umrunden. Dazu möchte ich den Kyststi nutzen und natürlich wieder im Zelt schlafen. Doch dafür müssen zuerst noch ein paar Vorbereitungen getroffen werden. Und dann heißt es: Neues Abenteuer, neue Erfahrungen, neue Erkenntnisse, neue Fotos und natürlich: Ein neuer Tourbericht für dieses Forum
    Geändert von Blubbi (31.03.2020 um 09:56 Uhr)

  20. Erfahren

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    AW: [DK] Gendarmstien 2019 (Padborg - Skovby)

    #20
    Hei Blubbi,
    Dankeschön fürs Mitnehmen.
    Ich war letztes Jahr da in der Gegend auch, allerdings mit dem Fahrrad. Den Übernachtungsplatz in Horupshavn habe ich auch sehr schön in Erinnerung. Dort erlebte ich übrigens meinen Trail-Magic-Moment durch ein nettes Segler-Ehepaar.

    Liebe Grüße
    Maahinen

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