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    [FR] [DE] Von der Mosel bis zur Donau, Radtour 2018

    #1
    Mitreisende: rockhopper
    Von der Moselquelle bis zur Donau, Radtour 2018

    Prolog
    Kaum war ich von meiner Radtour 2017 zurück, zwickt es mich schon wieder und ich fange an zu überlegen, wo es 2018 hin gehen soll. Bis dahin sind es noch 10 Monate. Auf jeden Fall will ich wieder in die Normandie und in die Bretagne. Ich möchte unbedingt noch einmal nach Rouen. Die Stadt hat mich sehr begeistert. Außerdem will ich herausfinden, was es mit den „eingelegten“ Formen im Fußboden der Kathedrale in einem der Seitenschiffe auf sich hat. Sehr merkwürdig, das Ganze. Ich befrage einige Fachleute, diese können mir aber auch nicht wirklich weiterhelfen. Die Formen scheinen für mich nicht irgendeine Ausbesserungsarbeit im Boden zu sein. Ich wünsche mir, falls es sich klären lässt, dass ich nicht enttäuscht bin, wenn es so gar keine Bedeutung dafür gibt. Die Formen faszinieren und inspirieren mich einfach.
    Im Laufe der Monate der Planung kristallisiert sich eine Route heraus. Auf YouTube hat mich ein Video einer Mosel-Radtour auf die Idee gebracht, die Mosel von der Quelle bis zur Mündung zu fahren. Die ersten Etappen stehen dann fest. Den Vennbahn Radweg möchte ich auch gerne radeln, also kommt die Strecke dazu. Die Route ist einfach fortzusetzen, in dem ich den Rhein von Koblenz bis Köln fahre und ein Stück mit dem Zug nach Aachen überbrücke. Auf Google Maps sehe ich, dass sich die Maas in einem nördlichen „Zipfel“ von Frankreich, von Givet bis Charleville in einem Tal schlängelt. Sieht interessant aus, kommt auch zur Route dazu. Kilometermäßig bin ich noch „Lichtjahre“ von Rouen entfernt. Ich bastle mir eine Verbindungsstrecke bis Laon, immer unter Berücksichtigung der Campingplätze. Aus Zeitgründen plane ich den Zug von Laon über Paris nach Rouen zu nehmen und von da aus noch einmal mit dem Zug nach Caen. Von hier aus einen Schlenker nach Norden an die Küste und über Bayeux nach Süden zum Mont Saint Michel. Von hier aus sind es noch zwei Etappen nach Süden an der Villaine entlang zum Endpunkt der Tour in Rennes.
    Im Frühjahr schaue ich auf der Seite des SNCF nach, ob die Zugverbindungen noch existieren. Tun sie. Einige Wochen später sah ich noch einmal nach, was sehe ich.... einen Streik-Kalender! Der SNCF streikt im Juni 2 bis 3 Tage pro Woche! Ja toll! Das ist mir für die Rückreise mit dem Zug doch zu unsicher. Es sind immerhin über 1.000 Kilometer Distanz bis Strasbourg. OK, die Entscheidung ist schnell getroffen, ich plane die Route um. Ich werde ab Koblenz nach Osten quer durch Deutschland Richtung Thüringer Wald fahren. Der Rennsteig Radweg macht mich auch neugierig. Den Abschnitt Bingen - Koblenz bin ich vor Jahren schon einmal geradelt. Weiter am Main entlang bis Hanau und über den Bahnradweg Hessen, den kenne ich ja schon vom letzten Jahr, über Fulda nach Phillippsthal. Von Hörschel hinauf zum Rennsteig bis Oberhof und wieder hinunter zur Saale. Von hier aus immer nach Süden zur Donau und je nach Zeit und Lust über die Rems nach Stuttgart. 1.600 Km ungefähr. Immer mit dem Gedanken, es kommt sowieso immer anders als geplant. Dazu kommt, dass ich leidenschaftlich gerne plane und letztendlich wenig auf die Navigation achte, was zu vielen Umwegen führt. Zufrieden mit meiner Planung, erstelle ich mir noch auf Excel eine Liste mit Campingplätzen, Platzkosten und Kilometerangaben. Fast 30 Campingplätze stehen auf meiner Liste. Angeregt durch Threads hier im Forum bin ich auf die Idee gekommen, bei meiner Ausrüstung das Gewicht zu optimieren. Als erstes wird der Trangia unter die Lupe genommen, im Vergleich zu dem kleinen „Tschechen“ ein Mini Spiritus-Kocher. Doch irgendwann ist mir das ganze Prozedere zu Mühsam im Verhältnis zu dem eingesparten Gewicht und ich lasse es bleiben. Allerdings nehme ich den Trangia reduziert mit: Den Brenner, Windschutz, Topf und „Pfanne“ und die Schneideunterlage. Wirklich an Gewicht ist nichts gespart und das Packvolumen sieht aus wie im letzten Jahr. Dafür nehme ich ein Mini Tarp mit, zum Testen, ob ich zu meinem Unna wirklich ein Tarp brauche.


    Copyright: rockhopper

    Tag 1
    Am Samstag, den 2. Juni, ist es endlich soweit. Ich lasse mir am Automaten am Stuttgarter Bahnhof ein BW-Ticket heraus und nehme den Regionalzug nach Freudenstadt. Ich kann wieder die direkte Strecke nehmen und muss nicht über Karlsruhe fahren. Mit einem noch kleineren Zug geht es weiter nach Offenburg. Hier muss ich noch einmal Umsteigen, um nach Müllheim/Baden, meinem eigentlichen Startpunkt zu kommen. In Offenburg ist auf dem Bahnsteig die Hölle los, die Umsteigezeit ist knapp bemessen und als ich das Fahrradabteil suche, höre ich, dass dieses schon voll sei. Kurz entschlossen schiebe ich mein Rad samt Gepäck in den Eingangsbereich eines Wagens und stehe somit ziemlich im Weg für 1,5 Std herum. In der Zwischenzeit kommen noch 2 Kinderwagen dazu und jetzt ist fast kein durchkommen mehr. Trotzdem verläuft die Fahrt ganz entspannt. Zum Glück kommt kein Zugbegleiter vorbei. In Müllheim starte ich endlich nach einer kurzen Kaffeepause Richtung Frankreich. Ich freue mich, endlich wieder in Frankreich radeln zu können und das Wetter ist auch perfekt! Meine Etappen habe ich, wie bisher, mit Komoot geplant, mit Stichproben über Google Maps und Street View. Wobei ich mittlerweile aus Erfahrung weiß, wenn Komoot einen Weg findet, kann es durchaus sein, dass dieser nicht mehr existiert, weil zugewachsen oder anderes.
    Trotzdem wird es wie immer einige Überraschungen geben. Aus Bequemlichkeit lasse ich meistens das GPS Gerät aus. Ich schaue mir kurz die Karte auf Komoot an und merke mir die Ortschaften, durch die ich kommen muss.


    Das geht schon gut los.


    Das führt meistens zu Umwegen oder kompletten Verfahrungen. Über Landstraßen geht es erst mal weiter. Unterwegs suche ich nach einer Möglichkeit, kurz auf die Toilette zu gehen und entdecke einen Sportverein, und zum Glück sind jede Menge Leute da, also ist offen, ,....ich frage höflich...und werde zuerst nicht verstanden, mein Französisch ist nicht so perfekt, bis eine weitere Dame mit Akzent mir weiterhilft. Nicht ganz einfach das Ganze, letztendlich habe ich es geregelt bekommen und beim Verlassen des Gebäudes bedanke ich mich freundlich für die Rettung. Wir helfen immer gerne, bekomme ich als Antwort... Aus Neugier frage ich nach, was denn hier stattfindet....ich bin bei einer Veranstaltung der Zeugen Jehovas russischer Mitbürger gelandet.
    Erleichtert setze ich meine Tour fort bis ich an eine Kreuzung komme, meine Route führt nicht auf der Straße weiter, sondern auf einem Weg durch den Wald. Ein großes Schild warnt unter Lebensgefahr, wegen Schießübungen (?) vor einer Durchfahrt. Da die Schranke offen ist, gehe ich davon aus, dass man durchaus durchfahren kann. Trotzdem fühle ich mich nicht wohl dabei. Ich höre aufmerksam ob hier irgendwo geschossen wird...ich höre nichts. Es ist still im Wald und wunderschön.



    Am Ende komme ich wieder an eine Schranke, die herunter gelassen ist. Dafür sehe ich jetzt ein Schild auf dem steht, dass die Durchfahrt nur für Berechtigte und Fahrradfahrer frei ist. Kein Warnschild…mmh. Vielleicht ist das eine taktische Maßnahme für die Autofahrer, welche die Strecke als Abkürzung nehmen.



    Nach ein paar Kilometern auf der belebten D2 führt mich mein Track auf einen Bauernhof. Ich getraue mich nicht einfach durch das Gelände zu radeln und sehe bei einem Stall zwei Jugendliche, die ich frage, wie man zu dem Radweg, der sich in relativer Nähe befindet, kommt. Sie erklären mir den Weg. Da ich nicht wirklich verstehe, wo ich nun weiter muss, sagt der Eine, sie begleiten mich mit ihren MTB’s bis zu dem Weg. Ja prima, ich bin ganz erleichtert. Als einer der jungen Männer aber noch ein Gewehr mitnimmt, bekomme ich kurz einen Schreck. Ist das gefährlich, frage ich und im gleichen Atemzug dazu, um meine Sorge nicht zu zeigen, das ist zum Jagen?
    Erleichtert höre ich die Antwort: Ja zum Tauben schießen. Es geht weiter auf dem Radweg nach Thann. In Ransbach gehe ich auf den Campingplatz. Optional, ein paar Kilometer weiter, gibt es in Urbès noch einen CP, direkt am Fuße der Vogesen unweit der RN 66.


    Radweg Richtung Ranspach

    Tag 2
    Die Nacht war kalt und feucht. Ich frühstücke noch auf dem Platz und erzähle der Dame an der Rezeption, dass ich heute zum Col de Bussang hinauf fahren möchte. Bei meiner Recherche habe ich auch einen kleinen Weg durch den Wald, der in einer Klinge, neben der RN 66 zum Pass hoch führt, entdeckt. Steil, aber dafür nicht auf der Straße. Die Dame rät mir von diesem Weg ab, der etwas vor der Passhöhe hinter einem allein stehenden, umzäunten Haus wieder auf der Straße, bzw. an einem Parkplatz heraus kommt. Auf Street View habe ich diesen Weg an dieser Stelle nicht sehen können, dafür das Schild, welches an der Hauswand hängt. Hier werden Deutsche Doggen gezüchtet. Es sieht irgendwie alles etwas marode aus und ich möchte mich auch nicht wirklich hinter diesem Haus durch das Gestrüpp zur Straße durchschaffen. Dann erzählt mir die Frau weiter: Der Hundezüchter würde im Gefängnis sitzen, weil er beim SM-Spiel seine Lebensgefährtin umgebracht hat.....
    Meine Entscheidung ist gefallen, . Ich werde heute ganz entspannt die Pass-Straße hochkurbeln, dazu ist heute Sonntag und es sind keine LKW’s unterwegs. Einige Tage später werde ich auf einem Campingplatz an der Mosel einen Radler treffen, der genau diese Klinge hochgeschoben hat. Das ist mit einem bepackten Rad nicht zu empfehlen, sagt er mir. Es muss ziemlich ätzend gewesen sein.
    Kurz nach dem Campingplatz geht es gleich mit einer ordentlichen Steigung los und ich schaffe das nur auf dem kleinsten Kettenblatt, mit Foto-Pausen. Auf der gut 6 Kilometer langen Strecke mit 6 Kehren sind so früh am Vormittag kaum Autos unterwegs.



    Ein paar Motorräder überholen mich und einige Rennradler, welche mir im vorbeiradeln Komplimente machen. Andere Radler mit Gepäck sind mir nicht begegnet. Nach etwa eine Stunde Fahrzeit bin ich dann auch oben am Col de Bussang. Ein klein wenig bin ich stolz auf mich, dass ich es ohne Schieben geschafft habe. Mit Glücksgefühl radle ich nach dem Abzweig zu der alten Pass-Straße auf die Moselquelle zu und befinde mich schon auf der Abfahrt. Dann sehe ich das Schild Source de la Moselle und nehme in guter Fahrt den ersten Abzweig zur Quelle.



    Ich habe ordentlich mit meiner Fuhre zu kämpfen, dass ich nicht ins Schlingern komme und entgehe knapp einem Sturz. Mit erhöhtem Puls komme ich auf dem grob geschotterten Platz zu stehen. Die Quelle sehe ich nicht...na sowas.
    Nachdem ich mich wieder sortiert habe, realisiere ich, dass ich auf dem Autoparkplatz gelandet bin. Die Quelle befindet sich ein paar Meter unterhalb. Nach den Beweisfotos von der Quelle geht es weiter auf der Bahntrasse bis Remiremont. Die 30 Kilometer lange Abfahrt kann ich nicht wirklich genießen, weil alle paar Meter eine Barriere kommt, die umfahren werden muss und einen somit dauernd ausbremst.


    Bahntrasse (Voie Verte) nach Remiremont

    Altes Bahnwärter Häuschen und Kreisverkehr für Radfahrer


    Heiß ist es heute, 34°. Unterwegs passiere ich einen Kreisverkehr nur für Fahrradfahrer. Ob es hier Unfälle gegeben hat und man deswegen die Kreuzung gebaut hat? Es ist eine Kreuzung von 3 Radwegen. Weiter geht es auf der hügeligen D42 nach Epinal.


    Hügelige D42

    Der Campingplatz liegt natürlich wieder oben auf dem Berg. Die Straße dahin ist dermaßen steil, dass ich teilweise schieben muss. Über den CP gibt es nichts besonderes zu sagen, außer dass hier hunderte von Krähen leben und einen Höllenlärm machen. Schlafen die auch mal? Sonst brauche ich Ohrstöpsel. Gute Nacht!
    Geändert von rockhopper (23.09.2018 um 07:45 Uhr)

  2. Erfahren

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    AW: [FR] [DE] Von der Mosel bis zur Donau, Radtour 2018

    #2
    Hei,
    ein Fahrradtourbericht - schön!
    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

    Liebe Grüße
    Maahinen

  3. Dauerbesucher
    Avatar von rockhopper
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    AW: [FR] [DE] Von der Mosel bis zur Donau, Radtour 2018

    #3
    Tag 3
    Ich starte erst gegen 9:45 Uhr, weil ich wegen der Krähen schlecht geschlafen habe.
    Den Weg aus Épinal heraus finde ich auch nicht wirklich wegen einer Sperrung des Radweges.
    Dann komme ich an eine Unterführung, die überflutet ist. Das hatte ich schon bei der letzten Radtour auf dem Bahnradweg Hessen, als ich durchgefahren bin und bis zu den Oberschenkeln im Wasser stand. Dieses Mal lasse ich das bleiben und suche mir einen Weg außen herum.




    Die Mosel bei Épinal


    Mein heutiges Etappenziel ist der CP in Villey-les-Sec. Ich bekomme Hunger und habe keinen Essensvorrat eingekauft. Leider taucht auf der Strecke kein einziger Laden auf. Nach fast 60 Kilometern entdecke ich am späten Nachmittag einen Aldi. Hier kann ich mir endlich etwas zum Futtern kaufen.



    Gut gestärkt radle ich weiter. Das war gut so, denn jetzt geht es auf einem zugewachsenen Treidelpfad an der Mosel entlang, abwechselnd mit Schlaglochpiste und sehr üblen Schotterpassagen.



    Dann verfahre ich mich und lande mitten im Wald. Hier treffe ich wieder einmal einen Schutzengel in Form eines älteren Franzosen, der wie aus dem Off auftaucht und mir erklärt, dass ich komplett falsch gefahren bin. Ich bin froh mit dem robusten TX400 unterwegs zu sein. Irgendwann komme ich wieder auf einen asphaltierten Weg und erreiche nach 92 Kilometern etwas erledigt den Campingplatz in Villey-les- Sec. Ich suche mir eine schöne Stelle am Moselufer zum Zeltaufbau. Währenddessen komme ich mit einer Frau, die mit ihrem Hund unterwegs ist, ins Gespräch. Die Dame kommt aus den Niederlanden und ist mit ihrem Ehemann mit dem Wohnmobil unterwegs. Einige Zeit später kommt sie zurück und bietet mir ein Abendessen an, sie hätten das noch übrig. Da kann ich nicht nein sagen. Ihr Mann bringt mir noch ein Glas französischen Weißwein dazu. Der Abend ist perfekt! Wahrscheinlich stand auf meiner Stirn „hungrig“ . Alternativ hätte ich mir eine Tütensuppe gekocht. Froh und zufrieden sitze ich auf der Holzbank mit Tisch und genieße das Essen mit Moselblick.

    Tag 4

    Morgenstimmung an der Mosel

    Gut erholt geht es heute bei super Wetter weiter.
    Bis vor Toul ist die Strecke entspannt zu radeln. Ich sehe schon in der Ferne die Kathedrale und beschließe einen Abstecher in das Zentrum zu machen.


    Vor Toul verfahre ich mich und lande auf einem ehemaligen Bauernhof.

    In Toul wird die Schleuse saniert. Mit Mühe finde ich den Weg in die Altstadt. Ich esse hier noch eine Kleinigkeit und will dann durch eines der Stadttore wieder zum Radweg finden. Leider ist das von mir ausgesuchte Stadttor wegen eines Brandes geschlossen und ich bin jetzt bei der Hitze leicht gestresst, weil ich die Orientierung verloren habe. In einem Imbiss erklärt mir die nette junge Frau den Weg zur Mosel. Ich radle noch bis Liverdun. Nach nur 38 Kilometern gehe ich hier auf den Campingplatz.
    Es ist mir einfach zu heiß zum Radeln bei 35°.



    Nachdem das Unna aufgebaut ist, teste ich mein neues kleines Tarp, das mir etwas zusätzlichen Schatten spendet. Am frühen Abend mache ich noch einen Spaziergang in den Ort hoch und finde einen kleinen Spezialitätenladen der nur Madelaines verkauft. Sie schmecken köstlich!
    Als ich wieder zurück zu meinem Zelt komme, werde ich für den nächsten Morgen von meinen Nachbarn, einem Ehepaar aus dem Spessart, zum Frühstück eingeladen. Das nehme ich natürlich gerne an, weil es auf dem Campingplatz keine Versorgungsmöglichkeit gibt.


    Mosel Radweg

    Bahntrasse mit alter Wagenhalle


    Tag 5
    Nachdem ausgiebigen Frühstück mit meinen Wohnmobil-Nachbarn packe ich gemütlich zusammen und komme erst um 10 Uhr los. Bisher sind mir wenig Tourenradler begegnet. In Pont-à-Mousson genehmige ich mir in einem kleinen Bistro ein Tagesessen. Eigentlich wollte ich nur eine Kleinigkeit zu mir nehmen. Ich bin aber bei dem Baskischen Huhn mit Reis doch schwach geworden. Dazu habe ich mir noch ein Dessert aufschwatzen lassen. Mousse au Chocolat, das die Dimension eines großen Eisbechers hat. Letztendlich ist es mir zu viel und mit Getränken hat die Rechnung von knapp 20 € meine Reisekasse belastet. Gott sei Dank hatte ich gut gegessen, wie sich später heraus stellen sollte, denn danach gab es keine Möglichkeit mehr, etwas einzukaufen. Der Radweg an dem Mosel Kanal ist eine Holperpiste und mühsam zu fahren. Nach über 70 Kilometern erreiche ich den CP in Metz. Hier möchte ich einen Pausentag einlegen und mir die Stadt ansehen.


    Die Mosel vor Metz

    Zeltwiese an der Mosel auf dem Campingplatz in Metz

    Tag 6_Pausentag in Metz
    Meine Therm-a-Rest Matte verliert Luft. Nach 6 Jahren ist das vorhersehbar, dass die Matte in nächster Zeit den Geist aufgeben wird. Trotzdem schlafe ich, leicht geerdet, ganz gut. Über das Restaurant auf dem Platz möchte ich mich nicht äußern, wenigstens ist der Kaffee gut, und teuer. Natürlich will ich mir die Kathedrale ansehen und besonders freue ich mich auf die beeindruckende Architektur des Bahnhofes.


    Der Bahnhof von Metz, wurde von 1905 bis 1908 von dem Berliner Architekten Jürgen Kröger im neo-romanischem-wilhelminischen Stil erbaut. Die überdachten Bahnsteige sind 300m lang. Seit 1975 steht der Bahnhof unter Denkmalschutz.

    Tag 7
    In der Nacht werde ich zweimal wach, weil irgendetwas Größeres am Moselufer ins Wasser geplatscht ist. Das lässt mir keine Ruhe und ich sehe nach, was das gewesen sein könnte. In der Dunkelheit sehe ich ein größeres Tier hin und her schwimmen. Ob das ein Biber war?
    Nachdem ich am Vortag für einen großen Café Creme 3,80 bezahlen musste, zahle ich heute nur noch 2€, was mich natürlich freut und mich veranlasst, mir noch einen Kaffee zu gönnen, der dann nur noch 1,50 € kostet. Verstehen tue ich das nicht, aber mir gefällt es.
    Kaffee 1 = Touristenpreis, Kaffee 2 = regulärer Preis, Kaffee 3 = Freundschaftspreis?


    Ausfahrt Metz

    An Uckange vorbei.

    Ja super. Ich bekomme mein Rad gerade noch durch, mit etwas Nachdruck.

    Müde Kuh an der Mosel

    Mein nächstes Etappenziel heute ist der CP in Sierck-les-Bains nach 62 Kilometern. Hier bekomme ich einen nicht gemähten Platz ganz am Ende des Campingplatzes zugewiesen. In praller Sonne baue ich das Unna und das Tarp dazu auf. Am Abend gibt es ein heftiges Gewitter.



    Tag 8
    Ich schlafe nicht gut. Es ist mir einfach zu laut, Autolärm, Züge fahren in der Nähe vorbei und die Krähen machen auch Lärm ohne Ende. Ich warte noch bis das nasse Zelt getrocknet ist und ziehe nach dem Frühstück Richtung deutsche Mosel weiter. Ich schaue kurz auf mein GPS, um die Richtung zu finden und mache es dann wieder aus. Das war ein Fehler! Ich befinde mich in der Nähe der Mosel und halte den zuerst gut fahrbaren Weg für den Moselradweg.


    Noch fahrbar

    Der grob freigeschnittene Weg wird immer schmaler und ich schiebe, weil mir das mit Gepäck doch zu anstrengend wird. Der Trampelpfad ist mittlerweile zugewachsen und ist für mich beängstigend nahe am Moselufer. Ich erinnere mich an die Passage am Canal du Midi und bin mir mittlerweile sicher, dass ich mich wieder mal verfahren habe. Das ist ja nichts neues. Da es noch früh am Morgen ist, ist das ganze Grün dazu noch nass und meine Füße auch. Ich sehe keine Möglichkeit von diesem Pfad weg zu kommen, da rechts von mir Bahngleise verlaufen, an denen ein Maschendrahtzaun verläuft. Dann kommt eine Stelle, an der der Pfad weggebrochen ist und mit Pflanzen überwuchert, ohje. Aus Sorge in die Mosel zu fallen, lade ich das Gepäck ab und trage alles einzeln über die heikle Stelle. Zum Schluss muss ich das
    Fahrrad noch darüber bringen, was mir wirklich Stress bereitet. Ich arbeite mich weiter durch nasses hohes Gras und würde am liebsten umdrehen, wenn diese blöde Passage nicht wäre. Außerdem muss der Pfad irgendwann einmal ein Ende haben, denke ich mir. Und was ist, wenn es nicht mehr weiter geht?
    Mir wird leicht elend.


    Zu weiteren Fotos habe ich an dieser Passage keine Lust.
    Aber aufgeben kommt auch nicht in Frage, also weiter. Der Pfad ist fast verschwunden und ich sehe vor mir ein kniehohes Brennnesselfeld etwa auf 50 Meter. Ja Klasse, was mache ich jetzt? Da muss ich durch und heute habe ich die kürzeren Radhosen an, die am Knie aufhören. Super. Brennnesseln sind gesund, sage ich mir und beiße die Zähne zusammen. Mir brennen die Schienbeine noch bis zum Abend, zum Glück ohne allergische Auswirkungen. Dann sehe ich in der Entfernung eine große Schleusenanlage. Vielleicht habe ich hier endlich die Möglichkeit, wieder auf die eigentliche Route zu kommen. Dem ist so, freu! Offizielles Gelände scheint das nicht zu sein, aber es führt immerhin zu einem Parkplatz und dann weiter zu einer Straße.
    Irgendwann erreiche ich Konz und bei der Hitze heute, beschließe ich, hier auf den Campingplatz zu gehen der bestens ausgestattet ist. Ich bin, mal wieder, die Einzige mit Rad und Zelt auf dem Platz und baue das Unna gegenüber von zwei Wohnfässern auf, esse noch etwas Leckeres in der Gaststätte und verziehe mich noch rechtzeitig, bevor ein Gewitter los geht, in mein Unna.

    Tag 9

    Am Morgen ist alles nass, die Wiese und das Zelt. Ich packe das Innenzelt separat ein, damit das wenigstens trocken bleibt.
    Die Mosel hat Hochwasser und stinkt übel nach Fisch. Der Schifffahrtsverkehr ist vorübergehend eingestellt. Heute ist Sonntag. Ich radle ohne Frühstück los, weil alles noch geschlossen ist. Bis Trier sind es nur 11 Kilometer. Ich werde dort in der Altstadt etwas finden. Ich radle kurz an der Porta Nigra vorbei, die bei dem blauen Himmel und Sonnenschein besonders schön anzusehen ist. Am Kornmarkt finde ich ein nettes Café und lasse es mir dort gut gehen. Dann geht es bei Hitze weiter an der Mosel.


    Porta Nigra

    In Neumagen-Drohn beende ich meine heutige Etappe da es ziemlich schwül geworden ist und gehe hier auf den Campingplatz.


    Das Neumagener Weinschiff ist das Grabmal eines römischen Weinhändlers. Etwa um 220 n. Chr.
    Rechtes Bild: Der Nachbau aus Holz.

    Am frühen Abend gehe ich in eine Straußenwirtschaft und esse ein leckeres Steak vom Schwenkgrill. Dazu, auf Empfehlung, ein kleines Glas lieblichen Riesling, der fast Dessertwein Charakter hat. Ich trinke mittlerweile fast keinen Alkohol mehr und spüre auf dem Rückweg die Wirkung, die 0,2l Wein haben können.

    Tag 10 und 11


    Regen....

    Es geht weiter auf bestens ausgebautem Radweg an der Mosel entlang. Hier kann man sich wirklich nicht verfahren. . In Bernkastel-Kues fängt es an zu schütten und ich flüchte in ein Café. Es nieselt weiter. Ich ziehe meine Regenjacke an und fahre weiter bis Traben-Trarbach. Hier nehme ich mir in Traben ein Zimmer im Hotel Central und bleibe gleich 2 Tage wegen des regnerischen Wetters hier.
    Das Hotel wird sehr freundlich geführt und Radler sind willkommen.
    Zum Frühstück gibt es die lokale Presse zum Lesen. Klasse! Was lese ich da: Tierischer Volksfreund, heißt die Zeitung. Ich muss noch einmal lesen, denn das kann nicht sein. Trierischer Volksfreund, na also, geht doch! Anschließend gehe ich auf Erkundungs-Tour und entdecke in Trarbach ein Café mit Museum. Das Zeitreise-Museum. Ich bin begeistert von liebevoll präsentierten alten Fahrrädern und von der 50er Jahre Ausstellung. Manche Ausstellungsstücke kommen mir sogar bekannt vor. Für Eisenbahn-und Puppenliebhaber gibt es auch einiges zu sehen. Das regnerische Wetter lässt mich hier lange verweilen.



    Tag 12
    Ich habe super geschlafen und es scheint wieder die Sonne.
    Heute geht es weiter Richtung Cochem. Unterwegs muss ich zwei Mal auf die Straße ausweichen, weil der Radweg überflutet ist.


    Die Mosel hat Hochwasser


    Ein Campingplatz in Ufernähe steht auch unter Wasser. Ich beschließe wegen der Kälte und Feuchtigkeit ein Zimmer in Cochem zu nehmen. Hier sind ordentlich Touristen unterwegs und ich schiebe durch die Altstadt, um eine Unterkunft zu finden. In der Altstadt-Pension Café Becker bekomme ich ein Zimmer. Es ist schon spät am Nachmittag und so beeile ich mich auf die Reichsburg hinauf zu kommen. Ich bekomme noch eine Karte zur letzten Führung. Die Burganlage ist sehr beeindruckend und unbedingt empfehlenswert. Bei der sehr charmanten Führung bekommt man einen schönen Einblick in die Geschichte der Reichsburg. Zum Abschluss gehen wir noch auf eine kleine Terrasse mit tollem Blick auf Cochem und die Mosel, allerdings ohne die Dame, welche die Führung macht, sie ist nicht schwindelfrei. Mmh, ich bekomme ein flaues Gefühl in der Magengegend als ich nach vorne an das Geländer gehe. Der Ausblick ist grandios.


    Cochem

    Tag 13

    Naturschutzgebiet an der Mosel
    Radweg Richtung Koblenz

    Heute möchte ich an den Rhein kommen. Ich radle natürlich bis zum Deutschen Eck, fahre aber gleich weiter zum nächsten Campingplatz in Brey. Diesen hatte ich mir bei meiner Planung ausgesucht. Es scheint mir ein überwiegend mit Dauercampern belegter Platz zu sein.


    Campingplatz in Brey

    Ich baue das Unna an der mir zugewiesenen Stelle unter einem Baum auf. Dann gehe ich zu den Duschen, oha, sehr einfach! Es gibt 3 Duschen, die nur durch einen Vorhang getrennt sind. Aus- und Anziehen ist vor der Dusche. Zum Glück bin ich gerade alleine. Würde noch neben mir geduscht, bekommt man die Dusche gleich mit. Nachdem ich zum Zelt zurückkomme, ist das Unna voll mit Vogelkacke, na super. Ich stelle das Unna gleich um, so dass ich nicht mehr unter der Krone des Baumes stehe. Mit mir ist noch ein Radler hier. Ein Däne von den Färöer Inseln, der sehr spartanisch mit einem Golite Shangrila ohne Innenzelt unterwegs ist. Er radelt von Marseille nach Hause. Sehr speziell finde ich seinen Fahrradsattel und so frage ich ihn, ob er denn bequem sei. Naja, er hat ihn auf einem Flohmarkt für 5 € erstanden. In der Nacht fängt es an zu Regnen. Ich schlafe nicht gut, weil die Rheinkähne ziemlich laut vorbeiwummern.


    Impressionen auf dem Campingplatz

    Tag 14


    Ich radle bei Nieselregen ohne Frühstück los. In St. Goar finde ich eine Frühstücks-Möglichkeit. Bei Regen geht es weiter. Die Strecke im Mittelrhein-Tal bin ich schon einmal früher von Bingen nach Koblenz gefahren, leider habe ich keine Erinnerung mehr dazu. Jetzt bei regnerischem Wetter und trüben Aussichten und zu großen Teilen direkt an der Straße führend, macht es mir keinen Spaß.


    Campingplatz Loreleyblick, sehr romantisch. Ich bin froh, dass ich hier nicht übernachten muss.

    Der Verkehr ist so laut, dass ich mir überlege mit Ohrstöpseln zu radeln. Das Wetter wird besser. Nach Rüdesheim setze ich mit der Fähre, für die ich 2,50 € bezahle, über. Ab hier radle ich nach den örtlichen Radschildern. Das geht ganz gut. In Rüdesheim steuere ich den Campingplatz an und bekomme einen Platz auf der Zeltwiese mit Blick auf den Rhein. Zum Glück ist der Platz eingezäunt, denn dahinter befindet sich der gut frequentierte Uferweg. Am Ufer tummeln sich jede Menge Nil-Gänse (?), die einen ziemlichen Lärm veranstalten und die Wege voll sch..... Ich habe den Eindruck, dass diese Art unsere heimischen Enten verdrängen. Ich sehe unterwegs keine Stockenten mehr. Neben mir steht noch das Zelt eines Radlers aus den Niederlanden. Nachdem die letzten Spaziergänger vorbei gegangen sind, sinke ich in den Schlaf.


    Der Rhein bei Rüdesheim

    Tag 15 und 16, mit Pausentag
    Der Tag verspricht sonnig und warm zu werden.
    Die Strecke ist gut ausgeschildert. Immer wieder treffe ich freundliche Menschen, die zum richtigen Zeitpunkt da sind und mir gute Tipps für die Weiterfahrt geben. Die Strecke um Hoechst herum schaffe ich, ohne mich zu verfahren.


    Main Mündung in den Rhein

    Eltville ist ganz hübsch mit einem schönen Schloss. 8 Kilometer vor Frankfurt komme ich an einer Vereinsgaststätte vorbei und genehmige mir hier eine kleine Pause. Hier genieße ich einen sehr leckeren hausgemachten polnischen Bananenkuchen zum Kaffee. Die Strecke ab Frankfurt absolviere ich im Schneckentempo. Hier muss ein Fest stattfinden, so viele Menschen sind hier, mit und ohne Fahrrad unterwegs. Nicht alle sind entspannt, als ich mich mit meinen breiten Packtaschen durch die Menschen arbeite. Ich handle mir sogar einen Rüffel ein, als ich für ein Foto kurz im Weg stehe. Nach gut 80 Kilometern checke ich auf dem CP in Bürgel ein. Ein schön gelegener
    einfacher Platz. Hier werde ich einen Pausentag einlegen. Ich möchte hier auch das WM-Spiel Deutschland gegen Mexiko ansehen. Für den Sanitärbereich gibt es einen Schlüssel, für den ich 25€ Kaution hinterlegen muss ! Das ärgert wohl noch weitere Camping-Gäste, denn am nächsten Tag ist das Türschloss herausgerissen. Sachen gibt’s.

    Tag 17
    Ich packe gemütlich, unterhalte mich noch mit meinen Nachbarn und komme noch mit einem 76 Jahre alten Liegeradler ins Gespräch, der mir auffällt, weil er so viel Gepäck geladen hat. Wie er mir später erzählt, wegen des Komforts. Er fährt ein besonderes Rad, eine extra Anfertigung, die er mir erklärt. Leider verstehe ich das Besondere an dem Rad nicht wirklich.


    Gut bepackt

    Beim Zusammenpacken kommt ein Schwan auf mich zu, was will der denn? Mir wird schnell klar, dass er etwas zum Futtern haben will. Ich krame nach meiner Kekspackung. Dieses Geräusch des Raschelns lässt in noch näher kommen. Das ist mir doch zu nah und ich stecke die Packung wieder weg, was zur Folge hat, dass der Schwan auf mich zukommt und mich ins Bein zwickt. Jetzt bin ich sauer und verscheuche ihn schimpfend mit wedelnden Armen. Nachdem ich fertig gepackt habe, sehe ich ein paar Meter weiter die ganze Schwanenfamilie mit 4 Jungen. Ich habe noch 3 Scheiben altes Brot, das ich den Schwänen verfüttere, wobei ich mich noch anfauchen lassen muss.



    In Hanau

    Heute verlasse ich in Hanau den Main. 2017 bin ich den Bahnradweg Hessen gefahren und werde einen großen Teil davon wieder unter die Räder nehmen. Da mir einiges bekannt vorkommt, verfahre ich mich kaum. In Roßdorf allerdings, gelingt es mir genau an derselben Stelle die Orientierung zu verlieren. Mit dem Unterschied zur letzten Tour, dass ich viele zusätzliche Kilometer radeln muss, bis ich den Einstieg zum Bahnradweg finde. Ich muss etwas an dem Umgang mit meiner Navigation ändern. In Zukunft. Nach 50 Kilometern erreiche ich Stockheim und gönne mir eine Pause bis es weiter zum Campingplatz Gedern See geht. Meine Komoot Route führt mich im Kreis herum, das nervt. Ich finde den Weg, den mir Komoot anbietet nicht und nehme jetzt die Straße, die sich steil den Berg hoch windet. Oben angekommen sehe ich einen Hinweis zum Campingplatz, super. Der Hinweis führt mich auf einen Schotterweg, der sich durch wunderschöne Landschaft ewig hinzieht.


    Auch eine Möglichkeit zum Campingplatz zu kommen.

    Nach knapp 72 Kilometern erreiche ich den Campingplatz und checke ein. Ich werde sehr freundlich empfangen und bezahle 9 €. Die riesige Zeltwiese liegt einige hundert Meter von der Rezeption entfernt, da bin ich froh, nicht zu Fuß unterwegs zu sein. Ich passiere auf dem Weg dorthin eine gut abgeschottete Dauercamper-Anlage bis ich die Zeltwiese am See erreiche. Schön ist es hier. Meine Nachbarn, ein Ehepaar mit Wohnmobil, raten mir, keine Lebensmittel vor dem Zelt liegen zu lassen weil es hier Waschbären gibt.


    Zeltwiese am Gedern See

    Wegen dieser Information schlafe ich schlecht, da ich bei jedem Geräusch höre, ob ein Waschbär in der Nähe sein könnte. Meine Fantasie lässt mich auch nicht so recht einschlafen, da ich mir vorstelle, dass das Tier an meine Fahrrad herum spielt und nachher irgendein Teil zu reparieren ist. Was ich nämlich nicht kann.

    Tag 18
    Das Areal der Camping-Anlage ist riesig. Ich radle zu dem Kiosk, bei dem ich am Vorabend Brötchen bestellt hatte. Zu Fuß wäre ich sicher 15 Minuten unterwegs gewesen. Meine Vorstellung, hier gepflegt zu frühstücken wird schnell zunichte gemacht als ich meine Bestellung, alles in Plastik verpackt, entgegennehme. Das passt mit der schönen Terrasse nicht zusammen. Da werden ganz andere Assoziationen geweckt. Vom Campingplatz aus muss ich erst wieder den Einstieg zu dem Bahnradweg finden, der irgendwo am Rande von Gedern, entlang führt. Dazu muss ich zuerst vom Campingplatz aus ganz schön den Berg hoch treten. Dann gibt es eine schöne Abfahrt in den Ort und weiter wieder mit einigen Höhenmetern nach oben, bis ich nach einigen zusätzlichen Metern endlich den Radweg finde. Meine ich. Boah, dann geht es wieder so steil nach oben, dass ich absteigen und schieben muss. Merkwürdig, ich kann mich nicht an diese steile Passage erinnern. 2017 bin ich ja auch hier unterwegs gewesen. Nach einem mühsamen Anstieg oben angekommen, schaue ich zur Kontrolle auf meine Komoot Route. Das darf jetzt nicht wahr sein! Meine Komoot Route führt nach links ins „Grüne“, da ist überhaupt kein Weg zu sehen. Ich zoome die Karte so groß es geht, um auch die kleinsten Wege zu sehen. Meine Route verläuft ein paar hundert Meter weiter westlich, sehe ich auf der Karte. Um wieder dahin zu kommen, schiebe ich einen grasbewachsenen Ackerweg entlang, der weiter in einen schmalen, fast zugewachsenen Waldweg führt.


    Verfahren...

    Wieder auf dem richtigen Weg.


    Glücklicherweise endet der Weg am Radweg. Dann geht es weiter, entspannt zu radeln, nach Schlitz.


    Kaffee und Kuchenpause in Lauterbach

    Ich überlege, ob ich hier auf den Campingplatz gehen soll, der in unmittelbarer Nähe des Radweges liegt. Als ich die Adresse des Platzes lese, Damenweg 4, habe ich super Assoziationen.
    Ok, ich werde mir den Platz ansehen. Schon von weitem erkenne ich, dass dies nichts für mich ist. Ich steuere das Braustübchen an. Hier hatte ich letztes Jahr auch übernachtet. Als ich vor der Türe stehe, lese ich: Dienstag Ruhetag, ja super. Zum Glück gibt es eine Telefonnummer, die ich anrufen kann. Weiteres Glück: Die Stimme am anderen Ende der Leitung kann sich an mich erinnern, dass ich schon einmal hier war und es gibt noch ein freies Zimmer für mich. Nachdem die Wäsche gewaschen und etwas abenteuerlich im Zimmer zum Trocknen verteilt ist, gönne ich mir beim Italiener eine Pizza und lasse den Tag gemütlich ausklingen.

    Tag 19
    Heute ist sonniges Wetter angesagt mit Temperaturen bis zu 30°.
    Mein Etappenziel ist die Geisschänke in Geisa, an der Geis 4, Thüringen. Die Geisa ist ein kleines Flüsschen, welches hier in die Ulster fließt. Ich komme wieder durch Fulda, dieses Mal bei prächtigem Sonnenschein, gönne mir wieder einen wunderbaren Kuchen im Dom-Café und fahre den gut ausgeschilderten Weg weiter zum Milseburg-Tunnel.


    Fulda, dieses Mal bei super Wetter. Rechtes Bild: Die Milseburg

    Die Rhön

    Als ich oben am Tunneleingang ankomme, schlägt mir eine Kältewelle entgegen. Im Inneren des Tunnels hat es etwa 8 -10 Grad. Letztes Jahr waren Außen- und Innentemperatur identisch. Jetzt gibt es einen Temperatur unterschied von 20°. Das ist heftig und so ziehe ich meine Regenjacke und die Handschuhe an. Währenddessen düst an mir eine Gruppe schlotternder E-Biker mittleren Alters vorbei.


    Richtung Tann

    Auf dem Weg nach Geisa

    In der Geisschänke ist noch ein Zimmer für mich frei. Am Abend gibt es leckeres Thüringer Rostbrätel mit Salat und dazu ein Radler. Ziemlich erledigt von der Hitze und vom Essen falle ich ins Bett.

    Tag 20
    Heute bin ich fast 3 Wochen unterwegs und werde mich entscheiden müssen, den Rennsteig Radweg in Angriff zu nehmen, oder nicht.
    Meine Zimmernachbarn, ein Radler-Paar aus der Region, raten mir davon ab, in den Thüringer Wald hoch zu fahren. Die Wetteraussichten sind nicht gut. Es soll Regen geben. Außerdem habe ich den Eindruck, dass sie mir diese Herausforderung nicht zutrauen, mit Gepäck am Rad und ohne E-Unterstützung. Das verunsichert mich. Der Wetterbericht sagt für 3 Tage Regen voraus. Ich entscheide mich gegen den Rennsteig-Radweg und werde „unten“ bleiben und die Route modifizieren.


    Kaliberge bei Philippsthal

    Zufrieden mit der Entscheidung radle ich weiter nach Philippsthal. Hier erwischt mich wie im letzten Jahr zum gleichem Zeitpunkt und am selben Ort ein Wolkenbruch. Ich flüchte wieder in dieselbe Bäckerei mit Café-Betrieb und warte dort bis der Regen nachlässt. Dann geht es weiter auf dem Werratal-Radweg nach Bad Salzungen.


    Mmh, ob das wirklich der Werratal Radweg ist ?

    In Bad Salzungen

    Bei Sonnenschein schaue ich mir kurz das Gradierwerk an. Eine sehr schöne Anlage! Mit zusätzlichen Kilometern wegen Verfahrens und Umleitungen erreiche ich den Campingplatz in Breitungen. Ein riesiges Gelände, sehr schön am großen Kiessee gelegen. Ich suche mir einen Platz für mein Unna im oberen Bereich des leicht ansteigenden Wiesengeländes. Hier bläst ein so starker Wind, dass ich Mühe habe, das Zelt aufzustellen. Ich spanne das Unna gut ab und es steht wie eine Burg.


    Campingplatz am Kiessee.


    Meine Zeltnachbarn sind einige Motorradfahrer, welche schon für das kommende Enfield Treffen am Wochenende angereist sind. Auch sie haben Mühe, ihre Zelte aufzubauen, obwohl sie zu zweit sind. Die Versorgung auf dem Platz ist schlecht. Bei der Motorradgruppe, die gerade am Grillen ist, bekomme ich auf Anfrage einer Wurst, gegen Bezahlung natürlich, nur komische Blicke. Und keine Wurst natürlich. Ok. Ich habe noch ein paar Kekse übrig. Die Nacht ist kalt.

    Tag 21
    Bei Nieselregen packe ich meine Sachen zusammen und finde in Breitungen einen Edeka, wo ich im Warmen Frühstücken kann. Außerdem haben sie eine super neue Kundentoilette. Ich liebe Edeka! Irgendwie geht mir gerade die Lust am Radeln verloren und so beschließe ich ein, Stück mit dem Zug zu überbrücken. Breitungen ist ein kleiner Ort mit einem Bahnhof, immerhin. Die Fahrkarte kann ich am Automaten rauslassen.
    Das Problem, welches Gleis ich nehmen muss, gibt es nicht. Es gibt nur ein Gleis.


    Bahnhof in Breitungen

    Mit Umsteigen in Meiningen fahre ich bis Schweinfurt. Hier bin ich wieder auf meiner geplanten Route. In Schweinfurt gibt es keinen Campingplatz und so nehme ich mir ein Zimmer in Mainberg, ein paar Kilometer hinter Schweinfurt. Die einzige Übernachtungsmöglichkeit in dem kleinen Ort ist der Gasthof Zum Schwarzen Adler. Ich bin mal wieder begeistert von meinem Übernachtungsort.


    Leider ist das Schloss Mainberg wegen Sanierungsarbeiten nicht zu besichtigen.

    Das Gebäude gehörte früher zum Anwesen des Schlosses und wurde um das Jahr 1300 erbaut und im Laufe der Jahrhunderte immer wieder um- und ausgebaut. Ein sehr interessantes Gebäude. Leider hat die dazugehörende Gaststätte zurzeit keinen Pächter und so gibt es außer dem Frühstück nichts zu Essen. Das Frühstück findet an einer großen Tafel im Rittersaal statt.


    Bier aus der Privarbrauerei Ulrich Martin in Schonungen am Main bei Schweinfurt.


    In Mainberg gibt es nichts, außer dem Gasthof zum Übernachten, ohne Gaststätte.

    Tag 22
    Bei Sonne, Wolken und Regen geht es heute weiter am Main nach Bamberg.


    In dem kleinen Städtchen Zeil, hinter Haßfurt wird heute das 1000jährige Stadtfest gefeiert.


    In Bamberg gibt es auch einen Campingplatz, den möchte ich ansteuern. Die Strecke ist nicht so spannend zu fahren. Immerhin gibt es meistens Radwege. Zum Glück fahre ich immer mit Radbrille. Plötzlich fliegt etwas Größeres gegen meine Radbrille und gleich danach sticht mich eine Wespe ? oberhalb des linken Auges. Das brennt wie Feuer und ich schütte sofort Wasser aus meiner Trinkflasche ins Gesicht. Danach muss ich mich zuerst beruhigen und hänge mitten auf dem Radweg über dem Lenker.
    Das Auge schwillt etwas zu, aber ich kann noch gut sehen und fahre weiter. In Bamberg angekommen, verlasse ich den Radweg und komme durch die Altstadt und das Sand-Viertel durch und am Hotel Sand Stern vorbei. Ich könnte mal fragen, was ein Zimmer kostet, falls überhaupt eines frei wäre. Ich habe Glück und bekomme noch das letzte Einbett-Zimmer. Nach dem eingecheckt und das Fahrrad verstaut ist, mache ich mich sofort auf den Weg die Altstadt, welche auch Weltkulturerbe ist, zu erkunden. Ich bin total begeistert und nehme mir vor noch einmal nach Bamberg zu kommen, ohne Fahrrad. Am Abend schaue ich mir im Zimmer, das WM-Spiel Deutschland gegen Schweden an und trinke dazu ein lokales Rauchbier. Sehr speziell, aber interessant.


    Unterwegs gesehen, vor dem Aus der deutschen Fußball Mannschaft. Mein Hotel in der Oberen Sandstraße. Unteres Bild: Das alte Rathaus.



    Das Fürstenportal am Bamberger Dom. Bild unten: Am Domplatz.


    Tag 23

    Ich habe schlecht und wenig geschlafen. Es war ziemlich laut von der Kneipe gegenüber, in der auch Fußball geschaut wurde. Deutschland hat gewonnen und das wurde gefeiert. Nach dem üppigen Frühstücksbuffet geht es mir besser. Jetzt muss ich den Weg zum Main-Donau-Kanal finden. Heute ist Sonntag. Ich orientiere mich an dem kleinen Touristen-Stadtplan. Beim ersten Gewässer angekommen, frage ich eine Joggerin, ob das der Main-Donau-Kanal sei. Ja, sagt sie. Ja prima, denke ich. Dann überholt mich ein Radler und sagt im Vorbeifahren, das hier ist die Regnitz, nicht der Main-Donau-Kanal, der sei weiter drüben.


    Schleuse 100 am Ludwig-Main-Donau-Kanal, sehr schön, aber nicht meine Strecke.

    Jetzt radle ich eine ziemliche Odyssee bis ich nach vielen Kilometern endlich am Kanal bin oder in der Nähe. Das Weiterradeln macht keinen Spaß, weil ich nicht genau weiß, wo ich eigentlich bin. Den Kanal bekomme ich nur selten zu Gesicht. Durch die verschieden Radwege und deren Beschilderung komme ich ganz durcheinander.


    Hier radle ich tatsächlich am Main-Donau-Kanal.


    Irgendwo am Main-Donau-Kanal

    Nach ewiger Quälerei erreiche ich Ellwangen. Mir reicht es. Einen Campingplatz gibt es hier auch nicht und so schiebe ich durch Ellwangen, um eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Letztendlich finde ich ein Hotel, Zimmer ab 35€ lese ich an der Eingangstüre. Als ich so vor dem Gebäude stehe, melden sich in mir Vorurteile. Das Hotel sieht von außen ziemlich schlicht aus. Lediglich ein kleines Schild auf dem A.B. Hotel steht, zeigt an, dass es sich hier um ein Hotel handelt. Egal, ich brauche ein Zimmer zum Übernachten. Ich checke ein, zahle zum Zimmerpreis von 35€ noch 5€ für das Frühstücksbuffet dazu. Interessant finde ich, dass die ganzen Formalitäten handschriftlich in ein großes Buch oder Heft eingetragen werden. Auch die Reservierungen. Als ich das Hotel verlasse, um zu meinem Zimmer zu kommen, es liegt in einem anderen Gebäude einige Meter weiter, lese ich ein Schild an der Türe: Booked out. Das weitere Hotelgebäude liegt etwa 300m entfernt in einer Querstraße.
    Das Fahrrad kann im abgeschlossenen Innenhof geparkt werden. Was rückwirkend nicht gestimmt hat. Es ist aber auch nichts weggekommen. Das Zimmer ist sauber, sehr schlicht mit Bad und WC.

    Tag 24
    Ich habe erstaunlich gut geschlafen! Mein Fahrrad ist auch noch da und so mache ich mich auf den Weg zu dem Hauptgebäude, wo es das Frühstücksbuffet gibt. Ich bringe es tatsächlich fertig und biege falsch ab und wundere mich, wo ich bin. Ist ja nichts Neues. Nach dem kleinen Umweg ist die Welt wieder in Ordnung und ich kann das Frühstück genießen. Den Kaffee lässt man sich aus einer kleinen Kaffeemaschine selbst heraus. Er schmeckt sogar ganz gut und so genehmige ich mir eine weitere Tasse. Weil die Tassen wirklich klein sind will ich mir noch ein drittes Mal Kaffee rauslassen. Leider gibt die Maschine den Geist auf und muss erst wieder repariert werden. Das kommt öfters vor, sagt mir die nette junge Dame vom Service. Danach packe ich meine Sachen zusammen und mache mich auf den Weg zum Bahnhof. Ich habe keine Lust mehr auf den Main-Donau-Kanal und werde den Zug, mit Umsteigen in Nürnberg, nach Regensburg nehmen. Das Fahrradabteil in dem Zug nach Nürnberg war komplett belegt mit einer lärmenden Schulklasse und dem dazugehörenden Lehrer, der gleich zwei Sitzplätze beansprucht. Keine Chance, ich stehe bis Nürnberg mit dem Rad im Eingangsbereich des Wagens. Der Weg vom Bahnhof Regensburg zur Donau ist leicht zu finden, da er sehr gut ausgeschildert ist. In Herrnsaal bleibe ich für eine Nacht auf einem Bauernhof mit Camping. Hier treffe ich Christiane, die hier vorübergehend in einer Jurte wohnt und einen Radler aus Irland. Christiane lädt uns zu Falafel ein und wir verbringen einen netten Abend zusammen.


    Camping auf dem Bauernhof

    Tag 25
    Die Nacht war kalt. Ich glaube der Kunstfaser-Schlafsack wird „müde“ und die Therm-a-Rest Matte verliert Luft. Zum Frühstück bekomme ich von der Dame des „Hauses“ gnädiger Weise ein Kännchen Kaffee mit Milch. Zum Glück habe ich noch Müsli dabei. “Bei so wenig Besuchern macht sie kein Frühstücksbuffet“ (2 Besucher). Der Ire fährt heute auch weiter Richtung Wien. Bei mir geht es weiter an der Donau entlang.


    Unsere Zeltwiese


    In Kelheim nehme ich das Schiff, welches den gleichen Namen trägt wie ich, bis Weltenburg. Da fährt Frau doch gerne mit. Die Fahrt kostet mit Fahrrad 9,50 €. Schon sehr beeindruckende 40 Minuten. Dann geht es weiter an der Donau entlang. In Enning an der Fähre gönne ich mir ein Fleischküchle mit Kartoffelsalat und schaue der Fähre zu.



    Dann verfahre ich mich wieder. Wie ich später auf der Karte sehen werde, verläuft der offizielle Donau Radweg hier am rechten Ufer und ich war auf der gegenüberliegenden Seite unterwegs. Sehr schön zu radeln mit vielen Blumen rechts und links und sehr einsam.


    Ob das der Donau Radweg ist ?


    Ab und zu sehe ich ein Schild, Verbot für Fahrzeuge aller Art, und Reiten verboten. Mmmh, da ich Fahrradspuren sehe, denke ich, dass Radeln doch möglich ist. Der Dammweg führt auch nicht direkt an der Donau, sondern an einem größeren Bach entlang. Auf der linken Seite muss militärisches Sperrgebiet sein. Es ist eingezäuntes Gelände und entsprechende Schilder sind hin und wieder an dem Maschendrahtzaun zu sehen.
    Der Dammweg zieht sich....ein Spaziergänger gibt mir den Hinweis, dass ich vor Ingolstadt aufpassen müsste, um den richtigen Abzweig zum Campingplatz nicht zu verpassen. Vor Ingolstadt treffe ich eine Frau, die mit ihrem Hund spazieren geht. Prima, da kann ich noch einmal fragen, wie ich zu dem Campingplatz komme. Und tatsächlich, sie kennt sich aus und gibt mir eine gute Beschreibung. Beim nächsten Abzweig den Weg mit dem Kopfsteinpflaster nehmen, dann immer geradeaus, die Straße überqueren und dann würde ich „es“ schon sehen. Der Abzweig kommt schnell, was ich allerdings nicht ausfindig machen kann, ist der gepflasterte Weg. Vor mir gibt es einen kleinen Schotterweg und eine kleine betonierte Straße. Zum Campingplatz scheint mir die Straße logischer. So biege ich nach links ab und radle, wie gesagt, immer gerade aus. Die Straße will kein Ende nehmen, mittlerweile komme ich durch ein riesiges Baustellengebiet. Ich bin erstaunt, was die hier wohl bauen, es sieht etwas chaotisch aus. Erdhügel hier und da, dazwischen große Kieshaufen und LKW-Spuren. Vielleicht wird das eine Erweiterung des Campingplatzes, denke ich oder hier entsteht eine Feriensiedlung. In der Zwischenzeit hat mich ein VW-Golf überholt. Die Straße hat ein Ende. Der Golf und ich stehen vor einem großen eisernen Tor an dem ein Schild hängt: Dieses Tor bitte immer geschlossen halten. Merkwürdig. So langsam kommen mir Zweifel, ob das der Campingplatz ist. Gerade als ich auf Komoot nachsehen will, wo ich bin, kommt ein Bundeswehrsoldat auf dem Fahrrad angeradelt. Mir schwant übles....Ich glaube, ich habe mich verfahren, sage ich zu ihm. Eigentlich will ich zu dem Campingplatz. Wo bin ich denn hier gelandet? Sie dürfen hier eigentlich gar nicht sein, sie sind auf militärischem Gebiet. Aha, und was bedeutet die Baustelle da vorne? Der junge Soldat kann sich ein Grinsen kaum verkneifen. Das ist Übungsgelände für unsere Fahrzeuge. Er geleitet mich wieder zur Abzweigung zurück. Und was ist mit dem Golf, frage ich ihn noch. Hat er sich auch verfahren? Wieder mit breitem Grinsen: Nein, der ist von der Bundeswehr. Da habe ich Glück gehabt, dass ich nicht verhaftet worden bin. Wieder am Abzweig zurück, treffen wir die Frau mit dem Hund wieder, die erstaunt sagt: Wo kommen sie denn her? Ich muss doch den kleinen Schotterweg nehmen. Ganz so einfach finde ich den Zugang zum Campingplatz nicht, weil ich von der Rückseite her komme, na ja. Letztendlich komme ich an und checke ein. Der Platz ist ganz schön. Die Zeltwiese ist schon gut belegt und ich baue das Unna am Rand auf. Die Radler hier sind alle nicht sehr kommunikationsfreudig, ist ok. Mir reicht es eh’ für heute.
    Geändert von rockhopper (25.09.2018 um 15:03 Uhr)

  4. Dauerbesucher
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    AW: [FR] [DE] Von der Mosel bis zur Donau, Radtour 2018

    #4

    Geschafft, ich habe den Campingplatz erreicht.

    Tag 26
    Dank Ohrstöpsel habe ich gut geschlafen, Die A9 ist ziemlich zu hören.
    Beim Frühstücken komme ich mit einem älteren Radler ins Gespräch und erzähle ihm von meinem Abenteuer gestern Nachmittag. Dieser ist äußerst amüsiert und sagt mir, dass er hier früher stationiert war und erzählt noch ein bisschen dazu. Ich werde heute weiter an der Donau entlang radeln. Vorher möchte ich mir noch das Zentrum von Ingolstadt ansehen, das ganz schön sein soll.
    Ingolstadt hat ein sehr schönes Schloss, an dem ich vorbeischiebe. Dann erreiche ich die Hauptstraße, die eigentlich das historische Herzstück der Stadt ist. Leider ist die komplette Straße eine einzige Baustelle, die noch etwa 5 Jahre dauern soll, wie mir eine Frau, die ich nach einem Café frage, erzählt. Das macht keinen Spaß hier länger zu bleiben. Nach einem Kaffee abseits der Baustelle komme ich am Museum für Konkrete Kunst vorbei, das ich mir eigentlich ansehen müsste. Ich will nur noch raus aus der Stadt und lasse den Museumsbesuch bleiben. Im Nachhinein ärgert mich das, denn das Museum ist schon sehr von Bedeutung.


    Nach Ingolstadt

    Weiter geht es an der Donau entlang, mehr oder weniger...ich radle durch ein schönes Waldstück, wo ich für einen Moment das Gefühl habe, dass ich mich wieder verfahren habe und passiere Schloss Grünau und landwirtschaftliche Gebiete der Fürsten von Thurn und Taxis.



    Dabei erinnere ich mich, welche fatale Folgen es für die Beine hatte, als wir damals vor 25 Jahren (?) im Biergarten des Schlosses, Radler (Bier mit Limonade) auf die Fürstin Gloria getrunken hatten. Am Schloss ist nichts los nur ein paar wenige Spaziergänger sind hier unterwegs. Die Strecke nach Neuburg an der Donau war nicht so spannend und ich verliere wieder die Lust am Weiterradeln. So nehme ich den Zug von Neuburg nach Donauwörth, auch, weil ich rechtzeitig zum Fußball-WM
    Spiel Deutschland gegen...., hab’s vergessen, sehen möchte. Auf der kleinen Insel Ried ist in der Hauptstraße schon ziemlich viel los und ich finde noch an einem Tisch, an dem Studenten sitzen, ein Plätzchen am Rand. Die Stimmung ist super...anfangs, dann kippt die Stimmung als unsere Elf am Verlieren ist und nun sitze ich mitten unter schimpfenden und lästernden, wortgewaltigen bayerischen Fußballfans. Punktgenau, als klar ist, dass wir verlieren, geht ein Wolkenbruch nieder dem die Sonnenschirme und Markisen nicht wirklich standhalten. Den Fahrradsattel habe ich auch vergessen abzudecken, naja darauf kommt es nun auch nicht mehr an. Mittlerweile hat der Regen aufgehört und die Sonne scheint wieder. Meine letzte Übernachtung wird die Zeltwiese bei dem Kanuclub Donauwörth sein. 2014 (?) bin ich hier schon einmal gewesen. Mit mir auf der Wiese ist noch ein älteres Ehepaar mit einem roten HB-Tunnelzelt. Zu meiner Überraschung gibt es einen neuen Sanitärbereich, der alte war schon sehr schlicht. Zum Abschluss des Tages bekomme ich noch von dem Rest Wurstsalat, den einige Vereinsmitglieder im „Clubhaus“ zum Fußballspiel gegessen haben, eine riesige Portion zu einem sehr sozialen Preis ab. Gute Nacht, mit Ohrstöpsel.


    Zeltwiese an der Wörnitz

    Tag 27
    Heute werde ich mit dem Zug nach Stuttgart zurückfahren.
    Beim Packen lasse ich mir Zeit. Das ältere Ehepaar ist noch vor mir fertig und radelt weiter. In der Hauptstraße gibt es ein kleines Frühstück und dann geht es weiter zum Bahnhof. In Aalen muss ich umsteigen. Ich frage die Zugbegleiterin, ob es hier einen Aufzug gibt, ja dort hinten. Viel Zeit habe nicht und so bin ich über die Option des Lifts froh. Als ich vor dem Aufzug stehe, lese ich, dass er defekt ist. Na super, jetzt reicht mir die Zeit zum Umsteigen nicht und so warte ich 1 Stunde bis zum nächsten Zug nach Hause.


    Fazit:
    Die französische Mosel hat landschaftlich einen total anderen Charakter als die deutsche Mosel. Die Radwege in Frankreich sind nicht so perfekt ausgeschildert wie von Trier nach Koblenz. An der deutschen Mosel sind eigentlich keine Radweg-Schilder nötig. Es führt fast alles in Sichtweite oder direkt an der Mosel entlang. Das Mittelrheintal ist bei gutem Wetter sicher wunderschön anzusehen. Mit dem Rad meistens direkt neben der Straße zu fahren, ist kein Vergnügen. Zu dem kurzen Stück Main kann ich nicht so viel sagen, außer dass er schön zu fahren war. Die Rhön, habe ich in einer Bäckerei gelernt, beginnt erst ab Fulda...Grins. Die Gebiete ab Hanau heißen Wetterau und Vogelsberg. Den Main-Donau-Kanal habe ich wegen dauernden Verfahrens so gut wie nie zu Gesicht bekommen. Erlangen hat mir nicht so gefallen, dafür bin ich von Bamberg so begeistert, dass ich eine Woche später noch einen Städtetrip ohne Fahrrad gemacht habe. Der Rennsteig Radweg spukt mir immer noch im Kopf herum, obwohl mir einige Leute davon abgeraten haben diesen mit Gepäck zu fahren.
    Geändert von rockhopper (23.09.2018 um 16:06 Uhr)

  5. Moderator
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    AW: [FR] [DE] Von der Mosel bis zur Donau, Radtour 2018

    #5
    Da warst ja ganz schoen unterwegs... danke fuers mitfahrenlassen.
    Schade nur, dass du
    - oft so schlecht geschlafen hast (das wuerde mich fertigmachen),
    - und du das beste im Dreieck Bamberg-Regensburg-Ingolstadt verpasst hast. (Dazu melde ich mich per PN, um den Faden hier nicht zu stoeren.)

  6. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [FR] [DE] Von der Mosel bis zur Donau, Radtour 2018

    #6
    Hallo Rockhopper.

    Da hast du ja wieder eine großartige Fahrradtour gemacht. Der Moselradweg steht bei mir schon länger auf dem Zettel, aber ich habe es noch nicht geschafft. Daher hat mich deine Tour sehr interessiert. Und wie es aussieht werde ich die Moseltour wirklich mal angehen müssen. Zumal ich gerade von Frankreich auch als Land recht begeistert bin, mit der Sprache und der Mentalität gut zurechtkomme und gerade auch der von dir beschriebene Gegensatz zur Deutschen Mosel einen interessanten Kontrast bietet. Spannend!
    Das Stück am Rhein kenne ich andersrum. Mir hat es damals eigentlich ganz gut gefallen. Aber das Tal war schon sehr eng und Strassen und Bahnlinien immer recht nah. Und die Donau kenne ich dann auch wieder und da haben wir ja teilweise fast identische Bilder gemacht.

    Vielen Dank für den Bericht!

    Gruß Wafer

  7. Dauerbesucher
    Avatar von rockhopper
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    AW: [FR] [DE] Von der Mosel bis zur Donau, Radtour 2018

    #7
    Vielen Dank an alle für das Feedback!
    @ronaldo, die Rückmeldung kommt noch per PN.

    Grüße rockhopper

  8. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    AW: [FR] [DE] Von der Mosel bis zur Donau, Radtour 2018

    #8
    Mal eine ganz andere Strecke wie sonst üblich.
    Danke für den ausführlichen Bericht.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  9. Dauerbesucher
    Avatar von danobaja
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    AW: [FR] [DE] Von der Mosel bis zur Donau, Radtour 2018

    #9
    Zitat Zitat von rockhopper Beitrag anzeigen
    ... Leider verstehe ich das Besondere an dem Rad nicht wirklich.


    Gut bepackt
    ....
    das sieht aus wie wenn es ein "schwenker" ist. beim lenken neigt sich der mittelteil und man legt sich wie beim normalen rad in die kurve.
    danobaja
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    resist much, obey little!

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