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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [ES] Von Spaniens tiefstem Süden bis ans Ende der Welt



Wafer
29.11.2011, 14:01
Über 1.300 Km von Tarifa über Sevilla nach Santiago de Compostela und in Spaniens äußersten Westen - Finisterre

Prolog
Eigentlich wollte ich dieses Jahr meinen 'noch offenen' Jakobsweg (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?50250-DE-CH-FR-SP-Von-Reutlingen-nach-Santiago-de-Compostella) zu Ende gehen. Meine angeschlagene Gesundheit hat mir aber wesentlich mehr Zeit beschert, als ich für die noch offene Etappe benötige. Eine Alternative musste ich nicht lange suchen. Geistert mir doch schon seit langem die Via de la Plata im Kopf herum. Die Jahrhunderte alte Route aus dem Süden Spaniens nach Santiago. Aus dem Süden? Nun, nicht ganz aus dem Süden! Die Via startet in Sevilla. Warum das so ist hat sich mir noch nicht erschlossen. Pilger aus Afrika – ich denke da hat es auch schon welche gegeben – brauchen doch auch einen Weg ab der Grenze. Daher hatte ich im Sommer diesen Jahres schon begonnen nach einem Weg vom südlichsten Punkt Spaniens (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?54580-ES-Wanderweg-von-Gibraltar-%FCber-Tarifa-nach-Sevilla-Wer-kennt-da-was) – das ist die Insel Isla de Tarifa o de las Palomas – zu suchen. Diese Insel liegt vor der Küste von Tarifa und ist militärisches Gebiet.
Mit Hilfe von Google-Earth und den digitalen Karten vom spanischen geographischen Amtes (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?54580-ES-Wanderweg-von-Gibraltar-%FCber-Tarifa-nach-Sevilla-Wer-kennt-da-was&p=887505&viewfull=1#post887505) sowie diversen hilfreichen Tipps von ODS-Mitgliedern habe ich mir dann eine Reiseroute zurechtgelegt.
Nachdem ich 4 Monate liegen musste und die Therapie-Ideen der Ärzte nicht wirklich vielversprechend waren begann ich mich selber nach geeigneten Therapiemethoden um zu sehen. Eines hatte ich festgestellt: Wenn ich mich bewegte war ich schmerzfrei. Sobald ich stehe, sitze oder liege gehen die Schmerzen wieder los. Aus dieser Richtung kommen auch die manchmal sehr langen Einzeletappen. Es gibt zwischenzeitlich wirklich ausreichend Herbergen am Weg so dass man die Via auch in kürzeren Etappen gehen kann.
Mit ersten ‚Bewegungsversuchen‘ um das Dorf war ich erfolgreich. Eine ‚Generalprobe‘ war ein Wochenende im Wilden Kaiser. Die An- und Abreise war eine Quälerei aber der Rest ging sehr gut – auch mit Gepäck. Also habe ich mir noch eine Liste aller Taxiunternehmen und Rettungsmöglichkeiten am Weg zusammengestellt und plante die erste Woche immer in der Gegend von größeren Straßen zu bleiben. Mit Notfalltropfen und einer Rücktransportversicherung fühlte ich mich für einen Ernstfall ausreichend gewappnet.
Die Via de la Plata ist wesentlich einsamer als der Camino Frances. Führerliteratur gibt es auch genug – ich habe mich für den Rother Wanderführer von Cordula Rabe (http://www.rother.de/titpage/4333.php) entschieden. Im Netz sind zwischenzeitlich viele hilfreiche Seiten zu finden. Z.B. gibt es hier (http://www.via-de-la-plata.de) eine recht aktuelle Liste der Herbergen und einen sehr gut zu lesenden Reisebericht einer Winterwanderung auf der Via. Einen guten Überblick über die Via verschafft auch diese Seite (http://www.rutadelaplata.com/de).

1. Tag: Anreise nach Tarifa und südlichster Punkt
Mittwoch, 12. Oktober 2011
Strecke: 4 Km - Gesamtstrecke: 4 Km
Höhenunterschiede: ↑ 20 m, ↓ 20 m
Gehzeit: 1,0 h

Um 4 Uhr klingelt der Wecker, 4 Uhr 30 kommt das Taxi und bringt mich zum Flughafen. Unterwegs spricht das Radio von Straßensperren und Schneekettenpflicht im Schwarzwald. Zum Glück geht’s in den warmen Süden! Um 6 Uhr bringt mich Air Berlin nach Mallorca um von dort um 9 Uhr 40 weiter nach Sevilla zu fliegen. So bin ich gegen 11 Uhr schon in der Innenstadt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Sevilla_01.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41454&title=sevilla&cat=500)
Warum muss ich aber auch immer lokale Feiertage erwischen wenn ich mal ungestört in einer Stadt bummeln will? Die Schlangen vor den Bauten und Museen reichen meist um mehrere Ecken rum. Im Hotel Simon gibt es Credencials. Ich besorge mir einen und genieße die 37° C. Kaum vorstellbar, dass im Schwarzwald Schneekettenpflicht herrscht! Sevilla gilt als heißeste Stadt des europäischen Kontinents. In den Straßen ist die Hölle los – eigentlich klar an einem Feiertag. Straßenmusikanten spielen auf, Hochzeitskutschen fahren vorbei, überall wird Eis geschleckt, …
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Sevilla_02.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41455&title=strassenmusikanten-in-sevilla&cat=500)
Es fällt mir nicht schwer die Zeit bis 14 Uhr, bis der Bus in Richtung Tarifa abfährt, rum zu bringen. Und 3 Stunden später stehe ich im südlichsten Ort Spaniens auf dem europäischen Festland.
Auf der Busfahrt fallen mir die Unmengen an Wind- und Kite-Surfer auf. Durch den permanenten Wind ist diese Region sehr beliebt und auch jetzt in der „Wintersaison“ gut besucht.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Tarifa_01.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41456&title=tarifa-von-der-insel-aus-gesehen&cat=500)
Ich suche mir eine Herberge und ziehe mir für diese Temperatur tauglichere Kleider an – in langen Hosen bin ich hier deutlich fehl am Platze. Ich habe noch reichlich Zeit und erkunde den Ort. Der südlichste Punkt liegt auf der Insel. Die Gebäude sind alle einsturzgefährdet und das Betreten der Insel ist untersagt. Über das Meer hinweg kann man in ca. 14 Km Entfernung die Berge von Nordafrika sehen. Beeindruckend!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Mittelmeer.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41451&title=mittelmeer&cat=500)
An der Straße zur Insel stehen zwei Schilder, die anzeigen, dass linker Hand das Mittelmeer und rechter Hand der Atlantik ist. Also wird gleich zweimal gebadet: In jedem Meer einmal!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Atlantik.jpg[/img-l] (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41448&title=atlantik&cat=500)
Die Berge im Hintergrund hinter dem Mittelmeer sind die von Nordafrika, die hinter dem Atlantikschild sind auf dem spanischen Festland.

Dann gibt es ein Feierabendbier in der südlichsten Kneipe Spaniens mit Blick auf Atlantik und Nordafrika. Bei Sonnenuntergang genieße ich die spätsommerlichen Bedingungen und schaue mir auf der Karte an was morgen anliegt. Die Berge hier um Tarifa sind bis zu 600 Meter hoch und mit einer Vielzahl an Windkraftanlagen bestückt – die modernen Gipfelkreuze unserer technischen Zivilisation.
[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Tarifa_02.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41457&title=die-innenstadt-von-tarifa&cat=500)
Die Nähe zu Afrika macht sich auch in der Kommunikation bemerkbar: Hier sprechen sehr viele Französisch – die in Nordafrika sehr häufig verwendete Sprache. Da meine Spanischkenntnisse nicht so überwältigend sind kommt mir das sehr entgegen.
So kann ich den Wirt der Strandkneipe befragen wo man hier gut und landestypisch essen kann. Im „La Pescaderia“, das ich daraufhin aufsuche, gibt es einen Fischspieß der ist einfach nur gut! Das Mojito-Sorbet rundet das Abendmahl ab. Und da hier nichts ohne Rotwein geht und dieser immer im Menü enthalten ist kriege ich noch eine Flasche auf den Tisch. Das sorgt dann auch für die nötige Bettschwere.

2. Tag: Tarifa - Tahivilla
Donnerstag, 13. Oktober 2011
Strecke: 35 Km - Gesamtstrecke: 39 Km
Höhenunterschiede: ↑ 425 m, ↓ 400 m
Gehzeit: 7,0 h

Na, da habe ich wohl beim Aussuchen der Pension nicht richtig hingehört. Hier gibt es kein Frühstück sondern nur eine Küche! Mein Spanisch ist wohl doch schlechter als vermutet. Da muss ich was dran tun. Aber die Bar nebenan kann‘s richten.
So starte ich dann gegen 9 Uhr in meinen ersten vollen Wandertag. Erst geht es an einer Neubausiedlung vorbei, bei der ca. 80 % Leerstand herrscht. Das scheint hier in Spanien aber Normalzustand zu sein. Dafür bauen sie auch schon die nächste Siedlung.
Ab dem Sportplatz geht es dann zwischen Meer und Wiesen über einen wunderbaren Holzweg in Richtung Norden. An einer Brücke über einen Bach weiß ich dann endlich warum ich als Schwabe gestern die Tüte mit den trockenen Brotstücken eingepackt habe: Hier gibt es Fische, die sich über das Frühstück sehr freuen. Es geht auch an alten Bunkern vorbei. Ob die auf Onkel Adolf oder Onkel Franko zurückgehen kann ich nicht feststellen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Kakteengrenze.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41450&title=kakteengrenze&cat=500)
Die Wiesen sind hier reichlich trocken. Trotzdem stehen da sehr viele Pferde drauf herum. Als Grenze wird hier zwar ein Zaun gesetzt aber zur Verstärkung wachsen daran lauter Kakteen. Da geht sicher weder Mensch noch Tier durch.
Als der Holzweg einen Bogen in Richtung Nationalstraße schlägt gehe ich nahe der Tankstelle über dieselbe und gehe auf den Feldwegen auf der anderen Seite weiter. Obwohl hier nichts geteert ist sind die Wege bretthart. Hier scheint es schon länger nicht mehr geregnet zu haben.
Ich halte mich auf Feldwegen und Trampelpfaden parallel zur CA9210 – in der Karte steht sie allerdings noch als CA2210. Überhaupt scheinen die hier in den letzten Jahren sehr viel an den Straßenbezeichnungen und den Kilometersteinen getan zu haben. Bei fast allen Straßen auf die ich treffe stimmt irgendwas nicht mehr zu den Karten. Entweder die sind recht alt oder da betreiben ein paar Bürokraten Selbst Beschäftigung.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Schnecken_am_Verkehrsschild.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41453&title=schnecken-am-verkehrsschild&cat=500)
Auch heute ist es wieder sehr heiß - die Apotheke hat 37° C angezeigt. Trotzdem gibt es hier eine Schneckenart, die die Hitze liebt. Alle Zaunpfähle oder Pfosten von Verkehrsschildern egal ob aus Holz oder Metall werden von eine weißen Schnecke besiedelt. Wie halten die das auf Dauer aus? Mir ist das hier schon fast zu warm. Schatten ist kaum zu finden. Wo auf der Karte mit grüner Farbe ein Wald suggeriert wird stehen vereinzelt Büsche, die aber meist nicht über 1 bis 2 Meter hinauskommen. Wo echte Bäume stehen sind Bewässerungssysteme erkennbar.
Immer wieder schweift der Blick zurück wo auf der anderen Seite von Atlantik und Mittelmeer die Berge Nordafrikas grüßen. Die sind so nah, dass man gar nicht das Gefühl hat, die könnten auf einem anderen Kontinent stehen.
Ich bin auf Reiterpfaden unterwegs – den Spuren nach sind hier mehr Pferde als irgendwas anderes unterwegs. Gefühlt gibt es hier in Andalusien mehr Pferde als Rinder.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Santuario_de_Nuestra_Se_ora_de_la_Luz.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41452&title=santuario-de-nuestra-se-f1ora-de-la-luz&cat=500)
Bei dem „Santuario de Nuestra Señora de la Luz“ treffe ich wieder auf die Straße.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/E4.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41449&title=der-e4-verlaesst-mich-wieder&cat=500)
Der E4 kommt von links auf meinen Weg. Der startet auch in Tarifa geht weiter westlich über den Höhenzug und biegt dann oben am Sattel in Richtung Nord-Ost ab um über Barcelona und die französischen Seealpen an den Bodensee zu führen.
Neben der Straße führt ein EU-geförderter Fußweg nach Facinas. Der Ort liegt faul in der Mittagshitze. In einem Supermarkt frische ich meine Vorräte auf und suche mir ein schattiges Plätzchen für eine Pause. Hier hatte ich eigentlich meine erste Übernachtung geplant. Irgendwie habe ich aber noch keine Lust hier für heute auf zu hören. Auf der Herfahrt mit dem Bus habe ich in Tahivilla ein Hotel / Restaurant Apolo XI gesehen. Das dürften nur noch ein paar Kilometer sein.
Ich beschließe weiter zu ziehen und der Weg führt mich über einen Feldweg von Facinas in Richtung Benalup. Dann biege ich ab nach Tahivilla. Die Landschaft steht voll von Windkraftanlagen. Don Quijote hätte hier seine wahre Freude gehabt – Er wäre aber schlicht der Menge an Windmühlen erlegen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Tahivilla.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41459&title=tahivilla&cat=500)
Tahivilla ist ein kleines Dorf, aber mit Bar und Kirche – wie sich das hier in Spanien gehört. Leider ist die Kirche abgeschlossen – wie leider fast alle Kirchen Spaniens. Bei dem üppigen Goldschmuck in den Kirchen nicht wirklich verwunderlich.
Beim Essen im Apolo XI wird mir dann eröffnet, dass der Hotelbetrieb eingestellt wurde. Na prima! Die nächste Übernachtungsmöglichkeit soll 15 Km weiter sein. Das ist dann doch deutlich zu viel für den ersten Tag. 2 Belgier vom Nachbartisch bieten mir an mich nach Tarifa mit zu nehmen. Morgen soll es einen Bus nach Tahivilla geben.
So komme ich dann wieder nach Tarifa in die gleiche Pension zurück. Ich lasse den Abend bei einem grandiosen Sonnenuntergang in der südlichsten Bar des europäischen Spaniens ausklingen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Sonnenuntergang_in_Tarifa.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41458&title=sonnenuntergang-in-tarifa&cat=500)

Atze1407
29.11.2011, 15:10
Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt !

Anfangen, die Leute heiß machen und nicht weiterschreiben, ich hasse es.

Ist ja mittlerweile wie im privat Fernsehen,- Film anfangen und nach 15 Minuten Werbung. :bg:

Bitte bitte, lieber Wafer, schnell weiterschreiben und uns nicht so lange auf die Folter spannen.

LG
Atze1407

chrischian
29.11.2011, 15:32
Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt !

Schade. Ich dachte, ich lerne den kleinen Atze noch mal kennen. :ignore:

Wafer
29.11.2011, 19:44
3. Tag: Tahivilla - Medina-Sidonia
Freitag, 14. Oktober 2011
Strecke: 40 Km - Gesamtstrecke: 79 Km
Höhenunterschiede: ↑ 350 m, ↓ 250 m
Gehzeit: 10,0 h

Wer früh ins Bett geht (für spanische Verhältnisse), der wacht auch früh auf. 7 Uhr 30 und es ist noch stockdunkel – es ist halt doch schon Mitte Oktober! Ich bekomme beim Frühstück in der Bar von gestern einen Wetterbericht mit: Wieder über 35° C. Ob ich mich darüber freuen soll weiß ich noch nicht – es gibt heute wieder so gut wie keinen Schatten.
Der Bus bringt mich wieder nach Tahivilla und ich starte wieder in Richtung Benalup.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Tor_am_Feldweg.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41498&title=toreinfahrt-zum-feldweg&cat=500)
Feldwege sind in Spanien häufig Privatbesitz. Manchmal darf man durchlaufen, manchmal nicht. Das offene Tor bewegt mich dazu den direkten Weg zu nehmen. Der Feldweg führt mich 20 Km über eine Ebene die durch Bewässerung für Getreide und Baumwolle genutzt wird. Wenn mich ein Traktor auf dem Feldweg überholt staubt es noch minutenlang.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Benalup_Casas-Viejas.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41487&title=benalup-casas-viejas&cat=500)
Nach 2 h kommt dann Benalup-Casas Viejas endlich näher – gesehen habe ich es schon eine Weile. Ein richtig schmucker Ort mit schöner Stadtmitte.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Kirche_von_Benalup.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41491&title=kirche-von-benalup&cat=500)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Rathaus_von_Benalup.jpg[/img-l] (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41495&title=das-rathaus-von-benalup&cat=500)
Zur größten Mittagshitze mache ich Mittagspause in einer Bar. Die Boquerones en Vinagre (Sardellen in Essig mit viel Knoblauch) sind einfach Klasse. Bei solchen Temperaturen sind die kalten Tapas einfach die Besten. Fisch, Fleisch, Gemüsen, … Einfach und Gut – nur mal wieder bei uns nicht zu kriegen.
[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Medina-Sidona_01.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41493&title=medina-sidona-von-ferne&cat=500)
Hinter Benalup kann ich mein heutiges Ziel Medina-Sidonia schon am Horizont liegen sehen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Hinter_Los_Badalejos.jpg[/img-r] (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41490&title=eu-gesponsorter-weg-hinter-los-badalejos&cat=500)Auf der Suche nach dem Wanderweg, der die Stadt umgangen hat gehe ich ein Stück auf einem Schotterweg neben der Straße entlang. Ich will wieder auf den „Corredore Verde de Dos Bahias“ – einen Wanderweg der von Algeciras nach Cadiz führt. Den hatte ich vor Benalup schon gefunden aber wegen der Mittagspause wieder verlassen. Der Weg führt generell an allen Orten vorbei. Wie soll man sich da versorgen?

Der Weg durch Malcocinado und Los Baladejos nehme ich auf Nebenstraßen mit vielen Gelegenheiten den Flüssigkeitsbedarf zu decken. Das Radler mit Lemone ist sehr erfrischend!
Dann geht es wieder auf den Dos Bahias, der durch leicht gewelltes Land führt. Die Spuren im Sand verraten wieder, dass ich in Andalusien bin – hier sind mehr Pferde als Menschen unterwegs. Ab und an geht es über Brücken und durch Bach Auen – leider knochentrocken – mit gelegentlichem Blick auf das heutige Ziel.
[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Medina-Sidona_02.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41494&title=medina-sidona-kommt-naeher&cat=500)
Am Wegesrand sonnen sich wieder die Schnecken bei mörderischen 37 °C.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Schnecken_01.jpg[/img-l] (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41496&title=sonnenanbeterschnecken&cat=500) Nach 40 Km bin ich am Ortsrand von Medina-Sidonia – aber der liegt 300 Höhenmeter unter dem Zentrum. Also noch ein knackiger Anstieg zum Schluss.
[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Kirche_von_Medina-Sidona.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41492&title=kirche-von-medina-sidona&cat=500)
Oben werde ich dann mit den Ruinen einer Burg und einer Moschee, die zur Kirche umgebaut wurde belohnt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Blick_zur_ck.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41489&title=blick-zurueck&cat=500)
Auch der Blick zurück ist absolut lohnenswert!
Ein Schild verkündet, dass die EU sich an den Renovierungskosten signifikant beteiligt hat. So viel EU-Unterstützung gibt es bei uns nicht – oder es steht nicht dran wie hier. Der Wanderweg „Corredore Verde de Dos Bahias“ und sogar das kleine Hotel hinter der Burg, in dem ich absteige, sind mit Geldern der EU unterstützt worden.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Blick_aus_dem_Fenster.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41488&title=blick-aus-dem-fenster&cat=500)
Der Blick aus dem Zimmer vermittelt einen Eindruck von der grandiosen Lage von Medina-Sidonia. Beim Duschen merke ich dann das 40 Km für den zweiten Tag doch reichlich ist. Vielleicht wäre Benalup doch besser gewesen?
Das Essen ist gut aber wie in Spanien üblich mit sehr viel Fett angereichert. Nicht umsonst sieht man hier entweder sportlich durchtrainierte Spanier oder eben welche wie Gott sie geschaffen und McDonalds sie geformt hat. Und das gilt erstaunlicherweise nicht nur für die jüngeren Semester.


4. Tag: Medina-Sidonia - Arcos de la Frontera
Samstag, 15. Oktober 2011
Strecke: 45 Km - Gesamtstrecke: 124 Km
Höhenunterschiede: ↑ 350 m, ↓ 300 m
Gehzeit: 10,5 h

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Sonnenaufgang2.jpg[/img-l] (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41517&title=sonnenaufgang-in-medina-sidona&cat=500)
Der Wind pfeift um das Haus – bei dieser exponierten Lage nicht ungewöhnlich. Die vielen Windräder rund um Medina sprechen auch eine deutliche Sprache. Ich drehe eine Runde um den Hügel mit den Ruinen um in Ruhe den Sonnenaufgang zu genießen.
[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Moosche-Kirche_mit_Ruinen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41518&title=moschee26amp-3b-kirche-mit-ruinen&cat=500)
Die Ruinen mit der Kirche/Moschee liegt im Morgenlicht. Der Sonnenaufgang verspricht einen guten Tag! Es ist ja schließlich auch Wochenende!
Zum Frühstück wird mit Schweinschmalz, Olivenöl und Tomaten angeboten. Kein Käse, keine Marmelade, keine Butter, … Nach kurzer Diskussion wird mir noch eine Portion Hartkäse gereicht. Für einen Liebhaber eines süßen Frühstücks gewöhnungsbedürftig. Aber was man so liest werde ich mich wohl an so was gewöhnen müssen. Zum Glück war die Gans gestern reichlich!
Auf Wanderer sind die hier einfach nicht eingestellt. Keine Wasserflaschen, kein Obst, …
Gegen 8 Uhr 30 komme ich weg, decke mich in einem kleinen Laden am Ortsausgang ein und steuere Paterna de Rivera an. Der Feldweg, den ich gewählt habe, wird durch eine Großbaustelle der kreuzenden Autobahn unzugänglich. So entscheide ich mich wohl oder übel für die Straße. Was da so alles liegt – kaum zu glauben. Zigarettenschachteln, CDs und Getränkedosen sind ja noch irgendwie nachvollziehbar. Bei Schnapsflaschen wird es grenzwertig. Aber ganze Drucker oder Waschbecken? Das grenzt schon an Mutwilligkeit! Ich hätte den Feldweg nicht so kampflos aufgeben sollen! Na, was soll’s – bis Paterna sind es ja nur noch ein paar Kilometer. Aber die Qualität der Straßen hier in der Provinz ist der Hammer. Ich wünschte unsere Hauptstraßen wären alle so gut in Schuss wie hier die kleinen Nebenstraßen.
Paterna ist ein harmloser Flecken, der mein Herz nicht geraubt hat. In und vor den Bars sitzen Spanier und spielen Karten und Domino als ginge es um ihr Leben. Allerdings sind das meist Männer. Frauen sieht man hier entweder gar nicht oder hinter dem Tresen. Vor dem Ortsausgang halte ich mich rechts. Heute ist hier Markttag. Hier sind also die ganzen Frauen abgeblieben! An der nächsten Bar halte ich mich links und verlasse das Dorf und gehe wieder über Feldwege weiter. In leichtem Auf und Ab geht es durch hügeliges Gelände, ab und an durch einen im Augenblick recht eingetrockneten See angereichert.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Paterna_de_Riviera.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41520&title=hinter-paterna-de-riviera&cat=500)
Viel zu schnell endet der Feldweg wieder an einer Straße. Die Südspanier sind entweder sehr freundlich – hupen und grüßen – oder eher ignorant und fahren sehr dicht an einem vorbei. Also bei der nächsten Gelegenheit wieder auf Feldwege ausweichen. Oder zumindest auf kleinere Straßen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Hunde.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41523&title=spanische-hundehaltung&cat=500)
Bei der Mittagspause fallen mir die vielen Hunde in Anhängern auf. Da in den Autos auch Gewehre liegen hoffe ich für die Hunde, dass sie als Jagdhunde Verwendung finden. Der Umgang mit Haustieren ist in Spanien ja nicht so innig wie bei uns. Hunde dürfen meist nicht ins Haus und werden recht wenig umsorgt.
Ich beschließe für den weiteren Weg die Straße zu verlassen und über San José del Valle weiter zu gehen. So komme ich von der sehr lebhaften Straße in eine sehr einsame Gegend. Die Spuren von Pferden und Rädern verraten mir, dass dieser Weg vermutlich nicht unerwartet endet. Eine Herde Ziegen kreuzt meinen Weg – nur: Wo ist der Hirte? Ich sehe keinen. Sind die etwas wild unterwegs?
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ziegen1.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41524&title=wilde-ziegen-kreuzen-meinen-weg&cat=500)
Es geht deutlich aufwärts und in der Ferne sind ab und zu richtig hohe Berge zu erkennen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/See2.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41525&title=blick-vor-san-jos-e9-del-valle&cat=500)
In San José komme ich gegen 14 Uhr an. Etwas früh für eine Übernachtung wie ich finde. Möglichkeiten gibt es genug aber der Ort spricht mich nicht an. Ich steuere also auf kleinsten Straßen – völlig ohne Verkehr – und Feldwegen auf den Embalse del Guadalcacin II zu.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/See_2.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41528&title=stausee-hinter-san-jos-e9-del-valle&cat=500)
Neben der Straße führt ein Ziegenweg entlang mit grandioser Sicht nach Nord-Osten: Weiden, der See und hohe Berge im Hintergrund. Genial!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ziegen_2.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41529&title=ziegen&cat=500)
Bei der nächsten Vesperpause überholt mich wieder eine Herde Ziegen – diesmal mit Betreuung. Auch gibt es hier reichlich wilde Kaninchen. Die sind nur viel zu schnell für meine Kamera. Bis ich die oben habe sind die Kollegen schon weg.
In der Ferne höre ich viele Gewehrschüsse. Am Wochenende wird hier viel gejagt. Aber sehr viel mehr als die Kaninchen habe ich an jagdbarem Wild noch nicht gesehen.
Hinter der Staumauer geht es dann leicht abwärts. Ich halte mich an den Wasserkanälen entlang. Da geht meist ein Feldweg daran entlang. Wer allerdings glaubt damit einen ebenen Weg vor zu finden der irrt!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Gr_ne_Wiesen_an_den_Wasserkan_len.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41531&title=gruene-wiesen-an-den-wasserkanaelenmit-auf-und-ab&cat=500)
Ab und zu verschwindet das Wasser in Rohren und wird so durch ein Tal geführt. Auf der nächsten Anhöhe erscheint das wertvolle Nass dann wieder und wird wieder durch offene Kanäle geleitet. Hier nördlich von dem Stausee gibt es davon reichlich. Neben den Kanälen gibt es fruchtbare Wiesen und Weiden und es sind auch Bäume zu sehen. Aber bereits wenige Meter weiter ist die Erde schon wieder sehr trocken.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Kan_le.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41532&title=an-den-kanaelen-ist-es-fruchtbares-wird-aber-wieder-sehr-schnell-duerr&cat=500)
In der Ferne taucht Arcos de la Frontera über den Baumwollfeldern auf.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Arcos_1.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41544&title=arcos-de-la-frontera-aus-der-ferne&cat=500)
Ein toller Anblick! Die Altstadt liegt auf einem Berg, der nach Süden einen jähen Abbruch findet. Die Kirchen und das Kloster heben sich dunkel von den weißen Häusern ab.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Arcos_2.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41545&title=arcos-de-la-fronteradie-stadt-fliesst-den-hang-hinunter&cat=500)
Je näher man der Stadt kommt desto mehr Einzelheiten faszinieren mich. Ich überquere den Bach am Wehr und gehe einen Weg direkt unterhalb der imposanten Wand entlang. Dann zieht der Weg plötzlich nach oben und führt steil hinauf in die Altstadt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Arcos_3.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41546&title=arcos-de-la-frontera-im-aufstieg&cat=500)
Wieder so ein schweißtreibender Aufstieg zum Abschluss. Oben angekommen hat man einen grandiosen Rundblick.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Arcos_4.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41547&title=rundblick-von-arcos-de-la-frontera&cat=500)
Leider komme ich zu spät um im Kloster zu übernachten. So genieße ich den Luxus eines Hotels und schlendere am Abend durch die Straßen. In dem Lokal in dem die meisten Spanier sitzen esse ich zu Abend und muss meine Wahl nicht bereuen! Sehr gute Küche. Nur komme ich über die Vorspeisen nicht hinaus. Dafür nehme ich davon gleich ein halbes Dutzend.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Strassen_von_Arcos.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41548&title=strasse-von-arcos-de-la-frontera&cat=500)
So eine Stadt an einem Tag vor einem freien Tag hat einfach was! Die Spanier bleiben lange auf und in den Straßen geht es bis spät in der Nacht hoch her. Wer erst gegen 22 Uhr zum Essen geht kann nicht schon um Mitternacht im Bett liegen. Ich nehme mir vor an Freitagen und Samstagen in Städten keine Herbergen zu nehmen – da muss man meist gegen 22 Uhr schon im Bett liegen. Wie will ein Spanier da abends noch was essen?

5. Tag: Arcos de la Frontera - Las Cabezas
Sonntag, 16. Oktober 2011
Strecke: 40 Km - Gesamtstrecke: 164 Km
Höhenunterschiede: ↑ 530 m, ↓ 670 m
Gehzeit: 10,0 h

Am Morgen ziehe ich nochmal durch die Straßen. Es ist erstaunlich wie viele Läden hier sonntags offen haben! Ich decke mich gut ein denn heute gibt es kaum Zwischenstopps mit Einkaufsmöglichkeit am Weg. Bei diesen Temperaturen brauche ich gut 1 Liter Wasser auf 10 Kilometer.
Am Ortsrand geht es wieder auf Feldwegen am Sportzentrum vorbei und mal wieder zu einer Autobahn vor den Toren der Stadt. Davon gibt es hier auch reichlich! In der Schrebergartensiedlung stehen sehr viele Pferde und Hunde wo bei uns Blumen stehen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Es_wird_wieder_flacher.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41560&title=es-wird-wieder-flacher&cat=500)
Die Landschaft wird wieder flacher.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/6_langweilige_Km.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41559&title=6-langweilige-kilometer&cat=500)
Es geht 6 nichtssagende Kilometer an einer Straßen entlang bis ich bei Km-Stein 12 wieder auf Feldwege abbiege. Am Wegesrand sind regelmäßig Viehtränken aufgebaut.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Viehtr_nke_mit_Schatten.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41563&title=viehtraenke-mit-schatten-fuer-kleinvieh&cat=500)
Als ich an die Grenze zwischen den Provinzen Cadiz und Sevilla komme fühle ich mich zu Asterix versetzt: Ein Graben trennt die Provinzen. Auf der einen Seite trockene Felder auf denen Getreide angebaut wird und in der Provinz Sevilla sind Olivenplantagen angelegt. Wer den Graben überschreitet, wie ich, sollte lange Hosen anhaben. Die klettenartigen Gewächse hängen sich überall fest.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Olivenplantage.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41562&title=olivenplantage-in-der-provinz-sevilla&cat=500)
Ich hatte hier bei der Vorbereitung mit Google-Earth aber auch schon Probleme gehabt einen durchgängigen Feldweg zu finden. Als ich dann endlich wieder auf einem Feldweg bin werde ich dann auch das erste (und zum Glück das einzige) Mal eines Weges verwiesen. Deutlich in Ton, Lautstärke und Gestik. Warum manche spanische Bauern etwas dagegen haben wenn man über ihre Feldwege wandert muss mir mal einer erklären.
So muss ich leider einige Km Umweg in Kauf nehmen und ein zweites Mal in die Provinz Sevilla einreisen. Es geht leider ein paar mühsame Kilometer an der Straße entlang.
In einer Venta kurz vor Las Cabezas de San Juan fehlt das erste Mal der Fisch bei den Tapas. Ich entferne mich auch hier spürbar vom Meer.
Ich komme nach Las Cabezas rein und steuere die auf dem Hügel liegende Kirche an. Normalerweise ist die ja der Mittelpunkt einer Stadt. Hier rührt sich aber gar nichts. Ich streife durch die Stadt auf der Suche nach einer Unterkunft. So entdecke ich dann auch den Platz, an dem hier am meisten los ist. In einer Bar frage ich nach einem Hostal oder einer Pension. Nun, die Bar hätte selber Zimmer. Ob ich die mir mal ansehen wolle? Klar will ich! Sie zeigt mir dann eine Top-Apartment-Wohnung die sie mir zu einem Spotpreis überlässt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Hauptplatz_von_Las_Cabezas.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41561&title=hauptplatz-von-las-cabezas&cat=500)
Am Abend ist auf dem Hauptplatz wieder schwer was los. Erste Wolken am Himmel weisen auf Abkühlung hin.

Juno234
30.11.2011, 06:38
Spannende Tour - schön zu lesen!

Wafer
30.11.2011, 19:51
6. Tag: Las Cabezas - Dos Hermanas
Montag, 17. Oktober 2011
Strecke: 44 Km - Gesamtstrecke: 208 Km
Höhenunterschiede: ↑ 175 m, ↓ 175 m
Gehzeit: 9,0 h

Da es in der Bar, zu der das Apartment gehört, kein Frühstück gibt, mache ich mich fertig und ziehe los zum Einkauf und zur Frühstückssuche. Obwohl das Thermometer um 8 Uhr 15 schon 18° C zeigt laufen hier alle in Strickjacken rum. Was machen die hier im Winter?
Beim Frühstück wird mir dann erläutert wie man den spanischen Schinken zum Frühstück isst: Auf die eine Hälfte des Brotes dick den Schinken drauf, auf die andere reines Olivenöl in rauen Mengen, zusammenklappen, essen. Schmeckt gut, ist aber nicht ganz das was ich mir zum Frühstück vorstelle. Das stößt bei dem Kellner auf Unverständnis. Das ich dann auch noch keinen Kaffee trinke sondern Kakao macht es nicht wirklich besser.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Tiefebene_vor_Sevilla.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41725&title=die-tiefebene-vor-sevilla&cat=500)
Heute geht es durch die Tiefebene vor Sevilla. Die liegt nur ca. 4 Meter über dem Meer. Hier im Ort nehme ich eine kleine Ausfallstraße an der Schule und der Autobahnraststätte vorbei in Richtung Bahnhof. Da gibt es zwei: einen alten an einer eingleisigen Linie und einen neuen. Der ist komplett fertig bis auf die Gleise. An deren Stelle wuchert Meter hohes Unkraut. Da kam wohl ein Baustopp kurz vor der Vollendung.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ausgetrocknetes_Bachbett.jpg[/img-l] (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41723&title=ausgetrocknetes-bachbett&cat=500)
Der Blick schweift weit über das flache Land. Die Felder sind riesig aber knochen- trocken. Wo in der Karte Bäche einge- zeichnet sind befinden sich ausge- trocknete Bachbetten. Die Felder Drumherum sehen übel aus. In Google- Earth sah die Gegend so Grün aus – das muss wohl zu einer anderen Jahreszeit gewesen sein!
Hinter einer alten Fabrik sehe ich dann wo das ganze Wasser hin ist: Reisfelder soweit das Auge reicht. Und die stehen alle unter Wasser. In den Rand- kanälen plätschert es ständig – aber der Geruch deutet nicht gerade auf Trinkwasser hin. Auf den Reisfeldern hat sich ein Schwarm Störche niedergelassen. Die ersten die ich zu sehen bekomme.
Dann geht es schnurgerade über einen Feldweg zwischen Reisfeld und Straße nach El Trobal. Die alten Weidewege, die in der Karte eingezeichnet sind, gibt es alle nicht mehr. So halte ich mich auf den Feldwegen und steuere Los Palacios y Villafranca an.
So langsam sehen die Kanäle auch so aus, wie man sie sich vorstellt: Von Bäumen gesäumte Oasen in der trockenen Gegend. Auch die Straßen zeigen die eher Landwirtschaftlich genutzte Prägung der Region: Kaum Verkehr – und das bisschen was sich bewegt sind Traktoren und andere landwirtschaftliche Gerätschaften.
Hier gibt es Straßen, die eindeutig nicht ganz so neu sind wie die meisten der bisherigen. In manchen Schlaglöchern verschwinden ganze Warnpylonen.
[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Schlagloch.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41729&title=schlagloch&cat=500)
Endlich kommt Los Palacios in Sicht. Ich merke, dass ich mich einem städtischen Großraum nähere: Die Ortschaften werden größer, die Autobahnen mehr und die Vororte nicht wirklich schöner. Sevilla ist immerhin die 4-größte Stadt Spaniens nach Madrid, Barcelona und Valencia. Los Palacios gibt entsprechend nicht viel her.
In einem Restaurant esse ich zu Mittag. Zuerst eine Salmorejo – eine kalte dickflüssige Suppe aus Tomaten, Knoblauch, Brotkrumen und Olivenöl. Lecker! Dann noch ein Fischeintopf vom Feinsten. Die spanische Küche hat schon einige wirklich gute Schmankerl zu bieten!
Dann mache ich mich auf die Suche nach dem Stadtzentrum. So eindeutig wie ich erwartet habe ist das nicht zu finden. Völlig unerwartet stehe ich wieder am Ortsrand. Irgendwie hat mir bei dem Städtchen der Höhepunkt oder das Zentrum gefehlt. Durch einen Park geht es an einem Industriegebiet vorbei. Hinter den letzten Häusern geht es Zick-Zack um über eine Brücke die obligatorische Autobahn überqueren zu können. Ich komme durch eine eher privat genutzte Schrebergartensiedlung. Überall sind Tiere auf den sehr trockenen Wiesen angebunden: Pferde, Esel, Hunde, … Alle an sehr kurzen Leinen.
Dann wechseln sich Olivenhaine und Weinfelder ab. Auf Feldwegen geht es zwischen ihnen hindurch.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Brunnen2.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41724&title=brunnen&cat=500)
Auf manchen Feldern stehen gemauerte Brunnen. Einigen Olivenbäumen sieht man regelrecht an, dass sie schon etliche Jahre auf dem Buckel haben – sich wachsen in den tollsten Formen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Alter_Olivenbaum.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41722&title=alter-olivenbaum&cat=500)
Die Landgüter werden größer und repräsentativer. Viele Felder sind mit Bewässerungssystemen versehen und in gutem und gepflegtem Zustand.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Landgut.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41728&title=landgut&cat=500)
Nachdem ich die übliche Autobahn überquert habe komme ich in die ersten Vororte von Dos Hermanas. Viele Neubausiedlungen im einheitlichen Baustil und nicht sehr ansprechend. Bis ins sehr kleine Stadtzentrum dauert es noch eine ganze Weile. Vereinzelt stehen sehr schöne alte Gebäude zwischen den nichtssagenden Straßenzügen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Dos_Hermanas.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41727&title=dos-hermanas&cat=500)
Gegen kurz vor 19 Uhr zeigt ein Thermometer noch 25° C. Den Tag über war es auch nicht mehr ganz so heiß wie die letzten Tage. Die Quartiersuche wird nochmal eine Herausforderung aber in der Gegend vom Bahnhof werde ich dann fündig. Dort kriege ich auch ein gutes Abendessen.
Beim Routesuchen für Morgen stelle ich fest, dass es keine 20 Km mehr bis Sevilla sind. Ab da ist der Weg durch die Via de la Plata vorgegeben und die tägliche Wegsuche fällt weg. Eigentlich schade! Mir hat das tägliche Wegaustüfteln viel Spaß gemacht. Ohne Google-Earth und die digitalen Karten auf dem Smartphone wäre das Orientieren wesentlich schwieriger. Viele Wegentscheidungen habe ich allerdings auch erst kurzfristig getroffen wenn ich die Situation vor Ort gesehen habe.
Auf dem ganzen Weg bis hier her habe ich keinen einzigen anderen Wanderer gesehen. In manchen Siedlungen wurde ich angestarrt als käme ich von einem anderen Stern. Ich denke auch das wird nach Sevilla aufhören. Reiter habe ich da schon mehr gesehen. Und sehr viele sportliche Radler. Aber kaum einen auf Langstrecke.
Auf dem Camino Frances war Alleine bleiben kaum möglich. Auf der Via Podiensis hat man täglich andere Pilger getroffen, konnte aber auch allein gehen. Auf der Via Gebennensis war man meist alleine unterwegs, hat aber ab und an einen Pilger getroffen. Auf dem Schweizer Jakobsweg war es ähnlich wobei das weniger Pilger als Wanderer waren. Auf dem Weg von Reutlingen an den Bodensee war es ähnlich wie hier: Keine Menschenseele mit ähnlichen Ambitionen. Ich bin mal gespannt was die Via de la Plata in der Richtung mit sich bringt!

7. Tag: Dos Hermanas - Italica
Dienstag, 18. Oktober 2011
Strecke: 26 Km (16 Km davon bis Sevilla) - Gesamtstrecke: 234 Km
Höhenunterschiede: ↑ 50 m, ↓ 70 m
Gehzeit: 9,0 h

Heute habe ich ausgeschlafen! Es steht ja nur eine kleine Etappe an. Beim Frühstück habe ich viele Touristen getroffen, denen die Preise in Sevilla einfach zu teuer waren und die mit der Bahn in Vororte rausgefahren sind.
Ich verlasse Dos Hermanas durch eine Rollladensiedlung: Über 60 % aller Häuser stehen leer. Und das über mehrere Blocks hinweg. Die sehr hohen spanischen Immobilienpreise bewirken seltsame Stilblüten!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/H_user_in_der_Gro_baustelle.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41731&title=haeuser-in-der-grossbaustelle&cat=500)
Wo ich laut Karte dann einen Park erwartet habe ist eine Großbaustelle. Hier wird die Infrastruktur für einen ganzen Ort gebaut: Metro, Straßen, Laternen, Verkehrsschilder, Parks (mit Bänken, Rasen, Mülleimern, …), Kinderspielplätze (mit Spielgeräten), … und das über mehrere Quadratkilometer - Aber nur 2 Häuser! Bis das mal gebraucht wird ist das doch alles veraltet und renovierungsbedürftig.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Stra_enschilder_ohne_Stra_en.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41738&title=strassenschilder-ohne-strassen&cat=500)
Ich flüchte so schnell es geht aus dieser Umgebung. An einer Schnellstraße spricht mich dann ein Spanier an: Ich habe mich wohl verlaufen! Ich sei doch auf dem Jakobsweg, oder?
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Mein_erste_Pfeil.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41733&title=mein-erste-gelber-pfeil&cat=500)
Er bringt mich dann querfeldein über Felder zu einem Wanderweg und zeigt mir einen gelben Pfeil. Siehe da: Das muss die Route aus Cadiz sein. Beim nachträglichen Recherchieren finde ich dann auch die Unter dem Namen Via Augusta (http://www.pilgerweg.de/via-augusta.html) geführte Route, die sogar über Las Cabezas und Dos Hermanas führt. Die hatte ich im Vorfeld nicht gefunden.
Auf diesem Weg werde ich an einer großen 6-spurigen Straße nach Sevilla hineingeführt. An dieser Straße wohnen wohl die Prominenten und die Reichen: Eine Villa steht neben der nächsten. Die Häuser werden immer pompöser – ich nähere mich also dem Zentrum.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Moderne_Infrastruktur_in_Sevilla.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41734&title=moderne-infrastruktur-in-sevilla&cat=500)
Handy am Steuer ist verboten! Aber Handy am Zügel?
Dann bin ich in mir bekanntem Gebiet. Und ohne Feiertag ist die Stadt viel leerer. Und mit 28° C auch viel angenehmer als vor einer Woche. Aber trotzdem nicht ohne Leben auf den Straßen!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Kathedrale_von_Sevilla.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41732&title=kathedrale-von-sevilla&cat=500)
Ich besuche heute die Kathedrale – der eigentliche Startpunkt der Via de la Plata.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Beginn_der_Via_de_la_Plata.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41730&title=beginn-der-via-de-la-plata&cat=500)
Eine Kachel markiert den Beginn der Route in eine Seitenstraße hinein. In dem Viertel, durch das die Via nun führt, pulsiert das Leben: Tolle Läden, Bars und Kneipen, Straßen voller Passanten, Phantasievolle Touristenunterhaltung, …
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Phantasievolle_Touristenunterhaltung.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41736&title=phantasievolle-touristenunterhaltung&cat=500)
Im Stadtteil Triana, dem Keramikerviertel der Stadt, finde ich eine tolle Kneipe. Eine frühere Fabrik wurde mit viel Liebe zum Detail zu einer Stierkampfkneipe umgebaut. Die Wände hängen voll mit teilweise signierten Plakaten, Bildern von Toreros, Sätteln, Zaumzeug und anderen Dingen. Hier esse ich dann einen Rabo de Toro – einen typisch andalusischen Ochsenschwanzeintopf. Total Lecker!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Typische_Kneipe_in_Triana.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41739&title=typische-kneipe-in-triana&cat=500)
Man findet hier Läden, Werkstätten und Fabriken, die sich alle mit Keramik befassen. Und überall kann man reinschauen. Ein sehr schönes Viertel.
Entsprechend groß ist der Unterschied als ich auf der anderen Fluss Seite nach Camas komme! Was auf den ersten Kilometern der Via bis Italica geboten wird ist enttäuschend. Soll das die Zweifler und Unentschlossenen zur Umkehr bewegen? Weder die Orte noch die dazwischen liegenden Industriegebiete sind vieler Worte wert. Eine Ausnahme ist hier das Kloster ‚Monasterio de San Isidoro del Campo‘: Leider ist hier kein Orden ansässig – und heute leider geschlossen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Monasterio_de_San_Isidoro_del_Campo.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41735&title=monasterio-de-san-isidoro-del-campo&cat=500)
In Italica stelle ich dann fest, dass es mir für heute reicht als ich bei einem Radler in der letzten Bar vor Guillena einnicke. Man muss lernen auf seinen Körper zu hören sonst erreicht man das Ziel nicht. Ich komme in einem kleinen Hotel unter und genieße den Rest vom Tag in der Sonne.
Am Himmel ziehen Zugvögel in einer präzisen V-Formation gen Süden. Überall hängen hier Flaggen rum. Und wo eine spanische Flagge hängt da hängt immer gleich die Andalusische Grün-Weiß-Grüne Flagge daneben.
Auf den 220 Km bis Sevilla hat mich eigentlich nur der Spanier heute Morgen als Pilger erkannt. Auf den wenigen Km von Sevilla bis hierher waren es dann schon 3. Auf dem ganzen Weg habe ich bisher eigentlich fast nur hilfsbereite Menschen getroffen. Je älter desto hilfsbereiter würde ich mal sagen.
Die Landschaft hat sich mir auf dem Weg sehr abwechslungsreich dargestellt: Die Küstenregion mit dem Blick nach Afrika und den Bergen im spanischen Küstenbereich, die hügelige Landschaft um Medina, Die Seen mit den hohen Bergen im Hintergrund um Arcos, die Tiefebene vor Sevilla – das Guadalquivir-Becken – und die sehr Urbane Gegend um Sevilla. Ein sehr abwechslungsreicher Abschnitt mit sehr einsamen Weitwanderwegen durch grandiose Landschaft und tolle Städte wie z.B. Aros, Medina oder Sevilla.
Das Essen war bei vegetarischen Gerichten und Fische immer gut. Die Art der Fleischzubereitung liegt nicht so ganz auf meiner Geschmacksrichtung. Der Service war immer gut und tolerant gegenüber mir und meinen Spanischkenntnissen.

8. Tag: Italica - Castilblanco de los Arroyos
Mittwoch, 19. Oktober 2011
Strecke: 30 Km - Gesamtstrecke: 264 Km
Höhenunterschiede: ↑ 340 m, ↓ 50 m
Gehzeit: 6,5 h

Ich komme heute früh weg und verlasse den Urbanen Bereich von Sevilla. Nach etwas Landstraße geht es auf einen schnurgeraden Feldweg mit einer etwas landwirtschaftlichen Geruchskulisse.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Felder_hinter_Italica.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41741&title=felder-hinter-italica&cat=500)
An der Furt, die in jedem Führer und Bericht auftaucht, befindet sich – vermutlich jahreszeitlich bedingt – nur eine Schlammpfütze von 10 cm Tiefe.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Furt1.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41742&title=furt-vor-guillena&cat=500)
Da barfuß mit angehenden Blasen durch zu waten würde ich keinem empfehlen – das grenzt dann schon an Fahrlässigkeit. Eine Umgehung ist aber Problemfrei.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Umgehung_der_Furt.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41747&title=umgehung-der-furt&cat=500)
Guillena ist ein recht nettes Dorf.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Plaza_de_Espana_Guillena.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41745&title=plaza-de-espana-guillena&cat=500)
Im Tante-Emma-Laden frische ich meine Bestände auf und mache am Fluss Pause. Ein Schwarm Graureiher, oder das was ich dafür halte, nimmt ein Bad.
Die Via führt etwas an einer Straße entlang um dann hinter einem kleinen Industriegebiet auf einem Feldweg durch Olivenhaine stetig bergauf.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Olivenhaine_vor_Castilblanco.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41744&title=olivenhaine-vor-castilblanco&cat=500)
Irgendwann ist es nur noch ein Wanderweg durch Rinder- und Schweineweiden. Die Rinder lassen sich sehen, die Schweine nicht.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Rinder1.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41746&title=rinder-in-den-dehesas&cat=500)
Der Weg geht mal steinig mal sandig immer auf und ab. Was des Wanderers Freud ist des Radlers leid – der Radler, der mich überholen will flucht ziemlich und schiebt mehr als das er fährt.
Der Großteil der Vegetation ist fast ausgetrocknet. Es wird dringend Zeit, dass es hier mal regnet. Nur direkt an den Haziendas ist alles Grün. Da wird aber bewässert.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Hazienda.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41743&title=hazienda&cat=500)
Gegen 14 Uhr 30 bin ich in Castilblanco de los Arroyos. Die nächste Etappe ist ca. 30 Km, also keine Chance noch etwas weiter zu gehen. Ich beziehe die erste Pilgerherberge. Den Schlüssel dafür gibt es an der Tankstelle. Es gibt zwar eine Heizung aber dafür keine Decken. Na, es ist ja gut warm – auch nachts noch. Von der Terrasse hat man einen tollen Blick über den Ort und seine Umgebung.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Blick_von_der_Terasse_der_Herberge_in_Castilblanco.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41748&title=blick-von-der-terasse-der-herberge-in-castilblanco&cat=500)
Laut Herbergsbuch bin ich der elfte Pilger in diesem Monat. Das wundert mich dann doch. Oktober ist doch eigentlich ein idealer Monat für die Via: Die heiße Zeit ist normalerweise vorbei und der Winter, der in der Extremadura sehr hart sein kann hat noch nicht begonnen. Ich hoffe doch, dass ich den einen oder anderen noch kennen lernen werde. Bisher war da noch Fehlanzeige!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Castilblanco.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41740&title=castilblanco&cat=500)
Auf der Runde durch das Dorf finde ich dich Kirche mal wieder verschlossen vor. Warum probiere ich es auch immer wieder? Ich lerne es eben nicht! Aber das Dorf ist ganz gut in Schuss. Liegt auf einem leichten Hügel und ist ordentlich. Da habe ich schon andere Orte gesehen!

9. Tag: Castilblanco de los Arroyos - El Real de la Jara
Donnerstag, 20. Oktober 2011
Strecke: 45 Km - Gesamtstrecke: 309 Km
Höhenunterschiede: ↑ 650 m, ↓ 475 m
Gehzeit: 10,25 h

Das Frühstück nach einer unruhigen Nacht in der Bar gegenüber ist nicht der Hit. So komme ich wenigstens recht früh los. Die ersten 16 Kilometer führt die Via an der Straße entlang.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Strasse.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41759&title=auf-der-strasse-hinter-castilblanco&cat=500)
Nicht sehr schön zu gehen aber Landschaftlich durchaus reizvoll.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Es_geht_16_ereignislose_Km_an_der_Stra_e_entlang_-_Landschaftlich_aber_durchaus_reizvoll.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41754&title=es-geht-16-ereignislose-km-an-der-strasse-entlanglandschaftlich-aber-durc&cat=500)
Rechts und Links liegen Dehesas – die hier üblichen Weiden mit einzelnen Korkeichen – mit Rindern. Schweine, die es hier recht viel geben soll, habe ich noch keine gesehen.
Mancher hat die Einfahrt zu seiner Hazienda etwas aufgepeppt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Eingangstor_zu_einer_Hazienda.JPG (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41752&title=eingangstor-zu-einer-hazienda&cat=500)
Der dann folgende Naturpark Sierra Norte ist wirklich grandios!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Gesch_lte_Korkeichen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41755&title=geschaelte-korkeichen&cat=500)
Ich steige durch geschälte Korkeichen-Dehesas in ein Tal hinab in dem wilde Rhododendronbüsche blühen und auch Ansätze von Kiefernwäldern an den Hängen stehen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Wilde_Rododendronb_sche_im_Naturpark.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41763&title=wilde-rododendronbuesche-im-naturpark&cat=500)
Von einem echten Wald würde ich bei dem Baumabstand noch nicht sprechen wollen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Kiefernw_ldchen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41756&title=kiefernwaeldchen&cat=500)
Hier macht das Wandern wirklich Spaß! Kein Auto weit und breit.
Aber auch hier sind die Spuren der Trockenheit unübersehbar. Was im Führer als breiter Fluss angekündigt wird sind mehrere zusammenhängende Pfützen.
Die Via, hier zusätzlich durch Granitsteine markiert, zieht sich über die Hügel und durch die Täler bis er schließlich auf einen Bergrücken hinaufzieht.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Wegweiser_in_der_Sierra_Norte.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41762&title=wegweiser-in-der-sierra-norte&cat=500)
Der Blick zurück ist grandios.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Blick_vom_Bergr_cken_zur_ck_in_den_Park.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41750&title=blick-vom-bergruecken-zurueck-in-den-park&cat=500)
Dann gehe ich den Abstieg nach Almadén de la Plata an. Auf halber Höhe ist an einer Felsformation eine Gedenkstätte eingerichtet worden. Von einem kleinen Kreuz hat man einen herrlichen Blick ins Tal mit dem Almadén.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Almad_n_de_la_Plata.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41749&title=almad-e9n-de-la-plata&cat=500)
In Almadén selbst ist nicht viel los. Das Dorf hat aber 2 sehr verschiedene Türme. Mit Storchennestern natürlich!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Kirche_von_Almad_n_de_la_Plata.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41757&title=kirche-von-almad-e9n-de-la-plata&cat=500)
In einer Bar frische ich meine Mineral- und Flüssigkeitsspeicher auf. Eigentlich wollte ich hier bleiben. Aber durch den frühen Start ist es gerade mal 14 Uhr. Gegen 15 Uhr entschließe ich mich dann doch noch bis El Real de la Jara weiter zu gehen. Dann hätte ich die Straßenetappe, von der in meinem Führer die Rede ist, wenigstens hinter mir.
Was nun folgt ist eine weitere wunderschöne Etappe! Von der Straße fehlt jede Spur! Der Pfeil führt mich erst an einer Stierkampfarena vorbei. Aber von Kampf ist leider weit und breit nichts zu sehen. Ich würde mir so was ja gerne mal ansehen. Tierquälerei hin oder her. Was wir mit unseren Tieren machen ist teilweise nicht besser.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_ersten_Schweine.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41751&title=die-ersten-schweine&cat=500)Weiter geht es durch wunderbare Dehesas mit jeder Menge glücklicher Schweine, Pferde, Ziegen und Rinder.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Villa_in_den_Dehesas.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41761&title=villa-in-den-dehesas&cat=500)
Ab und an komme ich an einer Villa vorbei. Den ganzen Nachmittag sind die Tiere nicht zu übersehen. Teilweise kommen sie neugierig recht nahe ran. Wirklich scheu scheinen die hier nicht zu sein. Die Schweine wissen aber auch sehr genau wo die Menschen üblicherweise langlaufen. Erst wenn man z.B. zwecks Foto von diesem Weg abweicht ertönt ein Warnruf von einer Sau und schon gibt es Fersengeld. Aber scheinbar nicht sehr viel. Hinter dem nächsten Baum bleiben sie stehen und beobachten mich um zu schauen ob es ernste Gründe für eine weitere Flucht gibt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Rinder_auf_den_Dehesas.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41758&title=rinder-auf-den-dehesas&cat=500)
Das Rotwild ist da schon wilder – sagt ja auch schon der Name. Und die Ziegen sind ganz gemütlich. Die bleiben schon nach dem Aufstehen stehen und hoffen auf Fehlalarm. Die Pferde sind ganz gelassen. Die heben den Kopf und wenn es sein muss ziehen sie halt ein paar Schritte weiter.
Die Dehesas sind sehr weitläufig und ziehen sich auch die Hügel hinauf.
An einem Hof werden die Schweine gefüttert. Da ist es dann vorbei mit der Scheuheit! Die drängen sich um meine Beine weil hinter mir am Zaun einer das Futter mischt. Und die Via führt genau durch die Rotte hindurch.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Vesperpause.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41760&title=vesperpause&cat=500)
Kurz vor El Real de la Jara kommt mir auf dem Feldweg ein Auto entgegen. Der Fahrer hält an und fragt nach meiner Nationalität. Dann hält er mir ein großes Plakat auf Deutsch hin auf dem er seine private Herberge anpreist. Die kämpfen hier um jeden Gast und freuen sich wirklich wenn man dann bei ihnen übernachtet.
Dann erreiche ich El Real de la Jara.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/El_Real_de_la_Jara.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41753&title=el-real-de-la-jara&cat=500)
Preislich ist der auf gleichem Niveau wie die städtische Herberge aber qualitativ deutlich besser. In die städtische komme ich gar nicht rein. Da warten schon 2 Pilger mit Hund auf dem Rückweg von Santiago weil 3 Pilger die Herberge abgeschlossen haben und einkaufen gegangen sind. Um 18 Uhr 30 sitze ich in der Dorfmitte und genieße ein Radler mit den Dorfältesten. Ich verstehe die zwar kaum und die mich auch nicht aber wir erzählen uns die Ereignisse des Tages.
Beim essen muss ich feststellen, dass die Pilgermenüs hier wesentlich abwechslungsreicher sind als auf dem Camino Frances. Dort gab es ein Menü und fertig. Hier kann man zwischen mehreren Vorspeisen und Hauptgängen wählen. Meist stehen auch alle verfügbaren Deserts zur Wahl. Und dann noch alles inclusive einer Flasche Wein, einer Flasche Wasser und Brot.
Am Abend treffe ich die drei Pilger, die den Schlüssel mitgenommen haben, dann auch noch. Das waren dann heute gleich 5 Pilger auf einmal. Ein Spanier, ein Franzose aus dem Elsaß und ein Italiener. Der Italiener hat sich bei Spagettikochen disqualifiziert: Er hat sie anbrennen lassen. Morgen will der Spanier kochen: Tortillia de Patatas.

Nita
30.11.2011, 20:30
Interessant, warte auf die Fortsetzung! (Und freue mich, dass es trotz Rucksack ging, Respekt!)


Wo echte Bäume stehen sind Bewässerungssysteme erkennbar.

So ist es. Alles, was grün ist, ist teuer und aufwendig.

Ich hatte einmal Probleme mit dem Feldbesitzer, weil in der Gegend gerade gejagt wurde... Da verzog ich mich doch lieber.

Werner Hohn
30.11.2011, 21:22
Junge, Junge, du legst ja ein Tempo vor. Nicht nur zu Fuß auch an der Tastatur.


... Die Via startet in Sevilla. Warum das so ist hat sich mir noch nicht erschlossen. Pilger aus Afrika – ich denke da hat es auch schon welche gegeben – brauchen doch auch einen Weg ab der Grenze.

Das haben wir uns im Frühjahr 2007 auch gefragt. Der Vorstand der Asociación de Amigos del Camino de Santiago Via de la Plata (die markieren die Vía), den wir in Almadén de la Plata getroffen haben, hat uns diesen Zahn gezogen. Aus Afrika kamen so gut wie keine Pilger, aus Afrika sind damals die Mauren gekommen. Außerdem ist Sevilla eine Hafenstadt. Wenn, dann sind Pilger mit den Schiffen bis hoch in die Stadt gesegelt. Außerdem gab es noch die Routen ab Faro und die damals oft begangene ab Valencia. Die damaligen Pilger wollten ja nicht unbedingt eine lange Strecke zu Fuß unterwegs sein. Der wesentliche Punkt dürfte aber sein, dass Andalusien der Teil Spaniens war, der am längsten besetzt war. Pilgern nach Santiago war nicht möglich. Nachdem die Mauren endgültig nach Afrika zurück gedrängt waren, brauchte man auch keine Pilger mehr. Für Jahrhunderte ist die Pilgerei zum Erliegen kommen. Eigentlich, so sagten uns die sehr freundliche Damen vom Vorstand, ist man auf einer alten römischen Fernstraße unterwegs, die wiederum einen uralten Handelsweg als Vorläufer hatte.


... Über 60 % aller Häuser stehen leer. Und das über mehrere Blocks hinweg. Die sehr hohen spanischen Immobilienpreise bewirken seltsame Stilblüten!

Das sind Fantasiepreise. Jahrzehnte hat der Staat durch ausufernde Steuergeschenke den Bauboom noch gefördert, weil es außer dem Tourismus sonst keine nennenswerte Wirtschaft gab. Daher auch die sehr guten Straßen. 2008 ist die Immobilienblase geplatzt. Selbst wenn die Preise der Realität angepasst werden, kann sich niemand mehr diese Wohnungen leisten. Bei jetzt 20 % Arbeitslosigkeit sowieso nicht. 2007 hat meine Wanderbekanntschaft von der Via das für 2008 vorhergesagt.

Ich glaube man merkt, dass ich von den 1.000 km Via de la Plata, 900 mit einem Spanier unterwegs war, der zudem sein Geld mit Wohnungen und Häusern gemacht hat. :b3ss8l3r:


...Ohne Google-Earth und die digitalen Karten auf dem Smartphone wäre das Orientieren wesentlich schwieriger.

Navi oder die Karten als Foto aufs Telefon geladen?

Die Furt ist wirklich erbrämlich. 2007 hätten wir bis zum Schritt in der Brühe gestanden. Zum Glück hatten wir eine paar Bäume gefunden, die fast waagerecht über die Brühe gewachsen waren. Ich nehme an, dass du dir am Kreuz mit den Plastikblumen zuerst mal den Schweiß von der Stirn geputzt hast.

anja13
01.12.2011, 09:57
Der Bericht hat mir gerade das Frühstück bereichert - ich bin gespannt auf die Fortsetzung!

Wafer
01.12.2011, 11:25
Navi oder die Karten als Foto aufs Telefon geladen?
Hallo Werner.
Ich habe die Karten als Bilder auf's Handy geladen. Wenn man beim Handy standig Satelitenempfang aktiviert hat geht die Baterie zu schnell aus. Außerdem habe ich vom spanischen Geographischen Amt nur Bitmaps geladen.
Und wenn du mit einem Spanier unterwegs warst kannst du mir vielleicht noch die Fragen beantworten warum die Apanier überall diese Plastikflaschen mit Wasser vor dem Haus und dem Zaun stehen haben? Ich habe einige gefragt aber keiner konnte mir eine sinnvolle Antwort geben.

Gruß Wafer



Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt !
Anfangen, die Leute heiß machen und nicht weiterschreiben, ich hasse es.
Ist ja mittlerweile wie im privat Fernsehen,- Film anfangen und nach 15 Minuten Werbung.
Hallo Atze1407.

Da ich auch noch eine Familie habe und die jetzt schon viele Wochen auf mich verzichtet haben bin ich aktuell nicht ganz so frei in der Zeitgestalltung wie die letzten Wochen. ;-)
Fortsetzung folgt sobald ich wieder dazukomme. Ich würde ja am liebsten auch den ganzen Tag schreiben aber ...

Gruß Wafer

Nita
01.12.2011, 16:42
kannst du mir vielleicht noch die Fragen beantworten warum die Apanier überall diese Plastikflaschen mit Wasser vor dem Haus und dem Zaun stehen haben? Ich habe einige gefragt aber keiner konnte mir eine sinnvolle Antwort geben.


Bin zwar nicht Werner, aber:

Die Antwort(en) sind auch nicht wirklich sinnvoll. An den Ecken eines Hauses sollen sie verhindern, dass die Hunde die Wände anpinkeln. Am Eingang (oder etwa im Treppenhaus) geht es darum, alles Schlechte, "mala vibra", vom Hause abzuhalten. Worauf es beruht, weiß ich nicht; habe Theorien gehört, dass 1. ein Hund nicht ins Haus machen kann, 2. Wasser im Fall eines Feuers schnell zur Hand ist und 3. Wasser gleich Leben und deswegen sozusagen eine höhere Macht ist.

Andere Varianten?

LG,
Nita

barkas1980
01.12.2011, 17:02
Das mit dem Hunde an die Ecke pinkeln kenn ich auch so. Allerdings dachte ich, als mir das erzählt wurde, dass sie einen doofen Touri für blöd verkaufen wollen.

Wafer
01.12.2011, 18:53
Hallo ihr zwei.

Diese Versionen habe ich auch gehört. Dann wurde mir noch die Geschichte angeboten, dass die Mücken durch das Wasser in den Flaschen abgehalten werden oder dess es in Spanien ein Gesetz gäb nach dem man jedem der anfragt Wasser geben müsse (ähnlich wie in Frankreich). Mit dem Wasser vor dem Haus wolle man das Klingeln vermeiden. Beide Varianten halte ich aber für Fragwürdig. So ein Gesetz kenne ich in Spanien nicht. Und das Wasser sah nicht immer so aus als wolle ich es Menschen zum Genuss anbieten.

Gruß Wafer

Die nächsten Tage sind fast fertig. Vielleicht stelle ich sie heute noch rein!

lina
01.12.2011, 19:18
Die nächsten Tage sind fast fertig. Vielleicht stelle ich sie heute noch rein!

Ja, bitte gerne! :D
*schonmalvorfreu*

Wafer
01.12.2011, 20:06
10. Tag: El Real de la Jara - Monesterio
Freitag, 21. Oktober 2011
Strecke: 20 Km - Gesamtstrecke: 329 Km
Höhenunterschiede: ↑ 550 m, ↓ 275 m
Gehzeit: 5,0 h

Am Morgen schlafe ich aus. Ich will heute mal etwas weniger laufen. So starte ich gegen 10 Uhr nach dem Frühstück. Es geht hinter dem Dorf erst mal leicht aufwärts an der Ruine einer alten Burg vorbei. Mit der wurde der Grenzübergang zwischen Extremadura und Andalusien auf der andalusischen Seite überwacht.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Alte_Burg_hinter_El_Real_de_la_Jara.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41803&title=alte-burg-hinter-el-real-de-la-jara&cat=500)
Nach wenigen Metern komme ich an einen Bach, der die Grenze zwischen der Extremadura und Andalusien bildet. Auf der anderen Seite auf dem Hang steht dann auch eine weitere Ruine. Das war der Wachposten auf der Seite der Extremadura. Das muss dann wohl ein frequentierter Übergang gewesen sein.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Castillo_de_las_Torres.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41804&title=castillo-de-las-torres&cat=500)
Aus der Nähe sieht man wie trocken hier trotz der Nähe zum Bach ist.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ruinen_des_Castillo_de_las_Torres_aus_der_N_he.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41807&title=ruinen-des-castillo-de-las-torres-aus-der-naehe&cat=500)
Die Extremadura begrüßt mich von seiner schönsten Seite.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Extremadure_begr_t_mich.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41805&title=die-extremadure-begruesst-mich&cat=500)
Der Weg führt durch Dehesas in leichtem Auf und Ab. Immer an endlosen Steinmauern vorbei. Die sind alle von Hand ohne Mörtel aufgeschichtet. Da müssen Generationen dran gearbeitet haben.
Der Blick reicht bis zu einer Hügelkette am Horizont auf der Monasterio, mein heutiges Ziel, liegt.
Die Ermita de San Isidro hat sich ja prächtig entwickelt: An ihrem Platz steht heute eine große Autobahnraststätte der A66 – der Autovia Ruta de la Plata. Wie auch auf dem Camino Frances haben die Spanier parallel zur Via de la Plata eine Autobahn (A66) und eine Nationalstraße (N630) gebaut, die mich die nächsten Wochen begleiten werden. Ich könnte auf diese Begleitung ja verzichten aber …
Hinter der Ermita zieht sich der Weg dann zwischen A66 und N630 den Hang hinauf. Zu Beginn noch eine schöner Wanderpfad, später leider meist geteert. Oben angekommen belohnt eine grandiose Sicht zurück die Mühen des Aufstiegs. Dann kommt man schnell nach Monesterio.
Die Iberischen Schweine in der Extremadura sind scheuer als ihre Verwandten auf Andalusischer Seite. Hier gilt Zufütterung als Qualitätsmindernd. Daher behalten die Tiere ihre natürliche Scheu. Monasterio ist überhaupt die Hauptstadt des Iberischen Schinkens! Jeder zweite Laden hat mit den Schweinen zu tun. Kein ideales Etappenziel für Vegetarier!
Hier hat der örtliche Pfarrer eine neue Herberge aufgemacht. Mit voll ausgestatteter Küche und 3 4-Bett-Zimmern. In der Küche sind die Grundlegenden Dinge wie Essig, Öl, Salz, Pfeffer usw. vorhanden. Ideale Voraussetzungen um heute mal zu kochen.
Ich beziehe ein Bett und drehe die obligatorische Besichtigungsrunde durch den Ort.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Kirche_von_Monestario_-_mit_Storchennestern.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41806&title=die-kirche-von-monestariomit-storchennestern&cat=500)
Dann haben auch die Läden wieder offen – zu Zeiten wo die in Deutschland schon wieder schließen. In der Herberge zurück sind die drei von gestern Abend auch da. Na Super! Da kriege ich sogar was von den Tortillas de Patatas ab.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Unser_Team_beim_Abendessen_in_der_Herberge.jpg[/img-l] (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41808&title=unser-team-beim-abendessen-in-der-herberge&cat=500)
Wir sind uns schnell einig: Ich mache eine Vorspeise und den Salat, Der Spanier die Tortillas, der Franzose kümmert sich um Käse, Obst und Wein und der Italiener darf abspülen (wer als Italiener Spagetti anbrennen lässt …).
Das wird ein sehr unterhaltsamer multikultureller Abend. Die Mischung der Nationalitäten macht die Sache erst interessant! Als Kommunikationsmedium einigen wir uns auf Englisch: die einzige Sprache die alle 4 können. Sonst wäre immer mindestens einer dabei, der nix versteht. Und für jeden ist es eine Fremdsprache.





11. Tag: Monesterio - Zafra
Samstag, 22. Oktober 2011
Strecke: 46 Km - Gesamtstrecke: 375 Km
Höhenunterschiede: ↑ 175 m, ↓ 500 m
Gehzeit: 10,5 h

Gestern Abend ist es reichlich spät geworden. Nach dem gemeinsamen Frühstück brechen wir auf. Die Via führt durch Dehesas langsam den Berg hinauf. Oben wird die Vegetation dann niedriger und es wird wieder windiger. Passend dazu sehe ich heute die ersten Wolken seit langem. Im Laufe der Wanderung werden die Bäume immer niedriger und das Land wird immer flacher.
Auf einer Hügelkuppe kann man Fuente de Cantos schon liegen sehen.
[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Blick_auf_Fuente_de_Cantos.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41809&title=blick-auf-fuente-de-cantos&cat=500)
Bis dahin geht es aber nochmal zu einem Bachlauf hinunter und wieder hinauf.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Kurz_vor_Fuente_de_Cantos.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41813&title=kurz-vor-fuente-de-cantos&cat=500)
Vor Fuente de Cantos steht eine Villa mit dem Namen „Villa de Camino de Santiago“ und der Km-Angabe 889. Da hätte sie aber kurz hinter Calstilblanco stehen müssen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Blick_zur_ck_auf_Monesterio.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41810&title=blick-zurueck-auf-monesterio&cat=500)
Die Kirche von Fuente de Cantos wird von etlichen Storchennestern verziert – wie fast jede Kirche hier. Ich habe auch schon jede Menge Hochspannungsmasten mit diesem Schmuck gesehen. Aber ob das auf Dauer gut geht?
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Kirche_von_Fuente_de_Cantos.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41811&title=kirche-von-fuente-de-cantos&cat=500)
Ich habe mal wieder genau den Beginn der Mittagszeit erwischt. Das Dorf liegt wie ausgestorben da. In einer Bar treffe ich die Cousine von dem Spanier von gestern Abend. Sie spricht mich an weil sie wissen will ob ich noch andere Pilger gesehen hätte. Klar habe ich! Aber die werden noch brauchen. Die sind heute sehr langsam unterwegs. Blasen und zu viel Wein am Vorabend wirken sich nicht gerade beschleunigend aus.
Ich beschließe nach Calzadilla de los Barros weiter zu gehen. Die Felder, und damit die ganze Landschaft – macht einen sehr tristen Eindruck. Das liegt einerseits daran, dass zunehmen Wolken aufziehen aber auch daran, dass hier die Felder abgebrannt werden wenn sie abgeerntet sind. Das sieht aus als trüge die ganze Gegend Trauer. Überall liegt Asche rum. Der Wind verteilt die dann noch gleichmäßig auf die ganze Gegend.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Zwischen_Fuente_de_Cantos_und_Calzadilla_de_los_Barros.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41817&title=zwischen-fuente-de-cantos-und-calzadilla-de-los-barros&cat=500)
Die Weinfelder werden immer mehr. In Calzadilla de los Barros gibt es auch eine Winzergenossenschaft. Ich probiere ein paar weiße Trauben. Die sehen allerdings eher aus wie Rosinen – es war einfach zu trocken in letzter Zeit. Aber der Geschmack ist sehr kräftig. Die würde ich gerne mal als Wein probieren.
Auch Calzadilla liegt wie tot vor mir. Keine Bar, kein Laden, keine Herberge, kein Leben! Es soll eine Herberge geben, die liegt aber 3 Kilometer abseits des Weges. Nun, mir geht’s gut – also weiter!
Beim Verlassen des Dorfes ist es 3 Uhr. Vom Kirchturm schlägt ein elektronischer Big Ben. Die echten Glocken schlagen nicht mehr – da sind ja überall Storchennester drauf!
Weiter geht es durch Felder, die zunehmend wieder mit Wein und Oliver bebaut werden. Die verbrannte Erde der Getreidewirtschaft geht zurück. Mir begegnet ein Bauer mit einer Hacke über der Schulter, der zu seinem Feld reitet. Hier in der Extremadura ist teilweise die Zeit einfach stehen geblieben.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Weinfelder_vor_Zafra.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41816&title=weinfelder-vor-zafra&cat=500)
Die Via führt durch Hügel mit Wein und Oliven nach Puebla de Sancho Pérez.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Kirche_von_Puebla_de_Sancho_P_rez.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41812&title=kirche-von-puebla-de-sancho-p-e9rez&cat=500)
Aber auch hier liegt die Herberge außerhalb. Ca. 3 Kilometer. Und 5 sind es bis Zafra. Also nehme ich die auch noch mit und gehe weiter nach Zafra hinein.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Schuhmacher_in_Zafra.jpg[/img-l] (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41815&title=schuhmacher-in-zafra&cat=500)
Zafra soll eine tolle Stadt sein. Hat mir zumindest die Cousine des Spaniers versichert. Und das ist sie auch. Der Empfang am Bahnhof ist zwar etwas rostig aber der Park, durch den ich komme, und die Altstadt haben durchaus was. Ich beziehe in der Herberge Unterkunft nachdem sie mir dort versichert haben, dass man auch nach Mitternacht noch reinkommt.
Die Herberge liegt in einem alten Kloster. Mein Zimmer, das ich allein bewohne, hat eigenes Bad und Bettwäsche, eine Gewölbedecke und sehr viel Charme.
Ich erkunde die Altstadt und finde einen Schuster bei offener Tür bei der Arbeit. So einen Beruf gibt es bei uns schon gar nicht mehr. Ich schaue mir den Alcázar de los Duques de Feria an und schlendere durch die Altstadt. Am Plaza Grande ist für spanische Verhältnisse gegen 19 Uhr richtig was los. Ich genieße den lauen Abend in einem Kaffee und beobachte das pulsierende Leben. Gegen halb 10 gehe ich essen – und bin immer noch der erste Gast.
Nach dem Essen kehre ich auf die Plaza zurück. Der Platz mit seinen Arkaden und den alten Häusern hat es mir einfach angetan! Und jetzt ist hier schwer was los! Das Fußballspiel, das in jeder Kneipe übertragen wird, ist vorbei und die Spanier genießen die laue Nacht – und ich auch!
[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Nachtleben_in_Zafra.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41814&title=nachtleben-in-zafra&cat=500)

12. Tag: Zafra - La Almazara
Sonntag, 23. Oktober 2011
Strecke: 13 Km - Gesamtstrecke: 388 Km
Höhenunterschiede: ↑ 50 m, ↓ 50 m
Gehzeit: 3,0 h

Es regnet – also strecke ich mich in meinem Einzelzimmer nochmal aus und schlafe eine Runde weiter. Es ist schließlich Sonntag! Um 9 Uhr werde ich von „Freude schöner Götterfunke“ vom Kirchturm geweckt. Na, war eh Zeit zu frühstücken!
Als ich die Herberge verlasse hört es auf zu regnen. Das ist doch ein Service!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Auch_die_Herberge_hat_ihr_Storchennest.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41819&title=auch-die-herberge-hat-ihr-storchennest&cat=500)
Der Weg führt zügig aus der Stadt. Am Stadtrand steht ein alter Kirchturm – mit Nest, ist ja klar, oder?
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Alter_Kirchturm_am_Stadtrand_von_Zafra.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41818&title=alter-kirchturm-am-stadtrand-von-zafra&cat=500)
Hinter Zafra erstrecken sich ein paar Höhenzüge. Die Via führt über die Sierra de los Olivos.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Orangenb_ume_als_Alleeb_ume_an_der_Stra_e.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41830&title=orangenbaeume-als-alleebaeume-an-der-strasse&cat=500)
Oben hat man eine prächtige Sicht sowohl auf Zafra zurück als auch auf die heutige Etappe, nämlich auf Los Santos de Maimona und die Tierra de Barros.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Blick_von_der_Sierra_de_los_Olivos.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41821&title=blick-von-der-sierra-de-los-olivos&cat=500)
Am Hang, über den ich Absteige steht ein kleines Kiefernwäldchen. Nach dem Abstieg durchquere ich Los Santos de Maimona. Ich bleibe an einem Verkaufsstand für Empanada – eine frittierte Hefeteigspezialität – stehen. Selbst am Sonntag – oder gerade am Sonntag? – stehen Frauen in der kleinen Bude und stellen meterweise Empanada her. Mit Zucker oder Schokolade schmeckt das eigentlich ganz gut. Nackt schmeckt es etwas nach gar nix. Die Teile – das Stück für 10 Cent – finden aber reißenden Absatz. Die Damen kommen kaum mit dem backen hinterher.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Fritierter_Hefeteig_1.jpg[/img-l] (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41825&title=fritierter-hefeteig-1&cat=500)
[img-r]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Fritierter_Hefeteig_2.jpg[/img-r] (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41826&title=fritierter-hefeteig-2&cat=500)
[img]http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Fritierter_Hefeteig_3.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41827&title=fritierter-hefeteig-3&cat=500)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Fritierter_Hefeteig_4.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41828&title=fritierter-hefeteig-4&cat=500)
Nach dem Ortsausgang führt mich die Via durch die herrliche Tierra de Barros.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Weg_ber_die_Tierra_de_Barros.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41823&title=der-weg-ueber-die-tierra-de-barros&cat=500)
Eine Gegend, die bis vor wenigen Jahren noch vom Getreideanbau lebte hat komplett auf Wein, Oliven und Mandeln umgestellt. Sie haben sogar eine eigene Herkunftsbezeichnung D.O. Ribera del Guadiana eingeführt. Der Wein Schmeckt sehr gut aber ich habe ihn bei uns noch nicht gesehen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Bl_hende_Kakteen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41820&title=bluehende-kakteen&cat=500)
Zwischen den Weinfeldern und Oliven- und Mandelhainen hindurch geht es leicht auf und ab. Durch die Bäume und Reben strahlt die Gegend trotz der Dürre eine viel grünere lebendigere Atmosphäre aus als die Gegend davor. Ab und zu steht eine Palme zwischen den Feldern. Der Blick reicht weit ins Land bis die Landschaft am Horizont durch Höhenzüge begrenzt wird.
Heute ich wieder Jagd-Tag. Überall knallt und bellt es. Jagen scheint in Spanien ein beliebtes Wochenendhobby zu sein. Auch Kinder und Jugendlich sind bei den Jägern zu sehen und mindestens 2 Hunde pro Jäger.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Alte_lm_hle.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41824&title=die-alte-oelmuehle&cat=500)
Gegen Mittag komme ich an die alte Ölmühle La Almazara. Am Eingang begrüßt mich ein netter struppiger Hund. Er freut sich riesig als ich ihm ein paar Streicheleinheiten zukommen lasse. Eigentlich wollte ich heute noch nach Villafranca de los Barros. Das löst sich aber schneller in Luft auf je länger ich hier sitze. Nachdem mir der Chef auch noch die Zimmer gezeigt hat ist eh klar, dass ich hierbleibe. Die Herberge ist der absolute Knaller! Der Weg ist morgen auch noch da – ich aber nicht mehr. Also bleibe ich heute hier!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Innenhof_der_lm_hle.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41822&title=der-innenhof-der-oelmuehle&cat=500)
Im Innenhof wachsen Blumen, Büsche und Rasen. Es gibt eine Sonnenterrasse und einen kleinen Fischteich. Im Laufe des Tages kommen diverse Tagesgäste und Ausflugsgruppen. Scheint ein beliebtes Lokal zu sein.
Ich beziehe ein Zimmer mit allem Drum und Dran und ziehe dann mit dem Hund und einem Stock durch die Olivenhaine rund ums Haus. Viel Zeit auch für Siesta, waschen, Führer schmökern, Hund spielen, essen, … Ein ruhiger und sehr gemütlicher Tag eben.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Mein_Spielgef_hrte.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41829&title=mein-spielgefaehrte&cat=500)
Der Regen von heute Morgen hat kaum Spuren hinterlassen: Die Oberfläche ist schon wieder Staubtrocken. Der Wind treibt Wolken vor sich her. Es sieht immer mal so aus als wolle es regnen – tut es aber nicht. Der Wetterbericht für die nächsten Tage ist indifferent. Na, lassen wir es auf uns zukommen. Heute mache ich mir darüber keine Sorgen mehr und ich genieße den Nachmittag und den Abend bei gutem Essen.

Flachzange
02.12.2011, 18:48
5sterne

Super Bericht, bitte schnell weiter.

Kurze Frage: wie war die Wasserversorgung?

Wafer
02.12.2011, 19:05
Kurze Frage: wie war die Wasserversorgung?

Hallo Flachzange.

Danke!

Die Wasserversorgung war gar kein Problem. Da ich das gechlorte Wasser nicht mag habe ich mir immer die 1,5 L-Flaschen Minaralwasser besorgt. Ist auch hygienischer und kostet zwischen 30 Cent (im Supermarkt) und 1 € 50 (in einer Bar). Wenn du zum Mittagsmenü Wein und Mineralwasser bestellst kriegst du im Regelfall eine Flasche Wein und genau so eine Flasche Wasser. Aber wirklich Mineralwasser bestellen. Wenn man nur Wasser sagt kommt die Chlorbrühe. Auch Trinkwasser, also gechlortes Leitungswasser, hat es eigentlich überall gegeben. Soll ja unschädlich sein und bei den Bedingungen im Süden unten würde unser System evtl. auch versagen - wer weiß!
Im Süden unten bei den hohen Temperaturen hatte ich einen Wasserverbrauch von einem Liter auf 10 Km. Das hat sich weiter oben dann etwas gelegt. Aber ohne mindestens eine der Flaschen randvoll bin ich nicht in den Tag gestartet. Meistens hatte ich zwei davon: Eine neue und der Rest von gestern.

Gruß Wafer

Wafer
03.12.2011, 08:22
13. Tag: La Almazara - Merida
Montag, 24. Oktober 2011
Strecke: 50 Km - Gesamtstrecke: 438 Km
Höhenunterschiede: ↑ 50 m, ↓ 250 m
Gehzeit: 10,75 h

Es regnet wieder. Nur stehen heute über 30 Km an. Also keine Möglichkeit sich nochmal rum zu drehen. Also raus aus den (sehr guten) Federn und ab zum Frühstück. Der Koch ist extra wegen mir aufgestanden. Er serviert mir das Frühstück und geht wieder ins Bett. Der Hund und ich nehmen uns etwas mehr Zeit. Die Butter kommt aus Deutschland – wieder irgendwelche EU-Wirrungen?
Als ich gehe macht der Hund ganz schön Lärm. Ich glaube kaum, der würde am liebsten mitkommen. Dass da noch irgendjemand schläft als ich gehe glaub ich kaum.
Da es noch immer regnet wird alles wasserdicht gemacht und los geht’s. Die Staubschicht, die gestern noch auf dem Weg lag, hat den Weg in eine schmierige Rutschbahn verwandelt. Wenn man versucht der Rutschbahn aus zu weichen und am Feldrand geht bleibt die Lehmige Erde cm-dick an den Sohlen kleben. Man läuft dann wie auf Plateauschuhen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Kirche_von_Villafranca_de_Barros.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41936&title=kirche-von-villafranca-de-barros&cat=500)
In Villafranca de Barros frische ich meine Vorräte auf und ziehe weiter – die Stadt ist keine Schönheit. Die Kirche kann man aber anschauen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Regen_verzieht_sich.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41939&title=der-regen-verzieht-sich&cat=500)
Hinter Villafranca geht es dann auf Feldwegen über die Tierra de Barros. Der Regen hat wieder aufgehört, da wird das Laufen doch gleich wieder angenehmer. Ab und an führt die Via von dem Feldweg weg auf kleinere Wege. Bei diesem Matsch ist es wirklich schwierig auf diesen kleinen Feldwegen zu laufen: Die Lehm stollt untern den Sohlen oder es ist sehr rutschig. Wie ich später feststelle hätte man auch auf dem großen Feldweg mit der Gasleitung bleiben können. Die Via kommt immer wieder auf diesen Weg zurück.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Endlose_Km_geradeaus_in_der_Tierra_de_Barros.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41934&title=endlose-km-geradeaus-in-der-tierra-de-barros&cat=500)
Die Via führt 17 Km schnurgerade über die Tierra de Barros, an Almendralejo vorbei auf Torremejía zu. Immer an einer Gas- und einer Stromleitung entlang. Endlich kommt eine Kurve in Sicht! Und am Horizont tauchen auch wieder Hügel auf. Torremejía ist ein verschlafenes Nest mit einer super schönen Herberge. Die hat aber gerade geschlossen wegen eines Wanzenproblems. Und viele Ausweichmöglichkeiten hat das Dorf nicht. Also bleibt mir nicht viel übrig als noch die Etappe nach Merida dran zu hängen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Wegweiser_der_Via_de_la_Plata.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41938&title=wegweiser-der-via-de-la-plata&cat=500)
Die Markierung hinter Torremejía ist etwas optimierungsbedürftig. Durch den Neubau der Autobahn und der Nationalstraße sowie der Reaktivierung der Bahnlinie ist die Wegführung etwas undurchsichtig. So soll man auch eine Bahnlinie überquere obwohl 100 Meter links davon eine Brücke der N630 gebaut wurde. Danach muss man eh auf die N630 um an ihr einige Km entlang zu wandern. Die Landschaft wird durch ein neues Industriegebiet nicht wirklich reizvoller.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/H_gel_vor_Merida.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41935&title=huegel-vor-merida&cat=500)
Zum Glück geht es nach einigen Km wieder auf Feldwege. Diese werden gerade von einer großen Ziegenherde belagert. Als ich mich nähere weichen sie nur sehr zögernd in die Weinfelder aus. Dort fressen sie dann die letzten grünen Blätter von den Reben.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Eine_Zeigenherde_weicht_vor_mir_aus_-_ins_Weinfeld.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41933&title=eine-zeigenherde-weicht-vor-mir-ausins-weinfeld&cat=500)
Immer leicht abwärts führt der Weg auf Merida zu. Obwohl Merida schon lange zu sehen ist zieht es sich noch fast eine Stunde bis man den Stadtrand erreicht.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/R_mische_Br_cke_nach_Merida.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41937&title=roemische-bruecke-nach-merida&cat=500)
Dann führt eine wunderbare römische Brücke mit 60 Bögen über den Fluss hinüber in das Zentrum von Merida.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/60_Bogen_f_hren_nach_Merida_hinein.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41932&title=60-bogen-fuehren-nach-merida-hinein&cat=500)
In der Herberge erwartet mich eine Überraschung: Sie ist voll! Sehr viele Radfahrer und Pilger, die hier beginnen wollen. Ich weiche auf ein Hostal aus, das für Pilger verträgliche Preise anbietet.
Die Runde durch die Altstadt erfolgt leider schon bei Dunkelheit – ich bin einfach schon sehr spät in Merida eingetroffen. Die Stadt hat aber sehr viele alte Bauwerke, die es sich lohnt an zu sehen.

14. Tag: Merida - Alcuescar
Dienstag, 25. Oktober 2011
Strecke: 36 Km - Gesamtstrecke: 474 Km
Höhenunterschiede: ↑ 350 m, ↓ 50 m
Gehzeit: 9,0 h

In der Markthalle decke ich mich mit Vorräten ein. Das ist immer gefährlich - da sieht alles so gut aus! Hier ein paar Trauben, ein paar Orangen, dann da noch eine Hand von Mandarinen. Äpfel dürfen nicht fehlen, die Bananen sehen gut aus. Und schon habe ich ein paar Kilo mehr im Rucksack. Man sollte so etwas nie mit Hunger einkaufen!
Dann frühstücke ich in der Altstadt. So komme ich nochmal durch die Altstadt und sehe einen Teil der römischen Relikte auch bei Tageslicht.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Arco_de_Trajano.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41940&title=arco-de-trajano&cat=500)
Ich komme am Arco de Trajano vorbei.
Die Markierung durch die Altstadt, von der mein Führer spricht, gibt es nicht mehr. Aber die Beschreibung ist gut und ich finde dann auch das Aquaduckt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Das_r_mische_Aquaduckt_von_Merida.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41942&title=das-roemische-aquaduckt-von-merida&cat=500)
Das ist mal wieder reichlich von Störchen besiedelt. Ich habe in meinen Leben noch nicht so viel Störche gesehen wie hier auf der Via.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Das_Aquaduckt_ist_bewohnt_-_von_St_rchen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41941&title=das-aquaduckt-ist-bewohntvon-stoerchen&cat=500)
Störche haben sie hier überall eingenistet.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/St_rche_berall.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41948&title=stoerche-ueberall&cat=500)
Dann war die Beschreibung nicht mehr so gut – der Autor ging davon aus, dass man die Pfeile wieder gefunden hat, was ich noch nicht hatte – und prompt habe ich einen Schlenker durch einen Vorort im Programm, der so nicht vorgesehen war. Aber der römische Stausee Prosérpina ist nicht zu verfehlen. Von diesem See haben die Römer das Wasser über das Aquaduckt in die Stadt geleitet – Respekt! Vor allem bei der damaligen Bautechnik!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/R_mischer_Stausee_von_Pros_rpina.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41947&title=roemischer-stausee-von-pros-e9rpina&cat=500)
Der See, heute ein beliebtes Naherholungsgebiet, liegt an diesem Montag Ende Oktober wie ausgestorben da.
Dahinter folgen ein paar Km geteerte Kleinststraße bis es wieder durch Dehesas geht. Überall liegen Sandsteine in der Gegend rum und es geht auf und ab. Unterwegs treffe ich Anne wieder, eine niederländische Pilgerin, die die Via dieses Jahr zum vierten Mal geht. Sie ist gestern mit einem Spanier in der Herberge angekommen und startet hier in Merida. Sie erzählt mir auch, dass fast alle Pilger, die zu Fuß unterwegs sind, in Merida den Bus genommen haben. In Spanien wird es gerne gesehen wenn im Lebenslauf der Jakobsweg drin steht oder einer Bewerbungsmappe eine Compostela beiliegt. Daher gibt es viele, die sich die begehrte Trophäe eben nicht ganz ehrlich beschaffen. Na, jeder so wie er will!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Kirche_von_El_Carrascalejo.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41945&title=kirche-von-el-carrascalejo&cat=500)
Die Kirche von El Carrascalejo ist wirklich sehenswert! Die kleinsten Weiler haben zuweilen die tollsten Bauwerke. Am Ortsausgang ist dann jede Menge Lärm: Eine Motoradstaffel der Guardia Civil mit ca. 50 Motorrädern und einem Krankenwagen pflügt durch die Landschaft.
Kurz darauf ist Aljucén erreicht. Die kleinste Bar bietet den besten Mittagstisch an!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Dehesas_mit_Sandsteinen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41943&title=dehesas-mit-sandsteinen&cat=500)
Nach Aljucén kommt wieder ein absolutes Schmankerl: das Vogelschutzgebiet Cornalvo. Kilometerlang führt die Via durch eine ursprüngliche Landschaft mit Sandsteinfelsen, hinauf auf einen Höhenzug mit toller Aussicht.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Korkeichen_und_Steinmauern_soweit_das_Auge_reicht.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41946&title=korkeichen-und-steinmauern-soweit-das-auge-reicht&cat=500)
Teilweise hat man den Eindruck in den Savannen Afrikas zu sein. Dann liegen wieder tolle Boulder-Felsen herum. Ab einem kleinen Sattel ist man dann plötzlich wieder in bewohntem Gebiet und muss aufpassen, dass man die Abzweigung nach Alcuéscar nicht verpasst.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ich_n_here_mich_Alcu_scar.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41944&title=ich-naehere-mich-alcu-e9scar&cat=500)
Dann ist es nicht mehr weit bis Alcuéscar mit seiner Herberge in einem Kloster. Das Kloster betreibt ein Behindertenwohnheim und bietet die Gelegenheit zum Besuch eines Gottesdienstes. Leider auf Spanisch. Ich verstehe nicht wirklich viel.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Yetis_G_stebuch-Comic.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41949&title=yetis-gaestebuch-comic&cat=500)
In alten Gästebüchern finde ich den von Yeti gemalten Gästebuch-Comic von dem Sie in ihrem Bericht (http://www.via-de-la-plata.de/yeti.pdf) immer geschrieben hat. Respekt Yeti! Eine der wenigen Eintragungen, die sicherlich von allen verstanden werden können.
Hier im Kloster herrscht noch Zucht und Ordnung: 19 Uhr Messe, 19 Uhr 30 Abendessen (Nudelsuppe, panierter Fisch mit gemischtem Salat, Obst), Abspülen, 21 Uhr Hausruhe.
Gegen 22 Uhr kommt Anne mit einem Spanier an. Die zwei haben einfach zu viel Pausen gemacht und dann die Abzweigung oben am Sattel verpasst. Der Hospitalero war nicht wirklich begeistert!

15. Tag: Alcuescar - Caceres
Mittwoch, 26. Oktober 2011
Strecke: 38 Km - Gesamtstrecke: 512 Km
Höhenunterschiede: ↑ 50 m, ↓ 200 m
Gehzeit: 8,5 h

Um 7 Uhr 30 ist wecken denn um 8 Uhr muss man das Kloster verlassen. Ende Oktober ist es da aber noch Stockdunkel. In der Bar gegenüber nehmen wir 4 Pilger ein Frühstück zu uns. Die beiden Spanier wollen beide mit dem Bus weiter nach Caceres. Komische Art zu Pilgern!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Sonnenaufgang_in_Alcu_scar.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41955&title=sonnenaufgang-in-alcu-e9scar&cat=500)
So breche ich mit Anne zusammen auf in Richtung Caceres. Sie will heute nur 16 Km weit nach Aldea del Cano. So trennen sich unsere Wege dann leider auch schon wieder. Ich möchte nach Caceres – das soll eine tolle Stadt sein. Sie will aber nicht in Caceres übernachten. Schade!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Br_cke_am_Ortseingang_von_Casas_de_Don_Antonio.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41951&title=bruecke-am-ortseingang-von-casas-de-don-antonio&cat=500)
Am sehr schönen Embalse de Ayuela (römischer Stausee) geht es entlang nach Casas de Don Atonio – ein kleiner Weiler mit römischer Brücke. In dieser Region haben die Römer sehr viele Spuren hinterlassen. Asterix & Co. hätte sicher seinen Spaß gehabt. Aber hier ist noch fast alles heil – hier waren sie also nicht.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/R_mische_Meilensteine_mit_Briefkasten.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41957&title=roemische-meilensteine-mit-briefkasten&cat=500)
Am Weg stehen alte Meilensteine mit Briefkästen und hier und da eine alte Brücke.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/R_mische_Br_cke_auf_dem_Weg_nach_Caceres.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41953&title=roemische-bruecke-auf-dem-weg-nach-caceres&cat=500)
In Aldea del Cano versuche ich einen Regenschauer durch eine Mittagspause zu überbrücken. Die einzige Bar, die offen hat, ist die in einer Tankstelle – in Spanien nicht unbedingt ein Wiederspruch. In der Zeit habe ich so manchen gesehen der nach dem Tanken noch schnell ein Cruzcampo gezischt hat. Und was hier in Spanien super ist: Überall gibt es WLANs in die man sich kostenlos einklinken kann.
Leider muss ich das Regenzeug doch noch rausholen. Kaum ist es angelegt hört es auch schon wieder auf zu regnen. Die Wolken hängen tief und die Dehesas kommen heute Grau in Grau daher. Der Sportflugplatz von Caceres ist auch schon etwas in die Jahre gekommen.
Über die La Puente Mocha – wiedermal eine römische Brücke – komme ich nach Valdesalor. Der Ort wurde ca. 1950 geplant und vom Reißbrett weg gebaut: Keine Bar, keine Herberge, kein Leben. Ich mache noch eine letzte Pause und dann geht es zu dem Sattel hinauf, von dem aus Caceres zu sehen ist.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/R_mischer_Brunnen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41954&title=roemischer-brunnen&cat=500)
In den Feldern gibt es noch jede Menge andere römische Relikte - wie z.B. einen alten Brunnen.
Bei dem trüben Wetter ohne viel Aussicht gehen die Gedanken auf Wanderschaft: Warum gibt es bei uns so viele die sich beschweren, sie könnten nichts bewegen? Alles sei so starr und vorgegeben und ein einzelner könne daran nichts verändern. Ich sehe das etwas anders: Jeder kann was bewegen! Beginnen muss er bei sich selber! Wer aus seiner Umgebung nicht herauskommt bekommt auch kaum neue Ideen. Wer sich z.B. auf der Via de la Plata bewegt kommt mit vielen anderen Menschen in Kontakt: Bauern in kleinsten Dörfern, Einwohnern in größeren Städten, anderen Pilgern oder einfach nur mit Leuten in der Kneipe. Wenn man sich mit denen unterhält bekommt man viele neue Eindrücke und Meinungen die man mit seinem eigenen Weltbild vergleicht und einordnet. Man bekommt für eingefahrene Themen neue Impulse. Die kriegt man zuhause auf dem Sofa sicher nicht! Man muss seine eigenen Standpunkte in einer fremden Sprache darlegen. Gar nicht so einfach! Dabei muss man Dinge erläutern, die für uns Selb verständlich sind – aber häufig hat man über diese Themen zu wenig nachgedacht. Wenn man nach so einer Reise nach Hause kommt bringt man neue Ideen und Anregungen mit, die im privaten wie im beruflichen Umfeld neue Impulse geben können. Aber solange man sich nicht bewegt kann man auch nicht sehr viel Neues bewegen.
Über ein Industriegebiet kommt man nach Caceres rein – nicht gerade eine gute Visitenkarte zu Beginn! Aber wenn man in die Altstadt kommt wird der Ort richtig schick!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Kirche_am_Eingang_zur_Altstadt_von_Caceres.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41952&title=kirche-am-eingang-zur-altstadt-von-caceres&cat=500)
Die Städteplaner haben die Altstadt frei von Kommerz gehalten. So ist eine zweiteilige Altstadt entstanden: Die mit den alten Bauten und die mit den Läden, Bars und Boutiken. Der Übergang ist fließend und sehr gut gemacht.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Teil_der_alten_Stadtmauer_in_Caceres.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41956&title=teil-der-alten-stadtmauer-in-caceres&cat=500)
Dazu verfügt Caceres über einer hervorragende private Herberge Las Veletas in einem alten liebevoll renovierten Altbau. Nach dem Zimmer beziehen – ich bleibe mal wieder alleine – steht die Runde durch die Stadt an. Der Wirt gibt mir noch einen Regenschirm mit. Die Runde wird recht ausgedehnt weil mir die Stadt wirklich gut gefällt. Je lange die Runde wird desto besser wird der Eindruck der Stadt! Auch arabische Läden und Kneipen sind da. Und alles hat einen gewissen Stil und passt sehr gut ins Ganze. Und nicht so klein, dass man schon nach einer Straße aus der Innenstadt wieder raus ist.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Altstadt_von_Caceres.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41950&title=altstadt-von-caceres&cat=500)
Ein Einheimischer spricht mich auf Deutsch an. Wie hat er das erkannt? Hängt da irgendwo ein Schild auf dem steht, dass ich Deutscher bin? Er lädt mich ein in seiner Kneipe zu essen. Zum Essen gehe ich aber wieder in die Herberge zurück. Dort kann man - bei Bedarf – Abendessen und/oder Frühstücken – was ich beides sehr empfehlen kann! Als Vorspeise wird mir eine Salatplatte gereicht, die in vielen Bars für mehrere Personen reichen müsste. Der anschließende Fischeintopf ist einfach nur gut! 3 Sorten Fisch, diverse Muschelsorten, Krebse und Langusten. Ich kriege die Menge kaum rein. Aber davon was stehen lassen, das kann ich nicht! Dazu eine Flasche Wein aus der Tierra de Barros. Und gegessen wird im Wohnzimmer der Wirtsleute.
Gegen 23 Uhr rolle ich die Treppe hinauf ins Bett. So eine Herberge habe ich auf dem Camino Frances leider noch nicht gefunden.

16. Tag: Caceres - Alcantara
Donnerstag, 27. Oktober 2011
Strecke: 33 Km - Gesamtstrecke: 545 Km
Höhenunterschiede: ↑ 25 m, ↓ 125 m
Gehzeit: 7,5 h

Der Morgen begrüßt mich wieder mit Regen. Also alles ein bisschen langsamer! Beim sehr guten Frühstück bügelt die Chefin nebenher im Wohnzimmer. Ich legen die Regenkleidung an und gehe los. Und keine 5 Minuten später hört es auch schon auf zu regnen. Na also, geht doch!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Regewolken_hinter_Caceres.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41965&title=regewolken-hinter-caceres&cat=500)
Es geht an der Stierkampfarena vorbei – wieder ohne Möglichkeit tieferer Einblicke – aus dem Ort hinaus. Dann geht es bei sehr bewölktem Wetter an einer doch recht viel, vor allem schnell, befahrenen Straße entlang. Die Landschaft ist plötzlich sehr flach und sehr weit. Nur lässt das Wetter leider keine wirkliche Weitsicht zu. Nach ein paar Kilometern verlasse ich die Straße und der Weg führt, mal wieder eine Autobahn kreuzend, nach Casar de Cáceres.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Aufstieg_hinter_Casar_de_Caceres.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41960&title=aufstieg-hinter-casar-de-caceres&cat=500)
Ich bin Optimist und schäle mich im Ort aus den Regenkleidern. Nach dem Mittagessen an der kleinen Kirche am Ortsausgang führt mich die Via hinter dem Ort auf einen Bergrücken mit bizarrer und abwechslungsreicher Landschaft: verstreute Sandsteine, Ginster, Korkeichen und hier und da Kühe.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Abwechslungsreiche_Landschaft.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41958&title=abwechslungsreiche-landschaft&cat=500)
Je weiter ich gehe desto besser wird die Weitsicht nach Osten und Westen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Sandsteinfelsen_zwischen_Ginster_und_Korkeichen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41966&title=sandsteinfelsen-zwischen-ginster-und-korkeichen&cat=500)
Die Pflanzen werden immer kleiner – die Tiere auch.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Pflanzen_werden_kleiner.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41962&title=die-pflanzen-werden-kleiner&cat=500)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Tiere_werden_kleiner.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41963&title=die-tiere-werden-kleiner&cat=500)
Kurz vor dem Abstieg zum Stausee Embalse de Alcantara werde ich mit grandioser Rundumsicht verwöhnt.
Unterwegs gable ich einen Sachsen auf, der das zweite Mal auf der Via unterwegs ist und immer noch mit 2 Rucksäcken unterwegs ist. Einen vorne und einen hinten!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Auf_dem_Wanderweg_oberhalb_der_Stra_e.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41959&title=auf-dem-wanderweg-oberhalb-der-strasse&cat=500)
Eine Weile bleibt die Via auf einem lokalen Wanderweg. Dann zweigt die Via von diesem ab und führt auf die Straße um auf ihr entlang die beiden Flüsse zu überqueren. Wie ich dann feststelle kommt immer kurz vor den Brücken der Wanderweg auch zur Straße und verlässt sie aber nach der Brücke sofort wieder während die Via weiterhin auf der Straße bleibt. Wer also nicht dringend zur Herberge will und noch Lust, Zeit und etwas Kondition hat dem Empfehle ich den Wanderweg zu nutzen. Der ist viel schöner aber hat auch ein paar Höhenmeter mehr. Er hat sogar einen Wegweiser zur Herberge an der richtigen Stelle. Man kann also beruhigt auf diesem Weg bleiben und die Schönheit der Landschaft abseits der Straße genießen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Eine_Burg_versank_im_See.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41964&title=eine-burg-versank-im-see&cat=500)
Als der Stausee angelegt wurde versank so manches Dorf in den Fluten. Relikte sind bei niedrigwasser auch noch zu sehen.
In der Herberge – ein moderner Betonbau, nicht schön aber zweckmäßig – treffe ich zwei Belgier. Da kann ich bei der Gelegenheit mein Französisch etwas auffrischen. Die Lage der Herberge ist wirklich gut gewählt. Direkt über dem See genießen wird den Sonnenuntergang auf der Terrasse.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Blick_von_der_Terrasse_der_Herberge_Alcantara.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=41961&title=blick-von-der-terrasse-der-herberge-alcantara&cat=500)
Leider wird es dann gegen 19 Uhr doch schnell kühler so dass wir reingehen.
Die Speisekarte sieht sehr nach Gefrierschrank aus. Bei den Pizzen bietet er mir 4 Sorten an: 3 mal Dr. Oetker und eine spanische Sorte. Der Salat ist OK und die Linsen auch. Die kocht wohl die Mutter von dem Hospitalero. Der Rest ist eben einfache Tiefkühlkost.
Der Sachse zaubert dann noch einen Schnellkochtopf aus seinen Rucksäcken. Und Geschirrtücher um ihn hinterher wieder trocken zu reiben. Wir verbringen zu viert einen netten Abend mit gutem Wein und gehen dann recht früh zu Bett.

Wafer
04.12.2011, 12:14
17. Tag: Alcantara - Grimaldo
Freitag, 28. Oktober 2011
Strecke: 19 Km - Gesamtstrecke: 564 Km
Höhenunterschiede: ↑ 400 m, ↓ 100 m
Gehzeit: 5,0 h

Der Morgen begrüßt mich mit blauem Himmel und Sonnenschein. Wir frühstücken und ich drehe noch eine Runde um die Hütte. Ich gehe hinab zum See an dem ich ganz alleine bin. Ein morgendliches Bad zeigt dann doch, dass es schon Ende Oktober ist – das Wasser ist saukalt! Also beende ich die Aktion schon nach wenigen Minuten.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Morgendstimmung_am_Alcantarasee.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42052&title=morgendstimmung-am-alcantarasee&cat=500)
Die Via führt dann zurück zur Straße und zurück auf den lokalen Wanderweg GR113.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Blick_zur_ck_auf_den_Alcantarasee_-_Wanderweg_mit_Wegweisern.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42046&title=blick-zurueck-auf-den-alcantaraseewanderweg-mit-wegweisern&cat=500)
Von hier ist der niedrige Wasserstand sehr gut zu erkennen.
Dann überfällt mich Spaniens Bauwut: Die Via führt durch die Großbaustelle der Hochgeschwindigkeitstrasse der RENFE. Portugal hat einen Weiterbau bis Lissabon bereits abgesagt. Was aber bringt Spanien ein Bahnprojekt das mit Sicherheit hochdefizitär arbeiten wird? Na, da lasse ich mal andere darüber entscheiden. Die Narben in der Natur sind aber sehr weit zu sehen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Spaniens_Milliardengrab.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42055&title=spaniens-milliardengrab&cat=500)
Der Weg führt an diversen Baustellen entlang und manchmal mitten durch.
Mittendrin zeigt die Natur, dass sie auch auf solchen Baustellen überleben kann.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Natur_erobert_auch_Baustellen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42048&title=die-natur-erobert-auch-baustellen&cat=500)
Nach dem Baulärm kann man sich dann entscheiden – entweder auf der Straße durch Canaveral oder über Wanderwege und den Bahnhof von Canaveral zur Ermita San Cristobal. Ich entscheide mich für die zweite Variante und lande damit wieder voll in der Baustelle. Eine mögliche dritte Variante entdecke ich dann kurz hinter er Ermita: Ich treffe wieder auf den lokalen Wanderweg GR113, der um Canaveral herumführt und an einem Rastplatz kurz hinter der Ermita wieder auf die Via trifft. Ich empfehle die dritte Variante!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/San_Cristobal.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42057&title=ermita-san-cristobal&cat=500)
Dann geht es aufwärts in Richtung Puerto de los Castanos und ich traue meinen Augen kaum: Ein echter Wald! Lauter Kiefern stehen dicht beieinander und ziehen den ganzen Bergrücken hinauf. So einen richtigen, echten Wald habe ich nun über 550 Km nicht mehr gesehen!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ein_richtiger_Wald_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42049&title=ein-richtiger-wald-21&cat=500)
Auch der Blick zurück ist sensationell: Ich habe eine tolle Fernsicht über das Land im Süden des Passes.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Sensationeller_Weitblick_vor_dem_Puerto_de_los_Castanos.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42054&title=sensationeller-weitblick-vor-dem-puerto-de-los-castanos&cat=500)
Dieser Pass in den Ausläufern des Kastilischen Scheidegebirges scheint für die Infrastruktur eine hohe Bedeutung zu haben: Eine Eisenbahnlinie, eine Hochgeschwindigkeitstrasse im Bau, eine Autobahn, eine Nationalstraße, eine Landstraße und diverse Hochspannungsleitungen ziehen alle zu diesem einen Pass hinauf. Und die Via führt durch den Wald ebenfalls zu diesem Pass hinauf. Bei der strahlenden Sonne und der exponierten Südlage des Aufstieges bin ich über den Kiefernwald sehr glücklich – heute ist wieder richtig heiß!
Und in so einem Wald riecht es auch gleich ganz anders. Leider ist der Pass dann viel zu schnell erreicht. Im Norden reicht der Blick bis zu einer Bergkette am Horizont.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Blick_nach_Nordwesten_wird_durch_eine_Bergkette_begrenzt.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42047&title=der-blick-nach-nordwesten-wird-durch-eine-bergkette-begrenzt&cat=500)
Bei Abstieg vom Pass schließen sich Korkeichenwälder an, die dann in die etwas lichteren Dehesas übergehen. Die frisch geschälten Korkeichen sind mit ihren braun-roten Stämmen nicht zu übersehen. Die Bäume sind hier generell höher als auf der Südseite des Passes und das Tal macht im Vergleich einen sehr fruchtbaren Eindruck.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Korkeichen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42051&title=geschaelte-korkeichen&cat=500)
Ich treffe hier auf Pferde und Rinder die einen etwas besser genährten Eindruck bei mir hinterlassen als ihr Artgenossen weiter südlich.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Pferde_in_den_Dehesas_hinter_dem_Pass.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42053&title=pferde-in-den-dehesas-hinter-dem-pass&cat=500)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Zum_Gl_ck_uninteressierte_Rindviecher.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42056&title=zum-glueck-uninteressierte-rindviecher&cat=500)
Die 1.000 Meter, die es laut einem Schild noch bis zur Herberge und Bar in Grimaldo sein sollen würde ich ja eher auf 2,5 Km schätzen aber in dieser Landschaft sehe ich das eher als Zugabe. Überhaupt, wenn ich mal von der RENFE-Baustelle absehe, war das heute eine extrem abwechslungsreiche und landschaftliche äußerst ansprechende Etappe. Wenn nicht sogar eine der schönsten, die ich bisher hatte. Aber solche Vergleiche sind immer schwierig.
Da ich recht früh an der Herberge bin und es mir hier gefällt genieße ich den Rest vom Nachmittag hinter der Herberge auf einer Wiese.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Hinter_der_Herberge_von_Grimaldo.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42050&title=hinter-der-herberge-von-grimaldo&cat=500)
Nach und nach treffen auch die drei anderen aus der letzten Herberge ein. Und sogar noch ein Spanier auf dem Rückweg. So sind wir heute Abend sogar 5 Pilger in der kleinen Bar zum Abendessen. Das ist übrigens gar nicht so schlecht. Nach dem ersten Eindruck hatte ich anderes erwartet. Heute ist wohl ein Tag der angenehmen Überraschungen – auch hier nehme ich den Bauwahn wieder aus!
In der Nacht wache ich mehrfach wegen komischer Geräusche auf. Der Sachse konnte nicht schlafen und ist zwischen 2 und 4 Uhr Nachts auf die Tunnelbaustelle gegangen um diese zu besichtigen. Na, wenn’s ihm hilft!

18. Tag: Grimaldo - Carcaboso
Samstag, 29. Oktober 2011
Strecke: 30 Km - Gesamtstrecke: 594 Km
Höhenunterschiede: ↑ 185 m, ↓ 300 m
Gehzeit: 8,25 h

Auch heute ist mir das Wetter wieder gnädig gestimmt: Blauer Himmel und Sonnenschein. Beim Frühstück gibt es angebratenes Brot mit Speck. Ist nicht so ganz mein Fall. Aber die Tunnelbauarbeiter hauen mächtig rein. Ich bleibe dann doch lieber bei Toastbrot und Marmelade.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Morgenstimmung_hinter_Grimaldo.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42063&title=morgenstimmung-hinter-grimaldo&cat=500)
Ich starte an der Straße entlang bis ich hinter der Autobahnunterführung wieder auf die Original-Via-Route stoße. Die führt dann wieder durch grüne Dehesas mit Korkeichen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Es_geht_durch_Dehesas_mit_Korkeichen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42059&title=es-geht-durch-dehesas-mit-korkeichen&cat=500)
Der erste Raureif liegt noch auf den Wiesen. Das dürfte der erste Nachtfrost sein, den ich auf dieser Tour bewusst wahrnehme. Aber sobald die Sonne da ist wird es wieder angenehm warm – genau richtig zum Wandern. Ab und zu führt die Via auch über einen kleinen Bach.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Weg_ber_einen_Bach.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42058&title=der-weg-ueber-einen-bach&cat=500)
Die Weitsicht ist heute phänomenal! Nach Nord-Westen kann man über die ganze Ebene sehen, die am Horizont durch einen Bergzug begrenzt wird.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Sensationelle_Aussicht_nach_Nord-West.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42064&title=sensationelle-aussicht-nach-nord-west&cat=500)
Im Süd-Osten erhebt sich eine Hügelkette nach der anderen bis zum Kastilischen Scheidegebirge.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Im_S_d-Osten_erhebt_sich_eine_H_gelkette_hinter_der_n_chsten.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42062&title=im-sued-osten-erhebt-sich-eine-huegelkette-hinter-der-naechsten&cat=500)
Die Via geht so abwechslungsreich weiter wie sie gestern aufgehört hat. Es geht auf und ab bis zu einem kleinen Stausee – dem Embalse de Arroyo Boquerón. Hier sorgen falsche Pfeile kurz für Verwirrung. Da will wohl einer der in Riolobo eine Herberge aufgemacht hat künstlich für Besucher sorgen. Nach einem Km Straße geht es wieder auf Feldwege. Und wieder ändert sich die Landschaft. An einem Gehöft führt der Weg vorbei zu einem Kanal. Parallel dazu verläuft ein Feldweg. Diesem gilt es zu folgen. Leider liegt hier wieder ein Bauer im Streit mit der Wegführung hat den Weg kurzerhand zum Privatweg erklärt und den Durchgang untersagt. So hören die Wegzeichen unerwartet auf und ich brauche einige Zeit und Kilometer bis ich den Weg im Tal wieder aufgenommen habe. Nachdem man am Kanal rechts abgebogen ist muss man eigentlich nach dem verfallenen Haus am nächsten Bauernhof links abbiegen. Bei mir war da ein geschlossenes Tor.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Vor_Galisteo_geht_durch_querfeldein.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42065&title=vor-galisteo-geht-durch-querfeldein&cat=500)
Hier ist alles grün und die Weiden sehen richtig saftig aus. Was so ein bisschen Wassermanagement doch ausmacht!
Die Via führt etwas auf und ab bis Galisteo in Sicht kommt. Eine der wenigen Dörfer mit komplett erhaltener Stadtmauer. Sieht wirklich imposant aus.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Gaslisteo_-_mit_kompletter_Stadtmauer_erhalten.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42060&title=gaslisteomit-kompletter-stadtmauer-erhalten&cat=500)
Hinter Galisteo geht es über eine alte Brücke und mal wieder unter einer neuen Autobahn hindurch. Die kennt weder mein Führer noch meine Karte. Sie sieht auch so aus als wäre sie erst gestern fertig geworden. Der weitere Weg nach Carcaboso zieht sich an einem Bach mit Pappelwäldern auf einer kleinen Landstraße entlang. Die Bäume gekommen langsam eine herbstliche Färbung und die Wiesen und Weiden sind total saftig und grün. Ein völlig ungewohnter Anblick für mich. So etwas in dem Ausmaß habe ich auf der bisherigen Tour noch nicht gesehen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Gr_ne_Auen_auf_dem_Weg_nach_Carcaboso.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42061&title=gruene-auen-auf-dem-weg-nach-carcaboso&cat=500)
So komme ich nach Carcaboso. Der Führer drängt mich geradezu bei Elena zu übernachten. Und er hat recht gehabt. Die alte Dame lebt für die Pilger! Jedem erzählt sie bereitwillig anhand einer kleinen Zeichnung, die sie für jeden Gast neu anfertigt wie der Weg weiter geht, wo man achtgeben muss und wo die nächsten Herbergen sind.
Hier treffe ich 2 Franzosen, 2 Schweizer und einen Spanier. Schon wieder so viele Pilger auf einem Haufen. Langsam ist mir das schon nicht mehr ganz geheuer. Diesmal treffen wir uns sprachlich bei Französisch. So ziehen wir zusammen los und essen zusammen zu Abend. Sehr unterhaltsam und wir lachen viel!
Als wir „heim“ kommen schaut Elena nochmal nach „ihren“ Pilgern. Mir legt sie noch eine extra Decke hin. Als sie hört, dass sich der Spanier über den Rotwein in ihrer Bar beschwert, er sei ungenießbar gewesen, ist so völlig aus dem Häuschen. Warum er das nicht gleich gesagt habe? Sie verschwindet im Keller und kommt mit einem edlen Tropfen zurück. Es kann ja nicht sein, dass ein Pilger bei ihr unzufrieden ist. Zu fünft kümmern wir uns noch um den edlen Inhalt.
Über die morgige Etappe sind sich die verschiedenen Führer völlig uneinig. Die Km-Angaben schwanken zwischen 34 Km (keiner) und 44 Km. Und das bei 5 Führern. Überhaupt sind sich die meisten Führer bei den Entfernungsangaben sehr uneinig. Aber alle außer meinem Behaupten die Strecke Sevilla – Santiago über den Mozarabischen Weg sei über 1.000 Km lang. Ich habe das zuhause dann nachge-Googelt. Google-Earth kommt auf 977 Km – in der Größenordnung liegt eigentlich nur der Rother-Führer. Ich glaube eine Länge über 1.000 Km lässt sich besser vermarkten und so sind die Etappen eben unterschiedlich lang geworden. Wenn man die täglichen Ortsbesichtigungen noch dazuzählt ist man eh weit drüber …

19. Tag: Carcaboso - Banos de Montemayor
Sonntag, 30. Oktober 2011
Strecke: 48 Km - Gesamtstrecke: 642 Km
Höhenunterschiede: ↑ 650 m, ↓ 125 m
Gehzeit: 10,5 h

Heute Nacht war Zeitumstellung. Ich habe eine Stunde mehr Schlaf gekriegt – merke aber nix davon! In der Richtung ist die Umstellung immer sehr schnell verdaut. Oder lag’s doch am Rotwein?
Am Morgen serviert Elena ein super Frühstück mit Maxtassen und Ei. Sie erkundigt sich nochmal ob jeder wisse wo er hin müsse. Für jeden, der ihr ein Ziel genannt hat, hat sie dort angerufen und den Pilger angekündigt. Auch die Verabschiedung fällt sehr familiär aus. Sie ist schon einzigartig!
Die Via de la Plata führt wieder an Bewässerungskanälen entlang – entsprechend grün sind die Wiesen und Weiden. Immer leicht ansteigend geht es dann durch Dehesas den Berg hinauf.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Durch_Dehesas_hindurch_geht_es_aufw_rts.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42068&title=durch-dehesas-hindurch-geht-es-aufwaerts&cat=500)
Die ohne Mörtel aufgeschichteten Steinmauern um die Dehesas ziehen sich wieder über Kilometer dahin - da haben sich Generationen das Kreuz kaput gemacht!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/ber_Generationen_aufgeschichtete_Begrenzungsmauern.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42075&title=ueber-generationen-aufgeschichtete-begrenzungsmauern&cat=500)
Die Sicht ist heute wieder sensationell! Durch die aufwendigen Bewässerungssysteme ist die ganze Gegend trotz der trockenen letzten Wochen total grün und bietet dem entwöhnten Auge einen lebendigen Anblick. Richtig erholsam!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Traumhafte_Sicht_ber_das_Land.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42073&title=traumhafte-sicht-ueber-das-land&cat=500)
Der Weg ist abwechslungsreich und führt durch Jahrhunderte alte Dehesas. Hier weiden Schweine und Rinder zusammen. Manches Schwein flüchtet zwar nicht aber beobachtet mich skeptisch.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Skeptisch_werde_ich_beobachtet.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42072&title=skeptisch-werde-ich-beobachtet&cat=500)
Ab der Casa de Ventaquemada geht es dann schnurgeradeaus. Da meist Korkeichen um mich herumstehen hat man nach vorne keine gute Sicht.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Arco_de_C_parra.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42066&title=der-arco-de-c-e1parra&cat=500)
Plötzlich steht der Arco de Cáparra vor mir! Ein imposanter Bogen inmitten von römischen Ausgrabungen. Durch den Bogen kann ich auf den Bergen am Horizont Schnee liegen sehen. Der Herbst lässt grüßen!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/R_mische_Ausgrabungen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42070&title=roemische-ausgrabungen&cat=500)
Leider ist Sonntag und die Ausgrabungsstätte wird von einigen Busunternehmen angefahren. So ist beim Vesper nicht allzu viel Ruhe zu kriegen. Ich werde bestaunt als käme ich von einem anderen Planeten. Irgendwann ist mir das zu blöde und ich ziehe ein paar 100 Meter weiter wo ich tolle Sicht auf die Berge genieße aber eben den Bogen nicht mehr vor mir habe.
Der weitere Weg führt mich dann wieder über die königlichen Weidewege mit tunnelartiger Beschattung leicht abwärts bis an eine Straße.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Schattig_f_hrt_der_Weg_weiter.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42071&title=schattig-fuehrt-der-weg-weiter&cat=500)
Parallel zu der führt der Weg weiter immer geradeaus auf die Berge zu.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ich_n_here_mich_wieder_den_Bergen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42069&title=ich-naehere-mich-wieder-den-bergen&cat=500)Dann kommt mal wieder mein Liebling – die A66 – quer. Und da ist es dann leider mit einer guten Markierung vorbei. Es geht unter Brücken durch und über Bäche bis ich mehr oder weniger zufällig auf einen Feldweg treffe an dem ich die Markierung wieder aufnehmen kann. Dann ist der Spuk auch genauso schnell wieder vorbei wie er begonnen hat. Der Weg schlängelt sich an den Bergrücken heran und führt dann stetig aufwärts an ihm entlang.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Zwischendurch_liegen_Felsen_am_Weg.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42074&title=zwischendurch-liegen-felsen-am-weg&cat=500)
Aldeanueva del Camino ist ein Ort der mich nach dieser landschaftlich schönen Etappe nun überhaupt nicht anspricht. Die letzten Tage haben mich da sehr verwöhnt!
So entschließe ich mich noch bis in den nächsten Ort weiter zu gehen. Da soll es warme Quellen geben und römische Bäder und eine gute Herberge und … Was es leider auch gibt ist ein Weg über etliche Kilometer an der Straße entlang. Diese steigt jetzt richtig an. Ich hoffe markierenden Institutionen kommen mal auf die Ideen den Weg auf der anderen Seite des wunderschönen Stausees entlang zu führen und der Straße aus dem Weg zu gehen. Nur die letzten Meter gehen abseits der Straße. Da sieht man auch die Wirkung des Regens der letzten Tage.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Regen_der_letzten_Tage_zeigt_Wirkung.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42067&title=der-regen-der-letzten-tage-zeigt-wirkung&cat=500)
Banos de Montemayor begrüßt mich mit einer geschlossenen Herberge. Die Tür ist zwar offen aber der Mensch am Tresen sagt mir, der Hospitalero sei nicht gekommen und er würde jetzt abschließen. Na Super! Ich ziehe also wiedermal mit Gepäck durch das Städtchen. Sehr schick! Wirklich! Die Stadt hat was. Ich finde ein Hotel (La Solana), das mir ein Zimmer mit Halbpension für 30 € anbietet. Als ich das Zimmer sehe ist klar: Das nehme ich! Ein neu renovierter Altbau. Mein Zimmer liegt ganz oben unter dem Dach mit riesigem Bad, Badewanne und grandioser Sicht aus dem Fenster. Na, zum Glück war die Herberge zu. Bei 12 € im eigenen Schlafsack, 10 € für eine einfaches Pilgermenü und 5 € für ein Frühstück bin ich hier im Vergleich ja fürstlich untergebracht und das Essen ist auch sehr gut.
Zum Baden in den warmen Quellen bin ich dann leider nicht

20. Tag: Banos de Montemayor - Fuenteroble de Salvatierra
Montag, 31. Oktober 2011
Strecke: 32 Km - Gesamtstrecke: 674 Km
Höhenunterschiede: ↑ 500 m, ↓ 475 m
Gehzeit: 7,0 h

Ich habe herrlich geschlafen! Das Frühstück fällt spanisch knapp aber gut aus. So starte ich über eine alte Römerstraße hinauf zum Pass. Der Blick zurück ist herrlich.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Aufstieg_mit_Blick_zur_ck_auf_Banos_de_Montemayor.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42076&title=aufstieg-mit-blick-zurueck-auf-banos-de-montemayor&cat=500)
Mit dem Pass ist auch mit der Provinz Salamanca die Region Castilla y León erreicht.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Passh_he_bei_Bejar.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42079&title=die-passhoehe-bei-bejar&cat=500)
Der Pass selber ist knappe 900 Meter hoch, hat aber auf der Nordseite schon recht alpinen Charakter. Die Autobahn ist liebevoll an den Hang geklebt und die Dörfer sehen aus wie eben nur Bergdörfer aussehen. Die höheren Berge sind beschneit. Yeti hätte seine helle Freude daran.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Das_Bergdorf_Puerto_de_Bejar_hinter_dem_Pass.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42078&title=das-bergdorf-puerto-de-bejar-hinter-dem-pass&cat=500)
Die Via führt recht schnell wieder abwärts in ein Flusstal. Die Vegetation hat sich wieder komplett geändert. Ich komme durch einen Laubmischwald der in den buntesten Herbstfarben erstrahlt. Und das trotz der Höhe! Unten am Fluss treffe ich an der Puente de la Malena einen wild campenden Pilger. Wir nehmen zusammen ein zweites Frühstück und tauschen Erfahrungen aus.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Liebliches_Flusstal_mit_bunten_Laubb_umen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42083&title=liebliches-flusstal-mit-bunten-laubbaeumen&cat=500)
Es geht dann an dem Bach entlang, das schöne Tal immer weiter hinauf. Die Berge oben haben Felszacken als Abschluss und vermitteln so einen alpinen Charakter. Durch einen Wald komme ich hinauf nach Calzada de Bejar. Ein kleiner Weiler mit sehr schöner Herberge. Ich treffe den Bäckerwagen und besorge mir ein frisches Brot. Die Bergdörfer werden hier von Bäcker, Obsthändler und anderen fahrenden Läden angesteuert um die Bevölkerung den Einkauf zu erleichtern.
Mit dem Dorfende ist auch wieder ein krasser Landschaftswechsel verbunden. Schlagartig stehe ich wieder auf einer Hochebene wie sie flacher nicht sein kann. Es geht einfach nur schnurgeradeaus. Nach ca. 5 Km mache ich eine Pause – Hier ist ungefähr die Hälfte meiner Tour von Tarifa nach Finisterra erreicht. Unglaublich! Ich habe das Gefühl gerade erst in Tarifa gestartet zu sein. Wo sind nur die ganzen Kilometer und Tage hin?
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Vegetation_hat_sich_v_llig_ver_ndert.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42080&title=die-vegetation-hat-sich-voellig-veraendert&cat=500)
Die Dehesas rechts und links des Weges haben ihr Gesicht völlig verändert: Es sind nicht mehr die einzeln stehenden Korkeichen mit den Steinmauern sondern hier stehen die verschiedensten Laubbäume teilweise in Gruppen beieinander und als Begrenzung wird zunehmend ein Zaun bevorzugt. Was bisher die Ausnahme war wird ab hier zum Standard. Die Bäume fallen mir deshalb besonders auf weil sie durch ihre bunte Färbung sich von den grünen Korkeichen auch drastisch abheben. Dadurch haben die Dehesas ein ganz anderes Gesicht bekommen als noch vor dem Pass in der Extremadura. Wo das Wasser nicht reicht gibt es häufig Brunnen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Bew_sserungsbrunnen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42077&title=bewaesserungsbrunnen&cat=500)
Nach einer Bachüberquerung geht es aufwärts nach Valverde de Valdelacasa und nach Valdelacasa. Hier haben Einwohner private Wegmarkierungen angebracht.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Liebevolle_Wegweiser_an_einem_Haus.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42082&title=liebevolle-wegweiser-an-einem-haus&cat=500)
Hinter Valdelacasa geht es wieder auf eine Anhöhe ab der sich die Landschaft schon wieder komplett ändert. Hier fängt die Meseta an: Eine endlose Ebene. Keine Berge am Horizont, die die Ebene begrenzen oder Abschließen. Mir zu Füßen liegt Fuenteroble de Salvatierra – mein heutiges Ziel.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Hier_beginnt_die_Meseta.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42081&title=hier-beginnt-die-meseta&cat=500)
Die Herberge von Fuenteroble wird vom örtlichen Pfarrer Don Blas betrieben. Sowohl er als auch seine Herberge werden nicht nur von meinem Führer in den höchsten Tönen gelobt. Das will ich mir auf alle Fälle anschauen. Als erstes begrüßt mich Marc, ein Niederländischer Pilger. Der Hospitalero ist wohl auch gerade erst angekommen und richtet sich gerade häuslich ein. Wir drehen eine Runde durch das Dorf. Viel gibt es hier nicht zu sehen. Die Kirche ist wiedermal zu. In der Herberge sehe ich wie der Hospitalero das Abendessen vorbereitet und beschließe noch einen Salat zu machen. Bei den Paprika war wohl auch eine Peperoni dabei – er ist recht scharf geworden. Vor dem Abendessen stößt noch ein Belgier zu uns. Zum Abendessen kommt dann auch Pfarrer Don Blas – ein interessanter Mann. Er ist der erste Pfarrer den ich kenne, der das Tischgebet mit dem Weinglas in der Hand spricht. Wir sitzen gemütlich am Kaminfeuer und plaudern.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Pfarrer_Don_Blas_mit_Pilgern.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42085&title=pfarrer-don-blas-mit-pilgern&cat=500)
Gegen 22 Uhr lädt uns Pfarrer Don Blas noch in die Kirche ein. Wir gehen rüber und steigen gleich zum Glockenturm hinauf. In einem Raum kurz unterhalb der Glocken brennt ein Kaminfeuer und es ist ein Büfett aufgebaut. Hier feiert eine Gruppe von ca. 20 Personen ein rauschendes Fest.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/N_chtliches_Gelage_im_Glockenturm_der_Kirche.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42084&title=naechtliches-gelage-im-glockenturm-der-kirche&cat=500)
Wir werden eingeladen daran teil zu nehmen. Wein und Schnaps wird in Bechern ausgeschenkt und die Leckereien vom Büfett sind hervorragend.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Wir_l_uten_um_Mitternacht_die_Glocken.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42086&title=wir-laeuten-um-mitternacht-die-glocken&cat=500)
Wir steigen auch noch bis zu den Glocken hinauf und lassen sie läuten. Es wird ein langer und lustiger Abend. Ich komme erst weit nach Mitternacht ins Bett.

Wafer
04.12.2011, 19:57
21. Tag: Fuenteroble de Salvatierra - San Pedro de Rozados
Dienstag, 1. November 2011
Strecke: 28 Km - Gesamtstrecke: 702 Km
Höhenunterschiede: ↑ 175 m, ↓ 175 m
Gehzeit: 5,5 h

Der Tag der Arbeit ist auch in Spanien ein Feiertag. Trotzdem regnet es als ich aufwache. Also drehe ich mich nochmal rum. Gegen 8 Uhr 30 treffen wir uns alle beim Frühstück. Das ist noch geprägt von dem Büfett gestern Abend: Lauter leckere Sachen! Gegen Viertel vor Zehn kommen Marc und ich weg. Es hat zwar aufgehört zu regnen aber die Luftfeuchtigkeit ist deutlich überhöht.
Nach einem kurzen Intermezzo an der Straße geht es 12 Km zwischen Dehesas durch. Als ich Schweine fotografieren will stößt die Leitsau sofort einen Warnruf aus. Normalerweise das Zeichen für alle sich im Schweinsgalopp davon zu machen. Nicht so hier! Hier kommen alle sofort auf mich zu gerannt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Schweine_kommen_auf_mich_zu.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42118&title=die-schweine-kommen-auf-mich-zu&cat=500)
Zum Glück ist noch ein Zaun dazwischen sonst hätten die mich überrannt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Dichtes_Get_mmel_am_Zaun.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42117&title=dichtes-getuemmel-am-zaun&cat=500)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Scheue_Tiere_unserer_Heimat_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42120&title=scheue-tiere-unserer-heimat-21&cat=500)
Eine Herde Schafe stellt sich uns in den Weg als wir kurz Pause machen. Erst als wir sehr entschlossen auf die Schafe zugehen weichen sie uns wiederwillig aus. Passt heute alles nicht wirklich zu „Scheue Tiere unserer Heimat“!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Schafe_unter_dem_Kreuz.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42119&title=schafe-unter-dem-kreuz&cat=500)
An dem Weg steht ein Kreuz nach dem anderen. Welches davon das Cruz de Santiago ist kann ich gar nicht sagen. Je höher wir kommen umso schlechter wird die Sicht. Dann sind wir in den Wolken. Da ist dann gar keine Sicht mehr. Wir hören wie sich die Windräder drehen. Ich schätze mal, dass es so ca. 20 Stück sind. Sehen tun wir gerade mal 3 Stück.
Der Weg über die Sierra de la Duena ist wunderschön – leider sehen wir kaum mehr als 20 Meter weit. Aber die Vegetation am Weg ist wirklich toll und wenn man hier noch eine gute Sicht geliefert bekommt ist das sicher eine Hightlight-Etappe.
Nach dem Gipfel – oder sagen wir lieber nach dem höchsten Punkt - geht es dann sehr schnell wieder tiefer durch einen Steineichenwald und die Sicht wird wieder etwas besser. Dafür führen mich die Pfeile auf eine Straße auf der es dann 10 Kilometer entlang geht. Kurz vor San Pedro de Rozados geht es wieder auf Feldwegen einen Hügel hinauf hinter dem sich das kleine Dorf San Pedro de Rozados versteckt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Wegweiser_in_der_Meseta.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42121&title=wegweiser-in-der-meseta&cat=500)
Mein Führer empfiehlt mir in der Bar El Moreno nach der Herberge zu fragen. Nur: Ich finde keine Bar El Moreno. Ich komme an einer recht dubios wirkenden Bar „VII Careras“ vorbei aber von El Moreno keine Spur. Hinter der Kirche klopft es an einem Fenster. Auf Spanisch werde ich angerufen: „Hallo Sie da, warten Sie einen Augenblick!“. Dann öffnet sich die Tür und eine Frau in Pantoffeln kommt raus. Nach dem ersten Blick auf mich fährt sie dann auf Deutsch fort: „Sie sind doch Deutscher, oder?“. Verflixt, das Schild hängt schon wieder irgendwo! „Suchen Sie die Herberge?“. Die Frau hat viele Jahre in Deutschland zugebracht und ist nun wieder in ihre Heimat zurück. Sie erzählt mir dann, dass es zwei Herbergen gibt und Sie mir diese jetzt zeigen will. Auf dem Weg dahin erkundige ich mich vorsichtig wo man hier etwas vernünftiges Essen könne. Marc hat eine Mittagspause eingelegt, ich wollte bei diesem unsicheren Wetter lieber weiterziehen. Was ich denn unter vernünftig verstünde? „Nun“, sage ich, „regionale Küche, spanische Spezialitäten, gerne auch Fisch oder Meeresfrüchte, kein fettiges Pilgermenü mit Pommes eben.“
Die erste Herberge, die städtische, die sie mir zeigt ist ein alter Laden dessen Fenster mit großen Papierbögen zugeklebt sind. Im alten Verkaufsraum stehen Stockbetten lieblos im Raum. Die zweite Herberge ist ein süßes kleines Haus das mit viel Liebe zum Detail sehr schön renoviert und eingerichtet wurde. Es gibt zwei Zimmer mit je 4 Betten. Und ist nur 2 Euro teurer als die städtische Herberge.
Dann führt sie mich zu der Bar „VII Carera“. Die habe früher El Moreno geheißen. Na fein! Dort hätten sie auch Zimmer – aber recht teuer. Von innen sieht die Bar gar nicht mehr so dubios aus. Was mich wohl irritiert hatte, war das die Bar keine Fenster zur Straße hat. Aber die Bar liegt an einem tollen Innenhof. Und daran angeschlossen auch ein sehr schönes Restaurant. Ob ich noch was zu Mittag essen wolle? Klar will ich, am Tag der Arbeit soll doch zumindest der Magen arbeiten. Die Frau verschwindet in der Küche – zu ihrer Freundin wie sie mir sagt.
Eine Bedienung führt mich zu einem Tisch. Kaum sitze ich, schon wird mir schon die Vorspeise gebracht: Eine Paella mit allem Drum und Dran! Die Chefin erklärt mir, ihre Freundin habe für mich das Mittagsmenü zusammengestellt, ob ich da was dagegen habe? Habe ich nicht. Ich hatte ihr ja schon gesagt was ich mag. Und wenn es mit Paella los geht schon gleich zweimal nicht! Und wie gut die Paella ist! Dass es eine Vorspeise sein soll erkenne ich an der Tellergröße. Die Portion ist aber trotzdem riesig.
Als Hauptgang kommt ein halber Hase mit Knoblauchkartoffeln. Oder war das ein ganzer? Total lecker! Dazu ein Rotwein der Region. Als Nachtisch Eis und natürlich ein Café. Die Chefin bringt gleich noch einen Cognac. Sie hofft wohl noch, dass ich hier übernachte. Beim Nachlesen im Unterkunftsverzeichnis von Via-de-la-Plata.de stelle ich fest, dass dieses Restaurant als eines der ganz wenigen explizit erwähnt wird.
Jetzt weiß ich endlich warum die Spanier nicht nur in der heißen Jahreszeit Siesta machen: Mit einem halben Hasen im Bauch und einer Flasche Wein im Kopf bin ich auch nicht mehr zu wilden Taten bereit. Also: Ab in die Herberge und die Füße hochlegen.
In der schönen privaten Herberge treffe ich Marc wieder. Hier gibt es Hand- und Badetücher, Bettzeug und eine vernünftige Kaffeemaschine. Was braucht der Pilger mehr?
Gegen Abend kommt ein charmantes Mädel und will 10 €. Kaum zu glauben!
Begeistert berichte ich Marc von dem Essen. Aber das Abendmenü ist nicht so gut. Bei den Spaniern ist das Mittagessen eben wichtiger als das Abendessen.

22. Tag: San Pedro de Rozados - Salamanca
Mittwoch, 2. November 2011
Strecke: 23 Km - Gesamtstrecke: 725 Km
Höhenunterschiede: ↑ 0 m, ↓ 175 m
Gehzeit: 6,0 h

Nach dem Frühstück starten gegen 8 Uhr 45 bei bewölktem Himmel und viel Wind. Diese Herberge war die beste, die ich auf dieser Tour bisher besucht habe!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Marc_in_Regenkleidung.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42125&title=marc-in-regenkleidung&cat=500)
Leider müssen wir kurz hinter dem Ort schon die Regenkleidung montieren. Komisch! Der recht starke Wind bläst uns genau von hinten an. Normalerweise kommt der doch immer von vorne! Überall kommt frische Gras durch. Durch die Feuchtigkeit der letzten Tage erwachen auch die ganz trockenen Weiden mit frischem Grün zum Leben.
Die Via führt uns durch Morille und durch Hügel leicht auf und ab. Tendenziell aber mehr ab als auf. Salamanca liegt ja auch ca. 200 Meter tiefer als San Pedro. Von den Hügeln können wir Salamanca liegen sehen. Die alles überragende Kathedrale kann man schon sehr früh erkennen. Je näher wir kommen desto mehr Details werden sichtbar.
Zum Mittag kehren wir in Miranda de Azár ein – kein Ort, der mir das Herz bewegt. Der Wind treibt uns vor sich her in Richtung Innenstadt. Der Weg führt geschickt um die Vororte herum und bis kurz vor der römischen Brücke sind wir auf ungeteerten Wegen unterwegs.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Salamanca_begr_t_uns_im_Regen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42128&title=salamanca-begruesst-uns-im-regen&cat=500)
Die alte römische Brücke führt uns direkt in die Altstadt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/R_mische_Br_cke_mit_Kathedrale.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42126&title=roemische-bruecke-mit-kathedrale&cat=500)
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Turm_der_Kathedrale.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42123&title=der-turm-der-kathedrale&cat=500)
An der Kathedrale vorbei kommen wir zur Herberge.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/S_dportal_der_Kathedrale.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42127&title=suedportal-der-kathedrale&cat=500)
Die hat noch zu. Also drehen wir die erste Runde durch die Stadt mit Gepäck. Die Altstadt ist von der Universität und der Kirche sehr geprägt. Die Kathedrale ist ein toller monumentaler Bau. Die Bibliothek sieht von außen nicht so toll aus hat aber einen grandiosen Innenhof. Das treffe ich hier in Spanien öfter: Außen Pfui und innen Hui!
Es regnet den ganzen Nachmittag und den Abend. Daher bin ich nicht übermäßig unglücklich, dass die Herberge mal wieder um 22 Uhr schließt. Wir ziehen noch durch die Altstadt zum Plaza Mayor. Der ist aktuell leider durch eine Büchermesse und deren hässliche Stände verschandelt. Aber bei dem Regen eh kein schönes Fotomotiv. Und ob die hohe Luftfeuchtigkeit für die Bücher gut ist wage ich zu bezweifeln.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Das_ber_hmte_Muschelhaus.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42122&title=das-beruehmte-muschelhaus&cat=500)
Wir kehren in einem irischen Pub auf ein Murphys ein. Viel Zeit für das Abendessen haben wir nicht. Wir finden aber ein Restaurant, dass schon um 20 Uhr öffnet.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Kathedrale_am_Abend.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42124&title=die-kathedrale-am-abend&cat=500)
Auf dem Weg in die Herberge hört es auf zu regnen. Vielleicht wird es morgen ja besser?

Wafer
05.12.2011, 10:27
23. Tag: Salamanca - El Cubo de la Tierra del Vino
Donnerstag, 3. November 2011
Strecke: 35 Km - Gesamtstrecke: 760 Km
Höhenunterschiede: ↑ 50 m, ↓ 25 m
Gehzeit: 8,0 h

Der erste Blick geht aus dem Fenster: Es ist nass aber es regnet gerade nicht. Als ich dann startklar bin legt es doch wieder los. Schade, so sehe ich Salamanca nur bei Regen!
Marc will noch einen Tag da bleiben. Schade! Ich bin mit ihm gut gelaufen und das war ein gutes Team.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Kathedrale_von_Salamanca_bei_Tag.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42148&title=die-kathedrale-von-salamanca-bei-tag&cat=500)
Die ersten Kilometer sind nicht so prickelnd. Es geht mal wieder an der N630 entlang. Seit ich sie in Monasterio getroffen habe, habe ich immerhin schon 400 Km an ihrer Seite verbracht.
Ab kurz vor Aldeaseca de Armuna geht es dann zum Glück auf Feldwegen durch die Meseta. Es hört vor allem auch wieder auf zu regnen. Da wird das Wandern doch gleich wieder etwas angenehmer.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Meseta_-_unendliche_Weiten_Wir_schreiben_das_Jahr_2011_Dies_sind_die_Abenteuer_von_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42149&title=die-mesetaunendliche-weitenwir-schreiben-das-jahr-2011dies-sind-die-&cat=500)
Die Meseta – Unendliche Weiten! Wir schreiben das Jahr 2011. Dies sind die Abenteuer …
Die einzige Bar in Castellanos de Villiquera hat zu. Also kein zweites Frühstück. Jetzt kommt sogar die Sonne raus. So geht es weiter nach Calzada de Valdunciel. Hier hat dann eine Bar offen. Also gibt es zum Mittagessen erst mal ein zweites Frühstück. Die Tortilla de Patatas schmecken wir zu jeder Tageszeit.
Die Freude über den Sonnenschein war kurz: Es regnet wieder! Irgendwie hatte ich die letzten Jahre um diese Jahreszeit (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?50250) mehr Glück mit dem Wetter! Da war ich aber auch Anfang November meist wieder zuhause. Also wird die Frühstücks-Mittags-Pause noch etwas gestreckt.
Im omnipräsenten Fernseher – keine spanische Bar ohne laufenden TV – zeigen sie seit Tagen Bilder vollgelaufener Tiefgaragen und Erklärungen was Aquaplaning ist und dass man gutes Profil braucht und langsam fahren soll … Das Wetter scheint hier in diesem Regenumfang also durchaus nicht üblich zu sein.
Aber auch der Schauer hält nicht lange. Auch die Sonne lässt sich nochmal blicken. Leider hält der viel zu schnell auf die Autobahn zu. Warum die hier immer eine Autobahn und eine Nationalstraße brauchen wenn die Autobahn an jedem Weiler eine Ausfahrt hat muss mir noch einer erklären.
Die Pfeile wollen mich östlich der Autobahn auf der N630 entlangwandern lassen. Das ist zwar eben aber eben auch sehr hart. Auf der anderen Seite der Autobahn führen ein geschotterter Feldweg und ein Pfad entlang. Auch da gibt es Pfeile. Da gibt es zwar wesentlich mehr Höhenmeter und die machen den einen oder anderen Bogen aber das ist es angenehmer zu laufen. Durch die vielen Brücken und Unterführungen kann man aber jederzeit die Seite wechseln. Da es 18 Km an den Straßen entlang geht kann man da ruhig mal wechseln und beides ausprobieren.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Spanier_sind_schon_sehr_verspielt_-_oder_haben_zu_viel_Geld_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42150&title=spanier-sind-schon-sehr-verspieltoder-haben-zu-viel-geld-21&cat=500)
An einem Kreisverkehr kommt der Spieltrieb (oder die zu dicke EU-Subvention?) ans Tageslicht.
Kurz vor El Cubo de la Tierra del Vino erwischt mich dann doch nochmal ein Schauer. Die Tierra del Vino – „die Ebene des Weines“ oder „das Land des Weines“ – gibt es so eigentlich nicht mehr. Nach einer Reblaus Plage im 19 Jahrhundert haben alle Bauern auf Getreideanbau umgestellt. Die Tierra del Vino ist also eigentlich im Eimer. Und genau das will uns der Ortsname vielleicht auch sage: El Cubo – der Eimer!
Die Herberge ist ganz lustig: Die haben gerade alle Türen ausgehängt und mitgenommen um sie zu streichen. Die meisten Räume sind schon frisch gestrichen. Hier sieht man das zumindest etwas an den Herbergen getan wird.
Da nur 2 Heizkörper da sind und noch 2 Spanier angekommen sind nehme ich mir ein 4-Bett-Zimmer und eine Heizung und verschließe den offenen Türrahmen mit einer Matratze.
Um 22 Uhr kommt der Hospitalero um die Hüttenruhe zu überprüfen. Von meiner Idee mit der Matratze als Tür ist er nicht gerade begeistert.
Mit dem Wetter und der Strecke an der Autobahn und N630 entlang war das bisher die hässlichste Etappe auf meiner Tour.

24. Tag: El Cubo de la Tierra del Vino - Zamora
Freitag, 4. November 2011
Strecke: 32 Km - Gesamtstrecke: 792 Km
Höhenunterschiede: ↑ 25 m, ↓ 200 m
Gehzeit: 7,0 h

Um 7 Uhr war der Hospitalero dann schon wieder da. Er will wohl das Verlassen der Herberge um 8 Uhr sicherstellen. Aber er bringt die Türen mit. So passiert es aber, dass ich schon um 7 Uhr 45 auf der Via unterwegs bin.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Wandern_ohne_Autobahn.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42159&title=wandern-ohne-autobahn&cat=500)
Die Autobahn und Nationalstraße sind Schnee von gestern. Heute geht es wunderschön durch die Landschaft an einer stillgelegten Bahnlinie entlang, die aber wenig stört.
Der Himmel ist zwar wolkenverhangen aber die Sicht ist glücklicherweise sehr gut. Der Weg führt auf eine Anhöhe mit einem tollen Blick über die Ebene in der Zamora liegt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Blick_in_Richtung_Zamora_von_der_Anh_he.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42151&title=blick-in-richtung-zamora-von-der-anhoehe&cat=500)
Zamora ist bereits zu erkennen. Durch hügelige Landschaft mit wildem Lavendel und Rosmarin geht es tendenziell abwärts. Die Nutzung der Felder variiert: Getreide, Wein, Mais, Oliven.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Es_wird_wieder_Wein_angebaut.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42158&title=es-wird-wieder-wein-angebaut&cat=500)
Dann komme ich nach Villanueva de Campean. Als ich den Ort betrete kündigt sich ein Schauer an. Ein deutliches Zeichen in der Bar „Via de la Plata“ ein zweites Frühstück zu nehmen.
Nach dem Schauer geht es dann wieder weiter durch gemischte Landwirtschaft durch die Hügel auf und ab immer auf Zamora zu, das ab und an am Horizont zu sehen ist. Auf Wanderwegen – heute gab es noch keine Straßenkilometer – geht es hinein nach Zamora.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Altstadt_von_Zamora.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42154&title=die-altstadt-von-zamora&cat=500)
Am Ufer des Rio Duero führt ein sehr grüner Weg zur alten Römerbrücke.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Zamora_unterm_Regenbogen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42160&title=zamora-unterm-regenbogen&cat=500)
Die Sicht auf die Altstadt wird durch einen Regenbogen noch verschönert.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Kirche_von_Zamora_spiegelt_sich_im_Fluss.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42156&title=die-kirche-von-zamora-spiegelt-sich-im-fluss&cat=500)
Über die 16-bogige Römerbrücke betrete ich die Altstadt. Da heute Freitag ist und die Spanier morgen nicht arbeiten, wird es heute Nacht sicher wieder später werden. Die Öffnungs- oder sagen wir lieber die Schließzeiten der Herbergen um 22 Uhr an einem solchen Tag bewegen mich dazu heute in einem Hotelzimmer zu übernachten. An solchen Tagen kann man nicht um 22 Uhr im Bett sein - Ich zumindest nicht!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Plaza_ist_leider_noch_im_Regenmodus.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42157&title=die-plaza-ist-leider-noch-im-regenmodus&cat=500)
Ich schlendere durch die Altstadt und esse an der Plaza Mayor noch zu Mittag. Dann suche ich mir eine Bleibe. Ich drehe noch eine Runde bei Tageslicht durch Zamora und versenke mich dann in der Badewanne.
Vor dem Abendessen drehe ich dann noch eine zweite Runde. Die Läden sind fast alle noch offen und die Spanier sind noch beim Einkaufen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Burg_ist_Nachts_interessanter_als_Tags.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42155&title=die-burg-ist-nachts-interessanter-als-tags&cat=500)
Die historischen Bauten der Altstadt sind grandios beleuchtet.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Das_alte_Eingangstor_zur_Burg.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42152&title=das-alte-eingangstor-zur-burg&cat=500)
Fast könnte man sagen, dass sich ein Besuch bei Nacht eher lohnt als am Tag!
Nach dem Abendessen – so gegen 23 Uhr – ist in den Altstadtgassen die Hölle los! Die Jugend tanzt in den Discos und die Bars sind alle proppenvoll. Viele stehen auch auf den Straßen weil der Abend recht lau ist.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Innenhof_des_Hotels.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42153&title=der-innenhof-des-hotels&cat=500)
Ich komme gegen 1 Uhr zurück ins Hotel. Als ich gegen 4 Uhr nochmal kurz raus bin war immer noch Lärm in den Straßen. Ich glaube der Martin hat seinerzeit bei der Übersetzung einen Fehler gemacht! Es hätte an der einen Stelle im Alten Testament heißen müssen: „… Sodom und Zamora …“. Und ich weiß jetzt auch wo eine der beiden Städte liegt!

Wafer
06.12.2011, 13:26
25. Tag: Zamora - Riego del Camino
Samstag, 5. November 2011
Strecke: 35 Km - Gesamtstrecke: 827 Km
Höhenunterschiede: ↑ 75 m, ↓ 25 m
Gehzeit: 7,5 h

Der Morgen begrüßt mich mit blauem Himmel und Sonnenschein – und das bei gleicher Wettervorhersage! Ich schaue mir nochmal die alte Burg bei Tageslicht an. Aber mir hat sie in der Dunkelheit besser gefallen.
Ich komme auch bei einer der vielen „bewohnten“ Kirchen vorbei.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Eine_der_vielen_bewohnten_Kirchen_in_Zamora.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42221&title=eine-der-vielen26quot-3bbewohnten-26quot-3b-kirchen-in-zamora&cat=500)
Die Störche sitzen überall. Und zwischenzeitlich ist auch fast jedes Nest bewohnt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/St_rche_berall1.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42222&title=stoerche-ueberall&cat=500)
Beim Verlassen der Altstadt komme ich durch ein altes Stadttor.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Das_Stadttor_von_Zamora_bei_verlassen_der_Altstadt.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42219&title=das-stadttor-von-zamora-bei-verlassen-der-altstadt&cat=500)
Die Via führt mich auf Nebenstraßen aus Zamora hinaus. Außerhalb von Zamora biegt sie dann auf Feldwege ab. Nach der Überquerung der Autobahn hält sie dann auf Roales zu. Ich beschließe diesen Schlenker aus zu lassen und gehe bei der Autobahn einfach geradeaus weiter den Hang hinauf.
Ein Schwarm Graugänse hat sich auf einem Feld niedergelassen und wartet wohl auf den Rest der Truppe.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Auch_die_Graug_nse_sind_angekommen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42218&title=auch-die-graugaense-sind-angekommen&cat=500)
Die Feldwege sind hier wie mit dem Lineal gezogen: Schnurgerade und endlos. Die Meseta lässt grüßen.
Im Laufe des Tages tauchen am Horizont leichte Erhebungen mit den Errungenschaften der modernen Zivilisation als Gipfelkreuze auf. Und schon wieder quere ich eine recht groß dimensionierte Baustelle. Aufgrund der großen Brückenkonstruktionen tippe ich wieder auf eine Neubaustrecke der RENFE.
In Montamarta mache ich Mittagspause in der Sonne vor der Kirche. Da hat eine neue Kneipe aufgemacht, die für Pilger über ein ganz brauchbares Sortiment verfügt. Ich habe das Gefühl man freundet sich hier langsam mit der Via an. Auch soll es hier eine neue Herberge geben. Da es aber erst Mittag ist werde ich noch bis zur nächsten oder übernächsten weiter gehen.
Hinter Montamarta hatte ich den Stausee Embalse de Ricobayo erwartet. Stattdessen liegt dort eine grüne Wiese hinter dem Ort. Auch diese Region ist in den letzten Wochen wohl etwas zu sehr von Regengüssen verschont worden. Die Ermita de la Virgen del Castro liegt traumhaft gelegen über dem trockenen See – leider auch verschlossen. Wie soll man einen Bezug zur Kirche aufbauen wenn diese alle verschlossen sind?
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Stausee_Embalse_de_Ricobayo_-_der_liegt_schon_eine_Weile_trocken.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42220&title=der-stausee-embalse-de-ricobayoder-liegt-schon-eine-weile-trocken&cat=500)
Die Baustelle macht die Wegfindung hinter Montamarta etwas schwierig. Über leichte Hügel geht es dann wieder an den Stausee. Aber auch in diesem Teil des Sees ist gähnende Leere.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Am_Horizont_tauchen_erste_H_gel_mit_modernen_Gipfelkreuzen_auf.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42217&title=am-horizont-tauchen-erste-huegel-mit-modernen-gipfelkreuzen-auf&cat=500)
An alten Ruinen vorbei geht es über Fontanillas de Castro nach Riego del Camino. Der Weg führt im Zick Zack über Feldwege um die N630 zu umgehen.
Riego del Camino ist nun nicht das Dorf meiner Träume: Eine Bar, ein sehr versteckter Laden, eine Herberge und ca. 160 Einwohner. Die Dorfbewohner sind sehr hilfsbereit und freundlich. Eigentlich wollte ich noch nach Granja Moreruela aber mein linkes Knie meutert ein wenig. Also bleibe ich hier.
Die Herberge gehört nicht zu den Besten: Nur kaltes Wasser, das Badfenster lässt sich nicht schließen und es gibt keine Heizung. Und für heute Nacht ist strenger Frost angesagt.
Ich mache es mir in einem Zimmer bequem und sammle reichlich Decken auf meinem Schlafsack. Erfrieren werde ich also nicht! Das Waschen der Wäsche und die Dusche lasse ich heute in Anbetracht des kalten Wassers und der unbeheizten Herberge einfach ausfallen.
In der Bar ist man darauf wohl schon eingestellt: Es gibt reichlich Wein zum Essen und einen fetten Brandy zum Café! Auf diese Weise mit genügend Bettschwere versehen gehe ich früh zu Bett.

26. Tag: Riego del Camino - Santa Marta de Tera
Sonntag, 6. November 2011
Strecke: 54 Km - Gesamtstrecke: 881 Km
Höhenunterschiede: ↑ 125 m, ↓ 50 m
Gehzeit: 12,5 h

Aufgrund der doch leicht reduzierten Temperatur in der Herberge bin ich recht früh wach. Bei einem kleinen Frühstück schaue ich mir die Karte an und die Möglichkeiten für den heutigen Tag. Der Weg macht bei Faramontanos de Tábara einen deutlichen Haken nach Süd-West um dann komplett nach Nord ab zu biegen. In Santa Croya de Tera soll eine der besten Herbergen an der Via liegen. Wenn man ab Faramontanos de Tábara direkt auf Santa Croya de Tera zusteuert könnte das an einem Tag erreichbar sein. Und die Herberge will ich auf jeden Fall kennenlernen.
Bei Sonnenaufgang bin ich unterwegs. Die Autoscheiben im Dorf sind Stein und Bein zugefroren. Nicht nur eine leichte Raureifschicht – richtig dickes Eis. Kein Wunder, dass es in der Herberge so kalt war!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Kirche_von_Riego_del_Camino_liegt_au_erhalb_vom_Ort.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42228&title=die-kirche-von-riego-del-camino-liegt-ausserhalb-vom-ort&cat=500)
Hinter der Kirche, die außerhalb des Ortes liegt, geht die Sonne auf.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Morgendliche_Stimmung_in_der_Meseta.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42232&title=morgendliche-stimmung-in-der-meseta&cat=500)
Die Morgenstimmung hält fast auf dem ganzen Weg nach Granja Moreruela an – Toll!
In Granja Moreruela gibt es dann ein zweites Frühstück in einer Bar. Über Feldwege geht es zunehmend hügeliger auf den Rio Esla zu. Mir begegnet ein Schafhirte mit seinen zwei Hunden und seinem Esel. Er steigt extra ab um mich zu begrüßen. Sein Sattel ist ein alter Kartoffelsack der damit gleichzeitig als Satteltaschen dient.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ein_Schafhirte_mit_seinem_Esel.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42229&title=ein-schafhirte-mit-seinem-esel&cat=500)
Dann komme ich ein eine der grandiosesten Teile der Via: Der Rio Esla kommt näher.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Br_cke_ber_den_Rio_Esla.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42227&title=die-bruecke-ueber-den-rio-esla&cat=500)
Zuerst geht es an der Landstraße entlang zu der Brücke über den Rio Esla.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Hinter_der_Br_cke_geht_es_auf_einen_kleinen_Trampelpfad_am_Rio_Esla_entlang.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42231&title=hinter-der-bruecke-geht-es-auf-einen-kleinen-trampelpfad-am-rio-esla-entlang&cat=500)
Direkt dahinter biegt ein kleiner Pfad links von der Straße aber und führt mit alpinem Charakter am Fluss entlang.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Blick_ber_den_Rio_Esla.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42224&title=blick-ueber-den-rio-esla&cat=500)
Hier ist kaum etwas von dem niedrigen Wasserstand der anderen Gewässer der Umgebung zu sehen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Traumhafter_Wanderweg_am_Rio_Esla_entlang.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42233&title=traumhafter-wanderweg-am-rio-esla-entlang&cat=500)
Der Weg führt aufwärts über Wiesen mit Bäumen und Büschen die auch reichlich mit Felsen versehen sind.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Vesperpause_im_Gr_nen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42234&title=vesperpause-im-gruenen&cat=500)
Ein idealer Ort für ein Vesper mit traumhaftem Blick über den Fluss. Ich beobachte ein paar Angler am anderen Ufer.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Rio_Esla_weitet_sich_und_geht_in_den_Embalse_de_Ricobayo_ber.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42226&title=der-rio-esla-weitet-sich-und-geht-in-den-embalse-de-ricobayo-ueber&cat=500)
Viel zu schnell kommt die Via auf eine Hochfläche und verlässt den Flusslauf.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Wo_keine_Pfeile_gemacht_werden_k_nnen_gibt_es_Steinm_nchen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42235&title=wo-keine-pfeile-gemacht-werden-koennen-gibt-es-steinmaenchen&cat=500)
Steinmänner, von Steinmännchen kann man hier schon nicht mehr sprechen, markieren den Weg wo es schwierig ist Pfeile an zu bringen. Über abwechslungsreiche Feldwege geht es durch die wunderschöne Landschaft. Auf einem Hügel kann man dann Faramontanos de Tábara liegen sehen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Bodega_bei_Faramontanos_de_T_bara.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42225&title=bodega-bei-faramontanos-de-t-e1bara&cat=500)
Auf den Feldern und in den Hügeln sieht man überall die Bodegas stehen. Kleine Häuschen oder Keller in denen die Bewohner ihren eigenen Wein keltern und im Sommer wohl auch mit ihren Nachbarn rauschende Feste feiern.
In Faramontanos de Tábara zeigt mir ein Bauer seine Bodega mit dem gerade frisch gekelterten Wein. Bei dem sehr guten Mittagsmenü in einer Bar entscheide ich mich dann die lange Variante nach Santa Croya de Tera in Angriff zu nehmen. Zum Glück, wie sich später rausstellt: Die Strecke nach Tábara ist von der Baustelle der Bahntrasse völlig umgebaut worden und extrem matschig.
Ich wandere am Hang entlang zu einem kleinen Pass an dem ich den Weg von Tábara dann wieder treffe. Beim Abstieg vom Pass treffe ich dann auch Tschady – einen Pilger, der die gleiche Idee hatte wie ich.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Es_wird_wieder_bergiger.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42230&title=es-wird-wieder-bergiger&cat=500)
So ziehen wir durch die sehr ansprechende Landschaft nach Villanueva de la Peras. Hier bricht dann schon der Abend herein.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Abendstimmung_vor_Santa_Croya_de_Tera.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42223&title=abendstimmung-vor-santa-croya-de-tera&cat=500)
Die abendliche Stimmung begleitet uns auf dem Weg nach Santa Croya de Tera. Dort müssen wir dann schon im stockdunklen leider feststellen, dass die Herberge neuerdings eine Winterpause einlegt. Sie hat wohl vor einer Woche ihre Pforten geschlossen. Zum Glück liegt die nächste nicht weit – auf der anderen Seite der Brücke in Santa Marta de Tera.
Hier erwartet uns ein umgebauter Gemeindesaal in dem schon 3 Spanier sitzen und Kartenspielen. Die Bar gegenüber bietet ein vernünftiges Abendmenü an. Die Runde durchs Dorf spare ich mir – ich denke ich bin heute genug gelaufen! Gute Nacht!

Werner Hohn
06.12.2011, 15:22
Sag mal, gibt es in El Cubo de la Tierra del Vino die Herberge im Vorraum der Kirche nicht mehr?

Wafer
06.12.2011, 15:26
Hallo Werner.

Es sind doch immer die Gleichen, die sich für den wilden Süden Europas interessieren!

Ich hatte mich in El Cubo explizit nach einer zweiten Herberge erkundigt. In 2 Bars und einer Apotheke wusste keiner etwas von einer zweiten Herberge. An der Kirche war ich aber nicht. Ohne die fehlenden Türen wäre die ja echt OK gewesen. Was ich dort gut fand: Der Hospitalero hat den Kühlschrank mit Gängigen Sachen gefüllt - Getränke aber auch einige Dinge zum Essen - und eine Preisliste daneben gelegt. Ich hoffe das wird nicht zu sehr ausgenutzt! Ich fand das echt Toll!

Gruß Wafer

Wafer
06.12.2011, 15:39
27. Tag: Santa Marta de Tera - Rionegro del Puente
Montag, 7. November 2011
Strecke: 27 Km - Gesamtstrecke: 908 Km
Höhenunterschiede: ↑ 175 m, ↓ 110 m
Gehzeit: 6,0 h

Da klingelt doch tatsächlich um 6 Uhr 30 ein Handywecker! Na Bravo! Wer setzt sich denn da selber so unter Stress? Die nächsten Etappen sind mit Herbergen geradezu gepflastert! So sind wir aber gegen 8 Uhr fertig. Nur leider macht hier alles erst um 10 Uhr auf. Also ziehe ich ohne Frühstück los in der Hoffnung das im nächsten Dorf nach zu holen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Wegweiser_in_Castillia_y_Leon.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42242&title=wegweiser-in-castillia-y-leon&cat=500)
In La Barca ist alles zu – verständlich! Es ist ein Strandbad im Norden Spaniens auf 750 Höhenmeter Anfang November. In Calzadilla de Tera hat aber auch alles zu. Obwohl laut Aushang sowohl der Tante-Emma-Laden als auch die Bar offen haben müsste. Spanien eben!
In Olleros de Tera finde ich erst gar keine Bar! Also werden die Rest des alten Brotes und das letzte Obst gefrühstückt. Hier stehen übrigens die ersten brauchbaren Obstbäume am Weg, die ohne besondere Bewässerung auszukommen scheinen.
An einer wiedermal geschlossenen Kirche vorbei geht es zu dem Stausee Embalse de Nuestra Senora de Agavanzal – recht großer Name für so einen kleinen See.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Am_Embalse_de_Nuestra_Senora_de_Agavanzal.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42237&title=am-embalse-de-nuestra-senora-de-agavanzal&cat=500)
Die Via führt im Zick-Zack den Hang hinauf und dann zur Staumauer um auf einem kleinen Sträßchen immer am Ufer des Sees entlang zu führen. Viele kleine Sandbuchten laden zum Verweilen ein.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Wasserkraftwerk_in_der_Hochebene.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42241&title=wasserkraftwerk-in-der-hochebene&cat=500)
Der Weiler Villar de Farfón hält nach dem Ortsende doch noch eine Überraschung bereit: Hier hat eine kleine, sehr schöne private Herberge aufgemacht. Aktuell ist sie für den Winterbetrieb noch nicht ausgestattet aber daran wird gerade fieberhaft gearbeitet.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Kleine_private_Herberge_in_Villar_de_Farfon.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42238&title=kleine-private-herberge-in-villar-de-farfon&cat=500)
Ich unterhalte mich derweilen mit der Großmutter aus Namibia, die gerade zu Besuch ist. Der Hund wirft sich mir geradezu vor die Füße: „Streichle mich!“. Es gibt hier dann so etwas wie ein kleines zweites Frühstück.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Kleine_private_Herberge_in_Villar_de_Farfon_-_Blick_in_den_Eingangsbereich.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42239&title=kleine-private-herberge-in-villar-de-farfonblick-in-den-eingangsbereich&cat=500)
Irgendwann meint die Großmutter ich solle doch den Hund nicht so verwöhnen – Sonst müssten sie ihn die nächsten Tage ständig streicheln bis er sich das wieder abgewöhnt hat. Na, dann sollen sie sich mal um ihren Hund kümmern! Die Hunde hier in Spanien haben einen sehr schlechten Ruf aber alle sind bestechlich mit Streicheleinheiten. Zumindest wenn sie frei rumlaufen können. Der Tschadi hatte extra ein Pfefferspray an einem Armband um es immer griffbereit zu haben. Er hatte einfach zu viel über die wilden Bestien in Spanien gehört.
Weiter geht der Weg durch eine wunderschöne Landschaft, der mich an die Steppen Afrikas erinnert. Kein Wunder, dass sich die Großmutter aus Namibia hier wohlfühlt!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Rionegro_del_Puente.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42240&title=rionegro-del-puente&cat=500)
Auf einem kleinen Bergrücken hat man einen herrlichen Blick auf Rionegro del Puente. Viel zu schnell bin ich schon wieder dem nächsten Dorf. Aber hier ist gerade Mittagszeit, die Sonne scheint auf den windstillen Marktplatz mit seiner Bar. Es stehen Tische draußen. Ich lasse mich nieder und bestelle das Mittagsmenü. So in der Sonne wird es richtig warm!
Hier treffe ich Gernot, einen Österreicher aus Steyr. Er will gerade aufbrechen besinnt sich aber nochmal anders. Bei einem Glas Wein klönen wir über die Via und was wir bisher so erlebt haben. Aus dem Glas werden mehrere bis wir den Wein Flaschenweise ordern.
Als es kalt wird – die Sonne geht jetzt doch schon recht früh unter – beziehen wir in der Herberge auf der anderen Seite des Platzes ein Quartier und kehren zum Abendessen zurück. Die 3 Spanier aus Santa Marta de Tera sind zwischenzeitlich auch angekommen. So wird das ein langer und lustiger Abend.

28. Tag: Rionegro del Puente - Puebla de Sanabria
Dienstag, 8. November 2011
Strecke: 40 Km - Gesamtstrecke: 948 Km
Höhenunterschiede: ↑ 400 m, ↓ 200 m
Gehzeit: 9,0 h

Und wieder klingelt der Wecker des Spaniers. Wofür? Gestern wäre er ja auch nicht nötig gewesen! Damit ist das mit dem Ausschlafen nach dem langen Abend aber auch vorbei. In der Bar von gestern Abend gibt es ein vernünftiges Frühstück.
Die Via führt über Wiesenwege – Felder gibt es hier oben nicht mehr so viele, wir sind immerhin schon über 1.000 Meter hoch – hinauf nach Mombuey.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_asymetrische_Wehrkirche_von_Mombuey.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42243&title=die-asymetrische-wehrkirche-von-mombuey&cat=500)
Bei der Vorbereitung hatte ich hier immer irgendwie ein Tal erwartet weil sich hier alles so dicht drängt: Autobahn, Nationalstraße, Nebenstraße, Bahnlinie und jetzt noch die Hochgeschwindigkeitstrasse der Bahn sowie einige Hochspannungsleitungen. Aber es ist eigentlich eher eine Hochebene, die gleichmäßig bergan führt.
Gestern konnte ich im Norden die Monte de Leon erkennen. Heute liegen die Wolken auf den Hügeln auf und von einer Fernsicht ist keine Spur. Aber irgendwann auf dem Weg über Valdemerilla, Cernadilla und Entrepenas nach Asturianos kommt die Sonne wieder durch und die Sicht wird besser.
Im Süden sind einzelne Gebirgszüge – schon in Portugal – zu sehen. Im Westen kann man ab und zu einen Blick auf eine Bergkette erhaschen und im Norden stehen die Monte de Leon. Im Osten geht es abwärts in die Tiefebene aus der ich gekommen bin.
Das Menu del Dia bei „El Carmen“ in Asturianos ist hervorragend. Ein Kohleintopf und eine kalte Forelle.
Der weitere Weg führt mich durch Palacios de Sanabria, Remesal und Triufé – ein Dorf mit 27 Einwohnern! – nach Puebla de Sanabira.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Eine_Altstadtgasse_von_Puebla_de_Sanabria.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42245&title=eine-altstadtgasse-von-puebla-de-sanabria&cat=500)
Gerade als ich die 230 Stufen hinauf zur Altstadt erklommen habe beginnt es leicht zu regnen. Also Zeit für ein Radler! Die Bar gefällt mir! Und Zimmer haben die hier auch – sogar mit Badewanne! Nach den doch sehr unterschiedlichen Herbergen in der letzten Woche Luxus pur!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ein_Restaurant_in_Puebla_de_Sanabria.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42244&title=ein-restaurant-in-puebla-de-sanabria&cat=500)
In einer Regenpause drehe ich eine Runde durch die Altstadt. Obwohl die Kirche laut Aushang offen sein sollte ist sie zu. Schade! Die sieht von außen schon sehr vielversprechend aus! Die ganz Altstadt sieht auch wirklich gut aus. Ich schlendere durch die Gassen und genieße das Gehen ohne Rucksack. In den meisten Bars oder Restaurants brennt ein Kamin oder ein Ofen. Es wird abends hier schon richtig kalt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Es_sieht_so_aus_als_wollte_es_gleich_schneien.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42246&title=es-sieht-so-aus-als-wollte-es-gleich-schneien&cat=500)
Der Wetterbericht für die nächsten Tage ist recht wechselhaft – morgen soll es regnen. Daher stört es mich nicht, dass es das Frühstück erst aber 9 Uhr gibt. Nur blöd, dass ausgerechnet morgen der höchste Pass auf dem Programm steht. Na, dann schauen wir mal was der morgige Tag so alles bringt. Als erstes Ausschlafen!

Juno234
06.12.2011, 18:28
Ich glaube, im nächsten Herbst steht wieder die Via de la Plata auf unserem Programm. Dein Bericht und deine Fotos machen Lust darauf :)

Wafer
06.12.2011, 20:04
Hallo Juno234.

Das freut mich, dass es dich anspricht!
Ich hatte oben in Galicien dann nicht wirklich Glück mit dem Wetter. Wenn ich mir aber anschauen, dass die Wälder dort aus Farnen und Eukalyptusbäumen bestehen - beides sehr feuchtigkeitsliebende Pflanzen - wird das nicht unbedingt unüblich gewesen sein. Daher für den Galicien-Teil vielleicht doch den Sommer als Reisezeit wählen. Aber trotz des Wetters hat mir der Teil sehr sehr gut gefallen! Wenn es nicht sogar der schönste war.
Wie weit seit ihr denn schon gekommen? Wann habt ihr welche Etappen gemacht?

Gruß Wafer

Juno234
06.12.2011, 20:45
Wir sind eher geruhsame Wanderer :bg: Das erste Jahr sind wir von Sevilla bis Fuente de Cantos gekommen, das zweite bis Merida und das bislang dritte und letzte Jahr bis Caceres. Wir waren jeweils im November/Dezember unterwegs. Es müsste 2004, 2006 und 2008 gewesen sein. Von sommerlichen Temperaturen bis zu leichtem Bodenfrost war alles dabei. Die endlosen langweiligen Pisten vor Merida hatten uns ziemlich abgetörnt. Aber es scheint ja auch wieder schönere Abschnitte zu geben, wie es auf deinen Bildern ausschaut :) Ich glaube, ab Caceres könnte der Oktober ein angenehmer Monat sein.

Wafer
07.12.2011, 11:39
Hallo Juno234.

In Caceres steigen recht viele ein. Das ist wohl so ein beliebter Einstiegspunkt wie Meriad oder Salamanca.
Für ein kälteres Jahr kann ich den Teil aber Tarifa nach Sevilla empfehlen. Also ich fand den toll! Sehr abwechslungsreich und ohne Pfeil mit der Garantie auf einsame Wanderungen mit echten Sahnehäubchen wie z.B. Medina oder Arco.
Viel Spaß damit!

Gruß Wafer

Wafer
07.12.2011, 12:16
29. Tag: Puebla de Sanabria - Lubian
Mittwoch, 9. November 2011
Strecke: 30 Km - Gesamtstrecke: 978 Km
Höhenunterschiede: ↑ 900 m, ↓ 900 m
Gehzeit: 7,5 h

Gestern bin ich noch hier in die Sauna gegangen und habe sehr gut gegessen. Den Fitnessraum habe ich nicht mehr benutzt. Ich kann das Hotel Posada Real La Carteria nur wärmstens empfehlen.
Der Morgen begrüßt mich mal wieder mit Regen. Also drehe ich mich nochmal rum. Nach einem Bad packe ich in aller Ruhe meinen Rucksack und gehe Frühstücken. So ist es nach 10 Uhr als ich starte. Der Regen hat sich zu leichtem Nieselregen reduziert. Damit kann ich erst mal leben.
Bis Terroso geht es bei bescheidener Sicht ab und zu mal an der Straße entlang aber doch meist auf Feldwegen, die zunehmend aufweichen – auch mit Schlenkern über die Autobahn. Bisher merke ich nichts davon, dass ich heute den höchsten Punkt der Via überschreiten soll: Alles ist recht eben und von Fernsicht keine Spur. In Requejo erkenne ich im Süden einen Höhenzug, der deutlich näher rückt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Friedhof_von_Requejo.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42307&title=der-friedhof-von-requejohier-beginnt-der-offroadteil&cat=500)
Die Via führt durch ein tolles altes Viertel von Requejo bis sie an dem Friedhof endgültig in Feld- und Waldwege übergeht. Die Straßen sind weit weg und es geht an einem malerischen Bach entlang mit der deutlichen Tendenz nach oben. Das bunte Laub sorgt für eine tolle Atmosphäre. Ab und zu ist der weg mit den Wassermengen überfordert. Dann gibt es aber immer eine Ausweichmöglichkeit.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Wasserreicher_Weg.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42308&title=wasserreicher-weg&cat=500)
An einer Ruine will mich die offizielle Markierung, genau gleich wie mein Führer, scharf nach rechts abbiegen lassen um auf die alte Passstraße zu kommen. Nun bin ich kein Freund von Straßen und etliche Pfeile zeigen auch nach links. Ein Blick in die Karte zeigt, dass dies auch eine direkte Variante zum Pass sein könnte. Mit Fernsicht ist bei dem Wetter eh nix los, also entscheide ich mich für die die Variante. Anhand der Hochspannungsleitungen kann man sich gut orientieren und den Pass nicht verfehlen.
Der Weg führt zunächst eben weiter bis zu dem Portal eines Eisenbahntunnels. Ab da zieht er im Zick-Zack steil aber gleichmäßig nach oben. Als ich oben ankomme sind meine Regenkleider von innen genauso nass wie von außen. Der Weg stößt genau an der Stelle auf die N535 an der sie in dem Tunnel unter dem Pass durch verschwindet. Die Via führt aber oben drüber. Das sind aber nur noch wenige Höhenmeter aufwärts.
Auf dem Abstieg nimmt der Regen dann wieder zu. Also wird es wohl Zeit für eine Mittagspause. In Pardonelo finde ich nichts, aber hinter Padornelo kehre ich ein. Was die hier allerdings unter Piccata Milanese verstehen deckt sich nicht ganz mit meiner Erinnerung. Hier wird ein Schnitzel mit Pommes serviert. Na, da habe ich wohl das falsche Restaurant erwischt!
Gerade als ich den Café vor mir stehen habe zeigt die Wolkendecke Risse und blaue Löcher. Als ich das Haus verlasse hört es auf zu regnen. Erst geht es noch ein paar Meter auf der Nationalstraße abwärts bis diese unerwartet einfach aufhört. Auf der alten Passstraße geht es dann noch ein paar Meter weiter bis ein wunderbarer Weg links abzweigt und mich über Aciberos nach Lubian bringt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Blick_hinab_von_der_alten_Passstra_e_nach_Lubian.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42306&title=blick-hinab-von-der-alten-passstrasse-nach-lubian&cat=500)
Die Herberge ist direkt am Ortseingang und sieht gut aus. Ich bin der erste Gast: Also alle Heizungen an, leider nur zwei, und die nassen Sachen trocknen.
Die Dusche ist schon fast Luxusgröße. Dafür tut die Toilette nicht. Gegen 18 Uhr taucht der Hospitalero auf. Laut Aushang sollte er erste gegen 20 Uhr kommen. Ich zeige ihm das Problem mit der Toilette aber er schüttelt nur den Kopf. Er kassiert 3 € für die Nacht und einen Stempel und geht wieder. 10 Minuten später ist er aber mit einem Fachmann da, der das Problem löst.
Irgendwie kann ich mich heute nicht aufraffen noch eine Runde durch das 186-Einwohner-Dorf zu drehen. Es soll sogar eine Bar und einen Laden geben. Die sind aber morgen sicher auch noch da. Noch ist nicht alles trocken und da muss ich nicht riskieren alles wieder nass zu machen.
So dezimiere ich heute meine frugalen Bestände: Eine halbe Flasche Wein von gestern Abend als ich der Meinung war ein Glas Wein bestellt zu haben aber eine ganze Flasche kam. Als guter Schwabe schleppt man dann so etwas natürlich über den höchsten Pass der Via de la Plata. Die letzten Paprika, die ich bei einem Feld bei Galisteo mitgenommen hatte, sowie eine Pastete, die schon seit Casar de Caceres an Bord ist. Dann natürlich das Obst, das ich immer reichlich dabei habe. Nicht umsonst wiegt mein Rucksack ab und zu um die 12 Kg obwohl er ohne Essen nur 7 Kg wiegt.

30. Tag: Lubian - Campobecerros
Donnerstag, 10. November 2011
Strecke: 52 Km - Gesamtstrecke: 1.030 Km
Höhenunterschiede: ↑ 650 m, ↓ 880 m
Gehzeit: 11,25 h

Nun wäre das genau der richtige Tag gewesen um aus zu schlafen: Ich bin alleine in der Herberge und A Gudina, das heutige Ziel, ist nur 25 Km weit! Aber nein, der Nachbar sieht das wohl irgendwie anders. Ab 6 Uhr macht er einen Höllenlärm: Er knallt mit Türen, unterhält sich lautstark mit einem Partner, den ich nicht hören kann und lässt sein Auto über eine ½ Stunde warmlaufen. Irgendwann merke ich, dass es mit weiterschlafen heute wohl nichts mehr wird.
Zwecks der gestern stark dezimierten Futterbestände spekuliere ich auf die Bar im Ort und stehe um 7 Uhr 45 davor. Leider hat sie nicht offen. Ich streife suchend durch das Dorf um zu sehen ob es vielleicht eine zweite Bar gibt – gibt es nicht! Für die Blicke die mich mustern brauche ich keine Übersetzung aus dem Spanischen.
Was soll’s! Wenn die eh schon denken ich wäre …
So ziehe ich im ersten Büchsenlicht los. Da es erst Mal nur an der Straße entlang geht ist das kein Problem. Der Weg zum Santuario de la Tuiza ist leicht zu finden.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Santuario_de_la_Tuiza.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42316&title=santuario-de-la-tuiza&cat=500)
Nach dem Heiligtum beginnt ein wunderschöner Wanderweg, der durch Wälder immer leicht ansteigt. Auf der anderen Talseite ziehen sich die Autobahn und die Nationalstraße den Hang hinauf. Ab und zu kann man sie sehen oder hören, meist kriegt man aber nichts von ihnen mit. Des Gesamtsicht wird heute nur sehr langsam besser weil die Wolkenuntergrenze nur geringfügig schneller steigt als ich.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Blick_zur_ck_vom_heutigen_Pass.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42310&title=blick-zurueck-vom-heutigen-pass&cat=500)
Kurz vor dem Pass habe ich nochmal einen Blick zurück. Viel ist nicht zu sehen aber man kann erkennen wo ich herkam. Der Pass selber bleibt leider in den Wolken.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Blick_vom_Pass_nach_vorne.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42309&title=blick-vom-pass-nach-vorne&cat=500)
Auf der anderen Passseite liegt der Blick auf die leicht abfallende Hochebene frei. Es ist doch immer wieder interessant wie schnell sich Landschaften ändern können! Wo auf der Ostseite noch steiler Aufstieg war du Wald sind auf der Westseite Weiden und kleine Ortschaften auf der nur leicht abfallenden Ebene. Am Passt begrüßt ich Galicien. Das Galizische Wetter Begrüßt mich ja schon seit ein paar Tagen. Über A Canda – ein kleinster Weiler - steige ich nach Vilavella ab. Hier gibt es dann endlich ein vernünftiges Frühstück. Im Bahnhof des Ortes hat übrigens eine neue Herberge auf gemacht.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Manchmal_steht_der_Weg_etwas_unter_Wasser.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42315&title=manchmal-steht-der-weg-etwas-unter-wasser&cat=500)
Manchmal steht der Weg etwas unter Wasser. Aber meist kann außen rum oder es liegen Granitblöcke als Trittsteine.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Liebervoll_gebauter_Weg.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42314&title=liebervoll-gebauter-weg&cat=500)
An einigen Stellen geht die Via über liebevoll angelegte Wege.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Spuren_von_Br_nden_und_wilde_Felsen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42317&title=spuren-von-braenden-und-wilde-felsen&cat=500)
Galizien begrüßt mich aber auch mit wunderbaren Wanderwegen die mich über O Pereiro nach O Canizo führen. Leider gibt gerade heute das Wetter kein Potential zum Fotografieren her. Schade! Überall sind Brandspuren zu finden.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Blick_zur_ck_zum_heutigen_Pass.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42311&title=blick-zurueck-zum-heutigen-pass&cat=500)
Auf dem Weg vergesse ich völlig die Zeit und streife durch die Landschaft. An jeder Ecke Vermittelt eine neue Perspektive andere Eindrücke.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Vor_dem_Abstieg_nach_A_Gudina.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42318&title=vor-dem-abstieg-nach-a-gudina&cat=500)
Der Abstieg nach A Gudina ist ähnlich wie A Gudina selber: Enttäuschend! Der Ort sagt mir gar nicht zu. Der einzige Lichtblick ist der Markt! Hier versorge ich mich mit einem halben Hähnchen und frischem Brot sowie Obst und ich verziehe mich vor eine kleine Kapelle um Mittagspause zu machen. Die Herberge ist auch nicht das was ich mir vorgestellt habe und so entscheide ich mich kurzfristig einfach noch eine Etappe dran zu hängen. Ich suche den Markierungsstein, der die Trennung der beiden Wege in Süd- und Nord-Route markiert. Ich finde ihn erste, als die Hähnchenbraterei seinen Stand abbaut. Er war genau dahinter.
Über eine kleine Landstraße verlasse ich A Gudina und gewinne stetig an Höhe. Die Wolkenuntergrenze begrenzt leider den Blick in alle Richtungen. Aber wenigstens ist es trocken.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Hinter_A_Gudina.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42313&title=hinter-a-gudina&cat=500)
Die Bahnlinie, die seit Puebla de Sanabria ein ständiger Begleiter der Via de la Plata geworden ist windet sich am Hang entlang und führt durch zahlreiche Tunnels. Langsam keimt in mir der Gedanke auf die Rückreise mit der Bahn über diese Linie zu wählen. Hier fährt jeden Nachmittag ein Zug von Santiago nach Madrid. Der Führer weiß zu berichten, dass der Bau der Strecke 40 Jahre gedauert hat und erst 1950 fertig gestellt wurde. Ich bin mal gespannt ob und wann die Schnellbahntrasse fertig wird. Seit Puebla habe ich aber keine Baustelle mehr gesehen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Stausee_Embalse_das_Portas.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42319&title=der-stausee-embalse-das-portas&cat=500)
Nach dem ersten 5-Einwohner-Dorf kommt der Embalse das Portas in Sicht. Auf dem Höhenzug geht es dann immer entlang von einem kleinen Weiler zum nächsten. Viele sind beim Bau der Bahnlinie entstanden und sind heute noch bewohnt. Andere sind so gut wie verlassen. Die Sicht wird immer besser, so dass ich weit nach Portugal hineinschauen kann. Weit vor mir kann ich sogar Sonnenschein erkennen. Im Süd-Westen kann man den Verlauf der Autobahn anhand der Brückenbauten verfolgen.
Und wieder ändert sich die Landschaft grundlegend: Der Höhenzug ist mit einer ganz anderen Flora versehen als die Strecke seit dem Pass.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Campobecerros_-_links_die_Herberge_am_Bahnhof.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42312&title=campobecerroslinks-die-herberge-am-bahnhof&cat=500)
Kurz vor dem Etappenziel geht es dann nochmal von der Landstraße weg auf einen Gipfel mit toller Rundumsicht. Im Tal liegt 250 Meter tiefer das heutige Ziel: Campobecerros.
Ich steige dorthin ab und besuche als erstes eine Bar. Nach dem ersten Durstlöschen erkundige ich mich dann nach einer Unterkunft. Die neue Herberge am Bahnhof hat geschlossen. So stand es auf einem Wegweiser. So entscheide ich mich für die Pension Casa Nunez. In der dazugehörigen Bar laufen nur Angler- und Jagdfilme. Mal was anderes als das ewige Fußball!
Gerade habe ich mit der Tochter des Hauses ausgemacht, dass ich mit allen zusammen esse, da kommt der Sohn und bittet mich zu Tisch. Spanien!
Ich setzte mich an den Tisch und schon entschuldigt sich der Sohn, es sei noch nicht alles fertig. Klar, die Tochter ist ja gerade erst in der Küche verschwunden. Er bringt mir dafür einen Gruß aus der Küche: Einen Lauch-Kohl-Speck-Strudel – Total lecker! Wenn das immer so ausartet wenn sich die zwei uneinige sind: Nur zu! Dann kommt eine Linsensuppe mit Paprikawurst, Kartoffeln und Speck. Auch sehr gut! Und vor allen gleich eine ganze Schüssel voll. Da ich noch bei dem Gruß aus der Küche bin bitte ich ihn das Tempo etwas zu drosseln. Zum Glück kommt das nicht an! Als ich beim ersten Teller Suppe bin kommt der Hauptgang: Schwein mit fettigen Pommes. Das hatte ich nun oft genug und die spanische Fleischzubereitung liegt nicht ganz auf meiner Linie. Also nochmal kräftig Nachschlag von der Suppe nehmen! Die ist einfach gut!
In der Zwischenzeit kommen alle anderen zum Essen – alle in Fleece, denn hier wird nicht geheizt. Die Kinder maulen an allem rum. Prompt steht die Tante auf und macht noch Pfannkuchen. Und schon liegen auch bei mir welche auf dem Teller. Und der Kaffee wird durch einen lokalen Schnaps getunt.
Das ist hier richtig nett – so mit Familienschluss! Nur muss man sich warm genug anziehen. Und Ruhe haben die Spanier beim Essen nicht – die sind alle noch vor mir fertig! Und die fettigen Pommes gehen weg wie … ja wie was eigentlich? Warme Semmeln kennen die hier ja nicht. Na, dann gehen die eben weg wie fettige Pommes.
Reichlich müde falle ich ins Bett.

Wafer
07.12.2011, 18:11
31. Tag: Campobecerros - Vilar de Barrio
Freitag, 11. November 2011
Strecke: 34 Km - Gesamtstrecke: 1.064 Km
Höhenunterschiede: ↑ 375 m, ↓ 500 m
Gehzeit: 8,5 h

Als ich nachts mal kurz aufwache schüttet es aus Kübeln. Gut! Was heute Nacht runter kommt ist morgen nicht mehr oben! Morgens regnet es aber immer noch. Also drehe ich mich nochmal rum. Das Frühstück fällt spanisch-Karg aus: Madeleines und Kaffee. Gegen 9 Uhr starte ich dann nur noch bei leichtem Regen. Es geht aufwärts – also langsam! Sonst bin ich wieder von innen so nass wie von außen. Es geht durch den fast verlassenen Weiler Portocamba (33 Einwohner).
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Alte_H_user_in_Portocamba.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42334&title=alte-haeuser-in-portocamba&cat=500)
Die Häuser sind teilweise schon sehr alt und wenig gepflegt – aber durchaus häufig auch noch bewohnt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Alte_H_user_in_Portocamba_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42335&title=alte-haeuser-in-portocambateilweise-noch-bewohnt&cat=500)
Es geht noch ein letztes Mal über die 1.000 Höhenmetermarke und dann führt mich die Via an einem wunderschönen Berghang entlang immer leicht abwärts. Der Nebel spielt mit den Tälern und Dörfern auf der anderen Talseite verstecken.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Nebelverhangener_Blick_die_Bergkette_entlang.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42340&title=nebelverhangener-blick-die-bergkette-entlang&cat=500)
Galizien ist auch bei Regen schön! Ab As Eiras ist das Sträßchen dann wieder geteert und führt hinab nach Laza. Das muss eine fruchtbare Gegend sein: Am Wegesrand wächst Zitronenmelisse, Spitz- und Breitwegerich, Klee, Sauerampfer, Brennnessel, Löwenzahn und vieles mehr. Im Wald steht überall Farn, eine feuchtigkeitsliebende Pflanze.
In Laza finde ich eine nette Taverne mit einem Ofen und einem zweiten Frühstück. Was braucht man mehr? Ich trockne die Klamotten am Ofen und genieße das Frühstück. Auf einer Nebenstraße geht es bis zum Ortsende. Der Ort hat so gar nichts von seinem Namensvetter in Tibet.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Manche_H_user_sind_sehr_sch_n_renoviert.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42339&title=manche-haeuser-sind-sehr-schoen-renoviert&cat=500)
Manche Häuser sind sehr schön hergerichtet.
Bis Soutelo Verde geht die Via an der Straße entlang um dann auf einen Feldweg nach Tamicelas weiter zu führen. Auf einem Bergrücken führt sie dann 500 Höhenmeter den Berg hinauf. Relativ häufig werden Feuerschneisen gekreuzt – in trockeneren Jahreszeiten herrscht hier wohl hohe Brandgefahr. Oben verkündet ein Schild, dass es nur noch 1.000 Meter bis zu der Bar Ricón del Peregrino sind. Es sind dann zwar in etwa 2.500 Meter bis zur Bar in A Albergueria aber der Besuch der Bar lohnt auf alle Fälle.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Luis_der_Inhaber_des_Ric_n_del_Peregrino.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42338&title=luis-2c-der-inhaber-des-ric-f3n-del-peregrino&cat=500)
Luis, der Inhaber der Bar, hat fast alle Tische und Stühle aus der Bar entfernt und an jeder erdenklichen freien Ecke hängen Jakobsmuscheln.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_letzte_Tisch_in_der_Bar_Ric_n_del_Peregrino.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42336&title=der-letzte-tisch-in-der-bar-ric-f3n-del-peregrino&cat=500)
Jeder Pilger kann auf einer Muschel seinen Namen, Datum und einen Gruß hinterlassen und dann die Muschen irgendwo in der Bar anschrauben. Da er das nun schon seit ca. 7 Jahren macht hängen da entsprechend viele Muscheln! Auch seine Sanitären Anlagen zwei Scheunen weiter sind absolut eine Besichtigung wert! Klar, dass ich hier eine Pause mache! Bei klassischer Klaviermusik kann man gut entspannen. Auch seine Gläser sind Souvenirs. Mein Radler bekomme ich in einem Oktoberfest-Glas serviert.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Vor_dem_Abstieg_nach_Vilar_de_Barrio.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42341&title=vor-dem-abstieg-nach-vilar-de-barrio&cat=500)
Der weitere Weg führt mich über eine Anhöhe, von der ich Vilar de Barrio, mein heutiges Ziel, im Sonnenschein vor mir im Tal liegen sehe. Als ich dort ankomme regnet es dort dann auch.
In der Herberge sitzen schon 5 Pilger: 3 Franzosen mit 4 Hunden und Auto sowie 2 Spanier. Sie ist recht neu und verfügt über Fußbodenheizung – nicht gerade dass, was man braucht wenn 6 Personen ihre Kleider und Schuhe trocknen wollen.
Im Dorf soll es keine brauchbaren Restaurants geben. Aber eine Dame in der Nachbarschaft hat sich der Versorgung der Pilger verschrieben. Wir verabreden uns auf halb Neun bei ihr.
Mit den Franzosen ziehe ich los um noch eine Bar auf zu suchen. Eine von ihnen ist nicht gut zu Fuß. Daher geht sie morgens immer ein paar Meter mit den beiden andere und den Hunden mit, dreht dann um und fährt mit dem Auto an den Zielort, kauft ein, …
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Eine_Horde_Pilger_beim_Abendessen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42337&title=eine-horde-pilger-beim-abendessen&cat=500)
Das Abendessen ist sensationell! Erst eine Platte mit Wurst und Käse, dann eine Kohlsuppe und als Hauptgang ein Rindfleischeintopf mit Kartoffeln, Paprika und Curry. Superlecker! Als Nachtisch gibt es einen hausgemachten Kuchen. So sitzen wir lange bei ihr, trinken noch Wein und haben den ganzen Abend viel Spaß.

Werner Hohn
07.12.2011, 20:59
Ist es im Bereich des Möglichen, dass du zu den wenigen Menschen gehörst, die auf der Vía de la Plata zugenommen haben? Diese ewige Esserei! ;-) Und es ist erstaunlich, das es doch noch einen Menschen gibt, der die üblichen Pilgermenüs, na ja, ich sag mal, für gewöhnungsbedürftig hält. Ich dachte immer, ich wäre damit allein. Nudeln, Schuhsohle, Pommes, billigen Fusel und hinterher eine Creme aus dem Plastikbecher. Bääh!

Und seit wann dürfen Hunde in die Herbergen? Oder waren das private Häuser?

Lustig, wir haben dieselben Steinplatten fotografiert.

Juno234
07.12.2011, 21:11
Hallo Juno234.

In Caceres steigen recht viele ein. Das ist wohl so ein beliebter Einstiegspunkt wie Meriad oder Salamanca.
Für ein kälteres Jahr kann ich den Teil aber Tarifa nach Sevilla empfehlen. Also ich fand den toll! Sehr abwechslungsreich und ohne Pfeil mit der Garantie auf einsame Wanderungen mit echten Sahnehäubchen wie z.B. Medina oder Arco.
Viel Spaß damit!

Gruß Wafer

Mit deinem Vorschlag stößt du bei uns auf offene Ohren. Irgendwann werden wir bestimmt den Lückenschluß Almería - Cadiz/Sevilla machen....

Wafer
07.12.2011, 22:02
Hallo Werner.


Ist es im Bereich des Möglichen, dass du zu den wenigen Menschen gehörst, die auf der Vía de la Plata zugenommen haben? Diese ewige Esserei! ;-)

Nun, das Essen nicht so prikelnd zu finden liegt ja wohl auf der Hand. Das mit dem Zunehmen hat leider nicht geklappt. Ich habe 7 Kg abgenommen und kämpfe gerade darum sie wieder drauf zu kriegen. Ich denke auch eine Thema, mit dem sich nicht viele beschäftigen!


Und seit wann dürfen Hunde in die Herbergen? Oder waren das private Häuser?

Ganz einfach: Garnicht! Die Hunde haben in dem Auto geschlafen. Das war ein T5 (VW-Bus) vom Feinsten.

Gruß Wafer

Wafer
08.12.2011, 09:50
32. Tag: Vilar de Barrio - Ourense
Samstag, 12. November 2011
Strecke: 36 Km - Gesamtstrecke: 1.100 Km
Höhenunterschiede: ↑ 250 m, ↓ 650 m
Gehzeit: 9,5 h

Die Fußbodenheizung ist zwar nachts nochmal angesprungen aber der Feuchtigkeit ist sie nicht Herr geworden. So stehe ich morgens in der Toilette und blase mit dem Warmluftgebläse die Socken und die Schuhe trocken.
Nach einem kleinen Frühstück laufe ich los. Das Wetter ist so abwechslungsreich wie die Landschaft: Ging es gestern im Regen nur auf und ab so führt der Weg heute bei Sonnenschein über eine sehr fruchtbare und grüne Ebene.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Fruchtbares_Galizien.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42425&title=fruchtbares-galizien&cat=500)
Beim Blick zurück kann ich den Abstieg von gestern sehen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Abstieg_von_gestern_nach_Vilar_de_Barrio.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42419&title=der-abstieg-von-gestern-nach-vilar-de-barrio&cat=500)
Am Ende gibt es zwei kleine Pässe mit grandioser Aussicht!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Felsige_Wanderwege_mit_Aussicht_auf_Ourense.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42424&title=felsige-wanderwege-mit-aussicht-auf-ourense&cat=500)
Der jetzt folgende Weg könnte auch im Schwarzwald liegen: Auf und Ab durch Wälder mit plätschernden Bächen und buntem Laub.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Galizien_ist_sehr_Wasserreich.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42426&title=galizien-ist-sehr-wasserreich&cat=500)
Nach ein paar kleinen Weilern – die wären im Schwarzwald sicher größer – komme ich nach Xunqueira de Ambía. Ich nutzte den Ort zum Einkauf und gehe weiter. Hier gibt es auch "wegweisensend" Kunst aus Sandsteinen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Wegweisende_Kunst_an_der_Via_de_la_Plata.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42430&title=wegweisende-kunst-an-der-via-de-la-plata&cat=500)
Hinter dem Ort geht es wieder durch märchenhafte Wälder mit Flüssen und toller Aussicht auf den Bergkuppen. Hier gibt es dann auch die in den Führern so oft erwähnten Kornspeicher in größeren Mengen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Galizische_Kornspeicher.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42427&title=galizische-kornspeicher&cat=500)
Und es ist auch wieder eine Großbaustelle für die Schnellbahntrasse zu sehen. Die Streckenführung orientiert sich stark an der bestehenden Bahnlinie – nur eben wesentlich geradliniger.
Die Via führt auf einer Straße entlang, die bis Ourense nicht mehr verlassen wird. Am Anfang ist die Landschaft noch sehr schön.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Hier_f_hlen_sich_alle_wohl.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42429&title=hier-fuehlen-sich-alle-wohl&cat=500)
Dann werden die Orte größer und nähern sich an bis man schließlich in die Provinzhauptstadt mit über 100.000 Einwohnern kommt. Der viele Teer und die Höhenmeter, vorranging abwärts, haben mich ganz gut geschafft.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ankunft_in_Ourense.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42418&title=ankunft-in-ourense&cat=500)
Ich drehe mit Gepäck schon mal eine Runde durch die Stadt. Durch diese römische Bogenbrücke, die 56 Meter hoch ist, bekam Ourense eine überregionale Bedeutung.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_56_Meter_hohe_r_mische_Bogenbr_cke_in_Ourense.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42420&title=die-56-meter-hohe-roemische-bogenbruecke-in-ourense&cat=500)
Dann beziehe ich ein kleines Hostal bei der Kathedrale – morgen ist schließlich Sonntag, da hat der Spanier frei. Also ist heute Abend wieder schwer was los. Da brauche ich keine Herberge mit 22 Uhr Bettruhe und 6 Uhr wecken!
Man merkt deutlich, dass Ourense auf 144 Meter Höhe liegt: Hier wachsen noch Tomaten und Paprika in den Gärten, die weiter oben schon erfroren sind.
Vor dem Essen drehe ich noch eine Runde durch die Altstadt und lasse mich auf einem kleinen versteckten Platz hinter der Kathedrale nieder. Es ist ein überraschend warmer Abend und die Wirte stellen draußen immer mehr Tische auf.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Kathedrale_von_Ourense.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42421&title=die-kathedrale-von-ourense&cat=500)
Jetzt sind es nur noch runde 100 Km bis nach Santiago. Bei der endlos scheinenden Strecke kommt langsam ein Ende in Sicht. Auf der einen Seite schade, weil mir die Zeit ohne Termindruck und mit jedem Tag wandern sehr gut gefällt. Auf der anderen Seite freue ich mich auch meine Familie wieder zu sehen. Na, mit Finisterre kommen ja nochmal ca. 100 Km dazu und dann liegen ja noch ca. 15% der Strecke vor mir.
Ich gehe gegen ½ 10 Uhr los um mir was zum Essen zu suchen. Die Restaurants sind alle noch völlig leer. Bei einem gefällt mir die Karte sehr gut. Ich kriege aber keinen Platz weil alle Plätze reserviert seien. Da höre ich Trommeln die nächste Straße runterkommen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Eine_r_mische_Legion_zieht_durch_Ourense.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42423&title=eine-roemische-legion-zieht-durch-ourense&cat=500)
Eine römische Legion mit einem kirchlichen zieht durch die Straßen. Genau vor dem Restaurant halten sie an und gehen rein. Und schon ist es überfüllt.
An einem kleinen Platz mit Brunnen liegen mehrere Weinkneipen. Eine hat tolle Tapas. Nix wie rein! Die haben super Wein und tolle warme und kalte Tapas. Total Lecker! Die Pinte hat Pamplona-Niveau – wirklich toll. Alle paar Minuten kommt was Neues aus der Küche. Dann zieht einer der Kellner damit von Tisch zu Tisch und erläutert was es da gerade gibt. Klar, dass man da ständig probieren muss, oder? Da sind Super Sachen dabei: Schweinefilet mit Paprika und Käse überbacken, Gefüllter Tintenfisch, Pizzastücke mit Meeresfrüchten und Paprikawurst, Garnelenspieße mit Früchten und Frischkäse, …
Da brauche ich kein Restaurant mehr wenn das so weiter geht! Und es geht so weiter – und es läuft kein Fernseher!
2½ h später, oder sagen wir 3 Glas Wein und 11 Tapas später, ist an Abendessen nicht mehr zu denken. Das Lizarran scheint zwar eine Kette zu sein aber das Lokal in Ourense ist hervorragend!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_r_mische_Garnison_ist_immer_einen_Schritt_vorraus.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42422&title=die-roemische-garnison-ist-immer-einen-schritt-vorraus&cat=500)
Ich schlendere noch durch die Altstadt, sehe die Legionäre nochmal und bin dann weit nach Mitternacht im Bett.

33. Tag: Ourense - Oseira
Sonntag, 13. November 2011
Strecke: 32 Km - Gesamtstrecke: 1.132 Km
Höhenunterschiede: ↑ 875 m, ↓ 400 m
Gehzeit: 7,0 h

Zum Frühstück gehe ich in die Chocolateria direkt nebenan. Das ist mal ein Frühstück! Und da sagen viele in Spanien gäbe es kein vernünftiges Frühstück – gibt es dich! Nur viel zu selten. Wenn man hier eine heiße Schokolade bestellt, dann kommt auch ein. Und was für eine! Die ist so dickflüssig die traut sich kaum aus der Tasse raus. Der Bodensatz ist dann der reinste Schokoladenpudding. Lecker!
Kurz nach 10 komme ich dann endlich weg. Das Wetter sieht wechselhaft aus, ist aber aktuell trocken. Hier ist am Sonntag fast jeder zweite Laden offen. Und bei dem Bäcker gibt es nicht nur Brot sondern das ganze Sortiment. Die Puddinggefüllten Croissants mit Schokolade sind hervorragend, und nicht so süß wie erwartet.
Es geht stetig aufwärts. Leider steigt aber der Feuchtigkeitspegel nicht nur von innen. Der Blick auf Ourense ist schon toll. Die Siedlungen sehen hier aber auch nicht nach sozialem Wohnungsbau aus. Die Via führt auf einen Bergrücken und dann auf Feld-, Wald- und Wiesenwegen auf ihm entlang. Ab und zu grüßt mich sogar die Sonne - hier von hinten!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ab_und_An_gr_t_mich_auch_die_Sonne.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42431&title=ab-und-an-gruesst-mich-auch-die-sonne&cat=500)
So komme ich recht trocken nach Cea. Am Plaza de Espana steht ein Turm in der Mitte vom Platz.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Am_Plaza_de_Espana_in_Cea.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42433&title=am-plaza-de-espana-in-cea&cat=500)
Dem größten Schauer kann ich durch eine Pause in einer Bar ausweichen.
Leider kann ich dadurch über die Landschaft nicht allzu viel sagen. Viel Wald, Nebel und Regen. Da ist für Weitsicht oder Landschaftsbildern leider einfach kein Potential. Die Berge werden aber wieder etwas alpiner im Charakter. Nicht von der Höhe her aber oben haben sie felsige Zacken und auch die Pflanzen erinnern mich mehr an die Alpen als die Wälder auf den letzten Etappen.
Der weitere Weg nach Oseira führt erst durch einen märchenhaften Wald mit vielen Bächen und wild gewchsen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Einer_der_vielen_B_che_im_Wald.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42437&title=einer-der-vielen-baeche-im-wald&cat=500)
Dort gibt es tolle alte Brücken. Bei uns wären das rausgeputzte Schmuckstücke.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Alte_Br_cke_im_Wald.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42432&title=alte-bruecke-im-wald&cat=500)
Dann wandere ich an einem Sträßchen entlang bis zum Kloster Monasterio de Oseira.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ich_komme_am_Kloster_Monasterio_de_Oseira_an.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42438&title=ich-komme-am-kloster-monasterio-de-oseira-an&cat=500)
Das erste Kloster auf meinem Weg, in dem ich übernachten kann. Das war auf meinem Jakobsweg durch die Schweiz und über die Via Gebennensis und die Via Podiensis (http://outdoorseiten.net/forum/showthread.php?50250)ganz anders! Überhaupt ist der Kontakt zu Kirche und Religion hier in Spanien bisher sehr überschaubar.
Ich komme wiedermal als einziger Pilger in der Herberge des Klosters unter. Das ist ein großer Raum in einem alten Gebäude des Klosters mit 40 Betten, warmen Duschen aber ohne Heizung und Küche.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Herberge_im_Kloster.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42436&title=die-herberge-im-kloster&cat=500)
Die Duschen liegen allerdings in einem anderen Gebäude. Wenn man im Shop - zu Öffnungszeiten! - fragt, wird man zu einem Innenhof geführt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/An_diesem_Innenhof_liegen_die_Duchen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42434&title=an-diesem-innenhof-liegen-die-duchen&cat=500)
Von dort geht es dann zu den spartanischen Duschräumen. Feuchträume und alte Gemäuer passen nicht wirklich gut zueinander!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Spartanische_Duschr_ume.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42440&title=spartanische-duschraeume&cat=500)
Und man hat die Gelegenheit die Laude, die Abendmesse der Mönche, zu besuchen. Leider sind die Mönche hier nicht sehr kommunikativ. Das mag ja ein Stück weit an meinem Spanisch liegen aber die waren schon sehr zurückhaltend.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Hauptbau_des_Klosters.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42435&title=der-hauptbau-des-klosters&cat=500)
Das Kloster wurde von den Mönchen meist in Eigenarbeit aus Ruinen heraus wieder in den aktuellen Zustand versetzt. Respekt!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/In_diesem_Bau_leben_die_M_nche_von_Oseira.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42439&title=in-diesem-bau-leben-die-moenche-von-oseira&cat=500)Direkt vor dem Kloster gibt es zwei Bars. In der, die nicht am Eck sitzt, kann man abends eine Kleinigkeit essen, einfach aber gut.

Wafer
08.12.2011, 15:21
Lustig, wir haben dieselben Steinplatten fotografiert.

Hallo Werner.
Ich habe mir deinen Bericht (http://outdoorseiten.net/forum/showthread.php?18531) darauf hin nochmal angesehen. Ich konnte keine gleichen Steinplatten entdecken. Aber dir war der Wettergott in Galizien ja wirklich zugetan! Wenn ich mir das so im Vergleich anschaue muss ich da wohl nochmal hin und mir das bei strahlendem Sonnenschein mal ansehen. Na, ich habe ja noch die Gelegenheit wenn ich "meinen Jakobsweg" (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?50250) ab Sahagun fertig mache.
Gruß Wafer

Werner Hohn
08.12.2011, 19:29
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Liebervoll_gebauter_Weg.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42314&title=liebervoll-gebauter-weg&cat=500)

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/28/26-6.jpg

'n Abend Wafer,

das sieht doch stark nach derselben Stelle aus. Der auf deinem Fotos sichtbare drittletzte Stein, ist bei mir nicht zu sehen, weil ich runter in die Knie gegangen bin.

Ja, das Wetter war tatsächlich bedeutend besser. Anderthalb Tage Regen in 4 Wochen, und die Frau, die sich weiter hinten im Bericht gemeldet hat, hatte nur ein paar Stunden Regen. Auch die war im März unterwegs.

Werner

Wafer
08.12.2011, 22:03
Hallo Werner.

Respekt! Ich bin mir nicht sicher ob ich das erkannt hätte! Du hast ein gutes Auge für Motive - sonst wären deine Bilder auch nicht so erstklassig - und ein gutes Gedächtnis sowie ein gutes Gefühl für die Perspektive.

So, ich wollte heute noch den vorletzten Tag fertig stellen. Der ist aber etwas länger weil an dem letzten Abend vor Santiago wohl doch die Gedanken etwas abwscheifen und man einige Dinge nochmal revue passieren lässt.

Gruß Wafer

Wafer
09.12.2011, 11:56
34. Tag: Oseira - Bandeira
Montag, 14. November 2011
Strecke: 45 Km - Gesamtstrecke: 1.177 Km
Höhenunterschiede: ↑ 275 m, ↓ 700 m
Gehzeit: 10,0 h

Über Nacht wurde es gar nicht so kalt wie erwartet. Die dicken Klostermauern sorgen eben nicht nur für Ruhe und Abgeschiedenheit bei den Mönchen sondern auch für eine erträgliche Raumtemperatur sowohl im Sommer als auch im Winter. Noch dazu begrüßt mich der Morgen mit blauem Himmel – ein selten gewordener Anblick! Nach dem Frühstück in der Eckbar – die andere war zu – breche ich gegen 9 Uhr auf.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Das_Kloster_beim_verlassen_des_Ortes.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42464&title=das-kloster-beim-verlassen-des-ortes&cat=500)
Hinter dem Kloster geht es ein paar Meter die Straße entlang und dann über wunderbare Wanderwege weiter durch das hügelige Galizien.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Blick_zur_ck_auf_die_Berge_um_Oseira.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42463&title=blick-zurueck-auf-die-berge-um-oseira&cat=500)
Die Landschaft in diesem menschenverlassenen Tal – Gott ist ja noch da! – ist einfach grandios! Die alten Mönche wussten schon wo sie ihre Klöster in schöner Landschaft hin bauen können. Durch Felder und Wiesen geht es auf und ab über Hügelrücken von kleinen zu kleinsten Weilern.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Wunderbarer_Wanderweg_durch_die_Berge.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42469&title=wunderbarer-wanderweg-durch-die-berge&cat=500)
Hier scheinen nur noch ältere Menschen zu leben. Jugendliche sehe ich hier keine. Mal wird eine Straße gestreift aber sofort wieder verlassen.
Der Weg, meist durch Mauern aus Steinen begrenzt, führt leider auch wieder zu größeren Siedlungen, und damit auch wieder zur N525. Rund um O Castro Dozón ist man gute 10 Km auf oder an ihr unterwegs. Und dann kommt auch wieder die Autobahn in Sicht. Ganz ehrlich: Ich habe die beiden die letzten Tage nicht wirklich vermisst!
In einem Garten steht eine Statue des Apostels Jakobus in einem aufwändig gestalteten Garten.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Privater_Garten_mit_Statue.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42465&title=privater-garten-mit-statue&cat=500)
Auch die Hochgeschwindigkeitsstrecke der RENFE kreuzt hier mehrfach meinen Weg. Die Strecke Santiago – Ourense scheint schon in Betrieb zu sein. Sie stört aber weniger als die Autobahn.
Zum Mittagessen kehre ich in einer Bar beim Bahnhof Lalin, hier ein eigener Teilort, ein.
Aber auch hier führt die Via durch tolle abwechslungsreiche Landschaft. So kurz vor Schluss gibt sich Galizien noch mal so richtig Mühe! Die Via führt mal über offen Landschaft und dann wieder durch ein verwunschenes Wäldchen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Wunderbare_Waldwege.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42468&title=wunderbare-waldwege&cat=500)
In Laxe weiche ich einem kleinen Schauer durch einen Barbesuch aus. Zu meinem bestellten Radler wird mir als Pilger noch ein Eintopf daneben gestellt. Zu schade, dass ich bei der Fischsuppe vorhin gleich zwei Mal Nachschlag genommen habe – ich kriege kaum was von dem leckeren Eintopf rein. Da kriegt man so was Gutes extra und dann muss man die Hälft stehen lassen, wie peinlich!
Als die Sonne wieder scheint geht es weiter. Immer auf schönen Wegen komme ich zu einer alten Römerbrücke: Der Puente Taboada.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Puente_de_Taboada.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42466&title=puente-de-taboada&cat=500)
Und zum x-ten Mal gehe ich wieder ein Stück an der Bahnlinie entlang. Durch einen wunderbaren Wald komme ich nach Silleda. Irgendwie habe ich aber heute noch keine Lust schon Schluss zu machen. So hänge ich noch ein paar Meter nach Bandeira dran. Der Weg führt abseits der Straße durch die Lande. Zum Abschluss eines tollen Tages kriege ich noch einen schönen Sonnenuntergang geboten.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Sonnenuntergang_bei_Bandeira.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42467&title=sonnenuntergang-bei-bandeira&cat=500)
Die Herberge steht 3 Km außerhalb des Ortes, daher ziehe ich ein kleines Hotel in der Dorfmitte vor. Für heute reicht es dann aber auch. Die letzten Km waren doch länger als gedacht. Auch durch die Autobahnen und Schnellstraßen rund um Bandeira.
Jetzt liegt Santiago mit 31 Km sogar in Schlagdistanz für morgen. Wenn es morgen schön ist gehe ich durch, wenn es regnet mache ich das in 2 Tagen in der Hoffnung auf schönes Wetter bei der Ankunft.
Galizien fasziniert mich irgendwie! Ich kriege hier zwar mit Abstand den meisten Regen ab aber das trübt die Faszination nur ein wenig und ist mehr eine Frage der Kleidung und der Einstellung. Die Landschaft ist extrem abwechslungsreich und überzeugt mich auch durch eine sehr kreative Wegführung. Hinter jedem Hügel sieht es anders aus und auch die Dörfer und Städte sind sehr verschieden. Vielleicht liegt es aber daran, dass mir diese Art mehr liegt: Berge, Wälder, Wanderwege, …
Nur mit deren Sprache komme ich nicht so zurecht. Plötzlich verstehe ich so einfache Dinge wie Zahlen nicht mehr. Der Führer hat ja immer geschrieben, dass hier das Gällische durchkommt aber dass es sogar bei solchen Basics hapert… Dafür nimmt der Anteil der französischverstehenden wieder zu. Das ist für mich doch auch erfreulich, weil: Englisch spricht hier immer noch keiner. Aber das wird sich vermutlich in Santiago ändern. Dort sind sie ja Unmengen von Pilgern gewöhnt. Wenn ich richtig mitgezählt habe, dann waren das auf den bisher knappen 1.200 Km 35 Pilger, dich ich getroffen habe. Auf dem Camino Frances ist das die Menge von einem Vormittag! Und auch da war ich in der „Nebensaison“ unterwegs.
Was mir an der Via de la Plata noch auffällt, im Vergleich zum Camino Frances: Wenn man hier Änderungswünsche ans Essen hat sind die hier einfach flexibler. Hier besteht ein Pilgermenü meist aus einer Auswahl von mehreren Essen. Auf dem Camino gibt es ein Standardessen und fertig. Abweichungen davon gab es selten. Und wenn musste man mindestens zu sechst sein, damit die Küche überhaupt reagiert. Ich habe das Gefühl, die sind hier noch viel mehr am Einzelnen und am Menschen interessiert. Auf der anderen Seite fehlt hier noch etwas der Wille mit dem Pilgerstrom auch etwas anzufangen. Hier gab es noch recht wenig private Initiative am Weg. So etwas wie die Großmutter aus Namibia in Villar de Farfón. Aber das ist vielleicht auch der Charme und der Unterschied zwischen den beiden Wegen. Dann ist aber der Schritt in Richtung Kommerz, der beim Camino schon eine Weile erreicht ist, nicht mehr weit.
Der Weg zum Ende der Welt – Finisterre – wird ja von allen begangen. Die Via wie ich sie kennen gelernt habe endet also morgen oder übermorgen. Und auch schon in Santiago werde ich der Sonderling sein, der nicht über den Camino kam und niemanden kennt. Ein Stück weit war ich das auch auf der Via: Ich habe keinen kennen gelernt, der außerhalb der Route Sevilla – Santiago begonnen hat. Aber jeder hat verstanden, dass man die „Südroute“ der Jakobswege auch ganz im Süden anfängt.
Ich habe nochmal Kontakt mit Marc aufgenommen. Wir wollten uns nochmal treffen. Vielleicht klappt es ja wenn ich vom Ende der Welt zurück bin. Eine Bekanntschaft auf der Via hat für mich eine andere Bedeutung als damals eine auf dem Camino Frances. Ich würde die Via de la Plata eher mit der Via Gebennensis vergleichen – zumindest vom Pilgeraufkommen her. Der Weg durch die Schweiz hatte eigentlich keine wirklichen Pilger mit Ziel Santiago. Da war es ein lokaler Wanderweg mit Thema. Ab Genf hatte sich das vollig geändert. Und ab Le Puy war es vom Pilgeraufkommen zwischen der Via de la Plata und dem Camino an zu siedeln. Aber nur vom Pilgeraufkommen her. Landschaftlich, kulturell oder von den Erlebnissen her kann man die Wege so nicht vergleichen. Da ist jeder einzigartig und jeder für sich etwas Besonderes. Und ich hoffe, dass die Via de la Plata seinen Charakter bewahren kann!
Auch der Austausch ist hier auf der Via intensiver gewesen. Vielleicht weil man nicht ständig jemanden zum Reden hatte? Oder weil viele Gedanken Zeit hatten „zu reifen“ ohne durch eine „frühe Geburt“ unfertig ausgetauscht zu werden? Vielleicht auch weil es etwas Besonderes ist, jemanden zu treffen mit dem man sich austauschen kann? Sei es nun von der Menge oder auch vom Sprachlichen her.
Ich hatte auf der Via auf jeden Fall mehr Zeit für mich. Der Camino war mehr Urlaub vom Job, hier war mehr ursprünglichkeit und Ruhe und damit mehr Anstoß mehr über mich und mein Umfeld nach zu denken.
Was spukt mir denn heute alles im Kopf rum? Noch bin ich doch auf der Via! Und ich weiß noch nicht ob ich morgen überhaupt schon ankommen will. Aber es ist wohl an der Zeit sich mit dem „Ende der Via“ zu befassen. Nur trifft es mich heute Abend etwas unerwartet – obwohl es sich in Ourense schon etwas angekündigt hat.
Wenn ich heute so zurückblicke würde ich die Via in verschiedene Hauptetappen einteilen:

Teil: Tarifa – Sevilla
Den Weg hat so noch keiner gemacht. Eigene Wegfindung, keine Wegvorgaben. Sehr südlich-heißer Charakter
Teil: Sevilla – Banos de Montemayor
Erster Teil der Via de la Plata, wenige Pilger, sehr südlicher Charakter, recht einheitliche Vegetation, zwar durchaus Wechsel in der Landschaft aber eher in größeren Abständen.
Teil: Banos de Montemayor – Puabla de Sanabria
Der Beginn der Laubbäume bringt Abwechslung in der Vegetation mit sich, durchaus öfter mal Wechsel in der Landschaft und Kultur
Teil: Puebla de Sanabria – Santiago de Compostela
Sehr abwechslungsreiche Berglandschaft, sehr wechselhaftes Wetter, ständige wechselnde Eindrücke – fast im Stundenbereich.
Teil: Santiago de Compostela – Finisterre
Der Teil kommt ja noch. Aber hier erwarte ich ein wesentlich erhöhtes Pilgeraufkommen.


Warum mache ich mir heute Gedanken über dieses Thema? Ist es das „nahe Ende“? Hätte ich mir das mehr im Vorfeld machen sollen? Hätte ich das können? Der 5. Teil war für mich immer klar abgegrenzt. Der erste auch. Aber der Rest nicht. Die unerwartete Möglichkeit morgen in Santiago zu sein hat das wohl ausgelöst.
Was haben mir diese 1.200 Km gebracht? Grundsätzlich würde ich die folgenden Themen nennen:

Mein Gott geht es uns gut! Aus unserer Sicht der Dinge! Aber ist die immer die Richtige? Die Oma, die ihre Kräuter von ihrem Gütle holt und strahlt weil wir uns kurz unterhalten oder sie etwas sieht was ihr gefällt. Ich hatte das Gefühl, die ist Glücklich. Aber wäre sie das immer noch wenn wir sie mit unserem Wissen bzw. unserer Gesellschaft „beglücken“? Will sie das überhaupt? Sind wir nicht manchmal viel zu viel damit beschäftigt jemanden davon zu überzeugen, dass unser Weg der richtige ist? Und schauen uns viel zu wenig die andere Seite als Ganzes an? Merken wir überhaupt wie gut es uns geht? Oder sind wir soweit Weltmeister im „Höher, Besser, Schneller, Weiter“ dass wir das gar nicht mehr einschätzen können?
Neben mir liegt eine Postkarte an meine Frau. Da stehen Themen drauf, die hätte ich durchaus auch im Alltag mal thematisieren können. Haben wir da immer die richtigen Prioritäten? Ich denke hier habe ich noch eine Baustelle die weit über die Zeit der Via hinausreicht.
Habe ich in letzter Zeit ausreichend Zeit mit meinen „echten“ Freunden verbracht? Wer hat mich Jahre lange begleitet und habe ihn dann aus den Augen verloren weil ich vielleicht die falsche Brille auf hatte? Auf diesem Weg sind mir viele Namen und Gesichter durch den Kopf gegangen an die ich seit Jahren nicht mehr gedacht habe.
Gedanklich war ich viel bei der EU und was sie Spanien und dem Rest bringt. Anstoß hierfür ist die omnipräsente Darstellung der EU-Unterstützung. Das kenne ich aus keiner anderen Region. Und natürlich die Frage was die Spanier damit anfangen, ob es sie weiter bringt oder eher behindert. Ich denke hier kann man trefflich diskutieren und Gedanken austauschen – würde ich aber im Rahmen von ODS nicht tun wollen.

Warum brauche ich eine Auszeit um diese Themen für mich zu sortieren? Weil ich mir bisher nie die Zeit und den Themen auch nicht die Priorität gegeben habe! Die Via hat mir Denkanstöße gegeben zu Themen, die mich – hoffentlich – noch eine Weile nach der Via beschäftigen werden.
So, für heute reicht es. Wenn es mir morgen noch nicht reicht mache ich aus den verbliebenen 33 Km eben zwei Tage und mache morgen weiter. Gute Nacht!

Wafer
09.12.2011, 20:24
35. Tag: Bandeira - Santiago de Compostella
Dienstag, 15. November 2011
Strecke: 33 Km - Gesamtstrecke: 1.210 Km
Höhenunterschiede: ↑ 575 m, ↓ 650 m
Gehzeit: 7,0 h

Heute Morgen habe ich blauen Himmel und Sonnenschein. Der Wetterbericht hatte eigentlich was anderes gesagt. Also nichts wie Sachen zusammenpacken, frühstücken und los. ¼ vor 9 bin ich startklar. Galizien zeigt sich nicht nur mit dem Wetter von der schönsten Seite. Tolle Wege, schöne Landschaft. Es ist sehr kurzweilig so zu wandern.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Sch_nes_Galizien_hinter_Bandeira.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42519&title=schoenes-galizien-hinter-bandeira&cat=500)
Nach einigen Dörfern nähere ich mich dem Tal des Rio Ulla.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Das_Tal_des_Rio_Ulla.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42511&title=das-tal-des-rio-ulla&cat=500)
Der Führer ist ganz begeistert von der Eisenbahnbrücke: „Schon von oben ist das mächtige, 219 m lange und 86 m hohe Eisenbahnviadukt zu sehen.“. Als ich näher komme habe ich die Auswahl zwischen 2 Viadukten.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/2_Generationen_Eisenbahngeschichte.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42509&title=2-generationen-eisenbahngeschichte&cat=500)
Das alte ist zwar noch zu sehen aber das neue von der Hochgeschwindigkeitsstrecke steht direkt davor. 60 Jahre Eisenbahnentwicklung liegen da dazwischen.
Bei Ponte Ulla überschreite ich die alte Brücke über den Rio Ulla. Von der Brücke sieht man auch noch die Brücken der Autobahn und ganz präsent die Brücke der Nationalstraße N525.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Noch_eine_Br_cke_bei_Ponte_Ulla.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42518&title=noch-eine-bruecke-bei-ponte-ullafuer-die-n525&cat=500)
Damit betrete ich die letzte der Provinzen auf meiner Reise: A Coruna. Ändern tut sich eigentlich nichts. Galizien ist immer noch sehr schön!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Fruchtbares_Land_Galiziens.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42517&title=fruchtbares-land-galiziens&cat=500)
Ich quere heute 6 mal die alte Eisenbahnlinie. Die will ich auf der Heimreise auf jeden Fall fahren! Schließlich begleitet mich die Linie seit Puebla de Sanabria oder noch früher. Da kann ich dann drin sitzen und völlig entspannt die ganze Tour nochmal rückwärts anschauen. Da hat die Via de la Plata dem Camino doch klar etwas voraus!
Ich komme in Outeiro an der letzten Herberge vor Santiago vorbei. In A Susanna mache ich Mittagspause. Die Entfernung nach Santiago ist jetzt nur noch einstellig. Solche Zahlen bin ich gar nicht gewohnt. Dann muss ich aber leider die Jacke anziehen und die Bewölkung wird dichter.
In der Ferne ist der Pico Sacre zu sehen, ein Heiligtum der Galizier.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Pico_Sacre_-_Ein_Heiligtum_der_Galizier.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42512&title=der-pico-sacreein-heiligtum-der-galizier&cat=500)
Es geht in ein letztes Tal hinunter bevor ich die Kathedrale und die Stadt Santiago sehen kann. Hier blühen die Hortensien Mitte November vor den Häusern in O Sisto.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Bl_hende_Hortensien_mitt_November_in_O_Sisto.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42510&title=bluehende-hortensien-mitt-november-in-o-sisto&cat=500)
Dann geht es den letzten Anstieg hinauf. Und prompt fängt es an zu regnen. Also Regenzeug wieder auspacken. Schade, war nix mit Ankunft im Sonnenschein. Jetzt noch einmal übernachten macht auch keinen Sinn mehr! Und dann liegt Santiago de Compostela mit seiner Kathedrale vor mir.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_erste_Blick_auf_die_Kethedrale_von_Santiago_de_Compostela_-_leider_bei_Regen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42515&title=der-erste-blick-auf-die-kethedrale-von-santiago-de-compostelaleider-bei-&cat=500)
Es geht noch einmal zu einem Bach hinab und dann durch die Stadt hinauf zur Altstadt. Als erstes natürlich zur Kathedrale und die umrunden.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Kathedrale_von_Santiago_de_Compostela.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42516&title=die-kathedrale-von-santiago-de-compostela&cat=500)
Dann hole ich mir die Compostela im Pilgerbüro. Die haben hier ein Ticketsystem aufgebaut. Die scheinen hier zu Stoßzeiten richtig viel Stress zu haben. Von den 8 Schaltern sind 3 offen und die Mitarbeiter am Schalter haben nicht sehr viel zu tun. Ich treffe aber in der ersten Stunde hier in Santiago mehr Pilger als auf dem ganzen Weg hierher. Dann suche ich mir eine Unterkunft. Ich komme in der ältesten Herberge von Santiago unter. Sie wurde von König Ferdinand und Königin Isabella gegründet!
Dann geht es noch ohne Gepäck ausgiebig durch die Stadt. Am Abend besuche ich die Messe. Es sind etliche Pilger da. Heute wird auch der große Weihrauchkessel geschwungen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Weihrauchkessel_wird_geschwungen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42513&title=der-weihrauchkessel-wird-geschwungen&cat=500)
Das haben die früher wohl gegen den Geruch der Pilger jeden Tag gemacht.
Heute nur noch zu einigen wenigen Feiertagen. Vor ein paar Tagen ist wohl eine hohe Persönlichkeit von Santiago gestorben und die Familie soll für diese Zeremonie bezahlt haben. Da habe ich mal wieder richtig Glück gehabt!
Die brauchen ca. 10 Mönche um das Teil sauber schwingen zu lassen. Das Seil ist 35 Meter lang und der Kessel übermannshoch.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/10_M_nche_um_den_Weihrauchkessel_schwingen_zu_lassen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42508&title=10-moenche-um-den-weihrauchkessel-schwingen-zu-lassen&cat=500)
Der Kessel soll auch schon mehrfach über sein Ziel hinausgeschossen sein.
Abends schließe ich mich einer Gruppe von Pilgern zu einem gemeinsamen Abendessen an. Es wird mächtig viel gelacht und es wird auch reichlich spät.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_erste_Abend_an_Santiago_de_Compostela.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42514&title=der-erste-abend-an-santiago-de-compostela&cat=500)
Sobald ein Pilger das Lokal betritt steht meist mindestens einer auf und begrüßt ihn. Die kennen sich alle vom Camino Frances. Ich bin hier, wie erwartet, der Paradiesvogel, den keiner kennt. Es sind doch erstaunlich viele dabei, die nicht in St. Jean Pied de Port gestartet sind sondern längere Strecken absolviert haben. Einige sind auch wirklich bei sich zuhause gestartet- so wie sich das eigentlich gehört. Die Nationalitäten sind bunt gemischt, kaum eine Nationalität ist doppelt vertreten. Über 90% aller Pilger, die in Santiago ankommen haben den Weg über den Camino Frances genommen. Der Rest verteilt sich auf den Camino Northe, die Via de la Plata und den Portugisischen Weg.


36. Tag: Ruhetag in Santiago de Compostela
Mittwoch, 16. November 2011

Heute wartet eine besonders schwere Aufgabe auf mich: Ruhetag! Nach 35 Tagen nur in Bewegung ist das keine leichte Aufgabe für mich!
Ich buchen die Heimreise - wie gedacht mit dem Talgo, dem Zug von Santiago nach Zamora auf der alten Strecken parallel zur Via de la Plata.
Bei am Vormittag leicht verregnetem Wetter ziehe ich durch Santiago. Dann kommt noch die Sonne raus. Die Altstadt strotzt geradezu vor alten Gemäuern.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Noch_ein_netter_Altbau.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42530&title=noch-ein-netter-altbau&cat=500)
Grandiose Bilder sind da leider kaum zu machen. Trotzdem stelle ich hier mal das eine oder andere mit rein.
Das Nordportal der Kathedrale
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Das_Nordportal_der_Kathedrale.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42526&title=das-nordportal-der-kathedrale&cat=500)
Einige Altbauten verfügen über einen grandiosen Innenhof - wie hier ein Gebäude der Universität.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Toller_Innenhof.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42531&title=toller-innenhof&cat=500)
Der Eingang des Parador-Hotels, direkt neben der Kathedrale.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Eingang_zum_Hotel_Parador.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42529&title=eingang-zum-hotel-parador&cat=500)
Dieses Hotel lädt übrigens aus alter Tradition jeden Tag 10 Pilger mit einer Compostela die nicht älter als 3 Tage ist um 9 Uhr zum Frühstück, um 12 Uhr zum Mittagessen und 10 weitere Pilger um 19 Uhr zum Abendessen ein. Man muss sich mit der Compostela und Personalausweis zwischen Restaurant-Eingang und Tiefgarage zu den genannten Uhrzeiten einfinden. Die 10 ersten werden dann eingelassen. Es geht dann durch einen Dienstboteneingang in die Küche wo man dann das Essen bekommt.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Bei_der_Essensausgabe_im_Parador.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42525&title=bei-der-essensausgabe-im-parador&cat=500)
Gegessen wird in einem dafür extra eingerichteten Speisesaal. Das Essen ist sehr gut!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Speisesaal_f_r_die_Pilger.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42527&title=der-speisesaal-fuer-die-pilger&cat=500)
Ich habe einen Pilger aus Berlin kennen gelernt, der ohne Geld vor etlichen Monaten in Berlin gestartet ist und über Niederlande, Belgien und Frankreich hierher gekommen ist. In Bordeaux hat er einen Franzosen kennen gelernt, den er überzeugt hat mit zu kommen. Seither sind sie zu zwei unterwegs und unterhalten sich in Englisch. Die Kleider sind etwas mitgenommen aber er strahlt mich an als habe er bei Olympia gewonnen. Wenn das Geld knapp wurde hat er mit Jonglieren und anderen Darbietungen Geld gesammelt bis es bis zur nächsten größeren Stadt wieder gereicht hat. Ein anderer hat Marionetten und seine Gitarre weit über 1.000 Km getragen um damit seine Kasse auf zu bessern. So findet jeder seine Art den Weg zu gehen.
Am Abend drehe ich noch eine Runde und gehe dann mit einer Gruppe Pilger in eine Tapa-Bar. Auch der zweite Abend wird sehr anregend und lang. Auf dem Weg ins Bett komme ich nochmal an der hell erleuchteten Kathedrale vorbei.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Kathedrale_bei_Nacht.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42528&title=die-kathedrale-bei-nacht&cat=500)

Wafer
10.12.2011, 18:28
37. Tag: Santiago de Compostela - Negeira
Donnerstag, 17. November 2011
Strecke: 24 Km - Gesamtstrecke: 1.234 Km
Höhenunterschiede: ↑ 525 m, ↓ 600 m
Gehzeit: 5,0 h

Ich starte heute Morgen nach einem ausgiebigen Frühstück. Die Etappe ist heute nicht so lang. Da kann ich mir noch etwas Zeit lassen. Als ich Santiago verlasse liegt noch ein leichter Morgennebel auf der Kathedrale.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Kathedrale_im_Morgennebel.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42606&title=die-kathedrale-im-morgennebel&cat=500)
Wie erwartet ist auf dem Weg nach Finisterre doch mehr los als auf der Via de la Plata. Aber so viele wie erwartet sind es dann doch auch nicht. Ich wandere mit Andrea, einer Deutschen und Marina, einer Französin. Marina erzählt mir von einem anderen Pilger, der gestern nach Finisterre gestartet ist und auch über die Via gekommen sein soll. Wir sind wohl so etwas wie Exoten, von denen man sich erzählt! Wenn ich von der Via erzählt habe waren die einen sofort begeistert oder, die anderen, gar nicht interessiert. Etwas dazwischen habe ich nicht angetroffen. Bei der Via gibt es eben nur „entweder“ „oder“.
So wie bei dem Blick zurück auf Santiago de Compostela habe ich mir das Ankommen vorgestellt!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Blick_zur_ck_auf_Santiago_de_Compostela.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42605&title=der-blick-zurueck-auf-santiago-de-compostela&cat=500)
Die Sonne scheint und die Wege sind zum großen Teil wunderbare Wanderwege durch die wechselhafte Landschaft von Galizien. Die Wälder sind meist Eukalyptuswälder mit vielen Farnen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Traumhafte_Wege_durch_Eukalyptusw_lder.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42609&title=traumhafte-wege-durch-eukalyptuswaelder&cat=500)
Für mich ist es recht ungewohnt in der Gruppe zu gehen. Bei anstrengenderen Passagen, wie bei dem Aufstieg zum Alto de Mar de Ovellas geht jeder sein eigenes Tempo und man trifft sich bei der nächsten Pause wieder.
Der Weg zur Küste – manchmal auch Via Muxia genannt, führt durch ein wunderschönes Dorf mit der Puente Maceira. Vor der Brücke machen wir eine Pause. Hier posiert Marina für ein Bild.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Marina_an_der_Puente_Maceira.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42608&title=marina-an-der-puente-maceira&cat=500)
Das Dorf an der Brücke ist Tip-Top in Schuss. Es ist eines der schönsten hier auf dem Weg.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Manche_D_rfer_sind_ganz_toll_hergerichtet.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42607&title=manche-doerfer-sind-ganz-toll-hergerichtet&cat=500)
Neben der Brücke liegt ein Restaurant, das aber leider geschlossen hat.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Auf_der_Puente_Maceira.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42604&title=auf-der-puente-maceira&cat=500)
Ein letzter Blick auf die Brücke und wir verlassen den Flecken.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Und_so_sieht_die_Puente_Maceira_von_der_Seite_aus.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42610&title=und-so-sieht-die-puente-maceira-von-der-seite-aus&cat=500)
Die Herberge von Negeira, die im Führer steht, liegt wieder einige Kilometer außerhalb. Daher entscheide ich mich für die private Herberge „San Jose“ direkt in Negeira. Die ist gerade mal ein Jahr alt und ist super in Schuss. Die Hospitalera, die auf Anruf kommt, bietet uns 2 Alternativen an: Die große Herberge oder eine Wohnung mit mehreren Zimmern. Wir nehmen das Apartment – mit mehreren Bädern und Badewanne! Lässt sich auch besser heizen als die große Herberge. Da hätten wir uns verloren. Ich erkundige mich dann noch ob sie auch Deutsch spricht weil ich noch wissen will wo man gut essen kann. Nun, sagt sie, ein wenig! Von wegen ein wenig – sie hat über 20 Jahre in der Schweiz gewohnt und spricht perfekt! So kriegen wir dann mehrere Tipps.
Wir entscheiden uns alle erst mal an zu sehen. Der eine ist geschlossen, einen anderen finden wir nicht und mit dem dritten sind wir ganz zufrieden. Als wir dann in der Bar sitzen und vorsichtig den Barmann fragen ob er auch Englisch könne meint er: Ein wenig! Nach dem zweiten Satz frage ich ihn wo er denn so gut Englisch gelernt habe. Nun, meint er, er sei eigentlich aus England. Die in Negeira sind alles sprachliche Tiefstapler!

38. Tag: Negeira - Santa Marina
Freitag, 18. November 2011
Strecke: 22 Km - Gesamtstrecke: 1.256 Km
Höhenunterschiede: ↑ 575 m, ↓ 400 m
Gehzeit: 6,5 h

Das Frühstück fällt heute Morgen wieder sehr spanisch aus: Nur ein Keks zum Kaffee. Keine heiße Schokolade, nichts. Das ist selbst für spanische Verhältnisse mager. Die Sprachen sind hier schon angekommen, die Frühstückskultur noch nicht! Na gut, dann gibt es eben im nächsten Ort ein zweites!
Bei leicht bedecktem Himmel geht es sehr viel durch Wälder und stetig bergauf. Leider wird das Wetter auch stetig schlechter. Etwas abseits des Weges finde ich eine Bar die ein sehr gutes Frühstück serviert. Na also, geht doch! Ich beobachte während des Frühstücks eine Hausschlachtung des Nachbarn.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Schlachtung_auf_dem_Land.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42612&title=schlachtung-auf-dem-land&cat=500)
So richtig Hygienisch sieht mir das aber nicht aus! So mit Hund daneben und die Kleidung, …
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Hausschlachtung_-_nicht_die_h_chsten_hygienischen_Standards_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42611&title=hausschlachtungnicht-die-hoechsten-hygienischen-standards-21&cat=500)
Als ich weiterziehe beginnt es wieder leicht zu regnen. Die Sicht ist mehr als mau. Im nächsten Dorf treffe ich dann auch prompt Andrea bei einem zweiten Frühstück wieder. Jeder versucht dem Regen ein Schnippchen zu schlagen.
In Santa Marina treffen wir dann auch Marina wieder, mit Jean-Pierre, einem Franzosen. Sie schaut sich den Ort und die kleine Kirche genau an: Es gäbe nicht viele Orte die so hießen wie sie und dann auch noch heilig seien! In der nächsten Bar wollen wir dem Regen nochmal ausweichen. Nach dem Kaffee schüttet es dann aber in Strömen. Als es so gar nicht nachlässt entschließen wir uns zu bleiben. Die Bar hat auch Zimmer. Diese Zimmer sind ein ganz tolles kleines Nebenhaus. Klasse Küche mit einem Ofen im offenen Kamin, einem Wohnzimmer und zwei Schlafzimmern. Echt super! Leider keine Heizung. Und den Kamin kriegt der Wirt auch nach einer Stunde nicht an. Der Wind sei sehr stark und wenn er aus der falschen Richtung kommt kriegt er den Ofen einfach nicht an. Es geht aber mittlerweile doch auf Ende November zu und ganz ohne Heizung ist es viel zu kalt. Ich erinnere mich an einen Aushang vor ein paar hundert Metern am Weg: Da war von einem Abholservice und einem Hotel die Rede. Ich gehe raus um den Aushang zu suchen und bin innerhalb kürzester Zeit nass bis auf die Knochen. Man das schüttet vielleicht! Und das Teil hängt doch weiter weg als gedacht. Aber es klappt. Wir werden abgeholt! Und Heizung soll es dort auch geben. Schade um das kleine Häuschen aber bei den Temperaturen geht es leider nicht ohne Heizung. Der Wirt gibt uns sogar das Geld wieder zurück – anständig! Auch er spricht übrigens sehr gut deutsch. Die Sprachkenntnisse hier auf der Via Muxia sind extrem gut!

Wafer
12.12.2011, 12:11
39. Tag: Santa Marina - Corcubion
Samstag, 19. November 2011
Strecke: 35 Km - Gesamtstrecke: 1.291 Km
Höhenunterschiede: ↑ 650 m, ↓ 1.000 m
Gehzeit: 10,0 h

Der Abholservice bringt mich nach einer ruhigen Nacht abseits des Weges wieder zu dem Ausgangspunkt zurück. Alleine auf den paar Kilometern mit dem Auto ändert sich die Landschaft schon deutlich. Heute will wohl Galizien wieder gut machen, was es gestern an Punkten durch das schlechte Wetter verloren hat: Es scheint die Sonne!
Der Weg führt durch Weiler und an Einzelgehöften vorbei auf den Monte Aro zu. Die Landschaft ist grün und fruchtbar und auf den Wiesen läuft das Wasser des vergangenen Unwetters ab.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Saftiges_Galizien.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42676&title=saftiges-galizien&cat=500)
Der Monte Aro wird dann rechts umgangen mit einem herrlichen Blick auf den Stausee Encoro da Fervenza.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/H_gel_und_Seen_in_Galizien.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42672&title=huegel-und-seen-in-galizien&cat=500)
An einem Bergrücken vorbei geht es hinab in das Tal des Rio Xallas. Auf dem Fluss sind Kanuten unterwegs, die ebenfalls das schöne Wetter ausnutzen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Kanuten_auf_dem_Rio_Xallas.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42673&title=kanuten-auf-dem-rio-xallas&cat=500)
In Olveiroa kehre ich ein einer Bar ein, die zu einer Herberge gehört. Die sind hier voll auf Pilger ausgerichtet. Hinter Olveiroa geht es an einem lieblichen Bach entlang bis der Weg dann ansteigt um die Höhen zu erklimmen. Durch die Felsen erhält die Landschaft plötzlich einen alpinen Charakter.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_H_gel_werden_mit_Felsen_versehen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42670&title=die-huegel-werden-mit-felsen-versehen&cat=500)
An Pferdekoppeln vorbei geht es auf einem sehr abwechslungsreichen Weg am Bergrücken des O Sino entlang. Im Tal sieht man den Rio Xallas mit seinen kleinen Seen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Kleiner_Stausee_im_Tal.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42674&title=kleiner-stausee-im-tal&cat=500)
Auf den Bergen mehren sich wieder die Windkraftanlagen – untrügliches Zeichen, dass ich mich langsam wieder dem Atlantik nähere.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Moderne_Gipfelkreuze_-_die_Zeichen_unserer_Zivilisation.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42675&title=moderne-gipfelkreuzedie-zeichen-unserer-zivilisation&cat=500)
Hinter Hospital kann man das erste Mal den Atlantik erahnen. Durch eine Heidelandschaft zieht der Weg zu einer kleinen Kapelle – unnötig zu erwähnen, dass sie abgeschlossen ist! Links das Tal, rechts der Bergrücken zieht der Weg am Hang entlang auf das Meer zu.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Das_Meer_kommt_in_Sicht.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42669&title=das-meer-kommt-in-sicht&cat=500)
Der Weg bleibt erstaunlich lange auf der Höhe bis er dann schlagartig abfällt. Am Horizont braut sich ein Gewitter über der nächsten Bergkette zusammen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Ein_Gewitter_geht_ber_dem_n_chsten_Tal_nieder.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42671&title=ein-gewitter-geht-ueber-dem-naechsten-tal-nieder&cat=500)
Beim Abstieg genieße ich einen tollen Sonnenuntergang am Horizont.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Am_Hirizont_der_Atlantik.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42668&title=am-hirizont-der-atlantik&cat=500)
Der erste Ort begrüßt mit einem wenig ansprechenden Industriegebiet. Also gehe ich weiter bis Cée. Auf der Suche nach einer Herberge komme ich dann noch bis Corcubion. Die erste Herberger gleich hinter dem Ortseingang ist sehr gut. Und zum Essen finde ich am Hafen ein schönes Fischrestaurant wo ich den letzten Abend auf meinem Weg ausklingen lasse.

40. Tag: Corcubion - Finisterre
Sonntag, 20. November 2011
Strecke: 12 Km - Gesamtstrecke: 1.303 Km
Höhenunterschiede: ↑ 200 m, ↓ 200 m
Gehzeit: 3,5 h

Heute stehen die letzten Meter nach Finisterre (oder Fisterra wie es auch auf manchem Schild heißt) auf dem Programm. Der Weg führt nicht direkt am Wasser entlang sondern schlängelt sich oben durch das Dorf mit schönem Blick auf den Hafen und die Küstenlinie nach Süden.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Hafen_von_Corcubion.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42680&title=der-hafen-von-corcubion&cat=500)
Ein letztes Mal führt der Weg auf einen Bergrücken.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Es_geht_nochmal_hinauf.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42685&title=es-geht-nochmal-hinauf&cat=500)
Oben kann man dann Finisterre schon klar liegen sehen. Teilweise an der Straße aber häufig auch auf eigenen Wegen etwas im Hinterland für die Via nach Sardineiro und weiter auf Finisterre zu. Dann geht es ans Meer zurück.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Weg_f_hrt_weit_oberhalb_des_Meeres_nach_Finisterre.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42682&title=der-weg-fuehrt-weit-oberhalb-des-meeres-nach-finisterre&cat=500)
Eine kleine Bucht lädt zum Baden ein – klar, dass ich diese Einladung nicht ausschlage!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Das_obligatorische_Bad_im_Atlantik.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42679&title=das-obligatorische-bad-im-atlantik&cat=500)
An dem kleinen Strand und zwischen den Felsen finde ich jede Menge Muscheln. Ein paar Jakobsmuscheln sind auch dabei. Dann geht es am großen Badestrand von Finisterre entlang auf den Hafen zu. Das kleine Kiefernwäldchen zwischen dem Strand und dem Weg ist den Wassermassen, die vorgestern gefallen sind nicht gewachsen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/berschwemmter_Waldstreifen_zwischen_Strand_und_Weg_.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42686&title=ueberschwemmter-waldstreifen-zwischen-strand-und-weg&cat=500)
In den Pfützen spiegelt sich der Wald.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/berschwemmter_Waldstreifen_zwischen_Strand_und_Weg.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42687&title=ueberschwemmter-waldstreifen-zwischen-strand-und-weg&cat=500)
Die letzten Meter zum Hafen sind dann schnell geschafft.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Hafen_von_Finisterre.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42681&title=der-hafen-von-finisterre&cat=500)
Die Herberge, in der es die Fisterrana, die Urkunde für den Weg ans Ende der Welt, gibt, ist nicht leicht zu finden. Nach dem Mittagessen schlendere ich noch durch das Dorf. Finisterre hat ein paar nette Badebuchten mit Blick aufs Dorf.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Einer_der_Badestr_nde_von_Finisterre.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42684&title=einer-der-badestraende-von-finisterre&cat=500)
Leider habe ich meine Heimreise schon gebucht und habe dabei die zusätzliche Nacht wegen des Unwetters nicht einkalkuliert gehabt. Daher muss ich noch heute Abend nach Santiago zurück, damit ich morgen den Zug nach Madrid entlang der Via de la Plata erreiche. So reicht es nicht mehr bis zum Leuchtturm und auch den Sonnenuntergang am Meer muss ich wohl auf das nächste Mal verschieben.
Mit dem Bus fahre ich entlang der Küste nach Süden.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Abendstimmung_am_Strand.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42677&title=abendstimmung-am-strand&cat=500)
Er fährt noch ca. 2 Stunden von Küstenort zu Küstenort bis es fast ganz dunkel ist.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Abendstimmung_auf_der_R_ckfahrt.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42678&title=abendstimmung-auf-der-rueckfahrt&cat=500)
Kurz bevor der Bus dann ins Inland abbiegt ist von der Sonne dann nichts mehr zu sehen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Sonne_ist_untergegangen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42683&title=die-sonne-ist-untergegangen&cat=500)
In Santiago angekommen suche ich mir eine Herberge und gehe mit ein paar anderen Rückkehrern aus Finisterre noch ein letztes Mal essen.

41. Tag: Heimreise erster Teil
Montag, 21. November 2011

Nach ausschlafen und einem ausgiebigen Frühstück verabschiede ich mich von Santiago und gehe zum Bahnhof. Mit dem TALGO, der Zug, der die Bahnlinie entlang der Via de la Plata entlangfährt, gondle ich in geruhsamem Reisetempo durch die Landschaften, die ich die letzten Wochen durchwandert habe. Durch die vielen Kehren und Tunnels ist die Strecke so schon ein Leckerbissen für jeden Eisenbahnliebhaber. Mit einem persönlichen Bezug zu der Landschaft auf der anderen Seite der Fenster wird die Fahrt zu einem besonderen Erlebnis. Bis Puebla de Sanabria hält das Tageslicht durch. Dann erkenne ich kaum noch etwas von der Landschaft. Der Zug fährt jetzt auch um einiges schneller weil die kurvenreiche Strecke hinter ihm liegt. So komme ich gegen 21 Uhr in Madrid an.
Da ich mir Madrid bei meiner letzten Pilgeretappe auf meinem 'noch offenen' Jakobsweg (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?50250 ) auf der Heimreise besucht habe will ich dieses Mal hier nicht lange bleiben und nach Barcelona weiter fahren von wo ich morgen Abend einen Heimflug gebucht habe. Ich suche mir in der Innenstadt eine einfache Pension und bummle abends noch durch die Stadt. Aber spät wird es heute nicht.

42. Tag: Heimreise zweiter Teil
Montag, 21. November 2011

Am Morgen geht es erst mal zum Bahnhof Atocha.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Bahnhof_Atocha_in_Madrid.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42688&title=bahnhof-atocha-in-madrid&cat=500)
Der AVE bringt mich heute Morgen von Madrid nach Barcelona. Das Ticket für den AVE ist 3 mal so teuer wie ein Flug! Wollen die mit einem Ticket die beiden Neubaustrecken finanzieren? Bei den Preisen wundert es mich nicht, dass die Bahn fast leer ist – zumal sie alle 30 Minuten fährt. Aber die Kontrollen beim Einsteigen haben Flughafenniveau!
Nach 2,5 h stehe ich mitten in Barcelona. Der Flieger geht erst heute Abend. Ich fahre mit U-Bahn und Schrägaufzug zum Montjuic. Nachdem ich nun über 1.300 Km und 12.750 Höhenmeter (rauf und auch wieder runter!) gelaufen bin nehme ich die neue Kleinkabinenbahn hinauf zum Gipfel.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Barcelona_bei_der_Auffahrt_auf_den_Montjuic.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42689&title=barcelona-bei-der-auffahrt-auf-den-montjuic&cat=500)
Der Hafen präsentiert sich nicht bei bestem Wetter.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Der_Hafen_von_Barcelona.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42690&title=der-hafen-von-barcelona&cat=500)
Die Kabinenbahn über den Hafen schließt als ich hinkomme. Hoffentlich nicht wegen mir! Die Betreiber behaupten zumindest es sei wegen des Windes – hört sich zumindest ganz wahrscheinlich an!
Jetzt bleiben noch 3 Stunden. Da muss ich mir die Sagrada Famlia ansehen.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Sagrada_Familia.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42691&title=die-sagrada-familia&cat=500)
Ich war vor ca. 21 Jahren das letzte Mal dort. Seither hat sich sehr viel verändert. Die Kathedrale hat jetzt einen geschlossenen Innenraum.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Sagrada_Familia_-_der_Innenraum.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42692&title=die-sagrada-familiader-innenraum&cat=500)
Damals gab es nur die Krypta, die schon ein Dach hatte. Da hat sich in den 21 Jahren aber mächtig was getan. Die Kirche ist ganz anders als andere Bauten. Architektonisch hoch interessant! Mit interessanten Details.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Sagrada_Familia_-_verwinkelte_Details.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42694&title=die-sagrada-familiaverwinkelte-details&cat=500)
Kaum zu glauben, dass zwischen den Baujahren der Türme teilweise 100 Jahre liegen!
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Kaum_zu_glauben_dass_die_Turmbaujahre_teilweise_100_Jahre_auseinander_liegen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42695&title=kaum-zu-glauben-2c-dass-die-turmbaujahre-teilweise-100-jahre-auseinander-lieg&cat=500)
Aber es ist immer noch eine Großbaustelle.
http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/Die_Sagrada_Familia_-_noch_eine_Gro_baustelle.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=42693&title=die-sagrada-familianoch-immer-eine-grossbaustelle&cat=500)
Aktuell rechnet man mit der Fertigstellung gegen 2025. So lange kann ich leider nicht warten! Mein Flieger geht heute Abend. Also muss ich langsam zum Flughafen. Germanwings bringt mich dann zurück nach Stuttgart wo ich von der Familie abgeholt werde. Irgendwie kommt es mir vor, als sei ich gestern erst abgeflogen!

Wafer
12.12.2011, 12:59
So, und nun noch die Karten bzw. die Routen als GPX:
Tarifa - Sevilla9253
























Sevilla - Banos de Montemayor9255
























Teil: Banos de Montemayor - Puebla de Sanabria9256
























Teil: Puebla de Sanabria - Santiage de Compostela9257

























Teil: Santiago de Compostela - Finisterre9258

Jetzt habe ich noch eine Excel-Datei mit einer Etappenübersicht. Leider habe ich keine Ahnung wie ich hier eine Tabelle einbaue oder etwas derartiges darstelle. Auch als Anhang geht ein .XLS-File leider nicht.

Ich baue das gerne noch ein wenn mir einer einen Tipp geben kann wie das geht.

Gruß Wafer

Juno234
14.12.2011, 08:55
Schöne Tour - schöner Bericht :)

Ich weiß nicht, ob es nur an meiner Kiste liegt, aber ich schaffe es kaum die dritte Seite zu laden. Zu viele Fotos und oder Karten?

Wafer
14.12.2011, 14:11
Hallo Jun234.

Danke! Freut mich, dass es dir gefällt! War auch wirklich supertoll!

34 Fotos und 4 Karten. Im Vergleich zu den Seiten 1 und 2 sind die Fotos nicht die Menge. An den Karten könnte es allerdings liegen. Die brauchen beim ersten Laden immer ziemlich lange. Danach geht es aber im Regelfall schneller.

Gruß Wafer

Werner Hohn
18.12.2011, 22:19
Nee, du hast anderthalb Kilometer vor dem "Ende der Welt" aufgehört. Da staune ich.


... Ich komme in der ältesten Herberge von Santiago unter. Sie wurde von König Ferdinand und Königin Isabella gegründet!

Nette Umschreibung fürs teuerste Hotel in Santiago. Wie viel muss man denn dort jetzt übern Tresen schieben? Im Juni 2008 wollten sie 195 Euro fürs preiswerteste Doppelzimmer. Bei drei Tagen, die wir noch in Santiago verbringen mussten, haben meine Frau und ich gekniffen.

Dass die Vìa und die vielen anderen Wege in Spanien bei einem Großteil der Camino francés-Pilger unbekannt sind, hat mich am Anfang auch gewundert. Vielen reicht halt DER Camino.

Grüße
Werner

Wafer
19.12.2011, 14:26
Hallo Werner.

Da hast du wieder gut aufgepasst! Ich hatte es so schön verpackt, aber du hast es ausgeplaudert! :(
Beim dritten Anlauf haben wir uns dann bei 110 €/Nacht geeinigt. Das war zwar kein Schnäppchen aber nach 35 Tagen fand ich es angebracht mal für 2 Nächte richtig fürstlich zu wohnen. Und alleine für das Frühstück hat sich das auf alle Fälle gelohnt! Das war einfach sensationell! In der Zeit wo ich dort logiert habe waren 6 andere Pilger auch dort. Aber jeder hatte einen anderen Preis ausgehandelt.


Nee, du hast anderthalb Kilometer vor dem "Ende der Welt" aufgehört. Da staune ich.
Tja, ich saß beim Essen und es hat erstaunlich lange gedauert. Es wurde kalt und es zog zu. Dass es dann abends doch wieder so gut wurde war da nicht ab zu sehen.
Aber ich möchte ja nochmal dorthin. Ich will "meinen Weg" (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?50250) auf jeden Fall noch fertig machen und dabei dann über Muxia gehen.

Gruß Wafer

blauloke
28.12.2011, 22:06
Interessanter, ausführlicher Bericht der mich lange unterhalten hat.
Immer schön etwas aus Gegenden zu erfahren, die nicht so bekannt sind.
Inzwischen kann ich mir Spanien als Wanderziel vorstellen.

Wafer
13.01.2012, 08:28
Hallo Blaulocke.


Interessanter, ausführlicher Bericht der mich lange unterhalten hat.
...
Inzwischen kann ich mir Spanien als Wanderziel vorstellen.

Das freut mich! und wir haben mehrere Ziele erreicht:

Du hattest Spaß beim Lesen gehabt
Du ziehst Spanien als Wanderziel in Erwägung

Ich finde Spanien sehr vielseitig und durch das sehr unterschiedliche Klima kann man zu fast jeder Jahrezeit dort wandern. Ich kann es nur wärmstens empfehlen! Ich glaube kaum, das man in Skandinavien im November kurzärmelig wandern kann - und das ist sehr angenehm! Und günstig ist es auch, in Anreise, Unterkunft, Verpflegung, ...
Wenn du in konkrete Planungen einsteigst kannst du dich gerne mal melden.

Gruß Wafer

elOle
04.10.2012, 20:15
Hallo Wafer,

lustig, ich war wohl immer einen Tag hinter dir auf der Via.
Bin einige Tage mit dem Italiener gelaufen, die Spagetti Pomodore hat er bei uns auch anbrennen lassen.

Wenn Marc ein älterer Franzose war, bin ich fast eine Woche mit ihm unterwegs gewesen und mit den Belgiern, Vater und Sohn war ich unter anderem in der Future Betonherberge am See.

Wenn es die waren welche du erwähnt hast, müssten wir uns beim Pizza bestellen begegnet sein.

In Zamora bin ich raus, zurück nach Cadiz und dann wieder zur Arbeit.

Demnächst mal Teil 2.
Alles Gute,

Gruß, Ole

Enja
05.10.2012, 10:02
Faszinierend, so kurz vor dem Cap umzudrehen. Das ist sicher ein Rekord. Oder ein Trick, um noch einmal hinzumüssen.

Das Parador in Santiago war irgendwie nichts für uns, nachdem wir so lange draußen unterwegs waren. Wir haben dort nur staunend hingeguckt. Die Edelkarossen davor, die Polizeiabsperrung, die Abschottung gegen nicht-Hotelgäste, das fanden wir nicht einladend.

Wir hatten eigentlich vorgehabt, unterwegs mal nobler einzukehren. Aber irgendwie war uns dann nicht danach. Die nette Runde auf dem Campingplatz fanden wir inspirierender.

elOle
05.10.2012, 10:48
achso,

Mauricio hieß der Italiener, der macht mittlerweile eine Ausbildung zum Koch. (danke Facebook)

Der einzige Küstenstarter warst du übrigens nicht.

Ein Tschechischer Priester ist am Mittelmeer losgezogen, den konnte man von von sehr weit gut erkennen.
Sein Rucksack war so groß wie ein Wohnzimmerschrank.

Er ist in Malaga gestartet wo ihm gleich die wichtigsten Sachen geklaut wurden.
Ansonsten hat er bis Sevilla ausschließlich in der Pampa übernachtet.

Es ist verrückt deinen Bericht zu lesen und immer einen Tag dahinter läuft die gleiche Szenerie dessen was man selbst erlebt hat.

Danke für die Erinnerungen, ich hatte bisher keinerlei Aufzeichnungen.

Ole

juliaS
29.10.2012, 14:40
Wow, was für ein ausführlicher und interessanter Reisebericht (http://www.reiseziel-berater.de)! Ich befinde mich momentan in Granada, plane aber von hier aus auch noch weitere Städte zu besichtigen. Dein Bericht hilft mir wirklich sehr eine grobe Auswahl zu treffen! Zumal das Busnetz hier in Spanien ja wirklich gut ausgebaut ist und man fast jede Stadt gut und günstig erreichen kann!

awiawi
20.11.2012, 08:02
Vielen Dank für diesen wunderbaren Bericht und die vielen schönen Bilder! Das macht richtig Lust auf Wandern.

Wie stark wird der Weg um diese Jahreszeit eigentlich begangen? Trifft man viele andere Pilger? Gibt es Probleme, Plätze in den Herbergen zu finden?

Wafer
22.11.2012, 07:25
Hallo Awiawi.

Das freut einen doch immer, wenn der Bericht gefällt. Vielen Dank!
Ich haben in den 6 Wochen in Summe 35 andere Pilger getroffen. Zumindest bis zur Stadtgrenze Santiago gerechnet. Ab da war es dann voller. Landbevölkerung habe ich recht viel getroffen aber deren gut gemeinte Kommunikationsversuche scheiterten meinerseits an meinen Spanischkenntnissen.
Zum Thema Herbergsplätze: Ich hatte nie ein Problem. Es waren eigentlich fast alle Herbergen offen. Und wenn mal eine zu war, dann war in unmittelbarer Nähe eine Ausweichmöglichkeit. Manchmal waren die Herbergen zwar sehr spartanisch (z.B. in Riego del Camino!) aber ich hatte eigentlich nie Probleme, eine Unterkunft zu finden. Und wenn eine offen hatte war ich ja eh meist alleine.
Wann möchtest du denn starten?

Gruß Wafer

awiawi
27.11.2012, 07:59
Oh, das sind ja wirklich wenige andere Pilger :-) Bei mir würde es im nächsten Jahr vermutlich allerdings früher losgehen, eventuell im August. Ich war in diesem Jahr auf dem Portugiesischem Weg unterwegs und erhoffe mir noch ein wenig mehr Einsamkeit. Die Via de la Plata hatte es mir schon immer angetan!
Am liebsten würde ich ja im Frühjahr laufen, das wird allerdings vermutlich arbeitsmäßig nicht gut funktionieren. Zumindest nicht 2013.

Wafer
30.11.2012, 20:27
Hallo Awiawi.

Ich bin mir nicht sicher ob ich im August die Via laufen würde. Immerhin ist Sevilla die Stadt mit der höchsten Durchschnittstemperatur auf dem europäischen Kontintent. Da wird es im August extrem heiß sein. Ich fand die knappen 38 ° C im Oktober als Höchsttemperatur in Tarifa ja noch ganz nett. Da ging immer ein Wind und im Landesinneren war es nicht so heiß. Aber 2 Monate früher? Das dürfte mächtig warm werden!
Starte doch einfach "deinen" Jakobsweg wie es sich gehört: zuhause. Da wirst du auch sehr lange alleine unterwegs sein. Das man sich da etwas komisch vorkommt mit Rucksack durch das eigene Dorf zu wandern gibt sich bereits nach wenigen Kilometern!
Wie fandest du denn den Portugisischen Weg?

Viele Grüße aus dem verschneiten Schwabenland!

Wafer

GClaus
12.12.2014, 22:13
Hallo Wafer,
habe Deinen Bericht erst jetzt gelesen. War, wie andere auch schon betonten *****.
Möchte mir trotzdem erlauben ein Paar Zeilen dazu schreiben.
Vieles ist mir wieder begegnet, manche Strecken musste ich bedingt durchs Fahrrad, anders sehen.
War auf der Via ab Sevilla, im Oktober 2008, aber mit dem Fahrrad. Zeitdauer 4 Wochen (war mir ein bisschen knapp). Habe diese Pilgerreise intensiv vorbereitet, sowohl kulturell, geschichtlich als auch religiös. Bin also auch an vielen Stationen länger geblieben. In vielen Herbergen war ich oft der einzige Gast.
Nun zu Deinen geschlossenen Kirchen. Das hat mich auch auf dem CF geärgert. Habe es auf der Via anders gelöst:In der Herberge habe ich nach dem Abendgottesdienst gefragt. Sehr oft wurde mir gesagt, in dieser Zeit ist ein Pilgergottesdienst. War allerdings immer der einzige Pilger. Habe zwar nichts verstanden, konnte jedoch in Ruhe die Kirche anschauen und konnte meinen Gedanken freien Lauf geben.
In Santa Croya de Tera wolltest Du vermutlich in der Albergue Anita übernachten, schade ich hab´s 2 Tage genossen. Anita & Domingo haben 30 Jahre in Hamburg gelebt und zurückgekehrt dieses Haus gebaut. Anita kocht sehr gut und mit Domingo habe ich Abends beim offenen Kamin seinen eigenen Wein genossen. Das wäre auch eine Augenweite für Dich gewesen. Am Nächsten Tag habe ich mit Domingo Trauben abgepresst, wie bei uns vor 50 Jahren! Danach hat er mir seinen Weinberg mit seinem Bodegas gezeigt. Diese sind eine Wucht! Gleich nach dem Eingang ist ein Raum in dem Gefeiert wird, meistens mit offenen Kamin. Übrigens die kleinen Solarzellen auf den Bodegas werden für´s Licht zum feiern benötigt! Einen Stock tiefer lagert der Wein. Domingo braucht den meisten Wein Abends für „seine Pilger“. Beim nächsten Mal nicht vorbeigehen!
Das Kloster in Oseira wollte ich unbedingt besichtigen und Übernachten. Die im Klosterladen hat nicht begriffen, dass ich auch hier Schlafen will. Also wieder zum Übernachten nach Cea zurück. Am nächsten Tag nächster Versuch. Nach einer sehr feierlichen Messe (die schönste die ich auf der Via erlebt habe) war nochmals Besichtigung (mit Führung) der Klosteranlage angesagt. Es ist eine sehr, sehr schöne Klosteranlage. Nun hat es auch geklappt mit der Übernachtung, aber sehr kalt!
Von da an hatte ich Galicisches Wetter!! Kalt und Regen, so dass ich die restliche Strecke an einem Tag durchgefahren bin und somit zu früh in SdC angekommen.
In der ältesten Herberge von SdC habe ich zwar nicht übernachtet aber immer gegessen, war super, für mich unverständlich dass es manchen nicht geschmeckt hat. Es gab zwar keine Spätzle und Maultaschen, aber alles war ohne Tadel, nur meine Schafstätte war nicht so elegant wie Deine!
Nochmals Danke für den schönen Bericht, Grüße Günther.

Wafer
20.12.2014, 18:05
Hallo Günther.


Hallo Wafer,
habe Deinen Bericht erst jetzt gelesen. War, wie andere auch schon betonten *****.

Vielen herzlichen Dank!


In vielen Herbergen war ich oft der einzige Gast.

Genau das ist ja der Charme der Via de la Plata im Vergleich zum CF! Ich fand es grandios! Aber ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Für den, der zu sich finden will aber sicher eine gute Voraussetzung.



Nun zu Deinen geschlossenen Kirchen. Das hat mich auch auf dem CF geärgert. Habe es auf der Via anders gelöst:In der Herberge habe ich nach dem Abendgottesdienst gefragt. Sehr oft wurde mir gesagt, in dieser Zeit ist ein Pilgergottesdienst. War allerdings immer der einzige Pilger. Habe zwar nichts verstanden, konnte jedoch in Ruhe die Kirche anschauen und konnte meinen Gedanken freien Lauf geben.

Das hat bei mir nicht immer geklappt. Der Kontakt zur Kirche war auf dem CF, vor allem in der Schweiz und Frankreich viel intensiver als in Spanien. Ich habe dort in vielen Klöstern übernachtet was auf der Via nur in Oseira geklappt hat. Ich finde das heute noch sehr schade!


In Santa Croya de Tera wolltest Du vermutlich in der Albergue Anita übernachten, schade ich hab´s 2 Tage genossen. ... Beim nächsten Mal nicht vorbeigehen!

Genau das war der Plan. Ich kam aber ein paar Tage zu spät! Und ich bezweifle, dass es ein nächstes Mal geben wird. Wiederholen kann man so etwas eh nicht. Diese Erfahrung war einmalig und soll es auch bleiben. Zudem spuken mir noch zu viele andere Projekte im Kopf herum. Demnächst habe ich wieder etwas mehr Zeit und die werde ich nutzen!

Was ich sehr interessant fand, war wie unterschiedliche sich ScD im November und im April im Jahr drauf (https://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/50250-DE-CH-FR-ES-Von-Reutlingen-nach-Santiago-de-Compostela?p=1017871&viewfull=1#post1017871) präsentiert hat. So gesehen hat sich zumindest dort ein "nächstes Mal" ergeben gehabt.

Es freut mich sehr, dass der Bericht immer noch Interesse weckt! Und ich hoffe ich konnte damit den einen oder anderen motivieren sich auf ein ähnliches Abenteuer ein zu lassen.

Gruß Wafer