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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [ES] GR 221 - Serra Tramuntana (Ruta de Pedra en Sec)



Gwenny
31.03.2011, 14:21
11 Tage Urlaub im März, aber wohin? Schottland oder Irland? Verlockend, aber wettertechnisch schwierig. Skandinavien? Für eine Solotour im Winter fehlt mir die Erfahrung – und ein Zelt. Also irgendwas weiter südlich… Korsika? Auch dafür ist es noch zu früh, lieber im Mai/Juni. Mallorca? Och nö…

Dann bin ich über diesen (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?48687-ES-Mallorca-GR221-im-M%E4rz) Thread gestolpert und beschloss ein bisschen weiter nachzuforschen. Ja, warum eigentlich nicht Mallorca? Dass man dort gut wandern kann hatte ich schon häufiger gehört, außerdem war gerade Nebensaison. Was ich bei meinen Recherchen herausfand klang sehr verheißungsvoll, also buchte ich einen Flug, schickte eine Amazon-Buchbestellung ab und klickte mir eine Vokabelliste Spanisch im Internet zusammen. Ausrüstungstechnisch war alles im grünen Bereich, nur Verpflegung für 5 Tage musste ich noch besorgen (Nachkaufen vor Ort war eingeplant). Als letzten Akt vor der Fahrt zum Flughafen legte ich meine Uhr ab. 11 Tage zeitlos und solo unterwegs auf Mallorca – das klang nach einer willkommenen Abwechslung…

Tag 1 (07.03.): Stuttgart - Port D’Andratx – La Trapa

Tuifly legt sehr viel Wert darauf, seine Passagiere zu erziehen. In den Buchungsunterlagen entsteht zumindest der Eindruck, man müsse unbedingt mindestens zwei Stunden vor Abflug am Flughafen sein (wahrscheinlich, damit nicht irgendein Standby-Mensch den gar nicht so günstigen Platz wegschnappt?). Die Anreise zum Flughafen stellt sich als gar nicht so einfach heraus, schließlich gibt es sowas wie ein Nachtleben in der Landeshauptstadt Stuttgart offenbar nur von Freitag bis Sonntag – wochentags fahren keine Nachtbusse. Leider findet sich kein gnädiger Chauffeur, und eine Taxifahrt für 60 Euro aus meinem Dörfle ist mir dann doch etwas zu teuer. Um trotzdem entspannt in den Urlaub zu starten, habe ich mich zu einer Übernachtung auf dem Stuttgarter Flughafen durchgerungen. Ein kurzer Rundgang durch die Terminals offenbart, dass die meisten Leute schneller waren als ich. Da bereits alle Sitzbänke belegt sind positioniere ich mich mit meinem Schlafsack auf einer Werbeplattform mittig im Gang. Während in unregelmäßigen Abständen das System des Werbeterminals hoch- und wieder herunterfährt, zieht ein Mann mit seiner Putzmaschine seine Kreise. Meine Angst, trotz gestellten Weckers zu verschlafen, ist unbegründet…

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Leicht gerädert sitze ich um 6.00 Uhr im Flugzeug. Der Flug selbst ist erwartungsgemäß unspektakulär, aber nicht unerwähnt bleiben soll das lautstarke Geklatsche der Passagiere nach der Landung. Da ist er, der erste Strich auf meiner Klischeeliste…

Problemlos finde ich den Bus der Linie 1 zum Plaza d’Espanya, ich kaufe erfolgreich eine Fahrkarte und steige am „El Corte Inglés“ aus. Wie ich aus dem Forum weiß, soll es hier Gaskartuschen geben. Um auch für die mittelmeerblauen Kartuschen gerüstet zu sein, habe ich mir extra noch kurz vor der Abreise einen Adapter besorgt. Nach kurzer allgemeiner Verwirrung und einer Suche über mehrere Stockwerke steht fest, dass keine Gaskartuschen vorhanden sind und ich mache mich auf den Weg zum „Es Refugi“. Um 10.00 Uhr öffnen sich dort die Pforten und wenige Minuten später halte ich überglücklich zwei 100g-Primuskartuschen und die neue Tramuntana Süd-Karte (1:25.000) in den Händen.
Das Finden der Überlandbusse stellt sich als einfacher als gedacht heraus und zehn Minuten später sitze ich bereits im L 102 nach Port D’Andratx. Geschätzte 80% der Buspassagiere sind Deutsche, die entweder dort wohnen/Urlaub machen oder von Palma aus für einen Tag in den Norden fahren. Meine Sitznachbarn, die bereits seit vielen Jahren auf Mallorca leben und nun Freunde in dem kleinen Küstenstädtchen besuchen, verabschieden mich mit einem mitleidig-ehrfürchtigen „also wenn unsere Tochter solche Ideen hätte…“. Ich weiß nicht so recht, was die beiden meinen - so wahnsinnig mutig und gewagt finde ich meine geplante Tour nicht. Bei schönstem Sonnenschein stehe ich schließlich am Hafen und bin etwas unschlüssig, was ich nun tun soll. Einfach loslaufen? Ja, warum eigentlich nicht…

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Der KnowHow-Reiseführer scheint eine gute Investition zu sein, zumindest habe ich keine Probleme, den Anfang des GR221 zu finden. Zwar bin ich an einer Baustelle etwas unschlüssig, welche der Straßen mich in die richtige Richtung führen wird, aber mein Gefühl zieht mich in die richtige Richtung. Schnell lasse ich die Straße hinter mir und folge einem Pfad durch den Wald, der hin und wieder einen Fahrweg kreuzt. Am Coll des Vent mache ich im Schatten einer Aleppokiefer eine kurze Pause. So wirklich realisiert habe ich noch nicht, dass ich mich auf Mallorca befinde und sich vor mir tatsächlich das Mittelmeer ausbreitet. Auch die Temperaturen sind ungewohnt – T-Shirt-Wetter! Nach einem großen Schluck Wasser aus der Flasche fällt mir ein, dass ich in St. Elm unbedingt noch Wasser besorgen muss.

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Am Pas Vermell ist wieder Zeit für eine kurze Pause – schließlich will ich heute nur bis zum Trappisten-Kloster La Trapa laufen und möglichst erst nach dem Aufbruch der Tagestouristen dort ankommen. Ich bin wie berauscht vom Geruch der Macchie und der Vielfalt der Farben, die sich vor meinen Augen auftut. Zwar blüht momentan hauptsächlich der Dornginster, aber zusammen mit den verschiedenen Grüntönen der anderen Macchie-Sträucher und den Aleppokiefern, der teilweise rötlichen Färbung von Fels und Weg und dem Blau von Meer und Himmel entsteht ein überwältigendes Bild. Leider ist es ein wenig diesig, so dass Sa Dragonera, die Dracheninsel, ein wenig unscharf wirkt.

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Da die ersten Etappen des GR221 größtenteils nicht markiert sind, habe ich den Führer griffbereit in meiner Hosentasche. Erstaunlicherweise ist es damit überhaupt kein Problem, die richtigen abzweigenden Pfade zu finden. An einer Kreuzung treffe ich auf zwei etwas ratlose deutsche Mutter-Tochter-Teams, die bereits seit geraumer Zeit nach gelben und blauen Pfeilen suchen (Rother Wanderführer von 2010). Bunte Pfeile kann auch ich nicht finden, daher schlage ich vor, meiner Wegbeschreibung zu folgen, die sich aus simplen links-rechts-Anweisungen zusammensetzt. Es gelingt und ich tätschel glücklich das nicht unbeachtliche Mehrgewicht in meiner Hosentasche.

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Gemeinsam steigen wir nach St. Elm ab und die Anderen bekommen noch rechtzeitig den letzten Bus zurück nach Port D’Andratx. Ich muss derweil noch dringend Wasser kaufen, denn auf dem Südteil des GR221 gibt es so gut wie keine Quellen am Weg. Leider ist keiner der drei Supermärkte offen und ich bin zu schüchtern, um in einem Restaurant nach Wasser zu fragen. Noch habe ich ja mehr als einen Liter… Und wenn der nicht reicht, steige ich morgen einfach noch einmal nach St. Elm ab. Einstweilen bin ich mit dem Blick aufs Meer zufrieden.

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Etwas fußlahm verlasse ich St. Elm und bin froh, wieder unasphaltierten Boden unter den Füßen zu haben. Das Abendlicht sorgt für weichere Farben und ich kann mich nicht sattsehen an all den bunten Farbtönen. Da der Wind ziemlich stark ist und ich La Trapa in relativ exponierter Lage vermute, entscheide ich mich dafür, die Nacht etwas unterhalb in der Nähe der Cala en Basset zu verbringen. Es gibt einen Weg hinunter zu Bucht, von dieser dringt jedoch lautes Geschrei herauf, so dass ich einem der zahlreichen anderen Pfade folge und etwa 100 hm über dem Meer einen schönen ebenen Platz neben einer Ruine finde. Unter einer riesigen Aleppokiefer baue ich mein Zelt auf, laufe noch ein Stückchen einen Pfad entlang und genieße die Aussicht, bis die Schatten immer größer werden…

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…Fortsetzung folgt…

Werner Hohn
31.03.2011, 14:53
Unverzeihlich, dass zwischen deinem letzten und jetzigen Reisebericht viereinhalb Jahre liegen.

Atze1407
31.03.2011, 15:22
Malle mal von einer anderen Seite, sehr schön. 5sterne

chrischian
31.03.2011, 15:48
Bei Mallorca denke ich zuerst an Strände voller Menschen. Dein Bericht zeigt, Mallorca hat viel mehr zu bieten. Sehr schön. :)

entenpower
31.03.2011, 16:33
Das weckt Erinnerungen! Es gibt glaube ich keine Strecke die ich so häufig gegangen bin, wie das Stück von Sant Elm nach Sa Trappa. Lang ists her...

Super schöner Bericht bisher!

Antracis
31.03.2011, 19:48
Schöner Bericht mit tollen Fotos. :D

Da ich selbst gerade Blut am mediteranen Frühjehrstrekking geleckt habe und noch in Erinnerungen schwelge, harre ich ebenfalls gespannt der Fortsetzung. ;-)

Yaphi
31.03.2011, 23:38
Sehr schön geschrieben, jetzt beginnt also das virtuelle Rennen über den Gr 221 ;)
Ich bin zum Glück schon in Soller :D
Aber der untere Teil des Gr sieht auch ganz nett aus.

P.S: Bei Ryanair klatscht außerdem niemand mehr.

mariodejaneiro
01.04.2011, 10:13
noch 2 wochen dann geht es für mich los..ich glaueb ich werde deinen reisebericht ausdrucken und als lektüre mitnehmen...der platz zum zelten sieht genial aus..ich glaueb da werd ich auch mein zelt aufschlagen :) schnelllll..schreib weiter :)

Gwenny
01.04.2011, 16:36
Danke :)

@Werner: Ich kann mal meine Festplatte durchforsten, da gibt es schon einiges. Besonders lesenswert wäre wohl der Bericht meiner ersten selbstorganisierten Tour (Karwendel) mit 16. :bg:

@chrischian: genau deshalb war ich anfangs auch sehr skeptisch...

@entenpower: warum so oft? Hast du etwa die ganzen Steine da hochgetragen? ;-)

@Antracis: war meine erste Tour in Mediterranien und es war definitiv nicht die letzte! Der Lykische Weg steht jetzt (dank deinem Reisebericht) auch auf meiner Liste...

@Yaphi:ich dachte, ich lasse euch ein bisschen Vorsprung. Ihr seid ja fast in Soller gestartet ;-)
Wenn ich lese, dass bei Ryanair inzwischen sogar am Klatschen gespart wird, bin ich froh, dass ich nicht auf Werner gehört habe. Bei Tuifly gab es außerdem Wurst- und Käsebrötchen...

@mariodejaneiro: na dann viel Spaß! Selbst wenn du den Platz nicht findest, es gibt viele schöne Möglichkeiten zum Zelten...

Gwenny
01.04.2011, 17:19
Tag 2 (08.03.): La Trapa – Boal de des Serveres

Die einzige zeitliche Einschränkung, die ich mir auferlege, ist das Aufstehen. Punkt 7 Uhr soll der Wecker klingeln, schließlich weiß man nie, wer früh morgens durch die Wälder strolcht, eventuell ja vielleicht sogar der Eigentümer. Da mich hier so weit ab vom Weg aber niemand finden wird, bleibe ich noch ein wenig liegen und lausche dem Rauschen des Windes. Ich habe erstaunlich gut geschlafen. Selbst das Einschlafen war kein Problem gewesen, obwohl ich normalerweise eher zu den Menschen gehöre, die vor dem Licht ausmachen noch einmal unter das Bett schauen. Es ist irgendwie irrational, aber ich fühle mich sicher.

Als ich den Kopf aus dem Zelt stecke, streifen die ersten Sonnenstrahlen den gegenüberliegenden Hang. Beim Frühstück auf der Terrasse muss ich notgedrungen über das Wasserproblem nachdenken, denn in meiner Wasserflasche befinden sich nur noch etwa 750 ml (gestern Abend gab es kalte Küche). Zwar habe ich selten Durst auf Tour, aber der Tag wird lang werden – und so ein Tee am Abend, ein leckeres Nudelgericht… Ich ärgere mich über mich selbst, schließlich wusste ich, dass das Wasser in den ersten Tagen ein Problem sein wird. Warum bin ich bloß in Port D’Andratx am Supermarkt vorbeigelaufen, der Bus hatte mich doch direkt davor abgesetzt? Warum habe ich in St. Elm nicht nach Wasser gefragt? An eine Rückkehr dorthin denke ich nicht mehr – denn der Mensch wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben. Nun werde ich wohl bis Estellencs laufen müssen, obwohl ich eigentlich geplant hatte, einige Kilometer zuvor am Boal de ses Serveres zu übernachten.

Ein wolkenloser Himmel verspricht zumindest einen schönen Vormittag und mein Tatendrang ist plötzlich gigantisch. Mein Zelt macht mich glücklich, so stramm und trocken, wie es da steht. Staubtrocken. Als ich stolz über das Außenzelt streiche ist meine Hand leuchtend hellgrün. Nunmehr bin ich begeistert! Offensichtlich habe ich bei der Zeltwahl unbewusst den Blütezeitraum der Aleppokiefern mit einbezogen, zumindest stellt sich das MSR-Grün als perfekte Tarnfarbe für einen Mallorca-Urlaub im Frühling heraus.

Zurück auf dem GR, folge ich dem Weg weiter durch den Wald, der in höheren Lagen zunehmend in Macchie übergeht. Ein paar vereinzelte Wölkchen zeigen sich in der Ferne am Himmel und ich betrachte gerade versonnen die Szenerie, als es plötzlich dicht neben mir raschelt. Erschrocken springe ich zurück und lande fast in einem Busch, fast auf einem Ziegenbock. Da spaziert tatsächlich rund ein Dutzend bunter Ziegen im Dornginster herum und beäugt mich – und ich habe sie nicht gesehen. Leider ziehen sie sich scheu zurück, als ich mit der Kamera zum Angriff übergehe, der Nachwuchs muss in Sicherheit gebracht werden. Naja, das werden sicherlich nicht die letzten gewesen sein…

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Ich folge weiter dem Pfad, und nach einer kurzen Kraxelei auf eine Erhebung kann ich bereits die Gebäude von La Trapa sehen. Seit 1980 wird die Anlage restauriert und irgendwann soll sie auch Wanderer beherbergen. Die Jahreszahl 2011 erscheint mir in dem Zusammenhang aber eher unrealistisch. An einer der Trockenmauern arbeiten drei Mallorquiner, die mir freundlich zuwinken, als ich mir die Klosterruine näher anschaue. Vom Dreschplatz aus hat man eine grandiose Sicht, Sa Dragonera scheint zum Greifen nah. Noch 500 ml.

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Etwas unwillig reiße ich mich wieder los und kehre auf den Fahrweg zurück. In einer Spitzkehre weist ein unübersehbares Steinmännchen auf den abzweigenden Pfad hin, dem ich durch die Busch- und Dissgraslandschaft auf ein Plateau folge. Es ist verwirrend, wie die Entfernungen täuschen können. Von weitem betrachtet sieht der gegenüberliegende Hang aus wie mit Bäumen bewachsen und ich stelle mir vor, dass es zwei Stunden dauert, dorthin zu gelangen. Tatsächlich handelt es sich um kniehohes Gestrüpp - und ich bin bereits nach 20 Minuten dort.

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Die Wolken am Himmel verdichten sich und auch der Wind nimmt langsam zu. Dieser kommt natürlich aus Osten, also von vorn, und das wird auch in den nächsten Tagen so bleiben. Bisher bin ich am heutigen Tag noch keiner Menschenseele begegnet (die drei Arbeiter ausgenommen), aber das soll sich nun ändern. Kurz vor dem Steinhaus Caseta de ses Basses kommt mir eine muntere Gruppe Wanderer entgegen, dem Dialekt nach Deutschschweizer, und etwas später eine Menge lautstarker Deutscher, die alles ganz toll finden und mich nach dem Weg nach s’Arracó fragen. Ich verweise auf den Wegweiser direkt vor ihren Augen. Die Schotterstraße hinab zum Coll de sa Gramola zieht sich etwas in die Länge und mir begegnen noch ein paar weitere Wanderer. Irgendwie bin ich ganz froh, dass sich all die Menschen auf dem verhältnismäßig kurzen Stück konzentrieren. Noch 250 ml. Was musste ich einem Freund versprechen, nachdem wir „127 hours“ geschaut hatten? Richtig, ein scharfes Messer und ausreichend Wasser mitzunehmen…

Der Coll de sa Gramola scheint ein beliebter Ausgangspunkt für Tagestouren zu sein, zumindest ist der dortige Parkplatz gut gefüllt. Leider ist gerade kein Mensch zu sehen, ansonsten wäre ich vielleicht hier zu Wasser gekommen. So ziemlich genau 1,6 km laufe ich entlang der Ma 10, dann biege ich rechts auf eine kleine bergauf führende Asphaltstraße ab. Hier sind im Führer drei Fincas erwähnt. Fincas. Menschen. Wasser! Gleich an der ersten Finca entdecke ich einen Gartenschlauch, der an einen Wasserhahn angeschlossen ist. Was für ein Glück! Auf ein lautes „Hola“ reagiert niemand und so schleiche ich an der Hauswand entlang und inspiziere den Wasserhahn. Leider lässt sich der Schlauch nicht entfernen, so dass ich den Hahn öffne und das Wasser ein Weilchen laufen lasse - wer weiß, wie lange der ca. 15 m lange Schlauch nicht mehr benutzt wurde? Offensichtlich schon länger nicht mehr, denn als das Wasser in die Flasche sprudelt, steigt mir ein stark chemisch-gummiartiger Geruch in die Nase. Wider besseres Wissen koste ich – bäh, das Wasser ist ungenießbar! Ein genauerer Blick offenbart kleine Ölschwaden und weiße Schleimbollen, die munter ihre Runden drehen. Prima, soeben habe ich mir mein gesamtes Restwasser versaut! Stocksauer leere ich die Flasche aus und betrachte die Schlieren, die an den Wänden zusammenlaufen. Jetzt wäre etwas Hochprozentiges zum Desinfizieren nicht schlecht…

Auf großes Pech folgt manchmal auch großes Glück. 20 m weiter finde ich an einem anderen Gebäude einen weiteren Wasserhahn, ohne Schlauch, aus dem sauberes, kaltes, klares, wohlschmeckendes Wasser kommt. Ich krame meinen 2l-Wassersack heraus, ärgere mich noch ein wenig über meine Leichtsinnigkeit und kann nun guten Gewissens den Rastplatz Boal de ses Serveres für die Übernachtung anvisieren. Aber es kommt noch besser: an der dritten Finca gibt es eine Box mit Orangen und Clementinen…

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Der Pfad schlängelt sich hinauf auf einen Bergrücken, der aus zerklüftetem Kalkstein besteht. Welch Freude für einen Karstfan für mich! Der Wind bläst auf dem exponierten Bergrücken inzwischen so stark, dass ich froh über die Teleskopstöcke bin, mit deren Hilfe ich das Gleichgewicht halten kann. Ich mache einen kurzen Abstecher auf den Mola de s’Esclop, von dem es mich jedoch fast herunter bläst. Vierbeinig taste ich mich wieder hinunter, zum Verweilen ist es eindeutig zu windig und zu kalt.

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Zum Boal de ses Serveres ist es nun nicht mehr weit und ich beschließe, statt die Serra des Pinotells nördlich auf dem GR221 zu umgehen, einem südlich verlaufenden Pfad zu folgen. Dieser ist ebenfalls durch Steinmännchen und Farbmarkierungen gekennzeichnet und laut Karte sollen beide Wege nach etwa 3 km wieder zusammentreffen. Theoretisch.

Ich wate durch hohes Dissgras und einige Ziegenfamilien einen Hang hinab. Zwischenzeitlich verliere ich den Pfad, aber das Wiederfinden ist kein Problem, den Steinmännchen sei Dank. Schließlich stehe ich neben einem Steinmännchen an einem Hang, schaue hinunter und sehe nur Gras. Eigentlich müsste dort der Pfad hinunterführen, um schließlich einiges weiter unten auf den GR 221 zu treffen. Etwas weiter östlich scheint es ebenfalls steil bergab zu gehen und ich wate weiter, in der Hoffnung auf etwas mehr Aussicht. Und tatsächlich, etwa 30 Meter unterhalb zieht ein Pfad einen weiten Bogen durch einen Taleinschnitt und ich muss mich nur entscheiden, ob ich ihm nach oben oder unten folge. Im Grunde möchte ich nach unten, aber der Pfad, der sich auf der anderen Seite den Hang wieder hochschlängelt, verspricht eine schöne Aussicht. Eventuell kann man von dort den Rastplatz sehen? Also quere ich zum Pfad hinüber, komme an einer Zisterne vorbei und erklimme den Aussichtspunkt, ohne jedoch viel erkennen zu können.

Aus absolut unerfindlichen Gründen beschließe ich, weiter dem Pfad zu folgen, stelle aber irgendwann fest, dass die Richtung nicht mehr stimmt und ich mich auf einem der Wege zum Puig de Galatzó befinden muss. Zumindest ragt dieser drohend vor mir empor und ich hatte heute eigentlich keine weitere Bergbesteigung vor. Eigentlich navigiere ich die meiste Zeit mit dem völlig ausreichenden Kartenatlas des Reiseführers, der griffbereit in meiner Hosentasche steckt – aber der ist mit seinen 1:75.000 diesmal wohl doch etwas ungenau. Nach einem Blick in die 1:25.000 Karte geht mir ein Licht auf, denn dort ist die Zisterne eingezeichnet - und diese ist an dem Pfad gelegen, den ich die ganze Zeit suche. Flotten Schrittes laufe ich den Pfad in die entgegengesetzte Richtung zurück und entdecke vielleicht 200 m von meinem ersten, grasigen Aussichtspunkt entfernt die Kreuzung - mit einem unübersehbaren Wegweiser. Pünktlich zum Sonnenuntergang erreiche ich den Boal de ses Serveres. Ein windgeschütztes Plätzchen zu finden ist nicht einfach und an der Schutzhütte soll ich erst am nächsten Morgen vorbeikommen. Andererseits wäre es schon schön zu wissen, wie sich mein Hubba Bubba im Wind so anstellt…

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Ich suche also die exponierteste Stelle und klebe das Zelt mit Steinen auf dem häringfeindlichen Boden fest. Später installiere ich noch die beiden Sturmleinen, der Vollständigkeit halber. Mein Kocher zaubert innerhalb kürzester Zeit heißes Wasser für den Elchtopf und einen leckeren Tee. Den Elcheintopf habe ich mir aufgrund der guten Kundenbewertungen geleistet, leider werde ich ziemlich enttäuscht. Eine kulinarische Offenbarung habe ich zwar nicht erwartet, aber bei dem Preis…? Um wirklich satt zu werden muss ich mich noch an Salami und Käse vergehen. Als Nachtisch gibt es eine Orange, Wahnsinn, wie lecker die sind! Lässig flattert das Außenzelt, während der Wind aus wechselnden Richtungen angreift. Brockenverhältnisse sind das hier nicht…

...Fortsetzung folgt...

MatthiasK
01.04.2011, 20:18
Super!
Ich will auch wieder auf den GR221 jetzt sofort.

fe
01.04.2011, 21:38
Hola :) Bin gerade heute morgen in Palma gestartet um kurze zeit später wieder hier im grauen Norden zu landen.
Ich freue mich sehr über deinen Bericht und deine Bilder, vor allem weil wir den s'Esclop ausfallen lassen mussten (u.a. wegen des Wassers...).
Einen Reisebericht hatte ich auch vor zu schreiben, wobei ich mich schon fast etwas zu sehr dafür schäme, wenn ich hier sehe mit welcher Geschindigkeit und Präzision du deine Etappen gemeistert hast :bg: das sah bei uns gerade im Süden ganz anders aus :D
Naja, mal schauen, was meine Bilder sagen, wenn die fertig entwickelt sind.
Ansonsten an dich erstmal ein ganz dickes 'weiter so' ;-)

Gismo834
01.04.2011, 22:45
Geil. Da möchte man direkt mit laufen.

mariodejaneiro
05.04.2011, 12:36
hey..wann gehts endlich weiter ;) eine frage hab ich noch zudem ..wie siehts eigentlich mit waschgelegenheiten unterwegs aus...einfach ins meer?? oder gibt es irgendwelche bäche etc??
saludos de bonn
mario de janeiro:hahaa::hahaa:

Gwenny
05.04.2011, 13:21
Einen Reisebericht hatte ich auch vor zu schreiben, wobei ich mich schon fast etwas zu sehr dafür schäme, wenn ich hier sehe mit welcher Geschindigkeit und Präzision du deine Etappen gemeistert hast :bg: das sah bei uns gerade im Süden ganz anders aus :D

Als ich später einen Tag mit einem Spanier unterwegs war, sah es bei uns auch ganz anders aus. Dadurch, dass wir ins Gespräch vertieft waren, haben wir uns weniger auf die Strecke und eventuelle Schilder konzentriert und sind etliche Male daran vorbei gelaufen. Allein hatte ich das Problem eher weniger :)


hey..wann gehts endlich weiter ;) eine frage hab ich noch zudem ..wie siehts eigentlich mit waschgelegenheiten unterwegs aus...einfach ins meer?? oder gibt es irgendwelche bäche etc??
saludos de bonn
mario de janeiro:hahaa::hahaa:

Ich eile, aber ich habe auch noch andere Sachen zu tun ;-)
Einfach ins Meer zum Waschen ist einfacher gesagt als getan. Das Meer ist meist zwar in Sichtweite, der Weg verläuft aber in einer gewissen Höhe über dem Meer und du wirst höchstwahrscheinlich wenig Lust verspüren, dich durch die Macchia zum Meer zu wühlen. Es gibt aber auch einige Buchten, zu denen man hinunterkommt. Waschen... ja. Als ich genug Wasser hatte, gabs Katzenwäsche. Später war ich in zwei Hütten, da gab es dann Duschen :)

Den ersten wasserführenden Bach habe ich in Deia gesehen, wenn ich mich nicht irre.

Gwenny
07.04.2011, 00:55
Tag 3 (09.03.): Boal de ses Serveres – vor Esporles

Am nächsten Morgen ist vom Wind nur noch ein schwaches Lüftchen übrig. Da die Sonne noch nicht über die Berge geklettert ist und mir die Morgenkälte in die Knochen zieht, wickel ich mich in meine Softshelljacke, die ich hiermit zum drittbeliebtesten meiner mitgenommenen Ausrüstungsgegenstände erkläre. Nicht weit von meinem Zeltplatz entfernt finde ich die unverschlossene Schutzhütte, die auch vom Inneren her einen ganz netten Eindruck macht. Bei schlechtem Wetter hält man es dort bestimmt gut aus…

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Ich passiere zwei Aussichtspunkte, bevor es auf steilen Köhlerpfaden in den Steineichenwald hineingeht. Die Orientierung erfolgt hierbei eher intuitiv, denn es gibt reichlich Möglichkeiten, irgendwo falsch abzubiegen. Plötzlich ist der Pfad vor mir gesperrt und ich bin fast geneigt, umzudrehen - andererseits stimmt die Richtung, und ich müsste sonst wieder bergauf laufen... Welchen Hintergrund die Sperrung hat, wird mir etwas später klar, als ich plötzlich einsetzenden Lärm von Motorsägen und ein lautes Knacken höre. Der unweigerliche Blick nach oben offenbart friedlich im Wind schwankende Baumkronen. Puh! Auf kurvenreichen Pfaden nähere ich mich der Lärmquelle in der Hoffnung, irgendwie unbemerkt daran vorbeihuschen zu können.

Natürlich misslingt das, aber die beiden Waldarbeiter grüßen mich sehr nett und fragen, ob ich den Weg über die Finca kenne, oder ob sie mir den Weg zeigen sollen. Einer der beiden hat gerade die Arme voll Geäst, so dass ich die beiden lieber weiter arbeiten lasse. Schließlich habe ich meine schlaue Karte dabei und was soll daran so schwierig sein, einem 3 m breiten Schotterweg zu folgen? Einer Schotterautobahn? Nur wenige Meter später stehe ich an einer Kreuzung. Jetzt bloß nicht unentschlossen wirken… Ich wähle den linken Weg, überquere eine gut einsehbare Ebene - und finde mich an einem steilen Abhang mit viel Gestrüpp und irgendwie schadenfrohen Ziegen wieder. Leicht geduckt schleiche ich mich wieder zurück und wähle den anderen Weg. Durch alte Olivenhaine geht es weiter, später auf einem schmalen, grasgesäumten Pfad entlang. Hinter mir schließe ich ein Tor, auf dem „Betreten verboten“ steht. Über eine spannende Brückenkonstruktion geht es weiter und wenig später stehe ich neben den ersten Häusern von Estellencs.

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Im erstbesten Laden kaufe ich Wasser und ein leider ziemlich geschmacksneutrales Baguette, dem ein anständiges Bad im Mittelmeer fehlt. Da die Sonne so schön scheint, lasse ich mich auf einer Bank vor dem Laden nieder und ziehe die Mittagspause vor. Mich jagt ja niemand. 50% der Kunden des kleinen Ladens tragen Tagesrucksäcke von Deuter oder JW, eine DSLR um den Hals und Karohemden. Ich hänge mir auch meine DSLR um den Hals, um nicht aufzufallen und fotografiere rostiges Schrottgetier, das am Straßenrand herumsteht.

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Kurz hinter Estellencs mache ich auf einer Wiese eine vorgezogene Kaffeepause, da die Sonne so schön scheint. Mich jagt ja niemand. Da ich keinen Kaffee dabei habe (war mir dann doch zu schwer), starre ich stattdessen auf die großen, saftigen Orangen, die 5 m von mir entfernt an den Bäumen hängen. Ohne Zaun dazwischen, wie verlockend! Aber ich kann mich nicht durchringen… kann nicht eine von denen in einem Bogen zu mir herüberfallen? Um mich abzulenken, fotografiere ich Hummeln und Blümchen, die sind schließlich auch ganz hübsch. Schweren Herzens reiße ich mich los und mache mich auf den Weg in Richtung Banyalbufar. Dabei passiere ich auch ein Schild mit dem Hinweis, dass der Weg nach 4,5 km aufgrund gerichtlicher Anordnung geschlossen ist. Aber was ich nicht mit eigenen Augen gesehen habe…

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Der weitere Pfad verläuft hangparallel und gibt immer wieder schöne Blicke auf die Küste frei. Insgesamt erscheint die Landschaft aber auf mich inzwischen nicht mehr so spektakulär wie an den ersten beiden Tagen. Vielleicht liegt es an der ferneren Küste und den nur noch sporadisch vorhandenen Aleppokiefern, oder dem kaum noch offen zutage tretenden Fels? Aber vielleicht habe ich mich auch einfach an den Frühling und die damit verbundene Farbenvielfalt gewöhnt. Laute Stimmen kommen näher und ich rette mich mit einem Sprung ins Gebüsch. Es dauert allerdings noch gute fünf Minuten, bis vier lautstark diskutierende Bayern an mir vorbeilaufen. Zwar verstehe ich nicht so recht, was mich zu dieser spontanen Handlung getrieben hat, allerdings kann ich nun nachvollziehen, warum Dissgras zu den Schneidegräsern gehört. Genervt krempel ich wieder die Hosenbeine herunter und wühle mich zurück auf den Weg.

Am Abzweig zur Font d’Obi und der Finca Planicia lasse ich meinen Rucksack liegen, um den Zugang zur Finca Es Rafal auszukundschaften. Nach etwa 10 Minuten erreiche ich den mehrfach verstärkten Zaun, der mit einer ansehnlichen Sammlung von Warn- und Verbotsschildern behangen ist. Das im Reiseführer beschriebene Loch im Zaun ist nicht erkennbar – aber selbst wenn, irgendwie verspüre ich wenig Lust, mich mit „los perros“ anzulegen, oder dem angeblich schießwütigen Besitzer. Leider habe ich die Kamera bei diesem Abstecher nicht dabei, so dass ich weder den imposanten Zaun noch die grandiose Aussicht auf das Meer entlang des Weges festhalten kann. Stattdessen kehre ich zum Abzweig zurück und wende mich in Richtung Planicia. Die Finca mit ihren Ländereien war ursprünglich für Wanderer gesperrt und wurde 2009 von der Verwaltung der Balearischen Inseln erworben. Somit gibt es nun eine Umgehung abseits der Ma 10 für die vom Besitzer von Es Rafal gesperrte Wegstrecke, die auch im Begleitheft zur neuen Tramuntana Süd 1:25.000 Karte ausführlich beschrieben ist.

Die Quelle Font de s’Obi führt momentan kein fließendes Wasser und das kleine, wassergefüllte Becken darunter wirkt wenig vertrauenserweckend. Erleichtert greife ich nach der Plastikflasche. In schattigen Bereichen ist der Weg teilweise von leuchtend grünem Moos überwachsen, das jegliche Geräusche dämpft. Einige Schafe begrüßen mich und zeigen mir den Weg zur Straße, die nach Planicia hinaufführt, von alten, knorrigen Olivenbäumen gesäumt.

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Der Pfad ab Planicia macht einen noch recht neuen Eindruck. Quergelegte Steinreihen „versperren“ falsche Abzweige und Holzleitern erleichtern das Übersteigen von Mauern. Leider umgehe ich auf diesem Weg Banyalbufar, einen wohl ziemlich netten, kleinen Terrassendort an der Küste. Aber da ich mit meinen Prä- und Post-Mittagspausen genug Zeit verloren habe, will ich keinen Abstecher mehr nach Norden machen. An der Finca s’Arbocar stecken mir Bauarbeiter zwei Orangen zu und mir fällt ein weiteres Mal auf, wie freundlich hier die Menschen sind.

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Etwas südlich vom Coll de Pi, einem Wegweiser nach noch etwa 40 min von Esporles entfernt, finde ich einen netten Platz für die Nacht. Während das Wasser zu kochen beginnt, entscheide ich, mein zweites Gaumenexperiment (Nudeln mit Pesto von Farmer‘s Snack) möglichst weit nach hinten zu verschieben.

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Während ich im Schlafsack liege und dem pfeifenden Wind lausche, denke ich über all die fehlenden Menschen nach. Außerhalb Estellencs sind mir bis auf die vier Bayern und die Arbeiter keine Menschen begegnet. Wo sind all die Tagestouristen? Wo sind die GR 221-Wanderer? Auf die Idee, dass wir uns alle in dieselbe Richtung bewegen könnten, komme ich nicht. Irgendwo schreit eine Ziegenmama nach ihrem Kleinen.

...Fortsetzung folgt...

zahl
07.04.2011, 13:22
Sehr schöner Bericht, ich lese hier gerne mit.

Antracis
07.04.2011, 23:38
Ich auch. ;-) Und vier lautstarke Bayern sind allemal ein Grund für einen spontanen Sprung in die Deckung. :bg:;-)

Wie hast Du insgesamt die Probleme mit den Grundstücksbesitzern bzw. "gesicherten" Grundstücken empfunden ? Nervig ? Arg behindernd ? Insgesamt ist das nämlich so ein Punkt, der mich immer an den Malle-Berichten gestört hat nach dem Motto: Schöne Wege durch schöne Landschaft, wenn sie denn nicht ständig irgendwie gesperrt wären.

Gruß
Sascha

Gwenny
09.04.2011, 18:58
Gut, dass ich das mit den Bayern nicht allein so sehe. Um hier nicht anzuecken schreibe ich jetzt einfach mal, dass es wohl eher an ihrem Verhalten und weniger an ihrem Dialekt lag ;-)

Probleme mit Grundstücksbesitzern hatte ich nicht und die einzige Wegsperrung war die schon seit längerem bestehende bei „Es Rafal“, für die es aber inzwischen besagte markierte Umgehung gibt. Entlang der (Schotter)Straßen sind die meisten Grundstücke eingezäunt – zu den Wanderwegen hin sind sie es meist nicht. Ich bin zwei, dreimal vom Weg abgekommen und stand irgendwann an einem Zaun, meist konnte ich aber hinüberklettern. Bis auf eine Ausnahme waren sämtliche zu passierende Gatter offen/unverschlossen und Maut musste ich auch nicht zahlen, an den entsprechenden Stellen war gerade Dauerregen :bg:

Wie du siehst, ich konnte nicht klagen. Aber in der Hauptsaison sieht es vielleicht etwas anders aus…?

Hinweis: Bis es mit dem Bericht weiter geht könnten einige Tage vergehen. Meine Grafikkarte vom Notebook hat den Geist aufgegeben und schon das Verfassen von solch einem kurzen Beitrag ist bei einer Auflösung von 600x480 bei 16 (!) Farben ziemlich ätzend. Von Fotos rede ich besser nicht… :(

Grüße
Corina

Gwenny
14.04.2011, 15:07
So, weiter geht's. Ich hoffe, die Fotos sind nicht allzu schlimm. Kann momentan nur mit einem alten Notebook mit Schrottdisplay arbeiten...

Tag 4 (10.03.): vor Esporles – Pla des Pouet

Es ist wichtig, Rituale zu haben. Also ignoriere ich das Weckerklingeln, wedel ein wenig mit der Hand draußen herum und stelle wie jeden Morgen fest, dass es noch zu früh und zu kalt zum Aufstehen ist. Etwas später stecke ich den Kopf zur Tür heraus: blauer Himmel. Nun kann ich mich dann doch überwinden, stehe auf, packe und nage noch ein wenig an einer Salami. Bin ich froh, dass ich kein Müsli mitgeschleppt habe!

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Was für ein sonniger Tag. Entlang des Weges restaurieren Arbeiter einen Teil der Trockenmauer, ein Knochenjob. Wenig später kommt mir eine wanderstockschwingende Gruppe Jugendlicher entgegen. Bei den 25 folgenden „Holas“ kann ich an meiner Aussprache und einem entspannten Gesichtsausdruck feilen. Ganz schön fordernd, so am frühen Morgen. Ich habe schon wieder unbändige Lust auf Orangen…

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Da ich tagsüber kaum hungrig bin, ernähre ich mich hauptsächlich von Orangen und Salami – hin und wieder darf auch ein Müsliriegel dran glauben. Da die Vorräte diesbezüglich langsam zur Neige gehen, stürme ich in Esporles einen Supermarkt und starte außerdem einen zweiten Versuch, ein essbares Baguette zu finden – mit Erfolg! Zwei Palmen schützen mich vor der unbarmherzigen Sonne, während ich zum Nachtisch ein mit rosa Zuckerguss überzogenes Kuchenetwas hinunterquäle. Sobald ich wieder gut rieche, muss ich unbedingt in ein Restaurant gehen.

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Ja, der Geruch. Mutter Natur produziert nicht immer nur liebliche Gerüche und ich bin froh, dass ich endlich die Pflanze gefunden habe, die nach alten Leuten riecht. Also bin doch nicht ich die Ursache dafür… Eine gefühlte Ewigkeit laufe ich eine Asphaltstraße entlang, auf der mir ein kleiner Bagger in gebührendem Abstand folgt. Bleibe ich stehen, bleibt auch er stehen. Ich bin etwas verwirrt, allerdings lenkt mich diese Tatsache erfolgreich davon ab, dass der Rucksack schwer an meinen Schultern hängt und die Asphaltstraße extreeeem nervt.

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Am Abzweig zum Coll de Bassetta stehe ich schließlich vor einem abgeschlossenen Tor. Tja, was nun? Mit einem etwas mulmigen Gefühl steige ich darüber, die bisherigen Gatter waren nie verschlossen. Wenig später komme ich an einer restaurierten Köhlerhütte und einem Kalkofen vorbei.

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Ein Pfad führt durch einen Steinwirrwarrwald den Hang hinauf und es gibt scheinbar mehrere Möglichkeiten, sich in eine Endlosschleife zu begeben, um für immer in diesem Wald gefangen zu sein. Ich folge jeweils dem Pfad mit den Farbmarkierungen, denn die Steinmännchen scheinen sich hier selbst zu vermehren. In der Beschreibung des Führers klang dieser Abschnitt nach etwa 5 Minuten – ich hingegen habe das Gefühl, dort stundenlang herumzulaufen. Schließlich erreiche ich einen etwas breiteren Karrenweg, der mich zu zwei Viehunterständen führt.

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Von Valdemossa trennt mich nun nur noch ein kleiner Hügel und natürlich muss ich für dessen Überwindung zunächst ins Tal hinuntersteigen. Der Aufstieg erfolgt zunächst zwischen zwei Zäunen und ich komme mir vor wie ein Tier im Streichelzoo. In den höheren Lagen wird der Pfad zunehmend felsiger und einige umgestürzte Bäume und herabgefallene Äste machen den Weg interessanter. So mag ich das!

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Vom Gipfel hat man eine grandiose Sicht auf Valdemossa und das Mittelmeer. Einige hundert Meter vom Ufer entfernt schaukeln zwei Motorboote auf dem Wasser, wahrscheinlich sind dort Taucher in Mallorcas Unterwasserwelt unterwegs. Zwei Orangen und geschätzte 1,5 Stunden später mache ich mich mit den Stöcken klappernd wieder auf den Weg, damit die Schafe, die durch den Wald streifen, sich nicht so erschrecken…

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Valdemossa stellt sich als nettes, wenn auch sehr touristisches Örtchen heraus, nur steht die Sonne leider schon so tief, dass ich kurz durch die Gassen schlendern kann. In einem kleinen Supermarkt fällt mir ein Eis und ein San Miguel in die Hände. Vor mir an der Kasse stehen vier Deutsche und diskutieren, was sie essen wollen, der Salat sei ja so teuer… Ich höre mir das eine Weile an und werfe schließlich genervt ein, dass sie das nächste Mal doch nach Mecklenburg-Vorpommern fahren sollen. Staunende Blicke, ich erwarte eine pampige Antwort, aber stattdessen: das ist ja eine gute Idee, da sind dann ja auch nicht so viele Touris – und überhaupt, warum immer nur Mallorca? Tja.

Während ich auf einer Bank sitzend mein Eis verspeise, robbt ein Cockerspaniel auf dem Kopfsteinpflaster neben seinem Frauchen her und schaut beifallheischend zu mir herüber. Ein abstruses Bild, mit einer irritierten Frau – und einem grinsenden, schulterzuckenden Ehemann. Um der Erfüllung meiner guten Vorsätze etwas näher zu kommen, kaufe ich in einem anderen Laden noch einige Postkarten. Auf der Ladentheke entdecke ich eine Zeitung und erfahre von dem Erdbeben und Tsunami in Japan. Wen interessieren da noch Salatpreise…

Zum Pla de Pouet, dem für diese Nacht geplanten Nächtigungsplatz, ist es nicht mehr weit. In meiner Vorstellung erwartet mich da oben eine Vielzahl an Nächtigungsmöglichkeiten, weiches Gras und eine plätschernde Quelle. Leider entpuppt sich der Pla als festgetrampelter großer Platz mit teilweise nur noch mäßig lebendigen Bäumen, die im Zwielicht des hereinbrechenden Abends einen ziemlich gespenstigen Eindruck auf mich machen. Ich fühle mich beobachtet und unwohl. Gollum, Gollum.

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Ein Blick in den Ziehbrunnen (plätschernde Quelle…) stellt mich vor ein weiteres Problem: ohne Wasserfilter erscheint mir das gräuliche, abgestandene Wasser nicht genießbar. Eigentlich hatte ich geplant, morgen über den Teix zu gehen, um herauszufinden, ob der Gipfel tatsächlich privat und gesperrt ist. So aber muss ich davon Abstand nehmen und nach Deia laufen, Fincas mit Wasserhähnen gibt es hier oben leider nicht.

Zwar gibt es reichlich freie Flächen, aber es ist trotzdem nicht einfach, in diesem gruseligen Wald einen angenehmen Platz zum Schlafen zu finden. Schließlich lasse ich den Rucksack auf einem dieser moosigen Flecken fallen, der sich aber als sehr feucht herausstellt. Da aber gerade die Sonne in Sichtweite untergeht, möchte ich aber zunächst endlich einmal dieses Schauspiel zu genießen und lieber im Halbdunkeln weiter zu suchen. Um freie Sicht auf Sonne und Meer zu haben, beschließe ich mal eben schnell auf den westlichsten der Felsen zu klettern. Natürlich dauert dies länger als gedacht, da sich immer wieder neue Felsen zwischen mich und die Sonne schieben, aber schließlich habe ich es geschafft und schaue der Sonne beim Versinken im Mittelmeer zu, während sich auf den niedrigeren Felsen vor mir die Ziegen vermehren. Wie romantisch!

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Nach kurzem Herumgeirre finde ich tatsächlich meinen Rucksack wieder und nach kurzer Sucherei einen in jeder Hinsicht besseren Platz für das Zelt: trocken, eben und von einer Mauer umgeben. Schließlich ist der Wald voller wilder Ziegen. Während das Wasser kocht stelle ich das Zelt auf. Das kühlschrankkalte San Miguel harmoniert perfekt zu den Nudeln mit Mozzarella und Tomaten, ist aber geschmacklich steigerungsfähig. Wäre ich auf Korsika, würde ich jetzt ein leckeres Pietra trinken.

Noch eine ganze Weile läuten die Glocken der Ziegen in weiterer und näherer Entfernung und ich bin froh über die schützende Mauer. Doch mit der absoluten Dunkelheit kommt die Totenstille…

...Fortsetzung folgt...

Yaphi
14.04.2011, 17:10
Sehr schön und kurzweilig geschrieben :)
Die Quelle mit dem grau-grünen Wasser haben wir auch passiert, war uns auch zu heiß das ganze.
Ab hier kann ich deine Reise mit unserer vergleichen ;)

Gwenny
15.04.2011, 13:34
Fast, ich habe schließlich Deia zu Fuß gefunden, aber wie... :baetsch:

Gwenny
27.04.2011, 22:13
Tag 5 (11.03.): Pla des Pouet - Deià (Refugi Can Boi)

Wider Erwarten bleibe ich nicht nur von Ungeheuern verschont, ich schlafe sogar erstaunlich gut. Von Vogelgezwitscher beizeiten geweckt, bin ich bereits um 8.15 Uhr unterwegs. Mein heutiger Plan lautet, zunächst nach Deià und anschließend entlang der Küste nach Port de Sóller zu laufen und evtl. im Refugi Muleta zu übernachten. Wenn ich dort nicht abgewiesen werde, denn ohne vorherige Reservierung fünf Tage zuvor scheint das des Öfteren vorzukommen.

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Am Ziehbrunnen werfe ich noch einmal einen prüfenden Blick auf das gräulich-grüne Wasser - es ist leider noch immer abgestanden und gräulich-grün - und nehme dann den Weg nach Osten, der laut Kartenatlas im Reiseführer über den Pla dels Aritges zum Puig des Caragoli führt. Nach erstaunlich kurzer Zeit bin ich bereits kurz unterhalb des Gipfels und teile per SMS aller Welt mit, dass ich gerade in schönstem Sonnenschein auf einem Berg sitze, Orangen und Salami esse (was sonst?) und dem demographischen Aufschwung der Ziegenpopulation beiwohne. Abseits des Weges im Wald riecht es wie im Raubtierhaus bei den Großkatzen, bei all den durchgeknallten Ziegenböcken tun mir die Geißen wirklich leid...

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Außerdem fordere ich noch möglichst positiv klingende Wettervorhersagen ein. Drei Leute, drei Meinungen – nur bei einer Sache müssen sie sich abgesprochen haben: morgen soll es ganztags ausgiebig regnen. Am vermeintlichen Puig des Caragoli erwartet mich eine in der Karte nicht einzeichnete Ruine, die auch nicht im Führer erwähnt wird – und der Gipfel befindet sich nicht rechts sondern links vom Weg. Auch der Betonpfeiler auf dem nächsten Gipfel ist nicht eingezeichnet. Noch ein Gipfel? Ach, Kleinigkeiten, welche Karte ist bei diesem Maßstab schon wirklich genau…

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Auf Augenhöhe naht mit imposanter Geschwindigkeit eine Wolkenfront und ich beschließe, möglichst schnell abzusteigen. Die beiden „kindsgroßen Steinmännchen“, die die Abzweigung nach Deià kennzeichnen, sollten ja nicht zu übersehen sein. Zwar entdecke ich nur ein Steinmännchen, und das ist auch nur kniehoch, aber was soll’s, die Beschreibung der gesamten Etappe erscheint mir ein wenig sonderbar. Da der Pfad aber markiert und gut erkennbar zu sein scheint, bin ich mir sicher, auf dem richtigen Weg zu sein.

Zunächst über felsigen Schutt verlaufend schraubt sich der Pfad in die Tiefe. Das Gelände wird zunehmend steiler und wenn man die Füße nicht vorsichtig genug aufsetzt, läuft man Gefahr, auf der mächtiger werdenden Nadelschicht auszurutschen. Ein wenig überrascht es mich schon, dass diese „Schwierigkeiten“ nicht im Führer erwähnt wurden. Wirklich skeptisch werde ich jedoch erst, als ich an einem stark geneigten, ca. 20 m hohen Felsabsatz stehe. An einem Baum hat jemand ein altes Seil und eine Kette befestigt, die irgendwo in der Tiefe verschwinden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich hier jedes Jahr hunderte Menschen hinunter hangeln. Inzwischen haben die Wolken den Berg eingehüllt und die Steineichen werden von Windböen durchgeschüttelt.

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Das Seil knarzt nur leicht und der Knoten ist auch fest, so dass ich die Gedanken an eine alternative Abstiegsvariante fallen lasse. Mit einem beherzten Griff packe ich das klamme Seil und lasse mich langsam daran herunter, während die Füße auf dem schmierigen, feuchten Fels Halt suchen. Ohne Rucksack wäre das kein Problem, aber mit dem Mehrgewicht auf dem Rücken ist es nicht einfach, der Schwerkraft entlang des auch seitwärts geneigten Hanges zu trotzen. Bin ich erleichtert, als ich endlich wieder Nadeln unter den Füßen habe…

Die Wolken steigen langsam wieder auf und mein Blick fällt aufs Meer. Aufs Meer? Wieso ist das so nah? Weit rechts von mit erblicke ich Na Foradada, eine Felsinsel, die sich eigentlich links von mir befinden müsste. Befürchtungen werden zur Gewissheit und mein erster Gedanke ist: oh Gott, wie peinlich! Mein Zweiter: wenigstens gibt es keine Zeugen. Mein Dritter: ein Geograph verläuft sich nicht, er erkundet! Froh über diesen erleuchtenden Einfall wandelt sich Frust in Lust und ich beschließe, den weitgehend unerforschten mallorquinischen Pfaden zu folgen, die auch in der 1:25.000er Karte nicht eingezeichnet sind (wie ich später am Abend herausfinden soll). Neben Steineichen in verschiedenen Größen und Formen gibt es allerdings nicht viel zu entdecken, und da ich den Plan nach Port de Sóller zu laufen noch nicht aufgegeben habe, wähle ich ab sofort nicht mehr die nach Nordosten sondern die ins Tal führenden Pfade. Nicht weit unterhalb von mir verläuft die Ma-10.

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Schnell habe ich die Straße erreicht, doch was ist das? Nennen wir es einfach einen etwa 1,5 m hohen Maschendrahtzaun, der zusätzlich noch mit zwei Lagen Stacheldraht gesichert ist. Selbstverständlich ist das in der Nähe liegende Tor abgeschlossen und ich verspüre wenig Muße, Kleidung und/oder Haut mit Lüftungslöchern auszustatten. Meine Stöcke erscheinen mir weniger für Stabhochsprung geeignet und das Angeln nach der umgekippten Mülltonne und anderem Gerümpel auf der anderen Zaunseite schlägt leider auch fehl. Wenigstens weiß ich nun, wo ich mich befinde: bei der Finca Son Gallard. Noch immer bin ich viel zu weit westlich unterwegs. Irgendwie ist heute nicht mein Tag.

Einfach so aufgeben möchte ich natürlich auch nicht, also schleiche ich noch ein Weilchen am Zaun entlang - und springe bei jedem vorbeikommenden Auto ins Gebüsch. In einem früheren Leben muss ich ein Reh oder eine Katze gewesen sein. Oder eine Kriminelle. Schlussendlich gebe ich auf und ziehe mich wieder nach oben in den Wald zurück und quere mehr oder weniger pfadlos am Hang entlang in Richtung Deià. Laut Karte muss es dort irgendwo einen markierten Pfad geben, der schließlich in den GR 221 übergeht. Ja, Pfade finde ich viele und die meisten sind auch auf diese oder jene Weise markiert. Nur enden sie meist an Terrassenmauern oder im Gestrüpp.

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Irgendwann erreiche ich die angeblich am markierten Weg gelegenen Cases Noves Son Rullan. Jede Terrasse hat dort ihren eigenen Pfad und ich konzentriere mich lieber auf das im Führer erwähnte Gatter im Zaun, auf dessen anderer Seite mich tatsächlich der GR 221 erwarten soll. Die Vorfreude kommt leider etwas verfrüht, schließlich sind mallorquinische Besitztümer teilweise von immenser Ausdehnung. Zwar ist es nicht schwer den Zaun zu finden, für das erfolgreiche Finden des Gatters brauche ich jedoch ungefähr eine Stunde, da ich so ungeduldig bin, dass ich mehrfach die Richtung wechsle. Etwa 50 m nach der allerersten Umkehrstelle und gefühlte 1356 Terrassen später finde ich schließlich das Gatter und der GR hat mich wieder.

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So wirkliche Freude will allerdings nicht aufkommen, denn das Herumgeirre hat viel Zeit verschlungen und ich muss mich mit dem Gedanken anfreunden, in Deià zu übernachten. All das Herumgekraxel auf den Terrassen hat meine Knöchel und Knie in Mitleidenschaft gezogen, so dass ich ihnen heute keine weite Strecke mehr zumuten möchte. Der letzte Teil des Pfades schlängelt sich durch hohes Dissgras und Deià ist nicht mehr weit. Um einen würdevollen Auftritt bemüht erreiche ich schließlich das Refugi Can Boi.

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Bei meinem heutigen Glück habe ich eigentlich eine Absage erwartet, aber es ist tatsächlich noch ein Bett für mich frei. Überglücklich genieße ich die warme Dusche und nutze die Gelegenheit, einige Klamotten zu waschen. So wirklich neugeboren fühle ich mich zwar nicht, daher ist mir der Weg zur wohl sehr sehenswerten Bucht Cala Deià auch zu weit, aber das Örtchen möchte ich schon ein wenig erkunden.

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In einem kleinen Laden finde ich eine Trostschoki, Ersatz-Batterien für die Kamera (Notiz: das nächste Mal Ersatzakkus vor der Reise aufladen) und etwas Wasser. Deià ist wirklich nett. Besonders begeistert mich die Kirche mit ihrer tollen, unkitschigen Atmosphäre. Etwas unterhalb der Kirche treffe ich auf zwei Esel – wirklich wilde Exemplare sind mir bisher leider nicht über den Weg gelaufen.

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Als ich später mit den anderen Gästen im Refugi am Tisch sitze und die Karte studiere, fallen mir die Tomaten von den Augen. Die Wegkreuzung am Pla de Pouet im Kartenatlas (Hosentasche, griffbereit) stimmt nicht mit der Karte (Deckelfach, unerreichbar) überein. Somit bin ich nicht über den Pla des Aritges sondern über den Coll Estret des Son Gallard aufgestiegen und hätte demnach zum Puig des Caragoli nach rechts und nicht nach links abbiegen müssen. Ruine und Betonpfeiler befinden sich auf den westlich gelegenen zwei (!) Gipfeln Pouet und Veià. Und mein Abstiegspfad nach Deià existiert überhaupt nicht…

Nun ja, ändern kann ich das Missgeschick nicht mehr, also überschlage ich den morgigen Marschplan: wenn ich gegen 8.30 Uhr starte bin ich gegen 18.00 Uhr am Refugi Tossal Verds, wo ich eine Übernachtung gebucht habe. Den vorhergesagten Dauerregen, Ostwind, lahme Beine und Pausen nicht mit eingerechnet. Zwar könnte ich einen Bus bis Sóller nehmen, aber der Erste fährt so früh, dass ich auf das verlockende Frühstück verzichten müsste. Und so ein bisschen Herausforderung muss auch mal sein…

...aber nicht mehr heute. Meine Füße bringen mich um.

…Fortsetzung folgt…

entenpower
28.04.2011, 23:07
Befürchtungen werden zur Gewissheit und mein erster Gedanke ist: oh Gott, wie peinlich! Mein Zweiter: wenigstens gibt es keine Zeugen. Mein Dritter: ein Geograph verläuft sich nicht, er erkundet!
:hahaa::hahaa::hahaa: :bg:

super geschrieben!

Mika Hautamaeki
30.04.2011, 13:53
Sehr schöner Bericht und super geschrieben. Danke!

Villeman
30.04.2011, 14:23
wirklich toller Bericht! Würde ich ihn doch nur nicht gelesen haben.......... warum muss man auch eine Abschlussprüfung am Ende des Studiums machen :roll: ......... ich will auch!

Gwenny
02.05.2011, 16:23
:hahaa::hahaa::hahaa: :bg:

super geschrieben!

Naja, ich musste mir die Situation doch schönreden. Und sie hat zu einer Änderung meiner Signatur geführt ;-)

@Villeman: Irgendwann ist die Prüfung geschafft...

mariodejaneiro
03.05.2011, 16:41
oh mann wie schaff ich es denn , dass die bilder direkt gross unter dem Text zu sehen sind..versuche mich grad an meinen ersten Reisebericht..aber bislöang sind die Bilder nur in Miniatur zu sehen???:.....

derSammy
03.05.2011, 16:44
oh mann wie schaff ich es denn , dass die bilder direkt gross unter dem Text zu sehen sind..versuche mich grad an meinen ersten Reisebericht..aber bislöang sind die Bilder nur in Miniatur zu sehen???:.....

http://www.outdoorseiten.net/forum/attachment.php?attachmentid=7326&d=1304423709

So ;-)

smeagolvomloh
03.05.2011, 17:29
Danke für den schön geschriebenen Bericht!:bg:

Die Insel ist so dermaßen schön, wenn man weiß, wo man hin soll und welche Örtlichkeiten man unbedingt meiden muss.:ignore:

der_Kai
12.05.2011, 14:16
Schöne Lektüre für Berufsethik und Psychologie -Vorlesungen.
Was spricht der Mann da vorne ??!
Keine Ahnung - ich les' weiter ......... ;-)

(beim ersten Tag las' ich etwas von "schüchtern" ?! Das hat mich verwirrt - wieder einmal ......)

Gwenny
12.05.2011, 22:32
Ohje, das kleine Zicklein steckt noch im Maschendrahtzaun fest, ich sollte es demnächst mal retten und von meinen Heldentaten berichten! Nach dem Wochenende kommt die Fortsetzung...

@kai: Leute, die sich nach einem Treffen an mich erinnern haben selten den Eindruck, ich wäre schüchtern :)

Gwenny
13.05.2011, 20:55
Tag 6 (12.03.): Deià (Refugi Can Boi) – Refugi Tossal Verds

Als Strafe für das gestrige Debakel ist das Wetter heute tatsächlich schlecht. Schwere, dunkle Wolken hängen über Deià und lauern nur darauf, dass ich das Refugi verlasse. Glücklicherweise hat gestern noch jemand seinen Weg vergeigt und ist nun mindestens genauso schuldig an der Suppe da draußen: Juan, ein Spanier, hatte sich ebenfalls an dem Stacheldrahtzaun bei Son Gallard versucht, war allerdings auf anderen Pfaden dorthin gelangt. Er ist auch auf dem GR 221 unterwegs und gestern von Banyalbufar bis Deià gelaufen - die strammen zehn Stunden stecken ihm noch ordentlich in den Knochen, so dass er sich nicht sicher ist, ob er mich bis Tossal Verds begleiten kann. Sein Begleiter musste in Esporles wegen Fußproblemen aufgeben und ich bin froh, jemanden gefunden zu haben, der mich wenigstens ein Stück begleiten möchte. Aus meiner Planung, um 8.30 Uhr aufzubrechen wird daher natürlich nichts - die ersten Tropfen fallen erst 45 min später, als wir die letzten Häuser hinter uns lassen.

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Der Weg nach Sóller ist nicht sonderlich spektakulär. Wäre das Wetter ein wenig besser, könnten wir die Aussicht genießen, aber so ziehen wir die Kapuzen enger und konzentrieren uns auf den rutschig-nassen, gepflasterten Weg vor uns. Juan legt ein ordentliches Tempo vor und ich kann wider Erwarten folgen. Unsere unteren Extremitäten scheinen sich bei uns beiden ganz gut über Nacht erholt zu haben.

Die Finca Son Mico lockt mit frisch gepresstem Orangensaft, der in Anbetracht des großen Orangenangebotes zwar relativ teuer ist, aber wunderbar schmeckt. Die Besitzerin ist hocherfreut uns zu sehen und verstrickt Juan in ein längeres Gespräch, dem ich sogar einigermaßen folgen kann. Spanisch und Französisch sind sich tatsächlich sehr ähnlich - insbesondere da die Frau französische Wurzeln hat und mit entsprechendem Akzent spricht. Nur mühsam und nach Annahme zweier köstlicher Kuchenstücke können wir uns von der redseligen Frau losreißen.

Kurz vor Sóller werden wir dann zu Helden. Schon von weiten sehen wir etwas Weißes im Maschendrahtzaun auf- und abtanzen und denken zunächst, es handelt sich um einen verirrten Fetzen Stoff von einem der Fincas unterhalb des Weges. Als wir näherkommen, verwandelt sich der tanzende Stofffetzen in ein kleines, zappelndes Tierchen. Das Zicklein muss irgendwo durch ein Loch im Zaun hindurch geschlüpft sein und hängt nun mit dem Kopf in den Maschen fest und schreit erbärmlich. Auf der anderen Zaunseite läuft die verzweifelte Mutter auf und ab, die ihrem Kleinen so nah ist aber es doch nicht zu sich holen kann. Was für ein trauriger Anblick. Vorsichtig biegen wir den Draht weg von dem kleinen Tierchen und heben es über den Zaun. Mit großen Sprüngen springt es zur Mama und stillt hektisch seinen Hunger, während der kleine Schwanz sich schwindelerregend im Uhrzeigersinn dreht. Lächelnd machen wir uns wieder auf den Weg...

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Auch wenn ich das Alleinsein in den letzten Tagen genossen habe bin ich doch froh, bei diesem Wetter nicht allein unterwegs zu sein. Juan ist ein netter und interessanter Gesprächspartner und wir sind die meiste Zeit so in die Unterhaltung vertieft, dass wir an einigen Markierungen vorbeilaufen und erst im Augenwinkel unser Irrtum erkennen. Wäre ich allein unterwegs, würde mir das nicht passieren – obwohl, nach dem gestrigen Tag bin ich mir da alles andere als sicher.

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In Sóller legen wir eine kurze Pause ein, schließlich ist gerade Mittagszeit. Sóller scheint eine schöne Stadt zu sein, nur reicht die Zeit leider nicht für eine genauere Erkundung aus. Aber vielleicht verschlägt es mich nach der Durchwanderung des Torrent de Pareis noch einmal hierher? Ein Blick zum Himmel lässt mich erstmals an dieser Idee zweifeln. Zwar gibt es hin und wieder Regenpausen, aber die sind nur von kurzer Dauer. Die dunklen Wolken werden auch über dem Torrent und dessen Einzugsgebiet hängen, und selbst wenn nicht genug Regen fällt, damit er viel Wasser führt: allein durch eine tiefe Schlucht voller glitschiger Steine zu klettern muss nicht sein. Obwohl, wäre ich vor dem Handyzeitalter genauso risikoscheu gewesen?

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Juan will mich mit einigen typisch mallorquinischen Spezialitäten bekannt machen und stürmt mit mir eine Konditorei, um Ensaïmadas und anderes Gebäck zu verinnerlichen. Das Schmalzgebäck begeistert mich wahrhaftig! Gegenüber der Konditorei befindet sich ein Eisenwarenladen und mir fällt ein, dass die Batterien meiner Kamera schon wieder fast leer sind, obwohl ich doch erst gestern Nachschub besorgt habe. Merkwürdig, ich habe seitdem doch nicht mehr als 10 Fotos gemacht!? Kurz vor der Siesta husche ich noch schnell in den Laden hinein und kaufe die teuersten Batterien, in der Hoffnung, dass sie diesmal länger halten. Später werde ich die gestern gekauften Batterien im Rucksack finden – ich hatte sie noch gar nicht ausgetauscht…

Juan drückt mir eine Tüte mit frischen, gnadenlos leckeren Datteln in die Hand. Meine Güte, für Datteln könnte ich sterben! (Von nun an soll ich an keinem Supermarkt mehr vorbeigehen können, ohne einige Zweige mit Datteln zu kaufen.) Und dann gesteht er mir, dass er stark am Überlegen ist, hier die Tour abzubrechen und nach Lluc zu trampen. Im Grunde möchte er die Tour natürlich durchziehen, aber seine Füße machen sich inzwischen arg bemerkbar und wir haben den Großteil der Strecke noch vor uns. Zwar ist er ein toller Reisebegleiter und ich fände es schade, wenn sich unsere Wege schon wieder trennen würden, aber natürlich ist seine Gesundheit wichtiger. Mit einem Blick auf die Uhr dringe ich auf eine Entscheidung und er beschließt, mich wenigstens noch bis Biniaraix zu begleiten.

Eine Stunde hinter meinem groben „Zeitplan“ liegend verlassen wir schließlich Sóller. Eigentlich ist es sehr einfach, nach Biniaraix zu gelangen. Theoretisch muss man von der Konditorei ausgehend einfach der Straße nach Osten folgen, aber natürlich verquatschen wir uns beim Laufen so, dass wir den Abzweig verpassen und nach längerem Bergaufgelaufe in einer Sackgasse landen. Über Umwege finden wir schließlich doch nach Biniaraix, und dort das alte Waschhaus, an dem der GR221 vorbeiführt. Juan verliert kein Wort über das Trampen nach Lluc – den Schweinehund hat er wahrscheinlich mit einer erschnorrten Zigarette verjagt. Oder aber ihm ist klar, dass von Biniaraix kaum Autos nach Lluc fahren…

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Die nächsten Stunden bringen wir damit zu, den Barranc de Biniaraix hinaufzusteigen. Stetig führt der gepflasterte Weg bergan und führt immer tiefer in die von spektakulären Felswänden gesäumte Schlucht hinein. Trotz Nässe halten wir ein ordentliches Tempo - vielleicht jagt uns die Angst, das Abendessen oder das letzte heiße Duschwasser zu verpassen? Oder uns ist einfach nur saukalt. Hin und wieder zwingen wir uns, den Blick vom glitschigen Untergrund zu heben und auf die Umgebung zu richten. Man kann sich nur schwer vorstellen, mit wie viel Aufwand und Mühe das Anlegen der zahlreichen Terrassen verbunden gewesen sein muss. Bei schönem Wetter muss die heutige Etappe wahnsinnig beeindruckend sein…

Wenn wir gewusst hätten, dass unsere kleinen, gestrigen Umwege dermaßen grässliches Weltuntergangswetter heraufbeschwören… Natürlich kommt der Wind ständig von vorn und peitscht uns den kalten Regen ins Gesicht. Wäre es wärmer, würde ich meine Regenjacke ausziehen und von einer der Böen ins Meer hinunter wehen lassen, Mistding! Alles an mir trieft und tropft und ich stelle fest, dass Juan mit seinem Quechua-Sackponcho eine deutlich bessere Wahl getroffen hat.
In einer windgeschützten, etwas überhängenden Felsnische machen wir eine kurze Pause und stärken uns mit Sobrasada und Orangen. Und träumen von Kaminfeuer, Wein und leckerem Essen - und einer heißen Dusche…

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Auf dem Coll de L’Ofre erwarten uns leider auch nur dicke, weiße Wolken. Die Sicht ist sogar dermaßen schlecht, dass wir den Cúber-Stausee erst sehen, als wir im Begriff sind, hineinzufallen. Mir kommt der Gedanke, tatsächlich ein Bad zu nehmen - Teile meines Rucksackinhaltes könnten am heutigen Tag sonst aus Versehen trocken bleiben. Wir trösten uns mit den allerletzten Datteln und dem Gedanken, dass es nun nicht mehr weit sein kann.

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Hinter dem Staudamm biegen wir zum Tunnelweg ab, denn zum Einen ist diese Variante zum Refugi Tossal Verds deutlich kürzer als der GR 221 und zum Anderen kann ich an einem Weg mit solch einer spannenden Bezeichnung natürlich nicht einfach so vorbeigehen. Mit der Stirnlampe in der Jackentasche machen wir uns auf die Suche nach dem ersten Tunnel, müssen uns aber zunächst den stellenweise sehr steilen und schotterigen Pfad bergab trauen. Ja, an das gestrige Terrassensteigen erinnern sich meine Knie. Die ersten vier Tunnel sind schnell durchschritten und wir umgehen den Letzten auf einem sehr schmalen Pfad mit beeindruckendem Tiefblick entlang der Wasserleitung. Maut will bei dem Wetter natürlich keiner kassieren. Die letzten Höhenmeter zum Refugi ziehen sich ziemlich und in einem unvorsichtigen Moment rutsche ich aus und knalle mit Schienbein und Unterarm auf eine der Stufen. Der Kamera, die vor meiner Brust baumelt, ist zum Glück nichts passiert, aber es wird zwei, drei nette Veilchen geben.

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Das Refugi macht einen sehr vollen Eindruck und wir sind skeptisch, ob da noch ein Plätzchen für Juan frei ist. Aber man kann bei dem Wetter doch niemanden vor die Tür setzen, oder? Eine gefühlte halbe Ewigkeit stehen wir in klitschnassen Klamotten im Gastraum herum und warten, bis einer der gestressten Betreiber endlich Zeit für uns hat. Ich geselle mich zu den nassen Schuhen, Klamotten und Rucksäcken anderer Wanderer ans Kaminfeuer und streiche diesen Punkt gedanklich von meiner Wunschliste. Juan darf bleiben und kann sogar noch ein Abendessen buchen.

Der Abend wird herrlich! Frisch und heiß geduscht lassen wir die endlich nicht mehr eingezwängten Beine baumeln und uns das Huhn mit Ofenkartoffeln auf der Zunge zergehen. Dazu gibt es sehr gut trinkbaren mallorquinischen Rotwein – und Whisky, denn neben uns haben zwei Engländer Platz genommen. Bob und Mark sind für ein verlängertes Wochenende nach Mallorca geflogen und ernähren sich ausschließlich von Armeerationen, die sie in der Küche des Refugi aufwärmen lassen. Geruch und Aussehen sind ganz annehmbar, aber satt kann man davon nicht werden. Vielleicht handelt es sich um die Diätlinie – und für den sportlichen Effekt sind die Gerichte nicht dehydriert?
Zwar verstehe ich zunächst recht wenig von dem, was sie sagen, aber mit zunehmendem Alkoholkonsum auf allen Seiten und etwas Gewöhnung kommt mir ihr verquollenes Englisch gar nicht mehr so verquollen vor und wir blubbern und blubbern…
Und der Nalgeneflaschenwhisky schmeckt.

Als die beiden sich zurückgezogen haben beginnt Juans Glanzstunde. Seit geraumer Zeit hocken zwei Jungen mit Flappe und Stöpseln im Ohr in einer Ecke und er schafft es auf rätselhafte Weise, dass sich die beiden zu diversen Leibesübungen aufraffen. Kurz darauf hat sich eine große Schar Kinder um ihn versammelt und die Meute tobt schreiend und lachend durch die Gänge. Wer kann am längsten auf einem Bein stehen, wer schafft den schönsten Handstand? Es dauert eine ganze Weile, bis Ruhe einkehrt. Wobei man bei der nächtlichen Schnarch-Dauerbeschallung andere Worte dafür wählen sollte.

Werner Hohn
10.10.2011, 20:30
Dazu gibt es sehr gut trinkbaren mallorquinischen Rotwein – und Whisky, denn neben uns haben zwei Engländer Platz genommen.

...

Zwar verstehe ich zunächst recht wenig von dem, was sie sagen, aber mit zunehmendem Alkoholkonsum auf allen Seiten und etwas Gewöhnung kommt mir ihr verquollenes Englisch gar nicht mehr so verquollen vor und wir blubbern und blubbern…
Und der Nalgeneflaschenwhisky schmeckt.

Und wenn sie nicht gestorben sind ...

Wafer
08.12.2011, 16:06
Halo Gwenny.

Sehr schöner Bericht! Kompliment! Er hört nur leider genau da auf, wo es mir bekannter wird. Ich war im Sommer auf Mallorca (http://outdoorseiten.net/forum/showthread.php?55934)und hatte die Gelegenheit von Pollenca an den Cuber-Stausee zu wandern, in mehreren Etappen. Und war total begeister!
Wie ging es bei dir weiter? Kommt da noch eine Fortsetzung?
Dein Bericht hat mich wieder total motiviert da runter zu gehen und die Fortsetzung zu gehen. Mal sehen ... ich glaube ich hätte im März noch etwas Zeit übrig. Wenn meine Regierung ...

Gruß Wafer

Peter83
17.02.2012, 21:55
Toller Bericht und sehr schöne Bilder - Danke.

Grüsse,
Peter

barleybreeder
17.02.2012, 22:21
Ich danke auch Gwenny, wir werden versuchen Mitte März ein Stück zu gehen. Flüge sind schon gebucht. :p

Viele Grüße
Sebastian

Harry
18.02.2012, 09:11
Ich danke auch Gwenny, wir werden versuchen Mitte März ein Stück zu gehen. Flüge sind schon gebucht. :p

Viele Grüße
Sebastian

Wir sind dann auch dort.
Kleines Forumstreffen in Lluc?:cool:

Tims
27.11.2013, 22:07
Hallo,
sorry das ich den alten Thread ausgrabe ;)
Mit was für einen Schlafsack muss ich den ende März/anfang April Kalkulieren?
Bzw wie kalt kann es den Nachts werden?

Vielen herzlichen Dank.

barleybreeder
27.11.2013, 22:12
Wir hatten Mitte März 2012 am Cuber Stausee Temperaturen von knapp über 0°C. Ein dünnerer 3-Jahreszeiten Slafsacck sollte passen.

Viele Grüße
Sebastian

Outdoorfetischist
27.11.2013, 22:15
Wobei man erwähnen muss, dass der Cuber Stausee recht hoch gelegen ist und es dort sehr viel kälter ist, als auf dem Rest des Weges, wo eher mit Tiefsttemperaturen von ~5°C zu rechnen ist.

Tims
27.11.2013, 22:18
Vielen Dank,
meine Kumpels(Studenten) müssen kalkulieren wie viel sie den Monat noch essen dürfen ;)

below
27.11.2013, 22:55
Wir sind auch Ende März bis Anfang April dort und ich nehme einen MH Lamina 20 mit. Wir rechnen auch mit 5-0 Grad in den Bergen.

PS: schaut mal bei denk.com. Da gibt es die Mountain Hardwear Schlafsäcke der Vorsaison deutlich reduziert.

Tims
06.12.2013, 19:34
danke für den Tipp.
habe ihn aber auch schon entdeckt ;)

Bei uns steht es grad auf der Kippe,da unsere Prüfungen noch nicht ganz sicher sind.

Trampvan
14.02.2014, 20:18
Wir hatten Anfang April nachts immer so 7 Grad in Lluc. Tagsüber in etwa 20 Grad. Es wird schon frisch ...

emilie2016
07.06.2017, 21:14
ich war mit meinem Freund vor einem Monat ebenfalls auf dem GR 221 unterwegs und häng mich mit meinen Erfahrungen einfach mal dran da ich nur paar Tipps hinzufügen möchte die für uns als Anfänger noch wichtig gewesen wären. :D

Also wir hatten eigentlich vor den gesamten Weg zu laufen aber es kam ein wenig anders als gedacht.
Zuerst einmal, denkt daran dass Geschäfte in Spanien erst gegen 16 Uhr wieder aufmachen, falls Ihr vorhabt eine Gaskartusche zu kaufen ohne lange zu suchen ;)

Was auch wirklich wichtig ist ist das GPS. Die ersten zwei Etappen sind null ausgeschildert! Wir haben uns ständig verlaufen und kamen erst ein Tag später am geplanten ersten Zeltplatz an. Trotz Karte! Deswegen kann ich für die ersten zwei Etappen nicht mehr sagen als besorgt euch ein GPS!! ;)

Wir hatten auch einfach ein wenig Pech und ganz einfach auch zu viel Gepäck dabei. Nach dem ersten "richtigen" Wandertag hatten wir die furchtbarste Nacht des Urlaubs. Das Gewitter sollte erst am nächsten Tag ausbrechen aber, tja es hat wohl beschlossen uns schon zuvor mit seiner Anwesenheit zu beehren. Nach einer schlaflosen und leicht panischen Nacht (zugegeben ich hab ein bisschen mehr Panik geschoben), wir haben uns unter die Terrasse eines leeren Ferienhauses gelegt, leider waren auf dieser Terrasse Glasscherben weshalb einer der Isomatten gleich den Geist aufgegeben hat. Am morgen hatten wir das Glück an der Strasse Richtung Fontanelles ein Taxi zu finden das uns die paar Kilometer nach Estellencs gefahren hat. In dem Moment war uns das die 20 Euro sowas von wert. :D Nach 2 Kaffees und einem Anruf in dem Backpacker Hostel in Esporles haben wir den Bus dorthin genommen und waren froh für die Nacht ein Dach über dem Kopf haben. Ich habe zwar bedauert die Etappe Fontanelles bis Estellencs nicht gelaufen zu sein da diese sehr schön sein soll aber dann hätte der Urlaub wohl ein jähes Ende gehabt. Das Backpacker Hostel in Esporles ist übrigens sehr zu empfehlen. Super sauber, nette Leute, einen Supermarkt um die Ecke und einen sehr schönen Garten um sich zu erholen. Esporles an sich in ein wirklich schönes Bergdörflein. Mit ein paar Cafés und kleineren Restaurant. Wir hatten eine leckere Paella und einen netten, wenn auch erschöpften Nachmittag dort.
Am nächstens Tag ging es weiter Richtung Valdemossa. Wir erreichten Valdemossa nach einer wenig anstrengenden, netten Wanderung. Das Dorf ist sehr hübsch aber auch sehr touristisch. Wir kauften eine Mallorquinische Wurst und Brot fürs Abendessen und machten uns nach einer Pause auf dem Weg nach Deia. Geplant war eine Übernachtung kurz vor Deia auf einem der Köhlerplätze. Doch wieder kam alles anders…

Die Strecke auf das Plateau hinauf hat es mit Gepäck schon in sich aber das ist alles vergessen wenn man erstmal oben ist. Eine wunderbare Aussicht bis nach Palma und auf der anderen Seite sieht man bis nach Port de Soller. Unglaublich schön.
Doch dann fingen die Probleme an. Wir hatten immer noch GPS und die Karte meinte man solle an einem Steinhaufen den Weg rechts nehmen. Dies haben wir dann getan, leider war es der falsche Steinhaufen, es gab nämlich insgesamt glaube ich 4 Stück davon. Kurz darauf standen wir vor einer Mauer mit einem Betreten verboten Schild. Ich hatte gelesen dass es auf dem GR 221 des Öfteren solch ein Schild aufgestellt ist weshalb wir uns keine großen Gedanken gemacht haben. Zudem wir keinen anderen Weg gefunden hatten. Wir dachten der Weg über das Plateau wäre der Rundweg zurück nach Valdemossa. Jedenfalls begann es spät zu werden und wir wurden langsam müde weshalb wir letztendlich auf dem Privat Grundstück unser Zelt aufbauten. Ich war so müde dass ich sofort in mein Schlafsack kroch und einschlief ohne etwas zu essen. (Die mallorquinische Wurst war aber anscheinend auch nicht so lecker). Wir googlelten den Weg nach Deia und waren uns nun sicher dass wir auf dem falschen Weg waren. Also für alle die noch vorhaben den GR zu gehen, denkt daran dass es mehrere Steinhaufen gibt ;)
Der Abstieg nach Deia am nächsten morgen zog sich ein wenig da wir ohne Frühstück losgezogen waren und als wir in Deia ankamen aßen wir erstmal einen riesen Burger. Auch Deia ist sehenswert. Das Dorf hat aber einen Vorteil gegenüber den anderen. Es hat einen Strand. In dem Dorf waren auch zur Nebensaison sehr viele Fahrrad Fahrer aber an der Cala del Deia, die Bucht des Dorfes ist nicht sehr viel los dass diese eine halbe Stunde von Dorf entfernt ist. Eine wirklich schöne Bucht mit türkis blauem Wasser und einem schön gelegenen Imbiss/ Restaurant dass zu der Jahreszeit jedoch noch zu aussah. Da wir bereits mittags dort waren und zwischen Deia und Port de Soller auf dem Piratenweg zelten wollten hatten wir alle Zeit der Welt. Wir dösten auf den aufgewärmten Steinen, tranken kalte Cola und lüfteten unsere Wanderschuhe. Gegen vier Uhr machten wir uns auf dem Weg um ein schönen Zeltplatz zu finden. Wir fanden schließlich ein sehr schönes Fleckchen unterhalb eines Ferienhauses. Vom Weg nicht sichtbar, genau am Meer, mit einem wunderschönen Sonnenuntergang. Man hätte uns vielleicht vom Haus sehen können aber dieses war noch nicht in Betrieb. Sehr empfehlbares Plätzchen circa 30 – 45 min von der Cala del Deia entfernt. Kurz davor kommt man an einer exponierten Fläche gleich über dem Meer vorbei, etwas unterhalb des Pfades.
Wir schliefen wieder nur mittelmäßig da eine der Isomatten gar keine Luft hatte und wir mit den Rucksäcken und der Kleidung versuchten ein einigermaßen „gemütliches “ Lager zu bauen. Das absolut keines war! Am nächsten Tag ging es bis Port de Soller. Dort fassten wir bei leckeren Tapas an einem kleinen Restaurant am linken Ende der Bucht, direkt am Strand, den Entschluss uns für die letzten zwei Nächte ein Hotel zu suchen. Die kaputte Isomatte war nicht zu reparieren und eine neue Isomatte zu kaufen sowie Essen hätte uns insgesamt wahrscheinlich genauso viel gekostet wie das Hotelzimmer mit Frühstücks und Abendessen. Also quartierten wir uns im Eden Nord ein welches eigentlich ein sehr schönes Hotel ist angesichts des Preises das wir last Minute dafür gezahlt haben. Das Zimmer war Standard aber das Buffet morgens und abends war sehr lecker. Wir hatten beschlossen am nächsten Tag den Bus zum Cuber Stausee zu nehmen und von dort zurückzulaufen.
Wir waren froh diesen Weg nicht gestern gegangen zu sein da er doch ziemlich weit ist und zu Beginn ( bzw vom Cuber Stausee kommend gegen Ende) keine Zeltplätze zu finden sind. Wir liefen bis nach Soller und nahmen dann die alte Bahn nach Port de Soller. Auch eine sehr schöne Erinnerung die sich trotz des relativ hohen Preises lohnt. Auch der Cuber Stausee ist sehr hübsch und auch nett zum Zelten allerdings muss man beachten dass es dort kühler ist und abends sahen wir dicke Wolken über dem See welche uns bestätigten dass die Hotel Übernachtung eine gute Investition war. Wir sahen noch einen letzten Sonnenuntergang an diesem Abend, tranken einen Aperol in einer der zahlreichen Bars in Port de Soller und genossen den letzten Abend auf Mallorca.
Am letzten Tag nahmen wir den Bus nach Palma, sahen uns die Innenstadt an und aßen unglaublich leckeres Eis! Dann nahmen wir einen weiteren Bus zum Flughafen und traten die Heimreise an.
Nun, das war wieder eher ein Reisebericht als Tipps aber noch einmal ein paar wichtige Sachen:
-Unbedingt auf die Öffnungszeiten der Läden achten wenn man in Palma noch einkaufen will.
 das hätte uns enorm viel Ärger und auch Geld gespart da wir keines der Fertigessen-Packungen essen konnten
-Zwei Tage mehr einplanen falls es wie bei uns nicht so gut läuft. Falls diese Zwei Tage nicht gebraucht werden kann man
sie in Esporles im Backpacker Hostel verbringen oder noch im Norden ein Tag verbringen.
-Piratenweg als sehr empfehlenswerte Variante  super zum Zelten
-Nicht zu viel Gepäck! Das ruiniert wirklich die ganze Laune. Zwei T-Shirts, eine Wanderhose reicht. Und es ist sooo
wichtig den richtigen Rucksack zu haben. Ich weiß das wird ständig gesagt aber ich hatte den falschen und mein Hüften
waren wund gescheuert! Ich konnte stellenweise die Aussicht gar nicht mehr genießen.
-Und das wichtigste GPS!! Geht gar nicht erst ohne los ;)
- Bei den Wanderkarten aufpassen, man denkt meistens in viel zu kleinen Abständen

Trotzdem ein super schöner Weg, der sehr empfehlenswert ist! Vor allem in der Vorsaison. Es kann schon ziemlich anstrengend werden. Ein paar Steigungen hätte ich nicht gerne bei 30 Grad machen müssen ;)