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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [PL] Bieszczady - vier Jahreszeiten in einer Woche



Wookasch
17.11.2010, 22:02
Land: Polen
Reisezeit:Oktober 2009

Vorneweg: Deutsch ist nicht meine Muttersprache, ich versuche mein bestes und entschuldige mich gleich am Anfang für alle Fehler und komische Formulierungen :)

Hiermit möchte ich gerne meinen ersten Reisebericht präsentieren. Es macht wirklich Spaß eure Berichte zu lesen, viele dienen mir als Inspiration und Planungshilfe für zukünftige Reisen. Ich möchte euch ein hier im Forum weniger bekanntes Reiseziel vorstellen.


Bieszczady - kurze Einführung

Es war schon immer mein Traum, diese wildeste Ecke Polens zu erkunden. Es gibt viele Mythen und Geschichten über diese Gegend. Vor einigen Jahren habe ich noch als Schüler bereits zwei Reisen dorthin unternommen - und mich sofort in die Stimmung, Menschen und Natur verliebt. Es waren eine Art "Schnupperreisen" - in der Hochsaison der Sommerferien, ohne Vorbereitung. Diesmal sollte es anders werden.

Zur Lage: Bieszczady sind Teil der (Ost)Beskiden und Karpaten. Der polnische Teil liegt an der Grenze zur Ukraine und Slovakei und erstreckt sich weiter richtung Osten.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/75/Beskidy_Lesiste.png/300px-Beskidy_Lesiste.png
Bildquelle: Wikipedia

Was mich besonders an dieser Region verzaubert hat, ist die vielseitigkeit der Erlebnisse und Erfahrungen, die man dort macht.

Es ist zuerst die Natur, mit noch wilden Wäldern und Tieren (dort kann man dem Braunbär, Wolf, Luchs, Wisent, Rothirsch u.v.a. Tiere n begegnen).
Dann ist es die Geschichte - nach dem II. Weltkrieg hielten die Kämpfe um dieses Gebiet zwischen Polen und Ukraine weiter an - infolge dessen wurden die meisten Dörfer zerstört, die Menschen getötet bzw. umgesiedelt. Wenn man jetzt durch die Wälder und Wiesen wandert, trifft man auf die überreste menschlicher Siedlungen, die eine Tragische geschichte erzählen (wer mehr nachlesen möchte, das Stichwort ist: Aktion Weichsel)
In den Jahren 1950-1989 wurde diese Gegend zu einem Zufluchtsort für alle Outsider, freie Geiste, und Aussteiger. Wer verschwinden wollte, wer mit dem sozialistischen System nicht klargekommen ist - der kam hierhin. Hier wurden auch für die Regierung unbequeme Leute interniert. Diesen Geist der Freiheit und der Flucht vond er Welt spürt man immer noch.


Anreise
Es ist häufig schneller und einfacher in viel weiter gelegene Gegend zu reisen, als nach Bieszczady :grins: Unsere Reise dauerte ca. 28 Stunden.
Zuerst mit dem EuroCity von Berlin nach Poznań, dann mit Nachtzug der polnischen Bahn nach Rzeszów, dann mit dem Bus nach Sanok und von dort wieder mit einem Bus nach Cisna. Die teuerste Teilstrecke ist die mit der DB (zum Vergleich: Berlin-Poznan, 250 km, ca. 35€, Poznan-Rzeszow, 600km, ca. 15€).

Dummerweise sind wir Ende Oktober unterwegs, kurz vor Allerheiligen - halb Polen reist dann quer durch das Land um die Familien zu besuchen.
Es ist aber die beste Zeit in Bieszczady - es gibt wenig Touristen und wenn man Glück hat, erwischt man die kurze Periode wo sich die Buchenwälder unglaublich schön färben (und ja, wir hatten das Glück diesmal :wohoo:)

Nach einer anstrengenden, langen Reise kommen wir aber endlich in Cisna an.
Ich reise mit meiner damaligen Freundin, die noch nie mit einem Rucksack unterwegs war. Somit haben wir vor, auf den Hütten zu übernachten, um sich die Zeltschlepperei zu sparen.

Auf dem weg zur Hütte die ca. 2km vor dem Dorf liegt, sehen wir die ersten schönen Farben, auch wenn es nicht genau das ist wonach wir suchen ;)
http://user.cs.tu-berlin.de/~madeksza/outdoor/biesy1/b1.jpg

Wir sind die einzigen Gäste, und kurzer Erholung und Dusche beschließen wir, in das Dorf zu laufen in die Siekierezada (siekiera = Axt) - eine Berühmte kneipe, um den Anfang der Tour zu feiern.

Wenn man in der Gegend ist, MUSS man dieses Lokal sehen - es ist überfüllt mit Skulpturen, eigenartigen Requisiten - und Geschichten über die Menschen, die diesen Teil des Landes geprägt haben.
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Da wir am nächsten Tag die längste Strecke laufen wollen, gehen wir nach einem Bier (1,50€) schlafen.

Wookasch
17.11.2010, 22:29
Am nächsten Tag brechen wir früh auf.
Da ich hier den erfahrenen und den alten Hasen vor der Dame spielen muss ;-) wähle ich den Weg.


Nur - wo ist die Sonne?! :motz:
Der Tag ist grau und Naß. Egal, es geht los! Ich liebe dieses Gefühl, wo es nun wirklich soweit ist, wenn man den schweren Rucksack hochhebt und losmarschiert. Achja, ich trage natürlich das meiste Essen und den Küchenkram.

Es geht zuerst entlang den selten benutzten gleisen der Dampf-Eisenbahn, die für Holztransporte benutzt wurde. Man kann an den Wochenenden damit immer noch eine Tour durch die Berge fahren.

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Nach kurzer Zeit stehen wir vor einem Bach, welcher ziemlich hohen Wasserstand hat.
Die erste Probe steht vor uns. Meine Freundin rutscht beim Sprungversuch aus und landet fast im Wasser - wäre nicht meine super-Reaktionszeit :bg: Ich werfe die Rücksäcke auf das andere Ufer, springe dann selber und mache mich bereit auf die Auffang-Aktion. Alles geht aber glatt, ohne den Rucksack ist auch sie auf der anderen Seite angekommen.

Der Himmel wird etwas heller und es nieselt nicht mehr.
Wir laufen durch einen unglaublich schönen, leisen und ruhigen Wald.
Ich bin glücklich :p

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Laut der Karte und dem Reiseführer nähern wir uns einem Berg, der "einige der schönsten Panoramen in ganz Bieszczady" bieten soll. Dummerweise wechselt das Wetter wieder und die nächsten Stunden sehen wir vor und um uns sowas:

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Die Stimmung sackt etwas ein, wir machen also eine Pause, kochen uns lecker Püree mit Kabanosy und laufen dann weiter.
Nach einiger Zeit legen wir zweite Pause ein, und beobachten wie sich der Himmel langsam klärt:

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Immer noch etwas müde von der Reise, kommen wir wieder in einen farbenfrohen, wunderschönen Wald - die Farben sind atemberaubend, es ist so schön in der Stille zu wandern.

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Langsam werden wir aber unruhig, da wir die im Führer beschriebene Stelle nicht finden können, wo der Pfad die Richtung wechselt. Im Buch steht es: "diese Strecke ist auf fast allen Karten falsch aufgezeichnet".
Na toll.
Es ist das erste Mal, dass ich die Stecke laufe.

Als wir eine Waldstraße finden, glauben wir die richtige gefunden zu haben (man soll der Straße einige hundert Meter folgen und dann in den Wald abbiegen):

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Es stellt sich nach ca. 1 Stunde heraus, dass das doch nicht richtig war.
Langsam wird es ungemütlich. Der Tag ist bald vorbei und wir haben noch langen Weg vor uns, können den Pfad nicht finden - es wird stressig.

Nach einiger Zeit stellt sich heraus, dass die Markierung auf einem Baum war, welcher durch den Sturm gebrochen wurde. Wir sind aber froh, jetzt den Weg gefunden zu haben. Es wird dunkel und meine Freundin fängt an nach den Bären und Wölfen zu fragen :bg:

Wir machen die Strinlampen an und nach weiteren 2 Stunden erreichen wir ein kleines Dorf Smerek (ca. 100 Einwohner).
Wir können nun von hier noch eine Stunde bis zum nächsten Dorf mit Hütte laufen, oder auf einen Bus warten. Es fängt an zu schneien, die Temperatur fällt. Wir beschließen zu warten.
Glücklicherweise ist der Fahrplan immer noch gültig und nach iniger Zeit kommt der letzte Bus tatsächlich. Der Fahrer ist sehr nett, wir unterhalten uns mit ihm und er bringt uns genau dort wo wir hinwollen, obwohl es dort keine Haltestelle gibt.

Danach duschen wir, essen, reden, planen den nächsten Tag...

Wookasch
17.11.2010, 22:49
Am nächsten Tag brauchen wir viel zu lange, um zu frühstücken und alles zu packen.
Als wir dann uns noch kurz mit einem Holzfäller unterhalten, beschließen wir die heutige Route zu ändern. Wir erfahren, dass es in den letzten Wochen unglaublich starke Stürme gegeben hat, die Wälder seien in dieser Gegend schwer begehbar (Baumbrüche) und auch gefährlich. Wir würden viel länger als geplant brauchen.

Kurzer Blick auf die Karte und es fällt die Entscheidung: wir laufen zu der am höchsten gelegenen Hütte in Bieszczady. Die Strecke ist kürzer, schön, ich kenne die - also los!

Wir verlassen das Dorf (Wetlina) und beobachten die Holzfäller, die die Bäume an der Straße fällen - überall liegen durch den Wind gebrochene Äste. Wir biegen von der Straße ab und laufen jetzt über weite Wiesen mit einem Blick auf ein tolles Farbspektakel um uns herum:

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Nach einer Weile kommen wir in einen Wald, der nach dem Auskunft des Försters in gutem Zustand sein soll.
Es sah so aus:

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Der Weg wird immer steiler, wir müssen aus dem Tal auf den 1228m hohen Gipfel rauf, wo die Hütte steht.
Das Wetter wird auch schlechter, man sieht kaum etwas und wir freuen uns, nach einiger Zeit die Hütte erreicht zu haben.

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Auf der Hütte treffen wir den Wirt und die Bergretter (hier ist auch gleichzeitig eine Wache). Kein Wasser, kein Klo, nur Wind und Nebel um uns herum - ein Traum!
Ich kaufe bei dem Wirt zwei Bier (macht 4€ :baetsch:), wir machen uns es warm mit Honig. Es macht keinen Sinn morgen wie geplant früh aufzustehen um den Sonnenaufgang zu bewundert - es sieht nicht danach aus, dass man irgendwas sehen wird. Wir liegen in den Schlafsäcken und lauschen dem Wind. Nach einer Weile schlafen wir ein.

chrischian
17.11.2010, 22:49
Hätte nicht gedacht, hier was über die Waldkarpaten zu lesen :) Steht auch auf meiner Liste. Es soll sehr einsam und ursprünglich dort sein. Also wenig Tourismus.

Schöner Bericht.

derSammy
17.11.2010, 22:56
http://user.cs.tu-berlin.de/~madeksza/outdoor/biesy1/b23.jpg

:o

is des schön !!!


:D

Wookasch
17.11.2010, 23:08
Wir verlassen die Hütte,

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die sich am süd-ostlichen Ende der Polonina Wetlinska befindet, und steigen auf einem steinigen Grat zum Paß ab.

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Dort finden wir einen alten, vergessenen orthodoxen Friedhof, der an die alten Zeiten erinnert.
Solche Relikte der Vergangenheit findet man hier oft.

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Es geht weiter steil auf, eine wunderschöne Polonina Carynska wartet auf uns.

Nebenbemerkung: was eine Polonina ist, kann man in der Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Polonina) nachlesen

Der blick auf die Berge, die mit rot gefärbtem Buchenwald bewachsen sind, auf die durch Wind und Schnee eingefrorenen Sträucher und auf die menschenleere Weite ist einfach fantastich.


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Der Hauptgipfel ist dann ganz nah:

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Der letzte Blick in Richtung süd-osten, wo die höchsten Berge und die wildesten Wälder sind und wir steigen ab zur Hütte.

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Wir genießen dort den Abend am Kamin.

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Ausser uns sind nur die jungen Leute da, die hier arbeiten (die Hütte funktioniert so, dass Menschen die eine Auszeit von der Welt nehmen wollen, hier kommen, leben und arbeiten).
Wir schließen schnell Bekanntschaft mit den Jungs.
Es gibt viele Instrumente: GItarren, Kongos, Akkordeon, Djembe und und und (beeindruckt vom Sound eines Instruments frage ich, wie es heißt und bekomme die Antwort: "Staubsauger-Rohr" :grins:)

Wir jammen, trinken Bier und Tee und spielen mit den Katzen.
Es gefällt uns so gut hier, dass wir die Pläne wieder mal ändern. Morgen bleiben die Sachen hier und wir machen eine Tour zum Kremenaros mit einem leichten Rucksack und kommen zurück.

shorst
17.11.2010, 23:18
Holy Shit! Ist das geil dort. Wunderschöne Bilder, danke Dir.

In Welchen Abständen kann man dort Verpflegung nachkaufen?

Api
17.11.2010, 23:33
Wow! Ein toller Bericht und beindruckende Bilder!

Aber warmes Bier mit Honig...*prost* =)
Und über Deine Deutschfähigkeiten musst Du dir keine Gedanken machen, das was man so im täglichen Leben hier und da aufschnappt, ist ja ein ganz anderes Niveau..:roll:
vielen Dank für den Bericht

Wookasch
17.11.2010, 23:36
Am nächsten Morgen, eine überraschende Aussicht: es ist Winter :o

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Ich freu mich so auf den ersten Schnee, weniger auf den starken Wind auf dem Gipfel ;-)

Wir steigen auf und bewundern die über die Nacht gefrorenen Vogelbeeren:

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Auf einmal weiß man, man ist hier nicht allein, sogar der Yeti war da! ;-)

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Wir kämpfen uns tapfer durch gegen den sehr starken Wind und kommen beim Gipfelobelisk an:

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Der Ausblick ist GRANDIOS :baetsch:

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Naja, immerhin ist die Welt im Winter so schön, dass man keine weiten Panoramen braucht und trotzdem seine Augen sättigen kann:

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Im Schnee und Wind laufen wir den Grat lang und kommen an einem Wanderweg-Knotenpunkt an, der an der Grenze zur Ukraine liegt.

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Da es gleichzeitig auch jetzt die EU-Ostgrenze ist, soll man dort eher Aufpassen wo man hinläuft, man kann schnell von einer Patrouille kontrolliert werden (wir haben wie schon an den Tagen zuvor keinen einzigen Menschen getroffen).
Es ist wirklich kalt, sogar meine Haare frieren ein:

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Wir folgen dem Grenzstreifen, die Bäume schützen vor dem Wind. Es ist schon interessant zu wissen, dass links "nicht-EU" ist und man nicht hin darf, und rechts könnte man bis nach Gibraltar durchlaufen.
Nach einiger Zeit erreichen wir Kremenaros - einen Punkt, wo die Staatsgrenzen von Polen, Ukraine und Slovakei zusamenkommen. Dieser ist mit einer Granit-Säule markiert:

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Gerade, wenn wir nach einer kurzen Tee-Pause und auf den Rückweg machen, verschwinden die Wolken, die Sonne kommt raus. Herrlich! Nicht ist besser als ein sonniger Wintertag in der Natur!

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An der Hütte angekommen stellen wir fest, dass noch einige weitere (interessante) Leute dazu gestoßen sind.
Wir haben wieder einen tollen Abend: Kaminfeuer, Bier, Musik und Gespräche über die Welt, das Leben und auch mal über nichts ;)

chrischian
17.11.2010, 23:47
http://user.cs.tu-berlin.de/~madeksza/outdoor/biesy1/b61.jpg

Da es gleichzeitig auch jetzt die EU-Ostgrenze ist, soll man dort eher Aufpassen wo man hinläuft, man kann schnell von einer Patrouille kontrolliert werden (wir haben wie schon an den Tagen zuvor keinen einzigen Menschen getroffen).

Die sieht mir aber nicht sehr bewacht aus! Das war früher ganz anders. Im Riesengebirge und in der Hohen Tatra waren polnische Grenzer mit MPi immer präsent. Dank Schengen sind die Zeiten vorbei.

Wookasch
17.11.2010, 23:53
Es ist der Vorletzte Tag, wir müssen nun uns langsam auf den Weg richtung Ustrzyki Gorne machen - von dort aus kann man mit Bus zurück nach Norden fahren.
Der Plan ist: wieder auf die Polonina Carynska rauf, wo wir vor 2 Tagen abgestiegen sind und diese bis zum Ende durchlaufen mit dem Abstieg nach Ustrzyki. Es soll eine angenehme Halbtagstour mit super Ausblicken werden - und das war sie auch, dank tollem Wetter :wohoo: Von dem gestrigen Wind-Schnee-Grau ist nichts mehr zu sehen.
17 Grad, sonne - bei dem Aufstieg ist es sehr warm.
Erst wenn wir uns dem Bergrücken nähern wird es wieder windig und frostig.
Ein Traum!

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Wir gönnen uns eine lange Pause in der Sonne, wir haben's nicht eilig.
Wir trinken Tee und saugen die schöne Weite des Ostens auf.

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Erst wenn der Wind sehr stark wieder wird, machen wir uns auf den Weg, es geht langsam runter:

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Wir erreichen wieder die Baumgrenze, es ist diesmal echt mühsam die gefallenen Bäume umzugehen bzw. drüber zu klettern.

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Die Sonne steht immer niedriger, wir laufen nun im goldenen Licht und Laub:

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Die Berge stehen im "Feuer" und wir sehen schon die ersten Häuser:

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Dies erfreut uns eigentlich - wir haben mächtig Hunger und im Rucksack nur noch eine kleine Packung Asia-Nudeln.

Sternenstaub
18.11.2010, 00:01
ein wirklich richtig schöner Bericht! Und auch noch über eines meiner Lieblingsländer...
Dzięki Wooky

Wookasch
18.11.2010, 00:19
Das dumme ist: wie schon am Anfang erwähnt, ist es der 29. Oktober und alle sind Weg zu ihren Familien (Allerheiligen). Und mit alle meine ich ALLE.

Es gibt hier ca. 100 Einwohner.
Beide Läden haben zu. Ich weiß von einem Hotel, welches ganzjährich geöffnet hat. Wir laufen hin mit der Hoffnung, die Hotelgäste müssen doch was zu essen kriegen.
Das Hotel scheint tot zu sein :D
Ich komme dann irgendwie rein und finde einen Mitarbeiter.
Der ist superfreundlich, ich bedanke mich aber für das Übernachtungsangebot (40€/Person). Wir möchten nicht übernachten (es gibt noch ein Jugendherberge des Nationalparks im Dorf), nur etwas essen. Wir erfahren, der Hotel-Restaurant ist zu. Wir fragen nochmal nett nach und machen schöne Augen und es passiert das, was ich östlich der Oder so liebe - Regeln sind weniger wichtig als zwischenmenschliche Argumentation und Absprachen ;-)

Der junge Man schließt die Rezeption und öffnet extra für uns das Restaurant. Alle Lichter, sogar Musik macht er an und lädt uns ein, uns zu entspannen - er werde den Koch und die Bedienung anrufen und holen, damit wir was zu essen bekommen. :shock:

Es vergeht vllt. eine halbe Stunde nach der wir von einer sehr netten jungen Dame gefragt werden, was wir denn gerne hätten.
Es gibt Suppe und frisch gemachte Pierogi (polnische Maultaschen mit Pilzen).
Wir entscheiden uns für beides, dann fragen wir noch ganz frech nach einem Dessert :grins: und bekommen zwei Portionen Eis.

Wir sind satt und glücklich (und sehr, sehr dankbar) und bezahlen die Rechnung: soweit ich mich erinnern kann waren es ca. 20€ für alles.

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Wir verlassen das Hotel und begeben uns auf die Suche nach der Herberge. Dort treffen wir eine Frau, die das Gebäude gerade abschließt - wegen der Feiertage sei die Jugendherberge geschlossen. Nach einer kurzen Unterhaltung mit ihr finden wir heraus, dass sie in einem Gästehaus Zimmer vermietet (10€/Person).
Wir versprechen, und in 30 Minuten unter der genannten Adresse zu melden. Vor Ort werden wir von der netten Dame durch das Gästehaus geführt und können uns ein Zimmer aussuchen. Ausser uns übernachtet niemand, wir bekommen also für 20€ das ganze Haus für uns :D

Es gibt noch ein Problem: das Frühstückt. Gegen 9 Uhr haben wir den Bus, mit dem wir erstmal 3 Stunden Fahren. Kein Spaß mit leerem Magen.
Ich frage unsere Gastgeberin, ob sie uns nicht zumindest einige Eier oder Scheiben Brot verkaufen könnte. Sie meint, wegen der Feiertage haben sie nur Essen für sich für die nächsten Tage. Ich versuche weiterhin auf nette Art sie zu überzeugen, dass wir nicht viel brauchen.
"Na mal schauen, was sich machen lässt".
Sie geht in das eigene Haus und kommt nach einer halben Stunde mit sowas zurück:

:o:o

http://user.cs.tu-berlin.de/~madeksza/outdoor/biesy1/b90.jpg

- Was soll das alles kosten?
- Ach nichts, ist ein Geschenk, genießen Sie es. Wir werden schon was im Tiefkühlfach finden.

Ich bin einfach überwältigt von der Gastfreundschaft.
Wir bereiten uns ein königliches Abendbrot und bereiten uns auf die Abreise vor.

Am nächsten Morgen können wir schön satt frühstücken und machen uns noch Stullen auf den Weg.
An der Bushaltestelle steht bereits ein Bus. Der Fahrer, wir - sonst niemand. Wir unterhalten uns mit ihm udn verlassen glücklich diese schöne Gegend.

THE END ;-)

Atze1407
18.11.2010, 01:22
Wunderbare Fotos aus einer sehr schönen Ecke im Nachbarland Polen.

Ja, man muss nicht unbedingt erst nach Alaska oder Skandinavien reisen, um ein leuchtendes Farbenspiel der Natur zu sehen und geniessen.

Danke für Deinen Bericht und Fotos.

Gruß
Jürgen

chrischian
18.11.2010, 07:45
Wir fragen nochmal nett nach und machen schöne Augen und es passiert das, was ich östlich der Oder so liebe - Regeln sind weniger wichtig als zwischenmenschliche Argumentation und Absprachen

Nicht schlecht :) Bisher habe ich auch nur gute Erfahrungen in Polen gesammelt.

Ich kann's mir nicht vorstellen, aber musste man Eintritt in die Bieszczady bezahlen?

Pfad-Finder
18.11.2010, 09:23
Danke Wookasch!

Bei mir zu Hause liegen seit Jahren die slowakischen Karten von dieser Ecke rum und warten auf ihren Einsatz. Ich will mehr Urlaub!!!:motz:

walkingalone
18.11.2010, 11:37
Vielen Dank für diesen schönen Bericht und die beeindruckenden Bilder. Jetzt gibt es auf meiner Liste "Wo ich unbedingt noch in will"ein weiteres Ziel! :D

ceb
18.11.2010, 12:08
dankeschön für den reisebericht Wookasch! da möchte ich auch hin, spätestens nächstes jahr :)

Gassan
18.11.2010, 17:36
Die Karpaten. Von Anfang bis Ende einfach nur geil.:cool:

Super bericht:D

MonaXY
18.11.2010, 19:55
Was ich am Forum so liebe, sind die Reiseberichte... solche sehnsuchtsweckende wie deiner - Danke!

Wookasch
19.11.2010, 15:33
Danke für die netten Worte, ich freue mich dass es euch gefallen hat.
Es scheint doch Interesse an dieser Region zu geben, dann werde ich versuchen weitere Berichte aus der Gegend zu schreiben.


Hätte nicht gedacht, hier was über die Waldkarpaten zu lesen :) Steht auch auf meiner Liste. Es soll sehr einsam und ursprünglich dort sein. Also wenig Tourismus.

Wie fast überall gilt: es hängt davon ab wann und wo ;-)
Juni-August würde ich prinzipiell meiden, dann ist wirklich viel los, wenn schon dann würde ich die Ukrainische Seite empfehlen (am besten auch etwas weiter, also Czarnohora (http://de.wikipedia.org/wiki/Tschornohora) & Gorgany (http://de.wikipedia.org/wiki/Gorgany)).


In Welchen Abständen kann man dort Verpflegung nachkaufen?

Häufig, falls man auf den markierten Wanderwegen unterwegs ist. Ich habe immer Essen für 3-4 Tage dabei gehabt und am Ende bleibt immer noch was übrig.
Der Punkt ist auch, dass man im Nationalpark nicht zelten darf, dann muss man eh jeden Tag zur nächsten Hütte bzw. Dorf.
Man kann aber auch Tagelang mit der Karte durch die Wälder wandern - wenn man es möchte.



Aber warmes Bier mit Honig...*prost* =)

War ne spontane Idee und schmeckte gar nicht so schlecht :grins:


Die sieht mir aber nicht sehr bewacht aus! Das war früher ganz anders. Im Riesengebirge und in der Hohen Tatra waren polnische Grenzer mit MPi immer präsent. Dank Schengen sind die Zeiten vorbei.

Da steht natürlich nicht alle 10 Meter ein Soldat, aber die Gegend wird schon sehr stark patrouilliert - zu Fuß, mit Quad, Pferd, Cross... Die Grenzer sind halt nicht mehr an der Grenze zur Slowakei oder Tschechen beschäftigt, sondern genau hier.
So sieht z.B. die Wache in Ustrzyki aus, wie eine Festung:
http://farm4.static.flickr.com/3223/3117461697_8e4f023033.jpg?v=0


Ich kann's mir nicht vorstellen, aber musste man Eintritt in die Bieszczady bezahlen?

Doch. Also: der Eintritt in den Nationalpark ist kostenpflichtig (ca. 1,70€/Tag).
In der nebensaison sind die Kassenpunkte aber sehr häufig nicht besetzt (wir mussten einmal zahlen).

Mika Hautamaeki
21.11.2010, 11:15
Phantastischer Bericht mit beeindruckenden Fotos. Ich freu mich immer wieder, wenn man mal eine andere Gegend gezeigt bekommt. Diese kommt auf jeden Fall auf meine lange Liste der nächsten Reiseziele. Kommt man auch mit Englisch einigermaßen zurecht oder sollte man polnisch beherrschen?

rudolf
21.11.2010, 12:09
Ein sehr schöne Bericht , es sind mehr als 20 Jahre als ich dort war hatte aber nicht
so viel schönes gesehen .
Sehr schöne Bilder .
Es ist einfach grandios das mann heute an dem Grenzstreifen entlang laufen kann ohne von den Grenzpatroulien sofort kontroliert zu werden .
Ich kann mich an Zeiten erinern in den mann eine Genemmigung brauchte für den Grenzstreifen , so ist die Freicheit zimmlich nach Osten gerutscht.
Danke fürs Schönen Bericht.
Gruß Rudolf

Antracis
21.11.2010, 23:38
Wirklich ein toller Reisebericht und eine wahnsinng schöne Gegend.

Quasi bei mir ganz um die Ecke...wobei ich gehofft hatte, mit weniger als 28h Anreise hinzukommen. :bg:

Wenn Zelten verboten ist und es zusätzlich Nationalparkgebiet ist, dann lässt mans lieber, oder ? Oder siehst Du außerhalb der Saison in einsamer Gegend Chancen ? Wobei mich Hüttenübernachtungen auch nicht abschrecken würden, nur ggf. die Sprachbarriere. ;-)

Gruß
Sascha

jakobw
08.06.2011, 10:11
Na das hört sich aber mal nach einer geilen gegend an. aufjedenfall ein ort den ich auch noch mal bereisen will.!
'Nur leider kann ich die Bileder nihct mehr sehen. leigt das an mir oder sind sie einfach nicht mehr da ? o.O schade.
Danke für den tollen bericht

chrischian
08.06.2011, 10:14
'Nur leider kann ich die Bileder nihct mehr sehen. leigt das an mir oder sind sie einfach nicht mehr da ? o.O schade.

Die Bilder sind extern verlinkt und leider nicht mehr vorhanden. :(

Wookasch
11.06.2011, 20:13
Bis ich das Problem mit den Bildern geklärte habe, hier ein link:

die gleichen auf FB (http://www.facebook.com/media/set/?set=a.1812144577323.2101274.1051268698&l=1b1a7c4f0a)

chrischian
15.07.2013, 08:28
Bis ich das Problem mit den Bildern geklärte habe, hier ein link:

die gleichen auf FB (http://www.facebook.com/media/set/?set=a.1812144577323.2101274.1051268698&l=1b1a7c4f0a)

Sehr Schade, dass sich das Problem mit den Bildern nicht geklärt hat. :(