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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : back to the roots - keine Elektronik (keine Kunststoffe)



Edgar
07.06.2010, 10:51
Hallo allerseits!

Für meine nächste Weit-Wanderung habe ich mir ein kleines Experiment ausgedacht, basierend auf dem Gedanken, dass man erst dann merkt, wie sehr man etwas braucht, wenn man es nicht mehr hat. Ihr kennt sicherlich auch das Gefühl, wenn man nach ein paar Wochen draußen dann wieder die Freuden der Zivilisation genießen kann. Ich zumindest freue mich jedes mal aufs neue über den Luxus eines Wasserhahns.
Was soll dieser gezielte Verzicht bezwecken? Man soll sich der Bedeutung von Dingen in unserem Alltag bewusst werden, und vielleicht erkennt man, dass man auf das ein oder andere tatsächlich völlig verzichten kann, dass man es nicht braucht. Das ist quasi wie Fasten, nur nicht mit Essen.

Für die aktuell anstehende Wanderung habe ich mich also entschlossen, auf jegliche Elektronik zu verzichten. Das erschien zuerst recht leicht, man lässt einfach das Handy zu Hause und verzichtet mal auf eine Uhr. Glücklicherweise muss ich nicht auf eine Uhr verzichten, da ich eine mechanische habe. (Auch das ist ein Aspekt des Experimentes: Heute gebräuchliche Dinge durch Dinge ähnlicher/gleicher Funktion ersetzen, die früher gebräuchlich waren.) Den mp3-Player kann man einfach durch eine Mundharmonika oder Maultrommel austauschen. Leider kann ich keines der beiden spielen. Den Photoapperat...ja, der war überraschenderweise das größte Problem. Wenn man nicht eine kleine Unsumme für irgendein antikes Model ausgeben möchte, findet sich in jedem heutzutage üblichen Apperat eine kleine Knopfzelle für die Belichtungsmessung. Ich habe dann beschlossen, dass es diesmal eben keine Photos geben wird. (Nebenbei spare ich somit 1kg an Gewicht.)

Wie man sieht, stellt der Verzicht auf Elektronik noch eine relativ leichte Übung dar. Doch wie sieht es mit dem Verzicht auf Kunststoffe und andere moderne Werkstoffe aus, bzw wie sähe es aus, wenn man sich nur auf die Benutzung natürlicher Werkstoffe (Wolle, Baumwolle, Leder, Holz, Eisen, etc, kurz, alles, was auch schon vor 100 Jahren existiert hat.) beschränken würde?
Den Plastik-Spork und den Titan-Löffel kann man durch den Eisen-Löffel vom BW-Besteck ersetzen. Als Kocher kommt der Trangia zum Zug (Oder doch nicht: Aluminium?). Baumwoll-Kleidung...man könnte jetzt anfangen darüber zu streiten, in wie weit G1000 als natürlich bzw künstlich gilt.
Aber ich fürchte, man wird eine Ausnahme machen MÜSSEN: Die Sohlen der Wanderstiefel werden auch beim lieben Herrn Geiger aus irgendeinem Gemisch auf Erdöl-Basis bestehen.

Ja, das sind soweit meine Gedanken zu dem Thema. Hat sich der ein oder andere von euch schon mal etwas ähnliches überlegt? Gibt es noch Vorschläge? Welche Konsequenzen muss man bei solchen Verzichten in Kauf nehmen? Welche Vor- und Nachteile haben sie (zB Gewicht)?

Bitte versteht mich nicht falsch, dies ist, wenn umgesetzt, ein zeitlich begrenztes Experiment und soll keineswegs zum Dauerzustand der Askese entarten. Es geht lediglich darum, sich selbst bewusst zu werden, in wie weit Dinge wie Elektronik und Kunststoffe unseren Alltag beeinflussen, indem man einfach mal versucht, auf sie zu verzichten bzw sie zu ersetzen.

Viele Grüße
Edgar

lina
07.06.2010, 10:57
Klar kannst Du Fotos machen: mit einer Lochkamera (http://de.wikipedia.org/wiki/Lochkamera).

Carsten010
07.06.2010, 10:59
Finde ich eine sehr schöne und interessante Überlegung.

Welche Weitwanderung möchtest Du denn genau laufen?

Zelt
Baumwolltarp

Rucksack
Segeltuchrucksack

Isomatte
Filzmatte oder Lammfell

Schlafsack
Wolldecke

Bei der Baumwolle gibt es ja mit Etaproof und Ventile auch
"wasserdichte" Varianten wobei man da noch checken müßte,
wie die dicht gemacht werden.

Kothen bei den Pfadfindern werden oft mit Essigsaurer Tonerde
imprägniert.

Generell wird die Ausrüstung wohl schon etwas schwerer werden,
aber bei Reduzierung auf das wesentliche noch tragbar bleiben.

Eigenbau ist hier wohl auch ein guter Weg.

CU

Carsten

Jaerven
07.06.2010, 11:03
Den Photoapperat...ja, der war überraschenderweise das größte Problem. Wenn man nicht eine kleine Unsumme für irgendein antikes Model ausgeben möchte, findet sich in jedem heutzutage üblichen Apperat eine kleine Knopfzelle für die Belichtungsmessung. Ich habe dann beschlossen, dass es diesmal eben keine Photos geben wird. (Nebenbei spare ich somit 1kg an Gewicht.)


Wie wäre es mit einem kleinen Aquarellblock? Zeichenblock?

atlinblau
07.06.2010, 11:18
Ich bin raus, schaffe es nicht...
als Paddler
- wasserdichten Sack möchte ich nicht missen... welchen und woher???
- und erst recht dass Boot...o.k. evtl. ein Holzkajak...aber als Faltboot???
- wassergeeignete Sandalen (Tev"o"s)...meine Füße haben sich so daran gewöhnt

Wenn ich daran denke, wie wir vor 30 Jahren losgezogen sind...
die drei Dinge oben aus Kunsstoff hatten wir damals schon dabei.


Thomas

Carsten010
07.06.2010, 11:19
Es geht dem Thread-Ersteller ja auch um eine Weitwanderung und
nicht um eine Paddeltour.

CU

Werner Hohn
07.06.2010, 11:32
Wie man sieht, stellt der Verzicht auf Elektronik noch eine relativ leichte Übung dar. Doch wie sieht es mit dem Verzicht auf Kunststoffe und andere moderne Werkstoffe aus, bzw wie sähe es aus, wenn man sich nur auf die Benutzung natürlicher Werkstoffe (Wolle, Baumwolle, Leder, Holz, Eisen, etc, kurz, alles, was auch schon vor 100 Jahren existiert hat.) beschränken würde?

Soweit ich weiß haben das 2 Leute aus diesem Forum vor Jahren gemacht. Die waren mit Baumwolle und Co. ein paar Wochen in Skandinavien (?) unterwegs. Es gab sogar eine Seite mit einem Bericht darüber. Leider ist die nicht mehr im Netz.

Na ja, vielleicht melden sie sich hier und berichten von ihren Erfahrungen.

Werner

Edgar
07.06.2010, 11:38
Klar kannst Du Fotos machen: mit einer Lochkamera (http://de.wikipedia.org/wiki/Lochkamera).

Naja, die meisten Lochkameras sind aus Papier, und Papier eignet sich schlecht für Draußen. Man müsste sich eine analoge Kamera finden, die auch ohne Batterie auslöst, und diese dann zu einer Lochkamera umbauen. Da ich aber sowieso immer Tagebuch führe, werde ich mal meiner literarischen Ader freien Lauf lassen und vielleicht die ein oder andere Zeichnung einfügen.

Das atlinblau sagt, seine Füße haben sich so an die Sandalen gewöhnt, ist genau der Punkt, den ich ansprechen möchte: Wir haben uns an so vieles gewöhnt und können uns kaum ein "ohne" verstellen. Aber MacKenzie ist seinerzeit auch irgendwie durch Kanada gekommen, ohne dass sein Kanu aus Fiberglas war. Und Amudsen hat den Südpol auch ohne GPS gefunden.

Konkret werde ich mich in Lappland rumtreiben. Von Nikkaluokta aus den Kungsleden runter, dann quer durch den Sarek und auf der anderen Seite den Nordkalottleden hoch. Irgendwie so. ;-)

Greets
Edgar

uli.g.
07.06.2010, 11:38
vielleicht da noch ein paar Anregungen?;-)

http://www.swr.de/steinzeit/html/DAS_EXPERIMENT.html

winnetoux
07.06.2010, 11:38
Aber ich fürchte, man wird eine Ausnahme machen MÜSSEN: Die Sohlen der Wanderstiefel werden auch beim lieben Herrn Geiger aus irgendeinem Gemisch auf Erdöl-Basis bestehen.

Nö - barfuß gehen - das wäre konsequent. Für Notfälle Espandrillos oder Lederschuhe mit Ledersohlen - das wird dann nicht billig und hinterher sind sie vermutlich hinüber ;-). Allerdings würde ich dann wirklich möglichst wenig mitnehmen ... und Pflaster, tja, die sind wohl mit Plastik geschützt.

Edgar
07.06.2010, 11:40
Soweit ich weiß haben das 2 Leute aus diesem Forum vor Jahren gemacht. Die waren mit Baumwolle und Co. ein paar Wochen in Skandinavien (?) unterwegs. Es gab sogar eine Seite mit einem Bericht darüber. Leider ist die nicht mehr im Netz.

Na ja, vielleicht melden sie sich hier und berichten von ihren Erfahrungen.

Werner

Das wäre echt super, wenn die hier beitragen könnten! Schade, dass die Seite verschwunden ist.

Jaerven
07.06.2010, 11:42
Irrtum... http://www.hirngerbung.de/index3.php?page=schweden03
Und mal den Dominik fragen... ;-)

kuroiya
07.06.2010, 11:53
Also wenn ich mir das so durchlese, dann sehe ich da vor allem: viel Gewicht, grosses Volumen.

Würde mir daher als Rucksack so ne Art Lastenkraxe aus Holz als Grundgerüst vorstellen (Rücken vielleicht mit nem Fell polstern?) Dann kannste immer noch den Baumwollrucksack draufbinden.

Cool wären natürlich Packrentiere *träum*.

Viel Erfolg beim Unterfangen!
Dani

Fernwanderer
07.06.2010, 13:36
Also wenn ich mir das so durchlese, dann sehe ich da vor allem: viel Gewicht, grosses Volumen.
Das ist die eine Einschränkung, die Du wirst händeln müssen. Entweder speckst Du bei der Route ab, oder Du holst Dir Lastenesel hinzu, also weitere menschliche oder tierische Tourteilnehmer, oder Du gehst Kompromisse bei der Ausrüstung ein.

...MacKenzie ist seinerzeit auch irgendwie durch Kanada gekommen, ohne dass sein Kanu aus Fiberglas war. Und Amudsen hat den Südpol auch ohne GPS gefunden.
Der Blick auf geglückte Expeditionen verstellt etwas den Blick auf die Risiken. Scott hat den Südpol auch ohne GPS gefunden, aber den Rückweg nicht geschafft. Die erfolgreichen Expeditionen haben beide satt aus dem Erfahrungsschatz angepasster "Naturvölker" geschöpft.
Welche Kenntnisse der Sami hast Du Dir schon zu eigen gemacht, um in der Tundra mit Mitteln von anno dazumal bestehen zu können? Wenn an der Stelle noch nichts geschehen ist, dann wirst Du Dich auf ein langwierigeres Projekt freuen können, das mehrere Entwicklungsstufen durchlaufen wird.

kleinhirsch
07.06.2010, 13:43
Bei der Baumwolle gibt es ja mit Etaproof und Ventile auch
"wasserdichte" Varianten wobei man da noch checken müßte,
wie die dicht gemacht werden.

Wenn ich mich recht erinnere, werden die einfach nur so dicht gewebt, dass kein Wasser durch kann. Und durch Wachsen kriegt man's ja zusätzlich noch hydrophob.

EDIT: Imprägniert ist der Stoff wohl doch

schoguen
07.06.2010, 15:39
Da fällt mir doch gleich Reenactment ein. Da gab es doch schon Berichte von Gruppen, die wie die Römer über die Alpen gezogen sind.

Und die hatten Schuhe ohne Erdölsohlen an. :p Alles genagelte Sohlen. Hatten die Römer nicht Plattfüsse davon? Hmm, wo habe ich das wieder gehört/gelesen/aufgeschnappt?

Auf jeden Fall gibts da genug Seiten im Netz. Spontan würde mir da mal Tempus Vivit einfallen.

Grüße
Günther

Meer Berge
07.06.2010, 16:30
Interessante Idee!

Wie hast du dir das mit der Verpflegung gedacht? Bei Verzicht auf moderne Lebensmittel (Fertignahrung von Tütensuppe bis Trockenmenü) und Verzicht auf Wasserdichte Verpackungen wie Zip-Beutel oder andere Plastiktüten, bleibt ja eigentlich nur noch Pflücken und Jagen, oder?
Wie verpackst du den Rest wasserdicht? Wenn du Wolldecke, Baumwollzelt etc. mitnimmst, wir es schwierig, das alles in einen Rucksack zu stopfen. In imprägnierte Baumwolle wickeln oder in Leder einschlagen?
Ich kann dir verraten: Es ist ein tagesfüllendes Programm, sein Brot aus selbstgeernteten Grassamen, gemahlen zwischen zwei Steinen, auf einem im Feuer erhitzen Stein zu backen. Mit weiteren essbaren, würzigen Pflanzenteilen versetzt schmeckt es allerdings dann phantastisch!

Lochkameras sind durchaus auch aus Holz.

Als Schuhe kannst du doch auf Mokassin-ähnliche Modelle zurückgreifen. Ich weiß z.Zt. nicht, wo man die bekommt, hatte aber früher mal welche. Nach etwas Eigewöhnung läuft man darin sehr gut, sie sind erstaunlich rutschfest (man muss etwas anders gehen als auf Profilsohlen), können wasserdicht gewachst werden, ...

Zum Kochen kommt doch dann eigentlich nur das Lagerfeuer in Betracht. Ein Trangia (möglicherweise gar eine beschichtete Version) mutet ja schon ziemlich futuristisch an. Und für den Brennstoff - hm, Lederbeutel? Sonstige Flüssigkeiten kann man recht gut in Magen oder Blase von Tieren abfüllen.

Ein Messer mit handgeschmiedeter Eisenklinge ist sicher zu bekommen.

Naja, so wie früher ist nicht ganz so einfach, schätze ich. Aber "früher" sind die Menschen auch seltener nur so zum Spaß ein paar Wochen durch die Gegend gewandert. Sie lebten doch mehr oder weniger mit ihrem Hab und Gut an einer oder mehreren Stellen und hatten Lastentiere oder Boote zum Transport ihrer Sachen.


Viele Grüße,
Meer Berge

markrü
07.06.2010, 18:08
Gibts auch Kreditkarten ohne Plastik? :ignore:

Ich versuche seit einiger Zeit auf (Kanu) -Touren möglichst mit Holz zu kochen. Wenn man sich daran gewöhnt hat, geht das gar nicht so schlecht. Die Erfahrung ändert den Anspruch...

Markus

Isildur
07.06.2010, 18:35
Mir kam auch schon mal sowas in den Sinn. Ich denke radikal kann man das schwer durchziehen(z.B. Rucksack selber nähen etc.) aber so ein Baumwolltarp erschien mir schon cool gerade auch wenns um Feuerbeständigkeit geht. Wird natürlich alles dann schwerer werden und wodurch kann man eigentlich einen Spork und ein Berghaferl ersetzen:ignore:

Schöne Idee bin auf den Bericht gespannt. Ohne Elektronik sollte ja nicht so das Problem sein abgesehen von Handy, Photoapparat und Taschenlampe hab ich da eh nix dabei.

Meer Berge
07.06.2010, 18:38
Meine Tasse ist sowieso schon aus Holz. Und als Spork tuts dann auch eine Astgabel, die du etwas aushöhlst ...

Statt Taschenlampe ein paar Glühwürmchen? :cool:

Schattenparker
07.06.2010, 18:47
Stimmt schon, Reenactment ist der Bereich, aus dem man Leute befragen könnte. Ich habe damit einige Erfahrungen und kann sagen:
- Reine Lederschuhe wasserdicht zu bekommen, ist schwer bis unmöglich, je nach Schuh.
- Das Laufen in Mokassins ist - je nach Gelände - eine traumhafte bis alptraumhafte Erfahrung. Außerdem haben die Leute von McKenzie auf schwierigen Strecken bis zu ein Paar pro Tag und Nase durchgelatscht.

Ansonsten halte ich es für durchaus machbar. Man muss sich halt auf das allernotwendigste beschränken. Am schwierigsten finde ich die Schlaferei. Keine Isomatte, kein Schlafsack. Fuck.

Lebensmittel kann man gut in Wachstuch verpacken. Damit meine ich nicht das moderne PVC-zeug, sondern mit Bienenwachs imprägniertes Baumwolltuch. Lässt sich gut im Backofen machen.

Dominik
07.06.2010, 18:56
Hi,

rückblickend muss ich sagen, dass ich die Tour in dieser Weise auf KEINEN Fall nochmal so machen würde.
40 Kilo auf dem Rücken zu schleppen ist definitiv keine Spaß - ganz zu schweigen von den alle 5 Minuten blitzartig auftretenen Schmerzen in den Beinen :o
Insgesamt hat sich zudem mein ökologisches Wissen enorm erweitert, sodass ich z.T. über die Tour damals schmunzeln muss ;).
Mit einem Lastesel wär ich aber wieder am Start..

Denoch, ich habe bereits mehrfach bewusst auf Tour verzichtet und die Schwedentour war sicherlich mit das Extremste (auch wenn ich es als solches nicht Wahrgenommen habe).
Und ich zerre bis heute im Alltag noch von diesen Erfahrungen. Erst gestern Abend habe ich beim Schokolade essen auf dem Sofa, sehr bewusst wahrgenommen, was ich da eigentlich genieße.
Mir persönlich entfällt soetwas einfach zu schnell - wenn ich nicht diese Erfahrungen regelmäßig machen würde.

Kann es nur jedem empfehlen..
Dom

Goettergatte
07.06.2010, 19:59
Stimmt schon, Reenactment ist der Bereich, aus dem man Leute befragen könnte. Ich habe damit einige Erfahrungen und kann sagen:
- Reine Lederschuhe wasserdicht zu bekommen, ist schwer bis unmöglich, je nach Schuh.
- Das Laufen in Mokassins ist - je nach Gelände - eine traumhafte bis alptraumhafte Erfahrung. Außerdem haben die Leute von McKenzie auf schwierigen Strecken bis zu ein Paar pro Tag und Nase durchgelatscht.

Ansonsten halte ich es für durchaus machbar. Man muss sich halt auf das allernotwendigste beschränken. Am schwierigsten finde ich die Schlaferei. Keine Isomatte, kein Schlafsack. Fuck.

Lebensmittel kann man gut in Wachstuch verpacken. Damit meine ich nicht das moderne PVC-zeug, sondern mit Bienenwachs imprägniertes Baumwolltuch. Lässt sich gut im Backofen machen.


Wie schauts aus mit Holztrippen?
Die Holzsohle benageln, oder bespiken, unter den Zehenballen kann ein Gelenk aus Leder eingepaßt werden.
Die Idee kam mir im Matsch auf dem Forumskämp,
wird möglicherweise noch in diesem Jahr von mir umgesetzt,
ich glaub bei den Ausgrabungen auf dem Duisburger Marktplatz hat man auch sowas gefunden.

Schattenparker
07.06.2010, 20:12
Holztrippen mit Gelenk ... interessante Idee.
Ansonsten, was bei Reenactors in Matsch oder Regen beliebt ist, sind diese Holzschuhe, wie man sie aus Holland kennt. Aber damit einen Querfeldein-Marsch? Nö, ohne mich!

Randonneur
07.06.2010, 20:14
Man kann den Verzicht ja auf ganz verschiedenen Niveaus leben, im Extrem wie in der Steinzeit. Fuer einen gemaessigten Ansatz ist das Buch "Camping and Woodcraft" von Horace Kephart von 1916 sehr schoen. Da wird auch noch beschrieben wie man sein Lager gegen ueberaschenden Besuch sichert... Er hat auch etliche gute Kochrezepte.

MikeTango
07.06.2010, 22:33
Ich versuche seit einiger Zeit auf (Kanu) -Touren möglichst mit Holz zu kochen. Wenn man sich daran gewöhnt hat, geht das gar nicht so schlecht. Die Erfahrung ändert den Anspruch...

Markus


Ich erinnere mich da an die sagenhaften Pfannkuchen auf dem Forums-Paddeltrip...


Ontopic: Ich würde bei Sicherheitsfragen niemals unter Stand der Technik - Niveau gehen. Taschenlampe, besser Stirnlampe, Regenschutz und Schuhwerk sind für mich sicherheitsrelevant. Direkter: Was enthält dein EH-Set? Baumwollstreifen und Quecksilber gegen die Syphilis oder sterile wasserfeste Brandpflaster, mit Silber bedampft und gut dosiertes Paracetamol? Was ist mit Mücken- und Zeckenabwehr? Notruf? "Dann sterbe ich eben, weil mich 20 Meter neben dem Weg keiner findet" ist keine Lösung :)

Edgar
07.06.2010, 22:53
Aah, ich habe doch eine Ader getroffen. :D

Nach dem Krieg waren Rohstoffe knapp, da wurden unteranderem hölzerne Sohlen verkauft. Das waren schmale Hölzchen, die durch ein Tuch an der Oberfläche zusammengehalten wurden. Hat man sich dann einfach unter den Schuh genagelt.

Aber ich habe das Gefühl, ich möchte hier zwei Dinge klarstellen:

Erstens ist der Kunststoff-Verzicht noch rein hypothetisch. Auf der anstehenden Wanderung werde ich lediglich auf Elektronik verzichten. Um auf Kunststoffe zu verzichten, wird noch viel Hirn in Wallung gebracht werden müssen.

Zweitens geht es mir nicht um reenactment. Es geht mir nicht darum, WIE die Leute vor Urzeiten klar gekommen sind. DAS sie klargekommen sind, ist ja offensichtlich. Es geht mir eher darum, zu erkennen in wie weit moderne Materialien (logischerweise) unseren Alltag dominieren, und wie wir heute auf sie verzichten könnten. Deshalb werde ich mir auch kein handgeschmiedetes Messer suchen, da ein Messer für gewöhnlich kaum Plastik-Anteile aufweist.

Aber das ist eben die Frage, wie weit man das treibt. Sicherlich ist es interessant, nachzuvollziehen, wie die Römer damals über die Alpen sind. Aber ich bin eben kein Steinzeitmensch oder Römer. Ich suche eher nach Alternativen für die Gegenwart. Deshalb wäre es für mich auch kein Problem, einen Kocher zu nehmen, statt ein Lagerfeuer zu nutzen. (Wobei man da zugegebenermaßen erstmal über das Aluminium diskutieren müsste.)

Ein paar Dinge, die angesprochen wurden:
So eine Holzkraxe finde ich ne super Idee. Ich schätze, wenn da das Tragesystem vernünftig ist, wird man problemlos mehr tragen können als in einem Alpin-Rucksack.
Zum Schlafen könnte wohl, wie erwähnt, eine Woll-Decke (BW/NVA) auf einer Filzmatte unter einer Baumwoll-Plane (BW-Zeltbahn?) reichen. Das kann man alles ineinander rollen und auf die Kraxe schnallen.
Vor nicht allzu langer Zeit ist man noch mit Stiefeln mit genagelter Ledersohle in den Krieg gezogen. Sowas muss es doch auch heute noch irgendwo geben? Mit Mokassins möchte ich zumindest nicht durch Lappland wandeln.

Was man von den heutigen Sami lernen könnte, wäre ein Quad- und Helikopter-Führerschein.

Danke für die Links und Anregungen!

Greets
Edgar

Edgar
07.06.2010, 23:00
Ontopic: Ich würde bei Sicherheitsfragen niemals unter Stand der Technik - Niveau gehen. Taschenlampe, besser Stirnlampe, Regenschutz und Schuhwerk sind für mich sicherheitsrelevant. Direkter: Was enthält dein EH-Set? Baumwollstreifen und Quecksilber gegen die Syphilis oder sterile wasserfeste Brandpflaster, mit Silber bedampft und gut dosiertes Paracetamol? Was ist mit Mücken- und Zeckenabwehr? Notruf? "Dann sterbe ich eben, weil mich 20 Meter neben dem Weg keiner findet" ist keine Lösung :)

Hej Mike!

Danke für diesen wichtigen kritischen Beitrag! Du hast Recht, beim EH-Set hört der Spaß natürlich auf. Das ist wohl gefüllt, kann (hoffentlich) mit einem PKW-EH-Kasten gleichziehen, und wird selbst bei Kunststoff-Verzicht nicht angetascht. Und dank Signal-Pfeife werde ich hoffentlich keine 20 m neben dem Weg verrecken.

Da ich allerdings gegen Midsommar dort oben sein werde, fällt die Taschenlampe ohne zu zögern raus.

Greets
Edgar

Mim
07.06.2010, 23:10
Wenn du alleine unterwegs bist kannste ein Kohtenblatt nehmen und dir eine sogenannte Kröte draus bauen. Ist halt zu einer Seite offen und Sitzhöhe haste auch nicht, dafür "nur" 2kg, Baumwolle und wasserdicht.

Zum Kochen würd ich nen Hobo nehmen.

Das Handy würd ich mitnehmen, vor allem wenn du alleine unterwegs bist. Musst es nur konsequent auslassen und irgendwo ganz unten in deinen Packsack stecken.

Aus Kohtenstoff gibt auch wasserdichte Bekleidung ("Jungenschaftsjacken"). Oder Metwerware ordern und selber nähen. Daraus müssten sich auch ganz gut Packsäcke machen lassen.

Man findet bei Mittelalterkram manchmal auch Schuhe mit Ledersohle, ob die aber für sowas geeignet sind...

kuroiya
07.06.2010, 23:25
Dort, wo er hinwill, kann er das Handy getrost zuhause lassen. Empfang is da eh seltenst.

Chouchen
07.06.2010, 23:28
Man findet bei Mittelalterkram manchmal auch Schuhe mit Ledersohle, ob die aber für sowas geeignet sind...

hier z.B. : http://www.sued-west.com/Historische-Schuhe/658/

uli.g.
07.06.2010, 23:37
....
Nach dem Krieg waren Rohstoffe knapp, da wurden unteranderem hölzerne Sohlen verkauft. Das waren schmale Hölzchen, die durch ein Tuch an der Oberfläche zusammengehalten wurden. Hat man sich dann einfach unter den Schuh genagelt.


... das liest sich u.a. wie der Klappentext des nächsten manufactum-flyers ;-) .

... aber im Ernst; ich finde Deine Anfrage ausgesprochen spannend - und mein link zu dem Ötzi-Alpentraversen-Experiment war durchaus ernst gemeint! - ich habe die Sendung damals mit großer Begeisterung verfolgt! - man muss diese "längeren Gedankenspiele" ja nicht gleich bis hinter die letzte Kommastelle durchdeklinieren, aber ich find´s schon sehr spannend, zwischendrin mal drüber nachzudenken, was (a.) wir "Zivilisationsmenschen" zum Überleben beitragen könnten, wenn uns wirklich mal "der Saft abgedreht" wird (wir könnten im Zweifel noch nicht mal Feuer machen :bg: ) und (b.) wie viel an "handwerklichem" (i.w.S.) Wissen uns tagtäglich nach und nach unwiederbringlich verloren geht! Und ich bin bei weitem und mitnichten Zivilisationsverweigerer!!! - im gegentum!!!

Noch zwei kurze Anregungen:

- als Kind (und auch noch heute als älterer Mensch ) hat mich sehr die Trilogie von Alois Tlučhoř (A.T. Sonnleitner) "die Höhlenkinder" fasziniert, die zunächst selbst gelesen, wieder gelesen, meinen Kindern vorgelesen und dann als deren Eigenlektüre in ihrem Bücherschrank wiedergefunden habe ...

- so lange meine Knöpfe noch nicht "hemmungslos pubertierten", haben wir jeden Herbst/ Winter zwei bis drei "Stromexperiment"-Wochenenden durchgeführt, bei denen ab Freitag-Nachmittag der Hauptschalter umgelegt (Herbst/ Winter wg. Kühlschrank und Tiefkühler - und wir kochen mit Gas - und haben ein Haus mit zentralen Kachelofen ... aber trotzdem....) und erst am Montag Morgen wieder hochgefahren wurde! - SEHR EMPFEHLENSWERT - und urgemütlich, wenn man - wie wir - "auf´m Land" wohnt...

Chouchen
07.06.2010, 23:42
Erstens ist der Kunststoff-Verzicht noch rein hypothetisch. Auf der anstehenden Wanderung werde ich lediglich auf Elektronik verzichten. Um auf Kunststoffe zu verzichten, wird noch viel Hirn in Wallung gebracht werden müssen.
(...)
Zum Schlafen könnte wohl, wie erwähnt, eine Woll-Decke (BW/NVA) auf einer Filzmatte unter einer Baumwoll-Plane (BW-Zeltbahn?) reichen. Das kann man alles ineinander rollen und auf die Kraxe schnallen.



zur Kleidung: Wachscottonbekleidung ist regendicht, sehr robust (bei Gestrüpp usw.) und ist im Regelfall auch preiswerter als Kunststoff-Highend-Jacken und Hosen. Sie sind aber schwerer und ich finde sie ziemlich "schwitzig" (trotz der angepriesenen Atmungsaktivität), aber für Lappland sollte so etwas prima sein.
Dazu dann noch Pulli und Wäsche aus Wolle: Hält warm und müffelt nicht so.

Zum Schlafen würde ich eher auf ein Lamm- oder Rentierfell zurückgreifen als auf eine Filzmatte. Das dürfte bequemer, wärmer (bes. das Rentierfell) und kaum schwerer sein. Es ist aber halt voluminöser und damit schlechter packbar.

Eine Wolldecke wäre mir zu wenig. Vllt. kann man zwei dünne Decken doppeln, mit Wollflies füttern und absteppen und dem ganzen einen Quilt-artigen Schnitt verpassen?

(Auf Anfrage stricke ich Dir auch gerne einen Schlafsack, freie Farbwahl!:bg:)

Edgar
07.06.2010, 23:43
Dort, wo er hinwill, kann er das Handy getrost zuhause lassen. Empfang is da eh seltenst.

Kenau, und wirklich "allein" ist man zur Hauptsaison auf dem Kungsleden auch nicht wirklich...und wenn ich bedenke, wie viele Menschen ich letztes Jahr im Sarek getroffen habe...

Edgar
07.06.2010, 23:46
(Auf Anfrage stricke ich Dir auch gerne einen Schlafsack, freie Farbwahl!:bg:)

Ja, wirklich? :D
Führe mich nicht in Versuchung. :bg:
Also Leute, wie wärs, Sammelbestellung auf Kunststofffreie Schlafsäcke bei Chouchen? Es gibt freie Farbwahl! Für mich bitte in Navy-Blau. :grins:

uli.g.
07.06.2010, 23:50
Ja, wirklich? :D
Führe mich nicht in Versuchung. :bg:
Also Leute, wie wärs, Sammelbestellung auf Kunststofffreie Schlafsäcke bei Chouchen? Es gibt freie Farbwahl! Für mich bitte in Navy-Blau. :grins:

pass´auf; das ist eine der Stricklieseln aus der J.W.-Abmahnserie!!! Hinterher haste ´nen Schlafsack und darfst ihn nicht verwenden!!!!! - bin ja schon weg!

Edgar
07.06.2010, 23:51
Zum Schlafen würde ich eher auf ein Lamm- oder Rentierfell zurückgreifen als auf eine Filzmatte.

Habe mangels Isomatte letztes Jahr ein paar Nächte im Freien auf einer doppelt gelegten Fleece-Decke verbracht, das ging relativ problemlos.



Eine Wolldecke wäre mir zu wenig. Vllt. kann man zwei dünne Decken doppeln, mit Wollflies füttern und absteppen und dem ganzen einen Quilt-artigen Schnitt verpassen?

Ich kann mir vorstellen, dass das wahrscheinlich recht schwer wird. Man kann natürlich in seiner Kleidung schlafen, die Frage ist, ob man das möchte. Dann doch eher einen richtigen Schlafsack selbst nähen: Baumwolle und Daune.

Chouchen
07.06.2010, 23:57
Ja, wirklich? :D
Führe mich nicht in Versuchung. :bg:
Also Leute, wie wärs, Sammelbestellung auf Kunststofffreie Schlafsäcke bei Chouchen? Es gibt freie Farbwahl! Für mich bitte in Navy-Blau. :grins:

Hähä, ja, erweitert doch dahingehend den Cumulus-Bestell-Thread.:bg:

Ich garantiere hiermit, dass die Säcke aus Wolle von glücklichen, isländischen Schafen gestrickt werden, ich benutze Stricknadeln aus Bambus und Rosenholz, der Kaffee, den ich dazu trinke, hat das "Fair Trade"-Siegel.
Sie werden nahtlos verarbeitet. Eine Anpassung auf die individuellen Körpermaße ist selbstverständlich. Für kälteempfindl. Personen kann die Wolle im Nieren- und Fußbereich auch gedoppelt werden.
Übrigens: Mehrfarbig mit Einstrickmustern halten sie deutlich wärmer, werden aber auch etwas schwerer und teurer...:grins:

(Halb) im Ernst, eigentlich wäre es tatsächlich ideal: Ein Strickschlauch aus langfloriger, möglichst wenig behandelter Wolle, der leicht angefilzt wird, so dass er zwar verdichtet, aber noch flexibel bleibt. Wenn ich dann aber daran denke, dass schon ein Pulli mal locker ein Kilo wiegt, nehme ich lieber wieder davon Abstand...

Chouchen
08.06.2010, 00:18
Habe mangels Isomatte letztes Jahr ein paar Nächte im Freien auf einer doppelt gelegten Fleece-Decke verbracht, das ging relativ problemlos.

Ich kann mir vorstellen, dass das wahrscheinlich recht schwer wird. Man kann natürlich in seiner Kleidung schlafen, die Frage ist, ob man das möchte. Dann doch eher einen richtigen Schlafsack selbst nähen: Baumwolle und Daune.

Tapfer, tapfer, nur auf einer Decke liegen in diesen Breiten, das wäre nichts für mich.


Baumwolle ist sehr schwer und trocknet schlechter als Wolle. Auf der anderen Seite: Die Daunen als Füllung würden das Gewicht der Baumwolle vllt. wieder rausreißen... hm, grübel.
(Mein erster Island-Schlafsack war ein ausrangierter Armee-Daunensack mit Baumwollhülle. Der hat locker 5 kg gewogen. Aber warm war er!)

Es würde vllt auch so dieser Merino-Strick als Hülle gehen http://www.extremtextil.de/catalog/Gewebe/unbeschichtet/Merinowolle-Double-Jersey-150g-qm::1226.html
Da das Merino-Gestrick leider nicht daunendicht ist, könnte man als Füllung auf so ein Wollvlies zurückgreifen: http://www.finkhof.de/de/Schafwolle/kardierte-Wolle/Wollvlies::20.html?XTCsid=6093e01c5939c24cecde07190975a2ee
3-4cm Loft und preiswert.
Oder man nimmt so eine Felldecke: http://www.finkhof.de/de/Schaffelle/Felle-und-Felldecken/Felldecken::153.html?XTCsid=6093e01c5939c24cecde07190975a2ee
Wenn man sich darin einwickelt, hat man Isomatte und Schlafsack in einem.

Es wäre mal interessant das Gewicht der ganzen Möglichkeiten durchzurechnen, dafür bin ich jetzt aber deutlich zu faul.:bg:

chriscross
08.06.2010, 00:37
(Mein erster Island-Schlafsack war ein ausrangierter Armee-Daunensack mit Baumwollhülle. Der hat locker 5 kg gewogen. Aber warm war er!)

Das lag mit Sicherheit nicht nur an der Baumwolle sondern an den ganzen Federn die da drin waren, ich hatte mal einen aus der Schweiz, ein Deckenschlafsack ohne Reißverschluss, gefüllt mit sehr guter Daune, das Ding war warm, leicht und klein verpackbar. Der Baumwollstoff war ziemlich dünn und eng gewebt.

Chouchen
08.06.2010, 01:09
Das lag mit Sicherheit nicht nur an der Baumwolle sondern an den ganzen Federn die da drin waren,
Auch. Die Außenhülle bestand bei meinem allerdings aus sehr festem, dicken Jeansstoff. Ich glaube, der Schlafsack war auch schusssicher.;-)
Aber stimmt, mit dünner, fein gewebter Baumwolle ist das zu umgehen. Ich habe nur bei diesem Thema nur immer automatisch meine Monster-Sack vor Augen und blende zu leicht aus, dass es ja auch anders geht.

elaso
08.06.2010, 01:31
Brauch ich bei den Wollschlafsäcken von Chouchen 50g Overfill oben oder was meint ihr??? :bg:

christel
10.06.2010, 12:58
hej,

zum Rucksack:
der Pfadfinderbund Nord http://www.pbn-hamburg.de läßt eine Variante des Tornisters/Affen
herstellen. Die gehen damit auch auf Großfahrt, nennt sich "Fahrtenbär".

Buchempfehlung:
Eberhard Koebel (tusk): "...seh ich Schwäne nordwärts fliegen"
ISBN 3-88258-036-4

aus dem Inhalt (1920er bis 1931, mit Zeichnungen)
tusk hat einige Zeit bei den Sami gelebt, sehr authentisch !
- Lappländische Skizze
- zwischen Polarkreis und Nordkap
- Heinäsaari
- Lappland, in der Gewalt des Lichts
- Nowaja Semlja


tusk: "Fahrtbericht 29"
hier ist tusk mit einer Gruppe Jugendlicher 1929 (mit Photos) unterwegs,
es ging von Deutschland nach Stockholm und von dort mit der Bahn bis
Murjek und dann zu Fuß über-Saggat-Kvikkjokk-Virijaur-Sulitelma nach Norwegen. Sehr sehr lesenswert, garantiert ohne Kunststoffe.
ISBN 3-88258-088-7


Südmarkverlag
Fritsch KG
Heidenheim an der Brenz


oder
Fridtjof Nansen: "Auf Skiern durch Grönland"
ISBN 3-353-00837-3
in Deinem Fall aber nicht so informativ wie die Bücher von
Eberhard Koebel (tusk)

oder
die älteren Bücher von Rainer Höh
"Winterwandern" + "Blockhüttentagebuch"

zu den Rentierfellen:
die können bei Feuchtigkeit erbärmlich stinken,
kommt wohl auch auf die Gerbung an

zu den Stiefeln:
gibt es nicht noch einige samische Handwerksbetriebe,
die traditionelles Schuhwerk herstellen ?

Link: http://www.lederkram.de


so, mehr fällt mir gerade nicht ein


schöne Grüße


christel

Edit: kleine Ergänzungen/Verbesserungen

christel
10.06.2010, 13:16
hej,

eben fällt mir doch noch was ein.

1994 oder 1995 habe ich mit jemandem eine Fahrradtour durch
Island gemacht, da begegneten wir dem "legendären" Schweizer
auf seinem Postrad (mittlerweile mit 3 Gängen aufgepeppt).
Er spendierte uns einen Kakao (nix Milchpulver) und wir plauderten
etwas miteinander. Sein Zelt stand nur mit etlichen Heringen und
wog so um die 10kg (genau erinnere ich mich nicht, könnte eine
Kohte gewesen sein, gesehen habe ich es nicht).
Mit dieser Ausrüstung war er jahrelang für drei Monate auf Island
unterwegs, manchmal schaffte er nur 8km am Tag.

Fazit: auf die Einstellung kommt es an.

Auch bei den Pfadfindern erinere ich mich an völlig verregnete
Sommerlager, so daß wir mitten in der Nacht einen Graben um die
Kohte ausheben mußten. Wandern und Geländespiele mit Rock ?
ja, war klasse :p

Grüße

christel

Nasus
10.06.2010, 23:55
Es gäbe in der Bucht massenweise Kameras, die ohne Knopfzellen auskommen und mit gewöhnlichem Kleinbildfilm geladen werden können;
komplett ohne Kunststoffe wird aber selbst da schwierig - zwar wurde in der guten alten Zeit ausgiebigst Metall verwendet, aber irgendwelche kleinen Dämpfer sind dann doch manchmas synthetisch.
Je simpler die Kamera, desto unwahrscheinlicher ist so etwas drin.
Sehr sicher kanns tDu dir bei einfachen BOx-Kameras sein - die jedoch nicht mit Rollfilm geladen werden und daher eher interessant sind, wenn man eh selbst abzüge herstellt. Ansonsten einfache Sucherkameras, die sogar recht komfortabel und vor allem zuverlässig sind.

Chouchen
11.06.2010, 00:19
^Selbst wenn man eine weitestgehend kunststofffreie Kamera findet: Spätestens bei den Filmen wird es dann schwierig, es sei denn, man steigt auf Photoplatten um.

chriscross
11.06.2010, 01:05
Da finde ich die Idee von Järven besser, die hatte ich auch - Skizzenblock und ein paar geeignete Stifte, DAS ist back to the roots!:D

Michael'
11.06.2010, 02:19
Gibts auch Kreditkarten ohne Plastik? :ignore:

Ich versuche seit einiger Zeit auf (Kanu) -Touren möglichst mit Holz zu kochen. Wenn man sich daran gewöhnt hat, geht das gar nicht so schlecht. Die Erfahrung ändert den Anspruch...

Markus


meine ist ne platin ;-) :bg:

markrü
11.06.2010, 06:42
Die ist bestimmt nur platiniert..? :hahaa:

Meine ist Kunststoff mit Goldkern! - Äh, ...also, (kurze Pause) ...ja, ...das hat mir die Bank gesagt: "Da ist Gold drin!"

Oder sagten sie "Geld"? :o ...Oder waren das die Goldbären?!? Ich komme durcheinander...

Markus

christel
11.06.2010, 08:54
hej,

sieh Dir mal den "Brotbeutel Reinleinen" (Beschreibung + Kundenmeinung !)
bei http://www.manufactum.de
an.


Grüße

christel

Nasus
11.06.2010, 10:03
Spätestens bei den Filmen wird es dann schwierig, es sei denn, man steigt auf Photoplatten um.
Als Zwischenschritt gäbe es ja noch Filmpapier, z.B. für die Box.
Aber sooo eng muss man das ja nicht sehen, wenns eingangs gewünscht war, 'wie vor 100 Jahren' loszuziehn. kb-Film gabs da ja schon längst, und nur wenige Jahre Später auch schon die ersten Fotokameras für diesen. Ja, ok. Das Trägermaterial war ein wenig anders, aber den Kompromiss kann man eingehn, außer man baut darauf, übrigen Film als Anzündehilfe zu verwenden.
Wenn mans ganz eng sieht geht - und ging - ohne Kunststoffe gar nix. Selbst beim Gerben von Leder findet eine Polymerisation statt, egal mit welchem Verfahren. Auch schon vor etlichen Jahrtausenden.
"Kein Kunststoff" oder keine bestimmte Technologie halte ich für schwierig - genaugenommen ist das nicht durchführbar, es sei denn man hängt sich die noch blutigen Felle irgendwelcher Tiere um. Beim erlegen sollte man aber darauf achten, seine Silexklingen nicht mit Teer oder Pech zu fixieren, da auch das bereits ein Kunststoff ist.

Wenns ohne Kompromisse gehn soll, dann sollte man sich einfach eine Jahreszahl setzen und sich entsprechend der Epoche eindecken. Schließlich gehts ja wohl eher darum, ohne irgendwelche Hochtechnologischen Dinge loszuziehn.
Achja: Mit der Armbanduhr wirds zeitlich auch schon recht knapp. Und evtl. hat sie auch schon Dichtungen aus Gummi.

Inarijoen Peter
11.06.2010, 21:11
Ich meine diese Doku gehört auch zu diesem Thema.

Anleitung zur Katastrophe
Ein Jahr auf Öl-Diät
Regie von John Webster
Dauer: 1h 03min

Eine Dokumentation, über eine Anglo/Finnische Familie die versucht ein Jahr lang ohne Öl und mit möglichst wenig fossielen Brennstoffen zu leben.

Die Sendung wird am 29. Juni 2010 um 21.05 Uhr auf ARTE noch einmal gezeigt.


Anleitung zur Katastrophe

Der Dokumentarfilmer John Webster überzeugt seine Ehefrau und seine beiden Kinder, ein Jahr lang auf den Konsum von Erdöl und Erdölprodukten zu verzichten, ohne ihren mittelständischen Lebensstil aufgeben zu müssen. Dieser Enthaltsamkeitsbeschluss mit dem Ziel, zur Weltverbesserung beizutragen, hat ungeahnte Folgen, aus denen ein überaus witziges, gesellschaftskritisches Protokoll entstanden ist. Die Familie lernt in diesem Jahr nicht nur, ihre eigenen Werte zu hinterfragen, zugleich werden auch ihre Willenskraft und das Familienglück selbst auf eine harte Probe gestellt.

Der Kauf von Hygieneartikeln wie Zahnpasta und Toilettenpapier wird im Supermarkt zum Spießrutenlauf, selbst die Cornflakespackung mit Gratis-Plastikspielzeug erweist sich als ein echtes Problem.

(Finnland, 2008, 63mn)
BR
Regie: John Webster

ArneS
11.06.2010, 22:24
Erstmal vorweg: Interessante Idee und interessanter Thread!

Und dann möchte ich mal auf einen Punkt zurückkommen:
Kamera ohne Elektronik ist absolut kein Problem, ohne Kunststoffe wirds aber schwer, denn ohne Film gehts nunmal nicht, und die sind heutzutage alle aus erdölbasierten Kunststoffen.
Mit einer rein mechanischen Kamera zu fotographieren ist aber mal eine echt interessante Erfahrung. Belichtung muss man schätzen, aber mit etwas Erfahrung und dem Belichtungsspielraum eines Negativfilms geht das ganz gut.
Eine passende Kamera bekommt man in Gebrauchtbörsen ziemlich billig, im zweistelligen Bereich ist da problemlos was zu machen. Bei guten Lichtbedingungen ist es erstaunlich, was für Qualität man aus einem über 70 Jahre alten Objektiv rausholen kann.

Ich hab früher mal alte Kameras gesammelt und bin mit jeder Neuerrungenschaft eine zeitlang durch die Gegend gezogen und habe sie wirklich eingesetzt. Da sind Bilder bei rausgekommen, bei denen mir andere Hobbyfotografen kaum geglaubt haben, dass sie von einer "antiken" Kamera stammen.

Viel Erfolg bei der Tour!

markrü
12.06.2010, 06:32
Ich meine diese Doku gehört auch zu diesem Thema.

Anleitung zur Katastrophe
Ein Jahr auf Öl-Diät
Regie von John Webster
Dauer: 1h 03min

Eine Dokumentation, über eine Anglo/Finnische Familie die versucht ein Jahr lang ohne Öl und mit möglichst wenig fossielen Brennstoffen zu leben.

Die Sendung wird am 29. Juni 2010 um 21.05 Uhr auf ARTE noch einmal gezeigt.


Die Quintessenz war, wenn ich mich recht entsinne: ALLE (teilweise krampfhaften) Bemühungen eines ganzen Jahres, das eigene Leben auf umweltfreundlicher umzustellen, wurden durch EINE Flugreise wieder aufgefressen!

Insofern besonders für alle Fernreisenden sehr interessant! :o

Markus

Edgar
13.06.2010, 11:30
Hejsan!
Für die Verwahrung von Lebensmitteln gibt es neben Leinentuch auch noch diese Schraubdosen vom Bund für Butter etc. Wenn ich nicht irre, sind die außen Metal und innen eine Keramik-Einlage.




Eine passende Kamera bekommt man in Gebrauchtbörsen ziemlich billig, im zweistelligen Bereich ist da problemlos was zu machen.

Der zweistellige Bereich beginnt meiner Erfahrung nach allerdings in der Mitte vor dem Beginn vom dreistelligen Bereich. Und das ist es mir nicht wert.


Da finde ich die Idee von Järven besser, die hatte ich auch - Skizzenblock und ein paar geeignete Stifte, DAS ist back to the roots!:D

Werds mal versuchen. ;-) Auch wenn meine künstlerischen Qualitäten unterirdisch sind. :ignore:



Wenn mans ganz eng sieht geht - und ging - ohne Kunststoffe gar nix. Selbst beim Gerben von Leder findet eine Polymerisation statt, egal mit welchem Verfahren. Auch schon vor etlichen Jahrtausenden.
"Kein Kunststoff" oder keine bestimmte Technologie halte ich für schwierig - genaugenommen ist das nicht durchführbar, es sei denn man hängt sich die noch blutigen Felle irgendwelcher Tiere um. Beim erlegen sollte man aber darauf achten, seine Silexklingen nicht mit Teer oder Pech zu fixieren, da auch das bereits ein Kunststoff ist.

Wie nah liegt denn Teer und Pech am Plastik, dass uns alle Tage umgibt? Ich denke, da gibt es noch einen Unterschied. Der Grundstoff mag der gleiche sein, nur das eine findet man in der Natur, das andere wird aufwendig hergestellt. Das Gerben von Leder ist einer der ältesten handwerklichen Prozesse. Also hauptsächlich möchte ich auf das momentan alltägliche Plastik verzichten, das in Form von Kunstfaser auch den Weg in unsere Kleidung gefunden hat.



Wenns ohne Kompromisse gehn soll, dann sollte man sich einfach eine Jahreszahl setzen und sich entsprechend der Epoche eindecken. Schließlich gehts ja wohl eher darum, ohne irgendwelche Hochtechnologischen Dinge loszuziehn.

Kenau!

Nasus
13.06.2010, 12:02
Ich hab mal etwas durch ebay gestöbert - per Sofortkauf gibts alterthümliche Kameras aus der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts ab für rund 20€, teilweise finden sich funktionstüchtige schon für 5€.
Bei den meisten werden nur die Filme nicht sonderlich billig.
Aber für 30-50€ gäbs genügend Kleinbildkameras, falls doch fotografiert werden soll.

Kornelius19
13.06.2010, 13:30
Hallo Edgar

Kamera durch Tagebuch ersetzen!
MP3 durch Naturgeräusche ersetze!n
Tel. durch Selbstgespräche ersetzen!

... ansonsten habe i c h kein Problem mit Elektronikverzicht, da ich sie nicht besitze.

Gruß Kornelius