Ski mit Steigwachs wachsen

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Dieser Artikel ist die Wiki-Version von Sarekmaniacs Beitrag im Forum von outdoorseiten.net (siehe auch: "Beiträge im Forum von outdoorseiten.net).

Wie funktioniert überhaupt Steigwachs?

Je nach Schneetemperatur und Zustand (neuer/transformierter Schnee) haben Schneekristalle eine unterschiedliche Struktur. Steigwachse sind in Härte und Konsistenz darauf abgestimmt, das die unterschiedlichen Kristalle sich ins Wachs hineindrücken und direkt wieder daraus lösen: Je härter, kälter und „spitzer“ die Schneekristalle, desto härter muss das Wachs sein.

Wenn man richtig gewachst hat, passiert Folgendes: Man drückt die Antrittszone des Skis in den Schnee, die Schneekristalle drücken sich ins Wachs und man stößt sich nach vorne ab: Der Ski greift. Wenn sich der Fuß nach vorne schiebt, wird die Antrittszone entlastet und die Schneekristalle lösen sich: Der Ski gleitet.

Wenn man das falsche Wachs gewählt hat, passiert Folgendes:

Fehler A: Das Wachs ist zu hart, z.B.: Blau (V40) bei Schneetemperaturen um 0 Grad: Die Schneekristalle unterm Ski werden einfach zerdrückt, der Ski rutscht nach hinten und greift nicht.

Fehler B: Das Wachs ist zu weich, z.B. Rot (V60) bei -10 Grad: Die Schneekristalle bleiben im Wachs stecken, lösen sich aber bei Entlastung nicht. Beim nächsten Schritt hängen sich weitere Schneekristalle an die vorhandenen: Es bilden sich Stollen.

'Fehler B ist viel, viel schlimmer als Fehler A. Bei Fehler A kann man einfach ein anderes Wachs darüber auftragen. Bei Fehler B hilft in der Regel nur Abkratzen, und zurück auf Los (dazu i.E. unten).

Die Kunst des Wachsens besteht darin, das Wachs/die Wachskombination zu finden, die einen Zustand zwischen Fehler A und Fehler B erzeugt. Klingt schwierig, ist aber gar nicht so kompliziert.

Steigwachse, sortiert von hart nach weich (=vom niedrigeren zum höheren Temperaturbereich) (hier die Bezeichnung von Swix, an den Farbcode halten sich auch andere Hersteller wie Toko oder SkiGo)

Grün: V20 Blau V30 (entbehrlich) Blau V40 Violett V45 Rot V60

Vor Grün gibt es noch Schwarz, zwischen Violett und Rot gibt es noch Gelb, aber die sind, wie das Blau V30, entbehrlich. Außerdem gibt es noch gefühlt 359 andere Wachse von Swix, die aber sehr speziell sind, für Renn-Langläufer eben: Steigwachse, Gleitwachse, zig Grundwachse, zig Klisterarten, Wachse für Skater und für klassischen Stil. Außerdem Kaltwachse, Heißwachse, Wachsbügeleisen, Draht- und Nylonbürsten, Abziehklingen aus Nylon und Metall und, und, und. Braucht man alles nicht. Für ausreichend Halt zum Pulkaziehen und Wandern mit gemäßigten Steigungen reichen die genannten vier bis fünf.

Eine preisgünstige Alternative zu Swix sind die Wachse der schwedischen Firma SkiGo aus Jukkasjärvi. Nach meiner Erfahrung völlig gleichwertig.

An dieser Stelle sei auch noch auf das "Grip Tape" der Firma Startex hingewiesen. Es wird statt des Wachses aufgeklebt und hält je nach Schneebeschaffenheit bis zu 200km. Es funktioniert außer bei Neuschnee bei allen übrigen Schneeverhältnissen sehr gut.

Welcher Bereich des Skis wird gewachst?

Gewachst wird der Antrittsbereich des Skis (Steigzone). Von ca. 5-10 cm vor der Stiefelspitze bis ca 20, 25 cm hinter der Stiefelhacke.

Bei tiefem, weichem Schnee kann das Problem entstehen, dass man im Antrittsbereich nicht genug Druck auf die Schneedecke ausüben kann. Dann wachst man einfach einen längeren Bereich, oder auch den ganzen Ski. Der Gleitfähigkeit tut das kaum einen Abbruch (es geht ja nicht um Wettrennen). Wenn die Gefahr der Stollenbildung groß ist (bei hohen Schneetemperaturen) kann es sinnvoll sein, das oberste Wachs (i.d.R. V60) nur auf einem kleinen Bereich (ca. 20 cm Länge) direkt unter dem Fuß aufzutragen.

Wie wird das Wachs aufgetragen?

Die für den Tag voraussichlich benötigten Wachsdöschen am besten warm in der Hosentasche aufbewahren.

Die Wachsfläche des Skis muss möglichst trocken sein (mit Tuch, Ärmel, Schal abwischen).

Den Alurand im oberen Bereich ringsum abreißen (ca. 1 cm). Nach dem Wachsen mit der Kappe wieder verschließen. (aber diesen 1 cm auf keinen Fall auf einmal auf dem Ski unterbringen. Man braucht viel weniger). So knabbert man das Wachs langsam runter wie einen Labellostift. Die Frage, wie man die letzten Reststücke fachgerecht auf dem Ski unterbringt, hat die hochentwickelte norwegische Wachswissenschaft leider noch nicht beantwortet.

Das Wachs von oben nach unten mit leichtem Druck abreiben. (ungefähr als ob man den Ski mit einer dicken Wachsmalkreide oder mit einer Kerze bemalen würde). Je weicher das Wachs, desto weniger Druck. Eher mit wenig Druck arbeiten und für eine größere Dicke zwei Schichten auftragen. Dabei entsteht keine homogene Fläche, und es bleiben immer auch ein paar Fleckchen frei, aber das macht nichts.

Rot (V60) ist sehr weich und neigt, ähnlich wie Klister, zum Fädenziehen. Die Fäden durch Auftupfen auf der Fläche verteilen und ggf. mit dem Plastikspatel weiter verschmieren. Wenn dicke Wachsklumpen kleben bleiben: Zerstreichen oder entfernen. Sonst kann sich an der Stelle Eis bilden.

Danach mit dem Korken das Wachs von oben nach unten festreiben. Dabei wird das Wachs noch ein bißchen besser verteilt; eine homogene Fläche bildet sich trotzdem nicht. Aber das macht nichts. Der Sinn des Verkorkens ist, dass sich Wachsschichten untereinander besser verbinden und sich besser an den Ski anbinden. Dann hält das Wachs länger.

Wenn mehrere Schichten aufgetragen werden, sei es ein und dasselbe Wachs oder unterschiedliche, wird jede Schicht einzeln verkorkt.

Wie finde ich die richtige Wachskombination?

Die Temperaturbereiche stehen auf den Wachsdöschen. Die Schneetemperatur schätzt man, oder liest ein normales Luftthermometer (Gefriertruhentermomether) im Schatten ab. Da Schneetemperatur nicht gleich Lufttemperatur ist, kann man auch ein Hightech-Schneethermometer benutzen. Habe ich aber noch nie benutzt.

Kalter Schnee ist „verträglich“, warmer, nasser Schnee ist „heikel“. Je wärmer der Schnee, desto schwieriger das Wachsen. (Das liegt daran, das warme Schneekristalle mehr als kalte die Neigung haben, nicht nur am Wachs, sondern auch aneinander zu kleben. Stichwort „Stollenbildung“).

Man nimmt also ein Wachs mit dem geeigneten Temperaturbereich. Da sich die Bereiche überlappen, fängt man im Zweifel mit dem härteren (kälteren) Wachs an, läuft los und probiert es aus (das Wachs braucht ein paar Minuten, um sich an die Schneetemperatur anzupassen und richtig zu arbeiten). Wenn das Wachs nach zwei, drei Minuten nicht greift, nimmt man als zweite Schicht das nächstweichere usw. Also die Reihenfolge: Blau, Violett. Oder : Violett, Rot. Nicht umgekehrt, dann kann man schnell Stollen bekommen (siehe oben, Fehler B). Der Vorteil mehrere Schichten ist außerdem: -Das härtere Wachs fungiert als Grundwachs, d.h. das Hauptwachs hält länger. -Die Eigenschaften der Wachse mischen sich, d.h. ich kann z.B. Blau (V40) im oberen Temperaturgrenzbereich mit etwas Violett (V45) „austarieren“

Man muss aber nicht mehrere Wachse kombinieren. Meist reicht eines. Für den Temperaturbereich dieses einen Wachses gilt: je höher die Temperatur, desto dicker die Schicht.

(Man kann auch mal probeweise die Reihenfolge der Wachse umdrehen. Manchmal funktioniert das viel besser, und man weiß nicht wirklich, wieso. Die Sami kennen nicht ohne Grund 300 Worte für Schnee. Aber das ist dann die hohe Kunst des Wachsens, und da sollte man, vor allem bei seinen ersten Versuchen, zurückhaltend sein. Sonst ist der Wachsentferner rasch alle.)


Hier eine kleine Tabelle für Unterwegs:

Steigwachs:

Trockener Schnee, zerfällt noch in der Hand: -5°C und kälter => grün

läßt sich in der Hand formen, zerfällt aber unter Druck sofort: -1°... -6°C => blau

Schnee läßt sich formen, ohne daß Wasser austritt: -3° ... +1°C => violett

Schnee gibt unter Druck Wasser frei: 0° ... +4°C => gelb


Klister bei vereistem, körnigem, nassem Schnee:

fest gefroren: unter 0°C => blau

weder hart noch naß (Firnschnee): um 0°C => violett

nasser Schnee: über 0°C => rot

Wie entferne ich Wachs vom Ski?

Wenn man sich „verwachst“ hat oder das aufgetragene Wachs wegen Temperaturschwankungen (i.d.R. Temperaturabsenkung) anfängt zu stollen, wird es mit Wachsentferner entfernt. Und dann: Auf ein Neues!

Wie lange hält Wachs?

Das kommt auf die Struktur des Schnees an. Bei transformiertem, eisigem Schnee ist der Abrieb stärker als bei Pulver und Firn. Dass man Wachski ständig wachsen muss, ist ein Gerücht. Bei sehr guten Verhältnissen kann ein Wachs 30 km und länger halten. Wenn Schneeverhältnisse und Abrieb so sind, dass man alle halbe Stunde nachwachsen muss, nimmt man besser die Felle.

Wie gehe ich mit gewachsten Ski?

Wenn es geradeaus geht, darauf achten, dass der leichten Stollen, der sich beim Antritt auf der Wachsschicht bildet, sich in der Gleitphase wieder abfährt (das bewusst zu tun ist umso wichtiger, je wärmer der Schnee ist). Bei Steigungen ruhig etwas „stapfen (ähnlich wie mit Fellen), der erhöhte Druck und der etwas größere Stollen verbessert den Halt.

Kann man auf gewachste Ski Felle aufziehen?

Ja. Wenn die Wachschicht dünn und es ein hartes Wachs ist, überhaupt kein Problem. Bei einer dickeren weichen Wachsschicht (Rot) lieber mit dem Spatel etwas abschaben. Sonst bleibt allzuviel auf der Klebefläche des Fells hängen und beeinträchtigt die Klebekraft. Entfernen mit Wachsentferner muss aber nicht sein.

Kann man mit gewachsten Ski eine Pulka ziehen?

Wenn die Pulka nicht zu schwer und der Hang nicht zu steil ist, kein Problem.

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