Ruderboot

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Ruderboot mit Besenantrieb zum Test

Aufbauend auf diese Bauanleitung auf Hannu's Boatyard (Skiff) soll dieser Eintrag dem weiteren Verständnis vom Bootsbau dienen.

Zuerst mal für alle die noch zögern: ein Ruderboot für 2 Personen zu bauen ist nicht besonders schwer und dauert nich länger als eine Woche, wenn man sich viel Zeit lässt. Kosten kann man schlecht angeben, da die vom Aufwand abhängen, die man treibt. Mehr als 200 Euro sollte es allerdings nicht kosten - auch wenn man das Boot wie ich von innen und aussen mit Glasfaser abdichtet und Unmengen an Lack und sonstiges draufschmiert. An Werkzeug braucht man ebenfalls gerade mal ein paar Pinsel, eine elektrische Stichsäge (reicht eine ganz billige), Akkuschrauber, Klemmen, Schleifpapier und eine Schere. Wer das hat und sich 2 Sperrholzplatten beim Baumarkt mit 6mm Stärke holt kann schonmal loslegen.

Die größe der Sperrholzplatten variiert in Deutschland leider (und alle Baumärkte sagen sie hätten "die einzige Norm"), was für uns allerdings recht unwichtig ist. Ob das Boot jetzt ein bisschen länger oder kürzer ist spielt keine Rolle, da der Boden des Bootes ja sowieso direkt eingepasst wird. Wie man auf dem Link sehen kann sind die Seitenplanken des Bootes nicht an einem Stück. das stört jedoch nicht, da man einfach von jeder Seite eine Glasfasermatte mit Epoxydhaz (+ Härter) darüberklebt und schon ist das Ganze extrem stabil. Den nötigen Epoxydharz findet man übrigens erstaunlicherweise nur beim "Autobedarf" der gängigen Baumärkte. Man braucht davon mindestens eine große Dose, da zumindest von aussen das Boot an allen Spalten von Glasfaser überdeckt werden muss.

Bei dem fertigen Zusammenbau der Planken und dem Heck werden durch 2 oder 3 Stangen die Bootsform aufgespannt und danach der Boden frei nach Nase eingepasst.

Hat man die 2 Seitenplanken fertig werden sie mit einem zuvor vorbereiteten Keil in einem spitzen Winkel von 67 Grad für die moderne Version aneinander geschraubt und daraufhin von aussen mit einer Glasfasermatte abgedichtet und stabilisiert. An den im Plan angegebenen Stellen werden dann die 2 bzw. 3 Hilfsstangen eingepasst und die Seitenplanken darüber bis zum Heck zusammengebogen und hier mit 2 90 Grad Keilen am Heck verschraubt. Auch hier wird von aussen wieder mit Glasfaser und Epoxydharz abgedichtet.

Nun hat man die Form des Bootes fertig und somit kann man den Boden des Boots durch leichtes und vorsichtiges Schaukeln auf eine Sperrholzplatte zeichnen. Es lohnt sich hier etwas großzügiger zu Zeichnen, da man ja immer problemlos abschleifen kann. Wer zu großzügig ist schleift sich allerdings die Pfoten wund. Auf jeden Fall wird der Bootsrahmen nun mit der Unterseite nach oben hingelegt und der ausgesägte Boden locker darübergelegt. Mit 3 größeren Schrauben fixiert man nun den Boden an den 3 Keilen des Rahmens (zwei im Heck und einer im Bug). Vermutlich wird jetzt nicht alles exakt passen, was aber nicht schlimm ist. Durch 4 weitere winzige Nägelchen kann der Boden problemlos auf dem Rahmen gehalten werden. Nun wird nach dem Abschleifen der Überstände rund um das Boot ein Glasfaserband angelegt, das mit Epoxydharz getränkt wird und somit das gesamte Boot abdichtet und stabilisiert. Nach dem Antrocknen wird man schon merken, dass das Boot bedeutend stabiler geworden ist.

Ich selbst habe zur größeren Stabilität und der Einfachheit halber erst von innen Glasfasern angebracht und danach aussen abgeschliffen und hier auch nochmal ein Glasfaserband angebracht. Wer allerdings sparen will kann sich auch mit einem Glasfaserband aussen begnügen.

Nach dem Einbau der Bank und der Entfernung der Hilfsleisten wird das Boot mit Leinölfirnis (vermischt mit Terpentin im Verhältnis 1:1) großzügig bestichen, damit sich die Poren schließen.

Danach sollte man noch zur höheren Stabilität eine Holzleiste oben um das Boot als Reling anbringen, um die Stabilität hier zu erhöhen, was wirklich wichtig ist, da man sich hier ja oft festhält. Man tut das am besten mit kleinen Schrauben - hier ist kein Glasfaser nötig. Danach kann man sich schon an den Innenausbau machen. Viele werden sich jetzt denken, dass hier natürlich Querbänke reinmüssen, was ich allerdings unsinnig halte. Die Stabilität durch Querbänke kann man auch anders erreichen. Eine Längsbank hat jedoch gewaltige Vorteile. So kann man sich hier so positionnieren, dass das Boot am besten im Wasser liegt und brauch sich nicht an feste Querbänke halten. So kann man z.B. genauso komfortabel alleine wie zu Zweit fahren (und wenn die Freundin zusätzlich noch eine Runde mitfahren will ist für sie auchnoch Platz - aber mehr als 3 Personen passen nicht rein). Gepäck (im bestimmten Umfang) ist so auch kein Thema. Der einzige Nachteil einer Längsbank ist wohl nur, dass man es nicht kennt.

Somit wird wie auf dem Bild zu sehen ist an den Stellen wo früher mal die Hilfsleisten waren die Halterung für die Längsbank eingepasst, sie zusätzlich die Seitenwand des Boots extrem stabilisiert. Ich denke das Photo spricht für sich. Wenn man am Heck dann eine Leiste noch anbringt auf die man die Querbank legen kann, muss man sie nurnoch festschrauben und hat plötzlich ein extrem stabiles Boot vor sich. Und das obwohl das Sperrholz nur 6mm dick war und alles beim Aufbau so wackelig ausgesehen hat.

Nun muss man sich Gedanken machen wie man das Boot noch längerlebig gegen Wasser schützt. Unbehandelt das Boot ins Wasser zu legen wäre grober Unfug. Was auf jeden Fall sein muss ist eine Gesamtbehandlung des Boots mit Leinölfirnis, damit die Poren zu sind. Das muss man auch tun, wenn man danach noch lackieren möchte. Man vermischt hier den Firnis mit Terpentin im Verhältnis 1:1, damit das Ganze besser in die Poren einzieht. Wer jetzt noch lackieren will muss sich einige Gedanken machen. Ein Holzboot "atmet" nämlich. Somit kommt nur aussen Bootslack in Frage, was wirklich nichtsmehr durchlässt. Da man sich nicht sicher sein kann, dass mal durch einen Kratzer nicht auch Wasser ins Holz hineingelangt sollte das Boot zumindest noch innen atmungsfähig sein.

Die Ruder können aus einem Rundholz und einer eingepassten Sperrholzplatte gebaut werden, was danach mit Bootslack lackiert wird


Zwar verhindert bei einem Kratzer der Firnis schon das Schlimmste - nämlich das Modern - trotzem ist es eine gute Idee von innen nur eine Lasur anzubringen, damit hier noch ein Luftaustausch stattfinden kann. Die ganzen Lacke etc. kosten natürlich einiges. Wer knapp bei Kasse ist muss auf jeden Fall das Boot mit Firnis bestreichen und wenn irgend möglich zumindest aussen noch Bootslack aufbringen. Wer es besonders gut machen will macht von aussen auf die Firnisschicht einen normalen Farblack drauf und hierauf noch den Bootslack. Innen käme auf den Firnis nurnoch eine farbige Lasur, damit möglicher Wasserdampf noch ein bisschen entweichen kann.

Nach ein paar Testfahrten auf einem See kann man sich nun noch Ruder bauen, falls man diese nicht sowieso schon hat. Man kann diese ganz einfach machen, indem man eine Sperrholzplatte in einen zuvor in die Stange eingesägten Spalt einpasst und verschraubt. Die Stange sollte dabei etwa 1,5 Meter lang sein, damit man - falls nötig - sie an sich selbst von der Länge her noch anpassen kann, wenn man die ersten Ruderübungen unternimmt. Lackiert wird das ganze mit Bootslack. Natürlich ist so ein Ruder schwer und eignet sich nicht zum Paddeln, sondern nur zum Rudern.

Um die beste Position für die Ruderhalterung zu ermitteln lohnen sich ein paar Tests auf einem See


Somit muss man noch mit den 2 Rudern die optimale Position für die Ruderhalterung austesten. Es ist günstig eine Position für das Rudern festzulegen, wenn man alleine im Boot sitzt und eine, wenn man zu zweit im Boot sitzt. Sind diese beiden Positionen bestimmt kann man von innen eine dicke Leiste anschrauben und von da oben je eine dicke und stabile Schrauben an jeder Position halb hineindrehen. An den Rudern werden 2 stabile Ösen eingedreht, die dann auf die Schrauben gesetzt werden, wenn man rudern will. Dieses Prinzip ist zwar sehr einfach, funktionniert aber problemlos.

Das Boot ist in dieser Ausführung sehr einfach und übersichtlich gehalten. Natürlich kann man das Boot noch nach belieben mit einem kleinen Kiel oder einer Steueranlage ausstatten. Auch eine kleine Besegelung oder Motorisierung ist denkbar. Dies alles kann dann aber jeder selbst nach belieben ausfeilen. Das Boot eignet sich auf jeden Fall auch für kleinere Flusstouren. Mehr wie gemütliche und ausgedehnte Zweitagestouren sind allerdings nicht möglich - sonst müsste man ein noch größeres Boot bauen. Die Einfachheit dieses Bootes hat aber auf jeden Fall ihren Reiz und da es prima funktionniert lohnt sich eine Nachahmung auf jeden Fall. Wildwasser etc. kann man damit natürlich nicht fahren - stärkere Stöhmungen und kleinere Wellen waren für mich aber kein Problem.


Weitere Informationen

  • Autor(en): Simeon Lange (Buschtrommler)
  • Informationsseite(n):

Hannu's Boatyard

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