Portugal (Wandern)

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Portugal gehört nicht zu den klassischen Zielen für Weit- und Fernwanderer oder Radfahrer auf Ferntour. Neben nur spärlich vorhandenen Informationen liegt die Ursache in nicht oder fast nicht vorhandenen Wander- und Radrouten (besonders Weitwanderwege und Fernradwege sind Mangelware), fehlenden Beschreibungen und dem nicht Vorhandensein brauchbarer Wanderkarten. Erst seitdem um die Jahrtausendwende die Pilgerbewegung ins spanische Santiago de Compostela wieder Zulauf bekommen hat, ist auch Portugal aus dem Nichts immerhin an den Rand der Wahrnehmung gerückt.

Noch immer fehlt es an kurzen und langen Wanderwegen. Sofern überhaupt vorhanden sind Markierungen oft ausgedünnt oder Weitwanderwege werden über Straßen geführt. Trotzdem ist Portugal, das Land der Entdecker zum Land für Entdecker geworden. Wer als Wanderer auf Wanderkarten und vorgekaute Routen verzichten kann, zudem bereit ist zur Not viele Kilometer über oftmals verkehrsarme Autostraßen zu gehen, wird abseits der wenigen Metropolen ein ursprünglich gebliebenes Land finden.

Vorfinden werden Weitwanderer im Wesentlichen eine lange Pilgerstrecke, einige wenige Fern- oder Weitwanderwege, die Grande Rota und etliche lokale Wanderwege (Percuso Local ). Letztere werden obwohl sie sehr kurz sind, oft mit der Markierung der regionalen Wanderwege, die als Pequena Rota bezeichnet werden, versehen. Noch schlechter sieht das bei den Radwegen aus. Egal ob beschrieben oder ausgeschildert, Strecken für Radfahrer sind in Portugal Mangelware.

Eine rühmliche Ausnahme finden Weitwanderer in der Algarve. Dort ist in den letzten Jahren die 240 km lange Via Algarviana entstanden. Dieser Weitwanderweg führt durch das bäuerliche Hinterland der beliebten und an der Küste teils überlaufenden Touristenregion (s.u.).

Informationsbeschaffung

Wanderer, speziell Weitwanderer und Radfahrer rennen bei der Suche nach brauchbaren Informationen keine offenen Türen ein. E-Mails auf Englisch oder Deutsch an die entsprechenden Vereine und Verbände bleiben fast immer unbeantwortet. Auch Gemeindeverwaltungen, sofern sie regionale Wege betreuen, reagieren nicht auf entsprechende Anfragen. Eine rühmliche Ausnahme sind die Büros der großen Touristenregionen, deren Broschüren und Tipps aber immer auf die Vorstellungen und Wünsche von Pauschalurlaubern abgestimmt sind. Bis auf die Unterkunftsverzeichnisse sind deren Auskünfte für Weitwanderer und Radfahrer die durchs Land wollen nicht weiter verwertbar.

Nachfragen vor Ort sind bedeutend einfacher und die Menschen erweisen sich als sehr hilfsbereit. Zudem sprechen so gut wie alle Mitarbeiter der Touristenbüros mindestens eine Fremdsprache. Nachteilig ist, dass man immer nur Infos für sehr kleine Gebiete, meist die Gemeinde oder touristische Region, erhält. Das Wissen um große Wander- und Radwege, die durch mehrere Regionen führen, tendiert gegen null. Gelegentlich gibt es Faltblätter für lokale Spazier- oder Wanderwege, die sich leider so gut wie nie zu längeren Touren verbinden lassen. Hinzu kommt, dass es selten eine Neuauflage gibt wenn das letzte Infoblatt verteilt ist. Nachteilig ist auch, dass viele diese Wanderwege meist mit einer Nummer oder einem Fantasienamen ausgeschildert werden. Für Ortsfremde und bei Fehlen erläuternder Infos ist selten ersichtlich wohin diese Wege führen. Eine Ausschilderung mit Ortsbezeichnungen würde dem abhelfen, ist aber sehr selten anzutreffen.

Wander-, Bergsteiger- und Radfahrerverbände/vereine

Sonstige

Wanderwege

Europäische Fernwanderwege

Markierung des E9/GR11 in Nordportugal

Durch Portugal führen 3 Europäische Fernwanderwege. Es hat viele Jahre gedauert, bis aus einer Idee und theoretisch möglichen Streckenführungen halbwegs Realität geworden ist. Soweit das für Außenstehende zu beurteilen ist, hat in den vergangenen Jahren der Pragmatismus die Oberhand gewonnen. So wurde der als Europäischer Küstenwanderweg geplante E9, damit auch der GR11, kurzerhand mehr oder weniger auf die Route des Caminho Português gelegt.

Europäischer Fernwanderweg E4 - GR13. Eigentlich endet oder beginnt dieser E4 in Gibraltar. Doch schon in älteren Planungen taucht eine Variante durch den Süden Portugals auf, die am Cabo de São Vicente ihren Anfang nehmen sollte. Heute ist diese Strecke als Via Algarviana mehr oder weniger vorhanden. Eine Verbindung ins spanische Sevilla gibt es nicht.

Europäischer Fernwanderweg E7 - GR14. In der Hauptstadt Lissabon soll der E7 irgendwann einmal beginnen und bei Idanha-a-Nova das Land nach Spanien verlassen. Umgesetzt wurde bis jetzt nur die gut 80 Kilometer des GR14 ganz im Osten Portugals. Erfahrene Wanderer können sich mittels einer Kombination aus Pilgerweg (Caminho do Tejo) und kleiner Autostraßen eine eigene Route durch die Mitte des Landes zusammenstellen.

Europäischer Fernwanderweg E9 - GR11. Der als Küstenwanderweg (Caminho do Atlantico) geplante Fernwanderweg ist im eigentlichen Sinne bis jetzt fast nirgendwo umgesetzt worden. Im Süden, zwischen Sagres und Lissabon, finden sich gelegentlich ein paar einsame Markierungen. So etwa auf der Strecke zwischen Grândola und Alcácer do Sal. Das angeblich erhältliche Informationsblatt über den Wanderweg, der beide Orte verbindet, war im Herbst 2008 in den Touristenbüros beider Orte nicht mehr erhältlich, genau wie weitergehende Informationen über die Streckenführung und Zustand der Markierung. Auch die bei Vila Nova de Milfontes oder an anderen Orten sporadisch zu sehende GR-Markierung ergeben bei weitem keinen Fernwanderweg, noch nicht mal einen kurzen.

2012 ist zwischen Aljezur und und Santiago do Cacém im küstennahen Hinterland und Porto Covo bei Sines die Rota Vicentina eröffnet worden. Diese Küstenvarinate bietet sich als Ergänzung zum bisherigen Streckenverlauf des E9 - GR11 an. Das noch fehlende Stück nach Süden bis Sagres (ca. 2 Etappen) soll in absehbarer Zukunft folgen.

Von Setúbal über Lissabon und weiter entlang der Atlantikküste bis nach Porto an der Mündung des Douro gibt es keinen Weg, keine Markierung, keine Beschreibung. Gelegentlich sind im Internet Berichte (meist Fotos) über Kurzwanderungen des als Caminho do Atlantico angekündigten GR11 aufzutreiben. Eine zusammenhängende Wegbeschreibung lässt sich daraus nicht erstellen.

Gründe für das nicht Umsetzen einer Route direkt entlang der Küste, dürfte neben fehlenden finanziellen und menschlichen Ressourcen, die nicht einfache Wegführung sein. Im Bereich der mittleren Westküste (Setubal - Lissabon) erschweren besonders im Süden des großstädtischen Ballungsraumes plan- und endlos wucherende Siedlungen die Wegführung. Der Rest nach Norden hoch ist überwiegend Sandküste. Eine Wegführung über lockeren, tiefgründigen Sand scheint nicht angebracht. Das Gehen auf solchen Wegen wird auf Dauer zur Qual und Tortur für die Gelenke; doch sehr oft lässt sich aber auf menschenleere sehr lange Strände mit halbwegs hartem Sanduntergrund ausweichen. Im nördlichen Einzugsbereich der Hauptstadt und südlich der Douromündung (Porto) erschweren ausgedehnte Feriensiedlungen eine ansprechende Wegführung direkt an der Küste.

Realisiert wurde eine Strecke über die Pilgerwege des Landes. "Inoffiziell" verläuft der E9 in Lissabon beginnend über den Caminho do Tejo und dem sich anschließenden Jakobsweg nach Norden. Leider wird er auf dieser Route seinem Namen als Küstenwanderweg nicht gerecht, denn die Küste und das Meer werden nur kurz bei Porto erreicht. Pragmatisch veranlagte Wanderer und Radfahrer weichen mittlerweile auf diese Strecke aus. Von Lissabon über Tomar und Coimbra bis nach Porto und weiter bis an die Grenze bei Valença ist diese Route als Caminho Português sehr gut beschrieben und markiert. Zwischen Porto und dem Grenzfluss Mínho im Norden sind die gelben Pfeile des Jakobswegs ständiger Begleiter der nur selten zu sehenden weiß-roten Markierung des Fernwanderweges.

Weitwanderwege

PR-Markierung bei Santa Cruz

Bis auf den GR13 sind für keinen der nachstehenden Weitwanderwege Wanderkarten erhältlich. Behelfen kann man sich mit Militärkarten und GPS-Tracks, die für einige Strecken im Internet zu finden sind sowie vereinzelt erhältlichen Flyern und Broschüren. Siehe dazu auch das Kapitel Wander- und Landkarten. Die Markierung der Wege ist sehr unterschiedlich. Meist mittelmäßig bis schlecht oder nicht mehr vorhanden. Wer zu Fuß durchs Land geht, trifft gelegentlich auf alte meist verblasste Farbkleckser oder die typische zweifarbige Kennzeichnung der GR-Wege - wenn überhaupt. Oft bleiben Wanderwege, die vor Jahren angelegt wurden, sich selbst überlassen. Neben einigen geographisch eng begrenzten Strecken sind nur die Fernwanderrouten, die auf die bekannten Pilgerwegen gelegt wurden die Ausnahme, denn diese sind meist eindeutiger markiert, so dass ein Ausweichen auf die Pilgerwege oftmals angebrachter erscheint.

GR11 - Europäischer Fernwanderweg E9; manchmal auch als Caminho de Santiago (besser bekannt als Caminho Português) oder Caminho do Atlantico bezeichnet. Der Europäische Fernwanderweg E9, der GR11 und der Caminho werden ab Porto überwiegend über dieselbe Trasse geführt. Der Caminho Português nimmt an einigen Stellen den direkteren Weg. Die Hauptroute zwischen Porto und der Landesgrenze bei Valença ist als Pilgerweg sehr gut markiert. Die weiß-rote Markierung des GR11 ist an einigen Stellen unklar oder nicht vorhanden. Im Zweifel der Pilgerroute folgen.

GR12 - Europäischer Fernwanderweg E7 - Rota de Idanha. Bekannter 80 km langer und relativ gut beschriebener Wanderweg im Osten Portugals, nahe an der Grenze zu Spanien. Auf einigen Abschnitten für ca. 50 Kilometer gleichlaufend mit dem südöstlichen Teil des GR22. Mit etwas Planungsaufwand und der Bereitschaft gegebenenfalls länger auf Straßen auszuweichen, lässt sich eine Verbindung nach Tomar finden. Dort verläuft der Caminho do Tejo der wiederum Teil des Caminho Português ist, der aus Lissabon kommt. Beste Gehrichtung: Lissabon - Tomar - Indanha-a-Nova - Spanien.

GR13 - Europäischer Fernwanderweg E4 - Via Algarviana. Im Hinterland der Algarve ist in den Jahren 2008 bis 2009 ein mehr als 240 Kilometer langer Weitwanderweg entstanden, der das Hügelland der südlichsten Region Portugals erschließt. Mittlerweile sind die Markierungungsarbeiten so weit fortgeschritten, dass Wanderungen möglich sind. Zusätzlich zur zweisprachigen Wegbeschreibung (ausdruckbar auf der port. Seite) können ausdruckbare Militärkarten in unterschiedlichen Maßstäben runtergeladen werden. Erfahrene Wanderer sollten damit klar kommen.

Gelegentlich wird behauptet, die Via Algarviana gehöre zum Netz der iberischen Jakobswege (Caminho/Camino), die nach Santiago de Compostela führen, was jedoch nicht stimmt.

Die Betreiber der unten verlinkten Seite antworten meist innerhalb weniger Tage auf Anfragen per E-Mail. Neben wandertechnischen Informationen sind dort auch Bus- und Bahnfahrpläne zu den Orten an der Via Algarviana zu bekommen. Der Versand erfolgt in der Regel über E-Mail (Anhang).

GR14 - Rota dos Vinhos da Europa, auch Rota do Douro oder Ruta del duero. Circa 240 Kilometer langer Weitwanderweg von Vila Nova de Gaia (Porto) bis zu spanischen Grenze über die Höhenzüge am linken Ufer des Douro. Der genaue Wegverlauf und Zustand der Markierung sind nicht in Erfahrung zu bringen.

GR22 - Rota das Aldeias Históricas. Mit 530 Kilometer Portugals längster GR-Weg. Die Streckenführung des Rundwanderwegs verläuft entlang des Hauptkamms der Serra da Estrela, macht anschließend einen Schlenker nach Süden, um auf der Höhe von Idahna-a-Nova fast die spanische Grenze zu erreichen. Weiter geht es nach Norden, nun über einige der "Historischen Dörfer", woher auch die Wegbezeichnung Rota das Aldeias Históricas kommt. In Guarda schließt sich der Kreis. Der GR22 ist eine der am besten dokumentierten Weitwanderwege Portugals. In erster Linie ist das der Verdienst einiger Radfahrer, die dem Anschein nach diese Strecke schätzen. Alle verfügbaren GPS-Daten der bekannten Seiten sind bei Radtouren entstanden, bei denen sich vermutlich nicht immer an die metergenaue Streckenführung gehalten wurde. Nur so sind die Unterschiede in den Streckenlängen zu erklären.

Der GR22 ist der einzige Weg für den es ein Begleitbuch im Handel gibt.

"GR 22 – Grande Rota das Aldeias Históricas" PUBLICAÇÕES INATEL, Portugal ISBN 972-9208-31-x


GR23 - Serra do Caldeirão. 45 Kilometer lange Rundwanderstrecke in Hinterland der östlichen Algarve, die sich aus lokalen PR-Routen zusammensetzt. Der Zustand der Markierung und die Wegbeschaffenheit sind unbekannt.

GR117 - Geira Romana . Etwas mehr als 50 Kilometer langer Wanderweg in der Nähe der alten Bischofsstadt Braga in Norden des Landes. Verwertbare Informationen sind nicht zu bekommen.

GRxx Travessia do Alvão . Circa 55 Kilometer langer Rundweg durch das Bergland bei Vila Pouca de Aguiar. Das liegt im Norden des Landes. Informationen über Markierung und Wegführung und -beschaffenheit sind nicht verfügbar. Ansprechpartner ist die Gemeindeverwaltung: Posto de Turismo de Vila Pouca de Aguia, Telefon. 259 417 403

GR26 - Terras de Sicó. Ein Netzwerk von 9 Einzelrouten zwischen Pombal und Leiria, die jeweils um die 25 km lang sind und kombiniert werden können. Karten sind nicht erhältlich.

Rota Vicentina (E9 - GR11?). Ungefähr 300 km langer Weitwanderweg zischen Sagres und Porto Covo, bzw. Santiago do Cacém im südlichen Teil der Westküste.
Hauptartikel Rota Vicentina

Markierung

Quelle: [1] Wikipedia (pt)

GR Grande Rota, weiß-rote Markierung. Mit "Große Routen" sind Weit- und Fernwanderwege gemeint. In der Regel durchqueren die mehr als eine Region des Landes. Die Europäischen Fernwanderwege verlaufen auf diesen Wegen.

PR Pequena Rota , gelb-rote Markierung. Ursprünglich sollten diese "Kleinen Wege" geschlossene Landschaften oder eine Regionen erschließen, somit auch etwas länger sein. Heute sieht man die gelb-rote Kennzeichnung fast immer auch auf kurzen Wegen, die oft von den Gemeinden erschlossen werden. Das fällt besonders bei den oft nur wenige Gehstunden langen Küstenwanderstrecken auf.

PL Percuso Local, weiß-grüne Markierung. Gedacht als Kennzeichnung für Spazier- und Kurzstrecken. Wege mit dieser Kennzeichnung bekommt man selten zu sehen. Wie oben schon erwähnt, setzt sich auf diesen lokal begrenzten Wegen die PR-Markierung durch.

Wie schon erwähnt, ist der Zustand der Markierungen recht unterschiedlich. Sofern es welche gibt, sind neu angelegte Wege fast immer brauchbar bis gut markiert. Leider handelt es sich dabei fast immer um kurze Runden oder Streckenwege innerhalb einer Gemeinde.
Bei den großen Wegen fehlt es dem Anschein nach an einer kontinuierlichen Betreuung. Einmal angelegt, sind die sich selbst überlassen. Mit der Zeit verschwindet eine Markierung nach der anderen, oder der Wanderweg wurde ohne Anpassung der Markierung verlegt.
Ein rühmliche Ausnahme sind die Pilgerwege nach Fatimá und Santiago de Compostela. Deren Markierung liegt jedoch nicht in den Händen der Wanderverbände/vereine des Landes.

Pilgerwege

Pilgerrouten nach Santiago de Compostela

Auf den ersten Blick mag es ungewöhnlich erscheinen, dass in einem Land mit einem bekannten Pilger- und Marienwallfahrtsort wie Fatimá, Pilgerwege ins spanische Santiago de Compostela existieren; und die in ihrer früheren und sogar heutigen Wegführung Fatimá nicht berühren. Doch Fatimá als Ziel Mariengläubiger Pilger ist noch keine 100 Jahre alt. Die angebliche Marienerscheinung datiert ins Jahr 1917.
Die Pilgerschaft nach Santiago ist 1.000 Jahre älter und so es nicht verwunderlich, dass trotz jahrhundertelangem Bestehen zweier manchmal sehr unterschiedlicher Königreiche, später auch demokratischer Staaten, steter Pilgerstrom in Richtung Norden auch in diesem Land Wege nach Santiago de Compostela geschaffen hat, die heute als Caminho Português wieder aufleben.

Schon immer gab es zwei Hauptrouten. Die östliche hatte ihren Ursprung an der Südküste und führte entlang der Grenze zu Spanien über Evora und Guarda ins spanische Ourense, wo diese portugiesische Route auf den Camino Sanabrés traf, der wiederum in der heutigen Vía de la Plata aufgegangen ist.

Die Hauptpilgerstrecke hatte ihre Beginn in Lissabon. Die im späten Mittelalter sehr bedeutende Stadt zog wegen ihres Hafens sehr viele Pilger an, die sich dann zu Fuß nach Norden aufmachten. Über Tomar und Coimbra wurde Porto erreicht, wo nochmals Pilger dazu stießen. Bis nach Santiago war es dann nur noch etwas mehr als eine Wochenreise - je nach Konstitution.

Doch auf den Strecken im Westen (im weit gefassten Einzugsbereich der Küste) und durch Zentralportugal sind wieder mehr Pilger und Wanderer zu sehen. Die meisten bevorzugen die kurze Strecke von Porto nach Santiago. Nachdem die gelbe Markierung ab Lissabon erneuert wurde, sollte es kein unüberwindliches Problem mehr sein dort zu beginnen.

Im Gegensatz zu den überregionalen Wanderwegen im Land ist der Jakobspilgerweg ab Lissabon gut und ab Porto sogar sehr gut markiert. Wegmarkierung und Streckenauswahl liegen in den Händen der dortigen Gruppen der Jakobusfreunde oder -bruderschaften, in der Hauptsache bei der Associação dos Amigos do Caminho de Santiago do Norte de Portugal aus Porto.

Via Lusitana (neu)

Der Pilgerweg durch das östliche Landesinnere, die ehemalige Via Lusitana (Via Lusitania), ist so gut wie erloschen. Verlässliche Angaben sind nicht zu bekommen, es sei denn, für kurze Strecken oder Orte, die schon in historischen Pilgerberichten erwähnt wurden.

Häufig wird die Pilgerstrecke von Coimbra nach Porto als Via Lusitana bezeichnet, was jedoch falsch ist.

Mittlerweile (2008/9) hat Hermann Hass, Mitglied der Jakobus-Gesellschaft Aachen, eine neue Wegführung erkundet und in seinem Pilger/Wanderführer detailiert beschrieben. Der Start erfolgt an der Algarveküste, in der Grenzstadt Vila Real de Santo Antonio. Nach gut 750 Kilometern endet der beschriebene Weg im spanischen Ourense, wo die von ihm erkundete Wegführung in die Via de la Plata über geht. In der Einführung zu seinem Buch, zieht der Autor aus historischen Gründen (röm. Provinz Lusitania) die Bezeichnung "Via Lusitana" dem Begriff "Jakobsweg Ostportugal" vor.

Der Weg von der Algarveküste bis Ourense ist nur bruchstückhaft markiert!

"Portugal Spanien: Jakobsweg Ostportugal - Via Lusitana von der Algarve nach Ourense" Hermann Hass, Conrad Stein Verlag ISBN 978-3-86686-230-2

Antworten auf häufige Fragen zum Thema Pilgern auf Jakobswegen findet man bei Pilger-FAQ

Pilgerrouten nach Fatimá

Die eine Pilgerroute nach Fatimá, dass ist Portugals bekanntester Wallfahrtstort, gibt es nicht. Portugiesen nehmen für ihre Pilgerung dorthin in der Regel die nächstbeste Straße. Dabei ist egal, ob Schnellstraße oder verträumte Landstraße. In den letzten Jahren hat man begonnen markierte Pilgerstrecken abseits der Hauptverkehrsstraßen anzulegen. Einer dieser neuen Wege ist der Caminho do Tejo, der in Lissabon beginnt und bis nach Fatimá führt. Markiert sind diese Wege mit einem blauen Pfeil, der nach Fatimá zeigt. In umgekehrter Richtung fehlen diese Pfeile. Traditionell pilgert die Bevölkerung in größeren Gruppen, die meist von Begleitfahrzeugen versorgt werden. Unterkunft finden diese Pilgergruppen oft bei der Feuerwehr, in Rathäusern, Turnhallen oder leerstehenden Gebäuden.

Die Küstentour

Portugals lange Atlantikküste bietet sich fast von selbst für eine Weitwanderung an, so wenigsten beim ersten Blick in eine Landkarte. Denn im Gegensatz zu anderen Ländern ist die Küste bis auf die mittlere Algarve und die Ballungsräume um Lissabon und Porto nahezu unverbaut. Beim genaueren Hinsehen schieben sich doch noch ein paar Siedlungen mehr ins Blickfeld, besonders an der Küste zwischen Lissabon und Porto. Dazu kommen noch ein paar natürliche Hindernisse, wie Lagunen, die bis an den Strand reichen und Flussmündungen, etwa die vom Tejo und Rio Sado.

Das mit weitem Abstand größte Problem sind jedoch fehlende Wege für Wanderer und Informationen über einen möglichen Streckenverlauf. Wer die Trampelpfade der Rota Vicentina Steilküste hinter sich lässt, betritt nahezu Wander-Neuland. Auf vielen nun folgenden Etappen kann man nur über Autostraßen sein Tagesziel erreichen. Als Ausgleich gibt es tagelange Strandwanderungen entlang der touristisch kaum erschlossenen Sandküste nördlich von Sines, die Ria von Aveiro, das Museumsdörfchen Obidos, die endlose Kiefern- und Sandeinöde nördlich Figueira da Foz und die archaischen Boote der Strandfischer von Praia de Mira. Mit etwas Planung, den richtigen Karten und der Bereitschaft, alles zu nehmen was einem unter die Füße kommt, ist eine Tour entlang der Atlantikküste keine Unmöglichkeit.
Allerdings sollte man sich ab Sines vom Gedanken einer Wanderung verabschieden. Eine Küstentour, eine Fußreise passt besser.

Radwege

Radwege sind in Portugal so gut wie unbekannt. Wer das Land mit dem Fahrrad bereisen möchte, muss meist wohl oder übel auf wenig befahrene Nebenstraßen ausweichen. Wenn die Urlaubssaison vorüber ist, sind die kleinen Straßen abseits der Nationalstraßen verwaist. Sogar diese sind dann abseits der wenigen Ballungszentren angenehm leer. Ausreichend ist in der Regel eine gute Straßenkarte. Wer auf allerkleinste Straßen und Pisten ausweichen möchte, sollte sich Militärkarten 1:100.000, eventuell sogar 1:50.000 zulegen. Letztere enthalten neben der Anzahl der Fahrspuren Angaben über die Beschaffenheit der Straßenoberfläche. Aufgrund der regen Straßenbautätigkeit im Land, sind letztere Angaben auch bei relativ aktuellen Kartenblättern manchmal schon wieder überholt.

In Nordportugal sind noch sehr viele Neben- und Dorfstraßen mit bei Nässe sehr glattem Kopfsteinpflaster versehen. Zudem reichen in dieser Region die Begrenzungsmauern der Felder und Wiesen fast immer bis an den Straßenbelag. Ein Ausweichen kann also problematisch werden.

Die Estrada Atlântica zwischen Nazaré und Praia da Vieira ist ein 35 km langer geteerter Radweg, der immer dicht an Atlantikküste bleibt. Über so gut wie nicht befahrene Schlaglochsträßchen und meist kleinste Nebenstraßen lässt sich diese Strecke über Figueira da Foz bis Aveiro verlängern.

In den von Touristen stärker besuchten Gebieten, als Beispiel sei die Algarve genannt, werden nach und nach Radwege ausgeschildert. Meist führen diese über einsame Straßen und sofern es möglich ist, über Wirtschaftswege. In der Algarve sind diese Routen unter EcoVias Algarve ausgeschildert. Die anfangs gute Markierung (gelbe kurze Pfähle und Schilder) ist in den vergangenen Jahren (2012-2015) nicht mehr gepflegt worden, so dass ein Fahren nur nach Markierung nicht empfehlenswert ist. GPS-Daten sind auf der nachstehenden Seite verfügbar.

Auch in Portugal hat man die Eignung ehemaliger Bahntrassen als Radweg erkannt. Nach und nach sollen einige der schönsten Strecken zu Radwegen umgebaut werden. Bis alle Planungen real geworden sind wird mit Sicherheit noch einige Zeit vergehen. Dr. Achim Bartoscheck informiert auf seiner Internetseite über den aktuellen Stand. Dort sind weiterführende Links zu finden, ebenso im im Portugalforum.

Ein paar Besonderheiten, wie Verkehrsbestimmungen und Fahrverbote für Radfahrer in Portugal, lassen sich beim ADFC - Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club nachlesen.

Karten und Literatur

Digitale Karten für GPS-Geräte und - Navigationsprogramme

Eine umfangreiche Sammlung von Karten und Links für diverse Navigationsgeräte und -programme findet man auf den Internetseiten von TopoLusitania.

Wander- und Landkarten (Militärkarten)

Wanderkarten für Portugal sind nicht zu bekommen. In einigen Regionen sind für lokale Wanderstrecken Karten oder Kartenausschnitte erhältlich. Meist sind diese stark generalisiert oder es handelt sich um grobe Skizzen. Diese Karten sind in der Regel nur vor Ort erhältlich, meist in der Touristen-Info. Sie beziehen sich auf markierte, meist kurze Wanderwege und sind nur für diese Wege zu gebrauchen. Weitergehende Wanderungen auf eigene Faust sind damit nicht möglich.

Manchmal besteht die Möglichkeit, bei der Gemeindeverwaltung oder im Bürgermeisteramt gegen einen kleinen Betrag Kopien amtlicher topographischer Karten zu bekommen. Wenn, dann sind das Karten einer eng begrenzten Region, der Gemeinde eben.

Wer sich Karten zulegen möchte, sollte die guten portugiesischen Militärkarten vom Instituto Geográfico do Exército (IGeoE) nehmen. Diese Karten enthalten zwar keine Wander-, Rad- und Pilgerwegkennzeichnung, sind zum Teil auch veraltet, jedoch die besten erhältlichen Karten für Wanderer in Portugal. Militärkarten gibt es in den Maßstäben von 1:25.000 bis 1:400.000 (das ist dann das ganze Land auf einem Blatt). Brauchbar und relativ aktuell sind Karten im Maßstab 1:50.000.
Das Militär hat vor einigen Jahren begonnen ihr Kartenwerk zu überarbeiten. Besonders fällt das bei den beliebten 50.000er Karten auf, die vermehrt in akuteller Auflage (um 2000 oder noch jünger) erhältlich sind. Zum Beispiel sind für die komplette Algarve-Region Karten neueren Datums im Handel erhältlich.
Kartenschnitt und Auflagedatum können auf der Seite des Geographischen Instituts des Militärs nachgelesen werden. Dort können die Karten auch bestellt werden. Bitte beachten: Der Preis der billigen Karten erhöht sich erheblich durch die Versandkosten. Das Militär unterhält im Land einige Verkaufstellen, u.a. in Lissabon und Porto. Anschrift und Öffnungszeiten sind ebenfalls auf der Internetseite des Instituts zu finden.

Tipp 1: Eine Karte im Maßstab 1:50.000 wiegt knapp unter 50 Gramm, was nicht sonderlich ins Gewicht fällt, wenn nur wenige Karten im Rucksack verstaut werden müssen. Um Gewicht zu sparen, kann man bei allen neuen Karten das grüne Deck- und Rückblatt abschneiden, denn diese enthalten keinerlei Information. Ebenso lässt sich mit der Kartenlegende verfahren. Sogar wenn 20 oder mehr Karten benötigt werden, reicht eine Legende. Bei allen anderen Karten kann diese der Schere zum Opfer fallen.

Tipp 2: Sehr hilfreich ist eine kleine und leichte Leselupe. Sehr viele Details heben sich leider nur schwach von der Schummerung ab oder gehen in den Höhenlinien beinahe verloren. Die Symbole für Türme, Ruinen und vieles mehr können etwas größer und in kräftigeren Farben dargestellt werden. Solange das nicht der Fall ist, hilft eine Leselupe sehr.

In Deutschland sind die Militärkarten in guten Landkartenhandlungen und bei Mapfox, einem Kartenshop im Internet, erhältlich. Aufpassen: Längere Lieferzeiten beachten.

Achtung: Wie oben schon erwöhnt, hat das Miltär damit begonnen, alle 1:50:000er Karten zu überarbeiten. Neben dem Auflagedatum sind die neuen Karten am grünen Umschlag zu erkennen. In den Verkaufstellen sind teils noch alte Karten vorrätig. Wegen nicht unerheblichen Veränderungen sollte aufs das Auflagedatum geachtet werden.

Mitteleuropäer, die wie von zu Hause gewohnt, die nächste portugiesische Buchhandlung am Urlaubsort aufsuchen, um dort Militärkarten zu kaufen oder zu bestellen, werden in der Regel enttäuscht werden. In Portugal werden die Militärkarten nur über die offizellen Verkaufstellen oder den Online-Kartenshop des Militärs verkauft.

Anzeigen der Militärkarten als jpg-Datei

Die Karten, die vom Militär für das Runterladen freigegeben wurden, sind nun sehr oft auf dem aktuellen Stand! Leider wurde die Druckauflösung der jpg-Dateien auf 72 dpi herrunter gesetzt. Ausdrucke oder Bilddateien die mehr als Postkartengröße haben sollen, werden schnell unscharf.

Beginnend auf der Startseite des Instituto Geográfico do Exército (IGeoE) (Link weiter unten):

1. Klick auf "Cartoteca" am linken Seitenrand.

2. Auf einer neuen Seite erscheint am rechten Seitenrand "Pesquisa nos Cartogramas:" Darunter die verfügbaren Maßstäbe und Regionen (Festland und Inseln).

3. Maßstab und Region auswählen.

4. Es erscheint die Seite mit dem Blattschnitt.

5. Auf die gewünschte Karte klicken.

6. Wechsel zur Seite mit den Textinfos über die Karte.

7. Ganz unten im umrahmten Kasten mit der Textinfo auf " Visualizar o mapa" klicken.

8. Die Karte wird als jpg-Datei angezeigt.

Sonstige Karten

Die von der zivilen staatlichen Vermessungsbehörde Instituto Geográfico Português (IGP) herausgegebenen Landkarten sind meist veraltet und weniger detailreich. Als Wanderkarten sind deren Karten in der Regel nur zweite Wahl.

Flyer, Übersichtskarten mit Kurzinfos für die bekannteren Wanderwege bietet das Unternehmen Naturveredas an. Fast immer sind diese Kärtchen nur in Portugal zu bekommen.

Für nicht wenige Wander- und MTB-Routen finden sich GPS-Tracks auf den einschlägig bekannten Seiten im Internet. Meist werden diese Routen von Radfahrern erstellt, mit der Folge, dass nicht jede Route für jeden Meter genau dem Wanderweg folgt. Das lässt sich aber verschmerzen. Besser das, als nichts. Mit etwas Geschick und frei verfügbarer Programme kann man diese Tracks in die Militärkarten übertragen. Einfacher ist natürlich der Einsatz auf einem GPS-Empfänger, für die von den staatlichen Instituten digitale Karten erhältlich sind.

Google Earth-Karten

Für die wenig bewaldete West- und Südküste Portugal bieten sich Satellitenfotos zur Orientierung an. In Kombination mit Militärkarten 1:50.000 sollte man sich relativ problemlos an der Küste entlang bewegen können. Allerdings können auch die Fotos aus dem Weltall keine Wege und Pfade dorthin zaubern, wo keine sind. Das Ausweichen auf Straßen bleibt einem nicht erspart.
Neben ziemlich aktueller Darstellung der Erdoberfläche, zeigen diese Fotos bei angepasster Sichthöhe jeden Trampelpfad zwischen Meer und Hinterland. Der Küstenstreifen, der bei einer Sichthöhe um die 600 Meter auf DIN A4 sichtbar bleibt ist zwar sehr schmal, doch die Detailtreue macht dieses Manko wett. Fürs Hinterland sind die Militärkarten besser geeignet, denn Trampelpfade sind dort eher Mangelware. Dort dominieren Wirtschaftswege und Straßen und die sind auch in den Karten zu finden. Nachteilig sind die erhöhten Kosten und das Zusatzgewicht der Satelittenfotos. Alleine für die Strecke zwischen Cabo da Roca (Atlantiküste Höhe Lissabon) und der Hafenstadt Porto werden bei dieser geringen Sichthöhe 270 DIN A4 Seiten, also 135 Blätter gebraucht, die gut 800 Gramm wiegen. Darauf muss noch das Gewicht der Militärkarten gerechnet werden, denn ohne ist man auf auf Straßenkarten angewiesen, die nur die tatsächlich von Autos befahrbaren Straßen enthalten.

Auf einer Küstenwanderung in den Jahren 2008 und 2009 von Lagos nach Lissabon und weiter von Sintra bis Porto konnte die Kombination aus Fotos und Militärkarten (1:50.000) sehr überzeugen.

Wanderbücher

"wanderführer algarve" Hrsg.: Entidade Regional de Turismo do Algarve, Faro, 95 Seiten Spiralbindung, ohne ISBN

33 Wanderungen in der Algarve, inkl. Kartenausschnitte topographischer Militärkarten. Das Buch enthält nur ganz wenige Wanderungen an der Küste. Das Wanderbuch ist manchmal in größeren Touristeninfos erhältlich. Preis zwischen 7 und 12 Euro. Zusätzlich zur deutschen Ausgabe gibt es welche auf Portugiesisch, Englisch, Holländisch und Französisch.

"Algarve“ Rother Wanderführer Ulrich Menzel, Bergverlag Rother ISBN 3-7633-4276-1

Trotz aller Kritik ein brauchbares Buch, wenn man im Bereich der Küste bleibt. Die Wegbeschreibungen sind sehr generalisiert und aufgrund der regen Bautätigkeit in dieser Region nicht immer aktuell. Im Hinterland, wo das Orientieren am Küstenverlauf entfällt, ist das Buch wegen einiger ungenauer Angaben für Wanderanfänger vermutlich problematisch.

"Walking in the Algarve - 40 Coastal and Mountain Walks ", Julie Statham, Cicerone Guide ISBN 9781852844370

Viele Wanderbücher für Portugal (auch für abgelegene Regionen), allerdings auf Niederländisch, haben Roel Klein und Bert Stok in ihrem Programm.

Reiseliteratur

"Portugal“ (enthält nur das Festland) Reiseführer von Michael Müller, gleichnamiger Verlag ISBN 3-89953-209-0

Kein Wanderer braucht dieses Buch wirklich, trotzdem sollte es im Rucksack sein, auch bei mehr als 800 Gramm Zusatzgewicht. Praktisch sind die sehr guten Infos zur Lage und Öffnungszeiten der Campingplätze und Jugendherbergen. Brauchbare Übernachtungstipps sind auch dabei, die sich für Fußgänger und Radfahrer meist vor Ort von selbst ergeben.
In den weniger bekannten Gebieten, als Beispiel sei die Landschaft um Aveiro genannt, sollte das Buch überarbeitet werden. Bilder und Erinnerungen aus den achtziger Jahren haben heute in einem Reiseführer nichts mehr verloren, höchstens als folkloristisches Element. Diese sollten aber durch aktuelle Infos ergänzt werden.

Warum trotzdem einpacken? Das Buch enthält sehr viel Infos über Portugal ohne dabei in den oberlehrerhaften Ton der Bildungsreiseführer zu fallen. Kurz: Angenehme Unterhaltung für lange Abende im Zelt in Verbindung mit nützlichen Infos.

"Baedeker Portugal" (inkl. Inseln im Atlantik) Reiseführer, Verlag Karl Baedeker, ISBN 978-3875045192

Im klassischen Stil der Baedeker Reiseführer. Lässt fast keine Sehenswürdigkeit aus. Sehr ausführlich in Sachen Kultur und Geschichte. Praktische Infos kommen trotz ausführlichem Übernachtungsverzeichnis zu kurz. Auch für diesen Reiseführer gilt, dass "Früher" vorbei ist. So holen weder in Nazaré noch in Praia do Furadouro die Fischer ihre vollen Netze mit Ochsen ein. Das haben schon lange Traktoren übernommen.

Unterkunft

Wildzelten

Strand bei Brejão, Westküste

Die Informationen über das Wildzelten sind mittlerweile einige Jahre alt in denen sie nicht überarbeitet oder nachgeprüft wurden. Im Klartext: Es gibt immer noch keine belastbaren Aussagen über die rechtl. Aspekte des Wildzeltens in Portugal.


Wichtig: Auch wenn Wildzelten in Portugal noch häufig geduldet wird, muss man sich vorher mit den Bestimmungen und der rechtlichen Seite vertraut machen.

Wildzelten offiziell verboten? Seit einiger Zeit tauchen im Internet immer wieder Berichte oder Aussagen auf in denen behauptet wird, dass Wildzelten auch in Portugal per Gesetz oder landesweiter Verordnung verboten ist. Belege dafür werden leider nicht geliefert. Daher: Vor der Reise schlau machen!

In den letzten Jahren (Pressemeldungen von 2015) geht die Behörden des Landes vermehrt gegen wilde Wohnmobilansammlungen und -stellplätze vor, was oft mit teils hohen Busgeldern geahndet wird. Inweit das Wildzelten davon betroffen ist, ist nicht bekannt.

Das Wildzelten ist in Portugal nicht einheitlich geregelt. Jede Gemeinde kann das selbst bestimmen. So kann es passieren, dass man ein paar Strände weiter von der Polizei aufgefordert wird, sofort Zelt und Ausrüstung zusammenzupacken, obwohl man am Tag davor unbehelligt geblieben ist. An der Atlantikküste des Landes verfügt man über eine mehr als 30jährige Erfahrung mit Hippies, Wildcampern und Verfechtern alternativer Lebensformen. Portugiesen sind zurückhaltende und geduldige Menschen, aber mittlerweile hat sich das Verständnis und die Toleranz für diese Urlaubs- und Lebensform beim überwiegenden Teil der Bevölkerung in schweigende Ablehnung oder Nichtbeachtung gewandelt.

Meistens wird Wildzelten mit Einschränkungen aber immer noch geduldet, sofern einige einfache Regeln eingehalten werden:

- nicht in Naturschutzgebieten
- nicht auf privatem Grund wenn keine Erlaubnis vorliegt
- nicht in der Nähe von Campingplätzen oder Siedlungen
- nicht in der Nähe von Ufern
- nicht da, wo es verboten ist
- keine größeren Zelt- oder Wohnwagenansammlungen
- der Abfall muss entsorgt werden
- nicht in der Nähre touristischer Einrichtungen

In einigen Buchten stellen manche Gemeinden Müllbehälter oder sogar Toilettenhäuschen auf. In der Regel ist das keine Aufforderung zum Bleiben, die sind für Badegäste gedacht. Auch wer in vermeintlich einsamen Buchten zeltet, sollte sich auf den Besuch der Polizei einstellen. Meistens werden nur die Strände und Buchten kontrolliert, die problemlos mit einem Geländewagen an- oder abgefahren werden können. Solange alles im Rahmen bleibt wird die Polizei selten aktiv. Der sehr lange Strand nördlich von Sines rauf bis Santo André wird jeden Morgen von der Polizei abgefahren. Auch in der Bucht von Odeceixe kontrolliert die Polizei regelmäßig. Jeden Morgen fährt die Polizei von Lagos (Algarve) den langen Stadtstrand Meia Preia bis hinüber zur Mündung des Rio Alvor ab.

Achtung: Die vielen menschenleeren Buchten an der Westküste fordern geradezu zum Übernachten am Strand heraus. Berücksichtigt werden muss, dass an der Atlantikküste Ebbe und Flut für sehr unterschiedliche Wasserstände sorgen. In der Regel beträgt der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser mehrere Meter. Viele der kleinen flachen Strände werden bei Hochwasser komplett überspült. Bei entsprechender Wetterlage, wie starkem Westwind mit hohem Wellengang oder bei Springtide, werden auch einige breite Strände mit auflaufendem Wasser überflutet.

In jedem Jahr kommen an der Atlantikküste mehrere Menschen ums Leben, weil sie von Wellen, die unerwartet hoch auf den Strand auflaufen, ins Meer mitgerissen werden. Auch bei Schönwetterlagen muss darauf geachtet werden, das Lager weit außerhalb einer möglichen Gefahrenzone aufzuschlagen.


Campingplätze

Portugal verfügt über etwas mehr als 230 Campingplätze, deren Mehrzahl im Einzugsbereich der Küste zu finden sind. Überwiegend handelt es sich um von Privatpersonen oder Touristikunternehmen geführte Plätze. Dazwischen tummeln sich aber immer wieder Gemeindeplätze die meist etwas preiswerter sind, oft aber trotz gleicher Klassifizierung im Standard zurückfallen. Außerhalb der Algarve bewegen sich die Preise noch immer weit unter den Niveau des spanischen Nachbars. Bis auf ganz wenige Tage, meist nur an den direkten Weihnachtsfeiertagen, ist so gut wie jeder Platz an der Küste ganzjährig geöffnet. Direkt am Wasser oder am Strand liegen jedoch die wenigsten Campingplätze, meist landeinwärts am Ortsrand oder an einsamen Küstenstreifen.

Wenn die Saison gelaufen ist, schließen in der Regel die Bars, Restaurants und Supermärkte auf den einsamen Plätzen. Getränke und ein paar Grundnahrungsmittel sind im Herbst jedoch oft noch vorrätig. Gaskartuschen, egal welcher Art, können dann schon Mangelware sein.

In der Nähe der beiden Städte Lissabon und Porto, vereinzelt auch in attraktiven Regionen, haben sich Clubcampingplätze angesiedelt. Dabei handelt es sich um Plätze, die von Campingclubs, Wanderverbänden oder sonstigen Vereinen betrieben werden. Diese Plätze sind gedacht, um den Mitgliedern einen preiswerten Urlaub zu ermöglichen. Erreicht wird das unter anderem durch Steuervorteile, die aber mit der Auflage verbunden sind, Nichtmitgliedern keinen Aufenthalt zu gewähren. Wer auf diesen Plätzen übernachten möchte, muss entweder Mitglied der betreffenden Organisation werden oder im Besitz der Internationalen Campingkarte sein. Die CCI - Camping Card International wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz von den Automobilclubs und den übergeordneten Campingclubs ausgestellt. Das aber nur für Mitglieder und gegen eine geringe Gebühr.

Jeder größere Platz verkauft das jährlich neu aufgelegte Verzeichnis aller Campingplätze. Dabei handelt es sich um die mit einigen Erweiterungen versehene Aufstellung der unten verlinken Website.

"Camping Portugal 200x" Verlag roteiro campista, ca. 370 Seiten ISSN 0874-0909

Im Laufe der Jahrzehnte haben Zuwanderer aus Mitteleuropa vielfach in abseits gelegenen Regionen kleine Zelt- und Campingplätze eröffnet, die in keinen offiziellen Listen auftauchen. Meist werden zusätzlich eine oder mehrere Ferienwohnungen oder Häuser angeboten.

Jugendherbergen

Da muss man nicht viel zu sagen. Auch in Portugal ist eine Mitgliedschaft im heimischen Jugendherbergsverband erforderlich. Nach der Mitgliedskarte wird fast immer gefragt. Doppelzimmer mit Bad und Frühstück kosten (2009) in einer Pousada de Juventude mitten in der Provinz ca. 18 Euro, an der Küste in neuen Herbergen um die 26 Euro und in bekannten oder beliebten Städten zwischen 30 und 37 Euro. Preislich liegen die Jugendherbergen zumindest bei den Einzel- oder Doppelzimmern meist über denen einfacher Pensionen oder privater Zimmervermieter.
In der Nebensaison bekommt man immer ein Bett, es sei denn, das komplette Haus wurde von einer Gruppe gemietet. Das kommt jedoch sehr selten vor. In der Hauptsaison ist eine Vorbuchung empfehlenswert. Die Häuser an der Küste sind durchweg neu oder renoviert worden. Einige liegen direkt am Strand, die dann auch entsprechend nachgefragt werden. In jedem Haus ist mindestens eine Person die Englisch spricht.

Unterkunft bei der Feuerwehr

Mit dem Aufkommen der Pilgerschaft zum Marienwallfahrtsort Fatimá nach Ende des Zweiten Weltkriegs stellte sich bald die Frage, wo die Pilgergruppen in den Nächten unterkommen sollten. In den Schulferien wurden oft die dann leerstehenden Schulen und Sporthallen zweckentfremdet. Nachdem die Feuerwehr ihre Stützpunkte flächendeckend übers ganze Land verteilt hatte, boten sich bei größeren Einheiten deren Schulungs- und Tagungsräume geradezu an. Noch immer nehmen große und kleine Pilgergruppen sowie Einzelpilger wie selbstverständlich Quartier bei der Feuerwehr, den Bombeiros Voluntários.

Möglich ist das aber nur an den bekannten und oft begangen Pilgerrouten nach Fatimá oder Santiago de Compostela in Spanien. Wer in einem Küstenort an der Algarve oder in Porto bei der Feuerwehr vorstellig wird, muss schon mehr als nur Glück haben, um dort Unterkunft zu finden. Ebenso sieht das entlang der Atlantikküste aus. Mangels Pilgeraufkommen ist das Aufnehmen solcher dort auch nicht üblich!

Die Feuerwehr hat meist keine Schlafräume, keine Matratzen, meist noch nicht mal Matten oder Decken, manchmal fehlen auch die Duschen oder sind in einem nicht funktionsfähigen Zustand. Geschlafen wird in Tagungsräumen auf dem Boden. In allen Stützpunkten sieht man es gerne, wenn man nicht unangemeldet erscheint. Wer auf den Gedanken kommt, sich von einer Feuerwehr zur nächsten telefonisch weiterreichen zu lassen, liegt nicht ganz verkehrt. Dieses Vorgehen garantiert noch lange keinen Schlafplatz für jede Nacht, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit angenommen zu werden. Berücksichtigen sollte man auch, dass kleine Orte keine Feuerwehren oder nur kümmerliche Stützpunkte haben.

Ursprünglich sollte mit diesem Übernachtungsangebot auch der armen Bevölkerung die Pilgerschaft nach Fatimá ermöglicht werden. Aus diesem Grund ist das Übernachten meist noch immer kostenlos oder es wird nur eine geringe Spende erwartet. Noch immer klafft die Schere zwischen den wenigen Reichen und der großen Gruppe der ganz Armen in diesem Land sehr weit auseinander. Urlauber, Wanderer, Gelegenheitspilger aus den reicheren Ecken dieser Welt sollten sich Gedanken machen, ob es dem Sinn einer Pilgerschaft entspricht dieses kostenlose oder zumindest sehr sehr preiswerte Angebot in Anspruch zu nehmen. Wer mit einer teuren Wanderausrüstung vor den Toren der Feuerwehr steht, ist vielleicht dort nicht ganz richtig. Sogar dann nicht, wenn er freundlich aufgenommen wird; es sei denn, andere Übernachtungsmöglichkeiten scheiden aus. Auf dem Land kann man fast immer für weniger als 20 Euro in sauberen Privatzimmern unterkommen. Oft ist das Geld dort gut aufgehoben.

Sonstiges

Jagdsaison

Die Jagdsaison beginnt in Portugal am 15.8. und endet am 27.2. des Folgejahres. Es darf nur an gesetzlichen vorgeschriebenen Tagen gejagt werden. Zurzeit (2011) sind das der Donnerstag, Sonntag und an allen gesetzlichen Feiertagen. Besonders beliebt bei den Jägern ist das oft einsame Hinterland.

Da Gesetze und Regeln sich jederzeit ändern können, sollte man sich als Wanderer vorab über den aktuellen Stand informieren.

Tourberichte bei outdoorseiten.net

Weblinks