Leitfaden für Anfänger: Fahrradtouren

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Fahrrad fahren kann (fast) jeder, und Fahrradtouren machen kann jeder, der Fahrrad fahren kann. Handelt es sich aber um längere Touren, so sind ein paar Dinge zu bedenken.

Radreise Polen


Vorbereitung

Im Schnitt schaffen sowohl Anfänger als auch Genussradler in einem mäßig hügeligen bis flachen Gebiet zwischen 50 und 80 km pro Tag. Sinnvoll sind dennoch mehrere Probetouren vor der eigentlichen Tour, bei denen man sich 3 Tage hintereinander ca. 50 – 80 km pro Tag vornimmt. Diese Strecke hilft, die eigene Kondition realistisch einzuschätzen und liefert Erkenntnisse über den persönlichen Tourenrhythmus. Wichtig ist dabei, möglichst ohne Kraft zu fahren, da es auf die Ausdauer und nicht auf die Schnelligkeit ankommt. Bei den Probetouren erkennt man auch, ob die Tourenpartner zu einem passen und inwieweit Kompromisse eingegangen werden müssen. Außerdem zeigen sich die Stärken und Schwächen des Rades und der Sitzposition frühzeitig.

Routenplanung

Hat man sich für ein Land oder eine Route entschieden, sind topographische Karten oder spezielle Fahrradkarten (in Deutschland z.B. die Karten des ADFC) hilfreich.

Ostseefernradweg Mecklenburg-Vorpommern

Je nach den zu überwindenden Höhenmetern muss die Tagesetappe realistisch kalkuliert und die Tageskilometerzahl geplant werden. Das gilt auch für Touren an den Küsten, an denen mit starkem Gegenwind zu rechnen ist, der die Durchschnittsgeschwindigkeit des Radlers halbieren kann. Und nicht jeder Radweg, der als solcher ausgewiesen ist, ist auch für Fahrräder geeignet. So sind Heidewege zum Beispiel typische Schiebestrecken. Daher sollten bereits vorher ausreichend Ruhetage oder Puffertage einkalkuliert werden, um unerwarteten Wetter- und Bodenverhältnissen Rechnung zu tragen. Wer mit wenig Gepäck fahren möchte, kann sich nach organisierten Individualtouren umschauen. In vielen touristisch erschlossenen Regionen bieten Gasthäuser und Hotels einen Gepäcktransportservice an, bei dem das Gepäck von einer Übernachtungsstätte zur anderen transportiert wird. Die detaillierte Routenplanung obliegt dabei dem Radler selbst. Nur das Ziel steht bereits vorher fest.

Fahrradmitnahme in der Bahn

Der Transport von Fahrrädern mit der Bahn ist in Deutschland in den Regionalzügen möglich, sofern ausreichend Platz in den Fahrradabteilen vorhanden ist. Bei großem Andrang kann das Zugpersonal darauf bestehen, dass das Gepäck abgenommen wird. Fahrradtaugliche Streckenverbindungen werden von den Fahrkartenautomaten und den Buchungswebsites der DB ausgewiesen.

Für das Fahrrad ist in einigen Regionen oder Streckenverbünden eine gesonderte Fahrkarte nötig, die auch an den Automaten gelöst werden kann. Zum Beispiel ist die Fahrradmitnahme in den Regionalzügen der Deutschen Bahn im Saarland und in Rheinland-Pfalz kostenlos. Da sich die Transportbestimmungen regelmäßig ändern, sollte sich frühzeitig informiert werden.

Manchnmal muss man etwas am Fahrkartenautomat suchen, da die Fahrkarten fürs Rad nicht automatisch angeboten werden. Moderne behindertengerecht gebaute Regionalzüge sind so auslegt, dass der Einstieg einfach ist. Bei älteren Zügen ist dagegen mit engem Einstieg und hohen Stufen zu rechnen. Im IC ist die Fahrradmitnahme nur mit Voranmeldung möglich. Im ICE dürfen dagegen keine Reiseräder mit Gepäck mitgenommen werden. Eine Ausnahme gibt es lediglich für Klappräder (wer sich Diskussionen ersparen will, wählt hier 16 oder 20 Zoll-Räder), die in einer Tasche als normales Gepäckstück transportiert werden. Für andere Länder gelten andere Regeln, über die man sich im Zuge der Reiseplanung bei den jeweiligen Bahngesellschaften informieren sollte.

Daneben bietet die Deutsche Bahn einen auf Deutschland begrenzten Transportservice per Paketdienst fürs Fahrrad an. Dazu sollte das Rad transportgerecht verpackt werden, aber so, dass das Rollen auf eigenen Rädern noch möglich ist. Der Paketservice holt das Fahrrad zu Hause ab, welches einen Tag später am gewünschten Zielbahnhof abgeholt werden.

Kleidung

Wer mehrere Stunden am Tag auf dem Fahrrad sitzt, dem ist eine gepolsterte Radhose, welche ohne Unterhose getragen wird, zu empfehlen. So lassen sich wunde Stellen, die durch Nähte von Hosen und Unterhosen verursacht werden, minimieren. Ganz vermeiden lassen sich Druckstellen aber sehr selten, denn hier spielt auch der gewählte Sattel eine Rolle. Radhosen sind dehnbar und erzeugen daher keinen Druck auf den Körper. Da sie eng anliegen, besteht auch nicht die Gefahr, dass die Hose in die Kette gerät. Am Oberkörper kann man ebenfalls spezieller Radbekleidung tragen, muss dies aber nicht. Empfehlenswert ist es allerdings, eine Sicherheitsreserve mitzunehmen: Etwas Wärmendes, etwas Regendichtes und etwas Winddichtes, um das Auskühlen durch den Fahrtwind oder den Gegenwind zu vermeiden. Außerdem ist an Sonnenschutz zu denken, z.B. sollte auch im Hochsommer etwas Langärmeliges im Gepäck sein. Eng anliegende Kleidung flattert weniger und hilft beim Vorankommen.

Fahrrad

Man kann sehr viel Geld für sein Fahrrad ausgeben, muss es aber nicht. Entscheidend ist, dass das Rad zu der gewählten Strecke passt, in ordentlichem technischen Zustand ist, die Sitzhaltung korrekt ist und der Sattel passt. Ein schlechter Sattel und ein demzufolge wundes Hinterteil können zum Tourabbruch führen. Reparaturwerkzeug, Ersatzschlauch, Ersatzzüge und eventuell auch ein Faltreifen sind sinnvolles Zubehör. Empfehlenswert sind pannensichere Reifen. Sie minimieren das Risiko, einen Platten zu bekommen, auch wenn dies nie ganz auszuschließen ist.

Bei Fahrten auf öffentlichen Wegen und Straßen muss das Fahrrad entsprechend dem nationalen Regelwerk (Gesetze/Verordnungen) gewissen Anforderungen genügen. In Deutschland sind das unter Anderem

  • Klingel
  • Reflektoren nach vorne, hinten, zur Seite und an den Pedalen
  • Generatorbetriebenes Licht nach vorne und hinten

Radtour mit Zelt

Zelten auf dem Campingplatz

Wer im Hochsommer in einem Gebiet mit stabilen Witterungsverhältnissen mit dem Zelt unterwegs ist, muss keine sündhaft teure Ausrüstung kaufen. Im Prinzip ist jedes Zelt geeignet, das ab 100 Euro kostet, da die Zeltplätze ausreichend Schutz bieten. Er sollte aber darauf achten, dass das Zelt groß genug ist, dass man seine Sachen mit ins Zelt nehmen kann. Das dient dem Komfort, falls es längere Zeit regnet, und dem Diebstahlschutz. Eine große Apsis, in der man ggf. kochen und (nasse) Ausrüstung lagern kann, ist empfehlenswert. Auch sollte man im Zelt aufrecht sitzen können. Zelte mit Stehhöhe sind dagegen nicht zu empfehlen, weil sie zu schwer und für den Transport zu voluminös sind.

Der Schlafsack sollte nicht zu dünn gewählt werden, um eine Sicherheitsreserve zu bieten. Sehr wichtig ist die Schlafunterlage. Eine gute Isomatte ist hier Pflicht. Sie erhöht den Schlafkomfort und schützen vor Kälte von unten. In Wassernähe ist, selbst im Hochsommer, mit hoher Feuchtigkeit und Bodenkälte zu rechnen. Ebenso kann es in Höhenlagen auch im Sommer empfindlich kühl werden. Aufgrund der körperlichen Anstrengung am Tag kann es daher sein, dass man schneller friert.

Ist die Fahrradtour im Frühjahr oder Herbst geplant, so ist mit widrigeren Witterungsbedingungen, Bodenfrost und starkem Wind zu rechnen. Entsprechend muss die Ausrüstung von der Isolierleistung und der Wettertauglichkeit her angepasst werden.

Das Zelt kann um die 4 kg wiegen. Matte und Schlafsack sollten so gewählt werden, dass das Packmaß nicht zu groß wird, sonst wird die Beladung des Fahrrades erschwert und der Windwiderstand beim Fahren erhöht sich.

Kochen

Nicht immer ist die Auswahl einfach


Welchen Kocher man mitnimmt, kommt auf die persönlichen Vorlieben an. Im Sommer sind Gaskocher gut geeignet. Allerdings sollte man sich vorher informieren, ob der Brennstoff in dem gewählten Land verfügbar ist. So kann es durchaus leicht sein, Stechkartuschen zu finden, während Schraubkartuschen nur schwer erhältlich sind. Hier hilft ein Adapter. In Ländern, in denen Gaskartuschen schwer zu beschaffen sind, kann ein Spirituskocher oder ein Multifuel-Kocher, der neben Gas auch mit Benzin betrieben werden kann, hilfreich sein.

Beladung

Am besten eignen sich für längere Fahrradtouren Trekkingräder, die man mit Packtaschen ausstatten kann. Die meisten Reiseradler fahren mit Packtaschen am Gepäckträger (Backroller) und am Vorderrad (Frontroller). Über den hinteren Packtaschen kann weiteres Gepäck – zum Beispiel das Zelt und die Isomatten – quer befestigt werden, sofern man nicht sowieso eine Radtasche besitzt, die über den Gepäckträger gelegt wird.

Zuviel Gepäck...


Grundregel für das Beladen ist, dass die schweren Sachen unten sein sollten und die leichten Sachen oben. Dabei bietet es sich an, in die vorderen Packtaschen die Dinge zu packen, an die man schnell herankommen will. Einige packen daher das Zelt, Wäsche und Regensachen in die vorderen Packtaschen. Die Wertsachen, das Werkzeug, Sonnencreme und die Karte können dagegen in einer Lenkertasche Platz finden. Wer öfter lange Touren macht, sollte sich Packtaschen der Markenhersteller anschaffen. Aber auch günstige Packtaschen können klaglos ihren Dienst verrichten. Hier sollte man allerdings nicht auf absolute Wasserdichtigkeit vertrauen, so dass es ratsam ist, die Ausrüstung zusätzlich in einfachen Plastiktüten zu verstauen.

Wie man seine Ausrüstung verteilt sollte man auf den oben angesprochenen Probetouren ausprobieren. Fährt das Fahrrad unrund, muss man die Gepäckverteilung verändern. Stellt man fest, dass man immer Dinge sucht, die ganz unten verstaut sind, muss man ebenfalls umpacken. Das passende System muss jeder selbst herausfinden.

Einige Reiseradler nutzen einen Fahrradanhänger, um das Gepäckproblem zu entschärfen. Ein solcher bietet sich besonders an, wenn Kinder mit radeln. Hier ist zu beachten, dass ein Fahrradanhänger das Fahrverhalten des Rades verändert. Dies gilt besonders für hügelige und bergige Strecken oder schlechte Wegstrecken mit viel Sand. Auch die Fahrradmitnahme im Zug erfordert eine ausgefeiltere Logistik. Daher sollte man vor dem Kauf unbedingt das Fahrrad mit Anhänger Probe fahren, auch weil gute Fahrradanhänger nicht ganz preisgünstig sind.