Kocher

Aus Outdoor Wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche
Titan-Schraubkartuschenbrenner mit stapelbarem Titan-Kochset

Allgemeines

Kocher sind tragbare Küchengeräte, die hauptsächlich zum Erhitzen von Nahrung und Wasser dienen. Sie kommen in vielen verschiedenen Varianten, die sich hauptsächlich durch die Bauform und den Brennstoff unterscheiden. Kocher gibt es in Gewichtsklassen von wenigen Gramm bis zu kompletten mobilen Küchenzeilen. Für alle Kocher gilt, das ihre Leistung durch Windschutz verbessert wird. Dieser Windschutz ist bei Sturmkochern bereits im Aufbau integriert.

Entscheidungshilfe für Kocher im Winterbetrieb

Dieses Kapitel basiert auf dem Beitrag von "Fliegfix" im Forum.

Kocher für Gas und Benzin (bzw. Petroleum, Diesel...)

Der Markt bietet unzählige Kochermodelle. Vom Gaskartuschenkocher zum Aufschrauben, Gaskocher mit Schlauchzuleitung über reine Benzinkocher bis hin zu Mehrstoffkochern, teilweise auch für Gas. Um zu entscheiden welcher Kocher wann/wofür geeignet ist, sollte man die Funktionsweise der Kocher kennen. Dann ergeben sich die Einsatzmöglichkeiten bzw. deren Grenzen automatisch.

Auch wenn im Text Diesel/Petroleum nicht gesondert erwähnt wird gelten die Aussagen auch fuer diese Brennstoffe.

Es gibt hauptsächlich 2 Bauprinzipien für Benzin- und Gaskocher: Vortex Burner und Silent Burner.

Als Vortex Burner (Wirbelbrenner) bezeichnet man Konstruktionen bei denen das Gasgemisch mit hohem Druck gegen eine Prallplatte strömt. Dort entstehen Verbrennunswirbel, die sich konzentrisch nach unten, bzw. außen bewegen. Daher das Geräusch, bzw auch der Name "Roarer". Sie machen ein Höllenspektakel. Primus Omnifuel, Optimus Nova, Markill Hexon/Phoenix, MSR Dragonfly oder XGK.....sind typische Vertreter dieser Bauweise. Roarer sind auf Grund der hohen Ausströmgeschwindigkeit etwas windstabiler als Silent Burner.

Der Unterschied ist aber eher akademisch, denn ohne Windschutz sollte man aus Effizienzgründen keinen Kocher benutzen. Und wenn man effizient sein will auch keinen Kocher auf Vollast betreiben, das heizt nur die Umwelt auf. Wenn die Spitzen der falmmen gerade bis zum Topfrand reichen, ist meist das Optimum erreicht.

Ein Silent Burner (Leisebrenner) heißt deshalb so weil das Gasgemisch mit niedrigerer Geschwindigkeit laminar seitlich aus einem (mehrteiligen) Brennkopf ausströmt, und das gleichmäßig, ohne jede lärmerzeugende Verwirbelung. Bisweilen nennt man sie auch "Cobra Burner", weil das Geräusch an den Zischlaut einer Schlange erinnert. Die meisten Kocher aus den Anfängen, Anfang des letzten Jahrhunderts, waren so gebaut. Der Brenneraufbau war dabei identisch, egal ob die ocher unter dem Label Optimus, Primus, Bahco, Sievert, Radius... oder welchem auch immer vertrieben wurden. Optimus Hiker und Explorer bzw. der KAP Arctic (mit Patria Brenner) sind die letzten klassischen Vertreter dieser Bauweise.

Reine Gaskocher sind in der Regel Silent Burner. Die Ausnahme bei Gaskochern sind lediglich einige Multifuel Kocher. Der Omnifuel etwa, als Roarer konzipiert, kann auch Gas verbrennen. Die Regelung ist dabei auch im Gas-Flüßigbetrieb möglich, s.u..

Ebenso können etwa Markill (Edelrid) Hexon/Phoenix Gas verbrennen, oder der Primus MFS/Himalaya. Aber natürlich machen sie Lärrm wie jeder Roarer, sie sind eben hauptsächlich als Benzinkocher konzipiert. Umgekehrt gibt es Kocher wie den Primus Gravity oder die Etapower, die, obwohl hauptsächlich für Gasbetrieb konzipiert, auch Benzin verbrennen können. Im Gas- Flüssigbetrieb sind diese Kocher aber kaum regelbar. Dies gilt auch für handelsübliche Gaskocher mit außenliegendem Generator. Markill Opilio, Primus Etapower Gaskocher, Trangia Gaseinsatz, Primus Gravity oder Markill Spider......

Regelung

Vernünnftige Regelung bedeutet mindestens 1/2, besser noch 1 volle Umdrehung Regelbereich. Und nicht etwa an/aus oder die typische 1/4 Umdrehung vieler Kocher. Natuerlich gehört zu einer vernünftigen Regelung auch, dass sie verzögerungsfrei arbeitet. Abrupter Wechsel Simmern-Vollast muss stotterfrei erfolgen, umgekehrt muss Simmern stabil möglich sein. Leichte Druckschwankungen sollten die Flamme nicht beeinflussen.

Damit man vernünftig regeln kann (beim Benzinkocher), muss die Regelung am oder wenigstens in unmittelbarer Nähe des Brenners erfolgen. Idealerweise in der Gasphase, so wie bei einem Aufschraubgaskocher. Ist das Regelventil am Ende der Benzinleitung/an der Flasche, dann hat man eine enorme Regelverzögerung. Feinfühlige Einstellung, etwa zum Simmern, ist mindestens mühsam. Das gilt natürlich auch für Gaskocher bei Flüssigigeinspeisung und abgesetztem Regelventil.

Eine bewährte Regelung haben unter anderem Optimus Nova, MSR Dragonfly und Primus Omnifuel, allesamt mit der Regulierspindel am Generatoreinlass. Wer nur Wasser erhitzen oder Schnee schmelzen will kann auf eine feinfühlige Regelung eher verzichten. Wer unterwegs aufwendiger kochen will, braucht eine ordentliche Regelung.

Generator

Damit der Brennstoff vergasen kann, braucht man immer einen Generator (abgeleitet von der ursprünglichen Bezeichnung einer Anordnung "to generate vapor" =generator), Ausnahme sind Gaskartuschen im Normalbetrieb, also aufrecht stehend, s.u. Entweder baut man einen außenliegenden Generator (klassisch beim alten Primus MFS, den Etapower-Versionen oder dem Markill Phoenix/Hexon, MSR XGK...) oder innenliegend (Nova, Omnifuel, Dragonfly), bzw. in etwas aufwendigerer Anordnung beim klassischen Cobra-Brenner. Saubere Regelung (in der Gasphase) ist allerdings bei handelsüblichen Kochern mit außenliegendem Generator nicht anzutreffen. Die Regelung sollte idealerweise nach dem Generator erfolgen, bzw. in unmittelbarer Nähe der Düse.

Das ist bei den Brennern mit innenliegendem Generator (das ist nix anderes als eine kleine Kammer unterhalb der Düse, die hoch erhitzt wird) teilweise der Fall, etwa beim Nova oder Omnifuel. Die Regelung, wenn vorhanden, ist dabei unmittelbar vor der Kammer, aber bereits in der Gasphase. Jedenfalls nach dem Vorheizen. Das größte Problem hierbei ist die Abdichtung der Regulierspindel. Die Temperaturen in Generatornaehe sind für normale O-Ring Dichtungen zu hoch, weshalb man heute mit sehr langen Spindeln und abgesetzter Dichtung arbeitet. Omnifuel, Nova und Dragonfly sind so aufgebaut. Die alten Explorer, 111er etc arbeiten dagegen mit Graphitdichtungen, die Regelung erfolgt nach dem Generator.

Wie lange man einen Kocher vorheizen muss hängt vom Brennstoff (bei Diesel/Petroleum länger, bei Benzin kürzer) und vom Generatoraufbau ab. Bei außenliegendem Generator geht es recht schnell, bei anderen Konstruktionen dauert es etwas länger. Bei Gaskochern im Normalbetrieb (Kartusche aufrecht) ist die Regelung dagegen immer automatisch in der Gasphase, direkt an der Kartusche. Hier findet die Vergasung nicht über die Aufheizung eines Generators statt:

Unter entsprechendem Druck bleibt Gas in einer Kartusche zunächst flüssig. Die Siedepunkte liegen bei -0.5 Grad Celsius für Butan, etwa -12°C für Isobutan und bei -42°C für Propan. Solange man sich oberhalb des jeweiligen Siedepunktes des Gases befindet, kann es vom flüssigen in den gasfömigen Zustand übergehen wenn man das Ventil öffnet. Flüssiggas "kocht" dann und verdampft. Das kann man bei einer (Demo-) Kartusche aus Glas prima sehen. Das sprudelt innen wie kochendes Wasser, sobald man das Ventil oeffnet.

Um Null Grad herum ist allerdings die Grenze der selbständigen Vergasung von Butan erreicht, das bleibt dann ungenutzt in der Kartusche. Je nach Mischung bis zu 50% und mehr. Die Kartusche kühlt zudem im Betrieb um gut 5 Grad und mehr ab, deshalb hat man bei nicht voller Kartusche bereits ab 5°C Grad kaum mehr Leistung. Möchte man auch unter Null Grad Celcius Butan verbrennen, muss man es flüsssig einspeisen und extern auf seinen Siedepunkt bringen.

Gas-Flüssigeinspeisung

Für den Betrieb mit Gas-Flüssigeinspeisung (Kartusche umgedreht) muss immer ein Generator vorhanden sein. Damit scheiden bauartbedingt alle handelsüblichen Aufschraubkocher für diese Betriebsart aus. Flüssigeinspeisung wird von kaum einem Hersteller explizit erwähnt, obwohl es mit vielen Kochern mit Generator funktioniert. Für die Zurückhaltung der Hersteller gibt es Sicherheitsgründe: Das Volumenverhältnis gasförmig zu flüssig beträgt bei den handelsüblichen Gasen etwa 200:1.

Es ist zudem stark Druck/Temperaturabhängig. D.h. je nach Kartuschenzustand wechseln die Betriebsbedingungen. Bei einem kalten Generator mit voll aufgedrehtem Regelventil die Kartusche umdrehen, produziert enorme Stichflammen. Man muss also darauf achten, dass erstens der Generator heiß ist, zweitens sehr vorsichtig das Ventil öffnen, bzw. bei laufendem Brenner zurückregeln auf kleinste Flamme, bevor man die Kartusche wendet. Um den Generator aufzuheizen sollte immer noch genug Isobutan/Propan in der Kartusche sein, um den Kocher zunächst im Normalbetrieb (Kartusche aufrecht) zuenden zu können. Er braucht genauso wie ein Benzinkocher eine Vorheizzeit, sie ist nur deutlich kürzer.

Im Prinzip kann an also sagen, dass der Flüssiggasbetrieb mit den gleichen Vorsichtsmaßnahmen zu betreiben ist wie ein Benzinkocher - es bestehen auch im wesentlichen die gleichen Risiken (Stichflamme). Nur das das Vorheizen mit der gasförmigen Phase erfolgt. Es können natürlich nur vom Hersteller für den Flüssiggasbetrieb zugelassene Gasbrenner empfohlen werden. Bei allen anderen obliegt die Entscheidung der Eigenverantwortung des Benutzers.

Das bedeutet:

Für Winterbetrieb bei Temperaturen deutlich unter -20°C Grad (Ausnahme Touren in sehr grossen Höhen) kommt daher nur ein Benzinkocher in Frage. Zumindest ein Optimus Nova arbeitet auch unter -40°C Grad noch zuverlässig, andere wurden nicht unter diesen Bedingungen getestet. Für Spätherbst/Lappland mit Temperaturen bis sagen wir mal -15° Celcius sieht es anders aus. Da kann man Gas nehmen, sofern man einen passenden Kocher für Fluessigeinspeisung hat und auf eine saubere Regelung verzichtet.

Gaskocher

Hauptartikel

Gaskocher können mit Stechkartuschen, Schraubkartuschen und Gasflaschen betrieben werden. Gaskartuschen sind leicht, schnell verschließbar und laufen nicht aus. Allerdings verursachen sie Müll, da die meisten Kartuschen Einwegsysteme sind. Zudem sind Kartuschen der verschiedenen Anschlusssysteme nicht kompatibel und das am jeweiligen Kocher verwendete System nicht immer an jedem Ort verfügbar.

Benzinkocher

Hauptartikel

Benzinkocher haben den größten Vorteil, dass Benzin in fast jedem Land der Welt an der Tankstelle erhältlich ist, Nachschub ist also eigentlich immer zu bekommen. Zudem besitzt Benzin eine hohe Energiedichte, so dass mit wenig Brennstoff viel gekocht werden kann. Durch Pumpsysteme am Brennstoffbehälter kann immer genug Druck aufgebaut werden, um auch bei niedrigen Temperaturen das Benzin im Kocher zu vergasen und Feuer möglich zu machen. Nachteile sind u. a. der Geruch des Brennstoffes beim Betrieb und eine mögliche Brandgefahr bei Undichtigkeiten.

Spirituskocher

Hauptartikel

Spirituskocher heizen mit Spiritus, hochreinem ungenießbaren Alkohol. Die Heizleistung ist geringer als z. B. bei Gas, allerdings ist die Rußentwicklung deutlich geringer als bei Benzin oder Feststoffen. Spiritus ist je nach Land mehr oder weniger schwer zu bekommen. Ein Selbstbau-Spirituskocher ist der Dosenkocher.

Feststoffkocher

Hauptartikel

Feststoffkocher verbrennen Holz, Biomasse oder Festbrennstoffe wie Esbit, Wachs, Kohle etc. Ihr Vorteil ist die enorme Energiedichte des Brennstoffes und die relativ hohe Verfügbarkeit. Nachteile sind teilweise durch Bauform und Brennstoff bedingte schwache Leistung (Esbit) und der lange Vor-bzw. Nachlauf durch den festen Brennstoff (Holz, Kohle). Ausgeklügelte Systeme vergasen den Feststoff direkt und nutzen die Energie des Brennstoffes besser bei weniger Ruß und Abgas (Hobokocher).

Mehrstoff-Kocher

Hauptartikel

Der Vielfrass unter den Kochern. Hier kann man eigentlich fast alles hineinkippen, was brennt: Petroleum, Lampenöl, Diesel, Kerosin, Pflanzenöl, Benzin… Der Reinheitsgrad und die Dichte spielen hier nur eine untergeordnete Rolle, da der Brennstoff meist vor dem Einspritzen gefiltert wird und die Vergasung/Düse auf den jeweiligen Brennstoff justiert werden kann. Dies geht jedoch oft zu Lasten der Effizienz und ist je nach Sprit nichts für empfindliche Nasen.


Im Kochervergleich findet ihr eine Gegenüberstellung der verschiedenen System in Bezug auf ihre Energieeffizienz.