Kaufberatung Kajak

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Beim Kauf eines Kajaks gilt es zuallererst die eigenen Bedürfnisse und den Einsatzzweck des Kajaks festzustellen bzw. genau zu benennen. So liegen zwischen einem Kajak für eine Tagestour auf einem deutschen Kleinfluss und einem Kajak für eine mehrwöchige Tour rund um die Lofoten Welten was Bauform und Ausstattung angeht. Diese Unterschiede schlagen sich auch direkt im Preis nieder, der für viele Einsteiger letztendlich eines der wichtigsten Kriterien ist. Dennoch sollte sich klargemacht werden, dass ein Kajak (wenn richtig gewählt) leicht über 20 Jahre lang gefahren werden kann, was die relativ teuren Anschaffungskosten relativiert. Gerade Anfänger sollten sich also die Frage stellen ob in der ersten Saison das Mieten von einem hochwertigen Kajak evtl. nicht sinnvoller (und billiger) sein kann als der vorschnelle Kauf eines billigen Einsteigermodells.

Vor dem Kauf

Generell ist es unerlässlich vor einem Kauf verschiedene Kajaks Probe zu sitzen, oder besser Probe zu fahren. Bei guten Händlern kann ein Kajak meist über ein Wochenende günstig geliehen werden und die Leihgebühr kann dort später auf den Kauf angerechnet werden.

Einer- oder Zweierkajak

Oft wollen sich Pärchen gemeinsam ein Boot kaufen und stehen vor der Entscheidung sich gemeinsam ein Zweierkajak zu kaufen oder zwei Einerkajaks. Dabei überwiegen in der Regel die Vorteile von zwei Einerkajaks deutlich. So ist ein Zweier in der Regel zu Lang für viele Dachgepäckträger und kann Probleme bei der Lagerung verursachen. Auch ist er schwerer zu lenken und die beiden Paddler müssen ihre Technik auf einander abstimmen, was für Anfänger oft ein zusätzliches Problem darstellt und nicht selten zu Spannungen unter der Bootsbesatzung führt. Ein Zweier hat zudem normalerweise weniger Stauraum als zwei Einer. Sinn kann ein Zweier jedoch machen, wenn zusammen mit kleineren Kindern gefahren werden soll. Es gibt auch zweier mit einer großen Luke in der Mitte, wo statt Gepäck auch ein Hund oder ein kleineres Kind Platz nehmen kann.

  • Eine Diskussion über Nachteile von zweierkajaks findet sich im Forum

Einsatzzweck des Kajaks

Der Einsatzzweck des Kajaks spiegelt sich meistens direkt in der Länge das Kajaks wieder. So sind kürzere Kajaks meistens deutlich wendiger als längere. Somit eignen sie sich in der Regel besser für kleinere Flüsse und Seen. Längere Kajaks sind meist deutlich schneller und verfügen über einen besseren Geradeauslauf. Sie sind dadurch für den Einsatz auf Großgewässern und dem Meer geeignet. Auf reine Wildwasser- und Rennkajaks soll in diesem Artikel nicht eingegangen werden.

Freizeitboote für kleinere Flüsse und Seen

Die Gruppe der Wanderkajaks teilt sich grob in zwei Gruppen. Auf der einen Seite stehen sehr kurze (bis unter drei Meter Länge) und bauchige Boote mit kleinem Stauraum und großer Einstiegsluke. Diese Boote werden oft als allround Einsteigerboote für jede Situation angepriesen. Sie sind vor allem auf eine hohe Kippstabilität und für ihre Länge einen guten Geradeauslauf getrimmt. Nach erlernen der nötigen Paddeltechnik wird aber auch der Paddelanfänger schnell an die Grenzen dieser Boote stoßen und sich über die mangelhafte Endgeschwindigkeit ärgern. Vor dem Kauf eines solchem(meist sehr preiswerten) Bootes, sollte also genau abgewogen werden, ob die beschriebenen Eigenschaften und der sehr begrenzte Stauraum auch nach Überschreiten der "Anfängerschwelle" noch ausreichend sind. Klassische Vertreter dieser oft im Verleih eingesetzten Boote sind Robson Maui Expedition, Wilderness Pungo 120 und Prijon Cruiser.

Wanderkajaks für Mehrtagestouren und größere Flüsse und Seen

Auf der anderen Seite des Spektrums der Wanderkajaks stehen längere und meist schmälere Kajaks die auch im Bereich der Austatung eher in Richtung Expedition bzw. sportliche Ambitionen gehen. Diese meist zwischen 4,50 und fünf Meter langen Boote verfügen über mindestens eine, oft auch zwei Abschottungen nebst Stauluken und eine Steueranlage kann Problemlos montiert werden. Auch gehören Schenkelstützen und vernünftige Fußstützen zur serienmässigen Ausstattung. Anstelle eines gepolsterten, auf bequemlichkeit getrimmten Sitzes findet sich hier ein auf Effizienz und sportliche Haltung ausgelegtes Modell. Mit den meisten dieser Boote lassen sich neben Flüssen auch größere Seen bzw. auch mal eine Meeresbucht befahren. Der Stauraum ist hier auf mehrtägige Touren ausgerichtet und reicht bei einigen reinrassigen Wanderkajaks mit bis zu 150l an Ausmaße heran, die man eher einem Kanadier zuschreiben würde. Von den Fahreigeschaften sind diese Boote nicht so Kippstabil wie die Vertreter der vorherigen Gruppe von Freizeitbooten, verfügen aber dennoch gerade im Bereich der Endstabilität (Wie weit kann das Kajak geneigt werden bis es kentert) über genügend Reserven um schnell und sicher Techniken wie das Kanten zu erlernen. Beliebte Vertreter dieser Riege sind Prijon Touryak, Prijon Yukon Expedition oder Lettman Maxi.

Boote für Tagestouren auf kleineren Fliessgewässern und leichtem Wildwasser

Besonders Einsteiger bei denen neben dem Spass auch gleich das Erlernen einer soliden Paddeltechnik im Vordergrund steht sollten unbedingt einen Blick auf ehemals im klassischen Wildwassersport verwendete Boote werfen. Diese meist um die drei Meter langen Boote sind deutlich wendiger und ermöglichen neben den Touren auf kleineren Flüssen auch das Befahren von leichten Wildwasserstrecken. Mit ihnen lernt man die verschiedenen Fahrtechniken deutlich schneller, da sie einen nicht so ausgeprägten Geradeauslauf haben und Manöver wie das richtige Ankanten und das Befahren von Kehrwasser und Schwällen leicht geübt werden kann. Oft besitzen Kajakvereine noch einige dieser Boote und bieten so ihren Mitgliedern die Möglichkeit, sich von dieser Seite dem kajaksport zu nähern. Auch gebraucht sind diese Kajaks meist recht günstig zu erwerben. Beispiele für diesen Bootstyp sind Prijon T-Canyon und Taifun oder Eskimo Cerro/Diablo.

Boote für offene Gewässer, Küste und Meer

Der Übergang von Tourenkajaks zu Seekajaks ist ein Fließender. Oft können die längeren Vertreter der Tourenkajaks (sofern mit Skeg oder Steueranlage ausgerüstet) auch zum Fahren auf See genutzt werden. Dennoch sollte, wenn als Haupteinsatzgebiet das Meer bereits feststeht, der Kauf eines reinrassigen Seekajaks erwogen werden. Seekajaks sind in der Regel noch einmal länger als Tourenkajaks (in der Regel von fünf bis über sechs Meter) und oft noch schmaler gebaut. Im Bereich der Austattung sollten eine Steueranlage, eine Lenzpumpe und eine Möglichkeit, einen Kompass zu montieren, zur Standardausstattung gehören. Bei der Auswahl eines Seekajaks gilt zu beachten, daß Boote mit großer Länge schwerer zu steuern sind und der durch die Länge erreichte Geschwindigkeitsvorteil nur von geübten und trainierten Paddlern erreicht werden kann. Außerdem ist zu beachten, dass für Boote, die auf dem Dachgepäckträger transportiert werden sollen, ab einem Überstand vom einem Meter über der Stoßstange besondere Regeln gelten. Beliebte Seekajaks sind Prijon Seayak, Lettmann Eski oder Lettmann Sea Tour.

  • Eine genaue Abhandlung (nicht nur für Einsteiger) über die wichtigsten Punkte beim Seekajakkauf findet sich bei Kanu.de
  • Eine Marktübersich über alle vom DKV als Seekajaks eingestufte Boote gibt es ebenfalls bei Kanu.de

Bootstypen und Material

PE-Plastik Boote

Boote aus PE-Kunststoff gelten als nahezu unverwüstlich gegenüber Grundberührungen und bedürfen in der Regel keinerlei Pflege. Die hohe Stabilität wird allerdings mit einem höheren Gewicht verglichen mit ähnlichen Kunstfaserbooten erkauft, was besonders bei Solofahrten mit häufigem Umtragen schnell ein Problem werden kann. PE-Boot gelten zudem als schwerer zu reparieren, wenn doch einmal etwas kaputt geht. Die Firma Prijon wirbt damit, dass das von ihr verwendete HTP nochmals deutlich haltbarer als herkömmlich verarbeitetes PE sein soll.

Boote aus faserverstärktem Kunststoff

Glasfaser (GFK) ist das klassische Material für Wander- und Seekajaks wird aber zunehmend von PE verdrängt. GFK-Boote sind dabei deutlich leichter als PE-Boote und ihre filigraner Bauform wird von vielen als ästhetischer empfunden. Ihr hauptsächlicher Nachteil ist neben dem in der Regel etwas höherem Preis die wesentlich gesteigerte Empfindlichkeit gegenüber Grundberührungen. Dafür können diese Boote von einigermaßen handwerklich geschickten Menschen einfach selber repariert werden. Dieser Vorteil kann jedoch nicht auf langen Touren in unbekannten Gewässern und Expeditionen ausgespielt werden, weshalb hier PE-Boote meist den Vorzug erhalten. Noch leichter aber deutlich teurer sind Boote aus anderen Materialien wie Carbon und Aramid, die hauptsächlich im Rennsport verwendet werden.

Faltkajaks

Faltkajaks gibt es in Verschiedenen Ausführungen und Materialien, gleich ist ihnen jedoch die Namensgebende Zusammen(falt)legbarkeit und die damit verbundenen vielfältigen Transportmöglichkeiten. Bei diesen Bootstypen wird eine flexible Hülle über ein stabiles Gerüst aus Metall oder Holz gespannt. Die Transportmöglichkeiten werden jedoch durch das hohe Gewicht der Boote älterer Bauart wieder stark eingeschränkt. In Zügen der DB mit Fahrrad-Stellplätzen ist die Mitnahme des verpackten Bootes und damit zusammen geschnallter weiterer Ausrüstung auf dem Bootswagen problemlos möglich, wenn auch gelegentlich eine Fahrradkarte gelöst werden muss. Bei (Fern-)Zügen ohne Fahrrad-Stellplätze muss das Gepäck meist verteilt untergebracht werden. Bei Fernbussen beträgt das zulässige Höchstgewicht pro Gepäckstück 20 kg. Bei Flugreisen variieren die Mitnahmemodalitäten. Nach Sportgepäcktransport und Gurtmaß fragen. Neben der Flexibilität bestechen diese mittelmäßig robusten Boote durch ihre sehr einfachen Reparaturmöglichkeiten - oft können sie bereits während einer Tour mittels Gewebeklebeband provisorisch geflickt werden. Beim Blick auf das aktuelle Angebot ist zwischen Booten mit Baumwoll-, und solchen mit Synthetikdecks zu unterscheiden. Baumwolldecks müssen vor dem Verpacken komplett durchgetrocknet sein. Als letztes trocknen die Nahtbereiche, denn entweder ist dort der Decksstoff gedoppelt, oder er liegt mit einer Seite an der wasserundurchlässigen Unterhaut an. Synthetikdecks trocknen deutlich schneller. Beim Gewicht der Boote gibt es inwischen deutliche Veränderungen in Richtung leicht. PE-Boote sind durchgängig schwerer als Faltboote mit gleichen Maßen. Außerdem ist die Spezialisierung bei Faltbooten fortgeschritten; neben den typischen Wanderboottypen gibt es inzwischen auch Boote mit Seekajakfeatures.

Aufblasbare Kajaks

Luftboote sind ähnlich flexibel wie Faltkajaks transportierbar, lassen sich jedoch schneller in Betrieb nehmen. Boote aus Gumm gelten zudem als sehr robust und können auch im Wildwasserbereich eingesetzt werden. Zudem lassen sie sich einfach und auch auf Tour flicken. Neben diesen positiven EIgenschaften haben Luftboote jedoch gravierende Nachteile. Durch ihre Form gelten sie als extrem langsam und auf stehenden Gewässern wie Seen oder langsamen Flüssen nur schwer zu manövrieren. Lediglich auf schneller fließenden Gewässern geben sie eine halbwegs gute Figur ab. Ein weiteres Problem ist, dass der Markt zunehmend von extrem billigen, aber oft mit noch schlechteren Fahreigenschaften oder gar Sicherheitsmängeln versehenen PVC-Booten überschwemmt wird. Durch ihren günstigen Preis wirken diese Boote oft attraktiv für Anfänger, dennoch sollte ein Kauf gründlich überlegt werden.

  • Umfangreiche Linkliste zum Thema Gummiboote im Forum