Japan

Aus Outdoor Wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche
Camping in Japan

Japan. Land von Sony, Toyota, Panasonic und Honda. Ein grosser Teil aller Dinge, die bei euch im Wohnzimmer blinken, wird hier entwickelt und hergestellt. Hier gibt es Handys, die unseren 4 Generationen voraus sind, Fernseher, so gross wie ein Türblatt und sprechende Autos mit Hybridantrieb. Die Hauptstadt Tokyo, mit über 10000 km² ein Meer aus Beton, in dem die einzigen Grünflächen wohlmanikürierte Parks und Tempelanlagen sind. Land des geharkten Steingartens, der Bonsai und Blumensteckkunst. Walfang und Atomstrom. Was also hat der Outdoorer hier verloren?

Er hat nichts verloren. Er kann aber finden, was andere verloren haben: das originale, echte Japan, das jeder Japaner vermisst, der in Betonwüsten sein Dasein fristet. Er macht die Gegenprobe zum Beton und findet die 75% der Landesfläche, die unbebaut sind: Berge, auf die selten jemand einen Fuss setzt, uralte Tempel, die auf keiner Touristenkarte verzeichnet sind, Strände mit weissem, rosa und schwarzen Sand nur ein paar Kilometer voneinander entfernt. Er findet den wildesten Urwald, schroffe Klippen und sternenklare Nächte.

Und doch ist er nie wirklich weit ab vom Schuss, Highways und Landstrassen ziehen sich am Bergfuss entlang, und jeder gerade Flecken in der Ebene ist bebaut oder ein Reisfeld. 24-Stunden-Läden, Getränkeautomaten und Telefonzellen finden sich an den absurdesten Orten. Man kann sie leicht umgehen, aber manchmal ist es gut zu wissen, das Zivilisation und Wildnis so nah beieinander liegen.

Geographie

Japan ist ein Inselland, das aus vier Hauptinseln (Honshu, Hokkaido, Kyushu und Shikoku) und unzähligen kleineren Inseln besteht. Die nächsten Nachbarn sind der ostsibirische Teil von Russland im Norden, China, Nord(brr) und Südkorea. Die diplomatischen Beziehungen zu den Nachbarn sind nicht immer die besten, aber es ist nichts dramatisches (Kuril-Streit mit Russland, Querelen mit China wegen Kriegsverbrechen von vor X Jahren und die gelegentliche Interkontinentalrakete aus Nordkorea) Es ist ein enges Land, in dem die 125 Millionen Einwohner jede verfügbare Fläche für Bebauung oder Felder nutzen, die Berge aber aus religiösen und praktischen Gründen unangetastet blieben. Japan verdankt seine Existenz der Kollision von drei Kontinentalplatten, was das Land zu einem der erdbebenreichsten der Welt macht, und auch eine grosse Menge von Vulkanen hervorzaubert. Durch seine langgezogene Form und die Berge sind die Flüsse meist kurz und kurvenreich, wobei die Japaner letzteres aber in 90% der Fälle durch Beton korrigiert haben. Es gibt nur noch 2 Flüsse in Japan, die an keiner Stelle betoniert sind.

Klima

Das Archipel der Hauptinseln erstreckt sich im Vergleich der Breitengrade von Bern bis Tripoli, was zusammen mit den Bergen zu einem wilden Mix aus Klimata führt. Auf Honshu und Shikoku gibt es nach allgemeiner Auskunft (und eigener Erfahrung) 6 gut einteilbare Jahreszeiten: Frühling, Regenzeit, Sommer, Herbst, Taifunsaison und Winter. Für Hokkaido gilt ein grösserer Einfluss der sibirischen Kontinentalluft, die für ein etwas gemässigtes Wetter sorgt, während Kyushu und die weiter südlich gelegenen Archipel (Amami und Ookinawa) beinahe tropisch sind und auch im Winter noch Tagestemperaturen von über 20 Grad zu bieten haben. Unabhängig von der Saison führen die vielen kleineren und grösseren Bergketten (Japan besteht zu 75% aus Bergland) zu Steigungsregen und solitären Gewitterzellen. Einzelne Orte, wie das von drei Seiten von Bergen umgebene Kyoto, haben zum Teil interessante Mikroklimata, die bei gleichbleibender Grosswetterlage immer andere Ergebnisse produzieren oder im völligen Gegensatz dazu auch mal Gewitterzellen schaffen, die 5 Tage in Folge eine völlig gleiche Bahn nehmen und sich dann in den Gärten der selben unglücklichen Siedlung ausschütten.

Landschaft + Flora und Fauna

Japans Lage in Asien und seine unangetasteten Berge machen es zu einem waldreichen Land mit Unmengen an Nadelgehölzen, Bambushainen und Palmen im Süden. Es gibt viele Arten von Farnen, grossen Gebüschen und Rankengewächse, die sich eine unbefahrene Strasse in einer Saison zurückerobern können. In der Ebene gibt es...Reis. Reis, Reis, Reis und Reis. Und Reis. Reis ist das einzige Nahrungsmittel (ausser Sake), dessen Bedarf Japan ohne Importe decken kann. Dafür braucht es unglaubliche Anbauflächen, die im Gegensatz zu Deutschland, wo die Förster wenigstens alle paar hundert Meter eine Baumreihe fordern, völlig ohne jegliche Trennung da beginnen, wo die Stadt aufhört, und da aufhören, wo der Berg oder der Strand anfangen. Tiere gibt es allerhand, hervorzuheben sind der Tanuki, eine Art Dachs, eine Vielzahl von Raubvögeln, Wildschweinen, Affen allerorten, Bären im Norden und Schlangen im Süden und Westen. Im Meer tummelt sich alles, was ins Meer gehört und die Japaner noch nicht gefangen und gegessen haben. (siehe Essen)

Der Japaner

Der Japaner ist freundlich, hilfsbereit, ehrlich, neugierig und aufgeschlossen. Die wenigen Ausnahmen findet ihr unter (Probleme). Wenn ihr Hilfe braucht, reicht es manchmal aus, verloren in der Gegend herumzuschauen oder stirnrunzelnd die Karte zu studieren, und von irgendwo kommt irgendwer und fragt auf „englisch“, ob er euch helfen kann. „Englisch“ deshalb, weil das japanische Bildungssystem ausschliesslich auf das Bestehen der TOEIC und TOEFL Tests für die Uni zielt, weil Hausfrauen und die zahllosen Rentner Fremdsprachen als Zeitvertreib lernen und weil die japanische Sprache recht inkompatibel zur englischen ist. Die Grammatik ist meistens gut, aber mangels Übung und Kontakt mit Muttersprachlern (siehe Probleme, die Gesamtzahl der registrierten Ausländer in Japan ist unter 1%) ist das Sprechen meistens etwas schwierig. Zeichnen können sie durch die Bank alle. Ein Stift und ein Zettel lösen die komplexesten Probleme. Alternativ kann man sich an das (siehe) Koban wenden. Wenn man dann noch die wichtigsten Phrasen aus dem Lonely Planet einstudiert hat und sich auf Japanisch bedankt, wird die volle Bedeutung des „Land des Lächelns“ deutlich.

Infrastruktur

Rein und Raus

Das geht per Schiff oder per Flugzeug. Haupt-Einfallpunkte sind die Grossflughäfen Tokyo-Narita (hat eine der längsten zivilen Landebahnen der Welt), Nagoya Centrair und Osaka Kansai Intl. sowie ein Dutzend kleinerer Flughäfen mit reiner Asienanbindung. Fährverbindungen nach Russland, China und Südkorea sind auch verfügbar. (Niigata - Vladivostok für Transsibfahrer)

Im Land

Koban.

Fragen, Probleme, Anregungen? Das Koban (sprich Kobang) ist die Anlaufstelle der Wahl. Dieses Polizeihäuschen ist mit einer roten Laterne und dem traditionellen fünfeckigen Siegel versehen und dient als Verbindung zwischen der Polizei und dem Volk. Zu jedem gegebenen Zeitpunkt ist irgendwer in diesem Koban und wird von den dort stationierten Polizisten beraten. Bei Problemen jeglicher Art sollte man nicht zögern, sich dorthin zu wenden, es ist keine Polizeiwache im deutschen Sinne, sondern eher eine Art Verkehrspolizei mit Auskunft. Wege, Läden, selbst Restaurants, all das kann man bei der Polizei erfragen! Die grossen Koban in grossen Städten sind meistens mit Polizisten besetzt, die besseres Englisch sprechen, aber wenn die Kommunikation partout nicht klappen will, kann nach einem „chotto o-machi kudasai“ auch mal ein Streifenwagen mit einer englischsprachigen Besatzung vorfahren und vermitteln. Noch einmal: Die Polizei ist dein Freund und Helfer und sieht sich selbst als Aushängeschild des Landes gegenüber Touristen.

Verkehr

Inlands-Flugverbindungen, eine Unzahl Fährverbindungen von Insel zu Insel, ein dichtes Highwaynetz mit (Nacht)Bussen und die für den Touristen interessanteste Möglichkeit:

Die Bahn.

Die Bahn in Japan ist im Zuge des Shinkansen-Debakels in den 70ern privatisiert worden, was eine Reihe von Vor-und Nachteilen mit sich brachte. Vorteil Wettbewerb: Bahn ist billig, überall und man kann seine Uhr nach den Zügen stellen. Nachteil Chaos: Umsteigen von Bahn X auf Bahn Y kann einen Bahnhofswechsel und mehr Kosten verursachen, auch und besonders wenn eine der Hauptlinien nicht in eine entfernte Ecke fährt. Die beiden wichtigsten Tickets im Überblick:

JR Rail Pass

Der Rail Pass der grössten Eisenbahngesellschaft Japan Rail ist eine Flatrate für alles vom Bummelzug bis zum Superzug Shinkansen (einzig die noch schnellere Shinkansen-Variante „Nozomi“ ist mit Aufpreis behaftet). Auch einige Fähren von JR sind eingeschlossen. Er hat einige kleine Haken: Er ist nur für Touristen verfügbar, mit einem anderen Visum im Pass kann man ihn nicht kaufen. Er ist nur im Ausland erhältlich, und das nur bei einigen wenigen lizensierten Verkaufsstellen, bei dem man mit dem Reisepass (ohne Arbeits/Studentenvisum, auch für Japaner nicht erhältlich) eine Art Gutschein erwirbt, der bei der Ankunft dann in den echten Rail Pass umgetauscht wird. Auch hier wird nochmal ein Blick in den Pass geworfen, also ist mogeln sehr schwierig. Es gibt ihn in den Varianten 1, 2, 3 Wochen mit dementsprechenden Preisschild: 175, 275 und 350 Euro. Achtung: für lokale Gesellschaften und U-Bahnen muss man immer noch selbst bezahlen! Weitere Vorteile des Rail Passes sind das er im Heimatland gekauft wird (Sprachbarierre entfällt) und man mit dem Pass, da er nicht in die automatischen Ticketsysteme passt, immer den Rollstuhlfahrereingang benutzt, der auch in der Rushhour nicht so voll ist und für das Geschlepp Platz bietet. Achtung beim Shinkansen: Mit auf die Sekunde genauen Haltezeiten von manchmal nur 30 Sekunden sollte man sich beim Einstieg an genau der richtigen Stelle befinden (dort sind Markierungen am Boden und eine Schlange von Japanern) und vor dem Ausstieg auf den Absprung vorbereiten (ist echt wie im Film, wenn statt 40 Marines aus dem Transportflug 40 Japaner mit Köfferchen in einer Reihe aus der Luke hopsen).

Seishun Juuhachi Kippu

Sprich „ßei-schunn dschuu-hatschi kippu“ - es ist das Ferienticket der Japaner. Es ist dreimal im Jahr erhältlich, gilt je nach Ferienzeit etwa 40 Tage und kann 10 Tage vor Beginn bis 10 Tage vor Ende der Geltungszeit gekauft werden. Das Ticket hat 5 Punkte, die abgestempelt werden und je eine Person einen Tag lang zur Benutzung von beliebigen JR-Zügen (ausgenommen Shinkansen und Nozomi) berechtigen. Wie man es nutzt, bleibt einem selbst überlassen: 5 Tage am Stück oder in loser Abfolge alleine, 2 Personen 2 Tage und ein Punkt bleibt über, 5 Personen an einem Tag... Auch hier geht man durch den „White Back Ticket“ Eingang (Japanismus für Rollstuhlfahrertickets) und bleibt für 15 Sekunden von der Masse verschont. Es kostet je nach Saison etwa 60 Euro, ist also unschlagbar im Preis. Nachteile: Man muss es vor Ort kaufen, und es ist nicht immer verfügbar. Mit den Regionalzügen muss man oft umsteigen und auch die Geschwindigkeit ist nicht so hoch...mein Rekord liegt bei einer 15-Stunden-Reise mit 11 mal Umsteigen, aber hey, es ist billig...

Sonstige Sachen im Umgang mit der Bahn:
  • Bahnpersonal. Freundlich, zuvorkommend, akkurat, hilfsbereit...streiken tun sie auch nicht. Gut das ich gerade in Japan bin. Helft mit, das es so bleibt und behandelt sie freundlich, manchmal hilft ein "Ich bin Tourist aus Deutschland" und es geht noch VIEL schneller, näheres unter "Probleme..."
  • Pünktlich. Der Zug ist DA, wenn es auf dem Plan steht, UND ER FÄHRT AB WIE ES AUF DEM PLAN STEHT. Keine Ausnahmen (naja, das eine Mal in Tokyo um ein Uhr morgens...egal.)
  • Fahrplan: Der Bahnservice jeder Bahngesellschaft endet um 0100 lokal. Oder früher.
  • Ticket- und Infocenter: Grün ausgeschildert, mit genug international verständlichen Symbolen versehen. Irgendwer spricht hier eigentlich immer genug Englisch, und wenn ihr nur 2 Städtenamen nennt, suchen sie euch schon die Verbindung raus. Nur einsteigen muss man noch selber.
  • WanMan-Densha. Kurioses Schmalspur-Vehikel, das auf einigen entlegenen Strecken eingesetzt wird, aber da wollen wir ja auch hin, gell? Hier gibt’s das Ticket beim Fahrer (Wan-Man:One-Man)und keine Barrieren im „Bahnhof“, so das man auch mal darin übernachten kann...Quasi eine bessere Strassenbahn im Gelände.

Bus

Busse fahren überall, das lokale Bussystem ist allerdings für jemanden, der kein Japanisch kann, sehr schwer verständlich und unübersichtlich. Nachtbusse verbinden die meisten Metropolen und können für einzelne Fahrten deutlich billiger als die Bahn sein. Sie nutzen die Highways und Grossbrücken zwischen den einzelnen Inseln und sind sehr komfortabel, eine Upscale-Version der Greyhounds (manchmal haben sie sogar einen Windhund auf der Seite, siehe Baka).

Auto, Motorrad

Mietwagen gibt es überall. Der deutsche Führerschein wird nur mit Übersetzung akzeptiert, die man bei der Japan Automobile Federation für 3000 Yen bekommt (Stand 2007). Linksverkehr, Ampeln hinter der Kreuzung, obskure Verkehrsregeln (siehe Baka), Fahrradfahrer-Anarchie...wer nicht hardcore-asienerfahrener Fahrer ist, sollte sich das Auto fahren stark überlegen.

Taxi

Taxis sind im Vergleich zu Schland sehr günstig, immer klimatisiert und mit Navi ausgestattet, und die japanische Ehre verhindert Betrug effektiv. (Allerdings habe ich auch schon von Leuten gehört, die nach dem auf japanisch gestammelten „Ich komme aus Deutschland“ deutliche Rabatte bekommen haben, siehe „Gefahren, Verbote, Probleme". Sie sind die einzige Möglichkeit, nachts ohne eigenes Vehikel von A nach B zu kommen. Die Taxis spielen eine Vorreiterrolle im Umweltbewusstsein, da sie meistens mit Erdgas fahren.

Fahrrad

Jitensha, Charinko, Mamachari...das Fahrrad ist das Vehikel der Wahl für Kurzstrecke und leichteres Gepäck. Gebraucht ist ein Drahtesel schon mal ab 2000 Yen zu bekommen, das Volks-Einheitsrad hat dafür aber auch nur einen Korb vorne, keine Gangschaltung und keinen Gepäckträger. Auch reicht für die Verkehrstauglichkeit ein Licht vorne, doch Blinkies gibt es in jedem „Siehe 100 Yen Shop“ Alles korrigierbar, nur sollte man in den Bergen doch wenigstens 5 Gänge dabei haben. Mountainbikes können bis zu europäischen Preisen reichen, sind dann aber (siehe Baka) Hightech-Maschinen mit Qualitätsteilen. Fahrradläden gibt es überall. Fahrradwege dagegen sind selten. Hier in Takamatsu gibt es auf den grossen Avenues designierte Wege, aber die Landstrassen und Dorfwege sind nicht so komfortabel und TRUCKS ÜBERALL AAAAH!! D: Gefahren wird, wo gefällt, glaubt nicht, das jemand auf euer Klingeln hört oder ein Abbiegesignal richtig interpretiert. Fahhräder mit unglaublichen Besatzungen sind an der Tagesordnung, futari-nori (Fahren zu zweit) ist perfektioniert bis ins Detail (er strampelt, sie hält den Regenschirm) und der Japaner macht im Verkehr sowieso alles, was er zwischen Frühstück und schlafen nicht schafft. (Siehe Gefahren, Verbote, Probleme)


Zu Fuss

Zu Fuss kommt ihr nirgendwohin, aber wenn ihr einmal da seid, ist es meistens die einzige Möglichkeit. Erklärung: Anhalterfahren ist auf den Highways meistens verboten, es funktioniert auf den Bundesstrassen ganz gut, es sind halt riesige Entfernungen zu überbrücken. Sprachkenntnisse helfen sehr deutlich. Fernfahrer sind die beste Adresse. Gefahren bestehen kaum. Am Zielort eines Outdoorers ist meistens buchstäblich Ende im Gelände - der Berg beginnt und hört auch für eine Weile nicht mehr auf. Wer lange Treks wandern kann, kommt auf seine Kosten...und mehr als einmal endet der einsame Trail plötzlich an einer exzellent angebundenen (siehe) Touristenfalle.


Einkaufen, Essen, Trinken

Sie sind überall, die Vending machines, die einem Getränke, heisse Nudeln und gebrauchte Damenunterhöschen andrehen wollen. Die nächste Stufe ist der für den gemeinen Sarariman (siehe Baka) gutsortierte 24-Stunden-Laden (Konbini, von engl. Convenience Store), dessen verschiedene Ausprägungen überall zu finden sind. Danach gibt es Supermärkte, die allerdings normalen Ladenöffnungszeiten unterliegen (variiert, meistens 20 Uhr, in Einzelfällen 21 oder 22 Uhr). Auf dem Land sind meist sehr versteckt Tante-Emma-Läden zu finden, Geschäfte sind meist erkennbar an ihren zweigeteilten Vorhängen vor der Türe, ein Blick in den Laden eröffnet dem nicht japanisch sprechenden Reisenden, WAS er da kaufen kann. Grundregel: Rote Vorhänge oder Laternen = Restaurant oder Kneipe. Restaurants sind überall, Ketten wie McDonalds, KFC und einheimische Läden auch. Das Lieblingsrestaurant des Japaners ist der Nudelschuppen, wo es regional verschieden meist eines oder ein paar wenige Nudelsuppen gibt. Ramen, ursprünglich chinesisch, sowie die traditionellen Udon (Sehr lange Nudeln mit teilweise mehr als 5mm quadratischem Profil) und Soba (Buchweizennudeln, lang, dünn und flach) mit saisonal und regional verschiedenen Saucen und Würzungen sind die Hauptgerichte. Dazu gibt es Tempura, alles mögliche frittiert, oder Katsu, Schnitzel (meist Hähnchen). Dann natürlich Sushi und Sashimi und alles mögliche Meeresgetier. „Essen in Japan“ kann allein mehrere Bücher füllen. Kartoffeln gibt’s überall, Spaghetti auch. Zum Trinken noch: Das Wasser ist überall gechlort. Bah. (siehe Probleme)

Besonderheiten

100-Yen-Shop

Neben den erwähnten 24h-Läden gibt es noch ein paar Kuriositäten, die ganz im Zeichen des japanischen „Benri“ (Nützlich) stehen. Allen voran, der Hyaku-En-Shop. Der Urahne des 1-Euro-Ladens, gibt es hier alles, und das günstig. Im Gegensatz zu Deutschland ist die Qualität der Waren hier im Rahmen, und man findet von Schreibwaren bis Besen alles für den Hausgebrauch und viele nützliche Dinge fürs draussen sein. (Kartenmaterial, Gaffatape, Blechtassen, Besteck, Brennstoffe, alles)

Outdoorläden

Die Firma Mont-Bell dominiert als Kette den japanischen Markt, aber es gibt viele Läden. Die Ware ist meist von hoher Qualität, besonders Titangeschirr „made in Japan“ und Membranwäsche aller Art ist in Hülle und Fülle vorhanden. Die Japaner sind Gearheads, sie lieben ihren Hightech, sei es als 100-Zoll-Fernseher, sprechendes Auto oder zum Anziehen - wobei der japanische Wanderer interessanterweise meist mit Kletterkarabinern am Rucksack (Triblok, damit die Trinkflasche ja nicht abfällt) loszieht, und das Outfit dem Louis-Trenker-Stil folgt (allerdings mit Membranen, wo sie nur hinpassen). Markenbewusstsein ist hoch, und der „Jack-Wolfskin-Extremfussgänger“ ist keine Seltenheit. Wo es keinen „echten“ Outdoorladen gibt, gibt es Angelläden, in denen man sich mit Brennstoff oder Gaskartuschen eindecken kann. Oder den Baumarkt, der ähnlich „tolle“ Sachen führt wie in Deutschland, aber sicher die dringend benötigte Schraubkartusche palettenweise auf Lager hat.

Post und Takkyubin

Die Infrastruktur des Landes basiert auf 2 Transportsystemen: Der Zug fürs Volk und Container, und das sogenannte Takkyubin (Expresspost) für alles andere. Tokyo funktioniert nur durch eine Armee von Lieferanten, die Automaten auffüllen, für Konbinis Nachschub liefern oder mit den Daisha genannten Handkarren durch die Stadt flitzen, um „just in time“ Kopierpapier nachzufüllen, dessen Stand der Kopierer vorher automatisch an die Servicezentrale geschickt hat...auf diese Armee baut der Privatmann auch, und man kann sehr günstig auch grösste Gepäckstücke oder Post durchs ganze Land schicken (25 Kilo Inland, unter 24 Stunden: 2000 Yen). Jeder der grossen Takkyubin- Services hat eine Zweigstelle am Flughafen, und wenn schwerere Ausrüstung an einen Zielort muss, ohne eigenes Schleppen, nutzt man Takkyubin. Normale Post ist natürlich noch viel günstiger, das japanische Postsystem eines der besten der Welt, das jedes Jahr zur Weihnachtszeit mit den im Schnitt 30 Neujahrsgrüssen pro Absender fertig wird. (das sind ca 250 Millionen Postkarten in 3 Wochen). Ein weiterer Nebeneffekt ist die Kombination von 100-Yen-Shop, Kameraladen oder Konbini und Post: einfach eigenes Photo ausdrucken lassen (40 Yen), in den Briefumschlag (10 Stück 100 Yen) und ab per Luftpost nach Hause (110 Yen), und man hat für 1 Euro eine eigene originelle Postkarte beim glücklichen Empfänger.

Übernachtung

So viele Möglichkeiten...beschränken wir uns auf unser Klientel, Outdoorer und Backpacker: Hotels gibt’s, Jugendherbergen auch. Nächster Punkt. Wenn man in Japan unterwegs ist und man traditionell Japanisches erleben will, gibt es 2 sehr interessante Optionen: Minshuku und Ryokan.

Minshuku

ist die japanische Variante der Pension, meistens von Mutti oder Oma bewirtschaftet und recht günstig (der Name heisst grob übersetzt „Volksunterkunft“), bekommt man hier Japan pur, sollte aber etwas Sprachkenntnisse oder ein sehr gutes Lexikon mitbringen.

Ryokan

...nehme ich nur hier rein weil es SEHR japanisch ist. Es hat im Outdoorwiki eigentlich nix zu suchen: Es ist Luxus pur. Ich rede von Tatamimatten, auf denen das Servicepersonal den Futon ausrollt und die Tischchen mit Yukata (Freizeit-Kimono, quasi Bademantel) und Schokolädchen garniert, von 4-Gänge-Menüs aus zig verschiedenen Gerichten, vom hauseigenen Pool im japanischen Stil und von jeden Wunsch von den Augen ablesen. Meist sind diese Ryokan an echten heissen Quellen angesiedelt (daher der Pool, siehe Onsen) und SEHR teuer. Das Quellbad allerdings ist eigentlich immer auch für Nicht-Gäste geöffnet, und für 300 bis 1500 Yen wird auch der von 70 Kilometern Bergetappe völlig erledigte oder vom Taifun hereingewehte Fahrradfahrer mit japanischer Höflichkeit und Ehrerbietung zum Bad geleitet. Schuhe natürlich an der Türe ausziehen. (Aber egal, siehe Onsen)

Camping

Jetzt wird’s interessant für den echten Outdoorer. (Ich bevorzuge übrigens das japanische „Tabibito“, Reisender, über „Tourist“. Camping ist überall möglich, am Strand, im Wald, vor dem Shinto-Schrein (siehe Foto oben), neben der Strasse, im Feld. Solange man sich auf öffentlichem Gelände befindet, ist schlafen nicht verboten, und wenn man sein eigenes Zelt mit hat, stellt man seinen schlaf wenigstens nicht der Gesellschaft aus...oder so. Es gibt Städte aus blauer Plane und Pappkarton,voll von Wohnungslosen, und ein Tarp oder Zelt wird selbst in Parks oder auf Spielplätzen von der Bevölkerung und der Polizei ignoriert.(siehe Probleme). In der Wildnis ist so oder so keiner, ausser am Strand, wo es schon mal passieren kann, das man aufwacht und alle 5 Meter steht ein Angler. (Welche einen auch ignorieren) Campingplätze reichen von „Strand mit Schild“ bis „Was, sie haben ein eigenes Zelt mit?“ und dementsprechend variiert auch die Preisklasse. (Rekorde 0, 5000 Yen, beide mit sehr sauberer heisser Münz!Dusche) Wie in Deutschland ist alles vertreten, vom Familien-Autocamp mit Kind und Kegel, eigenem kleinen Supermarkt bis zum Campingplatz, der nur noch zu Fuss zu erreichen ist...eine Liste meiner Plätze schreibe ich vielleicht irgendwann. Es ist immer wieder schön, eine saubere Toilette und eine Dusche zu haben. Viele Plätze sind gelistet und in Karten verzeichnet, über viele bin ich einfach gestolpert...Camping ist wie in Deutschland.

Japan und Outdoor

Gefahren, Probleme

Japan ist sehr eigen. Das ist bekannt. Hinter dem allgegenwärtigen Lächeln werden einige Dinge versteckt, die das Bild vom mystischen fernen Osten etwas trüben können. Hier sind einige Probleme aufgeführt, die speziell in Japan auftauchen können.

Sprachbarriere

Vorab: Alle Strassenschilder (ausser im absoluten Dorf) sind zweisprachig – meistens ist die Hepburn-Umschrift in Englisch unter den Kanji zu finden. Einige Schilder haben sehr merkwürdige Umschreibungen – „sha“ wird zu „sya“ etc, dies ist ein Resultat der Eingabemethode auf den Keyboards. Aufgrund der Symbolik und Bedeutungsträchtigkeit der japanischen Kanji sind Symbole und Piktogramme sehr weit verbreitet – was dem Reisenden sehr entgegen kommt. Auch wenn in Japan jeder Mensch ab der weiterführenden Schule Englisch lernt, so ist die Bereitschaft, es auch anzuwenden, eher niedrig, die Hemmschwelle doch sehr hoch. Dies hat einige Gründe, die wiederum sehr japanspezifisch sind: Japan ist ein Inselland mit unter 1% Ausländeranteil. Dies führt zu wenig Möglichkeiten, das gelernte Englisch anzuwenden und zu polieren. Die japanische Mentalität fordert „Chanto“, also „Korrektheit“: Lieber nichts sagen als einen Fehler machen. Die Japanische Sprache ist mit einem eher geringen phonetischen Inventar ausgestattet, das japanische Ohr für Fremdsprachen ist insgesamt sehr schlecht ausgebildet. Die strahlenden Ausnahmen sind die Hausfrauen, die Englisch als Hobby lernen und sehr viel englische Filme und Radiosendungen hören: Sie sind mit unter den besten Sprechern. Schüler und Studenten – durch die Bank keine Chance. Das japanische Bildungssystem bereitet auf Prüfungen vor, nicht auf das Leben. Der TOEIC oder TOEFL-Test ist das Mass aller Dinge in Sachen Englisch. Weiteres Lernen wird nicht sonderlich gefördert oder erwünscht. Die Polizei hat vor allem in den grossen Städten immer einen oder zwei Polizisten im Koban, der einem auf Englisch helfen kann.Deutsch ist interessanterweise die Fremdsprache Nummer 2 in Japan, und aufgrund geringerer Unterschiede in der Aussprache zwischen Japanisch und Deutsch ist das Deutsch der wenigen Sprecher meistens gut, verstehen tun sie exzellent.

Anders herum

Es gibt 125 Millionen Muttersprachler. Die heutigen Schüler verbringen einen sehr grossen Teil ihrer Schullaufbahn damit, Japanisch zu lernen. 3 Schriftsysteme, 4 Höflichkeitsformen, 2000 Schriftzeichen im täglichen Gebrauch und eine Unzahl Akzente und Dialekte fordern ihren Tribut. Für einen Ausländer ist Japanisch aufgrund seiner einfachen Grammatik an sich nicht schwer zu erlernen, es erfordert allerdings viel Zeit, die Feinheiten und vor allem die Kanji zu studieren. Wo eine europäische Sprache etwa 3000 Worte im aktiven Wortschatz erfordert, um sie fliessend sprechen zu können, braucht man im Japanischen schon an die 10000. Für einzelne Reisen ist es nicht machbar, Japanisch zu lernen. Was man tun kann, ist sich die grundlegenden Phrasen zu einzuprägen und sie aufrichtig zu benutzen. Ein „Bitte“ und „Danke“, „Mein Name ist...“ in einer ordentlichen Weise vorgetragen (kleine Verbeugung dabei), wirkt manchmal Wunder. Aufrichtigkeit und Respekt voreinander sind die Charakterzüge, auf die Japaner Wert legen – aber das gilt ja auch für die meisten Outdoorer.

Wasei-Eigo

Wasei-Eigo is everywhere. It is all around us. Even now, in this very room. You can see it when you look out your window or when you turn on your television. You can feel it when you go to work... when you go to church... when you pay your taxes. Wenn der geneigte Leser nach dieser Lektüre wieder an die Arbeit geht, wird er, je nach Gehaltsstufe und Branche, im nächsten „Meeting“ eine Menge über „High-Potentials“, „Mergers“, Synergie“, „Joint-Ventures“, „Risk-Assessments“ und andere tolle Schlagworte erfahren, diese anschliessend auf seinem „Handy“ weiter an seine „Assistant Managers“ geben und..... Denglisch ist ein Teil unserer Kultur. Die Japaner schalten den Gebrauch der Englischen Sprache in den Hyperdrive und erfinden am laufenden Band neue „englische“ Vokabeln. Dies kann einfach nur ein Resultat von Übersetzungsfehlern (Bland statt Brand) oder im englischen unmöglichen Abkürzungen sein (Creap – Cream Powder oder Pasokon – Personal Computer), oder ganz und gar verrückte Schöpfungen wie Bebika (Kinderwagen, von „babycar“), Makudo (McDonalds) und Slogans wie „have you Wings?“, die „come in and find out“ ganz weit in den Schatten stellen. Englisch ist cool, Englisch ist hip, keiner kann es wirklich und niemanden interessiert's. Mein persönlicher Favorit ist „for gratitiously enjoyment of time and relax“.

Menschen

Der durchschnittliche Japaner bekommt, ausser im Fernsehen, alle 3 Wochen einen Nicht-Asiaten zu sehen. Dieser Durchschnitt beinhaltet die beinahe 2 Drittel, die sich täglich in den Grosstädten befinden oder dort leben. Der Rest lebt auf dem Land – was natürlich unser Ziel ist – und hat sehr selten Kontakt zu Ausländern. Outdoorer fallen neben ihrer Hautfarbe durch ihre Kleidung, ihre Frisuren, ihre riesigen Rucksäcke und ihr meist selbstsicheres und rationales Verhalten auf – eine Mischung, die garantiert unverhohlene Neugier hervorruft. Es kommt nicht selten vor, das man in irgendeinem Dorf kritisch beäugt wird, und dann irgendwoher ein uralter kleiner Mann kommt, der erstaunliche Englischkenntnisse besitzt, und einen ausfragt – nur um es an die vielen Menschen weiterzutratschen, die sich hinter Vorhängen und Häuserecken verbergen. Verhaltet euch offen, freundlich, nicht zu laut, und ihr werdet ein paar unglaubliche Dinge erleben. Der Nachteil, den der uralte kleine Mann mit sich bringt, ist ganz klar: Er hat, wie viele andere, den 2. Weltkrieg miterlebt. Es gibt in Japan zwei grosse Feindbilder: Nordkorea und Amerikkka. Nordkorea, weil Kim Jong-Il regelmässig Interkontinentalraketen durch den japanischen Luftraum schickt, und Amerika...Hiroshima und Nagasaki sind zwei tiefe Narben auf der japanischen Seele. Auch die andauernde Stationierung von amerikanischen Truppen auf japanischen Inseln (Okinawa), die momentan nicht mehr ganz so grosse wirtschaftliche Bedrohung durch Amerika und die Verhaltensweisen der amerikanischen Touristen in den grossen Städten und an den Sehenswürdigkeiten tragen zu einem latenten Hass besonders unter der alten Bevölkerung bei. Deutscher zu sein und es auch zu erwähnen, bringt einem manchmal ungeahnte Vorteile in der Behandlung und auch bei Preisen. Flagge zeigen – ein Wimpel am Rucksack oder ein Aufnäher reichen aus.

Minderheiten

1% Ausländeranteil machen euch zu einem Teil einer winzigen Minderheit. Ihr seid kein Teil der grossen homogenen Masse Japan – die es in Wirklichkeit auch nicht ganz gibt. Es gibt noch andere Minderheiten, die nicht ganz so zuvorkommend behandelt werden wie die Ausländer: Die Burakumin – de facto eine Kaste der Unberührbaren, die Sprachminderheiten auf Ryukyu und Hokkaido, die von der japanischen Regierung bis in dieses Jahrtausend hinein zersiedelt und vernichtet werden, und die unzähligen „homuress“, Wasei-Eigo für „Homeless“. Diese Menschen unterscheiden sich grundlegend von unserem Begriff der Landstreicher oder Obdachlosen, in dem sie teilweise geregelten Jobs nachgehen, in ganzen Siedlungen oder Städten aus Pappkarton und blauer Plane leben und allgemein als Personen und Problem von der Bevölkerung ignoriert werden – Spielplätze, Parks und Strassenränder sind besiedelt, und doch gehen alle anderen Japaner mit einem blinden Auge daran vorbei. Das resultiert in einer sehr gemischt vor-und nachteiligen Situation für den Trekker, der irgendwo sein Zelt aufschlägt: einerseits kann man sicher sein, das man von niemandem behelligt wird, andererseits ist ein Zelt auf dem Rücken oder dem Fahrrad für den Japaner ein Grund, den Wanderer oder Reisenden als Obdachlosen einzustufen und so zu behandeln – wenn nicht deutlich erkennbar ist, das ihr Ausländer und Outdoorer seid.

Mensch vs. Natur

Japan besteht zu 73% aus Bergland, das nicht ohne extremen technischen Aufwand besiedelbar ist. Das bringt Gutes mit sich: die entfernten Gegenden sind so gut wie kaum erschlossen, der Bergwalt ist einigermaßen intakt, und die Wildnis kann direkt vor der Stadt beginnen. Nachteilig ist es, wenn man den Menschen mit einbezieht: Das letzte Viertel ist zur Hälfte Reisfeld, der Rest ist durchgehend betoniert, um den sich dort drängenden 80 Millionen Menschen Platz zu bieten – Bevölkerungsdichten bis 6000 Menschen pro Quadratkilometer sind keine Seltenheit. Der Sprawl von Tokyo oder Osaka-Kobe zieht sich soweit das Auge reicht, auch wenn das Auge auf dem höchsten Aussichtspunkt der Stadt ist und die Sicht bis zum Horizont reicht. Weiterhin erfordern die schwierigen Verkehrsanbindungen im Inland den Bau von enorm vielen Tunnels, Brücken und stabilisierten Strassen, was die Tentakel der Betonwüste bis ins letzte Eckchen des Landes reichen lässt. Ein weiterer Grund für die massive Armierung aller Bauwerke sind die Naturphänomene des Landes. Grosse Probleme entstehen auch durch die Landaufschüttung in den Küstengebieten und die durchgehende Betonierung aller Flüsse.

Müll und Umweltverschmutzung

Japan ist eine Wegwerfgesellschaft – alles was nicht „Benri“ (nützlich) ist oder den Regeln der „konbiniensu“ (Convenience) widerspricht, wird nicht akzeptiert. Dosenautomaten verkaufen Kaffee an den unwahrscheinlichsten Orten, Mülleimer gibt es nur vor den 24-Stunden-Läden und im Supermarkt bekommt man zu jedem Einkauf mindestens 2 Plastiktüten gereicht. Mülltrennung ist meist „verbrennbar“ und „nicht verbrennbar“, wobei beides verheizt wird und durch die Trennung nur die Temperatur in den Öfen besser regelbar ist. Manchmal gibt es Blechdosensammlungen, ab und zu wird Papier getrennt – aber der Rest wird einfach weggeworfen und verfeuert. Die Dosen sind ein riesiges Problem in der Landschaft, wo sie oft einfach aus dem Autofenster fliegen – Wege sind gesäumt von Aluminium und Weissblech. Wilde Müllkippen, kaum Rücknahmesysteme für Sperrgut oder Computer, private Feuer auf dem Lande, auf denen wer weiss was landet – die Liste ist endlos. Der Durchschnittsjapaner hat mit Umweltschutz soviel am Hut wie eine Kuh mit Fahrradfahren – und das im Land des Kyoto-Protokolls. An den Strassenrändern stehen Autos mit laufendem Motor, damit die Klimaanlage läuft, die Strasse wird als Ritual gewässert und das Geschirr unter laufendem Wasser gespült – am besten noch mit Papiertaschentüchern zum Abtrocknen...auch hier könnte ich mich in Rage schreiben und wäre Übermorgen noch dran.

Gefahren lauern überall

In Japan besonders. Das Land ist ein Pulverfass am Rande dreier tektonischer Platten, das im Herbst regelmässig von Taifunen, im Winter von Schneemassen und im Frühling von Überschwemmungen heimgesucht wird – letzteres hausgemacht dank Betonierung. Tsunami-Schilder an den Stränden machen gute Hoffnung beim Campen, und beim Trekken sieht man immer wieder den einen oder anderen Bergrutsch...alles halb so wild. Statistisch gesehen tut man sich so oder so eher im Verkehr weh. Der ist links, also aufpassen, und anarchistisch – man tut was man will. Verbrechen ist an der Tagesordnung, aber das beschreibt eher die Korruption der Baubranche und der Regierung – Die Yakuza hat kein Interesse an unseren Brieftaschen. Gewaltverbrechen sind eher im häuslichen Bereich zu finden, mit der Mordwaffe Nummer 1 nicht Katana oder Pistole, sondern Küchenmesser. Durch den enormen Druck auf den Einzelnen ist die Zahl der Amokläufer und Selbstmörder unglaublich. Kleinere Delikte richten sich auch eher gegen die Masse, aber alles in allem ist das Land sicherer als Deutschland – nicht zuletzt wegen der geringen Ausländerrate...hier gibt es kein Berlin-Neukölln oder Duisburg-Marxloh.

Gefährliche Tiere

Allen voran : Homo Sapiens Sapiens Automobiliensis. Danach Mücken und Zecken (Japan-Enzephalitis), Quallen, Hornissen, Wildschweine, Bären, Schlangen und der beinahe legendäre Ostasiatische Grossdrache, der sich irgendwo in den Bergen aufhält.



Outdooraktivitäten

Berge

Wandern

Japan besteht zu 75% aus Gebirge. Vieles davon ist nicht erschlossen, es gibt kaum Wanderwege, die nicht 100% touristisch sind und selbst von Oma mit dem Krückstock geschafft werden können – der Lonely Planet „Hiking in Japan“ ist ein guter Anfang. Eine sehr gute Alternative sind die alten Pilgerpfade, die meist vergessen abseits der Routen liegen, und die alte Hauptstrasse von Tokyo nach Kyoto. Mehr siehe unter Trails.

Klettern

Der Fuji ist hoch, aber das ist auch alles – im Winter Selbstmord, im Sommer von Touristen aller Altersgruppen überrannt. Als freistehender Vulkan ohne grosse Gebirgsmasse um ihn herum ist der Fuji starkem Wind ausgesetzt und eisig – aber die Wege den Berg hoch sind erschlossen und betoniert. Langweilig. Alles über den Fuji

Felsklettern ist machbar, aber aufgrund der Beschaffenheit des Gesteins sehr selten. Die ganze Insel wurde geologisch gesehen in einem winzigen Augenblick abrupt von den tektonischen Platten ausgespuckt – das Gestein der Berge ist meist ein wilder Mix aus Mergel, Felsblöcken aller Grösse und instabilen Schichtungen. Festen Fels zu finden ist schwierig. (Kyoto ist zB von 3 Seiten vin Bergen umgeben, aber es gibt nur eine Felswand an der man klettern kann) Jeder gute Outdoorhandel hat Bücher zum Thema, ich empfehle „Japans 100 Wände“, das ein paar gute Topos liefert.

Wassersport

Segeln, Wellenreiten, Windsurfen – wir sind auf einer Insel. Die Wasserkreisläufe sind sehr kurz, und es gibt einige wenige Möglichkeiten zum Rafting, Kajakfahren und Canyoning – der Rest ist Beton

Wintersport

Ski, Snowboard, Langlauf – alles erschlossen und betoniert. Alles andere ist Bergwald. Die wenigen Berge, die über der Baumgrenze Freeride ermöglichen, sind in Hokkaido und Aomori zu finden – näheres gibt’s im Februar, wenn ich dort war =). Schneewanderungen sind sicherlich noch am einfachsten zu machen.

Fahrradtouren

Mit dem Drahtesel durchs Land. Nur zu empfehlen. Strassen gibt es überall, ab und zu sind Berge im Weg – viel Spass. Immer am Strand lang, dann kommt man im Nu einmal um die Inseln.

Trails

Die alte Bundesstrasse 1 in Hakone
Die Kumano-Strasse auf der Kii-Halbinsel
Die 88 Tempel auf Shikoku

Literatur, Karten

Karten gibt es in jedem 100-Yen-Shop
Lonely Planet Japan
Lonely Planet "Hiking in Japan"

Weblinks

Reiseberichte

Reiseberichte im Forum

...