Jakobsweg

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Zeichen des Jakobsweges in Frankreich

Den Jakobsweg (auch Jakobusweg) gibt es nicht. Anders als andere Fernwanderwege, die einen Anfang und ein Ende haben, wobei offen ist, was der Anfang und was das Ende ist, besitzt der Jakobsweg nur ein klar definiertes Ende am Grab des Hl. Jakobus in Santiago de Compostella in Spanien, obwohl viele den Weg weiter fortsetzen und bis zur Küste zum Kap Finisterre („dem Ende der Welt“) weiter gehen und dieses erst als das eigentliche Ende betrachten. Historisch gesehen beginnt der eigene Jakobsweg vor der eigenen Haustüre.

Geschichte

Erste Pilger zum Grab des Hl. Jakobus gab es bereits im 10. Jahrhundert, damals waren es jedoch noch nur Vereinzelte und noch keine Massenbewegung, auch wenn bereits für die Zeit um ca. 930 bereits Pilger aus dem Bodenseegebiet nachgewiesen werden können.

Zu einer ersten großen Massenbewegung kam es ab dem 11./12. Jahrhundert gefördert durch die Reconquista, der Zurückeroberung Spaniens. Den vorläufigen Höhepunkt erreicht die Pilgerschar im 15. Jahrhundert durch die Einführung eines vollkommenen Ablasses für alle, die zum Grab des Hl. Jakobs pilgerten.

In der frühen Neuzeit kam die Tradition auf dem Hintergrund von Kriegen zwischen Frankreich und Spanien ebenso wie der Reformation zum Erliegen.

Zu einem neuen Aufschwung der Jakobspilger kam es in den 70er Jahren des 20. Jahrhundert. Der Europarat erklärte den Jakobsweg 1987 zum europäischen Kulturweg. So wird Europa heute von einem Netz aus Wegen überspannt, die alle als Jakobswege gelten. Diese sind zum Teil identisch mit nationalen und europäischen Fernwanderwegen. Einige führen direkt nach Santiago, zum größten Teil münden die nationalen Jakobswege in einem der Hauptwege in Frankreich, auf denen der Pilger dann weiter läuft.

Besonderheiten

Motivation

Die Motivation den Pilgerweg heute zu laufen, hat sich im Vergleich zum Mittelalter stark gewandelt. Heute werden vor allem folgende Beweggründe genannt:

  • Tapetenwechsel: Gerne genommen als Sabbathjahr, um einfach mal raus aus seinem Alltag zu kommen
  • Neugier auf das Fremde - Kontakt mit dem Fremden: einer der häufig genanntesten Gründe von Pilgern neben religiösen Motiven ist das Erleben anderer Kulturen
  • Sehnsucht nach Abenteuer und Improvisation, Einfachheit und Ursprünglichkeit: mal was anderes als Ibiza und all inclusive
    • Lebensstil
    • Zeit-Erfahrung
  • Religiöse Erfahrungen: immernoch einer der Klassiker bei der Motivation für den Jakobsweg
  • Leiberfahrung: oder die Frage: wie geht es mir 3000km später
  • Zeit zum Nachdenken und zur Reorientierung
    • um Abschied zu nehmen: von einer verstorbenen Person
    • von der Arbeitswelt (Pensionierung)
    • von einer bestimmten Lebensphase

Compostela, Pilgerpass und Empfehlung

Die Compostela ist die traditionelle Urkunde mit der ein Pilger belegen kann, dass er Santiago erreicht hat. Man kann sie erhalten, wenn man mindestens die letzten 100 km zu Fuß oder aber 200 km zu Pferde oder mit dem Rad zurückgelegt hat.

Will man die Compostela erwerben, so ist der Pilgerpass unersätzlich. Mittels des Pilgerpasses dokumentiert ein Pilger, dass er den Jakobsweg wirklich gelaufen/geritten/geradelt ist. Macht man die Minimalversion des Jakobweges, also nur die letzten 100/200km so muss man pro Tag zwei Stempel erwerben, läuft man hingegen eher los, so reicht ein Stempel pro Tag aus. Zusätzlich benötigt man den Pilgerpass in Spanien, um in den Refugios (s.u.) übernachten zu dürfen.

Übernachtung

In einigen Ländern wie Belgien, Frankreich und Spanien gibt es besondere Übernachtungsmöglichkeiten für Jakobspilger, die es ermöglichen sollen, die Reise möglichst preiswert zu gestalten.

So kann man in Belgien und Frankreich in den örtlichen Rathäusern und Touristeninformationen nachfragen, wo man als Pilger unterkommen kann, je nach Gemeinde kann es sich dabei dann um eine Turnhalle oder auch Unterkunft bei einer Familie handeln. Die Kosten schwanken von gib es dir wert war bis kostenlos, ebenso die Qualität von Schlafen auf dem Boden bis hin zu eigenem Bett mit Dusche, Halbpension und Familienanschluss.

In Spanien gibt es spezielle Refugios entlang der Strecke, in denen gegen Spende übernachtet werden kann. Besonders zur Hochsaison im Sommer können diese jedoch schnell überfüllt sein.

Jakobswege in verschiedenen Ländern

Auch wenn es den Jakobsweg nicht gibt, so werden heute doch einige Wege als Jakobswege betrachtet.

Frankreich

Für Frankreich werden vier Wege bereits im 12. Jahrhundert im Codex Calixtinus erwähnt:

  1. Via turonensis: Paris – Orléans – Tours - Poitier
  2. Via lemovicensis: Vezelay – Limoges – Périgueux - Ostabat
  3. Via podiensis: Le Puy – Conques - Moissac - St-Jean-Pied de Port; ab Le Puy identisch mit dem Fernwanderweg E3
  4. Via tolosana: Arles – Aix-en-Provence – Montpellier – Toulouse - Olorón
  5. Via gebennensis: Genf - Yenne - Clonas - Tence - Le-Puy

Weitere Teilstrecken in Frankreich sind:

  • GR654: bildet den Anschluss von der Via Mosana durch Belgien an die Via Lemovicensis dar
  • „Der Weg der Engländer“ entlang der französischen Atlantikküste

Spanien

Auch Spanien wird von einem Netz von Jakobswegen durchzogen, historisch sind zwei davon hervorzuheben:

  1. Camino francés Puente la Reina - Pamplona – Burgos – Sahagún – León – Ponferrada – Cebreiro – Santiago de Compostella; identisch mit dem Fernwanderweg E3. In den Pyrenäen gibt es zwei Einstiegsvarianten:
    1. Navarrischer Weg: Saint-Jean-Pied-de-Port - Roncesvalles - Navarra - Puente la Reina
    2. Aragonesischer Weg: Col du Somport - Jaca - Sangüesa - Puente la Reina
  2. Via de la Plata: Sevilla – Fuente de Cantos – Almendralejo – Mérida –Cáceres – Bejar – Salamanca – Ourense – Santiago de Compostella

Die vier französichen Hauptwanderwege enden in oder kurz hinter den Pyrenäen alle im camino francés.

Ein bei Wanderern beliebter Nebenweg ist der Küstenweg camino del norte entlang der spanischen Atlantikküste.

Schweiz

Die Schweiz unterhält ebenfalls ein Netz von Jakobswegen. Häufig werden diese für Transit aus Österreich oder Süddeutschland genutzt.

  • Schweizer Jakobsweg: Der schweizer Hauptweg führt vom Bodensee, Konstanz oder Rorschach, über Einsiedeln, Brünigpass, Fribourg, Lausanne nach Genf.
  • Graubündner-Jakobsweg: Dieser Weg führt von Müstair nach Seelisberg und dort auf den Hauptweg.
  • Luzerner Weg: Weg von Luzern nach Schwarzenburg kurz vor Fribourg.

Italien

Portugal

Belgien

  • Via Mosana: Entlang der Maas von Aachen/Maastricht über Liege zur französischen Grenze Richtung Reims
  • Via Gallia Belgica: von Brüssel nach Paris

Deutschland

  • Lahn-Camino: Wetzlar - Weilburg - Limburg - Diez/Lahn - Kloster Arnstein - Nassau - Bad Ems - Lahnstein
  • Jakobsweg Wuppertal - Aachen: Wuppertal-Beyenburg - Remscheid Lennep - Wermelskirchen - Altenberg - Odenthal - Köln - Kerpen - Düren - Schevenhütte - Aachen
  • Mosel-Camino: Koblenz-Stolzenfels - Alken - Treis-Karden - Bullay - Traben-Trarbach - Osann-Monzel - Klüsserath - Schweich - Trier
  • Via Jutlandica: Krusau - Handewitt - Süderschmedeby - Schleswig - Kropp - Rendsburg - Stafstedt - Jahrsdorf - Itzehoe - Glückstadt/Elbe
  • Via Baltica: Usedom - Stralsund - Rostock - Lübeck - Hamburg - Bremen - Osnabrück (vgl. Pickerweg)

Niederlande/Deutschland/Belgien

  • Rhein-Maas-Weg: Millingen a.d. Rijn - Kranenburg - Goch - Kevelaer - Straelen - Venlo - Roermond - Masseik - Sittard - Maastricht - Eijsden


Norwegen

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