Inlett

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Inletts, auch Hütten- oder (Jugend-)Herbergsschlafsäcke genannt, sind Schlafsäcke, welche nur aus einer Lage Stoff bestehen. Man benutzt sie entweder innerhalb eines anderen Schlafsackes, unter einer Decke oder solo. Es gibt sie in Mumien- oder Rechteckform; erste ist leichter und sinnvoller bei Benutzung innerhalb eines Mumien-Schlafsacks, letztere bietet mehr Bewegungsfreiheit im Fußbereich. Inletts gibt es aus einer Vielzahl Materialien; je nach Aufgaben- und Temperaturbereich aus Kunstfaser, Fleece, Baumwolle, Seide oder Mischgewebe. Inletts eignen sich auch als Basis für selbst hergestellte Quilts.

Besonders bewährt haben sich Inletts aus Seide oder anderen sehr feinen Geweben, welche nur ca. 100 bis 150 g wiegen. Seide sorgt wie keine zweite Naturfaser für ein angenehmes Klima auf der Haut und ist je nach Fadendicke auch sehr robust, z.B. bei Thai Seide. In Deutschland sind die Preise für Seiden-Inletts mit oft über 50€ in Relation zum Materialpreis und der recht einfachen Herstellung sehr hoch, so dass sie sich für MYOG-Projekte anbieten, und eine Maßanfertigung (Material, Funktionen, Größe) durch einen Schneider in Indien, Thailand,... günstig ist (rund 10-20€).

Funktionen eines Inletts

Wärmen

Je nach Art und Dicke des Gewebes haben Inletts eine gewisse Wärmeleistung. Im Verhältnis zu Gewicht und Volumen ist diese Wärmeleistung jedoch im allgemeinen deutlich geringer als bei Schlafsäcken mit spezieller Isolationsfüllung.

Deshalb ist die Verwendung eines wärmemäßig passenden oder von zwei ineinander gesteckten Schlafsäcken meist sinnvoller als den Schlafsack durch ein Inlett wärmer zu machen, außer

  • man möchte sowieso ein Inlett als mechanischen Schutz mitnehmen und/oder
  • man müsste für wenige Nächte mit niedrigen Temperaturen einen weiteren Schlafsack kaufen - billiger ist, den Temperaturbereich des bestehenden Schlafsacks mit einem wärme-orientierten Inlett nach unten auszuweiten, bspw. mit einem Sea to summit Thermolite® Reactor Compact Plus (laut Hersteller bis zu 11°C Wärmegewinn bei 263g) oder ähnlichen Produkten anderer Hersteller.

In sehr warmen Gegenden ist ein Inlett einzeln verwendet oft völlig ausreichend. Einige Inletts sind vom Material her auf diese Klimazonen optimiert und bieten bspw. besonders guten Feuchtigkeitstransport.

Hinweis: Eine ausreichend thermisch isolierende Isomatte ist ein entscheidender Faktor, um nicht auszukühlen.

Mechanische Barriere

Inletts können die Verschmutzung des Schlafsackes von innen vermindern und somit ein häufiges Waschen vermeiden, wodurch die Isolierleistung schneller nachlassen würde. Außerdem können sie unter kratzigen/schmutzigen (Woll-)Decken oder auf schmutzigen Laken als hygienische, schützende Zwischenschicht dienen.

Inletts, die als Dampfbremsen fungieren (engl. VBLs Vapor Barrier Liners), werden insbesondere bei mehrtägigen Touren in frostiger Umgebung verwendet, um die Isolationsschicht des umgebenden Schlafsacks vor der Feuchtigkeit zu schützen, die der menschliche Körper abgibt (250g-500g pro Nacht). Ihre Funktionen sind folgende:

  • Isolationsfähigkeit des Schlafsacks aufrecht erhalten: Abhängig von der Luftfeuchtigkeit befindet sich irgendwo im Temperaturgefälle zwischen Haut (normal 28-33°C) und Außenseite der Isolationsschicht (bspw. -5°C) der Taupunkt (vgl. Diagramm), d.h. die dampfförmigen Körperausdünstungen kondensieren innerhalb der Isolation zu Wasser, die dadurch nass wird und schlechter isoliert - bei Daune reicht das bis zum fast vollständigen Verlust der Isolationsleistung.
  • Zusätzliches Gewicht vermeiden: Da kalte Luft nur wenig Feuchtigkeit aufnehmen kann und mehr Energie für das Verdunsten von Eis als von Wasser notwendig ist, trocknet bei niedrigen Temperaturen ein feuchter Schlafsack schlecht bzw. langsam. Entsprechend steigt die Wahrscheinlichkeit, dass weniger Feuchtigkeit abtrocknet als jede Nacht hinzu kommt - dann sammelt sich immer mehr Nässe an und reduziert im Verlauf der Tage nicht nur die Isolationsleistung immer weiter, sondern macht den Schlafsack immer schwerer (kann in wenigen Wochen ein Vielfaches des Eigengewichts erreichen).
  • Man bemerkt in VBLs besser/leichter/schneller, dass man schwitzt, und kann die Isolation daher das so weit reduzieren, dass man nicht mehr schwitzt. Auf Dauer reduziert das die nötige Trinkmenge (damit ggf. auch den nötigen Brennstoff zum Schmelzen von Schnee/Eis) und vermeidet Wärmeverlust durch Verdunstungskälte - ein VBL dehnt laut Andrew Skurka den Schlafsack-Temperaturbereich um 5-10° Fahrenheit nach unten aus.

Mehr Information zu VBLs bspw. bei Andrew Skurka

Komfort

Inletts können in einigen Aspekten den Komfort erhöhen, z.B.

  • Angenehmeres Gefühl auf der Haut als die Schlafsack-Innengewebe oder Decken
  • Für Hütten etc. auf der Unterseite Einschub, so dass Kopfkissen nicht wegrutschen und bedeckt sind
  • Für Hütten etc. im Sack oder im Kissenfach verschließbare Wertsachen-Tasche
  • In den Ecken kleine Ösen, an denen das Inlett im Stockbett befestigt wird, so dass es sich nicht mehr mit einem dreht und sich daher im Fußbereich nicht mehr störend "verwursteln" kann