Hardangervidda

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Endlose Weite und Stille, abends, im Spätherbst
Die Hardangervidda ist mit ca. 9.000 km² die größte Hochebene Europas und nimmt somit knapp 3% der Landesfläche Norwegens ein. Die Hardangervidda liegt zentral im südlichen Norwegen. Weniger als 150 km Luftlinie sind es zu den Küstenstädten Bergen, Oslo und Stavanger. Der Hauptteil liegt in den Provinzen (fylke) Hordaland (hier sind es die Gemeinden Odda, Ullensvang und Ulvik) und Telemark (mit den Gemeinden Vinje und Tinn). Nur ein kleiner von 1900 km² liegt in der Provinz Buskerud (hier sind es die Gemeinden Nore-Uvdal und Hol). Im Norden wird die Hardangervidda durch den Hardangerjøkulen und dem Gebirgsmassiv Hallingskarvet begrenzt, im Osten durch das Numedal, im Westen durch den Sør- und Eidfjord und im Süden durch die Seen Totakvatn und Møsvatn. Die Hardangervidda hat ein mittlere Höhe von ca. 1100m, wobei der östliche und mittlere Teil der Vidda flachhügelig ist, der westliche Teil ist jedoch gebirgig mit Höhen bis 1700 m. Die höchsten Erhebungen sind der Hardangerjøkkulen (1872 m) und der Hårteigen (1691 m).
Blick ins Simadal (Eidfjord) an der 600m hohen Abruchkante der Hardangervidda

Kleiner Exkurs ins Norwegische

In dem Namen Hardangervidda (ältere Bezeichnungen sind Hardangerviddo oder Ålmannviddi) steckt das Wort vidde (fem.), das mit Hochebene zu übersetzen ist. Den Ursprung hat dieses Wort im Wort vidde (mask.), was soviel wie Weite oder Umfang bedeutet. Die Bezeichnung vidda (= die Hochebene) ist die bestimmte Form von vidde (eine Hochebene). Korrekt müsste es also die Hardangervidde heißen. Da aber die Bezeichnung die Hardangervidda in Deutschland üblich ist, bleibe auch ich im Folgenden bei dieser Bezeichnung.

Geologie und Geomorphologie

Geologisch gliedert sich der Bau der Hardangervidda in 3 Hauptschichten.

  • Das Fundament, das sog. Grundfjell besteht aus präkambrischen Gesteinen, vorherrschend sind hier Gneise und Granite
  • Darüber liegt eine Sedimentdecke die hauptsächlich aus Phylliten besteht.
  • Darauf folgt eine dünne Lage von Quarziten, Gneisen und anderen kristallinen Gesteinen, die während der Kaledonischen Gebirgsbildung entstand.

Im Laufe der Erdgeschichte, vor allem während der Eiszeiten wurden in großen Teilen der Hardangervidda, aber besonders im Osten die Schichten 2 und 3 abgetragen. So steht hier das präkambrische Grundfjell als Fastebene an der Oberfläche an. Nur im nördlichen und westlichen Teil der Vidda ist die Dreigliederung noch erhalten. Zu sehen ist dies am Hårteigen, Hardangerjøkulen und am Hallingskarvet. Besonders im südlichen und östlichen Teil im Bereich der Seen Mårvatn, Langesjøen, Bjornefjord, Nordmannslågen, Møsvatn und Sonsvatn sind die Gesteine teilweise von glazialen Lockermassen bedeckt.

Klima

Das beinahe arktische Klima der Hardangervidda gilt allgemein als rau und unwirtlich und nimmt eine Übergangsstellung zwischen maritimen und kontinentalen Klima ein. Der erste Schnee fällt Ende September und aufgrund der geographischen Lage in Westnorwegen sind diese Niederschläge in Form von Schnee sehr hoch. Schneehöhen von 2 Metern sind keine Seltenheit. Im Osten der Hardangervidda fallen die Niederschläge aufgrund der kontinentaleren Lage etwas geringer aus als im Westen. So hat Liset (748m ü. M.) im Westteil eine jährliche Niederschlagsmenge von 1110 mm/J, Haugastøl im Osten nur 710 mm/J. Mit durchschnittlichen Temperaturen von -9°C bis -7°C sind die Monate Dezember bis März die kältesten. Um die Jahreswende muss man sogar mit Tiefsttemperaturen von -40°C im Osten rechnen. Erst Anfang Mai, wenn die Temperaturen wieder über dem Gefrierpunkt liegen, enden die Schneefälle. Im Juni sind bis auf einige Ausnahmen in der West-Vidda die meisten Schneemassen geschmolzen. Der Sommer ist auf die Monate Juni bis August beschränkt, wobei in den Hochlagen der westlichen Vidda dieser Zeitraum noch kürzer ist. Die Julitemperatur liegt bei 10°C im Osten und 8°C im Westen.

Das aktuelle Wetter in der Hardangervidda findet man hier.

Vegetation

Im östlichen Teil der Hardangervidda grenzt der Fichtenwald bis 960-1000 m an. Die Fjellbirke bedeckt die Vidda kranzförmig und kommt im Osten bis in eine Höhe von 1100 m im Westen bis 1000 m vor. Aber auch in klimatisch günstigen Senken ist sie zu finden. In der postglazialen Warmzeit waren große Teile der Vidda mit Fjellbirken bedeckt. Heutzutage findet man hauptsächlich Fjellheiden und Moore. Knapp 500 Arten von Gefäßpflanzen sind auf der Hardangervidda beheimatet. Die größte Vielfalt hat der Westteil aufgrund seiner nährstoffreicheren Böden. Viele arktische Pflanzen haben hier ihr südlichstes Vorkommen, wie z.B. die arktische Himbeere (Rubus arcticus). Besonders schmackhaft für den Wanderer ist das große Vorkommen von Blaubeeren. Diese Fjellvegetation wird auch oft als Berg-Tundra bezeichnet.

Tierwelt

Auch die Fauna ist arktisch geprägt. So findet man z. B. die größte Population an Wildrentieren (ca. 10.000 –15.000), den Polarfuchs (fjellrev) und die Schneeeule auf der Hardangervidda. Es gibt hier knapp 100 Vogelarten und 21 Säugetierarten.

Wild-Rentier (Rangifer tarandus)

Das Rentier gehört zu den Paarhufern (Artiodactyla) und ist mit dem Reh und dem Rothirsch verwandt. Aber im Gegensatz zu diesen beiden Arten tragen beim Ren beide Geschlechter ein Geweih. Es ist zudem etwas großer als die domestizierten Rene der Samen. In den Sommermonaten wandern die Rentierherden in den kühleren, nahrungsreicheren Westteil. Hier in den Hochlagen, wo noch einige Schneeflächen vorhanden sind, suchen sie aber auch Schutz vor den blutsaugenden Insekten wie Dasselfliegen und Rachenbremsen. Die Winterweiden liegen im schneeärmeren Osten der Vidda.

Polarfuchs (Alopex lagopus)

Der Polar- oder Eisfuchs lebt hauptsächlich in den sandigen Gebieten der Vidda, da er nur hier die Möglichkeit hat, seine Bauten zu graben. Der Bestand des Fuchses ist vor allem von der Anzahl der Lemminge abhängig, da diese sein Hauptbeutetier sind. In schlechten Zeiten ernährt er sich aber auch von Aas. Der Bestand in der Hardangervidda ist zwar klein, aber stabil. Der Rotfuchs ist für ihn hier noch keine Bedrohung.

Besiedlung

In historischer Zeit gab es auf der Hardangervidda, mit Ausnahme der Randgebiete, kaum Dauersiedlungen. Während klimatischer Gunstzeiten in vorgeschichtlicher Zeit waren jedoch bestimmte Teile der Hardangervidda besiedelt. Funde wie Jagdgeräte, Erzschmelzöfen und Tierfallen deuten darauf hin. Der Mensch folgte vermutlich den Rentierherden nach der letzten Eiszeit in diese Region. Bis heute hat man ca. 250 Wohnplätze aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit gefunden. Die Hardangervidda wurde auch von Handelswegen durchzogen. So verband der Nordmannslepa das Numedal mit dem Hardangerfjord und der Haringslepa die Telemark mit dem Sørfjord. Auch heute noch werden diese Wege für die Fernweidewirtschaft, den sog. Seterbetrieb, genutzt. Sehr viele dorfartig angeordnete Hütten auf der Hochfläche zeugen davon. Von den in den 1920-er Jahren noch 900 Setern werden heute nur noch wenige bewirtschaftet. Zeugen dieser Zeit sind Namensendungen wie -seter, -støl und -voll.

Erschließung

Verkehrstechnisch ist die Hardangervidda sehr gut erschlossen. Im Süden wird sie von der E 134, im Norden von der Bergensbanen (Zuglinie Oslo-Bergen) tangiert. Von Geilo führt die R 7 über die Hardangervidda nach Eidfjord. Im Winter ist diese Straße aber oft ab Haugastøl wegen Schnee gesperrt. Die Bergensbanen ist die höchste Bahnverbindung Nordeuropas mit 1222 m an der Bahnstation Finse. Am 27 November 1909 wurde die Bergensbanen offiziell durch König Haakon eröffnet.

Nationalpark

Aufgrund steigender Touristenzahlen entschloss man sich bereits 1970 dazu den zentralen Teil der Vidda als Wildmark (villmarka) zu erhalten. 1981 wurden dann 3422 km² der Hardangervidda zum Nationalpark erklärt. Somit ist er nach dem Svalbard-Nationalpark der zweitgrößte Norwegens.

Tourismus

In der Hardangervidda setzt man auf "sanften" Tourismus. So prägen in den schneefreien Monaten die Wanderer, im Winter die Skiläufer das Bild. Das gutausgebaute Hüttennetz des DNT und viele privatbewirtschaftete Hütten ermöglichen dem (Ski-) Wandere auch ohne Zelt in dieser Region unterwegs zu sein. Die Hütten liegen meist in Abständen von 15-20 km. Der DNT (Den Norske Turistforening) ist Der Norwegische Wanderverein. Er baute bereits 1878 die erste DNT-Hütte, die Krækkjahytta. Der DNT unterscheidet zwischen 3 Hüttentypen.

  • Betjente hytter (bewirtschaftete Hütten): Hier kann übernachtet werden und die Mahlzeiten werden vom Hüttenwirt serviert.
  • Selvbetjente hytter (Selbstbedienerhütten): Hier kann übernachtet werden und es kann Proviant gekauft werden. Die Bezahlung erfolgt in Bar oder per Einzugsvollmacht. Die Hütten sind meist verschlossen, so dass man einen Schlüssel vom DNT benötigt. Den Schlüssel erhält man als DNT-Mitglied für 100 Kr. Pfand in allen DNT-Büros und bewirtschafteten Hütten.
  • Ubetjente hytter (unbewirtschaftete Hütten): Hier kann nur übernachtet werden. Es ist kein Proviant vorhanden und auch diese Hütten sind meistens verschlossen.

Der DNT (inkl. BT, DOT, STT und STF) unterhält 9 bewirtschaftete Hütten, 13 Selbstbedienerhütten und 4 unbewirtschaftete Hütten. Des weiteren gibt es noch 22 private Wanderhütten. Die Wanderwege sind gut gekennzeichnet, entweder durch Steinmännchen oder durch das "rote T" an Felsen. Die Winterrouten sind mit Bambusstangen oder ähnlichem gekennzeichnet. Die meisten Hütten sind vom 15. Februar bis zum 15. Oktober geöffnet. Die bewirtschafteten Hütten schließen in der Regel früher.

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