Leitfaden für Anfänger: Trekking Ultraleicht

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Version vom 8. Januar 2012, 17:08 Uhr von Werner Hohn (Diskussion | Beiträge)

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Diese Seite soll Ein- oder Umsteigern einen Einblick in die Möglichkeiten des (ultra-)leichten Wanderns vermitteln. Es soll nicht darum gehen, wie man eine Zahnbürste absägt, sondern einfach darum, wie sich vernünftig mit relativ wenig Geld viel Gewicht sparen lässt und wie man das Unterwegssein draußen unkomplizierter gestalten kann. Umsteiger sollten es langsam angehen lassen, sonst könnte es schnell unnötig teuer werden. Es soll sich hier auch nicht um das Marketing von Artikeln drehen, sondern eher darum, wie wenig es braucht um draußen unterwegs zu sein! (Dem Erstautor fehlt jeglicher Überblick über den aktuellen Markt, wenn hier gerne jemand gut erprobte (!!!) Materialvorschläge an entsprechender Stelle einstellen möchte, gerne!) Es soll eine kleine Informationssammlung für Einsteiger sein, Neues wird man darin vergeblich suchen! Viel Spaß!

Gedanken vorneweg

Ein leichterer Rucksack bedeutet auf vielen Wanderungen eine große Erleichterung. Auch der Gesundheitsaspekt soll nicht außer Acht gelassen werden: 25 Kilogramm auf dem Rücken eines untrainierten und ungeübten Wanderers führen nicht selten zu Knie- oder Rückenschmerzen oder sonstigen Beschwerden, die die Tour zu einer Tortur machen können. Besonders wenn große Höhenunterschiede überwunden werden müssen, ist das Rucksackgewicht von entscheidender Bedeutung. Manche lange Wanderung über viele Tausend Kilometer wäre mit normaler (schwerer) Ausrüstung von vielen Wanderern wohl gar nicht zu schaffen. Weitere Überlegungen könnten in folgende Richtung gehen: Ein leichterer Rucksack lässt uns entspannt weiter wandern, das bedeutet weniger Zeit für den gleichen Streckenabschnitt, dies sorgt wiederum dafür, dass weniger Nahrungsmittel (immerhin ca. 800g pro Tag!) getragen werden müssen... Aller Anfang ist schwer. So auch hier. Ein gängiger Rucksack, wie er für Mehrtageswanderungen mit Zelt, Schlafsack und Kocher eingesetzt wird, wiegt gewöhnlich 15-20 Kilogramm, wenn er fertig beladen ist. Und dazu kommt häufig noch Trinkwasser und die benötigten Nahrungsmittel für mehrere Tage.

Ausrüstung

Allgemeines

Zunächst sollte man sich gut überlegen, was man wirklich unterwegs braucht. Man kann dazu erst einmal alles auf einen großen Haufen werfen. Dann legt man die Dinge zurück in den Schrank, die man „vielleicht mal brauchen könnte“. Als nächstes kommen Sachen an die Reihe, die man nicht unbedingt braucht, usw. Am Schluß bleibt oft recht wenig übrig... Nach einer Tour kann man auch Bilanz ziehen: das, was man auf der Wanderung nicht gebraucht hat, darf das nächste Mal nicht mehr mit... Fazit: Ausrüstung, die daheim bleibt, wiegt unterwegs weniger als jedes „ultra-, super-, hyper-light“-Ausrüstungsteil aus dem Katalog! Viele solche Dinge machen den Rucksack auch schwer! Und was man nicht dabei hat, das kann unterwegs nicht verloren gehen! Je weniger man dabei hat, desto weniger muß man jeden Tag wieder in seinen Rucksack räumen.

Die Frage: „was brauche ich wirklich?“ hilft immer weiter. Denn häufig werden für den jeweiligen Einsatzzweck völlig überdimensionierte Ausrüstungsteile spazieren getragen. Jedem wird einleuchten, dass man für die Expedition zum Mount Everest andere Dinge braucht als im Schwarzwald...

Weiter sollte man darauf achten, Ausrüstungsgegenstände mitzuführen, die möglichst flexibel einsetzbar sind. Jedes Teil sollte möglichst mehrere Aufgaben erfüllen können. Dazu unten mehr...

Als nächsten Schritt besinnt man sich auf die Kernaufgaben eines jeden Ausrüstungsteils. Alles was nicht zur Erfüllung dieser Kernaufgaben erforderlich ist, kann weggelassen werden und fällt damit nicht mehr ins Gewicht.

Als nächstes sollte man sich die Frage stellen, wo sich das meiste Gewicht sparen lässt, einfach um mit minimalem Aufwand (auch finanzieller Art!) den maximalen Effekt zu erzielen. Mit ein bisschen Geschick läuft man schließlich nicht mehr mit 15 sondern mit 5 Kilogramm los.

Man wird meistens zuerst bei den sogenannten großen 4 landen:

Zelt

Ein Zelt soll den Wanderer in erster Linie trocken halten. Dazu braucht man in erster Linie ein wasserdichtes Dach. Dieses bietet z.B. ein Duschvorhang, ein Regenponcho oder ein Tarp (=Plane aus Zeltstoff). Dieses lässt sich mit Leinen, Heringen und z.B. den Wanderstöcken als Dach aufspannen. Ein Tarp muß den Wetterbedingungen entsprechend aufgebaut werden. Es gibt unzählige Möglichkeiten, ein Tarp zu spannen! Der Schlafplatz sollte so gewählt werden, dass man etwas vor dem Wetter geschützt ist. Das Übernachten im hohen Gras beschert u.U. mehr ungebetenen Besuch in Form von Krabbel- und Kriechgetier, als wenn man sich einen Platz mit weniger Vegetation sucht. Als Unterlage können Müllsäcke, Malerfolie, Rettungsdecken oder ein Stück Zeltbodenstoff dienen. Mückenschutz lässt sich durch ein zusätzliches kleines Moskitonetz verwirklichen, ist aber in den vielen Fällen nicht unbedingt notwendig. Wem das zu spartanisch ist, der findet z.B. bei den sogenannten Tarptents leichte Alternativen zu gewöhnlichen Doppelwandzelten. Diese lassen sich geschlossen aufstellen und besitzen meistens einen Boden und Mückenschutz. Es gibt mittlerweile auch sehr gute, sehr leichte vollwertige Doppelwand-Zelte, die sich in der Gewichtsklasse um ein Kilogramm bewegen. Sie sind aber häufig sehr klein und eng und bieten auch nicht die Flexibilität eines Tarps. Zudem sind sie relativ teuer.

Schlafsack

Ein Schlafsack soll den Wanderer warm halten. Dazu ist eine Isolationsschicht zwischen Umwelt und unserem Wanderer nötig. Was isoliert am besten? Natürlich, Luft! (mal von Vakuum abgesehen). Wir brauchen also etwas, das möglichst viel Luft einschließt, ohne selbst viel Gewicht auf die Waage zu bringen. Hier wird man also meistens bei einem hochwertigen Daunenschlafsack landen, denn Gänse- und Entendaune ist bisher das beste Isolationsmaterial hinsichtlich Isolierfähigkeit, Packmaß, Gewicht und Schlafkomfort. Das (sehr) häufig beschriebene Problem, Wärmeverlust durch Feuchtigkeit lässt sich in den allermeisten Fällen in den Griff bekommen. Jeder Wanderer weiß, dass sein Schlafsack trocken und pfleglich behandelt werden möchte. Auch auf den hohen Bergen und in den kältesten Regionen dieser Erde wird im Übrigen oft auf Daunenschlafsäcke gesetzt... (natürlich gilt auch: je kälter desto trockener die Luft). Der etwas höhere Anschaffungspreis sollte nicht abschrecken: ein hochwertiger Daunenschlafsack hält bei richtiger Pflege oft bedeutend länger als sein Kollege mit Kunstfaser-Innenleben... Beim Kauf sollte man sich nicht nur an den „Normwerten“ orientieren, die der Hersteller angibt. Weitere Aufschlüsse können z.B. die Daunenqualität, die Füllmenge, die Gestaltung des Schnittes und der Kapuze geben. Nach Möglichkeit sollte man in einem Laden „Probeliegen“, damit das gute Stück auch passt. Weitere interessante Alternativen im Bereich Schlafen unterwegs bieten sogenannte (Daunen)-Quilts. Diese ähneln mehr einer konturgeschnittenen Decke. Hier wird darauf gesetzt, dass der Schläfer die unter sich liegende Daunenisolationsschicht sowieso zusammendrückt. Deshalb wird diese Isolation einfach weggelassen. Ein Quilt kann also wärmer sein als ein Schlafsack mit gleicher Daunenmenge. Kann ein Quilt noch zusätzlich als Poncho getragen werden, dann erstetzt er evtl. auch eine isolierende Kleidungsschicht. Weitere Möglichkeiten sind Topbags oder auch Elefant-Foots (früher Fußsack genannt) in Kombination mit einer Daunenjacke.

Rucksack

Der Rucksack dient dazu, die benötigte Ausrüstung zu transportieren. Streng genommen braucht man dazu eigentlich nur einen Behälter, um die Sachen hineinzulegen. So ähnlich funktionieren leichte Rucksäcke. Ein „richtiger“ Trekkingrucksack mit ausgeklügeltem Tragesystem, vielen Taschen und Verstellmöglichkeiten bringt allein schon oft 2-3 Kilogramm auf die Waage. Ein Leicht-Rucksack als einfacher Beutel mit Riemen dran liegt je nach Material und Ausstattung bei etwa 400-800 Gramm. So ein leichter Rucksack lässt sich in der Tat komfortabel tragen, vorausgesetzt die restliche Ausrüstung passt dazu. Denn so einen Beutel beladen mit 25 Kilogramm möchte niemand auf dem Rücken haben! Sind es dagegen 3-10 Kilogramm sieht alles ganz anders aus. Häufig werden Isomatten aus Schaumstoff in solchen Beuteln als Rückenpolster und zur Stabilisierung eingesetzt, eben weil jegliches Tragesystem fehlt. Manche dieser Beutel besitzen außen Mesh-Taschen, die Kleinkram oder eine Wasserflasche aufnehmen können. Wasserdicht muß ein Rucksack nicht sein, denn man kann den ganzen Kram auch einfach in einen großen Müllsack packen. Da Verstellmöglichkeiten häufig fehlen, müssen diese Rucksäcke zum Träger passen!

Küche

In einer Küche findet man in erster Linie einen Herd. Dieser dient zum Erwärmen der Nahrung. Häufig ist der gemeine Leicht-Wanderer Alkoholiker. Als leichte Wärmequelle eignen sich nämlich insbesondere einfache Spirituskocher. Der einfachste Kocher besteht aus einem Behälter in dem der Brennstoff verbrannt wird. Dies geht mit Spiritus oder Esbit sehr viel einfacher und gefahrloser als mit den üblichen Brennstoffen Gas oder Benzin. Letztere benötigen aufwendige Technik, was diese Brennstoffe in ihrer Verwendung deutlich schwerer macht als Spiritus. Durch den besseren Brennwert von Gas und Benzin geht diese Rechnung nur bei kürzeren Touren von 1-2 Wochen auf. Muß mehr Brennstoff mitgeführt werden, dann wären Gas und Benzin leichter. Häufig bieten sich aber genug Möglichkeiten unterwegs um „nachzutanken“. Neben einem Behälter, in dem wir unseren Brennstoff verheizen, brauchen wir außerdem einen guten Windschutz, der unseren Kochvorgang effektiver macht. Denn sonst wird die kostbare Wärme des Winzlings schnell davon getragen! Hierfür eignen sich besonders gefaltete Alufolie oder Material aus Einweg-Kuchen- oder Lasagneformen... Als Geschirr brauchen wir einen Topf und in unserem Kulturkreis ein Werkzeug, um die Nahrung aus demselben zu entnehmen. Im einfachsten Falle genügt ein leichter Alu-Topf oder eine größere Tasse und ein Plastiklöffel. Ein kleines Taschenmesser findet sich ohnehin meistens in irgendeiner Tasche. Den Topf stellt man je nach Kochertyp direkt auf den Kocher oder man benutzt einen Topfständer aus Kleiderbügeldraht. Ohne zusätzliche Ausrüstung geht es, wenn man einfach 3 Heringe in den Boden steckt. Während Gas in Kartuschen und Benzin in Brennstoff-Flaschen transportiert werden muß, kann man Spiritus in jede handelsübliche PET-Flasche abfüllen. Meist genügen 500ml für eine knappe Woche. Will man gar keinen Brennstoff tragen, so kann man in holzreichen Gegenden einfach Holz verbrennen, wie der Mensch das seit Jahrtausenden getan hat. Allerdings sollte man das nicht mit einem riesigen Lagerfeuer sondern effektiv in einem dafür vorgesehenen Behälter tun. In einem sogenannten Hobo-Ofen lassen sich mit wenigen, bleistiftdicken Ästen Abendessen und Tee zubereiten! Egal in welcher Form: Feuer ist u.U. Gefährlich!

Kleidung

Das Zwiebelprinzip ist mittlerweile weithin bekannt. Orientiert man sich daran, dann lässt sich auch leicht die Kleidung für den Leicht-Wanderer zusammenstellen. Auch hier gilt: möglichst flexibel einsetzbare Kleidungsstücke verwenden, die sich unterschiedlich kombinieren lassen! Am meisten Gewicht sparen kann man ganz besonders hier wieder durch Weglassen von „unnötigem“. Was brauchen wir wirklich unterwegs? Von den meisten Dingen braucht man nur ein Teil (z.B. Hose, Pullover, T-Shirt, ggf. lange Unterwäsche), von einigen Sachen sind 2 Paar angenehm (z.B. Socken und Unterwäsche). Regnet es, zieht man die Regensachen an, der Rest wird trocken verpackt. Wäscht man unterwegs, hat man auch immer wieder was frisches zum Anziehen. Und im Ernst: wer will schon einen Rucksack voll mit dreckiger Wäsche spazieren tragen? Eine Regenjacke schützt auch vor kaltem Wind. Die „Schlafsocken“ können unterwegs als Handschuhe dienen usw. Einige weitere nützliche Gegenstände sind u. U. eine isolierende leichte Kunstfaser- oder Daunenjacke für abends, eine Fleece-Mütze und ein (Seiden-)Halstuch oder ein Buff. Letzere lassen sich auch als Sonnenschutz verbauen.

Schuhe

Ist man leichter unterwegs, z.B. eher so wie ein Spaziergänger, dann braucht man oft auch keine dicken Wanderstiefel. Turnschuhe oder sogenannte Trailrunningschuhe eignen sich vortrefflich zum Wandern, besonders wenn man gerne weitere Strecken gehen möchte. In Kombination mit Wanderstöcken sind sie bedingt auch im Gebirge zum Bergwandern einsetzbar, allerdings sollte man dort etwas trainierte Füsse/Beine haben und sich trittsicher bewegen können.

Hygiene

Hier lässt sich sparen, wenn man nicht die kompletten, vollen Packungen aus dem Supermarkt mitnimmt, sondern umfüllt, entsprechend dem Bedarf. Ein kleines Fläschchen Seife, eine kleine Dose Zahncreme, evtl. Sonnen- und Lippencreme, ein Micofaserputztuch (als Handtuch) und wer möchte darf seine Zahnbürste absägen!

Erste Hilfe

Ein paar Streifen Pflaster, ein paar Kompressen, eine elastische Binde. Mehr braucht es selten, die Zivilisation ist ja oft nicht weit. Sonst kommen noch Schmerztabletten, sterile Kanülen (zum Entfernen von Zecken, Spreißeln usw.) und Desinfektionsmittel dazu.

Kleinkram

Taschenlampe, Taschenmesser, ein Stück Schnur, Taschentücher oder Klopapier, Nadel und etwas Faden, festes Klebeband (z.B. um die Spiritusflasche gewickelt).

MYOG

Hauptartikel MYOG.

(= Make Your Own Gear = Ausrüstung selbst herstellen). Gerade im Bereich leichter Ausrüstung kann relativ viel selbst hergestellt werden und so der finanzielle Aufwand (teilweise) reduziert werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass die hergestellten Sachen wirklich zu den eigenen Wünschen passen. Vorhandenes kann angepasst werden usw. Manche Dinge gibt es nämlich (in Europa) gar nicht so einfach zu kaufen! Voraussetzung ist natürlich, dass man sich etwas Zeit dafür nimmt und Spaß daran hat. So lassen sich z.B. Dosenkocher leicht basteln, ein (passendes) Tarp ist schnell genäht und mit den richtigen Abspannpunkten versehen. Weiter machen kann man dann mit Rucksäcken, Quilts und Kleidung ...

Und was ist mit dem Komfort?

Schwierige Frage. Denn das definiert wohl jeder für sich selbst. (Ultra-)Leichtwandern ist eine Spielart des "Outdoorlebens" bei der es darum geht, möglichst leicht, möglichst komfortabel unterwegs zu sein. Dem (Ultra-)Leichtwanderer geht es nicht darum, abends frierend unter seinem Tarp zu liegen, genauso wenig wie der "normale" Wanderer losgeht, um Lastesel zu spielen. Es geht um den Komfort der gesamten Tour, nicht nur den Komfort abends im Lager. Aber was Komfort ist, ja, das definiert wohl jeder für sich selbst.

Siehe auch

Trekking Ultralight

UL-Reiseberichte im Forum von outdoorseiten.net


Hersteller

(unsortierte und unbewertete (!) Liste)

Foren und Blogs