[IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

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  • evernorth
    Fuchs
    • 22.08.2010
    • 1514

    • Meine Reisen

    #41
    AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

    Heiße Quelle - Finding Guðlaug??

    26.07.17

    Es ist gegen 6 Uhr und bereits hell. Ein Zipfel des Zeltes steht schon in der Sonne. Ich nehme das etwas „ dumpf ” wahr, denn meine Gedanken hängen noch ein wenig in den endlosen Weiten eines weit verzweigten Traumlandes ab. Dazu kommt die dimmende Wirkung meiner neuen Schlafbrille, mit der ich tatsächlich erholsamer schlafe. Ab und zu verrutscht das Ding, was mich am Anfang immer etwas genervt hat. Inzwischen nehme ich es einfach so hin.
    Das Wetter ist prächtig und der Wind gänzlich verschwunden.
    Obwohl meine Camp - Location jetzt, bei Tageslicht, noch schicker aussieht, hat sie auch zumindest einen Nachteil: Durch den Wind hat der äußerst feine Vulkansand sich bereits überall, und selbst im Innenzelt als dünne Schicht verteilt. Da hilft nur Ausschütteln, Wegwischen und durch.




    Camp 3




    Der Plan für den heutigen Tag sieht als Nächstes vor, meine GPS - Route zu erreichen. Obwohl das Wetter für die Gletscher - Traverse über den Síðujökull perfekt ist, möchte ich die Traverse noch etwas „ hinten an ” stellen.
    Die heiße Quelle „ Guðlaug ” will ich finden. Sie soll eigentlich genau auf meinem Track liegen, jedenfalls suggerieren das die Fotos, die Jens damals gemeinsam mit dem Track im Netz gefunden hatte. Dazu muss ich den Track für mehrere Stunden zurück, also in entgegengesetzter Richtung, gehen. Mein Zeitpolster ist großzügig, deshalb möchte ich das unbedingt machen.
    Um die Guðlaug wird ein regelrechtes Geheimnis gemacht. Man findet nirgendwo Koordinaten im Netz und wenn, dann stimmen sie nicht ( Dieter Graser hat sie 2012 gefunden - im dritten Anlauf ).

    Nach dem Frühstück packe ich alles zusammen und baue das Zelt ab. Am Anfang meines Mini - Tälchens, und wieder in der Langagil, steige ich zunächst einmal zu einer Erkundung, und ohne Rucksack, die teils steile Flanke auf der orografisch linken Seite des Flusses nach oben, um mir einen Überblick zu verschaffen.




    Überblick: Der weitere Verlauf duch die Langagil - etliche Furten warten....hmm...



    Langagil: Blick zurück zum Tal - Eingang



    Hier oben ist kein Fortkommen - Abstieg


    Das sieht zunächst vielversprechend aus, und so hole ich meinen Rucksack nach. Nach mehreren, vorgeblichen Versuchen, die Talkante zu erklettern, gebe ich auf, und steige wieder talaufwärts in die Langagil ab. Dann muss es eben auf dem beschwerlichen Weg, mitten durch die Langagil, gehen. Schon nach etwa 200m ist der Weg an einer engen, und tiefen Stelle zu Ende. Der Einschnitt lässt nur den Weiterweg mitten durch das Wasser der Langagilsá zu, dass mir schnell bis zur Hüfte reicht. Das war es dann wohl.




    An dieser Stelle in der Langagil ist auch schon wieder Schluss



    Blick zurück, Tal - Eingang. Kurz hinter dem Vorsprung, rechts, kann ich leicht aufsteigen


    Ich bin frustriert, weil ich für wenig Strecke viel Zeit verloren habe. Dann bleibt nur der Weg über den Langasker. Da ich nicht die ganze Strecke in der Langagil wieder zurückgehen möchte, wage ich den Versuch, an der orografisch rechten Talseite direkt aufzusteigen. Das sieht wieder sehr steil aus, gelingt jedoch zu meiner Überraschung auf Anhieb. Kaum bin ich oben angelangt, ist der weitere Weg leicht und gut überschaubar. Großartige Sicht auf den Síðujökull, zum Hágöngur, Eldigur und Geirvötur. Ich komme auf dem weitläufigen und flachen Rücken schnell voran.




    Auf dem Langasker ( Rücken )



    Hágöngur, Eldigur und Geirvötur. Die rötliche Erhebung ist der Eldigur.




    Der Langasker läuft hier sanft hinab in eine Talsenke. Diese ist auch schnell durchschritten und am Ende erreiche ich zu meiner großen Freude meinen GPS - Track. Jawohl! Alles doch noch recht flott und gut gegangen, auch, wenn die Aktionen insgesamt viel Zeit gekostet haben und es bereits früher Nachmittag ist. Nach einer Essens - Pause gehe ich gegen 14.30 Uhr weiter. Ich rechne mit mindestens 4 Stunden Wegzeit bis zur Guðlaug. Zu meiner weiteren Freude komme ich gut und zügig voran. Eine erste Furt ist völlig unproblematisch. Die Landschaft macht Laune und ist insgesamt freundlicher, und teilweise auch grüner, als ich erwartet hatte. Dann stehe ich vor einem braun - trüben Gletscherfluss. Ist das schon die Vestri Bergvatnsá? Ich bin mir nicht sicher. Der Fluss ist nicht sehr breit, vielleicht 15 bis 18m. Der Fluss hat ordentlich Gefälle, rasche, kräftige Fließgeschwindigkeit und stattlichen Wasserstand. Flußabwärts sieht es regelrecht unmöglich aus, dort zu furten, da der Fluß von hohen Lava - Wänden eingefasst wird. Flußaufwärts sieht es auf mehrere hundert Meter auch nicht besser aus. Ich gehe eine Weile auf und ab und beschließe, dicht auf meinem Track zu furten. Los gehts. Eiskaltes Wasser empfängt meine Beine und die Strömung ist enorm und reißend. Schnell reicht mir das Wasser bis zum oberen Ende der Oberschenkel. Nur noch etwa 3 Meter, es ist fast geschafft. Das Wasser reicht jetzt bis zum Gesäß, als ich zu schwanken beginne. In Bruchteilen von Sekunden sehe ich einen Film vor Augen: Ich stürze. Nein, nicht das, das kann nicht wahr sein! Im letzten Moment kann ich ein Mitreißen durch das Wasser irgendwie doch noch vermeiden. Geschockt erreiche ich das andere Ufer. Das Adrenalin pumpt mir durch meinen Körper. Puh, das war nun aber wirklich äußerst knapp. Ich brauche eine ganze Zeit, um mich zu beruhigen und wieder ganz bei mir zu sein. Nicht auszudenken, was passiert wäre. Vor allem der scharfkantige Lava - Canyon im Unterlauf hätte ein beachtliches Verletzungs - Potential gehabt. Mit Schrecken denke ich daran, dass ich den Fluß morgen noch einmal auf meinem Rückweg furten muss. Dann aber unbedingt in den frühen Morgenstunden.




    Vestri Bergvatnsá? am anderen Morgen - sieht eigentlich harmlos aus.


    Ich setze schließlich meinen Weg fort und gelange in ein übles, schwer gangbares Lavafeld.
    Zu meiner Freude taucht unvermittelt, und mitten in der Lava eine flache, grüne Grasfläche auf.
    Wunderbar, an dieser Stelle kann ich auf dem Rückweg das Camp errichten. Dann ist der Weg am Morgen zur Furt ganz nah.
    Nach höchstens 20 Minuten stehe ich vor der nächsten Furt. Der Fluß ist ein wenig schmaler und hat klares Wasser. Hier kann ich leicht und schnell furten und das Wasser hat spürbar weniger Druck und reicht mir nur wenig über das Knie. Nach vielleicht weiteren 20 Minuten folgt der dritte Fluß: Trübes, braunes Wasser, hohe Fließgeschwindigkeit und eine satte, heftige Strömung. Ich bin geschockt: Nein, nicht schon wieder! Das bedeutet auch: Den muss ich zweimal furten, genau wie die beiden vorherigen.
    Mein Mut verlässt mich, denn ich will mir diesen Fluß nicht auch noch zweimal antun. Ich treffe jetzt die für mich schwere Entscheidung, auf die Guðlaug zu verzichten, und zur Grasfläche im Lavafeld zurückzukehren, um morgen dann die erneute Furt über die, von mir so gefürchtete, Vestri Bergvatnsá zu wagen.
    Ich hänge noch meinen enttäuschten Gedanken nach, als ich die Stelle über den Fluß mit dem klaren Wasser erreiche. Die Furt ist, wie schon beim ersten Mal, kein Problem. Auf der anderen Seite angekommen, fällt mir die schöne Lage und das satte, leuchtend - grüne Gras ins Auge.
    Ein toller Platz, denke ich, der dazu von den tiefen Strahlen der langsam untergehenden Abendsonne illuminiert wird. Bezaubernd, super - toll, denke ich. Vielleicht ein noch schönerer Platz für mein heutiges Camp?
    Plötzlich bin ich wie vom Schlag gerührt: Das gibt es nicht! Ich kenne den Ort. Ich stehe direkt an der Guðlaug!




    Unerwartet am Ziel: Die Guðlaug!


    Wie von selbst mischt sich das Bild aus meiner Erinnerung ( ein Foto von Dieter ) mit dem Hier und Jetzt: Ich stehe direkt neben der heißen Quelle! Wo hatte ich vorhin nur meine Augen? Da bin ich doch glatt vorbeigelaufen. Was für ein Hochgefühl dafür jetzt, das ist die pure Glückseligkeit. Im Taumel echter Freude beschließe ich natürlich umgehend, hier mein Camp zu errichten. Inzwischen ist es - fast unmerklich - windiger geworden, und es püstert ganz ordentlich, so daß ich das Zelt zum ersten Mal mit allen Leinen abspanne. Da die Sonne inzwischen noch tiefer steht, hole ich rasch einige Fotos nach. Dann geht es in den wirklich kleinen Trog, in dem höchstens zwei, na, vielleicht drei? Personen Platz haben. Zunächst schöpfe ich etwas von der organischen Masse ab, welche stückweise auf der Oberfläche schwimmt. Die muss raus, ist nicht so lecker. Die ausgestreckten Beine werden gerade so eben noch bedeckt. „ Zu wenig Wasser ”, oder „ nicht tief genug ”, befinde ich. Schön warm ist es und das ist es auch, was jetzt zählt. In der Quelle sitzend, fallen mir die ungewöhnlichen Wolken auf und ich beschließe, nach dem Essen noch einmal einen neuen Wetterbericht anzufordern.
    Als ich mir den anschaue, entspanne ich mich: 25 km/h, das ist ja nur eine sanfte Brise.
    Was ich aber übersehen habe, ist, das die Windgeschwindigkeit ( nur dieses eine Mal, alle anderen Male in km/h ) in m/s angegeben ist.
    Ich lese noch etwas, doch nicht lange, dann fallen mir die Augen nach diesem ereignisreichen Tag zu und ich verbringe eine erholsame und erstaunlich ruhige Nacht.








    Im Hintergrund schon die Sturmwolken.



    Soo geil!



    Total happy!


    27.07.17

    Am nächsten Morgen püstert es schon etwas stärker, ich habe aber keine Probleme, das Zelt sicher abzubauen. Gegen 9.30 Uhr verlasse ich die Guðlaug und mache mich auf den Weg zurück zum Síðujökull. Nach kurzer Zeit erreiche ich die kritische Furt vom Vortag. Mit klopfenden Herzen begebe ich mich in das braune, kräftig - strömende Wasser. Sofort fährt mir die Eiseskälte in die Glieder. Der Wasserstand ist tatsächlich niedriger, und so ist die Vestri Bergvatnsá schnell und sicher gefurtet. Puh - das wäre schon mal geschafft!
    In zunehmend stärkerem Wind, der nun oft von der Seite bläst, komme ich merklich langsamer voran. Gegen Mittag erreiche ich den Eldigur, eine Art „ Pforte ” zum Eingang in ein kleines Gerölltals. Ich will es wie Berniehh halten und die Djúpá oberhalb der Einmündung umgehen. Das erweist sich allerdings als äußerst zeitaufwändiges Vorhaben.




    Walking on the moon...





    Eldigur



    Ton, Steine, Scherben...



    Im Seitental: Wasser, soweit das Auge reicht.



    Hágöngur aus dem Seitental



    Mein Ziel: Hier will ich auf das Eis.


    Unzählige Furten, Umgehungen kleinerer Seen, ausweichen über das Gletschereis am rechten Rand ( mein eigentliches Ziel war der linke Gletscherrand! ) und - die absolute Krönung - der Schluss - Anstieg im Bereich der Wasserscheide: Quicksand, wohin der Fuß auch tritt.
    Ein solide aussehender, größerer Stein, dann Belastung, und schon geht es bis zum Hintern hinein in den Schlamm / Modder. Danach das Bein wieder irgendwie herausziehen, ohne den Schuh in der Tiefe zu verlieren - ein schlauchendes und nervenaufreibendes Geduldspiel. Der anschließende, kurze Weg zu einem nahen Bach - Obacht - damit sich das Schauspiel nicht gleich wiederholt.
    Mehrere Male ist das dann doch nicht zu vermeiden. Im Bach dann das eingesiffte Bein abspülen, dann einen neuen, „ soliden ” Stein suchen und - genau…..abwärts geht es von Neuem. Dazu noch der zunehmende Sturm, den ich bei der ganzen, konzentrierten Aktion kaum bemerkt habe. Ich fluche und schimpfe, wie ein Rohrspatz, aber natürlich hilft es nicht. Ich bin kurz vor dem Knallpunkt!
    Als ich es kaum noch zu hoffen wage stehe ich doch noch am Gletscherrand. Die neuen Steigeisen sind mit klammen, ungeübten Fingern nur schwer zu befestigen. Ich bin ungeduldig, frustriert benötige einen 2. Versuch. Das klappt und ich bewege mich flott von der Eiskante weg.




    Endlich auf dem Eis!



    Blick zurück in das Seitental.


    Gegen 19.30 Uhr gehe ich los. Endlich wieder Strecke machen! Anfangs komme ich zügig voran, obwohl es erst einmal stetig bergauf geht. Ich bin an dieser Stelle mehrere Kilometer von meinem GPS - Track entfernt und möchte diesen jetzt schnellstmöglich erreichen, um dort den zunehmenden Sturm abzuwettern, das Zelt dort zu errichten und ( zumindest ) eine dringend benötigte Pause zu machen.
    Erst gegen 22 Uhr erreiche ich meinen GPS - Track. Schwer schwankend stehe ich im Sturm. Was nun?

    - to be continued -
    Zuletzt geändert von evernorth; 17.12.2017, 23:02.
    My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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    • blackteah
      Dauerbesucher
      • 22.05.2010
      • 777

      • Meine Reisen

      #42
      AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

      Wahnsinnsbilder.
      Und diese Wolken! Sehr beeindruckend aber auch beängstigend.

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      • mapper2
        Erfahren
        • 24.07.2017
        • 121

        • Meine Reisen

        #43
        AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

        Danke für den tollen Bericht und auch danke für die Tipps mit der Ultralight Eisausrüstung!!

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        • Dieter

          Dauerbesucher
          • 26.05.2002
          • 524

          • Meine Reisen

          #44
          AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

          Hallo

          mapper2 schrieb:
          ... danke für die Tipps mit der Ultralight Eisausrüstung!!
          419 g sind für Steigeisen natürlich toll. Aber vielleicht sollte man auch lesen, wie der Hersteller diese Teile spezifiziert und vor allem für welchen Anwendungsbereich:

          "Die sehr leichten, aus Aluminium gefertigten LEOPARD FL-Steigeisen sind für Zustiege auf Schneefeldern konzipiert."
          https://www.petzl.com/DE/de/Sport/Steigeisen/LEOPARD-FL

          Diese "Steigeisen" sind für Schneefelder nicht für aperes und hartes Eis gebaut! Für lange Querungen von Eisflächen, wie sie typisch sind für die Randbereiche der isländischen Gletscherschilde, sind sie denkbar ungeeignet. Durch die Verwendung von leichtem Alu ist der Materialbruch vorprogranmmiert (siehe bei berniehh auf dem selben Gletscher?). Die Frontzacken sind auf diesem Terrain sinnlos und die Vertikalzacken lassen einen wie auf Stelzen gehen.

          Der Pickel und diese Alusteigeisen (was für ein Wort) machen in den steilen Schneeflanken des Blátindur Sinn, aber nicht auf den flachen Gletschernloben. Dichte Felder von Ablationskegeln, wie im sog. "Black Forrest", sind auf den Eisstrom des Skeiðarárjökull beschränkt und dort ist nicht Eisklettern angesagt, sondern eine Routenwahl, welche dieses jedes Jahr weiter nach Süden wandernde Hindernis umgeht.

          Dieter
          Zuletzt geändert von Dieter; 19.12.2017, 07:40.

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          • Ljungdalen
            Fuchs
            • 28.08.2017
            • 1919

            • Meine Reisen

            #45
            OT: AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

            OT:
            Zitat von Dieter Beitrag anzeigen
            Diese "Steigeisen" sind für Schneefelder nicht für aperes und hartes Eis gebaut! Für lange Querungen von Eisflächen, wie sie typisch sind für die Randbereiche der isländischen Gletscherschilde, sind sie denkbar ungeeignet.

            ...

            Der Pickel und diese Alusteigeisen (was für ein Wort) machen in den steilen Schneeflanken des Blátindur Sinn, aber nicht auf den flachen Gletschernloben.
            Sprich, bei Touren in unterschiedliches Gelände am besten *mehrere* Steigeisen, Pickel, etc. mitschleppen. (Oder was?)

            Wird dann zwar 'ne Nervtour, aber wenigstens "sicher". Also *ich* liebe ja (in Maßen) "unsichere" Touren... (Ihr wisst schon: Klettersteig ohne Klettersteigset, sowas halt. Unfälle passieren sowieso meist da, wo man's nicht erwartet.)

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            • Hapi
              Erfahren
              • 22.09.2015
              • 426

              • Meine Reisen

              #46
              AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

              Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
              ....was für ein feines Plätzchen

              Danke für den spannenden Bericht und die tollen Bilder!
              Look deep into nature and you will understand everything better (A. Einstein)

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              • evernorth
                Fuchs
                • 22.08.2010
                • 1514

                • Meine Reisen

                #47
                AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

                Zitat von Dieter Beitrag anzeigen
                Hallo

                mapper2 schrieb:

                419 g sind für Steigeisen natürlich toll. Aber vielleicht sollte man auch lesen, wie der Hersteller diese Teile spezifiziert und vor allem für welchen Anwendungsbereich:

                "Die sehr leichten, aus Aluminium gefertigten LEOPARD FL-Steigeisen sind für Zustiege auf Schneefeldern konzipiert."
                https://www.petzl.com/DE/de/Sport/Steigeisen/LEOPARD-FL

                Diese "Steigeisen" sind für Schneefelder nicht für aperes und hartes Eis gebaut! Für lange Querungen von Eisflächen, wie sie typisch sind für die Randbereiche der isländischen Gletscherschilde, sind sie denkbar ungeeignet. Durch die Verwendung von leichtem Alu ist der Materialbruch vorprogranmmiert (siehe bei berniehh auf dem selben Gletscher?). Die Frontzacken sind auf diesem Terrain sinnlos und die Vertikalzacken lassen einen wie auf Stelzen gehen.

                Der Pickel und diese Alusteigeisen (was für ein Wort) machen in den steilen Schneeflanken des Blátindur Sinn, aber nicht auf den flachen Gletschernloben. Dichte Felder von Ablationskegeln, wie im sog. "Black Forrest", sind auf den Eisstrom des Skeiðarárjökull beschränkt und dort ist nicht Eisklettern angesagt, sondern eine Routenwahl, welche dieses jedes Jahr weiter nach Süden wandernde Hindernis umgeht.

                Dieter
                Zunächst vielen Dank an alle für ihre Kommentare.

                Lieber Dieter,

                ich sehe das - erwartungsgemäß - etwas anders.
                Du magst schon das Wort nicht: Alusteigeisen. Wie wäre es mit " Steigeisen aus Aluminium ” ( sie sind aber doch aus Alu )?
                Steigeisen und Pickel wurden für die Traverse über den Skeiðarárjökull angeschafft. Beides sollte mir auch auf dem Síðujökull genügen ( auch wenn ich sie da weniger benötigte, wie ich ja auch schrieb ). Wie lange warst du nicht mehr auf dem Skeiðarárjökull? Es mag - nach wie vor - einen glücklichen Durchschlupf durch den Black Forest geben, für sehr wahrscheinlich halte ich ihn nicht. Jedenfalls nicht in weniger als 12 Stunden, sondern eher in deutlich mehr Stunden. Wer allerdings - wie wir 2016 - in die geschlossenen Reihen aus schwarzem Eis gerät, der kann mit einer leichten Eisausrüstung vielleicht trotzdem eine erfolgreiche Querung realisieren.
                Einmal an den Füßen haben die Petzl Leopard sehr gut funktioniert. Ich fühlte mich keineswegs " wie auf Stelzen ". Auch kann ich dir bei deiner Meinung nicht folgen, dass bei der Verwendung dieser Steigeisen
                " der Materialbruch bereits vorprogrammiert ist ". Was soll bei den Leopard brechen? Sie tragen sich sehr angenehm und sind extra flexibel konstruiert. Einzig der Verschleiß der spitzen Zacken geht insbesondere auf hartem Eis schneller vonstatten. Die Passage über den Síðujökull hätten sie aber locker überstanden, ohne besonders abzustumpfen.
                Berniehh´s Steigeisen ist meines Wissens am Steg gebrochen. Der Steg der Petzl Leopard ist flexibel aus Nylonkordel und kann deshalb nicht brechen ( wohl aber mit der Zeit durchscheuern, was aber leicht durch Mitführen von entsprechender
                Kordel ausgetauscht werden kann ).
                Zuletzt geändert von evernorth; 20.12.2017, 01:54.
                My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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                • elch33
                  Anfänger im Forum
                  • 15.01.2007
                  • 25

                  • Meine Reisen

                  #48
                  AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

                  Servus,
                  ich bin dieses Jahr von der Laki aus Richtung Skaftafell gewandert. Also vom Grænalón aus über den Skeiðarárjökull. Wobei ich fröhlich in die Zone der schwarzen Schotterkegel gelaufen bin. Sagen wir es mal so, machbar war es, empfehlen würde ich es nicht. Es war verdammt nervig, aber das war die Spaltenzone vor und hinter der Schotterzone auch. Ich habe es in einem Tag geschaft. Aber was sagt das schon? Bischen weiter rechts und nichts geht mehr. Bischen weiter links und du weist gar nicht warum die Leute das für eine harte Passage halten.
                  Zur wahl der Steigeisen, ich habe von Petzl die Irvis Hybrid dabei gehabt. Auch ich sehe es so das Alu Steigeisen schneller verschleißen, bei einer Gletscherpassage sollte das ja wohl kein Problem sein. Bei mir war die Kordel das Problem, nach drei Kilometern war sie durchgetreten. Das fand ich ziemlich eindrucksvoll. Ich denke, mit einer Aussparrung in den Eisen wäre es nicht passiert. So viel Reservekordel würde ich nicht mitnehmen. Bei nagelneuen Steigeisen und gerade mal 12 km Gletscher hatte ich gar keine mit.
                  Aber auch Petzl hat mir auf meine Beschwerde geantwortet das ich ich die Steigeisen nicht Artgerecht eingesetzt habe. Sie sind nur als Zustiegseisen für Schnee gedacht. Dumm, sie habe ja recht, aber was mache ich bei meiner nächsten Winterwanderung, wo ich sie als Sicherheit mitnehmen wollte. Ich habe NNN-BC Schuhe an, ich ziehe eine Pulka. Das alles kommt in der Produktbeschreibung nicht vor.
                  Gruß Elch

                  Kommentar


                  • evernorth
                    Fuchs
                    • 22.08.2010
                    • 1514

                    • Meine Reisen

                    #49
                    AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

                    Ahoi elch33,

                    das ist natürlich sehr interessant für mich, da du wohl der erste bist, der die Passage wieder erfolgreich queren konnte.
                    Wie lange hast du dafür in Stunden benötigt und musstest du auch einmal steile Passagen überklettern? Es gibt ja wohl niemanden, der da einfach problemlos so durchmaschiert ist und ich höre auch bei dir heraus, dass dich die Querung auch zumindest " sehr gefordert " hat.
                    Würdest du das Ganze noch einmal wiederholen, oder bist du nun " bedient " ? Wie war der sonstige Weg? Bist du, wie Dieter damals, ebenfalls über den Síðujökull gegangen. Wenn ja, wie hast du die dortigen Eisverhältnisse empfunden? Hat dich dein Weg auch an der Guðlaug vorbeigeführt?
                    Ein ( kleiner? ) Bericht wäre sicher ganz interessant.
                    Das ist ja wirklich ärgerlich, dass dir die Kordel schon auf der kurzen? Gletscher - Passage durchgescheuert ist.
                    My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

                    Kommentar


                    • elch33
                      Anfänger im Forum
                      • 15.01.2007
                      • 25

                      • Meine Reisen

                      #50
                      AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

                      Hallo,
                      naja es werden noch andere den Weg gemacht haben. Ist immer einer Frage ob man die Berichte findet.
                      Von Zelt zu Zelt war ich 10 h unterwegs, davon 7 1/2 auf dem Gletscher. Ich mußte nichts überklettern, nur eben über X Gletscherspalten hüpfen. Bei zweien war der Hüpf nicht so gut. Bei den Stürzen habe ich mir gut die Hände ramponiert.
                      Ich hätte auf dem Gletscher nicht zelten wollen, mir war das Eis zu scharfkantig, ich hatte die Angst das es mir den Zeltboden zerschneidet.
                      Ich bin über den Síðujökull gelaufen um die ganzen Furten zu umgehen. Die Verhältnisse, die ich dort vorgefunden habe waren einfacher als beim Skeiðarárjökull.
                      Ob ich die Tour noch mal machen würde? Sie hat ihren Reiz aber auch ihre Schärfen. Das sie sich jetzt als Pfad in einer Karte wiederfindet halte ich für einen leicht morbiden Scherz. Ich würde sie niemanden empfehlen.
                      Ich bin fast an der ersten großen Furt gescheitert, da der Wasserdruck immens war. An der Stelle durch die ich durch bin, ging mir das Wasser immer noch bis zur Unterhose. Dann im Schmodder vor dem Gletscher versunken. Wieder Furten bei denen man nicht weis ob man durch sie durchkommt. Und die Passage über den Skeiðarárjökull mit seinen Spaltenzonen. Was einfach Stunden gekostet hat durch dieses Labyrinth zu kommen.
                      Gruß Elch

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                      • Killer
                        Dauerbesucher
                        • 07.11.2006
                        • 806

                        • Meine Reisen

                        #51
                        AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

                        Ein Notbiwak mit Biwaksack oder Windsack errichten wäre wahrscheinlich nicht möglich gewesen?
                        Suche Freiwillige für gefährliche Reise. Niedriger Lohn, bittere Kälte, lange Stunden in vollständiger Finsternis garantiert. Rückkehr ungewiss. Ehre und Anerkennung im Fall des Erfolges.

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                        • Dieter

                          Dauerbesucher
                          • 26.05.2002
                          • 524

                          • Meine Reisen

                          #52
                          AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

                          Hallo evernorth,

                          hier gibt es einen sehr aufschlussreichen Bericht über eine Querung des Skeiðarárjökull und des Siðujökull von 2017:
                          http://fabienmaussion.info/2017/09/17/iceland-trek/

                          Sie begannen die Querung des allerdings erst gegen 1 Uhr Mittags, so hatten sie keine Chance die Querung an einem Tag zu machen.

                          Fabien hat auch meine Route von 2006 in einer Karte zum Vergleich eingetragen. Meine Rote von 2012 verlief im Bereich der Ablationskegelfelder etwa 500 bis 1000 m weiter südlich.

                          Wünsche Euch schöne Weihnachtstage,

                          Dieter

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                          • evernorth
                            Fuchs
                            • 22.08.2010
                            • 1514

                            • Meine Reisen

                            #53
                            AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

                            Zitat von Dieter Beitrag anzeigen
                            Hallo evernorth,

                            hier gibt es einen sehr aufschlussreichen Bericht über eine Querung des Skeiðarárjökull und des Siðujökull von 2017:
                            http://fabienmaussion.info/2017/09/17/iceland-trek/

                            Sie begannen die Querung des allerdings erst gegen 1 Uhr Mittags, so hatten sie keine Chance die Querung an einem Tag zu machen.

                            Fabien hat auch meine Route von 2006 in einer Karte zum Vergleich eingetragen. Meine Rote von 2012 verlief im Bereich der Ablationskegelfelder etwa 500 bis 1000 m weiter südlich.

                            Wünsche Euch schöne Weihnachtstage,

                            Dieter
                            Hallo Dieter,

                            schöne Weihnachten und vielen Dank für diesen gut geschriebenen und sehr interessanten Bericht.

                            Im Großen und Ganzen bestätigt er meine Sichtweise bzgl. der Traverse des Skeiðarárjökull: Es ist möglich ( sogar ohne besonderes Eis - Equipment ), aber wenn man hinterher noch " alle Tassen im Schrank " haben will, lässt man es ( vielleicht? ) besser bleiben.
                            Alleine die sehr plastische und dramatische Schilderung der Passage bestärkt mich geradezu in der Richtigkeit meiner Entscheidung, den Skeiðarárjökull nicht gequert zu haben. Die mentale Belastung ist exorbitant und im Laufe der Jahre noch erheblich größer geworden. " Nerven wie Drahtseile " sind noch die die Mindest - Voraussetzungen....
                            Deshalb möchte ich es auch nicht empfehlen.
                            My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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                            • evernorth
                              Fuchs
                              • 22.08.2010
                              • 1514

                              • Meine Reisen

                              #54
                              AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

                              Notruf und danach….

                              27. / 28.07.17

                              Wie fühlt es sich an, so unmittelbar nach dem Drücken des SOS - Kopfes und im Angesicht des beutelnden, eiskalten Sturms? Zunächst fühle ich tiefe Enttäuschung und so etwas wie „ den weiteren Dingen ” ausgeliefert sein. Ungläubig schaue ich auf das Display des Delorme - Geräts: Da passiert erst einmal gar nichts. Keine Antwort für Minuten, keine Ermutigungen, oder Durchhalte - Parolen. Auch ertönt keine Musik, keine Lieder in der Endlos - Schleife wie etwa: I will survive, we shall overcome oder Ryder's on the storm. Da hätte ich schon mehr erwartet.
                              Ich fühle mich eher wie Frodo „ Beutlin ” im Sturm - ganz ohne Ring - da piepst das Delorme doch tatsächlich und sogar im Wind - Getöse deutlich hörbar.
                              „ Was ist passiert ”, also auf Deutsch, will die Zentrale in den USA wissen. Nun ist es mir nicht möglich, umgehend zu antworten, denn das für die Texte zuständige smartphone ist auch nur bequem aus dem Zelt heraus zu benutzen. Ich bin also auf die Tastatur des Delorme direkt angewiesen. Das gestaltet sich unter diesen Bedingungen extrem mühsam und zeitaufwändig. In die Bedienung muss ich mich jetzt erst einmal wieder „ einfuchsen ”, das Gerät ist quasi auf dem bedien - technischen Stand der 90 ger Jahre! Die Buchstaben, Zahlen und Zeichen müssen horizontal und vertikal mit einem Cursor angesteuert und per Tastendruck bestätigt werden - die Älteren unter euch werden sich noch erinnern. Das macht unter diesen äußeren Bedingungen ausgesprochen viel Laune, und dauert so eine gefühlte Ewigkeit, bis meine gefühllosen und klammen Finger meinen Halbsatz endlich eingetippt haben - wohl gemerkt - dabei heftig im Sturm hin- und her schwankend: „ Kann Zelt im Sturm nicht aufbauen - brauche Hilfe. ” Noch vor dem Abschicken kommt mir der Satz schon wieder fragwürdig vor, doch mit einem beherzten Tastendruck schicke ich ihn per Satelit in die USA. Die Antwort folgt bereits nach kurzer Zeit: „ Irgendwelche Verletzungen? ” Ich verneine umgehend. Geht diesmal sogar ohne „ Vertipper ”.
                              Dann piepst es noch einmal: „ Wie viele Personen sind betroffen? ” Ich antworte, dass ich alleine bin. Nach ein paar Minuten kommt dann die Antwort, dass die ortsansässigen Rettungskräfte benachrichtigt sind. Zu gerne möchte ich nun noch von der Zentrale erfahren, auf was für eine „ ungefähre ” Wartezeit ich mich einrichten muss. Nach dem Abschicken meiner Frage warte ich vergeblich auf eine Antwort. Da kommt nichts. Die Zentrale weiss es nicht, denke ich, und sie werden bei Landsborg.is wohl nicht extra nachfragen. Die wissen es vielleicht selber nicht. Ich überlege, wie eine Rettung / Bergung wohl ablaufen könnte. Eine schnelle Lösung per Helikopter fällt sicher flach. Bei dem Sturm kann der Heli weder starten noch landen. Es bleiben wohl nur noch zwei Optionen: Entweder von der Ringstraße zu Fuß, oder über das Eis.
                              Mein Weg von der Ringstraße hat schon fast 2 Tage gedauert. Sehr deprimierende Option.
                              Über das Eis, ja aber: Von wo und wie / womit? Ich weiss zum jetzigen Zeitpunkt nicht, wo sich die Einsatz - Zentrale im Südosten befindet. In jedem Fall wird es wohl länger dauern, denke ich.
                              Das deprimiert mich noch mehr.
                              Umgehend spüre ich wieder die Kälte, die mir jetzt zunehmend unter die Haut fährt. Ein Kälteschauer nach dem anderen fährt mir über den Rücken und die nassen Füße und klammen Hände melden auch vermehrte Anzeichen von Gefühllosigkeit. Geschätzte zwei Kilometer entfernt ragt ein Nunatak aus dem Eis. Da gäbe es bestimmt Windschutz, aber ich darf den Platz, an dem ich das Notsignal gesendet habe, nicht verlassen. Die „ Retter ” würden mich dann nicht mehr finden.
                              Ich muss mir was Anderes einfallen lassen, um zumindest zum Teil aus dem Wind zu kommen und mich auch vor weiterer Auskühlung zu schützen. Es ist trocken und regnet nicht. Wenn die Windböen kommen, werden Eiskristalle vom Gletscher herum gewirbelt.
                              Ich muss in den Schlafsack. An die Therm-A-Rest X-Therm komme ich leicht ran, denn sie ist seitlich am Rucksack befestigt. Schwieriger wird es mit dem Schlafsack. Er liegt ganz unten im Rucksack, genauso wie die Handschuhe, die ich jetzt auch gerne hätte. Von Außen komme ich da nicht ran - der Rucksack hat kein von außen zugängliches „ Schlafsack - Fach.
                              Damit nichts wegfliegt, packe ich zunächst die Matte aus und setze mich drauf. Dann packe ich nur einzelne, seitlich verpackte, wenige Teile aus dem Rucksack aus und sichere sie irgendwie vor dem Wegfliegen, teilweise ebenfalls durch „ draufsetzen ”. Dann zerre ich langsam und sehr vorsichtig den „ willigen ” und „ nachgiebigen ” Daunenschlafsack ebenfalls seitlich heraus.
                              „ Puh, Glück gehabt - nichts weggeflogen ”. Teile kommen wieder in den Rucksack und selbiger dient mir danach als notdürftiger „ Windschutz ”, indem ich ihn vor meinen ( später liegenden ) Kopf platziere. Dann gleich in den Schlafsack hinein und aufpassen, dass der Transportbeutel nicht wegfliegt: Geschafft! Nun noch den Reisser schließen, die Kapuze zuziehen und - kaum zu glauben - fühlt sich umgehend gleich wärmer an.

                              Ich schaue hinauf zum Himmel in die immer noch roten Sturmwolken. Gespenstisch jagt der Sturm, ohne die Wolken zu bewegen. Wie ist das möglich?
                              Während sich meine Gedanken noch mit dieser und der Frage beschäftigen, wie lange ich hier wohl liegen werde, fallen meine Augen zu. Das geschieht einfach so. Dagegen bin ich machtlos.





                              - to be continued / noch heute! -
                              My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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                              • Pielinen
                                Fuchs
                                • 29.08.2009
                                • 1293

                                • Meine Reisen

                                #55
                                AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

                                Kein Biwaksack dabei gehabt?
                                Es gibt doch diese ganz leichten Notbiwacksäcke
                                (z.B. Mountain Equipment Ultralite BiviW)
                                Passt gut in die Deckeltasche.
                                Damit hätte man das ganze überstehen können.
                                Wer nichts weiß muss alles glauben...

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                                • rhw59
                                  Gerne im Forum
                                  • 17.10.2014
                                  • 61

                                  • Meine Reisen

                                  #56
                                  AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

                                  Das wichtigste fehlt in diesem Bericht: der uneingeschränkte Dank an die isländischen Rettungskräfte.
                                  Sie haben dir den Arsch gerettet, der du eine Menge Fehler gemacht hast, der du die Situation geradezu herausgefordert hast.

                                  Ich kaufe mir für teures Geld ein Gerät und dann habe ich Anspruch auf eine kostspielige Rettungsaktion, die auch für die Rettungskräfte ein gewisses Risiko, auf jeden Fall aber einen harten Arbeitstag bedeutet ? Sind die örtlichen Rettungskräfte wirklich verantwortlich für unangepasste Alleingänge dieser Art. Wo wird deren Einsatz hier gewürdigt und wo kämen wir hin, wenn jeder eine solchen Anspruch auf komplexe Hilfe für seine Urlaubserlebnisse beansprucht ?
                                  Wie kann man hier noch über Material und Ausrüstung diskutieren ?

                                  Stattdessen gibt es einen schön mit Fotos dokumentierten "Abenteuer-"Bericht, diese Art Abenteuer entsteht aber nur durch Mangel an Vernunft und gesundem Menschenverstand (mangelnde Erfahrung will ich hier eher nicht unterstellen) oder durch die Unfähigkeit einen mehr oder weniger guten Plan abzubrechen, weil man nicht aufgeben will, weil man sich etwas beweisen will, vor allem aber weil man ein Gerät hat, von dem man erwartet, dass es einen dort wieder herausholt, wo man sich in die Patsche gesetzt hat.

                                  Ich freue mich ehrlich, dass Du unbeschadet aus der Sache herausgekommen bist, das will ich noch mal ganz klar sagen, aber die Art wie darüber aber berichtet wird, ist für mich einfach nur indiskutabel. Ich staune auch, dass bislang noch sonst niemand das angesprochen hat.
                                  C'est pas l'homme qui prend la Corse, c'est la Corse qui prend l'homme.
                                  www.villa-liamone.com

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                                  • walnut
                                    Dauerbesucher
                                    • 01.04.2014
                                    • 762

                                    • Meine Reisen

                                    #57
                                    AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

                                    Einen von den ME Folienbiwacksäcken dabei haben oder einfach in die Zeltplane einwickeln, ich weiß von außen ist immer leicht reden, aber irgendwie kommt mir das Ganze unnötig vor.
                                    Danke trotz Kritik für den spannenden Bericht.

                                    Kommentar


                                    • Hexemer
                                      Erfahren
                                      • 17.01.2010
                                      • 278

                                      • Meine Reisen

                                      #58
                                      AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

                                      Zitat von rhw59 Beitrag anzeigen
                                      Das wichtigste fehlt in diesem Bericht: der uneingeschränkte Dank an die isländischen Rettungskräfte.
                                      ....
                                      Ich freue mich ehrlich, dass Du unbeschadet aus der Sache herausgekommen bist, das will ich noch mal ganz klar sagen, aber die Art wie darüber aber berichtet wird, ist für mich einfach nur indiskutabel. Ich staune auch, dass bislang noch sonst niemand das angesprochen hat.
                                      Mal langsam, der Bericht ist doch ganz offensichtlich noch nicht zu Ende geschrieben!!
                                      Für die meisten Leser hier ist die Schilderung für zukünftige Touren hilfreich und ein guter Erfahrungsaustausch.

                                      Kommentar


                                      • Katun
                                        Fuchs
                                        • 16.07.2013
                                        • 1550

                                        • Meine Reisen

                                        #59
                                        AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

                                        Rhw, eine Diskussion oder Kritik des “Eigentlichen“ fehlt, weil das in diesem Forum nicht erwünscht ist – man könnte die Helden vergraulen und außerdem zerstört es doch den Reisebericht... Die meisten oder: Übriggebliebenen wissen das inzwischen und sparen sich das daher. OT

                                        Kommentar


                                        • Pielinen
                                          Fuchs
                                          • 29.08.2009
                                          • 1293

                                          • Meine Reisen

                                          #60
                                          AW: [IS] ISLAND Solo 2017 - Notruf auf dem Síðujökull

                                          Zitat von Katun Beitrag anzeigen
                                          Rhw, eine Diskussion oder Kritik des “Eigentlichen“ fehlt, weil das in diesem Forum nicht erwünscht ist – man könnte die Helden vergraulen und außerdem zerstört es doch den Reisebericht... Die meisten oder: Übriggebliebenen wissen das inzwischen und sparen sich das daher. OT
                                          Das nennt man „Benehmen“ und „freundlichen Umgangston“, neudeutsch „ Netztetiquette“

                                          Das ist immer noch ein Reisebericht und die Rettungsfrage einen eigenen Faden wert.
                                          Wer nichts weiß muss alles glauben...

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