[NO] Gibt es Fjorde in Tschechien?

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  • welzijn
    Gerne im Forum
    • 23.08.2010
    • 55

    • Meine Reisen

    [NO] Gibt es Fjorde in Tschechien?

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    Land: Norwegen
    Reisezeit: Juli 2014
    Region: Nordeuropa


    Ja, Tschechien sollte es werden! Über Görlitz und Polen ins Riesengebirge und von dort entlang der polnisch-tschechischen Grenze weiter zurück ins Erzgebirge. So die Idee. Es sollte halt nicht viel kosten.

    Ganz zufrieden war ich mit der Idee aber doch nicht. Ins touristische Zentrum der dortigen Region? Menschenmassen? Was wäre denn, wenn ich nicht doch einen dieser billigen Flüge nach Skandinavien bekäme? Nach einiger Recherche traute ich meinen Augen nicht: Der Kranich wollte mich doch für unter 100 Euro von Frankfurt nach Stavanger bringen und das auch noch inklusive ICE-Anreise zum Flughafen. Und auch noch zurück.

    Fix gebucht und schon stand das nächste Trekkingziel für mich fest: irgendwas rund um den Lysefjord. Dass der Lysefjord auch einige touristische Megaziele aufbietet, merkte ich erst nach dem Buchen. Doch man kann die Route ohne weiteres so planen, dass man dort in keinster Weise vorbeikommt.



    Blick Richtung Årdal



    1. Trekkingtag: Frankfurt-Stavanger- unterhalb vom Himleknuten


    Kurz nach 18 Uhr landet mein Flieger bei strahlendem Sonnenschein und norwegischer Hitzewelle in Stavanger-Sola. Rein in den Flughafenexpressbus ins Zentrum. Überall Menschen, die im Meer baden und auch mir wird heiß, dabei meinten meine norwegischen Nachbarn im Vorhinein noch ich bräuchte eine Regenhose und es könnte tagelang durchregnen.

    Am Fiskepieren, dem Fährknotenpunkt Stavangers, steige ich aus und mache mich an den obligatorischen Spirituseinkauf. So bekomme ich einen ersten Eindruck Stavangers. Hier scheint es sehr relaxt zuzugehen: Jugendliche beim Skateboarden, Menschen beim Sonnen, Autos halten allesamt vor dem Zebrastreifen, wenn ich komme. Nachdem ich für den stolzen Preis von umgerechnet 8 Euro Spiritus bei Statoil erstanden habe, geht es den ganzen Weg wieder zurück zum Fiskepieren.
    Vor der Fähre nach Tau spreche ich die wartenden Autofahrer an, ob mich jemand Richtung Årdal mitnehmen kann. Ein in Norwegen lebender Franzoseist so freundlich. Um 21 Uhr lässt er mich an der Abzweigung nach Tveit raus. Für gut zwei Kilometer folge ich nun der kleinen Fahrstraße entlang putziger Sommerhäuser und Bauernhöfe. Bei Kaltveit verlasse ich die Straße und wandere durch Schafwiesen ein Stück an der Storåna entlang.



    Storåna


    Superwetter, der Schweiß läuft in Strömen, Bremsen und Fliegen umschwirren mich, das kann meine gute Laune aber nicht trüben. Endlich liegen wieder ein paar Trekkingtage vor mir und diesmal in Norwegen, wo ich bisher noch nicht war.





    Um recht einfach an Höhe zu gewinnen entscheide ich mich nicht den in meiner Turkart verzeichneten Pfad zur Høgehei zu nehmen, sondern einen Wirtschaftsweg, der mich in mehreren Kehren unter den Himleknuten bringen soll. Gegen 23 Uhr bin ich auf 300 hm am Ende des Weges angekommen. Er hört einfach auf. Ich bin aber auch fertig und nur noch froh mein Zelt aufspannen zu können. Der erste Tag hat optimal geklappt. Ankommen und direkt loswandern können. So sollte es sein.









    2. Trekkingtag: bis unterhalb des Båturda am Lyngsvatnet



    Blick auf Igland


    Morgens empfängt mich ein strahlend blauer Himmel. Gutgelaunt mache ich mir ein Müsli. Beim Packen stelle ich fest, dass ich meine Basecap gestern am Fluss beim Wasserholen verloren habe. So muss nun mein Buff als Sonnenschutz herhalten. Das Packen fällt mir recht schwer, ich merke, dass ich mich wieder einspielen muss. Außerdem ist schon später Vormittag. Da der Wirtschaftsweg zuende ist, peile ich nun den nach oben führenden Pfad an und gehe querfeldein. Das mache ich immer gern, doch heute morgen, fluche ich doch vor mich hin. Es geht bei einer Affenhitze steil durch kratzige Minikiefern bergan. Die zerkratzen mir meine Waden, denn angesichts des Wetters hatte ich mich für meine kurze Trekkingvariante entschieden. Zusätzlich laben sich die Bremsen an mir.




    Unterm Himleknuten



    Doch nach rund einer halben Stunde entdecke ich den Pfad nach oben. Der erspart mir zumindest die kratzigen Kiefern. Beim Aufstieg folgt mir ein Mutterschaf mit zwei Lämmern. Mehrmals lasse ich sie herankommen, doch sie trauen sich nicht an mir vorbei zu ziehen. Bei 500 hm erreiche ich hier die Baumgrenze und langsam eröffnet sich die Fjelllandschaft. Getrübt wird der Eindruck durch die Landwirtschaft, die einige Felder auf der Høgehei bestellt. Dort treffe ich ein Ausflüglerpärchen, das mich angesichts des "tollen Sommertages" beglückwünscht. Stimmt, ich schwitze wie Sau und pfeife aus dem letzten Loch!











    Blick Richtung Nordstollia


    Um den Lakkaknuten ziehen sich einige Pfade und so biege ich zu weit ab und muss nach dem Furten zu meinem Ärger noch rund 1,5 km auf einem Fahrweg zum Breidavadet zurücklaufen.



    Lyngsana


    Von dort wollte ich den Großteil der Zivilisation hinter mir lassen und mehrere Tage in der Wildnis verbringen. ("Wildnis" gab es aber dort nicht, später mehr dazu.) Nach einigem Gesuche finde ich den eingezeichneten Pfad zum Lyngsvatnet. Beim Ferienhaus auf 585 hm wurde der Pfad umgelegt. Nach kurzem Zögern folge ich dem neuen Pfad. Dieser führt steil hoch zum Svartavatnet auf 711 hm. Ein wunderschöner See, dessen klares kühles Wasser mich wieder zu Kräften kommen lässt. Nach einem Erfrischungsbad geht es weiter zum Lyngsvatnet.






    Svartavatnet






    Der Pfad teilt sich jedoch und unschlüssig wähle ich den Pfad bergan. Hinter einer Kuppe führt er jedoch wieder hinunter ins Tal. So schlage ich mich auf gleicher Höhe bleibend weiter durch und sehe in der Ferne Regenwolken aufziehen. Es beginnt zu tröpfeln. Bei einer Pause esse ich geschmolzene Schokoriegel und beschließe, wenn es zu regnen beginnt, mein Zelt aufzuschlagen. Soweit kommt es aber nicht. Als ich das Lyngsvatnet, einen riesengroßen Stausee, sehe, komme ich auch wieder auf den Pfad. Das Lyngsvatnet ist zwar aufgrund seines durch Niedrigwasser entstandenen weißen Steinrandes schön anzuschauen, aber Teil des Elektrizitätswerkes in Lysebotn und im Grunde genommen Zeichen einer zerschundenen durch den Menschen gebändigten Landschaft.



    Lyngsvatnet





    Unterhalb des Båturda kann ich nicht mehr und schlage mein Pasch direkt am Pfad auf. Ich bin selbst zu müde, um mir 200 m weiter frisches Wasser vom Bach zu holen. Heute war es nur Quälerei, die Hitze, die steilen Anstiege, verletzungsbedingt keine optimale Vorbereitung. Ich habe das Gefühl, dass ich ein Drittel wandere und zwei Drittel pausieren muss.



    3. Trekkingtag: bis zum kleinen See östlich des Maraknuten oberhalb des Musdalen


    Richtig dunkel wird es hier in der Nacht nicht, nur dunkel dämmrig. Das wundert mich, denn ich bin nur rund 800 km nördlich meiner Heimat. Wieder bei strahlendem Sonnenschein gegen 7 aufgewacht. Da ich kein Wasser mehr habe, ohne Frühstück los. Gleich nach 200 m gibt es im Anstieg einen Bach aus Schmelzwasser. Dort fülle ich meine Vorräte auf und treibe Körperpflege. Über der Schneefläche springt ein Lemming hin und her.



    Danach geht es wieder runter zum Ufer des Stausees. Dort frühstücke ich, während auf der anderen Seeseite ein Motorboot vorüber rauscht. Sonst sehe ich keine Menschen heute, obwohl der Pfad gut mit Steinmännchen markiert ist und regelmäßig begangen zu sein scheint. Ich gehe an den unbewohnten Sommerhäuschen von Lyngstrand vorbei Richtung Evardalen.





    Am Ufer


    Auch heute ist es wieder heiß und jede Steigung zeigt mir meine mangelnde Kondition. Am Talende, der Evardalstjørna genieße ich den Ausblick auf einen kreisrunden See und einen großen Wasserfall. In der prallen Sonne liegend mache ich eine Stunde ein kleines Nickerchen. Danach raffe ich mich wieder auf und beginne im Schneckentempo den Aufstieg auf 1000 hm durchs Trangedalen, um so aufs Hallahorten zu gelangen.



    Evardalen See 767



    Trangedalen


    Trangedalen, Blick zurück zum Lyngsvatnet


    Am Ende des Trangedalen angelangt, komme ich nicht wie geplant rechts am See 900 vorbei. Ich muss etwas zurück und über ein Schneefeld hoch. Oben auf der Anhöhe gibt es dann unerwarteterweise viele, zerstreut liegende Steinmännchen. Da diese entlang meiner geplanten Route weisen, folge ich ihnen. Hier oben hat es sich nun etwas zugezogen.



    See 900


    Tjørnakilane und Heftetjørna


    Es ist nicht mehr so heiß und ich fühle mich fitter. Ich schaue zum See unterhalb des Maraknuten und vermute, dass sich der Anstieg dort doch machen lässt - zuhause am Rechner hatte ich eine alternative Route geplant, um diesen Anstieg zu umgehen. So spare ich mir nun 1 km Umweg. Der See endet allerdings an einer Steilwand, doch der Steinmännchenpfad lotst mich an einem Abhang südlich vorbei. So komme ich nun auf 1000 hm. Für Wasser muss ich allerdings nochmal zum See 966 runter. Eigentlich wollte ich östlich des Hallet auf das Hallahorten-Plateau, doch scheint mir dies nun zu anstrengend zu sein. Ich beschließe nördlich um den Hallet herumzugehen und so den Ausblick ins rund 500 Meter tiefer liegende Musdalen zu genießen. An einem kleinen See zwischen Maraknuten und Hallet baue ich mein Zelt auf und genieße die Abendstimmung.



    See 966





    Blick aufs Heftefjellet



    Musdalen









    kleiner See beim Maraknuten
    Zuletzt geändert von welzijn; 31.08.2014, 12:35. Grund: Reisemerkmale hinzugefügt

  • Mika Hautamaeki
    Alter Hase
    • 30.05.2007
    • 3945

    • Meine Reisen

    #2
    AW: [NO] Gibt es Fjorde in Tschechien?

    Hui schöne Bilder, als ich 2006 da war, wollte ich auch noch ne Runde dort drehen, aber die Zeit reichte leider nicht. Schön nun doch noch etwas mehr aus der Ecke zu sehen.
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

    Kommentar


    • Susanne
      Fuchs
      • 22.02.2002
      • 1627

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [NO] Gibt es Fjorde in Tschechien?

      Ich freue mich auch, was aus dieser Ecke zu sehen. Der Bericht und die Bilder machen Lust auf mehr. Bin schon sehr gespannt, wie's weitergeht.
      havet - Ölmalerei
      Blomstene på fjellet er formet som klokker og stjerner. Sagnet sier at det er fordi vidda ligger så nær himmelen. Pedder W. Cappelen

      Kommentar


      • welzijn
        Gerne im Forum
        • 23.08.2010
        • 55

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [NO] Gibt es Fjorde in Tschechien?


        4. Trekkingtag: bis zum Kleggjadalsvatnet



        Wieder geht es bei gutem Wetter los. An der Abbruchkante zwischen dem Hallet und dem Musdalen wandere ich Richtung Westen. Dort muss ich mir zwischen Felsterrassen den Weg suchen. Dafür habe ich allerdings einen tollen Ausblick ins Musdalen. Mir ist mulmig, wenn es dort rund 500 m steil runtergeht und ich weiß, dass mich manchmal nur ein Meter vom Abgrund trennt. Um weiter zu kommen, muss ich ein abschüssiges Schneefeld von ca. 30 Meter queren. Nach drei, vier Schritten ist es mir doch zu gefährlich, denn wenn ich ins Rutschen komme, war´s das. Ich kehre um, steige weiter auf und oberhalb über das Schneefeld hinweg. Kurz darauf mache ich an einem kleinen Schmelzwassersee Frühstückspause und fülle mein Wasser auf. Steinmännchen weisen mir dann den Weg auf das Hallahorten-Plateau. Von dort hat man ein Superpanorama auf die umliegenden Gipfel.


        Blick vom Hallet Richtung Breiavatnet






        Musdalen




        Blick vom Hallahorten-Plateau nach Norden


        Blick zum Breiavatnet


        Blick vom Hallahorten ins Stordalen







        Nachdem ich das Plateau nördlich gequert habe, steige ich über felsige Wiesen ins Stordalen ab. Bei zwei namenlosen Seen biege ich in ein weiteres namenloses Tal vor dem Kåsaknuden in Richtung des Stausees Breiavatnet ab. Zuerst muss ich noch eine kleine Steigung überwinden, bevor sich der Blick auf zwei unten liegende Seen eröffnet. Dort führt mich mein Weg aber nicht lang und ich traversiere über ein Schneefeld, um so ins rund 300 m entfernte Paralleltal zu kommen. Hier habe ich den freien Blick auf den Stausee und die Stromleitungen.


        Stordalen

        "Wildnisfeeling" kommt hier auf der Tour eh nicht auf. Dafür gibt es die Schafe, die Hütten, überall markierte Wege, den fast halbstündigen Lärm der überfliegenden Verkehrsflugzeuge und auch Wege dort, die man zuhause für eine vermeintliche "Weglosigkeit" geplant hatte. Nur Menschen trifft man kaum. Insgesamt habe ich viermal Menschen auf meiner Tour getroffen - und alles Norweger.

        Endlich kommt nun ein längerer Abstieg runter zum Breiavatnet und bei dem nun nicht mehr so heißen Wetter geht es mir auch konditionell besser. Beim Breiavatnet treffe ich auch wieder auf einen kleinen Fahrweg. Nach 200 Metern schaue ich mir Koppeln für die Schafe an und eine Informationstafel zum Stausee.



        Seen westlich des Folasprangknuten


        Abstieg nördlich des Kasaknuden


        Kaum gehe ich dort nach einer kurzen Rast in der Erwartung weiter nun zwei Kilometer Teerstraße laufen zu müssen, kommt ein Bulli der Stavanger Turistforening vorbei und hält an. Prompt frage ich die nette Fahrerin, ob sie mich bis zum Abzweig ins Kleggjadalen mitnehmen kann. Ja, kann sie. Denn genau dort will sie eine Wandertruppe aus Nilsebu abholen. Toll, so spare ich mir den langweiligen Fußweg entlang der Straße.

        Für rund 1,5, km folge ich nun dem offiziellen STF-Pfad, dann quere ich den aus dem Kleggjadalen kommenden Fluss und mache eine Pause. Ich entdecke Wanderer, die gerade aus dem Kleggjadalen kommend, vorbeigehen. Ich spreche sie an und frage nach, ob der auf meiner Wanderkarte eingezeichnete Weg gut zu finden sei und ob man oben am See gut campen könne. Es stellt sich heraus, dass es Schäfer mit ihren Jungs sind, die nach ihren Schafen oben im Tal sehen wollten. Der Weg sei gut zu finden und ich könne in ihrer Hütte schlafen, wenn ich wolle. Ja sie sind nett, diese Norweger .

        Jetzt muss ich erst einmal kräftig hinauf, zumindest laut eingezeichnetem Pfad auf der Karte. Doch der häufig begangene Pfad führt mich nicht so hoch, dafür aber direkt an der steil abfallenden Schlucht entlang und nach einer kleinen Kletterpartie in den sich eröffnenden Talkessel. Jetzt geht es einfach am Kleggjadalsvatnet entlang bis zu den zwei Hütten am Talende. Erst wollte ich noch ca. 300 m weiter gehen bis zu meinem angepeilten Ziel, dem See 920. Doch Komfort und die Gelegenheit mal so eine Hütte von Innen zu sehen, lassen mich zu dem Entschluss kommen in der Hütte zu übernachten.
        Ich steuere die Holzhütte an. Die andere Hütte, eine moderne Steinhütte, sieht mir nicht nach Schäferunterkunft aus. Ich habe recht. Drinnen trockne ich meine Sachen und stelle ein Radio auf Kurzwelle, um zu erfahren, wer das heutige WM-Endspiel D-ARG gewinnen wird. Als ich lese, raschelt es in einer Mülltüte und eine Maus kommt heraus. Nur widerwillig lässt sie sich von mir verjagen. Ich schaue sofort nach meinem Essen, das ich naiv einfach so auf den Boden gestellt hatte. Und ja, meine Nusstüte ist angeknabbert. Ich fülle um und hänge nun alle meine Sachen an Haken an den Deckenbalken auf. Die Maus hatte wohl schon auf einem kurzen Spaziergang von mir draußen geknabbert. Vor dem Endspiel gehe ich schlafen.


        hier muss ich weiter ins Kleggjadalen


        Blick zurück vom Kleggjadalen zum Breiavatnet


        am Kleggjadalsvatnet




        Blick zurück zum Kleggjadalsvatnet


        5. Trekkingtag: bis ins Kamsdalen



        Morgens gibt es erstmal einen Schauer, so dass ich ganz froh bin in der Hütte zu sein. Kurz nach 9 verabschieden sich die Regenwolken mit einem Regenbogen. Im Radio versuche ich das Spielergebnis herauszuhören, auf Kurzwelle empfange ich jedoch nur Mist - chinesisches Radio und Bibelfunk, auf UKW nur Norsk. Ich höre raus, dass Argentinien Weltmeister geworden ist . Gegen halbzehn geht es weiter. Gerade losgegangen sehe ich ein Pärchen, das zur Steinhütte geht und grüße kurz von einer Anhöhe. Wieder wunderbares Wetter mit Schäfchenwolken. Vorm See 927 biege ich rechts in ein enges Tal ab. Erst denke ich, dieses wird kaum begangen, doch Steinmännchen zeigen mir auch hier, dass ich am Rechner so geplant hatte, wie es wohl auch vor Ort die Leute tun.


        Auf dem Weg zum See 927


        hier bin ich den Einschnitt rechts lang




        Blick zurück Richtung Kleggjadalen





        namenloser See südlich von See 927


        See 927


        Blick Richtung Grafolana


        Kurz vor dem STF-Pfad zum Svartevatn mache ich eine Pause und genieße den Ausblick, denke mir aber auch, dass es hier schwieriger ist sich zu orientieren, in solch einer zerklüfteten Golfballlandschaft. Ich höre Stimmen von unten und sehe ein Pärchen Richtung Pfad wandern. Nach einem Abstieg treffe ich auf den markierten Pfad. Der ist aber nicht so markiert, wie ich es erwartet hatte. Ich ärgere mich, hatte ich mich doch darauf gefreut jetzt "locker" bzw. etwas leichter voran kommen zu können. Doch vonwegen, oft muss ich die verstreuten Zeichen suchen und die Richtung raten. Auch die Flussquerungen sind anders als erwartet, wo in Schweden Brücken waren, muss man in Norwegen "hier durch": auf weit auseinander liegende Felsen hüpfen und dann noch eine Steilstufe am Ufer erklimmen. Nur aufgrund meiner Größe komme ich öfters trockenen Fußes rüber.


        Grafolana




        See 1002


        Bein einer Pause treffe ich das Pärchen von vorhin wieder. Es sind die zwei aus dem Kleggjadalen. In der Hütte hatten sie nur Warmwasser gemacht. Es sind zwei norwegische Rentner. Da sie ebenfalls in Richtung Grautheller gehen, beschließen wir bis zum Svartevatn zusammen zu wandern. So treffen wir uns nicht mehr jede Stunde. Eine gute Entscheidung, vor allem für mich. Denn keine 200 Meter weiter suchen wir zu dritt den Weg und erst nach einiger Zeit finden wir über 50 hm weiter oben auf dem Kamm das nächste Wegzeichen. Ich wäre hier wohl zuerst in einer anderen Richtung weiter gegangen. Auch erzählen mir die beiden, dass Deutschland die Fussball-WM gewonnen hat.
        Die zwei Rentner ziehen mich ganz schön voran, denn Pausen gibt es ab jetzt eigentlich nicht. Als der angekündigte Regen einsetzt, gibt es Regenzeug und weiter geht´s. Der Weg schlängelt sich bis zum Svartevatn fast nur in eine Richtung, nämlich nach oben und dies teilweise in Sturzregen. Ich hätte sicher gekniffen und Pause gemacht bzw. mein Zelt aufgeschlagen. Doch die zwei müssen zur nächsten Hütte, denn sie haben kein Zelt.
        So laufen wir über zahlreiche Schneefelder und queren durch den Regen angeschwollene Flüsse, auch über Schneebrücken. Ich weiß nicht, ob ich das ohne die beiden einfach so mal eben gemacht hätte. Im Regen geht es dann steil zum Svartevatn runter. An der Wegkreuzung trennen sich unsere Wege. Ich möchte hier Richtung Lysebotn abkürzen und wandre weiter Richtung Kamsvatnet. Auch hier muss ich einen durch den Regen reißenden Fluss queren. Vor meinen Augen bricht eine Schneebrücke zusammen. Na toll, genau das sollte nicht passieren, wenn man keinen schweren Unfall haben möchte. Entweder rüber oder doch zurück! Eine Stelle scheint jedoch zu gehen. Ich muss bis zur Flussmitte und dann auf ein Schneebrett hüpfen. Mir ist wieder etwas mulmig, aber es geht. Gegen halb fünf habe ich den Talbuckel überwunden und kann das Kamsvatnet sehen.
        Ich finde eine passende Campstelle direkt am Weg, ziehe meine nassen Klamotten aus und wärme mich im Schlafsack. Das klappt alles in einer Regenpause.


        Kamsdalen


        Kamsdalen


        6. Trekkingtag: bis zum Indra Brudlitjorna


        Weiter Scheißwetter als ich aufwache: Nebel, Niesel, dann wieder stärkerer Regen. Ich lese, esse und warte ab. Um pünktlich in Lysebotn zu sein, möchte ich aber heute weiter. Mittags wird es etwas besser, der Nebel bzw. die Wolken sind etwas höher gezogen. Es geht nun vom Kamsdalen runter zum Kamsvatnet auf 865 hm, dann wieder rauf zum Midtkammen auf 1140 hm. Kräftemäßig kein Problem mehr. Aber schon unten am Kamsvatnet wird mir klar, was mich oben erwartet: ein Plateau im Nebel und das bei der teilweise schlechten Markierung. Beim Aufstieg ergeben sich schöne Blicke zurück ins Kamsdalen. Oben bin ich dann in Nebel und Niesel, eine Strecke von rund zwei Kilometer liegt vor mir. Anfangs komme ich gut voran, doch mehrmals stoße ich auf Schneefelder, die ich im Nebel queren muss. Nur, wenn man die andere Seite nicht sieht, ist es doch etwas schwierig, vor allem wenn man die Wegzeichen finden will. Es geht aber dann doch besser als erwartet.


        morgens gab es schlechtes Wetter


        jetzt ist es besser und man sieht das Kamsvatnet


        Aufstieg zum Midtkammen, Blick zurück ins Kamsdalen




        Kamsvatnet und Kamsdalen


        Aufstieg zum Midtkammen, gleich beginnt der Nebel



        Auf einmal lässt sich kein weiteres Wegzeichen mehr im Nebel finden. Gefühlte 20 Minuten versuche ich weitere Zeichen im Nebel zu finden und irre umher. (Zuerst habe ich aber einen Wegpunkt auf meinem GPS markiert.) Als ich nichts finde, gehe ich zum letzten Punkt zurück, mache eine Pause, esse einen Riegel, um wieder runter zu kommen. Hier oben zu bleiben wäre nicht gut, denn wer weiß, ob morgen das Wetter besser wäre. Ich studiere die Karte und setze mir mit dem GPS einen Kurs, der sich mit dem Weg schneiden sollte. So kommt es dann auch nach 2-300 Metern.

        Auf dem Weg nach unten wandre ich aus den Wolken raus. Es geht kurzzeitig wieder mit Kletterei über zwei abschüssige Schneefelder. Danach über einen schönen Steilhang mit viel Farn. Beim weiteren Abstieg rutsche ich auf dem durchnässten, matschigen Boden aus. Ich kann mich nicht mehr abfangen und schlage der Länge nach mit dem Gesicht auf einem Felsstück auf. Letztendlich habe ich noch Glück im Unglück und schlage mir nur einen Teil eines Schneidezahnes aus. Ich kontrolliere, ob ich noch andere Verletzungen habe, aber ich spüre nur kleine Zahnsplitter im Mund und einen gereizten Zahnnerv. Puh, das hätte auch anders ausgehen können. Nach 1-2 Minuten gehe ich weiter. Ich muss eh wieder runter.



        Abstieg vom Midtkammen


        Blick zum Vaulatjorna heimra



        Als ich nach insgesamt rund 6 Stunden den Indra Brudlitjorna im Regen erreiche, gibt es keine passende Campstelle, anders als anhand der Karte erhofft. Ich quere einen kleinen Wasserfall und sehe von dort aus genau die 3 m² , die ich brauche und schlage mein Zelt dort auf.


        7. Trekkingtag: bis zur Dalabu im Lysedalen


        Beim Aufwachen ist das Wetter unverändert schlecht: Regen, Niesel, Nebel. Ich kann kaum 30 Meter sehen. Ich bleibe im Zelt und warte. Doch es wird eher schlechter als besser. Übermorgen geht mein Flug und ich beginne mir Gedanken zu machen, wenn das Wetter so bleibt. Auch der Abstieg macht mir Sorgen. 800 hm Abstieg und laut Karte auch noch mit einem steilen Abstieg in einer Steilwand. Nach dem gestrigen Sturz bin ich etwas nervös und übervorsichtig, befürchte bei der Wegführung der Norweger in diesem Streckenabschnitt blanke, nasse, rutschige Felsbrocken direkt neben einem Abgrund. Nicht sehr produktiv, wenn man dann noch Zeitdruck hat und das Wetter saumäßig ist. Trotzdem beschließe ich so oder so gegen 14 Uhr aufzubrechen.
        Als ich dies gerade tue, klart es etwas auf und zwei Jungs kommen aus Lysebotn an mir vorbei. Sie sagen, dass der Abstieg steil und rutschig sei und ich rund 3,5 Stunden brauchen würde. Naja, los geht´s. Das Wetter wird immer besser und ich nehme mir vor, so weit wie möglich zugehen, da die beiden meinten, morgen würde es auch nicht besser sein. Erst am Freitag sei wieder Superwetter angesagt, da bin ich leider schon auf dem Rückflug.



        Flusslauf vorm See 831


        Zu Anfang rutsche ich zweimal auf flachen, glattgeschliffenen Granitfelsen aus, ohne dass etwas passiert - außer dass mein (Selbst-)Vertrauen für den Abstieg bzw. in die Stiefel weiter sinkt. Ich nehme mir vor noch vorsichtiger zu sein und meide jeden Felsen. Dies geht bis zu einer Stelle kurz vor einem See unterhalb des Jenafjells. Dort muss ich einen glattgeschliffenen Felsabhang ca. 10 hm hinunter. Er lässt sich nicht umgehen. Es ist steil und ich beschließe nach drei, vier Schritten und einem erneuten Ausrutscher herunterzurutschen. Das geht so gerade und ich lande im Gras. Meine Hose ist jetzt allerdings lädiert. Hauptsache unten, wenn es trocken gewesen wäre, wäre alles kein Problem gewesen.
        Nach dieser Stelle gibt es mehrere Kletterstellen über Felsblöcke hinweg. Das Wetter ist jetzt geradezu gut und meine Laune steigt. Es ist klar, dass ich jetzt ganz runter gehen werde. Nach dem namenlosen See ist der Abstieg nicht mehr so schwierig wie befürchtet. Ein schmaler Pfad über Wiesen und nachher durch Wald. Nichts von dem, was ich mir im Nebel ausgemalt hatte. Kurz vor Schluss der Wanderung kommt sogar die Sonne raus. Die nassen Stiefel zeigen jetzt Schwächen beim Abstieg: die Sohlen wellen sich, die Schäfte reiben die Waden wund und irgendwie knicken die Stiefel im Vorderfuß komisch ein. Auch meine Super-Techno-Socken (X-Socks) sind nach nur einer Wandertour hin, durchgescheuert.
        Bald bin ich auf der Straße und weiß, dass mein Zeitplan hält. Mit Schäfchenwolken steige ich zur STF-Hütte ab. Dort will ich den Wetterbericht studieren und checken, ob ich morgen passend zum Kjeragbolten kommen kann. Beides sieht jedoch nicht positiv aus. Das Wetter ist regnerisch angekündigt und der Transport per Sammeltaxi durch die STF hoch zum Øgardsstølen ist mir zu teuer. Trampen erscheint mir zu unsicher, denn eine Richtung runter oder gar hoch laufen, will ich nicht. Ich suche mir eine Campstelle hinter Lyse am Fluss und hänge noch in der untergehenden Sonne ab.



        Pfadende bei Tangen


        Lyse


        Camp im Lysedalen




        8. und 9. Tag: Rückreise durch den Lysefjord nach Stavanger


        Morgens lasse ich mir Zeit und gehe gegen Mittag für 165 NOK auf den Campingplatz in Lysebotn. Dieser ist recht spartanisch eingerichtet und voll mit Motorradfahrern, Wohnmobilen und Kjeragtagestouristen. Zum Duschen reicht es allerdings. Ich hänge den Tag bei mehreren Schauern im ausgedienten Public-Viewing-Zelt des Campingplatzes ab und genieße die Aussicht auf den Fjord.
        Am nächsten Morgen nehme ich die frühe Fähre nach Stavanger. Eine wunderbare Fahrt mit dem Katamaran bei Morgensonne und strahlen blauem Himmel durch die gegensätzliche Landschaft Südnorwegens. Ich mache unzählige Fotos.
        Abends lande ich wieder in Frankfurt. Alles in allem ein mit etwas über 250 Euro doch recht günstiger Norwegentrek für neun Tage.




        Lysefjord












        Florli








        Preikestolen von unten






        Fjordbrücke bei Giskalineset
        Zuletzt geändert von welzijn; 02.08.2014, 20:05. Grund: Bildunterschriften hinzugefügt

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