[UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

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  • Borderli
    Fuchs
    • 08.02.2009
    • 1705

    • Meine Reisen

    [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

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    ... von allem ein wenig!

    Coire Làir, mal wieder

    Der Urlaub beginnt dort, wo er im Mai endete: An der Achnashellach Station. Sogar das Wetter ist das gleiche, Dauerregen bei tief hängenden Wolken. Etwas wärmer ist es, und die Zahl der geflügelten Plagegeister ist größer. Aber sonst... Mein erster Gedanke ist „Welcome back to Scotland!“ - mit einem deutlich ironischen Unterton.

    Der Lokführer winkt zum Abschied, ich winke zurück, und dann stehe ich ganz alleine an diesem winzigen Bahnhof mitten im Nirgendwo. Nun denn, wenn ich schon mal hier bin, kann ich auch gleich losgehen. Eingepackt in mein Regenzeug mache ich mich an den Anstieg zum Coire Làir. Aussichten? Die gibt es heute nicht. Dafür viel Wasser von allen Seiten. Ab und zu ist es windstill, und dann sind die kleinen Blutsauger gleich da, auf der Suche nach einer Mahlzeit.


    Achnashellach von Borderli auf Flickr

    Anderthalb Stunden schleppe ich mich und den Rucksack dort hoch - wo zum Teufel ist meine Kondition geblieben?? Ist die etwa noch daheim? Im Geiste verordne ich mir nach der Rückkehr wieder regelmäßige Besuche im Sportstudio.

    Oben angekommen, weht der ersehnte Wind, das beste Mittel gegen die Midges. Im Shelter mache ich eine kurze Pause. Während dieser Pause wird aus dem leichten Dauerregen ein starker Dauerregen. Na klasse, denke ich, wird der ganze Urlaub so? Langsam wird mir kalt, daher schultere ich den Rucksack und laufe los, ins Coire Làir. Dorthin, wo die Wolken am tiefsten hängen.


    Coire Làir von Borderli auf Flickr


    Loch Coire Làir von Borderli auf Flickr


    Coire Làir von Borderli auf Flickr


    Sgorr Ruadh von Borderli auf Flickr

    Vorbei am Loch Coire Làir, vorbei am Mai-Zeltplatz, immer höher hinauf führt mich der Weg. Wobei - „Weg“ ist nicht ganz richtig, „Bachbett“ ist heute der passendere Ausdruck dafür. Irgendwann lässt der Regen nach und hört dann ganz auf. Im frischen Wind trocknet die Páramo-Jacke schnell. So langsam gibt es gute Aussichten, jedenfalls wenn ich mich umdrehe. Als ich wieder einmal stehenbleibe, um diese Aussicht zu genießen, fällt mir auf, dass ich auf einem nahezu perfekten Zeltplatz stehe. Eben, nicht zu sumpfig (nur ein klein wenig...), Wasser in der Nähe (nicht dass das heute irgendwo weit weg wäre), und mit einer tollen Aussicht zum Achnashellach Forest.


    Coire Làir von Borderli auf Flickr

    Ich setze den Rucksack ab und suche „den“ Platz für meine Hilleburg. Etwas abseits des Weges, zwischen zwei kleinen Bächen, werde ich fündig und baue die Burg auf. Da - sogar die Sonne kommt raus! Blauer Himmel! Licht! Damit hätte ich heute wirklich nicht mehr gerechnet. Schnell klopfe ich die letzten Heringe in den Boden, lege den Rucksack ins Zelt, und ziehe mit der Kamera los. Das Licht will ich ausnutzen; die nächsten Wolken kommen bestimmt bald. Die Inneneinrichtung und die Wasserversorgung müssen noch etwas warten.


    Sgorr Ruadh von Borderli auf Flickr


    Coire Làir von Borderli auf Flickr


    Coire Làir von Borderli auf Flickr


    Coire Làir von Borderli auf Flickr


    Abend im Coire Làir von Borderli auf Flickr

    Später, als wieder graue Wolken die Sonne verdecken, räume ich die Burg ein und hole Wasser. Einer der beiden Bäche hat eine „Zapfstelle“, an der ich die Faltflasche problemlos füllen kann. Ob es einen schönen Sonnenuntergang gab, weiß ich nicht; ich kuschele mich früh in den Schlafsack. Mitten in der Nacht wache ich auf und friere ganz erbärmlich. Der dünne Sommerschlafsack ist doch etwas dürftig für diese Temperaturen, und meine Bekleidung auch. Nun, letzteres kann man ändern, und mit Fleecepulli und Wollsocken versehen schlafe ich durch bis in die grauen, bewölkten Morgenstunden.
    Zuletzt geändert von Borderli; 09.08.2014, 13:24.

  • Rainer Duesmann
    Fuchs
    • 31.12.2005
    • 1640

    • Meine Reisen

    #2
    AW: [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

    Zitat von Borderli Beitrag anzeigen
    ...
    Anderthalb Stunden schleppe ich mich und den Rucksack dort hoch - ...
    Kenne ich doch irgendwoher?!
    Jetzt siehst Du warum ich vor ein paar Wochen auch gut ausser Atem war als wir uns oben trafen.
    Dein Zeltplatz sieht ja noch besser als unser gemeinsame im Mai. Verrückt, ist keine acht Wochen her das wir dort saßen und es kommt mir vor als wenn es ewig her ist. Zeit ist schon eine komische Sache.

    Klasse das das Wetter auch noch gegen Abend so aufklarte.

    Freu mich auf deinen gesamten Bericht.

    Beste Grüße,
    Rainer
    radioRAW - Der gesellige Fotopodcast

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    • DerBlinde
      Neu im Forum
      • 28.06.2014
      • 5

      • Meine Reisen

      #3
      [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

      ...schöne Fotos...

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      • Heather
        Erfahren
        • 03.06.2013
        • 206

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

        Hach ja, der Übergang zwischen Weg und Bach ist manchmal fließend... Schöner Bericht!

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        • Borderli
          Fuchs
          • 08.02.2009
          • 1705

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

          Sagen wir mal so: Der Weg war fließend...

          Rainer, "unser" Zeltplatz sah aus wie ein Sumpf; ich habe es mir verkniffen, ihn mir näher anzusehen. Aber dort oben im Coire, das war klasse. Und ganz schön kalt.

          Es kann dieses Mal etwas dauern, bis der Bericht und die Fotos fertig sind - ich bin ab Montag wieder im Arbeitsstress (könnte das bitte jemand für mich übernehmen? ), und jetzt am Wochenende ist auch volles Programm angesagt. Aber es geht weiter, versprochen. Mit Sonnenuntergängen, Sonnenbrand, Midges, und allem was dazugehört.

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          • Borderli
            Fuchs
            • 08.02.2009
            • 1705

            • Meine Reisen

            #6
            AW: [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

            Sonnenuntergang in Shieldaig

            Morgens ist es zwar bewölkt und grau, aber immerhin trocken und windig. Sogar das Zelt ist trocken, als ich es abbaue.


            Coire Làir von Borderli auf Flickr

            Nur wenige Höhenmeter weiter, wo der Weg zwischen den westlichen Gipfeln von Beinn Liath Mhòr und Sgorr Ruadh verläuft, laufe ich in den Wolken. Gut, dass ich die Regensachen schon anhabe. Es ist eine beinahe unheimliche Stimmung hier oben. Nebelschwaden, Drizzle, leichter Wind, graue Felsen, rechts und links von mir die Berge - und ich ganz alleine mittendrin. Irgendwie gefällt mir das.


            Coire Làir von Borderli auf Flickr


            Coire Grannda von Borderli auf Flickr

            Bald führt der Weg bergab, allerdings steiler als für mein kaputtes Knie gut ist, und dann bin ich raus aus den Wolken und im Coire Grannda, dem „hässlichen Corrie“. Hier habe ich das erste Wow-Erlebnis des Tages. Unmittelbar vor mir das grüne Corrie, mit den wie hingeworfenen grauen Felsbrocken, dahinter die Berge Torridons, noch von Wolken bedeckt, und darüber blauer Himmel. Der zwanghafte Griff zur Kamera setzt wieder ein.


            Abstieg ins Coire Grannda von Borderli auf Flickr


            Coire Grannda von Borderli auf Flickr


            Coire Grannda von Borderli auf Flickr


            Blick zurück von Borderli auf Flickr

            Ich gehe jetzt langsam weiter und genieße die sich im Morgenlicht verändernde Landschaft. Die Wolken über Liathach und Beinn Eighe lösen sich auf, das Licht wird stärker, das Gras leuchtet schon beinahe unnatürlich grün. Da kann ich nicht einfach so drauflosgehen, wenn der Weg auch noch so gut ist. Immer wieder bleibe ich stehen, genieße die Kühle des Morgens, die frische Luft, und vor allem die Aussicht. Urlaub, wie er sein sollte!


            Torridon von Borderli auf Flickr


            Torridon von Borderli auf Flickr

            Bald wird es warm, und ich packe die Jacke auf den Rucksack. Die Regenhose ist schon seit geraumer Zeit in der Deckeltasche. Der Weg führt zwischen Sgorr Ruadh (Rotbrauner Gipfel) und Meall Dearg (Roter Hügel) über den Bealach Bàn (Weißer Pass). Eine farbenfrohe Landschaft ist das hier! Unterwegs habe ich einen schönen Blick auf das Coire Fionnaraich und auf den Loch Coire Fionnaraich, wo ich im Mai zeltete.


            Loch Coire Fionnaraich von Borderli auf Flickr


            Loch Coire Fionnaraich von Borderli auf Flickr

            Über den Bealach na Lice geht es zum Loch an Eòin. Hm, auf der Karte heißt der See Loch an Eion. Dieses Wort gibt es in meinen Wörterbüchern nicht; vermutlich ist es einer der zahlreichen Schreibfehler auf den OS-Maps. Loch an Eòin, See des Vogels, macht mehr Sinn.


            Bealach na Lice von Borderli auf Flickr

            Kurz vor dem Bealach will ich eine Pause machen, aber ausgerechnet in diesem Moment stellt der Wind kurzzeitig seine Tätigkeit ein. Midges und Bremsen sorgen dafür, dass ich in Rekordzeit den Rucksack aufsetze und weitergehe.
            Ein wenig weiter, mit Blick auf den Loch an Eòin, kann ich dann aber Pause machen, ohne von geflügelten Highland-Bewohnern belästigt zu werden. Das Wetter ist inzwischen wunderbar, eine schöne Mischung aus Sonne und Wolken, mit leichtem Wind und angenehmen Temperaturen.


            Loch an Eòin von Borderli auf Flickr


            Loch an Eòin von Borderli auf Flickr

            Auf Höhe des Lochan Domhain mache ich schon wieder Pause - es ist einfach zu schön hier. Ein Band aus flachen Felsen verläuft hier am Pfad entlang und bietet einen trockenen und warmen Pausenplatz mit Aussicht. Erst sitze ich dort und lasse die Beine baumeln, dann liege ich der Länge nach auf den warmen Felsen und lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Ach, das Leben kann so schön sein!


            Lochan Domhain von Borderli auf Flickr


            Lochan Domhain von Borderli auf Flickr


            Lochan an Uillt-bheithe von Borderli auf Flickr


            Torridon von Borderli auf Flickr

            Später, als ich keine Lust mehr auf Pause habe, gehe ich weiter und stehe bald vor einem nassen Hindernis. Zwischen dem Lochan Domhain und dem Loch an Uillt-bheithe fließt ein munteres breites Flüsschen. Die stepping stones sind mir zu hoch, zu spitz und zu weit auseinander, um mit dem schweren Rucksack sicher drüber zu hüpfen. Hüpfen ist seit meiner Knieverletzung ohnehin nicht meine bevorzugte Tätigkeit... Bei schlechtem Wetter hätte ich vielleicht versucht, weiter oben, bevor sich zwei kleinere Bäche zu diesem Flüsschen vereinen, diese zu überqueren. Aber heute? Was spricht dagegen, die Füße zu kühlen? Gamaschen, Schuhe und Socken aus, Crocs an, Hosenbeine hochkrempeln, und ab ins Wasser. Angenehm kühl ist es, und stellenweise knietief. Erfrischend!

            Die Füße trocknen in der Sonne, werden wieder verpackt, und weiter geht die Reise. Später begegnen mir ein paar Mountainbiker, die ersten Menschen seit Verlassen des Zuges gestern. Kurz vor Annat kommt dann ein Frust-Erlebnis: Der schmale Weg führt durch mehr als schulterhohen Farn. Ich bemühe mich, nicht an Zecken und ähnliches Getier zu denken und beschleunige meinen bisherigen Schlenderschritt deutlich.


            Upper Loch Torridon von Borderli auf Flickr


            Upper Loch Torridon von Borderli auf Flickr

            Bei Annat erreiche ich die A896 und den Upper Loch Torridon. Ab dem Hotel gehe ich auf einer Forest Road, um das Asphaltlatschen bis Shieldaig zu vermeiden. Lediglich die letzten paar Kilometer zwischen Balgy und Shieldaig lege ich auf der Straße zurück.


            Upper Loch Torridon von Borderli auf Flickr


            Ob Mheallaidh von Borderli auf Flickr

            In Shieldaig soll es eine Campsite geben, habe ich gelesen. Ja, es gibt eine, wenn auch etwas anders als andere. Der Ort Shieldaig hat die Common Grazings als Campsite zur Verfügung gestellt. Es gibt eine honesty box, einen Wasserhahn, zwei Mülltonnen - das ist alles. Um das öffentliche WC zu erreichen, muss man den Hügel runtergehen. Schon etwas basic, aber mit toller Aussicht!
            Viel ist nicht los heute. Ich suche mir einen ebenen Platz, mit Aussicht auf die Bucht, aber ohne Hinterlassenschaften von Schafen, und errichte meine Burg.


            Shieldaig Campsite von Borderli auf Flickr

            Später gehe ich noch etwas im Ort spazieren, genehmige mir ein Abendessen, und genieße dann einfach noch die Aussicht. Schön ist es hier!


            Shieldaig von Borderli auf Flickr


            Loch Shieldaig von Borderli auf Flickr

            Zum Abschluss dieses wunderschönen Tages gibt es sogar noch einen Fast-Sonnenuntergang. Bevor er richtig gut werden kann, ziehen Regenwolken auf.


            Loch Shieldaig von Borderli auf Flickr


            Shieldaig Sunset von Borderli auf Flickr


            Shieldaig Sunset von Borderli auf Flickr

            Egal: Ich liege mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht in meinem Schlafsack, stelle wieder einmal fest, dass das Leben schön ist, und schlafe zum Geräusch der Regentropfen auf der Zeltplane ein.
            Zuletzt geändert von Borderli; 20.07.2014, 12:38.

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            • Glenfiddich
              Erfahren
              • 19.02.2012
              • 247

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

              Irgendwie muss ich mal langsam einen Textbaustein für deine Reiseberichte anlegen Etwa: wow, wiedermal tolle Bilder und ein toller Bericht.

              Aber Spass beiseite ich schätze deine Berichte auch so sehr weil du so detaillierte Wegbeschreibungen gibst. Das ist sicherlich nicht nur für mich ein gutes Werkzeug und Ideengeber für kommende Touren.
              Warum hast du jetzt bei der Sommertour wie schon im Frühjahr deine Hillburg mitgenommen und nicht dein Laser Comp. ? Gerade jetzt im Sommer hättest du doch das extra Kilo sparen können.

              Ach, übrigens, freut mich das du deinen Schlechtwetterfluch abstreifen konntest.

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              • Borderli
                Fuchs
                • 08.02.2009
                • 1705

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

                Klar, das Kilo hätte ich mir sparen können. Aber zum Einen war ich mir nicht sicher, ob ich den "Schlechtwetterfluch" tatsächlich abgeschüttelt hatte, zum Anderen: Die Burg ist einfach bequemer. Da hängt mir kein Innenzelt im Gesicht herum, die Höhe ist besser (weil nicht so flach abfallend vom höchsten Punkt aus), und die kleinen Extras, die das LaserComp nicht hat, machen das Zelten einfach angenehmer. Ich fühlte mich bei der letzten Tour mit LaserComp darin einfach nicht mehr wohl. Da schleppe ich das Kilo gerne... Und wenn ich überlege, dass ich auch beim Foto dieses Mal nicht am Gewicht gespart habe, dann passt das schon ins Gesamtbild. Irgendwie hat sich meine Art des Unterwegsseins mehr in die bequeme Ecke verschoben. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich seit der letzten Tour ein Vielfaches des Mehrgewichts von Kamera und Zelt an Eigengewicht eingespart habe und deshalb alles in allem sogar leichter unterwegs war.

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                • Borderli
                  Fuchs
                  • 08.02.2009
                  • 1705

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

                  Applecross

                  Ein Tag mit einigen Ungewissheiten. Ich habe vor, ein paar Tage in Applecross zu verbringen - ganz einfach deshalb, weil ich noch nie dort war, und weil sich der Weg dorthin lohnen soll. Es liegt ja nicht gerade an einem fußgängerfreundlichen, viel frequentierten Durchgangswanderweg. Ich kann mir mit dem Weg dorthin Zeit lassen; im schlimmsten Fall ist heute jede Menge Asphaltwandern angesagt.

                  Es regnet. Na toll, da muss man in Regenmontur aufs Klo gehen... Irgendwann hört der Regen auf, und ich packe meinen Rucksack. Als ich gerade begonnen habe, das Zelt abzubauen, fängt der Regen wieder an. Egal, ich baue weiter ab, nur etwas schneller.


                  Shieldaig Campsite von Borderli auf Flickr

                  Als ich loslaufe, mit dem schweren, nassen Zelt im Gepäck, regnet es immer noch. Aber bald hört es auf, die Sonne kommt raus, und die Regenklamotten kommen auch noch in bzw. auf den Rucksack. Ich gehe fröhlich vor mich hin und bin schon kurze Zeit später dort, wo die Straße nach Applecross von der A896 abzweigt. Anzahl der Autos bisher: Null. Daran ändert sich zunächst nichts. Es ist Sonntag, es ist früh, und außer mir Frühaufsteher ist niemand unterwegs. Die ersten Autos, die mir begegnen, fahren in die andere Richtung.


                  Shieldaig Island von Borderli auf Flickr

                  Irgendwann wird die Lauferei frustrierend. Viele Bäume, keine Aussichten, dafür unzählige Insekten, vor allem Bremsen. An einem Passing Place auf Höhe von Rhuroin begegnen sich dann zwei Autos und ein Wanderer - rekordverdächtig an einem sonst so ruhigen Morgen. Der Fahrer des Autos, das in meine Richtung fährt, fragt: „You need a lift?“ Und ob!
                  Ich steige ein, und nach dem üblichen Smalltalk über das Wetter erkläre ich ihm, wo ich aussteigen möchte. Kein Problem. In den wenigen Minuten Fahrt bis Kenmore schafft der ältere Herr es, mir seine Lebensgeschichte der beiden letzten Jahre zu erzählen. Ich komme gar nicht zu Wort.

                  Kurz hinter Kenmore, an einem grünen Wanderwegweiser, steige ich aus, bedanke mich, und mache mich auf den Weg. Von hier aus führt ein guter Pfad bis direkt nach Applecross. Der Lift hat mir eine Menge Zeit gespart, so dass ich mir keine Gedanken über einen brauchbaren Zeltplatz machen muss. Ich kann direkt zur Campsite in Applecross durchgehen.
                  Der Pfad führt vorbei an ein paar Seen, an Hügeln, durchs Moor und über Felsen, immer gut ausgebaut und ohne Überraschungen. Die Landschaft ist ruhig und weit, zwar ohne den Wow-Effekt, aber so wunderbar still, friedlich, unaufgeregt. Gut zum Entspannen, schlecht für Gipfelstürmer.


                  Kenmore Path von Borderli auf Flickr


                  Loch a' Chracaich von Borderli auf Flickr


                  Meall Dearg von Borderli auf Flickr

                  Unterwegs gibt es einen starken Schauer, dann ist das Wetter wieder vorbildlich und damit gut geeignet für Pausen. Pausen auf Felsen, Pausen am Strand, Pausen auf Brücken... Ich habe Zeit.


                  Loch Gaineamhach von Borderli auf Flickr


                  Unbenannt von Borderli auf Flickr


                  Loch Gaineamhach von Borderli auf Flickr


                  Creag an Fhithich von Borderli auf Flickr


                  Kenmore Path von Borderli auf Flickr

                  Trotzdem erreiche ich bald die Stelle, an der der Pfad von Kenmore auf den von Inverbain kommenden Pfad trifft. Letzterer soll, verschiedenen Beschreibungen nach, nicht empfehlenswert, sondern frustrierend sumpfig sein. Jetzt wird es etwas schroffer rundherum. Der Pfad führt am Meall Arachaidh entlang bergab. Zur Linken ist eine tiefe Schlucht, in welcher der Fluss lautstark fließt. So wie sich das anhört, gibt es dort einige Wasserfälle! Zu sehen, wenn auch ohne Klettereinlage nicht zu fotografieren, ist nur einer davon.

                  Ich folge dem Pfad um den Hügel herum, und plötzlich öffnet sich ein Panorama, das mich zur Kamera greifen lässt. Die Berge des Applecross Forest auf der einen Seite, die Applecross Bay auf der anderen. Und das bei guter Sicht - einfach beeindruckend!


                  Applecross Forest von Borderli auf Flickr


                  Applecross Bay von Borderli auf Flickr

                  Bald wird aus dem Pfad ein Landrovertrack, der an schönen Wiesen vorbeiführt. Zwischen zwei Waldstücken bin ich froh, dass ich hier nicht zelte. Die Bewohner dieser schönen Wiesen, eine große Herde Highland Cattle samt Nachwuchs, stehen am und auf dem Weg und verursachen ein mulmiges Gefühl in meiner Magengegend. Hm, die Hörner sind riesig. Und spitz. Immer mehr Rinder kommen in mein Blickfeld. Ob die ein Problem mit meinem knallroten Shirt haben? Oder mit der roten Regenhülle?
                  Letztlich ist alles ganz entspannt. Eine nach der anderen dreht sich um, geht auf die Wiese, und futtert weiter. Sie interessieren sich zum Glück nicht für mich.

                  Bald erreiche ich die Straße und die Applecross Bay und laufe in schönstem Spätnachmittagssonnenschein nach Applecross und erst mal am Zeltplatz vorbei.


                  Applecross Bay von Borderli auf Flickr


                  Applecross Bay von Borderli auf Flickr


                  Applecross Bay von Borderli auf Flickr

                  Vorbei am Hotel mit den vielen Leuten, die mich verschwitzten Rucksackträger interessiert beobachten, während sie vor dem Hotel sitzen und kühle Getränke vor sich stehen haben. Hätte ich jetzt auch gerne, denke ich mir, und gehe weiter. Später. Dann bemerke ich, dass ich schon durch den Ort Applecross durch bin und irgendwie die Campsite verpasst habe. Also zurück, wieder vorbei am Hotel und den Leuten mit den kühlen Getränken. Mein roter Kopf ist jetzt nicht nur der vielen Sonne geschuldet. Peinlich, peinlich...

                  Als ich auf der Campsite ankomme, hat die Rezeption gerade geschlossen. Egal, ich baue mein Zelt auf, richte mich ein, und nehme dann die sanitären Anlagen in Augenschein. Hmpf. Duschen verschiebe ich auf morgen früh, nach dem Putzen.
                  Ich esse etwas, und fülle meinen Flüssigkeitsstand auf. Ich habe heute viel zu wenig getrunken und fühle mich etwas schlapp.

                  Später unterhalte ich mich mit meinen Zeltnachbarn, die in der Zwischenzeit ihre Hilleburg neben meiner errichtet haben. Ein weiterer Regenschauer vertreibt uns - die Nachbarn in ihr Zelt, und mich in den „Flower-Tunnel“, der als Aufenthaltsort bei schlechtem Wetter vorgesehen ist. Nett hier, aber bei den vielen Kindern und dem dazugehörigen Geräuschpegel fühle ich mich nicht wohl. Zelt, Schlafsack, Buch - ich bin müde.

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                  • Glenfiddich
                    Erfahren
                    • 19.02.2012
                    • 247

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

                    Was ich mich oft gefragt habe wenn ich Reiseberichte aus Schottland gelesen habe von Leuten die dort im Sommer unterwegs waren: Warum hüpft eigentlich niemand bei Pausen oder einfach so beim Wildcampen in einen der vielen Loch´s die am Wegesrand liegen. Die weißen Stellen am Körper sieht doch nur der liebe Gott und eine Gefahr kann ich nicht erkennen.

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                    • Borderli
                      Fuchs
                      • 08.02.2009
                      • 1705

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

                      Vielleicht schreibt nur niemand darüber?

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                      • Hunter9000
                        Dauerbesucher
                        • 02.06.2012
                        • 646

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

                        Ich oute mich da als Warmduscher. Selbst im Sommer ist mir der typische Loch viel zu kalt...

                        Aber echt tolles Wetter hattest du diesmal, Borderli! Da kommt der Neid auf!

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                        • Borderli
                          Fuchs
                          • 08.02.2009
                          • 1705

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

                          Applecross

                          Für ein paar Tage ist die Applecross Campsite mein Standort. Mein erster Eindruck vom Vorabend ("Ist das aber klein hier") bestätigt sich nicht; es gibt noch einen zweiten Platz. Dazu diverse Wohnwagen, Wigwams, und jede Menge Platz für Zelte. Die sanitären Anlagen sind allerdings etwas sparsam gehalten, sollte der Platz einmal voll belegt sein. Einen Shop gibt es hier nicht; an der Rezeption werden nur so wichtige Dinge wie Eiskrem, Limo, und Smidge verkauft.

                          Ich habe keine konkreten Pläne für die nächsten Tage. Die Bothy in Uags würde ich mir gerne ansehen, nicht etwa weil ich alle Bothies Schottlands sehen will, sondern wegen des Namens. Uags. Vor allem will ich die Zeit zum Fotografieren nutzen und hoffe insgeheim auf Wetterbesserung, als ich morgens dem Regen zuhöre. Nun, es ist noch früh am Tag...

                          Dann muss ich einkaufen. Die Vorräte im Rucksack sind für die reinen "Wandertage" geplant; für die Zeit in Applecross habe ich nichts dabei und brauche einen Shop. Die nette Dame an der Rezeption erklärt mit, dass der nächste Shop in Camustiel sei, runter zur "Hauptstraße", dann links abbiegen, am See vorbei, und dann rechts halten. Die Karte sagt mir, dass das ein netter Vormittagsspaziergang wird. Angesichts der Regenwolken verzichte ich darauf, einige der empfohlenen Wanderwege zu nutzen, sondern gehe entlang der ruhigen Single Track Road. Unterwegs schüttet es so heftig, dass ich die Regenhose anziehe.

                          Dann stehe ich vor dem Shop. Hm, Nachbars Garage ist größer, glaube ich. Aber ich bekomme alles, was ich zu brauchen glaube, sogar die Times. Beeindruckend, was die Betreiberin des Ladens auf der kleinen Fläche alles unterbringt. Das Post Office ist hier auch, und draußen auf den Schildern steht, dass man hier auch Campinggas und Motoröl bekommt.

                          Den Rest des Tages verbringe ich mit aufräumen, waschen, kochen, essen, nochmal kochen, essen, und so weiter. Ich mache es mir im Flowertunnel gemütlich. Das war früher ein Café, und ist jetzt ein Aufenthaltsraum für Camper. Es gibt eine Spielecke für kleine Kinder, und am anderen Ende einen Kaffeeautomaten, der einen durchaus trinkbaren Kaffee produziert.


                          Applecross Campsite: Flowertunnel von Borderli auf Flickr

                          Später am Tag übernehme ich meinen Wohnwagen. Ja, Luxus, ich weiß, aber Urlaub heißt für mich in erster Linie Erholung. Wenn ich mich am Strand unter Palmen erholen könnte, würde ich das machen (funktioniert aber nicht). Da ich mich derzeit in einer bequemen Phase befinde, habe ich mir für drei Nächte einen Wohnwagen gemietet. Wozu rackere ich mich schließlich das ganze Jahr über ab?
                          Nachmittags tausche ich dann die Burg gegen den Wohnwagen; etappenweise verlege ich meinen Wohnsitz von einer Seite des Platzes auf die andere. Das regennasse Zelt findet zunächst zum Abtropfen einen Platz auf der Terrasse, und darf später im Bad fertig trocknen.

                          Gegen Abend verziehen sich die dicken Regenwolken und die Aussicht zeigt, dass hier durchaus Sonnenuntergangspotential besteht.


                          Als ich früh, sehr früh, am nächsten Morgen aufwache, ist es erschreckend hell. Ein Blick nach draußen verheißt tolles Wetter und jetzt, um diese Uhrzeit, schönes Licht. Nichts wie raus; der Kaffee kann warten. Ich laufe einmal um die Bucht herum und dann wieder zurück und genieße die Aussicht, die Stille, die Abwesenheit der Midges, und das Kleinzeug am Wegrand.


                          Applecross Bay von Borderli auf Flickr


                          Unbenannt von Borderli auf Flickr


                          stachelig von Borderli auf Flickr


                          Unbenannt von Borderli auf Flickr


                          Passing Place von Borderli auf Flickr


                          Applecross Bay von Borderli auf Flickr


                          Nach einem langen Frühstück stelle ich fest, dass mir einige Lebensmittel fehlen. Ich muss also wieder zum Shop. Auf dem Hinweg gehe ich wieder entlang der Straße und stelle fest, dass es dort richtig tolle Aussichten nach Skye gibt, wenn keine Wolken im Weg sind. Auf dem Rückweg kombiniere ich zwei der in einer Broschüre beschriebenen Spazierwege und gelange so zurück zur Campsite. Vor dem Shop unterhalte ich mich lange mit einem älteren Mann, der jedes Jahr Urlaub in Camustiel macht. Wir reden über seinen deutschen Freund, den er schon seit der Nachkriegszeit kennt, über Sprachen, Reisen, Fußball, und natürlich über das Wetter. Wie schön die Sonne doch scheint. Die Midges, die uns schon bald bemerken, ignoriert er - mir gelingt das nicht ganz so gut...


                          Milton von Borderli auf Flickr


                          Applecross Road von Borderli auf Flickr


                          Paddeln von Borderli auf Flickr

                          Mittagessen auf der Terrasse, dann einen Kaffee und ein Buch - mich zieht es gerade überhaupt nicht weg. Hier ist es so schön und so gemütlich.
                          Gut, irgendwann wird es langweilig, und ich suche die Abkürzung von der Campsite zum Applecross Inn, die der ältere Herr heute früh erwähnte. Ich finde sie, ich nutze sie, und merke mir, dass man diesen Weg besser nicht in alkoholisiertem Zustand gehen sollte...

                          Abends versuche ich, den Fernseher in Betrieb zu nehmen. WM, Fußball, Halbfinale Deutschland vs Brasilien. Ich muss das zwar nicht sehen, aber wenn ich schon die Möglichkeit habe, warum nicht. Dazu muss ich diesen Fernseher aber erst in Betrieb bekommen. Rudelgucken im Pub ist nicht so meins... Aha, der Übeltäter ist ein loses Kabel. Beim Stand von 5:0 sehe ich, dass sich draußen ein Sonnenuntergang der feinen Sorte anbahnt. Fernseher aus, Kamera packen, und runter an die Bucht. Kurz vor Ende des Spiels bin ich dann wieder im Wohnwagen, mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht: Es war ein toller Sonnenuntergang, und ich hatte ihn ganz für mich alleine.


                          Sunset, Applecross Bay von Borderli auf Flickr


                          Applecross Sunset von Borderli auf Flickr


                          Applecross Bay sunset von Borderli auf Flickr


                          Applecross Bay sunset von Borderli auf Flickr


                          Applecross von Borderli auf Flickr



                          Am nächsten Tag herrscht wieder Strandwetter. Wie ich mir auf dem Weg zum Strand das olle Knie wieder lädiere, und die Bekanntschaft einer Frau mache, die kilometerweit von der nächsten Straße entfernt lebt, kommt im nächsten Beitrag.
                          Zuletzt geändert von Borderli; 28.07.2014, 06:37.

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                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

                            Zitat von Borderli Beitrag anzeigen
                            Wie ich mir auf dem Weg zum Strand das olle Knie wieder lädiere, und die Bekanntschaft einer Frau mache, die kilometerweit von der nächsten Straße entfernt lebt, kommt im nächsten Beitrag.
                            Ich bin gespannt

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                            • ChrisB76
                              Gerne im Forum
                              • 05.08.2009
                              • 95

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

                              Mal wieder ein toller Bericht mit wahnsinnig schönen Fotos! Danke fürs Mitnehmen!
                              Was hattest du denn dieses Mal an Foto-Ausrüstung dabei?

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                              • Borderli
                                Fuchs
                                • 08.02.2009
                                • 1705

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

                                Ich war dieses Mal ein wenig verrückt, was die Fotogeschichte angeht. Bei den letzten Touren hatte ich die kleine Nikon1 J2 dabei. Ganz nett, aber umgehauen haben mich die Bilder nicht. Im Mai hatte ich ja wirklich gutes Wetter und oft genug auch gutes Fotografierlicht - trotzdem waren mir die Bilder zu flau, zu blass, und boten sehr viel Spielraum für die Nachbearbeitung.
                                Ich überlegte daher, die gute alte D5100 mit dem guten alten Suppenzoom mitzunehmen. Was ich in den letzten Monaten an "Hüftgold" verloren habe, konnte ich ja gut durch das Gewicht von Nikon-Technik ersetzen...

                                Allerdings geisterte mir schon seit langem der Gedanke an eine Vollformatkamera durch den Kopf. Vor allem, seit ich anlässlich der Bachelorfeier meiner Tochter (in Heidelberg, in der alten Weinfabrik) den direkten Vergleich zwischen der "rauschenden" D5100 und einer Canon-Vollformat hatte. Nun ja, und plötzlich fand ich mich in einem schönen Fotogeschäft und hatte die D610 in der Hand. Eine "Einsteiger-Vollformat" (blöder Ausdruck), in handlicher Größe. Und wie handlich. Wie für mich gemacht. Bald darauf fand ich "etwas" Geld auf meinem Konto, das noch nicht verplant war. Nun denn, und schwups hatte ich eine neue Kamera. Keine "rauschenden Probleme" mehr bisher! Ein leichtes, kompaktes und bezahlbares Zoom fand dann auch noch den Weg in meinen Kameraschrank. Das Weitwinkel (DX) und das Tele (FX), das ich für Tagestouren und hier im Umfeld nutze, sind mir für eine Tour mit großem Rucksack doch deutlich zu schwer und zu groß.

                                Kurz und knapp: Mit dabei waren die Nikon D610 und das Nikkor 24-85 1:3.5-4.5G. Nur wenig schwerer und kaum größer als die D5100 mit dem alten Suppenzoom, von der Brennweite völlig ausreichend für unterwegs (wie weitwinklig 24mm sind, hatte ich schon fast vergessen ), und die Bilder, tja, sie brauchen keine oder nur wenig Nachbearbeitung. Eigentlich nur aus den raw Dateien entwickeln, dabei vorsichtig ein oder zwei Regler ziehen, das wars dann auch schon.

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                                • ChrisB76
                                  Gerne im Forum
                                  • 05.08.2009
                                  • 95

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

                                  Ich hatte es fast geahnt! Aber man sieht den Fotos den Unterschied auch an!
                                  Die Fotos gefallen mir wirklich, dabei versuche ich mich gerade von meiner Vollformat gedanklich zu verabschieden und mir eine Systemkamera zuzulegen, zumindest für meine Touren :-)

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                                  • Borderli
                                    Fuchs
                                    • 08.02.2009
                                    • 1705

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

                                    Die Lösung: Leg' dir beides in den Schrank und nimm das mit, was du gerade für richtig hältst. Wenn ich eine längere Tour plane, deren Schwerpunkt auf "Wandern" liegt und nicht auf "mit der Kamera rumlaufen und Bilder machen", kommt die Kleine wieder mit. Denke ich jedenfalls im Moment. Wer weiß, wie ich mich entscheide, wenn ich den gepackten Rucksack aufhabe...

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                                    • Borderli
                                      Fuchs
                                      • 08.02.2009
                                      • 1705

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

                                      Immer noch Applecross

                                      Morgens früh scheint bereits die Sonne. Ich liebe das Licht um diese Tageszeit, daher gehe ich früh los, auf der Straße runter in Richtung Toscaig. Unterwegs will ich entscheiden, ob ich zum Strand bei Coillegillie oder zur Uags Bothy gehe.


                                      Applecross Inn von Borderli auf Flickr

                                      Bei diesen schönen Aussichten über das Meer hinüber nach Skye und Raasay macht mir das Asphaltlatschen nichts aus. Es ist ein wunderschöner, ruhiger Morgen, fern von aller Hektik, frei von festen Plänen, frei von selbstgemachtem Stress. Irgendwo unterwegs sehe ich am Straßenrand eine Bank, setze mich drauf, und genieße einfach nur die Ruhe und die Aussicht.


                                      Morgenstimmung von Borderli auf Flickr


                                      Milton von Borderli auf Flickr


                                      Skye von Borderli auf Flickr


                                      Loch a' Mhuilinn von Borderli auf Flickr


                                      Poll Creadha von Borderli auf Flickr


                                      Unterwegs beschließe ich, erst einmal nach Coillegillie zu gehen; vielleicht gehe ich anschließend noch in Richtung Uags. Ist ja noch früh am Tag.
                                      Am Wegweiser verlasse ich die Straße und laufe auf einem schönen Pfad weiter. Den kleinen Pfad, der nach etwa zwei Kilometern kurz vor der Bucht abzweigt, übersehe ich und laufe weiter.
                                      Die Bucht, Ruinen, ein kleines Haus, daneben ein größeres Haus. Und Aussichten! Nur: Wo ist der Strand? Eigentlich sollte hier ein weißer Strand sein, so steht es jedenfalls in der Broschüre, die am Campingplatz ausliegt. Hm.


                                      Coillegillie von Borderli auf Flickr

                                      Ferienhäuser, denke ich erst, bevor ich den Gemüsegarten neben dem größeren Haus entdecke. Dahinter sind Hühnerställe, freilaufende Gänse - das Anwesen ist offenbar ganzjährig bewohnt. Mehr als zwei Kilometer von der nächsten Straße entfernt, nicht einmal ein Landrovertrack führt dorthin. Erreichbar ist es nur auf dem Pfad, auf dem ich gehe, und mit dem Boot.
                                      Ich umgehe das Anwesen und mache es mir etwas abseits auf einer kleinen Anhöhe bequem. Was für ein Ausblick! Aber den Strand sehe ich immer noch nicht.


                                      Skye from Coillegillie von Borderli auf Flickr

                                      Später sehe ich, dass jemand vom Haus zum Hühnerstall geht. Ich packe mein Zeug zusammen und gehe in Richtung Haus. Dort unterhalte ich mich eine Weile mit der Frau, die tatsächlich das ganze Jahr über dort wohnt. Immerhin - inzwischen sind die Häuser ans Stromnetz angeschlossen. Das wäre selbst mir zu ruhig hier...


                                      Coillegillie von Borderli auf Flickr

                                      Auf dem Rückweg, schon fest entschlossen, auf der Straße weiter in Richtung Toscaig zu laufen, sehe ich dann doch noch den weißen Strand, an dessen Existenz ich schon zweifelte. Querfeldein gehe ich darauf zu und achte nicht darauf, wo ich hintrete. Ist in dem hohen Gras auch nicht so einfach. Rums, mit dem rechten Fuß erwische ich ein Loch. Ein Ruck geht durch das Problemknie. Mist. Zwei Schritte weiter, dasselbe nochmal. Danke auch. Aber es tut nicht weh, und ich kann ganz normal, wenn auch viel vorsichtiger, weitergehen.

                                      An diesem kleinen weißen Strand verbringe ich eine sonnige Zeit, bevor ich mich wieder auf den Weg mache.


                                      Coillegillie von Borderli auf Flickr


                                      Coillegillie von Borderli auf Flickr

                                      Auf dem Rückweg entdecke ich dann auch den Weg zum Strand...


                                      Weg zum Strand von Borderli auf Flickr

                                      Als der Weg etwas steiler bergab geht, muckt das Knie dann doch noch. Okay, das war's dann mit Uags. Stattdessen sind kalte Umschläge angesagt. Also zurück nach Applecross...

                                      Hier der Shop in Camustiel:

                                      Camustiel Shop & Post Office von Borderli auf Flickr

                                      Muss man einfach mal gesehen haben. Der Laden in Kinlochewe ist riesig dagegen.

                                      Vorm Applecross Inn steht ein Imbisswagen. Dort gönne ich mir ein frisches, hausgemachtes Eis. Kühlung von innen, Trostpflaster oder wie auch immer. Teuer, aber total lecker.

                                      Zurück am Wohnwagen, stelle ich den Kühlschrank so kalt ein wie möglich, stelle eine Schüssel Wasser rein, und weiche eines meiner Handtücher darin ein. Den Rest des sonnigen Tages verbringe ich auf der Terrasse, mit hochgelegtem, angeschwollenem Knie, kalten Umschlägen und der einen oder anderen Schmerztablette. Den Nachmittag hatte ich mir anders vorgestellt.

                                      Der Wetterbericht sagt für die beiden nächsten Tage weiterhin tolles Sommerwetter voraus. Sonne satt, Wolken erst ab Freitag Abend... Es scheint, dass meine Wetter-Pechsträhne wirklich vorbei ist.
                                      Abends schaut das Knie schon weniger dick aus. Gut so, denn morgen brauche ich es wieder zum Wandern. Die faule Zeit im Wohnwagen ist vorbei.

                                      Am nächsten Tag habe ich dann mit einem ganz unerwarteten Problem zu kämpfen, und außerdem mache ich das, was ich mir schon im Herbst 2012 vorgenommen habe. Fortsetzung folgt, ich muss erst noch die Bilder entwickeln.

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                                        Fuchs
                                        • 08.02.2009
                                        • 1705

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        AW: [UK] Applecross - Torridon - Letterewe, Juli 2014

                                        Torridon

                                        Wie kommt man aus Applecross wieder weg? Es gibt einen Anruf-Bus, der aber nur an zwei Tagen in der Woche fährt, wie mir das Mädel an der Rezeption erklärte. Natürlich nicht an dem Tag, an dem ich weg wollte. Ich plante, ein Stück des Weges zu laufen, dann wieder per Anhalter zu fahren, und so irgendwann in Torridon anzukommen. Irgendwelche wirren und weglosen Pläne für eine andere Route von der Halbinsel runter verwarf ich schon in einem sehr frühen Planungsstadium - ich bin noch sehr vorsichtig bei der Wahl der Wege, weil ich nach wie vor genug Probleme mit meinem Problemknie habe. Irgendwo mitten im Gelände zu stehen und nicht mehr weiter gehen zu können, gehört jedenfalls nicht zu meinen Urlaubsvorstellungen...

                                        Nun denn, der Wetterbericht nimmt mir die Entscheidung ab. Donnerstags: Sonne satt. Freitags: Sonne satt, erst gegen Abend Wolken. Ab Samstag: Regenwetter. Nun, mein Abreisetag ist Donnerstag. Das Wetter ist toll. Es gibt bestimmt einen Sonnenuntergang. Diese und ähnliche Gedanken gehen mir am Mittwoch Abend durch den Kopf, und als ich morgens den Wohnwagen räume, habe ich einen konkreten Plan.

                                        So gegen halb zehn gebe ich den Schlüssel an der Rezeption ab und laufe runter zur Straße. Ich stelle mich und den Rucksack hin und warte auf ein Auto, dass in Richtung der A896 fährt. Ich warte, und ich warte, und es kommt einfach kein Auto. Das Wetter ist schön, es ist ruhig und friedlich, aber wo sind denn die ganzen Leute? Das erste Auto, das von der Passstraße runter kommt, fährt weiter nach Toscaig. Aber das nächste hält an. Super! Ein Vater-Sohn-Auto, mit Mountainbikes im Kofferraum und viel Gepäck auf der Rückbank. Kein Problem; sie machen mir und meinem Rucksack Platz und nehmen mich den ganzen langen Weg bis zur A896 mit. Sie wollen nach rechts abbiegen, ich nach links, aber den größten Teil des Weges habe ich geschafft. An der Kreuzung stehe ich nicht mehr als fünf Minuten, als ich ein Auto höre. Ein Kurierdienst-Auto fährt in meine Richtung. Daumen raus - Vollbremsung - "you need a lift?", und schon ist die nächste Etappe geschafft. Ich kann bis Torridon mitfahren. Den Gedanken, von hier aus zu laufen, verwerfe ich, und versuche mein Glück weiter. Drei Autos später hält wieder ein Paketauto und nimmt mich das letzte Stück zum Carpark am Coire Dubh Mòr mit. Das verlief ja viel besser als erwartet!

                                        Da bin ich also wieder, an der Torridon-Straße, zwischen Beinn Eighe und Liathach, bei strahlendem Sommenschein und sommerlich warmen Temperaturen. Das ist die Gelegenheit, ein Vorhaben in die Tat umzusetzen, dass ich seit Herbst 2012 habe: Beim Wasserfall im Coire Mhic Fhearchair zelten und einen Sonnenuntergang fotografieren. Für mich ist das Grund genug, alle für diesen Urlaub bereits gefassten Pläne über den Haufen zu werfen.

                                        Aber erst mal muss ich da rauf. Es ist sonnig. Es ist richtig unschottisch warm. Viel zu warm für meinen Geschmack. Und: das bisschen Sonnencreme, das ich dabei habe (ich und Schottland und Sonnencreme... ) ist schon aufgebraucht.


                                        Coire Dubh Mòr by Borderli, on Flickr


                                        Cairn by Borderli, on Flickr

                                        Ich lasse mir Zeit und gehe in aller Ruhe bergauf. Als die Aussichten immer besser werden, nimmt die Zahl der Pausen zu. Diese Aussicht fasziniert mich immer wieder, egal wie oft ich hier bin.


                                        Coire Dubh Mòr by Borderli, on Flickr

                                        Flowerdale Forest by Borderli, on Flickr

                                        Bald bin ich oben am Wasserfall, und suche mir einen schönen Zeltplatz. Es ist sehr ruhig hier; auf dem Weg bergauf begegnen mir nur drei Wanderer, und jetzt sind noch zwei auf dem Rückweg. Bei diesem Wetter und noch dazu im Sommer habe ich mit mehr Betrieb gerechnet. Aber so ist es mir natürlich recht!
                                        Direkt an dem großen Felsen ist ein schöner ebener grasiger Platz. Aber es ist ein wenig nass hier. Ich gehe weiter rauf und entdecke einen anderen schönen Platz. Zwar mit etwas Hanglage, aber trocken und auch mit einer Wahnsinns-Aussicht. Schnell baue ich das Zelt auf, packe die Kamera, und ziehe weiter.


                                        Coire Mhic Fhearchair by Borderli, on Flickr


                                        Flowerdale Forest by Borderli, on Flickr

                                        Direkt am Loch Coire Mhic Fhearchair finde ich "meinen" Sessel wieder:

                                        Loch Coire Mhic Fhearchair by Borderli, on Flickr
                                        Dort habe ich sogar ein Handysignal und kann meine glückliche Lage per sms verschicken.

                                        Warum ich nicht auf den Gedanken komme, in diesem See zu planschen, weiß ich nicht. Warm genug für eine Abkühlung ist es jedenfalls!

                                        Loch Coire Mhic Fhearchair by Borderli, on Flickr

                                        Den Versuch, auf dieser Route (hinten links im Bild) einen der Gipfel des Beinn Eighe zu erklimmen, brauche ich gar nicht erst zu unternehmen. Ein kaputtes Knie reicht mir.

                                        Ich laufe ein wenig in der Gegend herum, mache Fotos, und genieße es, diese schöne Landschaft ungestört "aufsaugen" zu können.


                                        Weglos in Richtung Kinlochewe by Borderli, on Flickr

                                        Später, viel später, kündigt sich der Sonnenuntergang an. Selbstverständlich hört der leichte Wind, der den ganzen Tag wehte, jetzt auf, und die Midges leisten mir Gesellschaft. In "Vollverhüllung" stehe ich neben meinem Stativ, den Fernauslöser in der Hand, und genieße es einfach, jetzt an diesem Ort zu sein. Der Tag war so perfekt, dass es schon fast zu schön ist um wahr zu sein. Und um diesem perfekten Tag einen perfekten Abschluss zu geben, fängt der Wind wieder an zu wehen, und ich kann den Rest des Sonnenuntergangs ohne Netz vorm Gesicht genießen. Das Leben ist schön!


                                        Flowerdale Sunset by Borderli, on Flickr


                                        Flowerdale Sunset by Borderli, on Flickr


                                        Sonnenuntergang mit Zelt by Borderli, on Flickr

                                        Das ist wieder ein Tag, an dem ich mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht einschlafe.

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