[NO] Rondane 2013 – Solotour die Zweite – 8.8.2013-17.8.2013

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    [NO] Rondane 2013 – Solotour die Zweite – 8.8.2013-17.8.2013

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    Bevor es im August wieder los geht, hier noch mein Reisebericht aus dem letzten Jahr:

    Vorbereitung:
    Dieses Jahr war die Tourplanung schwierig, bis ca 2 Wochen vor Abfahrt war nicht klar ob ich, und falls ja, wann ich Urlaub bekomme. Mein Arbeitsvertrag sollte am 15.06. auslaufen, ich war auf Jobsuche. Dann wurde mir eine Verlängerung meines Vertrages in Aussicht gestellt aber das ganze zog sich in die Länge. Schließlich kündigte ein Kollege und auf einmal war ich unentbehrlich und hatte meine Verlängerung aber auch Urlaubssperre bis ein Nachfolger gefunden war.
    Also fing ich an eine Tour zu planen bei der nichts vorgebucht werden muss. Die Anreise musste also mit dem Auto möglich sein. Dass ich nach Skandinavien wollte war klar. Der ganz hohe Norden fiel aus, da hätte mir die Anreise zu lange gedauert. Aber trotzdem wollte ich Fjäll da ich nicht gerne im Wald wandere. Ein Kollege brachte mich dann auf die Idee in den Rondane zu fahren.
    Meine Ausrüstung habe ich im Laufe des Frühjahres verbessert. Ein neuer Rucksack musste her. Mein alter Fjällräven Trapper aus der Jugendzeit hat noch nie richtig gepasst. Nach langem Ausprobieren habe ich mir einen Osprey Ariel 65 gekauft.
    Außerdem ersetzte ich meine alte Thermarest Trail Lite gegen eine Neoair Xlite Womens und kaufte mir einen Daunenschlafsack der nicht nur leichter als mein alter KuFa-Sack ist sondern auch wärmer, so dass auch das Fleeceinlett zu Hause bleiben konnte.
    Nach dem ich endlich den Urlaub bewilligt bekommen hatte, hatte ich das Glück noch relativ günstige Fährüberfahrten mit der Fjordline von Hirtshals nach Langesund zu bekommen.

    Tag 0 – 7.8.2013: Abfahrt
    Mein letzter Arbeitstag vor dem Urlaub. Ich bin extra früh auf der Arbeit um möglichst etwas früher los zu kommen. Die neue Kollegin schlägt sich gut und ich kann sie mit nur wenig schlechtem Gewissen für 1 ½ Wochen alleine lassen. Gegen kurz vor 3 komme ich los. Auf dem Heimweg tanke ich mein Auto und kaufe noch etwas Reiseproviant. Der Rucksack ist bereits gepackt im Flur. Gegen 5 Uhr versuche ich zu schlafen, klappt aber nicht so richtig. Nach 2 Stunden stehe ich wieder auf, hat ja so kein Sinn. Ich genieße eine vorerst letzte Dusche, schmiere mir Brote und fülle meine Thermoskanne mit Kaffee für die Fahrt. Mein Mann hilft mir noch meine Sachen zum Auto zu tragen und um 23:35 verlasse ich die Tiefgarage. Da fängt es gerade an zu Regnen – rechtzeitig zum Urlaubsstart, denke ich mir. Ich muss einmal quer durch die Stadt bis ich um Mitternacht die leere A7 erreiche.

    Tag 1 – 8.8.2013: Hamburg-Straumbu
    Ich fahre durch die Nacht in Richtung Norden. Es regnet teilweise wolkenbruchartig so dass ich langsamer fahren muss. Ich bin froh genügend Zeit zu haben. Vor Abfahrt hatte ich noch eine SMS von der Reederei bekommen, dass mein Schiff 1 ½ Stunden Verspätung hat. Auf der leeren Autobahn komme ich trotzdem gut voran. Als ich müde werde halte ich auf einem Parkplatz irgendwo in Dänemark und schlafe eine Stunde auf der Rückbank meines Golf. Bequem ist was anderes. Nach einer weiteren Kaffeepause komme ich um 6 Uhr in Hirtshals an. Es regnet in Strömen, so dass ich direkt einchecke. Die Fähre hat weiterhin 1 ½ Stunden Verspätung, statt um 8 soll sie erst um 9:30 Uhr abfahren. Ich mache es mir für weitere 2 Stunden auf meiner Rückbank „bequem“ und schlafe. Als ich wieder aufwache legt gerade die erst 3 Wochen alte MS Stavangerfjord an.



    Ich frühstücke, trinke meinen Rest Kaffee und unterhalte mich mit dem Norweger vor mir. Dieser empfiehlt mir doch nach Norwegen auszuwandern. Die Arbeitsbedingungen wären dort in meinem Beruf viel besser als in Deutschland. Nach dem Theater der letzten Wochen überlege ich mir das ernsthaft.
    Die Fährüberfahrt ist unspektakulär. Es gibt WLAN an Bord und so kann ich sogar mit meinem Mann chatten. In einer ruhigen Ecke schlafe ich etwas und dann sind wir auch schon in Langesund. Es ist 15 Uhr.



    Beim Zoll werde ich durchgewunken und ich fahre auf die E18 in Richtung Oslo. Dort ist viel Verkehr und eine Baustelle nach der anderen vor denen der Verkehr immer wieder stockt. Ich komme nur langsam voran. Zudem regnet es immer wieder. Es macht keinen Spass. In Oslo geht dann gar nichts mehr, nur noch im Schritttempo geht es voran. Im Radio bekomme ich mit, dass wohl nach einem schweren Unfall die E18 südlich von Oslo gesperrt ist und dadurch der gesamte Feierabendverkehr in Oslo zum Erliegen gekommen ist. Hinter Oslo in Richtung Norden läuft dann eine Weile gut bis der Verkehr dann ganz zum Stillstand kommt. Wegen Sprengungsarbeiten ist die Autobahn für eine halbe Stunde gesperrt. Mir wird klar, dass ich erst sehr spät an meinem Ausgangspunkt der Tour ankommen werde. Wie geplant noch heute loszulaufen und dann nach 1-2 Stunden mein Zelt aufzuschlagen wird wohl nichts. Ich beschließe mich nicht zu sehr zu ärgern und fange an in meinem Buch zu lesen. Irgendwann geht es dann weiter. In Hamar tanke ich und hole mir norwegische Kronen aus dem Bankautomaten. Ich beschließe heute einfach noch so weit zu fahren wie ich Lust habe und dann auf einem Parkplatz auf meiner Rückbank zu übernachten. Das Wetter ist sowieso schlecht. Als ich endlich in Ringebu die Abzweigung der 27 erreiche und es hoch in die Berge geht, ist es zwar schon dämmrig aber ich bin begeistert von der Landschaft. Etwas gruselig ist schon, als auf einmal Schafe mit im Scheinwerferlicht leuchtenden Augen vor mir auf der Straße stehen. Zum Glück war ich nicht zu schnell. Um 22:30 Uhr erreiche ich tatsächlich heute noch meinen Ausgangspunkt, den Parkplatz in Straumbu. Es regnet und ist dunkel, ich verziehe mich auf die Rückbank und schlafe erstaunlich gut. Der Regen prasselt auf das Autodach.
    Zuletzt geändert von Elchtier; 16.07.2014, 15:33.

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    #2
    AW: Rondane 2013 – Solotour die Zweite – 8.8.2013-17.8.2013

    Tag 2 – 9.8.2013: Straumbu -Langglupdalen unterhalb des Rondslottet
    Gegen halb 7 wache ich auf und stelle fest, dass es nicht mehr regnet. Auf meiner Trangia mache ich mir Frühstück und plane den Tag. Die Wolken hängen tief und die umliegenden Gipfel sind in den Wolken. Die geplante Route über den Gipfel des Høgronden hat also keinen Sinn. Also Plan B durch das Langglupdalen. Nach dem Frühstück packe ich meinen Rucksack. Endlich geht es los! Die Brücke hinter dem Parkplatz ist gleich ein Erlebnis: in der Mitte fehlen 2 Bretter. Mit einem großen Schritt ist es aber kein Problem rüber zu kommen und der Rest der Bretter hält. Nach der Brücke verzweigt sich der Weg, ich halte mich rechts in Richtung Høgronden, nach links geht es in Richtung Bjørnhollia. Es geht durch Wald. Erstaunt stelle ich fest, dass ich nicht von Mücken überfallen werde, letztes Jahr auf dem Kungsleden war das ganz anders. Ganz am Anfang biege ich einmal falsch ab und stehe auf einmal vor einem Fluss durch den ich ohne Waten nicht komme. Nach einem Blick auf die Karte erkenne ich meinen Fehler und schlage mich durchs Unterholz zurück auf den richtigen Weg. Dabei finde ich meine erste reife Hjortron – lecker! Tatsächlich gibt es am richtigen Weg auch eine Brücke. Die Sonne kommt heraus und ich kann sogar im T-Shirt wandern. Zunächst geht es nur leicht bergauf aber dann wird es steiler.


    Blick zurück

    Der Schlafmangel sowie der schlechte Trainingszustand machen sich bemerkbar. Ich habe in den letzten Wochen einfach zu viel gearbeitet und zu wenig Sport gemacht. Auch aus diesem Grund ist es wohl schlau auf die Gipfelüberquerung zu verzichten.


    Gipfel in den Wolken

    Ich mache mehrere kleine Pausen. Am liebsten würde ich sofort mein Zelt aufschlagen, aber es ist ja noch nicht mal Mittag. Sobald es flacher wird geht es wieder besser und ich habe wieder Spaß am Wandern. Über das Veslkolldalen erreiche ich den Rondane Nasjonalpark.



    An der Kreuzung wo der Weg in Richtung Gipfel Abzweigt schaue ich nochmals sehnsüchtig nach oben, aber der Gipfel liegt weiter in den Wolken und es fängt sogar an zu regnen. Es ist die richtige Entscheidung weiter das Tal entlang zu laufen. Die Regenklamotten müssen an. Ein Fehler ist es, nicht die Kaputze aufzusetzen sondern den Sonnenhut auf zu lassen. Am Ende des Tages ist natürlich der Hut nass und das Futter der Regenjacke hat sich vom Kragen her mit Wasser vollgesogen. Sehr schlau! Mir kommen einige Wanderer entgegen aber von überlaufen kann nicht die Rede sein. Es regnet immer wieder. Gegen 17 Uhr beschließe ich in einer Regenpause mein Zelt aufzuschlagen. Ich bin doch recht müde. In der Nähe des Baches am Fuße des Rondslottets schlage ich mein Nachtlager auf. Gekocht wird aus dem Zelt heraus da es wieder regnet. Ich lese noch etwas und schlafe dann früh ein. Die neue NeoAir ist deutlich bequemer als die Rückbank meines Autos. Mitten in der Nacht wache ich auf und muss mal raus. Es ist das erste mal dass ich nachts im Fjäll raus muss. Ich bin erstaunt, dass es nicht komplett dunkel ist. Eine gespenstische Stimmung herrscht draussen. Es ist leicht neblig und ich bin der einzige Mensch in Sichtweite. Schnell verkrieche ich mich wieder in meinen Schlafsack und schlafe weiter

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      #3
      AW: Rondane 2013 – Solotour die Zweite – 8.8.2013-17.8.2013

      Tag 3 – 10.8.2013: Langglupdalen unterhalb des Rondslottet-Dørålsglupen Nordhang
      Als ich das nächste Mal aufwache ist es hell. Ich schaue aus meinem Zelt und sehe erst mal gar nichts: es liegt dichter Nebel. Also döse ich noch etwas und lese. Später mache ich mir Frühstück und lese noch etwas.



      Dann klart es endlich auf und ich packe meine Sachen zusammen. Es ist schon fast Mittag als ich loskomme.


      Blick Richtung Rondvassbu

      Das Wetter bleibt erst mal trocken und später kommt sogar etwas die Sonne heraus. Auf dieser Etappe treffe ich einige Wanderer. Die meisten sind mit kleinerem Gepäck zwischen den Hütten unterwegs. Ich genieße es unterwegs zu sein und mache mehrere kleine Pausen. Außen am Rucksack trocknet das Innenfutter meiner Regenjacke, der Windstopperfleece reicht heute zum Wandern.







      Die etwas längere Mittagspause mache ich am Døråe.
      Ich überlege mir meine weitere Route. Die Dørålsglupen reizt mich und da es noch früh am Tag ist und ich mich noch gut fühle, beschieße ich sie noch heute in Angriff zu nehmen. An der Dørålseter-Hütte genehmige ich mir eine Cola und lasse mir den Wetterbericht der nächsten Tage geben. Es soll durchwachsen bleiben. Hinter der Hütte ist der Anstieg steil. Es fängt auch wieder an zu regnen und die Regenklamotten müssen an. Ich komme darunter ganz schön ins Schwitzen. Zum Glück ist es nur ein Schauer und bis ich in der Steinschlucht angekommen bin sind auch die Steine wieder abgetrocknet.



      Der jetzt kommende Abschnitt ist der anspruchsvollste meiner Tour. Hochkonzentriert und teilweise auf allen Vieren überklettere ich die Felsblöcke. Hier möchte ich auf keine Fall umknicken oder stürzen. Die Landschaft beeindruckt mich sehr.







      Am nördlichen Ausgang der Schlucht sehe ich rechts etwas höher am Hang einen geeigneten Übernachtungsplatz auf dem Sattel zwischen einem kleinen vorgelagerten Gipfel. Die Sonne scheint und ich male mir aus wie ich gleich in der Sonne vor meinem Zelt sitze und zu Abend esse. Ich fange an mein Zelt aufzustellen. Gerade als ich das Aussenzelt übergeworfen habe fängt es Wolkenbruchartig an zu regnen. Der Regen kam von Süden über den Gipfel und so habe ich ihn nicht herannahen sehen. Ich werfe meinen Rucksack ins Zelt und springe hinterher. Das Aussenzelt hatte ich noch nicht abgespannt und flattert im Wind. Aber ich bleibe trocken und nach einigen Minuten ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Ich spanne das Zelt vernünftig ab, koche mir mein Abendessen und mache noch einen kleinen Spaziergang auf den vorgelagerten Gipfel mit tollem Blick ins Tal. Dann schlafe ich wieder gut in meinem tollen warmen Schlafsack.


      Blick zurück, rechts Dørålsglupen und links mein Zelt


      Blick ins Tal

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        • 10.02.2013
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        #4
        AW: Rondane 2013 – Solotour die Zweite – 8.8.2013-17.8.2013

        Tag 4 – 11.8.2013: Dørålsglupen Nordhang – Skortbekken unterhalb des Steinbruchs
        Heute Morgen ist das Wetter besser. Nach dem Frühstück packe ich zusammen und mache mich auf den Abstieg. Ich bin mal wieder froh über meine Stöcke, die meine Knie bei dem steilen Abstieg entlasten.


        Abstieg ins Tal


        Richtung für heute

        Unten am Wasser, dem Haverdalsåe, gibt es ein Paar nette Zeltplätze. Dort steht auch ein Zelt, aber die Bewohner bemerken mich nicht als ich vorbei gehe. Die Brücke ist wieder spannend. Sie ist etwa 2 Meter hoch und auf beiden Seiten geht es senkrecht über Betonstufen nach oben bzw. nach unten. Mit dem Rucksack gar nicht so einfach. Aber ich komme heil drüben an.





        Ich folge dem Haverdalen nach Westen. Teilweise ist es sehr schlammig und ich versinke bis zu den Knöcheln im Morast. Aber meine Schuhe sind sowieso schon durchnässt. Trotzdem komme ich gut voran, denn es ist kaum Steigung. Eigentlich würde ich hinter jeder Ecke einen Elch vermuten aber es lässt sich keiner blicken.



        Auf diesem Abschnitt treffe ich auf keinen Menschen. Das Wetter ist trocken und gelegentlich kommt die Sonne durch. Vor den Haverdalsæter-Hütten gibt es ein paar Stellen mit toller Aussicht.


        Blick nach vorne


        Blick zurück

        Vorbei an den Hütten gehe ich weiter dem Gravbekken folgend hoch zum Storrvatnet. Auf dem Weg mache ich eine ausgiebige Pause und schlafe sogar etwas in der Sonne auf weichem Moos. Am Storrvatnet stehen ein Paar Privathütten und ich treffe ein paar Angler, die ersten Menschen an diesem Tag denen ich begegne.


        Storrvatnet

        Ich folge dem Pfad in Richtung Süden. Am Storvassberget ist die Steigung doch etwas mehr als erwartet bevor es dann hinunter zum Skortbekken geht. Der Steinbruch trübt die Aussicht, aber es ist Sonntag und somit wird nicht gearbeitet. Es ist noch früh und ich fühle mich noch nicht müde aber als nächstes würde der Anstieg zum Sletthøe beginnen. Ich entscheide mich das Zelt in der Nähe des Baches aufzustellen und Morgen den Anstieg zu bewältigen. Wer weiß, wann an dem Hang der nächste geeignete Zeltplatz kommt.
        Es ist trocken und leicht windig, so trocknet mein Zelt schnell. Schade nur, dass ich von meinem ansonsten sehr schönen Zeltplatz direkt auf den Steinbruch schaue. Dort fährt ein Auto vor und zwei Menschen steigen aus und laufen umher schauen durch die Fenster der Steinbruchhütte und betrachten auch mich durch ihr Fernglas. Ich schaue einfach mit meinem Fernglas zurück. Dann steigen sie in ihr Auto und fahren weiter. Etwas komisch war mir schon in der Situation. Trotzdem schlafe ich auch diese Nacht wieder sehr gut.

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          #5
          AW: Rondane 2013 – Solotour die Zweite – 8.8.2013-17.8.2013

          Tag 5 – 12.8 2013: Skortbekken unterhalb des Steinbruchs – kleiner namenloser Bach zwischen Brekkeseter und Smjuksjøseter fjellstue
          Am Morgen wache ich im strömenden Regen auf. Auch noch etwas weiter dösen und lesen hilft nicht, es hört nicht auf. Nach dem Frühstück lese ich noch etwas weiter bis ich mich dann endlich aufraffe und meine Sachen packe. In voller Regenmontur geht es los. Die Sicht ist schlecht so bekomme ich nicht mal eine schöne Aussicht als Belohnung für den Anstieg. Nach dem ersten Anstieg wird es flacher. Ich mache keine Pausen, das Wetter lädt einfach nicht dazu ein. Der letzte Anstieg zum Sletthøe ist nochmal sehr steil und geht teilweise über Blockfelder. Bei der Nässe muss ich mich wirklich konzentrieren nicht abzurutschen. Am ersten Gipfel auf 1576m gönne ich mir etwas Schokolade dann geht es direkt weiter denn der Wind ist eiskalt. Sicht gibt es sowieso keine. Auf dem Weg zum zweiten Gipfel muss ich wieder über ein Blockfeld. Am zweiten Gipfel auf 1577m holt mich das Paar ein, welches ich schon den ganzen Tag hinter mir gesehen habe, sie haben leichteres Gepäck als ich, also dürfen sie schneller sein. Dann beginnt der Abstieg ins Kvannslådalen. Das Wetter wird etwas freundlicher, es regnet nicht mehr und die Sicht ist auch etwas besser. Unten am Bach mache ich dann eine längere Pause. Ich habe ziemlich Hunger. Zum ersten mal auf der Tour packe ich tagsüber meinen Kocher aus und ich mache mir einen warmen Pudding und gleich noch eine Blåbärssoppa hinterher. Natürlich fängt es während der Pause wieder an zu regnen. Dann geht es weiter in Richtung Høvringen. Auf einmal kommt mir eine Frau ohne Rucksack aber mit Hund und Mobiltelefon am Ohr entgegen. Die Zivilisation ist also nahe. Ich mache mein Handy an und habe tatsächlich vollen Empfang. Den nutze ich dann auch gleich um mich bei meinem Mann und meinen Eltern zu melden. Ich habe keine Lust bis in den Ort zu laufen und so versuche ich Querfeldein oberhalb der Häuser in Richtung Smuksjøseter fjellstue abzukürzen. Das ist nicht ganz einfach, da entweder das Gestrüpp kniehoch oder der Boden sumpfig ist. Als ich wieder auf einen Pfad stoße folge ich ihm. Ein paar Meter weiter liegen einige Rinder auf dem Pfad. Vorsichtig gehe ich näher. Eine der Kühe blickt auf, schaut mich böse an und senkt ihre Hörner. Ich habe verstanden, das ist ihr Platz und sie möchte nicht gestört werden. Also laufe ich zuerst Rückwärts und schlage mich dann in einem Großen Bogen um die kleine Herde wieder durchs Gestrüpp. Es wird langsam Abend und ich habe nur noch wenig Lust. Also mache ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz. Ich finde an einem Bach eine etwas erhöht liegende und trotzdem durch Gestrüpp geschützte Stelle etwa auf halber Strecke zwischen Brekkeseter und der Smuksjøseter fjellstue. Im Regen baue ich mein sowieso schon nasses Zelt auf und verkrieche mich in meinen Schlafsack. Nach dem Abendessen verbringe ich den Rest des Abends mit lesen. Die nächste Nacht soll die kälteste auf meiner Tour werden. Zum ersten Mal ziehe ich die Kapuze des Schlafsackes richtig auf, sie ganz zuzuziehen ist aber nicht nötig.
          Fotos habe ich heute den ganzen Tag keine gemacht.

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            #6
            AW: Rondane 2013 – Solotour die Zweite – 8.8.2013-17.8.2013

            Tag 6 – 13.8.2013: kleiner namenloser Bach zwischen Brekkeseter und Smjuksjøseter fjellstue – Rondvassbu
            Als ich aufwache hören sich die Tropfen auf mein Zelt irgendwie dumpfer an, ein Blick aus dem Zelt verrät mir den Grund: Schneeregen. Mein Thermometer zeigt 3 Grad. Die Motivation aus dem Schlafsack zu kriechen ist gering. Schließlich raffe ich mich auf. Sobald ich auf dem Hauptweg zur Smjuksjøseter fjellstue bin komme ich gut voran. Der Weg ist einfach zu laufen. Weiter geht es zur Peer Gynt hytta. Auf den umliegenden Gipfeln liegt Schnee. An der Hütte angekommen sehe ich, dass ich Glück habe: heute ist der letzte Tag der Saison, an der die Hütte auch unter der Woche auf hat. Ich freue mich ins trockene zu können und genehmige mir eine Waffel und einen Kaffee. Nach der Hütte geht es erst mal ca. 250 Höhenmeter bergauf. Trotz des eisigen Windes, der zum Glück von hinten kommt, komme ich ordentlich ins Schwitzen. Schon von weitem kann man die Schutzhütte Ljosåbue sehen. Ich setze mir zum Ziel, meine nächste Pause dort zu verbringen und hoffe, dass sie offen ist. An der Hütte angekommen heißt mich ein deutsches Paar willkommen. Die beiden sind noch ganz am Anfang ihrer Tour und haben die Nacht im Zelt nahe der Schutzhütte verbracht. Sie erzählen, dass am Morgen Schnee lag und sie beschlossen haben den Tag in der Hütte zu verbringen. Wir unterhalten uns etwas bis ich mich wieder auf den Weg mache. Der Hauptanstieg ist geschafft. Ich marschiere ohne nennenswerte Pausen weiter. Es regnet natürlich immer noch. Meine Handschuhe sind durchnässt aber wärmen zum Glück trotzdem etwas. Ich nehme mir vor, vor der nächsten Tour wasserdichte Handschuhe zu kaufen. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich relalistische Chancen habe es bis zum Abendessen zur Hütte Rondvassbu zu schaffen. Der Gedanke an ein Abendessen im trockenen sowie eine Dusche spornt mich an. Vor dem letzten Abstieg zum See kommt die Hütte in Sicht. Das restliche Stück um den See zieht sich, aber dann bin ich da. Ich buche ein Bett im Schlafsaal und schaffe es sogar noch meine nassen Sachen in den Trockenraum zu bringen und zu duschen bevor es Abendessen gibt. Ich sitze an einem Tisch mit mehreren Norwegern und einer schwedischen Familie. Es gibt eine Spinatsuppe, Lachs mit Rohkostsalat und Brownie zum Nachtisch. Wir unterhalten uns gut. Nach dem Essen bin ich ziemlich müde. Erfreut stelle ich fest, dass ein Großteil meiner Klamotten bereits trocken ist. Ich breite noch mein Zelt im Trockenraum aus und verschwinde dann in meine Koje, lese noch etwas und schlafe dann. In dieser Nacht schlafe ich schlecht: es ist viel zu warm, jemand schnarcht und mitten in der Nacht kommen noch andere an und flüstern noch ewig bis sie endlich einschlafen.

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              #7
              AW: Rondane 2013 – Solotour die Zweite – 8.8.2013-17.8.2013

              Tag 7 – 14.8.2013: Rondvassbu – oberhalb Bjørnhollia
              Ich wache auf als morgens der Generator eingeschaltet wird und somit auch das Licht im Schlafsaal an geht. Draußen scheint die Sonne! Noch bevor es Frühstück gibt hole ich meine trockenen Sachen aus dem Trockenraum und packe meinen Rucksack. Nur meine Stiefel haben es nicht geschafft über Nacht zu trocknen. Ich Frühstücke ausgiebig und checke dann aus. Ein T-Shirt leiste ich mir auch noch. So beträgt die Rechnung am Ende umgerechnet 108€, ein stolzer Preis. Aber es war es wert. Ich schaue hoch zum Rondslottet. Es muss toll dort oben bei schönem Wetter sein. Aber es liegt auch Schnee und so traue ich mir die Gipfelbesteigung nicht zu. Ich laufe los in Richtung Illmanndalen. Heute habe ich es nicht eilig, denn ich habe noch 2 Tage Zeit, bis ich wieder an meinem Ausgangspunkt sein muss. Bei Sonnenschein mache ich viele kleine Pausen. Leider hat meiner Kamera die Feuchtigkeit der letzten Tage nicht gut getan, sie schafft noch ein paar wenige Bilder und funktioniert dann nicht mehr.


              Blick zurück


              Blick nach vorne


              Das letzte Bild bevor die Kamera aufgibt

              Am späten Nachmittag suche ich mir oberhalb der Bjørnhollia Hütte etwas abseits vom Weg einen Übernachtungsplatz. Ich lese mein Buch zu Ende. Auf einer Anhöhe in der Nähe habe ich Handyempfang und auf der Mailbox ein Anruf eines potentiellen Arbeitgebers bei dem ich mich beworben, und auch ein Vorstellungsgespräch hatte. Er würde gerne mit mir noch ein paar Details bezüglich meines Arbeitsvertrages besprechen. Der Alltag holt mich ein und so richtig Ruhe die Natur zu genießen habe ich an diesem Abend nicht mehr. Dafür schlafe ich aber wieder gut in meinem Zelt.

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                #8
                AW: Rondane 2013 – Solotour die Zweite – 8.8.2013-17.8.2013

                Tag 8 – 15.8.2013: oberhalb Bjørnhollia – Straumbu
                Sonne! Ein letztes Mal packe ich meine Sachen zusammen und mache mich auf den Weg. Die ersten Meter komme ich nur sehr langsam voran, da am Hang hinunter zur Hütte viele Blaubeeren und Hjortron wachsen. Da kann ich nicht einfach vorbei gehen. Die Bjørnhollia liegt sehr idyllisch. Dahinter ist der letzte steile, wenn auch kurze Anstieg der Tour. Da ich wieder keine Eile habe mache ich viele Pausen und genieße die Landschaft. Leider macht das norwegische Militär heute Flugübungen im Tal so dass es nicht ganz so ruhig ist. Am Nachmittag komme ich am Parkplatz an. Mein Auto steht dort wohlbehalten. Im Kiosk gönne ich mir ein Eis und studiere dabei die Karte. An der Grimsdalshytta soll es einen einfachen Campingplatz geben der über eine Mautstrasse zu erreichen ist. Dorthin mache ich mich auf den Weg. Der Campingplatz ist ganz nach meinem Geschmack: sehr einfach mit nur 2 Plumpsklos. Wasser gibt es aus dem Bach. Ich stelle mein Zelt auf und laufe hoch zur Hütte um für die Übernachtung zu zahlen. Mit 30 Kronen ist diese sehr günstig. Dann sitze ich bis die Sonne untergeht vor dem Zelt am Picknicktisch, trinke Tee und lese. Ein schöner letzter Abend im Fjäll. Leider gibts hiervon nur Handy-Bilder.



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                  #9
                  AW: Rondane 2013 – Solotour die Zweite – 8.8.2013-17.8.2013

                  Tag 9 - 16.8.2013: Heimreise Teil 1
                  Muuuh! Ich schrecke hoch. Schmatz, Schmatz! Vorsichtig schaue ich aus meinem Zelt und blicke auf Kuhbeine. Mein Zelt steht mitten in einer Kuhherde und ich habe Angst, dass gleich eine über meine Zeltleinen stolpert. Das Wetter ist wolkig, so fällt mir der Abschied aus dem Fjäll nicht so schwer. Ich Frühstücke wieder am Picknicktisch und eine neugierige Kuh schaut auch vorbei und würde wohl gerne mitessen. Dann baue ich mein Zelt ab. Gerade als ich losfahre fängt es an zu regnen. Unten im Tal, in Dovre, suche ich als erstes einen Supermarkt und decke mich mit norwegischen Leckereien für die Heimreise ein. Nochmals möchte ich nicht durch Oslo fahren und ich habe ja Zeit, also entscheide ich mich über Landstrassen nach Langesund zu fahren. Das Wetter ist furchtbar und läd nicht zu Pausen ein, also fahre ich immer weiter. Mittagspause mache ich im Regen an einem überdachten Picknicktisch. Eigentlich dachte ich, dass ich unterwegs an einem netten Ort übernachte aber so fahre ich durch bis Langesund. Der dortige Campingplatz ist extrem teuer, so teuer, dass ich schon vergessen habe, wie viel ich gezahlt habe. Im Regen stelle ich mein Zelt auf der Wiese auf und mache mich auf den Weg zu den Duschen. Das Sanitärgebäude ist nagelneu und besteht aus vielen einzelnen Badezimmern, jeweils mit Toilette Dusche und Waschbecken. Die warme Dusche tut gut. Dann begebe ich mich in die Küche und mache mir mein Abendessen. Dort ist es recht gemütlich, es gibt Stom und WLAN und so verbringe ich den restlichen Abend dort bevor ich in mein Zelt krieche.

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                    #10
                    AW: Rondane 2013 – Solotour die Zweite – 8.8.2013-17.8.2013

                    Tag 10 – 17.8.2013: Heimreise Teil 2
                    Ich schlafe aus. Als ich aufwache merke ich dass die Sonne scheint. Ich frühstücke in Ruhe in der Sonne vor dem Zelt bevor ich dann langsam das Zelt abbaue. Meine Fähre geht erst um 14:30 und so habe ich noch viel Zeit. Ich fahre ins Dorf und mache noch einen Spaziergang. Dort ist gerade ein Dorffest und somit eine Menge los. Ich muss mich erst wieder dran gewöhnen Leute um mich zu haben. Dann fahre ich zum Fährhafen. Meine Kamera erbarmt sich doch noch ein paar Bilder zu machen.



                    Diesmal geht es pünktlich los. Bei dem schönen Wetter suche ich mir ein windgeschütztes Plätzchen an Deck.



                    Über eine Durchsage werden die Kinder an Bord zu einer Führung auf die Brücke eingeladen. Ich habe Glück und auch „große Kinder“ dürfen mit.





                    Meine letzten norwegischen Kronen investiere ich in eine Portion Pommes. Dann sind wir auch schon in Hirtshals und ich trete die letzte Etappe der Heimreise an. Um kurz vor Mitternacht komme ich zu Hause an, so dass ich dann um 0:00Uhr pünktlich meinem Mann zum Geburtstag gratulieren kann.

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                    • Elchtier
                      Gerne im Forum
                      • 10.02.2013
                      • 68

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: Rondane 2013 – Solotour die Zweite – 8.8.2013-17.8.2013

                      Fazit:
                      Aufgrund des Wetters war die diesjährige Tour anspruchsvoller als die letztjährige.
                      Ich hatte immer noch zu viel Essen dabei, obwohl schon deutlich weniger als letztes Jahr. Die Trekkingmahlzeiten mit je ca. 120g Trockengewicht sind die für mich optimalen Portionen, von den letztjährigen 160g-Portionen ist immer was übrig geblieben.
                      Mein Zelt (Nordisk Pasch PU) hat sich wieder bewährt. Auch der Dauerregen war kein Problem. Es gibt für mich noch keinen Grund es auszutauschen.
                      Der neue Rucksack ist super, war ein guter Kauf. Auch den neuen Schlafsack und die Neoair möchte ich nicht mehr missen.
                      Mit meinen Stiefeln kann ich mich immer noch nicht wirklich anfreunden. Dieses Jahr hatte ich zumindest keine Blasen. Vielleicht muss ich nächstes Jahr doch neue kaufen obwohl sie eigentlich noch gut sind.
                      Die Kamera muss besser wasserdicht verpackt werden. Nach einer ausgiebigen Trocknung funktioniert sie zum Glück wieder.

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