[UK] Wester Ross, Mai 2014

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    • Meine Reisen

    [UK] Wester Ross, Mai 2014

    Tourentyp
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    Mitreisende
    Dieser Urlaub endet so wie er vor 10 Tagen begann: Mit einer Wanderung bei schönstem schottischen Regenwetter.

    Am ersten Tag:

    Brücke über den Fionn Abhainn von Borderli auf Flickr

    Und am letzten Tag:

    Dauerregen von Borderli auf Flickr



    Vorgeplänkel:
    Den ersten Versuch, in dieser wunderschönen Gegend Schottlands eine längere Wanderung zu unternehmen, machte ich Ende Oktober / Anfang November 2012 (Torridon und so). Eine fiese Erkältung brachte jedoch diverse Planänderungen mit sich, so dass die längste Tour gerade mal zwei Tage betrug.
    Im Frühjahr 2013 (Bequem unterwegs in Schottland April 2013), meinem Urlaub mit dem bislang schlechtesten Wetter, schrottete ich mir das rechte Knie so gründlich, dass es operiert werden musste, und ich vorübergehend nicht in der Lage war, stundenlang zu wandern, schon gar nicht mit großem Gepäck. Daher verbrachte ich im Herbst 2013 (Noch bequemer unterwegs in Schottland) einen sehr bequemen Urlaub in dieser Region - bei bestem Wetter.

    Kaum daheim, schmiede ich schon neue Pläne. Die misslungene Herbst-Tour 2012, die ich eigentlich im Herbst 2013 nachholen wollte, soll jetzt im Mai 2014 stattfinden - sofern das reparierte Knie mitmacht. Ich buche den Flug, und lasse den Rest zunächst offen. Noch traue ich dem ollen Knie nicht über den Weg. Anfang des Jahres glaube ich nicht daran, eine Wanderung durchführen zu können und stelle mich innerlich schon auf einen weiteren Bequem-Urlaub mit Mietwagen ein. Aber dann, ab Februar, geht es steil bergauf mit der Genesung. Ob es das Krafttraining ist, oder die Tapes, oder einfach der Zeitablauf - cò aig‘ tha fios? Wer weiß?

    Meine Wanderpläne nehmen jedenfalls Gestalt an. Noch bin ich vorsichtig und plane Tagesetappen von deutlich unter 20km und viele Puffertage ein. Die kann ich dann entweder für Pausen verwenden (mit dickem Knie im Zelt schmollend), oder für Extra-Touren (juhu, mir geht es prima!), oder bei Bedarf für noch kürzere Tagesetappen. Fest steht nur: Ich will wandern. Ich werde wandern. Schluss mit den bequemen Schottlandreisen!

    Gerade als ich die Pläne in der Theorie fertig habe, erreicht mich eine Nachricht meiner Tochter. Ihre Bachelor-Feier findet einen Tag vor meiner geplanten Rückreise statt. Nun, das ist natürlich ein Ereignis, das ich mir nicht entgehen lassen will. Mit einigem Aufwand und viel Unverständnis für die Preisgestaltung der Kranich-Airline buche ich mich auf einen anderen Rückflug, der zwei Tage früher stattfindet als geplant.

    Nun muss ich aber auch meine Wanderpläne ändern. Durch die frühere Rückreise fehlen mir zwei Puffertage, auf die ich aus den schon geschilderten Gründen nicht verzichten will. Das traue ich meinem rechten Knie noch nicht zu.

    In dieser Umplan-Phase schildert Rainer Duesmann hier seine Wanderpläne. Ratzfatz ist ein Treffen vereinbart, das sich in meine neuen Pläne gut einbinden lässt.

    Drei Wochen vor Urlaubsbeginn, am Osterwochenende, hole ich die Inov8s aus dem Schrank - die Schuhe meiner Wahl. Mit nassen Füßen kann ich mich abfinden, wenn die Schuhe nur bequem sind und ich mir keine Blasen laufe. Ich ziehe ein Paar Wandersocken an, steige ich die Stiefel, und - aua! Sind die Schuhe geschrumpft, oder ist mein rechter Fuß am Ballen breiter geworden? Vermutlich letzteres. Eine halbe Stunde später: Immer noch „aua“. Schade, schade, schade, aber in diesen Schuhen kann ich nicht stundenlang gehen; von einem mehrtägigen Spaziergang mit Rucksack ganz zu schweigen. Mmpf. Was nun? Ein Paar alte Leichtwanderschuhe habe ich beim täglichen Hundegassi im Einsatz, aber die sind völlig ausgelatscht und bieten überhaupt keinen Halt. Die schweren Meindls doch wieder? Ein Versuch zeigt, dass sie, zumindest mit der Schnürung vom letzten Herbst, am rechten Fuß ebenfalls zu eng sind. Die Höhe passt im Vorfußbereich einfach nicht mehr. Durch eine weitere Schnürung ist der Druck einigermaßen weg vom Ballen, aber optimal ist es nicht. Ich beschließe, einen nicht unbeträchtlichen Teil meiner Freizeit in der nächsten Woche in Schuhgeschäften zu verbringen. Ich hasse Einkaufen.

    Nachdem ich mehrere Verkäufer in Schuh- und Outdoorgeschäften an den Rande eines Nervenzusammenbruchs gebracht habe, finde ich einen Schuh, der an den rechten Problemfuß passt: Hanwag baut den „Tatra“ jetzt auch für Menschen mit Hallux Valgus. Und genau dieses Modell ist im Vorfußbereich nicht nur breit, sondern auch hoch genug, um mir zu passen. Dass es den Schuh nicht mit Membran, sondern „nur“ als Volllederschuh gibt, ist mir egal. Hauptsache, er passt. Mit einem Paar neuer Schuhe und einer vollen Tube SnoSeal mache ich mich glücklich auf den Heimweg. Viel Zeit, um die Schuhe einzulaufen, habe ich nicht mehr, aber es wird schon irgendwie gehen. Ich verpasse ihnen eine ordentliche Schicht Wachs, und packe mir eine angebrochene Tube dieses Zeugs in den Rucksack.

    Dann geht alles schnell. Mittwoch: Rucksack packen. Donnerstag: lange arbeiten. Freitag: Hunde zu meinen Eltern bringen. Und schon ist Reisetag!


    10. Mai 2014 - Anreise -
    Früh um 5.00 Uhr piept der Wecker. Einen Moment später registriert mein noch verschlafener Verstand, dass heute nicht der Weg zur Arbeit, sondern der Weg in den Urlaub ansteht. Während die Kaffeemaschine vor sich hin röchelt, schalte ich den Computer ein - zum letzten Mal für die nächsten 12 Tage - und sehe mir den Wetterbericht für die nordwestlichen Highlands an. Hm, sieht nicht gut aus. Eine Facebook-Bekannte, die seit ein paar Tagen in den Cairngorms unterwegs ist, riet mir gestern, das Regenzeug einzupacken. Klar doch, das ist immer das erste, was ich bei der Vorbereitung einer Tour raus lege. Mein schlechtes Verhältnis zum schottischen Wetter ist ja sehr solide und gefestigt...

    Kaffee, Frühstück (nochmal falle ich auf den Lufthansa-Joghurt nicht rein), Rucksack und Handgepäck schnappen, und los geht die Reise. Mr Borderli fährt mich nach Darmstadt; von dort aus fahre ich mit dem Airliner zum Flughafen Frankfurt. Dort verläuft alles planmäßig. Im Flugzeug kann ich dann wählen zwischen einem Joghurt und einem eingeschweißten Croissant. Nein danke, aber ich hätte gerne noch einen Kaffee. Warum auf diesen Kurzstreckenflügen so ein Aufwand mit der Bordverpflegung getrieben wird, ist mir rätselhaft.

    Während des Fluges habe ich immer wieder das Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben. Oder habe ich etwas Falsches mitgenommen? Vergessen, etwas Wichtiges zu erledigen? Ich kann es nicht greifen. Als nach der Landung die anderen Fluggäste wie wild auf ihre Handys und Smartphones einklopfen, denke ich mir, dass ich mein Handy später aus dem Rucksack holen und einschalten werde. Dieses Mal ist es nicht in der Hüfttasche - die ist voll mit Fotozeug - sondern ganz unten im vollgestopften Daypack.

    Nach der Passkontrolle und der Gepäckabholung geht mein Weg dieses Mal nicht zum Car Rental Centre, sondern zur Bushaltestelle. Dieser Flughafen ist wirklich schön übersichtlich! Im Zug nach Inverness krame ich dann im Daypack und suche mein Handy. Ich räume das ganze Gerümpel aus - kein Handy. Hm. Ich habe doch das Handy und den Ersatzakku geladen und alles in eine Schutzhülle gepackt. Habe ich diese womöglich in den großen Rucksack gestopft? Ja, so wird es wohl sein, denke ich, und lehne mich entspannt zurück. In Inverness kaufe ich Gas, und checke dann im SYHA Hostel ein. Ich durchsuche alle Deckeltaschen des Rucksacks, die Seitentasche - Fehlanzeige. Da ich mir sicher bin, seit Mittwoch nichts am Hauptfach des Rucksacks verändert zu haben, scheidet dieses als Aufenthaltsort meines Handys aus. Sollte ich es tatsächlich vergessen haben? In Gedanken gehe ich den gestrigen Tag nochmals durch. Da dämmert es mir: Es liegt noch im Auto, im Ablagefach links unter dem Lenkrad. Ich glaube, ich werde alt...

    Gut. Problem erkannt. Lösung? Inverness hat eine Einkaufsstraße mit mehreren Handygeschäften. Bei mobiles4you erstehe ich ein ganz einfaches Modell für £7.95, mit einem Guthaben von £10. So einfach kann das sein. Daheim anrufen und die neue Nummer durchgeben, und das ist geklärt. Zum Urlaubsende hin habe ich mich mit Rainer Duesmann verabredet; seine Handynummer ist natürlich daheim im Auto. Aber, nachdem ich 2009 ein Handy im Fluss ertränkte, habe ich mir angewöhnt, Telefonnummern zusätzlich einem Stück Papier anzuvertrauen. Also ist auch dieses Problem gelöst.

    Jetzt endlich kann ich mich um meinen Hunger kümmern. Zurück im Hostel, und immer noch recht genervt, laufe ich in eine Gruppe von ca. 9- bis 13jährigen Schülern, welche die Lobby unsicher machen. Na, das kann ja gut werden heute Nacht, denke ich.


    11. Mai 2014 - Welcome back to Scotland! -
    Wird es aber nicht. Von den Kids ist, nachdem sie recht früh in die Schlafräume geschickt wurden, nichts mehr zu hören. Später, ich sitze im Bahnhof auf einer Bank und betreibe people-watching, wird es laut. Wieder die Kinds, mit großen Sporttaschen und einem Pokal. Und weil ich so ein dringendes Bedürfnis nach Ruhe habe, sind sie nicht nur im selben Zug, sondern auch im selben Abteil wie ich... Sie sind gut drauf, zwar laut, aber höflich und nett. Eine der Betreuerinnen erzählt mir, dass sie von den Uists kommen, in Inverness einen Wettkampf hatten, und jetzt auf dem langen Rückweg sind - Zug nach Kyle of Lochalsh, Bus nach Uig, Fähre nach Lochmaddy. Ein Erlebnis für die Jungs und Mädels, zweifellos!

    Irgendwann erreicht der Zug Strathcarron. Erleichtert, dem Trubel entronnen zu sein, steige ich aus. Da es den ganzen Tag schon immer wieder mal regnet, packe ich mich gleich in die Regenmontur und mache den Rucksack startklar. Der Zug fährt, die Kids winken, ich winke zurück, und dann gehe ich los. Endlich wieder auf Tour!

    Der Weg geht zuerst schön gemütlich am Fluss entlang, bei strahlendem Sonnenschein.


    Strathcarron von Borderli auf Flickr


    Strathcarron von Borderli auf Flickr

    Kurz vor Coulags, wieder auf der Straße, ein kalter Windstoß. „Endlich“, denke ich. Und dann: Platzregen. Dieser geht in einen gleichmäßigen Landregen über, während ich am Fionn Abhainn entlang immer schön sachte bergauf gehe. Schlecht gelaunt und immer noch genervt stampfe ich auf dem schlammigen Weg voran, immer den Gedanken „Ich habe es doch gewusst!“ im Vordergrund. Schottland, Regen, Wandern und ich, das gehört seit Mai 2011 zusammen. Welcome back to Scotland!


    Weg entlang des Fionn Abhainn von Borderli auf Flickr


    Ein einsames Tor von Borderli auf Flickr


    Bothy am Fionn Abhainn von Borderli auf Flickr

    Kurz vor der Bothy am Fionn Abhainn hört der Regen auf. Ich laufe weiter, jetzt bei trübem, aber immerhin trockenem Wetter. Ein großer weißer Felsen fällt mir auf. Laut Karte handelt es sich um den „Clach nan Con-fionn“, den „Stein des weißen Hundes“. Naja, mit etwas Fantasie kann man einen weißen Hund darin erkennen. Ich laufe weiter, und unterhalte mich eine Weile mit zwei Wanderern, die mir entgegen kommen. Auf meine Frage nach dem Wetterbericht meint einer von ihnen, dass das Wetter ab morgen besser werden soll. Na - stimmt das tatsächlich, oder wollte er einfach nur höflich sein? Die beiden laufen weiter, und ich werfe einen Blick zurück: Da! Aus dieser Richtung sieht der weiße Fels tatsächlich aus wie ein sitzender weißer Hund.


    Clach nan Con-Fionn von Borderli auf Flickr
    (von der anderen Seite ist er besser zu erkennen, aber da habe ich ihn nicht fotografiert)

    Der Nachmittag schreitet weiter fort, und der Loch Coire Fionnaraich kommt in Sicht.


    Loch Coire Fionnaraich von Borderli auf Flickr

    So langsam sollte ich nach einem Zeltplatz Ausschau halten, denke ich. Gar nicht so einfach hier: Felsen, Sumpf, Hanglage. Nicht alles, was eben und grün ist, eignet sich als Zeltplatz. Kaum steht man dort, steigt schon das Wasser am Stiefel hoch. Am Nordufer des Loch Coire Fionnaraich, etwas abseits des Wegs, werde ich fündig. Mein Zeltplatz ist zwar etwas buckelig, aber das gleicht die Neo Air gut aus. Die Aussicht ist auch nicht schlecht!


    Loch Coire Fionnaraich von Borderli auf Flickr


    Zelten am Loch Coire Fionnaraich von Borderli auf Flickr

    Ich baue meine Hilleburg auf, richte mich darin ein, und hole Wasser. Dass die Faltflasche ganz unten im Rucksack, noch unter Schlafsack und Klamotten, ist, ist irgendwie klar. Kaum zurück im Zelt, ich habe gerade den Reißverschluss hinter mir zugezogen, beginnt der Regen wieder. Ich koche und esse im Zelt, und liege dann im Schlafsack, lese, und höre dem Prasseln des Regens auf der Zeltplane so lange zu, bis ich einschlafe. Ich wache mehrmals auf, und immer noch regnet es. Na prima, wie sollte es anders sein?
    Zuletzt geändert von Borderli; 19.06.2014, 09:15.

  • Borderli
    Fuchs
    • 08.02.2009
    • 1702

    • Meine Reisen

    #2
    AW: [UK] Wester Ross, Mai 2014

    12. Mai 2014 - Wie war das mit dem Wetter? -
    Um halb sieben bin ich wach. So richtig wach, selbst das Rumliegen im warmen Schlafsack fällt mir schwer. Also dann: Raus aus den Daunen! Ein paar davon hängen noch am Pulli...

    Es regnet nicht, und die Wolken hängen höher als gestern, finde ich. Ich frühstücke und packe dann meine Sachen. Irgendwann gestern Abend habe ich beschlossen, den Verlauf des heutigen Tages vom Wetter abhängig zu machen. Sieht es auf dem Bealach Bàn gut aus, werde ich wie geplant bei der Ling Hut auf die Straße durchs Glen Torridon stoßen und direkt weitergehen zum Coire Mhic Fhearchair. Sieht es auf dem Bealach nach schlechtem Wetter aus - oder sehe ich den Bealach vor lauter Wolken erst gar nicht - werde ich dem Weg um Sgorr Ruadh folgen und ins Coire Làir absteigen.

    Aber erst einmal losgehen. Zur Belohnung dafür gibt es gleich einen knackigen Anstieg zum Bealach na Lice. Die Wolkendecke wird dünner, und die Aussicht von hier oben hat was. Dann gehe ich am Meall Dearg entlang in Richtung Bealach Bàn.


    Pfad zum Bealach na Lice von Borderli auf Flickr


    Pfad zum Bealach Bàn von Borderli auf Flickr


    Coire Fionnaraich von Borderli auf Flickr


    bunt von Borderli auf Flickr


    Loch Coire Fionnaraich von Borderli auf Flickr

    Irgendwo auf diesem Wegabschnitt legt sich in meinem Kopf quasi ein Schalter um: Es macht „klick“ und ich bin im „Urlaubsmodus“. War ich eben noch gestresst, und zweifelte was ich machen und wie ich es machen soll - jetzt fühle ich mich so gut, und denke nur noch „Das Leben ist schön.“ Tha i math a bhith beò. Selbst der Rucksack scheint leichter zu sein, als ich fröhlich dem Weg zum Bealach Bàn entlang gehe.

    Dann: Pause. Unter dem rechten großen Zeh drückt etwas, wie ein winziges Steinchen oder so. Der Stoff, aus dem die Blasen sind. Gamasche aus, Schuh aus, Socken aus, alles genau untersuchen - nichts. Also alles wieder an. Das ganze dreimal, aber die Ursache kenne ich bis heute nicht. Jedenfalls piekt da nichts mehr.


    der erste Blick nach Torridon von Borderli auf Flickr


    Torridon-Panorama von Borderli auf Flickr

    Der recht steile Anstieg zum Bealach Bàn ist anscheinend neu gemacht, mit weißen (bàn = weiß) Steinen vom Modell „Zwei Schritte vor, einen Schritt zurück“.


    Weißer Pfad zum Bealach Bàn von Borderli auf Flickr

    Inzwischen ist das Wetter so gut, dass ich gar nicht mehr über eine Planänderung nachdenke. Die Coire Grannda, das „hässliche Kar“, muss ich weglos durchqueren. Auf der Suche nach einem geeigneten Abschnitt dafür fällt mir am anderen Ufer des Baches ein Weg auf. Der wird nicht ohne Grund hier sein, denke ich mir, und laufe querfeldein darauf zu. Und siehe da, genau dort ist das Ufer des Baches recht flach, und ich kann den Bach trockenen Fußes durchqueren. Super!


    Wasserfall im Coire Grannda von Borderli auf Flickr


    Weg im Coire Grannda von Borderli auf Flickr

    Die Freude über diesen tollen Weg endet jedoch nach ein paar Metern, als auch der Weg endet. Ich stehe auf einer hoch gelegenen, weiten, nahezu ebenen Fläche, die übersät ist mit großen Felsbrocken. An einen davon lehne ich meinen Rucksack und mache eine sonnige Pause mit Aussicht.

    Und was für eine Aussicht! Ein Panorama auf die Berge Torridons bietet sich von hier; es ist einfach wunderschön. Viele Fotos später setze ich mich zu meinem Rucksack und genieße die Sonne und die Stille hier oben. Ja, so habe ich mir den Urlaub vorgestellt!


    Pause! von Borderli auf Flickr


    Weglos von Borderli auf Flickr


    Irgendwann laufe ich weiter - aber in die falsche Richtung. Wenig später bemerke ich, dass hier etwas nicht stimmen kann, und schaue auf die Karte. Ja, der Pfad, so er denn existiert, verläuft in der Nähe des Baches, den ich gerade durchquert habe; ich dagegen bewege mich vom Bach weg. Also umdrehen. Mal sehen, was das Garmin dazu sagt: Es gibt mir recht. Ich schalte es wieder aus und packe es weg. Das war die einzige Gelegenheit in diesem Urlaub, in der es für ein paar Minuten angeschaltet war. Die Ersatzbatterien hätte ich mir sparen können.

    Plötzlich sehe ich auf zwei großen Felsen jeweils einen kleinen Cairn. Super, da muss ich entlang. In unregelmäßigen Abständen tauchen diese Cairns immer wieder auf. Ab und zu sind Ansätze eines Pfades zu erkennen, jedenfalls für ein paar Meter.


    Torridon von Borderli auf Flickr

    Dann kommen wieder größere sumpfige Stellen, Felsen, das Übliche halt. Erst auf Höhe des Lochan Neimhe wird der Pfad etwas deutlicher und dann auch besser.


    Pfad zur Ling Hut von Borderli auf Flickr

    Aber er zieht sich. Ich blicke immer wieder auf die Karte und denke, dass es doch so weit gar nicht mehr sein kann bis zur Ling Hut. Aber die Wegbeschaffenheit lässt einfach keinen Rhythmus im Gehen aufkommen; immer wieder werde ich ausgebremst. Das lange Gehen bergab bekommt auch meinem Knie nicht besonders gut.

    Irgendwann erreiche ich dann aber die Ling Hut und die Straße.


    Ling Hut von Borderli auf Flickr


    Lochan an Iasgair von Borderli auf Flickr

    Am Carpark vermisse ich die Mülltonne - ich hatte mich schon darauf eingestellt, meinen Müll dort zu entsorgen. Aber eine Pause ist jetzt fällig. Eine Pause im Sonnenschein! Dann gehe ich rauf ins Coire Dubh Mòr, auf dem mir gut bekannten Weg.


    Coire Dubh Mòr von Borderli auf Flickr


    Beinn Dearg von Borderli auf Flickr

    Wobei: „gehen“ ist etwas übertrieben. Ich schleppe mich hoch, Schritt für Schritt. Alles tut weh, von den Zehen bis ins Genick. Die Piek-Stelle von heute früh hat sich inzwischen doch zu einer Blase entwickelt, trotz Pflaster. Ab dem Abzweig zum Coire Mhic Fhearchair, bei den Aussichtsfelsen, beschließe ich, mein Zelt an dem Platz aufzuschlagen, an dem ich im Herbst 2012 schon zeltete. Es ist mir unmöglich, den Rucksack und mich selbst noch bis hoch zu den Wasserfällen zu schleppen. Ich befürchte, dass ich mir dabei wieder irgendeinen Schaden an irgendeinem Gelenk hole. Man wird vorsichtig.


    Coire Dubh Mòr von Borderli auf Flickr

    Ich baue mein Zelt mit Aussicht auf Beinn Dearg auf und lege mich für eine halbe Stunde auf die Matratze. Dann esse ich etwas, trinke einen Kaffee, und gehe schließlich mit dem Daypack rauf zu den Wasserfällen und zum See.

    Dabei stelle ich fest, dass diese Tageszeit etwas ungünstig zum Fotografieren ist - die schönsten Aussichten sind im Gegenlicht. Oben mache ich wieder eine schöne lange Pause im Sonnenschein, fülle die Wasserflaschen auf, und gehe dann gemütlich zurück. Das Wetter ist fantastisch!


    Beinn an Eòin und Baosbheinn von Borderli auf Flickr


    Blick nach Letterewe von Borderli auf Flickr


    Flowerdale Forest von Borderli auf Flickr


    Triple Buttress und Loch Coire Mhic Fhearchair, Beinn Eighe von Borderli auf Flickr


    Coire Mhic Fhearchair von Borderli auf Flickr


    Wasserfall am Coire Mhic Fhearchair von Borderli auf Flickr


    Licht und Schatten von Borderli auf Flickr


    Coire Dubh Mòr: Licht und Schatten von Borderli auf Flickr


    meine "Hilleburg" von Borderli auf Flickr

    Später am Abend ärgere ich mich darüber, dass ich nicht doch dort oben zelte: Der Sonnenuntergang ist vom Feinsten. Nun ja, noch etwas, was auf der To-do-Liste bleibt. Völlig fertig krabbele ich in meinen Schlafsack. Mitten in der Nacht wache ich auf: Es ist kalt, und es ist hell. Ich ziehe mir das Fleece drüber und nehme die Kamera. Draußen vor dem Zelt verfolgt mich mein Schatten. Mein Mondschatten. Der fast volle Mond will gerade über Liathach verschwinden. Keine Zeit, das Stativ zu suchen; ich mache die Fotos aus der Hand.


    Mondaufgang, Torridon von Borderli auf Flickr


    Coire Dubh Mòr sunset von Borderli auf Flickr


    Mond von Borderli auf Flickr


    Den Rest der Nacht bekomme ich den Ohrwurm „I’m being followed by a moonshadow, moonshadow, moonshadow...“ nicht mehr aus dem Kopf.

    Irgendwann in dieser Nacht beschließe ich, es morgen ruhiger angehen zu lassen als geplant. Runter zur Straße, und dann per Anhalter oder zu Fuß nach Kinlochewe. Das Wetter ist zwar perfekt, aber ich habe so gar keine Lust auf ein kilometerlanges wegloses Gestolpere bis zum Weg nach Kinlochewe. Ich habe ja schließlich Urlaub...

    Kommentar


    • Glenfiddich
      Erfahren
      • 19.02.2012
      • 247

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [UK] Wester Ross, Mai 2014

      Jau, prima ein Reisebericht von dir liebe Borderli. Fängt schon gewohnt gut an und ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Bei meinem anstehenden 2 Wöchigen Wanderurlaub im Allgäu kann ich mich ja jetzt jeden Abend an neuen SC Reiseberichten erfreuen. Das du wohl erneut den nassen Teil des schottischen Wetter erleben musstes tut mir Leid. Aber sicher blieben dir so die Midges erspart.

      Also hau rein, ich wandere mit den Augen und Gedanken mit dir mit.

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      • Borderli
        Fuchs
        • 08.02.2009
        • 1702

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [UK] Wester Ross, Mai 2014

        Ha, mit diesen Vermutungen bezüglich des Wetters und der Midges liegst du so was von daneben...
        Abwarten! Die Fortsetzung kommt aber frühestens morgen.

        Kommentar


        • Hunter9000
          Dauerbesucher
          • 02.06.2012
          • 646

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [UK] Wester Ross, Mai 2014

          Klingt doch bis jetzt vom Wetter har gar nicht sooo übel! Freue mich auf mehr!

          Kommentar


          • Borderli
            Fuchs
            • 08.02.2009
            • 1702

            • Meine Reisen

            #6
            AW: [UK] Wester Ross, Mai 2014

            13. Mai 2014 - Wildcamp mit Ziegen -
            Ich stehe wieder recht früh auf, lasse mir aber viel Zeit bis zum Aufbruch. Es ist windstill - zum Glück ohne Midges - und vereinzelt ziehen Wolken über die Berggipfel. Mein Problemknie muckt ein wenig rum beim Abstieg; es war gestern wohl doch etwas zu viel. Ich unterhalte mich mit den Wanderern, die mir entgegenkommen, und erfahre den Wetterbericht: Kein Regen bis Mittwochnachmittag!


            Morgenstimmung: Coire Dubh Mòr von Borderli auf Flickr


            Coire Dubh Mòr von Borderli auf Flickr


            Licht und Schatten: Coire Dubh Mòr von Borderli auf Flickr

            Einen Teil der Strecke, bis ans Loch Clair, kann ich per Anhalter fahren. Den Rest laufe ich. Bei dem tollen Wetter macht sogar Asphaltlatschen Spaß!


            Passing Place von Borderli auf Flickr

            Hinter Incheril gehe ich gemütlich über die Wiesen, und entdecke einen schönen Zeltplatz nach dem anderen.


            Kinlochewe River von Borderli auf Flickr


            Kinlochewe River von Borderli auf Flickr


            Loch Maree von Borderli auf Flickr

            Eigentlich wollte ich bei der Brücke über den Abhainn an Fhasaigh zelten, aber kurz vorher bietet sich ein wunderschöner Platz geradezu an. Bäume, kurzes Gras, große ebene Flächen ohne Grasbuckel, gegenüber blühender Ginster, Wasser in der Nähe, aber nicht so laut dass es stört, abseits vom Pfad - was will ich mehr?


            Bauplatz von Borderli auf Flickr

            „Mäh!“, höre ich da. Eine Gruppe wilder Ziegen kommt aus dem Ginster ans Ufer.


            Ziegen von Borderli auf Flickr


            Beobachter von Borderli auf Flickr

            Wir beäugen uns gegenseitig, und gehen dann unserer Arbeit nach. Die Ziegen futtern, und ich baue das Zelt auf. Trockener Boden, wie herrlich! Der Wind weht den Duft des Stechginsters zu meinem Zelt. Ich koche eine Tasse Kaffee, suche mir ein sonniges Fleckchen Gras, setze mich in, und genieße es, einfach nur hier zu sein. Ruhe. Entspannung pur. Warum sollte ich heute weitergehen? Es ist zwar noch früh am Nachmittag, meine Kilometerleistung war heute nicht groß, aber, hallo? Wen interessiert das? Leistung im Urlaub? Davon gebe ich im Alltag genug.


            Ginster von Borderli auf Flickr

            Kleinigkeiten rund um meinen Zeltplatz:

            weiß von Borderli auf Flickr


            gelb von Borderli auf Flickr


            blau von Borderli auf Flickr


            stechend von Borderli auf Flickr


            verwittert von Borderli auf Flickr

            Ich fühle mich wohl hier. Später bummele ich etwas herum, hole Wasser, mache Fotos, und immer wieder denke ich „Ist das schön!“. Waren bei den letzten Wandertouren Gedanken wie „Nee, nicht schon wieder!“, „Dreckwetter!“, „Wann hört das endlich auf?“ im Vordergrund, ist es dieses Mal einfach nur dieses „Ist das schön!“. Perfekt.


            Kinlochewe River von Borderli auf Flickr


            Steinstrand von Borderli auf Flickr

            Mein mobiles Einzimmerapartment:

            Eigenheim von Borderli auf Flickr

            Wichtige Begleiter:

            Lüften von Borderli auf Flickr

            Später am Abend ist es dann soweit: Ein schöner Sonnenuntergang kündigt sich an. Stativchen aufbauen, Kamera einstellen, einen schönen Platz suchen, und dabei feststellen, dass der Wind nicht mehr weht. Und da sind sie auch schon, meine kleinen geflügelten Freunde. Hallo Midges, lange nicht mehr gesehen! Als mir die Biester lästig werden, packe ich mich midgessicher ein und kann mich wieder auf Kamera und Sonnenuntergang konzentrieren. Immer wieder wechsele ich den Standort: Der bunte Sonnenuntergang auf der einen Seite, und der Aufgang des Vollmondes auf der anderen.
            Dann ist aber gut. Die Farben am Himmel sind weg, der Mond ist hinter einer Wolke, und ich bin müde. Nachts dann wieder: I’m being followed by a moonshadow, moonshadow, moonshadow...


            Mondaufgang von Borderli auf Flickr


            Loch Maree Sunset von Borderli auf Flickr


            Loch Maree Sunset von Borderli auf Flickr


            Sunset von Borderli auf Flickr


            Vollmond über Incheril von Borderli auf Flickr


            Spiegelmond von Borderli auf Flickr

            Kommentar


            • Borderli
              Fuchs
              • 08.02.2009
              • 1702

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [UK] Wester Ross, Mai 2014

              14. Mai 2014 - Angst. Und noch ein Ohrwurm. -
              Nach einer ruhigen aber kalten Nacht wache ich ausgeruht auf. Ich lasse es gemütlich angehen. Schon nach kurzer Zeit erreiche ich den eigentlich geplanten Zeltplatz am Abhainn an Fhasaigh, unmittelbar hinter der Brücke. Gut, dass ich dort nicht gezeltet habe. Wasserfall und Fluss machen recht viel Lärm, und vom Zeltplatz aus hat man einen freien Blick über den Loch Maree - zu einem großen Parkplatz am anderen Ufer. Dort steht ein Wohnmobil, mit freiem Blick auf den potentiellen Zeltplatz. Für die abendliche Unterhaltung der Wohnmobil-Bewohner wollte ich dann doch nicht sorgen.


              Morgenstimmung am Loch Maree von Borderli auf Flickr


              Weg am Loch Maree von Borderli auf Flickr


              Abhainn an Fhasaigh von Borderli auf Flickr

              Weiter geht es, jetzt steil bergauf. Die Aussichten werden immer besser, das Wetter ist auch gut, alles passt. Es scheint ein schöner Tag zu werden, denke ich, als ich den Anstieg hinter mir habe, den Rucksack absetze und mir eine Pause mit Aussicht gönne. Warum kommt da wieder ein uralter Ohrwurm an und hält sich hartnäckig? „Fool if you think it’s over, it’s just begun“ trällert es in meinem Kopf. Egal, es geht weiter. Der Pfad ist mal besser, mal schlechter, mal gar nicht zu erkennen, also alles im normalen Bereich.


              Anstieg von Borderli auf Flickr


              Abstieg vom Meall Riabhach von Borderli auf Flickr

              Hinter dem Meall Riabhach geht es wieder bergab, in ein hübsches kleines Tal mit einem Wasserfall, einer Ruine, und viel Gras. Den Weg muss man sich hier selbst suchen - ich habe jedenfalls keinen bemerkt. Während einer erneuten Pause, dieses Mal auf ein paar Steinen der Ruine sitzend, suche ich den Hang vergebens nach einem Weg ab. Aber die Richtung ist klar, und wer braucht schon einen Weg?


              Ruine von Borderli auf Flickr

              Nun ja, es geht jedenfalls wieder bergauf. Ab und an ist am Boden etwas zu erkennen, was man mit viel gutem Willen als den Ansatz eines Pfades bezeichnen kann. Dann bin ich oben. Geschafft! „Fool if you think it’s over, it’s just begun…“ Himmel, Ohrwurm, sei still! Alles ist gut!


              Blick zurück zur Ruine von Borderli auf Flickr


              schmaler Pfad von Borderli auf Flickr

              Aber er hat Recht, der Ohrwurm. Nur ein paar Meter weiter, hinter einer kleinen Kuppe, fängt ein gut erhaltener Pfad an (von dem habe ich keine Fotos...). Das Problem: Er ist gerade mal anderthalb Stiefel breit, rechts geht es ohne Ausweichmöglichkeit steil bergauf, und links, ohne Bremse, gute hundert Meter direkt runter in den Loch Maree.
              Und der Pfad bleibt so nett „exposed“, so weit ich sehen kann. Und das ist weit - oder kommt mir jedenfalls so vor.
              Ich bin nicht schwindelfrei. Ich bin nicht besonders trittsicher. Und ich fühle mich hier überhaupt nicht wohl. Trotzdem versuche ich es. Vielleicht wird der Weg ja breiter, oder der Hang flacher oder so.
              Wenig später wird der Pfad jedoch noch schmaler, jetzt passt gerade mal ein einziger Fuß drauf. Mist. Ich habe Angst. Richtig Angst, nicht nur so ein mulmiges Gefühl. Trotz der kühlen Temperaturen bricht mir der Schweiß aus, und die Knie zittern.
              Der Gedanke, dass es furchtbar viele Wanderer gibt, die diesen Pfad als netten Sonntagsspaziergang bezeichnen würden, hilft mir hier oben nicht weiter. Ich stehe wie festgefroren und brauche eine Entscheidung. Im Entscheidungen treffen bin ich gut, das ist sozusagen eine Berufskrankheit. Die Entscheidung lautet: Umkehren. Nichts riskieren. Dumm nur, dass es hier zu schmal ist, um sich umzudrehen. Mit Rucksack schon mal gar nicht.
              Ganz langsam beruhigen sich meine Nerven, und ich gehe vorsichtig und konzentriert weiter. Bleibt mir ja nichts anderes übrig. Eine gefühlte Ewigkeit später wird der Pfad auf etwa einem Meter etwas breiter, breit genug zum Umdrehen. Genau das mache ich jetzt: Umdrehen. Weg hier. Ich kann das nicht.

              Kurz nach der Anhöhe lasse ich mich auf einen Felsen fallen und warte, bis das Zittern und das Nervenflattern vorbei sind.
              Wieder unten im Tal, an der Ruine, bin ich in der Lage, rational zu denken. Habe ich dort oben überreagiert? Ich glaube nicht. Auch jetzt noch, mit etwas zeitlichem Abstand, bin ich überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
              Ich setze den Rucksack ab und krame meine Fahrplanausdrucke hervor. Komme ich heute noch von Kinlochewe nach Poolewe? Tatsächlich, um zehn nach zwei fährt ein Westerbus. Das schaffe ich noch.

              Ich gehe ohne Pause zurück; für die Landschaft habe ich jetzt keinen Blick mehr übrig. Ich erreiche Kinlochewe rechtzeitig, und mache es mir auf einer Picknickbank am Fluss, schräg gegenüber des Hotels, bequem.


              Bluebells von Borderli auf Flickr


              Rhododendron von Borderli auf Flickr


              gelandet von Borderli auf Flickr

              Viertel vor zwei - ein weißer Bus fährt vor. Einer von D&E Coaches. Er wird doch nicht…? Doch, er hält am Hotel, und Leute steigen aus. Ich schnappe mir den Rucksack und eile los. Zu spät, der Bus fährt. Einsatz Ohrwurm: „Fool if you think it’s over, it’s just begun…“ Nicht mein Tag heute, glaube ich.

              Eine Hoffnung bleibt aber: Laut Fahrplan soll der Bus nach Poolewe einer von „Westerbus“ sein. Jetzt warte ich stur am Hotel. Wenig später, aber immer noch viel früher als im Fahrplan vorgesehen, kommt wieder ein weißer Bus, dieses Mal einer von Westerbus. Und ja, er fährt nach Poolewe! Ohrwurm, jetzt gib Ruhe, für heute reicht es. Alles wird gut, sage ich mir.

              In Poolewe gehe ich zur Campsite und buche mich für eine Nacht ein. Ein Mitarbeiter zeigt mir, wo ich das Zelt aufbauen kann. Wenig später, als ich vergeblich versuche, einen Hering in den Boden zu treten und mich dabei nach einem handlichen Stein umschaue (hier gibt es aber nur Kieselsteine und Felsbrocken), bringt er mir einen Hammer. Schnell und unfallfrei baue ich das Zelt auf, bringe den Hammer zurück, und gehe einkaufen. Frisches Essen - das brauche ich jetzt. Der kleine Shop in Poolewe ist mir sympathisch: Dort gibt es keine Umsonst-Plastiktüten, man muss seine eigene Tasche mitbringen oder seine Einkäufe in einem Karton rausschleppen.

              Auf der Campsite bin ich die Attraktion: Der einzige Gast, der nicht motorisiert anreist, der einzige Gast mit Zelt… Ich nehme zuerst eine dringend nötige Dusche, dann räume ich mein Zelt ein und unterhalte mich mit einigen anderen Gästen. Irgendwann am Abend regnet es etwas, und der Wind frischt auf. Als der Regen aufhört, mache ich einen Spaziergang in Richtung Poolewe Hotel. Vielleicht einen Absacker im Pub trinken? Doch schon draußen auf der Straße widert mich der Frittengeruch an. Bäh, das geht gar nicht. Ich schlurfe in meinen Crocs noch etwas weiter, drehe dann um, und gehe zurück zur Campsite. Wieder sprechen mich Wohnwagenbewohner an, alle total nett, viele mit Hunden dabei, und dann erkläre ich den Tag für beendet.

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              • Borderli
                Fuchs
                • 08.02.2009
                • 1702

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [UK] Wester Ross, Mai 2014

                15. Mai 2014 - Sturm und Kieselsteine -
                Ich schlafe gut und vor allem lange. So, was tun in den nächsten beiden Tagen? Der Wetterbericht sieht ganz gut aus, viel Wind, ein wenig Regen, aber durchaus brauchbar. Ab dem 17. Mai habe ich in Sands einen Wohnwagen gemietet - ein wenig Luxus auf einer Tour kann nicht schaden - also brauche ich einen Plan. Da ich schon mal hier in Poolewe bin, bietet sich die einfache aber sicherlich schöne Hin- und Zurückwanderung nach Carnmore an. Für eine mehrtägige Rundwanderung brauche ich einen anderen Urlaub, dazu reicht die Zeit nicht aus. Zum Glück, wie sich bald herausstellen sollte.

                Zuerst geht es gemütlich durch die parkähnliche Landschaft von Poolewe bis hinter Kernsary.


                Creag Mhòr Thollaidh von Borderli auf Flickr


                Kernsary von Borderli auf Flickr


                Kernsary von Borderli auf Flickr

                Dann, im Wald, wird der Weg unangenehm matschig. Nach einem längeren Regen machen hier Gummistiefel durchaus Sinn! Aber auch der übelste Matsch hat einmal ein Ende. Am Ende des Waldes sind ein Zaun, ein Tor, ein Zauntritt, und dahinter die offene, karge Landschaft.


                Tor in die Wildnis von Borderli auf Flickr

                Bog Cotton all überall, Wind, frische Luft - endlich wieder! „Ist das schön hier“, denke ich wieder einmal. Ich meine, was ist eigentlich so faszinierend an dieser Gegend? Ein paar Hügel, braun-grün bewachsen, viel Sumpf, ein paar Seen, dazu ein überwiegend grauer Himmel, und ein schmaler Pfad, der mich in die Berge führt. „Langweilig“, würden einige meiner Bekannten sagen. Ich finde diese Weite, diese offene Landschaft einfach wunderschön. Vor allem nach der Enge des Nadelwaldes ist mir, als könnte ich erst jetzt wieder frei durchatmen. Hört sich bescheuert an, ich weiß, aber das ist in etwa das Gefühl das ich habe, als ich die ersten ein oder zwei Kilometer auf diesem hervorragend ausgebauten Pfad hinter mich bringe.


                Weite von Borderli auf Flickr


                Blick zurück nach Poolewe von Borderli auf Flickr


                Licht und Schatten am Fionn Loch von Borderli auf Flickr

                Der Wind nimmt zu; einige Böen sind so stark, dass ich anhalten muss, bis sie vorbei sind.


                Sturm von Borderli auf Flickr


                Loch an Doire Crionaich von Borderli auf Flickr


                Licht und Schatten von Borderli auf Flickr


                Srathan Buidhe von Borderli auf Flickr

                Dann - der erste Blick auf Fionn Loch und Dubh Loch (weißer See und schwarzer See), auf A’ Mhaidhgean und die anderen Berge rund um Carnmore. Überwältigend. Immer wieder lässt die Wolkendecke ein paar Sonnenstrahlen durch, welche die Szene in ein ständig wechselndes Licht tauchen. Oft bleibe ich einfach nur stehen, stütze die Hände auf die Trekkingstöcke, das Kinn auf die Hände, und sehe diesem Schauspiel zu. Die besten Bilder hat man im Kopf, nicht auf dem Sensor der Kamera. Ist das schön hier. Tha i math a bhith beò.


                Fionn Loch und Dubh Loch von Borderli auf Flickr


                Licht und Schatten von Borderli auf Flickr

                Bald bin ich am Fionn Loch angekommen. Schöne Zeltplätze gibt es hier - aber alle im Windkanal. Dazu der Lärm von Wind und Wellen, das ist laut. Mein Sturmbunker hält das zwar aus, aber vielleicht finde ich einen etwas geschützteren Platz. In die Bothy bei Carnmore will ich nicht, dazu ist das Wetter nicht schlecht genug. Ich laufe bis zum Causeway (hässlich aber zweckmäßig), und gehe am Dubh Loch entlang. Da, dieser kleine Kiesstrand, der müsste doch als Campsite taugen. Optimal ist er bei weitem nicht: leichte Hanglage und mit steinigem Untergrund. Aber windgeschützt ist er, nur ab und an verirrt sich ein Windstoß hierher. Schön ruhig ist es auch. Rauscht drüben am Fionn Loch die Brandung, plätschert hier der Dubh Loch nur sachte vor sich hin.


                Fionn Loch von Borderli auf Flickr


                Wellen von Borderli auf Flickr


                Dubh Loch von Borderli auf Flickr


                Strand-Burg von Borderli auf Flickr

                Ich breite die Zeltunterlage aus, lege dann die dünne EVA-Matte drauf (die hat zwar einen anderen Einsatzbereich, nämlich Pausen, aber hier ist sie ihr Geld wert) und baue dann das Zelt auf. Na bitte, passt. Das Gefälle polstere ich mit Jacke und Klamotten unter der Neo Air ab. Nachdem das Zelt steht, gehe ich ein wenig in der näheren Umgebung herum. Die Wolkendecke ist jetzt geschlossen, alles ist grau, der Foto bleibt in der Tasche. Schade, aber auch ein Grund, noch mal hierher zu kommen! Außer mir ist heute kein Mensch weit und breit zu sehen.


                Ausruhen von Borderli auf Flickr


                Butterwort von Borderli auf Flickr


                Unbenannt von Borderli auf Flickr

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                • Borderli
                  Fuchs
                  • 08.02.2009
                  • 1702

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [UK] Wester Ross, Mai 2014

                  16. Mai 2014 - Regen? Was ist das? -
                  Trotz der etwas schrägen Lage meiner Matratze habe ich hervorragend geschlafen und wache früh, aber ausgeruht auf. Draußen ist alles im stumpfen Einheitsgrau, und der Sturm hat kein bisschen nachgelassen. Sinnlos, hier länger zu verweilen. Gleich nach dem Frühstück packe ich alles zusammen und mache mich auf den Rückweg nach Poolewe. Erst auf den letzten Kilometern vor dem Matsch-Wald werden das Wetter und damit auch die Aussicht besser. Ich lege (ähm: ich werfe) den Rucksack an den Wegrand und gehe auf einen kleinen Hügel hinauf. Im Sonnenschein lasse ich mir den Wind um die Nase wehen, genieße die Aussicht, und mache Fotos. Dann setze ich mich auf einen Stein und mache eine schöne lange Pause mit Aussicht.


                  Causeway von Borderli auf Flickr


                  Wasser von Borderli auf Flickr


                  Loch an Doire Crionaich von Borderli auf Flickr


                  Blick nach Poolewe von Borderli auf Flickr


                  Ausblick vom Torr nan Gabhar von Borderli auf Flickr


                  Blick zurück nach Carnmore von Borderli auf Flickr

                  Zurück beim Rucksack, mache ich noch ein paar Bilder, und gehe dann weiter zum Tor. Übrigens: Bog Cotton im Sturm zu fotografieren ist gar nicht so einfach. Rennende Hunde abzulichten ist weniger schwierig…


                  Bog Cotton von Borderli auf Flickr


                  Pfad nach Kernsary von Borderli auf Flickr

                  Im Wald frage ich mich, warum ich gestern den Eindruck hatte, durch mindestens ein Dutzend Schlammlöcher gehen zu müssen. Fünf zähle ich heute, mehr nicht. Die Sonnenstrahlen kommen immer wieder durch die Bäume und beleuchten Blümchen, Farne und Pfützen.


                  Veilchen von Borderli auf Flickr


                  Milkwort von Borderli auf Flickr


                  Gänseblümchen von Borderli auf Flickr


                  Farn von Borderli auf Flickr

                  Am letzten Schlammbad im Wald kommen mir drei Radfahrer entgegen, die ersten Menschen seit gestern früh.


                  Schlammweg von Borderli auf Flickr


                  Schlammweg von Borderli auf Flickr

                  Auf dem Track zwischen Kernsary und Poolewe sind einige meiner Campsite-Bekannten unterwegs, was mein Vorankommen etwas verlangsamt.


                  Loch Kernsary von Borderli auf Flickr


                  Bluebells von Borderli auf Flickr

                  Vor der Campsite suche ich mir einen handlichen Stein, mit dem ich die Heringe einschlagen kann. Ich bekomme einen schönen Platz zugewiesen und mache mich an den Aufbau des Zeltes. Mit Zuschauern dieses Mal. Die anfänglichen Kommentare, dass es doch unmöglich sei, in diesem Sturm ein Zelt aufzubauen, verstummen bald. Gerade als ich den letzten Hering einschlage, kommt der Platzwart vorbei und fragt mich, wie ich denn die Heringe ohne Hammer habe einschlagen können. „Using my thumbs“, sage ich, und grinse.

                  Ich richte mich ein und gehe dann, immer noch bei Sonnenschein, zum Shop. Wenig später komme ich wieder raus mit meinen Einkäufen, lutsche an einem Eis, drehe mich um, und denke „au weia“. Da zieht es rabenschwarz herauf, und zwar schnell. Ich beeile mich besser, bevor ich nass werde. Gerade als ich den Reißverschluss meiner Burg hinter mir schließe, fängt es an zu schütten. Es gibt ihn also doch noch, den Regen. Schade, ich hätte mir gerne die Inverewe Gardens angeschaut. Da ist jetzt im Mai bestimmt mehr zu sehen als letztes Jahr im Oktober. Statt Blümchen und Makros gibt es jetzt Tee und ein Sandwich. Dann wird mir kalt, ich begebe mich in den Schlafsack, und als ich wieder aufwache, ist der Regen vorbei. Die Öffnungszeiten der Gardens allerdings auch.

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                  • Borderli
                    Fuchs
                    • 08.02.2009
                    • 1702

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [UK] Wester Ross, Mai 2014

                    17. Mai 2014 - Und es gibt ihn doch noch, den Dauerregen -
                    Morgens ist es trocken, und ich kann nach einem sehr gemütlichen Frühstück, einer noch gemütlicheren Packaktion und ein paar netten Schwätzchen ein trockenes Zelt einpacken. Heute muss ich nur bis nach Sands, habe aber keine Lust auf Asphaltwandern. Zumindest bis Gairloch wäre eine Mitfahrgelegenheit ganz nett. Ich mache es mir einfach und warte an der Ausfahrt der Campsite. Nach nur einer Viertelstunde habe ich Glück. „You are the woman with the tent, aren’t you?“ fragt mich eine nette ältere Dame und öffnet gleich den Kofferraum für meinen Rucksack. In Gairloch steige ich bei McColls, dem kleinen Supermarkt, aus und decke mich mit Futter fürs Wochenende und einer dicken Zeitung ein. Hätte ich gewusst, dass ich all das auch im Shop der Campsite bekomme, hätte ich mir die Schlepperei sparen können.

                    So gegen ein Uhr mittags erreiche ich, noch immer bei trockenem Wetter, die Campsite, melde mich an, und gehe zu „meinem“ Wohnwagen. Tüten rein, Rucksack rein, ich rein - kaum habe ich die Türe hinter mir geschlossen, fängt es an zu regnen. Es regnet durch bis Sonntagabend. Gutes Timing! Bei trockenem Wetter wandern, keine Chance, sich den Pausentag durch lange Spaziergänge zu verderben… Mal ehrlich, es gibt schlimmere Schicksale, als anderthalb Tage Dauerregen in einem trockenen, beheizten Wohnwagen mit Bad, Küche, Fernseher und der Times zu verbringen, oder?

                    Den Rest des verregneten Samstags nutze ich für die üblichen Beschäftigungen eines Pausentags. Duschen, Klamotten waschen, durch den Shop bummeln, und Schwätzchen halten. Außerdem kaufe ich, wie verabredet, eine Gaskartusche und ein Mückennetz für Rainer, den ich am Dienstag treffen werde.

                    Das einzige Foto heute:

                    Sumpfdotterblume von Borderli auf Flickr


                    18. Mai 2014 - Pausentag, Dauerregen und ein Sonnenuntergang -
                    Ein völlig fauler Tag. Tut das gut! Morgens hole ich mir im Shop die Sunday Times, und habe damit stundenlang Beschäftigung. Eine Zeitung nach ihrem Umfang auszuwählen, ist an einem Tag wie diesem durchaus sinnvoll.

                    Abends hört der Regen endlich auf. Ich sitze gemütlich auf dem Sofa, lese, und sehe aus dem Augenwinkel etwas Helles da draußen über dem Meer. Die Sonne, sie ist wieder da!

                    Zusammen mit den abziehenden Wolken hat das Potential für einen bunten Sonnenuntergang. Ich schaue immer wieder nach draußen, und schnappe mir dann die Kamera. Regenhose, Jacke, Stiefel - raus! Oben von den Dünen aus bietet sich schon ein sehr buntes Schauspiel. Ich laufe eine Weile am Strand herum, während die Sonne ihr heutiges kurzes Gastspiel in einer rot-orange-gelben Farbenpracht beendet. Wow. Auf dem Rückweg erklimme ich einen Dünengipfel und genieße den letzten Rest Farbe am Himmel.


                    Sands von Borderli auf Flickr


                    Longa Island von Borderli auf Flickr


                    Sands Sunset von Borderli auf Flickr


                    Sands von Borderli auf Flickr

                    Kaum ist es windstill, überfallen mich die Midges. Viele sind es noch nicht; gerade genug, um lästig zu sein…

                    Der Wetterbericht verspricht gutes Wetter für die nächsten beiden Tage. Toll!

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                    • Borderli
                      Fuchs
                      • 08.02.2009
                      • 1702

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [UK] Wester Ross, Mai 2014

                      19. Mai 2014 - Schönes Wetter vom Loch Gairloch bis ans Loch Coulin -
                      Ich muss den Wohnwagen erst ab zehn Uhr räumen. Da ich mit leichtem Gepäck reise, ist das Packen schnell erledigt. So bleibt mir viel Zeit für einen ausgiebigen Strandspaziergang. Pastellige, verwaschene Farben herrschen vor heute Morgen. Die Gipfel der Trotternish-Halbinsel da drüben auf Skye sind wolkenfrei, weiter unten hängen flauschig-weiße Wolkenbänder. Es ist Ebbe, windstill, und die See plätschert leise an den Strand. Stille. Ruhe. Einsamkeit. Eine Zeit, um die Seele baumeln zu lassen. Sogar die Farben sind völlig unaufgeregt, ganz anders als gestern Abend.


                      Sands von Borderli auf Flickr


                      Ein Morgen am Strand von Borderli auf Flickr

                      Wie lange ich am Strand bummele - ich weiß es nicht. Auf dem Rückweg durch die Dünen begegnet mir noch jemand, der seine Unterkunft auf dem Rücken trägt:


                      Hausträger von Borderli auf Flickr

                      So gegen zehn Uhr gebe ich den Schlüssel für den Wohnwagen ab und suche mir mit meinem Rucksack ein ruhiges Eckchen am Strand. Es ist viel zu friedlich hier, um irgendwo durch die Gegend zu laufen.


                      Felsen von Borderli auf Flickr


                      Strandnelken von Borderli auf Flickr


                      Wester Ross oder Karibik? von Borderli auf Flickr


                      Longa Island von Borderli auf Flickr

                      Ich tanke noch jede Menge Ruhe, bevor ich mich so um die Mittagszeit auf den Weg nach Gairloch mache.
                      Das Carn Dearg Hostel ist noch immer geschlossen. Im Winter hat ein Sturm einen Teil des Daches abgedeckt und rundum einige Schäden angerichtet. Die Reparaturen sind im Gange.


                      Carn Dearg Hostel von Borderli auf Flickr

                      Ich kaufe bei McColls zwei Dosen Cider für morgen Abend und ein Eis für jetzt gleich. Nur gut, dass es rund um Gairloch so schöne Strände und Aussichtspunkte gibt - bei diesem schönen Frühsommerwetter habe ich keine Probleme, die Zeit bis zur Abfahrt des Busses zu überbrücken.

                      Irgendwann ist es dann soweit, ich steige in den Bus nach Torridon und bitte den Fahrer, mich am Loch Clair aussteigen zu lassen. Kein Problem; ich muss noch nicht mal was bezahlen.


                      Liathach von Borderli auf Flickr

                      Gemütlich schlendere ich am Loch Coulin entlang zu dem Zeltplatz am Coulin River, an dem mich im Herbst 2012 drei Highland Ponies besuchten. Heute habe ich keinen Besuch, aber tolles Wetter.


                      Beinn Eighe und Loch Coulin von Borderli auf Flickr


                      Meine Hilleburg von Borderli auf Flickr

                      Wettermäßig war der Urlaub bisher überraschend gut. Ich kann mich wirklich nicht beschweren.

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                      • Borderli
                        Fuchs
                        • 08.02.2009
                        • 1702

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [UK] Wester Ross, Mai 2014

                        20. Mai 2014 - Sommer! -
                        Heute in der Frühe ist erst einmal Wäsche waschen angesagt. Als ich gestern Abend das Fleece überziehen wollte, erschrak ich ob des üblen Geruchs. Nein, das geht gar nicht. Man riecht, dass es in Sands nicht in der Waschmaschine war. Der wasserdichte Packsack des Zeltes wird zum Waschbehälter umgewidmet. Viel Wasser, ein wenig dieser konzentrierten Outdoorseife, und alles gut vermischen. Dann ertränke ich das Stinkefleece darin und schlafe noch eine Runde. Später spüle ich das Teil aus und hänge es über die Trekkingstöcke.

                        Versuchten während der Waschaktion noch die Frühaufsteher-Midges mich anzuzapfen, ist es jetzt sonnig mit einem leichten Wind. Schlecht für die Midges, gut für mich. Ich habe Zeit, gemütlich zu frühstücken, die morgendliche Stimmung zu genießen, und dann in aller Ruhe zu packen. Zuletzt befestige ich das Fleece mit ein paar Sicherheitsnadeln am Rucksack und laufe los. Die rote Tatzenfahne weht hinter mir her.


                        Früh am Morgen von Borderli auf Flickr


                        Morgenlicht am Coulin River von Borderli auf Flickr


                        Beinn Eighe von Borderli auf Flickr


                        Zeltplatz in der Sonne von Borderli auf Flickr


                        Unbenannt von Borderli auf Flickr

                        Coulin Bridge, Teahouse Bothy, Easan Dorcha, Drochaid Coire Làir - all das kenne ich schon, aber aus der anderen Richtung kommend entdecke ich immer wieder neue Aussichten. Das gute Wetter wird immer besser, und bald ist es zum Wandern schon fast zu warm.


                        Weg zur Teahouse Bothy von Borderli auf Flickr


                        Weg zur Teahouse Bothy von Borderli auf Flickr


                        Easan Dorcha von Borderli auf Flickr


                        Drochaid Coire Làir von Borderli auf Flickr

                        Dann gelange ich an den Abzweig ins Coire Làir und laufe hinein in dieses beeindruckende Corrie.


                        Coire Làir von Borderli auf Flickr


                        Coire Làir von Borderli auf Flickr


                        Fuar Tholl von Borderli auf Flickr

                        Gute Zeltplätze, insbesondere für zwei Zelte, sind hier jedoch Mangelware. Ich laufe und suche, verwerfe den einen oder anderen Platz, und werde schließlich direkt am Fluss, mit Blick auf Loch Coire Làir und Fuar Tholl fündig. Einer meiner schöneren Zeltplätze, eindeutig!


                        Zelten im Coire Làir von Borderli auf Flickr

                        Schnell steht die Burg, und die beiden Dosen Cider wandern, in einer Tüte gesichert, zwecks Kühlung in den Fluss. Eine der Dosen ist verunfallt. Ich habe die Angewohnheit, den Rucksack mit Schwung über den rechten Arm abzuwerfen (wie diverse blaue Flecken bezeugen). Dabei dachte ich nicht an die ungeschützt im Netz-Außenfach transportierte Dose. Sie schlug leck. Die zweite war geschützter verpackt und überstand den Transport unbeschadet. Unterwegs hatte ich Rückenwind, und plötzlich roch es nach Pub. Der gute Cider verließ tropfenweise die Dose. Schnüff. Aber es ist noch genug übrig, um im Fluss gekühlt zu werden.

                        Nach Aufbau und Einrichten meiner Burg ist mir warm. Schuhe und Socken aus, Hosenbeine hochkrempeln, und ab in die Wasserkühlung. Tut das gut! Noch eine Katzenwäsche, und dann lege ich mich vor das Zelt auf meine Matte und mache Pause. Was sonst. Ist ja schließlich Urlaub! Und bei den Temperaturen muss ich nicht wandern, wirklich nicht. Wann sonst habe ich, ausgerechnet ich Wetter-Pechvogel, Gelegenheit, in Schottland ein Sonnenbad zu nehmen? Noch dazu vor solcher Kulisse? Zum Abkühlen stelle ich immer wieder mal die Füße ins Wasser, mache Fotos (das glaubt mir ja sonst keiner!), und lege mich dann wieder auf die Matte. Das Leben kann so schön sein.

                        Hier draußen habe ich kein Handy-Signal, weiß also nicht, ob Rainer, mit dem ich mich heute treffen will, es rechtzeitig von Münster nach Achnashellach geschafft hat. Ich bin einfach optimistisch, rechne auf die planmäßige Ankunftszeit des Zuges noch eine großzügige Zeit für den Aufstieg vom Bahnhof bis zur Wegkreuzung, und mache mich dann auf den Weg. Natürlich bin ich viel zu früh, da ich den Weg vom Zelt bis zum Abzweig als viel länger in Erinnerung hatte. Als die Sonne kurz hinter den Wolken verschwindet - über Torridon hängt eine große dunkle Wolke, die mir gar nicht gefällt - wird es kühl im Wind. Ich setze mich in ein kleines Shelter, das etwas abseits des Weges steht, und warte.


                        Achnashellach Pfad von Borderli auf Flickr

                        Ein paar Tageswanderer machen sich auf den Weg nach Achnashellach, und irgendwann taucht ein Rucksack samt Träger an der Wegbiegung auf. Aha, da ist er!

                        Gleich nach der Begrüßung gehen wir weiter in Richtung Zeltplatz. Pause? Wozu? Ich bin doch ausgeruht… Zuviel Solo-Wandern verdirbt fürs Leben, glaube ich. Und auf dem Weg zum Zeltplatz passiert mir etwas, das ich seit Jahren nicht mehr erlebt habe: Ich werde gebeten, langsamer zu gehen! Danke, Rainer!

                        Bald kommt der Zeltplatz in Sicht (endlich ist der Loch Coire Làir nicht mehr im Gegenlicht), und nach einem kurzen Ausflug durch die Botanik zwischen Weg und Fluss sind wir da. Rainer wählt seinen Bauplatz, ich kontrolliere, ob der Cider noch im Fluss dümpelt, und dann ist Feierabend. Die dunklen Wolken verziehen sich, ein leichter Wind weht, es ist immer noch schön warm - das Wetter meint es wirklich gut mit uns.


                        Loch Coire Làir von Borderli auf Flickr


                        Zelte von Borderli auf Flickr


                        Wolken über Torridon von Borderli auf Flickr


                        Fuar Tholl von Borderli auf Flickr

                        Später dann bleibt der Wind weg, und das Begrüßungskommitee der lokalen Midgespopulation stellt sich ein. Noch sind es nicht so arg viele (vermutlich kein Vergleich zu dem, was mich in fünf Wochen erwartet), aber lästig. Nachdem mir die ersten das Ohr angezapft haben, hole ich mein Netz aus dem Zelt. Rainer hat Gelegenheit, das neue, in Sands erstandene Netz zu testen. Irgendwann rufen die Schlafsäcke. Bei immer noch schönem Frühsommerwetter schließe ich mein Zelt hinter mir.


                        Fuar Tholl von Borderli auf Flickr

                        Als ich nachts raus schaue, sehe ich keine fünf Meter weit - dichter Nebel anstelle des von mir erwarteten sternklaren Himmels. Aber, das will ja nichts heißen, denke ich mir, als ich wieder in den Schlafsack krieche.



                        21. Mai 2014 - Urlaubswetter -
                        Es regnet. Irgendwann in der Nacht fängt es an, und bis zum Morgen hat es sich so richtig schön eingeregnet. Mist. Der Fluss gurgelt munterer vor sich hin als gestern. Auch rund ums Zelt ist es irgendwie sumpfig. Dichte Wolken hängen dort, wo vor ein paar Stunden noch tolle Aussichten waren.


                        Regen im Coire Làir von Borderli auf Flickr

                        So viel zu einem gemütlichen Start am Morgen. Nun ja, es ist nicht zu ändern. Frühstück gibt es im Zelt, und dann mache ich mich ans Packen. Igitt, alles ist klamm. Ich hasse es, ein tropfnasses Zelt einzupacken. Einziger Trost: Am Nachmittag kann ich es im Hostel trocknen und habe dort ein trockenes Bett. Beim Abschied biete ich Rainer zwar an, mit ihm zu tauschen (ich bleibe, er fliegt nach Hause), bin aber insgeheim froh, als er ablehnt.

                        Rainer bleibt noch, ich gehe los, durch den Sumpf zum Weg. Mistwetter. Der Weg ist zum Glück so gut befestigt, dass er auch nach so viel Regen noch gut begehbar ist. Meinem Knie gefällt die lange Bergablauferei zwar gar nicht, aber das ist jetzt der Endspurt. So wie die sonst so kleinen Bäche aussehen, regnet es schon lange so kräftig. Immerhin bekomme ich erst am letzten Tag nasse Füße, und das auch nur, weil das Wasser von oben in die Stiefel reingelaufen ist.


                        Dauerregen von Borderli auf Flickr

                        In Achnashellach habe ich noch genug Zeit, mir im Wartehäuschen eine Tasse Kaffee zu kochen. Nasse Jacke aus, Fleece an, Kocher, Tasse und Kaffee suchen, und dann gehe ich zum gemütlichen Teil des Tages über. Der Zug ist gut besetzt, und als ich mit nasser Jacke und tropfendem Rucksack einsteige, ernte ich den einen oder anderen mitleidigen Blick. Leute, was habt ihr nur, denke ich, mir geht es gut! Im Zug ist es trocken und warm, es gibt heißen Kaffee, und ich hatte einen wunderschönen Urlaub. Den Gedanken an Rainer, der dort oben in den Bergen im Regen unterwegs ist, versuche ich zu verdrängen. Bekomme ich etwa ein schlechtes Gewissen??

                        Entlang der Bahnstrecke: Wasser, Wasser, Wasser. Nur gut, dass ich schon auf dem Heimweg bin. Wie sich so ein Wetter und wie sich solche Mengen an Wasser aufs Wandern auswirken, das kenne ich. Sommer 2012 im Glen Nevis, fällt mir so spontan ein. Nein, das brauche ich jetzt wirklich nicht. Bei diesem trübseligen Wetter lohnt es sich ja nicht einmal, die Kamera auszupacken.

                        In Inverness angekommen, laufe ich zum Hostel. Mein Einzelzimmer (En-suite und mit Wasserkocher! Luxus!) erwartet mich. Das tropfnasse Zelt findet seinen Platz in der Dusche, und ich breite den gesamten Inhalt des Rucksacks rund um die Heizung aus. Dann bummele ich durch die Stadt, kaufe ein paar Sachen ein, und gehe später zurück zum Hostel. Das meiste Zeug ist trocken, bis auf die hartnäckigen Sachen wie Zelt, Rucksack und Stiefel.


                        22. Mai 2014 - Rückflug -


                        Heimflug von Borderli auf Flickr
                        Das Wetter ist immer noch miserabel. Die Heimreise geht von Inverness über Dyce und den Flughafen Aberdeen nach Frankfurt. Beim Landeanflug über Frankfurt sehe ich die Gewitterwolken, die für unsere Verspätung verantwortlich sind, von oben. Schon beeindruckend, irgendwie. Der Landeanflug ist, sagen wir mal, rumpelig. Rums, wir sind unten. Ganz ehrlich? Viel besser als in Schottland ist das Wetter hier auch nicht…


                        Fazit:
                        Schön war’s! Endlich mal eine Tour mit viel gutem Wetter! Nur zweimal war ich im Regen unterwegs, und den langen Dauerregen konnte ich bequem im Wohnwagen aussitzen.

                        Diese Wohnwagensache am Strand ist sowieso klasse. Den Luxus habe ich mir für die nächste Tour schon organisiert. Auf wochenlanges Leben im Zelt und aus dem Rucksack habe ich ehrlich gesagt zurzeit keine Lust, echt nicht. Ich scheine mich in einer bequemen Phase zu befinden…

                        Rainer, es war toll, dich wieder zu treffen! Wir bleiben in Kontakt!

                        Anfang Juli steht die nächste Schottland-Tour an. Anders als zunächst geplant, fahre ich nicht nach Harris, sondern werde mich wieder in Wester Ross rumtreiben. Ein paar Tage werde ich in Applecross verbringen, einer Gegend, die für ich noch ein weißer Fleck auf der Schottland-Karte ist. In der restlichen Zeit werde ich versuchen, den Midges davonzulaufen. Den einen oder anderen Plan habe ich schon, aber das gehört in den nächsten Reisebericht.

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                        • Rainer Duesmann
                          Fuchs
                          • 31.12.2005
                          • 1639

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [UK] Wester Ross, Mai 2014

                          Tja, Marion. Da kann ich mich nur bedanken. Der von dir gewählte Zeltplatz war spitze, ebenso die Versorgung mit Cider, Gas und Mückennetz!
                          Rainer
                          radioRAW - Der gesellige Fotopodcast

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                          • Hunter9000
                            Dauerbesucher
                            • 02.06.2012
                            • 646

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [UK] Wester Ross, Mai 2014

                            Sehr schöner Reisebericht. Freut mich, dass du so gutes Wetter hattest. Hast du dir nach den letzten Trips glaube ich auch verdient

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