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    [SE] Luohttoláhko Camping

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    Luohttoláhko Camping
    oder:
    Stell' Dir vor Du bist im Sarek und die Windmaschine geht kaputt.





    Land: Schweden
    Reisezeit: März
    Art der Reise: Skitour




    Anreise
    Die Reise beginnt wie jedes Jahr – mit dem Nachtzug geht es nach Kopenhagen. Waggons aus Paris und aus Amsterdam hängen aneinander, fahren nach Minsk, Prag, Warschau, Berlin, Kopenhagen. Dann kommt der Nachtzug aus Basel, in Hannover treffen beide zusammen, alles wird umsortiert. Oder so ähnlich.

    Offenbar ging alles wieder gut beim großen Kopplungsreigen, der Waggon aus Basel, der den Polarfuchs enthält, ist zumindest angehängt, als ich in Kopenhagen ankomme. Wie er aus dem Zug entfleuchen und über den Bahnsteig entkommen konnte, ohne von mir bemerkt zu werden, weiß ich nicht. Aber gut, er sich halt ausgefuchst.

    Vielleicht geschah es, als ich durch die beiden Kollegen aus dem Badischen abgelenkt war, die meinem Nachbarabteil entstiegen. Die sind im letztes Jahr auf dem Weg von Abiskojaure nach Abisko entgegengekommen, fluchend im weichen stollenden Schnee, am ersten Tag ihrer allerersten Wintertour.

    Sie gingen zurück nach Abisko und machten am übernächsten Tag einen erneuten Versuch. Und sie haben es dann tatsächlich, wie geplant, bis nach Vakkotavare geschafft, erfahre ich. Jetzt haben sie sich den nächsten Kungsledenabschnitt vorgenommen, von Saltoluokta bis Kvikkjokk, und haben zusätzlich zu den Ski und kompletter Zeltausrüstung Schneeschuhe mitgenommen, für den Fall, dass es wieder taut, und weil sie nicht so gut Ski fahren können.

    Nicht mehr allein zu reisen ist praktisch, wir können gegenseitig auf unser Gepäck aufpassen, uns von Bahnsteig zu Bahnsteig helfen. Der Fjällräv nimmt derweil eine andere Zugverbindung, fein ausgeklügelt, die einen größeren Zeitpuffer bringt. In diesem Fall hat ganz er umsonst über den Fahrplänen gebrütet, denn der Schnellzug Kopenhagen – Stockholm ist ausnahmsweise mal pünktlich. So können wir drei anderen den Nachtzug nach Lappland ganz entspannt frühzeitig entern – das ist strategisch günstig, den Pulkas sind sperrig und passen nicht in voll belegte Sechser-Liegewagen.

    Auch für diesen Abschnitt der Reise liegt im Dunkeln, wie Fjaellräv, von uns unbemerkt, am selben Bahnsteig des Stockholmer Hauptbahnhofs denselben Zug wie wir bestieg, aber es besteht kein Zweifel, dass es ihm gelang: Denn eine halbe Stunde nachdem sich der Zug in Bewegung gesetzt hat, taucht er auf, nachdem ich ihm quer durch den Zug eine SMS geschickt habe.

    Wie durch ein Wunder ist das Zugrestaurant noch nicht voll besetzt, und so haben wir für den Abend einen bequemen Ort zum Quatschen.

    Ich kann in Nachtzügen prima schlafen, aber am zweiten Tag der Reise stehe ich immer gern früh auf. Ich genieße das Ankommen. Es ist noch dunkel, dann dämmert es, draußen der Schnee, Birken huschen vorbei, ein eiskalter, klarer Himmel. Als ich mich sattgesehen habe, gehe ich in den Speisewagen, wo Fjällräv und die beiden anderen Skiwanderer schon beim Kaffee sitzen.

    Wenn man bis Abisko fährt, kann man den ganzen Vormittag sitzen und nach draußen schauen, doch heute geht es nur nach Murjek, Ankunft nach zehn, etwas verspätet. Den frühen Bus nach Jokkmokk verpassen wir knapp, und so hängen wir zwei Stunden in der Wartehalle rum. In Jokkmokk legen wir dann eine Runde Powershopping ein. Ich brauche noch Milchpulver, Kekse, gedörrtes Rentierfleisch, drei Liter Petroleum, Trinkschokolade, Varma Koppen Gemüsesuppen. Noch was vergessen? Bestimmt, aber ich werde schon nicht verhungern.

    Und dann wieder Bus fahren, am späten Nachmittag kommen wir in Kvikkjokk an. Durch die Privatisierung der ehemaligen STF-Station hat sich bislang auch optisch nicht viel geändert. Zum STF-Preis gibt es ein Vierbettzimmer für uns zwei, und man kann jetzt Frühstück ordern, das werde ich natürlich nicht auslassen. Wir kochen abends in der Selbstversorgerküche, und dann wird gepackt. Chaos, Chaos, und immer dasselbe: Am Ende passt erstaunlicherweise alles in Pulka und Rucksack.
    Zuletzt geändert von Sarekmaniac; 21.01.2014, 14:20.
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    #2
    AW: [SE] Luohttoláhko Camping

    5. März 2013
    Kvikkjokk – Parte
    18 km, ca. 400 Höhenmeter


    Ich habe mir vorgenommen, reichlich zu frühstücken, doch so viel kriege ich gar nicht runter. An der Rezeption erfahre ich beim Auschecken, dass man in dieser Saison in den Hütten nicht mit Kreditkarte zahlen kann. Allerdings kann man sich Rechnungen ausstellen lassen und dann von zuhause überweisen. Davon werde ich Gebrauch machen; Fjällräv, der vorausschauend und wie immer gut organisiert ist, hat sich natürlich schon im voraus Übernachtungs-Voucher besorgt.

    Als rituellen Abschied von der Zivilisation schiebe ich einen Beutel mit Wechselkleidung und sonstigen Reiseutensilien über die Theke der Rezeption. Am 21. März bin ich zurück und hole das wieder ab. Und ich bestelle schon mal das Abendessen vor, sicher ist sicher.

    Der Weg nach Parte ist nicht sehr aufregend, doch das Wetter ist herrlich. Frühmorgens -13 Grad, im Laufe des Tages steigt das Thermometer auf – 6 Grad. Es ist ein bißchen trübe, aber die Sonne scheint manchmal durch den Dunst. Und ich kenne die Strecke bisher nur in die Gegenrichtung, also durchaus eine neue Perspektive. Kurzum: Ein perfekter Tourbeginn. Obwohl gleich morgens ein strammer Anstieg wartet und die Pulka mit Futter und Brennstoff für 17 Tage pickepackevoll ist, wage ich den Versuch mit Wachs. Das klappt den ganzen Tag hervorragend, der Schnee ist sehr griffig, die Spur nicht oder nur leicht überschneit.

    Ich gehe heute voran und der Fjällräv geht hinter mir her und passt auf, dass ich nicht zurückbleibe. Die Landschaft ist unspektakulär, zunächst geht es durch den Wald etwa 320 Höhenmeter bergauf, dann folgt ein stetes und kurvenreiches Auf und Ab durch Wald und über Sümpfe, über die Seen Unna Dahta und Stuor Dahta, dann nochmal ein Stück Wald, und dann über den Sjabttjakjavre zur Pårtestugan.

    Nachmittags beginnt es ganz leise zu schneien, die Farben lösen sich auf. Eine schwarzweiße, windstille Winterlandschaft. Auf dem Sjabttjakjavre kommt uns ein Schneeschuhläufer entgegen, der offenbar von Parte kommend diagonal über den See abgekürzt hat (der markierte Weg führt erst zum Ende des Sees und von da im rechten Winkel zur Hütte).

    Ich folge seiner Spur, doch Richtunghalten scheint nicht des Schneeschuhläufers Stärke zu sein, irgenwann nerven seine ausladenden, ziellosen Kurven und ich halte durch den Tiefschnee einfach direkt auf die Hütte zu.

    Partestugan

    Um 16:00 kommen wir an, eine angenehme Zeit und es bleiben noch einige Stunden, um das Hüttenleben zu genießen.

    Was mich an diesem Tag etwas verwundert hat, war mein ständig knurrender Magen. Ich habe nicht allzu viel gefrühstückt, aber doch reichlich Schokolade und Kekse nachgeworfen. Kaum in der Hütte angekommen, schnorre ich Fjällrävs letze Wasservorräte. Zwei Varme Koppen und eine Tüte Pizza-Cräcker müssen dran glauben.

    Dann holt Fjällräv frisches Wasser, wir trinken Tee, lesen, schreiben Tagebuch, und eh wir uns versehen ist schon Zeit fürs Abendessen. Jetzt kommt es für mich ganz hart: Ich habe dieses Jahr Tütenfraß mit. Mountain House. Delicious meals anywhere, anytime. Die Versuchung des Tages nennt sich „Chicken & Vegetables in a Blackbean Sauce with Noodles“, und mein Tagebuchvermerk dazu lautet: „Essbar ohne Würgen“.



    Zum Glück gibt es noch Nachtisch. Unser gemeinsamer Bekannter Alain hat Fjällräv zu Weihnachten exotische Dinge geschickt – Foie gras de canard entier und einen Dessertwein, und der Göttergatte hat mir einen Riesenberg Panforte gebacken. Das wir gedarbt hätten an diesem Abend, kann man also nicht behaupten.
    Zuletzt geändert von Sarekmaniac; 07.04.2013, 15:07.
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      #3
      AW: [SE] Luohttoláhko Camping

      6. März 2013
      Parte - Aktse
      27 km
      ca. 250 Höhenmeter


      Es ist etwa 9:00 Uhr, als wir morgens von Parte aufbrechen. Heute geht zunächst Fjällräv voran. Harharhar, das war strategisch klug von mir, am Vortag freiwillig vorneweg zu gehen, denn heute ist die Weg mitunter stark verweht und überschneit, und er muss ordentlich Spurarbeit leisten.



      Winterlandschaft in Schwarzweiß

      Zwischen Parte und Rittak


      Fjällräv spurt.

      Die Temperatur morgens ist -10 Grad, und der Himmel zeigt sich freundlicher als gestern, hier und da leuchtet es sogar blau. Wie am Vortag gehe ich mit Wachs (und am Schluss ein bißchen zu Fuß).

      Erst geht es nochmal fünf km durch den Wald, doch dann wird die Landschaft offener – über das Eis des Rittak, und dann über mehrere Landzunge die Uferzone des Tjaktjajaure entlang. Gegen Mittag klar es auf, und am Rastschutz Rittakluoppal haben wir zum ersten mal schöne Sicht auf die Berge.


      Verschnaufpause, und endlich Blick auf die Berge: Kablamassiv.

      Am Tjaktjajaure kommen uns zwei Skiwanderer entgegen, nun haben wir eine Spur und kommen etwas flotter voran, nichtsdestotrotz zieht sich die Strecke in meiner Wahrnehmung wie Kaugummi.

      Der Winterweg ist hier nicht ohne Grund ans Ufer verlegt, bleibt lange am Südufer und führt dann im rechten Winkel gen Norden. Der Tjaktjajaure ist reguliert und wird im Winter nahezu komplett entleert. Der See wird zu einem Tal mit felsigem, eisbedecktem Grund. Entsprechend ist der Winterweg auch nicht als gerade Linie geführt, sondern schlängelt sich munter hin und her, an zahllosen Hügelchen vorbei, und manchmal auch schnurgerade darüber hinweg. Jedesmal nur ein paar Höhenmeter rauf und runter, aber etwas nervig.

      Mein Problem an diesem Tag ist der Hunger. Mein Magen knurrt in einem fort, die zahlreichen Fütterungen halten nur kurz an. Als wir das Nordufer des Tjaktjajaure erreichen, zeigt das GPS 19 km gelaufene Strecke, und ich habe ich ein kleines Leistungstief. Für den flachen bewaldeten Anstieg zum Harravada, dem Bergrücken zwischen Tjaktjajavrre und Laitjaure, wandern die Ski auf die Pulka. Mit dem ebenmäßigen Fußtrott bin ich zwar langsamer als Fjällräv, der die vielen steilen Hügelchen im ausgefahrenen Skooter-Hohlweg tapfer im V-Schritt hochmarschiert, aber zu Fuß ist das deutlich weniger anstrengend.

      Am Laitjaure-Rastschutz sind meine Vorräte im Tagesproviantbeutel endgültig zuneige. Ich schnorre von Fjällräv einen Müesliriegel mit Himbeergeschmack, er hält exakt die zweieinhalb km über den Laitaure vor. Es dämmert schon, vom Rapadalen zur unserer Linken ist nicht viel zu sehen.

      Auf dem Tjaktjajaure


      Im Winter wird der See zum Tal: Tjaktjajaure.

      Vom Ufer aus sind es nochmal anderthalb km bis zur Aktsestugan, mein Wachs ist komplett abgefahren, und ich beschließe den Rest, durch Wald und hangaufwärts, zu Fuß zu gehen. Das klappt nur fast, 300 m vor der Hütte führt der Weg aus dem Wald heraus, und in der Lichtung ist die Schneedecke wohl tagsüber stärker aufgeweicht als zwischen den Bäumen, und ich sinke hüfttief ein. Jammern nützt nichts, Pulka ab, Rucksack ab, Ski von der Pulka runter, in die Bindung einsteigen (gar nicht so einfach, wenn man im Tiefschnee wühlt), die ganze Aktion dauert 20 Minuten. Und dann das letzte Stück im V-Schritt hoch, zum Wachsen habe ich keinen Bock mehr. Fjällräv steht mit der Stirnlampe vor der Hütte, er hat mich schon vermisst. Das GPS vermeldet 26,92 km, wir waren inklusive Pausen 10 Stunden unterwegs.


      Auf dem Tjaktjajaure. Tjahkkelij und Skierffe.

      Im linken Raum hausen einige Schneeschuhgeher, die draußen Zelten und wohl nur Entgelt für den Aufenthaltsraum zahlen. Den nutzen sie ausgiebig und für meinen Geschmack ein wenig zu lautsstark bis tief in die Nacht. Der „hundefreie“ Raum, in dem wir uns einquartieren, ist stark ausgekühlt. Also heißt mein Ankunftsprogramm Daunenjacke, heiße Suppe und Pizzacräcker. Nachts stehe ich dann zweimal auf und lege Holz nach, so dass wir es zumindest morgens gemütlich haben. Zu meinem Abendgericht, Chicken Korma mit Reis, vermerkt mein Tagebuch „essbar“. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass ich hungrig bin wie ein Wolf.

      Aber wir sind ja keine Wölfe, sondern Menschen und können einteilen, und so gibt es anschließend die zweite Hälfte „dessert a l' Alain“.
      Zuletzt geändert von Sarekmaniac; 07.04.2013, 15:07.
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        #4
        AW: [SE] Luohttoláhko Camping

        7. März 2013
        Aktse – Rapadalen/Litnokstugan
        13 km
        ein paar Höhenmeter



        Bei Aktse.

        An diesem Morgen verlässt mich Fjällräv. Nein, keine Sorge, er ist nicht im Eis der Rapa eingebrochen und ertrunken. Er macht sich auf Richtung Norden, um seine eigenen Tourpläne zu verfolgen – den Kungsleden entlang, und dann durch das Narvikfjell bis nach Abisko.

        Ich bleibe nach einem Aufbruch noch etwas in der Hütte, bis meine Wäsche getrocknet ist – jaaa, ich habe gewaschen und werde höchst kultiviert mit einer zusätzlichen sauberen Unterbuchse im Gepäck losziehen. Außerdem bin ich nachts zweimal aufgestanden und habe Holz nachgelegt, jetzt hat es mollige 20 Grad, und ich will was davon haben. Um zehn stehen die gepackte Pulka und der Rucksack vor der Hütte, ich habe Holz gesägt und gehackt, es ist gefegt und abgewaschen. Und ich habe prophylaktisch im Shop zwölf Snickers zu Mondpreisen erstanden, um die karge Tageskost aufzubessern (erst zehn Tage später fällt mir auf, dass ich zuhause wohl 20 Tafeln Schokolade eingepackt habe, und nicht 15).


        Laitaure mit Tjahkkelij.


        Tor zum Sarek: Das Rapadelta


        Im Rapadelta.

        Eigentlich geht die Tour jetzt erst los. Die ersten zwei Tage waren Warmlaufen, Ankommen, jetzt biege ich endlich ab vom markierten Weg. Zuerst wieder hinunter durch den Wald bis zum Laitaure, und dann auf den Nammasj zu.


        Der fotogenste Backenzahn Schwedens: Nammasj.


        Nammasj und Skierffe.

        Schattenspiel am Rapaufer.

        Erstmals meldet sich der Expeditionsleiter zu Wort. Er hat aus seinem schmuddeligen Strickpelz ein winziges Satellitentelefon hervorgeholt und telefoniert mit Sarek Tours Unlimited, dem Anbieter, bei dem wir unser Pauschalangebot gebucht haben. Es gebe Probleme, teilt Herr Trunkenbaer mit, die Windmaschine sei kaputt, aber man würde sich zumindest bemühen, die zugesagten Temperaturen einzuhalten. Dann verschwindet der Expeditionsleiter wieder in der Pulka. Ihm sei zu warm.

        Mir ist es recht, es ist ein windstiller, herrlicher, sonniger Tag, morgens -13 Grad, und der Schnee auf dem Laitaure ist viel härter als als am letzten Abend. Ich halte einfach nach Sicht auf den Nammasj zu. Als ich das Rapadelta erreiche, muss ich die eine oder andere kleine Kurve drehen – dichten Birkenbewuchs umlaufen, mäandernde Flussarme durchqueren. Irgendwann erreiche ich den Rapahauptarm, den im Sommer das Boot von Aktse befährt. Ich folge dem Fluss, meist direkt auf der Uferböschung, weil der Schnee dort härter ist. Nur manchmal, wenn es zu steil wird oder die Birken zu dicht stehen, wechsle ich aufs Eis.

        Immer wieder quere ich große harschige Flecken. So was sorgt für Abrieb. Ich wachse dreimal nach an diesem Tag. Und mache bei der Gelegenheiten ausgiebige Sitz- und Fotopausen: Schattenspiele, die mächtigen Felswände von Nammasj und Skierffe, ich kann mich nicht sattsehen.

        Nicht so schön ist, dass mein linkes Knie beginnt, Zicken zu machen. Ein leiser stechender Schmerz und ein wabbeliges, kraftloses Gefühl in immer demselben Moment der gleitenden Vorwärtsbewegung.

        Ich versuche das linke Bein zu entlasten, aber Hinken auf Skiern ist etwas schwierig. Ich habe mir einiges eingehandelt in den letzten zwei Jahren, das mit dem Knie ist jetzt neu. Knie hatte ich noch nie.

        Ich beschließe, es einfach auf die 27 km vom Vortag zu schieben, und meinen unzureichenden Fitnessstand. Gegen vier, kurz vor der Litnokstugan, suche ich mir eine schöne flache Stelle am rechten Rapa-Ufer. Das Knie braucht Erholung, und der Rest von Sarekmaniac auch.

        Ich habe mir angewöhnt, mich vor dem Zeltaufbau umzuziehen, nur wenn es sehr windig ist (dann kommt nur die Daunenjacke drüber) oder so warm, dass die Füße in den Lederschuhen nicht auskühlen, ändere ich die Reihenfolge. Also: Gemütlich auf die Pulka setzen, Jacke aus, Daunenjacke an; Schuhe aus, Kamiken an; Hose aus, Daunenhose an. Dann den letzten Rest Schokolade essen, und einen Schluck heißen Tee, ein Viertelstündchen rumstehen und die Landschaft genießen, und dann beschäftige ich mich mit dem Zelt.


        Abendstimmung im Rapadelta. Nammasj und Tjahkkelij.

        Gerade als ich die letzte Leine gesetzt habe, kommt Abendwind auf, es zieht etwas zu, einzelne Schneeflocken fallen. Doch der meiste Schnee in der Luft ist vom Boden aufgewirbelt, der fällt, ist aufgeweht. Kräftige Böen treiben Schneefahnen über die Rapa, der Tjahkkelij ist von Schneedunst umhüllt. Gegen 18:00 Uhr legt sich der Wind so plötzlich, wie er gekommen ist. Es weht nur noch ein laues Lüftchen, mit ein paar kräftigeren Böen in der Nacht.

        Heute feiere ich die Premiere meines Trangia-Umbaus. Das Gestell ist von 1978 und das älteste Stück in meinem Ausrüstungsfundus. Ich muss mir die Apsis etwas umorganieren, wegen des ungewohnten langen Brennstoffschlauchs entsteht toter Raum zwischen Kocher und Tank, es wird hinten etwas enger für den „Speiseschnee“-Vorrat, und die Schmuddelecke wandert gaaanz nach rechts vorne in die Ecke. Mit der Performance der neuen Kombi bin ich sehr zufrieden, der Aufwand hat sich gelohnt. Der Cobrabrenner aus einem alten norwegischen Armee-Hiker brennt noch effizienter als vorher (ich habe am Ende einiges an Brennstoff wieder heimgebracht).

        Die heutige Offenbarung aus der Mountain-House-Tüte heißt „Nudeln mit Lasagnesoße“ und schmeckt nach Ketchup und Mehl. Aber zum Glück habe ich noch Hartwurst, Schinken, Käse Paneforte, und außerdem ein paar Eigenbau-Mahlzeiten, auf die ich mich jetzt schon zu freuen beginne.

        Als ich um neun in den Schlafsack krieche, ist es immer noch -13 Grad, der Wärmekragen bleibt also offen.


        Zeltplatz am Rapaufer.
        Zuletzt geändert von Sarekmaniac; 07.04.2013, 15:08.
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          #5
          AW: [SE] Luohttoláhko Camping

          8. März 2013
          Rapadalen/Litnokstugan – Rapaselet/Rahpajavre
          17 km
          ein paar Höhenmeter



          Tjahkkelij im Morgendunst


          Skierffe, Nammasj, Tjahkkelij.


          Litnokstugan

          Ich schlafe durch bis sieben Uhr. Morgens totale Windstille. Hat es nachts geweht? Ich glaube nicht, ich habe geschlafen wie ein Stein. Die handelsübliche Temperatur scheint weiterhin -13 Grad zu sein, so bleibt es bis zum Abend. Ich krieche in voller Daunenmontur aus dem Zelt und bewundere erstmal ausgiebig die Morgensonne über dem Tjahkkelij. Dann begebe ich mich in den Birkenwald für einen gepflegten Morgenschiss. Das Papier wandert in eine Butterbrottüte und diese nicht, wie geplant, in einen Ziplockbeutel, sondern in die leere Mountainhouse-Tüte. Aromadicht verpackt. „Redundante Nutzung“ nennen das die Ausrüstungsfetischisten. Als ich mit den dicken Kamiken durch den Schnee watschle, tut das Knie wieder weh, ich bin etwas beunruhigt.

          Obwohl der Untergrund es nicht so eisig ist wie gestern, ziehe ich die Kurzfelle auf. Damit bin ich nicht so schnell, aber ich habe festeren Tritt und muss weniger mit dem Fuß ausbalancieren, das schont das Knie. Tatsächlich bessert sich die Sache, drei Stunden nach dem Aufbruch hören die Schmerzen auf.

          Ich komme gegen zehn los (ist ja Urlaub), und keine Viertelstunde später erreiche ich die Litnokstugan. Die Ufer sind jetzt zu felsig und zu dicht bewachsen, so dass ich auf dem Fluss laufe.

          Vajggantjahkka

          Zwischen der Litnokstugan und Rahpavuopme fließt die Rapa in zwei Armen, ich nehme den südlichen. Immer mal wieder sehe ich offenes Wasser, wechsle die Flussseite, schau nach sicheren Schneebrücken.


          Dünnes Eis auf der Rapa.

          Einmal bin ich baselig und breche, einen Meter von offenem Wasser entfernt, die Schneekante ab. Das Eis darunter ist scheinbar sehr dünn und bricht; in Windeseile saugt sich der Schnee mit Wasser voll. Ich mache ein paar schnelle Parallelschritte Richtung Ufer. Herr Trunkenbaer erklärt aus der Tiefe der Pulka, er habe keinesfalls die Absicht ein Bad zu nehmen, ich möge mich bitte vorsehen. Ich verweise darauf, dass die Pulka schwimmfähig sei, sie sei schon einmal über den ganzen Torneträsk geschwommen, als 15 cm Wasser auf dem Eis gestanden hätten. Dies sei vor seiner Zeit gewesen, erklärt Herr Trunkenbaer, er bedanke sich aber trotzdem für die Mitteilung, die sein Vertrauen in das Material nachhaltig gefestigt habe.






          Bra skidföre.

          In einigen windgeschützen Flussschleifen hat sich weicher, tiefer Flugschnee gesammelt, ansonsten ist der Schnee schön hart und leicht zu laufen. Heute bekomme ich zum ersten Mal Tiere zu Gesicht: ein paar turtelnde, hektische, tschilpende Bergfinken, ein einsames Schneehuhn. Und ich finde zahlreiche Vielfrassspuren unterschiedlichen Alters am Rapa-Ufer. Ein unterhaltsames halbes Stündchen spiele ich "Vielfraßjagd".


          Die Sami nennen das "Tjårok": Die Spur ist höher als der Schnee.


          Und noch ein paar winderodierte Tapsen.


          Ja wo läuft er denn, ja wo läuft er denn?


          Pratz. Schneetellerdurchmesser 13,5 cm.



          Alles ist recht blau, doch der Gadoktjahkka ist heute am blauesten.


          Gadoktjahkka und Gadokvarasj































          Offenes Wasser auf der Rapa







































          Der Bielloriehppe kommt in Sicht.

          Falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte: Das Wetter war affengeil. Ich laufe, auf 600 m Höhe, direkt am Fuß des 1900 m hohen Biellorieppemassivs lang, hinter dem sich die Sonne schon früh versteckt, dementsprechend wird es schon früh nachmittags schattig und frisch.

          Aber was für ein Himmel, was für ein Licht. Und stundenlang völlige Windstille, erst nachmittags kommt ein Lüftchen von vorn auf. Gegen sechs suche ich mir beim Rahpajavrre ein schönes gerades Fleckchen zwischen den Birken.



          Im Rapaselet. Bielloriehppe und Stuor Skoarkki

          Link zum Panorama








          Rapaselet. Sonnenuntergang über dem Bielloriehppe-Massiv.

          Es ist völlig klar und stockdunkel, ich gehe nach dem Essen (den Namen des Tütengerichts habe ich verdrängt) mit der Thermoskanne raus und betrachte lange den Sternenhimmel. An der Temperatur hat sich den Tag über nicht viel getan, zur Schlafenszeit ist es weiterhin –13 Grad.
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            #6
            AW: [SE] Luohttoláhko Camping

            9. März 2013
            Rapaselet/Rahpajavre – Sarvesvagge/Gaskasjagasj
            14 km
            Ein paar Höhenmeter





            Windstiller Morgen am Rahpajavrre.

            Was für ein Morgen, langsam wird mir das unheimlich. Ich verlagere das Frühstück nach draußen, dass geht nicht wirklich schneller, aber man kann die Landschaft besser genießen. Erst um 10:45 Uhr laufe ich los, es ist windstill und etwas kälter als gestern, - 15 Grad. Und das fürs erste im Schatten der steilen Wände von Bielloriehppe und Stuor Skoarkki. Der Untergrund ist sehr hart, die sechs km bis zum Bielloriepjavrre laufe ich in knapp 2 Stunden.


            Rapaselet. Blick Richtung Dielmabuollda und Laddebakte.

            Link zum Panorama.



            Auf dem Bielloriehppejavvre. Soabbetjahka, Skarkimassiv.

            Link zum Panorama.


            Auf dem Bielloriehppejavvre. Panorama mit Dielmabuollda, Jagasjgasgatjahkka und Laddebakte.

            Link zum Panorama.



            Rovdjurstorget. Blick Richtung Noajdevagge, Noajdde, Sarvesvagge.

            Link zum Panorama.


            Ab Dielmaskajdde wird es etwas anstrengender, denn der Schnee im bewaldeten unteren Sarvesvagge ist von der Sonne beschienen, weicher und tiefer. Doch es ist herrlich, zwischen den Birken her zu schleichen, einen guten Weg durch die felsdurchsetzten Terrassen und Rücken im Talgrund zu suchen. Ich laufe auf der nördlichen Talseite etwas am Hang. Ganz unten am Fluss stehen die Bäume dichter, das Flussufer ist etwas „rumpelig“, und immer mal wieder hat der Sarvesjahka offene Stellen. Die Sonne steht schon tief und ich laufe nach Westen, in den Sonnenuntergang hinein. Jeder Baum, jeder kleine Strauch wirft gestochen scharfe, blaue Schatten.


            Nachmittagssonne

            Herr Trunkenbaer krabbelt aus der Pulka heraus und erzählt mit großen Augen, was er in der Hochglanzbroschüre gelesen hat, die uns Sarek Tours Unlimited zusammen mit der Buchungsbestätigung geschickt hat. Dieser Ort werde demnach „Markplatz der Raubtiere“ genannt, weil es hier von Bären, Wölfen, Vielfraßen und Luchsen nur so wimmle. Und jetzt käme also, erklärt er vergnügt, noch ein Eisbär dazu (Das stünde natürlich nicht in der Broschüre). Wir schauen uns um und sehen nur Schneehühner, die aber reichlich, und Spuren von Schneehase und Rotfuchs. Für die nächste Ausgabe der Broschüre wäre vielleicht eine Umbenennung des Platzes in „Repokanilohtanachti“ angesagt, das ist Samisch und bedeutet: „Wo-Fuchs-und-Hase-sich-gute-Nacht-sagen“.




            Birkenwald im Sarvesvagge.


            Einstieg ins Sarvesvagge. Blick zurück auf Laddebakte, Ähpar und Stuor Skoarkki


            Bielloriehppe, Stuolovagge und Lulep Stuollo von Norden.

            Link zum Panorama.

            Die Schneehühner tackern munter ihre kleinen Spuren kreuz und quer durch den Wald. Kleine Birkenwipfel, die so gerade aus dem Schnee herausgucken, sind besonders beliebte Angriffsziele, da sie leicht abgegrast werden können. Schneehühner sind nämlich durch die Schwerkraft arg benachteiligt gegenüber kleinen Singvögeln und können nicht im feinen Birkengeäst herumturnen. Ich nutze die nächste Pause für ein größeres Geschäft. Herr Trunkenbaer ist ganz begeistert, so rieche es zumindest nach Raubtier, und den Rest erledige die Kraft der Phantasie.


            Auch Schneehühner wissen, wie "Tjårok" geht.


            Marktplatz der Schneehühner.


            Birkenknospen. Lecker.


            Schneehuhn-Einschlag.

            Die Sonne sinkt langsam, so ist das hoch im Norden, und ich habe lange was von dem wunderbaren flachen Licht. Dabei wird es stetig kälter. Als ich gegen 17 Uhr nahezu aus den Bäumen heraus bin und das Zelt aufschlage, ist es -22 Grad. Zumindest in dieser Hinsicht sei der Dienstleistungsvertrag mit Sarek Tours Unlimited nun erfüllt, stellt der Expeditionsleiter fest, es bliebe noch das Problem mit der Windmaschine. Später will er mit in den Schlafsack, wegen der Raubtiere.


            Abend im Sarvesvagge.

            Link zum Panorama.
            Zuletzt geändert von Sarekmaniac; 07.04.2013, 23:07.
            Eshche odin zhitel' Ekaterinburga zabralsja na stolb, chtoby dokazat' odnoklassnice svoju bespoleznost'.
            (@neural_meduza)

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            • Fjaellraev
              Freak

              Liebt das Forum
              • 21.12.2003
              • 13841

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [SE] Luohttoláhko Camping

              Schön
              Da werden Erinnerungen wach, am liebsten würde ich gleich wieder losziehen, dabei warte ich noch auf meine eigenen Bilder der Tour.
              Ein paar "Korrekturen" meinerseits:
              Die von mir ausgeknobelte Verbindung war hauptsächlich wegen der häufigen Verspätungen des Nachtzugs nach Kopenhagen entstanden und hat in Stockholm einfach offiziell nicht gereicht um den Nachtzug zu erwischen. Aber mit meiner Ortskenntnis in dem Bahnhof hat es natürlich trotzdem gereicht...
              Die Delikatessen von Alain habe ich extra für diesen Tourstart erhalten, seine Weihnachtsleckereien haben nicht so lange überlebt. Tja die Franzosen wissen schon zu schlemmen. Leider war er dieses Jahr eine Nacht vor uns auf dem Weg nach Lappland.

              Freue mich schon auf die noch unbekannte Fortsetzung.

              Gruss
              Henning
              Es gibt kein schlechtes Wetter,
              nur unpassende Kleidung.

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              • Gast-Avatar

                #8
                AW: [SE] Luohttoláhko Camping

                Danke für den interessanten Bericht und - vor allem - für die vorbildlich disziplinierte Veröffentlichung in quasi einem Stück.

                "Einmal bin ich baselig und breche, einen Meter von offenem Wasser entfernt, die Schneekante ab. Das Eis darunter ist scheinbar sehr dünn und bricht; in Windeseile saugt sich der Schnee mit Wasser voll. Ich mache ein paar schnelle Parallelschritte Richtung Ufer."

                Mir war so etwas ähnliches auch mal im Sarek passiert. Pulka nass und vereist. Felle nass und später vereist. Anschliessend Riesenstollen von ca. 15cm Höhe unter Fellen und Pulka. Im Nachhinein glaube ich, dass es bei mir ungefährlich war und es sich nur um Overflow gehandelt hat.

                Bei Dir klingt es hingegen so, als wäre es wirklich tiefes, offenes Wasser gewesen. Hältst Du die Route im Nachhinein für risikoreich?

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                • Sarekmaniac
                  Freak

                  Liebt das Forum
                  • 19.11.2008
                  • 10794

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [SE] Luohttoláhko Camping

                  Allzutief war es an der Stelle nicht, vielleicht 40 cm. Aber es fließt schon ordentlich Wasser die Rapa hinunter. Den Abbruch hat es nicht weggerissen, ob er aufgesetzt ist, weiß ich nicht, lange habe ich nicht da gewartet. Und es lag dick Schnee auf dem Eis (sonst wäre ich gar nicht an der Stelle lang gegangen). Bis der komplett absinkt das dauert ja auch seine Zeit.

                  Flusseis ist immer risikoreich, man muss halt aufmerksam schauen, besonders bei schlechter Sicht. Wenn der Fluss sich windet (Prallufer, Veränderung der Fließgeschwindigkeit), oder wenn man ihn quert. Irgendwo ist immer die schnellste/tiefste Fließrinne, die noch offen ist, bzw. die als letztes zugefroren ist.

                  Aber ein gewisser Tritt in den Hintern war das schon. Alway look out.
                  Eshche odin zhitel' Ekaterinburga zabralsja na stolb, chtoby dokazat' odnoklassnice svoju bespoleznost'.
                  (@neural_meduza)

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                  • Torres
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                    Liebt das Forum
                    • 16.08.2008
                    • 26770

                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [SE] Luohttoláhko Camping

                    Bisher sehr amüsant geschrieben. Gefällt mir . Schön auch, dass Herr Trunkenbaer dabei war.
                    Zuletzt geändert von Torres; 07.04.2013, 18:54.
                    "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org.

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                    • Scrat79
                      Freak

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                      • 11.07.2008
                      • 11931

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [SE] Luohttoláhko Camping

                      Uhi schön!
                      Freut mich dass du wieder gut daheim angekommen bist dann auch noch einen schönen Reisebericht mitbringts.
                      Was kann dazu besser passen, als nebenan nen Film über Skandinavien laufen zu haben und jetzt gleich schön den Ofen anschüren, damit es gemütlich wird.

                      Freu mich auf die nächsten Tage.
                      Der Mensch wurde nicht zum Denken geschaffen.
                      Wenn viele Menschen wenige Menschen kontrollieren können, stirbt die Freiheit.

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                      • Ditschi
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                        Liebt das Forum
                        • 20.07.2009
                        • 10868

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [SE] Luohttoláhko Camping

                        Ich schließe mich an. Schöne Bilder.
                        Gruß Ditschi

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                        • across
                          Erfahren
                          • 14.01.2009
                          • 332

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [SE] Luohttoláhko Camping

                          Ahhh... dieses Wetter, dieser Schnee, diese Bilder.... !

                          Warte gespannt auf Fortsetzung

                          Und Danke schon, dass Du die "Community" teilhaben lässt an dieser Sonnen-Sarek-Tour.
                          Meine Erfahrungen, Tipps, Tricks, Tourenvorschläge für Nordskandinavien und nicht zu letzt Rezeptideen gibt es zwischen zwei Buchdeckeln:
                          "Trekking-Abenteuer in Nordskandinavien"

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                          • hambe
                            Gerne im Forum
                            • 18.04.2008
                            • 86

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [SE] Luohttoláhko Camping

                            wunderbare Fotos, sehr beeindruckend!

                            Kommentar


                            • Kuoika
                              Erfahren
                              • 23.08.2012
                              • 471

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [SE] Luohttoláhko Camping

                              Kann mich nur anschließen. Macht super Laune, mitzulesen und die Bilder sind .

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                              • Sarekmaniac
                                Freak

                                Liebt das Forum
                                • 19.11.2008
                                • 10794

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [SE] Luohttoláhko Camping

                                10. März 2013
                                Sarvesvagge/Gaskasjagasj
                                Ruhetag




                                Schon am Abend waren einige Wolken aufgezogen, am nächsten Tag ist es, bei gleichbleibenden -20 Grad, trübe, es fällt ein wenig Schnee, es zuzelt ein leichter Wind am Außenzelt. Das ist kein schlechtes Wetter, sondern ganz normales, ich kann sogar den Gipfel des Noajdde sehen, 1600 m hoch. Aber ich frage mich, ob das der Beginn eines Wetterumschwungs ist. Ich spekuliere mit der Hochebene, ohne Sicht macht das keinen Sinn da oben, und vor allem will ich den Aufstieg sehen und nicht durchs Whiteout tapern. Und wenn ich heute weitergehe, ist die Gelegenheit vorbei. Außerdem ist Sonntag, ich bin fünf Tage unterwegs, und ich habe für diesen Urlaub eigentlich nur eine klare selbstgestellte Vorgabe, dass ich es schaffe, mich während der Tour, in den Nächten und Lagerzeiten zu regenerieren und nicht als Sanierungsfall nachhause komme. Und dem Knie tut etwas Ruhe vermutlich auch gut.

                                Also zurück ins Zelt, eine Runde schlafen, dann frühstücken, Tagebuch schreiben, lesen, nachdenken, in die Stille hören, Teepause, dann ein Nachmittagsschlaf. Zum Abendessen Schinken und Kartoffeln mit Rührei – das schmeckt sogar. Und schon ist der Tag vorbei.


                                11. März 2013
                                Sarvesvagge/Gaskasjagasj - Luohttolahko
                                13 km.
                                500 Höhenmeter



                                Vernebelte Morgensonne über Stuolo und Gaskasjagasj.

                                Das Ding
                                Am nächsten Tag wache ich früh um sechs auf, was keine Kunst ist nach der ganzen Faulenzerei. Die Temperatur beträgt -18 Grad (geht im Laufe des Tages dann etwas runter), immer noch trübe, komplett windstill, aber insgesamt etwas heller. Ich frühstücke gemütlich, beim Packen und Zeltabbau schaue ich immer Mal Richtung Noajdevagge, wo es aufhellt. Ich. Will. Da. Rauf. Dann ist die Pulka fertig gepackt, ich stehe rum, schiele wieder rüber und sehe, was zu erwarten waren, reichlich Schnee hängt in den steilen Hängen, Ja gut, das war es wohl, da gehe ich nicht hoch. Also durchs Sarvesvagge, um neun Uhr breche ich auf.

                                Anfangs ist der Schnee noch tief, doch als ich die Baumgrenze erreiche, bessert sich der Untergrund rasch. Interessanterweise ist das Tal nahezu baumfrei, während an den Hängen zum Teil hoch hinauf noch Reihen von mutigen Birken stehen. Zweimal scheuche ich eine große Gruppe von Schneehühnern auf. Ich halte mich weiter an der rechten Talseite, später in der Talmitte, hier ist es fast egal, wie man läuft. Denke ich mir, bis ich spät vormittags auf das Ding stoße.


                                Das Ding im Sarvesvagge I. Von unten.


                                Das Ding im Sarvesvagge II. Von der Seite.


                                Das Ding im Sarvesvagge III. Von oben.

                                Das Ding illustriert hervorragend, dass man sich auch in flachgehobelten, breiten Trogtälern den Hals brechen kann. Und es verrät mir, dass es dieses Jahr ordentlich geschneit hat. Ein riesiges, nach talabwärts offenes U aus Schnee, Seitenlängen etwa 25 bis 30 m, größte Fallhöhe der Kante etwa viereinhalb bis fünf Meter.

                                Ich stehe mit der Pulka auf dem blanken Eis eines Sumpfes, hier hat es den Schnee seit Winterbeginn ständig weggeweht, während sich ringsum eine regelrechte Wechte auf dem platten Talgrund aufgebaut hat. Wenn einmal eine Kante vorhanden ist, verwirbelt im U der Wind, und trägt allen Schnee, der dort auf das Eis fällt, wieder raus. Wenn man im Whiteout von oben auf so etwas zuläuft, hat man schlechte Karten.

                                Die Position des Dings beträgt N 67°15'27.4'' E 017°34'18.1''. Einfach mal auf Google Earth anschauen, damit plant man doch heutzutage gern Touren. Und wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Von der Fjällkarte gar nicht zu reden.

                                Schade, dass kein Wind weht, hier hätte ich Windschatten. Nach einer Schokopause und ausführlicher Exkursion rings ums das Ding ziehe ich weiter.

                                Der Hang
                                Vom Ding aus sind es etwa drei km zur Renvaktarstuga im Sarvesvagge, ich sehe sie schon vom weitem. Und als ich fast bei der Hütte bin, werfe ich einen ganz leichten Schatten – es scheint aufzuklaren. Ich betrachte den Hang zur Linken. Der hat im Schnitt über 300 Höhenmeter hinweg 21, 22 Grad und flacht dann über 100 Höhenmeter aus. Traversieren mit Pulka geht da nicht, man muss in Falllinie zu Fuß hoch. Und dafür sieh es eigentlich gut aus, der Schnee ist sehr hart, an machen Stellen liegt sehr wenig, Grashalme lugen hervor. Tja, irgendwie packt es mich, das habe ich mir schon seit langer Zeit vorgestellt, mal im Winter nach Luohttolahko hochzusteigen, und so eine Gelegenheit – Wetter gut, Untergrund gangbar, bekomme ich vielleicht nie wieder. Herr Trunkenbaer mischt sich nicht groß ein, solange er nicht raus müsse aus der Pulka und ziehen helfen, tönt es von hinten, solle ich doch bitte treiben, was ich wolle.


                                Revaktarstuge im Sarvesvagge. Links der Aufstiegshang nach Luohttolahko, mit Luohttotjahkka.


                                Link zum Panorama.

                                An der Renvaktarstuga mache ich noch eine ausgiebige Pause, um mich vor dem Aufsteig zu stärken. Außerdem kommen die Langfelle drauf. Die werde ich zwar höchstwahrscheinlich nicht brauchen, aber wenn ich wieder umkehren muss, schadet es nicht, wenn sie schon da sind, wo sie eventuell nützlich sein können.

                                Und um 13:30 geht es los. Die erste Viertelstunde gehe ich die Talsohle mit Ski und Fellen hinauf, dann nehme ich die Ski in die Hand und benutze sie als Anker, wie Kletterer es mit Eispickeln tun. Ski vor sich in den Schnee stecken, einen oder zwei Tritte treten, hochziehen bis zum festen Stand, Ski wieder raus. Und auf ein neues. Diese Phase dauert etwa dreieinviertel Stunden.

                                Auf dem letzten flacheren Abschnitt reichen die Stöcke, die Ski wandern auf die Pulka, und endlich geht es etwas schneller voran. Nach nur viereinhalb Stunden bin ich oben.


                                Ich habe die Tritte nicht gezählt, die ich in den Schnee treten musste, schätzungsweise sechs oder sieben pro Höhenmeter, zuzüglich ein paarmal ein paar Meter wieder runter, bzw. parallel zum Hang, weil es zu steil wird oder ich komplett vereiste Stellen vor mir habe, die ich nicht passieren kann. Etwa 2000, 2200 Tritte also, dafür jedesmal vier oder fünfmal Nachtreten im harten Schnee. Grödel wären nicht schlecht gewesen. Meine Schuhe sehen danach erbärmlich aus, die waren neu, vor der Tour gerade mal 40 km eingelaufen, und sind für so was nicht gemacht.

                                Wider Erwarten ist es im langen Steilstück nicht möglich, die Pulka sicher zu parken, nur einmal, nach ca. 140 Höhenmetern, finde ich einen kleinen Absatz oberhalb eines Steins, der eine Pause erlaubt, ansonsten hängt mir die knapp 40 kg frei im Kreuz. Größere Zwischenfälle gibt es nicht, ein Anflug von Wadenkrämpfen in der letzten halben Stunde, aber das linke Knie hat nicht einmal gemuckt.

                                Als ich nach vier Stunden beginne, mich auf das Ende zu freuen und einige schnelle Schritte hintereinander mache, bekomme ich prompt die Quittung, rutsche aus, einige Meter nach unten und reiße mir an einem Stein ein Loch in die Hose. Also bitte, immer schön langsam Schritt für Schritt, mahnt Herr Trunkenbaer aus dem Off. Es bleibt spannend bis zum Schluss.


                                Fast oben, es flacht aus. Blick vom Aufstiegshang hinab ins Sarvesvagge.

                                Link zum Panorama.

                                Als der Hang auszuflachen beginnt, mache ich eine kurze Pause, und die Ski in meinen Händen loszuwerden, die Stöcke wieder auf die richtige Länge einzustellen und die Stirnlampe herauszuholen. Richtung Sarvesvagge abwärts sieht man nicht mehr viel, aber was ich sehe, ist schon mal vielversprechend.

                                Ich bin ziemlich bedient und suche, obwohl ich noch gar nicht ganz oben bin, nach einer geeigneten Stelle für das Zelt. In einem Bereich mit sehr großen Schneeverwehungen und Sastrugis stoße ich auf einige gerade Quadratmetern, das reicht mir. Nicht gerade ein kluger Zeltplatz, aber mit Schlechtwetter ist wohl nicht zu rechnen. Trotzdem setze ich alle Leinen und häufle sorgfältig Schnee an, man weiß ja nie.


                                Kalte Füße I.

                                Ausnahmsweise, und weil es schnell gehen sollte, habe ich mich vor dem Zeltaufbau nicht umgezogen, erst abends im Zelt merke ich, wie kalt meine Füße geworden sind. Die Temperatur ist über den Tag auf -20 Grad gesunken, zu Fuß hat man ständig Kontakt mit dem Schnee, und durch die ungewohnte Bewegung habe ich die VBL-Socken runtergelaufen, und die dicken Socken ist recht feucht geworden. Im linken Fuß habe ich sowieso ständig Durchblutungsprobleme und taube Zehen, und das war jetzt wohl etwas too much.

                                Nach dem Abendessen lasse ich den Kocher noch zwei Stunden auf kleiner Flamme weiterlaufen und knete die Zehen am linken Fuß.

                                Nach solchen etwas krasseren Aktionen bin ich immer eher aufgekratzt als müde, das wird am Adrenalin liegen, und so dauert es bis elf Uhr, bis ich in den Schlafsack krieche. Vorher gehe ich nochmal kurz raus, in der Hoffnung, so spät abends vielleicht endlich einmal Nordlichter zu sehen, doch leider habe ich auch diesmal kein Glück. Dafür sehe ich, dass der Himmel mittlerweile komplett freigezogen ist, tiefschwarz und klar – Millionen Sterne leuchten über mir.

                                Kalte Füße II.
                                Zuletzt geändert von Sarekmaniac; 08.04.2013, 10:21.
                                Eshche odin zhitel' Ekaterinburga zabralsja na stolb, chtoby dokazat' odnoklassnice svoju bespoleznost'.
                                (@neural_meduza)

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                                • Mortias
                                  Fuchs
                                  • 10.06.2004
                                  • 1022

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [SE] Luohttoláhko Camping

                                  Wow, macht richtig Spass da mit zu fiebern. Sehr unterhaltsamer Schreibstil und tolle Bilder. Gerade bei strahlendem Sonnenschein sieht der tief verschneite Sarek unheimlich fotogen aus. Da merke ich richtig, wie ich Lust bekomme auch mal wieder loszuziehen. Freue mich schon auf die Fortsetzung.

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                                  • Mika Hautamaeki
                                    Alter Hase
                                    • 30.05.2007
                                    • 3949

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: [SE] Luohttoláhko Camping

                                    Herrliche Photos und die Schneedüne fand ich wirklich beeindruckend! Bitte schnell weiterschreiben!
                                    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
                                    A. v. Humboldt.

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                                    • Buck Mod.93

                                      Lebt im Forum
                                      • 21.01.2008
                                      • 8865

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: [SE] Luohttoláhko Camping

                                      Heftiger Aufstieg

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                                      Les Flics Sont Sympathique

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                                      • OttoStover
                                        Fuchs
                                        • 18.10.2008
                                        • 1076

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        AW: [SE] Luohttoláhko Camping

                                        Nice story and good pictures to go with. Regarding this section:

                                        "Das Ding illustriert hervorragend, dass man sich auch in flachgehobelten, breiten Trogtälern den Hals brechen kann. Und es verrät mir, dass es dieses Jahr ordentlich geschneit hat. Ein riesiges, nach talabwärts offenes U aus Schnee, Seitenlängen etwa 25 bis 30 m, größte Fallhöhe der Kante etwa viereinhalb bis fünf Meter. "

                                        Yes snow drifts may be dangerous to skiers, but even more to snowmachine drivers. Such snowdrifts may appear where you least expect it, and they may change place from one year to another. It is due to the predominant wind direction when it is snowing or there is loose snow on the ground. In flat light (when all is white and no shadows exist) they may be hard to spot.

                                        But they are useful also. In strong wind they provide a good place to dig a snowcave. I therefore mark the location when I ski in the nature and the weather is doubtful. In case of emergency I may then return to this snowdrift to make a cave.

                                        Sarekmaniac I am envious to you since you had such good skiing conditions. My wife and me tried for the second time to take a tour across Saltfjellet, but the snowconditons were terrible. Too much loose snow, the dog sank into it to his belly and we did the only right thing and returned to the "womo". So it is better luck next year for us.
                                        Otto
                                        Ich lese und spreche Deutsch ganz OK, aber schreiben wird immer Misverständnisse.
                                        Man skal ikke i alle gjestebud fare, og ikke til alle skjettord svare.

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