[IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

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  • Pax
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    • 14.02.2009
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    • Meine Reisen

    [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

    Tourentyp
    Lat
    Lon
    Mitreisende
    Land: Island
    Reisezeit: August 2011
    Region/Kontinent: Nordeuropa


    Nach Publikumserfolgen wie Hannibal ohne Elephanten, Good Trekkers - Deutsche in Skandinavien und der wenig beachteten Arthouse-Produktion Für eine Handvoll Karwendelschotter nun das lang ersehnte epische Meisterwerk von Inselaffe Productions:

    Flieht, ihr Narren! - Island 2011



    Prolog

    Und so begab es sich aber nach über einem Jahr, dass der wackere Informatiker, der edle Chemietechniker und noch ein anderer Trottel sich wiederum gen Norden wandten, den Schädel voll ermunternder Gedanken wie: "So schlimm war es letztes Mal ja gar nicht" und "Vielleicht hält Alex ja die Klappe", das Gepäck voller Futter und der unbedingt nötigen DSLR in doppelter Ausführung. Ja, sogar ein Fünkchen Fernweh und die Hoffnung auf zahme, geordnet Deutsche Abenteuer erhellten das Herz dieser drei Fehlgeleiteten.


    6/08/11 Anreise

    Bereits am Flughafen werden wir von guten Omen geradezu überschüttet, heftige Gewichtsüberschreitung, der nicht ganz erlaubte Transport des Kochers und die nach Einfuhrbestimmungen zu große Lebensmittelmenge bleiben samt und sonders ungeahndet. Etwas Sorgen macht uns lediglich, das wir zu keinem Zeitpunkt irgend eine Form der Identifikation vorzeigen mussten, Reisepass sowie Ausweis haben den Geldbeutel nie verlassen.
    Am Flughafen in Island angekommen heben wir alle 20.000 ISKR vom dortigen Automaten ab und nehmen den Bus zu unserer Operationsbasis, dem Campingplatz in Reykjavik. Dort werden flugs die Zelte aufgebaut, und ab in die Stadt: Informationsbeschaffung, Karten, Essen & Gas einkaufen. Der Plan für die 3 Wochen steht, Laugavegur, Kjalvegur und dann ab nach Hornstrandir. Nächtle!


    Sonnenuntergang am Campingplatz in Reykjavik


    Teil 1: Laugavegur


    7/08/11 Auf nach Skogar

    Jetzt geht's los Kinder, jetzt geht's los! Um 6 Uhr aus den Federn, dann um 7:15 mit dem kostenlosen Bus vom Campingplatz zum Busterminal, wo wir überflüssiges Gepäck (Trockennahrung für die anderen Wochen & Zivilkleidung) einlagern, gegen 8:30 geht dann der Bus nach Skogar, wo wir um 11:30 ankommen.


    Jerome, Chris und meine Wenigkeit v.l.n.r. am Startplatz des Laugavegur in Skogar


    Einer der vielen Wasserfälle auf dem Weg zum Fimmvörduhals-Pass

    Ist Weg läuft Anfangs beständig aufwärts an einem wasserfalldurchsetzten Fluss entlang Richtung Fimmvörduhals-Pass, während unten alles noch recht grün wirkt, wird die Landschaft nach und nach mit Höhengewinn von Lavagestein dominiert.


    Näher am Pass

    Laut Karte gibt es am Pass 2 Hütten, auf einer der beiden wollten wir ursprünglich übernachten, da wir ja doch relativ spät losgekommen sind. Hütte Nummer eins ist allerdings verschlossen, ein Blick durch die verstaubten Fenster lässt ahnen, dass das evlt auch besser so ist.


    Hütte Nummer eins

    Näher am Pass wird die Landschaft endgültig von Feuer und Eis geprägt, hier eine der letzten Steigungen vor der Passhöhe.


    Fast oben!

    Auf dem Scheitelpunkt des Passes steht Hütte Nummer 2, welche allerdings komplett überlaufen ist. Nach kurzem Kriegsrat entscheiden wir uns dazu, die restliche Strecke bis Básar zu laufen. Erstens befinden wir uns in einem Naturschutzgebiet, d.h. wild zelten ist nicht erlaubt, zweitens haben wir ohnehin noch genug Tageslicht zur Verfügung.


    Wasserdampf steigt von warmen Lavagestein auf

    Die Landschaft steht im krassen Gegensatz zu den grünen Flächen an die wir uns im Aufstieg so gewöhnt haben, hier oben bestimmen feuerspuckende Berge und Eis das Landschaftsbild.


    Auf dem Weg nach unten Richtung Básar

    Teile des Weges sind versichert, die Verankerungen der Kette aber von äußerst fragwürdiger Qualität, lose Eisenstifte sitzen kaum fest im Boden. Wirklich nötig ist die Versicherung aber ohnehin nicht, trotzdem hält sich die Begeisterung der beiden Flachländler in Grenzen.


    Versicherte Passage

    Nach diesem etwas wilderen Teil kommen wir auf einem nebligen Plateau an, hier wirkt alles extrem surreal. Die Sichtweite beträgt gerade mal an die 5m, der Pfad ist schmal aber gut erkennbar. Mittlerweile macht sich auch bemerkbar, das wir schon ein gutes Stück unterwegs waren, aber die Landschaft wandelt sich bereits zum grünen, und bald rückt das bewaldete Tal mit Básar ins Blickfeld.


    Basar in Sicht!

    Jerome und Chris sind ziemlich mitgenommen und haben daher ein paar Gänge runtergeschaltet, ich fühle mich eigentlich noch recht fit und würde auch ganz gerne das Zelt aufschlagen. Daher laufe ich schon mal voraus, suche uns einen schönen Zeltplatz, koche Wasser und erkunde den Campingplatz. Wirklich schön hier! Nun ist es mittlerweile auch schon Mitternacht, und wir beschließen morgen schön auszuschlafen.


    Im laufe der nächsten Tage wird hier der Rest des Reiseberichts entstehen, je nachdem wie viel ich klettern bin oder anderen Unfug treibe
    Zuletzt geändert von Pax; 30.06.2012, 14:33. Grund: Geotag & Art der Reise
    Moos - das war sein letzter Griff, bevor er in die Tiefe pfiff.

    Kondition statt Carbon!

  • gearfreak
    Erfahren
    • 30.01.2010
    • 272

    • Meine Reisen

    #2
    AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

    Sehr schöne Bilder bisher; bin gespannt wie es weitergeht!

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    • Prachttaucher
      Freak

      Liebt das Forum
      • 21.01.2008
      • 11424

      • Meine Reisen

      #3
      AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

      und sehr amüsant geschrieben - bitte bald weitermachen...

      Kommentar


      • Atze1407
        Fuchs
        • 02.07.2009
        • 2425

        • Meine Reisen

        #4
        AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

        schließe mich mal Prachttaucher an, - weitermachen.

        LG
        Atze1407
        Wenn du den Charakter eines Menschen kennenlernen willst, gib ihm Macht.
        Abraham Lincoln

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        • Pax
          Dauerbesucher
          • 14.02.2009
          • 700

          • Meine Reisen

          #5
          AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

          &%$§!! Da schreib ich meinen Bericht nach einem schönen Klettertag gleich weiter, und der blöde Schlepptop stürzt sich lemminggleich von der Klippe. Frechheit, das!
          Also, nochmal... *grummel*

          Eigentlich wollte ich den Bericht schon viel früher schreiben, wie man sehen kann ist das ganze ja schon ne Weile her. Aber mein letztes Jahr Uni hat mir da einen Strich durch die Rechnung gemacht, außerdem war anscheinend das halbe Forum auf Island und es gab sowieso 101 Reiseberichte.


          8/08/11 Von Básar nach Emstrur

          Jerome wurde ausschlafen versprochen, also wecke ich niemanden auf als ich gegen 9 aus meinem Zelt fliehe schreite. Selbiges hat sich sonnenbedingt in einen Kernfusionsreaktor verwandelt; die letzten Flammen ausklopfend blinzle ich etwas durch die Gegend, Schlafsack auslüften, Tee kochen.


          Moin moin!

          Etwa eine halbe Stunde später gesellt sich Chris zu mir, wohl von ähnlichen Problemen aus dem Zelt getrieben. Jerome ist anscheinend hitzebeständig und pennt noch eine Weile weiter. Schließlich fertig gebacken macht er aber keinen besonders frischen Eindruck, was sofort lamentierend bestätigt wird. Wehwehchen hier, schlecht geschlafen da. Daher wird solidarisch beschlossen, dass wir erst mal gemütlich zum nächsten, gerade mal 2km entfernten Campingplatz flanieren werden. Aber erst mal wird gefrühstückt und die Tropfsteinhöhle ausgelüftet
          (das Tunnelzelt meiner Mitwanderer, also ich in meinem HillebergTM-Zelt hatte keine Probleme, HillebergTM-Zelte sind generell viel stabiler; meiner pseudoprofessionellen Meinung nach sollte jeder ein HillebergTM haben, für's Southside oder den Südpol, auf HillebergTM Zelte ist immer verlass, ohne mein HillebergTM würd ich nicht aus dem Haus gehen).


          Weiter gehts

          Nach kurzer Pause an Campingplatz Nummer 2 und ein paar motivierenden Worten ("Opa ist damals ja auch nicht auf seinem Hintern gesessen sondern hat den schönen russischen Winter genossen, und die hatten nur Panzerschokolade!") geht die Prozession weiter.


          Die Herrschaften bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, ein Wunder das wir irgendwo angekommen sind

          Kurz danach gibt's dann auch gleich die erste Furt, huiii!


          Ich fress mal wieder, wie übrigens auf recht vielen Bildern. Hmmm...

          So, wir sind ja nicht zum Spaß hier Herrschaften, weiter geht's! Inzwischen haben wir ganz ordentlich zuwachs bekommen, Básar ist woh Einstiegspunkt für die weniger Lavabegeisterten Wanderer. So langsam nimmt das hier ja Kungsleden-Ausmaße an *grummel, da hätt ich auch in der Münchner Fußgängerzone bleiben können*.


          Rödel, rödel, rödel... "Aaalex, sind wir bald da?"


          "Und jetzt? Sind wir jetzt bald da?" Der Gesichtsausdruck spricht glaube ich Bände

          Tja, das oben abgebildete Wegesstück ist zwar abwechslungsreich, zieht sich aber etwas, schließlich kommen wir an einer "schönen" Brücke über den Stinkfluss an.


          "Chris, hast du die Balken auch ordentlich angesägt?" "Jau, den sind wir gleich los"


          Sieht schön aus, riecht als ob der werte Kommilitone gerade einen dicken Schwefelgruppen-Trenngang macht

          Aber schön ist das ganze ja schon, mit Gletscher, Fluss und allem was man sich so vorstellt.


          Hach Kinder, da wird mir ganz schwummelig

          Allerdings steht jetzt mal wieder etwas Steigung an, was die Flachländler gewohnt unmutig hinter sich bringen. Obwohl ich auf flacher Strecke nicht wirklich viel schneller bin, Berge & Hügel sind anscheinend wirklich Übungs-/ Gewohnheitssache.


          Aufi geht's!

          Danach noch ein bisschen Flachlandgerödel, und schwupps die wupps kommt der Campingplatz in Sicht! Feine Sache, Zelte aufbauen und Futtee. ESSEN! Essenessenessenessen! Hier ein großes Lob an Chris der die ihm erteilte Nachtischpflicht gewohnt gewissentlich und zur vollsten Zufriedenheit aller Mitreisender erfüllt hat. Den moralischen Wert eines ordentlichen Nachtisches sollte man nie unterschätzen!


          Wollinger, jetzt gibt's was zu mampfen!

          Wie dem ein oder anderen vielleicht aufgefallen ist, machen wir nie richtig Mittag, gemäß Erfahrungen der letzten Skandinavientour haben wir alle Knabberzeug bei uns, die wir tagsüber vor uns hinknabbern. In meinem Fall selbstgemachte Müsliriegel mit dickem Nussanteil und ebenso dem heimischen Ofen entspringendes Ostrich Jerkey (Strauß da fettfrei).


          Am Campingplatz Emstrur
          Zuletzt geändert von Pax; 01.07.2012, 00:27.
          Moos - das war sein letzter Griff, bevor er in die Tiefe pfiff.

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          • Gast-Avatar

            #6
            AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

            Witzig geschrieben. Musstet Ihr die Krossa queren? Davon hast Du gar nichts geschrieben ...

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            • Pax
              Dauerbesucher
              • 14.02.2009
              • 700

              • Meine Reisen

              #7
              AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

              Servus Bergtroll,
              ich schreibe das ganze gerade mit Hilfe meines Reisetagebuches und der Photos, beide sind etwas geizig was geographische Angaben angeht... und die Karten sind momentan sinnigerweise in München. Von daher habe ich leider keine Ahnung, überhaupt kann es durchaus sein, dass recht große Wegesstücke kaum oder gar nicht beschrieben werden, wenn ich sie nicht in mein Reisetagebuch aufgenommen habe (aus welchem Grund auch immer).
              Moos - das war sein letzter Griff, bevor er in die Tiefe pfiff.

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              • Dethix
                Erfahren
                • 18.07.2006
                • 255

                • Meine Reisen

                #8
                AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

                Also soweit ich weiss, haben wir in Basar einen recht breiten Fluss mithilfe einer Fußgängerbrücke gequert. Das dürfte die Krossa gewesen sein. War eigentlich relativ unspektakulär, nachdem wir die Brücke gesichtet hatten.
                Eine Übersicht deutschsprachiger Outdoor-Blogs

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                • Pax
                  Dauerbesucher
                  • 14.02.2009
                  • 700

                  • Meine Reisen

                  #9
                  AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

                  Mir ist gerade aufgefallen, dass mein Reisetagebuch von nun an fast frei von geographischen Beschreibungen ist, was wohl an der auf den Laugavegur kaum notwendigen Navigation lag. Insofern sind ein paar Ortsangaben evtl. eine "educated guess", ersichtlich an einem eingeklammerten Fragezeichen hinter der Angabe.


                  9/08/11 Von Emstrur zur Hvanngil-Hütte (?)

                  Wie eigentlich immer sind wir heute recht spät aus den Federn, wir sind oft eine der letzten Gruppen die losziehen, holen im Verlauf des Tages dann aber die meisten wieder ein (bei guten Bedingungen ist laut Jerome's GPS ein Schnitt von 5km/h schon drinnen).
                  Der Zeltabbau wird durch den äußerst sandigen Boden etwas erschwert, wir wollen nur ungerne einen halben Sandkasten mit einrollen. Ich bin wirklich äußerst froh, ein Groundsheet mitgenommen zu haben.


                  Anonymer Mitwanderer Nr 1

                  Nach viel rumgerödel geht es um 12:30 also endlich los, aber heute warten ohnehin nur 13km auf uns. Der Weg verläuft durchgehen unschwierig durch sandige Lavalandschaft, aus dem schwarzen Meer erheben sich bizarrerweise grüne Tafelberge.


                  Im Gleichschritt Marsch

                  Rechterhand erscheint auch bald ein riesiger Gletscher, der für den Rest des Weges im Blickfeld bleibt.


                  Informativ-witzige Bildunterschrift

                  Schließlich stoßen wir auch ebenerdig auf ein paar grüne Flecken, am ersten, von einer Brücke überspannten Fluss wird Knabberpause gemacht.


                  Ohmnomnom, bei dem Gedanken an Ostrich Jerkey läuft mir ungelogen das Wasser im Munde zusammen

                  Der nächste Fluss zeichnet sich durch die Abwesenheit jeglicher Überquerungskonstruktion aus, und wir verwöhnten Säcke müssen da wohl so durch. Dieses fiese Gewässer ist bisher mit Abstand das kälteste, und reicht mir an der tiefsten Stelle auch bis übers Knie (bei 175cm Lebendgröße). Chris der dürre Riese ist da etwas besser dran, trotzdem wird selbst zum Beweisphoto nur äußerst unwillig stillgestanden.


                  Gute Miene, böses Spiel

                  Die Füße sind nach der Furt auch gut taub, erholen sich im Sonnenschein aber recht zügig. Von hier ist es nur noch ein kurzes Stück bis zu Campingplatz, den wir gegen 15:30 erreichen. Erst mal Zelte aufstellen.


                  Gesagt, getan



                  Da wir jetzt recht viel Zeit zum faulenzen haben, wird erst mal geduscht, Wäsche gewaschen, Abendbrot. Danach fühle ich mich aber immer noch recht unausgelastet, weswegen ich eine Runde laufen gehe. Der Traum eines jeden Trailrunners hier, meine "Barfußschuhe" federn unglaublich angenehm auf dem moosbewachsenen Boden.


                  Traumhaft schöner Trail

                  Oben angekommen erlebe ich dann sogar einen zweiten Sonnenuntergang über den Bergen, doch auch der östliche Blick auf den in warmes Rot getauchten Gletscher ist nicht zu verachten.


                  Gletscher im Sonnenuntergang

                  Am Campingplatz im Tal ist anscheinend Ruhe eingekehrt, Chris und Jerome schlafen den Schlaf der Gerechten. Meine restliche Wäsche ist noch ziemlich feucht, in der Hoffnung selbige trocken zu kriegen hänge ich alles ins Zelt.


                  Wäschezelt

                  Im nachhinein stellt sich das allerdings als etwas suboptimal heraus, die Nacht ist sternenklar und dementsprechend knackig kalt, in meinem feuchten Zelt hat es gefühlt deutlich unter Gefrierpunkt. Insofern keine besonders erholsame Nacht für mich, aber man kann halt nicht alles haben.
                  Moos - das war sein letzter Griff, bevor er in die Tiefe pfiff.

                  Kondition statt Carbon!

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                  • lina
                    Freak

                    Vorstand
                    Liebt das Forum
                    • 12.07.2008
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                    • Meine Reisen

                    #10
                    AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

                    OT:
                    Zitat von Pax Beitrag anzeigen
                    Am Campingplatz im Tal ist anscheinend Ruhe eingekehrt, Chris und Jerome schlafen den Schlaf der Gerechten. Meine restliche Wäsche ist noch ziemlich feucht, in der Hoffnung selbige trocken zu kriegen hänge ich alles ins Zelt.


                    Wäschezelt

                    Im nachhinein stellt sich das allerdings als etwas suboptimal heraus, die Nacht ist sternenklar und dementsprechend knackig kalt, in meinem feuchten Zelt hat es gefühlt deutlich unter Gefrierpunkt. Insofern keine besonders erholsame Nacht für mich, aber man kann halt nicht alles haben.
                    Solche Versuche kenne ich doch
                    Versuchsergebnis: Hilft nix, Wind fehlt. Also entweder im Zelt per Körperwärme trocknen oder Wäsche draußen aufhängen.

                    Zuletzt geändert von lina; 28.06.2012, 12:28.

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                    • Pax
                      Dauerbesucher
                      • 14.02.2009
                      • 700

                      • Meine Reisen

                      #11
                      AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

                      10/08/11 Von der Hvanngil-Hütte zum Hrafntinnusker

                      Kaum sind die Zelte verstaut und meine mehr als feuchten Klamotten am Rucksack befestigt, machen wir uns um 10:30 rekordverdächtig früh an die nächsten Tagesetappe. Jerome wollte vorher vlt noch kurz bei der Bank vorbei, Campingplatzgebühren und so.


                      Wo ist denn jetzt die Bank?

                      Mit schwarzem Lavasand ist es jetzt vorbei, die Landschaft ist deutlich grüner und bald rücken auch die für das nächste Wegesstück charakteristischen ockerfarbenen Hügel ins Blickfeld.



                      Zwischendurch gibt's auch noch die ein oder andere Furt, im Reisetagebuch werden die gar nicht mehr erwähnt. I.d.R. ein relativ kühles Vergnügen, aber bei so schönem Wetter ist es eigentlich ganz nett ab und an aus den Wanderstiefeln rauszukommen. Was Jerome zum furten verwendet hat, habe ich vergessen; Chris verwendet Surferschuhe und ich meine Merrel "Barfußpatschen" die ich auch zum joggen hernehme (auf Island und für Trailruns, auf Asphalt wären die Dinger nix für mich).


                      Wieder mal furten

                      Am Álftavatn vorbei führt unser Weg Richtung Hügelland, ich bin für Karten & Co zustöndig und habe der Truppe für heute heiße Quellen versprochen. Dass die etwas anders aussehen, als wir uns vorgestellt haben wird der geneigte Leser weiter unten sehen.


                      "Alex, wie weit noch bis zu den heißen Quellen?" "Wir sind fast da." Wie waren übrigens immer "fast da".

                      Was ich den beiden Flachlandpiraten verschwiegen habe: Nach dem Álftavatn wartet eine kleine Steigung auf uns, ich will den beiden ja nicht die Vorfreude rauben *hrhrhr*
                      Diesen Hügel überwunden setze ich mich oben zur Jausn hin während Jerome und Chris noch mit Wadelspannen beschäftigt sind. Aber schließlich erscheinen auch die Köpfe meiner beiden Mitwanderer, und bald auch der Rest.


                      Links im Hintergrund der Álftavatn

                      Wie für Island üblich hat die Landschaft mal wieder eine 180° Drehung gemacht und besteht jetzt aus ockerfarben-rötlichen Hügeln, zwischen denen zischend nach Schwefel riechende Dampfschwaden in den Himmel ziehen.


                      Unser erster Blick auf den kommenden Landschaftsabschnitt

                      Tja, und hier geht uns auch langsam ein Licht auf, was die heißen Quellen angeht. Irgendwie haben wir alle an die berühmten Hotpots gedacht, d.h. ein schöner natürlicher Pool voll heißem Thermalwasser. Tatsächlich sehen die heißen Quellen hier aber ganz anders aus.


                      Und wo ist jetzt der Pool?

                      Den Quellen sollte man teilweise nicht zu nahe kommen, da erstens die Gase von überaus ungesunder Natur sein können (was einem das Riechorgan aber ohnehin mitteilt), zweitens sind die Dinger recht temperamentvoll und blubbern nicht gerade friedlich vor sich hin.

                      Video: siehe nächsten Post, Einfügen des Videos lässt alle Bilder verschwinden

                      Klassischer Fall von blöd gelaufen, so gibt's anstatt Thermalbad heiße Schwefeldämpfe. Der Weiterweg durch die Hügellandschaft zieht sich etwas, da es naturgemäß beständig hoch und wieder runter geht. Schließlich kommt aber das Ziel in Sicht, die Hrafntinnusker-Hütte. Einzig und allein ein paar alte Firnschneefelder versperren uns jetzt noch den Weg, welche wir allerdings umgehen da selbige offensichtlich unterspült sind. Einige der Fußspuren über diese Felder enden in Löchern, was dann doch die Phantasie bzgl. des Schicksals des Spurenverursachers anregt.

                      Der "Zeltplatz" ist relativ spartanisch und besteht aus kleinen Obsidianfestungen auf Lavasand, der Obsidian ist teilweise messerscharf und man sollte schon darauf achten, worauf das Zelt jetzt genau steht.


                      Zeltplatz Hrafntinnusker

                      Wie man sehen kann, haben wir die Zelte immer ordentlich abgespannt, was daran liegt das eigentlich immer mit starkem Wind zu rechnen war. Auch wenn es sich zwischendurch mal wieder beruhigt hat, die nächsten Böen kommen bestimmt.


                      Die Hütte selbst

                      Wie üblich gefuttert, aus Chris's Sortiment gibt es heute Schokopudding! Wollinger, der Nachtisch ist wie immer ein Erlebnis, besonders da mein Trekkingfutter heute besonders unbefriedigend war, nach Anleitung Wasser hinzugegeben und das war eher eine Nudelsuppe als Pasta mit.. hmh.. irgendner Soße.
                      Unsere extreme Wetter-Glückssträhne wird übrigens durchbrochen, es fängt an zu Regnen. Zwar nicht allzu stark, aber hartnäckig, hoffentlich ändert sich das bis morgen.
                      Zuletzt geändert von Pax; 29.06.2012, 14:11.
                      Moos - das war sein letzter Griff, bevor er in die Tiefe pfiff.

                      Kondition statt Carbon!

                      Kommentar


                      • Pax
                        Dauerbesucher
                        • 14.02.2009
                        • 700

                        • Meine Reisen

                        #12
                        AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

                        Video der heißen Quelle:

                        Moos - das war sein letzter Griff, bevor er in die Tiefe pfiff.

                        Kondition statt Carbon!

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                        • SeScull
                          Erfahren
                          • 10.05.2011
                          • 168

                          • Meine Reisen

                          #13
                          AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

                          Schön zu lesen, wunderbar vom Lernen ablenkend! In genau einer Woche geht's für mich auch los und Dein Bericht macht's nicht leichter hier zu hocken...

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                          • Pax
                            Dauerbesucher
                            • 14.02.2009
                            • 700

                            • Meine Reisen

                            #14
                            AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

                            11/08/11 Endspurt nach Landmannalaugar

                            In der Nacht hat es immer wieder genieselt, wobei es mich ehrlich wundert, dass es bei der Schweinekälte nicht schneit. Der Morgen präsentiert sich allerdings trocken, und so beginnt für uns der letzte Tag auf dem Laugavegur! Selbiger ist übrigens kaum ein Endspurt, da nur noch eine kurze Etappe quasi ohne Aufstieg auf uns wartet. Daher geht es gewohnt gemütlich los.


                            Lava, Schnee, gelbe Steckerl

                            Der Weg verläuft Anfangs über das gewohnte Lavageröll & Sand, wandelt sich aber bald zu einer farbenfrohen Hügellandschaft. Selbige spucken hin und wieder Dampfschwaden in den indifferenten Himmel oder auch in Richtung des nicht ganz so indifferenten Wanderers (so er denn zu neugierig ist).



                            Einer dieser Wanderer bin ich, für ein Photo stelle ich mich neben ein scheinbar harmlos blubberndes kleines Loch. Das timing ist unerwartet perfekt, da genau im "richtigen" Augenblick eine heiße Dampfwolke aus dem Loch schießt. Ein paar Tropfen kochendes Wasser treffen mich am Arm, gut dass ich nicht näher dran war. Curiosity killed the cat...


                            Eine Sekunde später schaue ich nicht mehr so entspannt drein

                            Bald darauf erstreckt sich der finale Abstieg nach Landmannalaugar vor uns, im Hintergrund kann man eine sehr bizarre Lavakonstruktion erkennen, die aus der Nähe noch interessanter ist.


                            Abstieg nach Landmannalaugar

                            Aber an Farbenpracht ist noch längst nicht alles gelaufen, neben solch interessanten Verfärbungen wie auf dem unteren Bild kommen wir auch an seltsam pinken Gebilden vorbei, die für Chris und mich verdächtig nach Cobalt (II) Salzen aussehen; auf jeden Fall komplett unpassend für irgendwelche Eisenverbindungen.



                            Ein schöner Kontrast wird durch beginnendes Grün gebildet, so findet man auf kleinster Fläche wirklich ein bewundernswertes Spektrum.



                            Inzwischen ist auch wirklich die Hölle los, wir sind im Tagestouren-Einzugsgebiet von Landmannalaugar, und das macht sich sehr deutlich bemerkbar.


                            Gleich um die Ecke von Landmannalaugar

                            Ursprünglich hatten wir den losen Plan, von Landmannalaugar nach Gullfoss weiterzuwandern; die müßigen Abende habe ich bisher auch mit Kartenstudium verbracht und bin inzwischen von dieser Möglichkeit wenig überzeugt. Die Verfügbarkeit von Wasser ist kritisch, eine Besteigung des Hekla aus Sicherheitsgründen nicht ratsam, und ob das ganze Landschaftlich so reizvoll ist, ist auch zu bezweifeln.
                            Also wir daher in Landmannalaugar ankommen, der Bus zufällig gerade dort steht, man für die heißen Quellen Schlange stehen muss, es ohnehin zu Regnen beginnt und der Zeltplatz steinig und sumpfig ist, verfrachten wir unsere Rucksäcke kurzerhand in den Bus und fahren zurück nach Rejkjavik. Guter Plan, keine 10min im Bus fängt es an zu hageln wie die Sau.

                            Der Bus hält sogar an der "Abzweigung" zum Hekla, wo natürlich prompt das obligatorische Touribild gemacht wird.


                            Einmal Touribild, bitte

                            Das war's auch schon vom Laugavegur, comming up next: Sightseeing in Reykjavik & der Kjalvegur.
                            Zuletzt geändert von Pax; 29.06.2012, 14:11.
                            Moos - das war sein letzter Griff, bevor er in die Tiefe pfiff.

                            Kondition statt Carbon!

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                            • Juergen
                              Fuchs
                              • 17.01.2011
                              • 2221

                              • Meine Reisen

                              #15
                              AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

                              Sehr schöne Fotos ! Gibt es wirklich blauen Himmel in Island oder ist das retouchiert ? Seid ehrlich !

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                              • Pax
                                Dauerbesucher
                                • 14.02.2009
                                • 700

                                • Meine Reisen

                                #16
                                AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

                                Hand aufs Herz: Wir hatten einen irre Dusel mit dem Wetter. Zwischendurch hat's immer mal wieder ein bisschen geschwächelt, aber nie so das es uns ernsthaft die Laune verdorben hätte, in meinem Reisetagebuch kann ich keine Zeile über miesen (d.h. andauernden) Regen lesen (wobei ich Regen tendentiell gewöhnt bin).
                                Moos - das war sein letzter Griff, bevor er in die Tiefe pfiff.

                                Kondition statt Carbon!

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                                • Mika Hautamaeki
                                  Alter Hase
                                  • 30.05.2007
                                  • 3949

                                  • Meine Reisen

                                  #17
                                  AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

                                  Genialer Bericht wie immer sehr unterhaltsam geschrieben. Hoffentlich gehts bald weiter.
                                  So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
                                  A. v. Humboldt.

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                                  • Pax
                                    Dauerbesucher
                                    • 14.02.2009
                                    • 700

                                    • Meine Reisen

                                    #18
                                    AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

                                    12/08/11 Ruhetag in Reykjavik

                                    Heute ist Ruhe- und Waschtag in Reykjavik, neben etwas Sightseeing schauen wir auch in einem größeren Einkaufszentrum vorbei um uns Outdoorgeraffel zu begutachten. Man kann halt nicht aus seiner Haut. Merinosachen haben ähnliche Preise wie in Deutschland, ansonsten eher teurer bis viel teurer. Schnäppchenjagd ist nicht wirklich.


                                    Beeindruckende Kirche in Rey.



                                    Der Plan für die nächste Route: Den Kjalvegur laufen, allerdings in 3 und nicht wie in Jeromes Buch in 4 Tagen.


                                    Teil 2: Kjalvegur


                                    13/08/11 Auf zum Kjalvegur

                                    Um den Bus zu erwischen dürfen wir wieder mal um 6 Uhr aufstehen, was ist das denn für eine unchristliche Zeit! Seltsamerweise sind die Zelte wie auch auf dem Laugavegur in der Früh immer klitschnass vom Morgentau (?), so stark habe ich das bisher nirgendwo erlebt. Hilft alles nix, ausschütteln und nass einpacken.
                                    Verfahren genau wie beim Laugavegur, zum Busterminal, Sachen einlagern, weiter mit einem diesmal deutlich kleineren Bus. Mit Reservierungen oder Planung habens die Isländer anscheinend nicht so, so präsentieren sich für unseren Bus z.B. 18 Personen für 15 Plätze.
                                    Bis zu unserer Station hält der Bus an 3 Sehenswürdigkeiten: Der Kontinentalscheide, einem Geysirfeld und dem Gulfoss-Wasserfall. Sightseeing!


                                    Kontinentalscheide

                                    An der Grenze der europäischen & amerikanischen Kontinentalplatten hat es ein Passagier so eilig dieses Motiv vor die sicher nicht ganz billige Linse seiner (wenn ich micht nicht irre) Canon EOS 5D zu bekommen, dass es den armen Mann prompt auf die Nase legt, samt der Kamera. Also, Kinder: Eile mit Weile! Besonders wenn man über tausen Euro in den Patschen hält.

                                    Photos gemacht, umgesehen, weiter geht's du den Geysiren! Hier zeigt Hofphotograph Jerome mal wieder, was er mit seinem Baby so alles anstellen kann. (Die Bilder sind übrigens alle unbearbeitet, dazu bin ich viel zu faul)


                                    Da geht die Post ab!

                                    Nur damit da keine Illusionen aufkommen, an solchen Sehenswürdigkeiten ist es vorbei mit jeglicher Einsamkeit! Allein schon die 1te Reihe am Geysir ist begehrt und wird enthusiastisch gegen Eindringlinge verteidigt. Vlt früh am Morgen hin und per Handtuch reservieren?



                                    Am Geysir-Restaurant verdrücken wir alle einen leckeren, wenn auch sehr teuren Burger, bevor es weiter nach Gulfoss geht.


                                    Gulfoss


                                    So, jetzt ist aber auch mal Schluss mit Touriprogramm! Wir sind ja schließlich nicht zum Spaß hier, was uns auch recht schnell deutlich wird als uns der Bus an unserer Station (Hvitarnes ?) anscheinend mitten in der Wüste absetzt.


                                    Hmh, na immerhin ein Schild

                                    Während die Staubwolke des Busses in der Ferne verschwindet, hoffen wir doch alle sehr, am richtigen Ort zu stehen. Tun wir, wie sich herausstellt. Top!
                                    Inzwischen ist der Wind noch stärker geworden, und was auf dem unteren Bild wie ein harmloser Staubschleier aussieht ist tatsächlich unsere erste Begegnung mit einem Sandsturm (auch wenn Wüstenerprobte hier sicher lachen werden).


                                    Was ist das denn? Och nö...

                                    Mit jedem Atemzug zieht man sich Staub in die Lunge, die Augen kann man kaum aufhalten weil irgend ein Witzbold den Sandtrahler draufhält... Ich weiß schon, warum ich immer in den ansonsten sehr sandarmen Norden gehe. Naja, Buff und Sonnenbrille raus und das beste draus machen. Aber in eine Wüste kriegt mich so schnell keiner.


                                    Wo ist denn nun das Kamel?


                                    Nun hat alles ein Ende (nur die Wurst hat zwei), und bald kommt unser Zeltplatz in Sicht. Selbiger ist Gott sei Dank deutlich grüner als der bisherige Weg, und der Wind weht von ausgedehnten Grünflächen und nicht vom Ödland her. Der Aufbau gestaltet sich bei dem nach wie vor starken Wind (so 50-60km/h würd ich sagen) nicht ganz trivial, ist aber machbar.


                                    Hurra, die Zelte stehen!

                                    Ich gehe ne Runde joggen und schaue mir schon mal einen Teil des morgigen Weges an. Gegen den Wind joggen = gutes Training und schwieriger als gedacht.



                                    Wieder zurück bei den Zelten, Jerome und Chris haben Tee gekocht. Hach, ist das schön. Zelte stehen, Ruhe, Einsamkeit... was ist denn das für eine Staubwolke am Horizont? Wie sich herausstellt, gehört die Staubwolke zu einem Reisebus der Bismarck-Klasse, und was befördert der? Eine ganze Rotte an deutschen Geologie-Erlebnisreisenden gehobenen Alters! Ich glaub ich spinn. Nachdem die Deppen mehrfach über meine Zeltleinen stolpern (sry, aber da müsste echt keiner langlaufen, Platz ist genug da), bin ich ganz froh als die Truppe wieder abzieht.

                                    Nur um das klarzustellen, ich habe nichts gegen ältere Reisenden, und wir Trekking-Jungspunde haben die Natur auch nicht gepachtet. Wenn ich 70 bin, wahrscheinlich durch Arbeit und Familie nicht mehr ganz so sportlich unterwegs, sitz ich hoffentlich nicht zu Hause rum und jammer, sondern mache das genauso wie die Herrschaften im Bus und schaue mir die Welt an.
                                    Aber die Umstände waren etwas ungünstig, und ich werde ungern wie ein Tier im Zoo begafft (und ohne Wortaustausch als Photomotiv verwendet), besonders wenn die Besucher dann über meine Abspannleinen herfallen.
                                    Zuletzt geändert von Pax; 30.06.2012, 14:34.
                                    Moos - das war sein letzter Griff, bevor er in die Tiefe pfiff.

                                    Kondition statt Carbon!

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                                    • Pax
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                                      • 14.02.2009
                                      • 700

                                      • Meine Reisen

                                      #19
                                      AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

                                      14/08/11 Vom Winde verweht

                                      Gewohnt gemütlich geht es um 11 Uhr los, der Zeltabbau hat allerdings etwas gedauert. Könnte an dem Wind mit sicher beständigen 50km/h und Böen von geschätzten 70km/h (wenn wir gerade nicht aufpassen oder die Böe aus einer unerwarteten Richtung kommt, haut es uns fast um) liegen. Noch dazu kommen diese widerspenstigen Luftverfrachtungen aus genau der falschen Richtung, nämlich uns entgegen.
                                      Dadurch wird der Weg, welcher ansonsten super Wanderautobahn-Qualität hat, erstaunlich beschwerlich und wir kommen ungewohnt langsam voran; die Landschaft ist grün und flach. Ganz was anderes als der Laugavegur, und Gott sei Dank viel einsamer.


                                      Gegen den Wind

                                      Zwischendurch regnet es immer mal wieder leicht, die anfänglich aufgesetzten Regenüllen werden aber wieder zügig abgenommen, da sie sich offenbar hervorragend als Segel eignen. Wir folgen dem gut ausgebauten Weg bis zu einer Brücke, welche gen Westen überquert wird; bereits kurz darauf treffen wir an der Hütte an.
                                      Die kurze Beschreibung sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Tag ein echter Kampf war, bei solchen Verhältnissen wäre ich in den Bergen sicher nicht mehr freiwillig unterwegs (vergleichbar mit einem ordentlichen Föhnsturm).

                                      Im Bereich hinter der Hütte bläst der Wind zwar noch ordentlich, aber zeltaufstellen ist möglich. Gut abspannen nicht vergessen!


                                      Steht wie eine 1

                                      In der Hütte ist es wirklich urig, wir gesellen uns zu 6 anderen Wanderern, die allerdings alle in der Hütte schlafen. Hüttenwart gibt es genauso wie bei der letzten Hütte keinen, Bezahlung auf Gewissen. Wenn ich mich recht erinnere (in meinem Reisetagebuch steht davon nichts), kostet auch das Campieren, wir haben auf jeden Fall Geld in der dafür vorgesehenen Kassette hinterlassen.
                                      Frischwasser muss man an der Hütte übrigens von einer ca. 1km weit entfernten Quelle geholt werden, das hat allerdings netterweise schon Arnaud (einer der "Hüttenschläfer", mittels großem Kanister) für uns erledigt.
                                      Zuletzt geändert von Pax; 30.06.2012, 11:34.
                                      Moos - das war sein letzter Griff, bevor er in die Tiefe pfiff.

                                      Kondition statt Carbon!

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                                      • Pax
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                                        • 14.02.2009
                                        • 700

                                        • Meine Reisen

                                        #20
                                        AW: [IS] Flieht, ihr Narren! 3 Wochen auf Island

                                        15/08/11 Zu den Hotpots in Hveravellir

                                        Das Wetter zeigt sich in der Früh etwas mittelprächtig; Nachts hat es immer wieder geregnet. Dafür hat der Wind stark nachgelassen, und Jerome der gestern noch über ein paar Wehwechen und generelles Unwohlsein geklagt scheint einigermaßen erholt. Trotzdem etwas angeschlagener als wir, mal sehen ob wir heute die geplante Doppeletappe schaffen.
                                        Es gibt prinzipiell zwei Möglichkeiten für den Weiterweg, wir entscheiden uns für die kürzere, landschaftlich reizvollere westliche Variante, die allerdings ein bisschen mehr Steigung bereit hält.


                                        Blick auf den Fulakvisl (?)

                                        Wir kommen gefühlt sehr schnell an der winzigen Brücke an, die über die von Wasser in den Fels geschnittenen Fluss führt.



                                        Ich muss der Versuchung widerstehen, nicht den sehr kurz wirkenden Sprung über die Schlucht zu wagen; falls man sich verschätzt und im eiskalten Wasser landet, könnte das der letzte Sprung gewesen sein.

                                        Auf unschwierigen Pfaden überholen wir die vier Deutschen (2 Pärchen), die beide jeweils deutlich früher aufgebrochen sind, und erreichen schließlich das breite, idyllische Präskuldur-Tal in welchem die winzige aber sehr gemütlich wirkendes Hüttchen steht. Inzwischen hat auch der hartnäckige Nieselregen aufgehört, welcher uns fast den ganzen Morgen begleitet hat. Ein wenig später kommen auch Arnaud und seine Freundin an der Hütte an, nach etwas Plausch und Süßigkeitenaustausch machen wir uns auf den Weg zum Hotpot.


                                        Hotpot, Hotpot, Hotpot!

                                        Nach einem kurzen, steilen Anstieg geht es leicht abfallend weiter, zweimal die Jeeppiste kreuzend, bis wir rechterhand die Abzweigung in wegeloses aber hervorragend markiertes Gelände finden.


                                        Kommt die Regenjacke auch mal zum Einsatz

                                        Dieses Stück gefällt mir trotz des nun beständigen Regens am besten, es geht durch faszinierende Lavaformationen, die Navigation ist nicht schwierig, fordert aber mehr Aufmerksamkeit als einfach einem Weg nachzulaufen.


                                        Der Weg wird von faszinierenden Lavaformationen gerahmt

                                        Schließlich erblicken wir tatsächlich Dampfsäulen in der Ferne, hurra! Hveravellir & Hotpots, wir kommen! Schließlich angekommen löhnen wir erst einmal Zeltplatzgebühr und bauen unsere Zelte im inzwischen recht enthusiastisch herunterprasselnden Regen auf.
                                        Doch jetzt kann uns nichts mehr halten, ab in den Hotpot! Umkleide gibt es keine (vermutlich da der Hotpot recht klein ist und man so die "Benutzerzahl" klein halten will), daher einfach vor dem dampfenden Teich bis auf die Unnerbux ausziehen, die sowieso nasse Kleidung sinnigerweise in einen Drybag, und ab in den Tümpel! Was ein Genuss!


                                        Hotpot

                                        Hier wie eigentlich den ganzen Tag über hat sich meine wasserdichte Kamera sehr bewährt, sonst gäbe es von diesem Tag fast keine Bilder.
                                        Während Chris & meine Wenigkeit (Jerome hatte da glaube ich noch keine Lust) zunächst alleine im warmen Wasser entspannen, kommt später eine ganze Rotte fränkischer Geologiestudenten hinzu, und mit ihnen Wein & Hochprozentiges. Na dann Prost! (Uns wird großzügig etwas abgegeben) Eine Riesengaudi auf jeden Fall.

                                        Aber auch dieses Vergnügen muss leider ein Ende haben, also raus aus der Badewanne, bei 5°, Wind & Regen in der Unnerbux vorbei an Touristen über den Parkplatz geflitzt und im Zelt abtrocknen & trockene Klamotten an. Ein Schelm der behaupten würde, ich hätte beim Queren des Parkplatzes leichte Schlangenlinien gezogen.

                                        Doppeletappe bedeutet Doppelportion, der Drytech-Kabeljau ist wie immer ein Genuss. Werbung hin oder her, das Zeug muss man probiert haben!


                                        Mhhmmm, Kabeljau


                                        Es hat einfach was, hotpotgewärmt im Zelt zu sitzen, draußen prasselt der Regen, und man futtert gemütlich sein Abendbrot und kocht sich dann noch Tee. Feine Sache. Als Sahnehäubchen fließt nahe an meinem Zelt ein kleiner Bach vorbei, der mich in den Schlaf gluckert.
                                        Moos - das war sein letzter Griff, bevor er in die Tiefe pfiff.

                                        Kondition statt Carbon!

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