[SE] Mit dem Packraft am Rogen – die Entdeckung der Langsamkeit

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  • Borgman
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    Dann übernehme ich mal die erste Antwort-Runde. Tom hat es ja schon beschrieben – ein gemeinsamer Bericht ist für uns beide Neuland. Da stellt sich natürlich zuerst die Frage nach der Form. Dass wir gemeinsam an einem einheitlichen Text arbeiten, ist für uns unpraktikabel. Also teilen wir auf, jeder abwechselnd einen Tag? Oder jeder jeden Tag aus seiner Sicht? Ach, lasst Euch einfach überraschen, wir wissen ja selber noch nicht, was am Ende herauskommt.

    @Freedom33333: Jaa, Tom hat mir erzählt, dass Du Dich für Packrafting interessierst. Wir gehen bestimmt noch auf diese Themen ein. Aber hab Geduld, lass uns erst mal in Gang kommen.
    Der Titel ist
    eben nicht ganz zufällig gewählt

    @Bergahorn: Danke! Die Stimmung an jenem Morgen musste ich einfach so gut wie möglich beschreiben. Das war so ein Moment auf dem Wasser, wo man ganz bei sich ist und alles andere unwichtig.

    @vobo: Das mit dem von vorne und von hinten und dem Höhepunkt habe ich zwar nicht ganz verstanden, musste aber grinsen . Ob Deine Erwartungen tatsächlich erfüllt werden, kann ich nicht versprechen...

    @Fjellfex: Haha, Du übertreibst mit Deinen schmeichelhaften Vergleichen – das wird irgendwann noch jemandem zu Kopfe steigen. Nee, wir bleiben hier mal auf dem Teppich und sind, siehe oben, genauso gespannt wie Du, was draus wird.

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  • Fjellfex
    antwortet
    Ich reihe mich gerne ein in die Schar der Entzückten!
    Da habt ihr beiden ein interessantes Erzählformat kreiert - das wird extra spannend.
    Johann Wolfgang von Borgman hat sich in der That literarisch selbst übertroffen.
    Und gerne ausführlich über die Erfahrungen rund ums Packraften berichten; die Sache mit den Neoprenschuhen bei Kälte ist schon mal registriert...

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  • vobo
    antwortet
    Hurra, es geht endlich los. Und der eine von vorne und der andere von hinten - wenn das nicht auf einen Höhepunkt hinausläuft. Dramaturgisch perfekt, ich freu mich!

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  • Bergahorn
    antwortet
    Boah, was für ein Anfang! Ist ja geradezu Poesie und fängt sprachlich die Stimmung auf den Bildern ein. Bitte bald weiterschreiben, bin schon jetzt Fan dieses Berichts!

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  • Freedom33333
    antwortet
    Bei Packraft-Touren bin ich immer am Start, freue mich schon sehr auf euren Bericht (und hoffentlich auch ein paar Boot-Fotos).

    Gerne auch bei Gelegenheit ein Überblick über die Ausrüstung die man zusätzlich dabei haben muss gegenüber einer normalen Tour, inzwischen ist so eine Tour auch für mich vorstellbar geworden. (Irgendwie erschreckend wie schnell man sich an neue Dinge gewöhnen kann, die man davor noch total speziell und krass fand).

    Und: Beeindruckend literarisch geschrieben Bernd.

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  • Borgman
    antwortet
    08. September: Vingarna


    Beinahe lautlos gleitet das Packraft über den spiegelglatten Öster Vingarna. Mühelos. Schwerelos. Nur meine eigene Bewegung versetzt das Wasser in sanfte Schwingung, lässt die Reflexion der Wolken auf der Oberfläche pulsieren. Zärtlich wie Schmetterlingsflügel, stelle ich mir vor, sollen die Paddelblätter links und rechts eintauchen. Lautlos, mühelos, gleichförmig verschmelzen sie mit der erwartungsvollen Stille des frühen Morgens. Hier und da dümpeln Enten in Ufernähe, zu weit weg, um sich von mir gestört zu fühlen. Schlafen sie, oder genießen sie wie ich die Morgenflaute? Die Zeit des Tages, in der man sich einfach treiben lassen kann, die keine Entscheidung, keine Anstrengung fordert.






    Öster Vingarna


    Ein Windhauch wellt ganz leicht das Wasser, dann steigt die Sonne über die Wolken im Osten, und wieder ändert sich die Stimmung. Goldenes Spätsommerlicht kleidet gewöhnliche Kiefern und Birken in kostbare Gewänder, wärmt Paddler und Enten gleichermaßen. Zwei Rentiere, ein junges weißes und ein braunes erwachsenes, betrachten von einer Landzunge neugierig das gelbe Gummiboot. Am Himmel zieht ein großer Greifvogel seine Kreise. Den breiten dunklen Schwingen nach könnte es ein Steinadler sein. Gibt es die hier? Erst jetzt fällt mir auf, dass ich während der ganzen Zeit im Rogengebiet keinen einzigen Greifvogel bewusst wahrgenommen habe, was sich wohl daraus erklärt, dass es auch keine Spuren von Nagern gab.








    Eigentlich schade, dass Tom diese besondere Stunde des Tages nicht hier auf dem See erlebt. Er braucht morgens seine Zeit, wogegen ich glücklich bin, wenn ich früh aufbrechen kann. Zumal heute der Wind am Vormittag ungemütlich auffrischen soll. Wir haben verabredet, dass ich an der nördlichsten Bucht des Väster Vingarna auf ihn warte, dann gehen wir gemeinsam zurück zum Käringsjön, wo das Auto steht. Selbst in meinem gemächlichen Tempo erreiche ich bald die Landenge, die den Öster vom Väster Vingarna trennt. Hier muss ich kurz umtragen, aber einen trockenen Platz zum Anlegen gibt es in der nordwestlichen Bucht nicht. Das Ufer ist ein einziges Feuchtgebiet. Na ja, auch egal, dann ziehe ich die wärmenden Neoprensocken aus, trockne auf der anderen Seite die Füße und streife sie wieder über. Man denkt ja, Neopren wärmt auch in nassem Zustand, doch das stimmt nur bedingt. Jedenfalls ist das Material für die herbstliche Temperatur etwas zu dünn.



    Nasse Anlegestelle



    Väster Vingarna


    Mittlerweile bläst der Wind stetig aus Westen, genau wie vorhergesagt. So langsam sollte sich Tom auf die Socken machen, denke ich. Wobei er bislang selbst bei stärkerem Wind keine wirklichen Probleme hatte, er macht immer einen erstaunlich gelassenen Eindruck. Da bin ich schon eher besorgt. Auf dem Väster Vingarna bauen sich natürlich nicht so schnell große Wellen auf wie auf den großen Seen. Wenn ich da an unsere zweite Rogen-Querung denke, die war schon grenzwertig. Die erste eigentlich auch. Ich war sehr erleichtert, dass wir uns danach an die kleineren Seen gehalten haben. Wie viele Tage ist das her? Was ist überhaupt für ein Wochentag? Wie schnell man hier das Zeitgefühl verliert! Haben wir viel oder wenig gemacht? Und wen kümmert das? Wir hatten einfach eine gute Zeit hier am Rogen.


    An der nördlichen Bucht lege ich an, schnalle den Rucksack vom Boot und binde es vorsichtshalber zum Trocknen an eine junge Birke. Man weiß ja nie. Wäre nicht das erste Mal, dass mir das Packraft wegfliegt. So geschmeidig wie beim Paddeln sind auch meine Bewegungen an Land geworden, alles fühlt sich weich und fließend an. Da haben wir zufällig einen perfekte Platz zum Anlanden als Treffpunkt gewählt. In aller Ruhe suche ich eine ebene Stelle, wo ich das Zelt zum Trocknen aufstelle, beginne mit den Vorbereitungen fürs Frühstück und warte auf Tom.

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  • [SE] Mit dem Packraft am Rogen – die Entdeckung der Langsamkeit



    Reisezeit: 28.08.20 - 11.09.20


    Hier beginnt nun endlich „mein“ Reisebericht, doch das ist nur die „halbe“ Wahrheit:
    Es ist der gemeinsame Reisebericht von Tom und Bernd (evernorth und Borgman), denn schließlich waren wir ja zusammen unterwegs.

    So ein gemeinsamer Reisebericht ist „Neuland“ für uns, was uns mitnichten davon abhalten wird, dieses „neue“ Terrain mit Verve und Leidenschaft zu betreten, denn schließlich entspricht es ganz und gar unserer Trekking - Passion, „neues Land“ zu betreten.

    Wir wünschen beachtliches Vergnügen!




    (Foto: Bernd)
    Zuletzt geändert von evernorth; 30.12.2020, 21:23.
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