[SE] Mit dem Packraft am Rogen – die Entdeckung der Langsamkeit

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  • evernorth
    Fuchs
    • 22.08.2010
    • 1496

    • Meine Reisen

    #61
    Hallo Andrea,

    das freut mich natürlich sehr, dass dir unser Reisebericht so gut gefällt. Deinen Reisebericht über eure Rogen - Tour habe ich gerade vor mir liegen. So erfahre ich doch noch, welche Ecken uns in der Gegend entgangen sind und wie es dort ausschaut. Sehr schön.

    Zitat von andrea2 Beitrag anzeigen
    Hängt in dem Windschutz eigentlich immer noch der „wunderschöne“ Wandtepppich?
    Auch bei mir klingelt es da, wenn auch nicht allzu laut. Den „wunderschönen“ Wandteppich habe ich
    auch nicht vor Augen.

    My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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    • andrea2
      Dauerbesucher
      • 23.09.2010
      • 767

      • Meine Reisen

      #62
      Ich hab gerade gesehen, dass ich das Bild gar nicht in meinem Kanubericht habe, sondern nur bei der Wanderung um den Rogen.
      Hier ist er der Wandteppich aus Rödviken

      Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: DSC07198.jpg Ansichten: 0 Größe: 353,1 KB ID: 3018998

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      • evernorth
        Fuchs
        • 22.08.2010
        • 1496

        • Meine Reisen

        #63
        05. September: Källsjön, Kråksjön, Südspitze Käringsjön

        Die Nacht war etwas unruhig, denn der heftige Regen verfolgte mich noch bis weit in die Nacht hinein.
        Heute morgen ist die Welt wieder eine andere, denn der Regen hat irgendwann in der Nacht aufgehört. Draußen strahlt alles im hellsten Licht, die Sonne ist bereits in der Frühe warm und gibt ihr Bestes. Die Luft ist klar, im Schatten noch etwas frisch, aber im Zelt schon fast zu warm. Reingewaschen und sauber wirkt die Landschaft, und kleinste Wellen kräuseln die Wasseroberfläche.




        Herrlicher Morgen



        Alles muss trocknen

        Rückblende: Mit den Worten „Egal, ich finde schon was. Das Akto passt fast überall hin“ lässt Bernd sein Alpha stehen und liegen und steigt mit seinem Rucksack rasch den Hang hoch.
        „Kümmere mich später um das Boot“, ruft er noch hinterher.
        Mist, jetzt fallen bereits immer mehr Tropfen. Ich haste mit meinem Gepäck hinterher. Im Gegensatz zu Bernd habe ich das Glück, direkt zu dem Platz aufzusteigen, den ich mir vorher bereits ausgeguckt habe. Oben angekommen, packe ich gleich aus und beginne mit dem Zeltaufbau im jetzt strömenden Regen. Warum geht das nicht schneller? Es dauert wieder viel zu lange, bis es einigermaßen gut steht. Viele Sachen sind richtig nass geworden. Die wichtigen Sachen, wie der gut verpackte Schlafsack, sind immerhin trocken geblieben. Alles, was zu nass ist, landet in der Apsis.
        Frisch ist es geworden und erst, als ich die nassen Klamotten gewechselt habe, kommt langsam die Wärme zurück. Ein heißer Tee, in Verbindung mit einen guten Schluck Whiskey, lässt mich dann vollständig „durchglühen“.
        Noch beim Essen kommt Bernd vorbei, um sein Boot zu sichern.
        Morgen wollen wir wieder getrennt starten, da Bernd möglichst früh in den Tag starten will und ich noch einmal zum Auto nach Käringsjön paddeln will. Hauptsächlich, um das Zelt gegen das Chinook auszutauschen, Müll dort zu lassen, eine Gaskartusche auszutauschen. Letztere, da ich wohl eine mit der reinen Butan - Befüllung erwischt habe. Ich fülle manchmal leere Kartuschen wieder mit reinem Butan - Gas per Adapter auf. Bei den kalten Morgentemperaturen will die aber nicht so richtig loskacheln, bzw. verbraucht viel zu viel Gas.
        Kekse, und saubere Klamotten könnte ich bei der Gelegenheit auch gleich….
        Wir vereinbaren noch einen Treffpunkt an der äußersten Südspitze des Käringsjön. Gute Nacht.
        Mir ist natürlich nicht der leicht gereizte Unterton in unserer nur kurzen Unterhaltung entgangen.
        Ja, natürlich, mit etwas Glück und einem zeitigeren Aufbruch (und einer kürzeren Mittagspause ) hätten wir diese nasse Dusche vermeiden können. Aber eigentlich ist nichts Schlimmes passiert, außer nass werden….
        Das trocknet schon wieder. …..Ende der Rückblende.

        Jetzt verteile ich erst einmal meine nassen Sachen, hänge sie in die Äste der nächsten Kiefer, oder hänge sie anderweitig in die Sonne. Ein herrliches Wetter ist das. Ich könnte ewig nur so herumschauen…und die Sonne genießen.
        Als Bernd - „ready for the boat
        - vorbeikommt, bin ich noch ganz und gar im Trocknung - und Genuss - Modus.
        Dann ist es Zeit und Bernd verlässt unsere Halbinsel. Danach bin ich allein und schaue mal, wie weit die Trocknung vorangeschritten ist. Während einige Kleidungsstücke schon trocken sind, benötigen andere Teile und vor allem das Zelt noch etwas mehr Zeit. Gerade letzteres möchte ich so weit wie möglich trocken bekommen, denn danach liegt es noch tagelang komprimiert im Auto.






        Nach und nach packe ich die trockenen Sachen in den Rucksack, bis ich ganz zum Schluss das noch immer etwas feuchte Zelt abbaue. Ich schaue extra noch einmal ganz genau umher, ob ich nicht etwas vergessen habe, schließlich hing mein halber Hausstand zum Trocknen herum. Eine solch umfassende Trocknungs- Aktion kommt schlußendlich nicht jeden Tag vor.

        Etwa 2 Stunden nach dem Aufbruch von Bernd verlasse ich bei weiterhin strahlendem Sonnenschein die Halbinsel. Zunächst paddel ich in den Källsjön und wähle den für mich logischsten Punkt für die erste, von heute nur zwei Portagen: Treffer! Am Ende einer fast winzigen Bucht steige ich zielsicher aus dem Boot. Hier sind definitiv schon viele vor mir ausgestiegen. Beflügelt von dieser beruhigenden Erkenntnis schultere ich den Rucksack und klemme mir das Boot unter den Arm. Inzwischen klappt das schon sehr routiniert. Diesmal sind es schon ein paar hundert Meter, am Anfang noch auf so etwas wie einem Pfad, der sich jedoch schon bald, nach dem Erklimmen einer Anhöhe, wieder verliert. Von oben ist der Kråksjön bereits zu sehen, und so gehe ich weglos hinunter an das Ufer. Hier mache ich erst einmal eine kleine Snack - Pause, um im Anschluß meinen Weg auf dem Wasser fortzusetzen.




        Kråksjön

        Bei der kurzen Überquerung des Kråksjön sehe ich schon die kleine Bucht, wo am Ende die ganz offensichtliche, zweite Portage des heutigen Tages auf mich wartet. Den daran anschließenden, kleinen See fahre ich aus einem unerfindlichen Grund bis zum Ende, steige aus, und entdecke einen sehr deutlichen Pfad. Es handelt sich um den Wanderweg, der von Käringsjön auf unseren Weg Richtung Bustvålen trifft. Ich folge dem Weg etwa 200 m zurück und erreiche die Stelle, wo ich in den Käringsjön einsetze. Dort befindet sich in der Nähe eine Brücke.
        So komme ich also, etwas unfreiwillig, zu einer kurzen, dritten Portage.
        Über den Käringsjön bin ich schnell hinüber; muss nur noch kurz nach dem sehr schmalen Wasserlauf suchen, der zum Ausstieg führt. Zu Beginn fahre ich mich im beginnenden Schilf regelrecht fest, da es hier super flach ist, und so muss ich ordentlich mit dem Paddel wühlen und abstoßen, um wieder frei zu kommen. Einmal in dem Flusslauf hineingekommen, staune ich doch sehr über die Enge. Maximal 2 Meter ist es hier breit und ich kann mir kaum vorstellen, wie da jemand mit einem sperrigen Kanadier durchkommen soll.
        An der Anlegestelle, ziehe ich nur kurz das Boot aus dem Wasser und gehe den Pfad hinauf zu den Gebäuden und entriegele schon von weitem mein Auto. Das Zelt nehme ich nun doch aus dem Packsack und lege es zum weiteren Trocknen locker auf der Rückbank aus.
        Die fehlenden Sachen sind schnell beieinander, oder ausgetauscht.
        Zurück beim Boot ist alles schnell im Rucksack verstaut und ich fahre den schmalen Flusslauf ein zweites Mal hinunter, was nun schon deutlich flüssiger abgeht.
        Einmal zurück auf dem Käringsjön ist es nun nicht mehr weit bis zum Treffpunkt mit Bernd an seiner Südspitze.
        Als ich dort ankomme, ist Bernd schon beim Kaffee trinken….
        Nicht ganz leicht, hier einen einigermaßen ebenen Platz für das Zelt zu finden…..




        Platzsuche im buckligen Gelände nicht ganz einfach



        Da passt es

        Heute sind wir deutlich zeitiger am Platz und das entspannt die Abläufe schon sehr und zieht sie entsprechend auseinander.
        Herrlich hier, absolut still und selbst in Wurfweite des Wanderweges waren nur einmal in Stunden Stimmen zu hören.
        Gesehen haben wir niemanden.






        Südspitze Käringsjön



        Blick aus dem Zelt


        Langsam senkt sich die Sonne und verschwindet hinter den Baumwipfeln. Der Abend folgt, und ein weiterer, herrlicher Tag endet. Eine tiefe Ruhe kehrt ein und taucht den Wald in sein dunkles Nachtkleid.

        My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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        • weisseruebe
          Erfahren
          • 20.09.2010
          • 150

          • Meine Reisen

          #64
          Oha, da gibt es was zu lesen, wie schön.
          Ich glaube, ich bin ein paar Minuten hinter Euch hergelaufen, da hat gerade einer von Euch sein Packraft zum Wasser getragen. Das muss irgendwo knapp nördlich von Rogenstugan gewesen sein. Wir haben uns aber nicht unterhalten.

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          • Borgman
            Dauerbesucher
            • 22.05.2016
            • 511

            • Meine Reisen

            #65
            Zitat von weisseruebe Beitrag anzeigen
            Oha, da gibt es was zu lesen, wie schön.
            Ich glaube, ich bin ein paar Minuten hinter Euch hergelaufen, da hat gerade einer von Euch sein Packraft zum Wasser getragen. Das muss irgendwo knapp nördlich von Rogenstugan gewesen sein. Wir haben uns aber nicht unterhalten.
            Schade, wär doch nett gewesen. An der Rogenstuga sind wir nur ein einziges Mal aufs Wasser gegangen, am 31.08., da haben wir aber die Boote am Strand aufgeblasen. Wie warst Du denn da unterwegs, auf welcher Route?



            Und jetzt geht es endlich weiter im Text!


            Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
            Das trocknet schon wieder.

            Na, das hätte mir auch mal jemand vorher sagen können, dann wäre ich gestern Abend vielleicht nicht so angespannt gewesen. Am Morgen des 05. September sieht die Welt, Tom hat es gesagt, ganz anders aus. Das Zelt packe ich nass ein, aber dank Sonne und leichtem Wind sind meine Regensachen schon getrocknet, als ich das Boot besteige. Nicht mal besonders kalt ist es – einfach nur ein herrlicher, leuchtender Tag, paar Wolken am Himmel, kaum Wind. Kurz vor der ersten Tragestelle queren zwei Rentiere, ein kleines und ein großes, von einer Mini-Insel zum Festland. Dem Kleinen scheint es nichts auszumachen, dass es bis zum Hals im Wasser ist, hätte nämlich auch eine flachere Stelle wählen können. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, schon mal schwimmende Rentiere gesehen zu haben, aber ja, klar, natürlich sind sie nicht wasserscheu.




            Rentier beim Morgenbad, das kleine ist schon durch (rechts)



            Gemächlich paddele ich über den nächsten See, dann folgt eine weitere Tragestelle, und schon stehe ich am Käringsjön. Da haben wir uns ja keine besonders ambitionierte Strecke vorgenommen. Also, was machen mit dem angebrochenen Tag? Für die Pause ist es noch zu früh, und auf Abstecher zu benachbarten Seen habe ich auch keine Lust, sehen eh alle gleich aus, aber ich würde gerne am Nachmittag in der Gegend herumlaufen und vielleicht ein paar Fotos machen, falls es interessante Motive gibt. Also quere ich auch den Käringsjön auf direkter Route zu unserem vereinbarten Treffpunkt am südlichen Zipfel.


            Käringsjön (links die kleine Siedlung, wo unser Auto steht) ...


            ... und dessen südliches Ende

            Hier gibt es einen kleinen Bootssteg. Das Gelände ist, wenig überraschend, ziemlich hubbelig – auf den ersten Blick nicht sehr einladend für einen Lagerplatz. Aber da kann man sich bekanntlich täuschen. Ich gehe davon aus, dass Tom ein paar Stunden braucht, also habe ich genügend Zeit, eine passende Stelle zu finden. Wollte ja sowieso in der Gegend herumlaufen, nach der Pause. Am westlichen Ufer wird es nach Norden hin noch steiniger, da geht gar nix, und nach Südwesten kommt bald ein Moor, auch nicht gut. Östlich liegt der Wanderpfad, den wir schon gegangen sind – auch alles zu uneben. Eine nasse Stelle gegenüber vom Anleger ginge zur Not, wenn man nichts gegen Kondens hat. Wie gut, dass Tom sein Mid gegen ein weniger anspruchsvolles Zelt tauscht. Da kommt er schon.










            06. September: Der Morgen

            Nach einer windstillen Nacht nähert sich der Morgen unserem Zeltplatz auf Zehenspitzen, lässt vorsichtig erste Sonnenstrahlen über das Wasser gleiten und den Raureif auf einer Heidelbeere glitzern, hüllt sich in zarten Nebel. Er lässt sich Zeit, dieser Morgen, zögert kurz hinter den Kiefern, als wollte er die Geister der Nacht sanft verabschieden und die Geister des Tages ebenso sanft dazu einladen, an seinem Zauber teilzuhaben. Langsam wie eine Blüte entfaltet sich der Sonntagmorgen, und ich lasse mich von ihm leiten, wandere hierhin und dorthin, sehe die Landschaft in neuem Licht. Die gestern noch struppig graugrüne Bartflechte glänzt golden wie Elfenhaar ... na ja, fast ... bisschen struppig wirkt sie immer noch ... aber schön ist es trotzdem, wie die Morgensonne den Sinn für Details schärft.

















            Wer braucht da noch eine große Tour, wenn es hier im Kleinen so viel zu entdecken gibt? Tom ist auch schon auf den Beinen und genießt den Morgen auf seine Weise. Wir freuen uns auf die Runde über die Seen östlich von Käringsjön und Rogenstuga, die wir noch vorhaben, aber momentan sind wir beide tiefenentspannt. Es würde völlig reichen, wenn wir heute nur zum Stor-Tandsjön laufen und uns da ein bisschen umsehen.

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            • Fjellfex
              Dauerbesucher
              • 02.09.2016
              • 551

              • Meine Reisen

              #66
              Klasse, es geht weiter!

              Zitat von Borgman Beitrag anzeigen
              Ich kann mich wirklich nicht erinnern, schon mal schwimmende Rentiere gesehen zu haben, aber ja, klar, natürlich sind sie nicht wasserscheu.
              Die sind echt nicht wasserscheu, sondern durchschwimmen sogar schon mal einen Meeressund. Wer Anschauungsmaterial haben will:
              Reinflytting – Minutt for minutt (nrk.no)
              (Etwas runterscrollen zum Video wo drunter steht "Gikk du glipp av reservefinalen"?, und dort ab etwa 1:58)

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