[SE] Mit dem Packraft am Rogen – die Entdeckung der Langsamkeit

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  • evernorth
    Fuchs
    • 22.08.2010
    • 1479

    • Meine Reisen

    #21
    Ich will da mal vorgreifen und zunächst für mich antworten: Es kommt darauf an, z. B., wie lang der Rucksack ist.
    Auf meinem Alligator lässt sich auch ein eher langer Rucksack gut (in der Länge) verspannen. Letztlich ist es aber relativ egal, an der Wasserlage des Bootes ändert es relativ wenig. Eigentlich war Bernds Rucksack sogar schneller befestigt, da er meist nur mit einem Riemen befestigt wurde und ich immer noch einen zweiten Riemen benutzt habe. Der zweite Riemen ist eigentlich bei „Zahmwasser“ überflüssig. Ich bin da eher der „Pingelige“ und benutze ihn von Anfang an, das heißt, seit der Befahrung des Vistasjohka. Da war das natürlich „von Vorteil“, denn das Wasser war eher nicht so zahm.
    Zuletzt geändert von evernorth; 10.01.2021, 21:24.
    My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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    • Borgman
      Dauerbesucher
      • 22.05.2016
      • 510

      • Meine Reisen

      #22
      Zum Alpha: für meine 1,77m passt die Größe perfekt, da ist auch noch ein bisschen Reserve drin. Wer wesentlich größer ist, sollte mal ausprobieren, ob es nach ein, zwei Stunden immer noch bequem ist. Den Rucksack kann man wie gesagt nur quer auf den Bug schnallen, dafür geht das extrem einfach mit zwei Handgriffen. Gegen den Wind könnte das nachteilig sein, weil er quer eine größere Angriffsfläche bietet als längs. Beim Delta oder Sigma könnte man den Rucksack vielleicht eher längs verspannen, weiß ich nicht, aber wirklich komfortabel ist das nur, wenn das Boot eine Spritzdecke hat. Wo sollte er sonst längs aufliegen? Vielleicht auf einem extra Spannriemen. Quer geht jedenfalls gut, man sitzt genau so wie ohne Gepäck. Später kommen auch noch Bilder, wo man das besser erkennen kann.

      Wie stabil liegt das Boot dann noch im Wasser, besonders bei stärkerem Wellengang? Na ja, man darf es nicht mit Bootstypen vergleichen, die einen Kiel haben. Ein Packraft dreht sich ständig. Dafür ist es sehr kippstabil. Nach meinem Empfinden macht es keinen großen Unterschied, ob ein normaler Trekkingrucksack mit 20 kg Gewicht drauf liegt oder nicht. Ich fühle mich mittlerweile sehr sicher darin, auch bei spürbaren Wellen. Vor der allerersten Tour habe ich auf einem großen See in der Nähe ausprobiert, bei welchem Wind man noch paddeln kann und wie sich das anfühlt. Eine Richtungsfinne bringt eine gewisse Verbesserung im Geradeauslauf, kann ich auf jeden Fall empfehlen, aber Wunder sollte man davon nicht erwarten.

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      • Mika Hautamaeki
        Alter Hase
        • 30.05.2007
        • 3938

        • Meine Reisen

        #23
        Ein Traum!!!!
        So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
        A. v. Humboldt.

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        • oesine63
          Erfahren
          • 27.11.2013
          • 386

          • Meine Reisen

          #24
          Einfach herrlich! Ein Bericht zweier Skandinavien-Giganten mit - wie es eh schon viele vor mir gesagt haben - wunderbar poetischen Worten geschrieben und mit stimmungsvollen Bildern ergänzt. Es gehört Mut dazu, sich auf die jeweiligen Eigenarten eines Reisepartners einzulassen. Für uns Leser lohnt es auf jeden Fall! Ich freu mich!!!

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          • Borgman
            Dauerbesucher
            • 22.05.2016
            • 510

            • Meine Reisen

            #25
            Also, äh ... Giganten sehe ich hier zwar weit und breit nicht (wir sind beide, wohlwollend ausgedrückt, eher durchschnittlich groß ), aber danke für die lobenden Worte. Schön, dass Du dabei bist, Oesine. Die jeweiligen Eigenarten – ja, das ist eine spannende Sache. Hätten wir eine vorgeplante Tour absolviert, dann hätten wir uns jeder für sich mal zusammengerissen und einen Kompromiss gefunden. Tatsächlich wollten wir aber genau das nicht – sich zusammenreißen und Kompromisse finden muss man im Alltag schon genug, oder?

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            • evernorth
              Fuchs
              • 22.08.2010
              • 1479

              • Meine Reisen

              #26
              Noch 01. September: Bredåsjön


              Was ist….was ist los??
              Nur langsam komme ich zu mir, denn eigentlich ist es noch recht abgedunkelt im Inneren meines Zeltes. Die Sonne ist jedenfalls noch nicht über die nahen Baumwipfel gestiegen.
              Ist es jetzt 5:00 oder 6:00 Uhr (oder doch noch später?), so genau weiß ich das heute gar nicht mehr, da ich nicht auf die Uhr gesehen habe. Früh ist es und ja, recht kalt, wenn nicht frostig, ist es auch noch dazu.
              Hej, sage ich mir, es ist Urlaub, ich stehe unter keinem besonderen Zeitdruck, kuschelig - warm im Schlafsack und somit noch viel zu früh, um jetzt schon aufzustehen.
              Eben noch wundere ich mich, warum ich denn trotzdem aufgewacht bin, da zieht ein feiner Rauchgeruch in meine Nase. Das ist also der Grund!
              Bernd ist bereits wach und hat sich wohl bereits einen Kaffee gekocht. Jetzt raucht er eine seiner legendären Zigarillos. Der feine Rauchgeruch, vermischt mit dem Duft von frischem Kaffee, wird mich ab jetzt noch des öfteren begleiten und, je nachdem, wie nah unsere Zelte zusammenstehen, oder wie die jeweilige Windrichtung ist, meinen morgendlichen Wecker ersetzen.
              So döse ich noch ein bisschen weiter bis gegen 7:00 Uhr.
              Die Sonne hat endlich die Baumwipfel erreicht und jetzt ist es auch bereits viel heller im Zelt.
              Also Zeit, aufzustehen.
              Beim Öffnen des Zeltes rieselt mir erst einmal ordentlich Raureif in den Nacken. Genau der richtige Zeitpunkt (nun bin ich definitiv wach! ), um ein paar Fotos zu machen.
              Beim Aussteigen aus meinem Lan Shan 1Plus muss ich aufpassen, dass ich nicht gleich in den Modder rutsche, da das Ufer hier sehr morastig wird. Wie so oft muss ich mich erst mal „sortieren“. Die Nacht war nur teilweise erholsam, da ich mich leicht abschüssig hinstellen „musste“. Da bin ich etwas gerutscht, allerdings nicht so doll wie bei der Petersburger Schlittenfahrt….was auch immer da abgegangen ist, also in Petersburg, auf dem Schlitten. Ist in dieser Gegend leider überhaupt nicht so trivial, für das Lan Shan einen guten Platz zu finden, da das Zelt schon überdurchschnittlich viel Platz beansprucht. Gestern Abend habe ich fast eine Ewigkeit gebraucht, bis es vernünftig stand.



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              Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 24A17CCC-8062-4EAF-B104-E75C2B647B10_1_201_a.jpeg Ansichten: 327 Größe: 6,87 MB ID: 3012263

              Dieser frische und strahlend - sonnige Morgen ist einfach herrlich.


              Als Bernd, der sich extra Zeit gelassen hat, gegen 9:00 Uhr alleine aufbricht, verabreden wir uns an der Umtragestelle zum Läsjön.
              Ich will diesen wunderbaren Platz noch etwas genießen, außerdem soll mein inzwischen nasses Zelt möglichst abtrocknen. Bernd hat in windeseile alles zusammengepackt, ein Tatbestand, der im Laufe der Zeit noch des öfteren bei mir für Erstaunen und Bewunderung sorgen wird.
              „Bis gleich“ sagt er noch augenzwinkernd, und schon ist er hinter den Büschen und Blättern und hinter zwei knorrigen Kiefern verschwunden.
              Jetzt kann ich die Zeit nutzen, um das Plumpsklo zu nutzen. Sogar Toilettenpapier ist vorhanden.
              Da kann ich meinen diesmal viel zu dürftigen, eigenen Vorrat schonen (Am Ende sollte sich das aber doch nicht ausgehen und ich musste Bernd noch das eine oder andere Blatt „abschnorren“ ).
              Ein Himmelreich für ausreichend Klopapier!



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              Windschutz

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ID: 3014160

              Beachtliche Geröll - Moräne



              Nach 10 Uhr (vermutlich aber eher noch später als 10:30 Uhr) breche ich endlich auf. Auch ich habe mir das Packraft unter den Arm geklemmt, was, nach etwas Eingewöhnung, doch einigermaßen gut geht.
              Schließlich ist es ja nur ein „Katzensprung“. Ein „Katzensprung“ mit etlichen ups and downs, um viele Ecken und vor allem: über eine beachtliche Geröll - Moräne. So dauert dieses kleine Stück doch etwas länger, als ich veranschlagt hatte. Immerhin ist der Weg erstaunlich gut markiert.
              Schließlich erreiche auch ich den kleinen See, den ich bereits für einen Teil des Bredåsjön halte.



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              Kleiner See


              Ich werfe das Packraft auf den Boden für eine kurze Pause, als just in diesem Moment Bernd um die nächste Kiefer biegt, um mich, schon etwas erleichtert, darauf hinzuweisen, dass dies noch nicht der Bredåsjön ist.
              So, so,…..ist das so? Ja, so ist das.
              Schließlich gehen wir also noch ein Stück gemeinsam, und Bernd, der gerade beide Hände frei hat, schnappt sich meinen Alligator und klemmt ihn sich unter den Arm. Das nehme ich nur zu gerne an.
              Er zeigt mir unterwegs die Stelle, wo er mit dem Bein ins Wasser getreten ist. Schade, dass ich nicht dabei war. Das kann in manch angespannter Lage durchaus belustigend wirken, sofern alles glimpflich und gut ausgeht. „Befreites Lachen“, sozusagen.



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              Entspannter "Sherpa" Bernd

              Kurz darauf erreichen wir den Zugang zum Bredåsjön mit der Schutzhütte. Leider verschlossen, da wohl privat.



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              Hütte mit Bredåsjön


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              Wir einigen uns dann sehr schnell darauf, dass der Wind für einen größeren See inzwischen zu stark ist. Den Kick müssen wir uns heute nicht geben. Zumal es an den kommen Tagen nicht besser wird und nördlich des Rogen genügend kleine Seen liegen. Der neue Plan: hier noch einen Spaziergang machen, am Nachmittag zurück zu unserem wunderschönen Platz, morgen früh über den Rogen und dann auf die Karte gucken. Rückzug auf ganzer Linie.
              Aber zuerst eine gepflegte Mittagspause mit Kaffee, , Kornmo, Käse und luftgetrockneter Salami.

              Da wir die Boote heute sowieso nicht mehr brauchen, lassen wir die Luft ab und schnallen sie auf die Rucksäcke. Dann laufen wir ohne Gepäck über die Hügel nach Süden bis zu einer Landzunge, wo wir einen guten Blick auf das offene Wasser haben. Ja, zur Not ginge es, aber gemütlich ist was Anderes.



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              Bredåsjön


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              Ohne sperriges Packraft in der Hand ist der Rückweg zum Rogen sogar richtig entspannt. Gerade die Mischung aus viel Geröll und knorrigen Kiefern macht diese Gegend so besonders reizvoll, es wirkt alles ein bisschen rauer, vielleicht auch wilder als andere Paddelgebiete, die wir so kennen. In stillschweigendem Einverständnis beschließen wir an diesem Nachmittag, dass wir eigentlich gar keine riesige Tour machen müssen. Wenn man nach Norwegen rein dürfte, tja, dann würden sich ganz andere Möglichkeiten eröffnen. Doch darauf wollen wir es nicht ankommen lassen. Wir halten uns an die Bestimmungen.
              Die vielen, kleinen Seen wecken ganz neue Begehrlichkeiten. Auf schwedischer Seite gibt es bestimmt auch viel zu entdecken.
              Da lässt sich doch gewiß eine spannende Route zusammenstellen?
              Zuletzt geändert von evernorth; 19.01.2021, 21:47.
              My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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              • karteundkanu
                Erfahren
                • 01.08.2011
                • 302

                • Meine Reisen

                #27
                Toller Bericht und wieder einmal richtig geile Bilder, das macht noch mehr Lust auf diese Gegend, vielen Dank!
                LG Heinz
                PS.: ein paar Schritte oberhalb des Windschutzes am Bredån gibt es ganz gute Stellen für ein paar Zelte, die sind trocken und nicht ganz so kondensgefährdet, aber halt nicht direkt am Wasser...

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                • ChuckNorris
                  Erfahren
                  • 03.08.2018
                  • 144

                  • Meine Reisen

                  #28
                  Das sieht nach einer sehr schönen Tour aus. Eine tolles Format habt ihr auf jeden Fall auch gefunden.

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                  • Borgman
                    Dauerbesucher
                    • 22.05.2016
                    • 510

                    • Meine Reisen

                    #29
                    @karteundkanu, @ChuckNorris: Danke für Euer Feedback! Bei der Januar-Grütze da draußen macht es uns aber auch einen Heidenspaß, an das sonnige Schweden zurückzudenken. Also schnell weiter im Text:



                    02. September: Rückzug zur Rogenstuga

                    Heute soll das Wetter ähnlich werden wie gestern, also sonnig und windig. Von beidem ist noch nicht viel zu merken, als ich in der Dämmerung einen frühen Kaffee zubereite und schon mal die Sachen sortiere. Das Zeitfenster für die Rogenquerung ist von sieben bis neun Uhr offen. Für den Rest des Tages sagt yr.no zunehmend kräftigen Wind um 9 m/s aus Süden voraus, was bedeutet, dass die Böen durchaus noch stärker ausfallen können. Zur Erinnerung: km/h = m/s x 3,6. Also schon 32,4 km/h als Basiswind. Zum Wandern absolut harmlos, aber auf einem großen See wird das ungemütlich.

                    Am liebsten wäre mir, wenn Tom gleich mitkäme. Andererseits ist er erwachsen und im Vollbesitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte. Mit anderen Worten: er muss es selber wissen. Als ich um halb acht das Packraft besteige und in See steche, sortiert er immerhin schon seine Sachen auf einer Plane vor dem Zelt. Wir wollen uns auf der kleinen Insel direkt südlich der Rogenstuga treffen.









                    Momentan ist alles noch sehr ruhig. Die geschützte innere Buch durchfahre ich zügig und erwische diesmal sogar auf Anhieb die richtige Stelle, um vor der westlichsten Insel auf den offenen See zu kommen. Als ich die Insel schon fast passiert habe, entdecke ich darauf die perfekte Rogen-Kiefer für ein Foto. Das kann ich mir nicht entgehen lassen, so viel Zeit muss sein.


                    ikonische“ Rogen-Kiefer

                    Jetzt frischt der Wind schon merklich auf. Leicht angespannt lasse ich das sichere Ufer hinter mir und halte mit kräftigen Paddelschlägen direkt auf den Punkt zu, wo nach der Karte die kleine Insel sein sollte. Von hier, anderthalb Kilometer über den Rogen, ist sie zwar noch nicht genau zu erkennen, aber sie muss rechts von einer großen Bucht mit Hütte liegen, die wiederum rechts von einem größeren Moor ist. Letzteres kann ich von hier gut sehen. Natürlich versucht der Wind immer, mich nach Norden zu schieben, was ich ein paar Mal im Zickzack korrigieren muss, um nicht vom Kurs zu abzukommen. Soll heißen, die größeren Wellen möglichst in Längsrichtung nehmen und dazwischen wie wild nach Osten paddeln.


                    auf dem Rogen


                    Insel fast erreicht

                    Trotzdem dauert es ab der Kiefer kaum mehr als eine halbe Stunde, bis ich glücklich den ersten Fuß auf die Insel setze. Es ist kurz vor neun, ich hoffe sehr, dass Tom schon unterwegs ist. Das gelbe Boot binde ich gut sichtbar an einer Uferbirke fest und mache erst mal einen Rundgang. Da steht ein recht großes Zelt, ein Ally liegt nicht weit davon.

                    Am Windschutz treffe ich ihn dann. Den Deutschen. Den König der Insel. Er scheint nicht sehr erfreut über den Besuch. Und noch weniger, als er hört, dass noch ein Anderer kommt. Wahrscheinlich befürchtet er, dass wir uns frech in seinem Reich einnisten. Und außerdem ist er natürlich der Experte. Bei dem Wind macht man das doch nicht! Und wenn, dann so und so, damit das klar ist. Ist doch scheißgefährlich! Ich fasse jetzt mal beide knappen Gespräche zusammen. Da fühlt man sich gleich ganz klein und unwissend. Hoffentlich belehrt er die schwedischen Paddler nicht auch so barsch, sonst ist der Ruf unserer Landsleute hier am Rogen bald ruiniert.

                    Selbstverständlich wage ich nicht, ihn um einen Platz im Windschutz zu bitten, da hat er vorsorglich überall seine Sachen deponiert, auch auf der Picknickbank, sondern stelle bescheiden mein Zelt an unauffälliger Stelle zum Trocknen auf. Ist sowieso viel gemütlicher als der blöde, zugige Windschutz. Abgesehen von dem griesgrämigen Bewohner ist die Insel ganz zauberhaft. Zwischen den üblichen Kiefern und Birken finden sich etliche schöne Zeltplätze, daneben laden kleine Sandstrände und familienfreundliche Badebuchten zum Verweilen ein. Wie aus der Schwedenwerbung: "Besuchen Sie den Rogen! Lassen Sie die Seele baumeln! Zu Paddeltouren berät Sie gerne, ungefragt und umfassend unser freundlicher Experte."


                    Urlaubsidyll Rogeninsel



                    Alles sehr schön, aber wo bleibt Tom? Déjà-vu, ick hör dir trapsen. Der Wind hat noch deutlich zugelegt und verziert nach und nach immer mehr Wellen mit Schaumkronen. Da will man nicht mehr auf dem Wasser sein. Nachdem ich vergeblich eine Weile Ausschau nach einem blauen Packraft gehalten habe, schmeiße ich den Kocher an und beginne mit den Vorbereitungen fürs Frühstück. Dann kriegt Tom gleich einen Kaffee, wenn er hoffentlich bald wohlbehalten anlegt. Langsam mache ich mir Sorgen. Soll ich ihn anrufen? Nee, er ist jetzt irgendwo da draußen und hat ganz sicher alle Hände voll zu tun.

                    Um 10:48 Uhr dann die erlösende Nachricht per WhatsApp. Tom hat es über den Rogen geschafft, aber nicht auf die Insel. Wir treffen uns an der Rogenstuga. Erleichtert packe ich zusammen, hole das Boot auf die Leeseite und setze über zum Festland. Von da ist es nur noch ein kurzer Fußmarsch. Bin gespannt, was er zu erzählen hat...

                    Kommentar


                    • Freedom33333
                      Dauerbesucher
                      • 09.09.2017
                      • 634

                      • Meine Reisen

                      #30
                      Dass du da noch das Handy oder die Kamera rausfriemelst beim Boot fahren, Respekt .
                      Die Bilder sind natürlich auch ein Traum!

                      Zu der Begegnung - ausgerechnet ein Deutscher. Mir ist bei Tour-Start im Stora Sjöfallets ein Schwede begegnet, den habe ich zweimal auf 5m eingeholt, er hat mich trotzdem keines Blickes gewürdigt und ist demonstrativ möglichst schnell weggerannt ohne auch nur kurz zuzunicken. Naja, manche Leute sind halt seltsam. Das einen vielleicht nicht zwingend die pure Freude durchströmen muss wenn auf der vermeintlich einsamen Insel Leute kommen und man erstmal beobachtet, was das für Leute sind ist ja noch verständlich, Unhöflichkeit geht aber gar nicht. Am Ende kommts halt auch drauf an, wenn man mit den Leuten zusammen rumsitzt ist es doch ne nette Abwechslung, Mist ist es dagegen wenn die ne geschlossene Gruppe sind und sich trotzdem laut unterhalten. Ist mir aber noch nie passiert im Urlaub.

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                      • Highbeat
                        Gerne im Forum
                        • 04.10.2020
                        • 50

                        • Meine Reisen

                        #31
                        Toller und total amüsanter Bericht (ich habe immer wieder laut aufgelacht) mit wunderbaren Fotos!
                        Da wir seit letztem Jahr auch ein Packraft haben, bin ich an Paddelberichten sehr interessiert und gespannt wie es weiter geht.

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                        • Borgman
                          Dauerbesucher
                          • 22.05.2016
                          • 510

                          • Meine Reisen

                          #32
                          Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen
                          Dass du da noch das Handy oder die Kamera rausfriemelst beim Boot fahren, Respekt .
                          Die Bilder sind natürlich auch ein Traum!
                          Danke! Die Kamera habe ich eigentlich fast immer in einer passenden Tasche um den Hals hängen (beim Paddeln zusätzlich in einem Gefrierbeutel). Beide Fotos sind in relativ ruhigen Momenten bei stetigem Wind gemacht, da kann man schon mal kurz das Paddel ablegen. Problem ist nur, dass sich das Packraft dann sofort zu drehen anfängt und das angepeilte Motiv in Sekunden aus dem Blickfeld verschwindet . Am besten richtet man das Boot vorher entsprechend aus (so dass es sich in die gewünschte Richtung hineindreht) und beeilt sich mit dem Foto .

                          Zu der Begegnung -[....] Unhöflichkeit geht aber gar nicht.
                          Ist mir im Norden auch extrem selten passiert. Vielleicht hatte der König auch nur einen schlechten Tag (oder kurz vorher sein Porridge über die Hose gekleckert) und ist sonst ganz umgänglich – man soll ja nie nach einer einzigen Begegnung urteilen. Andererseits kann man als Autokrat schon mal das Gespür für den richtigen Tonfall im Umgang mit Eindringlingen verlieren. Schließlich ist Pünktlichkeit die Höflichkeit der Könige und nicht, äh ... Höflichkeit



                          Zitat von Highbeat Beitrag anzeigen
                          Toller und total amüsanter Bericht (ich habe immer wieder laut aufgelacht) mit wunderbaren Fotos!
                          Da wir seit letztem Jahr auch ein Packraft haben, bin ich an Paddelberichten sehr interessiert und gespannt wie es weiter geht.
                          Ja, jetzt wo Du es sagst, erinnere ich mich – da gab es ein Foto mit Packraft vor Eurer Sarek-Tour. Dann gibt es vielleicht auch bald von Euch einen Paddel-Bericht . Freut mich jedenfalls, dass Du Spaß an diesem hast.

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                          • TilmannG
                            Dauerbesucher
                            • 29.10.2013
                            • 781

                            • Meine Reisen

                            #33
                            Wunderschön!!!
                            Lasst euch weiter Zeit, ich bin dabei, voller Sehnsucht nach dem Norden.
                            Grüße von Tilmann
                            http://www.foto-tilmann-graner.de/

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                            • Pfiffie
                              Fuchs
                              • 10.10.2017
                              • 1965

                              • Meine Reisen

                              #34
                              Herrlich und schlechtes Wetter gabs bis hier hin auch nicht . Die Gegend soll ja auch die trockenste in Schweden sein. Ich war schon mehrmals dort in der Gegend, leider noch nicht so intensiv wandernd, aber ich kann mich ganz gut hineinversetzen.
                              "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

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                              • evernorth
                                Fuchs
                                • 22.08.2010
                                • 1479

                                • Meine Reisen

                                #35
                                Noch 02. September: Rückzug zur Rogenstuga und weiter zum Öster - Rödsjön

                                Da ich für meine Verhältnisse gestern recht früh schlafen gegangen bin, werde ich heute auch schon früh wach.
                                06:30 Uhr zeigt mir meine Armbanduhr an. Beim Öffnen des Zelteingangs ziehe ich unwillkürlich den Nacken ein: Plipp - Plapp - Plopp macht es und ein paar Kondens - Tropfen landen zielsicher ….genau dort!
                                Brrrr…. hat also der Kondens diese Nacht den Raureif der vorherigen Nacht ersetzt.
                                Geht doch, denke ich, so früh, und dann auch gleich wach!



                                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 542B0F8A-240F-4AB4-BFE3-5736B7FD04F9_1_201_a.jpeg Ansichten: 135 Größe: 7,81 MB ID: 3014172

                                Morning glory

                                Im anderen Zelt rührt sich scheinbar noch nichts. Das ist mir ganz recht, dann können wir heute ja zeitgleich aufbrechen, frohlocke ich gerade so vor mich hin, da knackt es hinter mir und ein gut gelaunter, ausgeschlafener und total fokussierter Bernd schlendert mir entgegen.
                                „Ich war grad mal pieseln an der Landzunge, hab schon einen Kaffee getrunken und will gleich aufbrechen, noch bevor der Wind zu stark auffrischt.“
                                „Ach, ja, nun…..bin noch nicht ganz so weit“, druckse ich rum. „Will noch frühstücken und einen Kaffee…..“ „Wie du meinst“, sagt Bernd, „ich will nur rasch zusammenpacken, dann bin ich um 07:30 Uhr auf dem Wasser.“
                                Mist, denke ich, so wird das wieder nichts mit dem gemeinsamen Aufbruch.
                                Ehrlicherweise möchte ich anmerken, dass wir bereits gestern diese Möglichkeit diskutiert hatten und somit waren wir beide auf eine getrennte Rogen - Passage bereits vorbereitet.
                                Als Bernd gegen 07:30 Uhr guter Dinge an mir vorbei paddelt, bin ich gerade dabei, mein Zelt auszuräumen und alles für den Rucksack bereitzulegen.
                                Am Ende dauert alles wieder so seine Zeit und als ich - ganz zum Schluss, also nach dem Frühstück und dem Kaffee - das Zelt einpacke, ist es doch wieder Dreiviertel neun. Dann noch das Packraft aufblasen und kurz nach neun lege ich vom Ufer ab.
                                Für mich ist das ein beinahe zügiger Aufbruch.
                                Fotos gibt es von der Passage keine, denn ich mache mich auf eine ungemütliche und feuchte Überfahrt gefasst. Alles ist wasserdicht im Inneren verpackt.
                                Bis ich die ganzen, vorgelagerten Inseln hinter mich habe, vergeht bestimmt eine Dreiviertel Stunde, wenn nicht mehr.
                                Dann geht es hinaus aufs offene Wasser und, was soll ich sagen, das sieht schon von hier erstaunlich weit und vor allem recht „kabbelig“ aus. Der Wind bläst jedenfalls ganz anständig aus Süd und vereinzelt kann ich einige Schaumkronen entdecken. Das ganze stellt sich in etwa so dar, wie die erste Überfahrt war. Bei diesen Verhältnissen, wie sie jetzt hier vorherrschen, fühle ich mich recht sicher in meinem Alligator und noch genieße ich den „Ritt“ auf den schwankenden Wellen. Ähnlich wie Bernd fahre ich „offen“, na, ja, so halb - offen. Der Alligator ist ja im Gegensatz zum Alpha vorne geschlossen. Auf meine Spritzschürze habe ich verzichtet, die habe ich bewusst im Auto gelassen.
                                Meine Erfahrungen im Wildwasser geben mir viel Selbstvertrauen. Zeitweilig macht mir der „Tanz auf den Wellen“ richtig Spass und ich jauchze laut vor mich hin. Hört mich ja sowieso keiner.
                                Zur Orientierung peile ich eine gut sichtbare Hütte an, die ich für die Rogenstuga halte.
                                Als ich schon näher gekommen bin, erkenne ich, dass ich viel zu weit westlich gelandet bin und eine ganz andere Hütte angepeilt habe. Nun muss ich, zwar in Ufernähe, aber doch voll gegen den Wind, nach Osten paddeln…. und das auch noch wie ein Weltmeister!
                                Inzwischen hat der Wind erheblich an Stärke zugenommen und nun wird es doch glatt noch einmal hart. Ich paddel, was das Zeug hält! Dann passiere ich die Rogenstuga und somit weiss ich schon mal, dass es nun bis zur Insel nicht mehr weit ist.
                                So ein kurzes Stück kann sich beachtlich in die Länge ziehen, das merke ich gerade. Kostet richtig Körner!
                                An einer kleinen Landzunge bläst mir der Wind unbarmherzig und gnadenlos entgegen. Keine Chance, da komme ich nicht mehr gegen an. Im entscheidenden Moment fahre ich gerade noch so an großen Steinen vorbei und kann an Land setzen.
                                Ich ziehe das Boot ans Ufer und schnaufe erst mal durch. Dann schnappe ich mir den Rucksack, Paddel und Boot und bringe alles in ein lichtes Birkenwäldchen.




                                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 229C8390-8D5F-4E00-9C0E-2C4E0F7E21CC_1_201_a.jpeg Ansichten: 125 Größe: 7,04 MB ID: 3014173

                                Windstille

                                Unfassbar, hier ist es fast windstill. Windstill ja, aber nicht wirklich still und - erstaunlicherweise - nicht menschenleer. Es kommen mir gleich drei schwedische Angler entgegen. Wir staunen alle zusammen nicht schlecht. Die drei sind aber nicht zum Gespräch aufgelegt, sondern stattdessen sehr mit sich und irgendetwas, nach dem sie Ausschau halten (Fisch?) beschäftigt.
                                Dann eben nicht, ich brauche jetzt erst mal einen Riegel!
                                Den Riegel noch halb im Mund finde ich auf dem Mobiltelefon Bernds Nachricht. Seinen Worten nach ist es auf der Insel auch nicht soo toll und wir verabreden uns bei der Rogenstuga.
                                Ich schnappe mir meine Sachen und schwenke auf einen deutlichen Pfad ein.
                                Keine 5 Minuten später stehe ich an der Rogenstuga, wo Bernd bereits kurz vorher eingetroffen ist.
                                Natürlich kocht er erst mal für uns einen Kaffee und danach sieht die Welt schon wieder viel besser aus.



                                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 22088492-E54C-4515-99F0-65DD5423D972_1_201_a.jpeg Ansichten: 117 Größe: 5,97 MB ID: 3014174

                                Rogenstuga

                                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 4F64806A-DD5F-4344-95C7-DBA90ADC314D_1_201_a.jpeg Ansichten: 120 Größe: 5,59 MB ID: 3014175

                                Gehört zur Rogenstuga

                                Wir einigen uns recht schnell über unseren neuen Tour - Verlauf: Ein kleines Stück zurück in Richtung Käringsjön, dann auf einen markierten Pfad wechseln und diesen für ingesamt etwa 8,5 km folgen, bis zum Ende der roten Bucht, Rödviken. Dort ist ein Windschutz eingezeichnet, bei dem sich vielleicht auch gut zelten lässt. Sonst findet sich gewiss etwas in der Nähe.
                                Morgen wollen wir dann dem Bustvålen, ein knapp 1000m hoher Aussichtsberg, einen Besuch abstatten. Zelt wollen wir stehen lassen und nach unserer Rückkehr alles einpacken, um dann über den Öster - Rödsjön zum Väster - Rödsjön zu einer eingezeichneten Hütte zu paddeln.
                                Im Verlauf der nächsten zwei Tage wollen wir den vielen, kleinen Seen in Richtung Käringsjön folgen, kleine Umtragen über Land inbegriffen. Über den Stor - Tandsjön, Öster - und Väster - Vingarna wieder zurück nach Käringsjön. So soll sich der Kreis schließen.



                                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: F5CA2D32-15D6-44F3-8400-6EA3F4E8867A_1_201_a.jpeg Ansichten: 124 Größe: 6,57 MB ID: 3014177

                                Durch den Rogen - Wald


                                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 070057D5-01D1-4477-B23F-549A8A61B902_1_201_a.jpeg Ansichten: 119 Größe: 5,56 MB ID: 3014176


                                Bei bestem, sonnigen Wetter brechen wir um die Mittagszeit auf.
                                Über den Weg, bis zum Ende der roten Bucht, gibt es eigentlich nicht viel zu erzählen.
                                Alles gut zu finden und am Ende stehen wir vor dem erhofften Windschutz. Wenig spektakulär, doch vor allem völlig ungeeignet für einen Zeltaufbau.
                                Also schauen wir, ob wir direkt etwas am Öster - Rödsjön finden. Hier gibt es ein paar einzelne Bootsschuppen und die eine, oder andere kleine Hütte, doch ist alles einsam und verlassen - niemand weit und breit zu sehen.
                                Nach einigem Suchen findet am Ende jeder von uns im recht rauem und unebenem Gelände ein Plätzchen für sein Zelt.
                                Mein Platz, direkt unter einer Kiefer ist der einzige, größere und ebene Platz weit und breit.
                                Glück gehabt.
                                Trotzdem dauert es wieder eine Ewigkeit, bis ich zufrieden bin und mein Zelt endlich vernünftig steht.
                                Als ich schließlich mein Abendessen zubereiten kann, wird es bereits etwas duster. Bernd hat zu diesem Zeitpunkt bereits seinen Abwasch längst erledigt. Sein Akto steht immer im Handumdrehen.
                                Vielleicht hätte ich doch das Unna, Chinook…..

                                Ich schaue auf das Zelt und dieses wunderbare Ensemble aus Wasser, Ufer und knorrigen Kiefern, die einen magischen, umwölkten Himmel zu berühren scheinen.
                                Dieser Platz ist wunderschön, ja, einmalig, und im letzten Licht der untergehenden Abendsonne berührt mich ein Windhauch ganz sanft in meinem Nacken, fast mystisch - unerklärlich, wie ein Kuss von…..ich habe Tränen in den Augen und bin fast ein wenig überfordert, überwältigt geradezu „angefasst“ von dieser gewaltigen Emotion.
                                Deshalb bin ich hier, für diese Momente, wenn die Seele der Natur die Seele des Menschen berührt.
                                So innig und tief beseelt schlafe ich „wie auf Wolken im goldenen Licht“.



                                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 0BB0EA49-9FA7-4DBE-99F0-044318E6DCAD_1_201_a.jpeg Ansichten: 118 Größe: 3,78 MB ID: 3014178

                                Camp am Öster - Rödsjön


                                Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: 78AAE163-E493-4D9B-893A-535EE3132DE4_1_201_a.jpeg Ansichten: 119 Größe: 4,64 MB ID: 3014179
                                Zuletzt geändert von evernorth; 23.01.2021, 12:53.
                                My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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                                • Freedom33333
                                  Dauerbesucher
                                  • 09.09.2017
                                  • 634

                                  • Meine Reisen

                                  #36
                                  Wie viel wiegt denn das rote Zelt & Was war für dich der Grund das mitzunehmen? So richtig komme ich bei deinen Zelten nicht mit. Weil dass das Unna recht schwer ist ok, dann hattest du doch das Chinook als leichtere Variante, im Sarek letztes Jahr hattest du ein noch leichteres Zelt mit Rundbogen - und jetzt wieder ein anderes. Worin liegt der Vorteil dieses Zelts gegenüber den beiden anderen? Noch leichter?

                                  Zitat von Borgman Beitrag anzeigen
                                  Statt des sehr leichten Fly-Paddels hatte ich dieses Mal das Anfibio Basic 4p benutzt - ein wirklicher Komfortgewinn. Wenn man mehr als nur eine kurze Strecke paddelt, lohnt sich das Mehrgewicht.
                                  Da muss ich nochmal mit einer Ausrüstungsfrage einhaken. Ich hatte bisher schon irgendwie das Fly Paddel auf dem Schirm fürs Trekking, wiegt es doch immer nur die Hälfte des anderen. Was genau ist beim Fly anders? Ist das Blatt kleiner und damit das Paddeln anstrengender? Oder woran liegt es?

                                  Siehst du dann denn überhaupt noch legitimen Anwendungsbereich für das Fly, wenn du es nichtmal beim Trekking mitnimmst?

                                  Jenseits des Komfortgewinns stellt sich dann ja auch die Frage der Sicherheit. Wenn nämlich die Überfahrt über eine kritische Stelle bei nicht wenig Wind, wie du es ja hattest, schon verlangt, dass du dich körperlich anstrengen musst, dann wäre das ja womöglich mit schlechterem Paddel auch gefährlicher.

                                  @ Tom welches Paddel hattest du?

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                                  • evernorth
                                    Fuchs
                                    • 22.08.2010
                                    • 1479

                                    • Meine Reisen

                                    #37
                                    Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen
                                    Wie viel wiegt denn das rote Zelt & Was war für dich der Grund das mitzunehmen? So richtig komme ich bei deinen Zelten nicht mit. Weil dass das Unna recht schwer ist ok, dann hattest du doch das Chinook als leichtere Variante, im Sarek letztes Jahr hattest du ein noch leichteres Zelt mit Rundbogen - und jetzt wieder ein anderes. Worin liegt der Vorteil dieses Zelts gegenüber den beiden anderen? Noch leichter?

                                    Bei meinen zahlreichen Zelten verliere ich auch langsam den Überblick....
                                    Das Zelt wiegt etwa 1300g und war das Leichteste der Zelte, die ich dabei hatte. Ich wollte es unbedingt mal unter Tour - Bedingungen testen. Außerdem wollte ich dem höheren Boots - Gewicht etwas entgegensetzen, Ich war allerdings reichlich konsterniert, wie viel „Tuning“ so ein Mid auf Tour benötigt. Ich habe auf den letzten Tagen noch einmal das Zelt gewechselt. Dazu später mehr.


                                    Da muss ich nochmal mit einer Ausrüstungsfrage einhaken. Ich hatte bisher schon irgendwie das Fly Paddel auf dem Schirm fürs Trekking, wiegt es doch immer nur die Hälfte des anderen. Was genau ist beim Fly anders? Ist das Blatt kleiner und damit das Paddeln anstrengender? Oder woran liegt es?

                                    Bernd wird bestimmt noch etwas zu ergänzen haben, aber ich habe mich auch bereits mit dem Fly beschäftigt.
                                    1. Das Blatt ist deutlich kleiner. 2. Das Blatt - Material ist dünner und filigraner. Dadurch lässt sich nicht so druckvoll paddeln, es gibt mehr nach. 3. Der Paddel - Schaft hat einen deutlich geringeren Durchmesser. Dadurch „greift“ er sich nicht so gut. Aber: Es ist seehr leicht und wiegt etwa nur die Hälfte.


                                    Siehst du dann denn überhaupt noch legitimen Anwendungsbereich für das Fly, wenn du es nichtmal beim Trekking mitnimmst?

                                    Ja, natürlich! Wenn es aufs Gewicht ankommt.
                                    Trekking stand ja diesmal nicht ganz so im Vordergrund. Wir sind ja häufiger auf dem Wasser gewesen, als an Land.


                                    Jenseits des Komfortgewinns stellt sich dann ja auch die Frage der Sicherheit. Wenn nämlich die Überfahrt über eine kritische Stelle bei nicht wenig Wind, wie du es ja hattest, schon verlangt, dass du dich körperlich anstrengen musst, dann wäre das ja womöglich mit schlechterem Paddel auch gefährlicher.

                                    @ Tom welches Paddel hattest du?

                                    Ich hatte ein Aquabound Sting Ray dabei.


                                    Zuletzt geändert von evernorth; 20.01.2021, 16:14.
                                    My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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                                      #38
                                      @Freedom33333: Zum Anfibio Fly hat Tom schon alles gesagt – genau so sehe ich das auch. Bei den Touren, wo Gewicht und Packmaß im Vordergrund stehen, werde ich das Fly auf jeden Fall wieder nutzen. 2019 bin ich damit ja auch prima klargekommen.


                                      03. September: Bustvålen

                                      Nachdem wir gestern so lange nach einem geeigneten Zeltplatz gesucht hatten und ich dann mein Zelt („für das Akto findet man überall was“) kurzerhand an die am wenigsten hubbelig aussehende Stelle setzte, war ich doch angenehm überrascht wie saumäßig bequem ich hier lag. Schweinegemütlich! Das dicke Moos unter mir passte sich perfekt meiner Seitenschläfer-Position an.

                                      Ausgeruht und für meine Verhältnisse recht spät koche ich einen ersten Kaffee und warte darauf, dass sich im roten Zelt was regt. Wir wollen die Zelte hier stehen lassen und am Vormittag ohne Gepäck auf den Bustvålen steigen. Der Berg verspricht einen netten Rundumblick, ist aber mit 996m nur knapp 240 Meter höher als der Rogen und somit auch für faule Gesellen wie uns ohne übermäßige Anstrengung zu bewältigen. Im Gegensatz zu den vorherigen Tagen drängt es mich nicht zu einem frühen Aufbruch. Anscheinend komme ich langsam dem entspannten Zustand zeitloser Gelassenheit näher, den Tom bereits perfektioniert hat.

                                      Heute ist es ja auch völlig egal, wann wir was machen. Mit dem anhaltend kräftigen Südwind werden wir uns später noch ein Stück auf den Väster-Rödsjön treiben lassen und morgen dann das Gewirr von kleinen Seen in Richtung Käringsjön erkunden. Wenn das Wetter mitspielt - es ist Regen angesagt. Gedankennotiz: Telefon mitnehmen und auf dem Bustvålen die Vorhersage checken. Hier unten gibt es nämlich kein Netz.

                                      Tom ist inzwischen aktiv und bereitet sein Porridge zu. Was nicht heißt, dass wir bald aufbrechen. Wer die Langsamkeit entdecken will, darf sich nicht zu viel auf einmal vornehmen. Ich bin ja noch blutiger Anfänger auf dem Gebiet, soll heißen immer einen oder zwei Schritte voraus. Leben kannst du nur in der Gegenwart, nicht in der Zukunft, also schau und lerne.

                                      Als ich meinen Leichtrucksack mit allen lebenswichtigen Dingen für eine unvergessliche Gipfeltour gepackt habe und zu Toms Zelt hinüberschlendere um ihn ein bisschen zu motivieren, sortiert er gerade in aller Seelenruhe seine Sachen. Also, nicht dass das jetzt nötig wäre, wir lassen sie ja hier, aber ich glaube, es ist für ihn eine Art von Meditation um die innere Ordnung zu erhalten. Das dauert immer gut und gerne eine Stunde. Vielleicht hilft es, wenn ich so unaufdringlich wie möglich daran erinnere, dass wir eigentlich jetzt was vor haben. „Ich will ja nicht drängeln, aber wir könnten dann langsam aufbrechen.“ - „Ja, na klar - Bustvålen ... bin gleich fertig ... ... ... die Piezozündung funktioniert jetzt übrigens gar nicht mehr ... das kann doch nicht an der Temperatur liegen ... so kalt ist es heute nicht ... also, das hatte ich beim Soto Windmaster nie ...“

                                      Tom lässt alles stehen und liegen und beginnt ein Gespräch über Kocher. Dazu kann ich nur sagen, dass mein Trangia nie einen Piezozünder hatte und ich auch nie einen vermisst habe. Aber hätte er einen, dann fände ich es nur recht und billig, dass dieser auch funktioniert. Was natürlich irrelevant ist, das ganze Thema ist jetzt irrelevant. Andererseits steht der Bustvålen auch in zwei Stunden noch da, morgen bestimmt auch noch, und mit etwas Glück vielleicht sogar noch übermorgen. Also, hey, entspann dich - nur der Augenblick ist wichtig. Willkommen in der wunderbaren Welt der Langsamkeit!

                                      Älskade vare de som sätter sig”, denke ich und suche einen guten Sitzstein. Das Zitat aus einem Gedicht von César Vallejo in dem Film „Sånger från andra våningen“ (Songs from the Second Floor) kommt mir bestimmt nicht ohne Grund in den Sinn. Fühle ich mich wie eine Figur aus einem Roy-Andersson-Film? Ja klar, manchmal schon, aber heute nun überhaupt nicht.

                                      Allt har sin tid, Pelle. - Jojo. - Pyramiderna hade sin tid. - Jao, visst, visst. - Ångloken hadde sin. - Förlåt, vad sa du? - Ångloken... - Ja. - ...hade sin tid!“ Genau, das ist es: alles hat seine Zeit. Die Dampflokomotive hatte ihre Zeit. Geburt hat ihre Zeit und Tod hat seine Zeit. Pflanzen hat seine Zeit und Ernten hat seine Zeit. Sachen sortieren hat seine Zeit und zum Bustvålen wandern hat seine Zeit. Der Piezozünder vom Primus hatte seine Zeit, wenn auch nur eine sehr kurze. Tom hat seine Zeit und ich habe meine. Manchmal passt es zusammen und manchmal nicht.

                                      Abschweifen hat seine Zeit und Weiter-im-Bericht hat seine Zeit.



                                      Wanderung zum Bustvålen




                                      Öster-Rödsjön


                                      Rogen, Rödvika


                                      Skedbrofjället


                                      Väster-Rödsjön

                                      Der Anstieg ist von Osten tatsächlich genau so einfach, wie es auf den Bildern aussieht. Nur sehr kurz überlegen wir, ob es lohnt, noch auf den westlichen, etwas höheren Gipfel zu laufen, entscheiden dann aber dagegen. Besser kann der Blick von da auch nicht sein, zumal der Wind über die Höhen noch viel ungemütlicher bläst als unten am See. Wir suchen eine geschützte Stelle für ein Müsliriegel-Päuschen, ergötzen uns an der prächtigen Aussicht und konsultieren den Wetterpropheten. Morgen dreht der Wind auf West, außerdem soll es bis Mittag regnen. Danach bleibt es wechselhaft.

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                                        Mensch Bernd, was hast du da für eine Perle rausgehauen!
                                        Tom der Gelassenheitsguru mit seinem quengeligen Novizen...
                                        Wobei letzterer literarisch und fotografisch auch schon Oberguru ist.

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                                          Ja, das ist tatsächlich ein literarischer Edelstein über das Er-warten ... wunderschön. Gut dass ich das schon mal mündlich gehört hatte, da hat die Geschichte einen etwas anderen Eindruck hinterlassen .

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