[NO] Von der Freude am Scheitern

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  • ChuckNorris
    Erfahren
    • 03.08.2018
    • 148

    • Meine Reisen

    #41
    AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

    Schön, feedback. Das freut mich :-)

    Ich hab die ganze Tour als GPS Track aufgezeichnet. Ich muss mir allerdings noch überlegen in wie fern ich das alles teile. Bei den Streckenabschnitten die unkritisch / leicht sind habe ich damit gar kein Problem. Teils haben die mich ja auch über markierte Wege geführt. Da überlege ich ob ich das auch gleich in OSM eintrage. Bei den haarigeren Stellen muss ich mal schauen wie ich das mache, ggf. mit einer groben Skizze verlinkt über Norgeskart. Bei Interesse teile ich auch da den genauen Track gern per PN oder so. Ich will nur vermeiden, dass Tracks im Netz landen auf die sich dann jemand verlässt , der nicht weis worauf er sich einlässt. Mal sehen.

    Bzgl. der Namen: bei der Litlvasshytta hab ich mich tatsächlich verschrieben. Ich werde das korrigieren. Wenn ihr noch mehr so Fehler findet, immer her damit. An sich mache ich mir schon die Mühe die ganzen Sonderzeichen zu benutzen, normalerweise sollte man die Ortsbezeichnungen z.B. auf Norgeskart.no damit finden können. Manchmal gibt's halt alternative Schreibweisen, da wird's dann schwieriger.

    Dass Fjellgarden nicht bei Statskog zu finden ist hat mich auch überrascht. An der Hütte hängt aber ein fettes Statskogen Schild. Verlassen oder gar aufgegeben ist die Hütte definitiv nicht. Ich vermute mal, dass der Ofen im Sommer einfach länger nicht benutzt wurde.

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    • Voronwe
      Erfahren
      • 03.04.2008
      • 437

      • Meine Reisen

      #42
      AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

      Zitat von Ljungdalen Beitrag anzeigen
      Btw, die "Littlvasshytta" heißt in der Norgeskart "Litlvasshytta", analog zum namensgebenden See Litlvatnet und dem daraus entfließenden Litlvasselva. Beim Besitzer "Vefsn Jeger- og Fiskerforening (VJFF)" ist der Name interessanterweise Litjvasshytta (ist das so ein Bokmål-vs.-Nynorsk-Ding?)...
      Tippfehler? Mit Landschaftsnamen ist es doch sowieso so, daß man sich öfters nicht auf eine Schreibweise einigen kann. Im Schwarzwald hatte ich jetzt den Fall, daß sich die Schilder nicht einig waren, ob es "Schmiedberger" oder "Schmidberger" Platz heißt.

      OT:
      Ich habe vor einiger Zeit mal einen Vortrag gehört, wie hier im Württembergischen die Flurnamen in die Karte gekommen sind. Da kamen so um 1830 die Vermesser aus Stuttgart, haben die lokale Bevölkerung gefragt und dann das hingeschrieben, was sie aus dem Bruddeln verstanden haben. In Tübingen gibt es eine "Hafengasse", die eigentlich "Hafnergasse" heißen müsste (Hafner = Töpfer). Vielleicht gibt es auch irgendwo Flurnamen, die "Mirdochwursch" heißen
      "We aren't lost! We only don't know where we are!" - Cartman

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      • Enja
        Alter Hase
        • 18.08.2006
        • 4247

        • Meine Reisen

        #43
        AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

        Ja, so läuft das. Erst werden die Flurnamen mündlich überliefert. Irgendwann werden sie aufgeschrieben. Und je nachdem.....

        ist das so ein Bokmål-vs.-Nynorsk-Ding?
        Wer weiß. Die "norwegische" Sprache in der heutigen Form ist nicht älter als der Staat. Und der ist noch sehr jung. Diese vielen abweichenden Schreibweisen machen natürlich die Navigation nicht einfacher. Aber Linguisten viel Freude. Ich erinnere nur an die 2. niederdeutsche Lautverschiebung. Insofern kam mir in Norwegen meine niederdeutsche Kindheit wieder hoch.

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        • ChuckNorris
          Erfahren
          • 03.08.2018
          • 148

          • Meine Reisen

          #44
          AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

          ist das so ein Bokmål-vs.-Nynorsk-Ding?
          Wenn ich mich recht erinnere, dann gibt es doch in manchen Gegenden sogar noch Ortsbezeichnungen die auf Samisch geschrieben werden. Alles nicht so einfach.

          Ich werde mal anfangen am Ende der existierenden Posts einen Kartenlink mit der groben Route anzuhängen.

          @Freedom33333 und Ljungdalen: also nochmal zurück scrollen wenn ihr jetzt schon eine genauere Sicht auf die Route haben wollt. Sobald ich die Tracks sortiert und irgendwie online verfügbar gemacht habe, kann ich euch die auch direkt zukommen lassen. Vielleicht müsst ihr mich da nochmal dran erinnern.

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          • Enja
            Alter Hase
            • 18.08.2006
            • 4247

            • Meine Reisen

            #45
            AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

            In der Finnmark werden alle Schilder norwegisch/Sami/Finnisch beschriftet. Sami und Finnisch unterscheiden sich aber sehr stark vom Norwegischen. Das kann man nicht verwechseln.

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            • Borgman
              Dauerbesucher
              • 22.05.2016
              • 512

              • Meine Reisen

              #46
              AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

              Sehr geil! Das Nadelöhr zwischen Nordre Austerfjorddalen und Vistfjellet hatte mir schon bei der Planung zur Tour 2016 Kopfzerbrechen bereitet, zumal damals kein brauchbarer Bericht im Netz zu finden war. Ein Foto der Schlüsselstelle wäre natürlich das Sahnehäubchen gewesen , aber Deine Beschreiung ist auch so sehr hilfreich. Was für ein Glück, dass Du in Fjellgården gelandet bist und nicht vor der verschlossenen Litlvasshytta standest. In der topographischen Karte fehlen manche Hütten und Brücken, deshalb noch mal der Hinweis auf Turkart Helgeland - diese Seite ist m.E. unverzichtbar für die Tourplanung.

              "Litj" ist übrigens Trøndersk, also Dialekt. Hier ungewöhnlich, weil eigentlich die Gemeinde Bindal als nördlichste Gegend gilt, in der trøndersk gesprochen wird.

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              • ChuckNorris
                Erfahren
                • 03.08.2018
                • 148

                • Meine Reisen

                #47
                AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

                Sehr geil!
                Danke.

                Ein Foto der Schlüsselstelle wäre natürlich das Sahnehäubchen gewesen
                Das stimmt. Ich hab mich beim Bilder durchschauen auch geärgert, dass ich keins gemacht habe. Aber du kennst das bestimmt, manchmal hat man einfach genug und ist erstmal nur froh, dass man eine bestimmte Stelle geschafft hat. Hier war das so.

                Mit den Karten nimmst du schon das Thema von Rant Nr. 2 vorweg :-) Da kommt noch ein bisschen was.

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                • zhnujm
                  Erfahren
                  • 29.12.2008
                  • 402

                  • Meine Reisen

                  #48
                  AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

                  Zitat von ChuckNorris Beitrag anzeigen
                  Zu gerne würde ich ja sagen: "Chuck Norris scheitert nicht am Wetter. Das Wetter scheitert an Chuck Norris." War aber nicht so, doch dazu später mehr.

                  Grüße
                  Michi
                  Wenn du auch nur einen Tag hattest mit so schönem Wetter wie auf deinen Bildern zu sehen ist hattest du verdammtes Glück
                  Ich fahre seit Jahren im Urlaub Norwegen rauf und runter und nie hat sich ein vernünftiges Wetterzeitfenster für Lomsdal Visten ergeben...

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                  • ChuckNorris
                    Erfahren
                    • 03.08.2018
                    • 148

                    • Meine Reisen

                    #49
                    AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

                    Ich fahre seit Jahren im Urlaub Norwegen rauf und runter und nie hat sich ein vernünftiges Wetterzeitfenster für Lomsdal Visten ergeben...
                    Gräme dich nicht. Gegen Ende meiner Tour kommen ein paar Ecken die ich so nie eingeplant hätte, die aber mehr als lohnenswert sind. Da kann man auch mal was als kurze Tour unterbringen. So zu sagen zum reinschnuppern.

                    Mein Wetterkarma hat sich inzwischen halbwegs ausgeglichen. Meine ersten zwei Touren waren jeweils im Hochsommer. Da hatten wir fast 14 Tage lang, 24 h Sonne und haben haben uns gefreut wenn es mal geregnet hat. Danach hat sich das Glück dann gewendet, bzw. bin ich dann halt zweimal erst deutlich später gefahren.

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                    • ChuckNorris
                      Erfahren
                      • 03.08.2018
                      • 148

                      • Meine Reisen

                      #50
                      AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

                      TAG 8 | 22.8.2020 SAMSTAG



                      Es regnet fast den ganzen Tag, nicht stark aber ausdauernd. Noch ist es mit 18°C ziemlich warm. Ich hacke Holz und lese. Irgendwann durchsuche ich die Hütte nach einem Schleifstein. Wenn ich schon nichts zu tun habe, könnte ich ja zumindest die Äxte schleifen. Beide sind schartig und stumpf. Ich finde aber nichts.



                      Mehr gibt es zu dem Tag nicht zu sagen.

                      TAG 9 | 23.8.2020 SONNTAG

                      Ich hacke noch mehr Holz und lese mein nächstes Buch. Den ganzen Tag regnet es stark bei viel Wind. Es wird kälter.

                      Gegen Mittag kommt eine Familie mit zwei Hunden auf die Hütte. Sie bereiten die Hütte für die Jagdsaison vor. Der Mann repariert die Stockbetten in einer der Kammern. Derweilen ratschen die Frau und der Opa bei mir am Tisch. Wir kommen ein wenig ins Gespräch und sprechen über meine weiteren Pläne. Sie verraten mir wo ich eine kleine Hütte, ganz in der Nähe meiner geplanten Route rüber zum Vistvasselva finden kann. Auch von den offenen Hütten im Stavvassdalen erzählen sie mir. Ich versuche mir zu merken welche Hütten unverschlossen sind und welche nicht.

                      Sie können nicht glauben, dass ich keine Angelrute mitgenommen habe. Offenbar hätte man überall prima fischen können. Vielleicht kaufe ich mir in Trofors eine, mal sehen.

                      Die Frau verrät mir noch, dass es weiter unten am Weg jede Menge Blaubeeren geben soll. Pfifferlinge hat sie auch gefunden. Die riesigen Schwammerl, die ich überall gesehen habe kann man aber nicht essen.

                      Als die Familie wieder geht, lassen sie mir eine Art gefüllte süße Pfannkuchen und eine Packung dieser grausigen Wiener da. Großartig. Ein Abendessen mehr. Ich habe einen Tag mehr Zeit, bevor mir das Essen ausgeht. Ein Tag mehr Reichweite.



                      Am Nachmittag mache ich mich dann selber auf die Suche nach Blaubeeren und Pfifferlingen. Beeren finde ich ein paar, Schwammerl leider keine die ich kenne.

                      Am Abend blättere ich im Hüttenbuch und lese im letzten Eintrag vom „hyggelig tysker“ den die Familie hier in der Hütte getroffen hat. Das gefällt mir.



                      TAG 10 | 24.8.2020 MONTAG

                      Vormittags regnet es immer noch ausdauernd. Es ist kalt, 8°C. Ich wollte eigentlich heute zu Litlvasshytta weiterziehen. Vormittags ist das Wetter zu schlecht, nachmittags ist es in der Hütte zu gemütlich, als dass ich noch los möchte. Es macht eh keinen Unterschied.



                      Nochmal warten auf besseres Wetter. Ich bin froh, dass ich noch fast 14 Tage habe bevor ich zurückfliege. Kein Grund im Regen herum zu laufen. Ich hoffe nur, dass sich bald ein stabiles Hoch einstellt, oder zumindest das Barometer wieder aufwärtssteigt. 989 HPa.

                      Ein bisschen was habe ich ja doch noch vor. Jetzt aber erstmal noch ein bisschen warten...

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                      • Fjellfex
                        Dauerbesucher
                        • 02.09.2016
                        • 554

                        • Meine Reisen

                        #51
                        AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

                        Jessas! Da hat Dir Lomsdal-Visten ordentlich die Zähne gezeigt...

                        Das ist ja von Haus aus die krasseste Gegend Norwegens (nach meinem Dafürhalten): diese fiesen Klüfte, die das Gebiet durchziehen, in Kombination mit Sümpfen, glatten Felsplatten und nerviger Vegetation sowie bei Regen brutal anschwellenden Flüssen...

                        Und dann noch mehrere Tage Dauerregen!

                        Wenigstens hattest Du den Fjellgården - wesentlich besser, als das im Zelt auszusitzen.
                        Zur dortigen Wasserproblematik: als ich 2016 dort war, gab es bei der Hütte Wasser - auf der Wiese, Richtung NO von der Hütte, war eine Art Holzkiste, die ein Becken schützte, in dem das Wasser eines Rinnsals gesammelt wurde.

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                        • Ljungdalen
                          Fuchs
                          • 28.08.2017
                          • 1544

                          • Meine Reisen

                          #52
                          AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

                          Zitat von ChuckNorris Beitrag anzeigen
                          Oh. Das hatte ich mir nach deiner vorherigen Charakterisierung ("unbehaglich") aber anders vorgestellt...

                          Zitat von ChuckNorris Beitrag anzeigen
                          Die riesigen Schwammerl, die ich überall gesehen habe kann man aber nicht essen.
                          Sind das nicht Birkenpilze? OK, meist um die Jahreszeit schon zu alt und mit Wasser vollgesogen, aber prinzipiell kann man die doch essen. Im Sarek (bzw. am Rand des selbigen) habe ich auch ein paar junge gesehen, hatte nur keinen Appetit.

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                          • ChuckNorris
                            Erfahren
                            • 03.08.2018
                            • 148

                            • Meine Reisen

                            #53
                            AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

                            diese fiesen Klüfte, die das Gebiet durchziehen, in Kombination mit Sümpfen, glatten Felsplatten und nerviger Vegetation sowie bei Regen brutal anschwellenden Flüssen...
                            Das ist eine ziemlich gute Zusammenfassung :-) Die Flüsse waren diesmal nicht so dass Problem, weil ich auf meiner Route nix größeres queren musste. Ein massives Problem war bei mir oft die Sicht. Weil das Gebiet direkt am Meer liegt, kommen die Wolken auch richtig tief runter und müssen erst hier nach Oben ausweichen. In Kombination mit den Klüften bedeutet das einfach, dass man nicht weiter kann, weil man nichtmal ein paar Meter voraus planen kann.

                            Zur dortigen Wasserproblematik: als ich 2016 dort war, gab es bei der Hütte Wasser - auf der Wiese, Richtung NO von der Hütte, war eine Art Holzkiste, die ein Becken schützte, in dem das Wasser eines Rinnsals gesammelt wurde.
                            Genau dieses Ding habe ich auch gefunden. Ich hab's zuerst für eine kaputte Hundehütte gehalten. Das war aber trocken und bis oben mit Matsch voll. Bin mir nicht sicher, ob ich da Wasser geholt hätte, wenn es welches gegeben hätte.

                            Oh. Das hatte ich mir nach deiner vorherigen Charakterisierung ("unbehaglich") aber anders vorgestellt...
                            Ja, ich hab mich da mit der Beschreibung ein bisschen schwer getan. Es gibt halt einen ziemlich großen Raum (den man auch auf den Fotos sieht) und dahinter zwei kleine Kammern. Tagsüber war das auch echt gemütlich, obwohl es ewig dauert, bis der Ofen die Hütte aufheizt. Im Dunkeln fand ich es aber kurz vor der Grenze zu gruselig, unbehaglich eben. Das lag eigentlich nur daran, dass es überhaupt kein Licht gab. Einen Kerzenstummel habe ich gefunden, der hat aber nicht lange gehalten. Lampenöl hab ich erst am letzten Tag gefunden, da war es dann ein bisschen gemütlicher.


                            Sind das nicht Birkenpilze?
                            Keine Ahnung was das war. Birkenpilze waren es, glaube ich, nicht. Außer in Norwegen haben sie die Chernobyl-Version von Birkenpilzen. Die Schwammerl die ich meine waren locker so groß wie ein großer Essteller. Der Jäger meinte die wären giftig. Ich hab sie mir nicht genauer angeschaut, weil ich nichts dabei hatte um die sicher bestimmen zu können. Das was auf dem Pilzfoto bei Tag 2 zu sehen ist könnte schon ein Birkenpilz gewesen sein, die anderen waren aber massiv viel größer. Mal sehen ob ich auf einem Landschaftsfoto welche in der Ferne finde die ich markieren kann. Oft sind mir beim orientieren die Schwammerl eher ins Auge gesprungen, als die Steinmännchen :-)

                            Im Sarek (bzw. am Rand des selbigen) habe ich auch ein paar junge gesehen, hatte nur keinen Appetit.
                            Kannst ja mal anfangen deinen Bericht einzustellen. Bzw. wenn da noch einer mit Sarek im Titel kommt, dann liest hier keiner mehr mit. Wart mal noch bis das hier fertig ist
                            Zuletzt geändert von ChuckNorris; 02.10.2020, 19:01. Grund: Tötet alle Typos!

                            Kommentar


                            • vobo

                              Erfahren
                              • 01.04.2014
                              • 470

                              • Meine Reisen

                              #54
                              AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

                              Hej, mach riesig Spaß Deinen Bericht zu verfolgen. Und mit den Karten habe ich jetzt eine viel bessere Vorstellung von Lomsdal-Visten, habe mich bisher außer einigen Berichten hier im Forum noch nicht damit beschäftigt. Aber drei Tage Regen ist ja auch echt heftig ...

                              Kommentar


                              • Ljungdalen
                                Fuchs
                                • 28.08.2017
                                • 1544

                                • Meine Reisen

                                #55
                                AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

                                Zitat von ChuckNorris Beitrag anzeigen
                                Birkenpilze waren es, glaube ich, nicht. Außer in Norwegen haben sie die Chernobyl-Version von Birkenpilzen. Die Schwammerl die ich meine waren locker so groß wie ein großer Essteller. Der Jäger meinte die wären giftig.
                                Können durchaus so groß sein. Hut bis fast 30 cm habe ich schon gesehen. Aber dann normalerweise viel zu alt. "Giftig" ist Quatsch (essen Jäger nicht nur Fleisch und haben darum von Pilzen keine Ahnung? ) Wirklich lebensgefährliche Röhrenpilze gibt es (zumindest in Europa) nicht, Satanspilz ziemlich unangenahm, aber den erkennt man. Plus manche ungenießbar/bitter (Gallenröhrling a.k.a. Bitterling... der ist sogar ähnlich, aber unten hell, fast weiß... kann man ein kleines Stück roh probieren).

                                "Tschernobyl" übrigens ein beachtenswerter Punkt. Norwegen weiß ich auf Anhieb nicht, aber in Teilen Schwedens sind Pilze immer noch belastet. Aber die Isotope, die da am meisten heruntergekommen sind (Strontium 90 & Cäsium 137), haben eine Halbwertszeit von ca. 28 bzw. 30 Jahren, also ist jetzt zumindest mehr als die Hälfte "weg". Und wenn man nur ein paar Mal im Jahr solche Pilze ist, schadet das kaum. Menge zu gering.

                                Zitat von ChuckNorris Beitrag anzeigen
                                Bzw. wenn da noch einer mit Sarek im Titel kommt, dann liest hier keiner mehr mit. Wart mal noch bis das hier fertig ist
                                Jo, dauert noch...

                                Kommentar


                                • ChuckNorris
                                  Erfahren
                                  • 03.08.2018
                                  • 148

                                  • Meine Reisen

                                  #56
                                  AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

                                  Hej, mach riesig Spaß Deinen Bericht zu verfolgen. Und mit den Karten habe ich jetzt eine viel bessere Vorstellung von Lomsdal-Visten, habe mich bisher außer einigen Berichten hier im Forum noch nicht damit beschäftigt. Aber drei Tage Regen ist ja auch echt heftig ...
                                  Ich lese deine Berichte auch immer sehr gern, von daher freut mich das Lob besonders. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich mit der Gegend zu beschäftigen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es dir da gefallen würde. Immerhin ist es mir gelungen den Regen an einem guten Stützpunkt auszusitzen, von daher hatte ich echt Glück im Unglück. Drei Tage im Zelt abwettern hätten mich wahrscheinlich wahnsinnig gemacht.

                                  essen Jäger nicht nur Fleisch und haben darum von Pilzen keine Ahnung?
                                  Wahrscheinlich ist das so. Wobei Rehgulasch mit Schwammerl... Vielleicht hat mich der gute Mann auch nur falsch verstanden. Um Fjellgarden herum, wo ich ihn getroffen habe, gab es an größeren Pilzen eigentlich nur Fliegenpilze. Vielleicht hat er gedacht, dass ich ein Depp bin der Fliegenpilze essen will :-)
                                  Dass bei uns der Satanspilz der einzige unangenehme Röhrenpilz ist weiß ich, aber ich war mir nicht sicher wie das in Norwegen ausschaut. Nächstes Mal werde ich mich dann wohl nur von Forellen und Birkenpilzen ernähren.

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                                  • lina
                                    Freak

                                    Vorstand
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                                    • 12.07.2008
                                    • 37090

                                    • Meine Reisen

                                    #57
                                    AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

                                    Total schön, auch bei Regen
                                    Freu mich auf die Fortsetzung

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                                    • Enja
                                      Alter Hase
                                      • 18.08.2006
                                      • 4247

                                      • Meine Reisen

                                      #58
                                      AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

                                      Am 22., 23. und 24.8. haben wir uns des Dauerregens auf den Lofoten erfreut. Es gab dann noch einzelne trockene Tage. Aber im Grunde war es der Einstieg in zwei Wochen Regen. Wobei die Wolken immer tiefer kamen. So dass irgendwann wirklich nicht mehr viel zu wollen war. Nicht einmal stimmungsvolle Fotos.

                                      Letzten Endes haben wir immer gesucht, wo das Wetter besser war. Und landeten so gegen Ende recht zügig in Süd-Norwegen.

                                      Verregnet waren insgesamt 28 von 60 Tagen. Überwiegend war das Wetter also schön.

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                                      • ChuckNorris
                                        Erfahren
                                        • 03.08.2018
                                        • 148

                                        • Meine Reisen

                                        #59
                                        AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

                                        Verregnet waren insgesamt 28 von 60 Tagen.
                                        60 Tage? Jetzt bin ich einigermaßen neidisch :-)

                                        Einen längeren Zeitraum mit stabilem Wetter hatte ich auch nicht mehr. Immerhin waren einzelne schöne Tage oder halbe Tage dabei. Alles in allem, habe ich das beste daraus gemacht und hab einige sehr schöne Flecken entdeckt, die ich bei besserem Wetter niemals besucht hätte. Deswegen auch der Titel des Berichts.

                                        Freu mich auf die Fortsetzung
                                        Saukrasses Emoticon :-) Ich denke am späteren Nachmittag geht's weiter.

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                                        • ChuckNorris
                                          Erfahren
                                          • 03.08.2018
                                          • 148

                                          • Meine Reisen

                                          #60
                                          AW: [NO] Von der Freude am Scheitern

                                          TAG 11 | 25.8.2020 DIENSTAG

                                          Brr. Immer noch kalt!

                                          Und regnerisch. Ich heize erstmal die Hütte ein und lese mein Buch zu Ende. Zodiac von Neal Stephenson, sehr zu empfehlen.
                                          Dann packe ich gemächlich vor mich hin, fege die Hütte und richte Feuerholz und Zunder für die nächsten Besucher her. Gegen 12:00 geht es dann los. Weiter konnte ich meinen Aufbruch dann doch nicht mehr herauszögern.

                                          Natürlich regnet es immer noch. Macht aber nix. Für heute steht nur ein Hüttenwechsel an. Auch wenn am Ende alles nass ist, dann bekomme ich meine Sachen trotzdem wieder trocknen.

                                          Ich steige ab, quere den Skjorlægdelva auf der Hängebrücke und folge dem Fluss nach Süden. Immer auf gutem Pfad, der aber stellenweise völlig unter Wasser steht. Mehrmals muss ich Fröschen ausweichen, die 10 cm tief unter Wasser auf dem Pfad sitzen und die das Wetter so eigentlich ganz geil finden. Vier Tage Regen…



                                          Am Mølnbekken muss ich einen Bach furten, der normalerweise sicher völlig witzlos ist. Einen Finger tief vielleicht, ein größerer Schritt und drüber. Heute nicht.



                                          Direkt nebenan stürzt der Bach, der jetzt ein gutes Stück über meine Stiefelkante reicht, über einen kleinen Wasserfall unten in den Fluss. A bissl vor, a bissl zurück. Ach drauf geschissen, schnell einfach mitten durch. Ein bisschen mehr Wasser, als gedacht, schwappt oben in die Schuhe. Komisch, mit der Regenhose darüber hätte das besser klappen müssen. Hat wohl schon ein paar Löcher zu viel. Mit der Softshellhose geht sowas normalerweise immer trocken aus.

                                          Am Litlvasselva muss ich dann doch die Laufschuhe anziehen um rüber zu kommen. Weiter geht’s.

                                          Ewig viele Blaubeeren hat es hier. Ich male mir schon aus, wie ich die nachher sammeln werde und fühle mich wie Balu klick

                                          Bald erreiche ich die Litlvasshytta. Schnell rein, Feuer machen und aufwärmen. Zugesperrt.

                                          Scheiße! Da habe ich nicht richtig aufgepasst. Ich dachte der Jäger hätte gesagt die Hütte wäre offen. Das waren wohl doch zu viele Informationen auf einmal. Ich bin nicht ganz hinterhergekommen das alles in die Karte zu schreiben.

                                          Das macht aber nichts. Plan B ist sofort zur Hand. Auf zu der kleinen Hütte, die er mir auch beschrieben hat. Ich habe nicht allzu viel darauf gegeben. So wie er das beschrieben hat, hatte es sich eher wie ein Notnagel angehört: „Da steht so eine kleine Jagdhütte im Wald. Die ist offen. Nichts Besonderes, aber für einen allein reichts. Zwei Leute passen da höchstens rein.“
                                          Na gut. Zurück zum Litlvasselva, schweren Herzens wieder an den Blaubeeren vorbei. Dann dem Wegweiser nach, der zur Stokkbruk weist. Der Pfad verliert sich bereits nach 20 Metern im Sumpf. Gut, dass ich Gestern Abend alle Hütten und Brücken als Wegpunkte ins GPS eingetragen habe. Kurz vor der Stokkbruk finde ich auch den Pfad wieder.

                                          Ich quere den Storvasselva auf der Brücke, die direkt neben einem kleinen Wasserfall liegt. Jetzt nur noch diese Hütte finden. Direkt neben der Brücke, die nagelneu aussieht, verliert sich der Pfad bereits wieder. Ich navigiere querfeldein, recht einfach durch lichten Fichtenwald. Dann ein größerer Sumpf, den ich am Rand umgehe. Es kann nicht mehr weit sein.

                                          Da höre ich schon wieder einen Fluss rauschen. Stimmt. Ich erinnere mich. Die Hütte liegt auf der anderen Seite des Sæterelva. Eine passende Furt ist aber schnell gefunden.



                                          Diesmal fühlt sich der rechte Schuh irgendwie komisch an. Hah! Die nächste Sohle die sich verabschiedet. Wenn der getrocknet ist, dann habe ich wieder was zum Basteln.

                                          Ich laufe am Rand eines kleinen Sumpfes weiter und hoffe, dass ich die Hütte nicht lange suchen muss – und schon stehe ich direkt davor.

                                          Gut so. Mir ist recht kühl und mich freue mich ein Dach über meinem Kopf zu haben. Die Hütte ist offen.

                                          Es ist die Sæterskaret - auch von Statskogen. Schon ganz schön beknackt, dass die offenen und geschlossenen Hütten auf der Karte nicht zu unterscheiden sind. Diese Hütte ist sogar nur mit dem Symbol für „anderes Gebäude“ verzeichnet. Fjellgarden war überhaupt nicht eingezeichnet.

                                          Insgesamt bin ich doch 3 h und 10 km durch den Regen gelaufen. Hätte nicht gedacht, dass es so weit wird. Egal. Jetzt sitze ich schön im Warmen, in meiner winzigen Hütte mit nur zwei Betten. Der Ofen ist nicht voller Müll. Zwei Scheite Holz liegen darin, daneben ein bisschen Zunder. Die Kiste für Feuerholz neben der Tür ist gefüllt mit klein gehackten Scheiten.
                                          Hier fühle ich mich richtig wohl.

                                          Ich breite mich aus. Ich rechne nicht damit, dass hier noch jemand vorbeikommt. Trotz Regen und Kälte war es schön endlich wieder unterwegs zu sein.

                                          Mal sehen, wie das große Abenteuer morgen ausgeht. Das Wetter soll gut werden. Kalt, aber trocken. Vielleicht wird sogar die Sonne hin und wieder zwischen den Wolken heraus blitzen. Ich will ohne Gepäck versuchen doch noch zum Vistvasselva durchzukommen. Da will ich herausfinden, ob es eine Route von dort zu den Vistvatnet gibt – noch gebe ich nicht auf. Drei Tage habe ich abgewartet für diesen Versuch. Der einzige Anhaltspunkt für einen Übergang nach Westen ist ein Track auf ut.no, dem ich aber nicht ganz vertraue…

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