[SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

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  • evernorth
    Fuchs
    • 22.08.2010
    • 1467

    • Meine Reisen

    #21
    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

    Zitat von Ljungdalen Beitrag anzeigen
    Geht mir auch oft so, und später fragt man sich, wieso eigentlich. War diesmal auf unserer Tour aber nicht so - wie schon geschrieben, 3 Wochen nach dir - also hier ein paar Fotos zur Veranschaulichung (nur verlinkt, um mich hier nicht so "reinzudrängeln", wer interessiert ist, kann sich das ja angucken).

    Im mittleren Teil des Tales, die Berge sind Stuor Ruška (Rusjka) und Unna Ruškkaš. So sah der Pfad meist aus, also kaum ausgetreten und offensichtlich nicht allzu häufig begangen; wir haben auch auf der ganzen Strecke niemanden getroffen. Alles knochentrocken übrigens, es hatte seit Wochen, vielleicht seit evernorths Tour, nicht mehr geregnet. (Bei den Singihütten war der Bach ausgetrocknet, und Wasser musste aus 400 m Entfernung in Kanistern geholt werden, von Stugvärd und Gästen.)



    Das Talende sieht so aus. Irgendwo rechts gehts hoch, Pass ist die niedrigste Stelle. Schnee war bei uns schon weitgehend weg.

    Blick zurück vom Pass durchs ganze Neasketvággi nach Osten. Am Ende in 8 km Luftlinie Singi. Unter dem steilen Felshang links am (unteren) Beginn des Tals (Mádir) haben uns Rauhfußbussarde (schwedisch fjällvråk) laut rufend eine Weile "verfolgt". Die nisten dort offenbar in einiger Zahl.

    Die kleinen Seen gleich nach dem Pass, Blickrichtung West ...

    ... auch hervorragend für ein Bad geeignet, vor den verbleibenden etwa 11 km bis Hukejaure. (Das war für mich übrigens *die* Badetour ever - so oft habe ich so hoch im Norden noch nie.)

    Bevor man dann kurz vor dem Ziel auf den (markierten) Weg von Sitasjaure trifft, "verläuft" sich der Pfad immer mehr. Insofern nicht problematisch, als man da auf jeden Fall irgendwann dort ankommt, wenn man nur die grobe Richtung beibehält, und das Gelände flach und einfach ist. Kann mir aber schon vorstellen, dass es bei schlechter Sicht schwierig ist, die *optimale* Route zu finden.



    Waaaas?! Beste Hütte der Gegend. Alles tipptopp. (Nicht nur, weil wir dort die *einzigen* Gäste waren. Im Gegensatz zu den vollen bis überfüllten Tarfala und Singi davor. OK, für den STF nicht so toll, wenn kaum Gäste.) Btw Hukejaure, ohne c.

    Vielen Dank für den Bericht übrigens, bin auch schon gespannt auf den Packrafteinsatz.
    Ahoi Ljungdalen,

    vielen Dank für deine ergänzenden Fotos.
    Das Neasketvággi wird mir jedenfalls in erfreulicher Erinnerung verbleiben.
    Die Badestelle bei den kleinen Seen fand ich auch verlockend, aber.....das Wetter lud zu einem Bad nicht gerade ein.
    Über Hukejaure stugorna lässt sich sicher nicht streiten - ich war nur nicht so wirklich begeistert ( spät angekommen, im Dunkeln mit Stirnlampe zum See getapert, auf rutschigem Stein fast noch ins eiskalte Wasser ausgeglitten und zu guter letzt die Hütte im aufkommenden Nebel beinahe nicht wiedergefunden ).
    Na ja, ich weiss schon, woran es lag: Auch ein Troll macht mal Rock ´n Roll.
    My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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    • evernorth
      Fuchs
      • 22.08.2010
      • 1467

      • Meine Reisen

      #22
      AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

      Zitat von Blahake Beitrag anzeigen
      Anscheinend wohnen in den kleinen Seen oberhalb des Neasketvággi kleine Geister, die Wanderer spontan nach Norden umleiten, Du bist nicht ihr erstes Opfer...

      https://www.outdoorseiten.net/forum/...=1#post1732083

      Bin sehr gespannt, wie Deine weitere Tour verläuft, besonders auf dem Wasser!
      Moin Anne,

      ich wusste gar nicht, dass du an genau der gleichen Stelle hinüber zum Nordkalottleden gewechselt bist.
      Hatte ich doch glatt überlesen.

      Es sind aber wohl keine kleinen Geister, die hier die Wanderer nach Norden umleiten; es sind eher die Wetter- und
      Rumpel - Trolle, die in der Nacht in den Träumen erscheinen und ahnungslose Wanderer - nur zum Spass - vom ursprünglich geplanten Wege ableiten.
      My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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      • evernorth
        Fuchs
        • 22.08.2010
        • 1467

        • Meine Reisen

        #23
        AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

        16.07.19

        Überraschung: Die Nacht ist ein einziges Glück! Ich verbringe hier die beste und erholsamste Nacht seit Jahren! Herrlich - schon lange habe ich nicht mehr sooo gut geschlafen. Deshalb drehe ich mich nach dem frühen Erwachen auch noch mal um, und hänge noch eine Extra - Runde dran.
        Gegen 10 Uhr habe ich dann aber endgültig „ausgeträumt“. Das hat den Vorteil, dass ich die Küche zum Frühstück ganz für mich alleine habe.
        Heute ist erst Dienstag, denke ich, da habe ich noch genügend Zeit. Die Packraft Tour habe ich für den Freitag auf Samstag vorgesehen, und mein Rückflug geht erst am Sonntag Nachmittag. Da es nur noch eine Tagesetappe bis Vistas ( Start meines Packrafting - Finales ) ist, beschließe ich, hier in Sälka noch einen aktiven Ruhetag einzulegen.
        Die Idee kommt von einem der Hüttenwarte: Eine 3-4 stündige Tour auf den Reaiddanjunni, den 1398m hochgelegenen, imposanten Haus- und Aussichtsberg. Das sollte am Nachmittag gut zu bewältigen sein. Hmm, denke ich, den Kebnekaise habe ich ( mal wieder ) ausfallen lassen, trotz besten Gipfelwetter, und da der Hüttenwart in den höchsten Tönen schwärmt und das Wetter auch gerade recht gut ausschaut, habe ich mich schnell entschlossen.
        Doch zunächst baue ich mal mein Zelt auf den Wiesen hinter den Gebäuden auf, gleich mit schönem Blick auf den Reaiddánjunni. Gerade mal ein weiteres Zelt steht hier noch weit und breit.




        Blick auf den Reaiddánjunni, links



        Čeakčahjälmen und Vaktposten in Hintergrund





        Die fette, rote Bootsrolle scheint hindurch


        Gegen Nachmittag mache ich mich dann, nur mit Kamera und ein, zwei Riegeln „bewaffnet“, auf den Weg. Zunächst gehe ich auf dem Kungsleden ein Stück in Richtung Tjäktja Pass. Etwa 10 Minuten später schwenke ich nach rechts und beginne mit dem Aufstieg. Auf einer unteren Ebene entdecke ich diese Windschutz - Mauer:




        Anne ( Blahake ) war schon hier, denn sie baut gerne Windschutz - Mauern: Klick!


        Es wird zunehmend steiler und so komme ich gefühlt langsamer voran, als ich mir vorgestellt habe. Gut, das ich mir alles von unten bestmöglich eingeprägt habe, um zielsicher aufzusteigen, denn jetzt, hier vor Ort, ist die Orientierung schwieriger, als gedacht. Nix mit „mal eben auf den Aussichtsberg hochspringen“, denn nach einer steilen Passage folgt die eine, oder andere schmale Zwischenebene, und bereits danach geht es wieder steiler hinauf.




        Im Aufstieg







        Wenn man genau hinschaut, erkennt man die Sälka Stugorna, rechts unten, von der Bildmitte


        Kurz vor dem Ende ist dann schließlich die letzte Steil - Passage überwunden und nun strebe ich ungehindert dem Gipfel entgegen.
        Wow, was für eine Aussicht!
        Bis weit ins Stuor Reaiddávaggi geht mein Blick, und ich kann bereits von hier oben erkennen, dass noch Eis auf dem Reaiddájavri See liegt.




        Blick hinunter auf den Kungsleden



        Blick ins Stuor Reaiddávaggi, mit dem eisbedeckten Reaiddájavri See



        Kungsleden





        Gaskkasnjunni


        Dieses 360 ° - Panorama war wirklich jeder Mühe wert. Ich bin begeistert, auch, weil sich das Wetter ganz gut gehalten hat und so mache ich zahlreiche Fotos.






        Sälka in der Bildmitte





        Vaktposten, links, Čeakčahjälmen, rechts






        Irgendwann ist es gut und ich mache mich auf den Rückweg, da es nun schon auf 20 Uhr zugeht. In der Sommerzeit verliere ich manchmal mein Zeitgefühl, da es kaum dämmert.
        Nun aber hinab mit dir, sage ich mir, denn ich möchte heute unbedingt noch mal in die Sauna.
        Wie immer geht der Abstieg deutlich schneller von statten und, obwohl ich im unteren Bereich etwas kreuz und quer gehe und sich das für mich gar nicht so schnell anfühlt, bin ich nach einer guten Stunde, gegen 21 Uhr, wieder an den Sälka Stugorna. 3 Stunden und 40 Minuten hat der Ausflug insgesamt, also mit kurzem, 15 minütigem, Gipfel - Aufenthalt, gedauert.

        Zurück beim Zelt, packe ich schnell die benötigten Sachen für meinen Sauna - Gang ein, nicht, ohne mir noch vorher eine doppelte Bier - Ration aus dem Shop zu gönnen.
        Für das spätere Abendessen hatte ich bereits heute morgen eingekauft.
        Die Sauna ist wieder herrlich und ich habe auch etwas mehr Zeit dafür, als gestern. Die Abkühlung im sehr kalten Bach, hinter dem Haus, ist allerdings eine kleine Herausforderung.
        Später liege ich entspannt im Zelt und schaue noch lange hinaus. Die Wiese hat sich wieder mit etlichen Zelten gefüllt. Mein Blick trifft auf den Reaiddájunni, auf dem ich noch vor wenigen Stunden gestanden habe.
        Ich bin zufrieden und dankbar für die schönen Erlebnisse und die vielen Eindrücke des Tages. Es sind genau diese Momente, in denen ich mich ganz und gar lebendig fühle, bis in die letzte Faser meines Körpers.
        Bevor ich das Zelt schließe, spüre ich, wie eine aufgeregte Vorfreude aufsteigt, auf die morgigen Stationen: Stuor Reaiddávaggi und dem Reaiddájavri See, Nallo ( und sein phantastisches Tal ) und, nevertheless, Vistas.
        Ein bisschen beseelt fühle ich mich schon, bevor ich dann einschlafe.




        Sälka, Camp 3, links die Sauna
        My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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        • Borgman
          Dauerbesucher
          • 22.05.2016
          • 507

          • Meine Reisen

          #24
          AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

          Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
          Ich bin zufrieden und dankbar für die schönen Erlebnisse und die vielen Eindrücke des Tages. Es sind genau diese Momente, in denen ich mich ganz und gar lebendig fühle, bis in die letzte Faser meines Körpers.
          Ja, sehr treffend beschrieben, dem ist nichts hinzuzufügen. Manchmal muss man den Kebnekaise besteigen, um solche Momente zu erleben, aber zum Glück reicht meistens ein Reaiddánjunni oder einfach eine geglückte Passage, vor der man gehörigen Respekt hatte. Echt schöne Bilder zum Träumen jedenfalls, dein Bericht kommt gerade jetzt sehr gelegen

          Bevor ich das Zelt schließe, spüre ich, wie eine aufgeregte Vorfreude aufsteigt, auf die morgigen Stationen: Stuor Reaiddávaggi und dem Reaiddájavri See, Nallo ( und sein phantastisches Tal ) und, nevertheless, Vistas.
          Und vor allem Vistasjohka! Nach den vielen Andeutungen und wo Du schon so schön im „Schreibfluss“ bist, bin ich jetzt wirklich höllisch gespannt auf Deine Erlebnisse mit dem Packraft. Also, lass Dich nicht ablenken, schreib schnell weiter!

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          • Blahake

            Dauerbesucher
            • 18.06.2014
            • 746

            • Meine Reisen

            #25
            AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

            Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
            Auf einer unteren Ebene entdecke ich diese Windschutz - Mauer:




            Anne ( Blahake ) war schon hier, denn sie baut gerne Windschutz - Mauern: Klick!
            Könnte man meinen, wo ich doch beim leisesten Windhauch immer gleich Bange habe! Aber die is' nich' von mir, meine wäre viiieeel größer geworden.

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            • evernorth
              Fuchs
              • 22.08.2010
              • 1467

              • Meine Reisen

              #26
              AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

              In Beitrag #18 habe ich einige ältere Fotos ( 2011 ) aus dem Čuhčavággi eingefügt.
              Schön war`s .....damals.
              My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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              • earlyworm

                Erfahren
                • 07.03.2007
                • 385

                • Meine Reisen

                #27
                AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

                Also irgendwie machst du das komplett andersherum wie ich / wir die vergangen Jahre. Bei uns war der Trekking / Wanderanteil beim Packraften der vergangen Jahre sehr gering, teilweise fast gar nicht erkennbar. Den Großteil der Kilometer wurde auf dem Wasser zurück gelegt.
                Das dauert ja ewig bis du endlich ins Boot steigst

                Lädst du eigentlich noch ein GPS Track oder ähnliches hoch von der Tour? Der genaue Punkt und das Ende wo du dann auf dem Fluß fährst würden mich schon interessieren... warte weiter auf das Fazit von Boot und Rucksack.
                ------------------------------------------------
                http://www.canoeguide.net
                Only the early worm catches the fish
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                • evernorth
                  Fuchs
                  • 22.08.2010
                  • 1467

                  • Meine Reisen

                  #28
                  AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

                  Zitat von earlyworm Beitrag anzeigen
                  Also irgendwie machst du das komplett andersherum wie ich / wir die vergangen Jahre. Bei uns war der Trekking / Wanderanteil beim Packraften der vergangen Jahre sehr gering, teilweise fast gar nicht erkennbar. Den Großteil der Kilometer wurde auf dem Wasser zurück gelegt.
                  Das dauert ja ewig bis du endlich ins Boot steigst

                  Lädst du eigentlich noch ein GPS Track oder ähnliches hoch von der Tour? Der genaue Punkt und das Ende wo du dann auf dem Fluß fährst würden mich schon interessieren... warte weiter auf das Fazit von Boot und Rucksack.
                  Mir ist schon klar, dass ich dich ( und viele andere, die hauptsächlich an der Packraft - Episode interessiert sind ) hier ganz schön auf die Folter spanne. Ich hoffe, dass unter den anderen niemand bisher in den Schlaf gesunken ist.

                  Mein Weg ist tatsächlich ein anderer. Ich komme vom Trekking, und das Wandern steht - auch in Zukunft - für mich ganz klar im Vordergrund. Packrafting ist da für mich lediglich eine sehr interessante Ergänzung. Ich kann mir schon vorstellen, dass der Anteil des Packrafting auch mal deutlich zunehmen wird, doch der Trekking - Anteil wird wohl niemals unter 30-40% sinken, denn dafür bewege ich mich viel zu gerne auf den Beinen.
                  Das habe ich aber alles eingangs schon geschrieben.

                  Einen GPS Track habe ich nicht erstellt, da die Gegend bekannt und sehr gut erschlossen ist. Wo ich die Flussfahrt begonnen habe, ist leicht nachzuvollziehen. Wo ich den Fluss zwischenzeitlich verlassen habe, weiss ich selbst nicht mit Gewissheit.
                  Wo ich die Fahrt erneut fortgesetzt habe ist ebenfalls genau nachverfolgbar.
                  All das folgt schon bald.....Fazit zum Boot und Rucksack ebenfalls.

                  Was es aber dafür geben wird: Tataaa - Ein kurzes, etwa 10 minütiges Video. Da das Neuland für mich ist und ich einige Mindestanforderungen an die Qualität ( Schnitt u.a. ) habe, kommt das etwas später.
                  Ich habe gerade beruflich viel zu tun und befinde mich dazu in den finalen Vorbereitungen für ein Winter - Kurz - Projekt ( Foto ) in Island.
                  My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

                  Kommentar


                  • evernorth
                    Fuchs
                    • 22.08.2010
                    • 1467

                    • Meine Reisen

                    #29
                    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

                    17.07.19

                    In der Nacht habe ich einen seltsamen Traum. Eigentlich sind es mehrere Träume, die sich da um eine Song - Zeile, die ich kurz vor dem Schlafen gehen gehört habe, drum herum ranken. Die Zeile lautet: „When we collide, it ´s a beautiful disaster“ und ist als Refrain so ein ständiger „Turn Around“.
                    In meinem Traum höre ich die Zeile immer wieder. Einmal kommt sie aus der Tiefe eines Sees, ein anderes Mal aus dem Inneren eines größeren Felsens, der, einmal auf der Erde, ein anderes Mal von wilden Wellen umspült wird. Das dreht sich schließlich herum, fast wie ein Kreisel, so dass ich irgendwann davon aufwache. Etwas verwirrt schaue ich mich im Zelt um und frage mich: Was soll das? Offenbar werfen die bevorstehenden Ereignisse mal wieder ihre Schatten voraus. Ich frage mich, ob das nun ein gutes, oder gar schlechtes Zeichen ist, doch bevor ich meine Phantasie weiter strapaziere und womöglich gar keinen weiteren Schlaf bekomme, beschließe ich, den Traum als gutes Omen zu verstehen.
                    Ich schlafe wieder ein und der Rest der Nacht ist traumlos.

                    Ein paar Stunden später erwache ich erneut und ziemlich „gerädert“. Ich hatte mir - sicherheitshalber - den Wecker gestellt. Es braucht eine Weile, bis ich so langsam zu mir komme und diesmal brauche ich wirklich den Kaffee, um ganz wach zu werden.
                    Das Wetter ist….so lala, überwiegend bewölkt, aber immerhin trocken.

                    Gegen 9 Uhr breche ich auf. Ich quere den Bach, hinüber auf den Pfad. Langsam, aber stetig, geht es das Stuor Reaiddávaggi aufwärts.
                    Gegen 12 Uhr erreiche ich den Reaiddájavri See, der tatsächlich noch zu großen Teilen mit Eis bedeckt ist.




                    Blick zurück in Richtung Sälka



                    Eis auf dem Reaiddájavri See


                    Hier oben ist es trist und die grauen Wolken lasten bis tief hinab in das Tal. Ich gehe zügig weiter und bin ein wenig enttäuscht über die mässige Sicht und die bescheidenen Lichtverhältnisse. Am Ende des Sees wird an seinem Zulauf der Bach gefurtet - kein Problem.
                    Vorbei ( und darüber! ) an einigen Schneefeldern führt der Pfad nun hinab nach Nallo, wo die Hütten auch bald und tief unten im Tal, in meinen Blick geraten.
                    Der Blick ins untere Stuor Reaiddávaggi begeistert mich immer wieder aufs Neue.




                    Beginn unteres Stuor Reaiddávaggi



                    Einfach großartig, dieser Blick!



                    Über Schneefelder hinweg....



                    Nallo Stugorna




                    Gegen 13.30 Uhr erreiche ich, passend zur Mittagszeit, die Nallo Hütten, wo ich auch gleich ein längeres Gespräch mit dem freundlichen Hüttenwart beginne. Er ist nicht der erste auf meinem Weg, der sich über die komische Rolle auf meinem Rucksack wundert. Anscheinend ist ein Packraft ein noch recht seltener Anblick in dieser Region.
                    Das Gespräch dauert noch recht lange an, zumindest so lange, bis ich meine Mittagspause mit Imbiss beendet habe.
                    Gegen 14.30 ihr verabschiede ich mich und wünsche dem Stugwart noch eine tolle Zeit in Nallo.
                    Der weitere Weg ist, wie immer, dramatisch; verläuft aber unspektakulär, was irgendwelche Überraschungen angeht. Ich begegne einer Gruppe mit drei Mädels und einem Buben, die sich auch fragen, was ich da für eine große Rolle auf dem Rucksack trage und staunen nach der Auflösung nicht schlecht.
                    Was mir heute, auf meinem weiteren Weg sehr deutlich auffällt: Rucksack - Gewicht über 23 kg und bereits etwas ausgelatschte Trailrunner Schuhe vertragen sich nicht wirklich.
                    Ich fühle mich das erste Mal seit Jahren in meinen Trailrunner unsicher. Eine wichtige Erkenntnis für zukünftige, etwas Gepäck - reichere Unternehmungen: Mindestens immer neue Trailrunner an den Füssen, oder Gewicht weiter reduzieren.

                    Im weiteren Verlauf des Nachmittags wird das Wetter besser und richtig schön warm.




                    Im unteren Stuor Reaiddávaggi





                    Blick zurück











                    Der Nallo.....irgendwann!



                    Kurz vor Vistas - Blick zurück






                    Gegen 18.30 Uhr erreiche ich schließlich Vistas, wo schon auf den vorgelagerten Plätzen einige Zelte stehen.
                    Ich baue mein Zelt sehr dicht am Wasser und an der Brücke auf, so dass ich es bis dahin nicht weit habe.




                    Camp 4 - mit Blick auf den Nallo ( Bildmitte )





                    Mit Blick auf den Vistasjohka



                    Da geht es morgen weiter - sieht doch eigentlich gar nicht so wild aus....


                    Dann überquere ich den Vistasjohka über die Brücke und halte erst einmal einen Plausch mit dem dortigen Stugwart, bezahle die Gebühr für die Fazilitäten - Benutzung, hauptsächlich für die Sauna, die in Vistas noch relativ neu ist. Dazu noch Bier und etwas zu Essen. Eine Kartenzahlung ist hier nicht möglich, so dass ich - spät am Ende des Jahres - aus Abisko eine Rechnung zugeschickt bekomme. Das passt schon alles, aber beim nächsten Mal werde ich mir doch etwas mehr Bargeld aus dem Automaten ziehen.
                    Zurück beim Zelt schaue ich mir mal in Ruhe meine Trailrunner an.
                    Die sind durch, müssen aber noch ein paar Tage halten.




                    Die sind durch.....



                    .....und voller Löcher!


                    So langsam wird es Zeit für die Sauna und ich packe meine Sachen zusammen und….hier gibt es doch tatsächlich Mücken!
                    Ich komme mit anderen Zeltern ins Gespräch und muss mich dabei zeitgleich gegen die Mücken präparieren, die jetzt, in den Abendstunden, recht lästig werden.
                    Die Sauna ist mal wieder herrlich. Insbesondere die „Abkühlung“ im doch recht flachen Vistasjohka gefällt mir. Hoffentlich ist der Wasserstand nicht repräsentativ für den weiteren Verlauf.
                    Zurück beim Zelt ist es schon nach 22 Uhr. Erst jetzt mache ich mir etwas zu essen.
                    Ganz leise dringt im Hintergrund das sanfte? Rauschen des Vistasjohka zu mir hinüber.
                    Dann ist Schlafenszeit.


                    18.07.19

                    Ein sonniges , warmes Wetter begrüßt mich heute außerhalb meines Zeltes.
                    Netterweise haben sich die Mücken wieder verzogen.
                    Ich lasse mir Zeit, denn erst morgen ist die Fahrt auf dem Fluss vorgesehen.
                    Über den Tag bereite ich mich vor, baue das Boot auf, erkunde die Stelle, wo ich das Boot zu Wasser lassen kann. Das geht am besten in der Nähe der Brücke.
                    Zwischendurch mal was essen, dann hinüber zur Vistas Stugorna, um noch einmal die Sauna zu buchen.
                    Ich genieße den Tag, denn schon morgen ist alles anders.







                    Ich mache noch ein kurzes 360 ° Video, dann geht auch dieser entspannte Tag mit der Sauna langsam zu Ende.





                    Im Zelt fühlt sich das für mich aber plötzlich ganz anders an. Die Anspannung steigt….langsam an.
                    Fragen tauchen auf: Hast du an alles gedacht? Wie wird der Fluss sein? Wird alles gut gehen? Was ist mit dem Wasserstand? Reichen meine Fähigkeiten und werde ich der Chef im Boot sein und bleiben, oder wird der Fluss die Oberhand gewinnen?
                    Mit diesen Fragen schlafe ich irgendwann ein. Es ist eine unruhige Nacht.



                    Wird noch heute fortgesetzt……
                    Zuletzt geändert von evernorth; 14.03.2020, 22:27. Grund: Video-Link eingefügt
                    My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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                    • zilka
                      Erfahren
                      • 29.06.2017
                      • 109

                      • Meine Reisen

                      #30
                      AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

                      Was für ein toller Bericht! Macht schon wieder so richtig Vorfreude auf den Sommer.
                      Auch die Fotos sind genial, besonders die Grüntöne nach Nallo... Wahnsinn.
                      Vielen Dank!
                      Zuletzt geändert von zilka; 17.02.2020, 13:39.

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                      • zilka
                        Erfahren
                        • 29.06.2017
                        • 109

                        • Meine Reisen

                        #31
                        AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

                        "Auf" dem (zugefrorenen) Vistasjohka bin ich übrigens letzten März gelaufen - von Vistas nach Allesjaure.
                        Und so sah Nallo da aus:

                        (Ich bin mir nicht sicher, ob es o.k. ist, in einem Reisebericht ein Foto zu posten, sonst nehme ich es wieder heraus)
                        Zilka

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                        • Mortias
                          Dauerbesucher
                          • 10.06.2004
                          • 954

                          • Meine Reisen

                          #32
                          AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

                          Cooler Bericht bisher und sehr spannend zu verfolgen. Aber natürlich bin ich jetzt auf den Packrafting Abschnitt gespannt. Also schön fleissig in die Tasten reinhauen.

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                          • evernorth
                            Fuchs
                            • 22.08.2010
                            • 1467

                            • Meine Reisen

                            #33
                            AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

                            19.07.19

                            When we collide, it`s a beautiful disaster


                            Am nächsten Morgen ist wieder das schönste Sommerwetter. Da ich früh auf bin, muss ich mich nicht sonderlich beeilen. Für heute genügt mir eine Strecke von 15-17 km auf dem Wasser. Vollkommen zufrieden wäre ich, wenn ich bis Lisas Stuga komme. Doch zunächst frühstücke ich in der unteren Hütte, da ich ja gestern wieder die Service Avgift wegen der Sauna bezahlt habe.
                            Nachdem ich über die Brücke wieder zurück bin, packe ich den Rest zusammen; am Ende das Zelt.
                            Dann gehe ich hinunter zum Fluss und packe alles gewissenhaft um. Ich trage den Helm mit der montierten Helmkamera, habe Regenjacke und Hose an und an den Händen Fahrrad - Handschuhe mit abgeschnittenen Fingern. Muss reichen, denn für einen Trockenanzug war im Rucksack kein Platz mehr
                            ( ja, ich besitze überhaupt keinen Trockenanzug! ).
                            Wegen der fehlenden Routine dauert das mal wieder ganz schön lange, und das halbe Dutzend „Zaungäste“, das sich neugierig auf der Brücke versammelt hat, ist schon längst wieder verschwunden, als ich das Boot endlich zu Wasser lasse.




                            Ready to start: Einsatzstelle m. Brücke im Hintergrund


                            Ich habe im Verlauf einige jpegs aus meiner Helmkamera hochgeladen, da ich nur ganz selten die Kamera aus dem festverzurrten Rucksack geholt habe. Die Qualität ist leider nur „bescheiden“, und die Bilder liegen nur in Miniatur vor.

                            Ich komme die ersten 100 m ganz gut weg, doch schon kurz darauf sitze ich das erste Mal auf einem Stein. Hmm, da waren ja meine Befürchtungen doch nicht so ganz grundlos. Erst nach einigem „Rumgeruckel“ ist das Boot wieder frei.
                            Dann geht es einige hundert Meter ganz gut voran, bei guter Fließgeschwindigkeit und ohne Probleme.





                            Doch nach weiteren, paar hundert Metern nimmt die Strömung plötzlich, und ohne Vorankündigung drastisch zu. Einen Grund dafür vermag ich noch nicht zu erkennen ( vielleicht nimmt das Gefälle gerade zu? ). Dann geht alles ganz schnell und ich muss mich unmittelbar entscheiden: Der Fluss gabelt sich in zwei Wasserarme, die eine kleine Insel umfließen. Ich entscheide mich spontan für den rechten, wasserreichen, aber auch schneller fließenden Arm - ein verhängnisvoller Fehler!
                            Die Strömung ( und somit auch ich ) fließt hier mit Macht gegen die Uferböschung. Viel zu spät sehe ich die drei Birkenstämme, die ausladend quer über dem Wasser liegen.
                            Keine Chance, da noch auszuweichen. Ich bretter also mit Tempo mitten hinein.
                            Das muss das Boot abkönnen, und das kann es auch.
                            Ich bin überrascht, denn ich hatte mit einem härteren Aufprall gerechnet.
                            Ich rutsche aus dem Boot, kann aber mühelos stehen, da das Wasser mir gerade bis zum
                            Bauch reicht.
                            Immer mit der Ruhe, sage ich mir, keine Hektik und eins nach dem Anderen.
                            Allerdings ist es nicht so leicht, das Boot in der starken Strömung zu sichern und festzuhalten.
                            Urplötzlich drückt die Strömung das Boot gegen die Birkenstämme, welches sich wendet, und mit dem Rucksack unter Wasser gedrückt wird.
                            Es dauert eine ganze Weile, bis ich, das Boot vor dem Abtreiben sichernd, selbst ans Ufer klettern kann. Die Bergung des Bootes mit dem schweren Rucksack ist dann auch nicht ganz banal und dauert gefühlt eine Ewigkeit.
                            Dann ist es geschafft und ich atme erst einmal tief durch. Das war knapp, denke ich. Muss ich erstmal nicht mehr haben. Ich öffne den Rucksack und stelle fest, dass die Fleecejacke ganz schön nass geworden ist. Soviel zum Thema „wasserdichter“ Rucksack.




                            Bergung und Anlandung nach dem Crash


                            Dann schultere ich den Rucksack und sehe mich nach einer ruhigen Stelle um, die geeignet erscheint, um das Boot erneut ins Wasser zu lassen.
                            Diese ist auch schnell gefunden. Ich lasse meinen Rucksack dort liegen und hole das Boot nach. Das ist nun wieder nicht so leicht, da ich mit dem Boot durch die dichte, verbuschte Vegetation eines Birkenwäldchens plackern muss.
                            Doch schließlich bin ich wieder auf dem Wasser und das Paddeln macht für die nächsten 5 Kilometer sogar richtig Spass.
                            Auch kleinere Schwälle im WW2 kann ich problemlos paddeln.




                            Herrlich! Die nächsten Stromschnellen warten aber schon...


                            Dann komme ich an die Brücke, die hinüber ins Kaskavagge führt. Noch rechtzeitig kann ich am rechten Ufer aussetzen.




                            Stromschnellen an der Brücke, Blick stromaufwärts



                            Stromabwärts: Unfahrbares(?), verblocktes white water


                            Hier ist definitiv die erste, nicht fahrbare Stelle mit mehreren Schwällen und Walzen. Zu zweit und ohne Gepäck könnte man es versuchen. Wer gut fährt, schafft das. Ich schätze, etwa WW3-4. Für mich alleine ist das keine Option.
                            Ich überquere die Brücke und laufe einige hundert Meter über den offiziellen Wanderweg, der dort parallel verläuft. Dann plackere ich mich wieder durch die dichte Vegetation hinunter zum Fluss.
                            Ich weiss, dass demnächst eine weitere Stelle kommt, wo ich aussetzen und das Boot umtragen muss.
                            Die kommt dann auch schon nach wenigen Kilometern, und ich finde eine gute, vor allem aber ruhige Ufer - Stelle, um auszusetzen.
                            Ich entscheide mich spontan, gleich noch ein längeres Stück zu umtragen.
                            Dabei steige ich etwas mühsam aus, da sich ausgerechnet auf diesem Abschnitt eine etwas höhere Böschung befindet. Ich ziehe das Boot nach und lasse alles auf der Böschung liegen, um die nächsten paar hundert Meter erst einmal zu inspizieren. Netterweise ist es hier unter den Bäumen nicht so dicht bewachsen, ja, ich treffe sogar auf einen schwach erkennbaren Pfad, vermutlich Wildwechsel. Was mir weniger schmeckt: Aus den vermuteten 200 Metern werden schnell deutlich mehr, da das Flusswasser hier ordentlich in Wallung ist. Zu allem Überfluss muss ich auch noch über einen stattlichen Hügel steigen, was mir in der warmen Nachmittagssonne - selbst ohne das Gepäck - die Schweißperlen auf die Stirn treibt.
                            Dahinter kann ich dann aber einfach und elegant ins Wasser kommen.
                            Rasch mache ich mich auf den Rückweg und hole Gepäck und das Boot nach. Das dauert nun mit dem ganzen Gerödel ganz schön lange.
                            Schließlich erreiche ich die ausgeguckte Stelle und muss gleich mal eine kleine Trink- und Essenpause machen.






                            Blick zurück, stromaufwärts: Herrliches Vistasvaggi


                            Dann geht es wieder aufs Wasser und….keine 50 Meter weiter…..Tschunk….setzt das Boot, nun schon zum wiederholten Mal, auf einem Stein auf. „Der war doch eben noch nicht da“, denke ich, und fluche still? in mich hinein. „Dieser verdammte, niedrige Wasserstand!“, ... schicke ich noch hinterher. Diesmal muss ich sogar aus dem Boot raus und ins kalte Wasser hinein, weil das Ding sich auch nach heftigem Geruckel nicht von der Stelle rühren will.
                            Schon geht die Fahrt, in wieder schnellerem und wilderem Wasser, recht flott voran.
                            Das ganze ist insofern sehr anstrengend, da ich in högschtem Maße konzentriert und weit vorausschauend fahren muss; Hindernissen ausweichen und ein erneutes Aufsetzen auf einem der nur knapp unter der Wasseroberfläche liegenden Steine vermeiden möchte, ja, muss!
                            Das klappt inzwischen richtig gut und zwischendurch macht es manchmal richtig Spass. Vor allem, wenn ich mal wieder „wie ein Profi“ durch stärker bewegtes, aufschäumendes Wasser sense, dass es nur so aufspritzt. Heissa, das ist dann ein richtig wilder Ritt! Heißt ja nicht ohne Grund „Wellenreiten“.

                            Es folgt eine etwas breitere Stelle auf dem Vistasjohka, die ebenfalls mit viel Schwung und ordentlich Wasserdruck, sprich: leichtem Gefälle durchfahren werden will. White water gibt es zwar nicht, dafür umso mehr Steine, knapp unter der Wasseroberfläche und so zahlreich, bei gleichzeitig sehr niedrigem Wasserstand, dass ich etwas hektisch und wie wild, im Slalom hin und her, am paddeln bin.
                            „Fungg“ macht es, und wieder einmal kann ich das Auffahren auf einen Stein im Wasser, den ich viel zu spät entdeckt habe, nicht verhindern. Der Wasserdruck schiebt den Bug des Bootes sofort in die Höhe, so dass ich umgehend aus dem Boot rutsche. Die Fließgeschwindigkeit des Wassers ist beachtlich und ich habe meine liebe Mühe, das Boot zu sichern und festzuhalten. Es ist wie eine Zerreissprobe: Auf der einen Seite stehe ich im reissenden Fluss, das Wasser etwa zwei Handbreit über dem Knie, also noch relativ flach, dabei aber mächtig schwankend und nach Halt suchend in der heftigen Strömung. Auf der anderen Seite das Boot mit dem aufgeschnallten Rucksack, dass ich mit einer Hand festhalte, das mächtig zieht und zerrt und unbedingt in die Strömung will.
                            Heiliger Strohsack, wie lange kann ich es noch halten, bis ich selbst den Boden unter den Füssen verliere, und, zusammen mit dem Boot, mitgerissen werde??
                            Ich weiss nicht so recht, was ich da tue, nur, dass ich gerade einen großen Fehler und etwas eigentlich unverzeihliches mache: Ich gebe nach, und lasse das Boot los!
                            Was habe ich getan! !!
                            Mir ist sofort klar: Nicht gut,oh, nein, gar nicht gut!
                            Ich muss schon sehr verdutzt und verdattert dem Boot nachgeschaut haben und ich vermute mal, mit aufgerissenen Augen und Mund.
                            Das Boot dümpelt inzwischen, gemächlich, mit langsamer Geschwindigkeit und führerlos, stromabwärts.
                            Ich reagiere unmittelbar. Mit schnellen Schritten laufe ich durch den Fluss, die nahe Uferböschung hinauf. Dabei öffne ich den Karabiner, mit dem ich mein Paddel an der Schwimmweste gesichert habe und werfe das Paddel ans Ufer. Die ganze Zeit über habe ich das Boot im Blick, das inzwischen schon einen beachtlichen Vorsprung erreicht hat. Nun aber los, denke ich, und renne mit großen Schritten dem driftenden Boot hinterher. Gott sei Dank lässt das Ufer mein schnelles Rennen überhaupt zu, denn die Vegetation ist hier nur sehr zurückhaltend präsent. Das Boot treibt inzwischen mit dem ( nicht vorhandenen ) Kiel nach oben, und der Rucksack liegt nun schon seit Minuten unter Wasser.
                            Ich hole auf, und das ist auch unbedingt notwendig, denn es sind nur noch knapp 50 Meter, bis das Boot von den nächsten Stromschnellen mitgerissen wird. Das wäre dann wohl zu spät und das Boot möglicherweise endgültig verloren!
                            Ich springe einfach ins Wasser - das Boot immer noch ein gutes Stück in Front - und renne im kniehohen Wasser des Vistasjohka hinterher.
                            Was für ein Bild muss das sein! Gut, dass keine Kollegen von der Presse....

                            Das Boot hat nun die Stromschnellen fast erreicht und ich habe es immer noch nicht ganz eingeholt. Wenige Meter davor kann ich es im letzten Moment packen und festhalten.
                            Jaaa!!
                            Ich ziehe das Boot langsam zum Ufer und schiebe es mühsam die Böschung hoch. Geschafft!
                            Das war nicht nur äußerst knapp, nein, auch extrem unglücklich und vielleicht auch etwas naiv, wenn nicht sogar dumm!

                            Das Adrenalin weicht langsam aus meinem Körper und ich möchte jetzt gar nicht wissen, wie es im Innern des Rucksack aussieht.
                            Während ich allmählich wieder zu mir komme, beginne ich bereits zu rekapitulieren: 1. Ich habe keine Ahnung, wo genau und bei welchem Kilometer ich mich hier befinde ( auf ein GPS habe ich, aufgrund der Nähe zum markierten Pfad, verzichtet ). 2. Ungewiss, ob ich Lisas Stuga ( mein angestrebter Übernachtungsplatz ) erreiche, geschweige denn, überhaupt finde ( denn sie liegt etwas versteckt im Wald ). 3. Möchte ich eigentlich noch Kilometer machen.
                            Ich entscheide mich, noch eine Weile dem Vistasjohka auf dem Wasser zu folgen, auch, wenn es schon später Nachmittag ist. Ich schätze, dass ich etwa 12 -14 Kilometer auf den Fluss zurückgelegt habe. Da wäre es gut, wenn ich noch ein paar Kilometer dranhängen könnte.
                            Bevor es losgeht, esse ich noch schnell einen Snack und trinke etwas.

                            Schon bin ich erneut auf dem Wasser. Die Fahrt ist so, wie zuvor: Langsame, ruhige Passagen wechseln sich mit mit flotter Strömung, und bewegtem Wasser ( meist WW1-2 ) ab. Sehr nervig ist - nach wie vor - der sehr niedrige Wasserstand. Sehr anstrengend auch, dabei immer den Fokus und die Aufmerksamkeit hochzuhalten.
                            Nach einer weiteren, ruhigen Passage traue ich meinen Augen nicht. Was ist das denn?
                            Och, nö, das ist ja der reinste Irrgarten.
                            Zunächst schiebt die Strömung wieder gut an. Was dann folgt, drängt mir eine Entscheidung auf. Über eine Distanz von gut 200 Metern folgt ein ganzes Feld von Steinen, diesmal ragen sie, zur Abwechslung, mal aus dem Wasser. Das bedeutet: Ständiges Paddeln in starker Strömung, also ein Slalom - Tanz durch ein längeres Feld von Steinen.
                            Meine spontane Entscheidung ist klar und ohne Kompromisse: Ich steige hier aus!
                            Gerade noch rechtzeitig lege ich am links - seitigen Ufer an, steige mal wieder etwas mühsam am steilen Ufer aus und ziehe das Boot aus dem Wasser. Ich packe um und schultere schließlich den Rucksack. Das Boot lasse ich aus irgend einem Grund betriebsbereit, also aufgeblasen. Will ich bald wieder aufs Wasser? Ich denke, ja!




                            Hier verlasse ich den Vistasjohka - Ende ( Wasser ) Gelände


                            Doch zunächst will ich einen Platz für die Nacht suchen und das wird nicht einfach. Wer schon einmal den Pfad zwischen Vistas und Nikkaluokta gegangen ist, weiss, wovon ich spreche: Es gibt nur wenige, geeignete Plätze mit Wasserversorgung.
                            Ich schlage mich also über einen recht steilen Hang durch die Büsche und erreiche nach kurzer Zeit den besagten Pfad.
                            Den nehme ich jetzt unter die Füsse und ziehe das Packraft einfach hinter mir her. Lediglich auf den Passagen, die mit Bretterbohlen ausgelegt sind, klemme ich mir das Boot unter den Arm. Aus den Brettern schauen nur allzu oft scharfkantige Nägel - Köpfe, die ich dem Boot dann wirklich nicht zumuten will.
                            So geht es, relativ monoton, auf und ab, und ich finde absolut keine Camp - Gelegenheit weit und breit. Mehrfach lasse ich Boot und Rucksack einfach liegen und teste verschiedene, vage Erfolg - versprechende Möglichkeiten hinunter zum Vistasjohka - doch Fehlanzeige.
                            Es ist schon gegen 21.30 Uhr, da werde ich endlich fündig: Ein ordentliches, ebenes Plätzchen, direkt neben dem Weg. Ich packe den Rucksack aus und stelle konsterniert fest: Es ist wirklich alles nass, mit Ausnahme des Patagonia Nano Puff Sweaters.
                            Auch den Schlafsack hat es voll erwischt. Die Daunen sind schön verklumpt.
                            Wie durch ein Wunder hat die Fuji X-T1 Kamera es irgendwie überstanden: Kaum feucht und alles funktioniert noch - auf Anhieb! Was bin ich froh!
                            Ich hänge alle nassen Sachen in die Bäume, um die letzte Sonne noch voll zu nutzen. Nachdem das Zelt steht, überlege ich, wie ich die Nacht, ohne Schlafsack, überstehen soll.
                            Ich probiere es mit dem feucht - klammen Schlafsack als Decke und, siehe da, er wärmt noch! Dann hole ich auf abenteuerlichem Wege Wasser aus dem Fluss und bereite mir mein Abendessen. Es ist bereits 22.30 Uhr und die Abendsonne ist fast hinter den Bergen untergegangen, da hasten noch zwei ( vermutlich ) schwedische Mädels grußlos auf dem Weg nach Nikkaluokta vorbei - schön, euch nicht kennengelernt zu haben.
                            Mir reicht es für heute und ich gehe direkt ins Zelt, doch das ist noch nicht alles.
                            Ich setze mich auf die neue Neo Air X-lite Matte.
                            Plötzlich - ein lauter Knall! Was ist nun los? Ich entdecke im oberen Kopfbereich eine Kissen - artige Wölbung: Die Matte ist gerade delaminiert! Das ist mir noch nie passiert!
                            Ich bin fassungslos!
                            Erst denke ich: Wie praktisch, ich habe ein neues Kopfkissen. Doch denkste, das ist riesig, bretthart, und der unteren Teil der Matte hat viel zu wenig Luft. Meine Lösung: Ich drehe die Matte einfach um und habe die Wölbung am Fußende, wo sie mich nicht sonderlich stört. So geht das.
                            Danach finde ich lange keine Ruhe, da mir - wieder und wieder - zahlreiche Ereignisse des Tages durch den Kopf jagen.
                            Ja, ja, die Nerven!
                            Irgendwann ist auch das vorbei, und ich falle in einen tiefen, traumlosen Schlaf.




                            Camp 5, Vistasvaggi




                            20.07.19

                            Recht früh, kurz nach 6 Uhr, ausgeschlafen und gut gelaunt, wache ich auf. Es ist wieder ein schöner, sonniger Tag und es verspricht erneut, warm zu werden. Kaum hat die Sonne mein Camp erreicht, hänge ich auch meinen Schlafsack zum Trocknen in die Bäume. Ziemlich chaotisch sieht es rings herum aus, da ich jeden freien Zweig mit einem nassen Kleidungsstück behängt habe.
                            Ich lasse mir viel Zeit, damit möglichst alles trocken in den Rucksack kann. Ich frühstücke, lese ziemlich lange und schaue dann immer mal nach dem Trocknungs- Stand.






                            Beim Zusammenpacken


                            Ab und zu nehme ich ein trockenes Teil von den Zweigen und Ästen, denn die Sonne ist kräftig und leistet ganze Arbeit. Das Zelt habe ich schon lange eingepackt, nur der Schlafsack und 2-3 weitere Teile sind noch nicht ganz trocken.
                            Schließlich ist auch der Schlafsack fast trocken und alles ist verpackt.
                            Ich bin abmarschbereit.
                            Da kommt ein älterer Wanderer um die Ecke, der heute noch nach Vistas kommen möchte. In seinem Gepäck befindet sich eine komplette Funkanlage und abends aus dem Zelt funkt er auf Ultrakurzwelle hinaus in die ganze Welt. Seltsame Zeitgenossen gibt es, hmm…
                            Die Plauderei wird dann doch interessant und so merke ich gar nicht, wie die Zeit vergeht.
                            Gegen 11.30 Uhr schaue ich auf die Uhr und bekomme fast einen Schreck.
                            Nun wird es aber wirklich Zeit, aufzubrechen und so verabschiede ich mich von Bosse, dem funkenden Wanderer.
                            Ich will heute noch bis 16 Uhr in Nikkaluokta sein und habe keinen Schimmer, wie lange ich noch brauche.
                            Deshalb lege ich einen forschen Schritt ein, das Boot immer noch aufgeblasen im Schlepptau. So vergeht eine um die andere Stunde.
                            Es ist etwa 14.30 Uhr, als ich an der Abzweigung stehe: Nördlicher Punkt zum Bootstransport. Ab hier ( oder bis hier ) können sich Wanderer von einem Motorboot aus/nach Nikkaluokta abholen/bringen lassen. Das spart 12 Kilometer Wanderweg.
                            Ich renne aber achtlos daran vorbei, denn ich möchte unbedingt noch ein paar Kilometer laufen, bis ich die südliche Stelle erreiche. Von dort will ich die letzten 6 Kilometer nach Nikkaluokta paddeln.
                            Der Weg zieht sich gewaltig in die Länge. Die Schultern schmerzen schon länger, so dass ich die Bootstelle kaum noch erwarten kann.
                            Gegen 16 Uhr erreiche ich endlich die südliche Bootstelle. Fast hätte ich das reguläre Boot noch erreicht, das mir vor der Nase wegfährt.
                            Kein Problem, denn ich war ja nicht daran interessiert. Schnell habe ich den Rucksack auf dem Packraft verspannt, dann kann ich endlich wieder lospaddeln.
                            Am Anfang fällt mir das Paddeln unerwartet schwer, aber dann geht es besser und besser, so dass ich es am Ende regelrecht genieße. Auch bin ich viel schneller auf dem Wasser unterwegs, als ich es auf dem Wanderpfad wäre.
                            Nach etwa 50 Minuten erreiche ich bereits die ( Straßen- ) Brücke über den oberen Paittasjärvi. Ehe ich das Boot und alles andere verpackt habe komme ich noch in einen heftigen Regenschauer.
                            Gegen 17.30 Uhr stehe ich - an einen begossenen Pudel erinnernd - an der Rezeption der Familie Sarri, bezahle für das Deponieren der Ausrüstung und bekomme ein reizendes, kleines Häuschen für die Nacht. Ich schlafe also in einem richtigen Bett. Das gefällt mir gut.
                            In der Hütte ist es noch richtig warm von der Sonne des Tages. Ich breite ich mich schnell überall aus. Insbesondere den Schlafsack schüttet ich noch mal richtig aus, damit auch die letzten Federn noch trocknen.
                            Dann muss ich mich beeilen, um zum Restaurant zurück zu kommen. Auch diesmal ist es wieder knapp nach 19 Uhr, doch ich bekomme, wie schon vor einer Woche, noch ein leckeres Abendessen und ein wohlverdientes Bier.
                            Den Abend lasse ich entspannt in der Sauna ausklingen und belohne mich mit dem letzten Whiskey.




                            Meine schicke ( Puppen- ) Hütte in Nikka




                            21.07.19

                            Ich habe wunderbar in einem nahezu trockenen Schlafsack geschlafen.
                            Abreise nach ausgiebigem Frühstück um 12 Uhr. Fahrt direkt mit dem Bus, Linie 92, bis zum Airport, wo ich bis zum Abflug noch etwas Zeit verbringe. Ankunft in Hamburg um 19.30 Uhr.
                            Was für eine Woche!


                            Es folgt noch der Epilog ( u.a. mit ein paar Ausrüstungs - Beurteilungen) und das versprochene Video.
                            Habt bitte etwas Geduld, ich weile in ein paar Tagen in Island...ice cave watching u.a.

                            - to be continued...
                            Zuletzt geändert von evernorth; 22.02.2020, 20:45.
                            My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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                            • lostinspace369
                              Erfahren
                              • 24.07.2014
                              • 228

                              • Meine Reisen

                              #34
                              AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

                              Vielen Dank für den Bericht bis hierher. Ich war ja so gespannt auf den Packrafting Teil und wie Du den Fluss vorfindest, nachdem Du Dich ja von meiner Tour vor drei (3) Jahren hattest inspirieren lassen.

                              Du hast einen anderen Schreibstil als ich, und Dein Reisebericht klingt vielleicht etwas anders als meiner, aber ich habe mich in jedem Detail Deiner Erlebnisse mit den großen und kleinen Erschwernissen wieder gefunden. Das war toll. Danke.

                              Wenn Du mal einen Reisepartner für eine Tour suchst, Du kannst mich jederzeit antickern.

                              Jürgen

                              Kommentar


                              • Borgman
                                Dauerbesucher
                                • 22.05.2016
                                • 507

                                • Meine Reisen

                                #35
                                AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

                                Ja, das ist in der Tat interessant, wie unterschiedlich Eure beiden Berichte sind. Jetzt ist mir auch klar, Tom, warum Du nach der Tour geschrieben hattest, dass Deine Begeisterung fürs Packrafting einen leichten Dämpfer erhalten hat. Als Du das Boot im Fluss losgelassen hast, hab ich richtig mitgefiebert, wie Du es eingefangen bekommst. Und musste daran denken, wie ich dem weggewehten Packraft hinterhergerannt bin. Hehe, wenn das Boot sich selbständig macht, entwickelt man ein ungeahntes Tempo. Bisschen beunruhigend, dass mir solche Erlebnisse wie Deines erst noch bevorstehen…

                                Nach dieser Erfahrung, würdest Du da sagen, dass Schlauchtaschen unverzichtbar sind? Dann wären ja die Sachen und der Schlafsack nicht nass geworden. Wahrscheinlich auch bessere Fahreigenschaften? Andererseits stelle ich mir vor, dass das Umtragen an unpaddelbaren Stellen damit wesentlich unkomfortabler wird, weil man entweder ein sehr viel schwereres Boot tragen oder Luft ablassen und umpacken muss. Man hat ja vielleicht noch Essen für 10 Tage, die ganze Ausrüstung und zwei Flaschen Whisky im Gepäck und ein steiniges, steiles oder bewaldetes Flussufer, so dass man es nicht hinter sich herziehen kann. Oder gibt es da eine Lösung, an die ich nicht gedacht habe?

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                                • evernorth
                                  Fuchs
                                  • 22.08.2010
                                  • 1467

                                  • Meine Reisen

                                  #36
                                  AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

                                  Zitat von lostinspace369 Beitrag anzeigen
                                  Vielen Dank für den Bericht bis hierher. Ich war ja so gespannt auf den Packrafting Teil und wie Du den Fluss vorfindest, nachdem Du Dich ja von meiner Tour vor drei (3) Jahren hattest inspirieren lassen.

                                  Du hast einen anderen Schreibstil als ich, und Dein Reisebericht klingt vielleicht etwas anders als meiner, aber ich habe mich in jedem Detail Deiner Erlebnisse mit den großen und kleinen Erschwernissen wieder gefunden. Das war toll. Danke.

                                  Wenn Du mal einen Reisepartner für eine Tour suchst, Du kannst mich jederzeit antickern.

                                  Jürgen
                                  Ahoi Jürgen,

                                  du hast hier, denke ich, so manchem mit deinem Bericht eine Inspiration geliefert, ganz besonders mir.
                                  Es war mir eine Ehre, auf deinen ( Packraft ) Spuren zu wandeln.
                                  Vielen Dank noch mal für deinen wunderbaren Bericht und deinen Mut, den Vistasjohka via Packraft zu befahren.
                                  Du und dein Bericht haben maßgeblich dazu beigetragen, dass auch ich mich getraut habe.
                                  Ich bin extra so früh gefahren, in der Hoffnung, einen höheren Wasserstand vorzufinden. Das war leider nicht der Fall.

                                  Ich freue mich sehr, das dir mein Reisebericht gefallen hat und du dich darin ein Stück wiedergefunden hast. Vielen Dank für dein Lob.

                                  Wer weiss, was noch alles kommen wird. Da ist es gut zu wissen, dass da einer ist, mit dem ich jederzeit Kontakt aufnehmen kann.
                                  My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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                                  • evernorth
                                    Fuchs
                                    • 22.08.2010
                                    • 1467

                                    • Meine Reisen

                                    #37
                                    AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

                                    Zitat von Borgman Beitrag anzeigen
                                    Ja, das ist in der Tat interessant, wie unterschiedlich Eure beiden Berichte sind. Jetzt ist mir auch klar, Tom, warum Du nach der Tour geschrieben hattest, dass Deine Begeisterung fürs Packrafting einen leichten Dämpfer erhalten hat. Als Du das Boot im Fluss losgelassen hast, hab ich richtig mitgefiebert, wie Du es eingefangen bekommst. Und musste daran denken, wie ich dem weggewehten Packraft hinterhergerannt bin. Hehe, wenn das Boot sich selbständig macht, entwickelt man ein ungeahntes Tempo. Bisschen beunruhigend, dass mir solche Erlebnisse wie Deines erst noch bevorstehen…

                                    Nach dieser Erfahrung, würdest Du da sagen, dass Schlauchtaschen unverzichtbar sind? Dann wären ja die Sachen und der Schlafsack nicht nass geworden. Wahrscheinlich auch bessere Fahreigenschaften? Andererseits stelle ich mir vor, dass das Umtragen an unpaddelbaren Stellen damit wesentlich unkomfortabler wird, weil man entweder ein sehr viel schwereres Boot tragen oder Luft ablassen und umpacken muss. Man hat ja vielleicht noch Essen für 10 Tage, die ganze Ausrüstung und zwei Flaschen Whisky im Gepäck und ein steiniges, steiles oder bewaldetes Flussufer, so dass man es nicht hinter sich herziehen kann. Oder gibt es da eine Lösung, an die ich nicht gedacht habe?
                                    Hallo Bernd,

                                    ich greife mal meinem Epilog etwas vor: Ich wäre vor Ort froh über ein Internal Storage System (ISS) gewesen, da die Fahreigenschaften bedeutend besser sind, und die Sachen auch nicht nass geworden wären.
                                    Wie sich das damit bei Umtragen gestaltet, weiss ich nicht. Evtl. ist es schon etwas weniger komfortabel. Wenn Luft ablassen und umpacken in den Rucksack natürlich mehrmals vorkommen, kann das schon zeitraubend und aufwendig werden.
                                    Vielleicht schreibt earlyworm noch etwas dazu. Er benutzt, glaube ich, ein ISS und hat mit Umtragen vielleicht seine Erfahrungen gemacht?
                                    Zuletzt geändert von evernorth; 23.02.2020, 21:54. Grund: Korrektur
                                    My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style. Maya Angelou

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                                    • Freedom33333
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                                      • 09.09.2017
                                      • 604

                                      • Meine Reisen

                                      #38
                                      AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

                                      Mensch da ist doch glatt der Packrafting-Tag ganz an mir vorbeigegangen, weil hier gerade so viele Reiseberichte parallel laufen. Frechheit!

                                      Zu deiner Tour und deinen Erfahrungen kann ich nur sagen:

                                      Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll mit Fragen und Kommentaren.

                                      Also ich finde die Idee, ein kleines aufblasbares Boot dabei zu haben ja sehr reizvoll - und würde mich damit auch durchaus auf Seen rauftrauen bzw. finde generell die Idee einfach genial, an einem schönen See in der Wildnis anzukommen und dann den See zu befahren, sei es nun als Abwechsung oder um sich den Weg am Ufer entlang zu sparen.

                                      Aber ganz ehrlich: Dein Bericht bestätigt mich nur darin, dass das Befahren eines Flusses nichts für mich wäre. Das mit dem Loslassen des Bootes ist krass. Man stelle sich mal vor - und du beschreibst ja, dass es eher knapp war - du hättest das Boot nicht mehr eingeholt. Dann wären ja mal eben weit über 1000€ Ausrüstung Futsch. Das Risiko würde ich nicht eingehen wollen. Das mit der Isomatte - es entspricht auch meiner Erfahrung, dass wenn etwas schief geht, gleich mehrere Sachen auf einmal schiefgehen.

                                      Dass dein Schlafsack nass geworden ist wundert mich dagegen etwas, ich habe den - und die Daunenjacke / Klamotten (Eben das, was überlebenswichtig ist, wenn es nachts kalt wird) immer in wasserdichten Packsäcken verstaut. Oder hast du das sonst auch und dich hier einfach komplett auf den Rucksack verlassen?

                                      To be fair, als ich damals nach Bayern gezogen bin habe ich mich mit meinem 12kg Intex Challenger K1 auch mal einfach auf einen Fluss getraut (wobei ich mich damals halt gar nicht informiert habe, immerhin war ich ja auch schon auf der Elbe unterwegs) - als plötzlich Strömung dazukam und ein kaum lesbares Schild "Vorsicht Wehr, Lebensgefahr" - und ich mich gerade noch ans Ufer retten konnte. Da habe ich dann die Lektion mitgenommen, dass Wildwasser ein Hobby ist, in dem man (jahre-?)langes Training braucht und das mal typischerweise nicht alleine ausübt. Jedenfalls beim Wildwasserkajak-Kurs den ich dann gemacht habe und dort im Verein ist das absoluter Usus bei den Leuten, die nicht gerade jahrelange Erfahrung haben.

                                      Schlicht auch aus dem Grund, dass es jederzeit - auch erfahrenen Paddlern - passieren kann, dass sie sich den Kopf anschlagen (das geht beim Umkippen durchaus auch trotz Helm bei einem ungünstigen Winkel), bewusstlos werden und dann ertrinken würden. Wobei das Fahren im Wildwasserkajak wahrscheinlich nochmal etwas anders ist, du schreibst ja davon, du würdest beim Anstoßen aus dem Boot rutschen und nicht mit dem Boot umkippen. Wie das genau passiert verstehe ich auch noch nicht so richtig?! Jedenfalls wollte ich hier einfach auch nochmal meine persönliche Meinung kundtun, dass Bootfahren auf Wildwasser nochmal um einiges gefährlicher ist als Trekken gehen. Wasser ist eben komplett unberechenbar, alleine schon der Wasserstand des Flusses kann die Erfahrung auch für solche, die den Fluss schon kennen, völlig verändern.

                                      Was mich aber echt wundert - und da hoffe ich in der Tat noch auf eine Gesamtbewertung deines Packrafts - ist, dass du das Boot über längere Strecken einfach hinter dir hergezogen hast. Selbst bei meinem 12kg Boot habe ich mich das nicht getraut bei kleineren Grasflächen. Reicht da nicht schon ein etwas spitzerer Stein, um dir ein langgezogenes und nicht flickbares Loch in das Boot zu reißen? Wielange dauert es denn, das Boot zusammenzupacken und wieder neu aufzublasen?

                                      Ich finde sowieso, am Ende nach deinem Fazit zum Boot sollte Borgman noch ein Fazit zu seinem Boot (er hatte glaube ich ein anderes?) schreiben bzw. auf die Unterschiede eingehen, damit man vergleichen kann.
                                      Zuletzt geändert von Freedom33333; 26.02.2020, 22:28.

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                                      • Spartaner
                                        Alter Hase
                                        • 24.01.2011
                                        • 2539

                                        • Meine Reisen

                                        #39
                                        AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

                                        Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen
                                        Wasser ist eben komplett unberechenbar
                                        Da würde ich widersprechen

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                                        • Freedom33333
                                          Dauerbesucher
                                          • 09.09.2017
                                          • 604

                                          • Meine Reisen

                                          #40
                                          AW: [SE] Mit dem Packraft: Einmal um den Kebnekaise

                                          Zitat von Spartaner Beitrag anzeigen
                                          Da würde ich widersprechen
                                          Inhaltlich hast du aus Sicht eines erfahrenen Bootfahrers sicherlich recht.

                                          Einzig und allein hatte mein Beitrag eine völlig andere Stoßrichtung. Denn wenn ich hier Trekking-Reiseberichte lese und mir denke "Cool, das mache ich auch" ist es nicht unwahrscheinlich dass sich das andere denken in Bezug auf das Befahren eines Flusses. Er hat hier ja nicht nur die Ausrüstung wie Helm etc. dabeigehabt, sondern auch einen Kurs gemacht. Trotzdem zielt mein Beitrag eben ersichtlich darauf ab, eine Warnung für unerfahrene auszusprechen, derartiges "Einfach mal auszuprobieren". Denn für diese ist das Wasser eben doch völlig unberechenbar, zumal mit einem 20kg Rucksack auf einem Packraft. Der Unterschied zum Trekking besteht gerade darin, dass dir das Wasser sofortige Entscheidungen aufzwingt, ein Baumstamm plötzlich im Weg sein kann, s.o. in seiner Beschreibung usw. - und du nicht einfach umkehren kannst wie bei einer zu großen Steigung beim Wandern, sondern du dann umkippst, dich irgendwo verhedderst usw. Da schadet eine Warnung mehr nicht. Ich jedenfalls habe in meiner "Einfach machen" Mentalität bei Trekking-Berichten oft über die negativen Dinge hinweggelesen und dachte mir "Ach komm, das passiert mir doch nicht".

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